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Versehen

mhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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19 in 13 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Versehen v., trs, rec

Bd. 5, Sp. 367b
Versehen, v. trs. u. rec. unregelm. (s. Sehen). 1) Überhaupt, falsch sehen, und zwar: (1) Aus Unachtsamkeit nicht sehen, bemerken, was man doch sehen oder bemerken sollte und wollte übersehen; eine wenig gebräuchliche Bedeutung. Eine Gelegenheit versehen. Heut, heut ist hohe Zeit! Wer sich erst durch Langsamkeit Auf den Morgen denkt zu fristen, Wird sein Glück und Heil versehen. Gryphius. Noch ungewöhnlicher ist es in uneigentlichem Sinne für übersehen, mit Fleiß nicht sehen, nicht ahnden. »Du versiehest der Menschen Sünde, daß sie sich bessern sollen.« Weish. 11, 24. (2) Unrecht sehen, das Unrechte für das Rechte ansehen; von jeder Verwechslung der Gegenstände aller unsrer anschauenden oder unmittelbaren Erkenntniß; zum Unterschiede von irren, welches bloß den Begriff eines falschen Urtheils enthält, das man mit dem wahren verwechselt, da hingegen in versehen noch der Nebenbegriff Statt findet, daß dies ein anschauendes Urtheil sei, welches aus Mangel der nöthigen Aufmerksamkeit entstanden ist. Besonders, in solcher Unaufmerksamkeit, wo man das Unrechte für das Rechte ansieht, etwas thun, was man nicht thun sollte und wollte. Versehen ist auch verspielt. Ih habe mich versehen, und habe das Unrechte ergriffen. Der Kramer versieht sich, wenn er aus Unachtsamkeit eine Waare für die andere hingiebt, nicht richtig mißt, wägt  I seinem Amte etwas versehen. Etwas Schweres, Wichtiges versehen. Was habe ich denn versehen? Х Er hat es bei ihm versehen, er hat sich in einem Stücke bei ihm versehen und sich dadurch um seine Gunst gebracht. Ih habe es darin versehn, daß ich zu streng war. (3) Sich an etwas versehen, sich durch Sehen desselben einen Nachtheil zuziehen. Man gebraucht es nur in engerer Bedeutung von schwangern Personen, wenn der unvermuthete und ihr Gemüth heftig in Bewegung setzende Anblick eines Dinges, einen ungewöhnlichen bleibenden und nachtheiligen Eindruck auf ihre Leibesfrucht macht. 2) Gleichsam in die Ferne sehen, vorsehen, um das, was nöthig ist zu sehen und es zu verschaffen. Einen mit etwas versehen, ihn in Besitz dessen, was er zur Erreichung einer Absicht nöthig hat, oder was ihm Bedürfniß ist, setzen, wo die Art und Weise wie dies geschieht, ob durch Übergebung in eigner Person oder durch Andere, ob durch Geschenk oder Verkauf  unbestimmt bleibt. Einen zur Reise mit Geld, Lebensmitteln  versehen. Sich mit Vorrath versehen. Der Kaufmann versiehet sich mit Waaren, wenn er sie zum Verkauf anschafft, er versiehet Andere mit Waaren, wenn er sie für Geld überläßt, verkauft. Sich auf den Winter mit Holz versehen. Ih bin jetzt nicht damit versehen, ich habe es jetzt nicht, besitze es nicht. Der Mensch ist mit Augen zum Sehen, mit Ohren zum Hören versehen. I engerer Bedeutung heißt in Baiern, einen versehen, einem Kranken das Abendmahl reichen. I der Schifffahrt heißt das Takelwerk versehen, daran nachsehen, es untersuchen und, wo es nöthig ist, ausbessern, bekleiden, bebindseln und vertheren. So auch, die Nahten versehen. Ein Amt versehen, dasjenige thun, was es verlangt, was mit demselben verbunden ist. Eines Andern Stelle versehen, an seiner Stelle das Nöthige, Erfoderliche thun. I weiterer, aber nicht sehr gewöhnlicher Bedeutung, etwas versehen, etwas als nöthig sehen, erkennen und es verordnen, verfügen. Es ist in den Rechten so versehen. Ad. [] Zum Glück, daß Oberon das Beste schon versah. Wieland. 3) * Ersehen oder ausersehen, bestimmen. »Ein Land, das ich ihnen versehen hatte.« Ezech. 20, 6. »Darum daß Gott etwas Bessers für uns zuvor versehen hat « Ebr. 11, 40. Es kann mir nichts, geschehen, Als was er hat versehen. P. Flemming. Ein armer Mann, versehn zum Graben, Wollt jetzt ein besser Schicksal haben. Gellert. Die Parzen haben uns den Untergang versehen. Günther. 4) Gleichsam vorhersehen, aus wahrscheinlichen Gründen vermuthen, hoffen, erwarten, sowol mit dem vierten als mit dem dritten Falle der Person. Sich einer Sache versehen, sie vermuthen, sie erwarten. »Ih versehe mich deß zu euch Allen,« ich hoffe es von euch, habe das Zutrauen zu euch, daß ihr es thun werdet. 2 Cor. 2, 3; 7, 16. »Wir versehen uns zu euch, daß ihr thut « 2 Thess. 3, 4. Ih habe mich seiner nicht versehen, hatte ihn nicht erwartet, vermuthet. Keiner Untreu er sich versah. Theuerdank, K. 23. Wer hätte sich auch so etwas von ihm versehen. Das hätte ich mir von ihm nicht versehen, hätte ich von ihm nicht vermuthet, erwartet. Ih hätte mir eher des Himmels Einsturz versehen, als deines Besuches. Eh du dir es versiehest, ist es geschehen, ehe du es vermuthest, ehe Du daran denkst. »Ehe er sichs versiehet, will ich die albernen Bücher alle mit einander ins Feuer werfen.« Weiße. Ungewöhnlich ist es, in diesem Falle den vierten Fall der Person zu setzen. Doch, eh' ich michs versah, War er dem Band und mir entgangen. Gellert. Ehemahls gebrauchte man es auch in engerer Bedeutung für, sein Vertrauen auf etwas setzen, sicher glauben. »Firsah er sih in got.« Otfried. »Salig die sich ze imo firsehent.« Notker. Ih habe steif des Herren mich versehen, Auf ihn gehoffet mit Begier. Opiz. Da Er schwig, da versah ih mich Daz Er ein stummer wäre. Iain I, 479. D. Versehen S. d. D. Versehung.
5218 Zeichen · 90 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    versëhenstv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    ver-sëhen stv. BMZ nasal. versenhen Haig. r. 54,7. Wst. 559 1432 —: tr. vorher sehen, vorher ersehen, previdere Dfg. 458…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Versehen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Versehen , verb. irregul. act. & recipr. (S. Adelung Sehen ,) welches nach Maßgebung der Partikel ver, und des einfachen…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    versehen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    versehen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Versehen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Versehen , bei Schwangern die Wirkung eines plötzlichen und heftigen Eindrucks auf die Leibesfrucht, eine unleugbare, ab…

  5. modern
    Dialekt
    versehenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ver-sehen st. : 1. a. einen v. 'mit etwas versorgen'. o. D.: (mit Brot, Fleisch und Wein) genugsam versehen [PfWeist. I …

  6. Spezial
    versehen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    ver|se|hen I vb.tr. 1 (ausüben) eserzité (-tëia) 2 (vollführen) fá (fej, fat) 3 (anbringen) mëte (mët, metü) 4 (übersehe…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit versehen

21 Bildungen · 9 Erstglied · 10 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von versehen

ver- + sehen

versehen leitet sich vom Lemma sehen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von versehen 2 Komponenten

vers+ehen

versehen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

versehen‑ als Erstglied (9 von 9)

Versehen der Schwangern

Meyers

Versehen der Schwangern , die angebliche Einwirkung von Sinnes-, namentlich Gesichtseindrücken Schwangerer auf die Bildung des Fötus. Im Vol…

versehenheit

DWB

versehen·heit

versehenheit , f. , nur selten gewagte bildung: o! versehenheit wider alle göttliche vorsicht ( praetervisum contra providentiam ). Praetori…

versehenlich

DWB

versehen·lich

versehenlich , versehentlich adj. und adv. , vgl. versehlich. ags. forsewenlîce, contemptibly, ignominioosly. Bosworth-Toller, vgl. versehen…

versehenlīche

KöblerMhd

versehenlīche , Adv. nhd. mit Gewissheit zu erwarten, mit Wahrscheinlichkeit zu erwarten Q.: Chr (14./15. Jh.), Cp E.: s. versehen, līche W.…

versehensbock

DWB

versehen·s·bock

versehensbock , m. ' wegwerfende bezeichnung für den ministrantenbuben, der den priester auf versehgängen begleitet '. Unger-Khull steir. wo…

Versehen (Subst.)

Wander

versehen·subst

Versehen (Subst.) Versehen (Subst.). Ein kleines Versehen verdunkelt (verzehrt) oft ein grosses Verdienst. Dän. : En slet forseelse distille…

Versehen (Verb.)

Wander

versehen·verb

Versehen (Verb.) Versehen (Verb.). 1. Einmal versehen ist zu vergeben, aber muthwillige Beharrung ist nicht zu leiden. – Lehmann, 738, 2. 2.…

versehen als Zweitglied (10 von 10)

Polizeiversehen

GWB

polizei·versehen

Polizeiversehen Fehlentscheidung, Fehlverhalten der zuständigen Behörde od der Einsatzkräfte vor Ort bei dem festlichen Feuerwerke [ in Pari…

unversehen

DWB

unver·sehen

unversehen , part. adj. adv. zu versehen I. mhd. unversehen; mnd. unvorsêne, -seine; mnl. onversien; schwed. oförsedd, adv. oförsedt, -seend…

vorherversehen

DWB

vorher·versehen

-versehen , verb. : vorversehen, zuvorversehen ò vorherversehen, predestinare, preordinare Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 754 a . — hie…

vorversehen

DWB

vor·versehen

vorversehen , verb. , predestinare, preordinare Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 754 a ; Rädlein (1711) 1018 b : es zeigt sich seine güt und m…

wohlversehen

DWB

wohl·versehen

wohlversehen , adj. , ausreichend, reichlich versehen, ausgestattet ( mit, in etwas ): mit aller nothdurfft wolversehen seyn to be well prov…

zuversehen

DWB

zuversehen , n. : des zuversehens, der spielende werde diese meine zuschikkung günstig vermerken Harsdörfer gesprächsp. 6, 1 a . —

zuvorversehen

DWB

zuvor·versehen

zuvorversehen , v. , den sterbenden zum ewigen leben versehen Kramer, zuvorversehung, f., wie ' versehgang ' ( südd., katholisch ) Kramer 75…

Ableitungen von versehen (2 von 2)

unversehen

DWB

unversehen , part. adj. adv. zu versehen I. mhd. unversehen; mnd. unvorsêne, -seine; mnl. onversien; schwed. oförsedd, adv. oförsedt, -seend…

unversehenlich

DWB

unversehenlich , -sehentlich , adj. adv. , gs. des veralteten versehenlich, -sehentlich 1. mhd. unversehenlich, -lîche; mnd. unvorsênlik; mn…