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verspotten

mhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verspotten verb.

Bd. 25, Sp. 1438
verspotten, verb. , erst seit mhd. zeit nachzuweisen; mhd. wb. 2, 2, 520b; Lexer hdwb. 3, 245. das wort verbreitet sich dann schnell und ist heute wohl allgemein gebräuchlich. auf ndd. gebiet ist das compositum erst später übergegangen. in Diefenbachs glossar ist das wort sehr oft nachzuweisen: verspoten, -spotten 17c, 87a, 375b; virspotten 24c, 146a, 199b; vorspoten 87a; v'-sputten 616c; in dem ostmitteldeutschen text zweier schlesischer vocabularien (IV f. 83 bl. 252 ff., IV q 102 bl. 80 ff. Breslau) findet sich durchweg die form vorspottin. in den übrigen wörterbüchern herrscht verspotten allein: Diefenbach - Wülcker 567. vocab. incipiens teut. ii 4b; vocab. v. 1482: 7a, 7b, 8a. Maaler 431c. Schottel 647a. Dasypodius (1676) C 5. Dentzler (1716) 312b. Stieler 2095. Kramer teutsch-it. dict. 2, 878a. Reyher thesaurus 2, 4188. Belemnon bauern-lex. (1728) 158. Apinus gloss. novum (1728) 23. Steinbach 2, 636. Frisch 2, 305c. Adelung. Campe. Paul wb. 2 591a. eine alte ungeschwächte form ist erhalten: nun verspottotend mich die junger der ich etwenn nit bedorfft d. historienbibeln 538 Merzdorf. in den hochdeutschen mundarten ist es verbreitet: Martin - Lienhart elsäss. wb. 2, 552a; Fischer schwäb. wb. 2, 1345; doch bemerkt dieser, dasz ausspotten volksthümlicher sei. auf ndd. boden ist es selten: Kilian (1599) 42a, 604b; ostfries. Ten Doornkaat Koolman 1, 466b. AA. bedeutung. A@11) feine unterschiede der bedeutung lassen sich in den älteren wörterbüchern nachweisen, während sie in den literarischen belegen nicht mehr genau einzuhalten sind. A@1@aa) scherzen, sich in harmloser weise lustig machen, mit plaudern und lachen: aggarrire Diefenbach gloss. 17c: cachinare 87a; deridere 175c, Diefenbach-Wülcker 567; obridere, deridere, cachinari vocab. incipiens teut. i i 4b; irridere, deridere vocab. v. 1482 i i 7a; ridere Dasypodius C 5; deridere Dentzler 312b; Frisch 2, 305c; irrideo Steinbach 2, 636; agiren einen, i. e. verspotten, deridere aliquem Apinus 23; railliren, schertzen, vexieren, kurtzweilen; item, auslachen, verspotten, höhnen Belemnon 158; spott über etwas äuszern, über etwas spotten Adelung. sein spiel mit einem treiben, sich auf seine kosten lustig machen: alludere ... virspotten Diefenbach gloss. 24c, vorspottin vel metespeln hs. IV f. 83 bl. 252v (Breslau), spelinde vorspottin hs. IV q 102 bl. 80ra (ebd.); deludere Diefenbach 172b, eludere 199b, illudere 286c, ludificare 338c, 384b (zu lesen statt 'nudificare'); alludere, deludere Diefenbach-Wülcker 567; illudere, deludere, ludificare vocab. incip. teut. i i 4b; illudere vocab. v. 1482 i i 7a, deludere 7b; ludere, illudere Dasypodius C 5; illudere, ludibrio habere Dentzler 312b; verspotten hinderwerts ebd.; ludos aliquem facere, einen verspotten, sein spiel an einem haben Reyher 2, 4188; illudere Kramer 2, 878a. A@1@bb) in verächtlichem, gehässigem, verletzendem sinne: narire, die nase rumpffen Diefenbach 375b; vexare 616c, scandalizare 516a, contaminare 146a; contaminare, deturpare, (de)honestare, maculare, polluere hs. IV f. 83 bl. 262v (Breslau); insultare Diefenbach 302b; incauillare, smelich v'spotten 291a; subsannare 561b; subsanare vocab. incip. teut. i i 4b; blasphemare vocab. v. 1482 i i 8a; contaminare, insultare Diefenbach-Wülcker 567; schmAehlich verspotten, insultare Dasypodius C 5; subsannare, naso suspendere adunco Kilian 604b; anspotten, bespotten durchspotten, ver & zerspotten, idem sunt quod simplex, nim. ludibrio laedere, explodere, subsannare, per risum ac jocum contemnere Stieler 2095; vituperare Kramer 2, 878a; ich verspotte, cavillor, ... per risum & jocum contemno Steinbach 2, 636; proterve alicui illudere, sannis eludere Frisch 2, 305c; mit spott belegen, verächtlich darstellen, damit andere darüber lachen sollen Campe. A@22) verlachen, verspotten, verhöhnen: was man verlacht, darüber lacht man selbst als über etwas geringfügiges ..; was man verspottet, das sucht man als etwas verächtliches darzustellen in der absicht, dasz andere darüber lachen sollen. mancher verlacht die drohungen eines anderen, ohne sie doch öffentlich zu verspotten Eberhard-Lyon synonym hdwb. 17 935. wie die juden Jesum verlachten, ... so verspotteten ihn die kriegsknechte vor der kreuzigung Weigand syn. hdwb. 2, 969. in verhöhnen tritt die verletzende und gehässige absicht stärker als in verspotten hervor; verspotten weist demgegenüber noch einen gewissen grad von gutmüthigkeit oder gleichgültigkeit auf. vgl. H. Heine: was wir gestern bewundert, hassen wir heute, und morgen vielleicht verspotten wir es mit gleichgültigkeit werke 3, 93 Elster. durchaus gehässig ist das früher übliche verspeien (sp. 1380), das in der literatur häufig zusammen mit verspotten vorkommt. A@33) die partikel beeinfluszt in der composition die bedeutung des einfachen verbs kaum Grimm d. grammatik 2, 857; vielmehr befähigt sie zur transitiven function Paul wb. 2 591a, die in älterer sprache allerdings auch dem simplex eigen gewesen ist (th. 10, 1, sp. 2699). doch hat verspotten dieses gebiet ganz an sich gerissen und zeigt wie verhöhnen das in den einfachen wörtern höhnen und spotten ausgedrückte in seiner anwendung geradezu auf einen gegenstand (ein object) und hiermit bedeutender und nachdrücklicher an Weigand syn. wb. 2, 99. die verbindung mit acc., von Adelung gefordert, herrscht durchaus. aber Kramer 2, 878a bucht neben einen verspotten: sie verspotteten ihm; in älterer quelle kommt auch der genetiv vor: wie er dann min verspott, verlacht, mich ghandlet hatt, der suppenwst vnd grosz vnflat! schweiz. schauspiele 3, 175, 929 Bächtold. Adelung will im gebrauch einen unterschied bei personen und sachen gemacht wissen: von sachen sage man lieber über etwas spotten, ein unterschied, der nach heutigem sprachgebrauch nicht berechtigt ist. A@44) die bedeutung ist durchweg 'sich über einen oder etwas lustig machen'; nur mhd. erscheint daneben, nach verbreitetem muster gebildet, 'die zeit mit spotten hinbringen': swer sîne zît verballet und vertanzet unde vertopelt und vermærsaget oder verspotet oder verswert oder verschiltet oder verfluocht, der wirt jameric stên an der reitunge Berthold v. Regensburg pred. 1, 20, 6 Pfeiffer. BB. gebrauch. die literarischen belege lassen sich am besten nach objecten ordnen. ganz vereinzelt ist absoluter gebrauch: wir sindt die ersten, die verspotten, das wir dich leren vnd dir roten Murner narrenbeschwörung 11, 31 neudr. B@11) personen sind objecte. B@1@aa) am ältesten scheint die anwendung auf göttliche personen zu sein, besonders in der passionsgeschichte: die im under sîn antlütze spîeten und in verspotten und in an die siule sluogen Berthold v. Regensburg pred. 1, 28, 7; die menner aber, die Jhesus hielten, verspotteten jn Luc. 22, 63; einen esel rait eur got, darzu wart er verspot fastnachtspiele a. d. 15. jahrh. 2, 596, 21 Keller; las mich tauffen auff jhren gott! vnd wie ich zuvor hab verspot denselben allmächtigen herrn, also sol in meim lande ferrn keiner meiner vnderthanen lebn, der sich nicht dem gott thu ergebn Ayrer dramen 699, 22 Keller; ich wünschte mich vor tapfern christenheeren, in blut zu rAechen, was sie gott verspotten Tieck schriften 1, 233. von den verbindungen mit verben ähnlicher bedeutung ist besonders beliebt verspeien und verspotten Steinbach 2, 625; Kramer 2, 861b; Jesus ward fr die seinigen verspeyet und verspottet, damit sie nicht ewiglich verspottet würden 878a. die belege dafür s. unter verspeien B 1b (sp. 1383); er ward verspottet vnd verlacht, vor angst mOecht er wol sein verschmacht B. Krüger aktion v. d. welt (1580) E VIIIa; wie ich gegeisselt vnd gekrönt, gecreutzigt, verspot vnd verhönt evangel. kirchenlied 1, 57 Fischer-Tümpel; objecte, die zum göttlichen in beziehung stehen: ich die ewig wyszheit ward von Herodes in wiszen kleidern tOerlich verspottet der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) Vb; dʒ ist ein erschrockenliche history von fünff schnOeden juden, wie sie das bild Marie verspottet vnd durchstochen haben P. Gengenbach 39 Goedeke; mensch, verspotte nicht den teuffel H. Heine werke 1, 112. B@1@bb) bei vorgängen im täglichen leben von person zu person. ohne weitere angabe: o Jaue, welchen keiner hinderwerts verspottet Dentzler 312b; wurde ich von jm (dem vater) geacht als ich jn verspottete Züricher bibel von 1531, 1. Mos. 27 B; als zwen kriegend mit einander, namlich ein stltzer vnnd ein einOegker, verspott ye einr den andern Riederer spiegel d. rhetoric (1493) B IIIb; du bist noch nicht recht dran, weil dich nit der bOefel verspot Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 72a; do rittend die dry bischof wider in gen Costentz .. und wurdent vast verspottet von den andern frömden herren Richental Constanzer concil. 114 lit. ver.; im Eulenspiegel werden die gemeinen pfaffen ... fast am häufigsten verspottet, sie erscheinen dumm und gierig L. v. Ranke werke 1, 172; alle fühllose würden mich verspotten, von ihnen aber glaube ich es nicht, und glaube macht selig Pückler briefwechsel 1, 362; einige vom kirchenrat .. verspotteten den still sterbenden Frenssen Hilligenlei 569; wär' es wohl klug, dasz ihr mich noch verspotten wolltet, statt dasz ihr mich beklagen solltet? Ramler fabellese (1783) 1, 22; viele bedauern, sehr viele verspotten, die meisten verdammen euch Schiller werke 3, 49, 25 (Fiesko 2, 4); als wollte man die manen des groszen denkers der vorzeit verspotten Schopenhauer werke 1, 238. in verbindung mit verben ähnlichen sinnes: so werde ich verspottet und ausgelacht Grimmelshausen Simpl. 74 Kögel; in der zAech: da hat ich vngefarlich ein huoren, da fieng er an mit deren zeschertzen vnnd mich verspotten Boltz Terenz deutsch (1539) 41a (Eunuch 3, 1, 425); lasz dir fort mehr kein wort entrinnen, des doctors nasen an thu treffen, ihn zu verspotten noch zu effen H. Sachs werke 21, 111, 25 Goetze; wem gelt gebrist vnd arm ist zu diser frist der wird veracht verspot verlacht von yederman Forster teutsche liedlein 69 neudr.; lasz mich die gefallenen nicht verspotten, nicht verlachen, und aus der elenden noth nicht ein hohngelAechter machen B. Schmolcke trost- u. geistreiche schriften (1740) 1, 5; diese wachsgelben Aristarchen .. verdienen .. verlacht und verspottet .. zu werden Lenz vertheidigung d. herrn Wieland (1796) 27. mit adverbialer bestimmung der art und weise: einen unverschämt verspotten .., einen auf eine anständige art verspotten Steinbach 2, 636; denn ihn ins gesicht verspotten wollten wir nicht Herder werke 15, 170; sein geschäft war, .. die überwundenen gefangenen frevelhaft zu verspotten Göthe 49, 265, 9 Weim.; (er) wurde allsogleich von seinen freunden gutmüthig verspottet Holtei erz. schriften 1, 113. zusatz von als: und weil die Dores ... ziemlich ... bAeurisch redeten, wurden sie von den andern (Griechen) als grobe unverständige bauren .. verspottet Agyrtas grillenvertreiber (1670) 2; fAengt aber jemand an, .. auf den schon gelegten grund ein gebAeude zu bauen, so verspottet man ihn als einen seichten kopf Nicolai Seb. Nothanker 1, 125; dass man den jüngsten der reisenden, Marco, als einen millionenschwätzer ... verspottete Peschel völkerkunde 387; er ... verkündete das nahen einer menschlicheren zeit, indem er wider »die schlächter en gros« eiferte und den grossen würger Suworow als einen »harlekin in uniform« verspottete Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 321. beifügung von mit, durch, in, unter: mit groszem gelächter einen verspotten Steinbach 2, 636; du treibst nur lauter grobe zotten und thust mich damit jetzt verspotten griech. dramen 2, 202 Dähnhardt (Aristophanes nubes 1222); glaub mir, es bringt mir grossen schmertzen vnd gat mir klAeglich zuo hertzen, das yr euch also zuo samen rotten, mit schelmen stucken mich verspotten Murner schelmenzunft 66, 82 neudr.; mit söllichen worten verspotteten sie Esopum (deridebant) Steinhöwel Äsop 43 Keller; wo sie (die Heiterethei) die mannsleut verspotten kann mit wort oder that O. Ludwig schriften 2, 13; unter dem scheine des gutten wird er verspottet Butschky Pathmos (1677) 317. mit angabe des grundes: deszhalb wirt sy gott auch verspotten Züricher bibel 1531 cap. 4 C; er hat sich beflissen dem Mitioni etwas neüws vnd vnerhOerts zesagen, die doch Mitio vil basz vorhin wüszte da er, deshalben verspottet er jn mit geschwinden bossen Boltz Terenz deutsch (1539) bl. 103a (Adelphi 4, 7 vorbem.); o, wie von einer grossen sumb wird ein solch narr verspott darumb! H. Sachs werke 19, 82, 28 Goetze; andere ihrer gestalt wegen zu verspotten ist sehr lieblos Campe; oft finde man dieses gemüth bei jünglingen, die der hohen einfachheit ihrer sitten wegen ... von dem pöbel verspottet würden E. T. A. Hoffmann fantasiestücke 2, 185. erläuternde beifügung eines nebensatzes: wann es ist ein laster bei den Assyriern zetuon ob daʒ weyp verspottet den man das sy ge vnschuldig von im erste deutsche bibel 254 lit. ver. (Judith 12, 11); die kühnsten feinde Shakespears haben ihn — unter wie vielfachen gestalten! beschuldigt und verspottet, dasz er, wenn auch ein grosser dichter, doch kein guter schauspieldichter ... sey Herder werke 5, 208; in Genua darf sich kein mann bey seiner frau auf der strasze oder sonst Oeffentlich blicken lassen; .. ein mann, der nicht darauf achten wollte, wrde verspottet werden Lichtenberg schriften (1800) 2, 426. B@1@cc) unpersönliche subjecte persönlich aufgefaszt: ein auge, das den vater verspottet, vnd veracht der mutter zu gehorchen, das mssen die raben am bach aushacken, vnd die jungen adeler fressen sprüche Sal. 30, 17. B@22) sächliche objecte: sich lustig machen über gegenstände oder eigenschaften. B@2@aa) solche, die dem menschlichen gefühl heilig sind oder sein sollten: die hayligen sacramentt offennttlich verlachenn und verspotten quelle v. 1554 bei Fischer schwäb. wb. 2, 1345; aber vmb deines namens willen, las vns nicht geschendet werden, las den thron deiner herrligkeit nicht verspottet werden Jes. 14, 21; ... es euangelisch warhait sein, so offt man die schrifft also notzwengt vnnd verspott Joh. Nas das antipap. eins vnd hundert (1567) 2 E IIa; ich byn der erst in disser rott, den ich das gotz wort dick verspott Murner schelmenzunft 7, 2 neudr.; den psalmen Dauids er verspott, ein veste burck ist vnser gott Fischart von S. Dominici artl. leben 173 Kurz (v. 1585); und das gottesregiment, das so oft verspottet worden Herder werke 12, 117; wie grausam die Saracenen ihren sieg miszbrauchten, und wie bitter ... sie alles den christen heilige verspotteten und verhOehnten Raumer gesch. d. Hohenstaufen 4, 297. sachen, die ernst denkende menschen nicht scherzhaft behandeln: welche es (das brot) aber verspottet und verachtet, und doch heimtragen wollen, .. denen ist es unter den hAenden zu stein und sand verwandelt worden Prätorius Anthropodemus (1666) 1, 68; rechte weiszheit würt verspot Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 13a; wil ich nit leyden die herlicheyt des keyserthumbs .. von ymant gehOenet vnd verspottet werden Hutten opera 1, 383 Böcking; daher rühren jene wunder, die die dichtkunst geleistet, über die wir staunen und fast zweifeln, die aber unsre süsze herren verspotten und närrisch finden Herder werke 1, 396; der komödienschreiber scheut sich nicht, das ehrwürdige auf dem theater zu verspotten Göthe II 4, 120, 18 Weim.; soll ... von weiblichen paradiesvögeln den männern noch das kunstparadies entführt oder verspottet werden E. T. A. Hoffmann werke 1, 5. B@2@bb) sich lustig machen über menschliche eigenheiten, die ernsthaft zu nehmen oder doch an sich nicht lächerlich sind: ihr rotes haar, das ward verspottet A. v. Chamisso werke 3, 179; verspottest du mein graues haar? Grabbe werke 1, 147 (Theod. v. Gothland 3, 1); (da) sollte das vaterland ... nicht seinen (des schriftstellers) provinzialismus verspotten und verhönen Herder werke 27, 233, 81; er verspottet mein leid Steinbach 2, 636; damit sie die demut der büssenden verspotten Grimmelshausen 2, 357, 28 Keller; wenn sie diese eigenschaft nicht haben, weshalb verspotten sie dieselbe bei andern? G. Freytag werke 4, 306; sie würden mein gefühl ... verspotten A. v. Arnim werke 10, 4; es sey nicht mehr zu ertragen, dasz er seinem witz die möglichsten sporen gebe, um ihr unzufriedenes gemüth zu verspotten Fouqué gefühle, bilder 1, 118; die mir einwohnende jagdlust verspottet vater Holtei erz. schriften 2, 180. B@2@cc) menschliche eigenheiten und züge, die belächelt werden können und zum spott herausfordern: der gerechten einfalt wird nur verspottet Kramer 2, 878a; eines andern schwAeche, meinung verspotten Campe; eines gewohnheiten, kleidung verspotten Heyne wb.; der vierdt thayl diss buochs, ... verspot beschliesslich den geitz in alten leten Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 31; an dem hofe ... des churfürsten von Mainz erschienen satiren, in welchen man den pomp und die armseligkeit des legaten ... auf das bitterste verspottete L. v. Ranke werke 1, 273; wann sie einen prediger hOeren vff solicher lyren machen, thuond sie got ein dienst, dass sy all uss der kirchen gond vnd solich wiss verspotten Eberlin v. Günzburg 1, 60 neudr.; dieser mann hatte oft die schwerfälligkeit deutscher gelehrten verspotten hören Immermann werke 5, 198; Philine .. lehnte sich auf den freund, und verspottete sein ernsthaftes ansehen Göthe 22, 3, 5 Weim.; mich habt ihr verkannt, vielleicht verachtet, meine altvAeterische sitte verspottet Iffland theatral. werke 1, 252; die diplomatische art zu reden schien er dem alten herrn nur abgeborgt zu haben, um seine eigne oberflächlichkeit und gehaltlosigkeit zu verspotten O. Ludwig schriften 1, 200; Horaz hat gleich im anfange seiner dichtkunst die thorheit eines malers verspottet, der in einem gemAelde einen menschenkopf auf einen pferdehals setzen .. wollte Gottsched crit. dichtkunst (1751) 198; die satire, als poetische gattung betrachtet, ist eine .. darstellung menschlicher laster und thorheiten von ihrer nachteiligen und lAecherlichen seite, um jene zu bestrafen .., diese zu verspotten und zu belachen Eschenburg entwurf einer theorie (1783) 81, § 1; zorn mit ohnmacht wird verspottet 1, 53; gott .. drffe keines mndlichen berichts, verspotte auch alle lahmen entschuldigungen Treuer d. Dädalus (1675) 1, 935; zu scharfsinnig um allen thorheiten der neueren aufklAerer .. beyzustimmen: verspottet er viele ihrer sonst hochgepriesenen doctrinen K. L. v. Haller restaur. d. staatswissenschaften (1816) 1, 64, 14; auch Plutarch verspottet die sogenannten naturgedichte A. v. Humboldt kosmos 2, 107 anm. 22; mit anspielung auf den glockenton ist daher Max Müllers erklärung als bimbammtheorie ... verspottet worden Peschel völkerkunde 109. B@2@dd) sich spottend über unangenehmes hinwegsetzen: nachdem ich das schicksal meiner verse verspottet hatte A. v. Arnim werke 15, 49; indem er das leben als einen traum verspottet, spottet er den tod auch zu nichts Börne schriften 1, 387. B@2@ee) mit spott von sich weisen: ir habend den rat des armen verspottet Züricher bibel v. 1531, psalm 13; geld, pomp und pracht auf erden, lust, freuden er verspott und achtets für beschwerden Spee trutznachtigall (1649) 3, 6, 6; in ihrem arm verspott' ich die gefahr Göthe 13 2, 27, 559 Weim. (schutzgeist 1, 11). B@2@ff) in freier übertragung sind unpersönliche subjecte handelnd gedacht: das heisze blut verspottet die vernunft Körner werke 3, 217 Hempel (Hedwig 2, 2); nicht die frechheit macht den helden aus, die ruchlos jedes heiligste verspottet 189 (Rosamunde 5, 2); meine werke und basteien lachen und verspotten euch A. v. Arnim werke 21, 245; die lebendige buche aber strahlte noch einen augenblick in noch gröszerer majestät als vorher, wie um meine ohnmacht zu verspotten G. Keller werke 1, 202; später hielten mich leidige besorgungen und arbeiten fest, die sich übermäszig häufen und meine amt- und dienstlose muse verspotten Pückler briefwechsel 3, 384. B@33) reflex. gebrauch: wann der gottlosz sich vnterstehet mit gott zuspotten, so verspottet er sich selbst Albertinus zeitkürtzer (1603) 15b; wir unterscheiden uns dadurch von allen völkern Europens, dasz wir uns selbst verspotten Herder 27, 233. sich verspotten lassen: er musz sich lassen von ihm verspotten Steinbach 2, 636; zu vornehm ..., als dasz sie sich nach dem gefallen eines jeden hochmtigen deutschen junkers verspotten liesse Petrasch lustspiele (1765) 1, 692; wie würde er sie (Homer die Venus) noch oben drein von Pallas verspotten lassen, als hätte sie sich bei einem liebeshandel vielleicht geritzt? Herder werke 3, 18; Jacob soll sich von der andern parthey als ein mutter-sOehngen verspotten lassen Weise comOedienprobe (1696) Esau und Jacob, inhalt; (er) bereitete sich rache durch die unerschütterliche geduld sich als narr verspotten zu lassen Niebuhr m. geschichte 1, 314. CC. nominalformen des verbs. C@11) infinitiv: zu verspotten geben, risui, ludibrio exponere, propinare ad deridendum Dasypodius C 5; zu verspottene er sich bot, uf daʒ wir spottes wurden los passional 84, 56 Köpke; und vil andere ding, die bas zeverspotten synd, wann zeglOeben Steinhöwel de claris mulieribus 34 Drescher; den (Vulkanus) mit ainem ysnin bande angestricket hin fuort vnd inn den andern götten erzöget zeuerspotten Niclas v. Wyle translationen 20, 35 Keller; vnd antwurten in den heiden zeuerspotten und zegeiseln erste deutsche bibel 1, 76, 46 Kurrelmeyer. substantivisch: das verspotten Campe; wa die selben menschen vmb ain offenhait das ist vmb ain torecht verspotten oder vmb ain hart wortt als balde werden sy bewegt vnd entsetzt Tauler sermones (1508) bl. CLXXVIb a; nit mitt der geschrifft, nein, mit verspotten, verachten, schmech worten Judas Nazarei 65, 2 Kück; aber wer weiss nicht, was die vrsach solches jhres verspottens ist Joh. Nas das antipap. eins vnd hundert (1567) 4, 275a. C@22) part. präs. attributiv: verspottende geberden Frisch 2, 305c. Adelung. der die EnglAender hassende und verspottende Linguet Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 24. prädicativ: mein sinnen, sehnen, die gedanken all umflattern dich, verspottend schloss und riegel Geibel werke 2, 143; mit einem lächeln mich zugleich verspottend und entschuldigend Storm werke 1, 250 f.; er (Kasperle) .. macht alle dummen streiche des herrn mit, obgleich er sich und ihn verspottend warnt Holtei erz. schriften 12, 32. C@33) part. prät. in adjectivischer verwendung: verspott, obrisus, participium vocab. v. 1482 i i 8a; verspottet, dileggiato, sbeffeggiato Kramer 2, 878a. attributiv: hier citirt er (Klotz) z. e. so seltsam und weitschweifig, als der verspottete Grillo seinen Pindar nicht beiruffen kann Herder werke 3, 428; das gelingen dieses .. anfangs als unausführbar verspotteten unternehmens Mommsen m. geschichte 2, 35; er ist eben noch selbst befangen in der später verspotteten wissenschaft Justi Winckelmann 1, 179; sollte uns noch unklar seyn, was er durch seine oft verspottete »reinigung der leidenschaften« wolle? Herder werke 23, 351; noch aber scheut' ich die von Herodot verspottete scheibenründung mit dem umkreisenden strom Okeanos J. H. Voss antisymb. 2, 10. seltene bildung: allgemeiner hat geherrscht oder gilt noch hier und da in protestantischen schulen beinahe aller gegenden ein den lehrern verübeltes, verspottetes wir, dessen ursprung man verkannte J. Grimm kl. schriften 3, 259. prädicativ, verspottet sein: o her, nicht weis lær ab mich deinen, dàs ich vorspót nit seie: dan ich jo dich anschreie Schede gen. Melissus psalmen 111, 18 neudr. besonders in verbindung mit verben ähnlicher bedeutung: das ist als verspot und verlacht H. Sachs werke 1, 198, 3 Keller; dises folck der studenten was vor vast lieb vnd enpfengklich vnsern frovwen ... da huob das selb folck an zesin verspotet verschmecht vnd verhasset Niclas v. Wyle translationen 56, 13 Keller; bey den Persianern waren keine leut mehrers verschreyt, verspottet, ... als die lgner und schuldenmacher Stranitzky ollapatrida 308, 2 Wien. neudr.; jenseits des ozeans, sind wir geachtet, .. aber missachtet, verspottet nur in Deutschland Moltke schriften 7, 19. verspottet stehn: sie musten da verspottet ston Erasmus Alberus Esop 7, 43. mit andern verben als sein und stehn: der mit der gantzen last des vaters vngenaden, vnd vnser bösen that hengt an dem holtz beladen gepreszt, verspeit, gedrückt, veracht, geschmäht, verspott, verlassen von der welt, vnd wegen jhr von gott Opitz teutsche poemata 189 neudr.; der heimkehrende trupp trug nämlich die häupter seiner erschlagenen häuptlinge wie heiligtümer .., während an speeren aufgespieszt und verspottet die köpfe der feinde gebracht wurden Ratzel völkerkunde 2, 124. sich verspottet sehen: grausam verspottet sieht sie sich von mir, an die verhaszte feindin sich verraten Schiller werke 12, 518 (Maria Stuart 4, 4). substantivisch gebraucht: .. legten sie sich selber in die tOetlich sorge, in den gewalt der verspotten und gelaichten Steinhöwel de claris mulieribus 112 Drescher.
25126 Zeichen · 402 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verspottenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    ver-spotten swv. BMZ verspotten, subsannare Dfg. 561 b . Berth. Pass. Myst. ; mit spotten hinbringen Berth. ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verspotten

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Verspotten , verb. regul. act. Spott über etwas äußern, über etwas spotten, mit der vierten Endung der Person oder Sache…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verspotten

    Goethe-Wörterbuch

    verspotten [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verspotten

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verspotte n wie hochd. Mü. U. M e r wird verspotte-n-un d verachte n Mü.

  5. Sprichwörter
    Verspotten

    Wander (Sprichwörter)

    Verspotten 1. Man soll nicht verspotten den lahmen Mann, wenn man selber nur hinken kann. It. : Mai di niun uomo fatti b…

  6. Spezial
    verspotten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ver|spot|ten vb.tr. coiené (coiona), sbaufé (-fëia), ‹pop› tó por le nes, tó por le cü.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verspotten

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verspotten

ver- + spotten

verspotten leitet sich vom Lemma spotten ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verspotten 2 Komponenten

vers+potten

verspotten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verspotten‑ als Erstglied (1 von 1)

verspottenswert

DWB

verspotten·swert

verspottenswert , adj. , was wert ist verspottet zu werden, was spott verdient, z. b. th. 10, 1, sp. 2695: eine verspottenswerte kleinigkeit…