strengen,
vb. ,
denominative ableitung von streng,
adj.; ags. gestrangian '
stärken, confortare' Grein
sprachschatz 640
b. (
aisl. strengja '
festbinden'
wird als denominativum zu strengr '
schnur, strick' [
nhd. strang]
anzusehen sein, vgl. Cleasby-Vigfusson 598
und Walde-Pokorny 2, 650). —
das wort ist in der dt. spr. im gegensatz zu jüngerem anstrengen
nicht häufig und bleibt in der neueren zeit auf poetischen sprachgebrauch beschränkt; Adelung,
der nur die bedeutung '
scharf anziehen' (
vgl. unten 5)
kennt, nennt es 4 (1780) 824
veraltet. 11) '
stark machen, stärken' (
zu streng I A):
conroborabatur kestarchit uuas, kestrengit uuas
ahd. gl. 1, 730, 1
St.-S., zu Luc. 1, 80 (
vulgata: confortabatur spiritu; 1.
dt. bibel: wart gesterckt im geist; Luther: war starck im geist).
besonders im sinne von '
kräftig ausüben, zur geltung bringen': di lude in alle forchten an werken unde an worten alse einen heileclichen man, der strengen rechtekeit began
leben d. hl. Elisabeth 4014
Rieger; so kumt der unselden barn, der also strenget sin gebot daz her
sich selben nennet got Heinrich v. Hesler
apokalypse 18867
Helm; damit aber niemand meyne, dasz man der sachen etwa zu viel thue, und die klage zu hoch strenge Scriver
seelenschatz (1737) 1, 687
b.
im jüngeren nhd. vor allem vom anspannen und steigern der kräfte, vgl. sich, seine kräfte strengen
faire tous ses efforts Schaffer
dt.-frz. (1834) 2, 3, 305
a.
oft in gehobener ausdrucksweise für anstrengen (
s. d., teil 1,
sp. 492
f.): ein grad von handlung, anstrengung im Laokoon mehr bringt den körper aus seiner leidenden fassung, in die letzte strengende wuth des angrifs Herder 8, 106
S.; dulden wollt ich als mann, und strengte mich; aber es siegte Amor Voss
Ovids verwandl. (1798) 2, 159; ihr, o gewaltige hände, bezwangt die hörner des stieres? euch sah Elis gestrengt
ebda 2, 137; alle kraft der glieder, so glaubst du, strengt er zum fischfang
ders., Theokrits Bion u. Moschus (1808) 7; wacker strengend die kraft der hände, erfaszt er das werkzeug Gaal
d. nord. gäste (1819) 38; er ackert und strenget die kräfte, es wird ihm so schwer und es wird ihm so sauer Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 188.
vereinzelt den blick strengen: ihr auge folgt ihm, bis er, immer kleiner, ihr nur ein fliehend pünktchen schien, und noch, als der gestrengten blicke keiner ihn mehr erreichte, sah sie ihn Baggesen
poet. w. (1836) 5, 51.
vgl. auch den kampf strengen
ihn mit gröszerer anstrengung der kräfte fortsetzen Campe 4 (1810) 711
a.
in mundartlich verengter bedeutung '
seine kräfte beim gehen anstrengen': strenge
stark zugehen, im gehen ausholen, ausschreiten Müller
Aachen 238; Rovenhagen 142.
reflexiv sich strengen gegen etwas '
sich stark machen, sich sträuben, sich auflehnen': were, dat ienich here sich daran strengen wolde, keren, speren oder dar afdriuen wolde
Wism. urk. v. 1346
bei Schiller-Lübben 4, 431
a; würde jemand sein, der sich dagegen strengen würde, wir wollen mit vnsern räthen vnd mit euch darauff rahtfordern, wie dem entgegen zukommen Schütz
hist. rer. Pruss. (1592)
buch 9, Ee 6
b. 22)
jemanden hart angehen, ihn drängen, bedrängen, ihm hart zusetzen (
vgl.streng II C 1 a
u. c):
urguere, arguere strangen (
Pa.) strenken (
K.)
ahd. gl. 1, 124, 7
St.-S.; ich wil ouch dardurch beihte,daz ist min gir die meiste, ich han getan vil leihtewider vater svn den geiste, da von vns beiden frevden zil so lenget; die frvht von Titurelewird vil liht von sunden sust gestrenget
jüng. Titurel 4984
Hahn; zu welchen tagen die aidgnoszen, als si zuo Lucern zsamen komen warend, an die von Zürich widerum strangten und an wissen ze han begertend J. v. Watt
dt. hist. schr. 2, 104
G. —
wohl im sinne von '
treiben': bey nahe thät es noth, man gienge selbst aufs feld, und sähe hie und da, ob alles recht bestellt, zerschlüge mit dem stock die gantz gelasznen schollen, woran der faule knecht das pferd nicht strengen wollen Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 406. strengen, anstrengen
monere, incitare, instigare Stieler
stammb. (1691) 2189; strengen
anstrengen, belästigen Schmeller 2, 817. 33)
im mhd. vereinzelt das leben strengen '
es hart, bitter, beschwerlich machen' (
zu streng II A 1 '
acerbus'
; vgl. strenges leben
ebda III A 2 a): er hiez in vurwart mere ein teil sine leben strengen unde die vaste lengen
väterbuch 24 003
Reissenberger; ir man die hutlute uzlas, die er starc und veste zu deme amte weste, und hiez ir strengen ir leben
passional 32, 13
Köpke. 44) (sich) strengen
vom wetter, bes. von kälte, frost, winter, '
härter, schärfer werden' (
zu streng II D 5): de küll strengt sik
die kälte wird strenger Mensing
schlesw.-holst. 4, 884; Schumann
Lübeck 31.
prägnanter: strenge
sehr kalt werden Müller
Aachen 238; strengen
kalt werden, vom wetter Leithäuser
Barmen 152
b.
verbreitet im sprichwort: wenn sich die tage lengen, so thut sich der winter strengen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Ddd 4
a; Spanutius (1720) 631; wenn de dage sikk anfangen to längen, pleggt sikk de winter to strengen Dähnert
plattdt. wb. (1781) 467
b; baîgenne e dêze tâ lingen, baîgent e wonter tâ stringen Jensen
nordfries. 591;
vgl. ferner Woeste
westfäl. 258
a; Böning
Oldenburg 109; Müller
Aachen 238; Rovenhagen
Aachen 142; Friedli
Bärndütsch 2, 135;
schweiz. id. 11, 2302. 55)
zusammenziehen, zusammenschnüren, einengen; zu streng II D 1,
doch mag hier teilweise auch das verwandte strang (
oben sp. 854
ff.; vgl. auch strängen,
vb., sp. 870)
die bedeutung beeinfluszt haben: strengen, zuosamen strengen, wol knüpffen
distringere, perstringere, stringere Maaler
teutsch spr. (1561) 392
c; wo es sich gehöret wird alles mit stecknadeln, häcklein, spangen ... vnd knöpffen zusammen gehefftet, geknüpffet vnd gestrenget (
connectuntur et astringuntur) Comenius
güld. sprachenthür (1638) F 4
b.
der folgende beleg steht wahrscheinlich unter unmittelbarer einwirkung von strang,
subst.: (
der in der jugend sterbende) wird sehr früe dem dienst entrissen, an welchen vns die sünde strengt Simon Dach
ged. 3, 33
Ziesemer. eng umwinden, beengen, einengen: strengen, zwengen, enge einziehen
serrer, restreindre Rädlein
dict. (1711) 853
a; zeuch in (
den leidenden) ausz (
entkleide ihn), dasz in nichts streng oder irr von kheinen ding
bei Schmeller-Fr. 2, 817; diesen zierlich und kräftig doch kaum geborenen säugling faltet in reinster windeln flaum, strenget in köstlicher wickeln schmuck klatschender wärterinnen schaar Göthe I 15, 1, 226
W. anziehen, straffen: Delius schaut ihn neulich, noch stolz von der schlange besiegung, als er das schnellende horn einbog mit gestrengeter senne Voss
Ovids verwandl. (1798) 1, 36; sonder entschlusz nun stutzt er, und senkt so wenig die zügel, als er sie strengt
ebda 81.
im bilde die zügel an einen strengen
ihn scharf behandeln, bedrücken: auff den Kossakenberg ... halt itzo noch nicht an der mörder strenge zügel, die an dich Tanais (
der flusz Don), dein böser nachbar, strengt Fleming
geist- u. weltl. poemata (1660) 586