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trunken

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trunken partiz.-adj.

Bd. 22, Sp. 1391
trunken, partiz.-adj. , 'betrunken', 'begeistert'. got. drugkans, aisl. drukkenn, ags. druncen, engl. drunk(en), afries. drunken, (m)nl. dronken, as. drunkan, ahd. trunchan, trunkan. der form nach präfixloses partiz. perf. pass. von trinken, das schon urgerm. in aktivischer funktion verwendet wurde und sich als adjektiv in der bedeutung 'ebrius' verselbständigte, eine entwicklung, die noch in historischer zeit bei dem präfigierten getrunken zu beobachten ist, vgl. getrunken 1 b 'betrunken' teil 4, 1, 3, 4567. — im ahd. daneben das adjektiv trunkal (s. Graff 5, 538, Schatz ahd. gramm. s. 72, § 104. — bemerkenswert sind formen mit anlautendem dr- bei autoren alemannischer herkunft: Geiler v. Keisersberg pilgersch. (1512) 19a; Seb. Brant narrensch. 66 Z.; Fischart 2, 335 Kurz. 11) trunken ist bis ins 18. jh. allgemeiner adjektivischer ausdruck für den rauschzustand nach dem genusz geistiger getränke (auch von nikotin). von da an gehört das wort in dieser bedeutung der gehobenen, besonders der poetischen sprache, anderseits aber auch der verwaltungssprache an, während seit der mitte des 18. jhs. in den breiten schichten der umgangssprache betrunken in diesen bedeutungsbereich einrückt, vgl. 'trunken in der höheren schreibart, denn im gemeinen leben ist betrunken üblicher' Voigtel (1793) 3, 430. 1@aa) zu trinken I A 2 a. 'betrunken', vgl. got. jah þaiei drugkanai wairþand, nahts drugkanai wairþand 1. Thess. 5, 7. 1@a@aα) im absoluten gebrauch: temulentam trunchana (8./9. jh.) ahd. gl. 1, 293, 71; madidus (a vino) trunchaner (10./11. jh.) ebda 630, 73; et bibat cum ebriis inti trinkit mit trunkanen Tatian 147, 12 Sievers; vil wînes si sich gein im bewac und machte in trunken aber als ê Mai u. Beaflor 138, 33 Pf.; ain trunkener, bezechter man (16. jh.) niederösterr. weist. 2, 152, 38; (einem kapaun) brot und wein durcheinander vermischt zu essen geben und also truncken machen Sebiz feldbau (1579) 106; diese haben ... in speisen ihnen wein einbracht, darvon sie truncken worden Lohenstein Ibrahim sultan (Breslau o. j.) k 5b; der wein schmeckt wol, macht mich oft truncken in: Forster frische teutsche liedlein 141 ndr.; dich (den herbst) sehn sie, vater des weins, auf deinen trächtigen hügeln von trunkenen, muthigen winzern umtanzt Giseke poet. w. (1767) 109; (an den wein.) wenn er (der sänger) trunkenen leibes aus der wirrnis flieht an des gottes herz J. Weinheber späte krone (1936) 36. in älterer sprache auch von dem rausch nach tabakgenusz, vgl. tabak trinken sp. 583: nimmt ... eine pipe mit tabak, zündet an und trinket solange, bis er ganz trunken, gleichsam entzückt zu boden fället Balde truck. trunkenheit (1658) anh. 206. 1@a@bβ) das getränk, das den rausch verursachte, steht meist in präpositionaler verbindung, in älterer zeit auch im genitiv: potens crapulatus a vino mahtig man, uuines trunchener Notker 2, 322 Piper, dagegen der mahtigo, der von deme wine trunchen ist physiologus in: Hoffmanns fundgr. 1, 23; truncken des weins erste dt. bibel 2, 169 Kurrelmeyer; wenn der vogel trunken wirt von wein Konrad v. Megenberg buch d. natur 222 Pf.; das man vom weine tru(n)cken würd jedermanns jammerkl. (1621) a 4b; truncken vom eilfer lagst unempfindlich meinem kosen Göthe in: Göthejahrb. 11, 5. 1@a@gγ) vielfach, besonders aber in sprichwörtern wird das verhalten des trunkenen charakterisiert. hinweis auf die lösung innerer hemmungen, z. b. der verschwiegenheit: truncken mund redet desz hertzen grund Bas. Faber thes. (1587) 268a; trunckener mund redet die wahrheit Chr. Wolff v. d. menschen tun u. lassen (1720) 312; ein trunckener ist kein gut helfasz, er kan kein heimligkeit verhelen Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, y 7a; was in verschweigenheit vorhin verborgen war, disz macht der trunckne mund auf einmal offenbar H. Lindenborn Diogenes (1742) 1, 43. — das nachlassen der wachsamkeit: gmach inns dorff, die baurn seind truncken sprichw. schöne weise klugreden (1548) 89b. — in vielen variationen erscheint der sprichworttypus trunken ein weiser, nüchtern ein narr. trunken gesündigt, nüchtern gebüszt u. s. w., vgl. Wander 4, 1346: trunckene freud, nüchtern leyd M. Neander dt. sprichw. 26 Latendorf; truncken gestohlen, nüchtern gehangen kern auserlesener sprüch- u. denckwörter (1718) 49; der nüchterne weis nicht, was der trunckene gelobt Zinkgref-Weidner teutscher nation weish. 3 (1653) 49. — die streitsucht des trunkenen: wie man spricht: eim truncken man sol auch ein fudder haw (heu) aus dem wege gehen Luther 19, 418 W.; einem trunckenen (vollen) mann soll ein geladener wage weichen Pistorius thes. paröm. (1715) 496; einem trunckenen musz man offt mehr ehr geben den einem nüchternen Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, t 4a. — die schönfärberei des trunkenen: trunckenen augen sei alles hübsch Zinkgref apophthegm. (1628) 1, 426; ich halte das sprüchwort wird wahr an dir: alle freyer, narren und trunckene sind reich H. A. v. Ziegler Banise (1689) 46; eines trunckenen äcker tragen alle waitzen h. e. ebrius gloriari et res suas iactare solet Pistorius thes. paröm. (1715) 495. — sinnesverwirrung, körperlicher taumel: mancher ist wie ein trunckener bauer, hilfft man ihm auff einer seiten in sattel, so fällt er auff der andern herab Lehman floril. polit. (1662) 1, 409; wer truncken ist, der hat die plerr (augenkrankheit, nebel vor den augen, vgl. plärr teil 7, 1898 und blerr teil 2, 107) ebda 389. 1@a@dδ) einige ältere, z. t. ausgestorbene wendungen. die doppelverbindung voll und trunken ist im 16. jh. reich belegt, vgl. die belege bei voll 9 b teil 12, 2, 561. — sich trunken trinken 'sich betrinken', vgl. oben trinken I E 2 a, sp. 574 und unten trunkentrinker. (in) trunkener weise, in trunkenem mut 'in trunkenem zustand', vgl.mut 3 b teil 6, 2784: temulenter trunckner weysz Cholinus-Frisius (1541) 851a; er hat das trunckener weis gethan potus peccavit, commisit Dentzler (1716) 292a; das er davon (rebensaft) erhitzigt, sich bei dem schlaftrunk inn trunkener weis bei der ... lib göttin Veneri zutäppisch macht Fischart 3, 22 Hauffen; kotzen in der trunknen weisze ... auf einander losz Balde truck. trunkenh. (1658) 64; wer hiewider handelt, es geschehe nüchterner oder trunckener weise, soll ... ohn alle gnade ... gestrafft werden H. v. Fleming vollk. soldat (1726) 139. vielen ist es so gegangen, das sie seind im trunknen muht in des todes strick gefangen Knittel poet. sinnenfr. (1677) 126; leider suchte er ... seine grillen in der flasche zu ersäufen; und so war er eines abends im trunkenen muthe auf der strasze in verdrieszlichkeiten geraten J. Nettelbeck lebensbeschr. 3 (1832) 97. 1@a@eε) verbindungen wie trunkene mette, trunkenes elend u. s. w., in denen trunken sinngemäsz auf den trunkenen menschen zu beziehen ist. trunkene mette 'das erbrechen des säufers', s.mette 2 b teil 6, 2147 (mit belegen aus S. Franck und Fischart), ferner oben trunkemette; meist in der wendung die trunkene mette singen: er fahet an die truncken metten mit den langen noten zu singen J. Agricola 750 t. spr. (1534) 190b; das heist ein trunckne metten gesungen ein newes lied. das lied ist die truncken metten genant (Nürnb., o. j.) a 3a; und deinem gott Bacho mit springen die trunckne metten helffest singen Eyering proverb. cop. (1601) 1, 805. daneben modern soviel wie 'wirtshauslärm': der (Sepp) sprang, als er die trunkene mette hörte, mit einem greulichen fluch vom stroh Ad. Pichler allerlei gesch. aus Tirol (1897) 1, 9. bei südwestdeutschen schriftstellern des 16./17. jhs. findet sich zur bezeichnung der weinerlichen stimmung des trinkers die wendung das trunkene elend (be)weinen, zu elend 2 teil 3, 409: etliche (trinker) weinen das truncken ellend ... so sie foll weins werden Geiler v. Keisersberg sünden d. munds (1518) 9a; Grimmelshausen 2, 396 Keller. die wendung scheint sich nur im schweiz. erhalten zu haben, vgl. das trunkene elend ... wie man landesüblich das weinen der betrunkenen nennt G. Keller ges. w. (1889) 8, 193; Seiler Basel 86; Hunziker Aargau 62. truncken litanei, truncken gespräch, sieh unten trunkenlitanei, -gespräch. trunkner traum 'traum eines betrunkenen': reden sie auch davon wie ein schlefferiger trunckenbold ... wie kan man hie anders zu sagen, denn das es kome aus eigenem mutwilligem getichte oder aus einem truncken traum Luther 30, 2, 466 W. — trunkner abend 'abend des rausches' u. ä.: den ichs acht, die bulle sey auf einenn truncken abent odder in den hundtstagen gemacht Luther 6, 618 W.; wo weiber heulen und weinen, die spieler schweren bey stein und beinen, die bawren beten bey trunckener nacht, geschicht alles ohn andacht Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, U u u 4a; ... Thrax, der jeden tag zu trunknen festen weihet v. Cronegk schr. (1766) 2, 102. — trunknes lied 'trinklied': sie schwingen volle becher und singen trunkne lieder Uhland ged. (1898) 1, 313. vgl. noch belege wie: ich trincke safft von truncknen reben Opitz opera (1690) 3, 18; von trunkenen hügeln quillt der Cypriertrank Hölderlin 1, 219 Litzmann. in bildlicher redeweise wird das schwert (auch andere waffen) trunken (von blut) genannt, vgl. trinken I B 2 g, sp. 562; und (gott) taucht sein (des krieges) schwerdt in blut und machts vom blute trunken Giseke poet. w. (1767) 8; und du, o trunkner stahl! verirrter dolch! v. Schönaich in: d. neueste a. d. anmutigen gelehrsamkeit (1751) 5, 56 Gottsched 1@bb) 'trunksüchtig', zu trinken I A 2 b, vgl. gulosus trunchener (12. jh.) ahd. gl. 3, 141, 53; ebriosus truncken (1517) Diefenbach 193c; (der) pfarrer ... was ein truncken mensch, teglich vol (16. jh.) städtechron. 15, 127; die zuovor jedermann zuor unzucht gedienet und eine trunckene, auch sonst in allen lastern ersoffene frau war L. Rabus hist. d. märtyrer (1571) 220a; ein trunckenen regenten musz ein gansz landt entgelten Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, y 5b; die gnade Christi ... kann ... trunkne wüstlinge nüchtern und weise machen Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 176. sprichwörtlich war die trunksucht der Deutschen: sprich nur du auch also, daz die Deuczen truncken sein qu. v. 1423 in: Bayerns mundarten 2, 435; was darynnen (in Deutschland) die Romer suchen, sollen die truncken Deutschen nit vorstehen Luther 6, 416 W. trunkener bruder 'saufbruder': allezeit ein trunckener bruder seyn Lorichius paedagogia principum (1595) 159; inn öbern dorff sind zwen neue orden auskomen, das haben wir trunckene brüder wol vernomen bergreihen 67 ndr. in derselben bedeutung trunkene sau, trunkene flasche, vgl. ein trunckener kerl, eine trunckene sau, eine trunckene bestie Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1146b; Deutsche sind trunckene sewe Luther 24, 719 W.; nasse knaben, druncken fleschen mit bosem wasser sindt geweschen Th. Murner schelmenzunft 99, 37 Spanier. trunkener bolz trunkenbold, vgl. s. v. bolz 8 teil 2, 235 und trunkenbold (trunkenbolz), sp. 1396: die frawen, die böse mann haben, trunckene böltz Keisersberg brösamlin (1577) 1, 56b; es würt dir auch also gon, als es einem truncknen boltz gieng Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 40d; schwelger und trunckner boltz bibel (Zürich 1531) deut. 21, 20; Salomon, Samson, aff und schwein, ein jeder trunckener boltz wil sein Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) E 2b; einer strafte ein truncknen poltz Abele gerichtshändel (1654) 122. vgl. mhd.: seht umb den trunken bozen! sin wisheit ist en zwei in: minnesinger 2, 387a v. d. Hagen. trunkenes leben 'trinkerleben', vgl. ein truncken läben füeren bacchanalia vivere Maaler (1561) 410 und trunckenes leben bacchationes diurnae atque nocturnae, perpotatio Dentzler (1716) 292a: er geht verloren in wüstem trunkenem leben Heinrich Laube ges. schr. (1875) 16, 45. trunkene weise 'trunksucht': er was ein irrdisch paradysz, ee das er gwan die truncken wysz H. R. Manuel weinspiel 2661 ndr.; ob er sich doch ... wolte ... seiner drunckenen weyss maszen (entschlagen) Montanus schwankb. 340 Bolte. 22) alt ist die anwendung von trunken auf gemütszustände und verhaltungsweisen, die mit den beim alkoholrausch zu beobachtenden ähnlichkeit haben. 2@aa) rein psychische zustände. 2@a@aα) dem gefühlsaufschwung des weinrausches entspricht die anwendung auf seelische hochstimmungen, 'verzückt, begeistert': ir herze und ir getriuwer sin von liebe wâren trunken Konrad v. Würzburg troj. krieg 10121. seit dem 14. jh. bei mystischer ekstase und, allgemeiner, bei religiöser andacht: vier froede, die diu sele enpfahet, so si trunken wirt von der hohen gotheit Christi (14. jh.) in: altdt. pred. 171 Wackern.; sy (die seele) spricht: ich bin doch din (Christi) trunken, wa ich gon Christus u. d. minn. seele 1095 Banz; also geschicht dick ainem menschen, der truncken ist worden von der göttlichen gnad Geiler v. Keisersberg pred. (1508) 24b; mache mich doch truncken in deiner liebe Spee güld. tugendbuch (1649) 272; ihr lüste dieser erde, verstopfet euren quell, wovon ich trunken werde, ist mein Immanuel B. Neukirch ged. (1744) 47; ... wenn ich von gluth und andacht trunken Zach. Werner M. Luther (1807) 262. von leidenschaftlicher gemütsbewegung allgemein: wenn einer leiblich vom wein truncken ist, der ist ein gut furbilde zweyerley ander trunckenheit. eine ist, wenn yemand fur grosser lust truncken wird; die ander, wenn yemand fur grossem schmertzen truncken ist Luther 19, 417 W.; keyser Sigmund wird vor freuden truncken Seb. Franck chron. Germ. (1538) 230b; weil je einer in desz andern lieb truncken war Grimmelshausen Simpl. 381 Scholte; ... sterbliche, die ihr von wollust truncken J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 279; dasz Ovidius und andere ihre chronicken und geschichte, wenn sie von ihrem heldengeist truncken waren, viel stattlicher und prächtiger ausgeputzet Zinzendorf kl. schr. (1740) 1, 44. dieser anwendungsbereich verbreitert sich ungemein, als in der Klopstockzeit die empfindsame seite der dichtkunst in den vordergrund rückt: mein geist hebt sich ... auf die hügel der ruh, wos von entzückungen taumelnd schwebt um mein trunknes haupt Klopstock oden 1, 50 M.-P.; wenn sie, dasz sie geliebt wird, trunken von liebe, sichs denkt ebda 113; was vor empfindungen, was vor begeisterung zog seine trunkne seel aus ihren blicken Wieland I 1, 364 akad.-ausg.; ... trunken vor seligkeit J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 152; trunken müssen wir alle sein! Göthe 6, 204 W., die ideale sind zerronnen, die einst das trunkne herz geschwellt Schiller 11, 23 G.; trunken von sonne und blut stürm ich aus felsigem haus Stefan George d. siebente ring (1909) 36. weiterhin: es (drama Pygmalion) wirkte wie alles, was in Frankreich gefällt, wie eine art zauberei. Paris strömte trunken dahin H. P. Sturz schr. (1779) 1, 170; Richelieu wurde trunken vor entzücken, als er die einnahme Breysachs vernahm Fr. Hebbel s. w. 9, 189 Werner. häufige verbindungen trunknes auge, trunkner blick, trunkner sinn: (sie) bemerkten immer mehr menschliches an demjenigen, den seine schönheit in ihren trunknen augen vergöttert hatte Wieland Agathon (1766) 1, 10; bald aber wird er nahn, euch (Isolda) sehn, besitzen — betrachten, was ihm ward, mit trunknem blick Ed. Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 72; jede (freude) färbte, lieblicher im scheiden, mit erinnrung meinen trunknen sinn Novalis schr. 1, 145 Minor. in dichterischer sprache wird von naturdingen die leidenschaftliche bewegtheit ausgesagt, die eigentlich dem menschen zugehört: sieh, wie die trunknen auen blühn ... wär unser herz von eckel leer, so würde bald ein wollustmeer aus jedem hügel in uns flieszen A. v. Haller ged. (1750) 154; es liegt ein trunkener abendschein rothdämmernd über den gipfeln Geibel w. (1888) 1, 53. 2@a@bβ) die störungen des urteilsvermögens im rauschzustand geben anlasz zu einer anwendung von trunken fast im sinne von 'verwirrt, bestürzt, verblendet', bei vorstellungsinhalten 'trügerisch'. auszugehen ist von fällen wie: das ich meyne, könig Heynrich (von England) trewme odder sey truncken, der selbs nicht wisse, was er sagt Luther 10, 2, 242 W., oder ich byn itzt nicht truncken noch unbedacht, ich weis, was ich rede ebda 26, 500. sodann: ich glaube, er sei in sünden gar trunken, dasz er sich nicht kennet J. Böhme s. w. 7, 220 Schiebler; andere aber waren von den meinungen, die einer jeden secte eigen sind, so trunken, dasz keine sonst gewöhnliche mittel zu ihrer überzeugung hinlänglich waren A. G. Spangenberg leben Zinzendorfs (1774) 1403; der bleichen schiffer kniee wanken (im seesturm), sie taumeln trunken, ohne rath J. A. Schlegel verm. ged. (1788) 1, 47; vergasz ich ganz in meinem trunknen wahn, das hindernisz, das uns auf ewig trennt? Schiller 15, 1, 21 G.; war die hoffnung trunken, in die du dich einwiegtest? H. L. Wagner theaterstücke (1779) 35. 2@a@gγ) entsprechend dem sättigungsgefühl des rauschzustandes schwingt öfter eine bedeutungsfärbung wie 'ersättigt, zugleich ermattet' mit: ich will von deinen (der Venus) gaben recht satt und truncken sein S. Dach in: ged. d. Königsberger dichterkreises 19 ndr.; ach welche süszigkeit! von lieb und wollust trunken schläft dann mein mattes haupt von seiner unruh ein Lenz ged. 114 Weinhold; ihr holden schwäne, und trunken von küssen tunkt ihr das haupt ins heilignüchterne wasser Hölderlin s. w. 4, 60 v. Hellingrath; von da (Heilbronn) nach Stuttgard wird man von der einförmigkeit einer glücklichen cultur beynah trunken und ermüdet Göthe IV 12, 286 W. 2@bb) seltener nimmt der übertragene gebrauch auf die rein physiologischen auswirkungen des rausches bezug. 'taumelnd, schwindlig': lasz um des lichtes quelle die trunkne fliege schwirren Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 113; die frauen drehen sich (im tanz), bis sie trunken werden Raupach dram. w. kom. gattung (1829) 4, 88; dronken taumelig Jensen nordfries. 82; dronken schwindlig lux. wb. 73. 33) eine vereinzelte bedeutung 'berauschend, trunkenmachend' scheint sich zu ergeben aus folgender glossierung: sicera drunckin dranck (15. jh.) Diefenbach 532c. vgl. hierzu trunkenbeere, trunkenkorn, trunkenweizen als 'trunkenmachende' pflanzen.
18149 Zeichen · 415 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    trunkenptc. adj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    trunken ptc. adj. trunken, betrunken. trunkene liute Vrid. 94,5. einen trunken machen Am. 1524. Mai 138,33. trunken lige…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trunken

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Trunken , -er, -ste, adj. et adv. von trinken, doch nur in dessen engerer Bedeutung, im Trinken, das Maß der Nothdurft o…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    trunken

    Goethe-Wörterbuch

    trunken [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Trunken

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Trunken s. Trinken(s) 2 b.

  5. Sprichwörter
    Trunken

    Wander (Sprichwörter)

    Trunken 1. Der ist noch nicht trunken, der ein Bein heben kann, wenn er im Graben liegt. Holl. : Hij is nog niet dronken…

  6. Spezial
    trunken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    trun|ken adj. 1 ciurn (-s, -a), amatí (-tis, -ida) 2 cioch (cioc, cioca), boiü (-s, -da). ▬ trunken machen incioché; fá …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit trunken

71 Bildungen · 48 Erstglied · 16 Zweitglied · 7 Ableitungen

Zerlegung von trunken 2 Komponenten

tru+n+ken

trunken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

trunken‑ als Erstglied (30 von 48)

Trunkenbold

SHW

Trunken-bold Band 1, Spalte 1787-1788

trunkenbeere

DWB

trunken·beere

trunkenbeere Holl 155 a ; die trunkenbeeren, eine art, ähnlich den schwarzen oder blauen besingen ... machen das bier stark, bereiten aber w…

Trunkenbold

Pfeifer_etym

trunken·bold

trunken Part.adj. ‘berauscht, betrunken’, übertragen ‘ganz erfüllt, begeistert von etw.’, ahd. trunkan (um 800), mhd. trunken, asächs. drunk…

trunkenbolderei

DWB

trunkenbold·e·rei

trunkenbolderei , f. , sauferei: ( das zutrinken ) nach festgestellten regeln eingewurzelter trunkenboldereien B. Weber Tirol u. d. reform. …

trunkenboldisch

DWB

trunkenbold·isch

trunkenboldisch , adj. , ' nach art eines trunkenboldes ': wie ein trunkenbold und ... ebenso trunkenboldisch E. M. Arndt an Johanna Motherb…

trunkenboldschaft

DWB

trunkenbold·schaft

trunkenboldschaft , f. , das trunkenheitslaster: die laster, und zwar das zu viel thut, heist ebriositas, die trunckenboldschafft Weigel tug…

trunkenboldsrolle

DWB

trunkenbold·s·rolle

trunkenboldsrolle , f. : wie er an dem dünnen humor einer trunkenboldsrolle ... sich ... berauschen kann Gaudy s. w. (1844) 6, 38 . —

trunkenboldstat

DWB

trunkenbold·stat

trunkenboldstat , f. : verdacht ... die trunkenboldsthaten ... ausgeführt zu haben tägl. rundschau ( Berlin 1899), unterh.-beil. 360 b .

trunkenbolt

Lexer

trunken·bolt

trunken-bolt stm. BMZ trunkenbold Msh. 2,197 b . Mgb. 44,28. 46,12. Mone schausp. 2,333. Kolm. 196,1. 8. Kell. erz. 261,20. Lcr. 40,1195. pl…

trunkenbolz

DWB

trunken·bolz

trunkenbold , trunkenbolz , m. , ' trinker, saufbruder '. zur wortbildung vgl. hetzebold, narrbold , tückebold und bold teil 2, 229. dasz es…

trunkenbōze

KöblerMhd

trunkenbōze , sw. M. nhd. Trunkenbold Q.: LexerHW (1. Hälfte 14. Jh.) E.: s. trunken, bōze W.: nhd. DW- L.: Lexer 232c (trunkenbōze), LexerH…

Trunkene (der)

Wander

trunken·eder

Trunkene (der) 1. Dem Trunkenen leuchtet das Licht nicht, es blendet ihn. Böhm. : Opilý svicky nepostaví, ale svalí. ( Čelakovsky, 139. ) 2.…

trunkenei

DWB

trunk·e·nei

trunkenei , f. , betrunkenheit: in söllicher vihischer trunkenei (1542) Fischer schwäb. wb. 6, 1782 .

trunkenfröhlich

DWB

trunken·froehlich

trunkenfröhlich , adj. : die zecher lachten trunkenfröhlich der nacht in die glänzenden augen J. Krebs d. mod. Rübezahl (1837) 2, 25 . —

trunkenfrucht

DWB

trunken·frucht

trunkenfrucht , f. , pflanzenname im luxemb.: dronke frucht taumellolch Gangler 119 ; lux. ma. 72. s. trunkenbeere , -korn, -weizen. —

trunkengespräch

DWB

trunken·gespraech

trunkengespräch , n. , aus dem titel des berühmten 8. kapitels von Fischarts geschichtsklitterung: das truncken gespräch, oder die gesprächi…

trunkenhaft

DWB

trunken·haft

trunkenhaft , adj. , berauschend: der wîn ist süeze trunkenhaft. er machet luoder unde spil der Marner 141 Strauch; auch von der wunden sein…

trunkenheit

DWB

trunken·heit

trunkenheit , f. , ' rausch, trunksucht ', abstraktbildung zu trunken. ags. druncanhad, ahd. drunkanheit. das -i- abstractum zu trunken ( go…

trunkenheit

FWB

1. ›durch übermäßigen Alkoholgenuss hervorgerufener Rauschzustand, der unsittliches Verhalten und Zügellosigkeit bedingt‹; in religiösen wie…

trunkenirr

DWB

trunken·irr

trunkenirr , adj. , irr, verwirrt im entzücken, s. trunken 2: mit trunkenirren blicken Immermann 3, 43 Boxb. —

trunkenkorn

DWB

trunken·korn

trunkenkorn , n. , ein pflanzenname, luxemb. dronkekoir, -kâr taumellolch Gangler 119 ; lux. ma. 72. s. auch trunkenfrucht, -weizen. —

trunkenlitanei

DWB

trunken·litanei

trunkenlitanei , f. , im titel des 8. kapitels von Fischarts geschichtsklitterung, sieh die stelle oben bei trunkengespräch. wie trunckenzec…

trunkenlīche

KöblerMhd

trunkenlīche , Adv. nhd. „trunkenlich“, trunken, im Rausch Q.: Neidh (1. Hälfte 13. Jh.) E.: s. trunkenlich, līche W.: s. nhd. (ält.) trunkl…

trunkenmachend

DWB

trunkenmachend , part.-adj. , ' berauschend ': ein schöner, starcker, lieblicher und trunckenmachender tranck insul Formosa (1696) 39 Oleari…

trunken als Zweitglied (16 von 16)

betrunken

Pfeifer_etym

bet·runken

trinken Vb. ‘Flüssigkeit zu sich nehmen’, ahd. trinkan (8. Jh.), mhd. trinken, asächs. drinkan, mnd. drinken, auch ‘ertrinken’, mnl. nl. dri…

ertrunken

KöblerMhd

ert·runken

ertrunken , (Part. Prät.=)Adj. nhd. ertrunken Vw.: s. un- Hw.: vgl. mnd. erdrunken Q.: DreiMärlein (Mitte 13. Jh.) E.: s. er, trinken W.: nh…

getrunken

DWB

get·runken

getrunken , participiales adjectiv zu trinken, getrinken ( s. d. ). die isolierung vom verbalstamm bewegt sich nach zwei entgegengesetzten r…

schlaftrunken

DWB

schlaf·trunken

schlaftrunken , adj. von schlaf gleichsam trunken, berauscht, gewöhnlich vom erwachten, der noch nicht ganz munter ist, doch auch vom übermü…

sturzbetrunken

RDWB1

sturz·betrunken

sturzbetrunken пьяный в стельку идиом. , разг. , пьяный в доску идиом. , разг. , пьяный в сосиску идиом. , разг. , пьяный в дым идиом. , раз…

unertrunken

Lexer

un-ertrunken part. adj. daʒ schef was unertrunken Apoll. ( Goth. hs. ) 6769.

ungetrunken

Lexer

ung·e·trunken

un-getrunken part. adj. BMZ der nichts getrunken hat, impotus Dfg. 289 c . Nib. Krone (1797. 26997. 29323). Pass. Msf. 23, 14. Bit. 12707. O…

volltrunken

DWB

voll·trunken

-trunken , part. , s. voll 9 sp. 560 ff.; inti mit thiu sie voltruncane sint Tat. 45, 7.

wāntrunken

KöblerMhd

wān·trunken

wāntrunken , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „wahntrunken“, vom Wahn berauscht Q.: Mechth (1343-1345) E.: s. wān, trunken W.: nhd. wahntrunken, (Par…

übertrunken

KöblerMhd

übertrunken , (Part. Prät.=)Adj. nhd. übermäßig betrunken ÜG.: lat. crapulatus PsM Q.: PsM (vor 1190) (FB übertrunken) E.: s. übertrinken (1…

Ableitungen von trunken (7 von 7)

betrunken

Pfeifer_etym

trinken Vb. ‘Flüssigkeit zu sich nehmen’, ahd. trinkan (8. Jh.), mhd. trinken, asächs. drinkan, mnd. drinken, auch ‘ertrinken’, mnl. nl. dri…

Betrunkene

LDWB2

Be|trun|ke|ne m./f. (-n,-n) cioch(-ca) m.(f.) , ciochera (-res) m.(f.) ✒ ein Wütender, ein Betrunkener, ein Verrückter: alle drei gleich n d…

ertrunken

KöblerMhd

ertrunken , (Part. Prät.=)Adj. nhd. ertrunken Vw.: s. un- Hw.: vgl. mnd. erdrunken Q.: DreiMärlein (Mitte 13. Jh.) E.: s. er, trinken W.: nh…

getrunken

DWB

getrunken , participiales adjectiv zu trinken, getrinken ( s. d. ). die isolierung vom verbalstamm bewegt sich nach zwei entgegengesetzten r…

Trunkene

GWB

Trunkene [bisher nicht publizierter Wortartikel]

untrunken

BWB

untrunken Band 4, Spalte 4,517

vertrunken

DWB

vertrunken und vertrunkenheit s. vertrinken 4 a, b. —