vorrat,
m. ,
vgl.fürrath
th. 4, 1, 1,
sp. 787;
mhd. vorrât
mhd. wb. 2, 577
b; Lexer 3, 477;
mnd. vorrât Schiller-Lübben 5, 421
a;
mnld. voreraet Verwijs-Verdam 9, 1055;
providentia vorrat Diefenbach
gl. 468
c; vorradt,
penum, provisia, adjumentum, commeatus Maaler 476
b; vorrath,
vittovaglia, munitione, provisione Hulsius (1605) 1, 155
b; vorrat Stieler 1504; Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216
b; vorrath Steinbach 2, 220; Frisch 2, 407
a; Adelung; Campe;
entlehnt ist dän. forraad (
altn. forráð
bezeichnet verwaltung, aufsicht);
zum gebrauch der mundarten, die fürrat
oft bewahren, vgl. Fischer
schwäb. wb. 2, 1667;
schweiz. idiot. 6, 1581; Martin-Lienhardt 2, 298;
luxemb. mundart 470; Bauer-Collitz 36
b; ten Doornkaat-Koolman 1, 543
a; Dähnert 531
b; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 476. 11)
zur bedeutungsentwicklung des wortes vgl. rat 2,
th. 8,
sp. 157
ff., es ist aber eine eigenthümliche einschränkung eingetreten: während nämlich rat
im entwickelten nhd. nur die abstracte bedeutung reich entwickelt, ist es bei vorrat
umgekehrt, die gegenständliche bleibt bestehen und die in älterer zeit vorhandene abstracte geht unter (
s. unten 11).
vgl.hausrat, unrat. 22)
vorauszuschicken sind bemerkungen über einige wendungen. 2@aa)
am gebräuchlichsten in der sprache der gegenwart ist die verbindung vorrat an: vorraht an essenspeise auff ein jar Hulsius (1618) 2, 29
b; in maszen daselbst ein mächtiger vorraht zusehen an all sachen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 8
b; einen trefflichen vorrath an munition Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 48; aus dem hiesigen vorrathe an büchern und handschriften Lessing 17, 360
M.; seinen ganzen vorrath an galle und geifer ... ausspeien H. v. Kleist 5, 147
E. Schm.; aus ihrem vorrath an schreibpapier
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 367; und er fragt: wie viel an broden habt ihr vorrath? sieben nur Brentano (1852) 1, 327. 2@bb) Adelung
tadelt die verbindung mit von,
die indessen bis in die neuzeit gebräuchlich ist: vorrat von speise, ole und wein
2. chron. 11, 11; es würd guot sein, das man meh vorrhat schaff von gelt, dan von hew Fischart
praktik 25
ndr.; einen ziemlichen vorrath von pflaumen Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 69; wenn unser jüngling nur einen guten vorrath von sachen hat. die worte werden von selbs kommen Bode
Montaigne (1793) 1, 335; vorrath von brennholz Göthe III 2, 136
W.; der graf schluckte ... den ihm zugemessenen vorrath von chausseestaub geduldig ein Holtei
erz. schr. (1861) 7, 15; grosze vorräthe von zwieback, tabak und hafer Moltke (1892) 6, 451; ob gleich menschlich vernunfft mit sinnen von früchten eingesamlet hat überflüssig groszen vorrat H. Sachs 1, 285
K. 2@cc)
mit in
verbunden: aus allem vorrath, den ich darinn (
in worten) hatte Grimmelshausen 3, 12
Keller; nach seinem vorrathe im wissen (
fragen) Laube (1875) 1, 37; grosze vorräte in schnittwaren. 2@dd)
statt dieser verbindungen mit präpositionen kann auch der genit. stehen, ebenfalls von Adelung
getadelt: er lies
[] eine thewrunge ins land komen und entzoch allen vorrat des brots
ps. 105, 16; vorradt der früchten Maaler 476
b;
in dieser fügung allerdings veraltet, nicht aber, wenn das subst. durch zusätze näher bestimmt wird: dasz man den wenigen vorrath ihrer zähne gar deutlich sehen konte Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 240; vorrath der nahrung A. Olearius
pers. rosentahl 104
b (8, 98); mein freund hat selbst einen guten vorrath der besten bücher Gottschedin
br. (1771) 1, 224; Beckmanns vorrat kleiner anmerkungen Fr. L. Jahn 1, 198
E.; die vorräthe dieses kostbaren salzes Liebig
chem. br. (1844) 104; der thewreste schatz, den er hat, ist der unschätzliche vorraht deren willen, die seinem willen williglich aufgeopfert seind Weckherlin
ged. 1, 214
Fischer; nu höhre ich der könige zepter und blüte, mich nimmet der vorraht Eufrates nicht ein Filidor
d. dorfferer
geharnschte Venus 21
ndr.; dasz die murrende magd zum vorrath des holzes hinabstieg Zachariä
poet. schr. (1763) 2, 130;
der genit. neben von: (
der pachter) zeigte ihnen seine werkzeuge, den vorrath derselben, sowie den vorrath von allen erdenklichem geräthe Göthe 24, 209
W. —
der genit. in gehobener sprache vorangestellt: sorgend bewacht der verstand des wissens dürftigen vorrath 5, 276. 2@ee)
wie bei maszbestimmungen kann ein subst. ohne vermittlung neben vorrat
treten: grosze vorräte reis, branntwein und mehl E.
M. Arndt (1892) 1, 143; (
wir hatten) noch einen groszen vorrath pulver A. v. Arnim 11, 83. 33) im vorrat
erscheint in mannigfaltigen wendungen, hier ist zu beachten, dasz in älterer sprache dafür oft in vorrat
eintritt, ferner, dasz die bedeutung des wortes dabei verblaszt, die bedeutung einer menge kann schwinden, schlieszlich in vorrat
fast soviel wie im voraus
besagen. 3@aa) im vorrat: hat ers im vorradt (
geld) Luther 19, 313
W.; fürsichtigkeyt ist ... das samlen und behalten im vorrath S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 100
a; einen sarg, welchen er schon im fohrraht färtig hatte Zesen
adriat. Rosemund 73
ndr.; dieweil er ohne das ein zimmermann sey und seine axt noch im vorrath hätte Grimmelshausen
Simpl. 2, 232
Kurz; (
ein epigramm) ward im vorrathe ... gemacht Kästner
verm. schr. (1755) 1, 168; da wir bereits genug steine im vorrathe zusammengeführt hatten Stifter (1904) 2, 253; da ich mich musz im vorrath gleichsamb kräncken Chr. Weise
d. grünend. jugend überfl. ged. 48
ndr.; dasz, was im vorrath ist, des heeres beute sey Lohenstein
Agrippina (1685) 82; ich habe bessre zeitung noch im vorrath (
I have better news in store for you), als ihr erwartet
Shakespeare kaufm. v. Venedig 5, 1. 3@bb) in vorrat
tritt in neuerer zeit zurück; es kann ganz verblassen zu im voraus (
vgl. auch unter 11): allezeit etwas in vorrat haben; holtz, wein
etc. in vorrat schaffen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 261
a; ob sy gleich alle andere ding inn guottem vorradt haben Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 73
b; einen starcken leibsdunst, den ich zu allem glück in vorraht hatte Grimmelshausen 3, 331
Keller; (
wo ich) etwas zu fressen in vorraht bekommen möchte 430; die (
sünden) aber, so er künfftig noch begehen wird, werden ihm nicht etwan in vorrath vergeben Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719) 21; ammunition, so in vorrath ist v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 107; das vor dem ofen in vorrath liegende holz
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 38; so will ich heute abend ein blättchen in vorrath dictiren Göthe IV 13, 35
W.; ein denker, der den glauben in vorrath und wie auf lager liegen hat Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 3, 142; auf jedes argument hatte er eine einrede in vorrath Ranke (1867) 1, 281; (
lebensmittel,) so sie gar zierlich vergraben und in vorrath gehalten hat G. Keller (1889) 1, 53; ein löchlein ist mir nicht genug, ich mus stets eins in vorraht haben Rollenhagen
froschmeuseler (1595) d 4
b;
[] doch käm er (
Johannes der täufer), rieth ich, dasz er dächte, wie viel er köpff in vorrath brächte Logau
sinnged. 151, 58
E.; nd. in vörraad,
auf den notfall Dähnert 531
b. — sich in vorrat setzen,
sich zum bedarf notwendiges verschaffen, bereit stellen: sich vorsichtig in vorrath ... setzen Göthe 21, 52
W.; es ist also gut sich in vorrath zu setzen
Athenäum 2, 38. 44)
andere verbindungen mit präpos. 4@aa) bei vorrat sein,
mit vorrat versehen sein: gleich jenen kleinen tieren, die, weil der sommer währt, ihr futter samlen ein, dasz sie zur winterszeit bei vorraht mögen sein Zesen
helikon. rosentahl (1669) 63. 4@bb) auf vorrat: ich will es (
geld) auf vorrath legen, wenn es wieder nöthig sein möchte J. E. Schlegel 2, 447; er hat sie (
dramen) sämmtlich auf den vorrath gearbeitet Immermann 1, 32
B.; wenn er auf bestellung arbeitet wie der handwerker oder auf vorrath wie der fabrikant W. H. Riehl
d. dt. arbeit (1861) 96; mach dich davon bezahlt; und leg auf vorrath, wenn was übrig bleibt Lessing
Nathan 4, 3.
frei, auf allen vorrath,
wie für alle fälle: ich schrieb auf allen vorrath den zettel Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1108
a; gleichsam auf den vorrath hören Fichte
reden an d. dt. nation (1808) 391. 4@cc)
verbindungen mit zu: allerley so man zu dem vorraht eynkaufft Calepinus
dict. XI ling. (1598) 1049
a; das sie getreide auffschütten in Pharao kornheuser zum vorrat
1. Mos. 41, 35; einer stad, die man bawen soll, da steine und erden zu vorrat bestellet ist Luther 18, 513
W.; das an keynem ding, welches dem herren zum groszen vorrhat (
hier dem abstracten sinn sich nähernd) möchte gelangen, ... nichts mangele Sebiz
feldbau (1579) 463; er hat etliche schock operarien zum vorrathe aus Italien kommen lassen Scheibe
d. crit. musicus (1745) 175; ich stellte die zwei gläser — eines habe ich immer zum vorrathe — auf den tisch Stifter (1904) 5, 1, 83; ich wil die drey leichnam in mein hölen schleppen zusam und behalten zu eim vorrat H. Sachs 9, 235
K. 4@dd)
seltene verbindung: fürsehung oder vorradt mit saltz für ein ganz jar Maaler 476
b. 55)
in dem ursprünglichen gegenständlichen sinne bezieht sich das wort zunächst auf allen zur lebenshaltung notwendigen bedarf, vor allem also auf lebensmittel, doch kann natürlich gemäsz den weiter entwickelten lebensverhältnissen das geld mit eingeschlossen werden. dabei ist zunächst mit dem worte die vorstellung einer fürsorge, eines zusammenbringens und in bereitschaft haltens für zukünftigen gebrauch verbunden, einer fürsorge, die sich auf den bedarf einzelner oder einer mehrheit (
z. b. bei krieg oder belagerung)
beziehen kann. die weitere entwicklung geht dahin, dasz die vorstellung des fürsorglichen zusammentragens zurücktritt oder schwindet, sodasz das wort eine menge von verbrauch- und nutzbarem bezeichnen kann, das ohne zuthun des verbrauchers ihm zur verfügung steht, z. b.: inn solcher fülle und vorradt (
im paradies), das alle bewme vol früchte waren Luther 24, 72
W. 5@aa)
im engeren sinne kann vorrat
ganz prägnant gebraucht werden: vorradt, fürsähung und das järlich eynkauffen für das hauszgesind; ein vorradt auff den winter behalten Maaler 476
b; sie trawen gott, so lange sie wissen, das sie seyn nicht dürffen und vorrhatt haben Luther 10, 303
W.; darumb kündt ir euch ein vorrath kauffen, das ihr und ewer weyb ein rüwiges leben möchten führen
nachtbüchl. (1559) 21
Bolte; zur järlichen fütterung, vorrhat und einkommen des herren Sebiz
feldbau (1579) 2; hetten wir indessen nur auff einen oder zwey tage vorrath A. Gryphius
Horribil. 15
ndr.; ihr (
der hausfrau) tisch soll mäszig, und ihre vorräthe nicht überflüssig seyn Gottschedin
br. (1771) 2, 256; hier ist liebliche speise! hier ist vorrath Gerstenberg
Ugolino 261
dt. nat.-lit.; [] in dem sacke, worin ich meinen vorrath auf der reise trage Klinger (1809) 6, 12; die räume, wo die vorräthe der küche bewahrt wurden Freytag (1886) 8, 19; von den geräucherten vorräten über dem herde G. Keller (1889) 6, 33; (
die menschen) zum glauben so beschwerlich sind, wenn sie kein vorrath haben Ringwaldt
evang. (1581) m 3
a; sein vorrath ist das feld Opitz
t. poemata 31
ndr.; ich bin um hab und gut und allen vorrat kommen P. Fleming
dt. ged. 1, 105
Lappenberg; und der gerichte viel aus ihrem gesammelten vorrat (
παρεόντων) Voss
Od. 10, 372
Bernays; reift nur eben der sommer die früchte, denkt sie an vorrath schon für den winter Göthe 1, 303
W. im bilde: gott ist yhr vorrat und kornboden Luther 19, 561
W.; (
das allgemeine) ist nur ein speicher gesammelter vorräthe Schopenhauer 1, 125
Gr. —
von thieren: wir (
ameisen) sammeln vorrath auf den winter Lessing 1, 203
M. 5@bb)
in gröszeren verhältnissen: und machten mauren umb jre flecken und schafften vorrat zum kriege
Judith 4, 4; in meynung sich zuo gebrauchen der proviandt und des vorraths Carbach
Livius (1551) 344
a; wann wir siegen, werden wir des feindes vorraht bekommen S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 116; etliche tagereisen weit mit allem ihren vorrathe sich zurücke zu ziehen Lohenstein
Armin. (1689) 1, 90
a; unter des feindes vorrath wird nun auch das grosze und kleine vieh mit begriffen v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 272; den vorrat aus den magazinen ... verkauffen Lessing 18, 436
M.; (
weshalb) alle auf dem wege liegende städte sich mit vorräthen reichlich versehen Göthe 7, 198
W.; als die letzten vorräthe der belagerten erschöpft waren Mommsen
röm. gesch. 5 (1894) 5, 44; der vorrath kömmt ins land mit segelreichem wind A. Gryphius
trauersp. 36
Palm. 5@cc)
besitz oder auch prägnant für geld: (
dasz) träge und nichtswürdige weiber solchen erarbeyteten, erkargten, gesparten vorrhat und schweys liderlich verprauchen Fischart 3, 204
Hauffen; maszen er zu solchem ende seinen vorrath (
hier geld), was er zu Cöln gehabt, hierher holen wollen Grimmelshausen
Simpl. 2, 25
Kurz; (
dasz der habgierige) manchen groschen, daran ... trehnen kleben, unter seinen vorrhat menget Butschky
Pathmos (1677) 141; reichtumb sprach: neidest meinen vorrath H. Sachs
fastnachtsp. 1,
s. 29
ndr.; ich überlege meinen baaren vorrath (
I am debating of my present store)
Shakespeare kaufm. v. Venedig 1, 3.
nd. vörraad maken,
geld beilegen Dähnert 534
b. —
schweiz. der überschusz in den einnahmen schweiz. idiot. 6, 1581. 5@dd)
sprichwörtliches und redensarten: wenn der vorrath aus ist, so ist die freundschafft auch aus Faber
thesaurus (1587) 303
a; das vater unser ist armer leut vorrath und zinsgut Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 1, a 6
a; gold und silber ist ein guter vorrath im hausz 2, F f 7
a; arbeit hat allzeit vorrath 2, j 2
b;
vgl. noch Wander
sprichw.-lex. 4, 1696.
scherzhaft: vorrat ist besser als hofrat Fischer
schwäb. wb. 2, 1667. 66)
ebenso dann allgemein von gegenständlichem, das entweder absichtlich für künftige benutzung oder verwertung zusammengebracht ist, oder ohne seine eigene fürsorge dem benutzer zur verfügung steht, vgl. die vorbemerkung unter 5:
munitione da guerra vorraht zum kriege, kriegsmunition Hulsius (1618) 2, 257
b; die morgenröthe hat hier ihren ganzen vorrath (
an blumen) verschüttet Wieland I 3, 62
ak. ausg.; wenn die wälder ausgehauen sind, können wir sicherlich so lange bücher brennen, bis neuer vorrath gewachsen ist Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 341; die beiden Victorien standen in dem vorrath des französischen museums Göthe 44, 369
W.; die armeen hatten den vorrath an waffen erschöpft Schiller 4, 118
G.; auch für
[] bekleidung versprach er aus eigenem vorrath sorge zu tragen Holtei
erz. schr. (1861) 5, 132; vorräte von baustoffen G. Keller (1889) 1, 30; weil du kein kramer bist, der wenn der pfeffer steiget, nach heutiger vernunft, erst seinen vorrath zeiget Neukirch
ged. (1740) 129; auf fittigen der winde eilt die beladne wolke mit vorrath von gewässern Dusch
verm. w. (1754) 58. 77)
oft auf worte bezogen, in worte gefügtes, schriftliches, gedrucktes, literarische erzeugnisse: wer dolmetzschen wil, mus groszen vorrath von worten haben Luther 30, 2, 639
W.; eine sprache, die ihren ganzen vorrath immer über die zungen laufen läszt E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 408; der vorrath frommer floskeln Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 11. — der überflüssige vorrath unserer teutschen sprichwörter Zinkgref
apophth. (1628)
vorr.; bey des hrn. prof. Gottscheds nöthigem vorrathe zur geschichte der deutschen dramatischen dichtkunst Lessing 8, 40
M.; aus dem reichsten vorrathe sind hier nur wenige stellen gewählt Herder 18, 177
S.; ein vorrath dazu (
zu virtuosen leistungen) geeigneter compositionen O. Jahn
Mozart (1856) 1, 614; mit einem besondern groszen vorrat von Berliner witzliteratur Fontane I 6, 412. 88)
seltener von lebenden wesen: dasz von dergleichen personen allenthalben ein sehr geringer vorrath vorhanden Thomasius
ernsth. ged. u. erinn. (1720) 2, 151; an rittern und knappen lieferten die jüngeren landstreicher genügenden vorrath Holtei
erz. schr. (1861) 10, 84. — ein vorrath von skorpionen (
bei Rom) Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 4, 97. 99)
dagegen oft auf unsinnliches bezogen: wo solten ferner unser stattlicher vorraht und überrest guter werck ... pleiben Fischart
bienenk. (1588) 222
a; wohin verirren wir uns mit unserem gelehrten vorrath Herder 19, 130
S.; aus dem unermeszlichen vorrathe seiner ideen Zimmermann
über d. einsamk. (1784) 1, 36; so lange der hof da noch vorrath (
an buhlschaften) hat, kommt die lieferung nicht an uns bürgersleut Schiller
kab. u. liebe 2, 6; einen vorrat von erkenntnissen Fichte (1845) 2, 331; wenn das hirn lange nichts loswerden kann, so sammelt sich in ihm ein auszerordentlicher vorrath Laube (1875) 1, 273; sein gemüt ist reichthums voll, ist ein vorraht aller sachen, die uns gnüghafft können machen
Königsb. dichterkr. 84
ndr.; (
wir wollen) aus unserm eignen reichthum der freuden vorrath nehmen J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 326. 1010)
freiere wendungen: (
du) trotzist mit groszem vorradt deyner kunst Luther 7, 682
W.; einen groszen vorrath von geduld J. E. Schlegel (1761) 2, 359; es liegt des entzündbaren ein groszer vorrath in dir A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 183; es gehört ein groszer vorrath von studium dazu Bode
Montaigne (1793) 5, 80; vorrath von erhabener menschenliebe Schiller 6, 46
G.; den ganzen vorrat ihrer dienstbeflissenheit O. Ludwig (1891) 2, 310; der vorrath im gehirn und saltz im munde führt Rachel
satyr. ged. 108
ndr. 1111)
aus der vorstellung des fürsorglich zusammengetragenen entwickelt sich in älterer sprache wie bei rat
eine mannigfaltige übertragene anwendung, die dann verkümmert und untergeht, schon Maaler
verzeichnet sie nicht mehr. zunächst wird die vorstellung der fürsorge hervorgehoben, die natürlich auch im zusammentragen notwendiger oder nützlicher dinge bestehen kann; dann aber nimmt das wort den sinn von vorberatung, vorbedacht, überlegung, fördernde, fürsorgende anweisung u. ä. an, vgl. mhd. wb. 2, 577
b; Lexer 3, 477; Schiller-Lübben 5, 421
a; Verwijs-Verdam 9, 1055; Schmeller-Frommann 2, 168; Fischer
schwäb. wb. 2, 1667;
schweiz. idiot. 6, 1581: unbedachtlich und on vorradt
urk.-buch d. st. Heilbronn 3, 345 (
von 1513); ir habt ... meinen heiligen vorrat zerprochen Berth. v. Chiemsee
t. theologey (1852) 12
R.; weyl menschliche witze hie nicht vorrad sihet noch helffen kan Luther 15,
[] 365
W.; der vorrath ist der schwerest, der nachrath der best und macht das hausz voll rauch Lehman
floril. polit. (1662) 2, 630;
nd. vörraad is beter as naraad Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 476. —
verblaszt in der wendung in, im vorrat,
im voraus, s. oben 3 a. 1212)
einzelnes. 12@aa)
scherzhaft verhüllend von der weiblichen brust: mich däucht, ihr habt ein zimlichen vorrath
schausp. engl. comöd. 278
Cr.; den latz hatte ich vorne weg gethan, dasz mein biszgen magern vorrath nur noch das köllergen bedeckte
jungfer Robinsone 113. 12@bb)
prägnant bei den hüttenleuten: vorrath heist ... dasjenige (
erz), was im schoszgerinne vorne liegen bleibet Minerophilus
bergw.-lex. (1730) 698; '
was vom abstreichen gesammlet und zusammengehalten wird, worinn noch gut erz vorhanden ist, das ausgeschmolzen werden kann' Jacobsson
technol. wb. 4, 557
a. 12@cc)
das quergepflügte stück vorn am acker Kleemann
nordthür. idiot. 25
a. 1313)
auszerordentlich häufig als erstes glied in zusammensetzungen, meist mit fugen-s,
was in den folgenden ausgewählten beispielen unbezeichnet bleibt: