kuckuk,
kukuk,
cuculus, κόκκυξ. II.
Name und formen. I@11, I@1@aa)
wir haben für den merkwürdigen vogel in der hauptsache zwei namen, einen der jetzt theils überhaupt theils in der eigentlichen bed. ausgelebt hat und uns fast nur auf gelehrtem wege bekannt wird: gauch,
mhd. gouch;
und einen, der frisch bleibt, in jedem neuen frühjahr sich neu auffrischt, weil er sich an den ruf des vogels anschlieszt: kuckuk.
Auch gouch
musz ja von diesem rufe entsprungen sein, ist aber, losgelöst von seinem ursprunge, schon vorgeschichtlich in die bewegung der sprachentwicklung hineingezogen worden, sodasz es zwar den lautstoff des vogelrufes noch enthält, aber eingekleidet nach unsern sprachgesetzen: nd. gôk
Redent. spiel 647,
Theoph. forts. s. 88 (
freilich nur noch für narr),
ags. geác,
altn. gaukr,
altengl. geke,
noch nordengl. gawk,
schwed. gök,
dän. gjög,
norw. gauk
kuckuk —
man sieht, da bewegen sich consonant und vocal wie in jedem andern worte, das von seinem gehalt gelöst ein leben für sich begann. Dem gegenüber ist kukuk
wie starr, leblos, d. h. wie ein kinderwort, wie eine noch gliederlose schöpfung der ersten stufe, weniger wort als noch bloszer wortstoff, nicht deutsch, nicht indogermanisch, sondern menschlich überhaupt. und doch erscheint es als das neuere (
aber alt genug, s. 2,
a),
jenes ist das ältere wort, das von dem kinderworte verdrängt wurde. es ist, wie wenn die ente wirklich quakquak
genannt würde, wie sie in einem ged. d. 15.
jh. sagt: ich bin die ent und heisz quacquak.
Germ. 6, 103. I@1@bb) kukuk
sucht, wie es eben kinder machen, den ruf des vogels wiederzugeben, wie z. b. muh
in kindermunde das brüllen der kuh, kra,
oder kra kra
das geschrei des raben, der krähe (
sp. 1908): indem liesz sich der kukuk lustig hören ... die knaben lachten laut, und machten ihm zu ehren das schöne kukuk zehnmal nach. Gellert
fab. 1751 2, 143.
[] ebenso im 17.
jh. und früher: desselben gesang kukkuk oder guk guk.
eselkönig 219, Wack.
leseb. 3
1, 609; derselbe fieng mit heller stimme an zurufen ... wol zwölfmahl auf einander kuk kuk kuk kuk
etc. das. 223 (612); der kukuk drauf anfing geschwind kukuk! sein gsang durch terz quart quint.
leseb. 2, 175.
schon bei Megenberg: cuculus haiʒt ain cukuk oder ain gauch ... er singt neur cukuk cukuk, dar umb spottent sein diu kint. 178, 10; sam der gauch singt guck guck. 228, 8.
im Helbl. 8, 1234 kukuc,
in einem ged. d. 15.
jh. gueggugk (
im reime auf genueg)
Germ. 6, 88.
Die zweimalige wiederholung ist übrigens nur eine art abkürzung für eine öftere (
wie auch z. b. lat. quamquam, quisquis
u. a.),
wie sie im eselkönig und sonst erscheint: und lacht vom baume kukukuk! Voss 1825 4, 47. I@1@cc, I@1@c@aα)
auch als kuku
wird der ruf aufgefaszt: du prophetscher vogel du, blüthensänger, o coucou! .... immer mehr coucou, coucou. Göthe 1, 124,
am ende cou cou cou u.
s. w. mit grazie in infinitum.
er hätte dafür nicht zur franz. form zu greifen gebraucht: kuku! kuku! kuku! Arndt
ged. (1860) 56; der kuckuch bracht auch sein kuckhu (: dazu).
froschm. II, 4, 2, Hh 6
a; der kukuk manchen sehr erschreckt mit seinem ku ku ku.
geistl. vogelges., Wackern.
voc. anim.2 123,
var. der gukuck
und gu gu gu.
schon beim Wolkensteiner 41, 11 cucu.
elsäss. der güggück rueft güggü. Stöber
volksb. 1, 69,
schweiz. guggu Rochholz
kind. 78,
in Gottschee kuckú Schröer 148. I@1@c@bβ)
zu bemerken ist, dasz da in kuckuch
und kuckhu, kukuk
und ku ku ku
der name und der ruf doch wieder sich trennen, d. h. auch kukuk
hat wieder schon den weg betreten, den gouch
gieng, wird aber nicht viel weiter kommen. vgl. bes. 2,
c. I@1@c@gγ)
aber wirklich findet sich auch vom vogel selber kuku Dief.
nov. gl. 122
b,
aus einem alem. und einem tirol. voc. 15.
jh., gugku Dief. 161
a aus Pinicianus voc. rer. Augsb. 1521, guckgu H. Sachs 3, 2, 67
d. bald schryen sie (
die fasnachtsnarren) wie die gugu. Conlin 5, 509;
bair. gúgku Schm. 2, 26,
kärnt. guggu Lexer 126,
bair. kuckú
s. II, 4.
ebenso engl. cuckoo, cuckow,
vielleicht franz.; schwed. auch gucku, kucku. I@1@dd)
ein blick auf die auszergerm. formen. franz. coucou,
ital. cucco
der vogel neben coccolo, cucuglio, cucúlo,
span. cucú
der ruf, der vogel cuclillo
neben cuco,
portug. cuco,
s. Diez 1
2, 148;
die einfachen formen stellen sich näher zu unserm kukuk,
die andern führen das lat. cuculus,
später cúculus,
fort, dem aber vielleicht volksm. cucus
zur seite gieng, das mlat. früh erscheint, wie mittelgr. κοῦκκος (Wack.
voc. an. 40),
neugr. κοῦκο Grimm
myth. 1222.
altgriech. κόκκυξ (
der ruf κόκκυ),
skr. kôkila.
Auch kelt., z. b. kymr. côg,
gael. cuach,
und slav., z. b. poln. kukawka,
serb. kukava,
altsl. kukavica.
litt. und lett. heiszt das rufen des vogels kukuoti
und kukkuot
oder gugguot,
der vogel aber geguźẽ
f. und dsegguse,
ehstn. der vogel käggo,
das rufen aber kukma,
worin denn gleichfalls die beiden strömungen erscheinen wie in unserm gauch
und kukuk. I@1@ee)
bei dem nebeneinandergehen unserer beiden namen konnten vermittelungsversuche nicht ausbleiben. so deutlich in kukengaukch
cuculus Dief.
nov. gl. 122
b,
schwäb. guggengauch (
s. II, 1,
a), gukkigau, gukkigauch Schmid 248. 249, Meier
sagen u. s. w. aus Schwaben 448,
ebenso in dem häufigeren guckgauch, guggouch Dief. 161
a, gukauch Beheim
Wiener 49, 29,
pl. guckgäuch Dasyp. 146
b;
s. auch 2,
c, α und β zuletzt. ja in guckuck
selber kann an dem g-
diesz suchen der mitte antheil haben, es ist für sich aufzustellen. I@22)
Kukuk, alter, heimat, formen. I@2@aa)
alter und heimat. I@2@a@aα)
es erscheint uns zuerst auf md. boden, in den gl. D des Junius, die noch der ahd. zeit und dem Mittelrhein angehören: cuculus, cuccuc. Nyerup
symb. 267,
zweimal wiederholtes kuk (
vgl. 3,
a).
aus schles. quellen d. 15.
jh. kukuk, kukug
fundgr. 1, 374
b, cuckuk
Bresl. voc. 15.
jh.; aus einem md. voc. d. 15.
jh., das dem westen angehören wird, bei Dief. 161
a,
in einem leonin. hexameter: rustice cuk, quis te tulit huc? stas hic quasi kukuc,
also kúkuc,
übrigens corr. aus cocok (
vgl. u. β);
doch ebend. aus mrh. vocc. neben kuguk
auch ein guc guc, gug gug
u. ä. (
s. 3,
a);
md. cucugk
Freid.2 143, 17
var. noch jetzt ist kukuk
das md. wort, genaueres u. c, α.
[] I@2@a@bβ)
ebenso nd. 15.
jh. kuckuc, kukuck Dief. 161
a, kuckuck
hor. belg. 7, 29
b: de kuckuk singet al (
immer) sinen sank. Tunnicius
nr. 1323;
nnd. kukuk
brem. wb. u. a. auch nrh. kuckuck
coccix Dief. 129
a (
Cölner gemma), 14.
jh. kukux
gen. Freid.2 84, 2
var.; nnl. koekoek,
in der nl. gemma kuckuc Dief.
n. gl. 122
b,
bei Junius, Kil.
aber kockock, Binnaert cokok,
wie u. α wol rhein. cocok (
eigen auch gugger, gucker Kil.,
wie oberd.).
mit dem nd. nl. aber bricht nach norden die form ab, nur dasz dän. neben gjög
auch kuk
und kukker
bestehen, schwed. neben gök
auch kucku (1,
c, γ),
die zu kukuk
gleichsam den ansatz enthalten. I@2@a@gγ)
fraglich aber ist es im oberd. die mundartl. wbb. von heute geben wesentlich gugger, gügger, gucker,
daneben nur ansätze zu kukuk
wie bair. gucku
u. ä. (
s. 1,
c, γ),
schwäb. guckigauch (1,
e).
auch die oberd. wbb. kennen lange kein kukuk,
die Straszb. gemma, Golius
c. 82
haben nur guckgauch, Dasyp., Maaler
nur guggauch, gugger,
noch im 17.
jh. Schönsl.
nur guggauch,
ja noch im 18. Denzler
nur wie Maaler,
während in md. wbb., wie im voc. opt. Lpz. 1501 H ij
a. F 5
a nur kuckuck
cuculus, cocix geboten wird, bei Trochus H 4
a nur kuckug.
eine vereinigung der formen versuchen solche, die zwischen oder über den groszen sprachgruppen stehn, z. b. Junius
nom. 45
a 'guggauch, kuckuch (
s. c, β), gucker, guckuser',
Apherd. tir. 1581 147 'ein kuckkuch, guggauch',
vgl. schon im voc. th. 1482 gauch,
gugulus, gutzgauch oder guggug k iij
a.
danach wäre die lage klar, und und fälle wie folg. könnten nur als ausnahmen gelten, durch einflusz vom md. her zu erklären, z. b. in einem schwäb. kinderspruche aus Pfullingen: wir gehen um das kukukshaus, der kukuk kuckt zum fenster naus
u. s. w. E. Meier
kinderreime aus Schw. nr. 369;
s. auch els. güggück
u. 1,
c, α, Fromm. 2, 505 (
neben gügger).
wie sonst ruf und name oberd. noch auseinanderstehn, zeigt z. b. ein schwäb. '
rätsel': der gugger schreit nicht vor Jacobe. 'nein, er schreit kukuk'. Birl.
Augsb. wb. 207
a. I@2@a@dδ)
aber die ausnahmen sind älter. Megenberg
handelt s. 178
vom cukuk
nach der überschr., im texte vom cukuk oder gauch (
s. die stelle I, 1,
b);
im weitern verlauf des cap. braucht er jedoch nur gauch,
und da er zwar bair. schrieb, aber wahrsch. ein Franke war vom mittlern Main (Pfeiffer
s. xvii),
mag cukuk
seine heimische form sein. auch das ged. d. 15.
jh. Germ. 6, 103,
das kukuk
bietet, scheint fränkisch (
s. dazu küchlein II, 1,
b),
vgl. im Nürnb. voc. 1482 guggug
vorhin und Hugos v. Trimberg guckuken
unter kuckuken.
Schon im 13.
jh. bei Reinmar von Zweter in dem
spr. 156
zweimal gucguc
MS. 2, 132
a,
einmal vorher gucgouch,
aber nur in der alem. hs. C, die nicht alem. D hat auch da gucguc Haupt 3, 337 (
das vierte mal, wo es in die anwendung auf den menschen übergeht, gouch),
sodasz der alem. schreiber vom zweiten male an die überlieferung geschont hat. Reinmar war vom Rhein. auch die hs. B Freid.2 s. 259,
die guggug
hat, scheint rheinisch (
vgl. die var. 5, 24. 7, 6, unsen
s. 260). I@2@a@eε)
jeder berührung mit md. oder mrh. einflusse entrückt erscheint jedoch österr. kukuk
im Helbling 2, 484. 4, 800. 8, 1234 (
hier im reim auf tuc),
aber nur als ruf, ausruf; das k-
kann sich stützen auf das tirol. kuku
d. 15.
jh. 1,
c, γ und kuckú
in Gottschee 1,
c, α.
also war der stoff zu dem neuen namen des vogels über den ganzen germ. bereich verbreitet und ansätze dazu finden sich überall; aber zum vollen kukuk
als herschendem namen kam es nur im nd. und md. gebiete, von wo es südlich weiter wirkte und die nhd. schriftsprache bestimmte. dafür trat dort gauch
am frühesten zurück, das doch im germ. norden noch lebt, neben der kuk-
form (1,
a. 2,
a, β),
wie es im süden sich am längsten hielt; es gieng in gauch
als thor unter, vgl. schon Marner
u. δ. I@2@bb)
nhd. kukuk, in ziemlich verschiedener schreibung. I@2@b@aα) kuckuk,
das der ältesten aufzeichnung cuccuc
entspricht (
a, α,
vgl. nd. u. a, β): und dis solt ihr schewen unter den vogeln, das irs nicht esset ... die nachteule, den kuckuc, den sperber. Luther
3 Mos. 11, 16.
5 Mos. 14, 14. kuckug Trochus H 4
a. kukkuk Schottel 1143
a. 1352, kukkuk oder gauch
eselkönig, Wack.
les. 3
1, 608,
beide namen vereinigt, aber der erste ist im verlauf der herschende. kuckuk Frisch, Bürger
u. a., s. unter II,
vgl.kugguk Dief. 161
a. I@2@b@bβ)
daneben am häufigsten kukuk,
wie schon im 15. 16.
jh. nebst kukug (
a, α), cukuk Megenberg (1,
b): wie der kukuc mit der grasemücken spielet. Luther 3, 56
b,
s. II, 1,
c; nu ligt dem Luther an dem dunkel des königs eben so viel als an dem dunkel des kukugs.
ders., s. u. dünkel 1 (
vgl.kuckug
u. α);
[] kukug
auch Ringw.
u. II, 1,
a. kukuk
z. b. Gellert,
s. 1,
b, Schiller,
s. II, 3,
d, Voss
Luise 1795 1, 504,
ged. 1825 4, 47, Hermes
Soph. r. 3, 54,
letztere aber weil sie ck
überhaupt entfernten (
s. sp. 5); uhu und kukuk Rückert
poet. w. 2, 204. I@2@b@gγ)
aber auch kuckuck,
wie nd. Chytr.
Hamb. 1594
sp. 332. Zarnckes
Brant 370
b und nrh. (
a, β): der kuckuck ist zu tod gefallen von einer holen weiden
u. s. w. (Uhland
nr. 153). Luther 8, 237
a.
ferner kukuck Luther 2, 82
a, Mathesius (
s. II, 2,
a), Claudius 5, 6. 7,
und kuckkuck Aler 1249
b,
vgl. u. 3,
a. auch kugkuk,
s. u.kucken 2
vom kukuk (
neben gugkuk). I@2@cc)
aber auch wirkliche nebenformen. I@2@c@aα)
die md. aussprache, wenigstens in Thüringen, Sachsen, ist kúckûk,
und wie die kuckug, kukug
u. a, β. II, 3,
a mit ihrem -g
das meinen könnten, so erscheint schon im 15.
jh. klar 'kukuck
vel kukuuck' Dief. 161
a in einem voc. der zwischen nd. und nrh. schwankt. dem entspricht denn rein nrh. kuckuyck
das. aus der Cölner gemma, und die länge selbst auf das erste kuk
erstreckt cuyckuyck
cuculus, tuchus Teuth. 62
a, kuyckuyck Harff 16, 4 (
vgl. nordfries. kuuküütj Haupt 8, 353).
das ist denn ein ansatz zu der vocalbewegung, in die das alte gouch
geraten war, s. 1,
a; wie nähern sich diesz kúckûk
und das oberd. guckauch (1,
e). I@2@c@bβ)
auch im consonanten zeigt kukuk
den ansatz der bewegung von gouch,
im auslaute: kuckuch Junius 45
a u. a, γ,
froschmeuseler Hh 6
a (
s. 1,
c, α)
u. ö., z. b. des kuckuchs weis T iiij
a (Gödeke
d. d. 1, 118
b); aber doch bleibt solcher junger kuckuch nit bei ihr (
seiner ausbrüterin). Albertinus
schaupl. 511,
vorher und nachher nur kuckuck,
es ist ein Baier (
er hat auch guguck
narrenh. 95).
ebenso vom rufe im Helbling 4, 800
in der hs. kukuch
und bei Megenberg 228, 8
in B, 14.
jahrh. Darin und in guckoch (: joch)
lieders. 2, 385, Dief. 161
a reichen kukuk
und guckauch
sich die hand, vergl. u. a, γ beide nebeneinander bei Junius,
Apherd. I@2@c@gγ)
endlich auch mit auslautwandel (
sp. 6):
einmal guckuf Kehrein
Nassau 1, 177.
dann nd. cuckut Dief.
n. gl. 122
b,
gen. cuckutz
Freid.2 84, 2
var. (
nicht nd.),
nl. cockwt Junius 45
a,
wit w
gleich uu, ui,
nordfries. kukuut Haupt 8, 353,
wol auch nd. cúckût,
wie vorhin kúckûk.
daher auch hd. kükaus Dief.
n. gl. 122
b,
vgl.guckuser
bei Junius
u. a, γ,
schweiz. gúgguser Stalder 1, 492,
vielleicht nach der auslegung u. 3,
a. anderseits erinnert es an oberd. gutzgauch (
a, γ), gutguoch Mones
anz. 3, 49
c (
vgl. das gueggugk
unter 1,
b);
s. auch kuckauzen.
das cuckut
neben cuckuc
ist wie nd. kiwik
neben kiwit
kibitz (
s. d. 2. 4,
b).
eigen auch catal. cucut,
prov. cogotz Diez 1
2, 118. I@33)
Noch einiges zu den formen. I@3@aa)
auffallend ist die trennung in ein guc guc, gug gug Dief. 161
a 15.
jh., noch im 17.
jh., im Simpl.: damit er ja abermal wie der kuck-kuck seinen nahmen selbst ausschreyen .. muste. 1, 194 (1685); dasz man .. kein undanckbarer kuck-kuck .. seyn solle. 197.
betonte man da jedes kuk
besonders, weil man so deutlich noch an den ruf dachte? vgl. u. 1,
b aus dem eselkönig. Auch die auslegung des namens könnte darin angedeutet sein, dasz der vogel von der neugier, vom gucken, kucken
benannt sei, vgl. Wackern.
voc. anim.2 anm. 140,
oder selber zum kucken
auffordere, mit dem wanderer gleichsam versteckens, kuckuck!
spiele (
s. u.kucken 3,
b),
wie Höfer
östr. wb. 1, 337: '
wenn die kleinen kinder sich verstecken .. rufen sie ku ku,
als eine nachahmung dieses vogels, welcher oft genug gehöret, aber nur selten gesehen wird.'
s. mehr b. Mannhardt
zeitschr. f. myth. 3, 213
fg., im 17.
jh. wird das versteckspiel mit dem guck! guck!
geradezu lat. cuculus
genannt. auch nl. bei Binnaert
entsprechen sich cokok
cuculus und cockok
vom versteckspielen, das rustice cuk 2,
a, α meint wol eben das. I@3@bb)
aber der name kommt auch wirklich einfach vor. zwar auf Steinbachs guck
m. cuculus 1, 652
neben guckguck
ist kein verlasz, es ist wol ein lexicographenwort, zur erklärung angesetzt. aber dän. wirklich kuk (2,
a, β),
und bei uns in den längst losgesprengten sprachinseln im tiefsten süden: kuckhe
m. kuckuck Schröer
Gottschee 148,
cimbr. kucko
m., dat. kucken Schm. 139
b,
in Luserna in Tirol guggo,
dazu z. b. guggenloab
kuckuksbrot Zingerle 33
b.
das stimmt zwar einerseits zu dem benachbarten ital. cucco,
ist aber anderseits nichts als das mhd. gucke
m. Freid.2 s. 259
und 197 (
zu 143, 18. 84, 2),
an erster stelle ist z. 1
wol zu lesen dem gucken sprechen wir ein gouch.
diesz gucke
steht wieder recht in der mitte zwischen kukuk
und gouch,
zu letzterm könnte es zugleich gehören wie z. b. ricke
f. zu rêch
m. reh. [] I@3@cc)
der pl. erscheint nicht oft, und verschieden: die jungen kuckuk. Luthers
tischr. 3, 202,
s. u. II, 1,
c; solche junge kuckucken. Albertinus
schaupl. 511; von solchen kuckucken.
Simpl. 1, 47; unter den kukucks. Claudius 5, 7. IIII.
Gebrauch in der sprache. II@11)
vom vogel selber. II@1@aa)
er gilt mit seinem rufe seit alters als einer der frühlingsboten oder vorboten, wie diesz das ags. geácas geâr budon Grein
bibl. 2, 89
deutlich ausspricht, '
die gäuche das frühjahr entboten',
vgl. Grimm
myth. 640. 723, Uhland
schr. 3, 23
ff., bes. Mannhardt
zeitschr. f. myth. 3, 212
fg.; der kuckuk ... zeigt an, dasz der sommer nahe sei. Luthers
tischr. 3, 203 (27, 53); den kukuk nig wedder ropen hören,
den sommer nicht erleben. Brem. wb. 2, 891.
daher wird er fröhlich, ja urspr. feierlich empfangen, s. Mannh.
a. a. o. 215
ff. 267,
ahmte doch am maitage der küster auf der orgel den ruf des vogels nach. man fand ihn schön, denn er lacht den winter aus (
das. 213): der kuckuck mit seim schreien macht frölich iederman
u. s. w. mailied bei Uhland
volksl. 114.
daher auch der fromme kuckuk (
wie die nachtigall z. b. Lenz
Schwabenkr. 2
a)
und singend,
während ihm sonst rufen
oder schreien
beigelegt wird: der fromme kukug singt, die bienlein thut man spüren. Ringwald
tr. E. O 6
a.
Bekanntlich hat sein ruf sogar wahrsagende kraft, s. Mannh. 231
ff., Grimm 641
ff., vgl. Göthe
u. I, 1,
c. man läszt sich in seinem thun durch den ruf bestimmen, z. b. jetzt reit ich nimmer heim, bis dasz (
d. h. so lange, s. Zachers zeitschr. 3, 362,
vgl. unter kudel) der kukuk kukuk schreit.
lied vom jäger aus Kurpfalz, und ähnlich sonst, auch in wichtigeren, bes. heiratsfragen, s. Mannh. 255
ff. Hatte doch das dorf im gemeindewalde seinen 'gemênen kukuk',
gemeindekukuk, s. b. Mannh. 269
ff. und Kirchhof
wendunm. 1, 314
Öst., wo ein schwäb. bauer 'seinem guckguck',
d. h. der in seinem gemeindewalde zustendig ist,
gegen den der nachbargemeinde zu ehren und im namen seiner gemeinde im wettgesange hilft, vgl. aus Bebel unter kucken 2.
in der Zimm. chron. 2, 534
wird von einem pfarrer erzählt, er hab seim guggengauch zu Wittershausen geholfen zu guggen, sei allernechst zu im uf ain paum gestigen, und damit haben sie baide den guggengauch zu Bochingen überschrieen.
man sieht, dasz dem vogel einst eine grosze bedeutung beiwohnte, wahrsch. auch eine religiöse, s. unter 3,
e. II@1@bb)
daneben wird er doch schon früh wegen seines einförmigen kukuk
verspottet, von den kindern wie Megenberg
berichtet (I, 1,
b): wann der guckkug tausent jahr alt würde, so lernt er doch nichts anders denn guckkug. Lehm.
flor. 1, 14; der alte guckkug bleibt beim guckkugsgesang.
das.; viel und lang (
singen nämlich) macht dem guckkug kein gut gesang.
das.; vgl. Freidank 143, 15
ff. und 140, 9,
wo esels stimme und gouches sanc
gesellt sind. Er wird besonders der nachtigall
entgegengesetzt, beide als die äuszersten enden der singkunst: jeder meint sein kuckuk singe besser als des andern nachtigall. Simr.
spr. 6008, 'sein kuckuck'
vielleicht wie u. a zuletzt; denn sih, gar mancher wil nicht hörn, leszt sich die blinde lieb bethörn und sihet an im finstern thall ein guckuck für ein nachtigall. Ringwald
laut. warh. 176 (158).
dennoch war er eitler thor genug, mit der nachtigall einen wettkampf in der kunst aufzunehmen (
vgl. Mannh. 293): einsmals in einem tiefen thal der kukuk und die nachtigall thäten ein wett anschlagen, zu singen umb das meisterstück
u. s. w. wunderh. 1, 353, Wackern.
les. 2, 175, 16.
jh., zum kampfrichter hat der kukuk den esel bestellt, weil der mit seinen groszen ohren besser hören könne, vgl. die köstliche kunstsatirische ausführung dieser geschichte im 17.
jahrh. im eselkönig cap. 19 (Wack.
les. 3
1, 605
ff.);
ein nachklang im 18.
jahrh. in Gellerts
gleichfalls kunstsatirischer fabel die nachtigall und der kukuk 1, 224 (der k. 'schrie' sein lied).
daher auch der kukuk selber spöttisch als nachtigall
unter 2,
c. Seine eitle thorheit sah man hauptsächlich darin, dasz er den leuten immer nur seinen eignen namen ins ohr ruft: ich bin kukuk und bleib kukuk und thu mich kukuk nennen, und wer mein namen nicht merken kann, dem geb ich mich zu erkennen. Mannh. 291; kukuk ropt sinen egenen namen ut,
sprichw. von egoisten und leuten die stets von sich selber reden. Brem. wb. 2, 891, kukuk
[] wie ein eigenname; vergl. den dünkel des kukugs I, 2,
b, β.
daher denn gauch
als narr, auch kukuc
in dem verse I, 2,
a, α.
Bemerkenswert ist, dasz ihm lachen
zugeschrieben wird, s. unter 1,
a, Voss
unter I, 1,
b; wenn der kukuk viel lacht, gibts bald regen. Mannh. 222,
glaubt man in Altpreuszen; wer sommersprossen hat, dem hat der kukuk ins gesicht gelacht. 246
aus Baiern. vgl. unter d. II@1@cc)
namentlich aber sein eheliches und privatleben gab schweren anstosz. viel ist davon die rede, dasz er seine eier nicht selbst ausbrütet, sondern andern vögeln in die nester legt, besonders der kleinen grasmücke (
s.kuckuksamme),
und dasz die jungen kukuke gleich wieder mit anmaszlicher selbstüberhebung ins leben treten, ja mit schwerstem undank gegen ihre pflegemutter: d. M. L. sagte, dasz der kuckuk hat die natur und art, dasz er der grasmücken ihre eier aussäuft und legt seine eier dargegen ins nest, dasz sie die grasmücke musz ausbrüten. darnach, wenn die jungen kuckuk aus der schalen gekrochen und grosz sind, so kann die grasmücke sie nicht bedecken. darvon werden die kuckuk aufsätzig, und zuletzt fressen die jungen kuckuk ihre mutter die grasmücken. darnach auch kann der kuckuk die nachtigall nicht leiden. Luthers
tischreden 3, 202 (27, 52),
vgl. dens. I, 2,
b, β; ein frühlingsvogel, der die amme würgt und den eigenen namen ausruft. Voss
ged. 1802 1, 173, 1825 3, 47.
ein mhd. zeugnis von seinem verhältnis zur grasmücke s. Freid. 143, 22
ff., 2.
ausg. s. 259,
vgl. Renner 7668
ff., Megenb. 178, 13
ff., Zarnckes
Brant 368
b.
daher gouch
als bastard Nib. 810, 1.
auch eheliche treue kennt wirklich weder der kukuk noch das kukuksweibchen, s. Mannh. 251
anm. s. auch kukuk
als hahnrei 2,
c. Wie anspruchsvoll er bei solchen eigenschaften und leistungen ist, zeigt dasz er sogar zu faul ist, selber zu fliegen beim wegzuge der vögel (
über den man doch im mittelalter noch nicht klar war, s. MF. 183, 36, cuculi sopor
myth. 640, Uhlands
schr. 3, 43
anm. 19): der kuckuck hat seine gewisse zeit, zu dern er zu uns kompt. aber weil er faul ist, und nit wol fliegen kan, so setzet er sich auf die schultern des weiers
u. s. w. Albertinus
schaupl. 510, auf der weien ahseln Megenb. 179, 3.
er hat auch einen andern vogel zum diener, s. kuckuksknecht. II@1@dd) des kukuks küster
heiszt nordd. der wiedehopf: die Meckelburger sagen, der widehopfe sei des guckucks küster. denn wenn sich der mit seinem närrischen gelächter oder geschrei auf den bewmen hören lest, so lest sich auch bald hernach der ander narr, der gukgug hören. denn ich halte die zweene vor narren unter den vögeln. Colerus
oecon., calender 83. kukuk sin köster Dähnert 261
b, kukuks köster Schütze 2, 364, kuckuckköster Danneil 114
a;
auch kukukslakai,
s. K. Schiller
zum mekl. thier- u. kräuterb. 2, 12,
wo mehr. der kukuk selbst also der pfarrer des waldes? II@1@ee)
kukuksarten oder ähnliche vögel heiszen honigkukuk, bartkukuk, strauszkukuk, spornkukuk
u. a. II@22)
Von menschen. II@2@aa)
von einem der sich selber lobt oder verrät: dank hab du lieber kuckuck, das du so frisch deinen eigen namen ausschreiest und rhümest, das du wollest der widerchrist sein. Luther 6, 320
b,
vgl. 1,
b und: müssen sie (
die papisten) sich selbs mit der that schelten und schenden und wie der kuckuc iren eigen namen ausrufen. 5, 303
b u. ö. Dagegen hat sich eigner weise kukuk
als thor, wie gauch
doch, nicht entwickelt, obwol es an ansätzen dazu nicht fehlt, s. den lat. vers sp. 2521
und das schwäbisch lateinische guggelus
Zimm. chr. 4, 178, 32, guggule 1, 488, 21;
so lat. cuculus
bei Plaut. II@2@bb)
besonders von undankbaren leuten, namentlich jungen leuten den erziehern gegenüber, nach 1,
c: denn wo du wirst im herzen dein ein ehrvergeszner guckuck sein, der, wenn er auferzogen ist, sein herzgetrewe mutter frist, so wird an dir, des mag ich sagn, untrew sein eigen herren schlagn. Ringwald
laut. warh. 30 (27); soll mir solches (
d. h. Wittenberg dankbar zu rühmen als dankbarer schüler) kein lesterer und mammeluck oder undankbarer kukuck und verechter des evangelii erwehren. Mathesius
Luther vorr. D 4
b,
also von gegnern Luthers, die doch auch in Wittenberg studiert hatten; das man .. kein undankbarer kuckkuck oder falscher Judas-freund sein solle.
Simpl. 1, 197; ach was für übeln dank gibt es oft von solchen kuckucken ab, wann man ... sie strafet und abmahnet. 1, 47,
von jungen leuten. [] II@2@cc)
als hahnrei. II@2@c@aα)
beispiele: diesem richteten die pfaffen und andere zuo Hildesheim das wasser in die schuoch, das ist, machten ihn zum guckguck. Kirchhof
wend. 296
b (1, 366
Öst.); so wird sie mich doch nur auslachen und aus mir einen guckuck machen. Ayrer 244
d (1219, 27); werde ich schon ein ehrbarer hanrei und musz meinen brüdern kuckuck zuschreien. Köhlers
kunst über alle k. 90, 6; es giengen zween nachbarn miteinander über feld und höreten einen gugguck schreien. der eine fragte, wem doch diese nachtigall rufe? mir nicht, sagt der ander .... ich .. hab ein .. keusches .. weib. Abele
gerichtsh. 1, 254,
cas. 50.
in lateinischem schwäbisch so der guggulus
Zimm. chron. 3, 457, 20.
s. auch kuckuksstreich.
ebenso engl. cuckold,
schwedisch kukkuvall Rietz 363
a,
franz. cocu,
altfrz. cous
u. a., s. Diez 1
2, 148, Wackernagel
voc. an. 40. II@2@c@bβ)
eigentlich ist ja aber der grasmückenhahn der hahnrei, dem sein weib fremde kinder ausbrütet, während der kukuk vielmehr als wollüstling gilt, mit 7
bis 12
weibern im volksliede (
s. Mannh. 251
ff., vgl. 246),
und so findet sich wirklich: curruca, ein grasmuck ... et capitur pro viro alienas proles nutriente quas credit esse suas,
dazu currucare, aliquem currucam facere, quod fit corrumpendo eius uxorem
voc. opt. Lpz. 1501. 1508 H iij
a,
weiter ausgeführt in der gemma, z. b. Straszb. 1518 G 1
b,
vgl. Dief. 164
a.
später aber mit vermischung des kukuks und der grasmücke: cuculus vel curruca, der leiden mag das sein weib mit andern zuthuon hat, gauch. Golius
onom. Straszb. 1588
cap. 54 (
curruca grasmuck
c. 82),
danach Chytraeus
c. 55
cuculus vel curruca, ein hanrey, dudendop. II@2@c@gγ)
die verwechselung wäre danach im 16.
jh. vor sich gegangen, etwa durch den zuruf kukuk!
mit dem man einen gefährdeten ehemann vor dem ehebrecher warnte, wie Johnson
vom englischen cuckoo!
angibt, oder einen hahnrei höhnte (
s. aus Abele
vorhin),
zuerst in der meinung: dem ist ein kukuk ins gehege gekommen, dann mit umsprung der bed. (
vgl. sp. 535
mitte)
als scheltwort des hahnreis selber verstanden und gebraucht. so verspottet man in Mekelnburg ein gefallenes mädchen, indem man ihr das lied nachsingt de kukuk up den tûne sat (Uhl.
nr. 11),
s. K. Schiller
zum mekelnb. thierb. 2, 12
a,
d. h. ein kukuk hat dich vorzeitig zur grasmücke gemacht (
s. mhd. grasemügge
warnend so gemeint Neidh. 8, 31),
und der blosze ruf kukuk!
würde auch hier ausreichen, wie aus Hamburg wirklich bei Schütze 2, 364: kukuk!
ruft der pöbel huren nach. Aber freilich ist schon z. b. altfranz., im 13.
jh. coux, cous
hahnrei vorhanden, und jene glosse mit curruca
stammt wol aus franz.-lat. vocabularien, im anschlusz an Juven. 6, 276,
wo man curruca
las und als hahnrei verstand; s. Ducange
s. v. curuca, cucullus, cugus.
der kukuk wird ja eigentlich von seinem weibe auch betrogen, indem sie seinen kindern einen andern vater gibt. II@33)
Der kukuk
für den teufel. II@3@aa)
so seit dem 16.
jh., wo man mehr verhüllender namen des höllenfürsten bedurfte als je: fürt der kuckug den könig her.
comedie v. d. geburt Christi, her. von Friedländer, s. 35; es musz der kuckug selber sein. 36; hat mich der guckguck hergebracht!
grobianus 97
a (Mannh. 282); das glaube der kuckuck, ich nicht. Schildo
spielteufel Frkf. 1564 B 8
b; Seline spricht, dasz sie mich schätzet, und über alle menschen setzet; allein der guckguck glaub ihr das. Zachariä
ged. 1761 437; traut nicht! es regt sich hie, in meinem wolfstornister, der kuckuck und sein küster — ein kobold — heiszt genie. Bürger 21
a; drum tanzen auch der kuckuck und sein küster auf ihm (
dem Blocksberg) die creuz und queer. Claudius 3, 183. der kukuk ist los,
wie der teufel ist los,
treibt entfesselt sein spiel: kömmt 16. 17. jahr, so wird der guckguck los ... da ist kein haltens mehr
u. s. w. Picander 2, 220,
von frühreifen burschen, die auf liebe denken. mit dem ausruf da musz der kukuk drinne sitzen!
macht man einem ärger luft, das geht nicht mit rechten dingen zu, da ist der teufel im spiele. he kumt in des kukuks kök (
küche) Schütze 2, 364. II@3@bb)
der kukuk plagt, holt
einen u. ä., wie der teufel: müszt ihn der kukuk plagen. Gökingk 1, 250;
[] dasz dich der kukuk hole!
nordd. gern hol ihn der kukuk und sein küster! Mannh. 281; ei dasz dich der kuckuck, du liebes närrchen du! Fr. Müller 1, 157; einen zum kukuk jagen,
wie zum teufel, zum henker; das erwäge doch ja mein gnädiger herr .. und schicke mich je eher je lieber zum guckguck! Lessing 11, 525,
nehme mir mein amt; wo ist nun der salamander ... zum guckguck ist er, und bekümmert sich den henker darum, wie wir wieder aus dem quark heraus kommen. Wieland 11, 176,
d. h. zugleich: er kam aus verdächtiger quelle; equipage, spiel, kleidung, komödie, alles zum guckuk. Weisze
lustsp. 3, 200,
wie es zweideutigen ursprungs war; zum kuckuck! Lenz 1, 115,
d. h. eig.: wünsch ich das oder den; was zum kuckuck stellen sie denn an? 1, 217,
d. h. eig.: ich wünsche das zum kukuk, was u. s. w.; was zum kuckuck ist das vor eine sprache! Wagner
kinderm. 44; ihr wegweiser .. ist so einfältig ... gewesen, dasz sie vielleicht tausendmal ihn zum guckuck auf den Blocksberg oder nach Grönland gewünscht. C.
F. Cramer
menschl. leben 1795 15, 235; verdammte versemacherei! was hast du angerichtet, uns unsers lebens einzgen mai zum kuckuck hingedichtet. Gökingk
bei Bürger 39
a; es wär eine pein gewesen, um gleich des kuckucks zu werden. Bettina
in Cl. Brentanos frühlingskranz 1, 273,
wie um des teufels zu werden. II@3@cc)
noch kühnere kürzungen, ganz wie bei teufel: sie knicken, wie der guckguck immer und quälen (
mit geiz) eine junge frau. Picander 3, 354, 'wie der g.'
adverbial gleich im höchsten grade, eig. wies nur der teufel kann oder einer mit des teufels hilfe, z. b. von einem der läuft, er läuft wie der kukuk, das gieng wie der kukuk,
so in rasender eile, ebenso wie der teufel!
ähnlich: nehm er sich in acht! wenn ihn die pastoren in die kluppe kriegen, so wirds 'ne katerjagd vom kukuk geben.
Siegfr. v. Lindenb. 1790 2, 318,
eine ganz gehörige hetze. Aber auch vom allergeringsten: nehmen sie mirs nicht übel, von der medicin verstehen sie nicht den kukuk. Gellert
briefe 1756
s. 171 (30.
br.); von der musik wenigstens versteht er nicht den guckuck. Wieland 19, 169.
Nicht anders aber auch den kukuk
gleich nichts, z. b. davon weiszt du den kukuk!
wie den teufel!
und das wieder als verneinung kurzweg: etwas baumleibig ists auch wol (
das pferd) .. 'es mag den kukuk baumleibig sein!' Hermes
Soph. reise 6, 233,
unwillige abweisung des tadels, eig. wol: da mag oder müszte der teufel drin sitzen, wenn u. s. w.; den kukuk mags da ruhig gewesen sein! Arnim 1, 166 (
Isabella 156). II@3@dd)
noch in andern ausrufungen: der kukuc, Puff, du bist heute schreklich gelehrt! Hermes
Soph. reise 3, 54;
ebenso den kukuk!
vgl. unter c; habt ihr mir den finger blosz genommen? nein, beim kukuk! ich bin um die hand gekommen? Schiller
Wallenst. 1800 1, 53; potz kukuk!
aus dem Elsasz bringt Aug. Stöber
bei Fromm. 2, 505 zuem
oder bîm güggück!
oder gügger,
auch potz güxel! hol di dr guxel!
also wieder verhüllend. eigen ein ausruf der ungeduld z. b. in Hildesheim gotts kukuk und kein ende! II@3@ee)
es ergibt sich daraus, dasz dem vogel einst eine göttliche bedeutung beiwohnte, die durch den einflusz des christenthums in eine teuflische verkehrt ward, wie beim kibitz,
mit dem der kukuk wechselt oder verbunden erscheint, s. dort 1,
b. Mannhardt
a. a. o. sucht diese bedeutung zu ergründen und neigt zu einer
urspr. beziehung zum Donar,
vgl. besonders ei so schlag der kukuk drein! 229 (Meier
kinderr. aus Schwaben nr. 58. 248),
was man wieder vom teufel
auch sagt. vgl. auch mhd. gouchgovolt
thor Ben.
beitr. 209. 210,
gauch und kobolt vereinigt. II@44)
wie zur nachtigall (1,
b)
erscheint der kukuk
auch als gegensatz zum adler,
wenigstens heraldisch, z. b. in triumphliedern aus der zeit der befreiungskriege heiszt es von Napoleons adler: der adler kam ganz nackt und blosz (
gerupft) zum glücke noch nach haus .... fort, fort, du stolzer vogel, fort, hier hast du keine ruh! du jetzt kein adler nicht mehr bist, jetzt bist du ein kucku! Ditfurth
fränk. volksl. 2, 181
a,
hist. volksl. des bair. heeres 101,
zur form s. I, 1,
c, γ; von demselben: ein adler kukt zum flügelthor mit kahlem kopf heraus ... du bist kein stolzer adler mehr, du bist nur ein kukuk (: ruh). Soltau 594.
[] bair. guckezer '
im scherz beim gemeinen volke der adler im preuszischen wappen',
daher preuszische groschen guckezergroschen,
s. Schmeller 2, 27;
heiszt doch in Berlin selbst der rote adlerorden volksmäszig der gelbe kukuk.
Aber auch ohne solche polit. beziehung, z. b. in dem liede der kukuk auf dem zaune sasz,
in eigner weise als zähllied gebraucht (
s. Erk
liederh. nr. 177)
tritt in einer schweiz. fassung der adler
für den kukuk ein, s. Rochholz
kinderl. 112.
schon mhd. von einem jungen adler der junge gouch
MSH. 2, 208
a,
wenn nicht nur sein närrisches thun damit bezeichnet wird. Damit verwandt sein könnte eine beziehung des kukuks zum habicht u. ä.; nach dem volksglauben verwandelt sich der kukuk im herbst oder winter in einen habicht, oder es kriechen habichte aus kukukseiern, oder kukuke aus falkeneiern, oder der sperber wird geradezu kukuk
genannt (
zeitschr. f. myth. 3, 276
fg. 404).
so erklärt sich auch, dasz ein hildesheim. bauer bei Kirchhof
wendunm. 1, 201
Öst. einen habicht ein habakuck
nennt. vgl. schon mhd. den einfall eines thoren, einen gukgouch an eines habches stat
zu halten MSH. 2, 205
b. II@55)
Noch andere anwendungen. II@5@aa)
ein bier: wittenbergisches bier wird der guckguck genennet. Hohberg 3, 2, 64
b, kuckuck
facet. fac. 105, Weise
überfl. ged. 1701 343;
angeblich vom fälschen des bieres durch zugieszen von wasser, s. Frisch 1, 554
b.
noch nicht in dem bierkatalog de gen. ebr. bei Zarncke 144
fg. II@5@bb)
dunkel ist mir: das sacrament des altars ist nichts dann ein gukuck der priester. S. Frank
chron. 399
b,
s. Förstemanns
neue mitth. d. thür.-sächs. v. 1835 2, 29,
wo als art. 20
der thür. geiselbrüder v. j. 1414
erscheint: altaris sacramentum est nisi kuckuck sacerdotum;
es geht da hauptsächlich gegen die habsucht der priester, die hostie ist als nur geweihtes brot bezeichnet. gleichsam ein bastardkind? eine fälschung? II@5@cc)
auch von pflanzen, wie schon lateinisch cuculus:
ajuga pyramidalis, berggünsel; gesprenkelter kukuk,
orchis maculata. Nemnich.
auch fische, seekukuk,
trigla cuculus und ostracion quadricornis. II@5@dd)
auf kriegsschiffen eine blendlaterne. II@5@ee) kukuk
am wagen, gleich kreckscheit (
s.kräcken 3). Nesselmann
litt. wb. 523
b.