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weltmann

nhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weltmann m.

Bd. 28, Sp. 1649
weltmann, m. , komposition des frühmittelalterlichen dt., die wie die jüngere sinnverwandte bildung weltmensch (s. dort) zunächst in geistlichem sinne verwandt wird, in neuerem sprachgebrauch jedoch die vorwiegende bedeutung [] 'mann von weltkenntnis, -klugheit und -gewandtheit' (s. u. 3) hat. an die stelle der nur selten gebrauchten pluralform weltmänner (s. u. 3 b und c) tritt vornehmlich weltleute (s. dort). 11) 'bewohner dieser welt, mensch' (vgl. ae. weoruldman Grein-Köhler 822 u. Bosworth-Toller 1196, ne. worldman Murray 10, 2, 3, 306 sowie aschwed. värulds man Söderwall 2, 2, 1063): er (Jesus) ouh mit horouue iz (das auge des blindgeborenen) biklan,ni gieiscôta (hörte) êr thaz uuoroltman Otfrid III 20, 157 P.; ioh thu mir bist in minnôn fora allên uuoroltmannon ebda. V 15, 6; wiltu Rothere minnen, den wil ich dir schire bringin. iz nelevet niehein werltman, der mer so leve hette getan Rother 2238 de Vries. ähnlich, wenn auch mit dem umfassenderen begriffsgehalt von 'weltbürger' in gelegentlicher neuerer anwendung (vgl. weltmensch 3): ein autor ist ein weltbrger, der ber die handbreit land seines vaterlandes hinweg ist, und es ist ein kOestliches ding, ein weltbrger, ein brger der stadt gottes, ein eigentlicher weltmann zu seyn Hippel s. w. 12 (1835) 24; die eintheilung dieser abhandlung mache ich ... in dreifacher qualität: 1) als privat- aber doch geschäftsmann, 2) als staatsmann, 3) als weltmann (oder weltbürger überhaupt) (1793) Kant w. 5 (1838) 368 H. 22) weltlicher. 2@aa) 'weltlich gesinnter, weltling' (vgl. ae. weoruldman Bosworth-Toller 1196, ne. worldman Murray 10, 2, 3, 306 sowie aschwed. värulds man Söderwall 2, 2, 1063): carnalium vueraltmanno (10.-11. jh.) ahd. gl. 2, 182, 5 St.-S. und ebda. 257, 40; diu werlt strîtet sêre nâch guote, witze und êre. ich weiz wol daz nie werltman der drîer dinge genuoc gewan Freidank bescheidenheit 95 Bezzenberger; der Kuntz ... ist ein welt man, gehet zuom bier vnnd zuom wein vnnd lebt wie ein ander weltmann, jnnerlich aber ist er Christ Joh. Nas eins vnd hundert (1567) 3, 191a; wer zu sehr sorgfAeltig ist vmb den himmel, der kompt in verlust dessen, was er auff erden hat, sagt der weltmann Lehman floril. polit. (1662) 1, 244; wer pracht und übermuht in speis' und kleidung treibet, ... wer öhl im munde hat und schwerter in dem herzen und was dergleichen mehr: nun sagt mir fein geschwind, wenn der ein weltmann ist, was ist ein höllenkind? J. Grob epigr. 156 lit. ver.; o wie schwer ists, dasz ein welt-mann selig werde? er komme denn durch creutz zum verständnisz des evangelii Chr. Scriver seelenschatz (1737) 4, 13a; dieser herr ... war, wie man's zu nennen pflegt, ein weltmann; das will so viel sagen, als ein mann, der seine auffhrung in dieser welt so einrichtet, wie jemand, der, in der vOelligen berzeugung, dasz es keine zuknftige giebt, von der gegenwAertigen allen nutzen ziehen will, den er nur immer ziehen kann Bode Thomas Jones (1786) 5, 280; wenn den argen weltmann das gefühl seiner schuld einmal übermannte, so schenkte er renten ... an das kloster G. Freytag ges. w. 18 (1888) 327; so noch von Adelung (1801), Campe (1811) und Mozin (1856) gebucht, im modernen sprachgebrauch jedoch unüblich. 2@bb) 'mann von weltlichem stande, nichtgeistlicher' (vgl. ae. weoruldman Bosworth-Toller 1196, an. veraldarmaðr Fritzner 3, 911 sowie adän. verds[ens]mand Kalkar 4, 800; værilz man ordbog over det danske sprog 26 [1952] 1224 s. v. verdensmand und aschwed. värulds man Söderwall 2, 2, 1063; verldsman Hellquist [31948] 1397): gleichwie S. Ambrosius auch zum bischof zu Mailand berufen ward, ob er wol ein laie und weltmann war (1539) Luther tischr. 4, 463 W.; er (der praeceptor) solte ... gedencken, dasz sie (die eltern) keinen mönchen, sondern einen weltmann ausz mir machen wolten [] Grimmelshausen Simpl. 347 Scholte; du hAettst ein pfaffe seyn sollen und ich ein weltmann theater der Deutschen (1768) 17, 63; die plastiker sehen wir mehr mit standbildern von grossen weltmännern als von aposteln und heiligen beschäftigt D. Fr. Strausz christl. glaubensl. 2 (1841) 621; ein anderes beispiel (eines holzschnittes zeigt) Christus am kreuz, daneben (wo sonst Maria und Johannes) ein mönch und ein üppig gekleideter weltmann Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 270; so bis zum beginn des 19. jhs. auch lexikalisch bezeugt: weltmann homo civilis, secularis Stieler stammb. (1691) 1238; secularis, seculier ... ein laye, weltmann, der in keinem geistlichen amte oder orden stehet Sperander lex. (1728) 631; welt-mann ... en man af werldsliga stndet Lind dt.-schwed. (1749) 1803; weltmann ... mondano, secolare, laico Jagemann dt.-ital. (1803) 1371; danach jedoch nur noch vereinzelt nachweisbar, schon von Adelung (1801) und Campe (1811) nicht mehr gebucht. 2@cc) vereinzelt auch im sinne von 'weltliche, d. h. in zeitlichbürgerlichen verhältnissen stehende person' im unterschied zu dem allgemeinen gottverbundenen stand als Christ (vgl.weltmensch 1 c): es ist droben offt gnug gesagt, das Christus ... leret einen einzelen odder Christen man und das weit von einander zuscheiden sey ein wellt man und ein Christen odder eine christliche und welltliche person ... also hat ein iglich mensch auff erden zwo person: eine fur sich selbs, an niemand verbunden denn an gott alleine, darnach eine welltliche, damit er an ander leut gebunden ist, wie wir denn jnn diesem leben unternander sein mssen Luther 32, 440 W. (ebda. 441 auch welt person). 33) mann von weltkenntnis, weltklugheit und weltgewandtheit (vgl.n. verdensmand ordbog over det danske sprog 26 [1952] 1224 und schwed. världsman Hellquist [31948] 1397). 3@aa) allgemein für einen mann, der das leben zu meistern versteht (vgl. weltlich B 2): weltmann weltmensch, der sich gar wol in die welt schicken kan vnd alle griffe weisz, wie man handeln soll, un sage mondain, un savio mondano Hulsius-Ravellus (1616) 405, ähnlich bei Dentzler clavis (1686) 2, 344 wie (1716) 2, 348, Frisius t.-lat. (1734) 306f. und Mozin wb. d. frz. spr. 4 (1856) 1200; hingegen auff welches rath vnd that, nachtheil, widerwertigkeit vnd verderben erfolgt, der sey vor vnverstAendig vnd vor kein weltman gehalten Zinkgref apophthegm. (1628) 1, 36; wilstu anjetzo fortkommen, so mustu nicht lang von dem schulsack schmecken, sondern einen wackern weltmann abgeben Abele künstl. unordnung (1669) 1, 140; in neuerem sprachgebrauch nur noch vereinzelt nachweisbar, wobei z. t. schon die bedeutung 3 b und c (s. u.) hineinspielt: forsche der philosoph, der weltmann handle! doch weh uns, handelt der forscher und gibt, der es vollzieht, das gesetz Göthe I 5, 1, 273 W.; regel, fall und anwendung ist für sie (die intuitive erkenntnis) eins, und diesem folgt das handeln auf den fusz; hieraus erklärt sich, warum, im wirklichen leben der gelehrte ... so sehr zurücksteht gegen den weltmann, Schopenhauer w. 2, 88 Gr. (s. auch ebda. 86); (August v. Göthe) wollte ersichtlich für nichts anderes gelten als für einen praktischen alltagsmenschen, einen nüchternen geschäfts- und weltmann durchschnittlichen verstandes Th. Mann Lotte (1946) 180. häufig auch im abschätzigen sinne für einen allzu lebenstüchtigen verschiedener prägung: er (Judas) wird sich ohne zweifel viel besser gestalt und gehalten haben als ein verständiger weltmann denn die andern Luther tischr. 1, 286 W.; vnd wer nun solches am besten kan vnd seinen widerpart aus feindtseligen, rachgyrigen, vnuuersönlichen hertzen auffs hefftigste vnd geschwindste zusetzet, den rühmet man für einen feinen weltman, der jhm nicht leichtlich was nemen lesset, der sein autoritet zuuerteidigen vnd sein reputation in acht zunehmen weisz Dan. Schaller theol. heroldt (1604) 87; endlich mus ein weltmann seine mangel ... mit den tugenden ... wissen zu verstekken Butschky Pathmos (1677) 605; er ist ein welt-mann egli è huomo di due faccie; [] ein welt-mann hAengt den mantel nach dem winde chi vuol' esser stimato, s'attempri à genii diversi Castelli wb. (1709) 1584; dasz unsere staatsmänner gern gelobt sind ... wissen sie (anrede) ohnehin und werden sich darnach benehmen, ohne darum ein weltmann, im bösen sinne, zu sein (15. 4. 1805) Görres ges. br. (1858) 2, 17; der wahre weltmann ist der speculant! Hoffmann v. Fallersleben ges. w. 5 (1891) 313. 3@bb) insonderheit für einen in den fragen und geschäften des öffentlichen lebens bewanderten, meist als entsprechung zu lat. politicus (vgl. weltlich B 3 und C 1 a γ): (Amandus:) ... worzu ist einem politico und weltmanne allzu subtilne und genaue sophisterey von nOethen? ... (Floretto:) ... kan keiner einen guten weltmann geben, auch von hohen staat- und reichshAendeln ohne behuff und grund solcher disciplinen und sprachen in andern gesellschafften behutsam und vernnfftig reden Schoch studentenleben (1668) 11 f.; ich bezeuge hiermit ... dasz, wer die zeitungen nicht weysz (wann er anders ein politicus seyn will) nicht geschickt sey, noch geschickt werden kOenne, sich in welt- und stats-sachen einzulassen. alhier gehet mich nicht an, was gewisse leute wieder die neugierigkeit ... angefret haben, weil sie nicht betrachtet, was zu einem welt-mann gehOere, und dasz man nicht stumm seyn müsse, wann frsten und herren fragen, ob friedens-tractaten obhanden seyn zeitungs lust u. nutz (1695) ):( 7b; politicus einer, der in regiments- und staats-sachen wol erfahren, der den mantel wol weisz nach dem wind zu hAengen, der sich in alle leute und hAendel schicken kan. ein welt-mann, hof-mann, staats-mann Sperander lex. (1728) 481b; weltmann ein politicus Rodde dt.-russ. 2 (1784) 699; zuweilen auch als bezeichnung für einen weltklugen staatsmann oder regenten: Julius, der ander (papst) des namens, war ein trefflicher weltmann in kriegen und regiment Kirchhof wendunmuth 3, 305 Ö.; vielleicht ist er dazu von seinen cardinAelen vermanet vnd getrieben worden, vnter welchen dann viel weise bescheidene vnnd frsichtige weltmAenner vnd besondere ebenthewer gewesen sein W. Bütner epit. hist. (1596) 210b; mit disen ... kOennt ihr mehrer ... gewinnen, als Nemrod, als Carolus Magnus, als kayser Henrich, als Maximilianus, als alle andere berühmtiste welt-männer Abraham a s. Clara Judas 2 (1690) 8; welt-mann (ein staatsmann, politicus) Kramer hochniderteutsch (1719) 1, 514; so noch bei Klinger: der weltmann und der dichter w. 9 (1809) titel; vgl. auch Sicherer-Akveld 1408: weltmann (bequaam) staatsman. 3@cc) gebildeter mann von weltmännischer gesinnung, haltung und lebensart (vgl. die nach frz. vorbild erwachsene wendung mann von welt s. v. welt III A 2 c sowie weltmännisch und weltmanntum); diese dem nhd. geläufige bedeutung begegnetzumindest ansatzweisebereits im frühen nhd. (s. auch Kluge-Götze [1951] 869): in frembden ländern andere sprachen und sitten erlernen und also hierdurch zu einem rechtschaffenen weltmann promoviert werden qu. a. d. j. 1649 bei Fischer schwäb. 6, 1, 672; du bist kein weltmann nicht, dieweil du nicht verstehst, warum du deiner frau zur linken seiten gehst B. Neukirch ged. (1744) 204; seit der mitte des 18. jhs. ungemein häufig, ein gesellschaftsideal der zeit spiegelnd (vgl. auch den titel der 1782 begründeten zeitschrift der weltmann. eine wochenschrift besonders für vornehme leser): mit der edeln freyheit und zuversichtlichkeit eines weltmannes Wieland s. w. 3 (1794) 23; die weltmänner haben ihren geist cultivirt, ihren geschmack gebildet Herder 23, 58 S.; erwirbt er sich ... den gefaszten anstand eines weltmanns Göthe I 44, 360 W.; zu sehr weltmann, um eine unbeantwortete frage zu wiederholen Thümmel reise 7 (1800) 338; mit der feinen wendung eines weltmannes ... lud er uns zum sitzen ein Hauff s. w. (1890) 2, 1, 112; ein weltmann musz sich in alle situationen finden Alexis ruhe (1852) 1, 329; [] er war weltmann genug, dasz er auf diesem stück weg seine haltung wieder gewann E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 219; es handelt sich um das 'reisetagebuch eines philosophen' vom grafen Hermann Keyserling ... das buch eines weltmannes im seltensten und vornehmsten sinn (6. 8. 1919) Rilke br. 1914 -21 (1937) 254. als besonders charakteristische beiwörter erscheinen neben weltmann: artig (Gottsched crit. dichtk. [1751] 513); fein (Nicolai Seb. Nothanker [1773] 2, 158; Wackenroder herzenserg. [1797] 214; Laube ges. schr. [1875] 1, 386); galant (Holtei vierzig jahre [1843] 4, 364); gebildet (Savigny m. recht [1815] 6, 323; Kürnberger herzenssachen [1877] 229); jovial (Justi Winckelmann [1866] 1, 108); liebenswürdig (Moltke ges. schr. [1892] 6, 303); vollendet (Kahlenberg Eva Sehring [1901] 157; Langgässer d. unauslöschl. siegel [1946] 50); gelegentlich auch abschätzige wie blasiert (Treitschke dt. gesch. [1897] 3, 688) und eitel (J. G. Forster s. schr. [1843] 3, 459); vgl. das abschätzige diminutivum weltmännchen. im positiven sinne grenzt weltmann an hofmann, dem es vielfach gleichgeordnet wird: bei solchen kurzen zusammenkünften war seine (des oheims) gegenwart jedoch höchst erfreulich, weil er sodann, als welt- und hofmann, nachgiebig und vermittelnd auftreten wollte Göthe I 25, 1, 263 W.; er (Jacobi) war mehr zu einem liebenswürdigen, feinen hof- und weltmann geboren, zumal bei unverkennbarer eitelkeit, die man ihm jedoch nicht verargen musz ders., gespr. (1889) 5, 140 Biedermann; weil er (Göthe), der stets welt- und hofmann war, niemals seine geistigen beschäftigungen mit selbstzwang getrieben hat Schopenhauer w. 2, 248 Gr.; die feine weise des welt- und des hofmanns Mommsen m. gesch. 5 (41894) 337; im negativen an lebemann: lebemann, weltmann, hat er durchaus den wunsch, im belehren zu gefallen, im unterrichten sich einzuschmeicheln Göthe II 7, 183 W.; einer wüstenei gleicht das innere eines so zeitig dem leben abgestorbenen jungen welt- und lebemannes Holtei erz. schr. 8 (1861) 93.
13907 Zeichen · 274 Sätze

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  4. Sprichwörter
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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weltmann

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von weltmann 2 Komponenten

welt+mann

weltmann setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

weltmann‑ als Erstglied (2 von 2)

weltmanntum

DWB

weltmann·tum

weltmanntum , n. , gelegenheitsbildung zu weltmann 3 c ( s. dort ): und er folgte ihr, viele abgehackte bücklinge drechselnd, wie sie zum we…