zerbrechen,
verb. ,
wie das simplex brechen (
th. 2, 342)
bis ins frühnhd. häufig, danach durch andere zss. von brechen
und dieses selbst sowie andere verben zurückgedrängt. II.
transitiv I@11)
gegenstände in stücke brechen a)
leicht zerbrechliche wie α)
glas, töpfe, eier: zu vil sorg zerbricht das glasz
sprw. klugred. 136
b; man findet allenthalben zerbrochene töpfe (
sprw.: niemand ist ohne fehler) Spanutius 532; warff die taflen ausz seiner hand und zerbrach sy unden am berg
2. Mos. 32, 19
Zürch. bib. (1531); brieve und ingesigele ... z.
Schwabensp. landr. 323
L.; nüsse: A. Stifter
s. w. 5, 1, 274;
nadeln beim nähen: Göthe 21, 32
W.; wie sie speculiert, was sie mit dem gelt thuon wOelle, felt sie uber ein stein und zerbrach die eier all S. Franck
sprw. (1541) 1, 148
a;
β)
in symbolischer bedeutung den stab über einem verurtheilten: darauf zerbricht der schultheisz seinen stab Reuter v. Speier
kriegsord. 47;
schild und wappen eines edelmanns, den degen eines offiziers: ich ... machte, dasz ihm der degen, welcher solte zerbrochen werden, wieder geschencket wurde Schupp
freund in d. not 16
ndr.; laszt unsre schild und wappen uns zerbrechen! Raupach
dram. w. ernst. gattg 8, 156;
vgl. H. Sachs 18, 33
G.; Themis zerbricht ihre wage K. Fr. Cramer
Neseggab 1, 170; b)
auch stoffe, die weniger spröde sind, α)
aber in ihren falten einen bruch oder risz erleiden können; uns liegt jetzt zerreiszen
näher: welcher bleibt daheim im hausz, der zerbricht keine schuh Dentzler 1, 382
a; zebrâchen mîna wât Notker
bei Graff 3, 267; zerbrochen linwat (
st. Gallen) Lexer 3, 1063; dasz jederman die zerhauenen (
geschlitzten) hosen bis nächstkünftige ostern zerbreche (
austrage; 1530)
[] schweiz. id. 5, 337;
urkunde: H. Fischer 6, 1127;
gern von stricken, fesseln, ketten, auch fäden gesagt: zibrach thie ketinun (hatte ... abgerissen Luther
Mark. 5, 4)
Tatian 53, 4; mîniu bant zebrâche du (hast ... zurissen Luther)
ps. 115, 17 Notker 2, 492
P.; Schiller 3, 468
G.; die fesseln ... z. K. Fr. Cramer
Neseggab 2, 74;
faden: U. Bräker
s. schr. 1, 177;
β)
metallene gegenstände: es soll auch ... niemand kain ... müntz z., ringern, saygern oder schmölern (1535) H. Fischer 6, 1127;
Sachsensp. 2, 26, 6;
den ring zum abschied: Günther
ged. 130
Litzm.; ein messer
od. ä. z.;
γ)
eigenartig: sollen diese grauen haare noch von dem kummer zerbrochen werden? Klinger
w. 1, 435;
δ)
durch druck von innen zersprengen: di vas werdent zeprochen (
vom neuen wein)
Matth. 9, 17
cod. tepl. 1, 11; meinen busen wills zerbrechen Grillparzer
s. w. 4, 31
S.; ε)
speisen wie brote, früher auch fische und geflügel: er nam die ... brot und ... zerbrachs (
ältere lesart brachs; Luther brach)
Mark. 8, 6
erste bib. 1, 149; S. v. Laroche
frl. v. Sternh. 1, 262; zerschneid das fleisch, zerbrich (
var. und brich,
s. th. 2, 348) die visch
zuchtbüchlein 21;
Rother 4914
R.; Hartm. v. Aue
Erec 5482; c)
feste dinge mit anstrengung zerstören, zerkleinern, in stücke brechen, α)
gebäude u. ä., auch ganze städte ab-, niederbrechen, -reiszen; mhd. belege s. Lexer 3, 1063;
ferner H. Fischer 6, 1127;
schweiz. id. 5, 337; Schiller-L. 4, 555
a; H. Sachs 21, 159
G.; Luther 15, 219
W.; Fischart
Eulensp. 202
H.; es soll keiner keine mühle, backoffen, oder wasz zu gemeiner notturft dienstlich, beschedigen, zurbrechen
acta publ. 1, 125
P.; liesz die statt uff den grund schleitzen und z. Tschudi
chron. helv. 1, 83; Schiller 14, 301
G.; auch: als hette er die helle zubrochen Luther 26, 347
W.; β)
geräthschaften, waffen u. a.: und waz er starker sper zebrach
Parz. 380, 10; welcher die handbogen zerbricht (
ps. 46, 10) H. Sachs 18, 194
G.; er (
der thauwind) fegte die felder, zerbrach den forst Bürger 36
a Bohtz; er hat den wagen zerbrochen Kotzebue
dram. w. 15, 18 (
syntaktisch wie er hat den arm zerbrochen,
s. I 2
a);
γ)
steine, erze, vgl. steinbruch
und steine brechen;
belege: ps. 77, 15 Notker 2, 314
P.; es wird hie nicht ein stein auf dem andern bleiben, der nicht zubrochen werde
Matth. 24, 2; die scholln (
erdschollen) zurbrechen oder zurschlagen Alberus 42
a; ein stercker sturm, der das eisz zubrach
M. C. Schütz
hist. rer. pruss. 1, 48
a;
in älterer sprache auch vom gallenstein: K. v. Megenberg
b. d. nat. 445;
schweiz. id. 5, 337; es (
ein balsamwasser) zerbricht die steine in den nieren v. Hohberg
georg. cur. 3, 179
a; I@22)
glieder des menschlichen oder thierkörpers oder diesen selbst brechen, zerbrechen, a)
in eig. bedeutung im kampf dem feinde, dem verurtheilten capitalverbrecher die glieder mit dem rade: livländ. reimchron. 8242
M.; ein weyp die warf ein stuck eines steins, die verwundet das haubt Abimelechs und zerbrach sein hirn (zubrach im den schedel Luther)
richt. 9, 53
erste bib. 4, 380;
Joh. 19, 31
ebda 1, 415; ward ... verurteilet, dasz man im sOelt ... sine glider z. Tschudi
chron. helv. 1, 251;
hierbei spricht auch ein zerreiszen mit: ziprochaner
distractus, -en
discerptum Graff 3, 267; si woltenz (
das kind) hân zerbrochen,mit klâwen gar zertragen
Gudrun 70, 1; got zebrichet dero bein (
dissipat: zurstreuet Luther)
ps. 52, 6 Notker 2, 203
P.; (
der) geist ... zibrichit inan (
dissipat: reiszet in Luther)
Luk. 9, 39
Tatian 92, 2;
mit syntaktischer verschiebung bei unfällen (er hat den arm zerbrochen
statt ihm ist der arm zerbrochen): Grimmelshausen 3, 423
K.; dasz Sophie ... niederstrzte und den arm zerbrach Kretschmann
s. w. 5, 335;
auch innere [] theile: ain pflaster ..., daz zeprech die geswer in dem leib K. v. Megenberg
b. d. nat. 349; heilen, was inwendig im leibe zerrissen, zerbrochen und zerstoszen ist
Noel Chomel 4, 716;
von gichtischer entstellung und lähmung: daz mich daz giht zebrochen hât
kaiserchronik 2755
Sch.; abgeschwächt: zinckenblasen den kopf zerbricht (
schädigt) Wickram 6, 115
B.; die haut zerkratzen, wundreiten, durch runzeln entstellen: Hartmann v. Aue
Iwein 1477; ains zerprochen (
wund gerittenen) pfärdes geswer K. v. Megenberg
b. d. nat. 66; o we, wie ist din houpt mit dorn zerbrochen
schausp. d. ma. s 2, 137
Mone; dies zerbrochene gesicht H. Laube
ges. schr. 8, 179; b)
mit persönl. object töten (
übertragen aus der sphäre der strafjustiz): das mord musz werden hart gerochen, des wurdent darnach vil burger zerbrochen Tschudi
chron. helv. 2, 29; allero giuuelîh thie thar fellit ubar then stein, uuirdit zibrohhan (
confringetur: wird zurschellen Luther), ubar then her fellit, zibrihhit inan (
conteret eum: den wird er zumalmen Luther)
Matth. 21, 44
Tatian 124, 5;
dann unter ergänzung eines begriffes wie widerstand, kraft, macht (
s. 3
c),
also soviel wie bändigen, niederwerfen: Otfrid I 5, 58; dann wird er (
gott) ihn (
Napoleon) z. (
bildlich: wie ein rohr brechen) E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutsch. 1, 237;
auch sinnlich '
verderben': daz flaisch ist krank, waich und zart und wirt leicht zerbrochen (
verdirbt leicht) K. v. Megenberg
b. d. nat. 23; 243; 342; c)
abgeschwächt den kopf z.
das denkvermögen anspannen, angestrengt nachdenken: warumb sollt eyn furst studirn, das den kopff zurbricht? Luther 10, 2, 112
W.; Fischart
nachtrab 79
K.; Bettine
Günd. 1, 220;
ferner: obtundere aliquem einem mit geschwätz den kopf z. Frisius im
schweiz. id. 5, 337;
auch: einem mit vil schwetzen die oren z., einen fast mit worten tOeuben Frisius 13
a; 130
b;
häufig (sich) den kopf z.,
s. III; I@33)
unkörperliches oder abstractes, a)
die stimme und worte unterbrechen, stückweise vorbringen, die sprache verstümmeln: die stymm zerbrechen nach der kürtz, wie der esel bricht die fürtz Murner
narrenbeschw. 80
ndr.; s. II 3
a; sagte ... mit schwacher stimme und zerbrochenen worten A. U. v. Braunschweig
Oct. 2, 166; dasz darausz nit einerley rOemischer spraach ..., sonder allerley zerbrochner spraachen entstanden, die nit mehr rOemisch noch lateinisch, sonder ... weltsch genent worden sind Stumpf
Schweizerchron. 245
a;
ähnlich etwas zeitlich dauerndes unterbrechen, abbrechen: du dein schweygen czerbrochen (
gebrochen) hast
d. heil. leb. summerteil 121
ab; bey zerbrochenen wochen (
d. h. in denen nicht alle tage gesotten wird, vgl. Frisch 1, 131
c) ..., in einer vollen woche aber Hondorf
salzwerk 9; 19;
von den lichtstrahlen: Novalis
schr. 2, 34
M.; zerbrochen deck
s. IV 1
a; b)
eine satzung, ein gebot übertreten, verletzen, einen bann, sein wort, die treue brechen u. ä.; in dieser anwendung seit ahd. zeit sehr beliebt, vgl.: die ê z.
Milst. gen. 110, 2
Diemer; dâ zebrâchen si daz gebot
die hochzeit 973
Waag; si sprach: du hâst zebrochenan mir die triuwe dîn
Wolfdietrich A 14, 3
Sch.; schweiz. id. 5, 338; H. Fischer 6, 1127; dorumb z. (
ältere lesart: verwúst;
vulg.: destruimus) wir die ee durch den glauben?
Röm. 3, 31
erste bib. 2, 21 (heben wir denn das gesetz auff? Luther); die klostergelubd z. Eberlin v. Günzburg 3, 32
ndr.; sie (
die schächer) zubrechen den gemeinen landfrieden Luther 28, 389
W.; die ehe: Murner
narrenb. 286
ndr.; die freundschaft: Lohenstein
Arm. 1, 412
a; deinen eid zerbrach der allgewaltige tod Schiller 2, 72
G.; die magische formel ..., welche den bann ... zerbrach W. Raabe
hungerpastor 3, 79;
auch etwas z. '
verbrechen':
[] die phariseyer giengen ... daher in einem frommen leben, thetten nichts, zerbrachen nichts Luther 10, 3, 242
W.; anschaulich: eine ordnung (
d. i. schlachtordnung, aciem) z.,
z. b. Ayrer
dram. 3, 1664
K.; stil: (eine) höckrige und zerbrochene schreibart Fr. Schlegel
s. w. 3, 180; c)
die macht, das joch eines fremden herschers brechen (
vgl. ob. 1
b α fesseln z.): herr Christ, zerbrich des teuffels macht
N. Hermann
sonntagsevang. 61 (
bibl. d. schr. a. Böhm. 2); dieses joch zu z. Schiller 8, 3
G.; fähigkeiten vernichten: mein poetisches talent schien mir auf immer zerbrochen Solger
nachgel. schr. 1, 540;
γ)
gemütsbewegungen und deren folgen oder pläne, anschläge u. a. aufheben, zunicht machen: so wurde ... zerbrochen der muotwillen und die frechhait Schaidenreiszer
Od. 49
a; dasz din hoffnung ... von keinerley anfechtung zerspalten oder zerbrochen mag werden Keisersberg
bilgersch. 27
d;
beilegen, beendigen, vereiteln: pass. 74, 23
K.; de yre perlament zobrachen (
beendigten)
pilgerf. d. träum. mönchs 895
M.; Reinke vos 2232; wrede worde maken kyf, gude tobreken en Tunnicius
sprw. nr. 647
H.; einen rechtshandel z. Frisius 422
a;
auch mit persönl. object: mit disen wortten zerbrach David sein mann (
confregit viros suos sermonibus, wo der begriff zorn zu ergänzen ist, daher Luther
übersetzt: weiset seine menner von sich mit worten,
nachdem er 1523
wie die Zürch. bib. von 1531
noch zurtrennet seyne menner mit worten
bib. 1, 80
W. zugelassen hatte 1. Sam. 24, 8)
erste bib. 5, 105;
hierher stellt sich die redensart eine sache übers knie z. (
worin das simplex brechen
gewöhnlicher begegnet): dasz der kAeyser nichts wichtiges bers knie zerbrochen habe Lohenstein
Arm. 2, 966
a. IIII.
die intransitive construction hat im allgemeinen denselben umfang wie die transitive, doch fehlen beispiele mit betonter activer thätigkeit, wie die stadt zerbricht
im sinne von '
wird zerstört, geschleift'
; im ahd. und mhd. noch verhältnismäszig wenig im gebrauch. die anordnung schlieszt sich der unter I
gewählten an. 1 a) ziprihhit
discrepavit, comminuit Graff 3, 266; die gleser zerbrachen Frey
gartenges. 144
B.; der kruog geht so lange zuo wasser, bisz er zerbricht S. Franck
sprw. (1541) 2, 14
b; b) er ... wantelt das kleyd nit, bis es zerbrach
d. heil. leb. summerteil 7
bb; warend im leider die schuoch zerbrochen Frey
gartenges. 126
B.; alsbald in der henker hinabliesz an dem strik, do zerbrach der strik
bibl. ält. schrw. d. Schweiz I 1, 120; Schiller 5, 10
G.; (
der) nichtige thon dieser zerbrochenen glokke S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäf. vorr. 4
a; c) daz ez (
der speer) zebrach wol ze hundert stücken Hartmann v. Aue
Iwein 1016; zerbrach den fuhrleuten ein rad oder eine achse am wagen Musäus
volksmärch. 1, 33
Hempel; die jungen beumlin kan man besser biegen und ziehen, obgleich auch ettliche druber zubrechen Luther 30, 2, 580
W.; lasz dieses eis zerbrechen vor deinem sonnenschein Cl. Brentano
ges. schr. 1, 86; der stain zerpricht nicht von feur K. v. Megenberg
buch d. nat. 442; 479; — wenn man eine citronenschale ber den schaum (
einer kochenden tunke od. ä.) drcket ..., so fällt er augenblicklich ein ..., weil die säure des safts die fettigkeit ... verzehret, davon die blAeslein z.
Noel Chomel 8 748;
s. IV 1
a; 2) a) mîn bein ist mir zebrochen und der arm ouch enzwei
Wiener meerfahrt 448; spaltete des truchsessen schädel, dasz er wie ein ei zerbrach br. Grimm
sag. 2, 90;
s. IV 1
b; in derselben stund zerbrach das geswer Seuse 69
B.; erzürnt seyn, dasz eim die dAerm im leyb oder die lyst mOechtind zerbrAechen, wenn einer von zorn schaumpt wie ein Aeber Frisius 1390
b;
im scherz von weibspersonen ins wochenbett kommen Schmeller-Fr. 1, 339;
von kühen durch zu vieles klee- und grasfressen voll werden und bis zum bersten anschwellen ebda; bes. geläufig vom herzen: [] daz in ir herze niht zerbrach Hartmann v. Aue
arm. Heinrich 1045; Hätzlerin 20
a H.; Luther 33, 237
W.; u. a.; ich wein, ich wein, ich weine, das herz zerbricht in mir Göthe (
Faust 3607) 14, 183
W.; zerbrochen herz
s. IV 1
b; deine krAefften gantz abnehmen wrden ..., die augen z. (
brechen), das gehOer vergehen ... wrde Spee
tugendb. 138; b)
bersten: villeicht zerbrichstu vor zorn Luther 11, 298
W.; mundartlich und in der umgangssprache stellenweise vor lachen z.
anstatt des älteren zerbersten,
z. b. in Nürnberg Frommann
d. mdaa. 6, 267; — das leben war mir zerbrochen, wie einem der rechte arm zerbricht W. Raabe
Abu Telfan 1, 86;
s. IV 1
b; c) was sagt sie uns für unsinn vor? es wird mir gleich der kopf zerbrechen Göthe (
Faust 2574) 14, 125
W.; 3 a) das gespräch zerbrach oder zerbröckelte sich Göthe 28, 284
W.; plötzlich fallen die mägde um, wie todt, das letzte wort zerbricht in ihrem mund Hebbel 4, 58
W.; wenn die nacht am lichte und das licht an der nacht in höhere schatten und farben zerbricht Novalis
schr. 4, 66
M.; b) meyne tauffe zubricht myr nicht, sie bleybet stets Luther 34, 1, 96
W.; ehe: Storm
w. 1, 163;
zeugnis: D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, 374;
vertrauen: Tieck
schr. 19, 504; wie groszer herren gunst so plötzlich bald zerbricht Rachel
sat. ged. 68
ndr. IIIIII.
reflexiv: so ein wein abfellt, sich verkehrt oder sich zerbrochen und den geschmack verloren hat Tabernämontanus
kräuterb. (1588) 407; er wuszte, dasz er sich selbst in seinen lebenstiefen damit zerbrach C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 232;
sich anstrengen: nu haben sich viel leut uber diesem spruch zubrochen Luther 32, 388
W.; sehr beliebt ist sich den kopf über (mit) etwas z.,
für die ältere fassung ohne sich (
ob. I 2
c): Ringwaldt
laut. warh. 217; glaubst du, dasz Chloris sich umb euch den kopf zubricht? A. Gryphius
lustsp. 247
P.; über: Chr. Wolff
vern. ged. v. gott 353; mit: Göthe 25, 101
W. IVIV.
das adjectivisch gebrauchte particip präteriti zerbrochen
steht 1)
in eig. bedeutung a)
von gegenständen: z. (
unterbrochen) deck ..., dessen planken in der mitte ganz unterbrochen sind, wie auf den gröszeren kriegsschiffen Bobrik
seewb. 747
b;
auch gebrochen deck;
in der heraldik heiszt ein sparren z.
oder gebrochen,
wenn seine beiden schrägbalken oben einander nicht berühren: v. Querfurth
wb. d. herald. terminol. 177;
zerrissen: saxa aspera rauch und zerbrochne felsen, schrofAechtig Frisius 125
b;
geronnen: ein dicke, z-e milch Paracelsus
op. (1616) 2, 689
H.; s. II 1
c ende; hierher wol auch: von den miszempfengnissen der zerstOerten, z-en, uberflssigen oder mangelhaftigen samen beyder manns und weibs Ruoff
hebammenb. 103;
sprw.: in ein z. lauten singen (
d. h. vergebene arbeit thun)
sprw. klugred. 143
b; er fert leicht daher wie ein z. schiff (
vor jähzorn) 26
a;
im bergbau: der schacht und stollen wird feige oder er ruhet auf z-en beinen (
wenn die auszimmerung faul wird) A. v. Schönberg
berginform. (1693) 2, 28; Chr. Herttwig
bergb. (1734) 332
b; b)
am menschen leibesschaden bezeichnend: ein yetlicher, an dem ein fAel ist ..., der z. (
verkrüppelte) fsz oder hend hat (der an einem fus oder hand gebrechlich ist Luther)
3. Mos. 21, 19
Zürch. bib.; spasticus dem ein glid im leib z. ist Alberus 1, 40
a; ist der harn rot und dick ..., so ist die lung alle z.
schweiz. id. 5, 337;
Gothaer arzneib. 173
N.; von brüchen: ob er hat ... z. nieren (
herniosus)
3. Mos. 21, 20
erste bib. 3, 433; wenn die kinder bey den gemAechten z. seindt Ruoff
hebammenb. 232;
danach in der rda.: ich weisz, wo er z. ist
novi infirmitatem suam Frisch 1, 131
c; hoho, ist der herr da z.? (
steckt sein irrthum in diesem puncte?) Grimmelshausen
[] 3, 389
K.; '
zerschlagen', '
erschöpft': wie z. und geschlagen kommen sie (
die frauen) davon (
vom kindbett) Chr. Braun
de officio mariti (1568) 42
b; Göthe 45, 124; 22, 128
W.; müde und z. Hans Grimm
volk ohne raum 2, 597; (meine) elenden, z-en nerven Zimmermann
eins. 2, 232; '
zerknirscht', '
demütig': ein zubrochen geyst das sind die opffer fur gott (
später: die opffer, die gott gefallen, sind ein geengsteter geist). eyn zubrochen und zurschlagen (
später: geengstetes und zuschlagen) hertz das wirstu, gott, nicht verachten
ps. 51, 19 Luther 10, 2, 414
W.; Jac. Böhme
schr. 3, 55; 2)
als übersetzung des lat. corruptus '
verderbt', '
verdorben': cleine hilfet daz uzere cleit, swa man zurbrochen herze treit, die nach untugenden luogen
väterbuch 6002; al din tat ist zubrochen (
werthlos), swie gute werk so du begast, ob du ware minne nicht enhast Heinr. v. Hesler
apokal. 3947
H.; nam. in der älteren bibelsprache und in theol. schriften: wann die erde was z. vor got (
corrupta: verderbet Luther 1.
Mos. 6, 11)
erste bib. 3, 61; legend hin ... den alten menschen, der da z. ist nach den begirden der irrung Zwingli
d. schr. 1, 60; 1, 264;
schweiz. id. 5, 338;
auch anstatt z-lich (
s. d.): wiszt, das ir seyt erlost ... nit mit z. dingen, mit gold und mit silber (...
corruptibilibus ...: nicht mit vergenglichem silber oder gold Luther)
1. Petri 1, 18
erste bib. 2, 427;
Röm. 1, 23
ebda 2, 13. —
lexikalisch reich bezeugt: Diefenbach
gl. 24
a; 50
c; 58
c; 129
a; 132
a; Frisius 301
b,
öft.; solvere auflOesen, z. Hulsius (1618) 2, 379
a; z., zerreiszen, bAersten 359
b; Frisch 1, 131
c; Adelung
2 4, 1686; Campe 5, 841
a;
in den mdaa.: lux. wb. 501
b; Hönig 207
a; Müller-Fr. 2, 699
b; Woeste 269
b; Bauer-C. 103
b; Dähnert 487
b; Schmeller-Fr. 1, 339;
andere zss.: ab-, an-, auf-, aus-, durch-, ein-, ent-, er-, ge-, um-, unter-, verbrechen. —