verspotten,
verb. ,
erst seit mhd. zeit nachzuweisen; mhd. wb. 2, 2, 520
b; Lexer
hdwb. 3, 245.
das wort verbreitet sich dann schnell und ist heute wohl allgemein gebräuchlich. auf ndd. gebiet ist das compositum erst später übergegangen. in Diefenbachs
glossar ist das wort sehr oft nachzuweisen: verspoten, -spotten 17
c, 87
a, 375
b; virspotten 24
c, 146
a, 199
b; vorspoten 87
a; v'-sputten 616
c;
in dem ostmitteldeutschen text zweier schlesischer vocabularien (IV
f. 83
bl. 252
ff., IV
q 102
bl. 80
ff. Breslau)
findet sich durchweg die form vorspottin.
in den übrigen wörterbüchern herrscht verspotten
allein: Diefenbach - Wülcker 567.
vocab. incipiens teut. ii 4
b;
vocab. v. 1482: 7
a, 7
b, 8
a. Maaler 431
c. Schottel 647
a. Dasypodius (1676) C 5. Dentzler (1716) 312
b. Stieler 2095. Kramer
teutsch-it. dict. 2, 878
a. Reyher
thesaurus 2, 4188. Belemnon
bauern-lex. (1728) 158. Apinus
gloss. novum (1728) 23. Steinbach 2, 636. Frisch 2, 305
c. Adelung. Campe. Paul
wb. 2 591
a.
eine alte ungeschwächte form ist erhalten: nun verspottotend mich die junger der ich etwenn nit bedorfft
d. historienbibeln 538
Merzdorf. in den hochdeutschen mundarten ist es verbreitet: Martin - Lienhart
elsäss. wb. 2, 552
a; Fischer
schwäb. wb. 2, 1345;
doch bemerkt dieser, dasz ausspotten
volksthümlicher sei. auf ndd. boden ist es selten: Kilian (1599) 42
a, 604
b;
ostfries. Ten Doornkaat Koolman 1, 466
b. AA.
bedeutung. A@11)
feine unterschiede der bedeutung lassen sich in den älteren wörterbüchern nachweisen, während sie in den literarischen belegen nicht mehr genau einzuhalten sind. A@1@aa)
scherzen, sich in harmloser weise lustig machen, mit plaudern und lachen: aggarrire Diefenbach
gloss. 17
c:
cachinare 87
a;
deridere 175
c, Diefenbach-Wülcker 567;
obridere, deridere, cachinari vocab. incipiens teut. i i 4
b;
irridere, deridere vocab. v. 1482 i i 7
a;
ridere Dasypodius C 5;
deridere Dentzler 312
b; Frisch 2, 305
c;
irrideo Steinbach 2, 636; agiren einen,
i. e. verspotten,
deridere aliquem Apinus 23; railliren, schertzen, vexieren, kurtzweilen; item, auslachen, verspotten, höhnen Belemnon 158;
spott über etwas äuszern, über etwas spotten Adelung.
sein spiel mit einem treiben, sich auf seine kosten lustig machen: alludere ... virspotten Diefenbach
gloss. 24
c, vorspottin
vel metespeln
hs. IV
f. 83
bl. 252
v (
Breslau), spelinde vorspottin
hs. IV
q 102
bl. 80
ra (
ebd.)
; deludere Diefenbach 172
b,
eludere 199
b,
illudere 286
c,
ludificare 338
c, 384
b (
zu lesen statt '
nudificare')
; alludere, deludere Diefenbach-Wülcker 567;
illudere, deludere, ludificare vocab. incip. teut. i i 4
b;
illudere vocab. v. 1482 i i 7
a,
deludere 7
b;
ludere, illudere Dasypodius C 5;
illudere, ludibrio habere Dentzler 312
b; verspotten hinderwerts
ebd.; ludos aliquem facere, einen verspotten, sein spiel an einem haben Reyher 2, 4188;
illudere Kramer 2, 878
a. A@1@bb)
in verächtlichem, gehässigem, verletzendem sinne: narire, die nase rumpffen Diefenbach 375
b;
vexare 616
c,
scandalizare 516
a,
contaminare 146
a;
contaminare, deturpare, (
de)
honestare, maculare, polluere hs. IV
f. 83
bl. 262
v (
Breslau)
; insultare Diefenbach 302
b;
incauillare, smelich v'spotten 291
a;
subsannare 561
b;
subsanare vocab. incip. teut. i i 4
b;
blasphemare vocab. v. 1482 i i 8
a;
contaminare, insultare Diefenbach-Wülcker 567; schmAehlich verspotten,
insultare Dasypodius C 5;
subsannare, naso suspendere adunco Kilian 604
b; anspotten, bespotten durchspotten, ver & zerspotten,
idem sunt quod simplex, nim. ludibrio laedere, explodere, subsannare, per risum ac jocum contemnere Stieler 2095;
vituperare Kramer 2, 878
a; ich verspotte,
cavillor, ... per risum & jocum contemno Steinbach 2, 636;
proterve alicui illudere, sannis eludere Frisch 2, 305
c;
mit spott belegen, verächtlich darstellen, damit andere darüber lachen sollen Campe. A@22) verlachen, verspotten, verhöhnen:
was man verlacht,
darüber lacht man selbst als über etwas geringfügiges ..; was man verspottet,
das sucht man als etwas verächtliches darzustellen in der absicht, dasz andere darüber lachen sollen. mancher verlacht
die drohungen eines anderen, ohne sie doch öffentlich zu verspotten Eberhard-Lyon
synonym hdwb. 17 935.
wie die juden Jesum verlachten, ...
so verspotteten
ihn die kriegsknechte vor der kreuzigung Weigand
syn. hdwb. 2, 969.
in verhöhnen
tritt die verletzende und gehässige absicht stärker als in verspotten
hervor; verspotten
weist demgegenüber noch einen gewissen grad von gutmüthigkeit oder gleichgültigkeit auf. vgl. H. Heine: was wir gestern bewundert, hassen wir heute, und morgen vielleicht verspotten wir es mit gleichgültigkeit
werke 3, 93
Elster. durchaus gehässig ist das früher übliche verspeien (
sp. 1380),
das in der literatur häufig zusammen mit verspotten
vorkommt. A@33)
die partikel beeinfluszt in der composition die bedeutung des einfachen verbs kaum Grimm
d. grammatik 2, 857;
vielmehr befähigt sie zur transitiven function Paul
wb. 2 591
a,
die in älterer sprache allerdings auch dem simplex eigen gewesen ist (
th. 10, 1,
sp. 2699).
doch hat verspotten
dieses gebiet ganz an sich gerissen und zeigt wie verhöhnen
das in den einfachen wörtern höhnen
und spotten
ausgedrückte in seiner anwendung geradezu auf einen gegenstand (
ein object)
und hiermit bedeutender und nachdrücklicher an Weigand
syn. wb. 2, 99.
die verbindung mit acc., von Adelung
gefordert, herrscht durchaus. aber Kramer 2, 878
a bucht neben einen verspotten: sie verspotteten ihm;
in älterer quelle kommt auch der genetiv vor: wie er dann min verspott, verlacht, mich ghandlet hatt, der suppenwst vnd grosz vnflat!
schweiz. schauspiele 3, 175, 929
Bächtold. Adelung
will im gebrauch einen unterschied bei personen und sachen gemacht wissen: von sachen sage man lieber über etwas spotten,
ein unterschied, der nach heutigem sprachgebrauch nicht berechtigt ist. A@44)
die bedeutung ist durchweg '
sich über einen oder etwas lustig machen'
; nur mhd. erscheint daneben, nach verbreitetem muster gebildet, '
die zeit mit spotten hinbringen': swer sîne zît verballet und vertanzet unde vertopelt und vermærsaget oder verspotet oder verswert oder verschiltet oder verfluocht, der wirt jameric stên an der reitunge Berthold v. Regensburg
pred. 1, 20, 6
Pfeiffer. BB.
gebrauch. die literarischen belege lassen sich am besten nach objecten ordnen. ganz vereinzelt ist absoluter gebrauch: wir sindt die ersten, die verspotten, das wir dich leren vnd dir roten Murner
narrenbeschwörung 11, 31
neudr. B@11)
personen sind objecte. B@1@aa)
am ältesten scheint die anwendung auf göttliche personen zu sein, besonders in der passionsgeschichte: die im under sîn antlütze spîeten und in verspotten und in an die siule sluogen Berthold v. Regensburg
pred. 1, 28, 7; die menner aber, die Jhesus hielten, verspotteten jn
Luc. 22, 63; einen esel rait eur got, darzu wart er verspot
fastnachtspiele a. d. 15. jahrh. 2, 596, 21
Keller; las mich tauffen auff jhren gott! vnd wie ich zuvor hab verspot denselben allmächtigen herrn, also sol in meim lande ferrn keiner meiner vnderthanen lebn, der sich nicht dem gott thu ergebn Ayrer
dramen 699, 22
Keller; ich wünschte mich vor tapfern christenheeren, in blut zu rAechen, was sie gott verspotten Tieck
schriften 1, 233.
von den verbindungen mit verben ähnlicher bedeutung ist besonders beliebt verspeien und verspotten Steinbach 2, 625; Kramer 2, 861
b; Jesus ward fr die seinigen verspeyet und verspottet, damit sie nicht ewiglich verspottet würden 878
a.
die belege dafür s. unter verspeien B 1
b (
sp. 1383); er ward verspottet vnd verlacht, vor angst mOecht er wol sein verschmacht B. Krüger
aktion v. d. welt (1580) E VIII
a; wie ich gegeisselt vnd gekrönt, gecreutzigt, verspot vnd verhönt
evangel. kirchenlied 1, 57
Fischer-Tümpel; objecte, die zum göttlichen in beziehung stehen: ich die ewig wyszheit ward von Herodes in wiszen kleidern tOerlich verspottet
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) V
b; dʒ ist ein erschrockenliche history von fünff schnOeden juden, wie sie das bild Marie verspottet vnd durchstochen haben P. Gengenbach 39
Goedeke; mensch, verspotte nicht den teuffel H. Heine
werke 1, 112. B@1@bb)
bei vorgängen im täglichen leben von person zu person. ohne weitere angabe: o Jaue, welchen keiner hinderwerts verspottet Dentzler 312
b; wurde ich von jm (
dem vater) geacht als ich jn verspottete
Züricher bibel von 1531,
1. Mos. 27 B; als zwen kriegend mit einander, namlich ein stltzer vnnd ein einOegker, verspott ye einr den andern Riederer
spiegel d. rhetoric (1493) B III
b; du bist noch nicht recht dran, weil dich nit der bOefel verspot Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 72
a; do rittend die dry bischof wider in gen Costentz .. und wurdent vast verspottet von den andern frömden herren Richental
Constanzer concil. 114
lit. ver.; im Eulenspiegel werden die gemeinen pfaffen ... fast am häufigsten verspottet, sie erscheinen dumm und gierig L. v. Ranke
werke 1, 172; alle fühllose würden mich verspotten, von ihnen aber glaube ich es nicht, und glaube macht selig Pückler
briefwechsel 1, 362; einige vom kirchenrat .. verspotteten den still sterbenden Frenssen
Hilligenlei 569; wär' es wohl klug, dasz ihr mich noch verspotten wolltet, statt dasz ihr mich beklagen solltet? Ramler
fabellese (1783) 1, 22; viele bedauern, sehr viele verspotten, die meisten verdammen euch Schiller
werke 3, 49, 25 (
Fiesko 2, 4); als wollte man die manen des groszen denkers der vorzeit verspotten Schopenhauer
werke 1, 238.
in verbindung mit verben ähnlichen sinnes: so werde ich verspottet und ausgelacht Grimmelshausen
Simpl. 74
Kögel; in der zAech: da hat ich vngefarlich ein huoren, da fieng er an mit deren zeschertzen vnnd mich verspotten Boltz
Terenz deutsch (1539) 41
a (
Eunuch 3, 1, 425); lasz dir fort mehr kein wort entrinnen, des doctors nasen an thu treffen, ihn zu verspotten noch zu effen H. Sachs
werke 21, 111, 25
Goetze; wem gelt gebrist vnd arm ist zu diser frist der wird veracht verspot verlacht von yederman Forster
teutsche liedlein 69
neudr.; lasz mich die gefallenen nicht verspotten, nicht verlachen, und aus der elenden noth nicht ein hohngelAechter machen B. Schmolcke
trost- u. geistreiche schriften (1740) 1, 5; diese wachsgelben Aristarchen .. verdienen .. verlacht und verspottet .. zu werden Lenz
vertheidigung d. herrn Wieland (1796) 27.
mit adverbialer bestimmung der art und weise: einen unverschämt verspotten .., einen auf eine anständige art verspotten Steinbach 2, 636; denn ihn ins gesicht verspotten wollten wir nicht Herder
werke 15, 170; sein geschäft war, .. die überwundenen gefangenen frevelhaft zu verspotten Göthe 49, 265, 9
Weim.; (
er) wurde allsogleich von seinen freunden gutmüthig verspottet Holtei
erz. schriften 1, 113.
zusatz von als: und weil die Dores ... ziemlich ... bAeurisch redeten, wurden sie von den andern (
Griechen) als grobe unverständige bauren .. verspottet Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 2; fAengt aber jemand an, .. auf den schon gelegten grund ein gebAeude zu bauen, so verspottet man ihn als einen seichten kopf Nicolai
Seb. Nothanker 1, 125; dass man den jüngsten der reisenden, Marco, als einen millionenschwätzer ... verspottete Peschel
völkerkunde 387; er ... verkündete das nahen einer menschlicheren zeit, indem er wider »die schlächter en gros« eiferte und den grossen würger Suworow als einen »harlekin in uniform« verspottete Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 321.
beifügung von mit, durch, in, unter: mit groszem gelächter einen verspotten Steinbach 2, 636; du treibst nur lauter grobe zotten und thust mich damit jetzt verspotten
griech. dramen 2, 202
Dähnhardt (
Aristophanes nubes 1222); glaub mir, es bringt mir grossen schmertzen vnd gat mir klAeglich zuo hertzen, das yr euch also zuo samen rotten, mit schelmen stucken mich verspotten Murner
schelmenzunft 66, 82
neudr.; mit söllichen worten verspotteten sie Esopum (
deridebant) Steinhöwel
Äsop 43
Keller; wo sie (
die Heiterethei) die mannsleut verspotten kann mit wort oder that O. Ludwig
schriften 2, 13; unter dem scheine des gutten wird er verspottet Butschky
Pathmos (1677) 317.
mit angabe des grundes: deszhalb wirt sy gott auch verspotten
Züricher bibel 1531
cap. 4 C; er hat sich beflissen dem Mitioni etwas neüws vnd vnerhOerts zesagen, die doch Mitio vil basz vorhin wüszte da er, deshalben verspottet er jn mit geschwinden bossen Boltz
Terenz deutsch (1539)
bl. 103
a (
Adelphi 4, 7
vorbem.); o, wie von einer grossen sumb wird ein solch narr verspott darumb! H. Sachs
werke 19, 82, 28
Goetze; andere ihrer gestalt wegen zu verspotten ist sehr lieblos Campe; oft finde man dieses gemüth bei jünglingen, die der hohen einfachheit ihrer sitten wegen ... von dem pöbel verspottet würden E. T. A. Hoffmann
fantasiestücke 2, 185.
erläuternde beifügung eines nebensatzes: wann es ist ein laster bei den Assyriern zetuon ob daʒ weyp verspottet den man das sy ge vnschuldig von im
erste deutsche bibel 254
lit. ver. (
Judith 12, 11); die kühnsten feinde Shakespears haben ihn — unter wie vielfachen gestalten! beschuldigt und verspottet, dasz er, wenn auch ein grosser dichter, doch kein guter schauspieldichter ... sey Herder
werke 5, 208; in Genua darf sich kein mann bey seiner frau auf der strasze oder sonst Oeffentlich blicken lassen; .. ein mann, der nicht darauf achten wollte, wrde verspottet werden Lichtenberg
schriften (1800) 2, 426. B@1@cc)
unpersönliche subjecte persönlich aufgefaszt: ein auge, das den vater verspottet, vnd veracht der mutter zu gehorchen, das mssen die raben am bach aushacken, vnd die jungen adeler fressen
sprüche Sal. 30, 17. B@22)
sächliche objecte: sich lustig machen über gegenstände oder eigenschaften. B@2@aa)
solche, die dem menschlichen gefühl heilig sind oder sein sollten: die hayligen sacramentt offennttlich verlachenn und verspotten
quelle v. 1554
bei Fischer
schwäb. wb. 2, 1345; aber vmb deines namens willen, las vns nicht geschendet werden, las den thron deiner herrligkeit nicht verspottet werden
Jes. 14, 21; ... es euangelisch warhait sein, so offt man die schrifft also notzwengt vnnd verspott Joh. Nas
das antipap. eins vnd hundert (1567) 2 E II
a; ich byn der erst in disser rott, den ich das gotz wort dick verspott Murner
schelmenzunft 7, 2
neudr.; den psalmen Dauids er verspott, ein veste burck ist vnser gott Fischart
von S. Dominici artl. leben 173
Kurz (
v. 1585); und das gottesregiment, das so oft verspottet worden Herder
werke 12, 117; wie grausam die Saracenen ihren sieg miszbrauchten, und wie bitter ... sie alles den christen heilige verspotteten und verhOehnten Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 4, 297.
sachen, die ernst denkende menschen nicht scherzhaft behandeln: welche es (
das brot) aber verspottet und verachtet, und doch heimtragen wollen, .. denen ist es unter den hAenden zu stein und sand verwandelt worden Prätorius
Anthropodemus (1666) 1, 68; rechte weiszheit würt verspot Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 13
a; wil ich nit leyden die herlicheyt des keyserthumbs .. von ymant gehOenet vnd verspottet werden Hutten
opera 1, 383
Böcking; daher rühren jene wunder, die die dichtkunst geleistet, über die wir staunen und fast zweifeln, die aber unsre süsze herren verspotten und närrisch finden Herder
werke 1, 396; der komödienschreiber scheut sich nicht, das ehrwürdige auf dem theater zu verspotten Göthe II 4, 120, 18
Weim.; soll ... von weiblichen paradiesvögeln den männern noch das kunstparadies entführt oder verspottet werden E. T. A. Hoffmann
werke 1, 5. B@2@bb)
sich lustig machen über menschliche eigenheiten, die ernsthaft zu nehmen oder doch an sich nicht lächerlich sind: ihr rotes haar, das ward verspottet A. v. Chamisso
werke 3, 179; verspottest du mein graues haar? Grabbe
werke 1, 147 (
Theod. v. Gothland 3, 1); (
da) sollte das vaterland ... nicht seinen (
des schriftstellers) provinzialismus verspotten und verhönen Herder
werke 27, 233, 81; er verspottet mein leid Steinbach 2, 636; damit sie die demut der büssenden verspotten Grimmelshausen 2, 357, 28
Keller; wenn sie diese eigenschaft nicht haben, weshalb verspotten sie dieselbe bei andern? G. Freytag
werke 4, 306; sie würden mein gefühl ... verspotten A. v. Arnim
werke 10, 4; es sey nicht mehr zu ertragen, dasz er seinem witz die möglichsten sporen gebe, um ihr unzufriedenes gemüth zu verspotten Fouqué
gefühle, bilder 1, 118; die mir einwohnende jagdlust verspottet vater Holtei
erz. schriften 2, 180. B@2@cc)
menschliche eigenheiten und züge, die belächelt werden können und zum spott herausfordern: der gerechten einfalt wird nur verspottet Kramer 2, 878
a; eines andern schwAeche, meinung verspotten Campe; eines gewohnheiten, kleidung verspotten Heyne
wb.; der vierdt thayl diss buochs, ... verspot beschliesslich den geitz in alten leten Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 31; an dem hofe ... des churfürsten von Mainz erschienen satiren, in welchen man den pomp und die armseligkeit des legaten ... auf das bitterste verspottete L. v. Ranke
werke 1, 273; wann sie einen prediger hOeren vff solicher lyren machen, thuond sie got ein dienst, dass sy all uss der kirchen gond vnd solich wiss verspotten Eberlin v. Günzburg 1, 60
neudr.; dieser mann hatte oft die schwerfälligkeit deutscher gelehrten verspotten hören Immermann
werke 5, 198; Philine .. lehnte sich auf den freund, und verspottete sein ernsthaftes ansehen Göthe 22, 3, 5
Weim.; mich habt ihr verkannt, vielleicht verachtet, meine altvAeterische sitte verspottet Iffland
theatral. werke 1, 252; die diplomatische art zu reden schien er dem alten herrn nur abgeborgt zu haben, um seine eigne oberflächlichkeit und gehaltlosigkeit zu verspotten O. Ludwig
schriften 1, 200; Horaz hat gleich im anfange seiner dichtkunst die thorheit eines malers verspottet, der in einem gemAelde einen menschenkopf auf einen pferdehals setzen .. wollte Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 198; die satire, als poetische gattung betrachtet, ist eine .. darstellung menschlicher laster und thorheiten von ihrer nachteiligen und lAecherlichen seite, um jene zu bestrafen .., diese zu verspotten und zu belachen Eschenburg
entwurf einer theorie (1783) 81, § 1; zorn mit ohnmacht wird verspottet 1, 53; gott .. drffe keines mndlichen berichts, verspotte auch alle lahmen entschuldigungen Treuer
d. Dädalus (1675) 1, 935; zu scharfsinnig um allen thorheiten der neueren aufklAerer .. beyzustimmen: verspottet er viele ihrer sonst hochgepriesenen doctrinen K. L. v. Haller
restaur. d. staatswissenschaften (1816) 1, 64, 14; auch Plutarch verspottet die sogenannten naturgedichte A. v. Humboldt
kosmos 2, 107
anm. 22; mit anspielung auf den glockenton ist daher Max Müllers erklärung als bimbammtheorie ... verspottet worden Peschel
völkerkunde 109. B@2@dd)
sich spottend über unangenehmes hinwegsetzen: nachdem ich das schicksal meiner verse verspottet hatte A. v. Arnim
werke 15, 49; indem er das leben als einen traum verspottet, spottet er den tod auch zu nichts Börne
schriften 1, 387. B@2@ee)
mit spott von sich weisen: ir habend den rat des armen verspottet
Züricher bibel v. 1531,
psalm 13; geld, pomp und pracht auf erden, lust, freuden er verspott und achtets für beschwerden Spee
trutznachtigall (1649) 3, 6, 6; in ihrem arm verspott' ich die gefahr Göthe 13
2, 27, 559
Weim. (
schutzgeist 1, 11). B@2@ff)
in freier übertragung sind unpersönliche subjecte handelnd gedacht: das heisze blut verspottet die vernunft Körner
werke 3, 217
Hempel (
Hedwig 2, 2); nicht die frechheit macht den helden aus, die ruchlos jedes heiligste verspottet 189 (
Rosamunde 5, 2); meine werke und basteien lachen und verspotten euch A. v. Arnim
werke 21, 245; die lebendige buche aber strahlte noch einen augenblick in noch gröszerer majestät als vorher, wie um meine ohnmacht zu verspotten G. Keller
werke 1, 202; später hielten mich leidige besorgungen und arbeiten fest, die sich übermäszig häufen und meine amt- und dienstlose muse verspotten Pückler
briefwechsel 3, 384. B@33)
reflex. gebrauch: wann der gottlosz sich vnterstehet mit gott zuspotten, so verspottet er sich selbst Albertinus
zeitkürtzer (1603) 15
b; wir unterscheiden uns dadurch von allen völkern Europens, dasz wir uns selbst verspotten Herder 27, 233.
sich verspotten lassen: er musz sich lassen von ihm verspotten Steinbach 2, 636; zu vornehm ..., als dasz sie sich nach dem gefallen eines jeden hochmtigen deutschen junkers verspotten liesse Petrasch
lustspiele (1765) 1, 692; wie würde er sie (
Homer die Venus) noch oben drein von Pallas verspotten lassen, als hätte sie sich bei einem liebeshandel vielleicht geritzt? Herder
werke 3, 18; Jacob soll sich von der andern parthey als ein mutter-sOehngen verspotten lassen Weise
comOedienprobe (1696)
Esau und Jacob, inhalt; (
er) bereitete sich rache durch die unerschütterliche geduld sich als narr verspotten zu lassen Niebuhr
röm. geschichte 1, 314. CC.
nominalformen des verbs. C@11)
infinitiv: zu verspotten geben,
risui, ludibrio exponere, propinare ad deridendum Dasypodius C 5; zu verspottene er sich bot, uf daʒ wir spottes wurden los
passional 84, 56
Köpke; und vil andere ding, die bas zeverspotten synd, wann zeglOeben Steinhöwel
de claris mulieribus 34
Drescher; den (
Vulkanus) mit ainem ysnin bande angestricket hin fuort vnd inn den andern götten erzöget zeuerspotten Niclas v. Wyle
translationen 20, 35
Keller; vnd antwurten in den heiden zeuerspotten und zegeiseln
erste deutsche bibel 1, 76, 46
Kurrelmeyer. substantivisch: das verspotten Campe; wa die selben menschen vmb ain offenhait das ist vmb ain torecht verspotten oder vmb ain hart wortt als balde werden sy bewegt vnd entsetzt Tauler
sermones (1508)
bl. CLXXVI
b a; nit mitt der geschrifft, nein, mit verspotten, verachten, schmech worten Judas Nazarei 65, 2
Kück; aber wer weiss nicht, was die vrsach solches jhres verspottens ist Joh. Nas
das antipap. eins vnd hundert (1567) 4, 275
a. C@22)
part. präs. attributiv: verspottende geberden Frisch 2, 305
c. Adelung. der die EnglAender hassende und verspottende Linguet Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 24.
prädicativ: mein sinnen, sehnen, die gedanken all umflattern dich, verspottend schloss und riegel Geibel
werke 2, 143; mit einem lächeln mich zugleich verspottend und entschuldigend Storm
werke 1, 250
f.; er (
Kasperle) .. macht alle dummen streiche des herrn mit, obgleich er sich und ihn verspottend warnt Holtei
erz. schriften 12, 32. C@33)
part. prät. in adjectivischer verwendung: verspott,
obrisus, participium vocab. v. 1482 i i 8
a; verspottet,
dileggiato, sbeffeggiato Kramer 2, 878
a.
attributiv: hier citirt er (
Klotz) z. e. so seltsam und weitschweifig, als der verspottete Grillo seinen Pindar nicht beiruffen kann Herder
werke 3, 428; das gelingen dieses .. anfangs als unausführbar verspotteten unternehmens Mommsen
röm. geschichte 2, 35; er ist eben noch selbst befangen in der später verspotteten wissenschaft Justi
Winckelmann 1, 179; sollte uns noch unklar seyn, was er durch seine oft verspottete »reinigung der leidenschaften« wolle? Herder
werke 23, 351; noch aber scheut' ich die von Herodot verspottete scheibenründung mit dem umkreisenden strom Okeanos J. H. Voss
antisymb. 2, 10.
seltene bildung: allgemeiner hat geherrscht oder gilt noch hier und da in protestantischen schulen beinahe aller gegenden ein den lehrern verübeltes, verspottetes wir, dessen ursprung man verkannte J. Grimm
kl. schriften 3, 259.
prädicativ, verspottet sein: o her, nicht weis lær ab mich deinen, dàs ich vorspót nit seie: dan ich jo dich anschreie Schede
gen. Melissus
psalmen 111, 18
neudr. besonders in verbindung mit verben ähnlicher bedeutung: das ist als verspot und verlacht H. Sachs
werke 1, 198, 3
Keller; dises folck der studenten was vor vast lieb vnd enpfengklich vnsern frovwen ... da huob das selb folck an zesin verspotet verschmecht vnd verhasset Niclas v. Wyle
translationen 56, 13
Keller; bey den Persianern waren keine leut mehrers verschreyt, verspottet, ... als die lgner und schuldenmacher Stranitzky
ollapatrida 308, 2
Wien. neudr.; jenseits des ozeans, sind wir geachtet, .. aber missachtet, verspottet nur in Deutschland Moltke
schriften 7, 19.
verspottet stehn: sie musten da verspottet ston Erasmus Alberus
Esop 7, 43.
mit andern verben als sein
und stehn: der mit der gantzen last des vaters vngenaden, vnd vnser bösen that hengt an dem holtz beladen gepreszt, verspeit, gedrückt, veracht, geschmäht, verspott, verlassen von der welt, vnd wegen jhr von gott Opitz
teutsche poemata 189
neudr.; der heimkehrende trupp trug nämlich die häupter seiner erschlagenen häuptlinge wie heiligtümer .., während an speeren aufgespieszt und verspottet die köpfe der feinde gebracht wurden Ratzel
völkerkunde 2, 124.
sich verspottet sehen: grausam verspottet sieht sie sich von mir, an die verhaszte feindin sich verraten Schiller
werke 12, 518 (
Maria Stuart 4, 4).
substantivisch gebraucht: .. legten sie sich selber in die tOetlich sorge, in den gewalt der verspotten und gelaichten Steinhöwel
de claris mulieribus 112
Drescher.