versehen,
verb. ,
ags. forseón,
verachten, verschmähen; im altnord. scheint ein hierher gehörendes verbum zu fehlen, beachtenswert ist das subst. fyrirsjón,
gegenstand der verachtung (
entsprechend dem ags. verbum); fyrirsjón
bezeichnet aber auch fürsorge, aufsicht; dazu fyrirsjónarmaðr,
aufseher, verwalter; fyrirsjónarsamr,
sorglich, eifrig in der aufsicht und verwaltung; in gleicher bedeutung fyrisjár.
das rührt von bedeutungen her, die dem deutschen verbum zugehören. dän. forsee,
schwed. förse,
norweg. forsjaa
entspricht in seiner anwendung ungefähr dem deutschen verbum und ist wohl diesem nachgebildet; nld. verzien,
alts. for-, firsehan,
mnd. vorsên Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 441
a. 6, 307
b;
zur verbreitung in den niederd. mundarten vgl. brem. wb. 4, 733;
nachträge 296. Dähnert
plattd. wb. 526
a. Danneil
wb. d. altmärk.-plattd. mundart 239
b. Woeste
wb. d. westfäl. mundart 294
b. Stürenburg
ostfries. wb. 315
b. ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 462
b,
ahd. far-, firsehan Graff 6, 120,
mhd. versehen
mhd. wb. 2, 2, 279
b. Lexer
mhd. handwb. 3, 222.
vgl. Schmeller
bair. wb. 2, 247. 248. Haltaus 1890. Scherz-Oberlim 2, 1772. Maaler
schreibt versähen
neben versehen (427
d. 430
d);
zur geschichte der flexion vgl. oben sehen
th. 10,
sp. 129.
die entwicklung der bedeutung verläuft von anfang an in zwei bahnen, jenachdem durch das präfix nur eine modification des verbalinhaltes in der positiven richtung des verbalbegriffs oder eine aufhebung, verneinung des verbalbegriffs, einlenkung in verkehrte richtung hervorgerufen wird. in die erste richtung gehören z. b. die bedeutungen [] wahrnehmen, bestimmen, ausersehen, anordnen, ordnen, sorgend behandeln, in behandlung, sorge nehmen, ausstatten, sorgen für, schützend, abwehrend in sorge nehmen, sich versehen
im sinne von erwarten, fürchten, hoffen, gefaszt sein, in die zweite die bedeutungen verachten, falsch sehen, übersehen, irren, einbüszen, einen fehler begehen. —
die ansätze zur entwicklung in der zweiten richtung sind zwar seit alter zeit vorhanden, doch tritt die entfaltung dieses sinnes erst in neuerer sprache mehr hervor und diese zweite richtung ist nicht so reich verzweigt wie die erste; auch statistisch hat die erste das übergewicht auf ihrer seite. —
diese zweiheit beruht vielleicht auf ursprünglicher verschiedenheit des präfixes. in manchen bedeutungen berührt sich versehen
mit vorsehen,
letzteres ist im nhd. mehrfach eingetreten, wo die ältere sprache versehen
in gleichem oder ganz ähnlichem sinne gebraucht. da in älterer sprache fur-, vor-
sehr oft auch das unbetonte präfix vertritt, so ist eine scheidung der verben vor(für-)sehen
und versehen
nicht überall möglich (
s. auch oben fürsehen
th. 4, 1, 1,
sp. 805).
auch mit ersehen
berührt sich versehen
öfters. II.
positive richtung. I@11)
nur in älterer sprache: im eigentlichen und übertragnen sinne, erblicken, wahrnehmen, bemerken, besehen: firsio,
respicio. Wadstein
kl. alts. sprachdenkm. 78, 27; fone himele fersah er in erda,
de cœlo in terram prospexit. Notker
ps. 101, 20; thia liudi farstuodun that hie thar habda gegnungogodcundeas huat forseuuan selBo.
Hel. 189
Cott.; griotandi satun idisi armscapanathia that all forsauun, thes gumen grimman doð. 5743; be that he thea uurdi farsihit (gisihid
Cott.) endi he thes arbediesendi scauuot. 4581
Mon.; alse die coninc dit versach dat hi hadde dat oghe verloren.
Reinaert 1322; hoe selen wi best moghen vlien? die jaghers heben ons versien. 5768; an mir selben ich wol versach, daʒ ich ze kranc und ze swach zuo sô hôhen êren wære. Ottokar
österr. reimchron. 8476; o muoter rein,din vader eyn hat dich fur seen,da er gond spehen in dynem wurtzegarten. Muskatblut 6, 7, 92 (
vgl. Hätzlerin 1, 131, 135). er ist (o groszer trost!) versehend unsre rew gedultig und sanftmütig. Weckherlin
ged. 216 (1648);
in besonderer wendung: den knaben, den er weysz versach (
quem videbat sapientem esse). Keller
altd. gedichte 200, 26. er versahe jn für zu einfältig zu einem musico. Geiler von Keisersberg
granatapfel 62. einen wofür versehen,
ansehen für (
anders unten): wofür versehet jhr mich? ... vor einen frommen geschickten mann. Zincgref
apophth. 1, 237 (1639);
besehen: de voghet eyns dages to dem herde quam to verseyn, wu et umme de swine were.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 441
a;
auskundschaften: dat Wedekint dat heer Karli wolde vorseen.
ebenda; im entwickelten neuhochd. selten: dasz er einer sei, der da hält hinterm busch, bis er versieht seinen husch (
die rechte gelegenheit wahrnimmt). Rückert
poet. werke (1882) 11, 255. I@22)
mit leichtem übergang, vorhersehen, erwarten, vermuten, ahnen; auch dieser gebrauch ist der nhd. sprache verloren gegangen, doch hält er sich länger: somtydes vorzuet de cracht der seyle ut erer subtilicheit tokomende dynghe.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 441
a; wan got der vorzach diʒ, daʒ sancte Gregorius in erbiten solde.
myst. 1, 104, 33; want it was zo versein na dem groissen sne ein zomail grois gewesser.
d. städtechron. 13, 170, 23; Trier wird, als man versicht hute kommen.
quelle von 1487
bei Diefenbach-Wülcker 566; versehen oder anen, das selb mindret den schaden. Geiler v. Keisersberg
postille 3, 26
a (1522); versächne ding werdend ringer,
provisa fiunt leviora. Maaler 427
d; denn ich wurde durch mehr als einen mir nicht versehenen zufall in meinem vornehmen nicht wenig beunruhiget und gestöhret.
Plesse 1, 168; künnen die den tac versehen, wenne eʒ an in sol geschehen? Rudolf von Ems
Barlaam u. Josaphat 31, 31;
gewöhnlich sagt man im nhd. sich versehen,
ahnen, vermuten; doch gelegentlich auch einfaches versehen: in einem wink, eh man's versah, stand er nun freilich anders da. Göthe
maskenzug 1818 (16, 287
Weim. ausg.);
diese bedeutung ist erhalten in unversehens (
s. dieses): unversehens,
[] inopinanter, casu. Steinbach 2, 572; unversehens,
ex improviso, unversehener weise. Frisch 2, 257
c;
das part. präs.: ahd. ex inproviso, unfarsehanti. Steinmeyer-Sievers
ahd. glossen 1, 122, 34; unversehende,
adv. Lexer
mhd. handwb. 2, 1964;
part. perf.: swenn ouch den Prûʒin unvorsên ein unmêʒlich leit geschê
n. Nicolaus von Jeroschin 4219.
mit unsicherem sprachgefühl: versehens,
ex insperato. Kirsch 2, 312
b; versehener weise,
et versehendlich,
improviso, inopinato, inopinanter, melius dicitur unversehener weise,
de subito, praeter opinionem, ex abrupto. Stieler
nachschusz 33
a. das versehen
bezeichnet in älterer sprache die erwartung, hoffnung, zuversicht, des versehens
wird adverbial gebraucht; so geht versehen
besonders in den brief- und curialstil über: unse temelike und unses versehens genochsame verantweringe.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 442
a; im gnädigsten versehen (
zuversicht, erwartung).
beleg bei Schmeller
bair. wb. 2, 248; des dienstlichen nachparlichen versehens.
beleg bei Haltaus 1891; weil aber der doctor, nu unsers versehens zu Wittemberg sein wird. Luther 2, 81
b; gegen dem man (meins versehens) etwas beschwerlichs möcht haben fürgenommen. 384
a; wir weren aber des versehens, er Carl würde ... der ding wol bericht zu thun wissen. 1, 141
a; mit diser antwort zogen si widerumb heim, und waren zu frieden, des versehens, der sachen were wol raht zu finden. Gretter
erklärung d. epistel Pauli an die Römer (1566) 842; so stelle ich hiemit seine gerechtigkeit für, des versehens, sie werde volkomen gnug sein. 648; und ob sie schon von der sünde und zorn gottes hören predigen, sind sie doch des versehens, dasz sie mit jrer eignen frumbkeit die sünde bald büszen. 392; gentzliches verseens erhœret zu werden. Melissus
psalmen 96
neudruck; die vortreffligkeit diser dinge hat den ersten theil dieses buchs über alles versehen, erstrecket. Meyfart
d. himml. Jerusalem (1630) 1, 335; des ungezweifelten versehens, der herr ... werde mir betrübten wittib, durch seine gegenwahrt di leichfolge vermehren. Butschky
hochd. kanzelley 909; dort kompt er selbst ohn als versehen (
ohne etwas zu ahnen), dem solches unrecht ist geschehen. Ayrer 3, 1878, 1
Keller; versehen
prägnant im sinne von hoffen: ih gewarte, versihe (
speravii) ane dih.
Windb. ps. 45 (
mhd. wb. 2, 2, 280
a);
vgl. unten sich versehen an einen;
bestimmte absicht auf einen richten: nld. op iets versien zijn,
etwas im auge haben; hij heeft het op mij verzien,
er hat es auf mich angelegt. mnd. vorsên wesen,
bedacht nehmen, fürsorge treffen. Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 442
b;
s. unten 7. I@33) (
mit ersehen
und vorsehen
sich berührend)
ausersehen, wählend, auslesend bestimmen, dann überhaupt bestimmen, verfügen, anordnen, besorgen, ausrichten: fatalis, von gott versehen. Corvinus
fons lat. (1660) 248
b; von gott zu etwas versehen seyn; ein von gott versehener tag, versehene stund; es ist mir, dir, ihm versehen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 752
a; es ist so versehen,
ita fataliter definitum est; er ist zum unglücke versehen,
ad res adversas fato rapitur; zu lauter groszen dingen versehen seyn,
ad omnia summa natum esse; verdeutlichend: von gott zuvor versehen,
a deo constitutus et designatus. Steinbach 2, 572; versehen seyn zu etwas,
destinatum esse ad aliquid. Frisch 2, 257
c; ich war nicht dazu versehen glücklich zu sein. Adelung,
der aber bemerkt, dasz das wort in dieser bedeutung anfängt sparsamer gebraucht zu werden; mir ist versehen (
vorbestimmt). Schmeller
bair. wb. 2, 247;
die bedeutung vorherbestimmen geht dann leicht, besonders wenn es sich um menschliches vorherbestimmen handelt, in den sinn von anordnen, bestimmen über; weiterhin tritt dann bald der begriff der fürsorge hinzu, der in anderen wendungen der herrschende wird und die eigentliche bedeutung des verbums oft ganz verschwinden läszt; previdere, versehen
vel bestellen. Diefenbach
gloss. 458
c; versehen, zuwegenbringen,
procurer. Hulsius
dict. (1616) 355
a; gott wirdt wol versehen, was uns vonnöthen ist.
ebenda; etwas im testament versehen, etwas in gesetzen versehen. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 751
a; es ist den rechten so versehen,
verordnet. Adelung. versehen werden zu etwas,
auserlesen, bestimmt werden zu etwas (
dieser gebrauch ist verloren gegangen)
; durch den streit um die prädestination erhält versehen
einen prägnanten sinn, der mit dem streit wieder verschwindet, versehen
heiszt geradezu: zur seligkeit vorbestimmt (von gott versehen sein,
esse in fatis. Kirsch 2, 312
b);
auch andere prägnante anwendung ist bezeugt: die menschen, die er hât versehen, daʒ er sie ze grôzen
[] dingen ziehen welle.
myst. 2, 557, 30; du solt dich vermessen und gute hoffnung haben das dich got hab versehen ... zu ewiger seligkeit. Geiler v. Keisersberg
bei Schmidt
els. wb. 397
b; denn welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, das sie gleich sein solten dem ebenbilde seines sons.
Röm. 8, 29; der zwar zuvor versehen ist, ehe der welt grund gelegt ward.
1 Petri 1, 20; gott hat sein volck nicht verstoszen, welchs er zuvor versehen hat.
Röm. 11, 2; die christliche kirche ist ein gemeiner hauffe dere, die zur seligkeit versehen sind. Luther 1, 446
b; solche furwitzige sorgfeltigkeyt, ob du versehen (
praedestinatus) seiest. 5, 172 (
Weim. ausgabe); es sind viel leychtfertiger geyster, die nicht viel vom glauvben gefulet haben, die ... wollen durch die vernunfft ergrunden, ob sie versehen sind. 14, 23, 13; ich bin getaufft, ich gleube an Jesum Christum, ich hab das sacrament empfangen,
etc. was ligt mir dran, ob ich versehen bin oder nicht.
tischreden (1568) 231
b; derhalben bilde dir Christum wol ein, so ist die praedestinatio schon im werck, bist allbereit versehen. 233
a; ob auch eine jede person zum ewigen leben versehen sei, denn ist sie versehen, so thue sie was sie wolle, es sei gutes oder böses so werde sie selig. H. v. Schweinichen 4
Österley; derwegen ist gewisz, welcher versehen ist, der thut nicht was er will, sondern was gott will. 5; also hat er auch etliche zum ewigen leben versehen. 4; und ist allhie sonnen-klar, dasz der mensch nicht im anfang ist auff eine solche weise versehen worden zu gebähren. J. Böhme
drey principia 250 (1682); bruder, wann du vom himmel versehen bist, mir das leben erhalten zu helffen. Grimmelshausen 1, 396, 13
Kurz; ihr, schönster schäfer, seit allein von den verhängnissen darzu versehen, die prinzessin verliebt zu machen. S. von Birken
Margenis 33; wäre er versehen, so habe es keine noth mit ihm, sey er nicht versehen, so könne er sich auch nicht helfen. Weise
hauptverderber 39 (1673); allein ich war alt genug, eine eitelkeit an mich zu nehmen, zu der unser geschlecht recht versehn zu seyn scheint. Gellert 4, 246 (1775); der stolze häszliche mann war dazu versehen, alle trennungen der kirche auf das äuszerste zu treiben. Lessing
3 11, 148;
etwas anders gewendet, auf unbelebtes bezogen: dessen ausgabe der anthologie von 1566 in diesem punkte zu keinem geringern schandflecke versehen war. 419; dunckt mich fürwar, ich sey der man, vielleicht von gott dazu versehen. B. Waldis
Esop 1, 71, 17
Kurz; mensch lerne den begin von dem du bist versehen, erheb dich, steig empor, verachte diese welt. Opitz 1, 341 (1690); ich bin zn diesem ende, ich arme königin, vom himmel längst versehn. Fleming 116 (1666); ich bin darzu versehn, dasz ich mich stets beschwere. 620; dies ists, die Juno euch zum ehgemahl versehn. Scherffer
ged. 463 (1652); glaubst du recht — du bist versehn. glaubst du nicht. es ist geschehn. du hast selbst den stab gebrochen. Czepko
bei Drechsler
W. Scherffer 241; ich gleichsam wie versehn zu lauter angst und pein. v. Haugwitz
Maria Stuarda 32; Christen sind darzu versehn, dasz sie sich im warten üben. Günther 17; bisz ich meinen schatz umfange, dem ich längst versehen bin. 292; als wär ich schon versehn, durch ein so mühsam leben vom eigensinn des glücks ein muster abzugeben. 473; da ich schon dazu (
zum sterben) versehen bin. 693; dasz mancher fromme darbt, manch redlich herz verdirbt, und der, zum greis versehn, vor noth als jüngling stirbt. Gellert 2, 7 (1775); ein armer mann. versehn zum graben, wollt itzt ein besser schicksal haben. 1, 243; was braucht wohl ein Hanns Nord, versehn zum bücherschmieren, was braucht er, um dich zu verführen? 233; brüder, die sich beyzustehn schon von der natur versehn. Ramlers
umarb. des Logau (1791) 1, 270; ich bin versehen, diese sklavenkette bis zu dem rande meiner gruft zu tragen,
fabellese 1, 252 (1783). einem etwas versehen,
jemandem etwas auserwählen, es ihm vorbestimmen, etwas versehen,
übergang in die bedeutung von bestimmen, festsetzen, anordnen, besorgen: in Bayerland ist durch ein decret von 1674 ausdrücklich versehen dasz wer mit einer büxen
[] im wald betreten wird, vor einen überwiesenen wildschützen zu halten.
quelle bei Schmeller
bair. wb. 2, 247; sol die priorin versehen, wie der todde leichenam ingewickelt werd.
ebenda; die singerin sol versehen wer dʒ rauchvasz etc tragen sul.
ebenda; unde wart ghevoret, dar id eme god vorseen hadde; unse here versach dat, dat wt vele landen vele broder beweghet worden to varen to broder Bernard.
belege bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 441
b; das darumb sein küniglich gnade sulchs nach dem besten versehe.
d. städtechron. 3, 367, 15; das ich sie fürete aus Egyptenland, in ein land, das ich jnen versehen hatte.
Hesek. 20, 6; und hat ziel gesetzt zuvor versehen, wie lang und weit sie wonen sollen.
ap. gesch. 17, 26; darumb, das gott etwas bessers fur uns zuvor versehen hat.
Hebr. 11, 40; wenn du es so wilt haben, das dis die stunde sey, die du mir versehen hast, so geschehe dein gnediger wille. Luther 3, 404
a; seine beiden namen sind zuvor von gott versehen. 423
a; so ists nicht anders denn das ers wil umbkeren, wie er von ewigkeit versehen hat. 4, 46
b; dünckt mich aus sonderlichem raht und versehen gottes geschehen. 5, 186
b; versehen, dasz mine bcher nit gdörend gelesen werden. Zwingli
deutsche schriften 2, 4; item dieweil in die nonnenklöster kein mann kam, als nur heimlich und verholen, ward versehen, das hierin kein schwester sey, es seien dann offentlich mann für zeugen dabei. Fischart
Garg. 437
neudruck; ward versehen, dasz man da mit ehren möcht heurhaten. 438; wer viel versicht, denselben vil sorg anficht. 337; sintenmal es von gott und der natur also versehen, dasz alle menschen sterben müszten. Kirchhof
wendunmut 1, 591
Österley; umbfrage, ob auch das recht gnugsam verbannet und alle ding nach ordnung desz rechtensz versehen seyen.
mil. disc. 240; wie wol zu recht lauter und gantz heilsam versehen, dasz
u. s. w. Ayrer
proc. juris (1600) 50; und darumb hat gott durch mittel geordnet, und versehen, dasz folgends durch gute geister solche arcana und mysteria den menschen zu ergründen ferner eingebildet würden. Paracelsus
opera 1, 943 B (1616); (
freier gewendet:) ein groszes ists nachzutrachten ausz dem liecht der natur, das gott alles so der mensch thut, versihet in das liecht der natur (
bestimmt, dasz es nach dem licht der natur, der vernunft geschehe). 2, 67 B; weil es so versehen war, dasz Troja ohne Hercules pfeilen nicht mochte gewonnen werden. Opitz 1, 256 (1690); es wird dich nicht verlassen derselbe, welcher eben so wol versehen (verordnet) hat, was morgen, übermorgen, und ferner (darnach) dir wiederfahren sol, als was gestern, und jmmerdar geschehen ist. Comenius
sprachenthür übers. von Docemius 976 (1657); ich konte greiffen, wie mich der liebe gott hiebevor in Westphalen vor diesem unmenschen nicht allein väterlich bewahret, sondern noch darzu versehen hatte, dasz er sich vor mir entsetzt. Grimmelshausen
Simpl. 1, 438, 1
Kurz; vielleicht hätte der gerechte gott versehen, dasz ich solcher gestalt gestrafft werden solte. 444, 7; wann es gott also versehen habe, und meines junckern wille sey, müsse ich meinen willen gottes und meines junckern willen unterwerffen. Schuppius
schriften 472; auch in der peinlichen hals-gerichts-ordnung Caroli
V. gegen paszquillanten peinlich zuverfahren ausztrücklich versehen. 675; wir beteten vergebens, wir hoffeten auch besserung vergebens, wann alles so uns begegnet, ein von gott versehenes unglück wäre. 776; es war in einigen kirchengesetzen schon längst versehen, dasz dergleichen personen sich nicht nur durch eine decke, sondern auch durch eine besondere kleidung von anderen distinguiren solten. Hahn
hist. 2, 12
not. g (1721); eine tacitam, oder stillschweigende in rechten für sie allschon versehene hypothec.
Mainz. landrecht XIX § 4 (1755); ohnerachtet es in dem leztern vergleich ausdrücklich versehen gewesen, dasz man zu keinen thätlichkeiten schreiten solte.
Thucydides übers. von Heilman 921 (1760); wenn es gott doch so versehen hätte. Möser
patr. phantasien 3, 45 (1788); solche wahl ist von gott der es also versehen hat. B. Waldis
Esop 4, 90, 134
Kurz; solchs wolt bapst Paulus basz versehen. Fischart 1, 83, 3177
Kurz; testament, darinnen wir haben versehen, was nach unserm todt sol geschehen. Ayrer 1, 639, 25
Keller; es kan mir nichts geschehen, als was er hat versehen, und was mir seelig ist. Fleming 287 (1666);
[] das denn, hat es gott versehen, eh' als balde kan geschehen. 434; doch was der himmel will und was sein schlusz versehn, das will ich ohne zwang, das mag, das musz geschehn. Günther 474; die partzen haben uns den untergang versehn. 495; dasz du meinen jammer kennst, wenns der himmel so versehen, dasz du dich auf ewig trennst. v. Canitz 174 (1727); mein schlusz war alsobald: der himmel hat's versehen. Weichmann
poesie d. Niedersachsen 2, 133 (1732); zum glück, dasz Oberon das beste schon versah. Wieland 22, 181 (
Oberon 4, 63); Wieland
empfindet diesen gebrauch als einen alterthümlichen, denn er gibt eine anmerkung im glossar: etwas versehen,
d. i. schicken, verfügen, kommt in dieser veralteten form und bedeutung öfters in Luthers bibel vor. 23, 343; also versah es der gott Schaddai.
suppl. 3, 91 (
die prüfung Abrahams (3, 127); der herr wirds versehn.
refrain eines gedichtes von A. Knapp
in Wackernagels
leseb. 2, 1767 (1840), einem etwas versehen,
es ihm auswählen und verschaffen: denn auch der weise man sagt, das güter und haus mügen die eltern jren kindern versehen, aber ein weib wird allein von gott geben. Luther 1, 170
a; min here mach uch dat bais widerumb versien, dan dae vischer ind becker uch beschetzden.
d. städtechron. 13, 583, 11; versehen
kann auf diese weise geradezu den sinn von übergeben annehmen: durch rechte lieb und freundschaft versehen wir der vorgen. fr. Agnes das fischwasser.
quelle bei Scherz-Oberlin 1772; vorset (
verschafft) mi einen, de wol up der harpen spelen kunde.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 441
b; de helffte der junfferen sinnen van Sylmonniken tho Norden vorsehen und gebracht (
besorgt und hingeschafft).
ebenda; mehr proviandt, speise, würtz mag ein fürsichtiger proviandtmeister selbst versehen (
besorgen, anschaffen). Kirchhof
disc. milit. 31. I@44)
die im vorigen abschnitte schon mehrfach nachgewiesene vorstellung der fürsorge, des besorgens kann nun ganz vorherrschen; das wort nimmt einen objectsaccusativ zu sich, auf den sich das walten, sorgen bezieht (die kinder, das vieh, die küche, den stall),
oder das den inhalt, die art der waltenden, sorgenden thätigkeit irgend wie bezeichnet (ein amt versehen. eine sache wohl versehen, die haushaltung versehen, man wirds versehen,
besorgen, ausrichten);
procurare, versehen. Diefenbach
gloss. 462
a;
providere, versehen in versorgen wisze. 468
c; sein ampt versehen unnd darinn redlich fürfaren,
munus suum tueri; seinen dienst versehen und acht darauff haben,
officium suum curare. Maaler 430
d; den gwärb unnd handel einer gesellschafft oder gmeind versähen,
societatem gerere; die hauszhaltung versähen,
administrare rem familiarem: ein gemein regiment versähen, in eim regiment sitzen,
rempub. gerere; guote sorg zuo dem vych haben, das vych wol versächen,
curam pecoribus accomodare; man wirdts versähen, es muosz versähen oder versorget werden,
videbitur, curabitur; sein eigen unnd auch gemeine geschäfft versähen,
rem privatam obire et publicam; sein geschäfft oder arbeit auszrichten und versächen,
negotium obire; vogteyen versähen, verwalten und regieren,
provincias ducere; zu nacht wachen oder die nacht wacht versähen,
vigilias noctu agere. Maaler 427
d;
pocurare, bestellen, versehen, verwalten. Corvinus
fons lat. 189
b (1660); seine sache wol versehen,
rem suam bene gerere. Steinbach 2, 571; die custerin sol versehen rauchvasz und kerzen.
quelle bei Schmeller
bair. wb. 2, 247; min ampt trwlich versächen. Platter 38
Boos; ritter, ich meyn, eüch nit gefallen hab, mein diener zuo sein, dann ir noch keyn jar mein dienst versehen handt. Wickram 1, 107, 9
Bolte-Scheel; der selbig pfaff versach und weidet seine schaff gantz fleiszig.
rollwag. 13, 1
Kurz; disz nam der guot roller mit groszem danck an, versach sein geül. 67, 6; da keyser Carle all ding versehen het, er sasz auff sein beth.
Aimon t 2
a (1535); der schneider sagt, er wolts fleiszig versehen. Frey
gartenges. 125, 9
Bolte; es geschäh in oder auszer versähenem beruff. Kirchhof
wendunm. 1, 207
Österley; versehet die sach wol, dasz Paris wider belägert und eröbert werde.
buch der liebe 23
a; ein weibsbild, von gestalt und wesen einer nymphen gleich versahe das ampt desz thorwarters. Moscherosch
gesichte 1, 118 (1650); versiehe dein ampt, so du eines hast, mit ernst. 2, 43; also hielt ich mich ein und thät nichts soldatisches mehr, als dasz ich meine wacht versahe. Grimmelshausen
[] Simpl. 1, 250, 25
Kurz; die kost-frau (welche die küche selbst versehen muste, dann er dingte ihr keine magd). 348, 25; und weil ich auch einen groszen lust zum gewehr hatte, versahe ich dasselbe dergestalten, dasz sich herr und knechte darauf verlassen durfften. 3, 16, 1; (
er sei) viel zu häckel auferzogen worden, einem reuter seine pferd zu versehen. 15, 15; (
er) sei eigentlich der günstling des prinzen, versehe dessen geheimste geschäfte. Göthe
Wilhelm Meisters lehrjahre 3, 4 (21, 261
Weim. ausg.); (
er) versah treulich seine amtsgeschäfte. 6 (22, 345); er versieht das geschäft so löblich und treu als wenn es sein eigenes wäre.
wanderjahre 3, 13 (25, 1, 228); der eine art residentenstelle daselbst versah.
campagne in Frankreich, anfang (33, 3); als ob ein pfaff zu dieser zeit auch mög nach seiner geistligkeit mit recht das henckerampt versehen. Fischart 1, 38, 1369
Kurz; weil jr das priesterampt versehen. 60, 2251; nach dem nun alles war versehen, ward zu der abfart angesehen im brachmonat der zwenzigst tag. 2, 184, 181; indessen, wie es geht, kam eine zeit, und kam mit schnellen flügeln, worin bey seiner majestät von allen einst so treudevoten spiegeln nicht einer mehr den dienst so gut wie sonst versah. Wieland 18, 124 (
Pervonte 1); zwölf sind rinderheerden auf festem land, und der schafe ebenso viel, auch der schweine so viel und der streifenden ziegen; diese versehn theils fremdling' und theils ihm eigene hüter. Voss
Od. 14, 102; ja, unsre wirthschaft ist nur klein, und doch will sie versehen sein. Göthe
Faust I,
garten (14, 155
Weim. ausg.).
je nach dem zusammenhang kann versehen
eine dauernde, oder einmalige und bestimmte fürsorge bezeichnen, letzteres z. b., wenn man sagt: ich will erst noch das vieh versehen (
es tränken, füttern), dann komm ich; die taakelasche versehen,
nachsehen oder untersuchen, und wo es nötig ist, ausbessern, bekleiden, bebindseln und antheeren. Bobrik
naut. wb. 708
a.
diese bestimmte fürsorge kann darin bestehen, dasz etwas mit nötigem ausgestattet wird; solche wendungen werden weiter unten angeführt, der begriff des verbums erfährt damit eine weitere ausbildung. einen versehen
wird in älterer sprache oft in dem bestimmten sinne von versorgen gebraucht, wie es in der neueren sprache nicht mehr möglich ist; man sagt jetzt: die kinderfrau versieht die kinder,
wartet sie, sorgt für sie, beschäftigt sich mit ihnen, man kann aber nicht mehr sagen: ich will deine kinder versehen,
für sie sorgen, gott wird uns versehen.
vgl. folgende stellen: daʒ ouch diu kint deste baʒ versehen sint. Berthold v. Regensburg 1, 316, 36; hette grosze sorge zuo versehende die armen lüte.
d. städtechron. 9, 536, 12; (
gott) wyl unde kan se (
die kinder) wol versen unde wezen ere aldertruweste hoder.
passional bei Schiller-Lübber
mnd. wb. 5, 441
b; ich hab kinder die musz ich versehen. Geiler v. Keisersberg
schiff d. penitenz 106
c (1512); kayserliche mayestat bevalch dem kastner, wan das kunt zu seinen tagen keme, was ein knab, ward Karolus genent, sollte er in lerne lassen und in seiner mayestat schicken, wollte er in versehen. Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges 1, 169; gott vermag euwere fraw sampt jren kindern versehen.
buch d. liebe 11
b; si künten ir land und leut nicht pas versehen. Aventinus
bayer. chron. 1, 672, 16; doch het er groszen vleis mit den knechten, das si versehen würden. 918, 9; liesz er in unversehen nit. 2, 138, 20; gott versicht und verhält zwar alle creaturen, auch die kleine thierlein und vögelein, welche von den menschen vernachlässiget werden. Schuppius
schriften 696; (
die armen) in seinem lezten willen versehen. Butschky
hochd. kanzelley 711; vom waidviech dich magst reichlich nehren, wil auch dein kinder dir versehen. H. Sachs 20, 144, 12
Keller-Götze; fraw köngin, legt hin alle klag! mit der heyrat seyt ir versehen. 8, 41, 1;
mit versorgen
verbunden, einen versehen und versorgen,
fürsorgliche rücksicht auf einen nehmen: daz uwer gnade uch und auch uns in den dingen gnediclich versehen und versorgen und nit uber solicher zale inkommen wullet.
Frankfurts reichskorrespondenz 2, 2
Janssen; den rad darinne gnediclich versehen und versorgen wullet. 7.
von fachmännischer fürsorge; der bader spricht: [] wol auf gen pad! ir herrn, mit lecken, paden und krauen kann ich versehen wol die frauen.
fastn. sp. 377, 15;
zweideutig: wo eine dan hat ein heimlichen schaden, daran in sunst kein genug mag geschehen die kan ich seuberlich auch versehen. 377, 21;
von der fürsorge des arztes: wir wöln in lassen in der nehen und sein leyb-artzet in versehen. H. Sachs 11, 120, 18
Keller-Götze. in der folgenden stelle ist die fürsorgende thätigkeit des arztes ein wegschaffen, verhüten, in dieser richtung entwickelt sich die bedeutung des verbums auch sonst, s. unten 8: so zeühe ausz den pfeil nach den regelen, ... unnd darnach rainige sy (
die wunde), unnd versich den schmertzenn ob es not ist. Braunchweig
chirurgia 56
c (1539).
von geistlicher fürsorge: gab er herr Otten zu ainem bischof den Winden, das derselbig an seiner stat die Winden im christlichen glauben versehen solt. Aventinus
bayer. chron. 2, 168, 29.
in besonderer wendung: sente Marie hait uns her zo uch braicht, si deit uns ganz up uch versein (
sie weist uns fürsorgend auf euch hin), uns sulle al goit van uch geschein.
d. städtechron. 12, 79, 1995. I@55)
bisweilen bezeichnet versehen
stellvertretendes walten, verwalten, ausrichten, besorgen: prägnant wird es in älterer sprache mit dem accusativ der person verbunden, an dessen stelle jemand tritt: einen anderen versähen, eines anderen ampt th
n. Maaler 427
d; lieber versich mich etzwen, als wen man die lichten messen singt, als requiem und derglichen. Platter 36
Boos; eines andern amt, stelle, statt versehen
u. ä.; prägnant: das burgermeisterampt versähen, desz burgermeisters statthalter seyn. Maaler 427
d;
gewöhnlich ohne diese prägnanz, so dasz kein wesentlicher unterschied mehr gegen die unter 4
besprochene anwendung vorhanden ist: ich hab jm sein ampt versähen, ich hab thon das er thon solt haben. Maaler
a. a. o.; eines statt versehen, das ist, eines lücke oder ampt vertretten. Hulsius
dict. (1616) 355
a; er versieht indessen meine stelle. Steinbach 2, 371; jemandes stelle versehen,
vertreten, verwalten. Adelung;
von unbelebtem: der helm musz die stelle des bechers versehen. I@66)
der begriff der fürsorge tritt immer stärker hervor, die vorstellung des begabens, des ausstattens wird schärfer betont. einen, etwas versehen
kann nun heiszen '
ausstatten, versorgen mit dem was notwendig ist, was zum bedarf gehört'
; worin die begabung, versorgung besteht, ergiebt sich oft leicht aus dem zusammenhang, doch bilden sich auch prägnante wendungen. se vunden dar von der vorsenicheit godes alto schonen fonteyne ... unde danckeden gode, dat he se so vorseen hadde (
mit dem nötigen wasser).
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 441
b; (
der pabst) gab in ein zile. daʒ sü do zwischent einen romeschen künig weletent, als es were herkummen von alter bewerter gewonheit, oder er wolte mit der cardinal wille daʒ romesche rich versehen und wolt einen künig setzen.
d. städtechron. 8, 41, 14; e. chur.
f. g. haben mir geantwortet auf mein anregen, die pfarrhen allenthalben zu versehen (
mit einem ausreichenden einkommen auszustatten). Luther 3, 170
b; wasserleitungen, welche die bäder versahen, sind zum theil noch in stand und treiben mühlen. Stolberg 9, 228; de kokene versien,
instruere sive munire culinam cibis. Kilian (1777) 2, 724
b; sie hat die kasten voll, das haus beschicket, die schüttboden versehen, die keller sonder mangel. A. Gryphius 1, 765 (1698); zudem so wollen wir also versehen disz stichblatt alldo (
es mit solchen eigenschaften ausstatten, es so zurichten), dasz es gar nutzlich scheinen soll. Fischart 2, 254, 470
Kurz; des bin ich all zeyt frewden vol, nach allem lust versehen wol. H. Sachs 9, 193, 11
Keller-Götze; gleichwie ein patron, welcher lang sein schif nach nohtdurft wol versehen. Weckherlin
ged. 353 (1648); sie eilen nach dem schiff, und finden's, hoch erfreut, zur reise schon versehn. Wieland 22, 254 (
Oberon 6, 12).
solche zusätze wie wohl, schlecht, nach bedarf
machen nähere bestimmungen überflüssig: er hat sein haus wohl versehen;
part. perf.: wir sind hier schlecht versehen, das arsenal ist reichlich versehen:
[] ich wolt mein heer gern wol versehen, dasz unsz kein mangel möcht beschehen. Murner
vom groszen lutherischen narren 3041
Kurz; die mannichfaltige habe, die ein haus nur verbirgt, das wohlversehne. Göthe
Hermann u. Dorothea 1, 114 (50, 193
Weim. ausg.).
prägnant (
bei tisch): bitte, nehmen sie noch etwas braten; danke, ich bin versehen. wann unsere küche besser versehen wäre. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 752
a; ich hab mich schon versehen.
ebenda; Wolfin: wie viel befehlen sie?
Körner: vor der hand nichts. ich bin noch versehen. Schiller 4, 191. sich versehen,
sich ausstatten, ausrüsten, versorgen, sich versien,
consulere saluti suae, consulere sibi. Kilian (1777) 2, 724
b; darnach ir euch denn auch sült versehen.
fastn. sp. 749, 24; aber ein jeder verseh sich jetzund zum besten wie er wil. Fischart
Garg. 397
neudruck; sich vorhersehend ausrüsten: gebt euch keine müh. auf
den fall versieht man sich bei euch. Schiller
räuber 4, 8
trauerspiel. sich versorgen, den nötigen unterhalt verschaffen: sich an einem ort versehen,
sich zur versorgung an einem orte niederlassen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 752
a; so wolten sie (
die glieder) kein futer mehr, wie bisz anher geschehen wer, dem bauch gewinnen ewiglich, er soll nun selbst versehen sich, und sich von seiner arbeit nehrn. E. Alberus
Esop 10, 12.
in prägnanter anwendung: dän. forsee sin datter,
seine tochter ausstatten zur ehe und versorgen, sie vermählen: wo si aber ein tochter brächt, solt er dieselbigen versehen. Aventinus
bayer. chron. 2, 594, 25;
mit verdeutlichendem zusatz: es war ein mal ein burger der het drei döchter die alle zeitig waren zuo versehen in den schweren orden der heiligen ee. Pauli
schimpf und ernst 23
Österley. in gewahrsam halten: das der g'nant herzog Heinrich den obg'nanten herzog Ludwig aus marggraf Albrechts handen in sein gewalt bringen und in zukünftigen zeiten versehen sol. Aventinus
bayer. chron. 2, 584, 7; er wär gestorben, versehen oder sunst weck komen. 1, 630, 27.
vorbereiten zum sterben, für das künftige leben: darumb luog iedermann selber zuo seiner selen, und verlasz sich niemans uff seine fründ, wan man thuot dir als wenig nach als man mag. versihe dich wol. Pauli
schimpf und ernst 274
Österley; versich dich nach deinem besten vermügen! dann du muost mir heut dein leben übergeben. Wickram 1, 166
Bolte-Scheel; besonders bezeichnet versehen
das reichen des sterbesacraments: (
das beten) hilft nichts mehr; wenn nur das versehen helfen möcht' (
zur genesung) ... ich hab' mehrere gekannt, die es ein paarmal mitgemacht haben und nach jedem versehen noch eine zeit herumgelaufen sind. Anzengruber 2, 11 (1897);
vgl. Schmeller
bair. wb. 2, 248. Birlinger
schwäb.-augsburg. wb. 385
a;
volksthümliches aus Schwaben 2, 420. Höfer
etymol. wb. 2, 253. Klein
prov. wb. 2, 218. Schöpf
tirol. idiot. 666. Schmidt
westerwäld. idiot. 311. Kehrein
volkssprache und volkssitte in Nassau 431. Hunziker
aargauer wb. 83. Gangler
lexicon d. luxemb. umgangsspr. 470;
vor der niederkunft: (
ein pfaffe), zu dem ein fraw ausz einem andern dorff ... kommen ist, beychtet hat unnd sich zu dem kind versehen hat lassen, wie dann gebreuchlich ist; dann sie sehr grosz gangen ist. Montanus
schwankbücher 83, 16
Bolte. I@77)
das, womit jemand, etwas ausgestattet wird, ist, wird durch präpositionen angeknüpft; die entwickelte neuhochd. sprache verwendet zu diesen verbindungen fast nur die präposition mit, die ältere sprache ist darin gelenkiger. einen versehen mit etwas; sich versehen mit etwas;
part.: versehen mit etwas.
die ältere sprache weist wendungen auf, die uns fremd klingen, das gebrauchsgebiet hat sich allmählich etwas verengert: sein hausz mit hauszradt wol versähen und zuorüsten; sich mit fuoter auff den winter versähen; sich mit notwendigen dingen versähen; (
fremd für uns:) mit einem eeren ampt wol versähen werden, ein herrlich ampt überkommen. Maaler 427
d. 428
a; sich mit einer herberg oder behausung versehen; sich mit gält versähen; ein zeüg mit korn oder profiandt wol versehen; (
fremd für uns:) mit radt nit versehen sein, radtlosz werden. 430
d; versiehe dich mit gelde. Stieler 2027; mit nichts versehen; mit leinzeug wol versehen seyn; wir seynd schlecht mit wein versehen; (
fremd für uns:) schon mit entschuldigungen, verantwortungen versehen
[] seyn. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 752
a; er hat die soldaten mit allem nöthigen versehen; (
fremd für uns:) einen knaben mit guten lehren versehen. Steinbach 2, 571; ein mit allen sachen versehenes haus; mit dem nöthigsten versehene schiffe; mit reiterey versehen; wir sind damît zur genüge versehen; (
fremd für uns:) mit guten wissenschaften versehen. 572: jemanden mit geld, mit truppen, mit lebensmitteln versehen; der kauffmann versiehet sich mit wahre; ich bin nicht damit versehen; die ameise versiehet sich auf den winter mit speise. Adelung; der mensch ist mit augen zum sehen, mit ohren zum hören versehen. Campe. Adelung
sagt: 'mit tugend, mit schönheit u.
s. f. versehen seyn,
sind veraltet.'
das ist ganz richtig beobachtet und geht aus den angeführten beispielen der älteren lexikographen wie aus den folgenden belegen hervor. die wendung mit etwas versehen
hat für uns etwas abgebrauchtes, gewöhnliches, sie wird meist gemieden, wenn es sich um innerliches ausstatten, um begabungen höherer art handelt; auch die in älterer sprache öfter hervortretende vorstellung des versorgens ist mehr und mehr verblaszt. vgl.: lies er in unversehen nit, versach in mit pfrüenten und pfarren oder kriegslehen sein leben lang. Aventinus
bayer. chron. 2, 138, 20; bürge zu werden wollt ich nicht thun. es würde mit mir auch nicht versehen sein, und dies darum, dasz ich meinen vater und nichts eigenes hätte. H. v. Schweinichen 115
Österley; fand mich aber hinter einer tapezerey mit einem herzu bestimmten ort ... viel besser versehen, als ich solcher wohl hätte hoffen dörffen. Grimmelshausen
Simpl. 2, 174, 25
Kurz; doch hat sich die sprache hier keine feste gränze gezogen. sol man versehen mit dem botenampt; versehen mit der scharwacht.
belege bei Diefenbach-Wülcker 566; die wiert und gastgeben sollen sich ieder zeit mit allerlai gueten speisen und trank versechen.
tirol. weisth. 1, 19, 26; mit haus, hof, wisen, äckern und andern ligenden stucken und güetern im dorf Silz versechen. 2, 46, 25; dozuo sye nit versehen mitt narung, so sy deren nottürfftig seind. Geiler von Keisersberg
postille 4, 36
a (1522); die hebend sich uf zuo krieg mit aller rüstung, mit gelt, spys, waffen, gschirren, büchsen, thieren, mit knechten, houptlüten, wysen, mit verrätery und gemeinem gunst so wol versehen. Zwingli
deutsche schriften 2, 205; das volk mit dem wort gottes und den sacramenten versehen. Schade
sat. und pasqu. 3, 70, 5; versehent euch mit guoten steynen.
Aimon o 2
a (1535); wie Reynhardt sampt seinen brüdern gen Dordon kamen, daselbst mit geld und leuten sich versahen, und hinwegk ritten. d 2
b; aber hierin haben wir den trost, damit uns der herr Christus zuvor versehen und gerüstet. Luther 7, 188
a; mit korn und wein hab ich jn versehen.
1 Mos. 27, 37; nun wasz ein alter brauch in dem kloster, dasz sy im gantzen land uff sechs oder acht meil alle pfarren mit ostgoten versahen. Wickram
rollwag. 67, 11
Kurz; disz ampt und befelch streckt sich dahin, dasz er wol gestaffiert und versehen sey nicht allein mit schreiben, lesen, sondern auch der rechnung einen guten verstandt hab. Fronsperger
kriegsbuch 1, 63
a; ein minnbruder versehen mit wolmundeten, maulreiszenden, zapffresen ... wein. Fischart
Garg. 83
neudruck; darumb versah er sich zuvor mit wasser, eh mit kalck. 75; ein gantz vollkommenes und mit aller zugehör versehenes schiff. Grimmelshausen
Simpl. 1, 149, 22
Kurz; mit nothwendigen convoyen und paszbrieffen versähen. 2, 148, 29; welchen böhmischen ohrleffel mir folgends ein frommer schlosser auf meiner wanderschaft mit einer starcken spitze trefflich versehn. 170, 29; es werden zwar die personen mit aemptern versehen, allein die aemptern nicht mit qualificirten personen. Schuppius
schriften 644; wird derowegen gut seyn, (die ungewisse gewin mit gewissen zu versehen) damit man den schäden zuhülff komme. 720; mit königlichem gewaltsbrieff versehen. Comenius
sprachenthür übers. von Docemius (1657) 677; mit lebens-unterhaltung versehen. 723; (
ein tempel,) den die frömmigkeit der abkömmlinge Jasons nach und nach mit vielen gütern und einkünften versehen hatte. Wieland 20, 45 (
Abderiten 4, 6); die natur, die jedes ihrer geschöpfe mit irgend einer waffe zu seiner vertheidigung versehe. 33, 244 (
Aristipps briefe 1, 20); das jesuitercollegium, welches nach aufhebung des ordens mit andern lehrern versehen worden, steht in der strasze Balbi. Stolberg 6, 355; ein fensterladen, der dem kamine gerade gegenüber stand, war durchbrochen und mit einem schieber versehen. Schiller 4, 220; dieser (
der weberbaum) ist mit einem einschnitte versehen, worin ein rundes stäbchen liegt. Göthe
Wilhelm Meisters wanderjahre 3, 5 (25, 1, 123
[] Weim. ausgabe); weil er sehr schlecht mit kleidern versehen war.
Benvenuto Cellini 1, 2 (43, 31); (
er) versah mich mit einem auszug des topographischen atlas von Deutschland.
campagne in Frankreich, anfang (33, 3); (
garten,) wo wir uns früh mit küchenwaaren versehen hatten. 1792,
den 4.
oct. (33, 115); der vater versah ihn mit reisegeld. Keller 6, 91 (1899); wer einen wysen suon gebert der sytt, vernunfft, und wyszheit lert der soll des billich dancken got der jn mit gnad versehen hat. Brant
narrenschiff 9, 32; nachdem der bund gestercket war, mit notthurfft wol fürsehen. Soltau
volksl. 363; hab ihn versehen mit wein und korn. H. Sachs 1, 99, 11
Keller-Götze; eroberten am port die statt, versahens mit allem vorrat. 8, 542, 22; derhalben hat er sich versehen mit manchem gflügel und wildpret. 17, 224, 18; rüsten derwegen zu ein schiff, welchs inn eim tag gen Straszburg lief, versahen es mit aller ghör. Fischart 2, 184, 177
Kurz mît emptern will ich euch versehn. Ayrer 1, 66, 20
Keller; wer sich, weil der lentz der jungen jahre hlühet, mit tugend, mit verstand' und mancher kunst versiehet. P. Fleming
ged. 60 (1666); von allen drey und dreiszig stücken, womit ein schönes weib, sagt man, versehen ist. Wieland 22, 268 (
Oberon 6, 39) sogleich musz der befehl zur hinrichtung verfaszt und mit dem siegel versehen werden. Schiller 12, 514 (
Maria Stuart 4, 2). hê is nog mit förrâd fersê
n. ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 462
b.
verbindungen mit anderen präpositionen in älterer sprache; an: sie lieʒ sich sêre an ir gemach, an beʒʒer kleit sie sich versach. Ebernand von Erfurt
Heinrich u. Kunigunde 3658; der wîse sich versehen sol an spîs; daʒ git im hôhen muot, und ist ouch vür den hunger guot. Boner
edelstein 42, 16; ob auch die herren gesandten an essen und trincken und andern nothwendigen sachen genugsam versehen wären. Olearius
pers. reisebeschr. 21
a (1, 9).
um: beghere wy, dat gy uns vorseyn um eyne gude herberge.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 441
b; se vorsegen sik umme havelude unde hulpe. 442
a; also dat wy willen vorsien wesen um eynen taleman, de wol franzoys konne spreken. 442
b.
hier ist zu beachten, dasz versehen sein
auch bedeuten kann: bedacht sein auf, s. oben 2
am ende. von: do hat er sein würdige muoter wöllen versehen von der huot und dem dienst. Geiler von Keisersbeg
postille 36
a (1522); ob wol alle ire kästen und leuben zuo dem keller von allerley zuo diesem leben notwendigen dingen überflüssig angefüllet und versähen. Kirchhof
wendunmut 1, 227
Österley. vgl. Schiller-Lübben
mnd. wb. 6, 307
b. I@88)
geschieht die ausstattung, zurichtung zur abwehr, zum schutz, zur verhütung des schadens, so kann die vorstellung des abwehrens, verhütens, vorsorgens in den vordergrund treten; auch hier berührt sich das verbum im freieren gebrauch der älteren sprache mit unserm vorsehen.
andrerseits tritt die ursprüngliche bedeutung des verbums, beachten, bemerken, vorhersehen bei diesem gebrauch wieder hervor (schaden versehen,
ihn zur rechten zeit bemerken, so dasz er verhütet werden kann, vgl. Scherz-Oberlin 2, 1772),
die bedeutung des schützenden, vorsorgenden zurichtens, ausstattens, ist besonders bei dem reflexiven gebrauch wirksam (sich versehen vor schaden). der für solcher krencke verwaren und versehen kan.
quelle bei Diefenbach-Wülcker 566; weres nu, das icht widerwirtiges uffstunde, daʒ got virsehe.
ebenda; daʒ entsassent sich die richter und daʒ volcke ..., und woltent versehen schaden ir libe und güter (
d. städtechron. 9, 1036, 34); daʒ soltent sü versehen, das es nüt aber geschehe (8, 282, 19).
belege bei Schmidt
els. wb. 400
b; wenns nit mit list oder geschwindigkeit versähen oder fürkommen werdend. Maaler 427
d: so sich in kunftigen zeiten, das gott versehe, begebe, das einer oder mere fallen. Grimm
weisth. 5, 266; were es das er den brief hette anstette gelesen do er ime geben wart, so hette er es wol versehen, das er nüt were erslagen worden.
d. städtechron. 8, 334, 12; also es auch geschehen were, hette er es nüt versehen. 424, 16; dise zweigunge wolte Heinrich der
[] dirte römesche künig versehen und gestillen. 9, 554, 24; wc es got nit versicht, oder verkümbt.
Fierrabras F 1
b (1533); so versiehts der könig an den anfurten so fleiszig, dasz gar wenige aus dem land entfliehen mö
gen. Bucerus
bei Melanchthon 3, 775
Bretschneider; wann es vil nützer, darzuo erlicher dem wundarzt ist, söllich zuofel zuo versehen, unnd zu verhietten. Braunschweig
chirurgia (1539) 76
b; wirt er vor zouber niht vürsehen und endelîche wol bewart. Heinrich v.
d. Türlin
krone 28567; wurdent ir immer elter,ir möhtent mir haʒ tragen. daʒ wil ich versehenbî der zît, ob ich kan.
Wolfdietrich DVIII, 316, 1; der leit versiht, dast vür riuwe guot.
minnes. 2, 294
b Hagen; ob sî daʒ niht versiht, ûf min trîuwe, si wirt schuldig an mir. 282
b; sid es nu aber ist beschächen so solt ichʒ e han versechen; sid aber ichs nit han getan so wil ich minen zorn ab lan.
lieders. 1, 232, 344; deshalb wers gut, dasz mans versech, dasz nit weiter schaden geschech. H. Sachs 15, 129, 22
Keller-Götze; also lest jeden weg der könig wol versehen, dasz dieser ritter jhm nicht wieder mög' entgehen. Dietrich v.
d. Werder
Ariost 9, 65, 1.
reflexiv: dar umme rade ik di dat gi ju vorseen edder vleen.
d. städtechron. 7, 16, 32; dairumb verseit uch vurhin, wie ir si wolt bestriden. 13, 601, 36; sich versehen, dasz sie nit über bort tretten, das ist, wider ire vorgeschriebene puncten dem articulsbrieff eynverleibet, straucheln. Kirchhof
wendunmut 1, 128
Österley; die heiden enwesten rechte wâ sie sich solden versehen.
livl. reimchron. 3439.
mit merkwürdiger prägnanz: de konningh versach sik ut dem wege (
machte sich aus dem staube, brachte sich in sicherheit).
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 442
a.
die neuere sprache ist hier ganz stumpf geworden und hat nichts ähnliches mehr aufzuweisen; vorsehen
hat den gebrauch z. th. übernommen. I@99) sich versehen
wird seit alter zeit im sinne von voraussehen, erwarten, gefaszt sein, fürchten, hoffen verwendet, in älterer sprache noch neben dem einfachen verbum (
vgl. oben 2),
später allein, nachdem das einfache verbum diese bedeutung aufgegeben hat. vgl. Grimm
gr. 4, 855; sich versehen, hoffen. Hulsius
dict. (1616) 355
b. sus wart er sigelos, daʒ doch nüt geschehen were, alse man sich versiht, hett er sins bruders hertzoge Lütpoldes gebeitet.
d. städtechron. 8, 68, 27; die form der bulla wird fromen leuten, als ich mich versehe, wolgefallen. Luther 1, 224
b; als kein mensch hette mügen dencken noch sich versehen. 6, 17
a; und weil ihr der trunck wol schmeckte, bekam sie, eher wir uns versahen, einen dichten rausch. Grimmelshausen
Simpl. 2, 297, 3
Kurz; er machte sich zu einem schönen kleewasen, und eh ich mich versahe, zu einem kühfladen. 167, 21; wie sich ohne allen zweiffel zu versehen. 4, 87, 17; ehe er sich aber versahe, wurde ihm ein kaltes eisen durchs hertz gestoszen. Schuppius
schriften 131; des aht ich alles nicht ein äy und sag dir, sam ich mich versich. der bessers kün, der trett für mich. H. Wittenweiler
ring 28, 2; dann kompt der bleiche todt, eh als man sich versieht. Opitz 1, 130 (1690); kein unglück ist so grosz, dasz er nicht, wenn es kommt, vorlängst gewesen loosz, weil er sich längst versehn. P. Fleming
ged. 60 (1666);
in wendungen wie: eh er sich versah,
wird in späterer sprache gewöhnlich ein es
eingeschoben (ehe er sichs versah),
eine eigenthümliche anwendung bei Schiller
s. unter II, 7.
meistens ist sich versehen
durch syntactische verbindungen im satze näher bestimmt, die natürlich oft zusammen auftreten, hier aber einzeln vorgeführt werden. I@9@aa)
es folgt ein untergeordneter satz, dessen inhalt oft (
vgl. unter b)
durch einen genitiv vorbereitet wird, oder ein infinitiv mit zu. ic vorsee my, dat ic hir noch ene wyle werde bliven.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 442
a; versee mich aber, die fursten werden in beide begerung willigen.
beleg von 1507
bei Diefenbach-Wülcker 566 (
mit anderen beispielen); ich versehe mich das dise bredige gar vil menschen werde befinden.
[] Nic. v. Basel
bei Schmidt
els. wb. 400
b; da vorsicht man sich daʒ er hin valle. Schönbach
pred. 1, 352, 13; so sol er eʒ verstiuren als tiur er siche bi sinem eide versiht daʒ eʒ zinses gelten mochte.
d. städtechron. 4, 137, 30; versich mich, ain nachberschaft sei darumben hie.
tirol. weisth. 1, 111, 4; denn ich mich versehe, er wird mich nicht lassen. Luther 3, 299
a; e. k.
f. g. haben der unsern übergeben bekentnis und lere on zweivel sampt allen andern vernomen, und versihe mich gantz tröstlich, sie sey der gestalt für getretten, das sie mit frölichem munde sagen thar. 5, 72
b; wie ich mich versehe, das jr das vleissig thut. 116
b; versihet sich auch nicht, das gott höre. 7, 5
b; und es versach sich iederman, es solt weiter guet frid sein. Aventinus
bayer. chron. 1, 377, 16; o lieber herr doctor, ich versehe mich, ihr habt sölchen volkummenen gewalt. Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken. M 4
b; dasz wir uns gewiszlich versehen, was die schrifft meldet, das noch künfftig sey, also auch folgen werde. Kirchhof
wendunmut 4, 12
Österley; er versehe sich nicht, dasz er ein ehebrecher zuschelten. Ayrer
proc. juris 189 (1600); weil sich mein rittmeister versahe, wir würden mit dem Bethlen Gabor eine feldschlacht wagen müssen. Grimmelshausen
Simpl. 3, 24, 1
Kurz; dasz ich mich versehe und hoffe, sie werde auch dieser meiner thorheit einen platz vergönnen. Schuppius
schriften 559; dô versach ich mich daʒ er ein stumbe wære. Hartmann von Aue
Iwein 480; zwâre doch versihe ich mich, swie rûch ich ein gebûre sî, wær ich rîterschefte bî, wær ich gewâfent unde geriten ich kund nâch rîterlîchen siten alsô wol gebâren als die ie rîter wâron. 3556; die sich versâhen wol alsô, daʒ er sie lieʒe morden.
passional 315, 78
Köpke; dâ bî mîn herze sich versach, daʒ sich noch hiute muoʒ versehen, daʒ mir ze Kriechen mac geschehen vil êren, unde kom ich dar. Konrad von Würzburg 18938; alsô soltu dich versehen, daʒ geloube gote unde mir, swaʒ ich enpfâhe von dir, ... daʒ giltet dir got zwein wî
s. Stricker
Amis 988; furwar du darfst dich nit versehen, dasz ich dir lasz kein gut geschehen.
fastn. sp. 253, 19; also verseh ich mich auch noch, mein heyl, dasz du mich von dem joch der schuld und der straf wirst erlösen. Weckherlin
ged. 121 (1648).
mit abhängigem infinitiv: versohent sich grosse gobe darumb zuo enpfohende.
d. städtechron. 8, 309, 16; besonder da man sich versicht ein zeitlang mit dem läger zu bleiben. Fronsperger
kriegsbuch 1, 68
b; ich habe mich auch nicht versehen, ein kalb zu werden. Grimmelshausen
Simpl. 1, 142, 11
Kurz; in was vor einem zustande finde ich euch, in welchem ich euch nimmer mehr anzutreffen mich versehen. 4, 77, 13; ich versehe mich mit der hülffe gottes, immerdar dies christliche regul zu halten. Schuppius
schriften 24; versahen sich auch von einem tage zum andern, von den Lacedämoniern ihre freiheit zu erhalten. Heilman
Thucydides 1105; das ær al seine feind nuor mit aim blast zu sturtzen sich versicht. Melissus
psalmen 39
neudruck; uont duorch des hOechsten gut' uont hilf ær sich gentzlich versicht nindert zu wanken nicht. 75; und da er sich eher den pabst als sie zu sehen versah, stand er auf einmahl in îhrer mitte da. Wieland 5, 179 (
der neue Amadis 18, 31). I@9@bb)
das, was man vermutet, erwartet, hofft, steht im gen.: ein wunden deren man sich nit versehen hat. Maaler 430
d; ein ding desz man sich nit versicht, und das man nit vermeint oder warnimpt. 431
b; er versihet sich groszer kunst,
il s'en fait à croire. Hulsius
dict. (1616) 355
b; sich des besten versehen,
bene ominari. Stieler 2027; wir haben uns heut keiner gäste versehen; ihr hattet euch meiner diesen abend nicht versehen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 8, 752
a; sich des friedens, des ausganges versehen; ich hette mich dessen nicht versehen; ich hätte mich eher des todes versehen. Steinbach 2, 571; sie dürfen sich freylich keiner guten aufnahme bey
[] ihm versehen; ich hätte mich dieser ehre am wenigsten versehen. Adelung. der man wurde vorbot in dy stat do man sich syn vorsege.
Kulmer recht 3, 111; wiewol ich mich ehe meines todes versehen hette. Spittendorff 68, 4; swas sich die herrschaft gutz versach.
tirol. weisth. 4, 17, 28; vorgemerckte pfyl, oder schossz, deren man sich versicht. Keisersberg
postille 3, 26
a; mags aber geschehen, das sie alle mit obgesagtem glauben werden gehalten, des ich mich gar schwerlich versehe, sind sie zu dulden. Luther 1, 338
b; sich dieser ding nicht versehend. 2, 178
b; aber des versahe sie sich nicht, das der teufel da were. 6, 21
a; des hette sich weder Kain noch Habel, Adam noch Heva versehen. 34
a; darumb müssen wir uns ... des versehen, das gott nicht allweg das empor hebt, das wir empor heben. 164
b; das sie sich keins unfals versehen kan. 7, 45
b; des und nicht anders müssen wir uns versehen. 51
b; solt yhr euch des versehen, das yhr auch falsche leren haben werdet. 14, 32, 17
Weim. ausg.; gleubt nicht, das er müge dem unglück entrinnen, und versihet sich jmer des schwerts.
Hiob 15, 22; denn es wird plötzlich ein getümel uber dich komen, des du dich nicht versihest.
Jes. 47, 11; fur solcher seligkeit, der sie sich nicht versehen hetten.
weish. Sal. 5, 2; und ein erschrocken gewissen, versihet sich jmerdar des ergesten. 17, 11; an dem tage, des er sich nicht versihet.
Matth. 24, 50; thut sich gar keins übels versehen. Wickram 4, 127, 33
Bolte-Scheel; er versahe sich keines argen. 2, 203, 21; uns ein hoffnung schöpffen, durch welche wir uns des ewigen heils versehen möchten. Gretter
erkl. d. ep. Pauli an die Römer (1566) 295; das sich der alt herr des überzugs gentzlichen versahe.
Zimm. chron.2 4, 63, 9; alles gnädigen willens sich zu versehen haben. Kirchhof
milit. disc. 208; da nun das spiel am besten und niemand sich desz versahe. Kirchhof
wendunm. 4, 45
Österley; ehe er sich desz versahe. 249; mit eim solchen duck, dessen sie sich am minsten versehen hetten. Fischart
Garg. 230
neudruck; als David im elende viel geliden, sich merers leidens versae. Melissus
psalmen 20
neudruck; hatte ich mich henckens gar nahe versehen. Moscherosch
ges. 2, 62 (1650); versihet sich des besten. Comenius
sprachenth. übers. von Docemius 363 (1657); also versahe ich mich des müssiggangs wieder auf eine zeitlang. Grimmelshausen
Simpl. 1, 345, 6
Kurz; dannenhero versehe ich mich unterschiedener druckfehler. Weise
erznarren 4
neudruck; weil man sich alle stunden einer schlacht versieht. Lessing
3 3, 359; überrumpelten auch den herrn W. in Hamburg zum gröszten vergnügen, da er sich unserer am wenigsten versahe.
Felsenburg 2, 611; wer hätte sich eines solchen streiches versehen sollen? Wieland 1, 247 (
Agathon 4, 6); eine geheime schalkheit ..., deren man sich, wenn sie zum vorschein kommt, nicht versehen hatte. 2, 189 (9, 2); zur zeit eines groszen festes, wo man sich eines feindlichen überfalls am wenigsten versah. 6, 328 (
der goldne spiegel 1, 10); ich versah mich dessen was geschehen würde. 30, 83 (
die Aeronauten); eine entwicklung ..., deren sich einen augenblick vorher kein mensch versah noch versehen konnte. 20, 171 (
die Abderiten 4, 15); wenn ich mich seiner am wenigsten versehe. 3, 479 (
Agathon 16, 3); sie hatten sich dessen am wenigsten versehn. Tieck 4, 298; Dankmar, der sich dieser begegnung nicht versah. Gutzkow
ritter vom geist 8, 431; eʒ zimt wol helden daʒ si frô nâch leide sî
n. kein ungelücke wart sô groʒ, da enwære bî ein heil: des suln wir uns versehen.
minnes. frühling 20, 27; sus sul ein man des besten sich versehen. 211, 34; dô sich diu vrouwe des versach daʒ dâ niender geschach. Hartmann von Aue
Iwein 2185; ichn versach mich niht hie gebiuwes noch liute.
Greg. 2966; der künic hât scharfe sinne und vorsicht sich unser hie. Heinrich v. Freiberg
Tristan 3661; wan dîe zeichen suln geschên, der soltu rehte dich versên an sente Pêters hôchgezît. Ebernand von Erfurt
Heinrich u. Kunegunde 4180; wand sich sîn nieman dâ versach.
passional 218, 3
Köpke; wand er gûtes sich versach. 68, 81; dasz man den gerechten schaue, dessen nun nicht ohn beschwer, die betrübte welt so lange sich versieht. P. Fleming
ged. 295 (1666);
[] wolan, versieh dich mein, und räume meine statt, ich will der dritte seyn bey deinen treuen zweyen. 581; und mit dem worte rennt er gegen mich, der, unbereit zu solchem tanze, sich dessen nicht versah, mit eingelegter lanze. Wieland 22, 24 (
Oberon 1, 36); der kalif, der einer solchen scene in seiner eignen gegenwart sich nicht versah. 22, 42 (1, 67); wer hätte sich bey so gestalten sachen des glücks versehn, ihn ungetreu zu machen? 10, 221 (
Aurora und Cefalus); von zwey Lauretten, deren keine der andern sich versieht. 21, 240 (
Klelia und Sinibald 4, 12); man hatte seiner sich so bald noch nicht versehen. 18, 208 (
Pervonte 3); der höfling, welcher sich der falle nicht versieht. Ramler
fabellese 2, 540; die that und qual sie war geschehn, wollten sich nicht gleich einer neuen versehn. Göthe
jahrmarkt zu Hünfeld (2, 268
Weim. ausg.); des vornehmen gasts mich nicht versah.
Satyros 1 (16, 80); nun, deiner hätt' ich heut mich nicht versehn. Immermann 17, 19
Boxberger (
trauerspiel in Tirol 1, 3).
in besonderer wendung: hinz den du dich der diube versehest,
die du des diebstahls in verdacht habest. beleg bei Schmeller
bair. wb. 2, 248. I@9@cc)
verbindungen mit präpositionen; auch hier ist die ältere sprache beweglicher als die neuere. an: sich an einen, an einem versehen,
nur in älterer sprache, hoffen auf einen, erwarten von einem; der gegenstand der erwartung, hoffnung steht im genitiv: an in versah ih mih. Notker
ps. 27, 7 (Luther: auff jn hoffet mein hertz. 28, 7); ich versach mich an dich (Luther: ich aber herr hoffe auff dich.
ps. 31, 15).
bibelübersetzung des 15.
jahrh. bei Kehrein
gramm. 3, § 230; wer sich aber versiht an dem herren der wirt behalten.
bibel von 1483 (
sprüche Sal. 28, 25; Luther: wer aber auff den herrn sich verlesst); unde versehen sich an dich,
et sperent in te. Windb. psalter bei Schmeller
bair. wb. 2, 248; an wen disi burgâri jehin, odir ani wen sî sich helpbi virsehin. Müllenhoff-Scherer
denkm. 38, 5, 6; mîn bruoder der mac sich mêr der stæten hilfe an mich versehen. Wolfram von Eschenbach
Parz. 7, 1; ir eime bevalch man in an dem man hûte sich versach.
pass. 595, 55
Köpke; sumelîche gûte man, an den man sich versehen kan, daʒ si haben gotes geist. 37, 60; sît sich mîn vater hiute vil starker helfe an iu versiht. Konrad von Würzburg
troj. krieg 30401.
auf; verbindungen mit dieser präposition sind im nhd. häufig; sich auf einen versehen
kann aber nicht mehr heiszen auf ihn vertrauen, seine hoffnung auf ihn setzen (
vgl. unter zu),
sondern nur: ihn zu sehen erwarten; veraltet ist auch: sich eines dinges auf einen versehen. sich auf eines andern tod versehen; er versieht sich auf angenehme briefe. Steinbach 2, 571; des ich mich gantz in keinem weg auff e. g. versehe. Luther 2, 235
b; nos debemus trostlich uff ihn uns versehen. 12, 690, 17
Weim. ausg.; niemahls konnte er eine antwort auf eine frage finden, auf die er sich nicht versehen hatte. Wieland 6, 42 (
der goldne spiegel 1, 1); über einige wochen krieg ich noch einen gast, auf den du dich wohl nicht versiehst. Lenz 1, 91; ich wuszte von ihrer vorhabenden spazierfahrt auf der Brenta; ich hatte mich darauf versehen. Schiller 4, 225; die mörder, die sich an einem so abgelegnen ort auf keine überraschung versehen hatten. 276; wie wenig versah er sich daher auf die veränderung, die in seinem gemüthe vorgehen sollte. Göthe
unterhaltungen deutscher ausgewanderter (18, 160
Weim. ausgabe).
gegen; sich gegen einen, gegen einem eines dinges versehen,
es von ihm erwarten, hoffen (
veraltet); (
mit acc. der sache statt gen., s. unten d): was man sich gen im versehen solt.
d. städtechron. 5, 49, 23; dasz man nicht wissen konte, was sinns ich sey und sich doch alles gutes gegen mir versehen muste. Grimmelshausen
Simpl. 1, 319, 8
Kurz; wessen wir uns gegen ihn zu versehen haben. Kant 10, 330.
in: jâ fersah er sih in
got. Otfrid 4, 30, 31
[] um: wand ich mich wol umb in versach, geschæheʒ als eʒ doch geschach, sî hetes vrume und êre. Hartmann von Aue
Iwein 4131.
von; die richtung angebend, woher man etwas erwartet: ich versehe mich von dir des besten;
oft mit änderung der construction (
s. unten d): ich versehe mir gutes von der besprechung; daʒ sô grôʒ herzenleit von herzeliebe geschiht, dâ man sich guotes von versiht. Hartmann von Aue 2.
büchl. 12; ich hätte mich eher anderer sachen, als dieser, von dir versehen. A. Gryphius 1, 888 (1698); er hat sich für seine person alles von dem Aegisth zu versehen. Lessing
3 9, 381; wessen man sich, nicht etwa von seinem instinct, sondern von seinem willen zu versehen hat. Kant 10, 317; die ganze tafel versehe sich doch von ihm, dasz er allemal die ähnlichkeit bei seite zu bringen willig sei. J. Paul
aus des teufels papieren 2, 51; sich der ärgsten gewaltthaten vom könige versahen. Dahlmann
dän. gesch. 1, 411.
zu; diese präposition bildet die häufigsten verbindungen im nhd. sie bezeichnet die richtung der erwartung, gewöhnlich folgt eine person oder etwas zu einer person in beziehung stehendes (ich versehe mich zu dir, zu deinem character, deiner unternehmung),
es wird dann durch einen genitiv oder satz angegeben, was erwartet wird, worin die erwartung besteht (ich versehe mich zu dir einer guten aufnahme, dasz du meine wünsche förderst);
oder der inhalt der erwartung ist durch den zusammenhang bestimmt. die ältere sprache zeigt noch anderen gebrauch, ich versehe mich zu dir
kann dort auch heiszen: ich vertraue auf dich, ich hoffe auf dich (
vgl. unter auf). sich alles gutes zu einem versehen. Steinbach 2, 571; to vorhorende, wes wy uns to ome versehin mochten.
quelle bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 442
a;
non enim in arcu meo sperabo, ih ne fersieho mih ze mînemo bogen. Notker
ps. 43, 7; daʒ sih sinero fidelium neheiner ze sînen genuâfenen nefersiehet. 45, 10; die ze iro chrefte sih fersehent. 48, 8; der sih ze imo selbemo fersiehet. 85, 1; die sich ze gote fersehent. 124, 1; niemen darf sich zesîner iugende niht versehen.
spec. eccl. 184
Keller; die sich keiner genaden zu ime wollen vorsehn. Schönbach
pred. 1, 166, 21; wenne her vorsach sich gûtes zu in.
d. chron. 2, 1, 87, 43; als wir unz zu dir wol versehen.
d. städtechron. 2, 50, 11; und sich die von Nürmberg groszer trewen zu in versahen. 132, 11; wes sie sich hintz im versehen solten. 5, 50, 19; wes se sik to on scholden verseen. 7, 268, 20; des we uns doch to dem rade nicht vorseen hedden. 16, 46, 11; der stat zimmergesellen ..., zu den ich mich versach, di gut nagel machten. Tucher
baumeisterb. 166, 8; dich alles guten versehen zu solchem gott. Luther 1, 486
b; der versihet sich zu jm keiner gnaden noch barmhertzigkeit. 2, 27
a; des wollen wir uns also zu einem jedern versehen. 65
a; weil er in seim anligen und anfechtunge sich solcher trewe zu mir versihet. 3, 109
a; das wir uns der tück und schalckheit wol zu jm versehen sollen. 4, 21
b; sich alles guts zu jnen versehen. 195
b; mein eigen gesind, dazu ich mich guts versehe. 402
a; er solt sich mehr güte und trewe zu uns Lutherischen versehen. 6, 16
a; wer hette sich solchs zu hertzog Georgen versehen mügen? 31
b; e.
f. sollen sich tröstlich zu uns allen versehen in Christo, das wir hinfurt an uns keinen mangel wollen sein lassen. 325
b; seinen freund, dazu er sich guts versihet. 7, 150
b; versehet jr euch aber gnade zu mir.
tischr. 136
a (1568); die versahen sich guts zu Alcimo. 1
Macc. 7, 13; denn ich versehe michs zu jm, er werde sich gnediglich und freundlich gegen euch halten. 2
Macc. 9, 27; sintemal ich mich des zu euch allen versehe, das meine freude, ewr aller freude sey.
2 Cor. 2, 3; ich frewe mich, das ich mich zu euch alles versehen thar. 7, 16; ich versehe mich zu euch in dem herrn, jr werdet nichts anders gesinnet sein.
Gal. 5, 10; wir versehen uns aber, jhr liebesten, bessers zu euch.
Ebr. 6, 9; die sich guts zu jhm versehen. Mathesius
Sar. 3
b (1571); solt du dich alles guts zu mir versehen.
Faustbuch 23
neudruck; ihr werdet euch wider alles guts zu mir versehen. Kirchhof
milit. disc. 209; dasz sich Holland eygentlich eines kriegs von Franckreich zu versehen. Grimmelshausen
Simpl. 4, 87, 27
Kurz; wann ich mich zu euch recht versehe. Schuppius
schriften 402; wollen uns auch gäntzlich zu dir versehen, du werdest uns ... nicht abweisen. 441; dasz sie sich einer solchen gottlosigkeit zu der akademie nimmermehr
[] versehen hätten. Wieland 20, 284 (
die Abderiten 5, 8); dasz sie sich eines bessern zu einem manne versehen hatte. 3, 126 (
Agathon 12, 6); denn zu niemanden weniger, als zu deiner liebden hätte ich mich's versehen, dasz du Forstern für einen philosophen vom ersten rang erklären würdest. (Wieland)
briefe an Merck (1835) 419; dasz ich mich gewisz zu einem professor matheseos dessen nicht versehen hätte. Mendelssohn
bei Lessing 13, 118; wessen man sich zu ihm sicher zu versehen hat. Kant 10, 325; vor allem aber verlangte man von den unionsverwandten eine runde und feste erklärung, wessen man sich zu ihrem bunde zu versehen habe? Schiller 8, 59; firsâhun sih zi wâruzi sîneru ginâdu. Otfrid 4, 5, 65; du versihest dich ze dîner sterke.
Rolandslied 301, 25; si versâhen sich ze ir vînde,Hetele hete der mâge niht mêre.
Gudrun 857, 4; wê, waʒ ich dô trôstes mich ze dir versach.
minnes. 2, 127
a Hagen; des soilt ir uch zo mir versein.
d. städtechron. 12, 78, 1966; herzlieb, gib rat, des ich doch mich zu dir versich. Gödeke-Tittmann
liederb. aus dem 16. jh. s. 21 (14, 19); nu versich dich zu mir ohn schew warhafftig aller lieb und trew. H. Sachs 8, 266, 3
Keller-Götze; kan mich nichts guts zu im versehen. 11, 136, 5; kan mich nichts guts zu in versehen. 14, 258, 19; nun dieser graf thet sich versehen zu dem churfürsten keiner ungnaden. 17, 224, 13; desz dich gentzlich zu mir versich. 20, 213, 29; des herren weeg ist recht, betruglosz seine bahn, und es ist recht und gut sich zu ihm zu versehen. Weckherlin
ged. 67 (1648); in einem blick steht sie gewandlos da, beschämt den losen blick der götterchen zu weiden, zu denen sie des streichs sich nicht versah. Wieland 9, 326 (
bruchstücke von Psyche 3); eh' sie sich's zu ihm versehen haben. 21, 193 (
Klelia und Sinibald 2, 8); sprecht, wessen soll man sich zu euch versehn? Schiller 14, 386 (
Wilhelm Tell 4, 2); sie versieht sich zu dem treuen volk, dasz es gerechten abscheu werde tragen vor den verfluchten thätern dieser that. 14, 413 (5, 1).
das reflexivpronomen ausgelassen: jm hertzlich zutrawen, und alles guts zu jm zu versehen. Luther 1, 228
a.
die richtung der erwartung durch hin
bezeichnet: den sach man bitten unde manen, swâ er sich guotes hin versach. Ottokar
reimchron. 10276.
bei den oben angeführten belegen steht zu
bei der person oder sache, von wo etwas erwartet, gehofft, gefürchtet wird, das object des verbums im genitiv; seltner ist der fall, dasz zu
mit dem object der erwartung, furcht, hoffnung verbunden wird: wozu die katholischen sich zu versehen hätten, wenn sie das unglück haben sollten, der unterliegende theil zu seyn. Schiller 8, 22; hätt' ich zu diesem schlage mich versehen, so hätte, ihn zu überstehen, mir auch gewisz die fassung nicht gefehlt. 6, 406. I@9@dd)
bei dem in den vorhergehenden abschnitten dargestellten gebrauch wird das sprachgefühl leicht unsicher, weil der genitiv in sehr oft vorkommenden fällen der form nach sich nicht vom accusativ unterscheidet, z. b.: ehe sie sichs versahen, sich treue, genade, gutes zu einem versehen;
so tritt schon früh statt des gen. der accus. ein, das genit. es
wird später als accusativ empfunden. um den übergang zu veranschaulichen, sind auch hier aus älterer zeit einige belege gegeben, bei denen die wandlung noch nicht deutlich vollzogen ist: bis das sie im augenblick, ehe sie sichs versehen, im grund des hellischen fewrs ligen. Luther 2, 66
b; ich hette michs nicht versehen. 6, 8
b; denn er hat sichs gar nicht versehen. 14
b; darumb bistu auch gefangen, ehe du dichs versahest.
Jer. 50, 24; da du dichs am wenigsten versihest.
Sir. 9, 19; an dem tage, da er sichs nicht versihet.
Luc. 12, 46; er sagte: ich versehe michs. Grimmelshausen 1, 86, 11
Kurz; ehe wir sichs versahen. 2, 94, 16; ehe er sichs versahe. 3, 71, 29; eh' ihr es euch verseht, ist ein buch fertig. Wieland 1, 302 (
Agathon 5, 6); weil er sich nichts böses zu ihnen versah.
[] 3, 91 (12, 3); da er sich's am wenigsten versah. 3, 350 (14, 5); eh' ich es mich versah, fiel ich in seine schlingen. Klinger 9, 167; eh' man sich's versieht, musz man wieder hören, dasz ihr schicksal im schwanken ist. Göthe
wahlverw. 1, 10 (20, 111
Weim. ausg.); dasz sich, ehe ich mich's versehe, die gesellschaft um mich vermehrt.
Wilhelm Meisters wanderj. 1, 3 (24, 38); glücklich liebende beneidet man, eh' man sich's versieht. 2, 4 (24, 298); der sich nichts gutes versahe. Tieck 13, 12; wirt einmal (fürcht ich) komn mit eil zwar ehe dann man sichs versicht. Schade
sat. u. pasqu. 1, 87, 277; und da man sichs gar nicht versicht, daselbst es jm am ersten gschicht. B. Waldis
Esop 1, 6, 47
Kurz; und in der that, wer hätte sichs versehen? Wieland 9, 98 (
Musarion 3); sich nichts versehend fiel dein Scharlot im gesträuche, durch meuchelmord. 22, 26 (
Oberon 1, 40).
eintreten des objectsaccusativs in verschiedenen fällen: was man sich gen im versehen solt.
d. städtechron. 5, 49, 23; das wil sich
m. g. h. zu euch allen und jedem in sonder versehen. Luther 2, 5
b; welch from hertz wil sich was guts oder redlichs zu jm versehen. 3, 66
a; die nicht können halten noch thun, was man sich zu jnen versihet. 6, 66
b; denn ich solchen verstockten mut, in keines menschen hertz, sondern allein in des teufels hertz, mich hette versehen. 8, 62
b; sich zu meiner denkungsart und zu meinen grundsätzen das beste zu versehen. Wieland 12, 129 (
don Sylvio von Rosalva 5, 13); dasz ich mich zum Dialogus eher alles andere versehen hätte.
Lucian 6, 220; wie viel oder wenig ich pro hoc anno mich zu dir quoad Mercurialia zu versehen habe.
briefe an Merck 282 (1835); wer hätte das zu ihnen sich versehn?
werke 21, 236 (
Klelia und Sinibald 3, 398).
der nächste schritt ist, dasz der reflexive accusativ in den dativ verwandelt wird, wozu das häufige vorkommen des zweideutigen sich
viel beigetragen haben mag. so wird versehen
hier scheinbar in der alten, sonst im nhd. untergegangenen bedeutung von voraussehen, erwarten (
s. oben 2)
gebraucht. Adelung
tadelt den gebrauch des doppelten accusativs und bildet daher folgende musterbeispiele: das hätte ich mir nicht von ihm versehen; ich hätte mir ehe des himmels einfall versehen als dich; ehe ich es mir versah; das compliment versahe ich mir nicht. es ist zwar das haus, zu welchem ich mir nichts als gutes versehen sollte. Lessing
3 2, 109 (
freigeist 5, 1); dieses unglück hätte ich mir nicht versehen. 3, 194 (
Damon 7); ich versah mir gleich vom anfang nichts gutes zu ihm. Wieland 19, 244 (
die Abderiten 2, 7); (
ich) versah mir daher wenig gutes zu ihm. 28, 217 (
Peregrinus Proteus 2, 9); das ding fängt zu arbeiten an, eh ich mir's versehe. Gutzkow
ritter vom geist 4, 317; und eh ich mirs versahe, stach mir der pfeil im herzen. E. von Kleist 1, 39 (1760); ich, meines orts, ich hätte mir klar weit eher des himmels sturz versehen. Wieland 21, 122 (
liebe um liebe 7, 297). I@1010)
das, was für das sehen aufgewendet wird, wird im accus. zu versehen
gestellt: ich glaube, wann mich damals ein gauckler, marcktschreyer oder landfahrer gehabt, und vor einen Samojeden oder Grünländer dargeben, dasz er manchen narren angetroffen, der einen creutzer an mir versehen hätte. Grimmelshausen
Simpl. 1, 66, 13
Kurz; ik hebbe'r 24 grote an verseen; daar scholl man wat an verseen,
man sollte etwas daran wenden, um es zu sehen. brem. wb. 4, 733; wî hebben fan afend twê daler fersê
n. ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 462
b. IIII.
negative entwicklung der bedeutung von versehen. II@11) versehen
bildet den gegensatz zu ansehen,
jemanden nicht sehen, ihn mit seitenblick anschauen ist das natürliche zeichen der verachtung. im sinne von verachten begegnet das verbum in ältester zeit; so wird ags. forseón
ausschlieszlich gebraucht, wofür bei Bosworth-Toller
eine grosze anzahl von belegen gegeben ist; vgl. altnord. fyrirsjón,
gegenstand des spottes (
hier ist jedoch die bedeutungsentwicklung eine andere, gegenstand der schaulust, der die neugierde reizt);
auch im ahd. ist farsehan
im sinne von verachten reichlich bezeugt. Graff 6, 120; be diu fersieho ih mîne fienda,
despiciam inimicos meos. Notker
ps. 117, 7; daʒ sie sament imo terrena fersehen. 61, 1;
dispectus, farsehan. Steinmeyer-Sievers
glossen 1, 96, 11;
ne dispicias, ni firsih, ni farsehes. 216, 5;
vgl. farsehantlich, farsehanlich,
despicabilis. Graff 6, 121;
übersehen, verschmähen: [] daʒ si den welt und jenen versiht (ubersiht
var.).
minnesangs frühling 246, 83.
in neuerer sprache ist dieser gebrauch aufgegeben. II@22)
in schlimmer weise ansehen, durch den blick schaden zufügen, krank machen durch den blick, vgl. brem. wb. nachtr. 296; de hex hat mîn swîn versê
n. Danneil
wb. d. altmärk.-plattd. mundart 239
b; laszt mich immer in die stube, ich werde euch nichts versehn, '
sagt man zu denen, die den eintritt ins zimmer zu gewähren zögern'. Weinhold
schles. wb. 89
b. II@33) versehen, im sehen jrren,
veoir mal, haver cativa vista, overo stravedere. Hulsius
dict. (1616) 355
a; versien, ...
in conspiciendo falli, errare. Kilian
dict. (1777) 725
a; für Dieterichen wart erkant Engelhart ze Brâbant: sô wart ze Tenemarke versehen ouch vil starke für Engelharten Dieterich. Konrad von Würzburg
Engelhard 4588; man hat mich vor einen andern mann versehen.
Witzenbürger 1, 262; ich bin ein anderer, als jhr mich versehet. 267;
freier: wo Winckelmann den Apollon für eine Muse und die Leto für Vesta versieht. Welcker
alt. denkm. 2, 37;
so wird das wort jetzt nicht mehr gebraucht. während verhören
im entwickelten nhd. auf die sinnliche bedeutung beschränkt bleibt, entfaltet versehen,
wie das bei dem wichtigsten sinne begreiflich ist, seinen gebrauch in freiestem masze; beachtenswert ist, dasz die vorstellung des sinnlichen sehens in den meisten fällen fast ganz in den hintergrund tritt; Steinbach 2, 571
gibt als musterbeispiel: die rechte thür versehen,
veram portam errare, 570: die gröszten soldaten versehen,
milites robustissimos non attendere. diese anwendung ist für die entwickelte neuhochdeutsche sprache ganz ungewöhnlich, dagegen das dritte a. a. o. gegebenen beispiel: die gelegenheit versehen,
occasioni deesse entspricht dem neueren gebrauche; die vergeistigte bedeutung ist die gewöhnliche geworden. in solchen wendungen wie die gelegenheit, den vortheil, die schanze versehen
wird die folge mit in die vorstellung einbezogen, das verbum nimmt die bedeutung von verscherzen an; das spiel durch einen falschen zug versehen,
es verlieren. mit unbestimmtem object: es versehen,
einen fehler begehen, vgl. das versehen,
n. der fehler, die leichte irrung, verfehlung. hier ist manches versehen, vieles, nichts versehen worden; daran ist nicht viel versehen; ich habs darin versehen, dasz;
mit präpositionalen verbindungen: etwas beim rechnen, im schreiben versehen. versehen, verschertzen,
negliger. Hulsius
dict. (1616) 355
a; ich hab die sach versehen,
je l'ay negligé. ebenda; versehen ist verspielt,
stravedersi fà perder il giuoco. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 751
c; versin as och verspillt,
qui se trompe perd. Gangler
lex. d. Luxemb. umgangssprache 469; versehen ist auch verspielet. Gottsched
sprachkunst (1762) 556
a;
so ruft man, wenn jemand beim spiel einen zug, eine ausgespielte karte zurückziehen und sich mit einem versehen entschuldigen will. was hab ich versehen? was ich versehen, mache ich auch wieder gut; aus unvorsichtigkeit etwas versehen;
freier: de budel is fersên un ferspöld. ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 463
a; allein versehen, geschehen. Schönaich
Hermann (2.
aufl.) xxii. damit du nichts versiehest; es im schreiben versehen; er versah es ein wenig in der rechnung; es versiehts auch wohl ein kluger; es noch zu letze versehen. Steinbach 2, 571; eine versehene sache, die versehene gelegenheit; was ein mahl versehen ist; auf das versehene mit der straf dringen. 572; versehen etwas,
halucinari; labi per errorem; falli, delinquere, peccare. Frisch 2, 257
b; '
falsch sehen, fehl sehen, ein ding für das andere sehen, doch nur im weiteren und figürlichen verstande, aus mangel der aufmerksamkeit etwas thun, was man nicht thun wollte, oder nicht thun sollte, aus unachtsamkeit wider seine absicht, oder auch wider eine vorschrift handeln, wo es von weiterem umfange der bedeutung ist als vergehen
in ähnlichem verstande, welches sich mehr auf eine sittliche vorschrift bezieht'. Adelung (
für vergehen
ist die begriffsbestimmung nicht mehr richtig, vgl. vergehen
im juristischen sinne); so viel ich weisz, habe ich nichts versehen; du hast etwas wichtiges, etwas groszes versehen; etwas in seinem amte versehen;
prägnant: er hat es bey ihm versehen,
er hat sich aus unachtsamkeit um seine gunst gebracht. ebenda; versehen, '
unrecht sehen, das unrechte für das rechte anschen; ... zum unterschiede von irren,
welches blosz den begriff eines falschen urtheils enthält, dasz man mit dem wahren verwechselt, da hingegen in versehen
noch der nebenbegriff statt findet, dasz dies ein anschauendes urtheil sei, [] welches aus mangel der nöthigen aufmerksamkeit entstanden ist'. Campe; ich habe es darin versehen, dasz ich zu streng war.
ebenda. —
der gebrauch des verbums im sinne von übersehen, verfehlen, verscherzen dringt, wie es scheint, aus dem niederd. sprachgebiet ins hochdeutsche. auch saget der bapst selb in seinem rechten (wie er es versehen hat, das er ein mal was guts leret). Luther 1, 421
b; ich hoff, jr habts versehen, das niemand den bapst verstören sol, denn jr selb, seine creaturen. 376
b; ich habe also gesagt, das in diesen werck, die menschen kinder nichts so seer versehen haben, als das sie wolten einen namen haben. 4, 69
a; denn ich rede nicht von dem, das versehen und ungerne gethan ist. 402
a; sie habens zu weit versehen. 5, 275
a; darnach wil man denn sagen, ich hette michs nicht versehen, so ists denn recht wol versehen. 6, 8
b; wie versihet ers aber hie so gröblich. 7, 137
a; wenn sich eine seele vergreifft, das sie es versihet, und sich versündigt.
3 Mos. 5, 15; wers versihet und sonst von dem heiligen isset. 22, 14; das ist schon versehen und eine verlorne red.
N. Manuel 219, 14
Bächtold; so ir einer es ein wenig versicht und auff dem schiff und schmalen brettern unversichtlich wandeln wolte. Kirchhof
wendunmut 1, 127
Österley; im abschreiben ists versehen worden, drey für dreitzehen. Fischart
Garg. 145
neudruck; den vortheil versehen. Grimmelshausen
Simpl. 1, 65 (1685); indem nun die bauren nebenst den boths-leuten ihrer zehen das grosse ancker auff dem schiffs-both führeten und auszwerffen wolten, wurde es versehen. Olearius
pers. reisebeschreibung 34 (2, 2); es sey leicht versehen, dasz zerbrechliches gefäsz in stücken geht. Weise
die drei klügsten leute 303 (1679); gemeinhin versehen es die eltern hierin. Kant 10, 426; der verschlagene spieler hats nur in einer karte versehn. Schiller 3, 157 (
Fiesko 5, 16); wie einem schatzgräber, der durch die mächtigsten formeln den mit gold und juwelen gefüllten blinkenden kessel schon bis an den rand der grube heraufgebracht hat, aber ein einziges an der beschwörung versieht, das nah gehoffte glück unter geprassel und gepolter und dämonischem hohngelächter wieder zurücksinkt. Göthe II, 3, 117
Weim. ausg.; vil na was de kantze vorseyn, der van Honnover, als me sach.
d. städtechron. 16, 193, 2879; itlike hebben dat vorseyn, den is daran grOet hOen ghescheyn. 204, 3274; hir is noch nicht vele schade ghescheen; men myt yuweme oghe, dat is vorseen.
Reinke de vos 6432; wert desse kantze nu vorseen, so is myne lyst al vorloren. 6136; mit dem vuchse kond er mûsin, der durch snôdir weide pflicht ofte schadin grôʒ vorsicht. Nicolaus v. Jeroschin 112
d (1650); daʒ spel haben wir vorsehen. Mone
altd. schauspiele 1, 68, 1715; wie hats denn versehen der küne helt? Schade
sat. u. pasqu. 1, 54, 5; versiehst du dir ein ding und schauest übel zu (
quum sis incautus, nec rem ratione gubernes). Opitz 1, 313 (1690); bisz dasz man was versiht, bisz dasz der printz was glaubet. A. Gryphius 1, 15 (1698); wie schnell es der verseh der nicht mehr sieht als hört. 37; hierinn ist viel versehen. 50; wer sein glück einmal versieht, ist um das, was er veracht, für und für umsonst bemüht. 222; gott, ist in nöthen anzuflehn: gelegenheit nicht zu versehn. Logau 1, 34, 20; ein gar zu blödes aug, als offtmals ist geschehn, hat das, was jhm gesollt, versaumt, verschämt, versehn. 2, 12, 37; Simplex komt ohngefehr zu einem tantz, da er dann wieder versiehet die schantz. Grimmelshausen
Simpl. 1, 109
Kurz; wie versah's die frömmigkeit, dasz sie diese stille klause in dem gott geschenkten hause der philosophie geweiht? Thümmel
reise 3, 77 (1794);
prägnant: die jungfer hat es versehen,
virgo vitiata est. Stieler 2027;
vgl. 4. II@44)
refl., sich versehen,
sich irren, einen fehler begehen, zunächst von einem irrthum des sehens, dann übertragen in allgemeinster anwendung. dieser gebrauch ist verhältnismäszig jung und stammt wie der im vorigen abschnitt besprochene wahrscheinlich [] aus dem niederd.: de van der Wismer vorseghen sik, also dat se ere schepe senkeden in de lenghe, dat se over dwer senken scholden.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 442
a; sik verseen,
fehlen, irren. Dähnert
plattd. wb. 526
a; hê fersag sük in de kors, um'n daler. ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 463
a; ich hab mich versehen,
j'ay mal veu. Hulsius
dict. (1616) 355
a; ich habe mich versehen, '
ich habe aus übereilung etwas gethan, was ich nicht thun wollte'; der kramer versiehet sich, '
wenn er aus unachtsamkeit eine wahre für die andere, nicht das gehörige gewicht u. s. f. gibt'. Adelung; sich zu seinem nachteil, zu seinem vortheil versehen. eft ick my sodder wes hebbe vorseyn, dat werde ick yw seggen in desser stunde.
Reinke de vos 3706.
prägnant (
vgl. unter 3
zu ende): die jungfer hat sich ein wenig versehen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 751
c; sie hat sich versehen,
gravida facta est. Frischbier
preusz. wb. 2, 441
b;
das part. perf. im activen sinne: ein versehen mensch,
puella stuprata. Hupel
idiot. von Lief- und Ehstland 249. II@55) sich versehen
in besonderer anwendung von schwangeren frauen, die durch irgend einen plötzlichen anblick, starken eindruck auf ihre leibesfrucht eine ungünstige wirkung ausüben: sie hat sich an einem fisch, an einem krebs versehen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 751
c; die frau hat sich an was versehen,
mulier re quadam visa monstrosum foetum edidit. Steinbach 2, 571; '
daher entstehen hasen-scharten, feuer-mähler'.
öcon. lex. 2996 (1744);
vgl. Kehrein
volkssprache und volkssitte in Nassau 1, 431. Gangler
Luxemb. umgangsspr. 470. Frischbier
preusz. wb. 2, 441
b. ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 463
a; junge frauen, die besorgten sich an den schinders-stückchen zu versehen, und ihrem kind in mutterleib den galgen auf den buckel zu brennen. Schiller 2, 95 (
räuber 2, 3
schauspiel); halt meine pflicht in guter zucht, dasz ich mich nicht versehe und in dem leibe meiner frucht kein unfall nicht geschehe.
Mansfelder gesangb. (1788),
nr. 502; todtengräbers tochter sah ich gehn, ihre mutter hatte sich an keiner leiche versehn! Göthe 5, 1, 99 (
Weim. ausg.).
diese beschränkung auf das ungünstige kann wegfallen: wenigstens hat sie sich an ihm versehen (
am gnädigen herrn, das kind hat daher noble jägerpassionen). Rabener
satiren 3, 21 (1764); man sollte meinen, seine mutter hätte sich an der schönsten bildsäule aus dem alterthume versehen. Tieck 3, 85. II@66) versehen,
unbeachtet lassen, absichtlich übersehen, nachsehen, nachlassen; hier wendet sich also die durch das präfix bewirkte verschlimmerung wieder zum guten, doch kann natürlich —
und das ist das ursprünglichere —
das übersehen auch getadelt werden: das auch unnsern landen eyne schedeliche beswerunge ist, unnd unns durch keyne wege lenger zcuversehin fuget.
beleg von 1454
bei Haltaus 1890;
im entwickelten neuhochd. ist dieser gebrauch aufgegeben. das si uns die börung versehen wolten, aber die part wolten, wir solten die börung geben. Spittendorff 43, 16; wenn man böse wort verhöret, bös und unrecht versehen kan. Luther 2, 361; und kan nicht fried noch ruhe bleiben, wo nicht einer dem andern viel versihet, wo wir nicht einander tragen. 6, 464
a; sie habens keinem versehen, sint der zeit sie zur macht komen sind. 8, 213
b; das keyns dem andern ettwas versehen und zuo gtt kan hallten. 12, 347, 17
Weim. ausg.; aber du erbarmest dich uber alles, denn du hast gewalt uber alles, und versihest der menschen sünde, das sie sich bessern sollen.
weish. Sal. 11, 24; vlêhinde, daʒ er di schult an im vorsêhe mit gedult. Nicolaus von Jeroschin 65
b (9546); man sage was man wil, das solstu dannoch wenden zum besten, wie du kanst, und deines nechsten schuld, bedecken und versehn der schwachheit mit gedult. Opitz 1, 356 (1690); wie du gibst, gibt man dir. gib mir geneigten blick, vielleicht versiht man dir auch ein versehnes stück. Logau 3, 207, 95.
ohne object: wand er im versach durch unsers herren ungemach.
passional 607, 25
Köpke. in verbindung mit verhören: magister Eisleben kann hinterm berge halten, verhören und versehen, lassen holz auf ihm hacken und grosze wetter uber sich gehen, als gingen si
[] ihm nichts an, und stellt sich fröhlich. Luther 61, 32
Erlanger ausg. II@77) Schiller
braucht einmal das reflexive verbum, das sonst bedeutet (
oben I, 9) '
gefaszt sein auf etwas'
im grade entgegengesetzten sinne, die im II.
theile dargestellte negative bedeutung des verbums hat hier in eigenthümlicher weise eingewirkt: eine so biszige bestie, die dir die mädels wie der blitz am rockzipfel hatte, wenn sie sichs versahn (
nicht darauf gefaszt waren, nicht aufpaszten), und zu nah dran vorbey strichen. Schiller 2, 34 (
räuber 1, 2
schauspiel).
ganz vereinzelt ist ein auf niederdeutschem gebiete bezeugter gebrauch: sik wot versaihen,
sich einer sache schämen; wann ik et mi nitt versæge. Woeste
wb. der westfäl. mundart 294
b.