giftig,
adj. ,
im gegensatz zum stammwort gift erst mhd. bezeugt: giftec, giftic,
mnd. giftich,
mnl. nicht bezeugt, nnl. giftig.
dän. und schwed. giftig
sind aus dem deutschen entlehnt. II. giftig (
zu gift A '
gabe') '
gebend, ergiebig, fruchtbar'.
in dieser bedeutung schon mhd. nur noch spurweise zu belegen: daz he ganz wesin inphahin mac fon der sele und alliz dez di sele giftic ist
paradisus anime intelligentis 60, 32
Strauch; auch passivisch '
geeignet gegeben zu werden': daz her dem himele giftic was Heinr. v. Hesler
apok. 11544
Helm; ebenso mnd. giftich Lasch-Borchling
mnd. hwb. 1, 2, 112; giftich
gäng und gäbe: (
summe) die wy an reden wichtigen giftigen getelden lubeschen guoldenen ... untphanghen hebben (1370)
urkundenbuch d. stadt Lübeck 3, 771;
nnd. '
ergiebig, ertragreich': en givtig land Schütze
holst. id. 2, 32;
brem. wb. 6, 85;
sonst nhd. nicht mehr lebendig. IIII. giftig
zu gift B '
venenum'
und davon abgeleiteten bedeutungen. II@AA.
in eigentlicher bedeutung alles, was gift enthält, eigenschaften des giftes hat oder daran erinnert, giftwirkungen auslöst: warumb hat got mancherley im lufft, auff erden und in dem mere erschaffen, die do gifftig, schedlich ... und feinde sein dem menschen? Albr. v. Eyb
dt. schr. 1, 40. II@A@11)
von meist bösen, gefährlichen krankheitserscheinungen, neben seuche, krankheit
u. s. w. geradezu in der bedeutung '
ansteckend'
gebraucht: antrax giftig (
ital. antrace bösartiges geschwür) Diefenbach
gloss. 39
a;
psora gifftige raude mit schuppen Orsäus
nomencl. method. (1623) 237;
infectio anfallende gifftige seuche Felbinger
nomencl. (1646) c 1
b; eynen gifftigen offenen schaden im angesicht Sebiz
feldbau (1579) 216; gifftige kranckheiten ... durch alle land ... grassieren Schaller
theolog. heroldt (1604) 73; nichts in der welt ist schlimmer in den gifftigen kranckheiten alsz clistier Elisabeth Charl. v. Orleans
briefe 2, 510
Holland; die laidige sucht (
in Wien), welche ... endlich in ein allgemeine gifftige contagion ausgebrochen Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 11; so war der september an den ufern der Tiber der gefährlichste zur entwicklung eines giftigen fiebers Niebuhr
röm. gesch. 2, 92; giftiges blued
verdorbenes unreines blut schweiz. id. 2, 136. II@A@22)
von ausdünstungen jeder art: dasz man sich vor dem gestanck der leinlacher (
von pestkranken) hüte, dann er sehr gifftig Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 190; (
die drachen) bliesen jren gifftigen athem uns entgegen Rollenhagen
indianische reisen (1603) 15;
von schädlichen atmosphärischen einwirkungen: der herr wird dich schlahen mit ... gifftiger lufft (
aere corrupto)
5. Mos. 28, 22; vil menschen ... von faulem gifftigem lufft schedlich inficiert ... werden Ryff
spiegel d. gesundth. (1544) a a 4
b; giftig sind die herbsteslüfte Erlach
volkslieder d. Deutschen 3, 437; (
in gräben und lachen) die giftigsten miasmen Allmers
marschenbuch 319; durch die giftigen nebel P. Dörfler
die lampe d. törichten jungfrau (1930) 346; mehlthau und gifftiger regen J. G. Schmidt
rockenphilosophie (1706) 1, 296; durch den giftigen wind samum Herder 14, 55
S.; bildlich: der giftige wind des hofes Schiller 3, 390
G.; den giftigen mehltau für kinderherzen, hader und zank Stifter
s. w. 1, 181;
schon früh von den gifthaltigen dämpfen der giesz- und schmelzhütten: (
winde) die die reuch (
von gieszhütten), so gifftig sind, hinweg treiben A. Dürer
befestigung d. stett (1527) d 4; alle bergarthen, oder ertze, haben ihren gifft bey sich, wie man in denen schmeltzhütten an dem gifftigen hüttenrauch abnimmet Herttwig
bergbuch (1734) 185
a. II@A@33)
von schädlichen flüssigkeiten, getränken, speisen: für allem ist das ärgst und gifftigst (
wasser) welchs nicht laufft noch fliesset Sebiz
feldbau (1580) 15; ob der speichel der thiere im zorne wirklich giftig werde Sömmerring
vom baue (1839) 6, 760; (
Marc. 16, 18) vnd ob sy icht gifftigs (
mortiferum, Luther: tödlichs) trincken, es schat in nit
erste dtsche bibel 1, 189; das gyfftig, tödtlich getrangke Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 54;
bildlich: (
die hurerei) ein gifftig dranck der zarten jugendt H. Sachs 1, 197
Keller-Götze. II@A@44)
in ausgedehntem gebrauch von pflanzen und tieren: ein gifftig kraut C. Scheit
fröhl. heimfahrt 1389
Strauch; das giftige kraut napellam Sperling
Nicodemus quaerens (1718) 1, 1398; blütenzweige des giftigen zylandstrauches Scheffel
ges. w. 3, 35
Prölsz. früh von giftabsondernden tieren, namentlich von schlangen: (
die schlange tyrus) vil giftig und gros bekant Wernher
marienleben 11436
Päpke; nimant wonet sicherleichen unter giftigen slangen Joh. v. Neumarkt
schr. 2, 51
Klapper; der gifftigen drachen zeene
weish. Sal. 16, 10;
gern in bild und vergleich: o yr gifftige wurme, qui deum veracem ... mendacem damnatis Luther 34, 2, 3
W.; darüber wurd ich ganz rasend, und giftig wie eine otter Göthe 43, 48
W.; von insekten: scorpio gyftig tyr Diefenbach 520
b; gleich den giftigen spynnen Joh. v. Neumarkt
schr. 2, 29
Klapper; se is so giftig as n spinn Kern-Wilms
Ostfriesland 77;
im volksglauben von kröten: als man tuot einer giftigen kroten, die man spisset Seuse
dtsche schr. 77, 16
Bihlmeyer. II@A@55)
von waffen, geschossen u. s. w., wofür heute eher vergiftet
gebraucht wird: seinen köcher sampt den giftigen pfeilen Fischart 3, 37
Hauffen (
podagr. trostbüchlin); vier arten von pfeilen, auch giftige Ratzel
völkerkde (1885) 2, 248;
bildlich: solche gifftige, verlipte, böse pfeile Luther 32, 338
W.; die giftigen pfeile meiner neider
jahrbuch d. Grillparzerges. 4, 263; giebts kein sichreres mittel, ... Hamlet zu töten, als durch ein giftig rapier? O. Ludwig
ges. schr. 5, 199; die zwerge ... zogen den giftigen kamm aus den haaren
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 245. II@A@66)
in freierem gebrauch von farben, die wie gift aussehen, daran erinnern: indessen jener den 'giftigen ton' (
einer grünen wiese) beklagte Keller
d. grüne Heinrich (1854) 1, 38; alles grün erschien giftig, wie verschlickert H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 29; um sie (
die sonne) rundete sich ein weiter hof von giftigstem scharlach P. Dörfler
Peter Farde (1929) 70;
gern als adverb vor farbadjektiv: uns erscheint die farbe der wogen (
in einem gemälde) etwas zu giftig blau Stifter
s. w. 14, 136; schwere dunkelgraue wolkenwand, darunter der himmel offen, feuchtfett, giftig schwefelgelb glühend Vischer
auch einer (1904) 518;
vgl.: (
du fliehst mich) als ein nateren giftec var
väterbuch 34372
Reissenberger. II@A@77)
übertragungen auf weitere sinneswahrnehmungen. gehör: das orchester verlor seinen adel um den preis greller, blendender, aber giftiger und gemeiner klangfarben Riehl
musikal. charakterköpfe8 1, 259; unsere artillerie wirft die antwort zurück, ballernde, rollende abschüsse von einem schrillen, giftigen gesang gefolgt E. Jünger
d. wäldchen 125 (1928) 34.
geschmack: der stockfisch schmeckt nicht giftig zu den durchgeschlagenen erbsen Hebel 2, 221
B. gefühl: der nerv giftig gereizt Vischer
auch einer (1900) 1, 26. II@BB.
in uneigentlicher bedeutung alles, was in geistig-seelischer und sittlicher hinsicht schädlich, vergiftend wirkt, hassenswert, verabscheuungswürdig ist. II@B@11)
von personen. gern, doch nicht ausschlieszlich in religiös-dogmatischem bereich: widder ... den gifftigen ketzer Martin Luther Luther 26, 539
W.; böse gifftige rethe an furstenhöfen 23, 515; (
der teufel) ein gifftiger, verzweifelter boswicht 27, 145; (
die Franziskaner) ain schedlich gyfftig volck Eberlin von Günzburg
schr. 3, 45
ndr.; falsche, giftige huor!
liederb. d. Hätzlerin 68; so haben auch diese (
Dominikaner) viel gifftige sünder in buszfertige verwandelt Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 35; (
katholische mönche) dieses für alle wahre religion gifftige gesindel Lichtenberg
aphorismen 5, 19
lit. denkm.; und würgende könige ... und giftge tyrannen Hölderlin 1, 68
Litzmann; die ganze giftge brut der hölle (
die Römer) zu vertilgen Kleist 2, 385
Schmidt (
Hermannsschlacht 1332); o, er (
Richelieu) war ein heftiger, giftiger Franzose, der cardinal — die edelmüthige fassung eines deutschen groszcharakters möge man nicht bei ihm suchen Laube 5, 124.
namentlich vor nomina agentis: als ein böser gifftiger verleumbder Luther 30, 3, 233
W.; ein schwarzer, giftiger lügner Schiller 2, 15
G. (
räuber I 1); der giftig neider H. Sachs
fabeln u. schwänke 3, 204
Götze-Drescher; seine (
des staates) faulen, giftigen neider Lagarde
dtsch. schr. (1886) 44; er (
Archilochos) ist ein spitziger, aber auch gifftiger (
d. i. verletzend scharfer) singer gewesen, wider die, auff welche er seinen hasz geworffen C. Spangenberg
von der musica 72
lit. ver.; geh giftige schwäzerin Schiller 3, 10
G. (
Fiesko I 1);
prädikativ: man soll den idealismusnarren nicht trauen! sie sind immer auch böse narren. sie werden giftig (
gefährlich) Vischer
auch einer (1904) 474;
zugleich nach 5
hin gefärbt: wie gifftig und böse sie (
sündige menschen) sind Luther 28, 14
W.; selten substantivisch: wie licht wolt ich dem gyfftigen (
venefico) mit den negeln in die ougen wyschen
Terenz deutsch (
Straszb. 1499) 67
a. II@B@22)
von gefährlichen, verderblichen lehren, verirrungen, gedanken, anschauungen, einflüssen, tendenzen, vielfach seit frühnhd. zeit in theologischer umwelt: wann nun ... die gifftig leer in das hertz kombt Luther 17, 1, 140
W.; gifftiger yrthum 11, 245; all giftig sünd durch mündliche peicht austreiben Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 514
R.; solche böse gedanken sind so geschwinde, so hefftig, so gifftig, dasz ... J. Qvirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 179; eine holländische schrift, welche unter einem anmuthigen namen gifftige meynungen verbirget Pietsch
geb. schr. (1740) 205
Bock; mit dem nebensinn des arglistigen, tückischen: neue österreichische note in der deutschen sache, unter verworrnen dunklen phrasen die giftigsten machtgelüste Varnhagen v. Ense
tagebücher 5, 86; staatsmänner, die in ihren planen keineswegs so giftige motive verborgen hegen, als sie (
anrede) ihnen unterlegen Bettine
dies buch (1843) 1, 277. II@B@33)
von vorfällen, geschehnissen, zuständen, '
widerwärtig, schlimm': was aus solcher gifftiger newigkeit entstehen möchte Schütz
historia rer. pruss. (1592) 190
b; und ist es an dem, dasz die teutsche sprache von keinen mechtigern feinden überfallen, noch von einem giftigern unsterne überstralet werden kan Schottel
hauptsprache (1663) 12; zwytracht zwischen brüdern ist gifftiger, als scorpions gifft Lehman
floril. polit. (1662) 3, 25; im halben schlummer giftige träume Göthe 8, 159
W.; mit besonderer note: diese deine reden zeigen an, was es müsse für eine giftige sache um die liebe seyn A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 539. II@B@44)
von schriften gefährlichen gepräges mit wechselnder verteilung der akzente. zunächst herrscht der begriff des gehässigen, feindseligen, auch verleumderischen vor. von flug- und schmähschriften der reformationszeit: wie ich uber solchen gifftigen büchern pflege, einen guten frölichen mut haben Luther 23, 27
W.; die weil du (
Luther) ... den Carolstat so mit gifftigem schreiben vberlauffst
reformationsflugschriften 10, 42
ndr.; mit gyfftigen geschrifften Hutten
opera 2, 193
Böcking; ausz einem gifftigen und friedbrüchigen tractätlein Londorp
acta publica (1668) 1, 240;
in jüngerer zeit mehr mit dem tone des beiszenden, sarkastischen: die giftigste schrift, die ich gegen den hrn. prof. Philippi gemacht habe C. L. Liscow
sammlung satir. schr. (1739)
vorr. 25; die giftige rec. der Horen
Göthejahrbuch 1, 320; die giftige von Caesar bitter empfundene invective (
ätzende verse Catulls) Mommsen
röm. gesch.4 3, 319
anm.; schwächer: eine folge von betrachtungen über gesellschaft, kultur und kunst unserer zeit, ein kleines, giftiges büchlein H. Hesse
Peter Camenzind28 105.
mit dem begriff des sinnlich aufreizenden, sittlich ungesunden: die unzüchtigen giftigen schriften, als die Stella und die wahlverwandtschaften
aus d. lager d. Göthegegner 74
lit. denkm. II@B@55)
in sonstigem gebrauch. von herz, seele, mund, zunge, auge, blick u. ä.: was kan aber gresslicher sein, denn eyn solch bitter und gifftig hertz Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) 7
a; ein gifftig hertz und böse zung verderbet alle richtigkeit und einigkeit Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, v 3
a; in deiner giftgen ränkevollen seele
M. Beer
s. w. (1835) 7; giftiger mund (
labia tumentia)
prov. Sal. 26, 23; sic mulieres die der ehren am furnemsten, haben die gifftigsten meuler Luther 29, 405
W.; die gifftigen meuler, qui euangelion blasphemant
ebda 34, 1, 127; de hät en giftigə (
scharfes) maul
rhein. wb. 2, 1229; durch gifftig zungen verlumbdt (
verleumdet) Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) d 1
b; er mag es schon wissen, wie viel man von ihrer (
anrede) zunge zu fürchten habe. eine giftige zunge! Lessing 2, 334
L.-M.; ich hab allein sorg auff die gifftigen augen ... deren fraw doctorin unnd meisterin Paracelsus
opera (1616) 1, 143
a; er merkte nicht, dasz die bäuerin und die mutter ... ihn mit giftigeren blicken ansahen als je vordem Zahn
schattenhalb (1904) 228; giftigə ogen, gesich mache
rhein. wb. 2, 1229.
von äuszerungen der rede: nam ubi est odium, do folgen gifftige, bosze worth hinden eynen odder unter ougen Luther 34, 1, 446
W.; ebda 20, 272;
vgl. auch ps. 64, 4; reden, so persönlich giftig und beleidigend Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 8; schmähung, lästerung, lüge
u. ä.: mit gifftigen, bittern, ungestümen scheld- und schmachworten umb sich werffen
theatr. diabol. (1569) 2, 148
b; so ward er einige jahre lang gegenstand der giftigen lästerungen Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 29; jhr gifftige lügen und lestern Luther 30, 3, 365
W.; ebda 10, 2, 230; det giftig nachred treiben H. Sachs
fabeln u. schw. 3, 327
Götze-Drescher; was hat ihm dies 'von Fallersleben' für giftige nachrede verursacht! adelskoketterie! schrie man Laube 1, 128;
vgl. noch: der dichter ist in der wuth ...: wenn er zuweilen lacht, so ist es ein grausames giftiges lachen Ramler
einl. in d. schön. wissensch. (1758) 3, 137.
neben ausdrücken des affekts. hier verbindet sich, und zwar schon in älterer zeit, mit der bedeutung des schlechthin feindseligen, bösartigen ein intensitätsbegriff '
stark, heftig',
der in jüngerer sprache meist überwiegt: deyn (
Karlstadts) bitter gifftiger groll Luther 18, 141
W.; deutlich zum blosz gradmäszigen verblaszt: o tückisch weib! drei jahre konntest du so gifftgen groll in deinem busen tragen? Raupach
dram. werke kom. gattung (1829) 1, 340;
neben grimm
markanter, '
wütend, zornig': allda er ausz eitelm gifftigem grimm also rasend und sinnlosz worden, das er seine eygene hände gefressen! Fischart
binenkorb (1588) 228
b;
so noch heute: ihr blauer hals schwillt an, mit giftgem grimme knirscht sie empor, und bleich flieht er zurück Schiller 6, 365
G. anders: darüber erzeugte sich so eine giftige wut in ihrem busen, dasz Göthe 44, 73
W.; der kurze rausch war verflogen und machte ... einer giftigen erbitterung platz Dahlmann
franz. revolution 95;
sehr häufig neben neid: der gifftig bitter neid unrein, der ist ein eiter dem gebein H. Sachs 19, 286
K.-G.; fühlbar verblaszter: des schlechten menschen giftigsten neid Holtei
erz. schr. 20, 64;
selten von affekten der freude. mit besonderer note: (
der teufel) hauchet und admet seine gifftige lust ... in sie (
Eva) Mathesius
Sarepta (1571) 180
a; allzureizende erinnerungen — mischet nicht eure giftige wollust in meine quaal! Wieland I 3, 81
akademieausg. —
von empfindungen: aus unrechtem, schwermerischem und giftigem argwohn Nigrinus
von zäuberern (1592)
vorr. 7
a; giftigen verdacht Uz
poet. werke 135
Sauer; dieses zweiköpfige ungeheuer, das ... aus zween schlünden giftiges misztrauen in die gemüther haucht Schubart
leben u. ges. 2, 16; er aber, mit dem lächeln der giftigsten verachtung sprach Kretschmann
s. w. (1784) 1, 141. II@B@66)
adverbieller gebrauch. II@B@6@aa) sie werden gifftig wider mich allenthalben (
sermonibus odii circumdederunt me)
ps. 109, 3; so gifftig und heslich künnen sie von Christo reden Luther 19, 607
W.; biss der wolff seine zeen zusamm, und fleng gifftig zu lachen an Rollenhagen
froschmeuseler (1595) q 2
a; der zieraffe Andrea meckerte recht giftig hinterdrein Gaudy 2, 108; as hei ... achter sick giftig flustern hürte Fr. Reuter 2, 247
Seelmann; so giftig kam ... bei ihr alles heraus! Ebner-Eschenbach (1893) 4, 191; wie auch der pöbel uns dumm anstarren oder gar giftig verfolgen möge Solger
Erwin 1, 182. II@B@6@bb)
adverbiales giftig
neben adjektiven. hier wird vielfach eine schon unter 5
erwähnte intensitätsvorstellung fühlbar, in älterem nhd. noch nicht so ausschlieszlich: weil diejenige, so damit (
mit d. spielwut) behafftet, gantz gifftig darauf verpicht seyn Grimmelshausen
Simplicissimus 283
Kögel; denn es ist giftig kalt Scheffel
ges. w. 4, 13
Prölsz; in anderen fällen hat das charakterisierende moment die vorhand und ist giftig
eher adjektivisch zu verstehen: schon schwebts heran mit giftig klaren flammen (
wie gift zuwider, verhaszt) Göthe
Faust 11722;
vgl. noch: seine (
Nestroys) giftig-sittenlosen possen Hebbel
w. 10, 299
W.; die tante giftig-piquirter wie je Raabe
hungerpastor (1864) 2, 206; giftig
neben farbadjektiven s. oben A 6.
vgl. noch die belege unter A 7. II@B@77) '
zornig, grollend, wütend, ärgerlich',
vgl. gift B 10 b
β: unangesehen das dasz volck uber die massen gifftig gewesen (
über die errichtung von zwanzig galgen) Fischart
discours (1589) k 1
a; der rasende vater aber, der auf die worte des ehrenmanns noch giftiger geworden war Göthe 44, 19
W.; zletzt bin i harb und gifti worn K. Stieler
ged. 2, 34
Reclam; so dasz sie (
die base) oft ganz ärgerlich und giftig das buch zuklappte Raabe
hungerpastor (1864) 1, 50; als dasz ... beide parteien wie giftige höckerinnen sich um ... jeden beichtkreuzer abbalgten Steub
drei sommer in Tirol (1895) 65;
selten in der fügung einem giftig sein: die bestie (
Spiegelberg) ist dem hauptmann immer giftig gewesen Schiller 2, 157
G.; sie war mir stets entgegen, immer giftig Tieck
schr. 1, 84;
um so häufiger mit präpositionen: auf einen giftig sein, werden,
heute die geläufigste wendung: da ward sie gifftig auff Ülnspiegel
Till Eulenspiegel (1515) 19
ndr.; der bapst und kayser, sie seind gifftig auf uns Luther 17, 1, 146
W.; weil du giftig warst auf die hunde Frenssen
Jörn Uhl 188; a īs ... giftich uff a K. Rother
d. schles. sprichwörter (1928) 378;
seltener: das er gein ir so gifftig wart
fastnachtspiele 1144
Keller; der könig ... plagte madame d'Estampes scherzend darüber, die nur deszhalb noch giftiger gegen mich ward Göthe 44, 75
W.; anknüpfung mit über: eben damals, als euer bischof so giftig über mich wurde Göthe 8, 25
W.; he is giftig üver (op) den
rhein. wb. 2, 1229.
in den mundarten ist die bedeutung allgemein: giftig
zornig Zaupser
bair. u. oberpfälz. id. 30; gifti
zornig, böse Schmeller-Fr. 1, 876; Castelli
Österr. 139; Lexer
kärnt. 114; Loritza
id. Vienn. 51;
schweiz. id. 2, 136; Martin-Lienhart 1, 200
a; Fischer
schwäb. 3, 656;
von menschen, tieren '
zornig, wütend, böse, aufgebracht'
rhein. wb. 2, 1229; Hertel
Thür. 106; Bauer-Collitz
waldeck. 40
a; Schambach
Gött.-Grubenh. 64
a; Woeste-
N. westfäl. 80
a; Mensing
schlesw.-holst. 2, 379; Brendicke
Berliner wortsch. 128; Frischbier
preuss. 1, 233; Bernd
Posen 76.