[]streng,
strenge,
adj. herkunft und form. gemeingermanisches, doch got. nicht belegtes wurzeladjektiv zu einer nasalierten gutturalbildung *strenk-,
*streng-
der idg. wz. *ster- '
starr, steif' (
vgl. Walde-Pokorny 2, 650; Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 1179; Jóhannesson
isl. etym. wb. 886).
zu derselben basis *sterk-,
*sterg-
gehören u. a. stark
und strack,
zur nasalierten form 1strang
und strunk
sowie auszergerm. gr. στραγγός '
gedreht',
ir. sreang '
strick, strang',
lett. stringu, stringt '
stramm werden',
lat. stringo, -ere '
zusammenziehen, schnüren',
s. Walde-Pokorny, Falk-Torp, Jóhannesson
a. a. o. ableitungen des wortes sind
an. strengja '
festbinden, schlieszen; streng machen' (
nnorw. strengja '
straff ziehen, zwingen'),
ags. gestrengan '
stärken',
mhd. nhd. strengen,
vb., '
stark machen, verstärken, zusammenziehen' (
s. u.).
das adjektiv begegnet im germ. verschiedentlich in doppelformen, teils als a/ō-
stamm, teils als ja/jō-
stamm. so stehen nebeneinander ahd. strang
neben strengi,
mhd. strang
neben strenge (
s. u.);
ags. strang
und strong (a
mit o
wechselnd vor nasal) '
stark, mächtig, streng, hart'
neben strenge '
streng'
; nl. strang (
wb. d. nl. taal 15, 2135)
neben streng '
stramm, genau, streng' (
ebda 2190);
neunorw. strang '
scharf (
vom geschmack u. geruch)'
neben streng '
streng' (Falk-Torp
a. a. o.);
as. strang '
stark'
an. strangr '
streng, heftig'
gegenüber mnd. strenge '
straff, eng, tapfer, hart, streng',
schwed. sträng '
streng'.
diese doppelbildungen legen die möglichkeit nahe, den a-
bzw. ja-
stamm (
wie ihn Falk-Torp
a. a. o. und Franck-v. Wijk 675
ansetzen)
auf einen älteren u-
stamm (
so Kluge
nominale stammbildungslehre § 181; Sievers-Brunner
ags. gr. § 303
anm. 2;
wb. d. nl. taal 15, 2135
s. v. strang;
als vermutung Franck-v. Wijk
a. a. o.)
oder i-
stamm (
beide möglichkeiten lassen zu Braune
ahd. gr. § 251
anm. 1; Wilmanns
dt. gr. 2, § 307
anm.)
zurückzuführen. im hd. überwiegt die form ahd. strengi,
mhd. strenge
nhd. streng(e),
doch bleibt neben dem von hause aus umlautlosen adverb ahd. strango,
mhd. strange
eine attributive form strang
bis in nhd. zeit hinein bewahrt, vgl. ahd. baccum uinum strangi uuin, stranh uuin
ahd. gl. 1, 56, 19
St.-S.; uualdendeo strango (
dominator fortis)
Isidor 14, 15
Hench; Leidener Williram 72, 21;
mhd. stranc, strange
mhd. wb. 2, 2, 675; Lexer 2, 1231
sowie Schmeller-Fr.
bayer. 2, 816;
für das nhd. vgl. ein junk-frauangsicht strang Hans Sachs 7, 450
lit. ver.; mit strangen augen Harsdörffer
gesprächsp. 2 (1657) 134; stranges obst, stranger wein Kramer
t.-ital. 2 (1702) 997
b.
auslautendes -e
der unflektierten form (<
ahd. -i)
bzw. des adverbs (<
ahd. -o)
bleibt bis zur gegenwart neben häufigerer endungsloser form erhalten. bedeutung und gebrauch. 11)
die ausgangsbedeutung des wortes ist '
stark, kampftüchtig, tapfer' (I A).
sie beherrscht den gesamten althochdeutschen, auch in gröszerem umfange den mittelhochdeutschen gebrauch des wortes und reicht, besonders in anredeformeln (strenger herr),
weit ins neuhochdeutsche herunter. 22)
die ausbildung des verzweigten frühneuhochdeutschen wortgebrauches (II)
wird —
bereits im ahd. beginnend —
dadurch eingeleitet, dasz streng
von der bedeutung '
stark'
aus in mehrere unterschiedliche verwendungsbereiche eintritt, in denen es einem wandel vom steigernden (
adverbialem '
sehr'
entsprechenden)
zum charakterisierenden beiwort unterliegt. so nimmt streng
bei wörtern des zornigen affekts die bedeutung '
grimmig'
an, in der es schon im as. zu neutralem hugi
treten kann (I B 2).
in verbindungen wie strenge not, strenge pein
gewinnt das adjektiv den sinn von '
acerbus, hart, peinvoll' (II A 1),
so dasz bald fügungen wie strenge zeit
möglich werden. über '
beschwerlich'
schlieszt sich hieran die bedeutung '
schwierig' (II A 2),
die zugleich durch anwendung der bedeutung '
unnachgiebig' (
vgl. III A)
auf gegenstände, die der bearbeitung schwierigkeiten bieten, verstärkt wird (
s. besonders streng
vom ackerboden und von schwerflieszenden erzen unter II A 2 b).
anwendungen auf [] ausdrücke des strömens lassen die bedeutung '
schnellflieszend, reiszend' (II B 1)
aufkommen, in der streng
seit dem beginn des nhd. bei konkreten gewässerbezeichnungen erscheint (strenger bach).
wenig später folgen entsprechende verwendungen für die menschliche fortbewegung ('
scharf, schnell',
von lauf, ritt und fahrt, II B 2)
und für das wehen des windes ('
scharf, heftig' II B 3).
daneben gewinnt auch der allgemein verstärkende gebrauch des wortes mit der bedeutung '
assiduus, intensiv und beständig'
im frühnhd. weite verbreitung (II C).
in etwas jüngerer entwicklung entstehen sodann, teils an die bedeutung '
acerbus',
teils an die intensivierende geltung des wortes anknüpfend, die bedeutungen '
straff, eng, knapp',
von fessel, gürtel, kleidung usw. (II D l); '
pausenlos'
besonders vom beschusz (II D 2);
ferner die verbindung strenges gift (II D 3)
sowie anwendungen auf feuer und hitze (II D 4),
kälte und witterung ('
rauh, herb, kalt', II D 5),
geschmack und geruch ('
herb, scharf, adstringierend', II D 6)
und auf licht und farben ('
scharf, grell', II D 7).
die meisten dieser anwendungen sind im jüngeren nhd. wieder untergegangen. in der gemeinsprache der gegenwart halten sich lediglich die spät entwickelten bedeutungen II D 5
und 6
sowie reste der verwendungen II B 2 ('
scharf, schnell')
und II D 1 ('
straff, eng, knapp'). 33)
die im jüngeren nhd. durchaus vorherrschende bedeutung '
severus' (III)
entwickelt sich aus verschiedenen ansatzpunkten schon im frühnhd. und nimmt seitdem ständig an verbreitung zu. dem modernen wortsinne angenäherte gebrauchsweisen finden sich schon früh in der bedeutung '
heftig, grimmig' (I B)
sowie in der (
aus einer sinnverlagerung von '
fortis'
zu '
tenax'
herzuleitenden)
bedeutung '
unnachgiebig' (
s. III A).
hiermit verbinden sich zwei weitere entwicklungszweige des wortes. von der bedeutung '
acerbus, peinvoll'
aus wird streng
einerseits auf strafe, gericht und urteil angewendet und erleidet hier —
infolge einer verschiebung des aspekts auf die rechtshandhabung und den strafwillen des richters —
einen bedeutungswandel zu '
unnachsichtig, unerbittlich, severus'
mit dem nebensinn des gerechtfertigten und der rechtsordnung dienenden vorgehens (III A 1).
andererseits tritt streng,
gleichfalls mit der bedeutung '
acerbus',
in verbindungen wie strenges leben, strenger orden, jmdn streng halten
ein, wo es zunächst die härte der (
mönchischen)
lebensweise, bald aber auch deren zuchtvollen, der zucht unterworfenen charakter bezeichnet (III A 2). 3@aa)
aus der verbindung der bedeutung '
hart, grimmig, unerbittlich'
mit den genannten bedeutungsmomenten des gerechten, einer ordnung dienenden vorgehens sowie der geforderten und innegehaltenen zucht entwickelt sich nun der dem jüngeren nhd. eigene wortsinn. in verzweigtem gebrauch bezeichnet streng
eine obrigkeitliche, erzieherische, in kritik und urteil gewahrte oder im menschlichen umgang eingenommene haltung der härte oder entschiedenen festigkeit, mit der die einhaltung von ordnung, zucht und sittlichem oder gesellschaftlichem wohlverhalten gefordert oder in der eigenen lebensführung geübt wird (III B). 3@bb)
als ein seitenzweig der bedeutung '
severus'
entsteht der wortsinn '
genau, strikt, entschieden' (III C).
den ausgangspunkt bilden verbindungen wie streng auf etwas halten
und anwendungen auf gebot und verbot, wobei sich zu der bedeutung '
severus', '
nachdrücklich befolgung fordernd'
bald die vorstellung der strikten innehaltung gesellt, deren ausbildung durch weitere wortverbindungen fortgeführt wird (III C 1).
gegen ende des 18.
jhs. ist die bedeutung '
unbedingt, strikt, genau' (
z. b. streng genommen, strenges geheimnis, streng im takte)
völlig ausgebildet und in vielfältigen anwendungen gebräuchlich (III C 2).
eine variante der bedeutung '
genau'
entsteht aus verwendungen, in denen streng
nicht allein die genaue innehaltung einer vorschrift usw., sondern auch deren extreme durchführung bezeichnen kann, wie in der verbindung strenge fasten.
hieraus entwickelt sich über wendungen [] wie strenge redlichkeit, streng katholisch
usw. ein anwendungsgebiet, in dem streng
überhaupt den unbedingten, konsequentesten geltungsgrad des ihm zugeordneten begriffes andeutet (III C 3),
z. b. im strengen sinne des wortes, strenge form des rechts, strenge aristokratie (
abstr.).
weitere abwandlungen der bedeutung beziehen sich auf exaktheit und stringenz wissenschaftlicher verfahrensweisen oder auf den entschiedenen ausbildungsgrad von form- oder entwicklungstendenzen (III C 4). 3@cc)
durch physiognomische auffassung sinnlicher eindrücke kommt es zu anwendungen, in denen bestimmten künstlerischen gestaltungstendenzen, die durch die merkmale des straffen, herben, schlichten und ernsten ausgezeichnet sind, der ausdruckswert streng
beigelegt wird. ähnlicher gebrauch findet sich auch für auszerkünstlerische gegenstände, besonders für die kleidung oder die äuszere gesamterscheinung eines menschen (III D). II.
auf der ausgangsbedeutung '
stark, kampftüchtig'
beruhen alle ahd. verwendungen des wortes teils unmittelbar, teils in noch frischer übertragung (
vgl.B 2
und II).
die ahd. glossographie bietet streng
hauptsächlich für fortis ahd. gl. 1, 8, 8; 126, 27; 172, 14; 266, 26
St.-S. potentes saeculi uel fortes mahtike uueralti edho strenke 1, 201, 39
St.-S. und robustus ahd. gl. 1, 242, 6; 312, 21; 4, 18, 9
St.-S. ferner begegnet uirago strankiu
ahd. gl. 1, 266, 25; strengista uuip 4, 24, 8
St.-S. I@AA. '
robustus, fortis, strenuus'. I@A@11)
der ältere sprachgebrauch umfaszt ohne erkennbare differenzierung die bedeutungen '
stark, gewaltig, mächtig'
und '
kampftüchtig, tapfer': chindh uuirdit uns chiboran, sunu uuirdit uns chigheban ... endi uuirdit siin namo chinemnit uundarliih chirado, got strengi, fater dhera zuohaldun uueraldi, frido herosto (
deus fortis, pater futuri seculi, princeps pacis, zu Jes. 9, 6)
Isidor 22, 12
Hench; that iru an them sîdasunu ôdan uuard, giboran an Bethleembarno strangost, allaro cuningo craftigost
Heliand 370; ih toufu iuuih in uuazzare in riuuua; thie after mir zuouuart ist, ther ist mir strengiro, thes ni bim uuirdig giscuohu zi traganne (
qui autem post me venturus est, fortior me est, zu Matth. 3, 11)
Tatian 13, 23
Sievers; ni bium ic mid uuihti gilîh drohtine minumu:he is mid is dâdiun sô strang, sô mâri endi sô mahtig ... ... that ic thes uuirdig ni bium, that ic môti an is giscuoha ... ... theo reomon antbindan
Heliand 936; odo vvuo mag einig ingangan in hus strenges inti sinu uaz gineman in thiu her anagitruuueta, nibi her er gibinte then strengon, inti thanne sin hus imo binimit? (
aut quomodo potest quisquam intrare in domo fortis et vasa eius diripere in quibus confidebat, nisi prius alligaverit fortem et tunc domum illius diripiat?, zu Matth. 12, 29)
Tatian 62, 6
Sievers; sie fuorent guote wîhgare helethe alsô strange
Rolandslied 7827
Bartsch; da sahen sie ein dir eslich ... daz cumberliche ve hatte zwene uuze lange vnde vlugele strange, den hals lanc unde breit
Tundalus in: C. Kraus
dt. ged. d. 12. jhs. XI 402; Segramors wære gestochen abe, unt dort ûze hielt ein strenger knabe, der gerte tjoste reht als ê Wolfram v. Eschenbach
Parzival 290, 6
L.; wan ritterschaft, also man seit, diu muoz ie von der kintheit nemen ir anegenge oder si wirt selten strenge Gottfried v. Straszburg
Tristan 4420
Ranke; [] Cis dem was ze sune irchorn ein sun der was Saul genant, ein jungir degin vrech irchant, vester unde strengir: von der ahsil uf lengir was er danne ieman were do Rudolf v. Ems
weltchron. 22 711
Ehrismann; den rîchen was er (
Hektor) ebenrîch und ebenstrenge an guote Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 40 807
Keller; do sach er da sten einen strengen iungeling der was dannoch vngetovft
dt. pred. d. 13. u. 14. jhs. 80
Leyser; Monagris waz strenge, Paris unmassen genge
Göttweiger Trojanerkrieg 8413
Koppitz; gleich wie ein strenger adler scheuszt, so jn des nidern orts vertreuszt, vnd mit gewalt den lufft durchtringt, so er die weiten flügel schwingt C. Scheit
frölich heimfahrt 723
Strauch. in der verbindung strenge macht: dîn sêle wirt mit strenger maht gezücket von dem lîbe dir Konrad v. Würzburg
Silvester 364
Gereke; mit mynnenclichen benden, die du kanst, Mynne, senden mit strenger krefte dair du wolt
mhd. minnereden 2, 154
Thiele; den hält die strenge macht der stoltzen lieb im zwang Gryphius
trauersp. 185
lit. ver. I@A@22)
während die bedeutung '
stark, gewaltig'
seit dem beginn des frühnhd. zurücktritt, wird streng
für '
kampftüchtig, tapfer, tatkräftig'
zur gleichen zeit häufiger und hält sich bis weit ins 17.
jh., in der formelhaften verbindung strenge hand
bis ins 18.
jh. hinein: ein enicklein des gar strengen streiter Caroli Martelli (
Nürnberg 1488)
städtechron. 3, 59; Abacuk ein starcker vnd strenger kempher der stet auf seiner huot
erste dt. bibel 3, 26
Kurr.; ain lehenman des küngs von Swabenland ... zu allen gutten hendeln kekk, nottvest und streng Oheim
Reichenauer chron. 58
lit. ver.; diser Albertus wasz ain sun kinig Rudolphs und gar ain streng und streytparer man, thet vil ritterlicher that (1531) Knebel
chron. v. Kaisheim 103
lit. ver.; jedoch, so hat Brutus den son Ciceronis ... zu jm genommen, ... und gar einen strengen ritter ausz jm gemacht Xylander
Plutarch (1580) 355
a; seine (
kaiser Maximilians) andre tugenden nicht mit schweigen zuübergehen, so ware er zwar kühn und streng zum uberwinden, aber auch sanfftmütig zum verschonen Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 163.
in der wendung strenge tapferkeit: als wie dir kein ding nicht mehr behagt, dann strenge tapfferkeit, darzu du bist gebohren Opitz
opera (1689) 1, 13; der uhralten Teutschen redlichkeit, fleissiges und strenges tapferseyn Schottel
haubtspr. (1663) 5; ihrer (
der Deutschen) strengen tapferkeit war kein land zu stark und weit Gottsched
neueste ged. (1750) 49; o Tallard! lern in dieser schlacht die löwenstärke deutscher macht, die strenge munterkeit der brittischen schwadronen
ders., ged. (1751) 1, 20.
ebenso in der verb indung strenge faust, strenge hand: dasz das königreich von rechts wegen keinem andern zugehörig, vnd er selbst mit verstendigem rath vnd strenger faust zu regiren taugentlich (1569)
Amadis 1, 46
lit. ver.; dann als ihn (
Ajax) die Minerva auch vermahnt mitten ins feindes henden, dasz er sein strenge faust solt wenden (
sich zurückziehen), da schnaut er sie ahn an dem ort (1608) Spangenberg
griech. dramen 2, 100
Dähnhardt; Astrachan ... du grentzstadt der Nagajen ... und deiner Reussen auch, die dich mit strenger hand den Tartern abgejaget Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 129;
[] im felde schlägt die strenge hand, im rathe weis er mit verstand der bundsgenossen heil zu fördern und zu schützen Gottsched
neueste ged. (1750) 21; da die Römer, da die Griechen, ihrer (
der Brennen) strengen faust gewichen Neukirch
ged. (1744) 3.
auch '
rührig, arbeitsam': allda musz sie mit strenger handt arbeyten, nehen, spinnen, weben Spreng
Ilias (1610) 2
a. I@A@33)
von hier aus wird das wort zu einem sehr gebräuchlichen bestandteil der titulatur zunächst ritterlicher, bald aber auch sonstiger standespersonen; vgl. strenger juncker
monsieur, c'est le tiltre d'un gentil homme Hulsius-Ravellus
t.-frz.-it. (1618) 313
a; streng
mà hoggi, titolo di nobile in concreto Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
a; streng herr
diesen titel giebt der gemeine mann den advokaten, kanzelisten, sekretärs, beamten, die den rathstitel nicht haben oder keine herren '
von'
sind Zaupser
baier. id. (1789) 74: desir vorgeschreben dinge sint gezuge dy strengin erberen lude her Dithmar Sweyme eyn ritter, herr Mengos von Deckinbach eyn knappe (1325)
hess. urkundenb. 2, 368
Wyss-Reimer; also daz der burggrebe von Rinecke einen frigen irstach einen erbern strengen ritter doit (14.
jh.) Tilemann v. Wolfhagen
Limburger chron. 65
Wyss; der schulde halb, so der edel und strenge her Hanns von Clingenberg, ritter, und ir mir ... schuldig sind (1455)
privatbr. d. mittelalters 1, 366
Steinhausen; denn strengen ernuesten fursichtigen vnd weysen meister vnd rat der stat Strasburg U. v. Hutten
opera 2, 86
Böcking; o strenge riterschafte ganz deutscher nacion ueb riterliche krafte an ungerischer kron (1542) Hans Sachs 22, 375
G.; strenger lieber herr und vatter, sagt er, ich bitt, wöllet semlichen unmut fallen lassen (1554) Wickram
w. 2, 77
lit. ver.; wer ... am närrischten auffzeucht, der wird am meisten geehrt vnd ein gnädiger herr oder ein strenger juncker gescholten Albertinus
hirnschleiffer (1664) 92; strenge frau, sagte Isidoro, ich habe nicht gespielet Zendorius
teutsche winternächte (1682) 66.
später nur noch archaisierend: mein wertister strenger hr. Hanns Jacob (
Bodmer) Schwabe
tintenfässl (1745) 30. I@BB. '
saevus'. I@B@11)
bei wörtern des kriegerischen verhaltens. I@B@1@aa)
als beiwort zu ausdrücken des kämpfens nimmt streng
von '
stark, gewaltig'
aus vielfach den nebensinn '
heftig, grimmig, ungestüm'
an: daz ich von ev beiden ie vertrvc kein striten also strange
d. jüng. Titurel 4789, 2
Hahn; dar nâch kriegte herzoge Liutpold von Oesterrîch streng und vast ûf künig Ludwîgen unt tet im als nôt und als wê mit krieg, daz er sînen bruoder ... ûz der gefangnus lauzen muost (15.
jh.)
Zürich. jahrb. 64, 4; aber sie erholeten sich bald ... vnd fiengen solchen strengen vnd harten streit an, dasz es gantz zum ärgsten gerahten, wo nit die, so hülff vom Gandales begeret, sich zwischen sie verfügt hette (1569)
Amadis 1, 35
lit. ver.; morgens haben beide kriegshör ... ein strenge schlacht gethan Falckner
frantzös. chron. (1572) 1, 145; das gefächt ward streng Stumpf
Schweizerchron. (1606) 696
a; dass leider wir zu schwach, mit stets-bewehrter hand der Türcken nachbarschafft, der Persen strenges kämpffen, die uns von ost und west umpfählen, recht zu dämpffen Gryphius
trauersp. 200
lit. ver.; es rüstet sich darauf das eingetheilte heer zum anfall und zugleich zur strengen gegenwehr Pietsch
geb. schr. (1740) 11; wenn dein bewehrter arm, in mancher strengen schlacht, die völker angeführt Gottsched
ged. (1751) 1, 377.
[] I@B@1@bb)
entschieden im sinne von '
saevus'
kennzeichnet streng
die wilde kriegerische gesinnung oder mordbrennerische handlungen: dann zwar streng ist der kriegszleut mt, die nicht verschonen weib noch kind (1553) Scheit
frölich heimfart 330
Strauch; ein fürst, der ein grausamer und strenger kriegsman was (1556) J. Frey
gartenges. 65
Bolte; darneben dann zum schrecken an vielen orten etwas streng gehauset und fast alles nider gehawet worden Ensz
fama Austriaca (1627) 234
b; schämt euch, ihr krieger strenger art! was soll das wüthen, brennen, morden? wo keine sanftmuth sich mit tapfern fäusten paart, so gleicht ihr wilden Tartarhorden Gottsched
ged. (1751) 1, 24; das strenge heidenvolk Fleming
dt. ged. 1, 122
lit. ver. —
dagegen an '
severus' (III)
angenähert: der gar ein strenge herre was sinen figenden, want he di mit groszem volke, rittern unde knechten, alle zit oberreit (14.
jh.) Tilemann v. Wolfshagen
Limburger chron. 87
Wyss; der Lucius Valerius und der Marcus Horacius! der gschlecht und die sind allzeyt gütig, der gmein gewegen und senfftmütig, ... den feinden ritterlich und streng und holdselig der bürger meng (1530) Hans Sachs 2, 17
lit. ver. I@B@22)
andererseits entwickelt sich die bedeutung '
grimmig'
schon früh aus intensivierendem gebrauch für '
stark, heftig' (
vgl. II)
bei ausdrücken der feindseligen gesinnung und des zornigen affekts; im as. findet sich streng '
feindselig' (
wie gleichbed. stark)
bereits bei neutralem hugi: thann quâmun eft fan Kainakraftaga liudi, helidos hardmuoda,habdun im hugi strangan, uurêdan uuillean,ni uueldun uualdandas lêra lêstian,ac habdun im lêdan strîd
as. genesis 120; tho zalt in thiu sin guatithio selbun arabeiti, thie sie scoltun rinanthuruh namon sinan; manno haz ouh managanubar sie gileganan, nid filu strengan,so fram sie iz mugun bringan Otfrid IV 7, 16; uuanta mîn minna ist samo stark, so der tôd ingegen dich; ist abo dîn nîth samo strenge, so diu hella ingegen mich (
dura sicut infernus aemulatio) Williram 137, 4
Seemüller; den orsen wart erzeiget vil strenger unde grimmer zorn. si wurden sêre mit den sporn eht aber dô gezwicket Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 35 951
Keller; strenger und erschrecklicher zorn gottes Luther
tischr. 6, 33
W.; sol Chach denn, höchste lust! ach! sol dich Chach denn lassen? verdienet seine gunst nichts als ein strenges hassen? Gryphius
trauersp. 191
lit. ver.; so wird auch gottes strenger zorn durch diese fluth gestillet Joh. Bornschürer
in: evang. kirchenlied d. 17. jhs. 4, 268
Fischer-Tümpel; warum verzehret uns der zwietracht strenge wuth Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 14; so mag er wohl den strengen zorn besiegen, groszmüthig schenkt er dein verwirktes leben Tieck
schr. (1828) 1, 315.
zur metaphorischen anwendung auf rauhe witterung vgl. II D 5: da oft mit strenger wuth noch wind und fröste wüthen Becker
mildh. liederb. (1799) 17; nun aber bei des winters strengem wüthen die zarten frühlingskinder sind erfroren Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 68.
[] I@B@33)
auszerhalb dieser sachbereiche begegnet streng
im sinne von '
grimmig, wild'
nur sporadisch: seind auch von beiden arten (
der bienen) etliche wild: aber die wilden seind allzeit strenger vnnd mörderischer Fischart
binenkorb (1588) 263
a; ihr mustet weiter fort, gott weisz mit was für grauen, und euer furchtsams heyl der strengen see vertrauen Fleming
in: persian. reisebeschr. (1696) 1, 43; man kan die schlange selbst durch güte so bewegen, dass sie die grause gifft pflegt von sich abzulegen. der wilden hölen zucht, der strengen löwen art, und was die wüste klipp in ihrem schosz verwahrt, legt, wenn der linde mensch es nicht zu rauhe handelt, die grimmig unarth ab und wird in zahm verwandelt Gryphius
trauersp. 65
lit. ver. vielleicht hierher: dat gewitter kümmt von osten hoch, dat ward streng Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 884. IIII.
schon zu beginn der überlieferung finden sich anwendungen des wortes, in denen es von der bedeutung '
stark'
aus als verstärkendes beiwort auf die unterschiedlichsten zusammenhänge bezogen wird, ohne dasz sich zunächst einzelne dieser verwendungen zu einem festen gebrauch zusammenschlieszen: baccum uinum strangi uuin (
Pa.), stranh uuin (
gl. K.)
ahd. gl. 1, 56, 19
St.-S.; uuard hungar strengi in thero lantscefi (
facta est fames valida Luc. 15, 14)
Tatian 97, 2
Sievers; ic hebbiu fon is uuorde mid mi stranga stemna,thoh si hêr ni uuillie forstandan filo uuerodes an thesaro uuôstunni
Heliand 934; hugi uuard giblôdid then idison an egison: ne mahtun an thia engilos godes tuo bi themo uulite scauuon: uuas im thiu uuânami te strang, te suidi te sehanne
ebda 5846; diu strengeren lâchen dînero redo (
remedia quę dicebas paulo esse acriora) Notker 1, 126, 19
Piper; in handegên hungeriâren strenge chornchouf in Campania unde ubelêr zegeuuerenne unde dîa selbûn gebûrda erarmen sulendêr (
tempore acerbę famis grauis atque inexplicabilis coemptio Campaniam prouintiam profligatura inopia)
ebda 1, 27, 1; sô manz ie schowet lenger, sô wirt diu girde ie strenger gegen dem antlütze Lamprecht v. Regensburg
tohter v. Syon 3950
Weinhold; nw was Bremunds wunde so lanck, so wyt, so grois, so stranck, dat de artzeder swaren, kome bynnen eyme jare Bremunde de wonde moecht en heil
Karlmeinet 45, 39
Keller. seit dem mhd. auch '
heftig, intensiv'
bei verben (
vgl. I B 1): sus stuont sie unlange dâ, unz sie der wint aber sâ sô strange begunde rüeren Heinrich v.
d. Türlin
crône 25 084; nv waren ovch die cristeneins herren niht vnlange, wan sie mit valschen listenwurben wider die gebot so strang, daz sie den gral zv vnrehtewolten erstriten
jüng. Titurel 475, 3.
dieser intensivierende gebrauch des wortes setzt sich im frühnhd. in abgewandelter form fort (
s. u.C).
daneben durchläuft streng
seit dem mhd. in mehreren verwendungsbereichen eine entwicklung vom blosz steigernden zum spezifisch charakterisierenden beiwort (
s. den gleichen vorgang bereits unter I B 2).
durch weitere verzweigung dieser gebrauchsweisen entsteht im frühnhd. eine reihe sehr unterschiedlicher bedeutungen, von denen jedoch die wenigsten das 18.
jh. überdauern. II@AA.
hart, rauh, peinvoll; beschwerlich, schwierig. II@A@11)
als attribut zu not, pein schmerz
und verwandten begriffen wandelt streng
seine bedeutung von '
stark, heftig'
zu '
acerbus, pein bereitend, hart, rauh' (
anwendungen auf strafe, gericht und urteil sowie auf gefangenschaft und sklaverei s. unter III A 1, strenge arbeit
unter III B 10):
[] sîne gedanke umben grâl unt der küngîn glîchiu mâl, iedwederz was ein strengiu nôt: an im wac für der minnen lôt Wolfram v. Eschenbach
Parzival 296, 7
L.; der tot diz leben im gebot und diz strenge ungemach Ulrich v. Türheim
Rennewart 34 323
Hübner; nah den sszen jaren kamen schiere, das ist war, diu dürren, strengen hunger jar, dü allen landen fgten leit mit klaglichir erbeit Rudolf v. Ems
weltchron. 7479
Ehrismann; daz er als ein bilgerîn vil strengen und vil swæren pîn truoc in dem ellende Konrad v. Würzburg
Alexius 758
Gereke; das strenge vnnd vnaussprechliche vnglück Schumann
nachtbüchlein 3
Bolte; das im gleich ist die welt zu eng in solchen nöten hart und streng (1562) Hans Sachs 18, 115
lit. ver.; (
der schwer verwundete Tristan sendet zu Isolde:) bring jhr diesen ring zum warzeichen, dasz sie dabey erkenn vnd sehe meinen grossen ernst vnd strenge not
buch d. liebe (1587) 106
c; ach reisz das land aus hungers-plagen, errette die, so rauh und blind, zu strenger quaal verwiesen sind, herr! oder hilff das elend tragen! Gryphius
trauersp. 785
lit. ver.; die sich verleiten lassen, was müssen sie erfassen? die strenge seelenpein Simon Dach
in: Königsb. dichterkreis 74
ndr.; dem, so strenger grahm besteiget, ist poesie nicht geneiget Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 16.
der gebrauch ist besonders im mhd. sehr verbreitet, vgl. noch streng
als beiwort zu sorge Wolfram v. Eschenbach
lieder 9, 3; zadel
Parzival 190, 8; jâmer Rudolf v. Ems
weltchron. 9449
E.; swære Konrad v. Würzburg
Silvester 969
G.; marter
ebda 345; ungehabe
ders., trojan. krieg 13 301
K.; smerz
ders., Alexius 390
G. in der anwendung auf krankheit und körperliche schmerzen bleibt die intensivierende bedeutung '
stark, schwer, heftig'
wohl meist bewahrt; vgl. valetudo grauescit die kranckheit nimpt zu oder bösert sich, wirt ye lenger ye strenger Frisius
dict. (1556) 613
b;
conflictari iniqua ualetudine ein strenge kranckheit haben, vast kranck seyn
ebda 293
b: hie zwischen frasz die strenge sucht, so in die leut gesessen, vil volcks hinweg Wurstisen
Paulj Ämilij u. Arnoldj Ferrarj hist. (1572) 1, 448; der schmertzen aber liesz hierumb nichts nach, sondern ward von tag zu tag je lenger je strenger J. Fuglinus
de praest. daemonum (1586) 254
a; das strenge hauptwehe Gäbelkover
artzneyb. (1596) 1, 6; (
die krankheit) ist zweierlei, die ein starck und mächtig, welche tödlich und unheilsam, die ander minder streng und starck Behm
artzneib. (1625) 91; was wild, vnzam fleisch ist, dasselbig ist alles zum tartaro gericht, vnd gibt schweren tartarum, strengen vnnd hefftigen Paracelsus
opera (1616) 1, 300 C; ... es brächt ihn strenge seuch umbs leben Gryphius
trauersp. 569
lit. ver.; anfänglich ward mein haupt mit strengem schmerz befallen Triller
poet. betracht. (1750) 1, 127. II@A@1@aa)
der vollzogene bedeutungswandel ist schon früh aus der anwendung des wortes auf neutrale (
die bedeutung '
stark'
ausschlieszende)
begriffe abzulesen: Parzivâl niht eine lac: geselleclîche unz an den tac was bî im strengiu arbeit (
kampfesnot im traume) ... von disen strengen sachen muos er durch nôt erwachen. im switzten âdern unde bein Wolfram v. Eschenbach
Parzival 245, (3
u.) 17;
[] wiste ab si daz Gâwân ir frouwen bruoder wære unt daz disiu strengen mære ûf ir hêrren wærn gezogn, si wære an freuden dâ betrogn
ebda 686, 8
L.; daz mich got von ir (
der welte üppekeit) loste nach sime hohen troste, wil ich der welte unlenge, daz strenge phat vil enge mit arbeitlichen dingen zu mime schephære dringen Rudolf v. Ems
Barlaam 10, 32
Köpke; den selben weichen menschen sind och sölich streng übungen in andern nit ze verwerfen noch in arger wise ze urteilen Seuse
schr. 108
Bihlm.; der tugent strasz ist streng vnd hart, langweilig vnd trawriger arth Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) P 2
b; der ursach halber sie gar wol und recht den engen und strengen weg angetretten Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 39; wie strenge dieser schlusz, wie schmerzhaft war das trennen Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 59.
sehr gebräuchlich ist die verbindung strenge zeit: in dem 1200 und 83. jar was grot stervent und strenge tit (
Madeburg um 1360)
städtechron. 7, 169; auff das betracht ein jeglicher die streng zeit vnd die vielfältigen zeichen in himmel vnd erden Paracelsus
opera (1616) 1, 642; selbst der Preuszen groszer held, der bey diesen strengen zeiten sehr viel von geübten leuten, und noch mehr von treuen, hält Neukirch
ged. (1744) 24; nim, Venus, dieses band aus meinen frohen händen, ... und beut der strengen zeit, die stahl und marmel frist dasz sie nicht gierig sey, ... dem bande weh zu thun Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 32;
anona dura strenge zeit Schönsleder
prompt. (1618) Hh 2
b.
auch die verbindung strenger tod —
teils auf den tod an sich, teils auf die todesart bezogen —
läszt die auffassung '
stark, gewaltig'
gewöhnlich nicht zu (
anders vielleicht im ersten beleg).
sofern der tod als strafe (
vgl. III A 1)
aufgefaszt wird, geht die bedeutung '
acerbus'
in '
severus, unerbittlich'
über (
s. auch III B 1): vater mîn, swie tump ich sî, mir wonet iedoch diu witze bî daz ich von sage wol die nôt erkenne daz des lîbes tôt ist starc unde strenge Hartmann v. Aue
d. arme Heinrich 597
Paul-Leitzmann; mit züknuss falscher aiden ward dem unschuldigen Nabot da ertailt ain strenger tot Konrad v. Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 1424
Lindqvist; die bredie ... seit von vier leige sündern, von iren strengen töden Tauler
pred. 131
Vetter; — ach! hab ich mich geförcht vor diesem strengen tod! (
verbrennung) — nicht strenger als die schuld! Gryphius
trauersp. 58
lit. ver.; du, dem keine schuld bewust, mustest meine freche lust durch den strengen todt bezahlen vnd das holtz mit wunden mahlen Th. Wolder
in: evang. kirchenlied. d. 17. jhs. 3, 127
Fischer-Tümpel; des strengen todes schreckgesätze trifft deinen körper nur allein Drollinger
ged. (1743) 12. II@A@1@bb)
im gleichen sinne erscheint das wort in allgemeinerer verwendung; besonders es wird
oder fällt jemandem streng '
kommt ihn hart an': sich huop von ritterlicher wer vil hurteclich gedrenge. nu wart ir gnuogen strenge, dô sich die rotte flâhten Konrad v. Würzburg
turnier v. Nantes 782;
[] durch suochen wildes genge fuor ich an einem morgen. wie ez wirt mangem strenge, daz hân ich sît erfunden wol mit sorgen Hadamar v. Laber 8
Schmeller; wand swâ von iu gekrenket, daz rîche wurd die lenge, daz möht noch werden strenge iwern nâchkomen Ottokar
österr. reimchron. 14392; es ist aber nichts so hart, noch so streng, noch so schwer, das die geduldt nicht leyden möge
buch. d. liebe (1587) 114
a; das sitzen in die läng' in solcher einsamkeit, die nacht fällt viel zu streng. die alte, matte frau, die heischer sich geschrien, zehrt dieses winseln ab, disz fasten disz verziehen, wenn niemand sie erquickt Gryphius
trauersp. 804
lit. ver.; ach! nuhn scheid ich, ach! nuhn leid ich den allerhärtesten stosz; der seuftzer menge fällt meinem leben strenge, der schmertz wird grosz Ph. Zesen
verm. Helikon (1656) 3, 60; 'ach unschuld' fängst du an, 'wie strenge geht es zu! da wo du ruhe suchst, verlierst du deine ruh' Schwabe
belust. (1741) 1, 129.
noch mundartlich: mi juckt nix, mi druckt nix, mir lat nix streng an Stelzhamer
ausgew. dicht. (1884) 1, 320. II@A@1@cc)
oft wird streng
auch auf dingliche gegenstände wie züchtigungs- oder folterinstrumente bezogen: solt mich der richter hauen mit seinem strengen sail, awe des grossen grauen! Oswald v. Wolkenstein 111, 142
Schatz; Pilatus liesz aus richters zwang dich Jesum hefftig streichen und mit dem strengen peitschenstrang den zarten leib erweichen Harsdörffer
in: evang. kirchenl. d. 17. jhs. 5, 22
Fischer-Tümpel; weil denn nun dein (
gottes) grimm gebrauset, über uns wie eine fluht, und gleich einem sturm gesauset deine straff und strenge ruht Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 54; als denen ein zeichen gegeben ward, schicketen sie die strängen pfeile dergestalt häuffig unter die feinde, dasz ihrer über 600 nidergeschossen ... wurden Bucholtz
Herkuliskus (1665) 21; hingegen Regulus, ob er gleich wund an allen gliedern ... am kreuze wachend hangen musz, fühlt dennoch an dem strengen pfahl bey weitem keine solche quaal Triller
poet. betracht. (1750) 1, 73. II@A@1@dd) strenge frage
für '
peinliches verhör': item ob einer in der besatzung verrätherey zu treiben von den feinden angewisen würde, der sol mit strenger frag ernstlich ersucht, vnd der feind practicken erkündigt werden Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 116
a; als er nun ... nach vielem nachforschen ertappt worden und von obberührten feldherrn Josua in die strenge frag gezogen, wohin er das geraubte gut habe gelegt (1679) Abr. a
s. Clara
w. 2, 29
Strigl; wan ain oder mer malefizpersonen im purkfrid und freihaiten der herrschaft Pfanberg einkomben, miessen dieselben durch den panrichter in Steyr examiniert und in beisein zwai oder drei burger zu Fronleiten ... mit der strengen frag im schloss Pfanberg fürgenumben ... werden (16.
jh.)
österr. weist. 6, 348. II@A@22)
im mhd. hat sich über '
beschwerlich'
die bedeutung '
schwierig'
abgespalten; dieser gebrauch wird zugleich durch beziehung der bedeutung '
unbeugsam, unnachgiebig' (III A)
auf gegenstände beträchtlich verstärkt (
s. besonders b). II@A@2@aa) strenger
arduus, voc. theut. (
Nürnberg 1482) ff 4
a;
arduus strenghe Tortellius
gemma (1495) B 4
a:
[] wan ez ist des wîsen reht, daz daz ende ê sî erspeht, lange vor dem anegenge; ez wirt vil dicke strenge daz ende an dem râte, daz man alsô spâte daz ende ervindet und sich underwindet des anegenges eine Heinrich v.
d. Türlin
crône 6147; ein buoch daz heizet genesis, dâ vindet man geschriben an, swer lesen und verstên kan, von der werlde anegenge. diu rede wêr mir ze lenge und ouch diu wort ze strenge, daz ich si sölte brenge von latîn ze diute Hugo v. Trimberg
d. renner 177
Ehrismann; vnnd was da tartara (
bestimmte krankheiten) werden, die sind am allerhertesten, rudisten vnd strengesten zuuertreiben Paracelsus
opera (1616) 1, 300
c. '
schwerlich' (?): viel arbeit gar streng zu ehren, können doch nicht in die steigreiffen kommen, viel weniger in sattel sich schwingen. dasz glück macht die leut flück Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 180. —
mundartlich: streng '
anstrengend',
z. b. ein steiler weg Crecelius
Oberhessen 816 (
vgl. jedoch Friedli
Bärndütsch 3, 549
unter B 2). II@A@2@bb) '
schwer zu bearbeiten'.
verwendungen in diesem sinne sind erst seit dem 16.
jh. bezeugt, werden aber im bäuerlichen und bergmännischen sprachgebrauch erheblich weiter zurückreichen. II@A@2@b@aα)
vom ackerboden '
schwer, zäh': einerley erdreich tregt nicht allerley getreide, dann ein sehr strenger leime tregt nicht leichtlich rocken, gersten Hennenberger
ercl. d. pr. landtaffel (1595) 1; da traff er an sehr beschwerliche wege ... und einem sumpfichten und strengen boden Rätel
beschr. d. krieges (1596) Q 3
b; strenger boden ... wird bey der wendefahre ... nur umgewendet
allg. dt. bibl. (1765) 102, 466; strenger boden
schwerer boden Weber
allg. lex. (1838) 574
b; strenger grund
boden, der mehr thon als erde hat Klein
provinzialwb. 2, 176; een streng feld
was schwer zu bearbeiten ist Dähnert
plattdt. wb. (1781) 467
b; streng
vom boden '
lehmig', der boden ist sehr streng
hat harten lehm Frischbier
pr. 380
b. II@A@2@b@bβ)
von erzen '
schwerflieszend',
vgl.: streng '
im feuer sehr schwerlich zum flusz zu bringen, solche sind die kiesigen, blendigen, quärzigen usw. erze'
bergm. wb. (1778) 537
a;
s. auch Jacobsson
technol. wb. 4 (1784) 318
a und unten strengflüssig,
adj., sowie strengflüssigkeit,
f.: weil man die hartflüssigen strengen groben vnd rohen ertze nicht den weichflüssigen milten vnnd subtilen ertzen gleich probirn kan Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 3
b; zum andern gehören vnter die strengen hartflüssigen kupfferertzproben ... alle kieszertz ... sampt den schieffern
ebda 91
b; horn-stein ist eine ... rothe strenge bergart Schönberg
berginformation (1693) 2, 50; strenge ertze
sind, welche kobaldisch, blendig, qvärtzig etc. und im schmeltzen keinen flusz geben wollen Minerophilus
bergwerckslex. (1730) 648; bley-glasz ist ein flusz, der zu den strengen und sehr unflüssigen ertzen gebrauchet wird Herttwig
neues u. vollk. bergb. (1734) 88
b; streng
nennt man solche erze, welche schwer zu schmelzen sind Voigt
hdwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 466.
vgl. auch: bey den metallen aber bedeutet das wort strenge
eben so viel als spröde, Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1718. II@BB. '
reiszend, scharf, schnell',
bei ausdrücken des strömens und der fortbewegung. II@B@11)
in der anwendung auf bewegtes wasser bezeichnet streng
zunächst in der bedeutung '
stark'
die gewalt der wassermassen: er hiez Noe wrchenbalde eine archen ... er hiez si limen und chlambendaz sie flte strange wol mohte erliden
genesis u. exodus 28
Diemer. [] durch häufige verbindung des wortes mit nominalen und verbalen ausdrücken des strömens wird jedoch die wortbedeutung in '
schnellflieszend, reiszend'
gewandelt: Memil ist ouch ein wazzir gût und vlûzit in strengir vlût ûz rûzischim rîche her Nicolavs v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 3756
Strehlke; dar zoe loufft he (
der Nil) so strenge in dat mer, dat he vunfftzich welsche mijlie wijdt in dem mer wael zo erkennen is an der droefficheyt ind an der suessicheyt Arnold v. Harff
pilgerf. 80
Groote; das wasser Euphrates, das dann vorhin allezeyt mit strengem flusz mitten durch die statt lieff Boner
Herodot (1535) 27
b; im anfang strudeln sie (
die zisternen) embsig daher vnd fliessen streng, aber vber eine kleine zeit so versigen sie vnd gehen ab
M. Herr
feldbau (1551) 32
a; (
der flusz) Oxus ... laufft darnach mit einem wasserreichen vnd strengen lauff durch daz eben landt Xylander
Polybius (1574) 432; da ist hochs gepirg und gar eng, dasz die Tunau rinnt so streng
hist. volkslieder 1, 157
Liliencron; such einzuschliessen des Pregels strengen gang, er wird wol wege wissen, zu kommen in die see Simon Dach 730
lit. ver.; wurde ich eines grossen baums gewahr, dessen äste ... ausz dem wasser herfür reichten. der strom gieng streng und rectâ drauff zu Grimmelshausen
Simpl. 1, 583
Keller; nachdem sie wahrgenommen, dasz uns die strenge fluth so weit in die see getrieben Schnabel
insel Felsenburg 1 (1731) 118; solchem unheil (
bei platzregen) vorzubauen, soll man ... an beqvemen und geschickten örtern weite gruben und löcher graben, darinnen nicht allein das gute erdreich aufgehalten, sondern auch dem wasser sein strenger lauf gebrochen werde
Noel Chomel öcon. physic. lex. (1750) 7, 821. II@B@1@aa)
als selbständig erweist sich die bedeutung '
schnellflieszend, reiszend'
seit dem ende des 15.
jhs. durch die zuordnung zu konkreten bezeichnungen eines flieszenden gewässers: under welchem berg entspringet der brun der zum ersten gar kleyn schynet, aber bald wurt er grosz und machet ein strengen bach Bernhard v. Breidenbach
heilige reis gen Jerusalem (1486) 48
b; der vursz keiser as he in den landen was, so geschiede in der summerzit, dat he sich woulde enwenich baden ... in eime strengen wasser (
Köln 1499)
städtechron. 13, 534; auff einem ... schmalen stäg, da ... ein gantz starcker vnd strenger fluss vnden durch floss Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 58; auf dem Nilo, sonst einem strengen wasser Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 1, 303; er laufft, wie wenn ein pferd die zügel hat durchrissen, wie eine strenge bach, wenn sich die ström ergieszen und häuser, bäum und vieh hinführen in die see Gryphius
trauersp. 1, 24
Palm; die stadt Arduba war fast umb und umb von dem überaus strengen strohme Tillurus umgeben Lohenstein
Arminius (1689) 1, 492
b;
rapidus schnäll mit stercke alsz die strengen wasser, reiszend Calepinus
XI ling. (1598) 1223
a; ein strenger flusz
un fiume rapido Kramer
t.-ital. 1 (1700) 390
b. II@B@1@bb)
von hier aus ergeben sich verschiedene übertragene verwendungen: coeliacus morbus ein kranckheit, wann entweder der stulgang verstopfft oder zu streng laufft Calepinus
XI ling. (1598) 259
b; welche ein strengen bauchfluss habend, der sol die hasen läber gekocht essen Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 71
a; wann einer kindbetherin der flusz zu streng gehet Gäbelkover
artzneyb. (1596) 2, 58; da sahe man sie sich mit grossen humpen fassen, und strenger güsse viel auf ihr gepleutze lassen W. Scherffer
ged. (1652) 230; bald rieff man weh und ach, ausz aller augen rann ein strenger trähnenbach Rist
teütscher Parnasz (1652) 638;
[] das thür auffmachen, das hinein tretten und der anbruch des strengen wasserflusses (
urin) in einem augenblick miteinander geschahe Grimmelshausen 2, 27
Keller; er sah die fette milch in strengen strahlen spritzen, dasz muld' und eimer schäumt Brockes
ird. vergnügen (1744) 1, 188. strenge flut
in bildlichem gebrauch: wer sich die strenge flut läszt der begierden jagen, wird auff die stürme see des untergangs verschlagen Lohenstein
türk. trauersp. 122
lit. ver.; indem desz Türcken wut wie eine strenge flut sich überall ergeusst und durch gantz Teutschland fleusst Kindermann
in: evang. kirchenl. d. 17. jhs. 4, 189
Fischer-Tümpel; doch mitten in den wellen der strengen kriegsfluth sieht man ihn rechte stellen Neukirch
ged. (1744) 219. II@B@22)
vielleicht durch die bereits sprachübliche bedeutung 1
gestützt, tritt streng
seit dem 16.
jh. als steigerndes beiwort zu den ausdrücken der (
menschlichen)
fortbewegung, meist in der bedeutung '
scharf, schnell',
von lauf, ritt und fahrt. der gebrauch reicht landschaftlich (
vgl. auch die mundartbelege)
bis in die schriftsprache der gegenwart. cursus acer ein strenger oder starcker lauff Frisius
dict. (1556) 21
b; streng '
schnell' Schmitz
Eifler volk 1, 231; streng gehn, streng wachse Follmann
Lothr. 506
a; streng '
schnell'
luxemb. ma. 431; eck sin strange heregan '
stracks, rasch, schnell' Fromme
Hohenbostel 81; strenge gân '
angestrengt' Schambach
Göttingen 214
a: sy seindt auch jnn dem streit vnnder allen Griechen die ersten gewesen, die jr feynd mit strengem lauff angriffen Boner
Herodot (1535) 94
b; so wolten die zwen die flucht geben haben. Lewfrid aber eylet in streng nach, hew den einen hinden durch sein achseln Wickram
w. 2, 320
Bolte; die vbrigen mit strenger flucht entrunnen waren Xylander
Polybius (1574) 148; umb kannen lanzen brechen, turnieren umb ein glas, und kalte schalen stechen ist unser ritterspiel. wer hier am strengsten läuft, den andern übereilt, zu gottes boden säuft, der ist der beste man (1636) Fleming
dt. ged. 1, 95
lit. ver.; wie ein fuhrman nicht allein musz gute pferd vnd wagen haben, sondern auch die weg wol wissen, vnnd wo er gemach vnnd streng fahren soll, sonst wird er bald den wagen in stucken reissen Lehmann
floril. polit. (1662) 2, 673; sie blickt hinterwärts, und in strengem galopp nahet der riese br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 213; wenn herr Albert nur den braunen nicht zu sehr strapaziert hat, er fährt gern ein wenig streng H. Hesse
Roszhalde (1914) 157. —
auch vom vogelflug: (
der reiher) hat ein strengen vnd hohen flug Stumpf
Schweizerchron. (1606) 612
b.
selten von sonstigen bewegungen: zum XI. giengen drey grosz schnee lenen im Haltal am In so streng vom gebirg auff Maximilianum, das er jn hart entrann S. Franck
Germ. chron. (1538) 266
a.
mundartlich, wohl von der fahrt auf abschüssigem gelände auf dieses selbst übertragen: mit einer anderen kette von ungemach droht wieder die steile fahrt abwärts, wa's streng nidsi
ch giit Friedli
Bärndütsch 3, 549 (
vgl. Crecelius
oberhess. 816
unter A 2 a).
in der wendung streng und strack (
gegen etwas anlaufen)
scheint die bedeutung in '
geradenwegs'
überzugehen (
vgl. auch den soeben angeführten beleg von S. Franck): ists denn nit eyn grewlich weszen umb der papisten und geystlichen leben? wilchs alszo streng und strack mit dem kopff an dissen felsz leufft Luther 10, 1, 1, 397
W. hieraus erklärt sich vielleicht die folgende stelle, in der streng
den sinn von '
geradlinig, direkt aufs ziel führend'
haben könnte: [] die thor desz abends vnd zu morgen frey offen stunden jederman, ein weiter pasz vnd strenge ban in der feind läger war hinausz, die burger wagten sich von hausz, die walstatt vnd das ort zusehn, da mancher kampff vor war geschehn (
panduntur portae; iuvat ire et Dorica castra desertosque videre locos litusque relictum Verg. Aen. 2, 27
f.) Spreng
Äneis (1610) 22
b.
durch häufigere anwendung des wortes auf weiträumige bewegungen hat sich der nebensinn des angestrengten und unablässigen eilens ausgebildet, vgl. cursu continenti sequi fugientem mit stätem oder strengem lauff Frisius
dict. (1556) 322
a;
quum contento cursu Italiam peteret mit strengem lauff
ebda 320
a: aber er sumbt sich niender ... fur streng fürwert von Franckfurt gen Cölln und dannen gen Aach Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 179; sie (
die soldaten) woren im gebirg streng gereist und ausgehungert (17.
jh.)
M. Seybriger in:
quellen z. gesch. d. st. Brassó 2, 439; derowegen der hertzog ... weil es ohn dasz spät vnnd das volck von der strengen marche ziemlich ermüdet, selbiges vnter der stadt ... logiret Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 391. II@B@33)
analog den vorstehenden verwendungen wird streng
vom wehen des windes gebraucht; '
scharf, heftig',
doch auch —
von bed. D 5
beeinfluszt — '
rauh, kalt': der wind wolt kurzumb mit gewaltsamem plasen ainem, der vber feld zog, den mantel nemmen ..., aber je strenger vnd gänger er wähete vnd wülte, je enger vnd strenger der wanderer den mantel an sich ... hilte Fischart
w. 3, 134
Hauffen; der windt so streng wehet Xylander
Polybius (1574) 39; wie ein groszmüthig pferd, wenn es den streich empfindt, durch sand und schrancken rennt, so hat der strenge wind der missgunst uns so fern (...
getrieben) Gryphius
trauersp. 43
Palm; für die strengen winde wäre wol gut, wann sie (
die bäume) gegen mitternacht ein gebäu und also einen schirm hätten Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 424; der (
sturm) arbeitete so strenge gegen uns, dasz wir kein seegel mehr gebrau chen kunten Olearius
orient. reisebeschr. (1696) 92; ein kalter feuchter wind blies streng und widerwärtig genug Göthe I 25, 1, 195
W. II@CC.
im 16.
und 17.
jh. wird streng
als intensivierendes beiwort überaus gebräuchlich. die vielfältigen anwendungen lassen sich in der bedeutung '
assiduus'
zusammenfassen, wobei die bedeutungsmomente '
intensiv'
und '
beharrlich, unablässig'
wechselnd in den vordergrund treten; vgl. die lexikalischen buchungen: exercito hefftig oder streng vben Calepinus
XI ling. (1598) 514
a; streng, stäts
continuè, assiduè Aler
dict. (1727) 2, 1852
b. II@C@11)
während die allgemein verstärkende geltung des wortes bis ins ahd. zurückreicht (
s. o.),
scheint sich der beisinn '
unablässig, beständig'
in mehreren begrenzten gebrauchsarten herausgebildet zu haben. auszer den anwendungen auf eine stetige und eilige fortbewegung (B 2)
kommen die folgenden verwendungsweisen hierfür in betracht: II@C@1@aa)
im mhd. und im 17.
jh. findet sich streng
als charakterisierendes beiwort bei bezeichnungen der jagd: ein minner guder cristenheit, ein echter ketzerie mit strenger jagerie
leben d. hl. Elisabeth 3976
Rieger; als ein erhitzter löw, der, wenn die strenge jagt ihm alle weg abstrickt, mit aufgespanntem rachen itzt hund, itzt jäger schreckt und sich sucht frey zu machen Gryphius
trauersp. 115
lit. ver. ungeachtet der bildlichen verwendung ist das wort hier vielleicht als weidmannssprachlich gebräuchlicher terminus für die beliebte vorstellung der unablässigen hetze anzusehen, die z. b. auch in entsprechenden mhd. anwendungen von streitig (
s. d. 1,
sp. 1382
o)
und streitiglich (
s. d. 2,
sp. 1387)
hervortritt; die bedeutung '
assiduus'
mag durch sinnverlagerung aus'
fortis, strenuus'
entstanden sein. im frühnhd. schlieszen sich weitere vergleichbare anwendungen an: zur
[] zeyt desz hungers helt er (
der schwertfisch) den fischen so streng nach, dasz es sich zuo verwundern ist, dasz er auch den grossen wallfischen nit verschonen sol Forer
fischb. (1563) 61
a.
in etwas abgewandeltem sinne von der unmittelbaren verfolgung in knappem abstand: als das geschrey sich weit auszgosz, rennt Gyas der fürsichtig man mit seinem schiff gar schnell voran, dem bald Cloanthus volget nach vnd streng zuhinderst auff jhn stach, desz schiff hett gleichwol ruder mehr, war aber doch sonst zimlich schwer (
quem deinde Cloanthus consequitur Verg. Aen. 5, 152
f.) Spreng
Äneis (1610) 87
a; streng hielt ich hinter ihm: er schnell, ich schnell, er langsam, langsam ich Pichler
marksteine (1874) 139. II@C@1@bb)
mit naheliegender übertragung tritt das wort sodann zu ausdrücken des forderns, anklagens und bedrängens, die ebenfalls den beisinn '
unablässig, hartnäckig'
begünstigen; vgl. firmus accusator der allwäg auff eim bleybt vnd handhafft ist, ein strenger kläger der nit nachlaszt Frisius
dict. (1556) 565
b;
flagitator assiduus et acer emsig, häfftig vnd streng
ebda 21
b;
flagitator ein überlägner bitter, ein strenger vnd müsäliger höuscher
ebda 567
b; einem streng anligen
andare stretto al corpo Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
a: wir sollen vns desz Türcken vnd anderer vnserer verfolger nit erweren, sonder mit strengem gebet gegen got anhalten daz er weer vnd widerstandt thu (1533)
bei O. Clemen
reformationsflugschr. (1906) 2, 329; auff eüwer strengs anhalten gib ich nach Schaidenreisser
Odyssea (1537) 53
a; bleib alls daheim vnd geh nicht eh, bisz man dir schick der botten meh, vnd lasz dir flehen, mach dich werdt, so man dein also streng begert, vnd alle menschen auff dich wart (1551) Scheit
Grobianus 2588
ndr.; weyl yederman mir setzet zu
so streng an all rast und rhu, musz ich die burgerschafft verlassen (1557) Hans Sachs 5, 72
lit. ver.; abt Ulrich ... versammlet all sin macht und belagert dem grafen sin namhaffte witberümpte houptvesti ... und nötigets der abt tags und nachts so streng und unabläszlich, dasz er si mit gewalt erobert, zündt die schnell an und verbrannts uff den grund Tschudi
chron Helvet. (1734) 1, 35
a; verfieng solche warnung (
der bann) nützit bi dem keiser, ward dest frecher, understund den pabst noch strenger zu plagen
ebda 1, 111
a; mit dem blaszbalg strenger anmanung Fischart
Garg. 273
ndr.; (
man klagt, dasz die bettler) dem gemainen nachpersmann ... so höftig und streng zu haus obligen, das dardurch der hausarmen, so im dorf anheimbs sein, vergessen (1616)
österr. weist. 3, 47; guten freünden, die mir täglich sträng darum anligen Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 000 3
b. II@C@1@cc)
einen weiteren ausgangspunkt bilden anwendungen des wortes auf witterungsvorgänge, denen zugleich dauer zukommt, wobei streng
von '
stark, heftig'
aus die bedeutung '
anhaltend'
hinzugewinnt: do vieng es an regnen, und regnet unz an samstag ze nacht jemerdar streng und vast, das es der zitt nie ufhort als lang, das einer mäht ein ey han gessen (15.
jh.)
chron. d. st. Zürich 233
Dierauer; in disem jar 1363 ward ein grusam kalter winter, der fieng an umb sant Niclaus tag, und wäret streng 15 wuchen aneinandern, dasz der Zürichsee stät beschlossen, und hert gefroren was Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 461
a; wann strenges regenwetter anfällt, und die stoszstett dardurch feucht ... werden (1614)
bei Lori
slg. d. baier. bergrechts (1764) 393
a; es ... hub der genlieutenant ..., weil ... die eingefallene kälte gar zu streng angehalten, die belagerung des siebenden christmonats auf Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 278. II@C@22)
auszerhalb dieser sachbereiche wird streng
für '
intensiv'
und '
beständig'
mit schnell zunehmender häufigkeit auf beliebige vorgänge angewandt: er ... was ... gar streng an den guten wercken
summerteil d. heiligen leben (1472)
[] 7
b; ist fürwar ain üble zeit mit dem strengen sitzen in audienzen und verhörtagen
Zimmer. chron. 23, 112
Barack (
vgl.streng aneinander sitzen
continue sedere, tanquam claudus sutor Weismann
lex. germ.-lat. [1698] 364
b); die zaichen dyafragma seind ... streng husten mit dickem plut vnd schlimmerige spritzer H. Braunschweig
chirurgia (1539) 65
b; wünschten, das jr hals wer vil länger, auf das sie möchten fressen strenger Fischart
w. 3, 100
Hauffen; nim rosenöl 3 lot, boli armeni 4 lot, terrae sigillatae 2 lot. vermischs ... vnnd thue darzu in ein mörser ganffer 1 quintlin, rhürs streng, bisz es sich ergibt, dasz es einander annimpt Gäbelkover
artzneyb. (1596) 2, 173; gewaltige hitz vnd strenges schwitzen Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 480; dann die tägliche beiwohnung verursachet, dasz leichtlich der beiwohner böse sitten angenommen werden und in einen strengen gebrauch kommen Lorichius
instruction und bericht (1618) 9; durch solches trachtt er sträng nach scepter, siz und kronen Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 19; gleich einem faulen knecht, der dasjenige, was sein herr befohlen, nit thut, und aber was ihn gut dunckt, streng verrichtet, last dem herrn sein sach stehen Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 41; vierzig tage kurz vor ostern dreüen dir alzeit gefahr, denn man treibt das stokfischessen niemals strenger durch das jahr Grob
dichter. versuchgabe (1678) 88; dasz Sokrates bey gelegenheit ein strenger zecher gewesen sey, erhellet aus verschiedenen stellen des platonischen symposion Wieland
s. w. (1794) 9, 38; mich erbarmt der volkesmenge, sprach herr Jesus, denn ach sieh! schon drei tage harrt es strenge ohne nahrung um mich hie Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 327.
daher auch streng sein etwas zu tun '
beflissen, eifrig sein': es steht uns gar nicht frei, dasz iemand, guts zuthun, sträng oder müszig sey Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 6. II@DD.
auf der grundlage der bisher dargestellten gebrauchsweisen entwickelt sich eine reihe weiterer sehr verschiedenartiger bedeutungen. II@D@11) '
straff, eng, knapp'.
der bedeutungsübergang vollzieht sich in den anwendungen auf fessel, band und gürtung, in die streng
teils im sinne von '
hart, beschwerlich' (
vgl.A),
teils mit intensivierender geltung eintritt. II@D@1@aa)
von fesseln im eigentlichen oder übetragenen sinne gebraucht, behält streng
die bedeutung '
acerbus',
übergehend in '
severus',
bis ins jüngere nhd. im nebensinne bei: Jêsus wart gevangen, gebunden harte strangen Walther v. Rheinau
Marienleben 156, 19
Keller; dar zu ir nit mich chopelt in sorgen bant so strenge, daz myr myn breit, min lenge freude ist alle worden kurtz
minneburg 4661
Pyritz; er hinderdahte sinü strengü band, und waz er eblich erliten und erstriten hate Seuse
dt. schr. 55
Bihlm.; fieng den cardinal vnd hielt jn in strengen banden Stumpf
Schweizerchron. (1606) 110
a; schleusz mich so streng du wilt in tausendt eysen ein, ich werde doch gantz frey und ungefässelt seyn (1657) Silesius
cherub. wandersmann 24
ndr.; mich wird des sultans wuth in strenge fesseln schliessen
slg. v. schausp. (1764) 4, 27; lust-schalmeien will man hören, flöten, hörner und von chören alles, was nur freude regt. selbst an seiner strengen kette springt das freundchen um die wette, immer hin und her bewegt (1820) Göthe I 4, 8
W.; [] die knospe sprengt die finstre hülle, die sie streng umfangen hält Körner
w. 2, 34
Hempel; unter seiner (
Calvins) leitung ... wurden dem äuszeren leben die strengsten fesseln der zucht angelegt Ranke
s. w. (1867) 8, 125. II@D@1@bb)
entschiedener zeigt sich der wandel zu '
straff, eng, fest'
in den anwendungen auf das schnüren und gürten und auf knoten und umschlingung, die vorwiegend von der wortbedeutung '
stark, heftig, intensiv'
ausgehen. distringere verstricken, strengen, streng zugürten, eng eynbrysen Frisius
dict. (1556) 433
a; streng, eng zusammen gezogen
contrainct, estroict Hulsius-Ravellus
t.-frz.-it. (1618) 313
a; streng, eng
arctus, astrictus Dentzler
clavis germ.-lat. (1713) 279
b; strenge
eng, knapp (
angezogen) Bruns
prov. Sachsen 67
a: musz man ... die äuszerste glider als händ vnd schenckel auff das strengst vnd härtest binden Sebiz
feldbau (1579) 76; herr, herr, ich musz üch strenger gürten Murner
narrenbeschwörung 40
ndr.; so stark und strenge schlingt sich epheu nicht um die schattichte fichte, als die verliebten, von heftigem verlangen entbrannt, eins an des andern busen sich fesselten Heinse
s. w. 2, 345
Sch.; hier ist kein ausweg, kein rath, keine flucht. ... ich habe selbst das netz zusammengezogen; ich kenne die strengen festen knoten; ich weisz wie jeder kühnheit, jeder list die wege verrennt sind Göthe I 8, 298
W.; (
vom umlegen einer schärpe:) der helfende geht, das ende des gespannten stoffes in den händen, ganz weit von ihm weg, dann aber, straff wickelnd, in immer engeren kreisen um ihn herum, bis keine strengere gürtung mehr möglich ist Carossa
tag in Terracina (1947) 36. II@D@1@cc)
entsprechend von der kleidung; das wams ligt mir streng an Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
a: o was moden nur in hosen, lange hosen, bange hosen, ... enge hosen, strenge hosen (1711) Stranitzky
ollapatrida 348
Wiener ndr.; die geraden nähte und eckige schneiderarithmetik verraten ... zarte, wölbende brüste, gegen das strenge futter pochend Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 4. II@D@1@dd)
in abgeleiteten anwendungen. '
beengt',
vom atem: das der habich dümpffig ist und ainen strengen auttem hat, recht als ob er ersticken wöll Mynsinger
v. d. falken 38
lit. ver.; und stinckt jm der otem, der würt jm auch streng Gersdorff
wundarzney (1528) 90; mein herr, ich mag schier nimmer essen, mir ist umb mein brust also eng, auch so zeuch ich den athem streng, als ob ich immer wöll ersticken Hans Sachs 21, 8
lit. ver. '
prall': streich ... auff den sehnen zwischen den knien und köthen, das kan das rosz nicht leiden und die adern sind ihm gar dicke und strenge
M. Böhme
roszartzney (1618) 51. '
straff, gespannt' (
durch ziehen): sie steht vorn spiegel ... sie kraust vnd zaust ihre haar vnd ziechts streng Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 101; strenge
oder straff
wird von seilen und tüchern gesagt, wenn sie so starck als es möglich in die länge gezogen und ausgedehnet werden Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1718. '
knapp'
vom freiheitsgrad zwischen gegeneinander bewegten teilen: wenn z. b. ein pfeisterbalken (
fensterladen) ... z'streng (
zu knapp und daher nur unter müheaufwand)
schlieszt Friedli
Bärndütsch 2, 428; streng
der bewegung schwierigkeiten bietend, der schlüssel, s'schlosz, die lad geht streng Jakob
Wien 186
a. '
knapp, kurz' (
gehalten)
vom angeseilten hund (
vgl. aber jmdn. streng halten III A 2 c): der weydmann ... soll auch umm die arm oder am gürtel windstrick oder kuppelen angeknüpfft ... haben, daran die hund entweders gebunden oder strenger gehalten oder entbunden vnd länger gelassen werden Sebiz
feldbau (1579) 564. II@D@22)
von der bedeutung '
assiduus'
her bezeichnet das wort d ie dichte zeitliche folge. hierzu stellen sich die folgenden s poradischen anwendungen: zu Bern in der statt starb
[] menigmal uff ein tag 60 personen, und uff dem land wol als streng Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 378
a; jetzt ächzet, jetzt jauchzt sie (
die nachtigall), jetzt wirbelt sie strenge der klingenden töne nicht zählbare menge Brockes
ird. vergnügen (1721) 8, 18.
häufiger und wohl terminologisch vom pausenlosen beschusz: als aber von wegen des strengen schiessens (
διὰ τὴν συνέχειαν τῶν ἀκροβολισμῶν Polyb. hist. 5, 100) vnd menge der pheil die, so zu vorderst an beschützung der statt waren, zum theil vmbkommen, zum theil verwundt waren Xylander
Polybius (1574) 316; (
er) liesz alles das geschütz vnd die maurbrecher so ernstlich vnd streng auff dasselb theil der mauren abgehn, dasz alle macht der statt zur rettung dahin gelocket ward (1590) Fischart
Garg. 425
ndr.; (
er) fieng, die stat gar hertiklich ze stürmen die ganzen nacht und schoss gar streng dar in H. Brennwald
in: qu. z. Schweizer gesch., n. f. I 2, 268; das geschütz ausz den stücken gieng so streng und schnell auff einander, also dasz in kleiner zeit dreihundert kugeln getrieben wurden Megiser
Malta (1610) 112.
wohl auch von der räumlichen dichte: ist aber ein kalter brand nit offen vnd doch mit moszen vnd flecken gelgryen oder schwartz, oder ist der schad brun oder streng mit roten strichen ..., so brach jm disze artzney Gersdorff
wundarzney (1517) 67
b. II@D@33)
mehrfach begegnet streng
als beiwort zu gift. der gebrauch ist wohl aus der bedeutung '
stark'
abzuleiten; streng
für '
starkwirkend'
findet sich schon bei Notker (diu strengeren lâchen
remedia acriora 1, 126
Piper): bey allen kostbarlichen trachten, so sie auff fürsten tafeln brachten, in dem herrlichen süssen wein, ist zu besorgen streng venen Kirchhof
wendunmuth 2, 37
lit. ver.; die pest, die ehrensucht sind beyde strenges gifft, dasz die nur meistens hoch und jene nieder trifft Logau
sinnged. 132
lit. ver.; heut ist der herr erstanden, es hielt ihn nicht des grabes stein; ... er ist der höllen peste, des todes strenger gifft Sacer
in: evang. kirchenl. d. 17. jhs. 4, 494
Fischer-Tümpel; wer mag ermessen den gestank, der hier (
in d. hölle) auch wird gefunden? der strenge gift kan machen krank uhrplötzlich die gesunden Joh. Rist
ebda 2, 243; mit solchem strengen todesgift straf, ach! mich nicht so hart Herder 25, 141
S. II@D@44)
der gebrauch für '
scharf'
von feuer und hitze schlieszt sich im 16.
jh. an die sprachübliche intensivierende geltung des wortes an: (
kupplerin:) ach, west ir, wie streng er thut brinnen, ir würd in kein stund mehr auffhalten (1553) Hans Sachs 17, 71
lit. ver.; man musz aber (
beim destillieren mit glasgefäszen) ... desto sittsamer mit feuer vmbgehn vnd dasselbige nicht ... zu streng noch zu geyl machen Sebiz
feldbau (1579) 406; nim fenchelblust, damit fülle ein kolbengläszlin ..., setze es an ein ort, da es die sonnen streng haben kan, so gibt es ein wasser von jm selb Gäbelkover
artzneyb. (1596) 1, 113; derhalben wirdt ein solches (
kupfererz) erstmahlen in eim gewissen gewicht geröstet, vnnd mit eim strengen feuwr bey sechs oder acht stunden gebrandt Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 200; so streng und stark, o got, kont die hitz meiner sünden die flammen deines zorns und schweren grims entzinden Weckherlin
ged. 2, 142
lit. ver.; indessen, dasz der frost sie nicht entblöszt berücke, so macht des volkes fleisz aus milch der Alpen mehl. hier wird auf strenger glut geschiedner zieger dicke, und dort gerinnt die milch, und wird ein stehend öl Haller
ged. 30
Hirzel, [] auf die hitze als witterungserscheinung bezogen, nähert sich streng (
wohl durch synästhetischen einflusz der anwendungen auf kälte und frost, s. d. folgende),
der bedeutung '
sengend, stechend'
; vgl. atrox hora caniculae flagrantis die rauch vnnd streng zeyt der hundstagen Frisius
dict. (1556) 633
a: eim blümlein wird man mich gleich achten, ... welchs die scharff sensz abhawt behend, vnd wird durch strenge hitz verbrennt: das es abends verdorret balt W. Spangenberg
ausgew. dicht. (1887) 203; die sonne wünscht der erden gute nacht, und läst die glut der strengen stralen weichen (1678) Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. ged. 170
ndr.; dem gantzen cörper ist, zumahl in strenger hitze, die kühle dunckelheit vergnüglich nütze Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 157; der sommer kömmt nach ihm, bewehrt mit strenger hitze, und schüttelt in der hand die fürchterlichen blitze Giseke
poet. w. (1767) 5. II@D@55) streng
von kälte und rauher witterung ist an die bedeutung '
acerbus, hart, rauh'
anzuknüpfen, doch wird auch der intensivierende gebrauch für '
stark'
eingewirkt haben (streng
vom wind s. unter B 3).
frigus acerbum ein strenge oder scharpffe kelte Frisius
dict. (1556) 22
b; streng wetter
frigus acerbum Dentzler
clavis germ.-lat. (1713) 279
b; strenge
die haut zusammenziehend, herbe, rauh; bes. von der kälte, einen hohen grad derselben bezeichnend, z. b. ein strenger winter Voigtel
wb. (1783) 3, 372
a; dat wer 'n strenge küll Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 884; ne strange wenkter Rovenhagen
Aachen 142
a: wann ... die kälte zu streng sein will Sebiz
feldbau (1579) 450; und was ein rucher stränger winter Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 17; nam die grosse theüre durch einen strengen winterfrost noch mehr zu Stumpf
Schweizerchron. (1606) 128
a; den flecken (
Bethlehem) sie (
Maria) erreicht, durchflogen von dem regen, vnd von dem strengen schnee Opitz
teutsche poemata 179
ndr.; um durch die stäte bewegung seines leibes sich dess allzustrengen frostes zu entschütteln Happel
akad. roman (1690) 332; und bedaure nur dasz die strenge witterung mich abhält, meine treuen gesinnungen gegenwärtig zu betheuern. möge bald ein freundliches frühlingswetter uns zusammenführen Göthe IV 32, 147
W.; quecksilber schmilzt bey einer ... kälte von 32 oder 33 grad, weingeist bey der noch strengeren kälte von 37 grad Schubert
verm. schr. (1823) 1, 176; gewisse muscheln ..., die strenge winter und brackwasser nicht lieben Hoops
waldbäume u. kulturpfl. (1905) 79.
die bedeutung kann in den verschiedenen wortverbindungen unterschiedliche färbungen annehmen; vgl. noch streng
vom winter '
hart, kalt': wenn nehmlich der gleichen goldfund geschehe in strengen winter Prätorius
glückstopf (1669) 231; die strengen, frühen winter des plateaulandes Ritter
erdkde (1822) 2, 610; der winter ist aber auch so streng, hier ist's fürchterlich kalt (1845) L. Schücking
in: A. v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 331. '
hart'
mit dem beisinn '
severus': ein menschenpaar, irgendwo, im besten, bequemsten clima der erde, wo die jahreszeit ihrer nacktheit am wenigsten strenge ist Herder 5, 137
S. —
von der kälte '
schneidend, eisig': aber nachts zu schlafen hindert dich die strenge kälte beiszig Göthe I 5, 1, 51; trotz der strengen kälte blieben wir unter unserem bretterdach in offener luft Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 128. —
von der luft '
herb, hart, scharf': du aber sachter ostenwind, geh grüsze mir mein trautstes kind, mit deinem strengen wehen Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 386; s'ist eine schneidende und strenge luft
Shakespeare 3 (1798) 170;
[] die hörner hört' ich laden, die luft war streng und klar Eichendorff
s. w. (1864) 1, 395; die zarte, von einer strengen luft nur leicht gefärbte wange Mörike
w. 3, 76
Göschen. — '
rauh',
vom klima: wo Pad, wo Tagus strömt, wo sich der Arn ergossen und wo der Tyber flut durch berg und thal geschossen, da setzt man Pallas baum. die Oder und disz land sind, glaub es mir, zu streng vor ein so hohes pfand Gryphius
lyr. ged. 530
lit. ver. II@D@66)
die anwendungen des wortes auf geschmack und geruch im sinne von '
herb, scharf, adstringierend'
lassen sich nicht unmittelbar an ältere gebrauchsweisen anknüpfen. allgemein wird die bedeutung '
acerbus'
zugrundeliegen. ferner kann die intensivierende verwendung für '
stark'
beteiligt sein. daneben ist innerhalb der anwendungen auf sinnesempfindungen stets mit der erscheinung der synästhesie zu rechnen, so dasz die verwendung für '
herb, scharf, schneidend'
von kälte und rauher luft auf den vorliegenden gebrauch eingewirkt haben könnte (
der gemeinsame gegensatz ist '
mild').
schlieszlich mag auch die bedeutung '
straff' (1)
der verwendung für'
adstringierend'
den boden bereitet haben. II@D@6@aa)
vom geschmack. die bezeichnete geschmacksqualität scheint nicht einheitlich zu sein (
vgl. besonders die mundartbelege). ein strenger geschmack
sapor astrigens, cum astrictione amarus, qvalia sunt poma agrestia, die holzäpfel Stieler
stammb. (1691) 2189; strenges obst, strenge früchten
frutti acerbi, verdi, agri, aspri, crudi, immaturi Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
a; streng vom geschmack
peracerbus gustatu Kirsch
cornucop. germ.-lat. (1718) 285
a; das ist ein strenger wein
this is a rough, harsh or hard sort of wine Ludwig
t.-engl. (1716) 1896. —
in den mundarten: streng
stark, herbe von geschmack Böning
Oldenburg 109; streng, strenge
stark, scharf, zusammenziehend, z. b. von butter, die einen solchen beigeschmack hat Stürenburg
ostfries. 268
a; strenge
stark, von der butter, vom brote Woeste
westfäl. 258
a;
vom geschmack '
herb', de botter hett so'n strengen gesmack, de quitten smeckt noch so streng Mensing
schlesw.-holst. 4, 884; de maräk, kês
etc. iss recht streng
der meerrettig, käse etc. afficirt stark die geschmacksnerven Danneil
altmärk.-plattdt. ma. 214
b; de brannwiin is to streng
er ist zu stark und scharf Dähnert
plattdt. wb. (1781) 467
b; der spinat is extra strenge Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 575
a; streng ksalse
scharf gesalzen Lenz
Handschuhsheim 69
a; streng
herb Autenrieth
pfälz. id. 138: keiner kein bock niesz, darauff man doppelhackn abschiesz; wann er ist gar kroglet und streng, er machet aim sein bauch zu eng, ihm etwan sein kotsack zerstiesz oder die hinder-thür auffriesz (1563) Hans Sachs 17, 413
lit. ver.; der zucker ist süsz, die wermuth bitter, ... die vnreiffe äpffel strenge (
immatura mala seu immitia poma austera) Comenius
ianua aurea (1643) 115; auch kommt nicht ohn gefehr hierzu der dürre mann, der in viel tausend magen ein bellen richtet an, die därme so zu nagen, dasz man den mund ans fleisch unreiner thiere setzt, der pachen strenge speis an bredtes stat auffretzt W. Scherffer
ged. (1652) 44; das gantz gewächs (
milzkraut) ist am geschmack saur und streng Tabernämontanus
kräuterb. (1687) 1191; der wein (
aus blauen beeren) ... ist zwar, wenn er verbrauset, ein wenig streng, das machen die mitgejohrnen und abgepresten trestern Hohberg
georg. cur. 3, 1 (1715) 258; die milch der italienischen ziegen ist weit angenehmer, als die der unserigen. sie hat nicht den strengen geschmack Stolberg
ges. w. (1820) 8, 177; die ... Amalienquelle ist ... von der art, dasz ihr durch eine sanfte mischung von laugensalz jene strenge und zusammenziehende eigenschaft geraubt wird, die das ursprüngliche wesen des eisens bildet Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 35.
[] II@D@6@bb)
vom geruch, wohl in synästhetischer anlehnung an das vorige: das geiszblatt duftet des abends viel zu streng, und zumal mit der lilien und der reseda dufte vermischt J. H. Voss
ged. (1802) 1, 6; weil die handlung sich in Schottlands nebelgrauer vorzeit begeben, ... hätte man gerne gespürt den strengen duft einer nebellandschaft Börne
ges. schr. (1829) 1, 63; die laubkränze verbreiteten so strengen duft Storm
s. w. (1898) 5, 180; noch rieche ich auf dem dunkeln hausflur den strengen duft der alandwurzel
ebda 1, 59; nachdem sie sich solchermaszen eingeführt hatte, erfüllte sie den kleinen raum mit einem strengen parfüm E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 357. II@D@77)
selten '
scharf, grell',
von licht und farben; auch diese anwendungen sind vielleicht, unterstützt durch den gemeinsamen gegensatz '
mild',
durch synästhesie aus den vorstehenden abgeleitet (
vgl. jedoch schon im as. strang '
stark',
vom glanz, Heliand 5846): kein edelstein erreicht der holden blume (
hyazinthe) zierde, sie schmeicheln meinem blik, mit sanftgebrochner glut, mehr als der ganze schmuck von einer krone tuht. was soll der strenge blitz, der aus den steinen blicket? ein demant blendet nur: der blumen glanz erquicket Drollinger
ged. (1743) 70; wie angenehm ist diese dunkelheit, womit die berge und fluren und der bäume laub dem auge manchfaltig schmeicheln, wenn der strenge schimmer der blumen es ermydt? Wieland I 1, 423
akad.; wie sehe ich, wenn ich Abbts schriften in seine seele lese, so viele kräfte derselben in bewegung. sinnliche aufmerksamkeit heftet sich auf jeden punkt des gegenstandes ... und auf jeden wirft sie stralen: seine idee wird lebhaft, gehäuft, helle, und seine rede schimmert. das licht ist nicht scharf, nicht strenge, aber ausgebreitet, immer im neuen zustrome Herder 2, 290
S. —
allgemein '
scharf': nun aber da die lieb ihr feurig hertz entzündet, nun sie den strengen reitz schon halb vergnügt empfindet, und was sie fürchtet wünscht, und vor der freude bebt Warnecke
poet. versuch (1704) 396. IIIIII.
im jüngeren nhd. wird '
severus' (A
u. B)
die herrschende bedeutung des wortes. aus ihr entwickeln sich der gebrauch für '
genau, strikt, entschieden' (C)
sowie übertragene anwendungen auf den ausdruckswert von form- und stileigentümlichkeiten (D). III@AA.
an der entstehung der bedeutung '
severus'
sind verschiedene ältere verwendungsarten des wortes beteiligt. die grundlage bildet die bedeutung '
grimmig, heftig, rauh, grausam' (I B);
vgl. die lexikalischen buchungen: rigorosus strenge (
Köln 1507), streng (
Augsburg 1512) Diefenbach
gl. 498
b; streng, grimm
imperiosus, gnauus Dasypodius
dict. (1536) 433
c;
mater acerba in suos partus eine strenge muter, rauch vnd grausam wider jre kind Frisius
dict. (1556) 22
b;
literae uehementes rauch, scharpff, streng
ebda 1349
b;
inclemente, rigoroso vnbarmhertzig, streng Hulsius
dict. (1618) 2, 198
b; strenger herr
un padron, signor rigoroso, severo, fiero, crudo, brusco Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1010
c.
hierzu treten noch verwendungen, in denen streng
seit dem mhd., wohl von der bedeutung '
fortis'
her, eine unbeugsame, unnachgiebige, hartnäckige haltung bezeichnet. (
nicht hierher, sondern aus '
tenax fortis'
gl. affatim zu erklären: tenex strengi
ahd. gl. 4, 21, 58
St.-S.): nû was der unguote man harte strenge dar an daz er im deheines gemaches sô vil sôs obedaches in sînem hûse engunde Hartmann v. Aue
Gregorius 2848
Paul-Leitzm.; die wîle sie in sâhen dar an alsô strengen, daz er niht wolte hengen ir bete, der sie bâten Heinrich v.
d. Türlin
crône 19 074
Scholl; [] (
das rohr zur eiche:) swâ der man niht mac geragen, dâ sol er sich ducken und vor dem winde niderdrucken. ich hæte nu lange verlorn daz leben, wold ich als du widerstreben. dîn strenger muot hat dich betrogen (13.
jh.)
altdt. beispiele 41
in: zs. f. dt. altert. 7 (1849) 381 dise menschen sint allen menschen gelöibig und barmherzig; si ensint nüt strenge noch hertmtig, denne vil gnedig Tauler
pred. 176
Vetter; es musz ein streng fürnemmen sein, so ein ding gewisz soll sein, vnd nit fehlen; es ligt an dem, in desz hand es ist. aber alle ding hie auff erden seind in solchen strengen hertzen nicht, sonder es ist alles ein rohr, das wehet der wind wie er will Paracelsus
opera (1616) 2, 466
H.; mancher armer mann, der solcher strengen, hartköpfigen leüte nicht viele gesehen, der entsetzet sich darüber
Reinicke fuchs (1650) 138; als wenn Horatius den Labeonem insanum nennet, ist soviel als wunderlich, streng, eigensinnig, mit dem man nicht umgehen kan Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 125; du gingest bis daher in grosser stille hin: der harte eigensinn verfolgte zwar dein leben, ... an seinem creutze ward dein strenger sinn zerrieben Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 211; sprichwörtlich pflegte man ... einen strengen, unbiegsamen mann zu bezeichnen: er ist in der Ruhla hart geschmiedet worden br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 176. —
ähnlich: streng auff seiner meinung
pertinax, pertinaci animo Frisius
dict. (1556) 225: da zeiget ein jeder ein besundre art an (
selig zu werden) und stryt jeder streng, sin meinung sye gerecht Zwingli
w. 1, 74
Schuler-Sch.; hie besehe der, so uf den tag des gesprächs so streng us dem heiligen Paulo ... bewären sich understuond, dasz Paulus nach sinem sinn ouch hätte satzungen ... ggeben
ebda 222; gegen uns verleugnet er streng und steif jede übersetzung aus Byron Göthe IV 28, 151
W. der in den angeführten verwendungen vorliegende gebrauch wird nun von anderen entwicklungszweigen des wortes her um neue bedeutungsmomente bereichert. einerseits tritt die vorstellung hinzu, dasz die heftige, grimmige oder harte, unbeugsame haltung der wahrung einer ordnung dient und gegen deren verletzung eingenommen wird. diese auffassung entwickelt sich im sachbereich der rechtsprechung (1),
wird aber bald auf das obrigkeitliche, erzieherische usw. verhalten ausgedehnt (
vgl.B).
andererseits bilden sich anwendungen des wortes auf eine der (
mönchischen)
zucht unterstehende lebensweise heraus (2),
aus denen der allgemeine gebrauch des wortes das vorstellungselement einer zuchtvollen, auf zucht dringenden haltung hinzugewinnt. in beiden fällen nimmt die entwicklung von der bedeutung '
hart, peinvoll' (II A)
ihren ausgang. III@A@11)
seit dem mhd. wird streng '
acerbus, hart, peinvoll'
auf strafe, gericht und urteil angewendet. die auffassung kann sich dabei mit naheliegender umdeutung des wortsinnes von den folgen für den betroffenen auf die handhabung von recht und strafe, also zunächst von '
peinvoll'
zu '
grausam, unerbittlich, unnachsichtig'
verschieben; dieser wortsinn wird jedoch durch die in der sache begründete vorstellung des gerechten und der rechtsordnung dienenden vorgehens modifiziert, so dasz sich die kernvorstellung der schonungslosen, aber gerechtfertigten und auf gesetzlichkeit dringenden härte herausbildet: es ist ein strenge schärpf gerich (
bestrafung) gein mir mit worten hie getân Wolfram v. Eschenbach
Parzival 330, 10
L.; dar nach sont wir gedenken an daz strenge geriht unsers herren
St. Georgener prediger 336
Rieder; denne blibe bi dir selber, und lǒffent dir och dine gebresten engegen mit swerem strengem urteil und straffende dich, do bi blip und straffe dich selber vil hert Tauler
pred. 238
Vetter; da besaz her Cone von Falkenstein erzebischof zu Trire unde jungher Johan herre zu Limpurg ein strenge gerichte zu Limpurg uf dem berge mit irme selbes libe
[] v. Wolfhagen
Limburger chron. 68
Wyss; er hielt das strengst gericht uber syn lant das irgent in der welt was
Lancelot 1, 17
Kluge; o was strengen herten vrteyls das was, das der vater in sein eygen plute tochter vnd tiechter thet Arigo
decameron 354
Keller; szo Christus keme mit seyner strengen gerechtickeyt, wurde er niemant selig machen (1522) Luther 10, 1, 2, 37
W.; gleichwie ain übelthAeter, der des malefitz vnd strengen vrtails des tods begeben ist, widerumb gefert wirt in fAencknuss, daselb zegewartten ainer gemAesen bürgerlichen pen, nach gelegennhait seiner verschuldung Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 41
Reithm.; mein freund aber der redt für mich, das mich der richter gnediglich von dem strengen urteyl frey machet Hans Sachs 1, 432
lit. ver.; ob die zwai urthailen aine oder die ander strenger were, so soll er (
der richter) der miltern volgen (16.
jh.)
österr. weist. 5, 682; die götter haben vns ergötzt, was wir so lang gelitten han, vnd haben strenge straff gethan an Amulio, dem vetter mein (1618) Ayrer
dramen 67
lit. ver.; dasz die herrschafft sich um einen ... gewissenhafften mann umsehe, der ihr mit pflichten verbunden sey, an ihrer statt alles und jedes zu verwalten, wie er ihms an jenem strengen und erschrecklichen gerichtstage vor dem allerhöchsten weltrichter trauen werde zu verantworten Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 35
a; wo Friedrich Wilhelm thronet, bey dem gerechtigkeit und strenge strafe wohnet Gottsched
ged. (1751) 1, 394; alle öffentlichen oder heimlichen versammlungen, zu denen nur irgend die religion ihren namen gab, ... waren in diesen edikten bei strengen strafen untersagt Schiller 7, 53
G.; die vornehmeren ... waren durch das strenge strafexempel genügsam geschreckt, um nicht wieder ... die pläne des königs zu stören Droysen
gesch. Alexanders d. Gr. (1833) 298. III@A@1@aa)
den vollzogenen wandel zu '
severus'
erweisen die seit dem 14.
jh. auftretenden und im 16.
jh. häufiger werdenden anwendungen auf die person des richters: owe, rechte richter, des strengen gerihtes! wie wigest du dü aller minsten ding so groz, dero nieman von kleini ahtet ... owe, zornliche anblik des strengen richters, wie reht scharph dinü gericht sint! Seuse
dt. schr. 285
Bihlm.; dan er (
Christus) kummeth nicht als eyn strenger richter, nicht als eyn zcorniger her, wil nichts forderen von dir, sonder ... kummeth darumb, das er sich dein erbarme Luther 9, 635
W.; dein strenger richter thut eingohn (
gott betritt nach dem sündenfall das paradies) (1548) Hans Sachs 1, 44
lit. ver.; ob auch ain richter unseren leuten daselbs zu schwär oder zu streng wär, anders dan von alters herkomen (1620)
österr. weist. 5, 97; der strenge richter an jenem tage kommen wird, zu richten die lebendigen vnnd die todten Spee
güld. tugendb. (1649) 51; mein Jesus ist mein ehre, mein glanz und helles licht. wenn der nicht in mir wäre, so dürft und könnt ich nicht vor gottes augen stehen und vor dem strengen sitz; ich müszte stracks vergehen, wie wachs in feuershitz Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 388
a; in ihrer brust trägt sie (
Klytämnestra) den strengsten richter
M. Beer
s. w. (1835) 57; es scheint fast, als sei der ewige ursprung alles lebens dem jungen Luther nur als der strenge richter und rächer erschienen, der die sündhaftigkeit ... mit der qual der höllenstrafen heimsuche Ranke
s. w. (1867) 1, 196.
im gleichen sinne steht streng
bei gesetz
und den verben [] des urteilens und strafens: wie mügen wir des so gruntlichen uns schamen und wie das so strenge sol geurteilt werden Tauler
pred. 215
Vetter; ich vertrag dem sunder lang, zwar aber ich richt denn streng
bei Mone
schausp. d. mittelalters 1, 293; doctor Mart. redet von der groszen barbarey und härtigkeit des sächsischen rechts, wie es gar strenge und scharfe gesetz hätte (1538) Luther
tischr. 4, 164
W.; die gewaltigen ... werden gewaltig vnd strenge gestrafft Ambach
vom zusauffen (1544) B 3
b; der quell der strengsten gesetze ist güte A. G. Kästner
verm. schr. 2 (1772) 19; so strenge richtet und schlieszet nur der, den sein eignes herz verurtheilt Klinger
w. (1809) 3, 96; so streng wie er straft niemand sich vielleicht für seine fehler Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 1, 130.
ähnlich in der wendung strenger eifer: auf! rächender Justinian, bestrafe doch der dichter wahn, ... erhebe dich, und zeige frey, wie schwer dein strenger eifer sey Gottsched
ged. (1751) 1, 201; (
er) diente dem richter als herrenknecht, ward die geiszel der diebe und fröhnte der justiz mit strengem eifer Musäus
volksmärchen 1, 7
Hempel. III@A@1@bb)
eine zwiefache entwicklung nimmt die verbindung strenges recht.
einerseits bezeichnet sie im alten wortsinne den '
peinlichen'
rechtsvollzug, also meist die anwendung der todesstrafe: ich will den harten muth des fürsten überbitten, dass er das strenge recht (
todesurteil) nicht auf das fest ausführ Gryphius
trauersp. 67
lit. ver.; ach, lasz erbarmung gehn vor strenges recht Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 4, 2; sein rachschwerdt, welches auch der mutter nicht geschont, und der verrätherey mit strengem recht gelohnt J. E. Schlegel
w. (1761) 1, 10; damals gab es ein strenges recht gegen die zigeuner, sie todtzuschlagen, wo sie sich finden lieszen Arnim
s. w. (1853) 1, 8; das strenge schuldrecht, nach welchem der schuldner für die rückgabe des empfangenen zunächst mit seinem leibe haftet Mommsen
röm. gesch. 1 (1856) 25.
andererseits entspricht die formel dem summum (
strictum)
ius (
gegensatz: aequitas)
des römischen rechts, bezieht sich also auf die genaue, unbillige härten nicht beachtende einhaltung des rechtswortlautes; vgl. iuris rigus, summum ius das streng recht Alberus
nov. dict. (1540) k 3
a; streng recht is oft groot unrecht Mensing
schlesw.-holst. 4, 884: daher ... man auch das recht teylet ynn streng und gelind recht, und was tzu streng ist, lindert man, das ist equitas, moderatio, clementia iuris (1522) Luther 10, 1, 2, 174
W.; denn so sagen auch die heiden, das ist die tegliche erfarunge ... strenge recht ist das grossest vnrecht (
summum ius summa iniuria)
ebda 53, 661; ist wol geredt, doch der gestalt, das' auch mit masz, vnd ohne gwalt, nicht nach dem strengen recht allzeit, geschehe, welchs offt weit vnrecht geit (1582) Hayneccius
Hans Pfriem 1130
ndr.; (
ich) erkenne, dasz, wann der gerechte gott mit mir handeln wolte nach seiner strengen grechtigkeit, so wäre ich werth des ewigen todes und der ewigen verdamnisz; allein ich appellire von seiner strengen gerechtigkeit zu seiner grundlosen barmhertzigkeit (1660) Schupp
Corinna 53
ndr.; man versäumte nichts, ... alle fähigkeiten an ihm zu entwickeln, deren der staat ... bedarf: die pflege des strengen gerichtlichen rechts, des läszlichern, wo klugheit und gewandtheit dem ausübenden zur hand geht Göthe I 24, 129
W. im sinne unbedingter wahrung der gesetzlichkeit (
vgl. C): (
Paulet:) schlieszt eure rechnung mit dem himmel ab. (
Maria:) ich hoff' auf seine gnade, sir — und hoffe auf strenges recht von meinen ird'schen richtern Schiller 12, 409
G. [] III@A@1@cc)
anwendungen des wortes auf gefangenschaft und sklaverei schlieszen sich der oben bezeichneten entwicklung an; die bedeutung '
acerbus, durus' (
vgl. auch streng
von band und fessel unter II D 1)
geht (
soweit ein straf- oder unterdrückungswille vorausgesetzt wird)
in '
severus'
über: er (
graf Wolf v. Baden) wurt gen Durlach gefürt und daselbs in ainer strengen gefengnus ... enthalten
Zimmer. chron. 21, 178
Barack; würde ich sodenn nicht unbillich lebenslang über die, welche mich in ein so strenges gefängnüs (
die ehe) verdammt hätten, zu seufzen ursach haben? Lohenstein
Arminius (1689) 2, 144
b; ja Stambuls bluthund droht samt seinen Tartarhorden mit strenger sclaverey, mit sengen und mit morden Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 8; so laszt uns ... weib und kind verbrennen, und sie mit uns der strengen knechtschaft entreissen Klinger
neues theater (1790) 1, 7. —
insbesondere drückt die bezeichnung strenger arrest
die gewollte schärfe der bestrafungsart aus: der strenge arrest
ist kurz schwarzer
oder strenger Horn
soldatenspr. (1899) 120.
ähnlich bezeichnet streng
in bildlichen verwendungen die unerbittlichkeit eines zwanges: die jahre sind vergangen, in welchen wir geherrscht; doch steht die tugend fest, die sich kein strenges joch der laster zwingen lässt Gryphius
trauersp. 179
lit. ver.; wesentlicher unterschied zwischen dem verhältnisz der frauen in Rom und Konstantinopel: die ersteren trugen ein strenges joch der sitte, die letzteren den zwang der einsperrung (1845) Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 165. III@A@22)
ebenfalls von '
acerbus'
ausgehend wandelt sich der wortsinn in verbindungen, die sich auf eine der zucht unterworfene lebensweise beziehen, zu '
zuchtvoll, der zucht unterstehend'. III@A@2@aa)
so in der verbindung strenges leben
und ähnlichen anwendungen, die zunächst die entbehrungsvolle härte des mönchischen lebens bezeichnen: dar nach sont wir gedenken an die strenkait der hailigen, wie strengez leben si hie uff ertrich hattent umb daz ewig leben ... von daz raitzet och unz arbait ze lidenne umb daz selb leben dar umb och sü ez littent
st. Georgener pred. 337
Rieder; der heilig und der wol gesite in sînes vater hûs vür wâr vuorte stille und offenbâr vil strengez leben bitter, sô daz den gotes ritter nieman dar inne erkande Konrad v. Würzburg
Alexius 713
Gereke; da der ain münch ward, da hyelt er sych so streng und hertt und so gar ordenlich das in der appt offt umb sein zw vil thun straffet Johann Hartlieb
dialogus miraculorum 383
Drescher; der clostir eczlichis hot czwey tusint monche, di do stetlichis nicht andirs essin wen wassir unde brot, und sint kusch und han eyn strenge lebin und eyn erlichis und schern stetlichis iren bart und ir houbt
d. md. Marco Polo 21
Tscharner; der ... hie in zeyt vmb gott verdient hat mit seinem strengen andächtigen seligen leben
manuale curatorum pred. (1516) 64
a; gy sindt dat rechte Venus kyndt, de gerne by houesschen frouwen sindt. gy vragen nicht nha strenghem leuenn: eyne volle kanne de kumpt yuw euenn, eynn vette mölly des morgens vro, eynn gude kann wyns offte beers dar tho (1527) Burkard Waldis
d. verlorene sohn 24
ndr.; die väter haben ein grosz ansehen und schein gehabt ihres guten wandels und strengen lebens halben (1538) Luther
tischr. 4, 57
W.; ritte er ausz, so hette sie niemandts von mannen bey jhr, weder jung noch alt; war er denn daheim, so dorffte sie niemandt ansehen. also führt die fraw ein strenger vnd bezwungner leben, denn ein klosterfraw
buch d. liebe (1687) 102
c; die gemeinen leute halten den äusserlichen gottesdienst, wie er es
[] in der that ist, vor etwas sehr grosses, und dencken: hat es nichts zu sagen, wenn ich mich hier nicht so strenge aufführe, so werde ich auch von gott nicht viel zu befürchten haben, wenn ich in andern dingen, die er vor geringer hält, etwas nachläszig bin
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 21
Gottsched; sonsten lebet Cajus vor seine person und mit den seinigen unsträflich strenge und genau Thierbach
diarium Herrnhuth. (1750) 2, 195; ihre absicht, die zeitlichen güter für die ewigen, das vergängliche für das unvergängliche, ein bequemes leben für ein strenges zu verlassen, und die kasteyungen des leibes der wollust vorzuziehen Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, 136; ob ich gleich alt bin, so bin ich doch ... gesund und frisch, und die kleinen ungemächlichkeiten, ach! eine folge der enthaltsamkeit, des strengen lebens und der busze, sichern eher mein hinfälliges leben, als dasz sie es bedrohen Klinger
w. (1809) 3, 101.
noch in jüngerer sprache und auszerhalb des religiösen sprachgebrauches, wenn auch z. teil durch diesen beeinfluszt, wechselt streng
zwischen den bedeutungen '
hart, schwer'
und '
zuchtvoll': aber dies war ein strenges leben für die armen kammmacher; so kühl sie von gemüt waren, gab es doch, seit einmal ein weib im spiele, ganz ungewohnte erregungen der eifersucht, der besorgnis, der furcht und der hoffnung G. Keller
ges. w. (1889) 4, 238; im verhältnis zu dem langen, strengen, kampfvollen leben, welches mein teil auf erden gewesen war, ... war das, was mir heute, an diesem zweiten november 1861 geschah, wenig bedeutend Raabe
s. w. I 6, 158; ihr vater, hochbetitelt, aber kärglich besoldet, hatte die fehlenden äuszeren annehmlichkeiten ersetzt durch vornehme gesinnung und strenge lebensführung Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 30.
hierher auch: vor allen dingen aber musz er (
der jäger) ihn (
den leithund) ... in einer strengen lebensart erhalten Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 8. III@A@2@bb)
ebenso in den verbindungen des wortes mit regel
und (
in älterer zeit meist gleichbedeutendem) orden: vor was die regel (
der minne) zwir so streng ... das manigem mocht geschehen, zu werben mer, dann ain jar, ee das er dannocht wurd gewar, ob in sein fraw erchannt
liederbuch d. Hätzlerin 242
Haltaus; nimm unsern orden an dich, darin würst du gewisz selig, dann er ist der strengest (1522) Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 74; in den strengen liebesorden bin ich durch ein kindt (
Amor) bracht worden Opitz
teutsche poemata 47
ndr.; derentwegen freymütig sich den strengen regln und satzungen unterworffen in die fuszstapffen der apostel getretten Abr. a
s. Clara
mercks Wienn (1680) 39; die Stoiker, dieser strenge moralische orden Wieland
Agathon (1766) 1, 241; schon bei lebzeiten des stifters dieses strengsten der bettelorden Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 113; von dem harten strohsackbette ruft des ordens strenge regel in die kirche zu der mette Weber
Dreizehnlinden (1907) 40; die gründung neuer mönchsorden mit immer strengeren regeln Schürr
d. altfrz. epos (1926) 27; die verstorbene (
war) auf anraten der Jesuiten zu ihren lebzeiten einem strengen, frommen orden beigetreten O.
M. Graf
unruhe (1948) 261. III@A@2@cc)
auch in der wendung jemanden streng halten
kann die bedeutung '
hart, eingeschränkt'
leicht in '
zuchtvoll, der zucht unterworfen'
übergehen: die von vater und muter und iren mannen strenge vnd herte gehalten sein Arigo
decameron 17
Keller; ich weisz nicht, ob du als ich gemerckt hast, wie wir so streng und hart gehalten sein und zu uns kein mann herein mag Montanus
schwankb. 59
lit. ver.; wie denn der präceptor den jungen herrn
[] und uns ganz strenge gehalten Schweinichen
denkw. (1878) 15; anno do. 1385 war einer von Torberg vogt zu Wolhusen, der hielt die armen leüt gar streng, deszwegen sie die Lucerner vmb hilff anrufften, vnd wurden jre burger Stumpf
Schweizerchron. (1606) 530
a; weil er hochgedachten printzen gar zu scharff und strenge gehalten (1714)
Berliner geschrieb. zeitungen 11
Friedländer; graf Theodor ... besasz ... seines vaters rücksichtsvolle, nachgiebige liebe, während Hermann desto strenger gehalten wurde Holtei
erz. schr. (1861) 7, 24; kennt ihr des grafen Nimian töchter nicht? ... die mutter hält sie streng und eingezogen Tieck
schr. (1828) 3, 220; sein vater, ein gutmütiger mann, hatte ihn eher verzogen als streng gehalten Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 339. III@BB.
seit dem 16.
jh. entwickelt die bedeutung '
severus'
ein reich gegliedertes anwendungsgebiet, wobei sich die unter A
gekennzeichneten bedeutungsmomente in wechselndem verhältnis miteinander mischen. das wort bezeichnet eine haltung entschiedener, auf ordnung, zucht und wohlverhalten dringender härte oder festigkeit, die im obrigkeitlichen oder erzieherischen verhalten wie auch im menschlichen umgang oder in der persönlichen lebensführung eingenommen wird. III@B@11)
auf die von einer machtstellung aus eingenommene, dem verhalten des richters vergleichbare haltung bezogen '
hart, unnachsichtig, unerbittlich': darumb ist ynn der wellt nott eyn strenge hart weltlich regiment (1524) Luther 15, 302
W.; wann der löwe den fuchs allhie so streng anredet: so sollen dabey obrigkeiten erinnert seyn, dasz sie einen beklagten mann nicht so hart anfahren
Reinicke fuchs (1650) 138; er hatte den vnbeständigen Parthen, die die freiheit liebten, viel zu streng geherrschet A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 87; das ganze schreiben kahm ihm nicht führ, als wan es von so liber hand geschriben wäre; dan sie rädet ihn fast nicht anders an, als in furcht, und gleichsam als einen strängen gebüter, dehm si unterthänig wäre (1645) Zesen
adriat. Rosemund 35
ndr.; mit lächeln trieb er seine rathgebende gemahlinn, (die ihm, was sich nicht ziemte, rieth;) mit heiterm und grausamem lächeln trieb er sie streng, eine thörinn, von sich Herder 27, 30
S.; streng zu seyn geziemt wohl dem eigenthümer und dem sachwalter, die mittelsperson hat immer eine peinliche lage (1817) Göthe IV 28, 116
W.; worte der liebe, ich trau euch so gern. streng mag die zeit, die feindliche, walten, darf ich an euch nur den glauben behalten Körner
w. 2, 76
Hempel; man war gegen die schwachen der strenge herr ... dagegen ward die strenge da vermiszt, wo sie an ihrem platz gewesen wäre Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 65; die strenge sinnesweise Heinrichs III. erweckte ein allgemeines murren Ranke
s. w. (1867) 1, 17; der Hagenbucher war ein strenger mann, und es konnte kein dienstbote bei ihm aushalten Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 268; (
das mädchen) hatte keine gute zeit zu hause, denn ihre mutter war strengen und harten sinnes E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 335.
redensartlich: gott strafft ... strenge obrigkeit durch auffrührische vnterthanen Lehmann
floril. polit. (1662) 2, 824; strenge herren regieren nicht lange Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1010
c; strenge herrn und kalte winter regieren nicht lang Schellhorn
sprichw. (1797) 73
nr. 255.
von masznahmen auch '
radikal, rücksichtslos durchgreifend': die zeytlichen gutter, die der kirchenn geweszen sein, solten nit auffs strengist widder foddert werden Luther 6, 457
W.; musz man übermäszige steuern tragen, so müssen die steuergesetze streng seyn Dahlmann
gesch. d. frz. revolution (1845) 39; wenn einmal ein consul für den spanischen dienst pflichtmäszig strenge aushebungen
[] veranstaltete, so machten die tribunen gebrauch von ihrem verfassungsmäszigen recht ihn zu verhaften Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 67; streng und rasch wurde sie (
die armee) reorganisiert
dass., 2 (1889) 146.
mit dem nebensinn '
hart, bitter': dasz er triumphierend in Rom einziehe und seinen alten feinden ... eine späte, aber strenge reue bereite Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 56.
von gott und den göttern, vom schicksal und vom tode: o du grymer tod, wie kanst du so hert vnd so streng seyn, daz du dir nicht last aberbitten vnd weder gab noch mut an dir hilffett? (1509)
Fortunatus 94
ndr.; zu got darff ich nit gon, ich hallt jhn fur streng, hart, zornig (1524) Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 240
ndr.; Jupiter du strenger gott, wie bist du gegen mir so grob Spreng
Ilias (1610) 36
b; trennt Atropos dereinst den lauf von meinen tagen, durch ihren strengen schnitt
anmuth. gelehrsamk. (1751) 8, 217
Gottsched; er (
der held) steht, wann wider ihn das strenge schicksal ficht Haller
ged. (1882) 71; so schicken die strengen götter, unsere fassung zu vereiteln, nur immer unvorgesehenes übel Lessing 2, 358
L.-M.; die strenge Persefoneia Voss
Odyssee 214
Bernays; zwei ganz verschiedene opfer der strengen, willkürlichen und unerbittlichen todesgöttin Göthe I 23, 255
W.; und die seele musz mit grauen wie in einen abgrund schauen, strenger gott, ich fürchte dich Eichendorff
s. w. (1864) 1, 588; aber es ist ein strenger und gerechter gott, der sie (
die busze) verhängt hat E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 190. —
im sinne von '
unerbittlich'
wohl auch: zwar Phaeton ergriff die zügel, aber als der strenge wagen lieff ... verflucht er, doch zu spät, die hochgewünschte macht Gryphius
trauersp. 35
lit. ver. III@B@22)
ebenfalls an das verhalten des richters anknüpfend bezeichnet streng
eine nichts nachsehende, keine lässigkeit duldende einstellung: wie viel schwache kynder, iunckfrawen vnd iungling seindt durch der gleychen strenge geferliche fragen in der vnseligen beycht verfuret worden J. Strausz
beychtpüchlin (1523) B 3
a; das die männer, so sie heim in jr hausz giengen, kusten jre weiber vnd töchter, vnd namen do mit acht, ob sie von jnen wein schmeckten. sie waren des weins halb darumb so streng, das sie meinten die trunckenheit geb gros vrsach, vnd were ein anfang der leiblichen verfellung S. Münster
cosmogr. (1550) 232; die strenge eifersucht, mit welcher die gesetze über die zucht des frauenzimmers wachen Haller
Usong (1771) 22; zudem waren meine gläubiger gewisz nicht von den strengsten Bräker
s. schr. (1789) 1, 250; strenge wie mein gewissen bemerkst du, wo ich gefehlet; darum hab ich dich stets wie — mein gewissen geliebt Schiller 11, 185
G.; (
die Germanen) halten die frauen hoch; sie leben keusch und in strenge beschützter ehe Scherer
litt.-gesch. 74.
insbesondere vom urteil über menschen und verhaltensweisen: dasz durch unschuldiges sinnliches vergnügen das strenge und überspannte in unseren urtheylen und sitten seine schärfe verlieret Zimmermann
einsamkeit (1784) 4, 315; einige nationen sind gegen solche art des humors nachgiebiger, andere strenger Hegel
w. (1832) 10, 2, 227; eigen ist es, dasz sie selbst ihren zustand strenger oder milder ansieht, je nachdem sie in gedanken Apollonius strenger oder milder darüber urteilend glaubt O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 233; ihr seid eine strenge, Dawja, ihr wiszt nicht, wieviel schweisz das gekostet hat A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 101; ich glaube, herr rektor, man kann den fall nicht streng genug beurteilen Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 85.
[] III@B@33)
so auch von der kritik und vom kritiker '
scharf urteilend, hohe anforderungen stellend, unbestechlich': darumb wolt ich dise myne flyssige arbait ... dyner genaden hoher erkantnusz befelhen, als ainem rechten strengen richter ze erkennen und urtailen, ob sie wirdig sye, in die welt zewandeln Steinhöwel
de claris mul. 16
lit. ver.; ja, um es stärker zu verdammen, bannt er (
der kritiker) sein häuflein (
anhänger) auch zusammen: das, weil es nur im finstern tobt, sein strenges kritisiren lobt
anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 388
Gottsched; vielleicht findet mancher unsre kritik zu strenge. strenge soll sie seyn, zu strenge ist sie nicht (1769) Gerstenberg
recensionen 314
lit.-denkm.; o dasz Leszing lebte! er sollte der erste seyn, der diesen abschnitt läse, und der unpartheiische forscher des wahren, der gegen sich selbst am strengsten war, würde auch in dieser kleinigkeit unpartheiisch entscheiden Herder 15, 344
S.; nur der kunstliebhaber liebt wirklich die kunst, der auf einige seiner wünsche völlig verzicht thun kann, wo er andre ganz befriedigt findet, der auch das liebste noch streng würdigen mag, der sich im nothfall erklärungen gefallen läszt, und sinn für kunstgeschichte hat Fr. Schlegel
Athenäum 1, 2, 18; wer uns am strengsten kritisirt? ein dilettant, der sich resignirt Göthe I 2, 243
W.; werde, kann ich bestehen vor dem strengen richterstuhl der kritik? E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 12
Gr.; dagegen war Mozarts urtheil über Clementi streng und scharf O. Jahn
Mozart (1856) 3, 53; ich freue mich unendlich auf das ms.; werde sehr streng sein — so streng ich es gegen sie vermag (1882) Rodenberg
an C.
F. Meyer in:
s. br. 113
Langm. in ähnlicher auffassung: so ist das unschuldige auge der strengste aber auch der edelste richter, ja der könig unter den sinnen Bettine
Brentanos frühlingskranz (1841) 110.
entsprechend strenge forderungen: kein einziges (
gedicht), das nicht den strengsten forderungen genüge thäte Gerstenberg
br. üb. d. merkwürd. d. litt. 206
lit.-denkm.; ob man nicht ... durch ernstere, unerläszliche, strenge forderungen diejenigen schüler vertreiben sollte, von denen wenig hoffnung ist (1807) Göthe IV 30, 107
W.; dass wir genötigt sind, weit strengere methodische forderungen zu stellen Brunn
kl. schr. (1898) 3, 67.
ähnlich: die wahl der mitglieder (
einer gesellschaft) war in der that streng, weil nur vorzüge des geists einen weg dazu bahnten Schiller 4, 267
G. III@B@44)
meistens tritt jedoch die bedeutung '
zucht fordernd oder übend, der zucht unterworfen'
stärker hervor; so in der fast tautologischen, nur teilweise die bedeutung '
acerbus'
streifenden wendung strenge zucht: ein junges bäumlein, das in kasten stehet, oder zwischen mawren eingesperrt ist, das wächst nicht wol, bringt auch wenig frucht. eben also geschichts mit kindern, die in strenger zucht sind Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 148; wird nun der knabe grosz, der ältern strenger zucht, der lehrer aufsicht los; so lacht ihm stets das herz bey hunden, wild und pferden Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 29; auch die strengste zucht müszte ein kind zu so unnatürlichen gesinnungen nicht verleiten Lessing 10, 144
L.-M.; eine freyheit des umgangs ... war den Römerinnen ... durch stille strenge zucht, durch hausfleiss ... erworben Niebuhr
röm. gesch. 1 (1811) 357; deswegen ist eine feste ordnung und eine strenge zucht und ein unverbrüchlicher gehorsam erfunden — und das nennen sie mannszucht E.
M. Arndt
schr. (1845) 1, 277; die herzliche ... zuneigung der eltern zu einander ..., die strenge zucht eines ... geordneten hausstandes bildeten die gesunde luft, in welcher Mozart herangewachsen war O. Jahn
Mozart (1856) 2, 3; seine truppen muszten ... die strengste manneszucht halten Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 21; pflichtverletzung, die in diesem staate der strengen
[] mannszucht ohne vorgang war Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 226; denn die moralischen qualitäten der strengeren zucht, des ruhigeren gehorsams haben mit der bildung nichts zu thun Nietzsche
w. 1 (1895) 183; das verbindungsleben habe ihn völlig in anspruch genommen. dort herrsche nämlich eine verdammt strenge zucht H. Mann
d. untertan (1949) 68. III@B@55)
disziplin und leistungen fordernd: wie wohl aber mich ... das viertägige schröcklichste fieber, beneben der täglichen strengen creützschule, darin mir seit zwölff jahren ... schwere lectiones von gott zu lernen auffgegeben worden, die grosse eitele forcht desz todts ... verachten lehren (1643) Moscherosch
insomnis cura par. 13
ndr.; man rühmt die Schulpforte und die strenge erziehung daselbst (1772) Heinse in:
br. zw. Gleim, Heinse u. Müller 1, 115
Körte; denn der Tilly verstand sich aufs commandiren. dem eigenen körper war er strenge; dem soldaten liesz er vieles passiren Schiller 12, 25
G.; general Suwarow ... hielt ein scharfes und strenges kommando Hebel
w. 2, 143
Behaghel; so formte mich des geistes strenger wille Körner
w. 2, 12
Hempel; die körperliche schwäche des kindes hinderte meine eltern, mich jenen strengen schulunterricht genieszen zu lassen, ohne welchen man es ... zu nichts mehr bringt Gutzkow
ges. w. (1872) 4, 73; unter einer strengen direction erreichten sie das ungewöhnliche zusammenspiel, wodurch das Wiener orchester sich auszeichnete O. Jahn
Mozart (1856) 3, 10; den märkischen besitztümern ..., die durch seinen sohn mit aller sorgfalt, welche die rücksicht auf einen strengen und ernsten vater einflöszen kann, regiert wurden Ranke
s. w. (1867) 1, 46; welcher von den beiden herren strenger gegen seine diener sei, hielt schwer zu entscheiden. sie forderten viel, aber niemals ein unrecht; sie waren oft unerbittlich hart, aber sie ehrten in dem geringsten, ja noch in dem unverbesserlichen — den menschen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 12; immer schärfer und strenger wurde der dienst, damit wir recht gut abschnitten Renn
adel im untergang (1947) 48. III@B@66)
vom erzieherischen verhalten '
zucht fordernd, keine lässigkeit duldend': der lehrmeister dieses kindes, ein strenger mann, bestrafet dasselbe wegen der unanständigen verdrehung des gesichtes Liscow
slg. sat. u. ernsth. schr. (1739) 57
vorr.; übrigens muss bey unsrer erziehungsmethode mit strenger sanftmuth verfahren werden Bode
Montaigne (1793) 1, 330; im zimmer ists zu enge, und stäubt auch gar zu viel, und die mama ist strenge; sie schilt aufs kinderspiel Overbeck
verm. ged. (1794) 196; sie (
die kaiserin) ist eine zärtliche und strenge mutter ... es kommen belohnungen und auch strafen vor, eben so gut wie bei privatleuten Ranke
s. w. 30 (1875) 8; gelt, Louise, du bist gut; um so mehr, weil deine mutter nie hat strenge gegen dich sein brauchen (1843) Schücking in:
s. br. 135
Muschler; nur bat sie den bruder, streng, doch nicht hart gegen den knaben zu sein A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 271; war der meister ein etwas grämlicher formalist geworden, der, streng gegen seine gesellen, mit frau und kindern auch nicht freundlich that G. Keller
ges. w. (1889) 2, 127; etwas vom geiste eines pensionats ... hatte sich alsbald all dieser pflegerinnen bemächtigt ... einzelne oberschwestern hatten dazu beigetragen, indem sie strenge schulvorsteherinnen nachahmten mit lieblingen und launischen abneigungen A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 138. III@B@77)
auf die einhaltung sittlicher forderungen, gesellschaftlicher formen oder allgemeinen wohlverhaltens bedacht (
vgl. auch C 3 d):
[] du bist dir selber streng, darum verfolgt dein muth mit mehrerm recht auch ja der laster böse brut König
ged. (1745) 133; (
der beichtvater) ist ein strenger mann, der mir schon wegen des liedchens 'komm in meine zelle' die absolution verweigert hat Göthe I 45, 31
W.; unsre reize zu verhüllen, schreibt die strenge mutter vor; ach! was hilft der gute willen, quellen sie nicht selbst empor? Novalis
schr. 4, 156
Minor; ernst und streng weiset sie deine feurige liebe in die schranken des wohlstandes zurück Brentano
Godwi (1801) 1, 42; die bittre frucht der leidenschaft malt auch der strengste sittenrichter nicht mit gehässigeren farben J. G. Forster
s. schr. (1843) 4, 115; der strenge herr gab dem jungen lieutenant eines tages eine höflichkeitslehre, die er nie wieder vergessen hat. aufgefordert abzulegen, wollte ich den degen ohne weiteres in die ecke stellen, als ein 'im vorzimmer, wenn ich bitten darf' mich rektifizierte (1866) Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 22.
entsprechend: misz Sampsons sittenlehre scheinet nicht die strengste zu seyn Lessing 2, 329
L.-M.; meine strenge ... moralische ideen S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 139; wenn einem mädchen, das uns liebt, die mutter strenge lehren gibt von tugend, keuschheit und von pflicht Göthe I 4, 158
W.; unterhalb der geordneten deutschen wirklichkeit, dieser dienstwelt mit strengen rechtlichkeitsbegriffen und altpreuszischen soldatenordnungen, tat sich ihm eine kellerwelt auf von ungesetzlichkeit A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 438; nirgendwo herrschen strengere formen als in kasinos und unter verwaltungsbeamten
ebda 21.
vom umworbenen mädchen '
zucht fordernd, spröde unnahbar': vor jhrem (
ihrer äuglein) strengen blick weicht jederman zu rück Voigtländer
oden u. lieder (1642) 12; und ohngeachtet meine aufführung so streng gegen sie (
die männer) ist, dasz ich kaum den vierdten theil meiner verehrer jemahlen, und diesen dazu nicht mehr als einmal gesprochen habe
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 218
Gottsched; ach! strenge Sylvia! wie könnt ich besser seyn? du suchest mein verderben Neukirch
ged. (1744) 28; ich schweige von den prüden, strengen, spröden und betschwestern Knigge
umgang m. menschen (1796) 2, 126; du irrst; sei hart und streng, du wirst ihn zärtlich finden. versuch es nur einmal, bereit ihm kleine pein: erringen will der mensch, er will nicht sicher sein Göthe I 9, 9
W. bildlich: frisch denn, kameraden mein! funkelnd schön im mondesglanze strenges lieb, muszt unser sein (
die stadt Wittenberg, die erstürmt werden soll) Eichendorff
s. w. (1864) 1, 399. III@B@88)
in der lebensauffassung ernst, zuchtvoll und der leichtlebigkeit abgeneigt: deszwegen hat der mensch auch das was seiner natur entgegengesetzt ist ... in sich aufzunehmen. der leichte sehe nach ernst und strenge sich um, der strenge habe ein leichtes und bequemes wesen vor augen, der starke die lieblichkeit, der liebliche die stärke, und jeder wird seine eigene natur nur desto mehr ausbilden, je mehr er sich von ihr zu entfernen scheint Göthe I 47, 30
W.; diese weichlichen gesänge, die ich hier zusammenflocht, wenn sie auch der strenge tadelt, hat's die liebe je vermocht? Platen
w. 1, 146
Hempel; [] die strenger gesinnten miszbilligten die einführung neuer genüsse und neuer bedürfnisse Ranke
s. w. (1867) 2, 30; als ich gott und unsterblichkeit entsagte, glaubte ich zuerst, ich würde ein besserer und strengerer mensch werden, ich bin aber weder besser noch schlechter geworden (1849) G. Keller
br. u. tageb. 2, 220
Ermat.; wohl wird man edler durch das leiden und strenger durch erlebte qual; doch hoch erglühn in guten freuden, das adelt seel' und leib zumal
ders., ges. w. (1889) 9, 67; dagegen wahrten die österreichischen landschaften ihre besondere stellung. die geistlichen dichter, welche hier, strengeren sinnes, nur rein geistliche stoffe bearbeiteten, konnten gegen die spielleute nicht aufkommen Scherer
litt.-gesch. 7103; ernst und streng an sich arbeiten Rilke
br. 2 (1950) 37.
als gemütseinstellung '
herb, verschlossen, der gefühlsäuszerung abhold': das herz gefällt mir nicht, das streng und kalt sich zuschlieszt in den jahren des gefühls Schiller 13, 174
G.; ein schauer faszt mich, thräne folgt den thränen, das strenge herz es fühlt sich mild und weich Göthe I 14, 6
W.; dieses vertrauen Montans eröffnete das strenge herz des astronomen
ebda 25, 272; und mit segnender geberde abschied nehmend, verschwand der hohe greis ..., streng sich den danksagungen der gerührten herzen entziehend H. v. Chézy
erz. u. nov. (1822) 1, 29.
dagegen von einer mehr nach auszen gekehrten als innerlich gelebten haltung: den reichen legt man all ding wol ausz, also wann sie zornig vnd bitter sindt, so sindt sie ernsthafft vnd streng S. Franck
sprichw. (1541) 1, 19
b; einem rechten weltweisen musz es nie an gelde fehlen ... jeder weltweise musz ein strenger mann sein. wer aber kein geld hat, ist der gröszte sklave eines jeden (1808) Pückler-Muskau
briefw. u. tageb. 2, 1, 85.
ähnlich: jene strenge und gemessene stimmung ..., welche die weiber immer während einer wäsche befällt G. Keller
ges. w. (1889) 4, 230. III@B@99)
schon früh findet sich streng
auf den ausdrucksgehalt von wort oder miene angewendet, jedoch anfangs noch in der bedeutung '
acerbus, unsanft, bitter': stillen myn drurn du solt, holt fraw hochgeborn. ... scharff, strenng sind all din wort
mhd. minnereden II 45
Thiele; vnd Christus zaigt mit worten streng, dj strasz zur höllen, brait vnd geng J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 130
b; all jr (
der Atropos) gesicht vor vnlust bran, vnd sah gar streng jr schwestern an (1553) Scheit
frölich heimfart v. 956
Strauch. später '
severus',
oft mit dem nebensinn '
verurteilend, verweisend'
und vom blick '
prüfend und mahnend': wie er aber solches vermercket, sprach er mit strengen worten zu ihnen (1726)
volksb. v. geh. Siegfried 86
ndr.; eben das verlangen wir von ihm (
dem freunde), ein lächelndes und ein strenges wachsames auge Cramer
d. nord. aufseher (1758) 43; doch sein strenges auge hiesz die heftig wallende empfindung schweigen Schiller 12, 138
G.; herr Hugh bannte ihn mit einem strengen blick an den tisch Fouqué
zauberring (1812) 1, 29; hier ... hatte sie ... die grüsze der vorübergehenden entgegengenommen und meist mit einem gewissen strengen ernst erwidert Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 281; genug, rief der vater in strengerem tone, wir wollen mit solcher sache nicht länger spielen G. Keller
ges. w. (1889) 6, 37; da masz er diese fünf herausgeputzten gänse, eine nach der anderen, von oben bis unten, und erklärte ihnen streng und abweisend, es gäbe dinge, die denn doch
[] ernster seien als eine theatervorstellung H. Mann
d. untertan (1949) 242; sie tadelte selten. trotzdem wirkte jede weisung, die sie gab, wie ein vorwurf, und wenn madame in sehweite war, war es Simone, als sei jede ihrer bewegungen von einem strengen auge überwacht Feuchtwanger
Simone (1950) 48.
entsprechend vom physiognomischen ausdruck: sein einst so schönes, gutmüthiges angesicht hatte einen leisen zug von härte bekommen, und sein auge war strenge geworden Stifter
s. w. 3 (1911) 169; ihre neue helferin, Renata, war fast noch ein schulmädchen, sehr bleich, die augen leuchtend schwarz, die züge für dieses alter etwas zu streng Carossa
winterl. Rom (1947) 9. '
scharf, entschieden, eindringlich',
von tadel und ermahnung: ich läugne nicht, ... dasz ich mir vorgenommen hatte, ihr betragen gegen Aurelien sehr streng zu tadeln Göthe I 23, 78
W.; ... das ist Arndt, der hat zu allen zeiten vor'm fremden wesen streng gewarnt Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 102; es ist nicht streng genug zu rügen, in welcher unverantwortlichen impietät ... die meisten einrichtenden regisseure ... mit Shakespeare verfahren O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 48. III@B@1010)
in der wendung strenge arbeit
paszt sich streng
der wechselnden geltung seines beziehungswortes an. vom mhd. bis weit in die jüngere sprache hinein '
hart, schwer' (
vgl. Wolfram v. Eschenbach
unter II 1 a): darmit er sich gar kaum erneert mit mhü und arbeit streng und hert (1558) Hans Sachs 9, 168
lit. ver.; etlich in strenger arbeyt saur, aufführten an dem schlosz die maur Spreng
Äneis (1610) 12
a; oder habet ihr (
gefallene engel) diesen ort (
die hölle) erwehlet, hier nach der strengen arbeit des gefechts eure müde dapferkeit ausruhen zu lassen Bodmer
slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 20; da gabs schmutzige und zum theil auch strenge arbeit Bräker
s. schr. (1789) 1, 167.
beim verbum wohl in neutralerer auffassung '
eifrig, emsig': arbeite in der jugend streng, so lebst du dann froh und lang Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 454
b; der alt is in die achtz'ger jahr, der ganze kopf voll weisze haar; aber der arbet noch ganz streng Karl Stieler
ged. 3, 44
Reclam. so auch strenger fleisz: bei dir ist zeit und müh nun gar wol angeleget, dieweil dein stränger fleisz des kaisers huld beweget Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 161; dabey ist er geheim, und von so strengem fleisz, dasz viel' ihn oft im bett erwacht gefunden haben, in federn nicht sowohl, als schriften, ganz begraben König
ged. (1745) 171.
schlieszlich mit dem nebensinn '
zuchtvoll, pflichtbewuszt': es ist gut, dasz die strenge arbeit am wörterbuch mich nöthigt, die gedanken von der betrachtung unserer zeit abzuwenden W. Grimm in:
briefw. mit Dahlmann u. Gervinus (1885) 1, 522; denn männlich wolle er sein schicksal ertragen, das schicksal eines letzten seines geschlechtes, der da in strenger arbeit und zurückgezogenheit die ehre des hauses bis zum erlöschen zu wahren habe G. Keller
ges. w. (1889) 5, 76. —
entsprechend: nachdem ich glücklich in Weimar angekommen bin, habe ich mich sogleich dem strengsten fleisz ergeben Göthe IV 11, 84
W.; vielleicht gelingt's, die arbeit zu vollenden, wend ich dereinst noch strengen fleisz daran Gries
Ariosts ras. Roland (1804) 1, 60. III@CC. '
ohne lässigkeit oder abweichung, unbedingt, genau, strikt, entschieden'. (
als beiwort zu adjektiven —
z. b. streng katholisch, streng vertraulich —
oder zu einem substantiv oder pronomen mit präposition —
z. b. streng im takte, streng
[] unter uns —
begegnet das wort nur in diesem anwendungsbereich und erst seit dem 19.
jh.). III@C@11)
mehrere wortverbindungen, die streng
seit dem frühnhd. hauptsächlich von der bedeutung '
severus'
her eingeht, legen zugleich die vorstellung des genauen und unbedingten innehaltens einer vorschrift oder norm nahe. dadurch wird eine bedeutungsverschiebung angebahnt, die bald den selbständigen gebrauch im letztgenannten sinne zuläszt (
s. 2).
in der wendung etwas streng halten ('
innehalten')
zeigt sich dieser wandel (
von '
zuchtvoll'
oder aber von '
assiduus'
aus)
schon früh vollzogen: dy monche di haldin ir e gar strenge, unde ir lebin ist kusch und erlich
d. md. Marco Polo 15
Tscharner (
vgl. auch strenge,
f., C 2). III@C@1@aa)
in der wendung streng auf etwas halten '
severus, mit nachdrücklicher schärfe',
übergehend in '
strikt, genau': gott hat alle wege strenge uber disem wort gehallten: wer das schwerd nympt, soll durchs schwerd umbkomen Luther 18, 330
W.; darob (
leichtfertige händel nicht zu gestatten) ist vil jar ganz streng gehalten worden
Zimmer. chron. 24, 77
Barack; hab auch, wie sie, vor augen got und halt streng ob seinem gebot Hans Sachs 1, 218
lit. ver.; man sagt, dasz dieser bischoff Petrus ob solchen der geistlichen vrtel vnd bann sehr streng gehalten habe Rätel
Curäi chron. (1607) 387; ihr haustyrann, der so streng auf sein männerrecht hielt Klinger
w. (1809) 158; der graf musterte indesz die übrigen (
schauspieler). er fragte einen jeden nach seinem fache, und äuszerte gegen Melina, dasz man streng auf fächer halten müsse Göthe I 21, 239
W.; ich ... gehe zu niemanden und nehme keinen besuch
an. hielte ich nicht so strenge darauf, so hätte ich meine zeit mit ehre empfangen und ehre geben hinbringen müszen (1786)
ders., IV 8, 84
W.; zu einem metzger, der katholisch war und streng auf die fasten hielt br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 79; ich rathe jedoch, auf die einmüthigkeit des verfahrens etwas strenger zu halten Schopenhauer
s. w. 1, 27
Grisebach; (
der alte) hielt streng darauf, sein sohn muszte 'sie' zu ihm sagen Cl. Viebig
die vor d. toren (1949) 42. III@C@1@bb)
im gleichen sinne von gebot und verbot: mit dem gut sol man also thon. man soll lassen nemen, soll leyhen und geben unserm nechsten, wa und wenn er wil. und das sind strenge gepot (1526) Luther 10, 1, 2, 819
W.; unküscheit kündt ir streng verbietten, vor welcher ir üch alzyt hietten, wie der esel thut im meyen Murner
narrenbeschwörung 22
ndr.; Kirke, die mir aufs strengste befohlen, ja die insel zu meiden der menschenfressenden sonne J. H. Voss
Odyssee 225
Bernays; es ist strenge verbothen, hanf oder flachs bei denen feuerstellen im hause zu dörren und zu gramlen (1818)
österr. weist. 3, 239, 29; auf das strengste war alles fuhrwerk ohne ausnahme hinter die colonne beordert Göthe I 33, 19
W.; obgleich in den fasten alle öffentlichen vergnügungen streng verboten waren, erlaubte man doch diese concerte O. Jahn
Mozart (1856) 1, 64; gar zu gern hätten wir einige schüsse in die stille luft gesandt, wenn es nicht streng untersagt gewesen wäre G. Keller
ges. w. (1889) 1, 136; strenge weisung war ergangen, jede reibung mit der bevölkerung zu vermeiden Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 127; wie er gegen strenges verbot eine zigarre rauchte
ders., geschw. Oppermann (1948) 140.
eindeutig die strikte befolgung bezeichnet streng
in der anwendung auf ausdrücke des gehorsams. strenge
mit möglichster befolgung der vorschrift, genau, z. b. ein strenger gehorsam Voigtel
wb. (1783) 3, 372
a: also dasz das ein werk des gesetzes ist, welchs das gesetz ernstlich fodert und streng gethan will haben (1533) Luther
tischr. 1, 499
W.; in dem das gesetz von den menschen ... ein unnachläszlichen, gantz vollkommenen und strengen gehorsam fordert, ohn einigen auch den geringsten
[] fehler und misztritt Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 57; (
der löwe) ist ein gewaltiger held, ein führer bey nachtzeit, im dunkeln ist sein gang, des waldes thiere gehorchen ihm strenge maler Müller
w. (1811) 1, 21; er wuszte in den lehensmannschaften kriegerischen geist zu nähren: man sah bei ihm nur stattliche leute und geschickte führer, er hielt auf strengen gehorsam Ranke
s. w. 14 (1870) 31. III@C@1@cc)
hieran schlieszen sich in jüngerer zeit ähnliche verwendungen; strenge pflicht: (
die schaubühne) kleidet die strenge pflicht in ein reizendes lockendes gewand Schiller 3, 516
G.; die beobachtung der anbefohlenen vorschriften (
wird) iederman zur strengsten pflicht gemacht (1818)
österr. weist. 3, 242, 9; doch ist es nicht deutlich, wie streng die verpflichtung zu erscheinen war K. O. Müller
die Dorier (1824) 1, 181. —
entsprechend: ich werde ... stets meine pflichten ... streng erfüllen Pocci
lust. komödienbüchl. (1859) 172; wenn ich auch einerseits alle meine pflichten als staatsdiener und richter strenge erfülle
br. von und an Herwegh 362
M. Herwegh. strenge ordnung: auf strenges ordnen, raschen fleisz erfolgt der allerschönste preis Göthe I 15, 1, 312
W.; ein thätiger und wachsamer fürst ... stellte in allen zweigen der verwaltung die strengste ordnung her, ... griff mit eiserner hand durch Häusser
dt. gesch. (1854) 1, 54; nicht allein über haus und küche, auch über stall und sattelkammer wachte ihr sachverständiger blick, auf strenge ordnung haltend
in: Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 153.
vom gelübde '
unbedingt bindend': die nonnen haben sich nicht allein durch ein strenges gelübde der keuschheit, sondern auch noch durch starke gitter vor ihren fenstern verwahrt Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 329.
mit dem beisinn '
acerbus': vor dir — legt ich betäubt der eide strengsten ab, der mich dem mörder des geliebten übergab Gotter
ged. 2 (1788) 414. III@C@1@dd)
von wache und wachsamkeit, untersuchung, nachforschung und kontrolle sowie von rechenschaft und prüfung; auch hier verbindet sich das moment des scharfen, keine lässigkeit duldenden vorgehens mit dem der genauigkeit: und hielte man strenge wachten allenthalb, dann man truwet einandern nichts Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 304; ist jm nicht also, das der mensch vmb all empfangne zeitliche gaben, vmb gelt, gut, nahrung
etc. wird gott strenge rechenschafft geben müssen Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 14; bey so vielen strengen untersuchungen Stephanie
d. j.
sämtl. lustsp. (1771) 246; wenn seine beweise nicht immer die strengste probe aushalten (1759) Lessing 8, 26
L.-M.; von diesem unverzeihlichen versehn soll man die strengste rechenschaft mir geben Schiller 5, 1, 49
G.; er (
Boris) läszt im ganzen reich die strengsten nachforschungen thun
ebda 15, 2, 409; nun setzt euch, freunde, sagt mir, wer es weisz, warum diesz aufmerksame strenge wachen den unterthan des landes nächtlich plagt?
Shakespeare 3 (1798) 144; allein von jeder note, die er niederschrieb, wuszte er die strengste rechenschaft abzulegen Schubart
ästhetik (1806) 208; ich will auf's land und unter strenger aufsicht arbeiten und mich bessern Bäuerle
kom. theater (1820) 1, 32; die neue ausgabe ... machte diesem eine letzte strenge durchsicht derselben zur ... pflicht Matthisson
schr. (1825) 1, 3; je wichtiger das einzige ziel alles philosophirens, die erkenntniss aussersinnlicher wahrheiten und die strenge prüfung der festigkeit dieser erkenntniss ist, desto interessanter muss die beschäftigung seyn W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 288; meine hausarbeiten für das gymnasium wurden von meinem vater noch strenger überwacht als sonst Storm
[] s. w. (1898) 1, 68; unsere wünsche bedürfen doch beständig einer strengen und gewissenhaften kontrolle Fontane
ges. w. (1905) I 5, 267; er ist unter strenger aufsicht Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 42. III@C@1@ee)
in übertragenem gebrauch der bedeutung '
eng, fest' (
von band und fessel, s. II D 1)
treten noch wendungen wie streng an etwas binden, gebunden sein
hinzu, die ebenfalls zu der bedeutung '
genau, unbedingt'
führen können: also banden sie einander nicht strenge an das abendmal G. Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699) 53
a; so sind wir geneigt zu wünschen, dasz herr R. sich weniger strenge an die anzahl der strophen und verse gebunden ... hätte (1769) Gerstenberg
recensionen 221
lit.-denkm.; indessen ist der Deutsche an diese arten der gewöhnlichen wortfolge nicht so strenge gebunden Adelung
lehrg. d. dt. spr. (1782) 2, 554; sie wollen sich streng daran binden, jedesmal den inhalt anzuzeigen, und wo es nöthig ist, proben von der behandlungs- und schreibart geben J. G. Forster
s. schr. (1843) 8, 124; da die deutsche kirche von anfang an sich an den römischen ritus streng gebunden fand Döllinger
akad. vortr. (1888) 1, 62. III@C@22)
mit dem ende des 16.
jhs. beginnt die bedeutung '
genau, ohne abweichung, unbedingt'
in selbständigerer verwendung aufzutreten. III@C@2@aa)
so in wendungen wie etwas streng nehmen '
es genau berücksichtigen',
doch auch '
es damit genau nehmen': diese sternen der glacieischen arth, die regieren den winter, es sey in dem wasser, in früchten, erdtreich wo etwas ist, da ein feuchte seyn mag, da ist es der congelation vnterworffen. die andern stern, schnee vnd anders, ist nichts an dem orthe zum winter so streng zu rechnen: dann der schnee ist des winters regen Paracelsus
opera 2, 87 B
Huser; so man fast streng will sein, macht aufzug (
bezeichnung einer abgabe) als vil, als des selbigen guets oder weingarten ain jarzins wär (16.
jh.)
österr. weist. 5, 15, 16; mus derowegen (
in der orthographie), wo es der rechte laut ausdrüklich nicht erfodert, nicht gar zu strenge verfaren werden Butschky
hoch-dt. kanzelley (1659) 23; es ist eine ernsthafte sache um die kunst, wenn man es ein wenig streng nimmt (1787) Göthe IV 8, 261
W.; ihr urtheil über Jean Pauls ästhetik ist im wesentlichen das meinige; nur habe ich ihn weniger streng genommen, weil ich hier nie viel tiefe oder einsicht von ihm erwartete Solger
nachgel. schr. u. briefw. (1826) 1, 435; die ortsnamen wirst du überhaupt nicht zu strenge nehmen, denn du weiszt, dasz alle höchst wichtigen ... begebenheiten ... überall geschehen sind Brentano
ges. schr. (1852) 5, 5; nicht allzu streng musz man das leben nehmen! sie (
anrede) fordern viel von andern, mehr von sich Bauernfeld
ges. schr. 4 (1871) 135
später oft adverbial streng genommen: streng genommen ist die moralische kraft im menschen keiner darstellung fähig, da das übersinnlich nie versinnlicht werden kann Schiller 10, 110
G.; sein werk besteht, strenge genommen, aus novellen Tieck
schr. (1828) 4, 121; nach ihrer (
der populären philosophie) erklärung giebt es, streng gefasst, weder ein unegoistisches handeln noch ein völlig interesseloses anschauen Nietzsche
w. (1895) 2, 17; 'verwirklicht' werden eben, streng genommen, gar nicht die werte selbst Nic. Hartmann
ethik (
21935) 136. III@C@2@bb)
seit dem 18.
jh. '
strikt, genau'
bei verben und verbalsubstantiven der innehaltung von richtlinien, normen usw.: dieser gewohnheit wird auch so strenge von ihnen nachgelebet
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 276
Gottsched; so wollen es die gesetze. man sieht, dasz sie billig sind, und man will, dasz sie aufs strengste beobachtet werden Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 196; nichts war an ihren sitten ruhmwürdiger, als die strenge beobachtung der ehelichen treue
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 26; hofbälle, die meistenteils aus zwölf bis fünfzehn personen bestanden, da auf die
[] eigentliche courfähigkeit strenger geachtet wurde, als an den gröszten höfen E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 38
Gr.; musz die erasmische aussprache des altgriechischen auch in verdeutschten namen strenge befolgt ... werden? J. H. Voss
antisymb. (1824) 2, 12; der reinen theorie streng folgen W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 241; es bildete sich eine ... streng innegehaltene satzung, dasz in jeder oper ein duett, ... und ein terzett ... vorkommen muszte O. Jahn
Mozart (1856) 1, 250; ein programm, dessen strenger einhaltung wir den 20-jährigen frieden danken Bennigsen
nationallib. partei (1892) 67; man sah ihn die strasze wieder heraufkommen ..., streng darauf bedacht, den transport des getränkes zu decken H. Mann
d. blaue engel (1950) 209; du selbst verlangst strengste anerkennung der gesetze Fr. Wolf
besinnung (1947) 89. III@C@2@cc)
sehr häufig auch bei wörtern wie stillschweigen, geheimnis, inkognito: doch kündig ihm zugleich ein strenges schweigen an Gottsched
dt. schaubühne (1740) 2, 16; jedoch ward alles von stunde an in noch strengerm geheim gethan Kortüm
Jobsiade (1799) 3, 74; ew. hochwohlgeboren werden gewisz ohne meine bitte diese blätter auf's strengste secretiren (1819) Göthe IV 31, 238
W.; bei der taufhandlung selbst wollte sie im strengsten incognito seyn Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 48; ich habe ihr das strengste stillschweigen gelobt Tieck
schr. (1828) 7, 149; wobei ich natürlich auf strengste diskretion von ihrer seite rechne (1833) Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 3, 168; so war ich denn mit einemmale dem gefolge einer im strengsten inkognito reisenden fürstlichen person attaschirt Gaudy
s. w. (1844) 2, 46; es galt mir gegenüber strenge geheimhaltung aller militärischen maszregeln und absichten als regel Bismarck
ged. u. erinn. 2, 117
volksausg. III@C@2@dd)
vom beginn des 19.
jhs. an bezeichnet streng
schlieszlich in jeder beziehung die abweichungslose genauigkeit und unbedingtheit, mit der etwas eingehalten wird oder einzuhalten ist: er hat den alexandriner mit strenger cäsur gewählt (1820) Göthe I 41, 1, 162
W.; geometrie, die allbeherrscherin: sie schaut das all durch ein gesetz belebt, sie miszt den raum und was im raume schwebt; sie regelt streng die kreise der natur, hiernach die pulse deiner taschenuhr (1828) Göthe I 4, 286
W.; du weiszt, ich soll dich strenge meiden Tieck
schr. (1828) 11, 163; und sich nach streng zugemessener verneigung starr und steif wieder aufrichtete Gaudy
s. w. (1844) 13, 101; er zog deshalb auf seiner karte von Europa nach dem lineal mit bleistift einen strich ... und war so, immer streng dem striche nachreisend und weder rechts noch links abweichend, allgemach auf den geheiligten berg gekommen Immermann
w. 2, 91
Hempel; es gehört mit zu Angelas verschrobenheiten, dasz sie alles nach der strengsten zeiteintheilung thut Stifter
s. w. 1 (1904) 96; Georg Gossenbrod in Tyrol, der ... über alle landesherrlichen rechte strenge buch hielt Ranke
s. w. (1867) 1, 135; inzwischen beschränkte man sich gegen den hauptfeind auf die strengste defensive Mommsen
röm. gesch. 2 (1889) 176; die zwischensätze sind streng contrapunktisch gehalten O. Jahn
Mozart (1856) 1, 521; die strenge imitation der antike im gegensatz zu ihrer freieren benutzung Justi
Winckelmann (1866) 1, 394; auf das strengste aber ward der könig bei seinen zusagen festgehalten Ranke
s. w. (1867) 17, 43; so ist es ... bei dem deutschen heere strenger brauch, dass die soldaten vor beginn des tanzes sporen und degen abzulegen haben Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 88; die zeitverhältnisse des solos sind unsicher, nur der chor bewegt sich streng im takte Bücher
arbeit u. rhythmus (
41899) 353; die sache bleibt natürlich streng unter uns H. Mann
d. untertan (1949) 433; streng vertraulich
ebda 130; streng
[] kommentmässig
ebda 267; Otfrid schreibt mit wenig ausnahmen ... strengen zeilenstil Heusler
dt. vers.-gesch. 2 (1927) 39; er ... hielt sich streng zurück von allen öffentlichen dingen Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 139; strenge soziale grenzen, die sogar an der uniform kenntlich gemacht wurden Renn
adel im untergang (1947) 34.
oft in der wendung sich streng an etwas halten,
auch etwas streng halten, streng an etw. festhalten (
vgl. 1 a): er hat sich jedoch streng nach der observanz der kirchenväter halten müssen Bettine
dies buch geh. d. könig (1843) 2, 474; Guido ist fortgewachsen in die länge, Marie trotz der streng gehaltenen fasten in die breite (1823) Görres
ges. br. (1858) 3, 108; der ehrliche förster hielt sich streng an die frommen sitten seiner groszältern Ch. v. Schmidt
ges. schr. (1858) 1, 98; die reform ... hatte ... streng daran festgehalten Mommsen
röm. gesch. 2 (1889) 260; zunächst hielt er (
Gryphius) sich bei der übersetzung der Gibeoniter noch streng an sein original, wie es ihm eben im ersten drucke vorlag. nur den titel änderte er H. Palm
in: Gryphius
trauersp. 727
lit. ver.; ich habe vor allem streng an dem grundsatz festgehalten, die zur publication geeigneten stellen wortgetreu aufzunehmen
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 5, XI; er wollte, sich streng an die grundlinien haltend, die formulierung des einzelnen dem augenblick überlassen Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 79. III@C@2@ee)
vom festhalten einer absicht oder eines standpunktes '
unbedingt, entschieden, unbeirrbar': der churfürst ist ein gnädger herr, ... der, was er reif beschlossen, streng vollführt
Z. Werner
Martin Luther (1807) 16; du hast all die fähigkeiten, die ihm für die strenge verfolgung solcher plane mangeln Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 1, 289; der gesetzgeber musz, je mehr die bevölkerung zunimmt, desto strenger seinem plane nachgehen J. Möser
s. w. (1842) 2, 18. III@C@2@ff)
in den anwendungen auf scheidung und absonderung tritt meist der nebensinn '
scharf, hart, kompromiszlos'
hinzu: wenn ich zu reformiren hätte, müszte das schöne geschlecht, wenn es ja kochen soll, mit strenger ausschlieszung alles dessen, was odem gehabt, sich auf milchspeisen und gemüse einschränken Hippel
s. w. (1828) 1, 326; was artistisch wäre, nähme man in die neue anstalt, das historisch-antiquarische bliebe drüben, wobey man überhaupt keine strenge grenzlinie zu ziehen brauchte Göthe IV 21, 7
W.; ist denn unsere strenge scheidung von recht und gewalt in der that eine richtige? Ihering
geist d. röm. rechts (1852) 104; die förmlichere etikette, welche dazumal die stände strenger schied O. Jahn
Mozart (1856) 3, 213; um so strenger (
als Calvin jeden gläubigen zur kirche rechnet) will er diejenigen absondern, welche sie durch wort oder that verleugnen Ranke
s. w. (1867) 8, 125; eigenschaften, durch die sich die übersetzungen der höfisch-ritterlichen gedichte streng von der heimischen saga scheiden R. Meissner
die strengleikar (1902) 136; die gestapo hatte strengste absonderung der juden von den arischen arbeitern befohlen Klemperer
l. t. i. (1949) 235. III@C@33)
in einem vom vorigen abgezweigten verwendungsbereich gibt das beiwort streng
an, dasz der begriff seines beziehungswortes —
gegenüber einer möglichen lässigeren auffassung —
in seinem entschiedensten grade, seiner konsequentesten und reinsten form zu gelten habe. III@C@3@aa)
ein früher ansatzpunkt dieser verwendung zeigt sich in der verbindung des wortes mit fasten (
später auch diät). streng
geht hier von der bedeutung '
acerbus',
daneben wohl auch von '
assiduus'
aus; bei verlagerung der auffassung kann es mitunter —
im sinne der bedeutung 2 —
auf die genaue innehaltung der enthaltsamkeit bezogen werden, wird aber vor allem zu einer bezeichnung für deren entschiedensten grad: ye mer er (
ein mönch) gebett, ye strenger
[] er gefastet hat, ye wütiger er wider das euangelion tobet Luther 52, 71
W.; hastu einen rausch gehabt? geh zu Filtzen nur zu gaste; denn auff einen starcken rausch nützet eine strenge faste Logau
s. sinnged. 180
lit. ver.; dasz deshalb der hl. fundator die seinigen mit strenger fasten also ausgemergelt, damit sie nicht feist wurden, um willen die porten des himmels gar eng (1679) Abr. a
s. Clara
w. 2, 66
Strigl; die strengste diät Kästner
verm. schr. 1 (1755) 55; mich hat das fieber ein paarmal schrecklich angepackt, ... ich habe es aber sogleich mit chinapulvern und strenger diät glücklich fortgejagt (1782) Heinse in:
br. zw. Gleim, Heinse u. Müller 2, 461
Körte; bey einem sehr strengen diätetischen verhalten kann ich meine zeit sehr wohl nutzen Göthe IV 19, 404
W.; das schaale, traurige bier, die strengen fasten, der gehorsam, der mürrische, scheinheilige abt, alles ist zum verzweifeln Tieck
schr. (1828) 3, 164; sie haben einen schweren magen- und darmkatarrh und müssen bei strenger diät einige zeit liegen Renn
adel im untergang (1947) 249. III@C@3@bb)
ferner sind von den anwendungen unter 2
her jederzeit übergänge in den vorliegenden bedeutungskreis möglich, da streng
in vielen fällen zugleich die auffassung '
ohne abweichung, strikt, genau'
und '
entschieden, konsequent'
zuläszt: der ... sich wunderbar verändernde schall dieser kleinen thierchen (
vögel usw.) ist dann und wann so sonderbar, dasz er sehr oft einer ... nach den strengsten regeln in ordnung gebrachten melodie ähnlich wird Scheibe
d. crit. musicus (1745) 49; dem dichter ist nicht sowohl um strenge vollständigkeit und zulänglichkeit der vorschriften, als um auszeichnung der wichtigsten unter ihnen ... zu thun Eschenburg
entwurf (1783) 94; zweifle ... niemand an der strengsten unpartheilichkeit des urtheils Göthe I 48, 7
W.; lohnt sichs gewisz der mühe ... (
hinsichtlich einer etymologischen orthographie) der strengsten consequenz zu huldigen Schmeller
mundarten Bayerns (1821) 10; wie viel besser hätte ich sein beispiel eisernen fleiszes und strenger zurückgezogenheit benutzen sollen Chamisso
w. (1836) 5, 235; ein enges niedriges häuschen fiel ihr ein, streng aus schiefer, mit grünen läden Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 127; da beide schiffe streng abgeblendet fahren muszten
Göttinger tagebl. vom 23. 6. 1915,
abendausg.; der grosze einflusz ..., den schule und wissenschaftliche erziehung ausgeübt haben auf die ausbildung eines streng folgerichtigen denkens bei der oberschicht der kulturvölker Havers
hdb. d. erkl. syntax (1931) 33; die sache war todsicher. sie war streng legal Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 100.
häufig in den verbindungen strenge wahrheit
und strenge form (rechtens): er oder ich kann von der strengen wahrheit abirren, wäre es auch nur ein haarbreit Herder 2, 92
S.; in solchen schrifften ... wo die strengste wahrheit mit der annehmlichkeit des vortrags verbunden seyn soll Lichtenberg
nachlasz (1899) 7, 19; ferner hatte er keine vollmacht von den beyden andern höfen aufzuweisen ... und verlangte und erhielt acceszions urkunden auch für sie, welches nach der strengen form eine anomalie seyn möchte (1785) Göthe IV 30, 38
W.; jede abweichung von der strengsten wahrheit ohne leidenschaft anzuzeigen
ebda I 46, 100; nach ihrer offenen und der strengsten wahrheit gemässen rechtfertigung W. v. Humboldt
br. an Welcker (1859) 31; es ergibt sich jetzt, wie sträflich und gefährlich es ist von der strengen form des rechts zu weichen J. Grimm
an Dahlmann in: briefw. (1885) 1, 143; der strengsten wahrheit gemäsz Gaudy
s. w. (1844) 2, 145; das capital führte gegen die arbeit ... den krieg, natürlich wie immer in strengster form rechtens Mommsen
röm. gesch. 2 (1889) 75. III@C@3@cc)
hierher gehört auch die verwendung als beiwort zu ausdrücken des glaubensbekenntnisses, der weltanschauung oder der politischen richtung. die ersten diesen gebrauch [] berührenden anwendungen sind wohl von '
assiduus, eifrig'
her zu verstehen: ortodoxus strenger lieb halber (
aus -haber) gottes (1466) Diefenbach
nov. gl. 274
a; strenger liebhaber des glaubens
catholicus, orthoduxus, voc. inc. teut. (
Speyer um 1485) ee 6
b.
so auch die folgende stelle, wenn nicht schon die bedeutung '
genau, entschieden'
zugrundeliegt: sie (
die Türken in Damaskus) wollen andächtiger seyn, denn die Türcken in Europa, welche nicht so streng seyn Schweigger
reyszbeschr. (1619) 320.
seit der zweiten hälfte des 18.
jhs. bezeichnet streng
ganz im sinne der vorstehenden verwendungen sowohl die genaue beachtung der glaubensinhalte als auch deren extremen charakter: denn in der that giengen die Taboriten und strenge Hussiten viel weiter
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 7, 171; der gerade weg aus Galiläa nach Jerusalem führte in drei tagereisen nach der hauptstadt. nur der ganz strenge jude machte den umweg durch Peräa Tholuck
commentar z. d. ev. Johannis (1827) 85; die gehäuften zeichen des strengsten katholicismus Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 40; (
er) ist wieder ein strenger, und ... sogar ein harter intoleranter protestant geworden (1842) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 91
Schulte-K.; die Franzosen suchten dadurch einer verbindung der streng katholischen faction mit Spanien ... zuvorzukommen Ranke
s. w. (1867) 17, 23; besäszen wir noch ein evangelium aus einem streng und ungebrochen judenchristlichen kreise, so würden die reden Jesu unstreitig ein ganz anderes aussehen haben D.
F. Strausz
ges. schr. 6 (1877) 37; war Drusus ... streng conservativ gesinnt Mommsen
röm. gesch. 2 (1889) 213; es war streng katholisch dort, und in dem punkte verstanden sie keinen spasz Storm
s. w. (1898) 4, 74; auch die frommen brüder in Jesu von Weylarn, die stets geglaubt hatten, durch überlegene klugheit und streng religiöse abgrenzung unberührt von allem zu bleiben, wurden nicht verschont O.
M. Graf
unruhe (1948) 448.
so auch in der wendung strenge (
häufiger strikte) observanz,
vgl. Schulz-Basler
deutsches fremdwb. 2 (1942) 228: in zehn jahren wird der dünkel, womit die rhythmiker von der strengen observanz sich jetzt vernehmen lassen, höchst lächerlich seyn (1807) Göthe IV 19, 283
W. III@C@3@dd)
von '
severus' (B 7)
ausgehend schlieszen sich wendungen wie strenge tugend, redlichkeit, gesetzlichkeit
usw. dem vorstehenden gebrauche an: ich weis, dasz deine brust die strengste tugend nährt Gottsched
dt. schaubühne (1740) 2, 197; das lob der strengsten ehrlichkeit musz man ihm lassen J.
M. Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 17; man sagt, sie sei ein beispiel der strengsten tugend Schiller 3, 14
G.; die strenge gesetzlichkeit des volks (
der Römer) Niebuhr
röm. gesch. 1 (1811) 12; er ist von strenger redlichkeit Iffland
theatr. w. (1827) 1, 212; so kann ich versichern, dasz ich mich mit der strengsten gewissenhaftigkeit an das mir vorliegende heft gehalten ... habe Solger
vorles. über ästhetik (1829) 12; der ganze erwerb war inner den grenzen der strengsten rechtlichkeit betrieben Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 223. III@C@3@ee)
in selbständiger verwendung tritt die genannte bedeutung seit der mitte des 18.
jhs. auf; zunächst in den wendungen im strengen verstande, in der strengen bedeutung (des wortes), im strengen sinne (des wortes),
meist superlativisch: es sei ungereimt zu sagen, dasz die schönen künste eigentliche und im strengsten verstande so genannte wissenschaften sein könten G.
F. Meier
betracht. (1757) 6; wahre gedichte nach der strengsten bedeutung des worts Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 48; man muss, wenn man von dem nutzen der physiognomik redet, nie blos auf das sehen, was im strengeren sinne wissenschaftlich heissen kann Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 159; Athens verfassung war ... in eine vollkommene demokratie verwandelt; im strengsten verstande war das volk souverain Schiller 9, 169
[] G.; Jesus war ... als Messias auch der gottessohn, und zwar im strengsten wortverstande Strausz
ges. schr. (1879) 4, 6; im unterschied vom kuhgeld ... war das zeuggeld ... zahlmittel im strengen sinne des wortes Luschin v. Ebengreuth
münzkde u. geldgesch. (1904) 135.
dann bald in allgemeinerem gebrauch: die kohle ist dieser merkwürdige körper der uns diesen begriff (
des schwarzen) am strengsten gewährt Göthe II 5, 1, 132
W.; ein übergang aus der strengen aristocratie zur gemischten politie Niebuhr
röm. gesch. 1 (1811) 223; und die wahl läszt sich selten streng rechtfertigen Thibaut
bürgerl. recht (1814) 422; während gross sein und den blick für die nothwendigkeit haben, streng zusammengehört Nietzsche
w. (1895) 1, 498; dort war ... für s = 6 der strenge wert von To = 0,3030; der angenäherte ist 0,3455 Czuber
wahrscheinlichkeitsrechn. (1908) 1, 115; ein in diesem sinne verstandener 'oberster wert' wäre in der tat das strenge gegenstück zum absolut wertindifferenten
N. Hartmann
ethik (
21935) 563. III@C@44) streng
in abwandlungen der bed. 2
und 3. III@C@4@aa)
an die bedeutung '
genau'
schlieszen sich weiterführende anwendungen des wortes auf wissenschaftliche verfahrensweisen und verwandtes. III@C@4@a@aα)
von der beobachtung '
genau, exakt, sorgfältig': diese durch strenge beobachtungen nicht zu schlichtende streitfrage Peschel
völkerkde (1874) 9
anm. 3; (
die brüder Grimm) haben die strenge beobachtung und untersuchung nicht blos auf die geschriebenen denkmäler beschränkt Scherer
kl. schr. (1893) 1, 8. III@C@4@a@bβ)
von definition, beweis und schluszverfahren '
exakt, stringent': die beweise sind strenge mittel der überzeugung Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 4, 43; es ist unstreitig, dasz Aristoteles überhaupt keine strenge logische definition von der tragödie geben wollen Lessing 10, 110
L.-M.; dasz sie (
die logik) eine wissenschaft ist, welche nichts als die formalen regeln alles denkens ... ausführlich darlegt und strenge beweiset Kant 3, 8
akad.; dennoch beweisen diese folgerungen nicht allzu streng J. Grimm
kl. schr. (1864) 2, 13; wie die richtigen strengen schlüsse dadurch zu stande kommen, dasz man das verhältnisz der begriffssphären genau betrachtet Schopenhauer
s. w. 1, 89
Gr.; doch bleibt es immer misslich auf geologische vorgänge sich zu stützen, die selbst noch strengere beweise entbehren Peschel
völkerkde (1874) 428. —
ähnlich: über solche heilthümer vergangener zeit suche ich mit die strengsten zeugnisse zu verschaffen Göthe I 24, 118
W. III@C@4@a@gγ) '
exakt und methodisch diszipliniert, von festen prinzipien geleitet': strenge lehrer der beredsamkeit wollen aber, dasz man die menschen mehr durch ihre handlungen als durch worte malen soll Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1756) 4, 291; mit vorsatz haben wir dem schönen feuer, dem schönen natürlichen entsagt; wir opfern alles einer strengen vernunft auf; und stolz auf unser opfer, sagen wir, dasz wir genauigkeit haben (1768) Gerstenberg
rezensionen 86
lit.-denkm.; von dem strengsten vortrage vollkommener begriffe Herder 2, 92
S.; diese klasse (
die philosophen) versteht, vielleicht mehr als jemals, ihr handwerk und treibt es, mit recht, abgeschnitten, streng und unerbittlich fort Göthe IV 11, 177
W.; die handwerke ... (
werden) durch die bezeichnung 'strenge künste' von den 'freien' entschieden getrennt und abgesondert
ebda I 25, 1, 220
W.; hier zuerst bildete sich ... eine einseitige geringschätzung gegen strenge philologische kenntnisse aus Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 187; da meine vorträge nicht sowohl wissenschaftlich strenge sind, als vielmehr nur in unterredungen bestehen Stifter
s. w. 14 (1901) 5; eine schule strengen denkens Lange
gesch. d. materialismus (1866) 6; der dichter darf sich ... manches erlauben, was dem strengen historiker als sünde anzurechnen wäre Scheffel
ges. w. (1907) 1, 103; aber betroffener fast steht man vor dem menschlichen bilde dieses romantikers (
J. Grimm),
[] der beinahe von heute auf morgen die kraft und den entschlusz fand, streng, induktiv, geduldig stein an stein zu fügen und sich von der beobachtung leiten zu lassen, weil ihm aufging, dasz die unbeschwerte spekulation, selbst bei richtigen grundahnungen, unfehlbar in die irre führen müsse Hübner
kl. schr. z. dt. phil. (1940) 30; er studierte dann an deutschen universitäten, genosz die strenge schule Julius Petersens G. Kartzke in:
dt. literaturzeitung 74 (1953) 346. III@C@4@bb)
in unterschiedlichen, im ganzen jedoch an die bedeutung 3
angelehnten verwendungen '
entschieden, ausgeprägt, konsequent',
besonders von form- oder entwicklungstendenzen (
vgl.D 1 c): da die gegenstände der natur eine wahre würcklichkeit haben, so musz ihre würckung auch strenger, ernsthafter, und dauerhafter seyn, als die würckung des nachgeahmten bildes Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 64; in diesen kämpfen erhielt das fränkische Gallien einen neuen zusatz germanischer kräfte durch die kriegsscharen, welche hauptsächlich die schlachten lieferten, und dann zur abwehr der feinde und erhaltung des gehorsams angesiedelt wurden. alles gewann eine gröszere und strengere gestalt Ranke
s. w. (1867) 8, 11; ich glaube, dasz mit fester und kluger ausnutzung des sieges ... die deutsche einheit in strengrer form zu erreichen war, als zur zeit meiner betheiligung an der regirung schlieszlich geschehn ist Bismarck
ged. u. erinn. 1, 60
volksausg.; das zweite lied hat dieses erste durchweg zur inneren voraussetzung: der verfasser nimmt anstosz an der parteilichkeit gegen Kriemhild; er nimmt anstosz an den schlechten manieren Hagens und Volkers ... er hat alles strenger motiviert, mehr aus den umständen, aus der natürlich gespannten situation, aus einem konflikt edler beweggründe Scherer
litt.-gesch. 7120; die formenfülle der flexion darf keineswegs unterschätzt werden, aber sie ist entschieden strenger und einförmiger als die wortbildung R. Blümel in:
germ.-rom. monatsschr. 8 (1920) 13; die historische umwelt dieser blütezeiten (
der kunst im 13.
u. 16.
jh.) gibt eine durchaus verschiedene ansicht. die erste wurde zeitig auf der mittagshöhe einer zu strenger einheit durchgearbeiteten kultur, deren reifstes, zusammengefasztestes symbol sie war Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 1. III@DD.
seit der mitte des 18.
jhs. entwickeln sich anwendungen des wortes, in denen einem meist sinnlichen eindruck die qualität streng
als ausdrucks- oder stimmungswert beigelegt wird. streng
bezeichnet dabei im wesentlichen eine dem lieblichen und anmutigen abgekehrte, jedoch schönheit keineswegs ausschlieszende erscheinungsform, die meist durch die merkmale des straffen, hart konturierten sowie (
der wirkung nach)
des herben, ernsten und schlichten gekennzeichnet ist. der ursprung dieser übertragung ist wohl darin zu suchen, dasz etwa den erscheinungsmerkmalen '
straff, herb, dem lieblichen abgekehrt'
der ausdruckswert '
zuchtvoll, ernst, der leichtlebigkeit abgeneigt' (
vgl.B 8)
anempfunden wurde. daneben begegnen jedoch von anderen gebrauchsweisen des wortes abgeleitete verwendungen (
vgl. 1 c
und d
sowie 2 c). III@D@11)
auf den ausdruckswert künstlerischer gestaltungstendenzen bezogen gewinnt dieser gebrauch seit dem ende des 18.
jhs. weite verbreitung; zur lexikalischen buchung vgl.: streng
sagt eben das, was hart und trocken sagt; ein strenger stil, ein strenges kolorit Jacobsson
technol. wb. 4 (1784) 318
a; streng
in der mahlerei hart; eine strenge farbe halten Campe 4 (1810) 710
b. III@D@1@aa)
vom gesamteindruck der künstlerischen gestaltungsweise. kennzeichnend ist die opposition des wortes streng
zu anmutig (
s. u. anmuth. gelehrsamk.), schön, reizend (Göthe)
und zart (Scherer): daraus entstand eine zugleich prächtige und einfältige, künstliche und natürliche, tropische und gemeine, männliche und geputzte, kurze und weitläuftige, anmuthige und strenge, lebhafte und heftige schreibart
anmuth. gelehrsamk. (1751) 8, 567
Gottsched; so lesen sie was Winckelmann vom hohen
[] styl der Grichen sagt. leider führt er dort diese Minerva nicht
an. wenn ich aber nicht irre so ist sie von jenem hohen strengen styl da er in den schönen übergeht (1787) Göthe IV 8, 131
W.; den göttern aller völker der welt bietet ihr wohnungen an, habe sie schwarz und streng aus altem basalt der Ägypter, oder ein Grieche sie weisz, reizend, aus marmor geformt
ebda I 1, 237; es ist das grade, strenge, oder wenn man will, das harte des alten styls Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 131; bärtige Hermesköpfe strengen alterthümlichen styls
archäol. ztg. 1, 3
Gerhard; erst schwach — verstärkt — ein voller chor; in strenger einfalt steigt's empor A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 82; wir entdecken zarte züge neben den strengen Scherer
litt.-gesch. 79; wie Overbeck, Veit, Steinle die heilige geschichte, von der man längst nichts mehr wissen wollte, in der strengen alten weise wieder malten, so schrieb Mendelssohn seine oratorien, seine kirchenwerke Riehl
musik. charakterköpfe (1899) 1, 84; gemessen an der alten strengen saga hat die sprache des königsspiegels freilich etwas künstliches, oft geradezu etwas virtuosenhaftes R. Meissner
die strengleikar (1902) 137; ein hauptinteresse des spätromanismus betrifft die detailformen. diese verlieren nun den letzten rest von dem strengen und wortkargen wesen der älteren zeit Dehio
kunsthist. aufsätze (1914) 21; der eindruck der pracht verbindet sich mit einer strengen simplizität, wie wir ihr sonst nicht begegnen
ders., gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 50; nicht die stark bewegten gestalten, die das mittelalter ... hie und da verwendet hat, sondern die strengen axialfiguren ... verkörpern den stilistischen fortschritt der mittelalterlichen kunst sowohl in der skulptur als auch in der malerei Dvořák
kunstgesch. als geistesgesch. (1925) 96. III@D@1@bb)
in speziellerem sinne '
hart, scharf, klar'
von der linienführung, auch von der gliederung eines bildnerischen kunstwerkes: die grazie in den gemälden des Guido ..., oder das höhere ideal in den strengern umrissen des Raphael Urbino (1766) Gerstenberg
recensionen 3
lit.-denkm.; aber ein übertriebenes wesen, sonderlich in der zeichnung der schienbeine, und der strenge und harte schnitt der muskeln der wade zeiget sich an allen Winckelmann
s. w. (1825) 3, 357; die schärfsten und strengsten linien, selbst eines Michel Angelo, sind traum und schatten gegen das hohe leben eines Tizianischen kopfs Heinse
s. w. 4, 15
Sch.; denn Kalon und Hegesias (
bildhauer) haben härter ... gearbeitet, Kalamis weniger streng, noch weicher Myron (
nam duriora ... Callon atque Hegesias, iam minus rigida Calamis, molliora ... Myron fecit, Quintilian 12, 10, 7) Göthe I 46, 44
W.; das ganze ist ... im ersten ägyptischen stile gearbeitet, dahin deutet das magere, strenge und muskellose Brentano
ges. schr. (1852) 5, 435; sind muskeln und knochen gar zu strenge angegeben worden H. Meyer
gesch. d. bild. künste (1824) 1, 25; links steht Semele ... (langer chiton, mantel mit strengen falten) Furtwängler
vasenbeschreibg. (1885) 446; wieder tönt die strenge vertikale des kopfes als die hauptstimme aus dem bilde heraus Wölfflin
klass. kunst (1901) 45; die geraden strengen linien eines römischen siegesthores Ric. Huch
triumphgasse (1902) 11.
so auch: ich werde dir dann zeigen, dasz ich keine falschen waden trage, wie du dir wegen der strengen form meines beines einbildest (1832) Pückler
briefw. u. tageb. 1, 108; die häuser des dorfes hoben sich scharf, in strengen umrissen von der luft ab Zahn
Lukas Hochstraszer (1907) 57. III@D@1@cc)
auf komposition und aufbau von werken der literatur, musik und kunst angewendet bezeichnet streng
die konsequenz, mit der ein gestaltungsprinzip befolgt wird; der gebrauch stützt sich auf die anwendungen unter C 3 (
vgl. auch C 4 b): ich habe grosze lust mich nunmehr in der einfachen tragödie, nach der strengsten griechischen
[] form zu versuchen (1801) Schiller
br. 6, 277
Jonas; Newton hatte durch eine künstliche methode seinem werk ein dergestalt strenges ansehn gegeben, dasz kenner der form es bewunderten und laien davor erstaunten Göthe II 2, 4
W.; um die strenge form und die gleichförmigkeit des ganzen auch in der vorrede zu behaupten, will ich sie in paragrphen schreiben Jean Paul
w. 49/51, 3
Hempel; diese echte polyphonie ... ist begründet auf contrapunktische studien, deren reife früchte uns überall geboten werden, so selten auch die strengen formen der contrapunktischen schreibweise uns unmittelbar entgegentreten O. Jahn
Mozart (1856) 4, 265; der dichter hat sein werk nach einem überlegten plane strenge componirt Scherer
litt.-gesch. 7123; die strengste fassung der hallenanlage ist die, der die breite der schiffe und der joche einander gleichgesetzt werden, mithin die grundfigur der gewölbe das quadrat ist Dehio
gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 25; zweigeschossig, von strengster und reich betonter, äuszerst schlanker architekturgliederung in spitzbogen und wimpergen durchgestaltet, steht er da (
der Claren-altar im Kölner dome), ein zeugnis noch immer strophischen sehens Pinder
d. kunst. d. ersten bürgerzeit (1937) 142. III@D@1@dd)
gelegentlich kennzeichnet streng
die persönlichkeit des künstlers, wobei die angeführten gebrauchsweisen wechselnd die auffassung bestimmen können: (
die bravourmäszige behandlung der solosätze) galt ... damals für keineswegs unverträglich mit kirchlichem stil, und auch ernste und strenge meister des vorigen jahrhunderts ... haben sie ... nicht ausgeschlossen O. Jahn
Mozart (1856) 3, 392; er habe früher sich zum strengen deutschen zeichner ausgebildet, der es im sichern führen von stift und kohle fast seinem berühmten meister gleichgethan und die farbe für ein mehr oder weniger notwendiges übel gehalten habe G. Keller
ges. w. (1889) 2, 151; man hätte ihn auffordern sollen, ein ganzer künstler zu sein, deutsch wie Scarlatti und italienisch wie Mozart, ein hoher, reiner und strenger tondichter, wie die alten Italiener und die besten unter den alten und neuen Deutschen Riehl
musik. charakterköpfe (1899) 1, 247; selbst der strengste abseitige lyriker hatte gerade vier seiten erscheinen lassen, in denen er auf erhabene weise den ruhm und den schlachtentod als ausweg pries aus der hündischen gemeinheit des alltags A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 340. III@D@22)
verstreuter und in der auffassung weniger einheitlich ist die anwendung des wortes auf ausdrucksqualitäten auszerhalb des künstlerischen bereiches. ein frühes zeugnis physiognomischen sehens findet sich bei Opitz (
wenn nicht zu dieser zeit noch '
stark, stämmig'
anzusetzen ist): ihr mahlwerck der natur, ihr blumen in den gründen, ihr stiller auffenthalt, ihr strengen fichten ihr, ihr sträuch, ihr hohen linden, du schattenreicher waldt, dasz ja kein starcker wind die zier an deinen zweigen, die bletter dir versehr'
opera (1689) 2, 157. strenge schönheit
begegnet mehrfach bei Eichendorff: sie athmete nicht mehr, stumm und bleich in strenger todesschönheit
s. w. (1864) 2, 479; mit dem schlanken pantherleib, zu beiden seiten von den langen dunklen locken umwallt, ruhte sie in ihrer strengen schönheit wie eine furchtbare sphynx auf den schilden
ebda 3, 278. III@D@2@aa)
dem gebrauch unter 1 a
und b
stehen die anwendungen auf die bekleidung am nächsten. sie sind literarisch nur schwach bezeugt, jedoch sind verbindungen wie strenger schnitt eines kleides, strenges kostüm (
klassisches, schneiderkostüm),
auch strenge frisur
u. ä. in der gegenwärtigen umgangssprache durchaus gebräuchlich: streng und ernst kleidete sie der dunkle mantel Scheffel
ges. w. (1907) 2, 24; hier sah ich die garderobe der groszen und reichen vom sammetschlafrock oder der atlasgesteppten hausjacke bis zum abendlich strengen frack (1937) Th. Mann
ausgew. erz. (1953) 363. III@D@2@bb)
hieran fügen sich anwendungen auf den gesamten habitus eines menschen: das ganze gebaren der zwei frauen
[] hatte etwas unmittelbar imponierendes: einfach, starr, streng saszen sie unter ihren romanischen bibeln und erbauungsbüchern Scheffel
ges. w. (1907) 3, 96; weisz, schmal, streng sasz Marcia vor ihm Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 119; (
der oberst) machte eine sehr förmliche verbeugung und ging schwarz und streng hinaus Renn
adel im untergang (1947) 359.
von ausdrucksbewegungen im tanze: streng, scharf, trocken, heftig, und in sanften stellungen mehr feierlich als angenehm, zeigte sie (
Mignon) sich Göthe I 21, 183
W. vom sprachlichen ausdruck: wir gebrauchen ja alle ziemlich viel fremdwörter, aber solche seltene strenge worte, wie alte offiziere oder gelehrte sie haben — das ist sie, und es macht einen so guten kontrast mit dem hübschesten mund und dem reizendsten kinn von der welt, das sie hat Hugo von Hofmannsthal
pros. schr. 2 (1907) 150.
allgemeiner von den wesensunterschieden der geschlechter: denn wo das strenge mit dem zarten, wo starkes sich und mildes paarten, da giebt es einen guten klang Schiller 11, 308
G. III@D@2@cc)
in sehr unterschiedlichen auffassungen kann streng
schlieszlich auch sonst der anmutung ausdruck verleihen, die von einer gegebenheit auszugehen scheint. die verwendungen bleiben im begriffskreis der eingangs genannten, sich um den ausdruckswert '
herb'
gruppierenden merkmale, sind jedoch zum teil auch von anderen bereichen des wortgebrauches her bestimmt. — streng
als ausdruck eines stimmungswertes: es fliegt der tag, ihm folgt die strenge nacht A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 241; ermüdung kämpft in seinen zügen, die nacht ist streng, der dienst ist schwer
ebda 55. '
ernst, gewichtig'
mit dem beisinn '
acerbus': ach die sterne strahlen, strenge kunde bringend, auch wider willen dem wissenden Fouqué
held d. nordens (1810) 1, 107; es haften zu strenge erinnerungen daran, um mit ihm zu spielen
ders., altsächs. bildersaal (1818) 4, 7.
mit den nebentönungen '
fordernd, verpflichtend, bindend'
auch '
unerbittlich': ihn, den schauer göttlicher geheimnisse im reiche der natur und der gnade; den schreiber tiefes sinns, den sanften prediger der strengen wahrheit, das vorbild jeder lehre — kennen nur wenig edle Schubart
s. ged. (1825) 2, 183; bei uns kommt das wort geschichte nicht von schichten und episch ordnen und pragmatisch durchweben, sondern von dem vielbedeutenden strengen worte: geschehen her Herder 3, 469
S.; er (
Schiller) hatte früh das strenge wort gelesen, dem leiden war er, war dem tod vertraut Göthe I 16, 168
W.; freundschaft ist eine blume, die im thale, nicht auf der menschheit strenger höh' gedeiht Wildenbruch
Karolinger18 69.
dem vorigen ähnlich, doch an die bedeutung '
exakt, präzis'
anklingend: mit eiserner kette band sie (
die natur) die dürre zahl und das strenge maasz Novalis in:
Athenäum (1798) 3, 197; süszer schlaf! du kommst wie ein reines glück ungebeten, unerfleht am willigsten. du lösest die knoten der strengen gedanken, vermischest alle bilder der freude und des schmerzes Göthe I 8, 303
W.