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gehirn

nhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gehirn n.

Bd. 5, Sp. 2483
gehirn, n. cerebrum. 11) 1@aa) es erscheint erst im 15. jh. oberd., md. und nd.: hirn oder gehirne, cerebrum, est medulla capitis. voc. inc. teut. k 2a (l 7b); gehirne oder hirn, cerebrum. voc. 1482 k 6a; md.: cerebrum, gehirne Dief. 114b, gehiren dess. wb. von 1470 sp. 66; c., das gehirn. Trochus N 1b (aber hirnscheddel); nd.: c., bregen ader geherne. hor. belg. 7, 24b aus dem Stendaler voc. von 1424, wol unter hochd. einflusz (nicht bei Sch. u. L.). dagegen noch im Leipz. voc. opt. 1501 F 1a blosz hirn, wie in der Cölner gemma 1511 D 6a blosz 'die hern, alias dat hyrn' (Dief. 114b), in der Straszb. gemma 1518 D 7a nur hirn, ja noch bei Dasyp., Maaler, Schönsleder; gehirn, das so spät auftritt, hat sich auch nur langsam über hirn erhoben, das doch jetzt noch in der zusammensetzung vorwiegt, ja in hirngespinnst, hirnverbrannt u. a. allein den platz hat, sonst aber gewählter klingt als gehirn. noch Frisch hat zusammensetzungen blosz mit hirn. den oberd. mundarten ist nach Adelung gehirn überhaupt noch fremd, wie Schmeller fürs bair. bestätigt; eigen noch schweiz. hirni Stalder 2, 45. 1@bb) ein sachlicher unterschied beider besteht nicht; man hat zwar gehirn als coll. unterscheiden wollen, z. b. Frisch 1, 455b hirn cerebrum, gehirn tota cerebri massa, was schon Adelung mit recht ablehnte. aber ahd. hirni kann und wird selbst schon collectivisch sein mit seinem -i und n., s. sp. 1610 (γ a. e.), auch u. gehäsz, sodasz mit dem ge- die bezeichnung des collectivums nur nachträglich vervollständigt ward. vgl. übrigens das nrh. f. die hern u. a mit schwed. norw. hjerna f. nebst hjerne m. gegenüber dem n. des coll. (altn. hiarni n.). wegen der urverwandtschaft s. unter hirn 1, aus dem sanskr. vergleicht Fick3 1, 523 karn, karna topf, schüssel (s. 2, a). 1@cc) das volle gehirne, das jetzt niedrig oder altmodisch klingt (s. sp. 1610 β), wird im 17. 18. jh. noch oder wieder gern gehegt (neben hirn), indem das endungsgefühl damals wieder zu bewusztem wirken kam (s. sp. 1599ff.), z. b.: durch meiner verse schwung, darzu mir flügel macht die, welche vater heiszt Diespiters gehirne (Minerva). Fleming 624, Lapp. 520; gesundes blut, ein unbewölkt gehirne, ein ruhig herz und eine heitre stirne. Wieland Musar. 1768 s. 93 (1799 s. 144); mein kopf glühte, mein gehirne war betäubt. Schiller IV, 79, 14; unser gehirne gehört diesem planeten. 53, 6; poesie! nichts weiter .. mein gehirne treibt öfters wunderbare blasen auf. V, 1, 118, später in gehirn umgeändert 2, 48. 234 (d. Carlos 2, 8). s. auch Logau u. 2, a, Opitz 3, e, König 3, i, Stolberg 3, a. 1@dd) gut oberd. dagegen einsilbig ghirn, s. bair. u. 3, e, auch Waldis u. 3, a; das kyrn Liliencr. 3, 410a wird vielmehr ghürn meinen, s. unter gehürn. übrigens mischte man beide wirklich (wie gehilz und gehülz), s. z. b. Logaus gehörne unter 3, c, veranlaszt theils durch die md. aussprache geherne theils durch etymologische anlehnung an horn, die noch Adelung mit vorbringt. 22) bedeutung. 2@aa) die ursprüngliche bed. hirnschale, welche die urverwandtschaft bestätigt, klingt auch nhd. noch nach, bei gehirn, wie bei hirn: dise beede hörner stehn (dem elefanten) nicht als andern thiern oben am kirn (geschrieben kürn). Kiechel reisen 415; spricht wo sein (des fuchsschwänzers) groszer mann: mir ist gewaltig warm, so trucknet er die stirne, eröffnet sein gewand, entdecket sein gehirne (nimmt den hut ab). Logau 3, 216 (s. 632 Eitner). und wie im 15. jh. hirn (s. d. 6) für schädel und stirn, letzteres auch in hirnschnalle (s. d.) bei H. Sachs, hirnknalle talitrum, knippen auf der (l. die) stirn Aler 1119a und noch bair., z. b. aufs hirn fallen Schm. 2, 238, so im 13. jh.: sie heten niht wan ein ouge vorne an dem hirne. herz. Ernst 4519 B. (vgl. s. 171). altn. hiarni war noch vorwiegend der schädel, daher ægir hiarna, liquor cranii, die gehirnmasse, s. Egilss. 347a. also wie kopf, das auch eigentlich der schädel ist, mhd. hirnkopf, mnd. bregencop, s. V, 1747fg. 2@bb) aber die heutige bed. hirnmasse ist, wie altn., so auch mhd. doch schon früh vorhanden, indem hirne und gebel (schädel), schedel, hirneschal u. ähnl. unterschieden werden (s. die mhd. wbb.), z. b.: er (gott) gap dem weichem hirne den gebil ze schirme. gen. 5, 11 D. nhd.: noch ärger sein sie (die wunden), wann die hirnschalen zerspalten, die hirnhäutlein oder das gehirne wol gar verletzt. Agricola feldschererkunst 29; entfaltete er (Gall) privatim das gehirn selbst vor unsern augen ... das gehirn bleibt immer der grund und daher das hauptaugenmerk, da es sich nicht nach der hirnschale, sondern diese nach jenem zu richten hat. Göthe 31, 205 (ann. 1805); in den thieren von wärmerem blut endlich unterscheidet sich das kleine und grosze gehirn känntlich u. s. w. Herder ideen 1, 195 (das kleine hirn 196); diese heilige werkstätte der ideen, das innere gehirn. 198; wie mit gewissen erregungen des gehirns auch gewisse empfindungen der seele wiederkämen. werke IV, 105 S.; ewig schade für die unze gehirn, die so schlecht in diesem undankbaren schädel wuchert. diese einzige unze hätte dem pavian noch vollends zum menschen geholfen. Schiller III, 452, 18 (cab. u. l. 4, 3); auf mehr raffinirt dein fingerhut voll gehirn nicht? II, 39, 8 (räuber 1, 2); aber unser gnädigster landesherr liesz .. die maulaffen niederschieszen. wir .. sahen ihr gehirn auf das pflaster sprüzen, und die ganze armee schrie: juchhe nach Amerika! III, 393, 17 (cab. u. l. 2, 2). 2@cc) oft aber das gefäsz samt dem inhalt, d. h. wie kopf, deutlich z. b. im folg.: krohnen gibet manchem die gunst des volkes oder das erbliche recht: aber ein krohnenwehrtes gehirn kommt allein vom herrn aller herren. Butschky Pathmos 779. im 16. jahrh. sein gehirn zerbrechen, wie sich den kopf zerbrechen mit angestrengtestem nachdenken: wie er hett lang sein ghirn zerbrochen .. Waldis Es. IV, 76, 32. 33) im gebrauch ist es vielfach als wichtiges glied des lebendigen menschen (nicht für sich gesehen oder gedacht wie u. 2, b). 3@aa) im 16. jahrh. z. b. das gehirn schwindelt einem, z. b. von einem stosze vor den kopf: so sie (die romanisten) hart für den kopf gestoszen werden, das inen das gehirn schwindelt, höre, was sie sagen. Luther 1, 277a (vom bapstum G 4a), zugleich doch bildlich von gegengründen, die sie in ihrem denken irre machen, vgl. 276b, wie sie das heilig gottes wort handeln nach irem tollen kopf. so tolles gehirn, das gefegt werden musz (vgl.fegen 4, auch u. b): ist die farbe besser denn das wesen? .. so gebe gott, das du müssest eitel brotfarb essen und nimer mehr kein brot, bis du dein tolles gehirn durch hunger fegest und reinigst, ob du klüger werden kündtest. 2, 143a; und wenn einer herferet mit diesem spruch und wil es also deuten .. so heisze in prillen aufsetzen, das er sehen künde, und nieswurz nemen, damit er das gehirn fege. 2, 337b. man sprach von würmern, hummeln, mücken, zotten, grillen u. a., die sich im gehirn verwirrend einnisteten, s. hirnhummel, hirnmücke, hundsmücke, bes. grille. es ist uns schwer oder leicht, schwillt von drängenden gedanken, kocht vor aufregung u. a.: doch wenn ich (der hirsch) hör die hunde bellen, so thut mirs ghirn im kopf zuschwellen. Waldis Es. III, 67, 14 (Wolgemut 2, 211); leicht wird meines blutes lauf, leichter mein gehirne. Stolberg 1, 119; mein gehirn kocht! mein herz fliegt empor! das blut sprengt mir die adern. Weisze trauersp. 5, 168. 3@bb) beim schnupfen: wan das gehirn anfangt rotzig, phlegmatisch, flüssig und külsterhaftig zu werden. Danhauer ev. memor. vorr. 1; die tage waren kurz, mein gehirn, wegen der einstrahlung des Steinbocks und Wassermanns, etwas 'kalt und feucht'. Göthe an Fried. Öser 13. febr. 1769 (d. j. G. 1, 44), ein nachklang mittelalterlicher geheimer naturlehre, s. unter kalt 3, e und b. nach dieser ist aber das gehirn auch an sich kalt, das herz heisz, warm: daʒ hirn ist kalter natûr ... und daʒ herz ist haiʒer natûr u. s. w. Megenb. 6, 5 (vgl. heiszhirnig). das klingt auch nach in Wernikes hitze des gehirns unter e und in dem sprichwort: das kälteste herz ist wärmer, denn das wärmeste gehirn. Henisch 1438, doch zugleich nach k, mit innerer auffassung (s.kalt 4). wolgeruch erquickt das gehirn (vgl. unter hirn 3), z. b. von einem hyacinthenbeete: nahm .. der geisterreiche duft mir herz und sinnen ein, erfüllte mich mit neuer kraft, dasz ich dem schöpfer dieser blume, durch die er mein gehirn erquickte u. s. w. Brockes 2, 25 (23). dagegen: mein ganzer kopf hatte alle kammern des gehirnes mit bierwust erfüllet. Riemer pol. maulaffe (1679) 161. 3@cc) als sitz des verstandes, der gedanken, wie schon unter a im 16. jahrh., daher auch für diese selber, wie kopf: damit sie sich vermessen .. die gewissen und glauben zu meistern, und nach irem tollen gehirn den heiligen geist zur schulen füren. Luther 2, 193b, wie nach irem tollen kopf u. a (s. auch Göthe unter f), vergl. sein gehirn im Ketschberg verlieren ders. bei Dietz 2, 48b; wer gehirn im kopfe hat, der gehört barmherzig zu sein. Olearius pers. baumg. 2, 11; tichtern und mahlern war weiland leichte gegünnet ans licht zu bringen, was nur ihr gehirne gekünnet. Logau 1, 3, 28, er schrieb aber ursprünglich gehörne (s. 1, c), s. Eitners ausg. Tüb. 1872 s. 61; er verlästert alle sachen. die nicht sein gehirn gebiert. Canitz; die grosze bevölkerung und die pracht erweckte das gehirn und den fleisz, und die freiheit erhob den geist. Winkelmann 3, 229, wie man die köpfe erwecken sagte (s. weiter unter f). 3@dd) daher auch für den menschen selber, nach seiner denkkraft gemessen und bezeichnet, wie kopf gleichfalls, auch herz, geist u. a.: sintemal das nicht thun (mich einen ketzer zu schelten), denn etliche finster gehirne, die die biblien nie gerochen, die christlichen lerer nie gelesen, ir eigen lerer nie verstanden .. Luther 1, 47b; es verdreuszt mich, das ich mit solchen wahnsinnigen gehirnen zeit und papier verlieren musz. 2, 136a; ich habe, sagt' ich, niemand gekannt, dem es so geglückt wäre, seinen geist zu erweitern u. s. w. das waren dem gehirne spanische dörfer, und ich empfahl mich. Göthe 16, 95 (Werther 120), wol dém gehirne gemeint. s. auch hirn 5, eselshirn, eselsgehirn. 3@ee) die sinnliche vorstellung, die sich leicht abbraucht (wie bei herz, nieren u. ä.), tritt zuweilen wieder deutlicher auf, zumal unter dem einflusse naturwissenschaftlichen denkens (vgl. u. i), z. b.: vermeinst du (deutscher dichter) dasz dein wesen Madrit, Paris und Rom pflegt sonderlich zu lesen, da mehr gehirne wächst? Opitz 1, 58 (Vielguet), es heiszt aber auch kopf genug, viel kopf haben V, 1765, vgl. der kerl hat kein gehirn, non valet ingenio, vacui capitis est Stieler 843 (s. gehirnlos, gehirnt). auch bis zu geistreicher geschmacklosigkeit, die einem schmerz macht: es ist aber hierdurch keines gemeinen stuhl- oder gassenschreibers feder, sondern eine solche zu verstehen, die ehe in ein verständiges gehirn, als in die tinte eingetaucht wird. Butschky Pathmos 32; vergl. Gellert 1, 317 in der beurtheilung einer seiner älteren fabeln: das gehirn ist unnöthig (in der wendung) und erweckt einen ekelhaften begriff (widerliche vorstellung). mehr naturwissenschaftlich ist auch gemeint: der witz (esprit, genie) bestehet in einer gewissen hitze und lebhaftigkeit des gehirns, welche der klugheit zuwider ist, indem dieselbe langsam und bedachtsam zu werke gehet. Wernike (1704) 12, vgl. unter b; oder wenn im paradiese dem Adam die schlange zuredet, in einem gedichte in bair. geschmack: die äpfel seind so schöne .. so ssz als wie ä hönig .. sie machn ein stattlichs ghirn .. du darfst nit lang studirn, kanst gleich ä doctor wern. wunderh. h. v. Birl. u. Crec. 2, 23. volksmäszig ist, eig. als witz, von einem der närrisch geworden: vor lauter frewden, das ich hier bin, hab ich verloren meinen sinn und zum gehirne meine schlüssel und lach und wein in éine schüssel. d. pragische koch (1632), Weller lieder des 30 jähr. kriegs 259, vergl.herzenschlüssel und gewissenschlüssel Luther bei Dietz 2, 120a, wie zu einem geheimen schrein. so ist verrückt nur abgekürzt aus verrückt im kopf (V, 1759), im gehirn u. ä.: wer etwas ähnliches versuchen wollte (ohne ruhe fort zu denken), würde eher in gefahr sein, sich das gehirn zu verrücken, als hoffnung haben grosze einsichten zu erlangen. Garve vers. 2, 271, vgl. gehirnverrückung; dagegen mit schonender wendung z. b. er ist nicht recht im gehirne, cerebro laborat Steinbach 1, 757. s. auch Schiller unter f. 3@ff) im 18. jh. tritt es besonders in der geniezeit lebhafter auf: wenn er sie (der fürst seine räte) all zusammen nimmt, all ihre weisheit und gehirn. Lenz 1, 162; seht seine augen und seine stirn. aber sein verständig gehirn, so manch verdienst ums gemeine wesen, könnt ihr ihm nicht an der nase lesen. Göthe 2, 281 (G. u. Werther 183); hab euch nun gesagt des pfaffen geschicht, wie er alles nach seinem gehirn einricht .. 13, 65 (pater Brey), wie sonst nach seinem kopfe (auch sinne); jetzo studir ich leben und tod eines andern helden und dialogisirs in meinem gehirn. an Herder ende 1771, aus Herders nachl. 1, 35, d. j. G. 1, 303; lasz einen wassertropfen in deinem gehirne verwirren, und dein leben macht eine plötzliche pause. Schiller II, 182, 27, s. auch dens. unter 1, c; das gehirn und die nerven sind der wahre leib unsers ich. J. Paul 10, 8. 3@gg) klares oder trübes, schwaches, zartes gehirn u. ä.: ein unbewölkt gehirne. Wieland unter 1, c; eins seiner lieblingsbücher war Agrippa de vanitate scientiarum, das er mir besonders empfahl und mein junges gehirn dadurch in ziemliche verwirrung setzte. Göthe 24, 255; eine bigotte, knechtische erziehung ... hatte seinem zarten gehirne schreckbilder eingedrückt. Schiller IV, 262, 18; doch wenn dem schwindel trotzt dein geist mit fester stirne, bedenke dasz es gibt auch schwächere gehirne. Rückert weish. d. br. 50 (2, 30). vgl.das gehirn erquicken unter b a. e., verrücken u. e a. e., auch finstres, tolles gehirn u. a, es treibt blasen auf 1, c. 3@hh) die selbstbeobachtung des denkenden gehirnes gab ihm inzwischen eine ausdehnung und macht, vor der einem wol bange werden kann: euer gegenstand (object) ist blosz in eurem gehirne und kann auszer demselben gar nicht gegeben werden. Kant 2, 384 (vgl. dazu sp. 1956 Lenaus Mephist.); eng ist die welt, und das gehirn ist weit, leicht bei einander wohnen die gedanken .. Schiller XII, 243 (Wallenst. tod 2, 2), vergl.: wenn dieser zerbrechliche gott deines gehirns, jetzt wurm wie du, zu den füszen deines richters sich windet .. III, 479 (cab. u. liebe 5, 1); wo die erste idee von der einheit des höchsten wesens zuerst in einem menschlichen gehirne vorgestellt wurde. IX, 108 (sendung Moses), und in den künstlern: und der erhabne fremdling, der gedanke, trat aus dem staunenden gehirn. VI, 270. 3@ii) auch das leben der sinne, der empfindung hatte man schon dem gehirne übergeben: es gehen von dem gehirne das dritte, vierte und siebende paar nerven an die zunge .. sobald nun diese nervichte wärzgen von den aufgelösten schmackbaren theilgen berührt, folglich bewegt werden, so wird dieser eindruck auch den nerven, von den nerven dem gehirne und durch das gehirne der seele mitgetheilet. König zu Canitz 1727 s. 239 (1734 s. 384), vgl. hirnader und unter geäder 4; wie nun in dem gehirn der geister (lebensgeister) quell allein, aus welcher sie von da durch alle nerven rinnen (vgl. gehirnäther), so musz ja dies die stärkste probe (beweis) sein, dasz einzig das gehirn der sitz der sinnen. Brockes 3, 499, que le cerveau lui seul est le siege des sens Genest das. 498; bei der verknüpfung des gehirns (durch die natur als schöpferin), dieses behälters von leben und empfindung. Mendelssohn phil. schr. 1777 1, 92 (empfind. 125); die vorstellung einer geistigen vollkommenheit, die erinnerung einer genossenen sinnlichen lust .. ordnen die fasern des gehirns in den gehörigen ton .. das gehirn theilt diese harmonische spannung den nerven der übrigen gliedmaszen mit .. 94; welche fülle der lust musz sich alsdann aus seinem (des forschers) gehirne auf den ganzen körper ergieszen! 96. vergl. kindergehirnempfindung Göthe 29, 115 (V, 738), auf gott bezogen, und dazu Herder lebensbild I, 31, 550. 3@kk) daneben wird doch das herz gegen das gehirn gesetzt oder beide neben einander zur gegenseitigen ergänzung (s. schon Henisch unter b): wer aber den weltleuten gefallen will (nicht blosz den gelehrten), derselbe musz mehr seinen verstand als seinen witz (esprit), mehr sein herz als sein gehirne zu raht ziehen. Wernike 1704 s. 366 (vorw. zu den schäferged.); ein unbeschreiblich lieblich blitzen von hundert tausend zarten spitzen .. erfüllt hier mein gehirn und mein gemüthe mit einem holden freuden-schein. Brockes 2, 9; die grosze welt berauschte nur die sinnen und liesz gehirn und herz mir leer. Gökingk 3, 6. vergl. hirn und herz, herz und hirn unter hirn 3. 4, c, auch kopf und herz V, 1764fg.; aber die scheidung beider war vor dem 18. jh. gar nicht so scharf, und wenn Henisch 1438 als sprichwort anführt wer weit raiset, verendert wol das gestirn, aber nicht das gehirn, so steht es da zwar nicht blosz dem reim zu gefallen (das gestirn wirkte auf das gehirn nach der alten lehre, vergl. unter b), meint aber mehr den sinn, denn es ist eigentlich der lat. vers coelum, non animum mutant qui trans mare currunt (Hor. ep. I, 11, 27), und es könnte eben so gut das herz heiszen; übersetzte doch Notker mens mit herza Boeth. 157 (168), und noch jetzt heiszen getränke, gerüche, die das gehirn erquicken (s. unter b), doch auch herzstärkend (vgl. unter herz 3), wie noch Lavater das herz des bewusztseins sitz nennt: das menschl. herz Zür. 1798 1, 8.
17808 Zeichen · 455 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gehirn

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Gehirn , des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, dasjenige weiche weiße Wesen in der Höhle der Hirnschale, welches aus…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gehirn

    Goethe-Wörterbuch

    Gehirn 1 als Körperorgan (bei Mensch und Tier) a in anatom-morphol Sicht, bes als Gegenstand (vergleichender) natwiss St…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gehirn

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gehirn , das, kommt in ausgedehnter Bedeutung als Centraltheil eines Nervensystems bis zur untersten Klasse des Thierrei…

  4. modern
    Dialekt
    Gehirn

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    G e hirn [Khìrn Roppenzw. ] n. e G. mache n finstere, zornige Miene machen. †

  5. Sprichwörter
    Gehirn

    Wander (Sprichwörter)

    Gehirn 1. Dem Gehirn der Frauen ist nicht viel zu trauen. Frz. : Le cerveau de la femme est faict de cresme de singe et …

  6. Spezial
    Gehirnn

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Gehirn , n мозг , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gehirn

98 Bildungen · 95 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gehirn

ge- + hirn

gehirn leitet sich vom Lemma hirn ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gehirn 2 Komponenten

geh+irn

gehirn setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gehirn‑ als Erstglied (30 von 95)

gehirnkrank

SHW

gehirn-krank Band 2, Spalte 1177-1178

Gehirnsoße

SHW

Gehirn-soße Band 2, Spalte 1177-1178

Gehirnwurst

SHW

Gehirn-wurst Band 2, Spalte 1177-1178

Gehirnabszeß

Meyers

gehirn·abszess

Gehirnabszeß , umschriebene Vereiterung der Gehirnmasse, entsteht: 1) infolge Verletzung der Schädelkapsel , wenn auch nicht jede Knochenzer…

gehirnäther

DWB

gehirn·aether

gehirnäther , m. die ideenwelt in sinnlicher fassung; nur sieht ein autor einem noch im gehirnäther zu hoch schwebenden plane oder spanische…

gehirnbild

DWB

gehirn·bild

gehirnbild , n. bild, abbild im gehirn, in der vorstellung; zur sache vergl. J. Paul 10, 11 ( s. u. gehirnbrei) und Reimarus triebe der thie…

gehirnbildung

DWB

gehirn·bildung

gehirnbildung , f. : und so kommen wir auf den vorzug des menschen in seiner gehirnbildung. Herder ideen 1, 201 (IV, 1, 6 ).

gehirnbohrer

DWB

gehirn·bohrer

gehirnbohrer , m. schädelbohrer, trepanum ( s. hirnbohrer): die meisten jetzigen bewegungen ( in der menschheit ) sind nur griffe, die ein u…

gehirnbrei

DWB

gehirn·brei

gehirnbrei , m. hirnmasse: der materialist musz .. im gehirnbrei die millionen bilderkabinetter von 70 jahren versteinern .. J. Paul 10, 11 …

gehirnchen

DWB

gehirn·chen

gehirnchen , m. kleines gehirn ( vgl. hirnchen): so sei es denn mein schicksal, wie es dein schicksal ist, himmelaufstrebender thurm, und de…

Gehirndemonstration

GWB

gehirn·demonstration

Gehirndemonstration Loder Gehirn Dem. 1) FfA I 17,616 TuJ Plp 1) vgl WA I 35,60,22ff: Loder demonstrirte das menschliche Gehirn .. hergebrac…

gehirndunst

DWB

gehirn·dunst

gehirndunst , m. dunst im gehirn, von trunkenheit: als der gehirndunst sich verzogen hatte. Brentano 5, 361 , vergl. unter gehirn 3, b a. e.…

gehirneigen

DWB

gehirn·eigen

gehirneigen , singularis, cerebrosus Stieler 25 , eigensinnig, ein sonderling.

gehirn als Zweitglied (2 von 2)

Katzengehirn

Wander

katzen·gehirn

Katzengehirn Er hat Katzengehirn gefressen. – Grimm, V, 295. Ist überspannt, verrückt. Zu Pulver gebranntes Katzengehirn war früher eine zau…

Ableitungen von gehirn (1 von 1)

gehirne

Lexer

ge-hirne stn. BMZ gehirn Dfg. 114 b , gehërne ib. u. Mone schausp.