zerspalten,
verb.,
ahd. zispaltan,
mhd. zerspalten;
wie das simplex spalten (
th. 10, 1, 1852)
ein reduplicierendes verbum, dessen prät. spielt
in entlegenen landschaften bis ins 17.
jahrh. fortbesteht (zerspielt Tschudi
chron. helv. 1, 242)
und dessen partic. perf. nach schwanken (zerspaltet Hulsius-Rav. [1618] 2, 370
b;
M. Styfel
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 77; Herder 31, 403
S.; Novalis 4, 8
M.; Göthe IV 27, 170
W.)
die starke form bewahrt; mhd. zerspelten
s.zerspellen; 1)
trans. gewaltsam der länge nach trennen, spalten: Frisius 424
b; 415
b; 724
a; Frisch 2, 289
b; a)
gegenstände, z. b. einen baumstamm oder sonst holz: das holtz z. Pauli
schimpf 26
Ö.; wie der keil den stamm zerspaltet Müllner
dram. w. 1, 7;
früchte: der granatapfel wirdt zuspalten Paracelsus
op. (1616) 2, 608
H; waffen: dô man zerspielt vil manic sper Konrad v. Würzburg
troj. krieg 12240;
schild und helm: hist. volksl. 3, 350
Liliencr.; schiff: Teuerd. 152;
naturdinge: dú not wart doch als groz, daz si die herten steine zerspielt Seuse
d. schr. 271
B.; Göthe 3, 358
W.; ein starcker windt die lufft zerspielt C. Scheit
fröl. heimf. D 2
b;
den lichtstrahl: Th. v. Schubert
verm. schr. 4, 168;
haar: zerspielt sie ir har, zerkratzt ... ir angesicht S. Münster
cosm. 950;
wort: das man in keinem wort, das zwo oder mehr syllaben vermag, pausz halte und das wort zerspalte Puschmann
meisterges. 25
ndr.; frei: das werk in bücher, capitel, paragraphen zu z. Göthe IV 38, 133
W.; b)
den menschlichen körper, nam. das haupt im gefecht: dem zurspielt er die schalen, daz daz hirn dar uz floz Herbort v. Fritzlar 7632; 13 198; den kopf z. H. Sachs 17, 25
G.; Schiller 14, 276
G.; den richter sah ich, der das schwerdt erhebt, vor Salomon das kindlein zu zerspalten Cl. Brentano
ges. schr. 1, 10;
bildlich in anlehnung an biblische ausdrucksweise (
s.zerbrechen IV 1
b, zerknirschen 2) das herz z.: ir sont iuwer herze z. und zerklieben
altd. pred. 2, 74
Griesh.; b. d. liebe 392
a;
Shakespeare 3, 277; Schiller 2, 23
G.; c)
abstractes: das din hoffnung ... von keinerley anfechtung z. ... mag werden Keisersberg
bilg. 27
d; den pundt hand si z. Tschudi
chron. helv. 2, 463; B. Waldis
Es. 1, 97
K.; doch dieser schwelle zauber zu zerspalten, bedarf ich eines rattenzahns Göthe (
Faust 1512) 14, 74
W.; den ... begriff in seine mannigfaltigen eintheilungen z. Solger
vorles. üb. ästh. 224; (
eine) tonreihe in ... kleine abschnitte z. Fr. Th. Vischer
ästh. 3, 4, 905; 2)
reflexiv, a)
gegenstände: die nodt war doch so grosz, das sich die herten stein zerspielten
d. ew. wiszh. betb. (1518) 43
b (
s. 1
a);
ebenso H. Sachs 1, 313
K.; S. Franck
chron. zeytb. (1531) 188
b; hat sich der kraisz ... in etweliche eigenthumbsherrschaften zerspaltet graf v. Brandis
tirol. adl. 8; b)
glieder des thierischen oder menschlichen körpers: alszdan gehts uber zihl und schnur; dasz hertz (
der nachtigall beim singen) mOecht sich zerspalten Spee
trutznachtig. (1649) 21;
ebenso Holtei
erz. schr. 17, 20; c)
abstractes: jeder wunsch zerspaltet sich in tausend kleine Tieck
schr. 16, 122; Novalis 4, 8
M.; Göthe
gespr. 7, 326
B.; d)
sich entzweien: apost. 23, 7; damit man zucht und ordnung hielt (
an der landsgemeinde) und sich ... nit zerspielt mit schweren, tröuwen, mit geschrei (1536)
schweiz. id. 10, 217; 3)
intrans., mhd. reicher als das trans. wort bezeugt; a)
gegenstände, z. b. bäume vor kälte: Frisius 380
b; war ein kalter winter, dasz ... die bAeum zerspielten Stumpf
Schweizerchron. 753
a;
ein thor: Brennwald
Schweizerchron. 2, 151;
ein schiff: S. Franck
weltb. 224
a;
Matth. 27, 52
setzt die Zürch. bib. seit 1638 z. (
s. schweiz. id. 10, 217);
s. mhd. wb. 2, 2, 476
a; was seer frölich, das die erd von irem geschrey zerspielt (erschall Luther)
1. kön. 1, 40
Zürch. bib.; (
der erdboden) zerspalt von dürre Frisius 1222
a;
ein steinbild: Cl. Brentano
ges. schr. 2, 290;
gebäude, so der tempel s. Lexer 3, 1084;
ferner: also ... derselbig thurn ... thet sich ... auff und zerspielt ... in zwei theil Wurstisen
histor. 2, 383; b)
lebende wesen: er (
der frosch) ... bläet sich so hoch auf, das er von ainander knellet und zerspielt Keisersberg
sieb. hauptsünd. a a 3
b; Fischart
Garg. 134
ndr.; pferdehuf: wenn sy (
die pferde) nit beschlagen sind, zergengend sy die fez übel oder z-d inen Frisius 547
a;
das herz: Konrad v. Würzburg
troj. krieg 16083; Wickram 2, 22
B.; Ayrer
dram. 3, 1804
K.; und went dus wissen wilt, die ding must du mir lassen zu, wenn dir dein hertz zerspilt (
conj. prät.) 5, 3061
K.; hierher und nicht zu zerspilden
gehört wol auch: wie mir in stcke mein hertze zuspillt v. Abschatz
Anemons u. Adonis blumen 58
ndr.; c)
abstractes: aufrur zerspalt bald und zerfallt Fischart
bibl. histor. 304
K.; 4)
partic. perf., a)
gegenstände: schlimme, lame oder zuspaltene gleser Mathesius
Sar. (1571) 206
a; auf der in viele klüfte z-en ... felsenwand Eichendorf
s. w. 2, 414; z-es obst (
schnitte zum dörren) v. Hohberg
georg. 1, 444; die bletter der christwurz seind z. Bock
kreutterb. 1, 145; z. nennt man figuren, welche gespalten sind und deren beide hälften dann mit der schnittfläche wieder an die äuszeren bänder eines heroldstückes, gleichsam als habe dies die spaltung vollführt, angeheftet sind Siebmacher-Gritzner
wappenb. B (1890) 73; der zerspaltete mond Herder 31, 403
S.; b)
herz: brich, zerspaltnes herze, brich! Kortholt
bei Weichmann
poes. d. Niedersachs. 2, 198; Zinzendort
teutsche ged. 317; Jean Paul
Hesp. 2, 237; c)
getrennt, gespalten, uneinig: H. Sachs 4, 181
K.; Schenkendorf
ged. 166; Schleiermacher
s. w. 3, 68; auf ewig sind wir nun zerspalten A. v. Arnim
w. 13, 409; in dieser zerspalteten welt Göthe IV 27, 170
W.; zuspaltene ... eheleut Mathesius
ausgew. w. 2, 292; z-e meynungen Grimmelshausen 4, 702
K.; belege zu 1—4
bei H. Fischer 6, 1150, Ch. Schmidt
els. wb. 438
b und schweiz. id. 10, 216;
andere zss.: ab- (
th. 1, 121), -auf (740), er- (3, 987). —