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stramm

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stramm adj.

Bd. 19, Sp. 822
stramm, adj. , 'stark gespannt, straff, prall, kräftig, steif, streng'; mnd. stram, mnl. stram (stram strigosus, rigidus, lassus, defatigatus, fractus labore Kilian (1605) 536b), nl. stram; fries. stram Dijkstra 3, 216; Outzen 346; Jensen 588. schwed., norw.,n. stram ist aus dem nd. entlehnt. bei der mehrdeutigkeit von mm im deutschen ergeben sich für stramm verschiedene anknüpfungsmöglichkeiten, die aber letztlich auf dieselbe grundwurzel ster- 'starr, steif' zurückführen. nach Persson beitr. z. idg. wortforschung 430 (dem sich Torp 723, Hellquist 21084 anschlieszen) gehört stramm < idg. stromno- zur basis strem in gr. στερέμνιος 'hart, fest', altkirchenslav. strgmoglavg 'kopfüber', serbokroat. strm 'steil', russ. stremitg 'mit gewalt fortreiszen, treiben' (Trautmann baltoslav. wb. 290); Falk-Torp 1176, Fick 34, 499, Walde-Pokorny 2, 633 verbinden stramm mit mm aus mb mit norw. mundartl. stremba 'ausspannen', 'brust oder magen aufblähen', stremben 'aufgebläht'; isl. strembinn 'straff, hart, stolz'; norw. mundartl. stramb 'scharfer geruch' sowie mnd. strampen, nhd. strampeln (basis stremp-, stremb-). verwandtschaft mit straff (basis strep- oder strebh) vertreten Weigand-Hirt 2, 983 (aus *strapma-); Heyne dt. wb. 3, 851 (aus *strafn-) sowie wahlweise Franck-v. Wijk 674 (aus *straBma- oder mit sekundärem mm aus strama-). stramm, seit 1410 im mnd. bezeugt, wird lexikographisch zuerst verzeichnet bei Schottel haubtspr. (1663) 1424; in späteren wörterbüchern häufig als mundartlich gekennzeichnet: straff, alia dialecto stramm Stieler (1691) 2185; 'vulgär' Frisch (1741) 2, 343; 'nur in den gemeinen sprecharten für straff üblich' Adelung 4, 420; 'im gemeinen leben vieler gegenden, besonders im niederdeutschen, straff, wie auch steif und stark' Campe 4, 692b. das wort, das heute noch im gesamten nd. sprachgebiet lebt, wird seit dem beginn des 18. jh. von autoren niederdeutscher herkunft (s. u. Brockes) in die literatursprache eingeführt, jedoch erst im 19. jh. wird es durch die norddeutsche heeressprache schriftsprachliches gemeingut. den mitteldeutschen maa. fehlt es fast gänzlich, dagegen herrscht es im gesamten Graubünden, im Wallis und in den angrenzenden teilen des St. Galler Rheintales. diese verbreitung und die bezeugung der verbalen ableitungen strammen, erstrammen, stremmen, entstremmen in md. und obd. mundarten lassen auf das hohe alter schlieszen und erweisen die Schweiz als oberdeutsches relictgebiet. wie seiner herkunft nach wird stramm auch synonymisch gern neben straff gestellt, vgl. 'etwas straff und stramm anziehen' Stieler stammb. (1691) 2185; 'stramm und straff non videntur differre nisi labialibus, quae cum sint ejusdem instrumenti, in se mutuo converti possunt' Wachter (1737) 1620; 'stramm heiszt besser und edler straff' Heynatz antibarb. 2, 455; vgl. noch Weigand synon. 3, 743; Eberhart-Lyon (1904) 827; in literarischen belegen: die blätter ... gelangen zu bedeutender grösze, straff und stramm Göthe II 6, 336 W.; die nasenspitze (fängt) an, stramm und straff zu werden Thomas vieharzneibuch (1853) 1, 86. 11) straff gespannt, angespannt, fest angezogen, straff; extensus Stieler (1691) 2185: en boghe, stunde de lange stram getogen, he vorlamede (mitte d. 15. jh.) Schiller-Lübben 4, 426. von einem seil, einem tau u. dgl.: auf einem strammen seil daher gehen Frisch (1741) 2, 343a; strammer die taue, seewasser darauf! Grabbe 3, 441 Bl.; die schoten (segelleinen) laufen stramm E. Landgrebe die neuen götter (1939) 250; ... ziehen sich stramm ebda 252. oft zusammengeschrieben, z. b.: strammgespannte lianen E. von Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas (1920) 213; zu je einem nun strammgespannten seile Rosegger schr. I 2, 304; auf die strammgezogene kette Gutzkow ritter vom geiste (1850) 7, 319. in den nd. mundarten: dat strick iss to stramm Danneil 214; dat tau is nig stramm genoog brem.-ns. wb. 4, 1056; stram trecken, anteihen Schambach Göttingen 213. vom zügel: nach dem stramm angezogenen zügel, der eine hand, ihn zu halten, voraussetzen läszt Welcker denkmäler (1849) 1, 251. im bilde: so stramm er (der vater bei der erziehung der kinder) sonst die zügel festester ordnung hielt Immermann w. 18, 56 B.; schlesw.-holst. he hällt em sdram in 'n tögel hält ihn in zucht Mensing 4, 877. von körperteilen: eine stramme sennader Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1886; die muskeln raffen sich zusammen; die strammen nerven reissen schier Brockes ird. vergnügen (1721) 6, 218; aus den augen fuhrs ihm, wie blitz und flamm, die brust ward voll, die faust ward stramm graf Strachwitz ged. (1850) 47; das gefühl der stramm gespannten muskeln und sehnen H. v. Barth Kalkalpen (1874) 447; die gelenke blieben starr und stramm, einzig dem willen gehorchend ebda 491. in der zusammenrückung: mit strammgestemmten vorderfüszen Rosegger schr. II 6, 208; an ihren strammgestemmten ellbogen vorüber III 2, 113. von der kleidung: knapp, fest sitzend, straff anliegend und daher das gefühl einer spannung erregend, adstrictus, s. Stieler (1691) 2185: den stram angezogenen weissen unterstrumpf Lichtenberg nachl. 164, 13; die knappen hosen und die stramme jacke W. Alexis Andalusien (1842) 19; (die kleider) saszen so stramm, dasz er sich kaum bewegen konnte Trygve Gulbranssen u. ewig singen d. wälder (1936) 250; in nd. mundarten: stramme böxe straffe, enge beinkleider Frischbier 2, 377; die stäweln sitt'n stramm Danneil 214; de rokk sit mi to stramm brem.-ns. wb. 4, 1056; die hose stramm ziehen verhüllend: die hosen eenen schtramm ziehn Brendicke Berliner wortschatz (1897) 179; nordfries. en jongee boksene stram teie Jensen 589. vgl. unten strammbüchse. von einem spannungszustand der haut: eine stramme ruffe (d. i. wundschorf) schiaccia di piaga che, per astringere ò per esser stesa, cagiona dolore Kramer dict. 2 (1702) 996b; zugleich fängt die nasenspitze an, stramm und straff zu werden Thomas vieharzneibuch (1853) 1, 86. oft im nd., z. b.: straom ein unangenehmes gefühl, 'wenn eine geschwulst oder geschwür unter der haut liegt, wodurch diese straff angezogen wird' Danneil 214a. von einem behältnis: prall, voll, (von innen her) angefüllt 'distentus': blasen sie dieselbe (eine blase) nicht zu stramm auf Lichtenberg briefe 2, 112 L.-Sch.; da fülle ich sie (die ochsenblase) aber stramm an ebda 184; Quasts deckbett ist nach altem brauch ein stramm gestopfter federschlauch W. Busch maler Klecksel (1884) 24; je strammer, je besser, sagte die frau, als sie ihrem manne eine pfeife stopfte Wander sprichw.-lex. 4, 890b; zusammengeschrieben: mit strammgepacktem rucksack Rosegger nixnutzig volk (1907) 330; vgl. schlesw.-holst. ik bün lingerlankher sdram voll gesättigt Mensing 4, 876. redensartlich: schlesw.-holst. he ist sdram as en trummel besoffen (1800) Mensing 4, 876; auch N. es stramm ziemlich betrunken (Lippe) dtsch. mundarten 6, 486 Frommann. 22) vom körper 'kräftig gewachsen, gerade, stämmig': der kleine stramme kerl A. von Arnim s. w. 1 (1839) 171 Gr.; ihre (der mutter) stramme volle gestalt Jos. Rank erinnerungen 12 Sauer; (die frauengestalt in einem gemälde) zu kurz und stramm, und die hände zu grob Stifter s. w. 14 (1901) 225; ein noch junger bauer, ... stramm gewachsen Anzengruber ges. w. (1890) 5, 58; es waren ein paar prächtige, stramme burschen (reisebegleiter) v. d. Steinen Zentralbrasilien (1894) 12; das is ihn a strammer pursche geworden ... die arbeit't mit jeder um die wette G. Hauptmann d. biberpelz (1893) 71; berlinisch een schtrammer bengel ein kräftiger mensch Brendicke Berliner wortschatz 179. besonders oft strammer kerl: n sdramr karl stämmiger, kräftiger kerl Hofmann niederhess. 232; dat is en strammen kerl gerade und kräftig gewachsener bursche Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 877. in geburtsanzeigen: ein strammer junge, 'seit etwa einem menschenalter eingeführtes modewort' Müller-Fraureuth 2, 571. auch von einzelnen körpergliedern: meine beine sind stramm genug, den wettlauf mit zu machen O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 233. ähnlich: eine mutter (Myrons kuh) stramm auf ihren füszen wie auf säulen Göthe I 49, 2, 7 W. das ostniederdeutsche hat die bedeutung weiter gebildet zu 'schmuck, hübsch': en stramet mäke ein schmuckes, hübsches mädchen; sie hat stramme kleider wohlschmückende; dat lett em stramm das kleidet ihn gut Frischbier pr. wb. 2, 377; stramm ausgeputzt Schemionek elbing. ma. 39; ene stramme deern ein glattes und nett angezogenes mädchen Dähnert pomm. ma. 466; auch: dat sönd stramme flâden gut geratene, wohlschmeckende Frischbier a. a. o. 33) hochaufgerichtet, gerade, in aufrechter, steifer haltung; hierhin vielleicht der früheste beleg: ein cruce stram (a. d. j. 1410) bei Schiller-Lübben 4, 426; die bedeutung erscheint schon früh abgewandelt zu 'starr, steif, rigidus' Stieler stammb. (1691) 2185. vor allem in niederdeutschen maa. bezeugt: stramm steif, gerade aufgerichtet wie stämmig Schütze holstein. id. 4, 209; he steit so sdram as en pickpahl gerade aufgerichtet Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 877. in der regel nur neben persönlichen begriffen, doch vgl.: der alte, noch nicht verbrannte tannenbaum bekommt seine stramme richte wieder Gutzkow ges. w. (1872) 1, 16.; vom gang: he geit so stramm er gehet so steiff und hochmüthig als hätte er einen zaunpfahl im leibe Richey id. Hamburgense 293; stramm gaan einen steifen gang haben brem. ns. wb. 4, 1056; n strammen gang hat jemand, der affectirt gerade geht Danneil altmärk. ma. 214a; stramm gehen in steifer haltung Frischbier pr. wb. 2, 377; stramm einhergehen wie state (d. i. steif) einhergehen, steif gehen Anton Oberlausitz 13, 10. die schweizerischen maa. kennen das wort nur von der steifheit der glieder: stramm steif (stiff ist nicht bodenständig) Hotzenköcherle ma. von Mutten 210; stramm steif vor müdigkeit Meinherz ma. d. Bündner herrschaft 87; stramm straff, z. b. von langem sitzen in der kutsche Stalder schweiz. id. 2, 406; stramma, strammi stramms steif, nicht biegsam, anormal, auch vom eingeschlafenen bein gesagt Bühler Davos 1, 131; Gottfried Keller zeigt den norddeutschen sprachgebrauch: sie marschierten ... im takt (und) hielten die arme stramm mit geschlossenen fäusten ges. w. (1889) 6, 312. 44) in anwendung auf eine menschliche tätigkeit geht stramm bald auf die körperliche anstrengung, bald auf das unentwegte durchhalten: ihr seid nur ächte lumpe, schimpft, nörgelt, flucht — zieht aber stramm im kummte Gaudy s. w. (1844) 1, 101; ich werde zu Martini 69 und fasse alles noch stramm mit an Immermann w. 3, 23 Boxb. mundartl.: stramm arbêen Woeste westfäl. ma. 257; šdram arwən angestrengt arbeiten Hofmann niederhess. wb. 232; vgl. auch: de sted is banni stram auf der dienststelle gibt es anstrengende arbeit Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 877. bei verben der bewegung: ich schritt immer stramm vor mich hin Eichendorff s. w. (1864) 3, 36; ich schreite mit der zeit durch dick und dünn stramm fort ders. krieg d. philist. (1824) 96; alles weiszzeug los und stramm gesegelt Geibel ges. w. (1888) 4, 72; vgl. mundartlich: stramm to gaan mit starken schritten brem.-ns. wb. 4, 1056. in die bedeutung 'rasch, schnell' übergehend: stramm gan rasch, schnell Woeste 257; gâ af (bauer), renn stramm galopp schnell, sofort, stracks Frischbier pr. wb. 2, 377; daher auch: er übersetzte stramm weg Hermes Sophiens reise (1778) 3, 243. 55) straff in äuszerer haltung, in bewegung und auftreten, besonders von militärischer disciplin; auch wo das wort in nichtmilitärischen bereich übergreift, ist seine herkunft meist unverkennbar: (die soldaten) saszen und regten sich mit fester haltung stramm und selbstbewuszt G. Freytag ges. w. (1886) 13, 79; (er) machte den unbedeutenden versuch eines bücklings, die anderen blieben stramm stehen 6, 64; als (der korporal) stramm dasasz ..., begann der hauptmann 12, 220; (er stand) stramm wie eine schildwache qu. v. j. 1898; zum sturmschritt wird am gefälle des abhangs der gemessene, stramme marsch Fr. Th. Vischer lyr. gänge (1900) 317; wie da (beim kommando) die griffe klappten; alles fuhr stramm zusammen Fontane ges. w. I 6, 49; trat der general ein, in aller gottesfrühe schon sorgfältig gekleidet, stramm, militärisch Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 342; (die polizisten) erheben sich ... ehrerbietig und salutieren stramm Werfel Bernadette (1948) 395; nach ... mehreren, immer strammer wiederholten 'mon capitaine's ebda 22; hierher auch: eine polka mit strammen takten und fröhlichen akkorden E. Langgässer das unauslöschliche siegel (1946) 66. besonders in der verbindung stramm stehen: der angeredete stand stramm in militärischer haltung Polenz Grabenhäger 1 (1898) 9; man sagt, sie (die Deutschen) stehen schon stramm, bevor sie laufen können E. Langgässer das unauslöschliche siegel (1946) 472; wie er (der offizier) aufsprang und strammstand A. Seghers die toten bleiben jung (1950) 517. 66) stramm, ursprünglich die äuszere haltung kennzeichnend, wird früh auch ausdruck der straffen inneren haltung, des beherzten wesens; noch durchaus sinnlich: ich liesz mich ... keineswegs irritieren, sondern ging stramm auf den Andrea los Gaudy s. w. (1844) 2, 110; nur der kriegsrath schritt stramm voran Alexis ruhe (1852) 1, 193; he geit dar sdram hindör gerade, unbeirrt Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 877. von der auseinandersetzung mit einem gegner, einer opposition im sinne von 'unnachgiebig, fest, stark', in den verbindungen stramm bleiben, sich stramm halten: ich will mich so stramm halten wie möglich, aber es kann sein, dasz diese leute (mich) am ende aus meinem lager vertreiben (1837) Annette v. Droste-Hülshoff br. 1, 229 Sch.-K.; sie (können) sehen, dasz wir uns nicht so schwach benommen haben, wie sie es voraussetzten, ob man aber gehörig stramm bleiben wird, steht freilich dahin J. Gerlach briefw. (1893) 153; es wäre besser gewesen, in der militärfrage stramm zu halten gegen Kühne quelle a. d. j. 1898; auch im sinne der unter 4 belegten verwendung: ich habe das gefühl, freund, dass ich mich (bei der arbeit) stramm halten muss (1884) C. F. Meyer an J. Rodenberg, s. br. 194 L.; in der mundart: halte dich stramm halte dich steif, strenge dich an, besonders gegen etwas z. b. im spiele, suche dich gegen deinen gegner zu behaupten Anton Oberlausitz 4, 14. bei weltanschaulichen gegensätzen vom kompromisslosen festhalten an der politischen, religiösen, künstlerischen, wissenschaftlichen überzeugung: ich ... habe gestern eine stramm preuszische rede gehalten quelle v. j. 1849; das bis dahin stramm preuszische element (in Oberschlesien) qu. v. j. 1898; meine hauswirtin ... brachte mich in den geruch eines strammen katholiken H. Hesse Peter Camenzind (1904) 171. als typischer menschlicher wesenszug im sinne von 'beherzt, tapfer'; so in der bereits oben angeführten verbindung strammer kerl: ist das ein hasenfusz ... und scheint doch sonst ein strammer kerl Holtei erz. schr. (1861) 19, 255; ja, ja, du bist halt ein strammer kerl Gottfried Keller ges. w. (1889) 8, 78. 77) in der bedeutung 'streng, gestrenge': er war ein mann, den die bauern in jeder beziehung ein recht hatten, stramm zu nennen. in seiner amtsführung lief nichts unerlaubtes unter Gutzkow ges. w. (1872) 3, 204; mundartlich verbreitet: dat is een strammen herrn ein gestrenger herr Mensing schlesw.-holst. 4, 877; he is ümmer so sdram macht immer ein ernstes, strenges gesicht ebda; e skandarm es billi stram der gendarm ist ziemlich strenge Jensen Wiedingharde 588; hum stram ônt gebet nemme streng ins gebet nehmen ebda; im sack hat sie mir, aber wenn sie mir stramm hält, so hält sie mir doch auch warm W. Raabe hungerpastor 2 (1864) 189; von einer führung, einem regiment, einer regierung: die strammere führung der kirchlichen disziplin jahrb. d. Grillparzerges. 4, 322; die stramme preuszische ordnung Laube ges. schr. (1875) 1, 282; die stramme disziplin Mommsen m. gesch. 5 (51904) 449; er übt das regiment aus, ein strammes regiment Lüpkes seemannssprüche (1900) 48. leicht schlägt diese bedeutung in einen tadelnden sinn um: hier noch ein gemüthliches bequemes philistertum, dort das bei den nachbarn übel berufene, stramme 'preuszische wesen', eine kurz angebundene, dreiste entschlossenheit, die zuweilen sehr unliebenswürdig werden konnte qu. a. d. j. 1897; wiederum mit durchaus sinnlichem hintergrunde: an dem in seiner strammen haltung oft schroff und hochfahrend erscheinenden manne L. von Hasner denkwürdigk. (1892) 80. 88) auf nd. boden erscheinen gelegentlich verwendungen, die aus der parallelität mit streng erwachsen sind: eine stramme kühlte ists allerdings; aber von nem sturm noch ein gut stück ab Höfer aus d. volk (1852) 181; en strammen winter Woeste westf. ma. 257; in uneigentlichem sinne: 'ich bitte doch mich freundlich auszunehmen!' schob die geheimrätin mit etwas strammem lächeln dazwischen Storm s. w. (1899) 4, 7.
17009 Zeichen · 349 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stramm

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Stramm , -er, -este, adj. & adv. welches nur in den gemeinen Sprecharten für straff üblich ist, S. dasselbe.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stramm

    Goethe-Wörterbuch

    stramm [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    stramm

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    stramm stramm 1. straff gespannt, prall Mi 87 b ; de Reep is all to stramm N. Monschr. 4, 151 b ; dei Pierd' hebben kein…

  4. Sprichwörter
    Stramm

    Wander (Sprichwörter)

    Stramm 1. Immer stramm auf dem Damm. 2. Je strammer, je besser, sagte die Frau, als sie ihrem Manne eine Pfeife stopfte.…

  5. Spezial
    stramm

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    stramm I adj. 1 (straff) trat (trac, -a), tenü (-s, -da) 2 (starr, steif) stare (-ri, -ra) 3 ‹fig› (kräftig) robust (-sć…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stramm

19 Bildungen · 16 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

stramm‑ als Erstglied (16 von 16)

strammbüchse

DWB

stramm·buechse

strammbüchse , f. , ein in nd. mundarten verbreitetes wort: strammböx scherzhaft: ' zur strafe gespannte hose '; biem geef dat immer glieks …

strammbücksen

MeckWB

stramm·buecksen

strammbücksen jem. mit einer stramm sitzenden Hose versehen 1. verprügeln: bei stramm angezogener Hose das Hinterteil prügeln Mi 87 b ; Ro B…

strammbulstrig

DWB

stramm·bulstrig

strammbulstrig , adj. , ' widerspenstig, widerborstig, mürrisch ' ; ein im nd., vor allem in den küstenmaa. sehr verbreitetes wort; in rhein…

strammeln

LothWB

stramm·eln

strammeln [štràməln Gelm. ] intr. v. stammeln, stottern.

strammels

DWB

stramm·els

strammels , subst. , das geronnene der milch, lab, s. strammen 1 c und stremmels.

strammen

DWB

stram·men

strammen , stremmen , vb. , auch strämmen, abgeleitet vom adj. stramm; mnl. strammen, stremmen, nl. stremmen, ähnlich im norw. stremja ' sic…

strammheit

DWB

stramm·heit

strammheit , f. , straffheit, stramme art, strammes wesen: die schlaffheit oder strammheit und frische der haut Fr. Th. Vischer ästhetik (18…

strammhen

MeckWB

stramm·hen

strammhen freimütig, ohne Scheu: dat ward ok strammhen seggt Wa Zidd .

strammig

DWB

stram·mig

strammig , strammicht , adj. , erweitertes stramm; als strammicht nur lexikalisch bezeugt Stieler (1691) 2186 ; Kramer dict. 2 (1702) 996 b …

Strammigkeit

MeckWB

strammig·keit

Strammigkeit f. Straffheit, Gespanntheit, Streifheit: er habe de Strammigkeit im Munde Lu AJab .

Strammpuster

Wander

stramm·puster

Strammpuster Er ist ein Strammpuster. ( Köthen. ) Wird leicht aufgebracht, schnauft im Zorn.

Strammsch

MeckWB

stramm·sch

Strammsch f. Frau mit kräftigem, recht dickem Körper; Mudder Strammsch Bezeichnung für die Gutsmamsell Ha Red .

strammscherer

DWB

stramm·scherer

strammscherer , m. , in der tuchfabrikation: bei der transversalschermaschine ... unterscheiden wir den schaffscherer vom strammscherer Lueg…

strammstehen

Pfeifer_etym

stramm·stehen

stramm Adj. ‘straff, fest gespannt, prall, kräftig’. Seit dem Anfang des 15. Jhs. belegtes mnd. stram, vereinzelt auch stramp ‘straff gespan…

strammung

DWB

stramm·ung

strammung , f. , nur lexicalisch verzeichnet, s. Stieler (1691) 2186 ; Kramer dict. 2 (1702) 996 c ; Ludwig t.-engl. lex. (1716) 1886 ; Schr…

strammziehen

Pfeifer_etym

stramm·ziehen

stramm Adj. ‘straff, fest gespannt, prall, kräftig’. Seit dem Anfang des 15. Jhs. belegtes mnd. stram, vereinzelt auch stramp ‘straff gespan…

Ableitungen von stramm (3 von 3)

bestrammen

DWB

bestrammen , striare. Stieler 2186 . s. stramm rigidus, distentus. s. bestremmung .

stramme

DWB

stramme , f. , adj.-abstractum zum adj. stramm, ' das strammsein, die strammheit ': stramme, straffheit rigidezza, rigore, strettetta, stret…

verstrammen

DWB

verstrammen , nd. verb., von Campe angeführte denominativbildung zu dem adj. stramm: ' stramm, steif, starr werden; stramm machen '. aus dem…