gewehren,
verb. ,
verstärktes wehren (
s. d.),
vgl. mhd. wb. 3, 515
b. Lexer 1, 988 (
die bei Graff 1, 926
angeführten beispiele sind unsicher).
es ergeben sich entgegengesetzte bedeutungen, je nachdem im object dasjenige erfaszt ist, was bei der gegenwehr beschützt, oder das, was zurückgestoszen wird. 11) gewehren = vertheidigen. 1@aa)
die verbindung mit einem persönlichen object ist hier auf die reflexivconstruction beschränkt: ich gewer mich nimmer mêre der edeln minne dîn, wand ich hân wol erfunden, daʒ du kanst frowen meister sî
n. Nibelungen 103, 1
Zarncke (
nach C;
in A: ich were mich); und stuont als ein erslagen man, der sich nicht mê gewern kan. Stricker
Karl 12062; mîn muot der stêt ze solher wîs daʒ ich mîn guot vil wol verzer, unt mich des vil gar gewer des mich über werden sol.
pfaffe Amis 74
Lambel; de Romere gewunnen do michele ere; an der erde noch an mere ne mochte sic in nieman geweren.
sächs. weltchronik 81, 3; die flöch die beissen dich, besonder in den clöstern, so mst du in den klaidern ligen, so kanst du dich nit gewören, der rock ist oben zu. Geiler v. Keisersberg
has im pfeffer d 2
a. 1@bb)
die selteneren fälle des sächlichen objectes: unt ze bêder sît erzeigten die helde dar unde, wer getorste und kunde lîp und êre aldâ gewern. Wolfram
Willehalm 365, 19.
ganz ähnlich auch Heinrich v. Neustadt 3556,
vgl. das register bei Strobl;
fraglich ist ob hierher gehört: wenn einer eine mauer auffüret und geweret sie mit dem filzhute, und felt alsbalde wider ein, solchen meurer begeret niemand mehr. Mathesius
Syrach 2, 138.
vgl. auch gewähren 2,
sp. 4820. 22) gewehren = abwehren, verwehren. 2@aa)
wenig belegt ist die verbindung mit persönlichem object: nû kom ouch ein geselle ... daʒ ich im immer dienstlich werde funden, der helf daʒ ich die hunde dô ernerte. muot erloeset fröuden, wie kûm er einen wolf von im gewerte. H. v. Laber
die jagd 362. 2@bb)
mit sächlichem objecte. 2@b@aα)
weniger entwickelt ist hier die positive verwendung: ab ... der erbvoit di erbvoiteie vormitte unde wolde alle reht thun glich eime eingesessin burger ... ab di stat unde gemeinde im das geweren mochte.
Magdeburger fragen 1, 2, 7
Behrend. ebendort ist das verbum namentlich als variante für geweigern
belegt, vgl. 1, 5, 1; gewäret
enim est praestitus ... gewehret
autem prohibitus. Stieler 2415,
ebenso auch Bayer 291
c. 2@b@bβ)
die negative verwendung: si zôch eʒ von der scheiden: daʒ enkunder niht gewern.
Nibelungen 362, 4
Zarncke (
nach C;
in A: daʒ kunde et niht erwern); he sulle keinen haben umme di teidinc in deme dinge, sin widersache wolle is im denne gunnen; unde gan is im der, so mac is im der richter nicht geweren.
Freiberger stadtrecht 31, 4 (
variante erweren noch gehindern); so mag der burgir der den hof vorkoufte, also slechterlich di wassirseige nicht geweren.
das alte kulmische recht 5, 8
Leman; an dem freitag ... sein sie (
die frauen in chönig Soldans landt) ... frei und haben iren mutwillen mitt mannen oder mit andern dingen; wesz sie dann lust des mögen in ir mann noch nimantz geweren, wann es also gewonhaitt ist. Schiltberger
reisebuch 67
Langmantel; dis möhte der bobest Innocensius nüt geweren weder mit bittende noch mit trowende noch mit kriegende.
d. städtechron. 8, 438 (
Straszburg); und da sie sahen, dasz sie nit geweren mochten, da lautten sie die gloggen über ain rat und über die, die darzu halfen. 5, 103 (
Augsburg); weisze leutte sehen zu, und die weil sie sich bedencken, so nimpt der mutwil uberhand, das man denn nicht mehr geweren mag. Eberlin v. Günzburg (
wie sich ein diener ... halten soll) 3, 209
neudr. vgl. auch: er hat zu mir gesand um meine weiber und kinder, silber und gold, und ich hab jm des nicht geweret. Luther 1
kön. 20, 9 (nüts geweert
Froschauer; ich hab jm des nichts geweigert
Straszburger bibel).