gehirn,
n. cerebrum. 11) 1@aa)
es erscheint erst im 15.
jh. oberd., md. und nd.: hirn oder gehirne,
cerebrum, est medulla capitis. voc. inc. teut. k 2
a (l 7
b); gehirne oder hirn,
cerebrum. voc. 1482 k 6
a;
md.: cerebrum, gehirne Dief. 114
b, gehiren
dess. wb. von 1470
sp. 66;
c., das gehirn. Trochus N 1
b (
aber hirnscheddel);
nd.: c., bregen ader geherne.
hor. belg. 7, 24
b aus dem Stendaler voc. von 1424,
wol unter hochd. einflusz (
nicht bei Sch.
u. L.).
dagegen noch im Leipz. voc. opt. 1501 F 1
a blosz hirn,
wie in der Cölner gemma 1511 D 6
a blosz 'die hern,
alias dat hyrn' (Dief. 114
b),
in der Straszb. gemma 1518 D 7
a nur hirn,
ja noch bei Dasyp., Maaler, Schönsleder; gehirn,
das so spät auftritt, hat sich auch nur langsam über hirn
erhoben, das doch jetzt noch in der zusammensetzung vorwiegt, ja in hirngespinnst, hirnverbrannt
u. a. allein den platz hat, sonst aber gewählter klingt als gehirn.
noch Frisch
hat zusammensetzungen blosz mit hirn.
den oberd. mundarten ist nach Adelung gehirn
überhaupt noch fremd, wie Schmeller
fürs bair. bestätigt; eigen noch schweiz. hirni Stalder 2, 45. 1@bb)
ein sachlicher unterschied beider besteht nicht; man hat zwar gehirn
als coll. unterscheiden wollen, z. b. Frisch 1, 455
b hirn
cerebrum, gehirn
tota cerebri massa, was schon Adelung
mit recht ablehnte. aber ahd. hirni
kann und wird selbst schon collectivisch sein mit seinem -i
und n., s. sp. 1610 (
γ a. e.),
auch u. gehäsz,
sodasz mit dem ge-
die bezeichnung des collectivums nur nachträglich vervollständigt ward. vgl. übrigens das nrh. f. die hern
u. a mit schwed. norw. hjerna
f. nebst hjerne
m. gegenüber dem n. des coll. (
altn. hiarni
n.).
wegen der urverwandtschaft s. unter hirn 1,
aus dem sanskr. vergleicht Fick
3 1, 523 karn, karna
topf, schüssel (
s. 2,
a). 1@cc)
das volle gehirne, das jetzt niedrig oder altmodisch klingt (
s. sp. 1610
β),
wird im 17. 18.
jh. noch oder wieder gern gehegt (
neben hirn),
indem das endungsgefühl damals wieder zu bewusztem wirken kam (
s. sp. 1599
ff.),
z. b.: durch meiner verse schwung, darzu mir flügel macht die, welche vater heiszt Diespiters gehirne (
Minerva). Fleming 624,
Lapp. 520; gesundes blut, ein unbewölkt gehirne, ein ruhig herz und eine heitre stirne. Wieland
Musar. 1768
s. 93 (1799
s. 144); mein kopf glühte, mein gehirne war betäubt. Schiller IV, 79, 14; unser gehirne gehört diesem planeten. 53, 6; poesie! nichts
weiter .. mein gehirne treibt öfters wunderbare blasen auf. V, 1, 118,
später in gehirn
umgeändert 2, 48. 234 (
d. Carlos 2, 8).
s. auch Logau
u. 2,
a, Opitz 3,
e, König 3,
i, Stolberg 3,
a. 1@dd)
gut oberd. dagegen einsilbig ghirn,
s. bair. u. 3,
e, auch Waldis
u. 3,
a; das kyrn Liliencr. 3, 410
a wird vielmehr ghürn
meinen, s. unter gehürn.
übrigens mischte man beide wirklich (
wie gehilz
und gehülz),
s. z. b. Logaus
gehörne unter 3,
c, veranlaszt theils durch die md. aussprache geherne
theils durch etymologische anlehnung an horn,
die noch Adelung
mit vorbringt. 22)
bedeutung. 2@aa)
die ursprüngliche bed. hirnschale, welche die urverwandtschaft bestätigt, klingt auch nhd. noch nach, bei gehirn,
wie bei hirn: dise beede hörner stehn (
dem elefanten) nicht als andern thiern oben am
kirn (
geschrieben kürn). Kiechel
reisen 415; spricht wo sein (
des fuchsschwänzers) groszer mann: mir ist gewaltig warm, so trucknet er die stirne, eröffnet sein gewand, entdecket sein gehirne (
nimmt den hut ab). Logau 3, 216 (
s. 632
Eitner).
und wie im 15.
jh. hirn (
s. d. 6)
für schädel und stirn, letzteres auch in hirnschnalle (
s. d.)
bei H. Sachs, hirnknalle
talitrum, knippen auf der (
l. die)
stirn Aler 1119
a und noch bair., z. b. aufs hirn fallen Schm. 2, 238,
so im 13.
jh.: sie heten niht wan ein ouge vorne an dem hirne.
herz. Ernst 4519
B. (
vgl. s. 171).
altn. hiarni
war noch vorwiegend der schädel, daher ægir hiarna,
liquor cranii, die gehirnmasse, s. Egilss. 347
a.
also wie kopf,
das auch eigentlich der schädel ist, mhd. hirnkopf,
mnd. bregencop,
s. V, 1747
fg. 2@bb)
aber die heutige bed. hirnmasse ist, wie altn., so auch mhd. doch schon früh vorhanden, indem hirne
und gebel (
schädel), schedel, hirneschal
u. ähnl. unterschieden werden (
s. die mhd. wbb.),
z. b.: er (
gott) gap dem weichem hirne den gebil ze schirme.
gen. 5, 11
D. nhd.: noch ärger sein sie (
die wunden), wann die hirnschalen zerspalten, die hirnhäutlein oder das gehirne wol gar verletzt. Agricola
feldschererkunst 29; entfaltete er (
Gall) privatim das gehirn selbst vor unsern augen ... das gehirn bleibt immer der grund und daher das hauptaugenmerk, da es sich nicht nach der hirnschale, sondern diese nach jenem zu richten hat. Göthe 31, 205 (
ann. 1805); in den thieren von wärmerem blut endlich unterscheidet sich das kleine und grosze gehirn känntlich
u. s. w. Herder
ideen 1, 195 (das kleine hirn 196); diese heilige werkstätte der ideen, das innere gehirn. 198; wie mit gewissen erregungen des gehirns auch gewisse empfindungen der seele wiederkämen.
werke IV, 105
S.; ewig schade für die unze gehirn, die so schlecht in diesem undankbaren schädel wuchert. diese einzige unze hätte dem pavian noch vollends zum menschen geholfen. Schiller III, 452, 18 (
cab. u. l. 4, 3); auf mehr raffinirt dein fingerhut voll gehirn nicht? II, 39, 8 (
räuber 1, 2); aber unser gnädigster landesherr liesz .. die maulaffen niederschieszen. wir .. sahen ihr gehirn auf das pflaster sprüzen, und die ganze armee schrie: juchhe nach Amerika! III, 393, 17 (
cab. u. l. 2, 2). 2@cc)
oft aber das gefäsz samt dem inhalt, d. h. wie kopf,
deutlich z. b. im folg.: krohnen gibet manchem die gunst des volkes oder das erbliche recht: aber ein krohnenwehrtes gehirn kommt allein vom herrn aller herren. Butschky
Pathmos 779.
im 16.
jahrh. sein gehirn zerbrechen,
wie sich den kopf zerbrechen
mit angestrengtestem nachdenken: wie er hett lang sein ghirn zerbrochen .. Waldis
Es. IV, 76, 32. 33)
im gebrauch ist es vielfach als wichtiges glied des lebendigen menschen (
nicht für sich gesehen oder gedacht wie u. 2,
b). 3@aa)
im 16.
jahrh. z. b. das gehirn schwindelt
einem, z. b. von einem stosze vor den kopf: so sie (
die romanisten) hart für den kopf gestoszen werden, das inen das gehirn schwindelt, höre, was sie sagen. Luther 1, 277
a (
vom bapstum G 4
a),
zugleich doch bildlich von gegengründen, die sie in ihrem denken irre machen, vgl. 276
b,
wie sie das heilig gottes wort handeln nach irem tollen kopf.
so tolles gehirn,
das gefegt
werden musz (
vgl.fegen 4,
auch u. b): ist die farbe besser denn das wesen? .. so gebe gott, das du müssest eitel brotfarb essen und nimer mehr kein brot, bis du dein tolles gehirn durch hunger fegest und reinigst, ob du klüger werden kündtest. 2, 143
a; und wenn einer herferet mit diesem spruch und wil es also deuten .. so heisze in prillen aufsetzen, das er sehen künde, und nieswurz nemen, damit er das gehirn fege. 2, 337
b.
man sprach von würmern, hummeln, mücken, zotten, grillen
u. a., die sich im gehirn verwirrend einnisteten, s. hirnhummel,
hirnmücke,
hundsmücke,
bes. grille.
es ist uns schwer
oder leicht, schwillt
von drängenden gedanken, kocht
vor aufregung u. a.: doch wenn ich (
der hirsch) hör die hunde bellen, so thut mirs ghirn im kopf zuschwellen. Waldis
Es. III, 67, 14 (Wolgemut 2, 211); leicht wird meines blutes lauf, leichter mein gehirne. Stolberg 1, 119; mein gehirn kocht! mein herz fliegt empor! das blut sprengt mir die adern. Weisze
trauersp. 5, 168. 3@bb)
beim schnupfen: wan das gehirn anfangt rotzig, phlegmatisch, flüssig und külsterhaftig zu werden. Danhauer
ev. memor. vorr. 1; die tage waren kurz, mein gehirn, wegen der einstrahlung des Steinbocks und Wassermanns, etwas 'kalt und feucht'. Göthe
an Fried. Öser 13.
febr. 1769 (
d. j. G. 1, 44),
ein nachklang mittelalterlicher geheimer naturlehre, s. unter kalt 3,
e und b. nach dieser ist aber das gehirn auch an sich kalt, das herz heisz, warm: daʒ hirn ist kalter natûr ... und daʒ herz ist haiʒer natûr
u. s. w. Megenb. 6, 5 (
vgl. heiszhirnig).
das klingt auch nach in Wernikes hitze des gehirns
unter e und in dem sprichwort: das kälteste herz ist wärmer, denn das wärmeste gehirn. Henisch 1438,
doch zugleich nach k, mit innerer auffassung (
s.kalt 4).
wolgeruch erquickt das gehirn (
vgl. unter hirn 3),
z. b. von einem hyacinthenbeete: nahm .. der geisterreiche duft mir herz und sinnen ein, erfüllte mich mit neuer kraft, dasz ich dem schöpfer dieser blume, durch die er mein gehirn erquickte
u. s. w. Brockes 2, 25 (23).
dagegen: mein ganzer kopf hatte alle kammern des gehirnes mit bierwust erfüllet. Riemer
pol. maulaffe (1679) 161. 3@cc)
als sitz des verstandes, der gedanken, wie schon unter a im 16.
jahrh., daher auch für diese selber, wie kopf: damit sie sich vermessen .. die gewissen und glauben zu meistern, und nach irem tollen gehirn den heiligen geist zur schulen füren. Luther 2, 193
b,
wie nach irem tollen kopf
u. a (
s. auch Göthe
unter f),
vergl. sein gehirn im Ketschberg verlieren
ders. bei Dietz 2, 48
b; wer gehirn im kopfe hat, der gehört barmherzig zu sein. Olearius
pers. baumg. 2, 11; tichtern und mahlern war weiland leichte gegünnet ans licht zu bringen, was nur ihr gehirne gekünnet. Logau 1, 3, 28,
er schrieb aber ursprünglich gehörne (
s. 1,
c),
s. Eitners
ausg. Tüb. 1872
s. 61; er verlästert alle sachen. die nicht sein gehirn gebiert. Canitz; die grosze bevölkerung und die pracht erweckte das gehirn und den fleisz, und die freiheit erhob den geist. Winkelmann 3, 229,
wie man die köpfe erwecken
sagte (
s. weiter unter f). 3@dd)
daher auch für den menschen selber, nach seiner denkkraft gemessen und bezeichnet, wie kopf
gleichfalls, auch herz, geist
u. a.: sintemal das nicht thun (
mich einen ketzer zu schelten), denn etliche finster gehirne, die die biblien nie gerochen, die christlichen lerer nie gelesen, ir eigen lerer nie verstanden .. Luther 1, 47
b; es verdreuszt mich, das ich mit solchen wahnsinnigen gehirnen zeit und papier verlieren musz. 2, 136
a; ich habe, sagt' ich, niemand gekannt, dem es so geglückt wäre, seinen geist zu erweitern
u. s. w. das waren dem gehirne spanische dörfer, und ich empfahl mich. Göthe 16, 95 (
Werther 120),
wol dém gehirne
gemeint. s. auch hirn 5, eselshirn, eselsgehirn. 3@ee)
die sinnliche vorstellung, die sich leicht abbraucht (
wie bei herz, nieren
u. ä.),
tritt zuweilen wieder deutlicher auf, zumal unter dem einflusse naturwissenschaftlichen denkens (
vgl. u. i),
z. b.: vermeinst du (
deutscher dichter) dasz dein wesen Madrit, Paris und Rom pflegt sonderlich zu lesen, da mehr gehirne wächst? Opitz 1, 58 (
Vielguet),
es heiszt aber auch kopf genug, viel kopf haben V, 1765,
vgl. der kerl hat kein gehirn,
non valet ingenio, vacui capitis est Stieler 843 (
s. gehirnlos, gehirnt).
auch bis zu geistreicher geschmacklosigkeit, die einem schmerz macht: es ist aber hierdurch keines gemeinen stuhl- oder gassenschreibers feder, sondern eine solche zu verstehen, die ehe in ein verständiges gehirn, als in die tinte eingetaucht wird. Butschky
Pathmos 32;
vergl. Gellert 1, 317
in der beurtheilung einer seiner älteren fabeln: das gehirn ist unnöthig (
in der wendung) und erweckt einen ekelhaften begriff (
widerliche vorstellung).
mehr naturwissenschaftlich ist auch gemeint: der witz (
esprit, genie) bestehet in einer gewissen hitze und lebhaftigkeit des gehirns, welche der klugheit zuwider ist, indem dieselbe langsam und bedachtsam zu werke gehet. Wernike (1704) 12,
vgl. unter b; oder wenn im paradiese dem Adam die schlange zuredet, in einem gedichte in bair. geschmack: die äpfel seind so schöne .. so ssz als wie ä hönig .. sie machn ein stattlichs ghirn .. du darfst nit lang studirn, kanst gleich ä doctor wern.
wunderh. h. v. Birl.
u. Crec. 2, 23.
volksmäszig ist, eig. als witz, von einem der närrisch geworden: vor lauter frewden, das ich hier bin, hab ich verloren meinen sinn und zum gehirne meine schlüssel und lach und wein in éine schüssel.
d. pragische koch (1632), Weller
lieder des 30 jähr. kriegs 259,
vergl.herzenschlüssel
und gewissenschlüssel Luther
bei Dietz 2, 120
a,
wie zu einem geheimen schrein. so ist verrückt
nur abgekürzt aus verrückt im kopf (V, 1759), im gehirn
u. ä.: wer etwas ähnliches versuchen wollte (
ohne ruhe fort zu denken), würde eher in gefahr sein, sich das gehirn zu verrücken, als hoffnung haben grosze einsichten zu erlangen. Garve
vers. 2, 271,
vgl. gehirnverrückung;
dagegen mit schonender wendung z. b. er ist nicht recht im gehirne,
cerebro laborat Steinbach 1, 757.
s. auch Schiller
unter f. 3@ff)
im 18.
jh. tritt es besonders in der geniezeit lebhafter auf: wenn er sie (
der fürst seine räte) all zusammen nimmt, all ihre weisheit und gehirn. Lenz 1, 162; seht seine augen und seine stirn. aber sein verständig gehirn, so manch verdienst ums gemeine wesen, könnt ihr ihm nicht an der nase lesen. Göthe 2, 281 (
G. u. Werther 183); hab euch nun gesagt des pfaffen geschicht, wie er alles nach seinem gehirn einricht .. 13, 65 (
pater Brey),
wie sonst nach seinem kopfe (
auch sinne); jetzo studir ich leben und tod eines andern helden und dialogisirs in meinem gehirn.
an Herder ende 1771,
aus Herders nachl. 1, 35,
d. j. G. 1, 303; lasz einen wassertropfen in deinem gehirne verwirren, und dein leben macht eine plötzliche pause. Schiller II, 182, 27,
s. auch dens. unter 1,
c; das gehirn und die nerven sind der wahre leib unsers ich. J. Paul 10, 8. 3@gg) klares
oder trübes, schwaches, zartes gehirn
u. ä.: ein unbewölkt gehirne. Wieland
unter 1,
c; eins seiner lieblingsbücher war Agrippa de vanitate scientiarum, das er mir besonders empfahl und mein junges gehirn dadurch in ziemliche verwirrung setzte. Göthe 24, 255; eine bigotte, knechtische erziehung ... hatte seinem zarten gehirne schreckbilder eingedrückt. Schiller IV, 262, 18; doch wenn dem schwindel trotzt dein geist mit fester stirne, bedenke dasz es gibt auch schwächere gehirne. Rückert
weish. d. br. 50 (2, 30).
vgl.das gehirn erquicken
unter b a. e., verrücken
u. e a. e., auch finstres, tolles gehirn
u. a, es treibt blasen auf 1,
c. 3@hh)
die selbstbeobachtung des denkenden gehirnes gab ihm inzwischen eine ausdehnung und macht, vor der einem wol bange werden kann: euer gegenstand (
object) ist blosz in eurem gehirne und kann auszer demselben gar nicht gegeben werden. Kant 2, 384 (
vgl. dazu sp. 1956 Lenaus
Mephist.); eng ist die welt, und das gehirn ist weit, leicht bei einander wohnen die gedanken .. Schiller XII, 243 (
Wallenst. tod 2, 2),
vergl.: wenn dieser zerbrechliche gott deines gehirns, jetzt wurm wie du, zu den füszen deines richters sich windet .. III, 479 (
cab. u. liebe 5, 1); wo die erste idee von der einheit des höchsten wesens zuerst in einem menschlichen gehirne vorgestellt wurde. IX, 108 (
sendung Moses),
und in den künstlern: und der erhabne fremdling, der gedanke, trat aus dem staunenden gehirn. VI, 270. 3@ii)
auch das leben der sinne, der empfindung hatte man schon dem gehirne übergeben: es gehen von dem gehirne das dritte, vierte und siebende paar nerven an die zunge .. sobald nun diese nervichte wärzgen von den aufgelösten schmackbaren theilgen berührt, folglich bewegt werden, so wird dieser eindruck auch den nerven, von den nerven dem gehirne und durch das gehirne der seele mitgetheilet. König
zu Canitz 1727
s. 239 (1734
s. 384),
vgl. hirnader und unter geäder 4; wie nun in dem gehirn der geister (
lebensgeister) quell allein, aus welcher sie von da durch alle nerven rinnen (
vgl. gehirnäther), so musz ja dies die stärkste probe (
beweis) sein, dasz einzig das gehirn der sitz der sinnen. Brockes 3, 499, que le cerveau lui seul est le siege des sens Genest
das. 498; bei der verknüpfung des gehirns (
durch die natur als schöpferin), dieses behälters von leben und empfindung. Mendelssohn
phil. schr. 1777 1, 92 (
empfind. 125); die vorstellung einer geistigen vollkommenheit, die erinnerung einer genossenen sinnlichen lust .. ordnen die fasern des gehirns in den gehörigen ton .. das gehirn theilt diese harmonische spannung den nerven der übrigen gliedmaszen mit .. 94; welche fülle der lust musz sich alsdann aus seinem (
des forschers) gehirne auf den ganzen körper ergieszen! 96.
vergl. kindergehirnempfindung Göthe 29, 115 (V, 738),
auf gott bezogen, und dazu Herder
lebensbild I, 3
1, 550. 3@kk)
daneben wird doch das herz
gegen das gehirn
gesetzt oder beide neben einander zur gegenseitigen ergänzung (
s. schon Henisch
unter b): wer aber den weltleuten gefallen will (
nicht blosz den gelehrten), derselbe musz mehr seinen verstand als seinen witz (
esprit), mehr sein herz als sein gehirne zu raht ziehen. Wernike 1704
s. 366 (
vorw. zu den schäferged.); ein unbeschreiblich lieblich blitzen von hundert tausend zarten spitzen .. erfüllt hier mein gehirn und mein gemüthe mit einem holden freuden-schein. Brockes 2, 9; die grosze welt berauschte nur die sinnen und liesz gehirn und herz mir leer. Gökingk 3, 6.
vergl. hirn und herz, herz und hirn
unter hirn 3. 4,
c, auch kopf
und herz V, 1764
fg.; aber die scheidung beider war vor dem 18.
jh. gar nicht so scharf, und wenn Henisch 1438
als sprichwort anführt wer weit raiset, verendert wol das gestirn, aber nicht das gehirn,
so steht es da zwar nicht blosz dem reim zu gefallen (
das gestirn wirkte auf das gehirn nach der alten lehre, vergl. unter b),
meint aber mehr den sinn,
denn es ist eigentlich der lat. vers coelum, non animum mutant qui trans mare currunt (
Hor. ep. I, 11, 27),
und es könnte eben so gut das herz
heiszen; übersetzte doch Notker mens
mit herza
Boeth. 157 (168),
und noch jetzt heiszen getränke, gerüche, die das gehirn erquicken (
s. unter b),
doch auch herzstärkend (
vgl. unter herz 3),
wie noch Lavater
das herz des bewusztseins sitz
nennt: das menschl. herz Zür. 1798 1, 8.