spieke,
f. lavendel, aus lat. spica (nardi),
woher die vollere form spikenarde,
s. das. '
der nahme ist aus dem latein. spica
entlehnet, welchen diese pflanze vermuthlich wegen ihrer ährenförmigen blumenspitzen erhalten hat. da das i
in diesem worte lang ist, so schreibt man es richtiger spiek,
als spik
oder spick.' Adelung,
vgl. Frisch unter 1,
c und Weigand 2, 762. 11)
die form zeigt sehr zahlreiche varianten. 1@aa)
ganz lateinisch, so schon ags. spíca (
masc.) Bosworth-Toller 902
a: nardus oder
spica in der apoteck genannt, ausz India,
nardus. Maaler 302
d; wann die spica ein jahr gesetzt worden, so soll man sie im sommer fein beschneiden. Coler
hausb. (1680) 1, 227
b.
als masc.: lafander (
lavendel, cassia) und spica (
nardus), wie wol die zwen stauden eynander fast änlich seindt, mit wurtzeln, holtz, blettern, stengelen, blmen, unnd samen, so ist doch der spica in gemelten dingen dem lafander überlegen. ... was nun der spica mit blettern, bluomen, ähern, stengel, geruch, breiter, lenger, höher, dicker, unnd stercker ist, das ist der lafander schmäler
u. s. w. Bock
kreütterb. (1539) 1, 14
a; spica ausz India. Wirsung
artzneyb. (1597) 661 C; diese zwey gewechs werden so gleicher natur und gestalt erfahren, dasz man den spica das männlin, weil er grössere bletter und äher,
auch stärckern geruch hat, den lavendel das weiblin nennet. 775 C. 1@bb)
in schreibung und endung deutsch gestaltet: spieke.
so gewöhnlich in neuerer zeit, z. b. bei Adelung. Kinderling 332. Campe. Krünitz 157, 509. Weigand 2, 762,
bezw. spike Karm.-Heeren
3 5, 323 (
so in Ungarn Schröer 207
a).
doch ist das wort jetzt überhaupt in der schriftsprache ziemlich auszer gebrauch gekommen. 1@cc)
mit apokope: spik, die,
et spikenard, der,
planta nota est, spica nardi seu nardus Celtica dicta. Stieler 2077;
dann auch als masc.: spik,
s. m. ein wohlriechendes kraut, an dessen stängel ein ähr-förmiges blütenspitzlein. daher heiszt es spick.
lat. spica, um des geruchs willen aber heiszt es
nardus. Frisch 2, 301
c.
so hat Hohberg 3, 1, 553
b (
neben gewöhnlichem spicanard) die indianische, welsche, frantzösische,
aber auch der welsche spic,
s. unten 2.
länge des vocals ist in allen diesen formen nicht sicher, sie können daher auch zu e gestellt werden. deutlich dagegen in der schreibung spiek, s. Nemnich
unter 2,
e, wo das geschlecht nicht angegeben ist. koburg. spîk,
m. Frommann 6, 108, 1, 12,
nd. spîk Danneil 203
b. 1@dd)
mit kurzem vocal: spica nardi, spicken Gerszdorff
feldb. der wundartzney (1535) 201
a (
im vocab. herbarum, in der ausgabe von 1530
dafür: spica nardi, ist spica also genannt); aber eine madam werden zu können, deren herr immer nach bisam und spicke riecht. Weisze
kom. opern 3, 312 (
ärndtekr. 2, 3); hier reucht die spicke, baas als des Orontis kraut. Scherffer
Hugo (1669) 141,
vgl. Drechsler s. 246.
so noch in Leipzig. Albrecht 214
a. 1@ee)
als masc., der
spick, so schon im 16.
jahrh., s. Fischart
Bodin 82
b unter 2,
b, häufiger im 18.;
so bei Hohberg, Jablonski, Zincken, Nemnich (
s. 2,
b), Campe,
s. unten 2. der spick
und die spick
im wechsel bei Lonicerus
kreuterb. 151 C
ff., s. unten 2,
a. (spick
mundartlich im Elsasz nach Ch. Schmidt
hist. wb. 332
b). 1@ff)
vereinzelt ist die erweiterung spicket, n., im tirolischen. Schöpf 688. 1@gg)
gewöhnlich zeigt die bair.-österr. mundart eine form, die den alten langen vocal in diphthongierter gestalt erhalten hat, aber ins männliche geschlecht übergetreten ist, also der
speik Höfer 3, 153. Schöpf 685, speick Schm. 2, 657. Hintner 208. Lexer 236, schbaik Castelli 229.
s. auch Nemnich
unter 2,
b. 1@hh)
ein fem. speike vereinzelt bei Oken 3, 961,
s. unten 2. 1@ii)
zuweilen finden sich formen mit verschiebung des k:
spica nardi spich (15.
jahrh., voc. v. 1482), spick (
nomencl. v. 1530). Dief.
gloss. 546
b; spich, hat das alte vocabular. für spik. 1482. Frisch 2, 301
c. Scherz-Oberlin 1533. 22)
bedeutung. 2@aa)
gewöhnlich wird spieke
mit lavendel
gleichgesetzt, lavandula spica, der lavendel, spiklavendel, spik. Nemnich. Krünitz 157, 509,
lavendula officinalis Pritzel-Jessen. Adelung.
daneben wird es von lavendel
unterschieden: unser teutscher spick, oder spicanardi,
vulgo nardus Germanica, ... item
spica, wirdt auch grosser spick genannt. ... seiner geschlecht seind zwey, das grosz, welchs jetztgemeldte namen hat. das ander ist das klein, so man lavander und lavendel nennet,
vulgo lavendula. .. in allen dingen seind spick und lavendel einander fast gleich, aber die spick ist stärcker am geruch, auch mit allen dingen grösser und stärcker, aber der lavander zarter, lieblicher und nützer. Lonicerus
kreuterb. 152 C.
s. ferner Bock
unter 1,
a und Hohberg
unter spiekwein.
als besondere art des lavendels: lavendel, ... sie ist zweyerley, die grosse oder breit-blätterige, wird auch spick genannt, und die kleine schmal-blätterige. Jablonski 384
a; der grosse oder breitblätterige lavendel, sonsten auch spick oder spicanard, treibet harte, holtzigte, viereckigte, zwey bis drey fusz hohe stengel, und lange weiszlichte blätter.
öcon. lex.2 1603; die spike (
lavande en épi ou commune) oder breitblättriger lavendel (
lavandula spica Dec., latifolia). Karm.-Heeren
3 5, 323. 2@bb)
andre verwandte arten werden durch zusätze unterschieden. so besonders römische oder welsche spieke: valeriana celtica (
nardus celtica, nardus ex Apulia, saliunca) celtische narden, gelber speick, römischer oder welscher spick, salunk, seljunk. Nemnich. Campe (
unter spieke 2);
spica celtica vel romana ... romiszspica, ronspick
vel reinspeck. Dief.
gloss. 546
b (
quelle v. 1485
u. 1517);
spica celtica vel romana, römisch spica. Gerszdorff
wundartzney (1530) 105
a,
in der ausgabe von 1535:
spica celtica, römisch spicken. 201
a; lavandel, welchen die alten deszhalben celtischen nardum nandten, weil er von natur gern viel inn Langedock wächsset: wiewol Valerius Cordus meint, der spick heysse deszhalben celtisch, weil er bey den Teutschen mit hauffen wächsset, also dasz man jhn sehr viel ausz Oesterich unnd den Alpen gen Venedig führet. dann Dioscorides sagt, dasz der spick, da er wächszt, saliunca heiszt: nun heiszt er aber noch auff den heutigen tag bey den Teutschen seeljung. Fischart
Bodin 82
b; der welsche spic oder
nardus celtica. Hohberg 3, 1, 553
b.
so noch im bair.-österr. alpengebiete. Schm. 2, 657. Schöpf 685,
österr. der rothe speik Höfer 3, 153,
kärnt. geler speick Lexer 236.
s. auch Pritzel-Jessen. 2@cc)
in anderm sinne: römischer spick, oder edel spick, frembder wolriechender spick,
Graecis νάρδος ἰνδική, und
Latinis nardus, vulgo spicanardi. nardus indica, und
nardus syriaca. Lonicerus
kreuterb. 151 D,
daneben: Marien Magdalenen blumen, oder seljung,
Graecis νάρδος κελτικὴ.
latinis saliunca ... ist ein narden oder spicken geschlecht, ... vergleicht sich in allen dingen dem römischen spick, allein dasz es kleiner ist. 153 A.
für jene sonst: die
indianische spic, heisset lateinisch
nardus indica, oder auch
spica indica, welche nichts anderst, als der öberste und haarichte theil der Gangetischen cyper-wurtzel, und gleichsam aus den rippen vieler zerriebenen blättern zusammen gewickelt anzusehen ist. Hohberg 3, 1, 553
b.
hier wird ferner angeführt: und weil solche (
indianische spieke) offt mit der frantzösischen und falschen nard vermischet wird, so ist wol zu mercken, dasz die
frantzösische spic sonsten
nard de montagne oder berg-nard genandt, in der mitten der ähren einige harte und höltzichte fäserlein hat, woran sie gar leichtlich zu erkennen ist. — indischer spiek,
indische narde, nardostachys jatamansi. Pritzel - Jessen,
vgl. spikenarde 4,
c, β. 2@dd) Frisch 2, 301
c unterscheidet: gemeiner spik,
vulg. lavendula, lavendel,
nardus Italica. wilder spik,
nardus sylvestris, pseudonardus, cisarum. gerechter spik,
nardus pistice, der rechte, nicht wilde, nicht falsche spike-narde. 2@ee) spiek
auch für eselsgurke, -kürbis, momordica elaterium Nemnich. 2@ff)
in weiterem gebrauche ist besonders das bair.-österr. speik
im alpengebiete üblich: 'der speik;
ein nahmen verschiedener alpenkräuter, welche wegen ihrem aromatischen geruch speik, spick,
spica genennet werden, weil sie mit der eigentlichen spica nardi
etwas ähnliches haben'. Höfer 3, 153.
nach Schm. 2, 657 '
ein gebirg aber auch mitunter für ..., ja wol für jede schöne blume üblich'.
insbesondere (
auszer b): 2@f@aα)
aretia alpina Schm.
a. a. o., blauer speik Höfer
a. a. o. Pritzel-Jessen (
Österreich, Zillerthal, Pinzgau). speike,
aretia Oken 3, 961. 2@f@bβ)
primula glutinosa Schm. Schöpf 685. Hintner 208, blauer speik (
Tirol in Oetzthal, Brixen, Kärnten, in Tirol auch rossspeik). Pritzel-Jessen, plôwer speick Lexer 236. 2@f@gγ)
primula minima Schm., speik, blauer speik Pritzel-Jessen (
Pinzgau, Zillerthal), gelber speik Höfer
a. a. o., roussspeick Hintner 208, sauspeick Lexer 236. 2@f@dδ)
primula auricula Schm., wilder speick Hintner 208, gelber speick (
Tirol) Pritzel-Jessen. 2@f@eε)
primula farinosa rossspeik (
Tirol), blauer speck (speick?
bei Linz). Pritzel-Jessen. 2@f@zζ)
österr. schbaik,
nardus alpinus Castelli 229;
vgl. wiesenspeik,
nardus stricta Höfer
a. a. o. Pritzel-Jessen (
bei Linz). 2@f@hη) der weisse speik,
achillea clavennae. Pritzel-Jessen (
Tirol, Österreich),
sonst weisser wermuth, berg-
oder kornwermuth, roszraute. Höfer
a. a. o. 2@f@thθ)
senecio incanus Schm.
a. a. o., gelber speik (
Salzburg) Pritzel-Jessen. 2@f@iι) gelber speik,
geum reptans. ebenda (
Linz).