seelhaus,
n. haus für arme leute (
besonders frauen, s. seelnonne),
das jemand zum heil seiner seele stiftet, mhd. sêlhûs Lexer
handwb. 2, 866; seelhausz, ellende herberg,
ptochodocheum. Dasypodius;
casa fondata ò legata ad usi pii, v. g. di allogiar vedove, orfani e pupilli etc. Kramer
dict. 2, 732
b;
aedificium pro iis qui pro anima alicujus post mortem orant, ein haus durch stifftung gewisser armen zum besten erbauet, daselbst für
die verstorbenen zu beten, als alten verlebten männern und unvermögenden bürgern. Frisch 2, 254;
xenodochia ad pias causas ex legatis piis scil. ad pauperes sustentandos erecta. Scherz-Oberlin 1479;
armenhaus Campe,
armenkrankenhaus Schmid 499,
nach Schm. 2, 256
f. für ärmere unverehelichte weibliche personen. nach Haltaus 1669
auch in protestantischen ländern geblieben, wo der nicht mehr verstandene name dann volksetymologischen umdeutungen unterliegt. belege: dar umm schaff ich miner sel dinch mit disem brief .. daʒ min hus und alliu min hus sach ewiklichen sin sol ein selhus, mit armen frumen geswestern.
urk. von 1350,
s. ebenda 1670; und auf den tag verpran des Horns, söldners, haus,
das gelegen ist zwischen dem seelhaus am egg und des Schuderingers haus.
d. städtechron. 5, 54, 6; item adi 10 deczembris sant pei Margret Stocklerin im selhausz par das kundgelt von her Sixten Tucher seligen. Tucher
haushaltb. s. 75
Loose (
vgl. die anmerk.); die sollen, .. wa sie .. so spet ankomen, das sie vor nachts weytter nit gehn mogen, umm gewonlich nachtselde und herberig uber nacht und nit lenger, in unser darzu geordnet seelhausz geschikt werden.
almusenordn. zu Würzburg vom jahre 1533 A 2;
bildlich, obscön: heur hab ich ein altsz weip genumen, wenn ich ir des nachts ze hof wil kumen, so sagt sie mir, es sei ein heilige nacht und hat mir ein selhaus daraus gemacht und weist mich ab mit solchen meren.
fastn. sp. 346, 26.
in der neuern sprache zumeist aufgegeben (
vgl. indesz Schmeller
a. a. o.),
vereinzelt dafür seelenhaus: den kapuzinern legte man öfters .. kinder .. diese kinder wurden von den kapuzinern in das sog. seelenhaus .. gegeben .., in welchem arme kinder, die nicht bürger waren, erzogen und ehemals pilgrime, wandernde juden und andere arme meistens mit habermus gespeist wurden. Birlinger
volksthüml. 2, 296. —
ein andres sel-, söl-, solhaus
findet sich in Salzburger teidingen für seld, söld,
kleine bauernhütte, s. das glossar 416
b.