sichtig,
adj. sichtbar, deutlich, sehend. ahd. nur in der zusammensetzung ga-, ge-, kesihtîg, ungesihtig Graff 6, 124;
mhd. sihtec, sihtic, sihtig Lexer
handwb. 2, 920,
vgl. Schm. 2, 245,
mnd. sichtich Schiller-Lübben 2, 203
b;
nhd. in älterer zeit noch ganz geläufig, später ausgestorben (
auszer in zusammensetzungen, vgl. 2,
einl.).
schon Frisch 2, 272
a kennt es als simplex nicht mehr, Adelung
nur als oberdeutsch (
im sinne 1),
doch gehört es nach Schm.
a. a. o. auch hier nur der ältern sprache
an. 11)
in passivem sinne, sichtbar: visibilis hd. sichtig, dz man sehen mag. Dief.
gloss. 623
a. Stieler 2022,
s. unter sichtbarlich 1.
so bis ins 17.
jahrh. hinein nachweisbar. 1@aa)
häufig im gegensatz zu unsichtig (
vgl. dieses): ein schepper aller dinge, sichtiger unde unsichtiger; S. Pawel sprickt, dat me unsichteghe dingh begript by den sichtigen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 203
b; sichtige und unsichtige feinde.
salus animae (1503) 2
b. 4
a. 31
b. 193
a. 218
a; die verborgenhaiten gotes die uns unsichtig seind, beschawet man in den dinngen die da sichtig seind. Keisersberg
granatapf. H 3
d; wenn nitt seind alle ding sein (
des teufels), als die Manichei sprechent. wenn die selben meynent, das der bösz geist hab geschöpfft alle sichttige ding, und das gott hab allein geschöpfft die unsichtigen ding.
postille 2, 14
d; je neher das sichtige ist, je
ferner das unsichtige. Paracelsus (1589) 1, 379; dann dieweil wir fleisch sein in diser sichtigen welt, reden wir eben vom geist und jhener unsichtigen welt, wie der blind von der farb. Franck
chron. (1531) 7
a; wie aller sichtigen creatur ampt und werck sein solt, dz sy uns ins unsichtbar wesen eynfürten.
weltb. (1542)
vorr. 5
a; von nihte hât getihtet dîn wîser gotlîcher list swaʒ sihtic unde unsihtic ist.
Barl. u. Jos. 2, 24. 1@bb)
sonst in demselben sinne: denn wie ein mönsch alle sichtige ding erkennen muosz, durch die farb, also sol er jm ouch in allenn menschen gott lassen inblicken. Keisersberg
seelenparadies 8
a; solte er darumb viel Christus seyn, das man yhn ynn so unzeligen sichtigen teylen austeylt, so müsten auch so viel Christi seyn als viel stellen der welt. Luther 19, 527
Weim. ausg.; dieweil wir an uns finden krankheiten, deren ursprung im sichtigen leib nit ergriffen mag werden. Paracelsus (1589) 1, 242; dasz das erst (
das salz) sichtig, begreiflich und vergenglich ist. Thurneisser
von wassern (1572) 35; dann alle eigenschafften des geistes sind in der grossen bewegnüsz des wesens aller wesen leiblich worden, und in ein sichtiges greiffliches eingegangen. Böhme
de signat. rerum cap. 14, 39; ich sûchte dich (
gott) enbûʒen an sichtiger schônheit.
pass. 422, 91
Köpke; dû griffic, sihtic immer gebendeʒ iht. Frauenlob
kreuzl. 1, 8; wie wol die sichtig form verschwindt, die haimlich lieb doch des begyndt, das die sel davon gnad gewynt. Hätzlerin 2, 64, 120;
so besonders sichtiges bild, zeichen (
für etwas unsichtbares): doch ist es ein sichtig bilde gewesen, das er (
der engel, der mit Jacob rang) het angenomen. Luther 4, 181
a; wie Christus selbs allenthalben im evangelio dem volck das geheimnis des himelreichs durch sichtige bild und gleichnis furhelt. 6, 77
b; ein eusserlich sichtiges zeichen, das wir greifen und sehen mö
gen. J. Agricola 156
gem. fragestucke (1528) d 6
b; und sollen wir dann gott auff seines wortes bandt nicht glauben unverbürgt und ohne sichtigs pfandt? Opitz 4, 327. 1@cc)
leibhaftig, von gott und dem teufel: wane iʒ ne wart nie keine wîbis namen die deme vertuometen slangen, daʒ ist deme sichtegen tuovele als vil leides ie getete, als unser vrowe sente Merie. Leyser
predigten 101, 16;
gewöhnlich von einem menschen, in dem der teufel gleichsam sichtbare gestalt angenommen hat: wie zörnlîche unser herre von den sprichet, die unreht gerihte habent.
mali laici, mali religiosi. daʒ ist aber der sihtige tiuvel. Berthold von Regensburg 1, 131, 22 (
ebenso 144, 25); alsô tuot der ketzer: er seit dir vor alle süeʒe rede von gote unde von den engeln, daʒ dû des tûsent eide wol swüerest, er wære ein engel. sô ist er der sihtige tiuvel. 403, 13.
dafür: vrowe, der mit der stangen: der ist des sihtegen tiuvels kint und kumet ûʒ der hellen.
Virginal 694, 7.
vgl. auch: es halff alles nit, dahin must er, und glaub, ... wen got sichtig in ime weer gewesen, sy hetten in ime gehenckt.
d. städtechron. 15, 19, 27. 1@dd)
als bergmännischer ausdruck sichtiges silber, gold,
welches offen zu tage liegt, gediegen, im gegensatze zu dem, was in erzen gleichsam latent ist (?): uber solch gediegen silber, bricht nun sichtig silber inn allerley bergart. Mathesius
Sar. 28
b; wie auff Salomonis gang am Wernsperg auch solch ertz brach, wenn mans ins fewer legt, so sprosz sichtig silber herausz.
ebenda; was aber unscheinlich ertz sein, da man nichts sichtigs von silber inne sihet.
ebenda; goldertz bricht gedigen .. ich hab sichtig gold in einem eysenstein gesehen, wie auch in Steyrmarck weisz gold bricht, welches im fewer sein natürliche farb bekompt, so das quecksilber davon verrauchet.
ebenda; jedoch auch: solch gut (
reichhaltig) ertz ist offt sichtig, offt unsichtig und unkentlich. denn offt stehet an einem handstein, sichtig silber, glaszertz, oder rotgüldig ertz. man bawet auch wol ein derbe schwertz, oder gilbe, die zu 60. oder 100. marcken helt, ob wol nichts sichtiges dran ist. 28
a.
vgl. ferner: dis wässerlein führet mit jhm herausz an tag, schön gold, welches gar gedigen, und nahent fein ist, ... und ist dieses wasser nicht (
nur) corporalisch und sichtig gold mit sich führent, sondern es ist auch ein recht natürlich goldwasser an jhme selbert, unnd füret also sichtig und unsichtig, das ist, auch corporalisch und spiritualisch gold mit sich. Thurneisser
von wassern (1612) 235. 1@ee)
in der ältern sprache oft in stärkerem sinne, in die augen fallend, leuchtend, schön und ähnl.: sichtig, als rot, und der gleychen,
conspicuus. vast sichtig, wol anzesähen und zuo verwunderen,
prospicuus. Maaler 373
b (
vgl. sichtbar 7);
hell: es sol hinfür nyemands in diser stat, nachdem und es zwu hore in der nacht geschlagen hat, one ein sichtig prynent liecht auff der gassen geen.
Nürnberger polizeiordn. s. 55
Baader; in der malerei: die kleidungen, sollen zwar sichtig und zierlich seyn, doch also, dasz deren grosze falten nicht überquär den leib oder arm durchschneiden. Sandrart
acad. (1675) 1, 63
a; es ist auch wol zu merken, dasz, bey den nackenden leibern, die gewänder, so gelblicht, rötlich, veilfarb, und von purpur, .. nicht übel stehen: wann man sie nur etwas dunkler hält, als gemeldte fleischfarbe, und die jenige bilder, so näher unter das gesicht kommen, sichtiger und klärer von farben sind, als die andere. 63
b. 1@ff)
weithin sichtbar: ein sichtig ort, das der gesicht wol ligt, das man weyt, oder von verrnusz unnd allenthalben wol
sicht,
oculatissimus locus. Maaler 373
b. 1@gg)
ähnlich noch heute als seeausdruck sigtig wetter, '
helles wetter, bei dem man weit in die ferne sehen kann',
holl. zigtig weêr Bobrik 639
b.
vgl. sicht 2. 1@hh)
von abstracten, deutlich wahrnehmbar: sichtiger schaden, sichtige wunden, sichtiger gebrechen.
quelle (
von 1616)
bei Schm. 2, 245,
vgl. auch Frischbier 2, 340
a; er hab in gewunt ... mit scharffem ort, das sichtig pog wuntten sint.
qu. bei Haltaus 1687; es soll ein ieder auf seine zaunorten um das Dikach iederzeit ein mark sichtig und kenntlich machen.
tirol. weisth. 1, 82, 38; marchstein ze lëgen, marchstecken schlagen oder in die pämb sichtige march ze machen.
Salzb. taid. 29, 35;
ähnlich: soll man sie (
die ameisen) doch inn einer wand spüren, daran sie einen sichtigen pfat tretten, wenn sie offt drüber ausz und ein faren. Mathesius
Sar. 23
a; in weissen schilde ein swarczer strich ist sichtig und scheinperlich.
Sal. u. Markolf 241 (Bobertag
narrenb. s. 307). 1@ii)
mehr von geistiger wahrnehmung, deutlich merklich, offenbar, augenscheinlich, evident. so besonders sichtiger schaden: auch ist ainem ieden manne zu gelauben ... an seinem sichtigen schaden.
tirol. weisth. 1, 205, 25; wollt aber der, dës das vich ist .. nit gesten, daʒ sein vich den schaden thann habb, so soll der pfenter daʒ vich zu gericht treiben und .. beschauen lasn, .. daʒ er seinen sichtigen schaden .. bewären mug.
Salzb. taid. 220, 45; damit in negster nachbschau sichtiger nachtail nicht erfunden .. werde. 261, 8; es well dann der clager selb sweren auf seinen sichtigen schaden, das er im den getan hab.
quelle bei Haltaus 1687;
entsprechend: sy wellen auch in den laastetn kain verkauff noch wagnis auff dem saltz habn, allain an alle mue irnn sichttingn gwin.
urkunde Max. s. 367
Chmel. erkennbar, unterscheidbar: unt sol auch ein iclicher herre oder stat ein sichtig zaichen uff sein muntz slahen, daʒ man sie awʒ andern muntzen wol erkennen müge.
d. städtechr. 1, 241, 32 (
münzgesetz von 1385).
ferner sichtige urkunde: darum so haben wir geben diesen brief ze ainem sichtigen urchunde, und ze einem offen gezeige.
quelle bei Scherz-Oberlin 1497; zu ainen waren sichtigen urkund und einer echten bestaetigung diser sachen.
ebenda; weitere beispiele bei Lexer
handwb. 2, 920. —
anderes: die .. also zurück fallen von gott, den glauben verleugnen, und sich weder an sein wort, noch an solch sichtig exempel keren. Luther 5, 424
a. 1@kk) sichtig
als prädicat, sichtig sein: alse noch wol sichtig is.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 203
b; alle und iede beschechnen und gethonen gschwent, reutung, und einfeng, .. die offenbar und sichtig oder durch uns .. gestrafft sü
nd. Salzburger taid. 255, 31; der schein der glest gegen dem tag, daʒ iʒ alleʒ sichtig was. Suchenwirt 11, 63. sichtig werden: daʒ die wîssagen gehieʒʒen iuweren altfordern,daʒ ist nu sichtich worden.
fundgr. 2, 198, 37; daʒ offenlich wart sichtech.
pass. 82, 95
Hahn. in prägnantem sinne im bair. die kalben, die kuh wird sichtig,
nämlich dasz sie trächtig ist. Schm. 2, 245. — sichtig machen: sölliches hat gott auch betracht, darumb sich ainen weib sichtig gemacht.
Brixener pass. 4252 (
passionssp. aus Tirol s. 424
Wackernell). 1@ll)
adverbial: das Moses sichtig von gott das gsatz hab empfangen, vermeynt er. Franck
chron. (1531) 407
a; ein grosser kirchoff, da die todten alle jar ... auffstehn, und wie die schatten, weil das fest und der gotszdienst wehret, auff dem kirchoff sichtig stehn.
weltb. 122
b; dann wiewol das alles beschrieben ist, das sichtig den augen erscheint. Paracelsus (1589) 1, 239; diesz ist sichtig falsch, und streitet wider alle erfahrung.
quelle bei Schm. 2, 245; von dem an dem pfingstag herab kamen desz heyling geystes gab sichtig auff die apostel sein. H. Sachs 4, 1, 100
c. 22)
in activem sinne. so jetzt ebenfalls veraltet. doch ist gerade diese bedeutung in zusammensetzungen die gewöhnliche: sichtig, steht nur in den hierfolgenden compositis, an statt sehend, als scharfsichtig, für scharfsehend. Frisch 2, 272
a.
vgl. allsichtig (
theil 1, 239), ansichtig (
s. unten d), aufsichtig (
theil 1, 739), beisichtig (1, 1393), blödsichtig (2, 142), doppelsichtig (2, 1270), engsichtig (3, 482), feinsichtig (3, 1464), fernsichtig (3, 1540), halbsichtig, hellsichtig, hintersichtig, kleinsichtig, kurzsichtig (5, 2853), nahsichtig, sauersichtig (8, 1874), scharfsichtig (8, 2198), schelsichtig (8, 2521), schnellsichtig (9, 1310), schwarzsichtig (9, 2344), stumpfsichtig, tiefsichtig (11, 492), übersichtig, weitsichtig. (kurz-
und langsichtig
in anderm sinne s. unter sicht 5,
c. ein-, nach-, rück-, um-, vor-, zuversichtig
sind von den betreffenden subst. abgeleitet.)
passives sichtig
nur in durchsichtig (
theil 2, 1684
f.). —
die nhd. wörterbücher geben zumeist diese bedeutung: sichtig,
oculatus, oculeus Dasypodius; sichtig, sehend,
voyant, qui voit Hulsius 297
b; sichtig,
oculatus Schottel 1415;
beide nur bei Steinbach 2, 561: sichtig (
adj.)
visibilis, videns, oculatus. (Frisch
kennt sie nicht mehr, s. oben.)
sie ist indessen nur in bestimmten verbindungen üblich: 2@aa)
attributiv nur in der erst nhd. bezeugten, hier aber bis ins 18.
jahrh. hinein üblichen redeweise ich hab es mit sichtigen augen gesehen,
je l'ay veu de mes yeulx Hulsius 297
b. Steinbach 2, 561; dann ich sach mit meinen sichtigen augen, das sy vil mer jre ayde und pflichte dann gotes wort achteten. Th. Münzer
bei Luther 15, 231
Weim. ausgabe; ich sehe nunmehro mit sichtigen augen, was ich vorhin kaum glauben konnte. Liscow 345; Sanct Jago war stets sein geneigter patron, er ritt ihm als knappe zur seite; auch sah er mit sichtigen augen ihn schon behelmt und bepanzert im streite. Pfeffel
poet. vers. 5, 101.
so auch: er wirt mit sichtigen augen blind gemacht, dieweil er das glaubt, das nit zuglauben ist. Agricola
sprichw. 691.
vgl. sichtiglich 2,
c, sichtlich 2,
a. 2@bb)
dafür auch blosz sichtig schauen, sehen: also wirdts sichtig ersehen in tugenden unnd farben. Paracelsus
opp. (1616) 2, 18 C; was aber Carlstad an denen orten auszgericht, und wie er schröcklich vor seim ende, von der cantzel den bösen geist sichtig gesehen. Mathesius
Luther (1580) 60
b; als nun der frumb Pelopidas in seinem zelt entschlaffen was in dem veldläger, bey Leucra, ist jm nicht anders gwesen da, denn wie er gantz sichtig thet schawen dise zwo ermördten junckfrawen. H. Sachs 4, 2, 62
b.
ähnlich bei jemanden sichtig sein,
so dasz man sich sieht, von angesicht zu angesicht: ob wol die glaubigen lust unnd verlangen haben, ausz diesem ellend abzuscheyden, und beim herrn Christo sichtig zu sein. Mathesius
trostschr. (1565) L 4
a.
vereinzelt auch sonst attributives sichtig: ausz welcher sichtiger teglicher erfarung .. alle welt gezwungen wirt zusagen unnd zubekennen, dasz gott mehr hatt, denn er ye vergab. Agricola
sprichw. 8
a. 2@cc)
sonst begegnet sichtig
im mhd. und ältern nhd. (16.
jh.)
sehr gewöhnlich prädicativ in der formel sichtig werden
gewahr werden, erblicken. diese verbindung hat im mhd. das object meistens im acc. bei sich: dô die heiden wurden die kristen sihtic.
Oswald 2663; got den guoten. werden, den wirt er sihtic nimmer mê. Frauenlob 16, 11; sô uns der Berner sihtec wirt.
Virginal 673, 12; und sol ein amman gebieten, wer in sichtig werd, daʒ der uff in schryen sol und zuo louffen, und helfen sol, daʒ er uff recht behefftet werd.
urk. vom j. 1436 28.
brachmonats im geschichtsfreund 7, 145.
so noch zuweilen im 16.
jahrh.: wie manchen blick Reinhart nach dir ins fenster sahe, und dich nit sichtig ward.
buch der liebe 237
c;
jedoch ist hier der (
vereinzelt schon mhd. bezeugte)
gen. weitaus üblicher: das er des bawms auch der grüne sichtig ward.
Wilh. von Österreich 9
a; deszgleich die hertzogin als bald sye des ritters sichtig warde, als verlangen hindan satzte.
Galmy (1540) 51
a (
ebenso buch der liebe 57
a); als er nuon an die ende kam, da ward er unversehen der feind sichtig. Carbach
Liv. (1551) 70
b; bisz sie jrer beyder jungfrawen sichtig wurden.
buch d. liebe 248
b; in der landschafft Dalmatia ... soll ein meermensch gesehen seyn worden, welcher die anschawer sehr erschreckt, in dem dasz er sich auff die erden herausz gelassen, ausz begierd ein weib zu fahen, so bey nacht an dem gestad wandlet, welche als sie desz wunders sichtig worden, unnd geflohen, hat er sich zu stundt wider ins meer geworffen. Forer
fischb. 104
b,
vgl. auch sichtlich 2,
c. 2@dd)
zu sichtig
in dieser verwendung tritt gern ein adverbiales an,
das später mit ihm zu ansichtig
zusammengewachsen ist, s. dieses theil 1, 461
f. und Grimm
gramm. 4, 756.
hier überwiegt auch im nhd. der acc. getrenntes an sichtig (
stets mit acc.)
ist bis ins 16.
jahrh. hinein üblich, z. b.: wird ich den garten sihtec
an. Laurin 87; die wart man schir da sichtig an Suchenwirt 20, 179; als pald er mich wirt sichtig
an. fastn. sp. 280, 11; sobald er mich ward sichtig
an. H. Sachs 4, 3, 7
a; ich wil gleich in die kirchen gahn, ob ich mein tochtr würd sichtig
an. 4, 3, 13
c (
fastn. sp. 5, 56); dem kan mein herr kein arges than, sobald er sie wird sichtig
an. 5, 260
a. 33)
wörter gleicher lautform, aber verschiedenen ursprungs und gebrauchs. 3@aa) sichtig
für süchtig,
s. dieses, österr. sichti
wund, wundmachend Castelli 255,
für krankheiten, besonders eiterungen empfänglich (i hab a sichtige natur, bei mir thuat alles glei' g'schwiern) Hügel 149
b;
erzgebirgisch sichtch
schadenbringend (
von nähnadel, schere u. ähnl., durch deren berührung eine wunde schlimmer wird) Göpfert 47,
ebenso thür. Kleemann 21
a. Jecht 104
a,
bayreuthisch sixteg
entzündet, s. Baierns mundarten 2, 267.
diese bedeutung scheint auch in folgender stelle vorzuliegen: dasz Damon nicht die schwulst des krancken fingers dämpfft, das bringt ihm keinen schimpff, die ursach ist ja wichtig: es hat sein vornehm kind mit fleisch und blut gekämpfft, der satan kam darzu, da ward die wunde sichtig. Günther 531.
ist auch in der nachstehenden stelle sichtig
als süchtig,
ungesund, unzuträglich zu fassen: hette ich nimmermehr ... geglaubet, das di luft zu hofe so sichtig, und deinem gedächtnüsse so gefährlich, das es dir auch das andänken einer person, so dich so inbrünstig .. libet, auszuwinden vermöchte. Butschky
hd. kanzl. s. 66 — ? (
oder zu 1,
g?). 3@bb)
so vielleicht auch in folgender stelle, wo noch ein wortspiel mit sicht '
sieb' (
s. unter sichten)
beabsichtigt scheint: seht, spricht er, diesen tagedieb, er ist so sichtig wie ein sieb. Lichtwer
fab. 2, 7 (
erste fassung, vgl. Mendelssohn 4, 2, 373,
in den schriften s. 51
geändert). 3@cc)
preusz. sichtig
nasz, sichtiger boden,
auf dem man das wasser sieht. Frischbier 2, 340
a, sichtiges fett,
zerfliezendes. ebenda. vgl. nd. korrespondenzbl. 15, 90.