rede,
f. ratio, oratio, sermo, fama, vox. 11)
goth. raþjô
λόγος,
ἀριθμός,
ahd. nur einmal radja (radja urgepan
rationem exsolvere Müllenhoff
und Scherer
denkm. 54, 21),
sonst redia, redea, reda
ratio, sententia, quaestio, oratio, sensus, mhd. rede;
alts. altnfr. reðia,
ratio, woneben rethi
oratio Haupts zeitschr. 15, 524, 379;
mnd. mnl. rede;
im ostgermanischen ebenso wie im ags., und wahrscheinlich auch im friesischen, fehlend. rede
wird als urverwandt zu lat. ratio
angesehen, indes darf diesz wenigstens nicht als sicher gelten. der umstand, dasz das wort innerhalb der alten germanischen sprachen eine sehr beschränkte und ungleichmäszige verbreitung genieszt, indem es weder als ein gemeindeutsches noch als ein völlig der ostgermanischen oder der westgermanischen sippe angehöriges bezeichnet werden darf; dasz es ferner, abgesehen von den aus ihm entstandenen bildungen, ohne deutschen verwandtenkreis dasteht, und dasz es endlich sich buchstäblich genau mit einem einzig auf lateinischem boden nachgewiesenen und jedenfalls hier entstandenen worte deckt, macht eine entlehnung nicht unwahrscheinlich. ratio ist ein römisches kaufmannswort, seine verbreitung auf deutschem gebiet ist der lauf der handelsstraszen an der Donau, am Ober- und Niederrhein, und die nächst angrenzenden länder; und daher darf wenigstens als eine vermutung ausgesprochen werden, dasz die Germanen in den ersten zeiten der christlichen zeitrechnung das wort von den römischen händlern, mit denen sie in laufender geschäftsverbindung standen (
vgl. über solche art Wackernagel
kl. schriften 1, 63),
annahmen, und allmählich auch in freierem sinne in ihrer sprache verwendeten. ist diese vermutung richtig, so ist die dentalis in der goth. schreibung raþjô,
der ein vorgeschichtliches ahd. rathjâ
entspricht, nicht folge der lautverschiebung, sondern ungenaue wiedergabe eines nur von römischen händlern gehörten lautes, welche nach der schon damals im volke üblichen art ratzio
sprachen. 22)
die goth. form des wortes folgt der schwachen declination, die ahd. mhd. dieser sowol wie der starken; im nhd. hat sich der starke plural theilweise bis ins 17.
jahrh. erhalten: meine rede sollen on zweivel nicht falsch sein.
Hiob 36, 4; die rede des herrn sind durchleutert.
ps. 18, 31; alle rede meines mundes sind gerecht.
spr. Sal. 8, 8; solche rede gehören ins hospital. Schuppius 167; ei, ei, sagt der pfarrer, was sind das für rede? 242; doch wil
ich mein weib fragen drümb, so pald sie rein int stueben kümb, was ir paider red sind gewesen. H. Sachs
fastn. sp. 6, 81, 23. 33) rede
ist zunächst die rechnung, die in bezug auf ein geldgeschäft gestellt oder abgelegt wird: goth. usgif raþjôn faúragaggjis þeinis.
Luc. 16, 2,
wobei der begriff der zahl in den vordergrund tritt, weswegen im goth. durch das wort auch das zahlenmäszige rechnen bezeichnet wird: þaruh anakumbidêdun vaírôs raþjôn (
τὸν ἀριθμόν) svasvê fimf þûsundjô
s. Joh. 6, 10; jabai vêsi raþjô (
ὁ ἀριθμός) sunivê Israêlis svasvê malma mareins.
Röm. 9, 27;
dann aber in freierem sinne auch rechnung oder rechenschaft in bezug auf thun und lassen in nicht mehr kaufmännischem sinne: þannu nu hvarjizuh unsara fram sis raþjôn usgibiþ guþa.
Röm. 14, 12;
und so ahd.: ja der dê sînan filleol lêren farsûmit, ze demo sônatagin redja urgepan scal. Müllenhoff
und Scherer
nr. 54, 18; irthenkit uuiht io mannes muat,er imo es alles reda duat. Otfrid 5, 18, 16;
alts. hwô he skal an themo mâreon dage wið thena rîkeon godan reðiu standan wordô endi werkô allarothe he an thesaro weroldi giduod.
Heliand 2612;
mhd. und nhd. nur noch in formelhaften wendungen, die sich auf eine rechtliche oder sittliche verantwortung oder eine schuldige auskunft beziehen. 3@aa) rede geben: daʒ von îclichem ubelem worte, daʒ di lûde sprechen, si geben rede von im in dem tage des gerichts.
Haupts zeitschr. 9, 272; du hast uns aufgefodert, einem plan zum tyrannenmord nachzudenken.
frage uns. wir sind da, dir rede zu geben. Schiller
Fiesko 3, 5; zuo deme jungesten tage rede gebende der clage die uffe sie dâ wirt getâ
n. Pfeiffers übungsb. s. 22; rede wollen: ich will rede! .. rede will ich! (
prinz zu Marinelli). Lessing 2, 161. 3@bb) einen zur rede stellen,
wobei ursprünglich ganz sinnlich an das verhaften eines beschuldigten und stellen vor den richter gedacht ist, deutlicher noch ist mhd. ze rede stôʒen: swenne aber ir (
der pfaffen) eine ze rede wurde gestôʒʒen von eime ritter oder von eime burgere.
Basler rechtsquellen 1, 11, 1 (
v. 1270),
vergl. auch zur rede ziehen.
Siegfr. v. Lindenb. 2, 42 (
die stelle unten unter d);
später ohne diesen sinnlichen bezug: Reinhart wirt von seinem gesellen zu rede gestellt, der Rosamunde halben.
buch d. liebe 237
b; wie der könig Gabriotten .. zu red stalt, seines gesellen halben. 243
a; ich hatte ihn einmal zur rede gestellt, und ihm seine laster vorgeworfen. Göthe 34, 91; stellte er ihn eines abends plötzlich zur rede. G. Keller
leute von Seldwyla 1, 264; den grüszt ich und zu red in stelt, wo er gewest wer untern katzen (
so zerrauft). H. Sachs 1, 519
d; ohne zweifel deiner thaten hat man dich gestellt zu red. Spee
trutzn. 189, 150
Balke. 3@cc)
ebenso zu rede setzen: noch rhümet er hie im psalm, er vertilge die verleumbder, und wir wöllen jn am ende dieses psalmen, zu rede setzen, warumb er sich thar des rhümen, das er nicht gethan, noch gehabt hat. Luther 6, 159
a; wie jn aber andere gut gesellen drumb zu rede setzen. Mathesius
Sar. 17
b; wie er (
Christus) auch sein wirt Simon darumb zu rede setzet, das er jm kein fuszwasser setzen liesz. 120
b; was darfst du mich deszwegen viel zu rede setzen und tribulieren? Philander (1642) 1, 472; alle aufrührische gotslästerer gebührlich zur rede säzze. Butschky
kanzl. 804; einen zur rede setzen,
rationem reddendam postulare ab aliquo. Frisch 2, 99
a; er setzte den sofisten mit aller hitze eines in dem gegenstande seiner anbetung beleidigten liebhabers zur rede. Wieland 2, 177; sich selbst zu rede setzen,
in verblaszterer bedeutung, bloszes nachdenken hervorhebend: Cnemon ward in jhm selbst zu red gesetzt, gedacht, was du lengest begert und darauf gewartet, und doch die hoffnung unmüglich geacht, geschicht jetzundt on alle dein zuthun.
buch der liebe 205
b. 3@dd)
daher einem zur rede stehen,
auf befragen rechenschaft, schuldige oder geforderte auskunft geben: so wie er (
Winckelmann) auch bald das interesse an dem was sich auf kritische untersuchungen bezog, verlor, weder handschriften vergleichen noch deutschen gelehrten, die ihn über manches befragten, zur rede stehen wollte. Göthe 37, 44; ihr grillenfänger sollt uns heut zu rede stehn, mit deutlichkeit, und nicht mit dunklem wesen. 3, 114; allein gehorsam geh ich fort, gebeut mein fürst zu gehn; denn er, nicht ich, musz einstens dort dafür zur rede stehn. Gökingk 3, 84;
oder auch nur rede stehen: ich gesteh ihn nicht einmal rede.
polit. stockf. 86; freilich war er schlechterdings nicht im stande, sich desfalls im mindesten rede zu stehen, aber er dachte auch nicht daran, dasz er sich nur einmal darob zur rede ziehen könnte.
Siegfr. v. Lindenberg 2, 42; soll das geschlecht für den frevel des einzelnen rede stehen? Schiller
Fiesko 2, 3; sie sollen mir rede stehen. Freytag
soll und haben 1, 118; seitdem die vierzig commissarien ... mich, die betäubte, überraschte, flugs aus dem gedächtnis rede stehen lassen. Schiller
M. Stuart 1, 2; an dem throne der königin sollt ihr mir rede stehn! 4, 3;
Ruodi. warum verfolgen euch die reisigen?
Baumg. erst rettet mich, und dann steh ich euch rede.
Tell 1, 1. 3@ee) rede
in solchen fügungen formelhaft mit antwort
verbunden: wenn die künstler dem dichter gefolgt sind, so kann ich mir von allen ihren abweichungen rede und antwort geben. Lessing 6, 415; stürzten weiber schreiend heraus, heulende kinder folgten, niemand gab red und antwort. Göthe 22, 199; der condukteur, das ist, der aufseher über den postwagen, der auf alles acht haben, und an ort und stelle über die briefe und pakete red und antwort geben musz. Hebel 2, 127; wer das betrübte leben, des königs jahr-buch list, kann red und antwort geben. A. Gryphius (1698) 1, 585; 2.
chor. was hast du hier zu fragen, zu verbieten? 1.
chor. dir steh ich nicht zu red und antwort hier. Schiller
braut von Mess. v. 1721. 44) rede,
in weiterem sinne, zusammenhängende darlegung, äuszerung und aussprache einem andern gegenüber; ein sinn der noch nicht im goth., erst im ahd. erscheint, aber seit dieser zeit in den manigfaltigsten schattierungen sich ausbildet: ahd. redia, reda,
sententia, quaestio, prosecutio, thema, allegatio, disputatio, supputatio, oraculum u. a. Graff 2, 445
f.; mhd. nhd. rede,
loquela, locutio, sermo, eloquium. voc. inc. theut. r 3
a; red, wort, spraach,
sermo, verbum, loquela, dictum, oratio, allocutio, dictio. Maaler 328
a. 4@aa)
in der älteren sprache bericht von etwas geschehenem, erzählung: thaʒ ih in thesen rediônni lugi in thêvangelion. Otfrid 5, 25, 33; ichn weiʒ ab waʒ ode wie in sît geschæhe beiden. eʒn wart mir niht bescheiden von dem ich die rede habe: durch daʒ enkan ouch ich darabe iu gesagen niuwet mêre.
Iwein 8163; waʒ sol ich lange rede sagen? sie kârten kein der Rîge wider.
livl. reimchron. 9491; sintemal sichs viel unterwunden haben, zu stellen die rede (
διήγησιν,
narrationem vulg., goth. insaht) von den geschichten, so unter uns gegangen sind.
Luc. 1, 1; die erste rede (
τὸν μὲν πρῶτον λόγον) hab ich zwar gethan, .. von alle dem, das Jhesus anfieng, beide zu thun und zu leren.
ap. gesch. 1, 1. 4@bb)
auch darlegung in lehrform, zunächst mündlich gegebene, dann auch schriftlich niedergelegte abhandlung; es ist im mittelalter kunstausdruck für eine in prosaischer oder poetischer form gegebene lehre: hier begin ih einna reda umbe diu tier, uuaʒ siu gêslîho bezêhinen. Müllenhoff
und Scherer
nr. 82, 1; mich leitet mînes gelouben gelubde, daʒ ich von des tôdes gehugde eine rede fur bringe. H. v. Melk
erinnerung 3; also han ich Hans Vindler die red klaubt ausz mangen buochen, und die ich alle muost durchsuochen ee dʒ ich die red bracht zuo einer summ.
Haupts zeitschr. 9, 110; lange oder vilfaltige red, oder handlung einer sach,
dissertatio, macrologia. Maaler 328
b; dis sind die rede des predigers, des sons David.
pred. Sal. 1, 1; dis sind die rede, welche Baruch der son Nerie, des sons Mahasie ... in ein buch geschrieben hat.
Baruch 1, 1; und sie sprachen zu jm, setze dich und lise, das wirs hören, und Baruch las jnen fur jren ohren. und da sie alle die rede höreten, entsatzten sie sich, einer gegen den andern, und sprachen zu Baruch, wir wollen alle diese rede dem könige anzeigen.
Jer. 36, 17;
und noch im 18.
jahrh.: zoologia, eine rede von den thieren, ist dasjenige
theil der pharmacie, welches der thiere natur, kräfte, und die präparaten von denenselben aufführet und erkläret. Woyt
schatzkammer medicinischer und natürlicher dinge (1746) 1035. 4@cc)
von den aussprüchen gottes und Christi, in der bibel- und geistlichen sprache: die rede des herrn ist lauter, wie durchleutert silber im erdenen tigel.
ps. 12, 7; er sendet seine rede auf erden, sein wort leuft schnell. 147, 15; der geist des herrn hat durch mich geredt, und seine rede ist durch meine zungen geschehen.
2 Sam. 23, 2; höre das gesetz von seinem munde, und fasse seine rede in dein herz.
Hiob 22, 22; (
ich) trette nicht von dem gebot seiner lippen, und beware die rede seines mundes mehr denn ich schüldig bin. 23, 12; darumb das sie mein gesetz verlassen, das ich jnen furgegeben habe, und gehorchen meiner rede nicht, leben auch nicht darnach.
Jer. 9, 13; wer diese meine rede höret, und thut sie, den vergleiche ich einem klugen man, der sein haus auf einen felsen bawet.
Matth. 7, 24; da Jhesus diese rede volendet hatte, entsatzte sich das volk, uber seiner lere. 28; sie aber vernamen der keines, und die rede (
τὸ ῥῆμα,
goth. þata vaúrd) war jnen verborgen.
Luc. 18, 34; was ist das fur eine rede (
τίς ἐστιν οὗτος ὁ λόγος,
goth. hva sijai þata vaúrd), das er saget, jr werdet mich suchen, und nicht finden?
Joh. 7, 36; die dritte red hast du gethan dem, der dich, herr, gebeten (
dem schächer am kreuze). P. Gerhard 162, 41. 4@dd)
auch sonst von einem der erklärung oder belehrung dienenden vortrage, einer auseinandersetzung: und Lamech sprach zu seinen weibern Ada und Zilla, jr weiber Lamech höret meine rede, und merkt was ich sage.
1 Mos. 4, 23; die rede (
Josefs) gefiel Pharao und allen seinen knechten wol. 41, 37; merkt auf jr himel (
spricht Moses) ich wil reden, und die erde höre die rede meines munds.
5 Mos. 32, 1; nemet zu oren und höret meine stimme, merkt auf und höret meine rede.
Jes. 28, 23; stehet auf jr stolzen frawen, höret meine stim, die jr so sicher seid nemet zu ohren meine rede. 32, 9; durch süsze wort und prächtige rede (
διὰ τῆς χρηστολογίας καὶ εὐλογίας), verfüren sie die unschüldigen herzen.
Röm. 16, 18; nein, ich wil zu keiner seiten ausz der weiszheit wege schreiten, sondern fleiszig mein gehör ihrer güldnen rede leihen. S.
Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises 82. 4@ee)
weiter auch nur von einer äuszerung, einem aussprechen, ohne dasz mehr das zusammenhängende, vortragsartige betont wird: als sein herr höret die rede seines weibes, die sie jm saget, und sprach, also hat mir dein knecht gethan, ward er seer zornig.
1 Mos. 39, 19; höre die rede deiner magd. 2
Sam. 20, 17; und da sie (
die ziege) jr man Tobias höret blecken, sprach er, sehet zu das nicht gestolen sei, gebts dem rechten herrn wider .. uber diese rede ward seine hausfraw zornig.
Tob. 2, 22; ein rede, so zur unzeit geschicht, reimet sich eben, wie ein seitenspiel, wenn einer trawrig ist.
Sir. 22, 6;
es heiszt eine freundliche, liebliche, weise, harte, gotteslästerliche rede: ein weiser man bringet sich selbs zu ehren, durch seine weise rede.
Sir. 20, 29; gib jm (
dem nächsten) nicht böse wort, und begegne jm nicht mit harter rede. 31, 40; pfeifen und harfen lauten wol, aber eine freundliche rede, besser denn die beide. 40, 21; scheme dich nachzusagen, alles was du gehöret hast, und zu offenbaren heimliche vertrawete rede. 41, 29; ewer rede (
goth. vaúrd izvar) sei allezeit lieblich, und mit salz gewürzet, das jr wisset, wie jr einem jglichen antworten sollet.
Kol. 4, 6; es ist ein weise red (
wenn man sagt, was man einem treuen diener gebe, sei alles zu wenig), und wirt doch von vielen angefochten. Agr.
sprichw. 170
b; mit diesem stimpt auch folgende seine denkwürdige (
nachdenkenswerte) redt zu, da er sagt: es sei jhm in seinem ganzen leben nichts unglückseligers widerfahren, als dasz er hette regieren müssen. Zinkgref
apophth. 1, 2; wie mir die gotteslästerliche rede einmahl vorgebracht worden. Chr. Weise
erzn. 182
Braune; armuot sprach: thuo der red geschweigen! H. Sachs
fastn. sp. 1, 27, 170; reichtumb sprach: dein red ist ark. 182; der Eris antwort fing sich stets mit aber
an. nein! war das schluszwort ihrer rede. Lichtwer
fabeln 2, 24; ewer rede aber sei, ja, ja, nein, nein, was drüber ist, das ist vom ubel.
Matth. 5, 37; sei bestendig in deinem wort, und bleibe bei einerlei rede.
Sir. 5, 12; ich ermane euch aber .. das jr einerlei rede füret, und lasset nicht spaltung unter euch sein.
1 Cor. 1, 10; an den früchten merket man, wie des baums gewartet ist, also merket man an der rede, wie das herz geschickt ist. du solt niemand loben, du habest jn denn gehöret, denn an der rede kennet man den man.
Sir. 27, 7. 8;
und daher sprichwörtlich: was der mann kan, das zeigt die red
an. hauptschlüssel der teutschen u. ital. sprache (
Augsburg 1648) 554; freie rede
in der neueren sprache, durch verbote nicht gehemmte äuszerung dessen was man in bezug auf staats- und öffentliche angelegenheit denkt, vergl. redefreiheit: drum gab er ihm (
dem mann) den kühnen muth, den zorn der freien rede. Arndt
ged. 104;
im rechtsleben ward durch rede
erklärung oder aussage vor gericht bezeichnet, ihr gegenüber die gegenrede (
vergl. theil 4
1, 2251); rede und widerrede Haltaus 1533,
vergl. auch klagrede 2,
theil 5, 933; (
es werden) auch alle gerichtliche schub und termin gehalten, clag, auszzug, rede und widerrede schriftlich und müntlich angenomen.
d. städtechron. 11, 801, 2; die herren schreiber waren dieser rede (
einer gutachtlichen äuszerung) nicht zufrieden. Philander 1 (1642), 253; secht also bringt ein rede (
zeugenaussage) die ander.
fastn. sp. 543, 25; eines mannes rede, keine rede! Mathes.
Syrach 1, 70
a; ein manns red ein halbe red, man soll sie hören alle beed. Lehmann 189; rede
und gegenrede
auch in nicht gerichtlichem sinne: so ward mir erzählt, während es drauszen brauste und stürmte. doch ging die rede (
oben d) nicht so ununterbrochen, sondern es gab dazwischen noch gar manche rede und gegenrede. J. Gotthelf
erzähl. 4, 186. 4@ff) rede
begreift aber auch die gegenrede
der letzteren art in sich, wenn es wechselseitige äuszerung, unterredung bezeichnet: und Abner hatte eine rede mit den eltesten in Israel.
2 Sam. 3, 17; weil jr solche rede treibet.
Jer. 5, 14; und es erschein jnen Elias mit Mose, und hatten eine rede mit Jesu (
goth. vêsun rôdjandans mit Iêsua).
Marc. 9, 4; was sind das für rede, die jr zwischen euch handelt underwegen?
Luc. 24, 17; es seie ein grosze sach, geheime reden mit den fürsten machen, und derselbigen hände küssen. Schuppius 757; zuo der rede kômenOrtwîn und Gêrnôt, dâ die helde rietenden Sîfrîdes tôt.
Nib. 808, 1; da etwan einer wol bericht (
ein wolberichteter) erzelen will ein alt geschicht .. und jederman sein red begert (
oben d), damit der weg jn kürzer sei, und nützlich red doch sei dabei.
Grobian. E 4
a (
v. 1291).
vgl. dazu zu rede werden, kommen, rede führen,
unten 5,
a. 55)
der neueren sprache ist rede,
namentlich in den verwendungen 4,
d—
f nur in festen formeln oder in pluraler stellung geblieben (
vergl. unten a—
e),
in freiem gebrauche selten: was ist der langen rede kurzer sinn? Schiller
Piccol. 1, 2; pful, welche red ist das, herr feldmarschall, warum so wüthen gegen euren kaiser —.
Wallensteins tod 4, 7;
mit einspielen der bedeutung 10
unten: doch der jüngling mit fester rede zu dem könig der inseln spricht: nicht zum spiele und nicht zur fehde, zu dem becher auch komm ich nicht. Arndt
ged. 221.
eine reihe formelhafter wendungen aber haben sich ergeben, und dauern zum theil bis heute. 5@aa) zu rede werden eines dinges
oder von etwas,
sich über etwas besprechen: da wardt man zu red, wie das man fried in der ehe het. Pauli
schimpf 55
a; (
sie) wurden solcher handlung und schlacht in der herberg .. zu redt. Götz v. Berl. 59; (
die herzogin) auch Fridrichen bei jr zu bleiben erbetten hatt, damit sie sich mit jhm desz ritters halb ersprechen möchte, vielerlei zu rede wurden.
Galmy 84; als aber auf ein zeit graf Steffan Schlick sampt andern ehrlichen leuten im Carlsbad an der Töpel bei einander gewesen, sind sie dises bergwerks und allerlei propheceyungen von diesem thal zu rede worden. Mathesius
Sar. 95
b; wenn sie denn desz (
todten) Calasiri zu rede wurden, war aber jammer und noht.
buch der liebe 210
d; mit einander dʒ nachtmal namen .. von vielen und mancherlei sachen unter dem nachtmal zu red mit einander wurden. 230
a; under andern, beide von dem jüngling Gabriotto zu red wurden. 234
a; als nun Gabriotto sampt seinem gesellen den gang jetzt gar wol gelernet hatten, auch forthin keines andern dings mehr denn der zweier jungfrauen zu rede wurden. 235
a; nachdem sie mancherlei mit einander zu red wurden. 236
a; nit lang zeit vergieng, dasz er und der ritter mit einander auf eim entenbeizen zu red wurden. 244
a; als er menschlicher undankbarkeit zu red ward. Zinkgref
apophth. 1, 251; diu lûter und diu klâre kunegîn von hôher art ze rede mit dem künege wart von disen zwein besunder.
Engelh. 664; was hat er gsagt? das sagt mir balt, ob jhr seit meiner zu red worn! J. Ayrer 267
d (1337, 27
Keller);
dafür: sich mit ihr zu red setzet. Steinhöwel
Bocc. (1588) 1, 153
a;
gewöhnlicher und älter aber zu rede kommen mit jemandem: mit einem ze red kommen, mit einem anfahen ze reden,
instituere sermonem cum aliquo. Maaler 328
c; und kamen mit unserem hauptmann zuo red. Frank
weltb. 229
a; nun war es spat am tag, dasz sie desz tags nicht mit jhrer gevatter zu red kommen mocht.
buch der liebe 302
d; wie sol ich des gevâren daʒ ich den süeʒen klâren der Dieterich geheiʒen ist sprechen müge an dirre frist und ich mit im ze rede kome?
Engelh. 1295;
später rede führen mit einem: wie ihr lange mit einander rede führtet. Bettina
tageb. 184. 5@bb) eine rede thun,
eine äuszerung als bericht oder behauptung: und wie er die red thut, so stehet einer dahinden bei meinem haufen neben mir, den stiesz ich also mit eim arm neben an die seithen, und sagt, hörst auch, was der sagt? Götz v. Berl. 60; am morgen früh kam richtig Benz und wollte eine rede darthun, aber kaum hatte er angefangen, fuhr zu seiner verwunderung der alte ihn an: schweig mit dem gestürm. J. Gotthelf
erzähl. 4, 276; entbeut dein dienst (
einer vor dem hause stehenden jungfrau) und brauch dich sehr .. und thuo ein schöne red daher, wie dein jungs herz jr huld beger.
Grobian. E 1
a (
v. 1082); bei seiner rede bleiben,
bei dem was man einmal gesagt hat: bis auf den letzten tropfen in der flasche würde ich bei meiner rede bleiben. Lessing 1, 511; er bleibt nicht auf einer rede,
non constat sibi, eadem ait et negat. Serz 125
a;
fräul. es ist eine nichtswürdige kreatur, die sich nicht schämet, ihr ganzes glück der blinden zärtlichkeit eines mannes zu verdanken!
Tellh. falsch, grundfalsch!
fräul. wollen sie es wagen, ihre eigne rede in meinem munde zu schelten? Lessing 1, 595;
und so nimmt rede
die bedeutung der äuszerung einer festen ansicht, einer behauptung auf: das ist von jeher meine rede gewesen; es war immer meine rede, dasz er nicht gesund sei;
wie in der älteren sprache: das ist yedermanns einhällige red, alle welt ist desz gesinnet,
atque haec una vox omnium est. Maaler 328
b. 5@cc)
in bezug auf den verlauf einer unterredung heiszt es die rede nehmen: Reinekens neffe, der dachs, nahm jetzt die rede. Göthe 40, 8,
vgl. mnd.: de grevink was Reinkens broders sone; de sprak do, unde was sêr kône.
Rein. fuchs 150; eines rede auffangen,
an das geredete anknüpfen: Gelanor fing ihm diese rede auf, und sagte, ihr herren geistlichen, ihr habt gut reden. Chr. Weise
erzn. 22
Braune; die rede auf etwas lenken: und er lenkt die rede auf vergrabne schätz und mitternächtig geisterbannen. Scheffel
trompeter s. 98 (6.
stück);
gern einem in die rede fallen (
vergl. dazu th. 3, 1282
unten): verzeicht mir sprach der mönch, dasz ich euch in die red fal.
Garg. 273
a; wann jhm einer in die rede fiele, sagt er: zween können wol mit einander singen, aber nicht reden. Zinkgref
apophth. 1, 253; hätte als ein ehrsuchender escuyer vielleicht noch eine unzähliche zahl seiner qualitäten und tituln her erzählet, wann nicht der procurator fiscalis jhm in die rede gefallen, und gesagt: ad rem, ad rem! Philander 1 (1642), 430; wie ubel es einem jungen kerl an stünde, ... das er auch hochweisen mächtigen helden, gebornen herren, oberkeiten und räthen, darf in die rede fallen, zusprechen, es besser verstehen, besser wissen und sagen wollen. 2, 111; hier fiel ihr der mann in die rede. Chr. Weise
erzn. 11
Braune; Florindo ... fiel ihm in die rede, und wolte erweisen, dasz alles aus reiner und ungefärbter liebe geschehen.
s. 16; herr rath, fiel ihn Lopez in die rede, noch vor dem nächsten morgenaufgange soll er (
der vorschlag) ausgeführt sein. Arnim
Hollins liebeleben 45
Minor; dieses einfallen in die rede versichert mich, dasz ich sie sehr wohl verstehe. Lessing 2, 365; fall jm in seine red mit trutz, und sprich sein schwätzen sei nit nutz.
Grobian. E 4
b (
v. 1294); frägst du, wie? fiel ihr (
der eule) der uhu in die rede. Lichtwer
fabeln 1, 25; und sie schaute rückwärts — scherzend fiel sie dann ihm in die rede. Scheffel
trompeter s. 191 (12.
stück);
wem so in die rede gefallen wird, dem sagt man auch: vergessen sie ihre rede nicht; einen in der rede unterbrechen; plötzlich unterbrach sich die hexe in ihrer rede. Keller
leute von Seldwyla 2, 334; in der rede stören: was stört dich in der rede, werther gast? du stockst, du athmest tief. Uhland
ged. 174; prinz, fieng er an, ich werde mein vaterland nicht wieder sehen, erfahren sie also ein geheimmis .. hier verschied er. die hand des todes zertrennte den faden seiner rede. Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 213; 'wenn ich —' doch nicht weiter spann ich der bewegten rede faden, was der mund schwieg, sprach das auge. Scheffel
trompeter s. 192 (12.
stück). 5@dd)
in bezug auf den gegenstand der unterredung: die rede kommt auf etwas; man bringt die rede auf etwas; auf eine rede von etwas kommen,
incidere in sermonem de aliqua re, darauf gerathen,
delabi. Frisch 2, 98
c; von etwas
oder einem ist die rede,
wird in einer unterredung verhandelt: der kurze dicke rathsherr kam auch herbei gewatschelt ... man verständigte ihm, wovon die rede sei. Wieland 19, 348; nach unsrer neulichen unterhaltung, wo die rede war, wie ein jeder sich in der welt wolle geltend machen. Göthe 24, 284; es war die rede ob man sich mit einer abbitte begnügen könne. 19, 282; von wem ist denn die rede? Schiller
don Carlos 4, 4;
auch in verblaszterem sinne, wo der begriff der unterredung zurück- und bloszes sich handeln um etwas hervortritt (
vergl. frage von etwas sein
th. 4
1, 48): nein doch, mademoisell, die rede ist von dem herrn kapitän von Schlag. Lessing 2, 413; es ist nur von verbannung die rede. Göthe 14, 246; wie man auch in ungeheuren fällen, wo alles auf dem spiele steht, noch immer so fort lebt, als wenn von nichts die rede wäre. 17, 149; man erwartet ich weisz nicht welches ungeheuer, so bald von Philipp dem zweiten die rede ist. Schiller
hist.-krit. ausg. 5, 3; Lydia hingegen liesz sich während der drei oder vier tage, während welcher von meinem abzug die rede war, kaum sehen. G. Keller
leute von Seldwyla 1, 45; du schärfe deiner augen licht, in diesen gauen scheints zu blöde, von teufeln ist die frage nicht, von göttern ist allhier die rede. Göthe 57, 278;
namentlich in verneinenden sätzen, in denen ein gänzliches abgeschlossen- oder fernsein einer bezüglichen frage betont wird: wenn ich mir die jahre zurückerinnere, wo sie und Eduard das schönste paar bei hof waren; weder von so glänzenden zeiten, noch von so hervorleuchtenden gestalten ist jetzt die rede mehr. Göthe 17, 115; von danken und denken ist hier die rede nicht, versetzte jener gefaszt, hier handelt sichs vom glück oder unglück meines lebens. 23, 195; und es ist auf dem theater von unserm so sorgsam gearbeiteten stück niemals die rede gewesen. 29, 149; es ist nicht mehr die rede von weggeworfenen aussichten oder ahnen, .. oder von der meinung der welt. Schiller
Fiesko 2, 3; es war aber keine rede mehr von einer ordentlichen bebauung (
des ackers). G. Keller
leute von Seldwyla 1, 98; dasz von kunst und durchspielen einer rolle bei ihr keine rede mehr sein konnte. 2, 251; nicht ist von recht, noch von gericht die rede; hier ist gewalt! Göthe 9, 329; und, wie ichs euch vorausgesagt, schon ist die red nicht mehr davon, den herzog blosz bei ehren zu erhalten. Schiller
Piccol. 4, 3; von unserm denken ist hier nicht die rede. die sache spricht, die kläresten beweise. 5, 1; im staatsrath sprech ich anders. hier ist nicht die rede von dem recht, nur von dem vortheil.
M. Stuart 2, 3; solang der tapfre lebte, durfte nie die rede sein von fried und übergabe.
jungfrau von Orleans 1, 3;
ohne artikel, von etwas ist rede, wird rede: sie rechnen auf die Patrizier? vielleicht weil sie saure gesichter schneiden, die achsel zucken, wenn von staatssachen rede wird?
Fiesko 2, 5; die galeeren werden der nation scharf in die augen stechen. merke auf, was davon rede wird. 2, 15; der zeitpunkt, worinn er (
der marquis von Posa) auftrat, war gerade derjenige, worinn stärker als je, von menschenrechten und gewissensfreiheit rede war.
hist.-krit. ausg. 6, 38; eh noch von einer räuberschaar .. von fieber, ohnmacht, todtenbaar und thurmeinsperren rede war. Gotter 1, 44; etwas kommt zur rede, in rede,
wird gegenstand des aussprechens: fischer. was habt ihr im gemüth? entdeckt mirs frei.
Tell. ist es gethan, wirds auch zur rede kommen. Schiller
Tell 4, 1;
oder auch nur des bedenkens, erwägens: aber das consulat war seit der einnahme der stadt gar nicht mehr zur rede gekommen. Niebuhr 3, 4; aufs neue kam ... die verbindung der beiden höchsten gewalten am firmament der kirche in rede. Ranke
sämmtl. werke 1, 329; etwas ist nicht der rede wert,
nicht wert dasz man davon spricht: trotzdem war es nicht der rede werth, was der gast bis jetzt zu sich genommen. G. Keller
leute von Seldwyla 2, 11; 1.
Arkeb. gevatterin, was hab ich verzehrt?
Mark. ach! es ist nicht der rede werth! Schiller
Wallenst. lager, 11.
auftr.; etwas steht in rede,
bildet den gegenstand einer verhandlung oder auch eines erwägens: die meisten der in rede stehenden schriften. Strausz
streitschriften, vorrede s. xiv; da die in rede stehenden beispiele nicht eben häufig sind. E. v. Hartmann
spiritismus (1885)
s. 71. 5@ee)
der plur. reden
in der bedeutung der gesprächsweisen äuszerungen: sol ein weiser man so aufgeblasen wort reden, und seinen bauch so blehen mit losen reden?
Hiob 15, 2; welcher hochheimlicher reden deutung auszzulegen einem bauren nicht unmüglich. Philander 1 (1642), 193; o hätte ich ehr- und friedenliebende leute mit erdichteten losen reden nicht also an einander gehetzet! 340; bald sind es die schlüpfrigsten reden, die buhlerhaftesten scherze, die euch an uns gefallen. Lessing 2, 20; kehren sie sich nicht an seine allzunatürlichen ausdrückungen. ein kriegsmann ist dergleichen reden gewohnt. 411; jetzt erst verstehe ich die verwirrten reden, die vorhin Bertha vorbrachte. Hauff
Lichtenstein 1, 53; auch gefiel sie sich darin, .. als geistliche frau auf besuch zugegen zu sein mit einem goldenen kreuze auf der brust, und intrigante höfliche reden mit dem kriegsherren zu wechseln. G. Keller
leute von Seldwyla 2, 236; haltlose, unsichere reden. 315; verfängliche reden führen; gotteslästerliche reden ausstoszen; ach, mein jungfer Lieszgen, die zeit ist zu köstlich, dasz wir reden führen sollen, die nichts zur sache dienen. Chr. Weise
erzn. 72
Braune; Piz. frage nur deinen cammerdiener, was du vor reden im schlafe führest.
Sin. was sage ich denn? 115; doch welche reden, die ich führe! ist das die zusprache, die sie, schönste, von mir erwarten? Lessing 2, 575; nichts auf eines reden geben,
auf seine äuszerungen, auf das was er sagt; ich sage ihnen dieses, damit sie wissen, was sie auf ihre reden zu geben haben, — deren sie oft sehr seltsame führt. 172; eure reden helfen euch jetzt nichts. Hauff
Lichtenstein 1, 76;
es heiszt das sind nur schöne reden,
wenn man an die wahrheit des geäuszerten nicht glaubt; mit schönen reden und mit singen that ich im leben was ich wolt (
spricht eine jungfrau). R. Roberthin
in den ged. des Königsberger dichterkreises 45; macht mich ein kluger freund, durch reden voller geist, bei wenig schüsseln satt: so hab ich wohl gespeist. Gellert 2, 7; zum werke, das wir ernst bereiten, geziemt sich wohl ein ernstes wort; wenn gute reden sie begleiten, dann flieszt die arbeit munter fort. Schiller
glocke v. 13; ich mach mir an des Illo seinem stuhl deszwegen auch zu thun, so viel ich kann, der führt dir gar verwundersame reden.
Piccol. 4, 5; die handlungen und reden der kinder geben uns .. den reinen eindruck des naiven. Schiller
hist.-krit. ausg. 10, 431. 66) rede,
was leute unter einander sprechen, gerede, gerücht: rede für gerücht, geschrei,
rumor, fama. Frisch 2, 98
c;
gewöhnlich in festen verbindungen; es ist, wird rede von etwas: und vil red ward mit namen, man maint, Wellenburg (
der ort) wär des Aunsorgen und nit des marschalks.
d. städtechron. 4, 104, 21; do rede waʒ, der küng wölt uff uns ziehen. 196, 29; was wird in der ganzen welt von deiner republic für ein red sein! Schuppius
schriften 717; es ist die rede davon, dasz der fürst abdanke; es ist stark die rede davon, dasz er überschuldet sei; es ist die durchgängige, allgemeine rede,
sermo, qui nunc fere est in ore hominum. Serz 125
a; die rede lautet, erschallt: die menner von Coseba, Joas, Saraph, die hausveter worden in Moab, und Jasubi zu Lahem, wie die alte rede lautet.
1 chron. 4, 22; und diese rede (
ὁ λόγος οὗτος,
goth. þata vaúrd) von jm erscholl in das ganze jüdischeland.
Luc. 7, 17; eine rede aussprengen,
rumorem spargere, die rede davon hört ziemlich auf,
rumor senescit. Frisch 2, 98
c;
sehr häufig eine rede geht: die red gadt ausz, man sagt,
sermo est. Maaler 328
b; ich höre, dasz eine rede auszgangen sei, unter etzlichen meinen widersachern, dasz die universitäten in Teutschland mir würden an halsz gerathen. Schuppius 800; es gehet die rede, er sei todt,
rumor est eum mortuum esse. Frisch 2, 98
c; schon vor jahr und tag ging die rede aus einem ohr ins andere, Feridun brüte über dem anschlag. Wieland 8, 424; da geht nun die rede, und es soll mehr als gewisz sein, er habe alles geld, welches er habe auf- und anbringen können, einem bankhaus in Bern gebracht. J. Gotthelf
erzähl. 4, 195; und durch das ganze dorf hört man die rede gehn, der kleine Töffel hat den Hadrian geschlagen. Lichtwer
fabeln 3, 4; doch soll sie, wie die rede geht, eh sie im herrn entschlafen, die götter haben angefleht, den jüngling zu bestrafen. Hölty 6
Halm; Assad war bei hübschen christendamen so willkommen, auf hübsche christendamen so erpicht, dasz einmal gar die rede ging — nun, nun; man spricht nicht gern davon. Lessing 2, 315; ja, schon vorlängst im Karazanenland hört ich dergleichen — und die rede gieng, es sei der prinz des königs Keicobad .. zu Peckin umgekommen. Schiller
Turandot 1, 1;
im plur., wo berührung mit oben 5,
e besonders deutlich sich zeigt: es gehen schlimme reden von ihm,
male audit. Frisch 2, 98
c; er kehrt sich an die reden der leute nicht; jeder wuszte aber hievon nichts, weil er nicht viel acht gab auf der leute reden und dem sinne undeutlicher anspielungen nicht nachfragte. Keller
leute von Seldwyla 2, 288. 77)
auch im sinne der üblen nachrede, wie schon mhd.: dâ von sô rât ich daʒ, daʒ man sich hüete deste baʒ, und ieklich mensch als ûfrecht lebe, daʒ er der rede kein ursach gebe.
edelstein 54, 82; in der rede sein, in die rede kommen, jemanden in die rede bringen. Adelung; ein ehrlicher mensch kann oft unschuldig in die rede kommen.
ebenda; so? also hat er meine tochter nur in die rede bringen wollen? und also will er sie sitzen lassen, der gottlose mensch? Gellert 3, 207. 88) rede,
die verabredung: und schiede wir mit minnen ûf solhe rede von hinnen, daʒ ich mîn zinsreht stæte von disen zwein landen hæte.
Trist. 172, 18;
noch in der verbindung der rede
oder in der rede eins werden: endlich wurden sie der rede eins, es sollte jeder noch einen kernhaften wunsch thun. Hebel 2, 102;
sonst durch abrede
th. 1, 86
ersetzt. 99) rede,
von der bedeutung 4
aus zu dem sinne eines kunstvollen mündlichen vortrags entwickelt, bereits ahd. reda
oratio Graff 2, 446,
wie später (
mehrfach in die bedeutung 4,
d verlaufend):
oratio red, kurz red Dief.
nov. gloss. 273
a;
oratio, ein volkumne red,
proprie ein lange rede, welche mit fleisz gestellet ist. Dasyp.;
unterschieden nach gelegenheit und ort einer solchen: eine gerichtliche, academische, geistliche, weltliche rede; in öffentlichen reden. G. Keller
leute von Seldwyla 2, 83; rede in der kammer, im reichstage, im gericht, in der volksversammlung, vor der gemeinde, zum volke,
vergl. auch kammerrede, kanzelrede, leichenrede, tafelrede, trauerrede, volksrede
u. s. w.; ein red vor radt,
oratio in senatu, ein red zuo dem volk oder zuo der gmeind,
oratio ad populum Maaler 328
b;
es heiszt eine rede thun, halten
u. ähnl.: aufston vor dem volk ein red zethuon,
ascendere in concionem. ebenda; ein tröstliche red thuon,
tollere animos dictis. 328
c; Hydaspes thet eine rede zu dem volk.
buch der liebe 223
b; die red so Eberhard gethan, den andern wol gefiel. 243
d; Johann Ulrich, mein lieber sohn, nun will ich noch meine letzte rede an dich thun (
die leichenrede).
a. m. im Tockenb. 226; es bat der gute stümper, es möchte ihm doch eine anleitung gegeben werden, wie er bei gelegenheit eine rede, auf dergleichen manier, halten solte, denn er versähe sich alle stunden, dasz ein vornehmer mann sterben möchte, da würde er ... die abdankung zu halten haben. Eurylas hatte einen studenten bei sich, der half ihm folgende rede schmieden. Chr. Weise
erzn. 132
Braune; er ... hielt lange reden in die bohnen hinein. Keller
leute von Seldwyla 1, 111; (
die thoren) die ohne Phöbus geist sich stolz als dichter blähn, und bald von kindischen und eiteln mährchen träumen, bald meistersängern gleich nur eine rede reimen. Lichtwer
schriften s. 78;
die rede
wird einem gebäude verglichen: das gebäude seiner rede tapezierte er schlieszlich mit tausend verslein und bildern aus den dichtern aller zeiten und völker auf das schönste aus. Keller
leute von Seldwyla 2, 282; in der rede stecken bleiben; Fritz blieb mit seiner also durchschnittenen rede ganz verblüfft stecken. 1, 176; mit der rede inne halten,
sermonem revocare. die rede beschliszen,
finem dicendi facere. Steinbach 2, 234;
auch nur geschriebene reden,
abhandlungen in redeform: reden an die deutsche nation durch Johann Gottlieb Fichte; ein buch ist das werkzeug der überbringung einer rede ans publikum. Kant 5, 349. 1010) rede,
mit betonung des äuszern von etwas vorgetragenen. 10@aa)
des klanges, der stimme: schreiben ist ein miszbrauch der sprache, stille für sich lesen ein trauriges surrogat der rede. Göthe 25, 364; es ist keine sprache noch rede, da man nicht jre stimme höre.
ps. 19, 4; seine rede war wie ein gros gedöne.
Dan. 10, 6;
mit witziger anspielung auf die bedeutung oben 4: er hat dich in deinem conterfaith nicht recht troffen und dir die schellen an die ohren gemahlt, welche billiger an der zunge stehen solten, weil man dich mehr an der redt als am gehör erkennet.
Simpl. 4, 234
Kurz. 10@bb)
der form: in gehobener rede; ein ausdruck der nur der schlichten rede, nicht der edeln eigen ist; gebundene rede; proslîh reda,
prosa oratio. Graff 2, 446; als fürchtete der dichter in gebundener rede sich von der wirklichen natur zu weit zu entfernen, und in ungebundener den poetischen schwung zu verlieren. Schiller
hist.-krit. ausg. 10, 488; der priester predigt euch in ungebundner rede, und meine predigt ist gereimt. Lichtwer
fab. 2, 23; gewandte, stotternde, stockende rede; also auch jr, wenn jr mit zungen redet, so jr nicht eine deutliche rede gebet, wie kan man wissen was geredt ist?
1 Cor. 14, 9; in freier, flieszender rede sprechen; um der rede mehr kürze und gedrängtheit und dadurch zugleich mehr neuheit, wohlklang, kraft und nachdruck zu geben. Heyse
kl. deutsche gramm. (1821) 301; für jeden, der gewandt in der rede war und dem es nicht an keckheit mangelte. Keller
leute v. Seldwyla 2, 279; die rede will mir ganz nicht flieszen, ich zittre wie ein espen-laub. S. Dach
in den ged. des Königsberger dichterkreises 102; da wird lispeln geschwätz, wird stottern liebliche rede; solch ein hymnus verhallt ohne prosodisches masz. Göthe 1, 278; und seiner rede zauberflusz. 12, 178;
vgl. mhd.: ich spriche ouch deste minner ê von iegelîcher sache, ê ich iu daʒ mære mache unlîdec unde unsenfte bî mit rede, diu niht des hoves sî.
Trist. 200, 40;
im plur. von den wendungen der redeform: und geschicht oft, das ein gut gesell, der sich desz puren teutschen gebraucht, und solcher unteutschen reden sich mit allem fleisz müsziget und enthaltet, für einen unverständigen esel gescholten ... wird. Philander 2 (1643), 124; ob es ihm an materie zu weitern discurse mangelte, oder ob er sich auf die hochteutschen reden nicht besinnen kunte, die er von acht tagen her ausz dem complimentirbuche sehr fleiszig auszwendig gelernet hatte. Chr. Weise
erzn. 74
Braune. dann rede
auch von der grammatischen fügung: die rede kann auf so vielerlei art abwechseln, und einen so mannigfaltigen schwung nehmen, dasz kein satz dem andern ganz ähnlich werden darf. Gottsched
deutsche sprachkunst (1762)
s. 479; directe, indirecte rede,
oratio directa, indirecta; er gab die worte, die er gehört hatte, nur in indirecter rede wieder.
vgl. auch redeabkürzung. 1111) rede,
gewendet auf die gabe des vortrags: selbst du, des liedes holde wundergabe, selbst du, der rede himmlische gewalt (
erstarrst). Arndt
ged. 191;
oder überhaupt die fähigkeit sich zu äuszern: der schmerz nimpt einem die red, wenn einer so groszen schmerzen empfindt das er nit mer reden mag,
devorat vocem dolor. Maaler 328
b; die red ist jm gestanden,
hœsit vox faucibus. ebenda; hab ich nit war, so widersprichs! wie? schweigst? ist dir die red verlegn? H. Sachs
fastn. sp. 1, 66, 426; das mädchen sasz so blöde, als fehlt ihr gar die rede. Uhland
ged. 245. 1212)
daher rede
wie menschliche sprache: was ist es, das den menschen unterscheidet von einem unvernünftigen thier? ist es nicht die vernunft und die rede? Schuppius
s. 811;
mit hervorhebung der aussprache: welche (
Finnen) schon zu Taciti zeiten nichts teutsches an sich gehabt, und noch heutiges tages haben sie gar eine andere rede als die Schweden: haben kein f in jhrer ganzen sprache. Micrälius
alt. Pomm. 1, 47; der (
knabe) hett ein mangel an der red, und viel ding falsch auszsprechen thet. Sandrub
kurzweil 42;
näher an die vorige bedeutung der redefähigkeit rührend: mir stimm und zung erstarren, mir bresten red und wort. Spee
trutzn. 52, 458
Balke; die schwarzen kirschen sind bei ärzten hochgeacht, ihr wasser hat die red halb todten wiederbracht. Reinh. v. Freientahl (1700)
s. 45;
im gegensatz zum schweigen: nechst sagt ein alter greisz: jemehr die jungfern schweigen, jemehr künn ohne wort jhr preis gen himmel steigen, die stille frome zucht, die eingezogenheit, die rede wann sie schweigt, bring eitel liebligkeit. Logau 2, 32, 38;
selbst für stimme
gesetzt: allein in der gräszlichen einsamkeit, tief unter dem schall der menschlichen rede, bei den ungeheurn der traurigen öde. Schiller
hist.-krit. ausg. 11, 225. 1313) rede,
wie lat. ratio, für vernünftiger grund, ursache, grund und absicht; sô sama auh nu dhesses chiboranin sunes suohhant redha (
si quidem et gignendi filii quœritur ratio).
Isid. 5, 11
Weinhold; ist später nur wenig bezeugt und im eigentlichen nhd. nicht mehr vorhanden: auf di red das .. (
hac ratione ut) Schm. 2, 54
Fromm.; an den dingen (
waffen und pulver) allen sol man kein versparung haben und ieglichs ain notdurft laden, daʒ zu dem ernst gehört, von red und notdurft wegen.
d. städtechron. 2, 291, 22;
mnd. rede,
absicht, zweck, in der fügung up de rede,
in eam rationem. Schiller-Lübben 3, 440
b;
niederrhein. rede
und reide: item boven die vurgeroirten sachen sint noch ander rede, wairumb historien zo lesen nutzlich si.
d. städtechron. 13, 255, 6; die eirste meinung dunket mich bequemer sin, kurzlich umb zweier reden willen. 410, 12; dus enmoichte mans neit laissen vur schanden, de stat enmoiste den laster anden unde oich den schade sunder reide unde rouf, den up si der buschof dede. 12, 113, 3189.
vgl. dazu redlich 2
und redmäszigkeit.