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stieglitz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stieglitz m.

Bd. 18, Sp. 2828
stieglitz, m. , fringilla carduelis. herkunft und form. seit dem 13. jh. bezeugt. aus dem slav. entlehnt (s. Jac. Grimm kl. schr. 8, 52), ebenso wie die namen der verwandten vögel girlitz, grünitz, zeisig; slavisch-deutscher vogelhandel ist im 13. jh. bezeugt, s. Schrader reallex.2 2, 397. der heimische name distelfink (teil 2, 1195) erlitt durch diese entlehnung starke einbusze. stieglitz ist offenbar gleich nach seiner entlehnung weit ins schrifttum gedrungen und ist lexikographisch häufig verzeichnet. vielleicht trug zu der raschen verbreitung bei, dasz die vogelkenner in dem fremden wort eine naturgetreue nachahmung seines rufes sehen: aput nos distelvinche, aput quosdam vero stygeliz ab imitatione vocis vocatur Albertus Magnus de animalibus 2, 1415 Stalder; so auch Brehm tierl. 4, 303; hwb. d. dtsch. aberglaubens 8 (1937) 481; Brückner slownik etymol. języka polsk. 545 sieht in den slav. formen (s. u.) eine schallnachahmende wurzel. die heutige mundartliche verbreitung des wortes entspricht seiner östlichen herkunft, s. Suolahti vogelnamen 117: im nd. von Ostpreuszen bis Westfalen; im md. von Schlesien bis Thüringen, vgl.: stieglitz 'sehr selten' Schöner Eschenrod i. Oberhess. 52; darüber hinaus nur stirlitz luxemburg. 423b; im schwäb. augenscheinlich unter schriftsprachlichem einflusz, s. Fischer 5, 1767; im bair.-österreich. neben distelfink. — keines der deutschen zeugnisse weist, wegen des auslautes, auf herkunft aus formen wie poln. szczygieł, szczyglik, tschech. stehlík. näher stehen tschech. stehlec und das demin. poln. szczygliczek, tschech. stehliček, auch poln. szczyglica 'stieglitzweibchen'. obersorb. štiglica, štiglic und andere slav. formen sind aus dem deutschen rückentlehnt, s. Bielfeldt dtsche lehnw. im obersorb. 262; Miklosich et. wb. 342; aus dem deutschen auch lit. štyglìtsas, s. Alminauskis germanismen des lit. (1934) 136. das seit ältester zeit neben stieglitz häufige stiegelitz zeigt wohl deutschen sproszvocal, weniger wahrscheinlich ist dagegen direkte wiedergabe einer slav. form wie poln. szczygieł, szczygiełek. auf einer slav. form beruht wohl der auslaut des nd. stiglitsch, stigelitsch, steilitsch, s. Mensing schlesw.-holst. 4, 826; Danneil altmärk. 212; nd. korresp.-bl. 16, 84 (mecklenburg.); Dähnert pomm.-rüg. 460a, vgl. poln. szczygliczek; andere form zeigt stieglitzk Frischbier preusz. 2, 371; vgl. stegelistike voc. v. 1425 bei Diefenbach 100. fem. genus ist auszer im nd. auch bezeugt im thür. sdeleze Hertel 235 und im schles. stilze Knothe 518; so auch: die stieglitz ein vogel Steinbach 2, 702; vgl. damit die alten formen mit ausl. e: stigelitze voc. d. 15. jh. bei Diefenbach 100; steghelitze voc. v. 1417 bei Diefenbach nov. gl. 75. abweichend von der schriftsprache ist für das altmärk. (s. o.) der wortton auf der zweiten silbe bezeugt, wie im poln. szczygliczek; die gleiche betonung wird auf nd. boden und bei autoren nd. herkunft nicht selten durch reim und rhythmus nahegelegt: Fritze, schtiejlitze, dein zeisig is dodt Brendicke Berliner wortschatz 178b; und den vorrath seines gerstentrankes für stieglitzenschmäuse angeschafft U. G. Prätzel feldherrnränke (1815) 6; siehe unten noch J. H. Voss (ders. auch sämtl. ged. [1825] 2, 162), Chr. Ew. v. Kleist (sp. 2830) sowie Ringwalt (s. u.); abseits steht und für sich zu werten liederbuch der Kl. Hätzlerin 158, s. u.die form mit e in der hauptsilbe scheint auf das ältere nd. beschränkt: stegelicz deutsch-preusz. voc. nr. 734 Nesselmann; stegelitze nd. voc. d. 15. jh. bei Diefenbach 100; stegelitz s. u. 2; auch stegelisse, s. Schiller-Lübben 4, 376. — schwed. steglitsa und ältern. stiglits aus dem deutschen, s. Falk-Torp 1167. bedeutung und gebrauch. 11) stieglitz erscheint häufig, von den ersten belegen bis heute, associativ mit distel verbunden, von deren samen er sich nährt (darauf beruht sein heimischer name): carduall disteluinch, stigliz (13. jh.) ahd. gl. 3, 31, 55; distelfinck, stiglitz pascitur semine carduorum Er. Alberus nov. dict. (1540) z 1a; ein distelvogel, distelfincke oder stieglitz Coler oec. rur. (1645) 1, 620; die groszen disteln ..., deren saamen die stieglitze auch sehr gerne fressen mögen Döbel neueröffn. jägerpractica (1754) 2, 255; im sommer werden die stieglitzer da wieder lustig um die rothen distelblumen spielen Storm w. (1899) 7, 175; nannte der vorfahr ... den distelfink stiegl-iz, weil er das stichelgewächs liebt J. H. Voss zeitm. d. dt. spr. (1802) 73. allegorisch: carduelis haizt ain stiglitz. der nert sich von den disteln, und daz ist ain groz wunder, daz der vogel so wol singt. ach got, du waist wol, wa dein stiglitz singent, du waist auch ir haimlich dornezzen wol Konrad v. Megenberg buch d. natur 183 Pf.in der dichtung steht der stieglitz traditionell in einer reihe anderer kleiner vögel, besonders oft mit zeisig und fink zusammen: gallander und die nachtigall stiglicz und zeyslein Seifrid Alexander 4855; des laids wir da vergassen, wir sahen ob vns sitzen nachtgall, droscheln und stiglitzen liederbuch der Hätzlerin 158; der zeyssig, stegelitz und henfeling wolten nicht bier sondern wein trinck spruch u. alcherey von vögeln (Erfurt, M. Sachs 1532) a 3b; zu disem sah ich uberall vil drusseln, lerchen, nachtigall, stiglitzen, zeisig, küniglein und andre vögel gros und klein Ringwalt christl. warnung (1589) e 5b; wie dann die schwalb, im nest verborgen, mir beut vom giebel guten morgen, und fink, stiegliz und nachtigall vom blütenhain am wasserfall J. H. Voss s. ged. (1802) 6, 193; stieglitz, zeisig und konsorten Gaudy s. w. (1844) 1, 194. der stieglitz als typ des munteren singvogels: kein stieglitz pfeift mir hier was für Stoppe Parnasz (1735) 413; als dieser im irrgarten einen munter zwitschernden stieglitz vom baume schosz Holtei erzähl. schr. (1861) 14, 30; der eintönige stieglitz spielt frage und antwort mit den spatzen im gärtchen Bismarck briefe an braut u. gattin 365. — der stieglitz wird gefangen und im käfig gehalten: ein husz, des dach und wende sollen sin von erendrote dicke geflochten. in das sollen gesatzt werden rephüner, nachtgallen, stigelitz, und ander geslechte vogel wol singinder Petrus de Crescentiis ruralium commod. lib. (1495) 145b; es het ein knab ein stiglitz gfangen, im kevit an ein fenster ghangen Burkhard Waldis Esopus 1, 262 Kurz; zeisige und stieglitze in käfigen aufgehangen zwitschern dazwischen Göthe 25, 113 W.; in winter fungen se steilitschen in en slaggbur, ... de speln int bur Klaus Groth ges. w. (1893) 1, 11; daher: wer nit besser, dein strauszmägiger magnet ziehe gold wie der stiglitz die leimrut am wadel nach? Fischart Garg. 397 ndr.; ja, mein vater hat zwar den stieglitz nicht gefangen — aber er hat doch seine portion mutterwitz Meisl theatral. quodlibet (1820) 3, 197; sie sehnt sich nach mir, pan Oginski. wie das kind den stieglitz, hält sie mich festgebunden am bein Gerhart Hauptmann Elga (1929) 53; leben wie ein stieglitz, id est wol zu essen und zu trincken haben, aber gefangen sitzen Kramer 2 (1702) 970; du wilt mich leycht erst beten lern, du kanst kaumb ein stiglitz ernern Hans Sachs 14, 268 lit. ver.der stieglitz ist durch sein buntes gefieder vor anderen vögeln ausgezeichnet: es gibt viele vögel und darunter auch recht hübsche bunte, aber keiner hat doch so viele farben als der stieglitz naturgesch. märchen (1904) 70 Dähnhardt; ein stieglitz, dessen tracht die vögel neidisch macht Hagedorn poet. w. (1757) 2, 144; ... ein heer von bunten stieglitzen hüpft hin und wieder auf strauch, beschaut die blühende distel Chr. Ew. v. Kleist (1760) 2, 29; wie jedes anständige denkende wesen machte ich den versuch, in waffen gegen die welt aufzustehen; sie erhaschten aber den bunten stieglitz schon auf der nächsten hecke wieder und nun sitzt er in seinem käficht W. Raabe Abu Telfan (1870) 78; Malchen un Salchen keken ut ehre bunten, siden kleder up de drei lütten mätens in ehre verwaschenen kattunen kleder as de stiglitsch up de grasmügg Fr. Reuter 2, 104 Seelm.; steilitsch 'frauenzimmer, das in seinem bunten putze die nase hoch trägt' Richey hamb. 290; nach der bunten uniform benannt: stieglitz 'in früherer zeit spottname für die Königsberger stadtsoldaten' Frischbier preusz. 2, 371; stigliz 'hiesz in Augsburg der schar- und nachtwächter' Birlinger schwäb.-augsb. wb. 411. vgl. noch: seine sprache war ein stieglitz, sie hatte, wie es schien, aus allen gauen ein färbchen abbekommen P. Dörfler Apollonias sommer (1932) 8. 22) übertragen auf einen fisch: von den stieglitzen. es sind diese gestaltet wie die ellritzen, sie stehen auch in den bächen gerne zwischen den ellritzen. der kopf und der rücken sind durchaus gantz schön buntfleckigt; weshalber ihnen auch nach dem buntfleckigten stieglitz vogel dieser name beygeleget wird Döbel neueröffn. jägerpractica (1754) 4, 86; von Adelung für Sachsen bezeugt: stieglitz eine kleine fischart 4 (1780) 751. 33) das fem. gelegentlich für das weibchen: auf dem kleinen zweige ... sasz eine junge stieglitz und lockte so zärtlich ... ich dachte wunder was für eine schöner junger stieglitz ihre verliebten seufzer erhören würde J. Chr. Krüger schr. (1763) 241. ebenso gelegentlich stieglitzin: der stieglitz auf der wanderschaft beträgt sich sehr scholarenhaft ... und trifft er eine stieglitzin, — gleich fliegt er zwitschernd zu ihr hin F. Dahn ged. (1908) 306.
9417 Zeichen · 237 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stieglitz

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Stieglitz , des -es, plur. die -e, eine Art kleiner buntfärbiger Sangvögel; Fringilla Carduelis Linn. Fringilla Ioui…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stieglitz

    Goethe-Wörterbuch

    Stieglitz [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stieglitz

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +5 Parallelbelege

    Stieglitz , Heinr., mehr durch den Selbstmord seiner Frau Charlotte , geb. Willhöft , als durch seine Dichtungen bekannt…

  4. modern
    Dialekt
    Stieglitzm.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Stieglitz m. : ' der Vogel Distelfink (Fringilla carduelis) ', Stiechlitz (šdīχlids) [ RO-Als FR-Albsh ]; vgl. Distelfin…

  5. Sprichwörter
    Stieglitz

    Wander (Sprichwörter)

    Stieglitz 1. Fritz, Stieglitz, der Kukuk ist todt, wir haben'n gegessen zum Abendbrot. ( Pommern. ) 2. Lieber als Stiegl…

  6. Spezial
    Stieglitz

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Stieg|litz (Carduelis carduelis) m. (-es,-e) ‹ornit› stidliz (-ic) m. , gardelin (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stieglitz

10 Bildungen · 8 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von stieglitz 2 Komponenten

stieg+litz

stieglitz setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stieglitz‑ als Erstglied (8 von 8)

stieglitzchen

DWB

stieglitz·chen

stieglitzchen , n. , dem. von stieglitz, vgl. stigelitzken Frederking Hahlen b. Minden 30 : wo bleibst du, mein liebchen? ... ha! da kommt s…

stieglitzenbürste

DWB

stieglitze·n·buerste

stieglitzenbürste , f. , name der distel, vgl. stieglitz sp. 2828: distel, die man stigelitzenbürsten heisset (1571) bei Fischer schwäb. 5, …

stieglitzferse

DWB

stieglitz·ferse

stieglitzferse , f. , in scherzhaften rezepten: xx lot stiglitzfersen gepraten auff dem sne (14./15. jh. ) in: anz. f. d. kunde d. dtsch. vo…

Stieglitz, Heinrich

Meyers

stieglitz·heinrich

Stieglitz, Heinrich , Dichter, geb. 22. Febr. 1801 in Arolsen, gest. 23. Aug. 1849 in Venedig, studierte in Göttingen und Leipzig, ward 1828…

stieglitzkopf

DWB

stieglitz·kopf

stieglitzkopf , m. : ein geistlicher fürst ... hat ... ihme einen peltz machen lassen von lautter stieglitzköpffen Abr. a s. Clara etw. f. a…

stieglitz als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von stieglitz (1 von 1)

stieglitze

DWB

stieglitze , f. , 'stieglitze, in Meiszen eine stufe über einen zaun zu steigen ' Adelung (1793) 4, 373 ; ebenso Schrader dtsch-franz. wb. (…