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verschroten

mhd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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9 in 7 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verschroten verb.

Bd. 25, Sp. 1165
verschroten, verb. , mhd. verschrôten mhd. wb. 2, 2, 220a. Lexer mhd. handwb. 3, 219. 220; ahd. farscrôtan, incidere, vulnerare. Graff 6, 579; vgl. Schmeller 2, 612. Scherz-Oberlin 1771. Diefenbach-Wülcker 566; mnd. vorschroden Schiller-Lübben 5, 438a; nld. verschrooden, circumcidere Kilian; verschroten, part. Maaler 430a; verschroten, ronger. Hulsius dict. (1616) 354b; verschroten et zerschroten, derodere, abdere, rodendo conficere, consumere, corrumpere. Stieler 1914; Frisch 2, 229a verzeichnet verschroten (mit starkem part.) als bergmännischen ausdruck; abgesehen von diesem technischen gebrauch kennen es Adelung und Campe nur in ganz beschränkter anwendung. das wort, das in der mhd. zeit auch der edlen sprache angehört und in mannigfacher verwendung erscheint, ist aus der schriftsprache fast ganz verschwunden, wie ja auch das einfache schroten seinen gebrauch im nhd. fast ganz auf bestimmte anwendungen eingeengt hat. auch die mundarten haben verschroten wohl kaum noch in beweglicher verwendung; Hunziker 83 verzeichnet ferschrote, zerschneiden.die flexion ist in neuerer sprache schwach, doch hält sich das st. part. verschroten, in älterer sprache stark; aber es begegnen schon früh schwache formen: wie habt ihr euch so gar verschrotet (: getotet). Vintler blum. d. tug. 932; vgl. hierzu die bemerkungen über die flexion von schroten th. 9, sp. 1782. — bei den im folgenden abschnitt gegebenen belegen ist zu beachten, dasz wo in neuerer sprache das einfache schroten in bestimmten, meist technischen anwendungen gebraucht wird, fast stets auch verschroten möglich ist, entweder zur bezeichnung intensiver, abschlieszender thätigkeit oder in dem sinne des sich verfehlens, wenn auch die anwendung hier nicht belegt ist; zu dem schroten (th. 9, sp. 1789), das die fortbewegung schwerer lasten bezeichnet, scheint kein verschroten gebildet zu sein. 11) durch schneiden, hauen verletzen, beschädigen; in der mhd. dichtersprache häufig von der wirkung des kampfes; schutzwaffen und waffengewänder werden im kampf verschroten (vgl. Kinzel zu Lampr. Alex. 3296, die mhd. wörterbücher und oben schroten th. 9, sp. 1784): die gesunden brâhtenzerhowen manegen rant und helme vil verscrôtenin Guntheres lant. Nib. 246, 2; hei waʒ er in dem strîteder guoten helme verschriet. 2220, 2; verschrôten und zerschrenzen begunde man diu wâpencleit. K. v. Würzburg troj. krieg 12540; verwundung im kampfe: dâ wart gesunder houbte vil verschrôten. Gudrun 675, 4; dô er ir antlitzeals sêre verschrôten sach. Wolfdietrich A 360, 3; mit dem swerte, daʒ er truoc, dâ mite gebecte er unde gesluoc den vînt sô vil wâ unde wâ, biʒ er'n verschriet dâ unde dâ. G. v. Straszburg Tristan 9206. hinrichtung: das ich nit wesst, wann mir der nack verschroten ward, wie wol ich hêt kain schulde. O. v. Wolkenstein 13, 5, 4. in besondrer anwendung, etwas verletzen, das geheiligt ist: dar umb ge uosz dem paradisz, sint du nu hast verschroten den appel uff dem grünen risz den dir got het verboten. Muskatblut 30, 74. da das wort einen durchaus edlen klang hat, wird es vielfach in übertragener und bildlicher anwendung gebraucht (vgl. mhd. wb. und Lexer mhd. handwb. a. a. o.): des hât der sorgen urhap mir freude verschrôten. W. v. Eschenbach Parz. 141, 23; daʒ eteswâ der eide vil verschrôten wirt. minnes. 2, 233a Hagen; daʒ Samsonis sterke im sîn selbes wîp verschriet. L. v. Regensburg tochter Syon 351; deʒ wart ir freude verschroden von ungehorsamkeit. Muskatblut 23, 17; so hort die nechtegal die hat truren verschroten. 50, 49; der helf uns wenn der tod verschrot das ellend leben hy auf erd. Kehrein kirchen- u. relig. lieder 150 (entstellt bei Cl. Hätzlerin 2, 65, 92; dieser beleg ist also im mhd. wb. 2, 2, 220b und bei Lexer mhd. handwb. 3, 220 zu streichen). in besonderer wendung: wilt du mein frau also verraten und an iren eren verschroten? fastn. sp. 2, 503, 7. 22) haare, nägel verschroten (vgl.schroten 3, b und c th. 9, sp. 1787): ir wîblich hâr si verschriet (um als mann zu erscheinen). passional 467, 6 Köpke; tonsurieren: nit also verschroten, das sie ... weder zu pfaffen noch zu leyen mer gut weren. quelle bei Schmidt els. wb. 400a; do verschriet si im die negeledem unverzagten man. Wolfdietrich B 317, 4. 33) hauen, schneiden zu gebrauchszwecken, in gewerblicher thätigkeit; hack- und behauarbeit im walde: darzue auch solche sein hofsach mit gipfeln und astach nach holzwerchs gebrauch raumen und verhacken, und so die verhackt und verschrotten ist, alsdann die wider zu hoch- und schwarzwäld erwachsen lassen. österr. weisth. 1, 259, 4. schnitzen des holzes, herstellen von schnitzwerk, eingelegter arbeit, dann auch auf andres material übertragen: emblemata, verschroten werck, oder die gewürffleten esterich oder wänd. Dasypodius; segmentati asseres, verschrotten werck. ebenda; verschroten werck (das) ein werck von eyngelegter arbeit, vermiculatum emblema, cerostrotum; verschrottne oder versetzte arbeit machen, eingelegte arbeit, vermiculari. Maaler 430a b; für ein stubenkellterlen mit vil verschrotten werck auf czwaien füssen. Tucher haushaltbuch 76; ein schün stubenkallter mit verschrotten werck. 106; vgl. verschrotwerk. im bilde, hergenommen von der holzarbeit: mîn zunge si (die aventüre) verschriete und begunde si wider lîmen mit ganzen niuwen rîmen. W. v. Gravenberg Wigalois 11672. in der böttcherei: nemant schal vormenghen olt holt mank nye werk ... men heft een bederve man een olt kuven, dat magh men eme vorscroden. quelle bei Schiller-Lübben 5, 438a mit der erklärung: 'an einer tonne oder kufe den über den boden hinaus ragenden rand (die kimme) erneuern'; vielleicht vórschroten. tuch zuschneiden zum gewand (vgl.schroten 2, g und 4, a th. 9, sp. 1786): (das fahrende gut der frau soll zu dem liegenden des mannes gehören) usgesetzt ir verschrotten gewand, tuechli, ir bettstatt. weisth. 1, 15; vgl. 46. fleisch verschroten: verschrotens flaisch. d. städtechron. 15, 396, 16. 44) zermalmen, grob mahlen, durch zerkleinern verarbeiten (vgl.schroten 7, a th. 9, sp. 1787): der müller hat alles malz verschroten. Adelung. 55) mit den zähnen malmend zernagen (vgl.schroten 7, b th. 9, sp. 1788): verschroten, zerschroten, wie die mäuse das korn zerschroten. Hulsius dict. (1616) 354b; vgl. oben zu anfang das citat aus Stieler; so kann man auch heute sagen: er hat in der stille ein halbes kommissbrot verschrotet, malmend verzehrt. 66) anwendung in bergmännischer sprache (vgl.schroten 6 th. 9, sp. 1787), ausgehend von der bedeutung des einschneidens, eingrabens: verschroten feld, da man allbereit eingeschlagen und gearbeitet; gegensatz: unverschroten feld. Frisch 2, 229a; verschrotenes feld, 'das bereits von strecken und örtern aufgeschlossen ist'. Jacobsson 4, 528a; bei Adelung auch verfahrnes, verritztes, verwundetes feld. erschürfen, lagerstätten, mineralien, wasser, wetter, sie bei grubenbetrieb auffinden. Veith bergwörterb. 536; auch im sinne von abbauen. ebenda. wie die wasser, so man in kysigen gengen verschrottet, gemeinklich viel schlams setzen. Mathesius Sarepta (1571) 2b; spüren doch oft die bergleut auch in verschrotnen gengen, unnd schwebenden feldern, eine weisse gute oder dünstige feuchtigkeit. 56b; (wenn) die grundwasser verschroten und abgefürt werden. 35a; das die ertz noch heut zu tag in unverschroten gengen ... wachsen. 34b; ertz oder metall ..., so es nicht verschroten unnd weggehawen wird. ebenda; in unverschrotenen felde. ebenda; bisz er wird gar ansitzen dürffen die flut verschroten in der eil. Mühlpforth hochzeit-gedichte 133 (1686). 77) die vorstellung des verfehlens, irrens, falsch schneidens tritt zu dem begriff des einfachen schroten hinzu: dô wart er vil gar ze kurz als ein verschrôten werc. W. v. d. Vogelweide 27, 1; übertragen: du hast uns die sach erst verschroten. fastn. sp. 2, 569, 30. sich verkürzen, verscherzen, einbüszen: bie bol wir dik verschroten hân mit tuon und lân, dein huld durch süntlich rässe. O. v. Wolkenstein 99, 1, 14. ohne object, verfehlen: herr jüngling, euch möcht friesen, ir habt verschroten zwir. 31, 3, 2; so wurd offt nit verschrotten, das also valschlich wirt verratten vil mer umb sunst, dann umb tatt. Cl. Hätzlerin 2, 16, 87.
8268 Zeichen · 190 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verschrôtenstv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    ver-schrôten stv. BMZ tr. abschneiden, daʒ hâr Pass. K. 467,6 ; zerhauen, -schneiden, verwunden, -letzen eig. u. bildl.,…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verschroten

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Verschroten , verb. regul. act. außer im Mittelworte, da es verschroten hat. 1. Durch Schroten alle machen. Der Müller h…

  3. modern
    Dialekt
    verschrotenschw.

    Pfälzisches Wb.

    ver-schroten schw. : 1. 'zu Schrot (grob) mahlen'; Korn veʳschroure [ BZ-Dierb ]. — 2. 'verletzen'. a. 1550: das zwen .…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verschroten

2 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von verschroten

ver- + schroten

verschroten leitet sich vom Lemma schroten ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verschroten 2 Komponenten

versch+roten

verschroten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verschroten als Zweitglied (1 von 1)

unverschroten

DWB

unver·schroten

unverschroten , part. adj. zu verschroten th. 12, 1167, 6 im bergbau ; Veith bergwb. 517 : einen neuen unverschrotnen ganck (1540) Lori berg…

Ableitungen von verschroten (1 von 1)

unverschroten

DWB

unverschroten , part. adj. zu verschroten th. 12, 1167, 6 im bergbau ; Veith bergwb. 517 : einen neuen unverschrotnen ganck (1540) Lori berg…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verschroten". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verschroten/dwb?formid=V03764
MLA
Cotta, Marcel. „verschroten". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verschroten/dwb?formid=V03764. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verschroten". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verschroten/dwb?formid=V03764.
BibTeX
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