trunken,
partiz.-adj. , '
betrunken', '
begeistert'.
got. drugkans,
aisl. drukkenn,
ags. druncen,
engl. drunk(en),
afries. drunken, (
m)
nl. dronken,
as. drunkan,
ahd. trunchan, trunkan.
der form nach präfixloses partiz. perf. pass. von trinken,
das schon urgerm. in aktivischer funktion verwendet wurde und sich als adjektiv in der bedeutung '
ebrius'
verselbständigte, eine entwicklung, die noch in historischer zeit bei dem präfigierten getrunken zu beobachten ist, vgl. getrunken 1 b '
betrunken'
teil 4, 1, 3, 4567. —
im ahd. daneben das adjektiv trunkal (
s. Graff 5, 538, Schatz
ahd. gramm. s. 72, § 104. —
bemerkenswert sind formen mit anlautendem dr-
bei autoren alemannischer herkunft: Geiler v. Keisersberg
pilgersch. (1512) 19
a; Seb. Brant
narrensch. 66
Z.; Fischart 2, 335
Kurz. 11) trunken
ist bis ins 18.
jh. allgemeiner adjektivischer ausdruck für den rauschzustand nach dem genusz geistiger getränke (
auch von nikotin).
von da an gehört das wort in dieser bedeutung der gehobenen, besonders der poetischen sprache, anderseits aber auch der verwaltungssprache an, während seit der mitte des 18.
jhs. in den breiten schichten der umgangssprache betrunken
in diesen bedeutungsbereich einrückt, vgl. 'trunken
in der höheren schreibart, denn im gemeinen leben ist betrunken
üblicher' Voigtel (1793) 3, 430. 1@aa)
zu trinken I A 2 a. '
betrunken',
vgl. got. jah þaiei drugkanai wairþand, nahts drugkanai wairþand
1. Thess. 5, 7. 1@a@aα)
im absoluten gebrauch: temulentam trunchana (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 293, 71;
madidus (
a vino) trunchaner (10./11.
jh.)
ebda 630, 73;
et bibat cum ebriis inti trinkit mit trunkanen
Tatian 147, 12
Sievers; vil wînes si sich gein im bewac und machte in trunken aber als ê
Mai u. Beaflor 138, 33
Pf.; ain trunkener, bezechter man (16.
jh.)
niederösterr. weist. 2, 152, 38; (
einem kapaun) brot und wein durcheinander vermischt zu essen geben und also truncken machen Sebiz
feldbau (1579) 106; diese haben ... in speisen ihnen wein einbracht, darvon sie truncken worden Lohenstein
Ibrahim sultan (
Breslau o. j.) k 5
b; der wein schmeckt wol, macht mich oft truncken
in: Forster
frische teutsche liedlein 141
ndr.; dich (
den herbst) sehn sie, vater des weins, auf deinen trächtigen hügeln von trunkenen, muthigen winzern umtanzt Giseke
poet. w. (1767) 109; (
an den wein.) wenn er (
der sänger) trunkenen leibes aus der wirrnis flieht an des gottes herz J. Weinheber
späte krone (1936) 36.
in älterer sprache auch von dem rausch nach tabakgenusz, vgl. tabak trinken
sp. 583: nimmt ... eine pipe mit tabak, zündet an und trinket solange, bis er ganz trunken, gleichsam entzückt zu boden fället
Balde truck. trunkenheit (1658)
anh. 206. 1@a@bβ)
das getränk, das den rausch verursachte, steht meist in präpositionaler verbindung, in älterer zeit auch im genitiv: potens crapulatus a vino mahtig man, uuines trunchener Notker 2, 322
Piper, dagegen der mahtigo, der von deme wine trunchen ist
physiologus in: Hoffmanns
fundgr. 1, 23; truncken des weins
erste dt. bibel 2, 169
Kurrelmeyer; wenn der vogel trunken wirt von wein Konrad v. Megenberg
buch d. natur 222
Pf.; das man vom weine tru(n)cken würd
jedermanns jammerkl. (1621) a 4
b; truncken vom eilfer lagst unempfindlich meinem kosen Göthe
in: Göthejahrb. 11, 5. 1@a@gγ)
vielfach, besonders aber in sprichwörtern wird das verhalten des trunkenen
charakterisiert. hinweis auf die lösung innerer hemmungen, z. b. der verschwiegenheit: truncken mund redet desz hertzen grund Bas. Faber
thes. (1587) 268
a; trunckener mund redet die wahrheit Chr. Wolff
v. d. menschen tun u. lassen (1720) 312;
ein trunckener ist kein gut helfasz, er kan kein heimligkeit verhelen Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, y 7
a; was in verschweigenheit vorhin verborgen war, disz macht der trunckne mund auf einmal offenbar H. Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 43. —
das nachlassen der wachsamkeit: gmach inns dorff, die baurn seind truncken
sprichw. schöne weise klugreden (1548) 89
b. —
in vielen variationen erscheint der sprichworttypus trunken ein weiser, nüchtern ein narr. trunken gesündigt, nüchtern gebüszt
u. s. w., vgl. Wander 4, 1346: trunckene freud, nüchtern leyd
M. Neander
dt. sprichw. 26
Latendorf; truncken gestohlen, nüchtern gehangen
kern auserlesener sprüch- u. denckwörter (1718) 49; der nüchterne weis nicht, was der trunckene gelobt Zinkgref-Weidner
teutscher nation weish. 3 (1653) 49. —
die streitsucht des trunkenen: wie man spricht: eim truncken man sol auch ein fudder haw (
heu) aus dem wege gehen Luther 19, 418
W.; einem trunckenen (vollen) mann soll ein geladener wage weichen Pistorius
thes. paröm. (1715) 496; einem trunckenen musz man offt mehr ehr geben den einem nüchternen Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, t 4
a. —
die schönfärberei des trunkenen: trunckenen augen sei alles hübsch Zinkgref
apophthegm. (1628) 1, 426; ich halte das sprüchwort wird wahr an dir: alle freyer, narren und trunckene sind reich H. A. v. Ziegler
Banise (1689) 46; eines trunckenen äcker tragen alle waitzen
h. e. ebrius gloriari et res suas iactare solet Pistorius
thes. paröm. (1715) 495. —
sinnesverwirrung, körperlicher taumel: mancher ist wie ein trunckener bauer, hilfft man ihm auff einer seiten in sattel, so fällt er auff der andern herab Lehman
floril. polit. (1662) 1, 409; wer truncken ist, der hat die plerr (
augenkrankheit, nebel vor den augen, vgl. plärr teil 7, 1898
und blerr
teil 2, 107)
ebda 389. 1@a@dδ)
einige ältere, z. t. ausgestorbene wendungen. die doppelverbindung voll und trunken
ist im 16.
jh. reich belegt, vgl. die belege bei voll 9 b
teil 12, 2, 561. — sich trunken trinken '
sich betrinken',
vgl. oben trinken I E 2 a,
sp. 574
und unten trunkentrinker. (in) trunkener weise, in trunkenem
mut '
in trunkenem zustand',
vgl.mut 3 b
teil 6, 2784:
temulenter trunckner weysz Cholinus-Frisius (1541) 851
a; er hat das trunckener weis gethan
potus peccavit, commisit Dentzler (1716) 292
a; das er davon (
rebensaft) erhitzigt, sich bei dem schlaftrunk inn trunkener weis bei der ... lib göttin Veneri zutäppisch macht Fischart 3, 22
Hauffen; kotzen in der trunknen weisze ... auf einander losz
Balde truck. trunkenh. (1658) 64; wer hiewider handelt, es geschehe nüchterner oder trunckener weise, soll ... ohn alle gnade ... gestrafft werden H. v. Fleming
vollk. soldat (1726) 139. vielen ist es so gegangen, das sie seind im trunknen muht in des todes strick gefangen Knittel
poet. sinnenfr. (1677) 126; leider suchte er ... seine grillen in der flasche zu ersäufen; und so war er eines abends im trunkenen muthe auf der strasze in verdrieszlichkeiten geraten J. Nettelbeck
lebensbeschr. 3 (1832) 97. 1@a@eε)
verbindungen wie trunkene
mette, trunkenes elend
u. s. w., in denen trunken
sinngemäsz auf den trunkenen menschen zu beziehen ist. trunkene mette '
das erbrechen des säufers',
s.mette 2 b
teil 6, 2147 (
mit belegen aus S. Franck
und Fischart),
ferner oben trunkemette;
meist in der wendung die trunkene mette singen: er fahet an die truncken metten mit den langen noten zu singen J. Agricola 750
t. spr. (1534) 190
b; das heist ein trunckne metten gesungen
ein newes lied. das lied ist die truncken metten genant (
Nürnb., o. j.) a 3
a; und deinem gott Bacho mit springen die trunckne metten helffest singen Eyering
proverb. cop. (1601) 1, 805.
daneben modern soviel wie '
wirtshauslärm': der (
Sepp) sprang, als er die trunkene mette hörte, mit einem greulichen fluch vom stroh Ad. Pichler
allerlei gesch. aus Tirol (1897) 1, 9.
bei südwestdeutschen schriftstellern des 16./17.
jhs. findet sich zur bezeichnung der weinerlichen stimmung des trinkers die wendung das trunkene elend (be)weinen,
zu elend 2
teil 3, 409: etliche (
trinker) weinen das truncken ellend ... so sie foll weins werden Geiler v. Keisersberg
sünden d. munds (1518) 9
a; Grimmelshausen 2, 396
Keller. die wendung scheint sich nur im schweiz. erhalten zu haben, vgl. das trunkene elend ... wie man landesüblich das weinen der betrunkenen nennt G. Keller
ges. w. (1889) 8, 193; Seiler
Basel 86; Hunziker
Aargau 62.
truncken litanei, truncken gespräch,
sieh unten trunkenlitanei, -gespräch. trunkner traum '
traum eines betrunkenen': reden sie auch davon wie ein schlefferiger trunckenbold ... wie kan man hie anders zu sagen, denn das es kome aus eigenem mutwilligem getichte oder aus einem truncken traum Luther 30, 2, 466
W. — trunkner abend '
abend des rausches'
u. ä.: den ichs acht, die bulle sey auf einenn truncken abent odder in den hundtstagen gemacht Luther 6, 618
W.; wo weiber heulen und weinen, die spieler schweren bey stein und beinen, die bawren beten bey trunckener nacht, geschicht alles ohn andacht Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, U u u 4
a; ... Thrax, der jeden tag zu trunknen festen weihet v. Cronegk
schr. (1766) 2, 102. — trunknes lied '
trinklied': sie schwingen volle becher und singen trunkne lieder Uhland
ged. (1898) 1, 313.
vgl. noch belege wie: ich trincke safft von truncknen reben Opitz
opera (1690) 3, 18; von trunkenen hügeln quillt der Cypriertrank Hölderlin 1, 219
Litzmann. in bildlicher redeweise wird das schwert (
auch andere waffen) trunken (von blut)
genannt, vgl. trinken I B 2 g,
sp. 562; und (
gott) taucht sein (
des krieges) schwerdt in blut und machts vom blute trunken Giseke
poet. w. (1767) 8; und du, o trunkner stahl! verirrter dolch! v. Schönaich
in: d. neueste a. d. anmutigen gelehrsamkeit (1751) 5, 56
Gottsched 1@bb) '
trunksüchtig',
zu trinken I A 2 b,
vgl. gulosus trunchener (12.
jh.)
ahd. gl. 3, 141, 53;
ebriosus truncken (1517) Diefenbach 193
c; (
der) pfarrer ... was ein truncken mensch, teglich vol (16.
jh.)
städtechron. 15, 127; die zuovor jedermann zuor unzucht gedienet und eine trunckene, auch sonst in allen lastern ersoffene frau war L. Rabus
hist. d. märtyrer (1571) 220
a; ein trunckenen regenten musz ein gansz landt entgelten Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, y 5
b; die gnade Christi ... kann ... trunkne wüstlinge nüchtern und weise machen Schubart
leben u. gesinn. (1791) 1, 176.
sprichwörtlich war die trunksucht der Deutschen: sprich nur du auch also, daz die Deuczen truncken sein
qu. v. 1423
in: Bayerns mundarten 2, 435; was darynnen (
in Deutschland) die Romer suchen, sollen die truncken Deutschen nit vorstehen Luther 6, 416
W. trunkener bruder '
saufbruder': allezeit ein trunckener bruder seyn Lorichius
paedagogia principum (1595) 159; inn öbern dorff sind zwen neue orden auskomen, das haben wir trunckene brüder wol vernomen
bergreihen 67
ndr. in derselben bedeutung trunkene sau, trunkene flasche, vgl. ein trunckener kerl, eine trunckene sau, eine trunckene bestie Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1146
b; Deutsche sind trunckene sewe Luther 24, 719
W.; nasse knaben, druncken fleschen mit bosem wasser sindt geweschen Th. Murner
schelmenzunft 99, 37
Spanier. trunkener bolz trunkenbold, vgl. s. v. bolz 8
teil 2, 235
und trunkenbold (trunkenbolz),
sp. 1396: die frawen, die böse mann haben, trunckene böltz Keisersberg
brösamlin (1577) 1, 56
b; es würt dir auch also gon, als es einem truncknen boltz gieng Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 40
d; schwelger und trunckner boltz
bibel (
Zürich 1531)
deut. 21, 20; Salomon, Samson, aff und schwein, ein jeder trunckener boltz wil sein Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) E 2
b; einer strafte ein truncknen poltz Abele
gerichtshändel (1654) 122.
vgl. mhd.: seht umb den trunken bozen! sin wisheit ist en zwei
in: minnesinger 2, 387
a v. d. Hagen. trunkenes leben '
trinkerleben',
vgl. ein truncken läben füeren
bacchanalia vivere Maaler (1561) 410
und trunckenes leben
bacchationes diurnae atque nocturnae, perpotatio Dentzler (1716) 292
a: er geht verloren in wüstem trunkenem leben Heinrich Laube
ges. schr. (1875) 16, 45.
trunkene weise '
trunksucht': er was ein irrdisch paradysz, ee das er gwan die truncken wysz H. R. Manuel
weinspiel 2661
ndr.; ob er sich doch ... wolte ... seiner drunckenen weyss maszen (
entschlagen) Montanus
schwankb. 340
Bolte. 22)
alt ist die anwendung von trunken
auf gemütszustände und verhaltungsweisen, die mit den beim alkoholrausch zu beobachtenden ähnlichkeit haben. 2@aa)
rein psychische zustände. 2@a@aα)
dem gefühlsaufschwung des weinrausches entspricht die anwendung auf seelische hochstimmungen, '
verzückt, begeistert': ir herze und ir getriuwer sin von liebe wâren trunken Konrad v. Würzburg
troj. krieg 10121.
seit dem 14.
jh. bei mystischer ekstase und, allgemeiner, bei religiöser andacht: vier froede, die diu sele enpfahet, so si trunken wirt von der hohen gotheit Christi (14.
jh.)
in: altdt. pred. 171
Wackern.; sy (
die seele) spricht: ich bin doch din (
Christi) trunken, wa ich gon
Christus u. d. minn. seele 1095
Banz; also geschicht dick ainem menschen, der truncken ist worden von der göttlichen gnad Geiler v. Keisersberg
pred. (1508) 24
b; mache mich doch truncken in deiner liebe Spee
güld. tugendbuch (1649) 272; ihr lüste dieser erde, verstopfet euren quell, wovon ich trunken werde, ist mein Immanuel B. Neukirch
ged. (1744) 47; ... wenn ich von gluth und andacht trunken Zach. Werner
M. Luther (1807) 262.
von leidenschaftlicher gemütsbewegung allgemein: wenn einer leiblich vom wein truncken ist, der ist ein gut furbilde zweyerley ander trunckenheit. eine ist, wenn yemand fur grosser lust truncken wird; die ander, wenn yemand fur grossem schmertzen truncken ist Luther 19, 417
W.; keyser Sigmund wird vor freuden truncken Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 230
b; weil je einer in desz andern lieb truncken war Grimmelshausen
Simpl. 381
Scholte; ... sterbliche, die ihr von wollust truncken J. G. Neukirch
anfangsgründe (1724) 279; dasz Ovidius und andere ihre chronicken und geschichte, wenn sie von ihrem heldengeist truncken waren, viel stattlicher und prächtiger ausgeputzet Zinzendorf
kl. schr. (1740) 1, 44.
dieser anwendungsbereich verbreitert sich ungemein, als in der Klopstockzeit die empfindsame seite der dichtkunst in den vordergrund rückt: mein geist hebt sich ... auf die hügel der ruh, wos von entzückungen taumelnd schwebt um mein trunknes haupt Klopstock
oden 1, 50
M.-P.; wenn sie, dasz sie geliebt wird, trunken von liebe, sichs denkt
ebda 113; was vor empfindungen, was vor begeisterung zog seine trunkne seel aus ihren blicken Wieland I 1, 364
akad.-ausg.; ... trunken vor seligkeit J. H. Voss
s. ged. (1802) 3, 152; trunken müssen wir alle sein! Göthe 6, 204
W., die ideale sind zerronnen, die einst das trunkne herz geschwellt Schiller 11, 23
G.; trunken von sonne und blut stürm ich aus felsigem haus Stefan George
d. siebente ring (1909) 36.
weiterhin: es (
drama Pygmalion) wirkte wie alles, was in Frankreich gefällt, wie eine art zauberei. Paris strömte trunken dahin H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 170; Richelieu wurde trunken vor entzücken, als er die einnahme Breysachs vernahm Fr. Hebbel
s. w. 9, 189
Werner. häufige verbindungen trunknes auge, trunkner blick, trunkner sinn: (
sie) bemerkten immer mehr menschliches an demjenigen, den seine schönheit in ihren trunknen augen vergöttert hatte Wieland
Agathon (1766) 1, 10; bald aber wird er nahn, euch (
Isolda) sehn, besitzen — betrachten, was ihm ward, mit trunknem blick Ed. Bauernfeld
ges. schr. (1871) 5, 72; jede (
freude) färbte, lieblicher im scheiden, mit erinnrung meinen trunknen sinn Novalis
schr. 1, 145
Minor. in dichterischer sprache wird von naturdingen die leidenschaftliche bewegtheit ausgesagt, die eigentlich dem menschen zugehört: sieh, wie die trunknen auen blühn ... wär unser herz von eckel leer, so würde bald ein wollustmeer aus jedem hügel in uns flieszen A. v. Haller
ged. (1750) 154; es liegt ein trunkener abendschein rothdämmernd über den gipfeln Geibel
w. (1888) 1, 53. 2@a@bβ)
die störungen des urteilsvermögens im rauschzustand geben anlasz zu einer anwendung von trunken
fast im sinne von '
verwirrt, bestürzt, verblendet',
bei vorstellungsinhalten '
trügerisch'.
auszugehen ist von fällen wie: das ich meyne, könig Heynrich (
von England) trewme odder sey truncken, der selbs nicht wisse, was er sagt Luther 10, 2, 242
W., oder ich byn itzt nicht truncken noch unbedacht, ich weis, was ich rede
ebda 26, 500.
sodann: ich glaube, er sei in sünden gar trunken, dasz er sich nicht kennet J. Böhme
s. w. 7, 220
Schiebler; andere aber waren von den meinungen, die einer jeden secte eigen sind, so trunken, dasz keine sonst gewöhnliche mittel zu ihrer überzeugung hinlänglich waren A. G. Spangenberg
leben Zinzendorfs (1774) 1403; der bleichen schiffer kniee wanken (
im seesturm), sie taumeln trunken, ohne rath J. A. Schlegel
verm. ged. (1788) 1, 47; vergasz ich ganz in meinem trunknen wahn, das hindernisz, das uns auf ewig trennt? Schiller 15, 1, 21
G.; war die hoffnung trunken, in die du dich einwiegtest? H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 35. 2@a@gγ)
entsprechend dem sättigungsgefühl des rauschzustandes schwingt öfter eine bedeutungsfärbung wie '
ersättigt, zugleich ermattet'
mit: ich will von deinen (
der Venus) gaben recht satt und truncken sein S.
Dach in: ged. d. Königsberger dichterkreises 19
ndr.; ach welche süszigkeit! von lieb und wollust trunken schläft dann mein mattes haupt von seiner unruh ein Lenz
ged. 114
Weinhold; ihr holden schwäne, und trunken von küssen tunkt ihr das haupt ins heilignüchterne wasser Hölderlin
s. w. 4, 60
v. Hellingrath; von da (
Heilbronn) nach Stuttgard wird man von der einförmigkeit einer glücklichen cultur beynah trunken und ermüdet Göthe IV 12, 286
W. 2@bb)
seltener nimmt der übertragene gebrauch auf die rein physiologischen auswirkungen des rausches bezug. '
taumelnd, schwindlig': lasz um des lichtes quelle die trunkne fliege schwirren Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 113; die frauen drehen sich (
im tanz), bis sie trunken werden Raupach
dram. w. kom. gattung (1829) 4, 88; dronken
taumelig Jensen
nordfries. 82; dronken
schwindlig lux. wb. 73. 33)
eine vereinzelte bedeutung '
berauschend, trunkenmachend'
scheint sich zu ergeben aus folgender glossierung: sicera drunckin dranck (15.
jh.) Diefenbach 532
c.
vgl. hierzu trunkenbeere, trunkenkorn, trunkenweizen
als '
trunkenmachende'
pflanzen.