Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
REDE stf.
1. = lat. ratio, goth. raþjô übersetzt gr. ἀριθμός, λόγος, nhd. zahl, berechnung, rechenschaft. ähnlich noch oft in ahd. glossen ahd. reda = lat. ratio, ratiocinium, debitus ordo; ahd. redea argeban, lat. rationem reddere. reda pezeichenet pêdiu rationem et orationem.
a. rechenschaft. eʒ ist uns gelihen von gotes gnâden und müeʒen rede dâvon geben myst. 320,30. ein iegelîch mennische muoʒ an der jungesten urteil got in rede gên alles des, des si ûf dirre erde getuont spec. eccles. 98. swenne aber ir einer ze rede würde gestôʒen von eime ritter oder von eime burgære, zur rede gesetzt, zur rechenschaft gezogen, basl. recht 12,18. vgl. die anm. der gestêt er aller in rede, die hat er alle zu verantworten, Genes. fundgr. 2,21,15. einen ze rede setzen, zu lat. aliquem ad rationem ponere vgl. Haltaus 2,1532. ebenda 1533 ze rede stên. noch jetzt in der redensart “red und antwort geben”.
b. die gebühr, das der vernunft, der gebühr entsprechende; verständiges, begründetes wesen, folgerichtigkeit, grund. mit rede het er den valschen man Wigal. 1605, d. h. den mann, an dem irgend ein falsch war, bei dem nicht alles so war, wie es sein sollte, behandelte er so, wie es sich gehörte, wie es recht und billig war. daʒ wir wîp niht mügen gewinnen friunt mit rede, si ne wellent mê, ach, dass die männer immer mehr verlangen und sich nicht mit dem begnügen wollen, was ihnen eine freundin nach recht und billigkeit gewähren kann. vgl. anm. zu Wigal. 1605 (vgl. redelîch u. auch unten nr. 3).
2. = lat. oratio. nhd. die rede, erzählung, das gespräch; alles was gesprochen, mündlich verhandelt und abgemacht wird. das wort kommt mit so mannigfaltigen schattierungen dieser seiner bedeutungen vor, dass es zu weit führen würde, diese übersichtlich zu ordnen und scharf zu sondern. si stuonden in ir alten rede, wiederholten was sie vorher gesagt hatten, Genes. fundgr. 2, 21,39. iuwer rede hât niht kraft Iw. 16. waʒ hulfe rede lanc das. 92. eʒ schînet wol, daʒ disiu rede nâch eʒʒen ist, unüberlegt wie in der weinlaune nach tafel, das. 39. diu rede ist nâch wîne das. 97. diu rede dûht si gemelich das. 99. wunderlich das. 293. diu rede was von in zwein, die gespräche drehten sich um sie, das. 119. ich vant der rede eine wârheit, fand das wahr, was er mir gesagt hatte, das. 31. einem der rede gestên, ihm beistimmen, das. 41. waʒ sol der rede mêre das. 96. valscher rede vrî sîn, nicht tadelsüchtig sein, das. 99. valschiu rede, aus bösem willen herrührender tadel, Wigal. 7. wer mag des wesen frî, daʒ er hin müg ân rede komen der argen Boner. 3,59 u. 61. der meister, der got dienen sol, der sol durch kein red abelân das. 2,39. vgl. das. 52,92. vil red hât er mir abegenomen, viel übele nachrede, das. 53,70. si gâben im der rede, des geredes, schult Pass. K. 322,25. er wart von frowen rede offenlîch geschent zürch. jahrb. 47,25. lât diz vingerlîn ein geziuc der rede sîn Iw. 13. der rede ist unlougen das. 115. der rede gereit sîn, leisten wozu man sich erboten hat, das. 158. lützel überiger rede ergie hie, der doch gerne vil geschiht, dâ man vil wîbe ensamen siht das. 231. der rede vil dâ geschach das. 278. ich bedarf dâ stæter rede wol, darf nichts sagen als worauf man sich fest verlassen kann, das. 288. iu ist mit der rede ze gâch das. 39. hie was mit rede schimpfes vil das. 41, dabei wurde manches gesagt, was nicht im ernste zu verstehen war. eʒ ergienc nâch ir rede das. 117. der rede giengen si dô nâch das. 158. eʒ ze rede bringen das. 206. er erkunnete nie süeʒer rede das. 239. het er uns die rede erwant das. 17, wenn er uns um das gebracht hätte, was Calogreant uns erzählen wollte. wîn gît rede das. 39. güete und wîse rede haben das. 237. si begunden rede darumbe hân das. 266. er het sîn rede vür ein spil das. 131. von dem ich die rede, alles was ich euch erzählte, habe das. 296. die rede begunder klagen das. 278, das zu hören that ihm leid. dô muose ich rede und vröude lân das. 23. die rede lât das. 87. ir sult die rede lân das. 100. 196. 286. 291. lât bœse rede das. 188. herre got, nu lêre mich die rede das. 121. die rede meint er niender sô das. 61. dô sprach aver Keiî eine rede diu im wol tohte, die ihm ganz gleich sah, das. 39. er getet sîner vrouwen rede, sprach für sie, in ihrem namen, das. 95. die rede, die man hie tuot das. 226,272. swenne si iuwer rede vernement das. 87. daʒ man uns tumbe rede vertrage das. 280. in eines rede treten, auf seine seite treten, Parz. 527,14. hie gêt diu rede enzwei Walth. 104,6. mir was ir rede swâr das. 121,39. wie kumt eʒ, daʒ ich sô wol verstân ir rede und si der mîner niht das. 71,28. man hôret an der rede wol, wieʒ umb daʒ herze stât das. 83,38. sô wil ich die rede entslieʒen kurzwîlen das. 16,24. sô kund ich die rede verstân das. 42,4. lâ die rede sîn das. 88,28. mit gebærde, mit gewisser rede, mit ræte das. 30,11. die rede lât belîben Nib. Z. 3,51. sô sult ir wan einer rede jehen, gleicherweise sagen, das. 59,52. du hâst mich ze dienste mit rede dich angezogen, hast behauptet, dass ich deine untergebene sei, das. 128,22. die rede, das was ich gesagt habe, wil ich dir baʒ bescheiden Walth. 23,2. waʒ sol diu rede beschœnet das. 106,6. zuo der rede kom Ortwîn und ouch Gêrnôt, zu der unterredung, Nib. Z. 131,41. si zugen selbe ir anker in, als eʒ der rede niht solte sîn Trist. 2306, ganz heimlich, da es nicht zur sprache kommen sollte; darum gaben sie keinen auftrag, sondern thaten es selbst. diʒ wort rede hât sô vil, daʒ ich nemach noch newil eʒ alleʒ niht volenden vateruns. 1092. mit rede sin und fuoge wider einen haben, sich auf eine überlegte und angemessene weise gegen jemand äussern, Trist. 5422. eine rede zeln Karl 27. a. diu künegin ze rede mit dem künege wart von disen zwein Engelh. 664. des wart ein burger ze rede mit der tuochmacher einem zitt. jahrb. 12,25. daʒ weder wîp noch man ze ir rede niemer komen kan, zur unterredung mit ihr, Flore s. 4148. ebenso swie si sant ir ze rede kæme das. 536, wo B liest zuo ir rede. vgl. und füeg ouch lieplich, müg eʒ sîn, zuo dîner rede heinlich mich Heinzelein ML. 1432. und füegest, sô eʒ müge sîn, daʒ ich kom zuo der rede dîn das. 2107. dô ich kom zuo der rede dîn das. 2086. mit den gesten kam er höveschlîche ze rede Flore s. 3660. daʒ si mit im ze rede kam Herb. 8016. wær ich mit ir ze rede komen colocz. codex 101,167, hätte ich sie gesprochen. vgl. anm. zu Flore s. 536. daʒ ich den süeʒen sprechen müge und ich mit im ze rede kome Engelh. 1295. daʒ er in tœten niht enhiez und in ze rede komen lieʒ das. 3670. daʒ ir in niht enlieʒent ze rede und ouch ze rehte komen das. 3657. nu lâʒe wir die rede stân Diemer 84, 20, eine völlig stereotype redensart, um den übergang zu etwas anderem zu bilden, vgl. die menge von beispielen in der anm. nu lâʒen dise rede ligen Pass. 231,81. doch lât die rede alsô ligen Ludw. kreuzf. 3634. der lantgrâve des begert, wie diu geschiht wære verswigen unde der diu rede, das gespräch von derselben, solde geligen das. 5965. di erste rede was ouch sîn, er huob an Ludw. 12,5. dô was wol ein rede, wi marcgrâve Diether gestorben wære das. 29,15. dar under doch rede vil geschach beider sît Ludw. kreuzf. 814. vil hobischer rede dâ geschach das. 2776. ir rede dâbî ouch alsô lief, man solde teilen die schif das. 3318. waʒ mac ich iʒ, ob sich diu rede tzoget das. 4434. der rede wil ich beginnen nu Ludw. kreuzf. 26. des tuon ich rede hie bekant Crane B. 2245. susgetâne rede reite unser hêrre spec. eccles. 76. und schiede wir mit minnen ûf solhe rede, solche mündliche verabredung, von hinnen, daʒ ich mîn zinsreht stæte... hæte Trist. 6816. si bant dise meistere mit reden myst. 254,36. in stê sîn beste rede bî, seine beste vertheidigung, Barl. 223, 26. swer borg ist... mag von chainer red nicht ledig werden, in sag dann der, des porg er ist, ledig, durch keine ausreden? oder von keiner verbindlichkeit, wie der herausgeber annimmt? münch. stdtr. 175. vgl. redelôs u. Haltaus 2,1533. er sprach zuo ir, wolte si sîn fürsprech sîn gên got, sô wolte er ir rede tuon, für sie sprechen, ihre vertheidigung führen, vor der welt leseb. 838,8. welre schöffel ouch die rede tuot an dem gerihte, dem sol der hêrre sîn schussele senden über tisch Alsatia 1854/5. s. 90. — technischer name für spruch, gedicht, zumal episches. vgl. den anfang des Annoliedes swâ man eine guote rede tuot. gehört hieher schon hie gêt diu rede enzwei Walth. 104,6 und mir ist mîn êrre rede enmitten zwei geslagen das. 61,33? die rede haiʒt der frömd sin, die red ist mit verkêrten worten Suchenw. 43,61 u. 69. den namen rede geben sich die bücher Mose bei Diemer 3,4; fundgr. 2,10. die jüngere Judith bei Diemer 127,3. vom jüngsten gerichte, das. 283,1. Hahns anegenge 1,7. Tundalus 41,5. 66,23. Eraclius 4b. 112b. Pilatus leseb. 277,28. Isengrins noth 12. vgl. klage Lm. 8. 22. 24. Dietleib 23. 2440. Ludw. kreuzf. 5 (mir ist geboten, daʒ ich sol ein rede ze rehte berihten). Hartm. arm. Heinr. 17 (nu beginnet er iu diuten ein rede, die er geschriben vant). vgl. Wackern. littgesch. s. 145 anm. 5. von didactischen gedichten nennen sich so: Hartmann vom glauben 25. 34 u. ö. physiologus 73,2. Wernher v. Niederrhein 30,12. Wernher v. Elmendorf 1 fg. Suchenw. leseb. 917,19. selbst in strophischer form, vgl. die reden des Hugo von Montfort. so zuweilen schwankend mit liet. vgl. Wackernagel littgesch. s. 271 anm. 14. s. 286 anm. 13. — auch als wortgehalt der melodie entgegengesetzt. nieman gelernen kan rede und gedœne singen MS. 2,107. a. sinnelôse giegen hânt in ir herze die vernunst, daʒ si den künsterîchen steln ir rede und ir gedœne das. 2,106 a.
3. gegenstand der rede, das was in betracht kommt, die sache; oft rein umschreibend für eʒ. ähnlich mære (s. dasselbe). der bâbes sprach dô: diu rede ist alsô, so ist es, nicht etwa: so wird gesagt, kaiserchr. Diemer 289,12. dolt er die marter durch daʒ, daʒ der mennisce verlorn was? der bâbes sprach dô: diu rede ist alsô das. 289,18. der rede ist alsô, es verhält sich also, Wigal. 2604 u. 4186. sô gesihest du wol selbe, waʒ diu rede ist Iw. 30. diu rede ist ûʒ ir wege gar, den brunnen vertheidigen zu wollen, das fällt ihnen gar nicht ein, Iw. 87. sô næm dich der rede vil untûre, daʒ du uns næmest den lîp, so würdest du dir kein gewissen daraus machen, uns zu ermorden, Gregor 2620. so empfängt Dancwart den Blödel, der mit seinen gewaffneten an die tische tritt, ehe derselbe noch ein wort gesprochen hat, mit der frage: jâ wundert mich der mære, waʒ sol disiu rede sîn? Nib. Lm. 1859,4. möht ich mich hin ze iu beiden einer rede verlâʒen, und (nämlich darauf dass) woltet ir iuch mâʒen übeler gebærde her ze mir und ouch des haʒʒes Trist. 10335. vrowe, si varnt niht sô enwec, ich versuoche, waʒ diu rede sî Lanzelet 6379. iemitten gienc ouch Brangæn în und erkande daʒ glas und sach wol wie der rede was, wie die sache stand, Trist. leseb. 451,27. zohant nâ desen reden, nachdem dies geschehen war, darnach, Karlmeinet 526,3. vgl. stellen wie Boner. 57,68. 59,47. 66,25, die, obwohl wirklich reden vorhergehen, doch nicht anders zu verstehen sind. — ûf die rede, zu diesem zwecke. swelher si des jæhen, daʒ si diu schœnist wære dâ, der gæbe man ouch daʒ pfærit sâ; wandeʒ der künec von Irlant ûf die rede dar hât gesant Wigal. 2563. ûf die rede kômen si dar, daʒ si daʒ vil getriuwe wîp mit in gefüeret wolden haben das. 9225. nu wil ich alle kristen her ûf die rede vristen, daʒ er dîn und ir kemphe sî Barl. 223,24 durch welhe rede tuot ir daʒ, weshalb, aus welchem grunde, Eneit 7428. durch welhe rede tæte ich daʒ, wozu, Barl. 210,14. — dô was eʒ an die rede komen, dazu gekommen, daʒ frowen Uoten kinde dient alleʒ daʒ gesinde klage Lm. 41. swenne eʒ an die rede gât, daʒ er entwiche gerne das. 1582. wer mohte des getrowen, daʒ eʒ zuo der rede solde chomen, so weit, bis zur ermordung aller, klage Lassbg. 1331 (gleich darauf wir heten diu starchen mære wol understanden). im Tristan 16563 (bei M. 416,5) liest M.: bî der gebærde erkenne ich mich, daʒ er iu lieber ist dann ich, aber in F steht bî der rede, dabei, erkenne ich, was dasselbe sagen würde.