windfang,
m. , '
etwas, worin sich wind oder luft fängt' (
th. 3, 1311);
ahd. wintvanga Graff 1, 626; 3, 413;
venticax Steinmeyer-Sievers 3, 657, 10;
mhd. wintvanc
m. 1)
windschirm am giebel, 2)
theil des gebläses, lunge, 3)
hutkrempe; mnd. wintvank Schiller-Lübben 1)
wurfschaufel, 2)
vorrichtung zum auffangen des windes z. b. an der uhr; Emmelius
ncl. 376. 377. 379. 233; Stieler 395; Adelung; Schmeller 2, 950. —
plur. windfänge,
älter windfange, windfangen Jahn,
s. 2
γ; Mathesius
Syrach 3, 63
b. —
vereinzelt windsfang;
s. unten Hulsius. AA.
als sachbezeichnung. A@11)
etwas, worin sich der wind fängt der natur dieser sache nach und ohne besondere absicht oder vorrichtung eines menschen. A@1@aa)
eine dem wind ausgesetzte fläche Hoyer-Kreuter
techn. wb. 1, 851;
besonders die widerstandsfläche eines schiffes Kluge
seemannsspr. 837; offener windfang
platz, kirchhof Adelung;
die fläche der ausgespannten flügel: der mauerläufer lüpft (
die flügel) .. nur so weit, wie nötig ist, um aus ihnen einen ordentlichen windfang zu bilden Brehm
thierleb.3 4, 200;
vgl. auch windfeld. A@1@bb)
kaminartige öffnungen in felsen u. ä.: es hat auch die oberst kluft .. windfang, do sich der luft, wo här er kompt, hinab tringt Münster
cosmogr. 82. A@1@cc)
in der gaunersprache '
mantel' Luther 26, 640. 654
Weim.; Fischart
praktik 583
Scheible; Harsdörffer
frauenz.-gespr. 2, 327; Kluge
rotwelsch 1, 55
u. ö.; vereinzelt windfandt Gengenbach 347
Gödeke; hierher auch wîdfang
frauenrock Kluge
a. a. o. 485 (
schwäb. krämerspr.). A@1@dd) '
nase des edel-, dam-, gems- und rehwilds' Thüngen
waidmannspract. 315. A@22)
eine besondere vorrichtung zu diesem zweck; venticax, venticipium Diefenbach
gloss. 610
c; Schönermark-Stüber
hochbaulex. 887. A@2@aa)
mit beziehung auf den eigentlichen wind, die natürlich bewegte luft. A@2@a@aα) '
schutzgiebel',
wie wimberg
m. (
s. d.)
; lat. proceres, tholus Diefenbach
gloss. 461
b, 586
c ; besonders mhd. A@2@a@bβ)
eine '
vorrichtung zum lüften': thurmbauten mit offenen fenstern, zu windfängen eingerichtet, um ... kühlere luft in das innere der zimmer zu bringen Ritter
erdk. 8, 521; dasz aber die schu der gesellen oben durchstochen waren, das solte ein luftweher und windfang sein Sommer
ethographia mundi 1 d 3
b;
be sonders A@2@a@b@aaaa)
in bergwerken: dasz man gut wetter (
d. h. luft) durch windfang, lutten, geblese ... in ein stoln füren oder treiben kan Mathesius
Sarepta 146
b; es bringent aber fürnemlich die windfäng das wetter, so die schächt zu tief seind Agricola
bergwerckb. 85;
gleichbedeutend mit wettergezeug
geschichtklitt. s. 295
neudr.; wetterlotte Junghans
auszgeklaubte gräublein (1680) F i i j
b; wetterhut Veith
bergwb. 573; wettermaschine Jacobsson
technol. wb. 4, 652
a;
genauer auch manchmal nur der auf die eigentliche wettermaschine aufgesetzte hölzerne aufbau oder trichter Minerophilus
bergw.-lex. 719; Herttwig
bergb. 425
a; Jacobsson
a. a. o.; in diesem engeren sinn auch = wetterfang Hübner
ztgslex.31 4, 951
a und windhaube Mothes
baulex. 4, 481. A@2@a@b@bbbb)
auf schiffen die äuszere öffnung des windsegels
oder -sacks (
s. d.) Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 851. A@2@a@gγ)
eine '
wetterfahne': wenn wir solchen unterwegs wissen, beobachten wir unwillkürlich windfangen und wetterzeiger
F. L. Jahn
werke 1, 136;
auch bildlich, s. B. A@2@a@dδ)
ein '
rad mit windflügeln, um die allzugrosze geschwindigkeit einer maschine zu hemmen' Mothes
baulex. 4, 481;
besonders in uhrwerken Jacobsson 4, 652
b;
gleichbedeutend mit flügelrad Hoyer-Kreuter
a. a. o. und flügelbremse Blaschke
wb. d. electrotechn. 141. A@2@a@eε)
ndd. besonders eine '
meist aus holz oder glas bestehende schutzwand hinter der haupteingangsthür' Helfft
landbauk. 409;
brem. wb. 5, 262;
eine wand mit pendelthüren Lueger
lex. d. ges. techn. 7, 935;
ein holzverschlag in fluren und an thüren Frischbier 2, 471;
ein vorplatz auf der diele eines bauernhauses Allmers
marschenbuch 1/2, 176;
ein feststehender windschirm äuszerlich zur seite der fenster Mothes
a. a. o.; der eingang in eine schiffscajüte Hoyer-Kreuter
a. a. o.: 1 wintfang, so zwergs durch das haus gesetzt Krumbholtz
gewerbe der st. Münster 501 (1617). A@2@bb)
mit beziehung auf den künstlich erzeugten wind oder luftzug. A@2@b@aα) '
wurfschaufel, getreideschwinge, windmühle'
zur reinigung des gedroschenen getreides, ventilabrum Diefenbach
gloss. 610
c; windmüle
machina spiritalis Emmelius
ncl. 376. A@2@b@bβ) '
blasbalg, gebläse' Mothes
baulex. 4, 481;
namentlich an orgeln und ähnlichen instrumenten Wiederhold (1669) 422
b; Rädlein 1, 1064
a; Adelung;
daher scherzhaft: die lung ist ein windfang, der den luft aus und ein frt Dryander
d. g. arzenei gem. inhalt (1542) 16
a; (
ich, der strick) mach manchem in todsnöten bang wenn ich ihm zuknüpf den windfang (
gurgel) Sommer
aenigmatograph. F 6
b;
im engeren sinn die mit einer klappe versehene '
öffnung des balgs',
welche den wind einläszt Jacobsson
a. a. o. 652
a oder die '
klappe'
an der windlade, durch die die luft aus dem blasbalg eindringt, epistomium Emmelius
ncl. 233; Beil
technol. wb. 1, 657;
oder die '
windlade'
der orgel selbst, pinax, arca Dentzler 354
a: er wird aber durch kleine rören und sonderlich darzu gemachte blasbälg und windfänge .. hinein getrieben A. U. v. Braunschweig
Octavia 3, 872. A@2@b@gγ) '
luftloch'
zur verstärkung des luftzugs an einem ofen, besonders einem schmelzofen: der ofen (
zum destillieren) musz auch einen windfang oder luftloch haben Hohberg
georg. 1, 236; Mothes
baulex. 4, 481; Hoyer-Kreuter
technol. wb. 851. A@2@b@dδ) '
drehbarer kaminaufsatz'
auf rauchbringende essen, Göthe IV 29, 318
Weim. BB.
als personenbezeichnung. '
unbeständiger, wankelmüthiger, leichtfertiger mensch' Orsaeus 323; Emmelius
sylva k k 6
a;
angelehnt an windbeutel, windfahne,
noch mehr aber an wildfang: mancher student .. schlägt aber .. übel aus, gibt windfäng, unnütze spinnweben Dannhauer
catech.-milch 1, 394; der kleine windfang wil grosz pralens ... treiben C. Weise
drei kl. leute 49; lüderliche junge windfänge seid ihr! Gottsched
schaub. 6, 108; ein meister soll kein windfang sein Henrici
ged. 2, 534. CC.
als verbalabstract. C@11) '
luftzug': fledermäuse, welche mit ihrem hin und wider fliehen, auch darvon verursachten windsfangs uns etliche windlichter auszlescheten Hulsius 23.
schifffahrt 205; einige köpfe .., die jeder windfang bewegen konnte Klinger
theater 2, 24. 2) '
dem winde geleisteter widerstand' Beil
technol. wb. 1, 657. —