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giftig

nhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

giftig adj.

Bd. 7, Sp. 7450
giftig, adj. , im gegensatz zum stammwort gift erst mhd. bezeugt: giftec, giftic, mnd. giftich, mnl. nicht bezeugt, nnl. giftig. n. und schwed. giftig sind aus dem deutschen entlehnt. II. giftig (zu gift A 'gabe') 'gebend, ergiebig, fruchtbar'. in dieser bedeutung schon mhd. nur noch spurweise zu belegen: daz he ganz wesin inphahin mac fon der sele und alliz dez di sele giftic ist paradisus anime intelligentis 60, 32 Strauch; auch passivisch 'geeignet gegeben zu werden': daz her dem himele giftic was Heinr. v. Hesler apok. 11544 Helm; ebenso mnd. giftich Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 2, 112; giftich gäng und gäbe: (summe) die wy an reden wichtigen giftigen getelden lubeschen guoldenen ... untphanghen hebben (1370) urkundenbuch d. stadt Lübeck 3, 771; nnd. 'ergiebig, ertragreich': en givtig land Schütze holst. id. 2, 32; brem. wb. 6, 85; sonst nhd. nicht mehr lebendig. IIII. giftig zu gift B 'venenum' und davon abgeleiteten bedeutungen. II@AA. in eigentlicher bedeutung alles, was gift enthält, eigenschaften des giftes hat oder daran erinnert, giftwirkungen auslöst: warumb hat got mancherley im lufft, auff erden und in dem mere erschaffen, die do gifftig, schedlich ... und feinde sein dem menschen? Albr. v. Eyb dt. schr. 1, 40. II@A@11) von meist bösen, gefährlichen krankheitserscheinungen, neben seuche, krankheit u. s. w. geradezu in der bedeutung 'ansteckend' gebraucht: antrax giftig (ital. antrace bösartiges geschwür) Diefenbach gloss. 39a; psora gifftige raude mit schuppen Orsäus nomencl. method. (1623) 237; infectio anfallende gifftige seuche Felbinger nomencl. (1646) c 1b; eynen gifftigen offenen schaden im angesicht Sebiz feldbau (1579) 216; gifftige kranckheiten ... durch alle land ... grassieren Schaller theolog. heroldt (1604) 73; nichts in der welt ist schlimmer in den gifftigen kranckheiten alsz clistier Elisabeth Charl. v. Orleans briefe 2, 510 Holland; die laidige sucht (in Wien), welche ... endlich in ein allgemeine gifftige contagion ausgebrochen Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 11; so war der september an den ufern der Tiber der gefährlichste zur entwicklung eines giftigen fiebers Niebuhr m. gesch. 2, 92; giftiges blued verdorbenes unreines blut schweiz. id. 2, 136. II@A@22) von ausdünstungen jeder art: dasz man sich vor dem gestanck der leinlacher (von pestkranken) hüte, dann er sehr gifftig Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 190; (die drachen) bliesen jren gifftigen athem uns entgegen Rollenhagen indianische reisen (1603) 15; von schädlichen atmosphärischen einwirkungen: der herr wird dich schlahen mit ... gifftiger lufft (aere corrupto) 5. Mos. 28, 22; vil menschen ... von faulem gifftigem lufft schedlich inficiert ... werden Ryff spiegel d. gesundth. (1544) a a 4b; giftig sind die herbsteslüfte Erlach volkslieder d. Deutschen 3, 437; (in gräben und lachen) die giftigsten miasmen Allmers marschenbuch 319; durch die giftigen nebel P. Dörfler die lampe d. törichten jungfrau (1930) 346; mehlthau und gifftiger regen J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 1, 296; durch den giftigen wind samum Herder 14, 55 S.; bildlich: der giftige wind des hofes Schiller 3, 390 G.; den giftigen mehltau für kinderherzen, hader und zank Stifter s. w. 1, 181; schon früh von den gifthaltigen dämpfen der giesz- und schmelzhütten: (winde) die die reuch (von gieszhütten), so gifftig sind, hinweg treiben A. Dürer befestigung d. stett (1527) d 4; alle bergarthen, oder ertze, haben ihren gifft bey sich, wie man in denen schmeltzhütten an dem gifftigen hüttenrauch abnimmet Herttwig bergbuch (1734) 185a. II@A@33) von schädlichen flüssigkeiten, getränken, speisen: für allem ist das ärgst und gifftigst (wasser) welchs nicht laufft noch fliesset Sebiz feldbau (1580) 15; ob der speichel der thiere im zorne wirklich giftig werde Sömmerring vom baue (1839) 6, 760; (Marc. 16, 18) vnd ob sy icht gifftigs (mortiferum, Luther: tödlichs) trincken, es schat in nit erste dtsche bibel 1, 189; das gyfftig, tödtlich getrangke Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 54; bildlich: (die hurerei) ein gifftig dranck der zarten jugendt H. Sachs 1, 197 Keller-Götze. II@A@44) in ausgedehntem gebrauch von pflanzen und tieren: ein gifftig kraut C. Scheit fröhl. heimfahrt 1389 Strauch; das giftige kraut napellam Sperling Nicodemus quaerens (1718) 1, 1398; blütenzweige des giftigen zylandstrauches Scheffel ges. w. 3, 35 Prölsz. früh von giftabsondernden tieren, namentlich von schlangen: (die schlange tyrus) vil giftig und gros bekant Wernher marienleben 11436 Päpke; nimant wonet sicherleichen unter giftigen slangen Joh. v. Neumarkt schr. 2, 51 Klapper; der gifftigen drachen zeene weish. Sal. 16, 10; gern in bild und vergleich: o yr gifftige wurme, qui deum veracem ... mendacem damnatis Luther 34, 2, 3 W.; darüber wurd ich ganz rasend, und giftig wie eine otter Göthe 43, 48 W.; von insekten: scorpio gyftig tyr Diefenbach 520b; gleich den giftigen spynnen Joh. v. Neumarkt schr. 2, 29 Klapper; se is so giftig as n spinn Kern-Wilms Ostfriesland 77; im volksglauben von kröten: als man tuot einer giftigen kroten, die man spisset Seuse dtsche schr. 77, 16 Bihlmeyer. II@A@55) von waffen, geschossen u. s. w., wofür heute eher vergiftet gebraucht wird: seinen köcher sampt den giftigen pfeilen Fischart 3, 37 Hauffen (podagr. trostbüchlin); vier arten von pfeilen, auch giftige Ratzel völkerkde (1885) 2, 248; bildlich: solche gifftige, verlipte, böse pfeile Luther 32, 338 W.; die giftigen pfeile meiner neider jahrbuch d. Grillparzerges. 4, 263; giebts kein sichreres mittel, ... Hamlet zu töten, als durch ein giftig rapier? O. Ludwig ges. schr. 5, 199; die zwerge ... zogen den giftigen kamm aus den haaren kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 245. II@A@66) in freierem gebrauch von farben, die wie gift aussehen, daran erinnern: indessen jener den 'giftigen ton' (einer grünen wiese) beklagte Keller d. grüne Heinrich (1854) 1, 38; alles grün erschien giftig, wie verschlickert H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 29; um sie (die sonne) rundete sich ein weiter hof von giftigstem scharlach P. Dörfler Peter Farde (1929) 70; gern als adverb vor farbadjektiv: uns erscheint die farbe der wogen (in einem gemälde) etwas zu giftig blau Stifter s. w. 14, 136; schwere dunkelgraue wolkenwand, darunter der himmel offen, feuchtfett, giftig schwefelgelb glühend Vischer auch einer (1904) 518; vgl.: (du fliehst mich) als ein nateren giftec var väterbuch 34372 Reissenberger. II@A@77) übertragungen auf weitere sinneswahrnehmungen. gehör: das orchester verlor seinen adel um den preis greller, blendender, aber giftiger und gemeiner klangfarben Riehl musikal. charakterköpfe8 1, 259; unsere artillerie wirft die antwort zurück, ballernde, rollende abschüsse von einem schrillen, giftigen gesang gefolgt E. Jünger d. wäldchen 125 (1928) 34. geschmack: der stockfisch schmeckt nicht giftig zu den durchgeschlagenen erbsen Hebel 2, 221 B. gefühl: der nerv giftig gereizt Vischer auch einer (1900) 1, 26. II@BB. in uneigentlicher bedeutung alles, was in geistig-seelischer und sittlicher hinsicht schädlich, vergiftend wirkt, hassenswert, verabscheuungswürdig ist. II@B@11) von personen. gern, doch nicht ausschlieszlich in religiös-dogmatischem bereich: widder ... den gifftigen ketzer Martin Luther Luther 26, 539 W.; böse gifftige rethe an furstenhöfen 23, 515; (der teufel) ein gifftiger, verzweifelter boswicht 27, 145; (die Franziskaner) ain schedlich gyfftig volck Eberlin von Günzburg schr. 3, 45 ndr.; falsche, giftige huor! liederb. d. Hätzlerin 68; so haben auch diese (Dominikaner) viel gifftige sünder in buszfertige verwandelt Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 35; (katholische mönche) dieses für alle wahre religion gifftige gesindel Lichtenberg aphorismen 5, 19 lit. denkm.; und würgende könige ... und giftge tyrannen Hölderlin 1, 68 Litzmann; die ganze giftge brut der hölle (die Römer) zu vertilgen Kleist 2, 385 Schmidt (Hermannsschlacht 1332); o, er (Richelieu) war ein heftiger, giftiger Franzose, der cardinal — die edelmüthige fassung eines deutschen groszcharakters möge man nicht bei ihm suchen Laube 5, 124. namentlich vor nomina agentis: als ein böser gifftiger verleumbder Luther 30, 3, 233 W.; ein schwarzer, giftiger lügner Schiller 2, 15 G. (räuber I 1); der giftig neider H. Sachs fabeln u. schwänke 3, 204 Götze-Drescher; seine (des staates) faulen, giftigen neider Lagarde dtsch. schr. (1886) 44; er (Archilochos) ist ein spitziger, aber auch gifftiger (d. i. verletzend scharfer) singer gewesen, wider die, auff welche er seinen hasz geworffen C. Spangenberg von der musica 72 lit. ver.; geh giftige schwäzerin Schiller 3, 10 G. (Fiesko I 1); prädikativ: man soll den idealismusnarren nicht trauen! sie sind immer auch böse narren. sie werden giftig (gefährlich) Vischer auch einer (1904) 474; zugleich nach 5 hin gefärbt: wie gifftig und böse sie (sündige menschen) sind Luther 28, 14 W.; selten substantivisch: wie licht wolt ich dem gyfftigen (venefico) mit den negeln in die ougen wyschen Terenz deutsch (Straszb. 1499) 67a. II@B@22) von gefährlichen, verderblichen lehren, verirrungen, gedanken, anschauungen, einflüssen, tendenzen, vielfach seit frühnhd. zeit in theologischer umwelt: wann nun ... die gifftig leer in das hertz kombt Luther 17, 1, 140 W.; gifftiger yrthum 11, 245; all giftig sünd durch mündliche peicht austreiben Berth. v. Chiemsee teutsche theologey 514 R.; solche böse gedanken sind so geschwinde, so hefftig, so gifftig, dasz ... J. Qvirsfeld geistl. myrrhengarten (1717) 179; eine holländische schrift, welche unter einem anmuthigen namen gifftige meynungen verbirget Pietsch geb. schr. (1740) 205 Bock; mit dem nebensinn des arglistigen, tückischen: neue österreichische note in der deutschen sache, unter verworrnen dunklen phrasen die giftigsten machtgelüste Varnhagen v. Ense tagebücher 5, 86; staatsmänner, die in ihren planen keineswegs so giftige motive verborgen hegen, als sie (anrede) ihnen unterlegen Bettine dies buch (1843) 1, 277. II@B@33) von vorfällen, geschehnissen, zuständen, 'widerwärtig, schlimm': was aus solcher gifftiger newigkeit entstehen möchte Schütz historia rer. pruss. (1592) 190b; und ist es an dem, dasz die teutsche sprache von keinen mechtigern feinden überfallen, noch von einem giftigern unsterne überstralet werden kan Schottel hauptsprache (1663) 12; zwytracht zwischen brüdern ist gifftiger, als scorpions gifft Lehman floril. polit. (1662) 3, 25; im halben schlummer giftige träume Göthe 8, 159 W.; mit besonderer note: diese deine reden zeigen an, was es müsse für eine giftige sache um die liebe seyn A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 539. II@B@44) von schriften gefährlichen gepräges mit wechselnder verteilung der akzente. zunächst herrscht der begriff des gehässigen, feindseligen, auch verleumderischen vor. von flug- und schmähschriften der reformationszeit: wie ich uber solchen gifftigen büchern pflege, einen guten frölichen mut haben Luther 23, 27 W.; die weil du (Luther) ... den Carolstat so mit gifftigem schreiben vberlauffst reformationsflugschriften 10, 42 ndr.; mit gyfftigen geschrifften Hutten opera 2, 193 Böcking; ausz einem gifftigen und friedbrüchigen tractätlein Londorp acta publica (1668) 1, 240; in jüngerer zeit mehr mit dem tone des beiszenden, sarkastischen: die giftigste schrift, die ich gegen den hrn. prof. Philippi gemacht habe C. L. Liscow sammlung satir. schr. (1739) vorr. 25; die giftige rec. der Horen Göthejahrbuch 1, 320; die giftige von Caesar bitter empfundene invective (ätzende verse Catulls) Mommsen m. gesch.4 3, 319 anm.; schwächer: eine folge von betrachtungen über gesellschaft, kultur und kunst unserer zeit, ein kleines, giftiges büchlein H. Hesse Peter Camenzind28 105. mit dem begriff des sinnlich aufreizenden, sittlich ungesunden: die unzüchtigen giftigen schriften, als die Stella und die wahlverwandtschaften aus d. lager d. Göthegegner 74 lit. denkm. II@B@55) in sonstigem gebrauch. von herz, seele, mund, zunge, auge, blick u. ä.: was kan aber gresslicher sein, denn eyn solch bitter und gifftig hertz Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) 7a; ein gifftig hertz und böse zung verderbet alle richtigkeit und einigkeit Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, v 3a; in deiner giftgen ränkevollen seele M. Beer s. w. (1835) 7; giftiger mund (labia tumentia) prov. Sal. 26, 23; sic mulieres die der ehren am furnemsten, haben die gifftigsten meuler Luther 29, 405 W.; die gifftigen meuler, qui euangelion blasphemant ebda 34, 1, 127; de hät en giftigə (scharfes) maul rhein. wb. 2, 1229; durch gifftig zungen verlumbdt (verleumdet) Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) d 1b; er mag es schon wissen, wie viel man von ihrer (anrede) zunge zu fürchten habe. eine giftige zunge! Lessing 2, 334 L.-M.; ich hab allein sorg auff die gifftigen augen ... deren fraw doctorin unnd meisterin Paracelsus opera (1616) 1, 143a; er merkte nicht, dasz die bäuerin und die mutter ... ihn mit giftigeren blicken ansahen als je vordem Zahn schattenhalb (1904) 228; giftigə ogen, gesich mache rhein. wb. 2, 1229. von äuszerungen der rede: nam ubi est odium, do folgen gifftige, bosze worth hinden eynen odder unter ougen Luther 34, 1, 446 W.; ebda 20, 272; vgl. auch ps. 64, 4; reden, so persönlich giftig und beleidigend Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 8; schmähung, lästerung, lüge u. ä.: mit gifftigen, bittern, ungestümen scheld- und schmachworten umb sich werffen theatr. diabol. (1569) 2, 148b; so ward er einige jahre lang gegenstand der giftigen lästerungen Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 29; jhr gifftige lügen und lestern Luther 30, 3, 365 W.; ebda 10, 2, 230; det giftig nachred treiben H. Sachs fabeln u. schw. 3, 327 Götze-Drescher; was hat ihm dies 'von Fallersleben' für giftige nachrede verursacht! adelskoketterie! schrie man Laube 1, 128; vgl. noch: der dichter ist in der wuth ...: wenn er zuweilen lacht, so ist es ein grausames giftiges lachen Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 3, 137. neben ausdrücken des affekts. hier verbindet sich, und zwar schon in älterer zeit, mit der bedeutung des schlechthin feindseligen, bösartigen ein intensitätsbegriff 'stark, heftig', der in jüngerer sprache meist überwiegt: deyn (Karlstadts) bitter gifftiger groll Luther 18, 141 W.; deutlich zum blosz gradmäszigen verblaszt: o tückisch weib! drei jahre konntest du so gifftgen groll in deinem busen tragen? Raupach dram. werke kom. gattung (1829) 1, 340; neben grimm markanter, 'wütend, zornig': allda er ausz eitelm gifftigem grimm also rasend und sinnlosz worden, das er seine eygene hände gefressen! Fischart binenkorb (1588) 228b; so noch heute: ihr blauer hals schwillt an, mit giftgem grimme knirscht sie empor, und bleich flieht er zurück Schiller 6, 365 G. anders: darüber erzeugte sich so eine giftige wut in ihrem busen, dasz Göthe 44, 73 W.; der kurze rausch war verflogen und machte ... einer giftigen erbitterung platz Dahlmann franz. revolution 95; sehr häufig neben neid: der gifftig bitter neid unrein, der ist ein eiter dem gebein H. Sachs 19, 286 K.-G.; fühlbar verblaszter: des schlechten menschen giftigsten neid Holtei erz. schr. 20, 64; selten von affekten der freude. mit besonderer note: (der teufel) hauchet und admet seine gifftige lust ... in sie (Eva) Mathesius Sarepta (1571) 180a; allzureizende erinnerungen — mischet nicht eure giftige wollust in meine quaal! Wieland I 3, 81 akademieausg.von empfindungen: aus unrechtem, schwermerischem und giftigem argwohn Nigrinus von zäuberern (1592) vorr. 7a; giftigen verdacht Uz poet. werke 135 Sauer; dieses zweiköpfige ungeheuer, das ... aus zween schlünden giftiges misztrauen in die gemüther haucht Schubart leben u. ges. 2, 16; er aber, mit dem lächeln der giftigsten verachtung sprach Kretschmann s. w. (1784) 1, 141. II@B@66) adverbieller gebrauch. II@B@6@aa) sie werden gifftig wider mich allenthalben (sermonibus odii circumdederunt me) ps. 109, 3; so gifftig und heslich künnen sie von Christo reden Luther 19, 607 W.; biss der wolff seine zeen zusamm, und fleng gifftig zu lachen an Rollenhagen froschmeuseler (1595) q 2a; der zieraffe Andrea meckerte recht giftig hinterdrein Gaudy 2, 108; as hei ... achter sick giftig flustern hürte Fr. Reuter 2, 247 Seelmann; so giftig kam ... bei ihr alles heraus! Ebner-Eschenbach (1893) 4, 191; wie auch der pöbel uns dumm anstarren oder gar giftig verfolgen möge Solger Erwin 1, 182. II@B@6@bb) adverbiales giftig neben adjektiven. hier wird vielfach eine schon unter 5 erwähnte intensitätsvorstellung fühlbar, in älterem nhd. noch nicht so ausschlieszlich: weil diejenige, so damit (mit d. spielwut) behafftet, gantz gifftig darauf verpicht seyn Grimmelshausen Simplicissimus 283 Kögel; denn es ist giftig kalt Scheffel ges. w. 4, 13 Prölsz; in anderen fällen hat das charakterisierende moment die vorhand und ist giftig eher adjektivisch zu verstehen: schon schwebts heran mit giftig klaren flammen (wie gift zuwider, verhaszt) Göthe Faust 11722; vgl. noch: seine (Nestroys) giftig-sittenlosen possen Hebbel w. 10, 299 W.; die tante giftig-piquirter wie je Raabe hungerpastor (1864) 2, 206; giftig neben farbadjektiven s. oben A 6. vgl. noch die belege unter A 7. II@B@77) 'zornig, grollend, wütend, ärgerlich', vgl. gift B 10 b β: unangesehen das dasz volck uber die massen gifftig gewesen (über die errichtung von zwanzig galgen) Fischart discours (1589) k 1a; der rasende vater aber, der auf die worte des ehrenmanns noch giftiger geworden war Göthe 44, 19 W.; zletzt bin i harb und gifti worn K. Stieler ged. 2, 34 Reclam; so dasz sie (die base) oft ganz ärgerlich und giftig das buch zuklappte Raabe hungerpastor (1864) 1, 50; als dasz ... beide parteien wie giftige höckerinnen sich um ... jeden beichtkreuzer abbalgten Steub drei sommer in Tirol (1895) 65; selten in der fügung einem giftig sein: die bestie (Spiegelberg) ist dem hauptmann immer giftig gewesen Schiller 2, 157 G.; sie war mir stets entgegen, immer giftig Tieck schr. 1, 84; um so häufiger mit präpositionen: auf einen giftig sein, werden, heute die geläufigste wendung: da ward sie gifftig auff Ülnspiegel Till Eulenspiegel (1515) 19 ndr.; der bapst und kayser, sie seind gifftig auf uns Luther 17, 1, 146 W.; weil du giftig warst auf die hunde Frenssen Jörn Uhl 188; a īs ... giftich uff a K. Rother d. schles. sprichwörter (1928) 378; seltener: das er gein ir so gifftig wart fastnachtspiele 1144 Keller; der könig ... plagte madame d'Estampes scherzend darüber, die nur deszhalb noch giftiger gegen mich ward Göthe 44, 75 W.; anknüpfung mit über: eben damals, als euer bischof so giftig über mich wurde Göthe 8, 25 W.; he is giftig üver (op) den rhein. wb. 2, 1229. in den mundarten ist die bedeutung allgemein: giftig zornig Zaupser bair. u. oberpfälz. id. 30; gifti zornig, böse Schmeller-Fr. 1, 876; Castelli Österr. 139; Lexer kärnt. 114; Loritza id. Vienn. 51; schweiz. id. 2, 136; Martin-Lienhart 1, 200a; Fischer schwäb. 3, 656; von menschen, tieren 'zornig, wütend, böse, aufgebracht' rhein. wb. 2, 1229; Hertel Thür. 106; Bauer-Collitz waldeck. 40a; Schambach Gött.-Grubenh. 64a; Woeste-N. westfäl. 80a; Mensing schlesw.-holst. 2, 379; Brendicke Berliner wortsch. 128; Frischbier preuss. 1, 233; Bernd Posen 76.
19407 Zeichen · 390 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Giftig

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Giftig , -er, -ste, adj. et adv. 1) Gift enthaltend. Giftige Kräuter, giftige Thiere, eine giftige Luft. Der Schirling i…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    giftig

    Goethe-Wörterbuch

    giftig in Götz 1 u einem frühen Briefzeugnis -ff-; einmal subst; in ‘Cellini’-Übs meist für velenoso 1 Giftstoffe enthal…

  3. modern
    Dialekt
    giftig

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    giftig [keftik Su. ; kefteχ Wh. ] Adj. 1. giftig; verletzend: Geiler Narr. 19 ‘das er kein schädlich vnnd gifftig Wort a…

  4. Sprichwörter
    Giftig

    Wander (Sprichwörter)

    Giftig 1. A is giftig wie anne Kröte. ( Hirschberg. ) 2. Er ist giftig wie ein Kurrhahn. – Frischbier 2 , 1277. 3. So gi…

  5. Spezial
    giftig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    gif|tig adj. 1 da tosser 2 (böse) ‹fig› agressif (-s, -iva), da tosser . ▬ giftig e Schlange bisca da tosser f. ; giftig…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit giftig

17 Bildungen · 10 Erstglied · 2 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von giftig

gift + -ig

giftig leitet sich vom Lemma gift ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von giftig 2 Komponenten

gif+tig

giftig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

giftig‑ als Erstglied (10 von 10)

giftigen

DWB

gift·igen

giftigen , vb. , zu giften 1, schenken: und ( wir ) han in daz geferteget, gegyftiget und uofgebin ... nach rehte und gewonheit dez landis (…

giftigen

FWB

1. s. giftig 1.; 2. ›jm. etw. als Schenkung vermachen‹.

giftiger

DWB

gif·tiger

giftiger , m. , schenker: nehst nach dem Ludovico ist dieser kerchen patronus und giftiger Conradus dux J. Mechtel Limburger chron. 16 Knets…

giftiggrüen

ElsWB

giftiggrüen Adj. schreiend grün Str. ‘

giftighell

GWB

giftig·hell

giftig-hell 15 2 ,161 Faust II 11722 Var [ Zit s v giftig-klar ] Michael Schilar M.S.

giftigkeit

DWB

giftig·keit

giftigkeit , f. , giftige eigenschaft, giftgehalt, giftstoff, schon mhd. bezeugt ( s. u. Boner ), vorwiegend in medizinischnaturwissenschaft…

giftigklar

GWB

giftig·klar

giftig-klar iSv unerträglich blendend, sengend; im bildhaften Zshg (Rosen- u Feuermetaphorik) die Liebe als dem Bösen gefährl Macht kennzeic…

giftiglich

DWB

giftig·lich

giftiglich , adj. , seltene sprachliche und sachliche variante zu 2 giftig, wesentlich aufs ältere nhd. beschränkt, und zwar auch lediglich …

giftigung

DWB

giftig·ung

giftigung , f. , vergiftung, giftwirkung: darumb ( weil der giftstoff vielfach im körper bleibt ) machen sie ( begleiterscheinungen der syph…

giftigvoll

PfWB

giftig·voll

 giftig-voll Adj. : ' übervoll ', giftig voll [ Beam Penns 42]; vgl. gehauft .

giftig als Zweitglied (2 von 2)

springgiftig

DWB

spring·giftig

springgiftig , adj. auszerordentlich giftig, zornig, erbost, eigentlich so zornig, dasz man seinem gegner am liebsten ins gesicht springen m…

vergiftig

DWB

ver·giftig

vergiftig , adj. 1 1) giftig, vergiftet, mhd. vergiftic, mnd. vorgiftich, in den glossarien der übergangszeit: vergifftich, venenatus Dief. …

Ableitungen von giftig (5 von 5)

begiftigen

KöblerMhd

begiftigen , sw. V. nhd. begaben, geben Hw.: s. begiften; vgl. mnd. begiftigen Q.: DRW (1350) E.: s. begiften, be, giftigen W.: s. nhd. (ält…

ungiftig

DWB

ungiftig , adj. adv. , nicht giftig: der (basiliscus) ist in ime selbst nicht vergifftet, sondern ungifftig Parac. 1, 380 B .; getreidegräse…

vergiftig

DWB

vergiftig , adj. 1 1) giftig, vergiftet, mhd. vergiftic, mnd. vorgiftich, in den glossarien der übergangszeit: vergifftich, venenatus Dief. …

vergiftigen

DWB

vergiftigen , verb. vergiften, aus dem adjectiv vergiftig entwickelt, während aber beim adjectiv schon mhd. nur die jüngere bedeutung giftig…

vergiftigung

DWB

vergiftigung , f. vergiftung: veneficium, vergifftigung Dief. 610 b ; die verderbung und vergifftigung desz euszerlichen luffts. Uffenbach n…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „giftig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/giftig/dwb
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Cotta, Marcel. „giftig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/giftig/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „giftig". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/giftig/dwb.
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