strengigkeit,
strengheit strengkeit,
f. neben das ältere 1strenge,
f., (
s. d.)
tritt in der religiösen und gelehrten literatur des spätmittelalters die abstraktbildung strengheit, strengkeit
zum adj. streng.
unter dem üblichen wandel des suffixes werden beide durch die vollere form strengigkeit
abgelöst (
eine form des adj. auf -ig,
abgesehen von der adv.-bildung strengiglich,
s. strenglich,
ist nicht belegt). —
zuerst bezeugt ist die form strenkait
dt. pred. d. 13.
jhs. 2, 112
Grieshaber; danach strengheit
bei Tauler
pred. 232; 268
Vetter und häufig bei Seuse: strenkheit
dt. schr. 46
Bihlm. u. ö.; ebda strankheit 364; strangheit 423; 497;
daneben strenkeit 233. strengekeit
findet sich bei Jeroschin
chron. 5204
Strehlke; Diefenbach
gl. 498
b s. v. rigiditas (1440,
md.); strenghecheit (15.
jh.)
ebda 63
a s. v. austeritas; strengikeit
haben Keisersberg
granatapfel (1510) F 5
d; Hans Sachs 22, 546
lit. ver.; strengigkeit
ebda 22, 331
u. ö. vereinzelt bleibt: strenglicheit, strenlicheit (
Augsburg 1512) Diefenbach
gl. 63
a s. v. austeritas; strenglichait Ulrich Füetrer
bayer. chron. 110
Spiller. ausgehend vom spätmittelalterlichen schrifttum der gelehrsamkeit tritt strengheit, strengkeit, strengigkeit
in der literatursprache (
dagegen —
wie viele abstrakta —
in der sprache niederer literarischer gattungen sowie mundartlich selten bezeugt)
konkurrierend neben strenge
und vermag dessen verwendung bis zum 17.
jh. stark einzuschränken. doch das 18.
jh., das allgemein die kürzeren bildungen bevorzugt (
vgl. Behaghel
gesch. d. dt. spr. [
51928] 45
f.),
entscheidet sich weitgehend für strenge,
und im 19.
jh. steht strengigkeit
nur noch vereinzelt: Jean Paul
s. w. (1826) 42, 119
Reimer; (1805) Schiller
br. 7, 223
Jonas; ders. 10, 336
G.; Ph. O. Runge
hinterl. schr. (1840) 2, 229; Hegel
w. (1832) 11, 315.
ein spätes strengheit
begegnet bei Rosegger
schr. (1895) I 13, 331,
ferner in der mundartlichen form strenghêt
luxemb. ma. 431
a.
durch den zeitraum und die sprachschicht seines vorherrschens sind auch bedeutung und gebrauch des wortes bestimmt. in der hauptmasse seiner anwendungen bezeichnet es einerseits seit dem mhd. die härte und zucht des mönchischen lebens (1)
und schlieszt sich andererseits im frühnhd. mit der bedeutung '
härte, unerbittlichkeit, rauheit'
dem älteren gebrauch von streng '
severus'
an (6).
daneben folgt es einigen weiteren mhd. und frühnhd. verwendungszweigen des adjektivs (
s. weiteres unter 1strenge). 11)
die rücksichtslose selbstbeschränkung und geistliche zucht der (
mönchischen)
lebensführung (
zu streng III A 2).
diese —
dem subst. strenge
fehlende —
bedeutung ist vom mhd. bis ins 18.
jh. gebräuchlich: dar nach sont wir gedenken an die strenkait der hailigen, wie strengez leben si hie uff ertrich hattent umb daz ewig leben, das si in hymelriche nu besessen hant
St. Georgener pred. 337
Rieder; min kint, nu luoge, daz ich dich zartlich neig uf das hertz dines geminten und daz ich keiner strangheit von dir beger; is und trinke und slaff din notdurft und hab mit urlop, daz du bedarft zuo diner krankheit Seuse
schr. 423
Bihlm.; die heiligen bruodere ..., die den orden in der strengheit hielten Tauler
pred. 268
Vetter; der selb mönch wolt dem straffen seines appts nit volgen und belib in seiner unmenschlichen strenckaytt Johann Hartlieb
dial. miraculorum 383
Drescher; mich yn ein heilgen orden zu begeben und nach aller strengheyt dar in zu leben, all sund zu pussen eben Hans Folz
meisterlieder 34
Mayer; wo ist hin komen die gaistlichait sant Augustins, die strengikait sant Benedict, die andechtikait sant Barnharts, o wie gar ist verschwunden aller hailigen volkomenhait Keisersberg
granatapfel (1510) F 5
d; schimpff vnd ernst, wan vil schimpfflicher, kurtzweiliger vnd lecherlicher exempel darin sein, damit die geistlichen kinder in den beschlosznen klöstern etwa zuo lesen haben, darin sie zuo zeiten iren geist mögen erlüstigen vnd ruowen, wan man nit alwegen in einer strenckeit bleiben mag Pauli
schimpf u. ernst 14
lit. ver.; wie wol er bapst worden, wolte er doch nichts nachlassen von der strengkeit seines lebens Nigrinus
papist. inquis. (1582) 498; dieser seraphische orden zeigt vörderst seine strengheit in den Kapuzinern, deren armut und demut der welt sattsam bekannt (1679) Abr. a
s. Clara
w. 2, 63
Strigl; finde ich keinen grossen noch starcken grund darinnen, auf welchen ich meine angefangene strengigkeit des lebens hätte bauen ... können Zendorius
teutsche winternächte (1682) 197; Pythagoras hätte auser dem rind- und schaff-fleische, den fischen und bohnen alles andere ohne unterscheid gessen; diesem folgten sie nach, und wüsten sie auser dem von keiner strengigkeit Lohenstein
Arminius (1689) 1, 682
b; klosterfrauen ..., welche sich aus dem closter in bsch und wAelder begeben, um daselbst ihrer busz und strengheit desto mehrer obzuliegen. sie ... leben von krAeutern und wurtzeln Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 1382
b; wer die gnade gottes ... durch allerlei äusserliche beobachtungen, strengigkeit, gute wercke usw. ertrotzen will, der ist auch in keinem gesunden zustande Zinzendorf
kl. schr. (1740) 401.
dazu auch späte pluralbildungen: (
er) habe seinen leib ... durch ... strengheiten abgemergelt
allg. dt. bibl. (1765) 74, 528; zu bemerken ist, dasz diesz keine busze für verbrechen ist, ... diesz ist hier nicht der fall, sondern es sind strengigkeiten, um den zustand des Brahm zu erreichen Hegel
w. (1832) 11, 315.
im übergang zu bedeutung 6 ('
severitas'): so wolt er mit irem grossen guott ein andere nemen vnd hielt sy in grosser strengkeyt vnd was ir gar hertt
d. heiligen leben i. d. winterteil (1471) 133
a. 22)
tapferkeit, tüchtigkeit, tatkraft (
zu streng I A 2): ir küenen ritter und streiter in dem dienst gottes, wisst oder gelaubt ir nicht, das der sig nicht allzeit ist in der gröss der menig, sunder in der strenglichait der ritterschaft (15.
jh.) Ulrich Füetrer
bayer. chron. 110
Spiller; hiezwischen gebraucht Galaor all sein vermügen ... vnd stritt mit solcher strengigkeit
Amadis 1, 274
lit. ver.; ritterlicher strengicheit intghein ire viande (
Köln 1499)
städtechron. 13, 588; dann on schmeycheln vnd liebkossen zu reden, bist du der zu diszer zeyt, do yederman bedaücht teütscher adel hette etzwas an strengkeit der gemüten abgenommen, dich der massen erzöigt vnnd bewiszen hast, das man sehen mag, teütsch blut noch nit versygen Hutten
an Franz v. Sickingen in: opera 1, 449
Böcking. dann er was ein mann grosser strengheit, und in kriegen hoch erfahren Megiser
annales Carinthiae (1612) 1165. 33)
die anredeform euer strengheit
für (
ritterliche)
standespersonen entspricht den anwendungen des adjektivs streng I A 3
und der bildung euer streng(en)
unter 1strenge A 3: herr, ewer strengheit soll auf sein, es ist zeit, dasz wir vor nacht gen Rostal kumen (
Nürnberg 1488)
städtechron. 3, 149; darumb herr richter gebrt vwer strengkeit, das ir allein nach den worten diser schrifft vrteilend Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) d 5
a; ist hieruff an ewer strengkait und erberkait unser gar dienstlich bitt (1525)
qu. z. gesch. d. bauernkriegs aus Rothenburg 512
Baumann; hierumm bitt ich ewer strengheit, mich des gegen meim gnädigen herrn zu entschuldigen A. Hug
rhetorica (1540) 45
a; eur chur- und
f. gn., erwird, strenghait und gunsten (
Augsburg 1555)
städtechron. 32, 285; deiner adelichen strengheit wöllen wir bittlich befolhen haben
Z. Müntzer
bepstl. gesch. (1566) 337; als bitte ich e. strengigkeiten gantz unterthänigst
polit. grillenfänger (1682) 74;
titulus nobilium est strengigkeit, gestrengigkeit und gestrengde Stieler
stammb. (1691) 2189; oberster Amstein, ihr strengheit grosz, die ehr stellt auf ein seiten
schweizer. volkslieder 2, 127
Tobler; ich bitte ew. strengigkeit
te, vir strenue, rogo Weber
lex. (1770) 674
b. 44)
seltener schlieszt sich strengigkeit
anderen mhd. und frühnhd. verwendungen des adjektivs an. 4@aa)
bitternis, härte, beschwernis (
zu streng II A 1): mit des tôdes strengekeit
in: frühlingsgabe (1839) 109, 284
Karajan. hierher auch im übergang zu bedeutung 1: swaz denne sweres, mliches und unmugeliches waz, daz wirt alles lihte und sze: vasten, wachen, betten, liden und ellú strenkeit wirt genzklich vernihtet in der gegenwurtikeit Seuse
dt. schr. 233
Bihlm. 4@bb)
härte der kälte, des winters (
zu streng II D 5): des selben jores von strangheit des winters erfrurent ouch die reben und die boume gar schedeliche (
Straszburg ca. 1400)
städtechron. 9, 865 (
variante); wider der kälte strengigkeit die ställe wohl verwahren Hohberg
georg. cur. 3, 2 (1715) 244; des winters, unter dessen strengigkeit meine schwache natur bald erlegen wäre (1805) Schiller
br. 7, 222
Jonas. 4@cc)
herbheit, schärfe, säure des geschmacks (
zu streng II D 6):
acrimonia est austeritas strengheit Diefenbach
mlat.-hochdt.-böhm. wb. 10; Avicenna spricht das in zwibelen sin dri ding, ein scherffe die schnidet, eine bitterkeit die wermet, und ein strengekeit die durchdringet
Petrus de Crescentiis de agricolatione (1500) 141
b; den unreiffen früchten wird durchs kochen die strengigkeit genugsam benommen Ludwig
t.-engl. (1716) 1897;
austerität die herbe, säure, strengheit Sperander (1727) 60
a. 4@dd)
vereinzelt noch in weiteren ableitungen. '
unnachgiebigkeit' (
vgl.streng III A): du hoher baum beug dein zweiger, las los die gspannen glieder, las dein anfenglich strengigkeit miltern jetzt zu dieser zeit (16.
jh.)
d. ältesten kath. gesangbücher 1, 427
Kehrein. '
steilheit' (
vgl. Crecelius
oberhess. wb. 816
unter streng II A 2 a
und Friedli
Bärndütsch 3, 549
unter streng II B 2): das an den zöllen von dem Lueg und Passeyr mit vier rossen ain fueder wein Botner mass zu tragen durch strenghait des Jausenpergs und irer ross unvermiglichait nicht genug thun mochten (1620)
österr. weist. 5, 92. —
von der sogenannten '
härte'
des wassers: dem wasser durch sieden die strengigkeit benehmen Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
a. —
in einer zu bedeutung 6
überleitenden auffassung die herbheit des persönlichen wesens, verglichen mit stofflicher bitternis (
s.c): wann der leib mit speisz wol angefüllet und befeuchtet, die natürliche trawrigkeit hinweg treibe und die rauhe unmildigkeit und strengheit milderte Lehmann
floril. polit. (1662) 4, 120. 55) '
rauheit, grimmigkeit, wildheit' (
vgl.streng I B
und III A); strengheit, hertigkeit, grymheit
rigor, rigiditas voc. theut. (
Nürnberg 1482) ff 4
b;
severitas grimigheit, gruwelicheit, strengikeit;
seuitia, crudelitas strengheit
gemma gemm. (1508) z 5
b; strengigkeyt
vehementia Dasypodius
dict. (1536) 433
c: so seyt ir mender (
männer) grob und rüdisch, wild, partet, trutzig, sawer und ghrüdisch. die strengheit sicht euch ausz den augen (1534) Hans Sachs 4, 21
lit. ver.; wan durch derselbigen blinden begird und strengheit, begibt sich das die armen von den gewaltigen ... under getruckt werden Pantaleon
mitnächtische völckeren hist. (1562) 1, 197; und sagte jhm, die gantze welt halte seine erschröckliche strengheit ... für eine wilde barbarische grausambkeit Boccalius
probierstein (1616) 99; wenn aber bei dem andern der wille mir zu schaden grösser ist, als der wille mir guts zu thun, so ist es eigentlich keine autorität, sondern eine grosse strengigkeit, die wenig von der tyrannei oder grausamkeit verschieden ist Thomasius
allerh. gem. philos. u. jurist. händel (1725) 3, 718; hier war kein mittel nicht, sich anders lufft zu schaffen, ... denn durch die strengigkeit der kayserlichen waffen Besser
schr. (1732) 1, 209; sie sangen einen held, der vor die rohen sitten und wilde strengigkeit der vörderwelt gestritten Bodmer
character d. teutschen ged. 12, 4
lit.-denkm. von der wildheit der bienen: vnter diesen seind ... etliche, die so nutz inn den bienkorb als jrgent andere seind vmb jhrer strengheit willen, dieweil sie sehr scharffe angel haben (
deren stich tödlich wirkt) Fischart
binenkorb (1588) 262
b. 66)
seinen weitesten anwendungsbereich findet strengigkeit
in der bedeutung '
severitas',
mit der es jedoch (
im gegensatz zu strenge,
s. d.)
zumeist an die älteren auffassungen von streng '
severus'
anknüpft (
vgl. d. III A);
es bezeichnet daher vornehmlich eine (
aus einer machtstellung heraus geübte)
durch billigkeitserwägungen nicht gemilderte härte, rauheit und unerbittlichkeit, als deren ausdrücklicher gegensatz die begriffe der milde, barmherzigkeit, güte usw. erscheinen: alle gerechtikeit sol sein mit parmhertzigkeit und weiszheit; parmhertzigkeit die da nachlasz die strengkeit (
misericordia ad remittendam rigiditatem), weiszheit das doch gehalten werd die billicheit
puch d. himl. offenb. d. hl. wittiben Birgitta (1502) 2, 2; vnnd wer besser, sie als nachbawern mit gütigkeyt zuo überwinden dann mit strengigkeyt in forcht vnderhalten Carbach
Livius (1551) 29
b; erzeig in alle freuntlikeit paide mit worten und mit
dat. darmit erheltzt dus frw und spat vil mer, den durch die strengikeit (1552) Hans Sachs 22, 546
lit. ver.; gleicher massen aber, wie in gott die barmhertzigkeit vbertrifft die strengigkeit Rätel
Curäi chron. (1607) 571; gott, du hast ... mir viel knechte vnd mägde zu regieren vndergeben. gib mir auch zu bedencken, was meines ambts ... seye gegen sie, damit ich mich nit versündige, entweders durch allzuviel grosse gelindigkeit ..., noch aber vergreiffe durch zu viel harte strengigkeit (1643) Moscherosch
insomnis cura parentum 89
ndr.; man ... zwischen zweyen gefährlichen extremis hindurch segele, deren das eine heisst unzeitige barmhertzigkeit, das ander tyrannische strengheit Dannhawer
catech.-milch (1657) 3, 149; die wahre gerechtigkeit nimbt zwischen der strengheit und gelindigkeit die mittelstelle ein Francisci
alleredelste rache (1668) 116; den hass kan man von sich lehnen, wenn man die angefangene strengigkeit in eine schleunige gnade und güte verwandelt Ziegler
asiat. Banise (1689) 433; so wie die strengigkeit hat auch die güte schranken J. E. Schlegel
w. (1761) 1, 280; die allzugrosse strengigkeiten miltern, mässigen
mitigare, moderare il troppo rigore Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
a. 6@aa)
besonders von der regierungsweise: in ansehung das ir majestat mer zu barmherzigkeit, dann zu strengkait ... genaigt
Zimmer. chron. 2, 89
Barack; also summa summarum soll die weltlich gewalt zürnen eüsserlich und den sünden weren, innerlych aber soll sy ain feyn linde sänfften christlichen lieplychen muot tragen, über das soll sy weysz unnd kluog seyn, auff das sy wysze die strengikeit zuo messygen und hinderen, nach dem es billich und recht ist (1522) Luther 10, 3, 256
W.; nam die reformirte religion wider alles verbott und strengigkeit uberhand Kepler
opera omnia (1858) 8, 1, 12
Frisch; denjenigen, die jhn (
Rudolf I.) fragten, warumb er sich also verendert hette und nuhn gegen den vnderthanen viel gelinder were, als im anfang seiner regierung, gab er zur antwort: meiner strengigkeit hat mich je zuweilen gerewet, meiner gütigkeit aber nie nicht Zinkgref
apophthegmata (1628) 43; Eduard bischof in Sitten war vertriben von der landschaft gar seine strengheit ir nicht gefällt
hist. volkslieder 1, 152
Liliencron; mit der tapfferkeit ist es allein nicht ausgerichtet ..., sondern es hafftet an den verstand zu befehlen, ... an der gelindigkeit und strengigkeit, die unterhabenden in gehorsam zu erhalten Harsdörffer
teutscher secretar. (1656) 2, 179; dann aber wird diese (
hoheit eines regenten) wol bewahret, wann sie liebe ausz nicht allzugrosser willfährigkeit, und keine tyranney ausz allzugrosser strengigkeit zielet Schupp
schr. (1663) 556; dein süsses herrschen weis von keiner strengigkeit Neukirch
ged. (1744) 193; schreib, wie ihr geist den fürstenstab regieret, und ein verwaysztes volk zum flor und ruhe führet. wie sie den unterthan durch huld und ernst geschützt, und durch ihr beyspiel mehr, als strengigkeit genützt Gottschedin
br. 2, 341
Runkel. 6@bb)
die härte des gesetzes: es mochten auch keine richter die strengheit solcher placaten milteren Meteren
hist. beschr. d. niderl. krieges (1614) 23
b; wir ... schreyen über die strengigkeit unserer gesetze Iselin
verm. schr. (1770) 2, 386.
besonders in der wendung nach der strengigkeit (des rechts) strafen (
o. ä.) '
mit der vollen (
ungemilderten)
härte des gesetzes' (
vgl.strenges recht
unter streng III A 1 b): mit der strengkait zu strafen (1525)
qu. z. gesch. d. bauernkrieges aus Rothenburg 476
Baumann; und wird gleichwol dise letztere straff, mehr aus mitleiden, dann aus strengheit des rechten auffgelegt Carlstat
praxis rer. criminalium (1565) 195
c; zur anzeigung, dass sie die oberkeit nicht straffe nach der strengkeit dess rechtens, ... sondern dass sie gegen jr geübt die höchste gnade Nigrinus
von zäuberern (1592) 421; wolt gott, dasz auch zu vnser zeit, man straffte mit der strengigkeit manchen vnrechten richter, der das recht thut biegen hin und her
ein dialogus zw. dem geld u. d. armut (1596) B 2
a; nach der strengigkeit verfahren
proceder, operar secondo il rigore Castelli
dizz. (1709) 1493
a. 6@cc)
von gott und dem gericht gottes in seiner unerbittlichkeit: so wend nuon ab von meinem hals dein schwere plag: mein hærtz mir ist mAechtlos, fulend deiner hand strenghait gros (1572) Schede-Melissus
psalmenübers. 151
ndr.; der dem herrn vnterthan vnd gehorsam ist, dess strengigkeit niemandt widerstehen mag
buch d. liebe (1587) 143
a; die strengigkeit des jüngsten gerichts Schaller
theol. heroldt (1604) 277; ach gnad! ach gnad! o gott! die marter, schläg vnd wunden hat deine strengigkeit noch nie so scharff erfunden Dietrich v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) A 4
b; die strengigkeit seines letzten gerichts, in welchem er seine feinde in seinem feurigen grimm zertretten wird
Endtersche bibel (1662)
zu Daniel 10, 6; da gott der herr die seele sättigen, erfreuen und beruhigen wolte, hat er nicht in strengigkeit und zorn mit ihr gehandelt Richter
ursprung u. adel d. seele (1739) 81; (
sie) beweinen insgeheim des schicksals strengigkeit Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 68. 6@dd)
für die härte der erziehung: nun, habe ich was versehen, liebster Jhesu, an meiner geführten kinderzucht, entweder aus nachlässigkeit und lindigkeit, oder aus allzugrosser schärffe und strengigkeit, so verzeihe mir es Qvirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 722; allein ich weisz schon die wahrhafte ursache deiner strengigkeit gegen dein wohlgerathenes kind
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 245
Gottsched. 6@ee)
gelegentlich für die zuchtvolle härte des militärischen dienstes: ordnung und strengigkeit der disciplin Fleming
vollk. soldat (1726) 260; zu der strengheit ... wollt einer ja nichts sagen, ein ernst musz sein beim militär Rosegger
schr. (1895) I 13, 331. 77)
weit geringer bezeugt sind verwendungen, in denen sich das wort dem gebrauch von 1strenge C
nähert. '
entschiedene, auf die innehaltung von verhaltensregeln dringende härte oder festigkeit': dann der alcoran gebeut mit grosser strengigkeit, das man zum tag fünff mal betten sol S. Münster
cosmogr. (1550) 1077; dise underwanden sich des kindts mit sonderem fleisz und namen solches zue sich, erzogen es mit ernst und strengkhait nach irem vermögen (17.
jh.)
chron. d. Bickenklosters zu Villingen 13
lit. ver.; so trieb ihn ... seine angebohrne bescheidenheit ... mit eifriger strengigkeit darzu an, dasz er ... auf dem fusze folgete Zesen
rosenmând (1651) 127; welche jungfer ... sich hauptsächlich angelegen sein liesz, mir die wahre abbildung der tugend einzuprägen, ohne sich gleichwohl dabei einer allzugrossen strengigkeit gegen mich zu bedienen Wendt
ein roman (1730) 3.
von der tugend und der in der lebensführung gewahrten haltung: der Rolim, welcher sonst der strengigkeit exempel, der tugend beyspiel ist (1743)
dt. schaubühne 4 (1748) 397
Gottsched; sie lehrten die tugenden mit einer solchen strengigkeit und härte, als die Epicurer sie leutselig und angenehm machten Loen
d. einzige wahre religion (1750) 1, 202; bey groszen herzen geht die tugend oft zu weit, sie will erhaben seyn, und wird zur strengigkeit Cronegk
schr. (1761) 1, 211; die strengigkeit, womit ich mein ganzes wesen habe zusammenziehen müssen, um meine arbeit hervorzubringen, hat manches nicht rechte veranlaszt in worten gegen euch Runge
hinterl. schr. (1840) 2, 229.
im sinne von streng III B 7: ob die republikanische strengigkeit sie (
d. schauspiele) dulden kann?
anmuth. gelehrsamk. (1751) 9, 830
Gottsched. belege der modernen sprache bleiben sowohl hinsichtlich ihres vorkommens als auch in ihrem inhalt vereinzelt; im sinne von streng III C 3
und 1strenge C 2 c, '
entschiedenheit, konsequenz': die schönheit ... verknüpft zwey zustände miteinander, die einander entgegengesetzt sind, und niemals eins werden können. von dieser entgegensetzung müssen wir ausgehen; wir müssen sie in ihrer ganzen reinheit und strengigkeit auffassen und anerkennen Schiller 10, 336
G. zu streng III D 1 d '
straffheit': da ohnehin die losgebundenheit der prose dem romane eine gewisse strengigkeit der form nöthig und heilsam macht Jean Paul
s. w. (1826) 42, 119
Reimer.