spott,
m. ludibrium, irrisio, cavillatio. 11)
das wort ist in der gleichen form seit alter zeit über das hoch- und niederdeutsche sprachgebiet verbreitet, ahd. mhd. spot,
altsächs. mnd. mnl. spot,
und findet sich auch im altnordischen als spott
nicht unhäufig, hier aber nur in der eingeengten bedeutung der verhöhnung und als neutrum (Fritzner 3, 498
a);
es wird, da es erst in späteren quellen auftaucht, von Niederdeutschland her eingedrungen sein. der auffallende umstand, dasz die hochdeutsche und die niederdeutsche form des wortes im auslaut dieselbe dentalstufe zeigen, kann so lange nicht erklärt werden, als die vorgeschichte des wortes noch völlig im dunkeln liegt und über herkunft und urbedeutung desselben sich nichts einigermaszen sicheres sagen läszt; ausgeschlossen ist nicht, dasz wir es mit einem technischen ausdruck der alten gaukler und spielleute für ihre erheiternden und neckischen darbietungen zu thun haben, der in die allgemeine sprache der Hoch- und Niederdeutschen in gleicher form überging; vgl. die glossen: cavillo mimico scirnlîchemo spotte Steinmeyer-Sievers
ahd. gloss. 2, 506, 32;
acroma spot 39;
ludicris spottunkun (
lies spottungun) 38
und dazu unter spotten 1
und spötter. spott
entbehrt von jeher eines plurals: ein ahd. dat. plur. spottum Graff 6, 328. 550
ist unsicher, da die letzten zwei buchstaben untergegangen sind: cavillo mimico mit scirnlichon spott .. Steinmeyer-Sievers 2, 477, 46;
versuche der neueren sprache, einen solchen zu schaffen, sind vereinzelt geblieben: Reinke sprach: oheim laszet doch bleiben, solche beschimpfte spötte zu treiben.
Reineke fuchs (
Rostock 1650) 64. 22) spott
in der milderen bedeutung des nicht verletzenden scherzes, spaszes, in der ältern sprache häufiger, in der neueren, wo es vor der härteren bedeutung (4)
gewichen ist, nur noch in resten, soweit es sich nicht mundartlich erhalten hat: ahd. spot
jocus, ridiculum, risus Graff 6, 327;
mhd. nhd.: si triben stille und offenbâr vröud und wunneclîchen spot, dâ mite wart des wînes got geprîset und gerüemet. K. von Würzburg
troj. krieg 16325; ze jungest kam ein schermûs geluffen zuo dem hûfen ûʒ: dô wart in lachen und in spot ir aller vorcht verwandelôt. Boner
edelstein 29, 17; ia dô giengeʒ ûʒeme spote (
über den spasz).
pass. 540, 94
Köpke; dû tobest ode eʒ ist dîn spot.
Iwein 1807;
auch mit übertritt in die stellung eines prädicativen adj. (
wie not,
vgl. theil 7, 918): weder is uch ernst of is uch spot?
d. städtechron. 7, 16, 30; sait, is't uch ernst of is't uch spot? 12, 136, 4005;
in allitterierender verbindung spiel und spott, scherz und spott: in spêl unde spot sprikt men vake de wârheit,
ludus sive jocus verum tacuisse recusat. Tunnicius 610; dasz kein schimpf bleib ohn ernst, dasz kein spil end ohn spot. Weckherlin 2, 695;
[] furcht ist nur spiel und spott, wo nichts zu fürchten ist. A. Gryphius (1698) 1, 72; und mir reichte Dorilis sie (
die kerze) mit spott und scherze. Göthe 1, 15;
auch auszerhalb der allitteration: du guter treuer frommer gott, was in die brust so tief sich schreibt, das ist kein wahn, das ist kein spott. Arndt
ged. (1840) 185;
in den begriff des gegenstandes einer belustigung übergreifend: sol denn mein fleisch, der wümer spott, ohn lebens-trost verstäuben? S. Dach
in den gedichten des Königsberger dichterkreises 224;
auch wie unsinniger, läppischer scherz, unsinn: aber Augustînus der spricht über genesim daʒ puoch, daʒ der stern dar umb kalt sei von den waʒʒern, die ob den himeln sint. wærleich mit urlaub, daʒ ist ain spot, wan kain waʒʒer ob den himeln ist. Megenberg 56, 24. 33)
als feste formel hat sich von der bedeutung 2
aus ergeben die verbindung ohne, sonder spott,
mhd. âne spot, sunder spot,
welche jetzt durch das positive alles ernstes, in allem ernst (
vgl. theil 3, 925)
ersetzt ist, und von einer äuszerung, behauptung, meinung gilt: gelouben ir daʒ gerne sult âne schimpf und âne spot daʒ im der ûʒ erwelte got sant einen boten wunnesam.
Engelhard 5435; der knappe wânde sunder spot, daʒ ieslicher wære ein
got. Parz. 120, 27; saga Maria sunder spot. heiʒet Jhesus din sun got? Brun von Schonebeck 6491; nu sage mir trut geselle vort sundir haʒ und ane spot, wer ist der da heiʒet got? 7136; die addir vorsmehen sin gebot, den sagen ich sonder allen spott, dasz sie von den selben scholden helsche pin muszen dolden.
Alsfelder passionssp. 601; und hältestn on allen spott, das unser glaiben ist von gott. Schwarzenberg 154
d; (
viele haben) christlichen orden genomen an, begeren darin on allen spot zuo dienen in vorcht dem höchsten
got. Schade
sat. u. pasqu. 2, 173, 316; o himlischer vater, ewiger got, thuo uns hilf und rat on allen spot! 176, 53; in einigen gegenden höret man noch jetzt: ich sage es ohne spott, es ist mir in der that kein spott (
kein scherz). Adelung; auch sollen dich (
Amor) belohnen, das sag ich ohne spott, fürtreffliche macronen und süszes zuckerbrot. Bürger
stutzerballade, im almanach der deutschen musen 1771,
s. 61;
vgl.: gloub mir, fürwor es ist kein spot. Brant
narrensch. 2, 18;
auch in verblaszterem sinne, wie gewiszlich, fürwahr, zweifellos, begleitend zu einer beteuerung: 'ich bin eʒ Îwein.' 'nû durch
got. 'herre. ich bin eʒ sunder spot.'
Iwein 2612; und doch mit sældenrîcher huote pflac dîn Gabriêl der guote wol mit triuwen sunder spot. Walther 24, 30; der was sunder spot marcgrâf ze Provenze. Ottokar 128; wer dises bornes gedrunken hott, den dorstet vorder an spott.
Alsfelder passionssp. 1338; der von herczen rein ist sunder spot, der schauwet auch ewiglichen gott. 1964;
vgl. dazu ohne schimpf, sunder schimpf
theil 9, 171. 44) spott,
in dem schärferen sinne des eine herabsetzung in sich schlieszenden scherzes, des verlachens, in welchem das wort schon seit dem ahd. vorwiegend gebraucht ist: cavillum hûch
l. spot, huec
l. spot, hosc
l. spot. Steinmeyer-Sievers
ahd. gloss. 3. 230, 24
ff.; cavillatio huhc
l. spot,
cavillum spot, spotte. Dief. 108
b; spott,
ludibrium, deridiculum, cavil atio, irrisio, irridiculum. Steinbach 2. 635; spott, verhöhnung, verlachung,
irrisio. Frisch 2, 305
b; höhnischer, hämischer, gutmütiger spott; weil grosz heuchley und spott dem sacrament widderferet. Luther 11, 445. 9
Weim. ausg.; ist das nicht ein grober spot? 16, 347, 28; ein giftiger spott,
sarcasmus. Steinbach 2, 635;
[] wahrer spott, schlimmer spott. Simrock
sprichw. 529; seine stille wuth wurde nur in kaltem spott sichtbar. W. Hauff 7, 213; nach dem entwickelungabende erschien Theoda nie an der öffentlichen tafel mehr; weder väterlicher spott, noch zank bezwangen sie. J. Paul
Katzenb. bader. 2, 63; sagte der Venetianer mit schmerzlichem spotte. C.
F. Meyer
Jenatsch 164; ich hân disen schemelîchen spot vil wol gedienet umbe
got. Hartmann
a. Heinr. 383; hab ich den lasterlîchen spot verdienet iender umbe
got. Iwein 4501; verwâʒen sî der arge spot! Marner 15, 19
d; dô wart ein michel spot dâ ze hove und ein grôʒer schal.
pf. Amis 800; ich wil sie nemen im namen gotts, ungehindert weltlichs spotts.
N. Manuel
Elsli Tragdenknaben 913; o welch einen spott haben sie da eingelegt (
davon getragen). Luther 1, 540
a; die burger ... musten mit spott abweichen.
Zimm. chron. 1
2, 126, 36; da die feinde nichts schaffen konnten, sind sie wieder mit spott abgezogen. Schärtlin
bei Freytag
bilder 2, 2, 263; lieszen fürstliche gnaden mir sagen, der wein ginge ab, und den spott brächte ich ihm zu, weil ich nicht zur rechten zeit heimgekommen wäre. Schweinichen
ebenda 289; ich lobe sie, dasz sie einem manne dem spotte preis geben, den die thränen so vieler wittwen und waisen noch nicht zur reue und erkenntnisz seiner ungerechtigkeiten gebracht haben. Rabener
satiren 1, 42; welt wird immer bleiben welt, ist des bösen so gewohnt, dasz sie den, der nicht wie sie, rasen will, mit spott belohnt. Logau
bei Lessing 5, 293; seinem nebenbuler den spott auf die schönste art heimzugeben. Schiller 3, 375 (
kab. u. liebe 1, 5); doch wolte Varus noch ein bessrer ritter sein, und rächen Cajus spott. P. Fleming 103, 61
Lappenberg; alle augen, alle pfeile des spotts sind auf mich gespannt. Schiller 3, 407 (
kab. u. liebe 2, 3); dasz die frauensleute des spottes vergaszen. Keller 7, 43; dasz er durchschaut und von der übermacht des spottes umgarnt sei. 135; hast du, was halb mit spott und halb mit knirschen altmeister Vosz gepredigt, all vergessen? Uhland
ged. 138; sinnt ihr bänder nur und fesseln für den deutschen sausebraus? peitscht ihm mit des spottes nesseln alle warmen triebe aus? Arndt
ged. (1840) 419. 55) spott
steht gern in festen verbindungen. 5@aa)
mit sinnverwandten substantiven, scherz (
in der schärferen bedeutung des spottes, vgl. theil 8, 2596), schmach (
schmähung theil 9, 878), schimpf, schande, hohn, laster (
lästerung)
u. a.: es ist der vernunft ein lauter schertz und spot, das Moses mit dem stabe ins meer schlegt und das meer sich fürchtet und von einander leufft. Luther 16, 188, 30
Weim. ausg.; ehe man mich mit spott und schmach aus dem lande jagt. Lohenstein
Arm. 2, 526
b; dem volck wirt hie (
er) dan gegeben zu spot und auch zu smacheit.
Alsfelder passionssp. 2490; sein selbsteigen schimpf und spot der ausbreitet und vermehret welcher sein nach-blut-geschlecht nur beschimpfet und entehret.
Reineke fuchs (
Rostock 1662) 28; sie müssen doch alle zu schanden werden uber dem volck, das jnen nicht nütze sein kan, weder zur hülffe, noch sonst zu nutz, sondern nur zur schande und spot.
Jes. 30, 5; in spott und schande bringen,
contumeliam alicui conciliare. Frisch 2, 305
c; darausz kumbt laster, spot und schande icz allenthalben in dem lande. Schade
sat. u. pasqu. 2, 182, 252; ich trüge spott und schande für föderung davon. Scultetus
bei Lessing 8, 310; ich stund in spott und schanden, du kömmst und machst mich grosz, und hebst mich hoch zu ehren. P. Gerhardt 25, 27
Gödeke; sint ich geredt, geruffen und gepredigt habe, von der plage und verstörung, ist mir des herrn wort zum hohn und spot worden teglich.
Jer. 20, 8; spot und honsprake se horden.
d. städtechron. 16, 203, 3420; des hot mich spot und hone.
Alsfelder passionssp. 1579;
[] da hats denn gottes zorn zum lohn, auf erden nichts als spott und hohn. P. Gerhardt 101, 54
Gödeke; der wird verfolgt und findet ein hohe schwere last zu leiden und zu tragen, gerät in hohn und spott. 231, 86; ich mag weder spott noch streych erleyden,
neque ridiculus esse, neque plagas pati possum. Maaler 381
c; daʒ er dâ heime funde mit gemeinem munde niuwan laster unde spot. Hartmann
a. Heinr. 1351; ungevüege site lân, unzuht lâʒen unde spot.
Barl. u. Josaphat 25, 3; spott und reu ward seines feindes lohn. Lessing 1, 33. 5@bb)
als acc. mit transitiven verben, spott haben: die stolzen haben jren spott an mir.
ps. 119, 51; ein narr treibet mutwillen, und hats noch dazu seinen spot.
spr. Sal. 10, 23; die andern aber hattens jren spot, und sprachen, sie sind vol süszes weins.
apostelgesch. 2, 13; her Karlot begunde kêren sîne hœnwîse an grâf Gerharten von Pîse und het mit im sînen spot. Ottokar 3453; ich musz der minen spot han, dasz hie (
er) dich sal sehen machen.
Alsfelder passionssp. 1558;
dafür spott aus einem haben,
wo die präposition in ursächlicher bedeutung steht (
vgl.aus
theil 1, 823): Judaei hatten yhren spot daraus. Luther 27, 476, 3
Weim. ausg.; die kristen heten wan irn spot ûʒ ir abgotern touben. Ottokar 52066; spott treiben,
auch hier mit ursächlichem aus: das ich frölich und getrost dem teufel mit aller seiner macht thar trotz und aber trotz bieten, ja meinen spot und gelechter aus jm treiben. Luther 6, 189
b; das nicht diese unbeschnittene komen und mich erstechen, und treiben ein spot aus mir.
1 Sam. 31, 4,
und danach bei Schiller: dasz nicht diese buben kommen und treiben ihren spott aus mir. 2, 189 (
räuber schausp. 5, 1); verzeich dirs gott das du aus mir treibst deinen spot. Ackermann
dramen s. 22
Holstein; sie achten auch nicht gots gebot und treyben aus der eh den spot. 40;
auch auf einen: ach geselle, forchtes du nicht gott, dasz du uff en (
ihn) dribest din spott?
Alsfelder passionssp. 5779;
jetzt gewöhnlich mit einem: spott und kurtzweil mit einem treiben,
habere sibi aliquem pro ridiculo et delectamento. Steinbach 2, 635; mich dunket, hie sy der wore got, mit dem er (
ihr) tribet uwern spot.
Alsfelder passionssp. 7398; wenns lüge war, gesteh mirs offenherzig, und treibe keinen spott mit mir. Schiller 5
1, 86 (
dom Karlos 2, 5); treibt man so mit dem sonntag spott? 12, 34 (
Wallensteins lager 8); spott erheben: die andern (
blumen) wiegten sich in lustgefühlen, sie wolten eben lauten spott erheben, da schosz die sonne ihre flammen-pfeile. Hebbel 6, 326
Werner; spott gieszen: (
er) gosz so bittern spott auf mich besonders. Lessing 2, 196 (
Nathan 1, 1); einem spott anthun: diesen sieg soll der himmel nicht haben, diesen spott mir nicht anthun die hölle. Schiller 2, 189 (
räuber schausp. 5, 1); spott erfahren, tragen, dulden, leiden: (
du) solt den spot der heiden nicht mehr tragen.
Hes. 36, 15; etliche haben spot und geisseln erlidden, dazu band und gefengnis.
Hebr. 11, 36; den spott der leute ertragen,
hominum cavillam ferre. Steinbach 2, 635; wir môsen dan von den wîben sulhen spot lîden, daʒ uns lieber mohte wesen, verlore wir alle hie den leben. Lamprecht
Alex. 2681; dasz sie oft von mir gelitten solchen spott.
Reineke fuchs (
Rostock 1662) 132. 5@cc)
sprichwörtlich namentlich den spott zum schaden haben (
vgl. auch unter schade
theil 8, 1971): und mus den spot zum schaden haben. Luther 24, 591, 17
Weim. ausg.; gleich wie ein vogel der sich uber eier setzt, und brütet sie nicht aus, also
[] ist der unrecht gut samlet, denn er mus davon, wenn ers am wenigsten acht, und mus doch zu letzt spot dazu haben.
Jer. 17, 11: herr Schweigkart wolt die satteldeschen vom würt haben, aber derselbig wust nichs umb den handel, ... und muest herr Schweigkart den spott zum schaden haben.
Zimm. chron. 1
2, 410, 14; also muoszten sy lachen zuo seinem groszen schaden, so jm dann widerfaren und zuohanden gangen was, und muoszt, wie man gemeinklich sagt, den spott zuom schaden haben. Wickram
rollwagenbüchl. s. 71, 11
Kurz; z dem ich bin ein alter man, muosz ich den spot zum schaden han. P. Gengenbach
gouchmatt 1118,
vgl. 719; kem man nit underwyl zuo spot, den man gern zuo dem schaden hot.
welsch flusz 7; der hat den schaden zu dem spodt. H. Sachs
fastn. sp. 1, 4, 119
Götze; ich musz den spott zum schaden han.
Zimm. chron. 4
2, 231, 45;
vgl. dazu: so muoʒ er ûf sich laden beide spot und schaden.
Martina 131, 52; denn wer den schaden hat, der darf vor den spott nicht sorgen.
Reineke fuchs (
Rostock 1662) 83; wer den schaden hat darf nicht vor dem spott sorgen,
ludibrium et risus comitatur damnum. Frisch 2, 305
c; ja wenn sich einer auf dem voltisierboden ein lahm bein oder sonst was groszes gesprungen hat, oder wenn er von sauffen schwindsüchtig wird, ... da scheint es so ungereimt nicht, dasz man sie vor dem spott nicht sorgen läst. Weise
kl. leute 61; darf ja, wer den schaden hat, für den spott nicht sorgen! Keller 10, 125. 5@dd)
in der fügung zu spott, zum spott (sein, werden, machen, setzen
u. ähnl.),
wo das subst. bereits den übergang zu der bedeutung 7
zeigt: zum spotte werden,
ad ludibrium recidere, zu spotte werden,
ludibrio haberi. Steinbach 2, 635; etwas zum spotte hin setzen,
ponere aliquid ad ludibrium, von jugend auf zum spotte gedienet haben,
a juventute habitum esse irridiculo. ebenda; du machest uns zur schmach unsern nachbarn, zum spot und hohn denen, die umb uns her sind.
ps. 44, 14; sie sollen zu spot und zu schanden werden, alle die dir gram sind.
Jes. 44, 11; ein einigs ebreisch weib hat das ganz haus NebucadNezar ... zu spot und hohn gemacht, fur aller welt.
Judith 14, 14; da mit man nicht dem teuffel das hohe sacrament zum spot setze und got verunehre. Luther 19, 538, 26
Weim. ausg.; meinen feinden, welche mich ohne schuld zu spott setzen. Schuppius 683; der gutmüthige mensch wird für ein spielwerk genommen, zu spott gemacht. Iffland 7 (1828)
s. 47 (
mann von wort 2, 3); (
der ich) den leuten zum spotte war. Rosegger
waldheimat 2, 15; er trug auf seiner wange ein schwarzes mal, das erblich war in seinem geschlecht, einem ahnen wars zum spott gewesen, jetzt aber galts für ein königszeichen. Freytag
ahnen 1, 75; doch hete man so gar zu spote die cristen, der man vil erslûc.
pass. 31, 16
Köpke; doch ihre (
der schriftgelehrten) weisheit, ihre list zu spott und schande ward. Claudius 8, 206;
in andern fällen aber tritt diese bedeutung zurück und zu spott, zum spotte
betont noch mehr blosz absicht, zweck, erfolg der verspottung: und setzt jn ab zu einem spot fürbasz von dem speiszmeister ampt. H. Sachs 2, 4, 125
c; meine kinder allzumahl, o wie grobe possen, hat er neulich vorgehabt, da er sie begossen mit der seiche, das ihr drei kaum mehr konten sehn, sondern musten so geblendt ihm zum spotte gehn.
Reineke fuchs (
Rostock 1662) 23; o häupt zu spott gebunden mit einer dornenkron! P. Gerhardt 49, 3
Gödeke; ach! dasz noch manche sind, die sich zu spott und hohn des aufgebrachten volks aufschwangen auf den thron! Gleim 6, 355; mich ärgern nur die jungen kecken ranken, die wie zum spott noch schmücken thor und mauern. Eichendorff 1
2, 350.
ähnlich im spott,
das aber die handlung des spottens hervorhebt: ihn nannten die knaben im spott könig Bausback. Freytag
ahnen 1, 63. 5@ee)
im ausrufe: o spott! ein seidenwurm der wirkt, bisz er kan fliegen: und du bleibst wie du bist, nur auf der erde liegen! Scheffler
s. 154
neudruck (
cherub. wandersm. 6, 32).
[] 66) spott,
bezeugung, äuszeres anzeichen der verspottung, von der spottgeberde gesagt: dô warf der alte sînen spot ûf den unreinen abgot, den er vil twerches ansach.
pass. 278, 51
Köpke; die gedankenschnelle bewegung der gesichtsmuskeln, wie sie in leichtem spott um den mund, im tiefen ernst um die hohe stirne spielten. W. Hauff 7, 7 (
mem. des sat. 1, 1); er wies mit einer komischen, zwischen ernst und spott schillernden miene hinüber nach dem prachtgiebel der jesuiten. C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 132. 77) spott,
gegenstand des spottes, von personen, zuständen und dingen. 7@aa)
von personen: zer küneginne sprach er sân: frouwe, bin ich iwer spot?
Parz. 193, 23; ich würde anders gar ein spot, vernæme man daʒ mære daʒ ich betrogen wære.
pf. Amis 1436; so enwerstu nicht der lüde spot. Gerhard v. Minden 28, 48
Leitzmann; zuvor lies got Mosen sincken und Pharaonis hohn und spot sein. Luther 16, 107, 31
Weim. ausg.; wirst ein schewsal, und ein sprichwort und spot sein unter allen völkern.
5 Mos. 28, 37; ich aber bin ... ein spot der leute und verachtung des volks.
ps. 22, 7; las mich nicht den narren ein spot werden. 39, 9; ein solcher gifftiger mensch schadet jm selber, und wird seinen feinden ein spot.
Sir. 6, 4; sollen wir nu der feind ein spot und fabel werden. Lobwasser
calumnia s. 53; Courage quittirt den krieg, nach dem ... sie fast von jederman vor einen spott gehalten wird.
Simpl. 3, 44
Kurz; was dieser papst (
Sylvester) für ein vortrefflicher philologus müsse gewesen seyn, welches beweiset er damit, wenn er curiam a cruore deriviret, worüber er alle schüler spott worden ist. P.
F. Sperling
Nicodemus quaerens (1719) 2, 992; nichts ist gewöhnlicher als dasz ... besonders die kunstrichter von handwerk der spott aller kenner sind. Schiller 10, 507; ich bin ihr narr und bleib ihr spot.
bergreihen s. 46 (
nr. 23, 7); ein wunder, dem nur möglich, der die strengsten entschlüsse, die unbändigsten entwürfe der könige. sein spiel — wenn nicht sein spott — gern an den schwächsten fäden lenkt. Lessing 2, 202 (
Nathan 1, 2). 7@bb)
von dingen, begebenheiten, zuständen, äuszerungen: welt ir (
erzengel) mîn lop, sô sint bescheiden und schadent allerêrst den heiden: lopt ich iuch ê, daʒ wære ir spot. Walther 79, 16; dô in der rise komen sach, daʒ was sîn spot.
Iwein 4992; das ist uns allen gar spot, dasz du den lobest also sere, der uns doch ist ummere.
Alsfelder passionssp. 5000; das duncket uns groiszen spot, dasz einer mogen dri sin. 5129; yhr klugheit ist on masz, yhr haut also hart, das szo man drauff schewst oder sticht, er ein spot darausz macht, das ist, wen auf sie predigt wird, verlachen sie es. Luther 7, 580, 2
Weim. ausg.; so habens sie nur einen spot daraus. 28, 560, 9; für einen spott halten,
für ein verspottenswertes ding: sie halten des herrn wort fur einen spot, und wollen sein nicht.
Jer. 6, 11; hie hat gesprochen, hie sij gott, des halden mer gar vor einnen spott.
Alsfelder passionssp. 4033; höchlich damit erzörnen gott, und sein geschefft halten vor spott. B. Waldis
Esop 2, 33, 32;
dafür spott haben (etwas): der keim des lichtes und der liebe, der ist in ihnen stumm und todt, sie haben alles grosze, alles gute spott. Claudius 8, 202; spott singen,
etwas spottendes: solchen spot hett man nicht mussen singen, da der könig ym reich sas. Luther 3, 271
a (19, 408, 13
Weim. ausg.); schaut ihr nach oben — ich singe nicht spott — rund geht auf sternen das leben der frommen. Arndt
ged. (1840) 116; spott sehen: ich bitte dich, lege das nicht falsch aus; sieh nicht etwa spott in diesen unschuldigen worten. Göthe 16, 132. 88)
mhd. des tiuvels spot
höhnende versuchung, anreizung zur sünde, verführung durch verspottung göttliches gebotes, wol [] mit hinblick auf die versuchungsgeschichte Christi Luc. 4, 5
ff. (
in dieser braucht der altsächs. Heliand 1083
den ausdruck hoskwordun
von den worten des teufels): sît daʒ ir (
der frau) des tiuvels spot sîne (
gottes) hulde het entworht.
Gregorius 886; daʒ sie die valschen apgot an beten durch des tûvels spot.
livl. chron. 1364; nû ist des tûvels spot an der heidenschaft ergan. 1790;
in solchem sinne auch von worten, lehren der anhänger des teufels, der religionsspötter: got sînen vride gap al der werlt gemeine: den brichestu mit dînem spotte unreine! daʒ dû in erge hâst gesprochen durch dînen spottegen valschen munt, daʒ wirt dort an der helle grunt — gehabe dich wol! — vil sûre an dir gerochen. R. v. Zweter 515, 212
Röthe; in die bedeutung der sünde und schande übergegangen: dô sprach der edel recke:ich mag wol balde klagen. den guoten Rüedegêrehant die Burgonde erslagen. dô sprach der helt von Berne:des sol niht wellen
got. daʒ wær ein starkiu râcheunde ouch des tievels spot.
Nib. 2181. 2182;
und in dieser bedeutung auch ohne ausdrückliche beziehung auf den teufel: hievon so wolde er (
Christus) in dem spote ir alda zu helfe kumen.
pass. 332, 14
Kopke; diz selbe zeichen wart wûcherbar an achte man, die durch got lieʒen iren valschen spot und geloubeten Cristo. 332, 24 (den irrenden spot 416, 96);
noch im älteren nhd. zeigt sich bisweilen als nachklang davon die bedeutung der schande und schmach: und wer der aller grössest spot, sünst yemant glaiben mer dann
got. Schwarzenberg 158
b; von einem bösen weib um spot ist schwer sich scheiden müssen: von einem fromen weib im tod ist schwerer seyn gerissen. Logau 1, 116, 91; in kreuz und spott kann mir mein gott erquicken mut und sinn.
geistl. lied von Joh. Jac. Schütz. 99) spott
endlich für eine verspottenswerte kleinigkeit, wertloses, verächtliches ding: daʒ was im alleʒ ain spot, wann er hett guot günner in der stat.
d. städtechron. 4, 40, 1; dar umb o narr, was straffst du gott? din wiszheit ist gen jm eyn spot (
nichts). Brant
narrensch. 28, 14; all menschlich weiszheit ist ain spot. Schwarzenberg 111
a; vil unnütz klagen ist ain spot (
nichts wert), bitt das wir leben dort bey
got. 127
b. langes leben ist ein segen. der den seinen gibet gott, jeder wüntschet jhn zu haben, da er doch ist voller spot (
keinen wert hat). Logau 2, 23, 84;
besonders als preis bei kauf und verkauf, und hier der sprache des gewöhnlichen lebens geblieben: dieweil sie (
die bücher) um ein spott, verstehe wohlfeil gegeben werden.
Basler plenar. (1514) 228; um einen spott kaufen,
minimo emere, einen spott auf was bieten,
nullo bene licitari pretio. Steinbach 2, 635,
auch bei Adelung
aus der sprache des gemeinen lebens aufgeführt; so an einer steigerung kömmt man oft um hellen spott zu sachen, die man lange gern gehabt hätte, zu denen man aber nicht das geld hatte. J. Gotthelf
schuldenbauer 296.
vgl. spottbillig, spottgeld, spottpreis, spottwolfeil.