traube,
f. ,
älter auch m. verbreitung, form und herkunft. 11)
hoch- und niederdeutsches wort. grundform *þrûBan- (
daneben auch þrûBôn-?),
ahd. thrubo (Otfrid II 23, 13), drubo
und spät trubo,
s. Schatz
ahd. gram. § 193;
mhd. trûbe;
as. thruuo, thrufo;
mnd. druf;
nd. druf, druve;
mnl. druve, druuf;
nl. druif.
entlehnt sind schwed. druva (
mittelschwed. vindruva),
dän. drue. 22)
im ahd., altsächs. und mhd. durchweg als masculinum belegt, das auch im frühnhd. noch vorherrscht und in zusammenhängender bezeugung schriftsprachlich bis zum ende des 17.
jh. reicht; die flexion ist zunächst schwach, vgl. bei Graff 5, 251; Schatz
ahd. gr. § 373;
mhd. wb. 3, 118
b; Lexer 2, 1533
sowie den trauben
erste dt. bib. 4, 51
lit. ver.; A. v. Eyb
dt. schr. 1, 75; einen schönen, rothen trauben Spee
trutznacht. (1649) 313; ein roiter drube
voc. ex quo (15.
jh. md.)
bei Diefenbach 502
a; also wird der traube mit füszen getreten H. Fabricius
auszug bew. hist. (1599) 914;
mit flexivischem -n
im nom. sing., wohl schon im 15.
jh.: [] botrus truben, weintrauben, windruben
bei Diefenbach
gl. 79
c;
häufiger seit dem 16.
jh.: ein drauben
hoh. lied 1, 14; der trauben
uva, botrus, racemus Maaler 406
b; Sebiz
feldbau (1571) 333; bey monschein wird kein trauben zeytig W. Spangenberg
anm. weisheit lustg. (1621) 119.
im 18.
jh. wird das masc. seltener: einen trauben
M. Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1115
a; einen gantzen trauben Faszmann
d. gelehrte narr (1729) 59; von einem eintzigen trauben, der bey einer halben elle lang
der asiatische avanturier (1754) 162; von dem groszen trauben Schiller
briefe 2, 101
J.; (1780-1782) J. G. Müller
aus d. Herderschen hause 12
Bächtold; im 19.
jh. schriftsprachlich nur noch vereinzelt als masc. und wohl mundartlich begründet: eszt ihr brav trauben? ich habe, als ich krank war, einen einzigen gegessen, welcher mich sechs batzen kostete (1840) G. Keller
bei Bächtold
leben (1894) 1, 142; einen reifen trauben Ludw. Pfau
Benjamin (
Stuttgart 1876) 134. —
starke formen treten seit dem spätmhd. auf: er hiet ein weintraub in der hanndt Seifrit
Alexander 1729
Gereke; bes. frühnhd.: das kind, welches den traub führt Fischart
bibl. fig. (1576)
widm. 2
b; zuo dem bach des trubes
erste dt. bib. 4, 51; tal des traubes
ebda 4, 135;
auch des trubens
zimm. chron. 1, 428, 12
B.; umb des draubens willens
4. Mos. 13, 25; das holz des traubens Frisius 1181
b;
häufiger und länger erhalten im nom. sing.: uva win-, weintrub, -drub (
md. vocabb. d. 14.
u. 15.
jh.)
bei Diefenbach 632
a; der traub, den die landspäher ... truogen J. Öcolampadius
über M. Luthers buch bekentnusz genant (1528) 129
a; ein ohnzeitiger traub W. spangenberg
anmut. weish. lustgarten (1621) 119; (
es) wird ... sich lan finden ... mancher traub Spee
trutznachtig. (1649) 202; ein groszer traub J. v. Sandrart
iconologia deorum (1680) 152
b. 33)
neben dem mascul. ist das schwache femininum für die älteren sprachstufen dünner bezeugt, doch schon im ahd. gesichert seit dem 10.
jh.: (
gen. sing.) trubun
ahd. gl. 1, 359, 60; 2, 408, 55; trupun 2, 406, 18; wintruba 4, 168, 2; truba Notker 3, 374, 3
P. gegen drubo 2, 630, 27,
vgl. Schatz
ahd. gr. § 373;
die ältesten ahd. belege wie botrum drubun
ahd. gloss. 1, 363, 32
St.-S. sind mehrdeutig, ebenso im altniederfrk. thruuon
ahd. gloss. 1, 711, 12
trotz Gallé
altsächs. gr. § 335, 5,
s. J. Franck
altfrk. gram. 195,
und im mhd. u. frühnhd. fälle wie dû ... der reinekeit ein trûbe
lobgesang 21, 10
L. Wolff; botrus windrube, weintraube Diefenbach 79
c,
im mnd. racemus ... druf Schiller-Lübben 1, 590,
sowie vor allem die zahlreichen pluralformen, die hauptanwendung des worts, s. Lexer 2, 1533.
eindeutige belege für das femin. sing. sind im mhd. noch selten: dâ funden si eine (einen
mhd. wb. 3, 118
b) trûben
bei Diemer
dt. ged. d. 11.
u. 12.
jh. 64, 1; zuo einer trouben
var. neben zuo einem trûben
in hs. d. 13.-14.
jh., s. zeitschr. f. dt. altert. 7, 364;
auch im ältern nhd. nicht häufig; erst seit dem 17.
jh. geläufiger; Luther, W. Spangenberg,
auch noch M. Kramer
brauchen masc. und fem. nebeneinander; gelegentlich mit -en
im nom. sing.: Escol heiszt eine drauben Luther 7, 488
Bindseil (
anm. zu 4. Mos. 13, 25); ein unzeitige drauben (
n. sg.)
Hiob 15, 33; in einer drauben
Jesaia 65, 8;
4. Mos. 13, 24; die traube (
n. sg.) Martin Rinckart
bei Fischer-Tümpel 1, 455; eine traube ... neben der andern W. Spangenberg
lustgarten (1621) 121; die schönste trauben (
acc. sing.) Opitz
teutsche poem. 105
ndr.; eine schöne weintraube Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 1 (1699) 641.
in den wbb. erst seit dem 17.
jh. als femin. verzeichnet: traube,
f. Hulsius-Ravellus
teutsch-frz.-it. (1616) 326
b; eine weintraube Corvinus
fons lat. (1623) 938; traube,
f. Stör
dict. (1662) 487
a; Schottel
haubtspr. (1663) 1433; Stieler (1691) 2301;
in der starken form des singul. seit d. mitte d. 17.
jh.: einer welcken traube (
dat. sg.) S. Dach 1, 172
lit. ver.; vom ende des 18.
jh. ab gilt schriftsprachlich nur noch das femininum. 44)
in den mundarten aber hält sich das mascul. im westen und süden des sprachgebiets, bes. in weinbautreibenden gegenden, s. Fischer
schwäb. 2, 327,
vgl. auch träubel,
m.: druve,
m. Hönig
Köln. 38
b; der traube Autenrieth
pfälz. 141; '
auch nassau. meist masc.'
ebda; der trauwə Lenz
Handschuhsheim. 71; traubə, draub, traub
ən Fischer
[] schwäb. 2, 238;
im Allgäu der traub A. W. Grube
streiflichter (1876) 29; der trauppen Schmeller-Fr.
bair. 1, 672; traupe,
m. Schmeller
cimbr. 178
b;
doch fehlt auch in diesen gegenden das femin. nicht: drauwf,
fem. Christa
Trier 70
a; truw, drauf Follmann
lothr. 107
a; trubə,
f. Streiff
Glarner ma. 81; Wiget
Toggenburg 77; traupe,
f. Unger-Khull
steir. 166
b;
hier auch das fem. neben dem masc. in demselben gebiet; z. b. els. einen trauben
u. traub,
f. Martin-Lienhart 2, 737;
tirol. traupp, traupp'n,
f. u. m. Schöpf 753;
öfters dann mit bedeutungsdifferenzierungen: der trauwe '
die ganze frucht', die traub '
die einzelne beere' Reuting
Höchst. 45;
umgekehrt Meisinger
Rappenau 205; traupe,
f., '
die beeren der traube',
m., '
eine menge von kleinen dingen' Lexer
kärnt. 67;
mit anderer unterscheidung: der truhven '
der weinstock', di truhf '
die traube' Waldbrühl
rhingscher klaaf 214;
entsprechend wb. d. lux. ma. 69.
ausschlieszlich femin. ist traube
im ganzen norden des sprachgebiets, z. b.: di druv Rovenhagen
Aachen 25; druf Leithäuser
Barmer ma. 44
b; drûwe,
f. Woeste
westfäl. 60
b; Damköhler
Nordharz. 47
a; Schambach
Götting. 50
a; Teuchert
neumärk. 145; dr
ouwe Bauer-Collitz
waldeck. 23
b; druuv Mensing
schleswig-holstein. 1, 881; Mungard
Sölring 54; drüw,
f. Schmidt-Petersen
nordfries. 29
a. 55)
neben anlautendem tr-,
seit dem spätahd. die regel, findet sich dr-
auszer im nd. hauptsächlich in md. u. alem. quellen, schriftsprachlich bis ins 17.
jh.: drube (12.
jh.) Hoffmann v. Fallersleben
sumerlaten 4, 62; 2, 70; drube, windrub, -draub, druben
in md. vocabul. des 15.
jh. bei Diefenbach
gloss. 502
a; 632
a; 29
c; 79
c; 482
b; drauben Alberus
dict. (1540) F f 2
b; der draub H. Bock
kreutterbuch (1587) 375
a; 376
b; drauben Serranus
syn. libell. (
Nürnberg 1552) 53
b; B. Waldis
psalter (1553) 142
b; die drauben Eyering
prov. cop. (1601) 1, 462; drauben Hulsius (1618) 95
b; Dannhawer
cat.-milch (1642) 1, 311. Luther
hat nur drauben
Hiob 15, 33;
4. Mos. 13, 25;
Jerem. 8, 13;
Matth. 7, 16
u. ö.; bei Fischart
gelegentliches draub (
s. nachtrab v. 1888
Kurz)
neben häufigerem traub(en)
bibl. fig. (1576)
widm. 2
b;
Garg. 79
ndr.; drauben Soranus
thes. (1587) 976
a neben weintrauben
ebda 114
b. 66)
neben der altbezeugten hauptbedeutung '
weintraube' (
s. u. 1)
steht die allgemeinere '
haufen zusammensitzender früchte, blüten, pflanzen',
die, in der schriftsprache jung und zumeist deutlich übertragen, in den mundarten der nordwestlichen und südlichen randgebiete, vor allem in den ableitungen (
s.träubel 2
und traubig, -lich),
offensichtlich selbständigen charakter hat (
s. u. 2
und 3).
aus ihr kann sich die übliche bedeutung in weinbautreibenden gegenden verengt haben. ob darüber hinaus eine noch allgemeinere, ältere bedeutung '
menge, haufen, klumpen von gleichartigen einzeldingen überhaupt'
zugrunde gelegt werden darf (
vgl. träubel 5),
bleibt ungewisz: die spuren dafür sind entweder zu vereinzelt oder in ihrer selbständigkeit nicht völlig gesichert oder in ihrer zugehörigkeit zweifelhaft (
s. u. 6).
noch unsicherer ist es, ob es sich bei der bedeutung '
knopf, knauf, klotz'
u. ähnl. (
s. unter 7)
um übertragenen oder selbständigen gebrauch handelt; in einzelfällen ist auch die zugehörigkeit unwahrscheinlich, trotz Hellqvist
et. 1011
f., der schwed., norw., dän. dial. trubb '
kurze, dicke figur', '
stumpf, stummel'
heranzieht; die seit Schade
altd. wb. 1, 112
oft wiederholte zusammenstellung mit lit. trupùs '
bröckelig',
kirchenslav. trupъ
truncus, membrum, griech. τρύφος '
bruchstück'
ist wegen der bedeutungsferne abzulehnen, vgl. Persson
beitr. z. idg. wortforschg. 858; Trautmann
baltoslav. wb. 326
f. bedeutung und gebrauch. 11)
frucht des weinstocks, die weintraube; seit dem ahd. für uva, botrus, racemus, corimbus drubo, trubo, wintrubo Graff 5, 251
f.; trube Hoffmann v. Fallersleben
sumerlaten 40, 48; truben, weintraube Diefenbach 79
a; 632
a u. ö.; acinus, uva beere von trauben, weinbeere Dentzler
clavis (1716) 648
a.
allgemein, ohne besondere einzelvorstellung gebraucht, fast nur im plural: als vil all berge trauben geben Fischart
Garg. 85
ndr.; [] ... dies land mit seinen lorbeersträuchen, von korn und trauben segenschwer Geibel
w. (1883) 1, 115
Cotta; das kali ..., das sich besonders in unreifen pflanzen, z. b. trauben, so häufig findet Hegel 7, 1, 531.
so als obstart, oft in verbindung und gegensatz mit andern früchten: traub, den man nit zuo wein, sondern alleyn zuo speisz zeühet Dasypodius (1537) 442
b; im herbst ... wolte ich frische trauben und obs mir genug essen
volksbuch v. dr. Faust 86
Braune; als kirsen, pflaumen, trauben Paracelsus
opera (1616) 2, 130
Huser; wenn auszer den gewöhnlichen obstsorten auch aprikosen, pfirschen und trauben wohl gerieten Göthe II 4, 99
W.; viel trauben eszen gereütt man etlich mahl, wen man einen braffen tribsdrill bekompt Elisabeth-Charlotte
briefe 1, 297
Holland; ich langte gedankenlos nach den trauben in der krystallschale Storm
werke (1899) 1, 42.
häufig mit besonderer bedeutungsnüance: 1@aa)
meist als fruchtstand, traubengehänge, beerenbüschel gesehen: racemus, conglobacio uvarum druf
bei Schiller-Lübben 1, 590; der gantz traub oder zweig
racemus Dasypodius (1536) 439
b; Frisius 1113
b,
vgl. uva eyn wyntrub
est totus cum racemis et acinis gemma gemm. (
Straszburg 1508) e 5
b.
so in der zusammenstellung mit weinstock, rebe, stengel, laub
u. dergl.: da irfrois der win unde di truben an den stocken
Limburger chron. 85
Wyss; Seb. Franck
chron. Germ. (
nov. 1538) 284
a; drauben am weinstock
hoh. lied 7, 8;
Jerem. 8, 13; der ... von mancherley art trauben behängten weinstöcke
Faustbuch d. christl. meinend. 12
Szamatolski; der rebenstock voll trauben schwAer Spee
trutznacht. (1649) 124. — an den truben ..., da er an der reben hieng
hs. d. 14.
jh. bei Schmeller-Fr. 1, 640; der win stat also wol, das man an ainer reben het fünden 80 trüben
bei Steinhausen
privatbriefe 2, 76; reben stetz voll truben Niklas v. Wyle
transl. 234
Keller; Luther 35, 437, 15
W.; die reben nicht ein trauben gebracht haben Guarinonius
grewel 35. — wann der traub ... anfengt zeittig zu werden, schneiden sie den stengel, daran er henget, bisz auff die mitten entzwei oder ab G. Braun
beschreib. u. contrafactur 5, 11
a; ein trauben mit den trappen Dentzler
clavis (1716) 95
a. — die traube ist mit laub bedeckt Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 845; und längs dem flusz auf hohem rain im laub die traube schaukelt Fr. Rückert 3, 89. —
besonders ausgesprochen im gegensatz zu den die traube
bildenden beeren,
vgl. racemus ... eine traube von kleinen beeren, so man am stock hangen lässet Weismann
lex. bipart. (1698) 444
b;
grape der kamm, woran die weinbeeren an der traube hangen Frisch
nouv. dict. (1772) 1085; schneite die drauben auff erden, denn jre beer sind reiff
apokal. 14, 18; ach dasz ich doch nur alle tag ein beerlein hätte von einem trauben aus dem gelobten land
continuatio speculi Speideliani (
Nürnberg 1686) 307; an einer süszen traube musz wohl beer an beere sitzen Cl. Brentano 2, 147;
besonders bei artbestimmung: bumastus traube mit groszen beeren Stieler 2301; die persischen trauben mit schwarzen ... fleischigen, abstehenden beeren Krünitz 187, 126. —
in andern fällen reichlichster anwendung ergibt sich diese specialvorstellung, mehr oder weniger deutlich hervorgekehrt, aus dem zusammenhang: als angezaigt worden, man hab trauben pracht, hat sie von stund an bevolhen, man soll ir etliche bringen ... hat sie onerlesen ainen darausz genommen und darvon gessen
zimm. chron. 1, 428
Barack, vgl. auch oben asiat. avantur. 162
und G. Keller
sp. 1287;
vor allem aus der wahl des verbs, vgl. unten 1 e: wir eilten ... die weinberge hinauf, brachen unsre hüte voll schöne rothe trauben Ulr. Bräker
sämtl. schr. (1789) 1, 153; es giebt ein land, heiszt Kanaan, da tragen an einer traub zwei mann! A. v. Arnim 19, 85
Grimm; [] wie sie die köstliche traube mit heiter staunendem blicke über sich halten Hölderlin
ges. dicht. 1, 60
Litzmann. 1@bb)
in beschränkterer anwendung für die einzelbeere, mundartlich z. b. für Rappenau, Höchst, Kärnten verzeichnet, s. oben form nr. 4;
vielleicht schon ahd. acinus trubo
gloss. 4, 29, 4; 128, 37,
vgl. Diefenbach
gl. 9
c;
die bedeutungsabgrenzung ist im einzelfall nicht immer scharf: nimb dürre trauben, von kern gesäubert, stosz und machs mit essig an Wirsung
artzneybuch (1588) 83; ich sah nicht nur das niedliche gedrenge der runden aufgequollnen trauben Brockes
ird. vergn. (1721) 221; weil er (
der regen) die trauben anfüllte, die sonst nicht gröszer als Johannisbeeren bleiben Forster
sämtl. schr. 2, 446; der saft der weintraube, durch die äuszere schale von der berührung mit der luft geschützt, erleidet kaum eine bemerkbare veränderung, die traube trocknet allmählig zur rosine aus Liebig
chem. briefe (1844) 150. 1@cc)
selten für die ganze pflanze einschlieszlich des weinstocks und der reben; mundartlich am Rhein und in Luxemburg, s. oben form nr. 4;
vgl. ahd. palmites druoben Graff 5, 252;
gelegentlich zur benennung der art des weinstocks, der rebensorte: amerikanischer weinstock (
vitis labrusca) ... Orwisburger traube (
vitis dimidiata) ... milde traube (
vitis blanda) ... rebstock sehr stark ... blatt sehr grosz Metzger
pflanzenkde (1841) 965
f. ähnlich in compos. wie traubengang, -laube (
s. d.). 1@dd)
typische adjectiva geben den stand der reife und damit verbundene eigenheiten sowie die farbe an, wobei im einzelnen die vorstellungen des beerengehänges und der einzelbeere nicht immer geschieden sind. neben dem allgemeinen reif (
vgl. 1. Mos. 40, 11; Kirchhofer
slg. schweiz. sprichw. [1824] 316; Stieler; Sal. Gessner
werke [1778] 2, 35)
und unreif (Gabr. Rollenhagen
indian. reisen [1663] 145; Steinbach 2, 845)
haben sich zeitig und unzeitig seit alters gerade für die traube als üblich gehalten, wohl dialektgeographisch bedingt durch die süd- und südwestdeutschen weinbaugegenden: der traub ... wirt bald zeitig
Petrus de Cresc. v. ackerbaw (1531) 38
b; Stumpf
Schweizerchron. (1606) 128
a; zitig rot truben Tschudi
chron. Helv. 2, 133; schöne zeitige weintrauben Stranitzky
reiszbeschreib. 9
Wiener ndr.; Stieler; Kramer 2 (1702) 1115
a; nim unzeittig trauben Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 147; krankheiten ... welche durch die grosze hitze und unzeitige trauben ... entstanden waren
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 231.
im andern sinne uva praecoqua zytig trube (15.
jh.) Diefenbach 632
a,
vgl. precoque truben, die bald zyttigen (1512)
bei Diefenbach 452
c; fruodruoben
ahd. gloss. 3, 91, 11-16
St.-S.; fru thruuon
bei Gallée
vorstud. 347.
für die unreife traube gilt sauer, bitter, herb,
auch hart,
die gern in bild, vergleich und sprichwort verwandt werden (
s. u. 1 h
und i): unzeittige oder saure trauben Dasypodius (1536) 439
b; der safft von den bittern hertlingdrauben heisset omphacion H. Bock
kreutterbuch (1587) 376
b; junge trauben sind sauer Wander
sprichw. 4, 1285; unreife trauben sind herb
ebda; und wenn in herber traube Zeus den jungen wein läszt reifen Droysen
Äschylus (1841) 77.
auf die reife traube beziehen sich süsz, saftig, voll
u. ähnl., überreif, welk: süsze tr. Steinbach 2, 845; das klima mild, die trauben, auch am boden, werden zeitig und süsz
jahrb. d. Grillparzerges. 5, 127; vor dir (
Tantalus) der hoffnung gastliche schatten, saftige trauben O. Ludwig (1891) 1, 12; seht ihr nicht, auf diesen bergen reifen schon die vollen trauben! Gleim
sämtl. schr. (1771) 5, 217; die volle, reife traube vom stock Göthe I 41, 1, 353
W.; die strotzende traube Treuer
dt. Dädalus (1660) 1, 841;
vgl. die schwellende, geschwollene tr.
unter 1 e. — der knappe verschlang sogleich das schwebende wort, wie überreife trauben, welche in einen aufgesperrten mund
[] hinabfallen Freytag 17, 340; welcke trauben
uva passa Kramer 2 (1702) 1313
c.
fachsprachlich: seitdem man zur erzielung eines starken weines die traube am stock 'edelfaul' werden läszt, ... Auerbach
landh. (1869) 2, 127.
occasioneller sind in diesem bereich: mit glühenden trauben ziehe der weinstock schlankgleitende reben hinan Herder 26, 29
Suphan; vgl. 1 h; fern im süd das schöne Spanien ..., wo die heisze traube winkt Geibel (1883) 1, 22
Cotta. unter den farbbezeichnungen ist golden
allgemeineres literarisches beiwort (
vgl.traubengold),
z. t. im hinblick auf die reife: als die trauben reif waren, da sah Eva den sperling picken die goldne traube Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 269; die rebe auf zum fenster klomm mit ihren goldnen trauben Lenau
sämtl. w. 1, 4
Barthel; oder wie die goldne traube wonnegeister spürt Mörike 1, 45
Göschen; anders: an den bergen war der wein gebawen mit schönen trauben blaw und goldfarb Val. Schumann
nachtbüchlein 6
Bolte. so allgemein auch rot
gebraucht: einen schönen, rothen trauben ich mit augen hab gesehen Spee
trutznacht. (1649) 313;
vor allem in der variierung purpurn: mein mädgen im schatten der laube umhangen von purpurner traube bekränzte mit rebenlaub sich Göthe I 37, 42
W. (
Annette); wie die volle traube aus dem rebenlaube purpurfarbig stralt v. Salis
ged. (1793) 53; es steht dürr das land, wo sonst die purpurtraube ... wuchs Hölderlin 2, 266
Litzmann. in der regel aber unterscheidet rot
ebenso wie blau, weisz, schwarz, gelb,
neben dem reifezustand, traubenarten: rubilia rotdruoben, rottrauben, rote drubin
ahd. gloss. 3, 91, 43
ff. St.-S.; rubiliana ein roter drube (15.
jh.) Diefenbach 502
a;
uvae nigrae rott trauben
vocab. rei nummariae (1552) h 4
b; Chr. Weise
pol. redner (1677) 679; ein kranz blauer trauben umschattete seine glühende stirn G. Keller 2, 187; A. v. Arnim 8, 146
Grimm; maler Müller 1, 40; Krünitz 187, 128;
aminium (
d. i. Aminaeum) wizdrubo
ahd. gloss. 3, 91, 39; wyszer drube, wyt druyff Diefenbach 29
c;
uvae albae blancke tr.
voc. rer. numm. (1552) a 4
b; die blanken trauben in Franken und Sachsen Krünitz 187, 127; gelbe tr.
ebda 126; Chph. v. Schmid
ges. schr. 9, 101;
auf die reife zielt bunt: traube, die bald reif ist
sive bunte traube
uva varia Stieler 2301,
vgl. dazu: der nahe weinstock beut die braunen trauben dar, mit weiszen untersteckt P. Fleming
geistl. u. weltliche poemata (1651) 91.
in frühen glossaren erscheint für dactyli botri
die glossierung lange druben, langtrauben
ahd. gloss. 3, 91, 17
ff. St.-S. (
summ. Heinric.); Diefenbach
nov. gloss. 125
a;
s. auch gloss. 165
a (15.
jh.),
wohl eine vergleichende verlegenheitsbezeichnung der später dattel
genannten frucht; vgl. träubel 2.
herkunftsbezeichnungen setzen traube
meist in association zu dem aus ihnen gekelterten wein, vgl. auch 1 f;
die älteste fügung dieser art heunische traube
bezeichnet, freilich, soweit die belege sprechen, nur eine geringwertige, hartschalige traubenart mit groszen beeren, vgl. heunisch =
riesig, teil 4, 2, 1291; Lexer
mhd. hwb. 1, 1309;
vom ahd. bis ins 18.
jh. in gebrauch: balatinae hunisc drubo, hunisdruben, hunesche drubin
ahd. gloss. 3, 91, 47
ff.; 194, 51; trubel mit grossen kornern, hüneschtrube Niger Abbas 26; eyn hunthser drube (15.
jh. md.) Diefenbach 29
c;
nov. gloss. 20
b;
an ab heun
uvae spioniae seu duracinae heunische weintrauben
dictae sint, quia maiores aliis, in medio relinquo Stieler 832; heunisch tr.
spionia, bumamma, hartheunisch
duracina alias bleibig
ebda 2301,
vgl. auch teil 4, 2, 513;
so noch bei Frisch (1741)
[] 1, 449
a und als heunschen
bauerweinbeere bei Nemnich 247.
ihr gegenteil in der qualitätswertung war die fränkische traube,
noch bei Stieler 2301,
vgl. Lexer, Diefenbach-Wülcker 662, träubel 1 c
u. träublein 1.
eigentlich: der saft der rheinschen traube J.
M. Miller
ged. (1783) 93; die burgundische traube J. J. Chr. Bode
Yoricks empfind. reise (1768) 1, 26; most der Deidesheimer traube Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 49; Muscateller tr. B. Faber (1587) 1391; Traminer tr. Stieler 2301;
s. teil 11, 1, 1, 1177
u. ähnl. 1@ee)
von den festeren verbalen verbindungen beziehen sich einige auf wachstum und reife; neben dem auch sonst üblichen tragen (
vgl. teil 11, 1, 1, 1082; Castelli
it.-teutsch [1709] 1, 966
a; Göthe IV 45, 3
W.; Lipperheide
spruchwb. 871)
ist vor allem hängen, durch die form des fruchtstandes bedingt, häufig: zuo einem trûben er (
der fuchs) sich stal, den sach er über den wec hangen
zs. f. dt. altert. 7, 364; sahe er einen grossen und wolzeitigen trauben in der höhe hangen L. Rabus
histor. d. martyrer (1571) 2, 285
a; ein schöne weintrauben daran (
an der rebe) hange Abr. a
s. Clara
etwas für alle 1 (1699) 641; blaue reifende trauben hingen überall in dem laube G. Keller 4, 146. —
schwellen: doch als im herbst am fels die traube schwoll Geibel (1883) 1, 179
Cotta; wo auf und auf die goldne traube hängt und schwellend reift in gottes sonnenglanze Grillparzer I 3, 104
Sauer-Backmann; wo die schwellende traube mutwillig über den zaun wächst Hölderlin 2, 140
Litzm.; und edle reben, die tragen wein in geschwollenen trauben Voss
Odüssee 154
Bernays. —
kochen: (
im süden, wo) die freudegebende traube kocht Schiller 3, 576
Göd.; schwere trauben kochten ... in der herbstsonne Timm Kröger
eine stille welt (1891) 187; purpurne Veltliner traube kochend in der sonne schein C.
F. Meyer
ged. (1912) 72; die ... reben tragen reichlich geschwollene trauben, die aber nicht durchgekocht, nicht reif werden Göthe IV 45, 3
W.; II 3, 42; sechzehnmal bläht sich die goldne traube von der gluth der sonne ausgekocht Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 190. —
färben: gefärbte trauben
uvae coloratae, die schon habend angefangen färben Maaler 406
b; schon färbten sich die trauben und nahte der herbst Hegner
ges. schr. 2, 293. —
weichen: die trauben beginnen zu weichen
uvae a sole mitescunt Stieler 2301.
die meisten verbalen verbindungen gehen auf die traubenernte, die lese; am frühesten bezeugt und bis heute am gebräuchlichsten ist lesen, das hier in seiner ältern bedeutung '
sammeln'
steht, vgl. schon got. ibai lisanda af þaurnum weinabasja
Matth. 7, 16; ni duit man untar mannonthaz thrubon lese ir thornon Otfrid II 23, 13;
racemari druben lesen (15.
jh.) Diefenbach 482
b; was aber von jm selber nach deiner erndten wechst, soltu nicht erndten, und die drauben, so on deine erbeit wachsen, soltu nicht lesen
2. Mos. 25, 5;
Luc. 6, 44;
Matth. 7, 16; des herbstes werke sind obss brechen, trauben lesen
theatr. diabol. (1569) 230
b; trauben lesen
vendemmiare Kramer 2 (1702) 1115
a; so oft man viele trauben liest, geräth die lese gut v. Erlach
d. volksld. d. Deutschen 3, 88.
in älterer zeit auch ablesen:
racematio die nachsuchung, so man die trauben abgeläsen hat Dasypodius (1537) 203
b;
Jerem. 8, 13; und sintemal die reiffe trauben an manchem ende nicht abgelesen ... Kirchhof
wendunmuth 2, 209
lit. ver.; schweiz. schausp. d. 16.
jh. 3, 198
Bächthold; Fischart
praktik 5
ndr.; [] und fangen (
die winzer) alszbald an mit angenehmer müh fein ordenlich zugleich die trauben abzulesen Weckherlin 2, 382
F.; vgl.traubenabläser
legulus Dasypodius
dict. (1536) 440. —
brechen: wie er ein reben vor im sehe und er den truben brAeche Konrad v. Helmsdorf
spiegel 416
L.; brich den trauben und lasz die dörner stehen (1581)
bei Schmeller-Fr. 1, 640; hügel, wo man trauben bricht Schenkendorf
ged. (1815) 88; bricht reiffe trauben ab, die purpur ähnlich sein Opitz
poemata 28
ndr. —
schneiden: (
ich möchte) von ferne sehn, wie herden weiden ... wie winzerinnen trauben schneiden Platen 1, 53
Redlich; im herbst man trauben schneiden thut v. Erlach
d. volkslied. d. Deutschen 1, 112;
ebenso abschneiden
4. Mos. 13, 25; dann lieset er (
der winzer) den wein, die rappen, trappen oder trauben abschneidend Comenius
jan. aur. iv
ling. (1644) 129
b; in der weinlese ... schneiden (
sie) die trauben ab und sammeln sie in körbe J. G. Forster
sämtl. schr. 1, 44. —
bes. specifisch sind herbsten, s. teil 4, 2, 1069: erndet die früchten ... bricht die bonen ab, nimpt die ruben ausz, herbstet die trauben ab Messerschmidt
v. d. esels adel (1617) 143; bald geh ich in die reben und herbste trauben ein Göthe I 4, 360
W. und, dialektgeographisch beschränkt, wimmen, wimmeln:
racematio nachwimmen
vel nachlesen der trauben Frisius (1590)
bei Diefenbach 482
b; du traube von Trimmis, dich wimmeln wir heut C.
F. Meyer
ged. (1912) 118. —
am wenigsten eigentümlich pflücken, bezeichnenderweise fast nur bei nd. autoren: druuen plucken
gemma gemm. (
Köln 1507)
bei Diefenbach 213
b; nun pflückte sie die schwerste der trauben Hebbel
werke 6, 222
Werner; im mond, wo man die reife traube pflückt Raupach
dram. werke ernster gatt. 11, 93.
von der saftgewinnung werden gebraucht pressen (
vgl. teil 7, 2105
nr. 1 a),
drücken u. ähnl.: kipressit werdent wîntrûbôn Graff 3, 368; als nun dieser wein zeitig was und er die trauben schneiden was und auszbresst, da ward uber masz darausz ein roter most darnach Hans Sachs 16, 290
lit. ver.; Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 1, 9
Gerstenberg; Noah (
hat) ... aus den zeitigen trauben den most oder safft getrucket Wickram 3, 185
Bolte; S. Münster
cosmogr. (1550) 8; J. G. Jacobi 1, 20. —