stramm,
adj. , '
stark gespannt, straff, prall, kräftig, steif, streng'
; mnd. stram,
mnl. stram (stram
strigosus, rigidus, lassus, defatigatus, fractus labore Kilian (1605) 536
b),
nl. stram;
fries. stram Dijkstra 3, 216; Outzen 346; Jensen 588.
schwed., norw., dän. stram
ist aus dem nd. entlehnt. bei der mehrdeutigkeit von mm
im deutschen ergeben sich für stramm
verschiedene anknüpfungsmöglichkeiten, die aber letztlich auf dieselbe grundwurzel ster- '
starr, steif'
zurückführen. nach Persson
beitr. z. idg. wortforschung 430 (
dem sich Torp 723, Hellquist
21084
anschlieszen)
gehört stramm <
idg. stromno-
zur basis strem
in gr. στερέμνιος '
hart, fest',
altkirchenslav. strgmoglavg '
kopfüber',
serbokroat. strm '
steil',
russ. stremitg '
mit gewalt fortreiszen, treiben' (Trautmann
baltoslav. wb. 290); Falk-Torp 1176, Fick 3
4, 499, Walde-Pokorny 2, 633
verbinden stramm
mit mm
aus mb
mit norw. mundartl. stremba '
ausspannen', '
brust oder magen aufblähen', stremben '
aufgebläht'
; isl. strembinn '
straff, hart, stolz'
; norw. mundartl. stramb '
scharfer geruch'
sowie mnd. strampen,
nhd. strampeln (
basis stremp-, stremb-).
verwandtschaft mit straff (
basis strep-
oder strebh)
vertreten Weigand-Hirt 2, 983 (
aus *strapma-); Heyne
dt. wb. 3, 851 (
aus *strafn-)
sowie wahlweise Franck-v. Wijk 674 (
aus *straBma-
oder mit sekundärem mm
aus strama-). stramm,
seit 1410
im mnd. bezeugt, wird lexikographisch zuerst verzeichnet bei Schottel
haubtspr. (1663) 1424;
in späteren wörterbüchern häufig als mundartlich gekennzeichnet: straff,
alia dialecto stramm Stieler (1691) 2185; '
vulgär' Frisch (1741) 2, 343; '
nur in den gemeinen sprecharten für straff üblich' Adelung 4, 420; '
im gemeinen leben vieler gegenden, besonders im niederdeutschen, straff, wie auch steif und stark' Campe 4, 692
b.
das wort, das heute noch im gesamten nd. sprachgebiet lebt, wird seit dem beginn des 18.
jh. von autoren niederdeutscher herkunft (
s. u. Brockes)
in die literatursprache eingeführt, jedoch erst im 19.
jh. wird es durch die norddeutsche heeressprache schriftsprachliches gemeingut. den mitteldeutschen maa. fehlt es fast gänzlich, dagegen herrscht es im gesamten Graubünden, im Wallis und in den angrenzenden teilen des St. Galler Rheintales. diese verbreitung und die bezeugung der verbalen ableitungen strammen, erstrammen, stremmen, entstremmen
in md. und obd. mundarten lassen auf das hohe alter schlieszen und erweisen die Schweiz als oberdeutsches relictgebiet. wie seiner herkunft nach wird stramm
auch synonymisch gern neben straff
gestellt, vgl. 'etwas straff und stramm anziehen' Stieler
stammb. (1691) 2185; 'stramm
und straff
non videntur differre nisi labialibus, quae cum sint ejusdem instrumenti, in se mutuo converti possunt' Wachter (1737) 1620; 'stramm
heiszt besser und edler straff' Heynatz
antibarb. 2, 455;
vgl. noch Weigand
synon. 3, 743; Eberhart-Lyon (1904) 827;
in literarischen belegen: die blätter ... gelangen zu bedeutender grösze, straff und stramm Göthe II 6, 336
W.; die nasenspitze (
fängt) an, stramm und straff zu werden Thomas
vieharzneibuch (1853) 1, 86. 11)
straff gespannt, angespannt, fest angezogen, straff; extensus Stieler (1691) 2185: en boghe, stunde de lange stram getogen, he vorlamede (
mitte d. 15.
jh.) Schiller-Lübben 4, 426.
von einem seil, einem tau u. dgl.: auf einem strammen seil daher gehen Frisch (1741) 2, 343
a; strammer die taue, seewasser darauf! Grabbe 3, 441
Bl.; die schoten (
segelleinen) laufen stramm E. Landgrebe
die neuen götter (1939) 250; ... ziehen sich stramm
ebda 252.
oft zusammengeschrieben, z. b.: strammgespannte lianen E. von Hesse-Wartegg
zw. Anden u. Amazonas (1920) 213; zu je einem nun strammgespannten seile Rosegger
schr. I 2, 304; auf die strammgezogene kette Gutzkow
ritter vom geiste (1850) 7, 319.
in den nd. mundarten: dat strick iss to stramm Danneil 214; dat tau is nig stramm genoog
brem.-ns. wb. 4, 1056; stram trecken, anteihen Schambach
Göttingen 213.
vom zügel: nach dem stramm angezogenen zügel, der eine hand, ihn zu halten, voraussetzen läszt Welcker
denkmäler (1849) 1, 251.
im bilde: so stramm er (
der vater bei der erziehung der kinder) sonst die zügel festester ordnung hielt Immermann
w. 18, 56
B.; schlesw.-holst. he hällt em sdram in 'n tögel
hält ihn in zucht Mensing 4, 877.
von körperteilen: eine stramme sennader Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1886; die muskeln raffen sich zusammen; die strammen nerven reissen schier Brockes
ird. vergnügen (1721) 6, 218; aus den augen fuhrs ihm, wie blitz und flamm, die brust ward voll, die faust ward stramm graf Strachwitz
ged. (1850) 47; das gefühl der stramm gespannten muskeln und sehnen H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 447; die gelenke blieben starr und stramm, einzig dem willen gehorchend
ebda 491.
in der zusammenrückung: mit strammgestemmten vorderfüszen Rosegger
schr. II 6, 208; an ihren strammgestemmten ellbogen vorüber III 2, 113.
von der kleidung: knapp, fest sitzend, straff anliegend und daher das gefühl einer spannung erregend, adstrictus, s. Stieler (1691) 2185: den stram angezogenen weissen unterstrumpf Lichtenberg
nachl. 164, 13; die knappen hosen und die stramme jacke W. Alexis
Andalusien (1842) 19; (
die kleider) saszen so stramm, dasz er sich kaum bewegen konnte
Trygve Gulbranssen u. ewig singen d. wälder (1936) 250;
in nd. mundarten: stramme böxe
straffe, enge beinkleider Frischbier 2, 377; die stäweln sitt'n stramm Danneil 214; de rokk sit mi to stramm
brem.-ns. wb. 4, 1056; die hose stramm ziehen
verhüllend: die hosen eenen schtramm ziehn Brendicke
Berliner wortschatz (1897) 179;
nordfries. en jongee boksene stram teie Jensen 589.
vgl. unten strammbüchse.
von einem spannungszustand der haut: eine stramme ruffe (
d. i. wundschorf)
schiaccia di piaga che, per astringere ò per esser stesa, cagiona dolore Kramer
dict. 2 (1702) 996
b; zugleich fängt die nasenspitze an, stramm und straff zu werden Thomas
vieharzneibuch (1853) 1, 86.
oft im nd., z. b.: straom
ein unangenehmes gefühl, '
wenn eine geschwulst oder geschwür unter der haut liegt, wodurch diese straff angezogen wird' Danneil 214
a.
von einem behältnis: prall, voll, (
von innen her)
angefüllt '
distentus': blasen sie dieselbe (
eine blase) nicht zu stramm auf Lichtenberg
briefe 2, 112
L.-Sch.; da fülle ich sie (
die ochsenblase) aber stramm an
ebda 184; Quasts deckbett ist nach altem brauch ein stramm gestopfter federschlauch W. Busch
maler Klecksel (1884) 24; je strammer, je besser, sagte die frau, als sie ihrem manne eine pfeife stopfte Wander
sprichw.-lex. 4, 890
b;
zusammengeschrieben: mit strammgepacktem rucksack Rosegger
nixnutzig volk (1907) 330;
vgl. schlesw.-holst. ik bün lingerlankher sdram voll
gesättigt Mensing 4, 876.
redensartlich: schlesw.-holst. he ist sdram as en trummel
besoffen (1800) Mensing 4, 876;
auch N. es stramm
ziemlich betrunken (
Lippe)
dtsch. mundarten 6, 486
Frommann. 22)
vom körper '
kräftig gewachsen, gerade, stämmig': der kleine stramme kerl A. von Arnim
s. w. 1 (1839) 171
Gr.; ihre (
der mutter) stramme volle gestalt Jos. Rank
erinnerungen 12
Sauer; (
die frauengestalt in einem gemälde) zu kurz und stramm, und die hände zu grob Stifter
s. w. 14 (1901) 225; ein noch junger bauer, ... stramm gewachsen Anzengruber
ges. w. (1890) 5, 58; es waren ein paar prächtige, stramme burschen (
reisebegleiter) v.
d. Steinen
Zentralbrasilien (1894) 12; das is ihn a strammer pursche geworden ... die arbeit't mit jeder um die wette G. Hauptmann
d. biberpelz (1893) 71;
berlinisch een schtrammer bengel
ein kräftiger mensch Brendicke
Berliner wortschatz 179.
besonders oft strammer kerl: n sdramr karl
stämmiger, kräftiger kerl Hofmann
niederhess. 232; dat is en strammen kerl
gerade und kräftig gewachsener bursche Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 877.
in geburtsanzeigen: ein strammer junge, '
seit etwa einem menschenalter eingeführtes modewort' Müller-Fraureuth 2, 571.
auch von einzelnen körpergliedern: meine beine sind stramm genug, den wettlauf mit zu machen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 4, 233.
ähnlich: eine mutter (
Myrons kuh) stramm auf ihren füszen wie auf säulen Göthe I 49, 2, 7
W. das ostniederdeutsche hat die bedeutung weiter gebildet zu '
schmuck, hübsch': en stramet mäke
ein schmuckes, hübsches mädchen; sie hat stramme kleider
wohlschmückende; dat lett em stramm
das kleidet ihn gut Frischbier
pr. wb. 2, 377; stramm
ausgeputzt Schemionek
elbing. ma. 39; ene stramme deern
ein glattes und nett angezogenes mädchen Dähnert
pomm. ma. 466;
auch: dat sönd stramme flâden
gut geratene, wohlschmeckende Frischbier
a. a. o. 33)
hochaufgerichtet, gerade, in aufrechter, steifer haltung; hierhin vielleicht der früheste beleg: ein cruce stram (
a. d. j. 1410)
bei Schiller-Lübben 4, 426;
die bedeutung erscheint schon früh abgewandelt zu '
starr, steif, rigidus' Stieler
stammb. (1691) 2185.
vor allem in niederdeutschen maa. bezeugt: stramm
steif, gerade aufgerichtet wie stämmig Schütze
holstein. id. 4, 209; he steit so sdram as en pickpahl
gerade aufgerichtet Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 877.
in der regel nur neben persönlichen begriffen, doch vgl.: der alte, noch nicht verbrannte tannenbaum bekommt seine stramme richte wieder Gutzkow
ges. w. (1872) 1, 16.;
vom gang: he geit so stramm
er gehet so steiff und hochmüthig als hätte er einen zaunpfahl im leibe Richey
id. Hamburgense 293; stramm gaan
einen steifen gang haben brem. ns. wb. 4, 1056; n strammen gang
hat jemand, der affectirt gerade geht Danneil
altmärk. ma. 214
a; stramm gehen
in steifer haltung Frischbier
pr. wb. 2, 377; stramm einhergehen
wie state (
d. i. steif)
einhergehen, steif gehen Anton
Oberlausitz 13, 10.
die schweizerischen maa. kennen das wort nur von der steifheit der glieder: stramm
steif (stiff
ist nicht bodenständig) Hotzenköcherle
ma. von Mutten 210; stramm
steif vor müdigkeit Meinherz
ma. d. Bündner herrschaft 87; stramm
straff, z. b. von langem sitzen in der kutsche Stalder
schweiz. id. 2, 406; stramma, strammi stramms
steif, nicht biegsam, anormal, auch vom eingeschlafenen bein gesagt Bühler
Davos 1, 131; Gottfried Keller
zeigt den norddeutschen sprachgebrauch: sie marschierten ... im takt (
und) hielten die arme stramm mit geschlossenen fäusten
ges. w. (1889) 6, 312. 44)
in anwendung auf eine menschliche tätigkeit geht stramm
bald auf die körperliche anstrengung, bald auf das unentwegte durchhalten: ihr seid nur ächte lumpe, schimpft, nörgelt, flucht — zieht aber stramm
im kummte Gaudy
s. w. (1844) 1, 101; ich werde zu Martini 69 und fasse alles noch stramm mit an Immermann
w. 3, 23
Boxb. mundartl.: stramm arbêen Woeste
westfäl. ma. 257; šdram arwən
angestrengt arbeiten Hofmann
niederhess. wb. 232;
vgl. auch: de sted is banni stram
auf der dienststelle gibt es anstrengende arbeit Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 877.
bei verben der bewegung: ich schritt immer stramm vor mich hin Eichendorff
s. w. (1864) 3, 36; ich schreite mit der zeit durch dick und dünn stramm fort
ders. krieg d. philist. (1824) 96; alles weiszzeug los und stramm gesegelt Geibel
ges. w. (1888) 4, 72;
vgl. mundartlich: stramm to gaan
mit starken schritten brem.-ns. wb. 4, 1056.
in die bedeutung '
rasch, schnell'
übergehend: stramm gan
rasch, schnell Woeste 257; gâ af (
bauer), renn stramm galopp
schnell, sofort, stracks Frischbier
pr. wb. 2, 377;
daher auch: er übersetzte stramm weg Hermes
Sophiens reise (1778) 3, 243. 55)
straff in äuszerer haltung, in bewegung und auftreten, besonders von militärischer disciplin; auch wo das wort in nichtmilitärischen bereich übergreift, ist seine herkunft meist unverkennbar: (
die soldaten) saszen und regten sich mit fester haltung stramm und selbstbewuszt G. Freytag
ges. w. (1886) 13, 79; (
er) machte den unbedeutenden versuch eines bücklings, die anderen blieben stramm stehen 6, 64; als (
der korporal) stramm dasasz ..., begann der hauptmann 12, 220; (
er stand) stramm wie eine schildwache
qu. v. j. 1898; zum sturmschritt wird am gefälle des abhangs der gemessene, stramme marsch Fr. Th. Vischer
lyr. gänge (1900) 317; wie da (
beim kommando) die griffe klappten; alles fuhr stramm zusammen Fontane
ges. w. I 6, 49; trat der general ein, in aller gottesfrühe schon sorgfältig gekleidet, stramm, militärisch Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 342; (
die polizisten) erheben sich ... ehrerbietig und salutieren stramm Werfel
Bernadette (1948) 395; nach ... mehreren, immer strammer wiederholten 'mon capitaine's
ebda 22;
hierher auch: eine polka mit strammen takten und fröhlichen akkorden E. Langgässer
das unauslöschliche siegel (1946) 66.
besonders in der verbindung stramm stehen: der angeredete stand stramm in militärischer haltung Polenz
Grabenhäger 1 (1898) 9; man sagt, sie (
die Deutschen) stehen schon stramm, bevor sie laufen können E. Langgässer
das unauslöschliche siegel (1946) 472; wie er (
der offizier) aufsprang und strammstand A. Seghers
die toten bleiben jung (1950) 517. 66) stramm,
ursprünglich die äuszere haltung kennzeichnend, wird früh auch ausdruck der straffen inneren haltung, des beherzten wesens; noch durchaus sinnlich: ich liesz mich ... keineswegs irritieren, sondern ging stramm auf den Andrea los Gaudy
s. w. (1844) 2, 110; nur der kriegsrath schritt stramm voran Alexis
ruhe (1852) 1, 193; he geit dar sdram hindör
gerade, unbeirrt Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 877.
von der auseinandersetzung mit einem gegner, einer opposition im sinne von '
unnachgiebig, fest, stark',
in den verbindungen stramm bleiben, sich stramm halten: ich will mich so stramm halten wie möglich, aber es kann sein, dasz diese leute (
mich) am ende aus meinem lager vertreiben (1837) Annette v. Droste-Hülshoff
br. 1, 229
Sch.-K.; sie (
können) sehen, dasz wir uns nicht so schwach benommen haben, wie sie es voraussetzten, ob man aber gehörig stramm bleiben wird, steht freilich dahin J. Gerlach
briefw. (1893) 153; es wäre besser gewesen, in der militärfrage stramm zu halten gegen Kühne
quelle a. d. j. 1898;
auch im sinne der unter 4
belegten verwendung: ich habe das gefühl, freund, dass ich mich (
bei der arbeit) stramm halten muss (1884) C.
F. Meyer
an J. Rodenberg, s. br. 194
L.; in der mundart: halte dich stramm
halte dich steif, strenge dich an, besonders gegen etwas z. b. im spiele, suche dich gegen deinen gegner zu behaupten Anton
Oberlausitz 4, 14.
bei weltanschaulichen gegensätzen vom kompromisslosen festhalten an der politischen, religiösen, künstlerischen, wissenschaftlichen überzeugung: ich ... habe gestern eine stramm preuszische rede gehalten
quelle v. j. 1849; das bis dahin stramm preuszische element (
in Oberschlesien)
qu. v. j. 1898; meine hauswirtin ... brachte mich in den geruch eines strammen katholiken H. Hesse
Peter Camenzind (1904) 171.
als typischer menschlicher wesenszug im sinne von '
beherzt, tapfer'
; so in der bereits oben angeführten verbindung strammer kerl: ist das ein hasenfusz ... und scheint doch sonst ein strammer kerl Holtei
erz. schr. (1861) 19, 255; ja, ja, du bist halt ein strammer kerl Gottfried Keller
ges. w. (1889) 8, 78. 77)
in der bedeutung '
streng, gestrenge': er war ein mann, den die bauern in jeder beziehung ein recht hatten, stramm zu nennen. in seiner amtsführung lief nichts unerlaubtes unter Gutzkow
ges. w. (1872) 3, 204;
mundartlich verbreitet: dat is een strammen herrn
ein gestrenger herr Mensing
schlesw.-holst. 4, 877; he is ümmer so sdram
macht immer ein ernstes, strenges gesicht ebda; e skandarm es billi stram
der gendarm ist ziemlich strenge Jensen
Wiedingharde 588; hum stram ônt gebet nemme
streng ins gebet nehmen ebda; im sack hat sie mir, aber wenn sie mir stramm hält, so hält sie mir doch auch warm W. Raabe
hungerpastor 2 (1864) 189;
von einer führung, einem regiment, einer regierung: die strammere führung der kirchlichen disziplin
jahrb. d. Grillparzerges. 4, 322; die stramme preuszische ordnung Laube
ges. schr. (1875) 1, 282; die stramme disziplin Mommsen
röm. gesch. 5 (
51904) 449; er übt das regiment aus, ein strammes regiment Lüpkes
seemannssprüche (1900) 48.
leicht schlägt diese bedeutung in einen tadelnden sinn um: hier noch ein gemüthliches bequemes philistertum, dort das bei den nachbarn übel berufene, stramme 'preuszische wesen', eine kurz angebundene, dreiste entschlossenheit, die zuweilen sehr unliebenswürdig werden konnte
qu. a. d. j. 1897;
wiederum mit durchaus sinnlichem hintergrunde: an dem in seiner strammen haltung oft schroff und hochfahrend erscheinenden manne L. von Hasner
denkwürdigk. (1892) 80. 88)
auf nd. boden erscheinen gelegentlich verwendungen, die aus der parallelität mit streng
erwachsen sind: eine stramme kühlte ists allerdings; aber von nem sturm noch ein gut stück
ab Höfer
aus d. volk (1852) 181; en strammen winter Woeste
westf. ma. 257;
in uneigentlichem sinne: 'ich bitte doch mich freundlich auszunehmen!' schob die geheimrätin mit etwas strammem lächeln dazwischen Storm
s. w. (1899) 4, 7.