schroten,
verb. hauen, grob schneiden, zermalmen. in dieser form auf das deutsche sprachgebiet beschränkt; im engl. mit schwacher weiterbildung, ags. scréadian Bosworth-Toller 840
b,
mittelengl. shredden,
neuengl. shred,
ebenso fries. skreda Richthofen 1033
a;
auszerhalb des westgerm. gar nicht bezeugt. nahe verwandt ist das subst. schrot,
s. daselbst. das vorauszusetzende starke verbum *skriudan
ist nirgends erhalten, doch erscheinen andre stufen des ablauts in altn. skrjóðr,
fetzen, und skrúd,
n. takelwerk, ausrüstung, norw. skrud,
schmuck Aasen 688
a,
ebenso schwed., ags. scrûd,
n. kleidung Bosworth-Toller 842
b,
engl. shroud.
über das german. hinaus lassen sich keine verwandten wörter mit sicherheit angeben; die bei Skeat 551
b angezogenen, wie lit. skródyti
schneiden, schnitzen, skraudus
rauh, brüchig, und ahd. scrintan (
vgl. schrunde),
goth. disskreitan
widerstreben einer directen vergleichung wegen der abweichenden ablautsreihe. die flexion ist im engl.-fries. natürlich schwach, im deutschen dagegen ursprünglich reduplicierend; erst später stellen sich hier schwache bildungen ein. im einzelnen sind die formen folgende: ahd. scrôtan
demere, eripere, tondere, [] perf. screot, screod,
part. perf. giscrôtan Graff 6, 578.
eine ältere weise der reduplication liegt vielleicht vor in der glosse: incidit kiskrerot, kiscrerot Steinmeyer-Sievers 1, 281, 65,
vgl. Braune
ahd. gramm. § 354
anm. 3. Streitberg
urg. gramm. s. 327. —
mhd. schrôten,
mitteldeutsch auch schrâten, schrôden, schrâden Lexer
handwb. 2, 804
ff.; schrâten
auch oberd., so schweizerisch zerschraten
im reim auf beraten Liliencron
hist. volksl. 208, 15, 7.
die gewöhnliche flexion ist schriet-geschrôten,
bez. mitteld. schrît (
pl. schriden)-geschroden;
doch finden sich bereits spuren schwacher biegung; so schreibt die im rheinfränk. dialekt des 15.
jahrh. abgefaszte handschrift von Alpharts tod zweimal (240, 1
und 378, 3) schrot
für schriet,
fernere belege s. 2,
a und: nû hœret umb des ritters kleit, wie daʒ wære geschrôt.
ges. abent. 1, 92, 117.
vergl. Weigand 2, 643. —
mnd. schroden, schraden - schrêtgeschroden Schiller - Lübben 4, 132
a. 140,
doch auch schrodegeschrodet 6, 258
a (
vgl. unten 3,
d und 5,
a).
zu dem md.-nd. schrâden
gehört die 3.
sing. schrêt,
die mnd. und im passional (
Köpke)
begegnet. mnl. scroden
und so noch bei Kilian: schrooden, schroyen,
mutilare, truncare, curtare, decurtare, amputare, praesecare, resecare, circumcidere; später erloschen, s. Franck 869. —
nhd. durchweg schroten,
scindere, mutilare, curtare, truncare Maaler 362
b;
nur Stieler 1912
setzt an: schraden, geschradet,
freilich mit dem zusatze: '
communius dicitur schroten'; beschretten
Zimm. chr.2 3, 110, 38
Barack, neben beschrotten, 111, 24,
ist wol nur ein druckfehler. die flexion ist im allgemeinen schwach; so ist das wort bei Clajus 112, 6
angeführt. im prät. geht schrotete
durch (
z. b. bei Keller, Immermann,
s. die belege),
nur im volkslied hat sich vereinzelt schriet
erhalten (
s. unten 3,
c, vgl. ferner 1,
b. 1,
e. 6);
damit hängt auch zusammen, dasz die 3.
sing. präs. nur noch selten den umlaut zeigt (schrötet
bei Schottel,
s. 1,
b),
meist schrotet.
im particip dagegen hat sich geschroten
zumeist besser behauptet, vgl. beschroten,
mutilus, curtus, truncus Dasypodius; geschroten
und verschroten werk
bei Frisch 2, 227
c. 229
b, unverschroten feld 229
a;
dagegen Kramer 2, 670
b: geschrotet,
maccato, macinato in grosso, geschrotete gerste, geschrotete bohnen,
daneben indesz geschrotene müntz.
auch Steinbach 2, 517
kennt geschrotten
nur als mundartlich, sonst geschrotet,
auch umschrottet.
von autoren haben geschroten Kirchhof
mil. disc. (
s. unten), H. Sachs (
vgl. Shumway 135
und die belege), Göthe (
s. erschroten
th. 3, 974), Immermann: auf dem zerschrotenen steinpflaster.
Münchhausen 1, 222, geschrotet
dagegen Fischart (
s. 2,
a).
auch Adelung
und Campe
kennen beide formen. mundarten bieten wenig bemerkenswertes: schweiz. schrote Hunziker 231. Seiler 264
a, schrôta (
part. gschrôta) Bühler
Davos 1, 134;
bair. schroten
und schröten (
in genauerer schreibung schroudn, schrêdn —
prät. schrôtet
und schriet —
part. geschrôten
und geschrôtet, gschroutt) Schm. 2, 614,
österreichisch schrod'n Castelli 251,
tirol. und cimbr. schroaten, schreaten Schöpf 649. Frommann 6, 205.
cimbr. wb. 229
a,
thür.-henneb. schruten Jecht 100
a,
bez. schrût Spiesz 227,
nd. schroden Dähnert 415
a. Frischbier 2, 317
b, schraden
brem. wb. 4, 686
f. Schütze 4, 66,
auch mit ausfall des d: schrôen, schrâen Schambach 185
a (schraën
auch bremisch),
märk. sgren Frommann 6, 65, 57; schroten Richey 242
ist aus dem hochd. herübergenommen. die bedeutung ist ursprünglich die eines groben hauens oder schneidens, doch ist diese in der neuern sprache meist auf bestimmte landwirtschaftliche und technische verwendungen eingeengt. wenn in einzelnen mundarten sich der nebensinn des schrägen entwickelt hat (
österr. schräg abhauen oder abbrechen Castelli 251,
nd. schräg, in schräge stücke schneiden brem. wb. 4, 686. Schütze 4, 66),
so liegt darin eine vielleicht erst nachträgliche anlehnung an schrad (
vgl. daselbst)
vor. 11) schroten, entzwey hawen,
couper en deux Hulsius 290
a, schroten,
bipartire, couper en deux, mutilare, curtare Schottel 1409; es bedeutet aber dieses verbum schroten etwas nach der quer abkürzen und theilen, sonderlich durch schneiden, hauen, sägen, oder andere dergleichen weise. hernach auch in einigen andern fällen, zertheilen, insgemein. Frisch 2, 227
c. 1@aa)
mit angabe des werkzeuges: das dan die von Offendan tzu den tzelen davon auch recht haben sullen, mit der axt tzu schroden, und nit mit der sagen. Grimm
weisth. 3, 403;
vgl.: do schôp se de hant als ene schere up unde tô, oft (
als ob) se screde. Gerhard v. Minden 28, 57.
[] 1@bb)
mit object, etwas durchschneiden: man hôrte swert dâ clingen und sach helme schrôten.
livl. reimchron. 2247; mit pley man wol den stahel schriet tze weinachten in dem summer. Suchenwirt 45, 64; er schrötet helm und schild mit seinem scharffen schwert.
quelle bei Schottel 62.
mit dem schneidewerkzeug als subject: eʒ (
das fallthor) was swære unde sneit sô sêre daʒ eʒ niht enmeit eʒn schriete îsen unde bein.
Iwein 1101; zuo dem halspergewil ich dir geben ein swert, daʒ alle ringe schrôtetals si nie gewunnen stâl.
Ortnit 112, 3; mein schwert schroat die herte bein von dem haupt unz an den fus.
quelle bei Schöpf 649.
abschneiden (?): ein fändli man im schriet. Liliencron
hist. volksl. 143, 15, 6. 1@cc)
mit zusatz, entzwei, von einander schroten: als der ein aphel schrôte von einander begunde. Albr. v. Halberstadt 10, 313; und (
Gawein) sluoc im einen slac dâ, daʒ er die keten schriet entzwei. Heinr. v.
d. Türlin
crone 13257; dasz dir der könig von Tharsis zu ehren schencket dises schwerdt, das ist wol eines landes werth, kein stahel ist so vest und gut, den es nicht entzwey schroten thut. H. Sachs 4, 2, 46
c; heb mit einer klufft das kupffer ausz den schlacken ... schrot es mit einem meissel entzwey. Erker
ertzt u. bergwerksarten 99
b; dieselb prob (
werkblei) soll in vier theil von einander geschrotten werden.
s. Lori
bair. bergrecht 264
a.
bildlich: dasz der grosz zorn mitten von einander ward geschroten. Liliencron
hist. volksl. 1,
nr. 110, 178 (Rosenplüt).
in ganz freier verwendung: so merk dasz dir nicht also geschicht als dem ochsen und der kroten, di thet sich bald entzwei schroten (
zerplatzen, bersten), do si sich dem ochsen wolt geleichen. Schade
sat. u. pasqu. 2, 194, 154. 1@dd)
vgl. die zusammensetzungen abschroten (
theil 1, 110): als er das schloss Falkenstein erbawen, hat er den felsen, darauf das recht schloss stat, .. behawen und abschrotten lassen.
Zimm. chron.2 3, 112, 1
Barack; du hast mir abgeschrotten al mein gezierde, du hast mir abgeschroten kurz und nit zuo lang. Uhland
volksl.2 55 (29, 3,
vgl. unten 3,
c). aufschroten (
theil 1, 731),
auch etwas durch schroten (
hauen)
öffnen: den reichen schrotet auf die tor, wir wellen mit in eʒʒen. Suchenwirt 37, 47; ausschroten (1, 961
f.), beschroten (1, 1596
f.),
dazu: den felsen also zu beschrotten und in die alten mauren zu brechen.
Zimm. chron.2 3, 111, 31
Barack; — durchschroten (
th. 2, 1678), erschroten (
th. 3, 974), verschroten, zerschroten. 1@ee)
in der ältern sprache auch vielfach vom kampfe, einen durch hieb oder schwertschlag verwunden oder töten: die kristen gwunnen den gewalt daʒ si die heiden schrieten. sine mohten niht für gebieten, eʒ wær alleʒ versniten: dâ von si den tôt liten.
Servatius 2109; der keiser den heiden schriet mit slegen, daʒ er sigelôs lîb unde êre verkô
s. pass. 281, 26
Köpke; der Perwick sprach, er wöl durch eisen schroten Polderschman und Poczelman.
Neidhart Fuchs 393 (Bobertag
narrenbuch s. 164); wie grosz wunden der slahen kan! er kan die leut wol schroten.
fastn. sp. 459, 15;
mit näherer bestimmung: Achille wolt er hân daʒ bein geschrôten und geswungen hin.
troj. krieg 34915; dâ manger sich von slegen rampf, den si ze tôde schrieten. 31965; der slege einre sô gerît, daʒ er dem Zuckeswerte schrît einin vinger ûʒ der hant. Nic. v. Jeroschin 19669; den morder man ze stukchen schriet. Suchenwirt 20, 109; darumb in der henker zu vier stucken schriet. Liliencron
hist. volksl. nr. 195, 50;
[] ähnlich freier: den kunic er (
der schusz) von dem leben schriet. Ottokar
reimchron. 12216.
absolut: sie giengen sô schrâten, daʒ in die fînde wichen vor. Herb. v. Fritzlar
liet v. Troye 12694.
auch mit acc. des effects wunden schrôten: er grôʒ dâ bluotes mangen trahen und schriet vil tiefer wunden.
troj. krieg 6299; des wurden tiefe wunden gehouwen und geschrôten. 33843. 22)
so jetzt besonders in technischer verwendung. 2@aa)
von früchten: rüben, kraut schroten,
sie mit einem besondern messer (schrotmesser)
in einem bretterkasten (
s.schrotboden)
zu sog. kleinem kraut
zerhacken Schm. 2, 612. eine birne schroten,
zerschneiden: der vil unverdacht helt schrotete d birn ungeschelt. Laszberg
liedersaal 3, 149, 90. kastanien schroten,
einschneiden: dann sie inn der glut kästen protet, und weil sie ain käst nicht het gschrotet, so ward diselbig gar aufrörisch und macht die ganze glut rumörisch. Fischart
dicht. 2, 40
Kurz (
flöhh. 1424). 2@bb) bäume schroten,
der dicke nach durchschneiden, meist mit der säge, in mehrere blöcke zersägen Adelung. Vilmar 370: wenn man bäume schrotet, gehet zu jedem schrote ein werkschu zum wenigsten, von einander sägen ist vortheil. Schottel 1409. Stieler 1913; schroten, bäume entzwey hauen oder zerschneiden,
truncare Frisch 2, 227
c; schroten, will so viel sagen, als einen baum mit der axt oder mit der säg in kurze trümmer zerstücken. Heppe
wohlred. jäger 271
a; wenn man einen baum fället oder durchschneidet und schrotet. Döbel 3, 59
a.
aber auch in anderm sinne, fällen, so mhd.: unz er den boum met alle schriet und zur erde valde. Albr. v. Halberstadt 20, 96; er hup sich zeinem walde, da valt er nider balde der boume ein michel wnder, die schriet er alle besunder und braht ir vil an ein stat.
altd. wälder 3, 203, 12 (Stricker);
ebenso noch bei Bühler
Davos 1, 134.
ferner die krone abschlagen, abgipfeln, köpfen: bäume schroten,
cimare, accimare, decimare, mozzare gli alberi Kramer
dict. 2, 670
b,
s. auch die zusammensetzungen (mit der axt die baumstämme) abschroten, (mit der schrothacke einen baum) einschroten Schöpf 649. —
ähnlich das holtz musz man in der mitte schroten,
il faut couper ce bois en deux Hulsius 290
a; so schrotten sie das holtz und macken klupfel dreier oder dritthalber scheit lang darausz. Tucher
baumeisterb. 90, 30
Lexer; (
die hölzer) diu dâ kurz geschrôten wâren, diu selten lenger sîn verlâ
n. Konr. v. Fussesbrunnen
kindh. Jesu 2590; schrôt vil ebene disen bloch.
pass. 48, 93
Hahn; wie von steygern, knappen und buben so mechtig arbeyt würd verbracht .. mit holtzschroten, und fewer brennen. H. Sachs 1, 329
c. 2@cc)
bei den kammachern das horn schroten,
mit der schrotsäge
in kurze stücke (
s.schrot 2,
e)
zersägen Jacobsson 4, 57
a. 2@dd)
von metall. 2@d@aα)
bei den schmieden eisen schroten,
das eisen der länge nach theilen, indem man den schrotmeiszel
mit der schneide darauf setzt und es dann durch hammerschläge zertrennt Jacobsson 4, 56
b f.; schroten, eisen entzwey hauen und schlagen,
ferri majores massas in quadratas quasi perticas dividere Frisch 2, 227
c: darnach schrotet man die teul (
eisenmasse) unter den hemmern. Mathesius
Sar. 79
a;
der schmidtknecht spricht: maister so raht ich zu den sachen, wir wöllen erstlich eyssen schroten. H. Sachs 3, 2, 234
b. 2@d@bβ) geschroten eisen in den bergwerken, das ist, neues eisen, vom stangen-eisen abgeschlagene stücke,
contruncatae ferri perticae Frisch
a. a. o. Adelung. 2@d@gγ)
die nadler schroten
den draht zu nadeln, indem sie ihn mit der schrotschere
durchschneiden Adelung (4, 1). 2@d@dδ)
in münzwerken die zeine schroten,
aus ihnen die zum prägen bestimmten runden stücke heraushauen Adelung,
vergl. unten 5,
b. 2@ee)
im fries. auch vom beschneiden der münzen, vgl. schrot 1,
a, und: ief een man mit fade ende mit scredane biginsen
[] wirt. Richthofen 422
a, 30;
ebenso im nd. auf ursprünglich fries. boden: welck goltschmedt einich geschrodet goldt van golden oder van sulverpenningen .. bequeme.
ostfries. urk. von 1491
bei Schiller-Lübben 6, 258
a.
vgl. auch schrooden het gheld:
circumcidere nummos, accidere monetam, arrodere Kilian. 2@ff)
im bergwesen, steine loshauen oder zerhauen, zerschlagen Veith 429;
in manchen steinbrüchen vom loshauen gröszerer gesteinstücke, im gegensatze zu schröteln (
s. das. 1) Schm. 2, 612. 2@gg)
bei den schneidern zeug schroten,
zu kleidern zuschneiden, vgl. 5,
a: alle laken, wullen unde linen, dat geschroden is to vrouwen klederen, dat horet to der rade.
qu. bei Schiller-Lübben 4, 140
a; dô hieʒ er Flôren sâ zehant einen blîjât rôten, dô ze cleidern schrôten. Konr. Fleck
Flore 5488; kein snîder lebt sô rehte stolz, der sîne kunst bewære, gebrîstet inn der schære, dâ mite er schrôte ein edel tuoch.
troj. krieg 113. 33)
etwas abschneiden: schroten, auf allerley weise abschneiden, zerschneiden, und kürzer machen,
scindere, truncare, mutilare, curtare Frisch 2, 227
c.
so meist in der ältern sprache. 3@aa) das getreide schroten,
mit der sichel abschneiden; nach Adelung
veraltet: so du schneidest die sate deines landes, nicht schrot sie gantz bis zu der blosen erde.
bibel 1483 61
a (3
Mos. 19, 1),
vgl. Frisch 2, 227
c. 3@bb) das haar schroten,
abschneiden, scheren: der vürste muotes veste sîn hâr vil hôhe vürder schriet.
Barl. u. Jos. 33, 18; das hare hiesz er eme von dem heubt schroden.
Sal. u. Mor. 3317
v. d. Hagen- Büsching (
dafür daʒ hâr hieʒ er im abe snîden. 617, 1
Vogl);
vergl.: Yrkân diu reine tet ouch niht als Dalidâ Samsônen diu im sunder schônen sîn kraft mit hâres löcken schriet.
Reinfr. von Braunschweig 15169.
so auch einen beschroten (
theil 1, 1596): darnach sol man si (
die einzukleidende novize) furen, da man si beschrotet.
quelle bei Schm. 2, 612. 3@cc) einem vogel die federn schroten,
tarpare le ali ad un uccello Kramer
dict. 2, 670
b;
beschneiden, stutzen: sie schriet im (
dem waldvögelein) sein gefidere. Uhland
volksl.2 55 (29, 2,
vgl. oben 1,
d).
gewöhnlicher beschroten,
s. theil 1, 1596
f. 3@dd)
die nägel an händen und füszen schneiden; dafür auch die füsze schroten: de hande he jo nicht ne dwôch, de vote he vil seldene scrode. Gerhard v. Minden 34, 7. 3@ee) bäume schroten,
köpfen, s. unter 2,
b. 44)
etwas beschneiden, durch schneiden glätten, polieren, hobeln, meist von der ersten gröbern arbeit. so bei den blockdrehern das holz schroten
oder schruffen,
es im groben abdrehen und wegbeteln, so dasz es ungefähr die erwünschte gestalt erhält Campe. Bobrik 613
a. Karmarsch - Heeren
3 4, 342;
ebenso auch metallarbeiten mit dem meiszel behauen, aus dem groben abhobeln. 8, 48. 55)
etwas durch schroten (
schneiden)
herstellen oder gewinnen, in mannigfachen gebrauchsweisen: wunden schroten,
s. oben 1,
e. ferner: er hiew sie (
die sau) ûf, dar ûʒ sô schriet er mangen brât.
Kolm. meisterl. 128, 40.
meist die gestalt eines dinges durch schroten
schaffen, so 5@aa)
vom zuschneiden der kleider, so besonders in der ältern sprache, vgl. auch schröter.
jetzt noch in den südlichsten mundarten, s. Hunziker 231. Schöpf 649.
cimbr. wb. 229
a;
sarcire schroden, sroden, beschroden,
nd. scroden, scraden; schröten, schrodern, schroten
vel bessern
vel wider machen, nehin o. srotin Dief.
gloss. 512
b; schröten
in den voc. von 1419, 1432,
s. Schm. 2, 612; man hât mir daʒ kint verstoln, ê daʒ eʒ volporn würde, dar umb muoʒ ich im diu klaider dester kürzer schrôten. Megenberg 424, 14; were dat se (
die frauen, denen das scrôtammet
nur für alte sachen gestattet ist) dar eyn boven nyge werk scrodeden.
Oldenburger urk. von 1355
bei Schiller-Lübben 4, 140
a; daʒ im der junge sueʒe hieʒ kleider ûf die vueʒe schrôten.
ges. abent. 1, 294, 497; di frouwe mit ir handen in suʒer mildekeide den doden ir gecleide nelde selbe unde schriet.
Elisabeth 3805;
[] ich schrot ein kapp hie manchem man. Brant
narrensch. vorr. 61.
vgl. auch oben 2,
g und anschroten (
theil 1, 450). 5@bb) münzen schroten,
vgl. 2,
d, δ: schroten, mit einem ausgehöhltem runden eisen münz-plättlein aus dem silber oder andern metall aushauen,
e laminis metalli orbiculos exscindere ferro excavato et in orbem acuto Frisch 2, 227
c; münz schrôten, vom rundstab oder zain gehörig versetzten silbers oder goldes die einzelnen stücke schneiden.
quelle bei Schmeller 2, 612;
dagegen erklärt Kramer
diction. 2, 670
b: müntz
ò müntzstücke schroten, beschroten, abschroten,
aggiustare la moneta ò li quadretti di essa nella zecca (
vgl. 2,
e). —
besonders in der ältern sprache: dar schal me van schroden van der gewegenen mark 4 mr. myn 2 witte.
Lübecker qu. v. 1389
bei Schiller-Lübben 4, 140
a; sodane penninge schal de muntemester mit vlite schroden gelyk dem golde alse lyck, dat dar nemant bate ane soken kone. 140
b (
münzrec. von 1463); der münzmeister geust, schroit und blatet die pfennige.
quelle bei Lexer
handwb. 2, 805; daʒ man solte usser 15½ lot vines silbers und eime halben lote zusatzes 65 grossen schroten.
d. städtechr. 9, 1004, 4; also daʒ uf 15½ lote vines silbers und einem halben lote zusatzes 65 grossen gescroten werdent. 12;
im wortspiel mit der bedeutung 1,
e: ich wurd geschroten und zerschlagen, gepregt, nit halb kan ich dirs sagen und wurd ein gülden gut und schwer. H. Sachs 1, 411
a. 5@cc)
ebenso oblaten schroten, ausschroten,
scavare hostie con un ferro ò coltello circolare Kramer
dict. 2, 670
b;
orbiculos e massa panis in laminae formam cocta exscindere, ad obsignandas literas vel ad alios usus Frisch 2, 227
c. 66)
durch schroten
eine höhlung herstellen, etwas ausgraben. einen graben schroten,
ziehen u. ähnl.: dadurch mir (
wir) in radt (
ratsam) befunden, einen graben nach unser geleigenheit vor den deichen herab zu schrotten, .. unser furgenommenen graben durch den .. schrecker weg so auff Baurbach geet zu schroiten.
hess. urk. von 1533
bei Vilmar 370; bis die juden das loch in den fels geschrieten, darein si das crewtz stackten.
quelle bei Schm. 2, 612; ein gnug tieffe geschrotene schantz, jmmer von einem blochhausz bisz ans ander geführt. Kirchhof
milit. discipl. 198; da jm sein kriegsvolck gschroten haben, funfftzeh schuch weit und tieff ein graben. H. Sachs 5, 297
a; dem bloche wart geschrôten ein grap dâ si 'ʒ in huoben und eʒ vil wol begruoben. Lambel
erz. u. schw. 111 (
d. bloch 254).
so in bergwerken: schroten, in bergwerken, durch erde und gesteine quer durch arbeiten,
fodere, et metalla quaerere Frisch 2, 227
c.
so besonders in zusammensetzungen: erschroten (
s. theil 3, 974), in bergwerken,
fodiendo invenire. wasser erschroten in einem gang,
aquae receptaculum fodiendo in fodina aperire. unerschroten,
adj. ein neues unerschrotenes gebirg,
montes quos fossorum manus nondum attigit, in quibus metalla nondum quaesita sunt. 229
a; verschroten, bey den bergleuten, verschroten feld, da man allbereit eingeschlagen und gearbeitet. unverschroten feld. verschroten
auch für erschroten
ebenda. s. auch Adelung (3). Veith 429
erklärt schroten
mit schlitzen, einen schlitz, d. h. eine künstliche, schmale und weitreichende vertiefung im gestein oder speciell einen engen rechtwinklig zur ebene des flötzes durch dessen ganze mächtigkeit reichenden einschnitt herstellen. andere bergmännische gebrauchsweisen s. 2,
f und 9,
d. 77)
in der neuern sprache wird schroten
mit vorliebe von andern arten des zerkleinerns und zermalmens gesagt, die nicht durch hieb oder schneidewerkzeuge geschehen. 7@aa)
getreide und hülsenfrüchte, auch malz und eicheln, grob mahlen, sie nur einmal durch die mühle laufen lassen Jacobsson 7, 276
a. Karmarsch-Heeren
3 1, 481 (
v. malz). 6, 27.
öcon. lex.2 2650. Albrecht 207
a. Richey 242.
brem. wb. 4, 687. Dähnert 415
a; schroten, schroden, schraden,
macinare grosso ò all' ingrosso, maccare, ammaccare. v. rollen, quetschen. gersten, erbsen, korn, weitzen
etc. schroten, abschroten Kramer
dict. 2, 670
b; ubermahlen,
leviter comminuere, aliàs schroten Stieler 1303;
pinsere, pisere, comminuere tundendo 1912; das getreide schroten,
frumentum leviter molere Steinbach 2, 517; schroten, getraid in der mühl, in grobe stücke zermahlen Frisch 2, 228
a;
so schon mnd.: it. 8 gl. vor scradene bonen.
qu. bei Schiller-Lübben 4, 140
a;
[] mel unde korn vil wol gescraden, des gaf se alle ome genôch. Gerhard von Minden 3, 18; Lucas, du starckes öchselein, schüt auff die mühl, las schroten!
bergreihen s. 14, 17
neudruck (5, 16);
im bilde: wir hätten einiges recht den moralisten zuzurufen, nicht alles hinterkorn sofort in den wind zu werfen, oder allenfalls für das vieh schroten zu lassen. Möser
patriot. phantas. 4, 47. 7@bb)
von dem mit geräusch verbundenen beiszen und nagen der nagethiere Adelung; schroten, mit den vördern zähnen zernagen,
corrodere, derodere, erodere Frisch 2, 227
c;
so schon mnd.: corrodere .. schraden Dief.
gl. 153
a (
gl. lat.-sax. 1425);
opizare knagen, schraiden 397
a (
clevischer Theutonista von 1475);
rodere scraden, gnagen, tannen
nov. gl. 320
a (
niederd.-lat. wb.),
vergl. Schiller - Lübben 4, 132
a: die nagethiere schroten das holz, das getreide Adelung.
brem. wb. 4, 687,
vgl. auch durchschroten (
theil 2, 1678); ausschroten: die meuse haben das brot ganz ausgeschrotet,
mures eroserunt panem Stieler 1935. —
vom wiederkäuen: o, widrig ist ein thier, das wiederkaut, mit trägem malmen zwischen groben kiefern den brei noch schrotet, den es längst verdaut. Heyse
kinder der welt 2, 44.
dafür nachschroten: meine kinnbacken beginnen sich kreuz und quer übereinander zu schieben, und ein sonderbares nach - schroten ohne gegenstand auszuführen. Imnermann
Münchh. 2, 77. —
von insecten, würmern u. dgl.: auf der kanzel eine apostelfigur, in welcher ich die holzwürmer schröten hörte. Hermes
Sophiens reise 2, 64; einen hirschkäfer, der am fusze eines baumes sasz und fleiszig schrotete, so dasz er schon ein beträchtliches häuflein sägemehl ausgeworfen hatte. Keller 7, 324;
so auch abschroten: der kopf (
der maikäfer) ist ziemlich grosz .. mit zangenförmigen, stumpfen und gekerbten dunkelbraunen kiefern, womit sie die wurzeln abschroten. Oken 5, 1794. 7@cc)
auch auf den menschen übertragen, meist scherzhaft oder mit verächtlichem beigeschmack: dapfer darauf schroten,
vulg. contruncare cibum Frisch 2, 228
a; alles schrotete, käute, schluckte. Immermann
Münchh. 3, 53; gib mirn sewsack mit feisten griben, der nechten znacht ist uberbliben, und lasz mich weidlich darin schrotn! H. Sachs
fastn. sp. 3, 129
neudruck; o hett ich menschenfleisch zu fressen, wie weydlich wolt ich schrotten drinnen, dasz mir blut übers maul müst rinnen! Ayrer 1273, 4
Keller. im wortspiel mit der bedeutung 7,
a: ein geitziger herr that viel wasser unter den wein, welchen er seinen dienern geben liesse. als er nun dieselben auff eine zeit im essen wol schroten sahe, fragte er einen unter jhnen, wann er die mühl beschliessen werde?
unlust vertreiber (
Straszb. 1643)
s. 179.
auch in der verbindung schrammen und schroten,
s.schrammen 2,
sp. 1630. —
so vielfach mundartlich stark essen, brot in groben bissen verzehren, s. Vilmar 370. Spiesz 227. Albrecht 207
a. Hertel
sprachsch. 221. Jecht 100
a. Frischbier 2, 317
b. 88)
besonderheiten und mundartliches. 8@aa)
das mhd. kennt eine freiere verwendung, die im nhd. erloschen ist: einem etwas zutheilen, bescheren (
vielleicht zum theil an 5,
a anknüpfend)
u. ä.: mîn frou Sælde, wie si mîn vergaʒ, daʒ si mir sîn guot ze mînem muote nien schriet, si vil guote! Walther v.
d. Vogelweide 43, 7; Cristus da hin bî sich schriet allerhande marterât (
ordnete die märterer zu sich).
pass. 46, 84
Köpke. 8@bb)
von der bedeutung '
baumstämme entzwei hauen oder sägen' (2,
b)
entwickelt sich zuweilen die des bauens mit solchen schroten (
rohen, unbehauenen baumstämmen): schroten, mit solchen ganzen und unbehauenen bäumen und holz bauen,
detruncatis arboribus et non exasciatis tuguria aedificare Frisch 2, 227
c,
mit hinweis auf folgende stellen: zu solchen schrancken .. hat man .. vor nöthig erachtet 1575 stämme, und noch darzu 350 stämme zu denen grüpeln, daran die bolen zu schroten. Meltzer
histor. Schneeberg. 68; zum schlusz ist das höchstschädliche holtz verderbliche pohlnische oder wendische häuser schrothen abzuschaffen, als worzu noch zweymahl so viel holtz aufgehet. Fleming
t. jäger 72
b.
ferner: zu keinem ganz geschrötten bau soll man zimmerholz geben, sondern die unterthanen anhalten, dasz sie die stöck und füsze mauren.
quelle bei Schm. 2, 613.
[] 8@cc)
in der Schweiz das festliegende stapelheu vom heustock mit dem schroteisen
abstechen, zum verfüttern Stalder 2, 352. Seiler 264
a. Bühler
Davos 1, 134. 8@dd)
unklar ist schraten
in folgender stelle: appellieren thue ich nit raten, wan es muesz vil phenning schraten (
wegschneiden? oder verzehren, aufbrauchen? fastn. sp. 1005, 24. 99)
folgende verwendungen hängen kaum mit der hauptbedeutung zusammen. 9@aa)
eine art des fischfangs: item es soll auch das schrotten (schröten, schrätten) gearbeitet werden von ostern bis auf sonnenwenden und darnach nimmer.
quelle von 1553
bei Schm. 2, 613.
vgl.schrot 8,
f; schrotfisch, schrotnetz. 9@bb)
in Passau beim ländler mit den füszen stampfen, den sog. drischlag
machen Schm. 2, 613. 9@cc)
in einigen gegenden (
wie z. b. Göttingen)
auch vom gerinnen der milch: die milch ist geschroten. 9@dd)
im bergwesen auch sich erstrecken, reichen: eine ständige markschaft (
markscheide), die sol schrotten unter sich in die tiefe und über sich in tag.
quelle bei Veith 429.