staben,
verb. in dieser lautform fallen verben verschiedener bedeutung und z. th. jedenfalls verschiedenen ursprungs, wenn auch aus der gleichen wurzel, zusammen. alle flectieren schwach. II.
steif, starr sein, vgl. er-
und gestaben
erstarren (
theil 3, 994. 4, 1, 4174
f.).
daneben stabeln,
s. d. 4. staben
hängt jedenfalls mit dem subst. stab
zusammen, doch ist es nicht davon abgeleitet, sondern eine selbstständige bildung aus der gleichen wurzel, vgl. stab I, 2.
es ist auf das oberd. sprachgebiet beschränkt: stabên
rigere, rigescere (
dazu ka-, kistabên
di-, obrigescere, stipere; kistabêt
rigidus; ar-, irstabên
di-, obrigescere, gistapidi
rigor) Graff 6, 613: sah sî den stabênten fater dero goto in chalti unde in froste (
in algido herentem). Notker 1, 837, 13
Piper (
Marc. cap. 2, 41).
mhd. nur in er-, verstaben
bezeugt, s. mhd. wb. 2, 2, 595
b.
s. auch Schm. 2, 718.
nhd. staben, erstaben,
für erstarren, stab-steif werden. Frisch 2, 313
c.
jetzt noch in den alemann. mundarten: schweiz. staben, gestaben
und (g')stabeln,
dazu gestabet
starr; roh, ungehobelt; stabi
tölpel. Stalder 2, 388; štăbĕ
starr sein, von einem leichnam, g'štăblĕ
erstarren. Hunziker 249;
s. ferner stabeln 4.
in der Schweiz auch in der litteratur: seine seele war ausgefahren, gestabet und kalt waren seine lieben hände. Bräker
der arme mann im Tockenb. s. 129
Reclam; wir haben sie alldort für todt gefunden in einem grüblein. ... sie ist ganz gestabet gewesen. Keller 1, 53. IIII.
andere verwendungen, die auf eine grundform stabôn
zurückweisen, scheinen von stab
abgeleitet zu sein. II@11)
am ältesten bezeugt und am weitesten verbreitet ist die redeweise einen eid staben,
einem schwörenden den eid wort für wort zum nachsprechen vorsagen, was zufrühest sache des gegners, später des richters war. Adelung; staben, nidersächs. staven, einen eid,
praedicere jurisjurandi verba. einen eid schwören lassen, da man die hände dabey aufheben, und ihn den (
l. dem) der ihn vorsagt nachsprechen musz. Frisch 2, 313
c. II@1@aa)
so altn. stafa eið Cleasby-Vigfusson 586
b,
auch als zusammensetzung eiðstafa 118
a,
vgl. Fritzner
2 1, 296
a. 3, 512
b;
ags. stafian (
nur in diesem sinne zweimal belegt) Bosworth-Toller 909
b;
altfries. stavia, stowia Richthofen 1044
b f.,
vgl. Siebs
in Pauls
grundr.2 1,
s. 1198;
mnd. staven Schiller-Lübben 4, 369
b f.,
s. auch brem. wb. 4, 979
ff. Dähnert 458
b. Stürenburg 262
a. Bauer-Collitz 172 (
nd. und hd. belege aus Waldecker urk. des 15.
jahrh.);
mhd. staben
s. mhd. wb. 1, 426
b. 2, 2, 595. Lexer
handwb. 2, 1126,
vgl. ferner Schm. 2, 717. Martin-Lienhart 2, 567
a. Schöpf 696. Kehrein 1, 386.
nhd. im 16.
jahrh. noch lebendig, s. die belege und Jecht 106
b;
spätere kennen es nur aus ältern quellen. auch die idiotiken belegen es durchweg nur aus der alten litteratur, oder bezeichnen es als veraltet; nur ten Doornkaat Koolman 3, 294
b führt aus der lebenden mundart die abgeleitete bedeutung '
erhärten, bekräftigen, versichern' an (hê stâfd dat mit sîn wôrd, mid sîn handslag, sîn êd, mit bewîsen). II@1@bb)
die erklärung ist mit sicherheit nicht zu geben. da bei der eidesleistung thatsächlich ein stab
berührt wurde, s. stab II, 8,
h und unten, so liegt es nahe, staben
von stab
im eigentlichen sinne herzuleiten; störend ist nur, dasz die hierbei vorausgesetzte bedeutung '
mit dem stabe an-, zuweisen' (
s. mhd. wb. 2, 2, 595
a. Weigand 2, 788
f.)
von einigen zweifelhaften mhd. belegen abgesehen, auszerhalb dieser formel nicht begegnet, wie denn das wort überhaupt nur im altnord. in verwandten gebrauchsweisen üblich, wenn auch nicht häufig ist (stafa einum dauða
einen zum tode verurtheilen; stafa fyrir
worüber verfügen, bestimmen).
kaum annehmbar ist J. Grimms
erklärung, rechtsalterth. 902,
wonach der richter '
feierlich mit seinem stab gebährdend die formel hersagt'.
andrerseits wird man die wendung nicht trennen von der bezeichnung eidstab
für die eidesformel: altn. eiðstafr Cleasby-Vigfusson 118
a,
ags. áþstæf Bosworth-Toller 59
a,
alts. êthstaf (
Hel. 1508),
ahd. êidstab (Notker
ps. 111, 5).
dieses aber geht offenbar zurück auf stab
im sinne von buchstab(e),
littera, vgl. stab II, 12,
[] und meint wol die formel, den traditionellen wortlaut des eides, an dem im alten recht mit peinlicher sorgfalt festgehalten wurde. und so könnte staben
bedeuten '
den eid formulieren'
oder '
die eidesformel wort für wort hersagen',
vgl. Scherz-Oberlin 1549.
brem. wb. 4, 979. ten Doornkaat Koolman 3, 294
f. (
vgl. altn. eiðspjall
neben -stafr Cleasby-Vigfusson 118
a [
auch nl. eedspel Brunner 2, 427,
anm. 2]
und andrerseits stafa
vereinzelt auch für '
buchstaben zusammensetzen' 586
a,
wie schwed. stafva,
dän. stave
buchstabieren bedeuten. doch wird man kaum mit Wackernagel
gesch. der d. litt.2 1, 62,
anm. 8
an schriftliche eidesformulare denken.) —
unklar ist auch die ahd. glosse: adramire stabôn Graff
Diut. 1, 342. Steinmeyer-Sievers 2, 26, 16,
vgl. dazu J. Grimm
rechtsalterth. 844 (
4 2, 475). Schröder
rechtsgesch.2 287,
anm. sonst ahd. nur bistabôn
arguere, und dazu zi stabôthe
ad arguendum, s. Graff 6, 612
f. —
vgl. zum ganzen J. Grimm
rechtsalterth. 902 (
4 2, 554
f.). Schröder
rechtsgesch.2 354. Brunner 2, 427. II@1@cc)
belege: so sal der richter di boten vregen: ab di vrowe gestanden si an dem eide. ist si nicht gestanden, so sal man ir aber anderweide den eit staben (
var.: reyten).
Freib. stadtr. s. 141, 15
Ermisch (
cap. 23, 3); so sal der richter boten senden darzu dri man unde einen butel, der den eit stabe. 191, 17 (30, 4); ind sworen al dri zo den hilgen mit upgerecten vingere — den eit staveden en der proift van sancti Gereonis vur den bischuf vurg. ind vele heren van den doim ind ritteren ind knechte — dat si mit Gerlach van dem Anker gein rede gehat enhedden.
d. städtechron. 13, 87, 9 (
Köln. jahrb. zu 1399); und also gelobeten und swor der rad die nottel (
urkunde), die her nach geschreben folget ... und nam die gelobe Jakob Wachenheimer von Wormesz der stedfrunde einer, und stabet dem rad auch den eid. 17, 176, 22 (
chron. v. Mainz); so trad de borgermester uth der Oldenstad to ... unde stavede one den eyd. 16, 345, 33; und also stabete der canczeler den eyd und swuren die vorgeschriben vier des rades den eyd von des rades und burgere wegen.
urk. v. 1440
bei Janssen
Frankfurts reichscorr. 2, 10; sie stabeten den eyd mit den vorgerurten underreden und ungeverlich.
Frankf. urk. v. 1442
bei Dief.-Wülcker 861; nu swur der schuldige man, als im der eit wart gestabet.
pass. 295, 17
Köpke; des sol mir gestabt vor iwer werden der eit, daʒ ich des immer bin bereit. Ottokar
reimchron. 61708; (
in künstlicher erneuerung:) Falk, ich werde für dich schwören; graf, ihr könnt den eid mir staben! Weber
Dreizehenlinden s. 130.
häufig von einem diensteid: dit is de eyd den de lantvoghet sweret in gyghenwordicheyt der heren, der stede unde der guden luode: dat gy dit jar willen richten deme armen alse deme riken ... dissen eyt stavet Oeme weme id de heren, de stede unde de guden lude heten.
d. städtechron. 6, 82, 16 (
Braunschw. fehdeb. 1382); under den nünen neme dye eptissen eynen meyer, und der sol es entfahen von der eptissen, und sollent yme dye vij scheffen den eyt staben.
weisth. 2, 34; ehe man den vorgemelten eidt doe, so heischet der steffer dem scholtessen orlouff, hende uff de hilligen zu legen und spricht darnahe, ist iuwer wille das ich
N. synen scheffen eydt stabe? 287;
vom rittereid: wer wel en der ritter eid nu stabin?
rittersp. 908;
rex dicit. sOe sprechet alle vrolich an, d da heysen myn man, den eyt wil ich uch staben. Mone
altd. schausp. 1, 2823. II@1@dd) staben
ist in dieser verbindung gleichbedeutend mit nemen: wilge eide ouch her Hilger van der Stessen zo den ziden vur allen reeden nam und staifde.
d. städtechron. 12, 296, 15,
auffällig ist dafür geben: dô gie der kunic hin und lieʒ im einen eit staben — vier bischolfe im den gâben. Ottokar
reimchron. 64906.
es ist für das alte rechtsverfahren durchaus notwendig, dasz jemand da ist, der dem schwörenden den eid abnimmt. darauf beruhen betheuerungsformeln der mhd. dichtung wie: swer mir ze rehte solde staben des einen eit, ich swüere wol, eʒ wære ir leit.
minnes. frühl. 77, 1;
[] swie gerne ich des nu swre,so wer mir liht den eit hie nieman stabende.
d. jüng. Tit. 3942, 4;
absolut gebraucht: ich swer mit beiden handen, daʒ si sich niht erkanden. ist ieman der mir stabe? Walther v.
d. Vogelweide 104, 22.
nur im auszergerichtlichen verfahren ist eine eidesleistung ohne staber
möglich: Parzivâl dô mit triwen fuor: er nam daʒ heiltuom, drûf er swuor. sus stabter selbe sînen eit.
Parz. 269, 3.
in demselben sinne auch: für dise rede ich dicke swuor manegen ungestabten eit. 498, 3. II@1@ee)
die verwendung eines stabes beim eide beweisen und erläutern folgende stellen: item soll der scheffen ein man kiesen. wannehe der man gekorn ist, soll
m. g. von Prümb dem man den eydt staben, da soll
m. g. h. den man mit der rechter hand holen, und der vogt mit der lincker hand, und sollen den scheffen setzen. soll mein gn. h. von Prümb und der vogt den botten setzen, soll
m. gn. h. oben an den staff halden, der vogt unden an den staff halden;
m. gn. h. soll dem botten den eydt staffen.
weisth. 2, 549; beruren (
betreffend) den botten, die kiesonge stehe dem herrn des sloss Denssbur (
Densborn an der Kill) und die eidunge eime herrn apt zu Proeme (
Prüm) zu nachfolgender wijsse zu, das ein apt zu Proeme, nachdem botte gekosen vom vurss hern des sloss Denssbur ist, neme einen wyssen stab aller underst by der erden, und ein herre so das vurgss. sloss Denssbur uff und zu thut oder sleusst, zu aller oberst, und darnach der jhenig so zum botten gekosen in der mitte, alssdan wirt jme den eidt von vurgss. herrn apt gestaept. 566.
dasz die beziehung zu stap
gefühlt wurde, beweist auch das wortspiel: ir rüke wart kein eit gestabt: doch wart ein stab sô dran gehabt, unz daʒ sîn siusen gar verswanc.
Parz. 151, 27. (
vgl. dazu stab II, 8,
h.)
doch scheint das geschilderte verfahren im mittelalter ausnahme gewesen zu sein —
beide belege stammen aus der gegend von Prüm —
; das gewöhnliche war jedenfalls, unter kirchlichem einflusse, die berührung der reliquien beim eide, vgl. z. b.: 'herre, sô lât den eit iu staben' ... daʒ heiltuom man dar truoc. dar ûfe swuor sich Tristan Îsôte zeim êlîchen man. Ulr. v. Türheim
Tristan 192 (
entsprechend Heinrich v. Freiberg 504); des stabte in den eit der erzpischolf Lodomer, dem swuoren si dô sunderbær ûf dem heiltum. Ottokar
reimchron. 44025.
auf das heidenthum übertragen: in daʒ beth sie in (
Medea den Jason) leite, da sie irn got inne fant, und hiʒ in uf legen die hant. als er uf hette geleit, sie stabete selbe im den eit: 'Ich swere dir Medea' — Jason sprach iʒ alleʒ na — 'ich wil dich immer zu wibe han' — dieselben wort sprach er san — ... 'daʒ swere ich bi dir, Juppite[r]' — daʒ selbe swur auch er
u. s. w. Herbort
troj. krieg 956 (
vgl. die anm.). II@1@ff)
die letzte stelle zeigt, dasz als das wesentliche beim staben
das vorsprechen empfunden wird; dem entspricht die nicht seltne zusammenstellung staben und vorsagen, -lesen: unde hebben mit opperechten vingeren desen ... eed gedaan die hem gestaaft unde vorgelesen worde by monde.
quelle bei Haltaus 1718; damit die juramenta nicht müssen gestabt und fürgelesen werden.
quelle bei Scherz - Oberlin 1549; darnach von eynem iglichen in sunderheitt handtgelöbniss genomen und zculetztt hatt eyn ider zcwene fynger auffrichten müssen, ist ynen der eydtt durch Ewalt von Baumbach gesta[b]t und vorgesagt.
chron. Islebiense s. 11 (
bei einer erbhuldigung 1533); und wolgedachter graff Hans George hat der gemein den aydt selbsten gestabet und fürgesagt.
s. 27 (
desgl. 1560);
s. auch Ottokar
reimchron. 87368
unter i. —
doch wird gelegentlich auch beides unterschieden, wobei dann staben
nur auf das feierliche anhören, abnehmen der eidesleistung geht so lest one de schriver den eydt, wen he uthgelesen hefft:
[] so stavet de olde borgermester one den eydt.
Braunschw. ordin. bei Schiller - Lübben 4, 370
a (
ausführlicher bei Haltaus 1718). II@1@gg)
sehr häufig im part. gestabter eid,
juramentum conceptum et dictatum. Haltaus 1718. Adelung: alle die disem orden gebunden sint die suln sich hten vor gestabten eiden.
Germ. 18, 191, 3 (
Franciscanerregel des 13.
jh.); und das sij ein gestabet eid, dasz es stede solle wesen.
Alsfeld. passionssp. 2479.
gewöhnlich in verbindung mit swern,
zunächst als obj.: und hant (
ich habe) geschworn an den heyligen einen gestabeten ayd, urfehte, und dass ich den burgern und der statt von Strasburg umbe die getat niemer dekeinen schaden tun soll.
urk. v. 1302
bei Schöpflin
Alsat. diplom. nr. 824; her Syfrit ... quam an offen gerihte ... und swur da einen gestabiten eyit mit siner stolen. Baur
hess. urkundenb. 2,
s. 99 (
v. j. 1334); her Niclas zum Nordecker der phaffe ... quam an offen gerichte zu Mentze fur den richter Scherpiln ... und swur einen gestabiten eid of die heilgen evangelia.
s. 129 (
v. j. 1336); und was an disem briefe ... geschriben stet, das habe ich gewilliklichen und unbetwüngenlich gesworn einen gestabten eit gegen den heiligen mit ufgehebter hant und mit gestabten worten ze tuonde und stete ze habende.
urk. v. 1348,
s. Alsatia 1862, 272; in dem selben do swuor ich gotte und siner lieben muoter mit ufgehabenen henden einen gestabeten eit, das ich niemer keine sünde me wolte getuon. Nicolaus v. Basel
s. 153; wann ihr einer huber wird, sol er schweren einen gestabten eid zuvorderst dem herrn abt ... gehorsame und gewartig zu sein.
weisth. 1, 684 (
unterels.); des swer ich ein gestabten eit. Heinr. v. Neustadt
Apollon. 3440.
dafür mit gestabten eiden: mit gestabeten eidenze behaltenne si dô alle swuoren.
Kudr. 286, 4; des muoste dâ der besten hant mit gestabten eiden swern.
Bit. 1875; gelaist und geseckert in gouden trouwen, und mit opgerichten vingern, und mit gestaifden eden lyflich aver den hyllgen geschwarn.
Clev. urk. v. 1420
bei Haltaus 1420.
häufiger mit adverbialem gen.: dit hebbe wy stavedes edes mit upgerichteden vingheren to den hilghen ghesworen to holdende.
urk. v. 1422
bei Scheidt
mantissa docum. s. 302; wir sollen noch wollen auch nummer keinen menschen zu burger zu Mencze ofnemen odir entphaen, er habe dan dise vor geschreben rachtunge ... zuvor in guten truwen globt und dar nach alsbalde mit liplichen ofgereckten fingern eins rechten gestabten eids zu gode und den heilgen gesworen, stede feste und unverbrochlich zu halten.
d. städtechron. 17, 88, 23 (
v. j. 1437); also han wir dy obgenanten mennir geeydt und bestalt, alsz recht ist, und han mit lyplichin fingern gestabitisz eydis uff die heiligen gesworen.
weisth. 3, 357 (
hess. weisth. v. 1449).
im nd. wird stavedes (edes)
zuweilen in stavendes
entstellt, sodasz es den anschein hat, als wenn staven
in intransitivem sinne gebraucht wäre, so auch: und we hebbet alle desse vorscreven stucke ... to den hilghen gezworen mit upgerichteden vingern und mit stavenden eden truweliken to holdende.
urk. v. 1388
bei Haltaus 1718.
danach auch hd.: die ... einkleidung in diesen orden, war also geschaffen, das der newe bruder cörperlichen stabenden eides schweren muste, dasz er die ... regel, und gehorsam dieses heiligen ordens ... halten wolte. Schütz
chron. der lande Preuszen 15
b; so hat als dann gedachter Hans Holloger für uns im gerichte mit auszgerechten blossen leiblichen fleischlichen armen, mit auffgerichteten fingern stabendes eydes zu den heiligen geschworen. 157
a;
wenn sich dagegen in nd. quellen stanedes (edes)
findet, so ist dies wol nur verlesen oder verdruckt für stauedes: dat vor uns ghekomen syn an unse yeghenwordicheyt Herman Raet und Herman de meyer van Ollenstede, und beholden vor uns to den hilghen mit uprichteden vingeren stanedes edes mit willen und unbedungen, dat de vryen und di inkomene lude in den kerspele van Goldenstede .. unsen heren van Munster horet.
urk. v. 1387
bei Kindlinger
münsterische beitr. 3, 506; alle desse vorgescrevene stucke unde articule ... hebben wy heren borgemestere
[] unde raede der stede Monstere unde Osenbrugge ... geloevet ... unde hebet de mit upgerichteden liffliken vingeren rechtes stanedes eydes ton hilgen gesworen, stede, vast unde unverbroken to holdene.
s. 522 (
urk. v. 1393).
doch führt Haltaus 1718
aus einer Oldenburger urk. v. 1408
auch stahndes edes
an, was diese erklärung ausschlieszt und kaum aus stavendes
zusammengezogen sein kann; hier musz also eine wirkliche entstellung vorliegen, darauf beruhend, dasz man neben (einen eid) staben
auch stellen
sagt, vgl. das und stab II, 8,
h. — ungestabter eid,
s. d zu ende. —
für gestabt
zuweilen aufgestabt, aufgeschrieben. Lessing 11, 619 (
beytr. zu einem deutschen gloss.),
mit verweis auf: euch wirdt der leib genommen ihr schwert denn mit der handt all auffgestabte eyde mit brieffen und eydes krafft das jhr nimmer thut zu leyde mir und der bruderschafft.
heldenb. (1560) 140
a. (
vgl. Wolfdietr. DX, 110.
dieselbe stelle bei Frisch 2, 313
c.)
ferner: dat loven wy Edsardt, Eppo .., laven und schweren wy mit upstaveden eeden in den hilligen.
urk. v. 1430
bei Beninga (1723)
s. 273.
vielleicht liegt hierbei schon der gedanke an die aufgerichteten finger, die fast immer als das wesentliche hervorgehoben werden, zu grunde; jedenfalls ist das der fall und ist die eigentliche bedeutung von staven
vergessen, wenn sich in ostfries. quellen auch die wendung mit upstaveden fingeren
findet, s. Schiller - Lübben 4, 370
b. 5, 134
a. ten Doornkaat Koolman 3, 295
b: dat wy ... uns hebben ... voreeniget mit leve unde mit frundtschap in een waer vorbundt mit upgestaveden fingeren.
urk. v. 1430
bei Beninga
s. 263,
s. auch s. 274; dat wy hebben Imelen hoevetlinck tho Oisterhuisen ... laven mit handen und upstaveden vingeren, gesekert und gesworn mit dem munde ihn den hilligen.
urk. v. 1431,
s. Friedländer
ostfries. urkundenb. 1,
nr. 395. II@1@hh)
zuweilen treten andre, verwandte ausdrücke als object zu staben: die eyds pflicht wart man
stebenaufm marckt vor jung und alt, das new iar tet solcheinsgeben (
l. solchs eingeben?). Joh. Beler
lied auf die einnahme von Braunsberg (1520)
bei Joh. Freiberg
chron., neue pr. prov. bl. 1846, 1, 148. unde dise vorgenante verbuntnisse, ... das geloben wir ... alles stete ze habende bi den eyden die wir dar umb mit ufgehobten henden und mit gestabeten worten, liplich an den heiligen hand gesworen.
urk. v. 1345
bei J. Wencker
collect. jur. publ. (1702) 2 (
von auszburgern),
s. 63; by dem eide, den sye darumben geschwohren hand, mit gestabeten worthen.
urk. v. 1347
bei Haltaus 1719; nu hôrt die geistlîche craft, die dirre heiden hât gehabt, biʒ er die rede hât gestabt.
erlösung 1933; bræche sî den eit, lieʒe ir mîne sicherheit vor ir vriunden hôhe staben daʒ ichs immer wolde haben liep vor allem liebe. Neidhart v. Reuental 100, 19.
so auch fürstaben
vorsagen: wie denn auch im bapstthumb vil alter leyen ... sich des leidens Christi seligklich an jrem ende trösteten, und sprachen jhr gebetlein, wie es die alten beginen oder seelweiber, so der krancken warten, pflegten für zu staben. Mathesius
hist. von M. Luther (1580) 159
b. II@1@ii)
im mhd. scheint eit staben
zuweilen (
aus miszverständnis)
für '
schwören'
vorzukommen: desn wirt iu dehein eit gestabet, dâ was vil manic rîter guot.
Wigalois 9023; wan ê ich eʒ verbære, ... ich wolte mich ê lân begraben: des wil ich einen eit staben.
krone 22794;
vielleicht auch: die Unger riten zuo und enphiengen disen man (
Otto v. Bayern): daʒ si im undertân hin für wolden wesen, des wart im vor gelesen und gestabt (
var.: gestalt) manic eit. Ottokar
reimchron. 87368. II@1@kk)
andrerseits hat sich im mnd. die redeweise enen staven '
beeidigen' (
also = enem den êt staven)
herausgebildet, z. b.: êr de nie raht tho schwert und gestavet wert; dessulve
[] schal desse twintich staven to den hilligen stavedes edes to swerende.
dithm. urk. v. 1447,
s. Schiller-Lübben 4, 370
b. II@22)
die übrigen mhd. belege weisen verschiedene, meist vereinzelte und nicht recht deutliche gebrauchsweisen auf, s. mhd. wb. 2, 2, 595
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1126 (Diemer
gen. 86, 24 =
fundgr. 2, 61, 12). II@33)
auch in der neuern sprache begegnen nur vereinzelte anwendungen in verschiedenem sinne. II@3@aa)
mit einem stab
versehen, nur im part. gestabt,
s. theil 4, 1, 4175 (1). gestabte kerzen,
vgl. stabkerze: vil engel kertzen habtenuf kantzeln und uf muren hie die gewundendort die gestabten.
d. jüng. Tit. 389.
s. auch ungestabt
unter stab II, 5,
h. (
westf. sik stawen
sich auf einen stab stützen. Woeste 253
b,
vgl. auch 4,
b.) II@3@bb) (
eisen)
in form eines stabes bringen, s. gestabt 2. II@3@cc)
mit dem stabe,
schaft aufsetzen: den speer, fest auf den grund gestabt. Wolff
d. landsknecht v. Cochem s. 319. II@3@dd)
els. stäben (štáwə)
mit einem stab schlagen, prügeln. Martin-Lienhart 2, 567
a. II@3@ee) staben
für buchstabieren, in alterthümelnder rede (
vgl. 1,
b): ich musz mit dir recht ordentlich schulmeistern, wörter spellen und staben und ihren wurzeln nachgehen. Jahn 2, 765
Euler; den schrannenmischmasch kann es (
das volk) kaum zusammenstaben, aber nie spitzkriegen. 634 (
merke 225). II@44)
andere bedeutungen liegen weiter ab und haben vielleicht mit stab
nichts zu thun. II@4@aa)
reiten, traben; bei Lexer
handwb. 2, 1141
unter stapfen
behandelt, mit dem es doch kaum zusammenhängen kann: do begunden si staben vor Orlous in den borg graben.
Germ. 9, 337 (
mitteld. ged., 15. jahrh.). II@4@bb)
ostfries. staven
unbedachtsam auf etwas losgehen, d'r hen (langs) staven,
dazu stavern
holprig gehen, taumeln. Stürenburg 262
a ('
ohne zweifel nebenform von stappen'); stafen '
steif u. starr sein od. werden, steif, unbeholfen, unsicher u. tappend gehen, hinken, stolpern'; hê stâfd as 'n old mannetje; hê is gans ferstâfd (ferstafd) un ferlamd. ten Doornkaat Koolman 3, 295
a,
vgl.staf
still, unbewegt, steif, lahm, ungelenk u. s. w. 294
a und oben staben I. —
ähnlich westfäl. stawen '1.
am stabe gehn, sich stützend gehn. hä stawede daher. 2.
auf stelzen gehn. 3.
gehn überhaupt'. Woeste 253
b,
waldeck. štāwen Bauer-Collitz 98
b.