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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

voll adj.

Bd. 26, Sp. 515
voll, adj. , got. fulls; an. fullr; n.-norw. fuld, schwed. full; ags. ful; afries. ful, fol; as. ful, fol; ahd. fol Graff 3, 477; mhd. vol mhd. wb. 3, 361a (volle 362a); Lexer 3, 432; plenus, folle, fol, ful, vul, vol, voll Diefenbach gl. 442a; mnd. vul Schiller-Lübben 5, 548b; mnld. vol Verwijs-Verdam 9, 787; voll Dasypodius 449b; Maaler 472a; Henisch 1352, 45; Stieler 2389; Steinbach 902; Frisch 2, 406a; Adelung; Campe. zum gebrauch in den mundarten vgl. Schmeller-Fr. 1, 838; Fischer schwäb. wb. 2, 1623; schweiz. idiot. 1, 779; Martin-Lienhart 1, 109; Ch. Schmidt 113a; Schöpf 790; Zingerle lusern. wb. 30b; Lexer kärnt.-wb. 100; Hügel Wiener dialekt 183a; Müller-Fraureuth 2, 625a; Albrecht Leipz. ma. 232; Spiess henneb. idiot. 271; Döring Sondershäuser ma. 86; Jecht Mansfelder ma. 119b; Knothe Nordböhmen 532; Cercelius 2, 884; Hönig Kölner ma. 196a; Christa Trierer ma. 2, 212; Follmann lothring. ma. 169b; wb. d. luxemb. ma. 471b; Leithäuser Barmer ma. 167b; d. richtige Berliner 148a; Frischbier 2, 447a; (vull-) brem. wb. 1, 464; Schütze holstein. idiot. 3, 325; ten Doornkaat-Koolman 1, 568a; Bauer-Collitz 36a; Danneil 241b; Dähnert 137b; Mi mecklenb.-vorpomm. ma. 104a. wenn voll im strengsten begriff genommen wird, ist eigentlich eine steigerung nicht möglich, doch braucht man ohne weiteres den comp. in der vergleichung: dein glas ist voller als meins, u. ä.; doch auch freier: das gefühl ist sicherer und voller Herder 5, 49 S.; (mir wäre) besser gerathen, wenn ich mit vollerer hand (πλειοτέρη σὺν χειρὶ) in mein liebes vaterland kehrte Vosz Od. 11, 359 Bernays; der, endlich vom namen Homeros kühn uns befreiend, uns auch ruft in die vollere bahn Göthe 1, 294 W.; ein leises glöcklein stimmt so rein zu einem lautern vollern ein Uhland ged. 1, 313 Schm.-H.; [] ebenso der superl.; neben im vollen sinne des worts auch im vollsten u. ä.; im vollsten glanze des glücks Lessing Minna 5, 5; der feinste (scherz) weisz sich sogar in den vollesten ernst zu verwandeln Herder 22, 158 S.; mit dem vollsten recht Fr. Schlegel w. 3, 76; von der schönsten, vollsten und eigenthümlichsten klangwirkung O. Jahn Mozart 4, 56; denk unsrer tiefsten lieder, stimm an den vollsten ton Uhland ged. 1, 307 Schm.-H. umgelautete steigerungsformen sind im älteren nhd. sehr häufig: voll, völler, völlester Stieler 2389; compar. völler, superl. am völlesten Steinbach 2, 902; nach Adelung sind die normalen formen ohne umlaut, 'in einigen gemeinen mundarten, völler, völleste'; voll, voller (nicht völler), am vollsten Braun dtsch. orthogr. gramm. wb. (1793) 290a; die umgelauteten formen erhalten sich mundartlich schweiz, idiot. 1, 749; 781; Fischer schwäb. wb. 2, 1623; Martin-Lienhart 1, 109; trünckner und völler ... dann er ye mer gewesen war Arigo decamerone 425 (1860); alle wasser lauffen ins meer, noch wird das meer nicht völler pred. 1, 7; der geyger, der völler dann die andern alle geweszt Lindener rastbüchl. 20 L.; machen das masz ihrer sünden immer völler Schaller theol. herold (1604) 109; wenn ein mond were (im himmlischen Jerusalem), müste er völler seyn Meyfart himml. Jerusalem (1630) 1, 229; einen nicht wohl zu beschreibenden, völlern ... klang Bode Montaigne 3, 210; meinen beutel dadurch ... noch völler zu machen Hafner ges. lustsp. (1812) 1, 51; fürwar, ich bin nie völler gsin schweiz. schauspiele d. 16. jh. 1, 234 Bächtold; meinst nicht, dasz das meer völler sey, als es zuvor gewesen ist? griech. dramen 2, 234 D.; Kastalis, dein teurer flusz soll durch mich auch sich ergieszen und mit völlern ufern flieszen Fleming ged. 1, 371 L.; was aber kann auf erden wohl völler von beschwerden als junge männer seyn Neukirch ged. (1744) 38; (bäume) völler, als man sonst gesehn, reich an unerzwungnen früchten Hagedorn (1764) 2, 15; umgelauteter superl.: unnd also ... unter die völleste statt Europa gerechnet werden mag Federman Niderlands beschr. (1580) 102; so ruft der völlste bey dem haufen Schwabe belustigungen 3, 224. vereinzelt tritt in älterer sprache eine form des adj. mit anorganischer endung -e auf (mhd. wb. 3, 362a): wo mir ainicher volle wer des hails N. v. Wyle translationen 33 lit. ver.; die gancz stat Venedig diser abenteure vole was Arigo decamerone 263 lit. ver.; es ist die form des adverbiums. 11) ohne angabe dessen, wovon etwas voll ist. 1@aa) von hohlräumen, gefäszen, behältern aller art, die etwas in sich aufnehmen, es umschlieszen, festhalten, bewahren: voller becher, topf, korb, kasten, schrank, sack, beutel, volle tasche: voller korb, volle schüssel, voller teller, voller löffel, volle schaufel, volles ei, voller mund, magen, bauch, und so in nicht zu erschöpfender anwendung im gegensatze zu leer; so viel in sich habend, als hineingeht; ebenso von umschlossenen räumen wie haus, kammer, scheune u. ä., von gefährten wie wagen, schiff: trinkgefäsze: der mönch war unterdessen zum schenktisch getreten, wo er ein volles weinglas ergriff Schiller 4, 247 G.; das volle glas stehen lassen Göthe 23, 140 W.; die zwei letzten gläser bis zum rand voll Bettine dies buch gehört dem könig 1, 231; indem er das volle glas mit einem zuge hinunter stürzte E. Th. A. Hoffmann 1, 13 Gr. ein voll glas hab stehts hinder dir Scheit Grobianus 802; lärten volle gläser ausz Spreng Ilias 93b; [] bei vollen gläsern wollen wir ein stündchen schön verträumen Körner w. 2, 79 Hempel. krug, humpen, römer: hinder die vollen krüg sitzen Fischart Eulenspiegel 13 H.; beym tanz und beym vollen krug Geszner schr. (1777) 1, 125; wir verachteten es, in becher einzuschenken; nein, aus dem vollen humpen selbst tranken wir groszherzigen das kühle ... nasz Tieck schr. 4, 29; brüder fliegt von euren sitzen, wenn der volle römer kraiszt Schiller 4, 4 G. becher klingt uns gewählt: schwenkte den vollen becher maler Müller w. (1811) 1, 125; schenkt ein vollen becher ein Scheit Grob. v. 3288 ndr.; gib mir den becher, disen vollen Klopstock oden 1, 22 M.-P.; reichten draus (aus dem mischkessel) die vollen becher überall herum Bürger 147 Bohtz (Il. 1, 471: νώμησαν δ' ἄρα πᾶσιν ἐπαρξάμενοι δεπάεσσιν); erneue der volle becher unsern bund Stolberg ges. w. 1, 112; einen wohlgeschnitzten vollen becher hielt ich drückend in den beiden händen Göthe 2, 106 W. voller kelch (im bilde): sie hat den vollen kelch der freuden ausgetrunken Schiller Maria Stuart 2, 9; antikisierend: von dem glanz der vollen schale, die ein schöner knabe trug Göthe 1, 181 W. übertragen: denn der liebe volle schale wird mir täglich dargebracht Novalis 4, 131 Minor. wein im schlauch: hör Bacche mit dem groszen bauch, lang mir dort her den vollen schlauch Scheit Grobian. v. 105 ndr. germanisch: hornum fullum drukku þeir hinn hreina mjǫð Sólarlj. 56. im altnord. bezeichnet full, n., das volle horn, das bei der opfermahlzeit den göttern geweiht wurde (drekka full, Óðins full, helga full ásum at fornum sið u. ä.). dem entspricht ags. ful im sinne des gefüllten trinkgefäszes: onfóh þissum fulle,frêodrihten, mín Beowulf 1170. ebenso as.: het is thero gesteothe at them gomun uuas themo herostonan hand geban, ful mid folmun Heliand 2047. m. ohne bezeichnung des gefäszes von dem nordischen brauch: so trank man zuerst den vollen dem Odin für den siege des königs und sein reich Dahlmann Dänemark 2, 94. — während man jetzt sagt: einen ganzen trinken, zutrinken, vorkommen, nachkommen, brauchte man früher auch voll in solchen wendungen: sunder halve eder vullen to todrinkende eyn deme anderen quelle bei Schiller-Lübben 5, 548b; pringen im eins halb und voll Fischart Garg. 71 ndr.; wir wöllen saufen zu halben und zu vollen Uhland volksl. 576; schleichen hin zu dem külen wein zu halben, vollen, on geferd bisz keiner heim zu gehn begert Waldis d. päbstisch reych q q 2a; wo man in dem weinhauss sitzt, trinckt volle und gantze auss H. Sachs 9, 419 lit. ver. man sagt jetzt eine halbe, f., ein ganzer, m.; möglich, dasz auch volle, f. im gebrauch war Vilmar Kurhessen 432. ein voller topf, olla plena Steinbach 2, 902; bisz der hafen gleich schier voll würdt Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 102; bei tisch ist er mit seinem vollen teller immer am [] ersten fertig Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 17; hob ihnen die volle schüssel entgegen Storm w. (1899) 1, 12; framm setti hon skutla fulla Rigsþula 32; lärn gros vol schüssl und schmiern eure drüssel altd. passionsspiele aus Tirol 195; im bilde: wer hat je der lebensseligkeiten genug gehabt, wenn sie ihm mit vollen löffeln geboten werden Raabe Horacker (1876) 4. — wenn das weinfasz nur halber vol ist Thurneyszer magna alchymia (1583) 3; sprichw.: der frasz kriegt nie volls vasz sprichwörter (1548) 97b; volle vasz klingen nit, aber die lehren klingen sehr 50b; dann (sagt man) von biertranck und wein sollen nicht nasz die seyten sein, sie werden sonst nicht meh erklingen, dann volle fasz keyn thon meh bringen Fischart 1, 374 H. (lob der lauten 710). (flectiert in prädicativer stellung:) nempt ein sack, der nit ist zu kluen, und haist euch in do vollen geben pfarrer von Kalenberg 79, 1645 ndr.; sprichw.: (des geizigen) sack kan nicht voll werden Lehmann floril. polit. (1662) 1, 276; bettelsack ward nie voll sprichwörter (1548) 20a; pfaffensack ist nie voll Kramer teutsch.-it. (1702) 2, 192a; wann der sack zu voll ist, so fehrt er auff Eyering prov. copia 3, 379; als de sak vul is, so richtet he synen ort Tunnicius sprichw. nr. 139 Hoffmann; wenn der sack zu voll ist, platzt er, allzuviel ist ungesund. mit luft gefüllt: wann die sackpfeiff nit voll ist, so kirt sie nit sprichw. (1548) 20b; voller sack pfeifft Eyering prov. copia 3, 365 (gut essen und trinken macht beredt und unterhaltsam). behälter für geld und gut, körbe, karren und wagen, vorratskästen und -räume u. s. w.: es ist nicht stöltzers dann ein volle tasch sprichwörter (1548) 173b; men mot mit volen (l. vullen) wagen bytyden varen, mit schwer beladenem wagen musz man zeitig aufbrechen Tunnicius sprichwörter 758 (dort miszverstanden); wir aber sehen nur auff die follen taschen und beutel Luther 19, 313 W.; aber die vollen krätzen (tragkörbe) trucken den esel am allerminsten Fischart binenkorb (1588) 156b; (wird) mangel an vollen seckeln machen praktik 5 ndr.; sie hat die kasten voll A. Gryphius Horrib. 13 ndr.; durch ordentlich hausshalten werden alle cammern voll Schupp schr. (1663) 6; wol in des wirtes haus trag wir ein vollen seckel und ein leren wider aus Forster frische t. liedlein 201 ndr.; ein voller beutel ist der blasbalg in dem rechten (im prozesz) Grob dichter. versuchg. (1678) 52; giebt für Amors pfeil und bogen ihm seinen vollen beutel pfand Lessing 1, 4 M.; voll sind eure (der bienen) vorrathskammern Chr. F. Weisze lieder für kinder (1767) 55; nimm eine volle kasse mit Schiller Wallensteins tod 1, 7; voll sind die scheunen Wilhelm Tell 1, 2; immer ist Johanna Stegen mit der vollen schürze nah Rückert w. (1867ff.) 1, 60; 1@bb) mit menschen angefüllt oder besetzt: das haus, die stube, die kirche, das theater (oft als haus bezeichnet: das stück macht volle häuser), das schiff, der wagen, der zug (eisenbahn) ist voll; es ist so voll in dem saale, dasz kein apfel zur erde fallen kann; auch: die bank, der tisch ist voll, alle plätze am tisch sind besetzt, und so in mannigfaltigstem gebrauch: du sihest wol, er ist an allen enden vol (in der herberge) Arigo decamerone 69 lit. ver.; auch die kirche vol sey 55; auff das mein haus vol werde Luc. 14, 23; die losament sind noch nicht voll (im himmel) Lehmann [] floril. polit. (1662) 1, 417; die grosze hitze ... der volle salon Bauernfeld ges. schr. 2, 151; kommt man in die volle schule ist es doch noch eine lust Brentano ges. schr. (1852ff.) 2, 458; das theater wird heute sehr voll werden Deinhardstein ges. dram. w. (1848ff.) 1, 12; in diesem sinne haus: das haus war ungewöhnlich voll Börne ges. schr. 10, 16 (1829ff.); ein volles haus, lob und geld A. v. Droste-Hülshoff an Schücking (1893) 151; was träumet ihr auf eurer dichterhöhe? was macht ein volles haus euch froh? Göthe 14, 12 (Faust 122); stark besucht, belebt in freierer anwendung: so wird die nächste messe über die maszen voll und glänzend werden Göthe br. 12, 223 W.; Marienbad ist so voll, dasz kein unterkommen mehr zu finden ist br. 37, 126; lasse stille die andern breite, lichte, volle straszen wandern Novalis 1, 69 Minor; auf dem offnen vollen markte, sollst du mir verbuhlet folgen Brentano ges. schr. (1852) 3, 265; voller tisch, die menschen umfassend: dort spitzt ein voller tisch das ohr und horcht, wie nachbars Hanns erzähle Günther ged. (1751) 129. die tafel ist voll (the table's full) Schiller Macbeth 3, 8; eine volle versammlung; in voller sitzung u. ä.; frei: doch jetzt schon heiszt für voll (beschluszfähig) uns zu erachten die dringende, die allgemeine not Grillparzer (jüdin v. Toledo 4) 9, 185 S. in besonderer wendung vom grabe: er schwur am vollen grabe noch einmal den testamentschwur Jean Paul 54, 54 R. 1@cc) beschriebene oder bedruckte fläche (vgl. 1, s): die bletter beginnen vol zu werden, und der buchdrucker fordert auch dieses wenige eylend unter die presse Prätorius saturnalia (1663) 25; noch eine kleine begebenheit, damit der bogen voll wird Gellert w. 9, 269; meine zwey bogen wären nun voll Göthe br. 1, 117 W. — voll wird hier öfters in dem sinne von ganz gebraucht, die bedeutung des gefülltseins tritt zurück: der artikel umfasst drei volle spalten, ich habe einen vollen bogen gebraucht; zwölff zeilen solten erst zu dieser zuschrift sein, iezt wird mir fast ein blat, ein volles blat, zu klein Stieler geharnschte Venus 99 ndr. anderes: das kerbholtz ist voll Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208b. 1@dd) volle tafel, reich mit speise und trank besetzte: als nun die malzeit war vollbracht, die volle tafflen leer gemacht Spreng Äneis (1610) 19a; denn die meisten menschen sind nur überbleibsel eines vollen gastmahls Novalis 4, 226 Minor; indessen brachte ein diener ein volles frühstück Klinger w. (1809ff.) 3, 92; gut stehende fruchtfelder: als ein geschmack eins vollen ackers erste d. bibel 3, 130 lit. ver.; dasz man die äcker voll und lehr, mocht underschidlich sehen gar (late discriminat agros 11, 144) Spreng Äneis 223a; ein volles land, ein reiches, fruchtbares Kramer teutschital. (1702) 2, 1208c; hüte dich, wenn du kömest in das gute volle land, das dich die fülle nicht betriege Luther 28, 659 W.; die knechte ... des langen stillligens, auch vollen und wolfeylen lägers halben ... unbändig wurden Kirchhof milit. disciplina (1602) 137; in das gegenüberligende volle land zu gehen, in welchem etliche steinalte leute die tag ihres lebens noch niemalen keine soldaten gesehen hatten Grimmelshausen Simpl. 3, 251, 16 Kurz. [] von einer stadt: die hochgethürmte königsstadt Ciliciens, die volle Theben (πόλιν Κιλίκων ἐὺ ναιετόωσαν, Θήβην ὑψίπυλον Il. 6, 415); Bürger 174a Bohtz. 1@ee) in besonderer wendung: schmal allerdings sind diese bänder, nahe genug dem tritt, der auf ihnen eben vollen raum findet (d. h. das band ausfüllt, grade noch platz findet), der absturz nach der tiefe v. Barth Kalkalpen (1874) 32; Benno erhielt einen vollen platz in Olympiens herzen Gutzkow zauberer von Rom 8, 289; dreidimensionaler raum: die gantze tieffe zwischen den sternen und der erden ist voll und nichts leer Böhme schr. (1620) 2, 38. 1@ff) ein bach, ein flusz ist voll, wenn er angeschwellt ist: volle bächer, die voll sind und überlauffend Maaler 472b; freier: der Jordan aber war vol an allen seinen ufern Josua 3, 15; wie die thal, alldweil wasserbäch dreyn flieszen, vol sein Ambach vom zusauffen c 3b; der flusz gehet in vollem strom Kramer teutsch-ital. (1702) 1208c; den tief unter ihr mit vollen wogen sich wälzenden flusz Gutzkow ges. w. (1872ff.) 2, 310; in die Normandie tretend ... wird sie (die Seine) voller und voller Laube ges. schr. (1875ff.) 4, 172; der mond steht am himmel, das wasser geht voll Stifter w. (1901ff.) 1, 135. übertragen: der undank ist eine quelle, aus welcher viel unzählige laster mit vollem strudeln herflieszen Neumark poet. u. mus. lustwäldchen (1652) IVb; (womit er ihm) seine wohlthat nicht eintröpfelte, sondern ihn mit derselbten vollem strome überschwemmete Lohenstein Arminius 2, 809a; den vollen strom der ideen des neuen Deutschlands Treitzschke deutsche gesch. (1897) 1, 269. voller strom des lichts, der abendsonne u. ä.: der zorn ist eine volle bach Logau sinnged. 288 E.; nun läszt der himmel seine purpurgluten in vollen strömen um die trümmer fluten Geibel w. (1888) 1, 10; heiszes lieben, das, wie ein goldner strom, in vollen ufern quoll Stifter w. (1901ff.) 3, 234. — wolken: wenn die wolcken vol sind, so geben sie regen pred. Sal. 11, 3; entfaltet der donnrer die wolken, die vollen Göthe 15, 167 W. 1@gg) volle blumen, blüten, knospen; volle blumen, multiplicati flores Nemnich; im eigentlichen sinne von blüten, die durch gärtnerkunst umgebildet sind, so dasz der ganze umfang mit blütenblättern ausgefüllt ist. der gegensatz gegen die natürliche, einfache blüte kann zurücktreten, bei volle rose z. b. wird er nicht mehr empfunden, voll wird dann typisches adj. in dem sinne fülle zeigend (vgl. 2): oder bezeichnet auch die aufgeblühte im gegensatz zur knospe oder der entblätterten. — die hier vollen narcissen wären dort nur hohl Lohenstein Arminius 2, 427b; (im bilde:) in einer vollen, wenn auch verspäteten blume des glückes Stifter (1901ff.) 3, 254; eine guirlande von vollen rothen centifolien Storm w. (1899) 1, 51; ein prinz, in dessen wiegen des hauses schmuck und trost in vollen knospen liegen Gottsched neueste ged. (1750) 5; wie grosz, wie voll bin ich! ich, ohne dorn geboren (spricht die Päonie) Ramler fabellese (1783) 1, 41; will ihnen küsse geben, mehr als die vollsten nelken blätter haben W. Müller ged. 249 H.; die schon volle rose, die dem entblättern nahe ist Gutzkow ritter v. geiste 3, 424; brecht volle zuckerrosen und keusche lilgen ab Fleming d. gedichte 1, 70 L.; wie die volle ros im lentzen kläglich thut nach deiner hand Königsb. dichterkreis 167 ndr.; blühn stolze, volle rosen lieblich duftend um Balsorens stirne Wieland I 1, 349 ak. ausg.; die volle rose streut, geschüttelt, all ihre blätter vor meine füsze Mörike w. 1, 49; die knospe brach mit einem mal zur vollen rose auf 216; [] als symbol der verschwiegenheit: verschwiegner eintracht volle rose trägt er bedeutend in der hand Novalis 4, 158 Minor. voller kranz, dicht geflochtener, ohne leere stellen: sie wand sich einen vollen kranz und setzte ihn auf Göthe 21, 159 W.; in den vollen kranz der rosen Brentano ges. schr. (1852 ff.) 3, 232; freier gewendet: den kranz mit seinen frischgrünen vollen blättern Eichendorf w. (1864) 2, 344. volle ähren, viele körner enthaltend: syben echer wachssen an eim halm vol und schöne erste d. bibel 3, 182 lit. ver.; und die sieben mager ehern verschlungen die sieben dicke und volle ehern 1. Mos. 41, 7; läre kornehrn stehen empor, die vollen sincken Lehmann floril. polit. (1662) 1, 426; auf feldern, wo noch stolz die vollen Aehren stehn Rabener s. w. 6, 201; (ein windhalm) sprach zu einem halm mit einer vollen ähre Ramler fabellese (1783) 1, 24. im bilde: (wenn) die reiche ärndte der missethat in vollen halmen steht Schiller don Karlos 2, 6. auf die menge des getreides bezogen: (dasz gott) auch für ihn das korn voll oder mager hat wachsen lassen W. H. Riehl deutsche arbeit (1861) 186; was habt ihr für nachricht vom hafer? — er steht voll und satt Klinger w. (1809 ff.) 1, 102. volle garben: ob sie volle waizengarben oder strohbündel einfahren Göthe br. 27, 150; des goldnen korns volle garben waren ein göttliches geschenk Novalis 1, 30 Minor. volle frucht s. unter 2 b. 1@hh) volle bäume, büsche, zweige, ranken, dicht mit laub, oder nadeln besetzte; voll kann sich natürlich auf die menge der blüten oder früchte beziehen: eine rebe ... stiesz volle ranken überall maler Müller (1811) 1, 40; fichten, die von unten auf ihr volles gezweige behalten Auerbach schr. (1892 ff.) 1, 7; und dann der baum ... die vollen zweige zu uns neigt Becker mildh. liederb. (1799) 51; volles laub, dichtes: das laub noch ziemlich voll Göthe III 1, 10 W.; eine buche lag quer über den pfad, in vollem laube A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 273; im bilde: da hab ich auch gefühlt zu diesem mal, wie todesangst im vollen laube thut 2, 98. 1@ii) von bart (vgl. vollbart) und haar: den lieben vollen dunkelgelockten kopf Arnim w. (1839) 1, 3; auch hier wie bei volles laub mit leichter bedeutungsverschiebung: flechten ..., die voll und schwer um die stirn gingen Gutzkow zauberer von Rom 1, 33; das volle schwarze haar Mörike w. 3, 29 G.; der kopf aber im weiszen vollen haare des hauptes und bartes H. Grimm Michelangelo 1, 294. — der alte Isaak, seinen vollen bart streichelnd Holtei erz. schr. (1861) 1, 116. 1@kk) leib, magen, bauch, kropf u. ä. mit speise angefüllt, gesättigt: sein wanst kund nicht vol werden Hiob 20, 20; als de bûk vul is, so is dat hovet vrolik Tunnicius sprichw. nr. 16 H.; ain voler pawch faymt in fleischlicher gier Berth. v. Chiemsee t. theologey 251 R.; voller bauch studiert nit gern Franck sprüchw. (1545) 1, 19a; auff einem vollen bauch stehet ein tölpischer und unbesonnen kopff Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, i 7a; der volle bauch lobt das fasten Schellhorn sprichw. (1797) 42; es würdt eim der bauch ehe voll dann die augen Franck sprüchw. (1541) 1, 118b; auff einem vollen magen stehet ein frölicher kragen Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, i 7a; mit vollem wanst Harsdörfer t. secretarius 1, 106; voller kropff, doller kopff (hier ist der trunk gemeint) sprichw. (1548) 151b; wir haben ein grawen rock und ein vollen kropff Nas antipap. eins u. hundert (1567 ff.) 1, 83b; [] wann ir leib vol ist und hat was im gezimet als leibliche speis Berthold v. Chiemsee t. theologey 184 R. mit vollem munde, vollen backen (s. unter n), mit kauendem, speisegefüllten, reden; sprichw.: mit vollem munde ist schlecht blasen; so red mit vollem mund daher Scheit Grobian 3311 ndr.; hals: pfaffenhuorn ... die haben vollen halsz und fasten nimmer Clemen reformationsflugschr. 2, 17. beim trinken: denn wenn ich judiciren soll, verlang ich auch das maul recht voll Göthe 14, 107 W. frei: wolten hie gerne (von den quellen gottes) mit vollem mund trincken Tauler sermones (1508) 38b; das sie Israel fressen mit vollem maul Jes. 9, 12. 1@ll) volle brust, brüste (anders unten 2 a) des säugenden weibes; die vollen brüste reichen; im bilde: die erde regt sich, grünt und lebt, des geistes voll ein jedes strebt den heiland lieblich zu emphahn, und beut die vollen brüst ihm an Novalis 1, 81 Minor; volle euter, mit milch gefüllte; volles ei im gegensatz zum hohlen, tauben, zum windei; volle adern, blutvolle: taube eyer schwimmen empor, die vollen sincken Lehmann floril. polit. (1662) 1, 426; sieh, wie meine kühe mit vollem euter gehn Geszner spr. (1777 ff.) 1, 20; voll und gespannen euter von milch Maaler 472a; volle dutten Stieler 2390; etliche gesunde leibichte pferde, die volle adern haben Walther pferde- u. viehzucht (1658) 154; so lang das treue blut die vollen adern regt Göthe 15, 286 W. das feuer ist anhaltend, die poetische ader ist allezeit voll Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 3, 20. — schwämme: wenn der schwamm zu voll ist, so druckt man ihn ein mal ausz Petri d. Teutschen weiszheit 2, b b b 2v. — voller hering (vollhering) hering mit rogen oder milch. 1@mm) volle hand im gegensatz zur leeren ist die besitzende, reiche: sie wuszte aber, dasz ihr vater, der nichts besasz als büchsen und hunde, ihre leere hand nur einer vollen lasse Jean Paul 54, 64 R.; vor allem aber die gebende, helfende, freigebige: sein (gottes) hand zu helffen ist ungeschlossen (vgl.: offene hand) und ymmer voll Agricola sprichwörter (1534) 1, 7b; darzu hat er mit voller handt von seinen früchten auff dem landt ... vil opffergaben dargebracht Spreng Äneis (1610) 209b; und nicht des höchsten immer volle hand zu haben Lessing Nathan 1, 3; bestechung: (dasz einer) oft mit voller hand des richters stimme lenket Neukirch ged. (1744) 122. häufiger im plural: das geld, wohlthaten mit vollen händen ausstreuen u. ä. das bild ist vom sämann genommen; streute er (Plautus) schertz und saltz mit vollen händen aus Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 2, 374; gab überall mit vollen händen Klinger w. (1809 ff.) 3, 96; Gackeleia streute mit vollen händen die brosamen aus Brentano ges. schr. 5, 36; den tadel werfen wir mit vollen händen hinaus und das lob wägen wir auf der goldwage S. Brunner erz. u. schr. 1, 241; so haben Tantals enkel fluch auf fluch mit vollen wilden händen ausgesät Göthe 10, 42 W. anders gewendet, so dasz die hände voll werden: und darf ich dann in solchen reichen haaren mit vollen händen hin und wieder fahren 6, 54; in besonderer anwendung: die anzuschlagenden spielt man mit der octave auch wohl bei fortissimo mit beyden vollen händen (mit benutzung aller finger) Ph. E. Bach anl. d. clavier zu spielen (1759 ff.) 1, 5; ganze hand: bey dem andern (tempo wird) mit der rechten vollen hand hinter den hahn gefast Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) [] 231; grobes zupacken: (der) nicht auff jedwedere note (des basses) mit vollen händen zufalle und selbigen als kraut hacke Königsberger dichterkreis 2 ndr.; eigenthümlich: ob ich gleich keine schrift mit gewaschnern und vollern händen angefangen habe Lessing 18, 330 M.im fries. recht: mith fulre, mith halvere hond zum erbe greifen, ganzen oder halben erbantheil bekommen Richthofen altfries. wb. 770a. die hände als die arbeitenden glieder in der wendung die hände, alle hände voll haben, voll zu thun haben: yhr habt zuschaffen alle hende vol Luther 18, 201 W.; die Römer haben ... ihre händ voll mit jhnen (den Galliern) zuo thuon gehabt Stumpf Schweizerchron. (1606) 169a; gleichwol hatte Stertinius alle hände voll zu thun Lohenstein Arminius 2, 285b; schneider, schuster, perückenmacher u. s. w., die ... alle hände voll zu thun haben Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 333; schmale bissen, elenden lohn, und alle hände voll zu thun Tieck schr. 3, 24; den ganzen tag hat man die hände voll Göthe 14, 164 (Faust 3261) W.; mit scherzhafter übertragung auf die beine: dem haushofmeister, der alle hände voll zu thun und alle beine voll zu laufen hatte Tieck schr. 4, 272. 1@nn) voller mund, volle backen, voller hals, volle kehle in anderem sinne als unter k. mit luft gefüllt zum blasen: (der nordwind) blihs mit follem munde di sägel an Zesen adriat. Rosemund 11 ndr.; huben sechs trompetter mit follem halse ... an ... zu blasen rosenmând (1651) 3; es blast der faule sud ... mit vollen bakken her Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch 74; in des schornsteins engen lauf bläst der wind mit vollen backen Müllner die schuld 1, 2; drum blies ich auch hinein mit vollen backen Hebbel Nibelungen 3, 2, 6. aus vollem munde rufen, schreien, lachen, sehr laut: die nymphe ... lachte hernach aus vollem munde maler Müller w. (1811) 1, 142; ... wenn der heiland ... »die lieb ist das gesetz!« aus vollem munde schrie Neukirch ged. (1744) 115. besonderer nachdruck, auch die übertreibung wird bezeichnet: das sag ich aber mit vollem mund, das der bau also verachtet ist und würt, daran hat niemans schuld dan die geistlichen und bischöff Murner an d. adel 23 ndr.; mit vollem maule loben Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 378; s.den mund voll nehmen unter s. aussprache langer vokale: (Zesens anhänger) meynten ein jedes e, welches mit vollem munde ausgesprochen wird, als in segen ... müsste in ä ... verwandelt werden Gottsched d. sprachkunst (1748) 40. mit vollen backen loben u. ä., übertrieben: er hat mit vollen backen die vortreffliche tendenz ... gerühmt E. Th. A. Hoffmann w. 6, 99 Gr.; so kannst du mit vollen backen deine musik loben Schiller 11, 126 G. aus vollem halse schreyen, lachen Kramer teutsch-ital. (1702) 2, 1208c; oftmals fängt er aus vollem halse zu lachen an Gottsched d. schaubühne 3, 138; schrye aus vollem halse: räuber! räuber! Heinse w. 2, 51 Sch.; vivat, er lebe hoch! — ... schrie aus vollem halse der meister Raabe hungerpastor (1864) 1, 9; in der sie (schar der bauern) manches lied aus vollem halse schreiet Rist n. teutscher Parnasz (1652) 393; ich musz und wolt ich nicht aus vollem halse lachen Günther ged. (1735) 405; wenn sie zu bette gingen, pfiffen sie aus vollem halse Bauernfeld ges. schr. 2, 118. ungewöhnlich übertragen: man musz sich das (lob) ebenso gefallen lassen, als wenn man aus vollem halse getadelt wird Göthe gespräche 1, 201 B. [] veraltet, früher häufig: mit vollem halse: mit vollem halse lachen Hulsius (1618) 2, 392a; du schreyst und leugist mit vollem halss ubir mich Luther 7, 636 W.; also lehrt Luther mit vollem halss Nas antipap. eins u. hundert (1567 ff.) 3, 138a; mit vollem halse ruft jeder seinem glükke zu Schottel friedenssieg 9 ndr.; so lachest du darüber mit vollem halse d. vernünft. tadlerinnen 2, 340; (der) mit vollem halse schreyet: da, da liegt der todte hund Neukirch ged. (1744) 87. eigenthümlich: die furcht und schrecken war bey ihnen so grosz, dasz sie mit vollen halse stehen bleibend und den mund offen haltend, sich nicht einen fusz fortzusetzen getrauen d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 105 (das schreien blieb ihnen im halse stecken). gröber: darnach laugnest du mit vollem rachen Nas d. antipap. eins u. hundert (1567 ff.) 4, 45b. volle kehle, vom singen der vögel: die vögel fiengen bald wieder aus voller kehle zu singen an Bräker schr. (1789 ff.) 2, 135; von menschen: die lerchen schwirren hoch vor lust, was sollt ich nicht mit ihnen singen aus voller kehl und frischer brust? Eichendorf w. 1, 5 Kosch; (eine hirtin) ruft aus voller kehle die hülfe des Neptuns und aller nymphen an Pfeffel poet. versuche (1802) 1, 43. eigenthümlich: er lachet recht von voller haut (vgl.: sich die haut voll lachen 1, s) Fischart Eulenspiegel 457 H. 1@oo) volles herz, an empfindungen, gefühlen reich; anderseits kann auch ein augenblicklicher oder vorübergehender zustand so bezeichnet werden: myn volles hertz mag es nit mer allein getragen d. ewigen wiszheit betbüchlein (1518) 4a; mein herz ist zu voll, meine sinnen haltens nicht aus Göthe 8, 135 W.; ja so musz der mann aussehen, dem sich dieses volle herz zu eigen ergeben soll Immermann 1, 56 B.; sein herz war so voll und gepresst Eichendorf w. 3, (1864) 137; oft erfüllet er auch, was sich das zitternde volle herz nicht zu wünschen wagt Klopstock oden 1, 82 M.-P.; kein wort entwand dem vollen beklommnen herzen sich Miller ged. (1783) 18; ein volles herz und warme phantasie Schiller 6, 1 G.; ich kann nicht mehr singen, mein herz ist zu voll W. Müller ged. 13. man sagt: sich das volle herz erleichtern. — aus, mit vollem herzen, mit ganzer empfindung, hingebung: sprach us einem vollen herzen Seuse d. schr. 20 B.; ich wünsche ... mit vollem herzen Kretschmann w. (1784 ff.) 5, 95; sang stehend im strome aus vollem herzen zum schöpfer aller dinge empor maler Müller w. (1811) 1, 80; ich bin mit vollem herzen ihr gehorsamster sohn J. G. Forster schr. (1843) 7, 111; ich habe diesen verlust mit einem vollen herzen empfunden Göthe br. 1, 254 W. volle brust, atemvolle; dann aber auch auf gefühl bezogen; stimmen von der vollen brust weggehoben Athenäum 1, 175; da es doch nur stolz und adel ist, etwas bedenkliches nicht mit voller brust auszusprechen Gutzkow ges. w. 5, 220; das vöglein in den lüften singt dir in voller brust Brentano ges. schr. 5, 177; verblaszt: das ende deines briefes unterschreibe ich mit voller brust fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 194. voller busen (anders als unter 2), empfindungs-, gefühlsreich: o lasz michs nie, geliebter, nie erfahren, dasz ich den vollen busen legte an den deinen und fänd ihn leer Grillparzer w. 4, 144 S. volle seele: die an ihm hinge mit voller seele maler Müller w. (1811) 1, 220; die töne löseten die drückenden thränen von der vollen seele los Jean Paul 8, 97 R.; [] (der) die volle seele ganz zuströmet Klopstock oden 1, 73 M.-P.; dasz ich mit voller seele sie schaue die riesengebirge Hölderlin ges. dicht. 1, 61 Litzmann. im comparativ: ich komme und eile wo möglich mit vollerer seele zu dir zurück Göthe br. 7, 123 W. voller kopf, von gedanken, sorgen (s. aber auch k), so besonders in der wendung den kopf voll haben: diese tage her ist mir der kopf so voll und zugleich so wüste gewesen, dasz ich lieber keinen gehabt hätte Lessing 18, 286 M.; er hatte den kopf zu voll, um an das unpassende meiner begleitung zu denken Laube ges. schr. 1, 4; man sieht, ihm ist der kopf so voll, dasz er was andres will Göthe 4, 40 W.; den kopf so voll, den sinn so schwer Arnim w. 22, 8. 1@pp) volles masz, auszerordentlich oft in bildlicher und übertragener anwendung (vgl.: das masz voll machen unter 1 s): ain guot masz und ain volle und eingedruckte und ain überflüszige masz wirtt euch gegeben in ewer schosz Tauler sermones (1508) 101rb; dieses ist ein tröpfflein, von der vollen masz, dasz ihr künftig zu erwarten habt Harsdörfer teutscher secretarius 1, 82; das volle masz seiner thorheit Klinger w. (1809 ff.) 3, 130. besonders häufig: das masz ist voll, es ist ein höhepunet erreicht, so viel angehäuft, z. b. von verschuldungen, dasz eine entscheidende wendung eintreten musz: wenn die masze voll ist, so wird sie ausgeschüttet Rist d. friedewünschende Teutschland (1648) 20; aber das maasz ihrer sünden ward endlich voll Cramer Neseggab (1791 ff.) 4, 175; das masz meines jammers ist voll Klinger w. (1809 ff.) 8, 289; bis gott der gerechte richter sieht, dasz sein maasz voll ist: dann wird er ihn (Napoleon) zerbrechen Arndt schriften f. u. an s. l. Deutschen 1, 237; sein maasz ist voll, er ist zur ärndte reif Schiller jungfrau v. Orleans prolog. feste wendung in vollem, vollstem masze reichlichst, durchaus, ganz und gar: mögest du jedes süszeste glück in vollem masze genieszen Geszner w. (1778) 2, 9; ein so guter christlicher herr, wie ihre gnaden doch in dem vollsten maasze sind Tieck schr. 6, 76; er sah die fehler seiner früheren jahre in vollstem maasze ein Kerner bilderbuch (1849) 14; dardurch wuochs fraidig laub und grasz, und alle frücht in voller masz Scheit d. frölich heimfart 124 Str.; durch seine herrschaft wächst in vollem maasze zu dir selber lob und preisz v. König ged. (1745) 132. ungewöhnlich: doch, da kamest du, freude! volles maszes auf uns herab Klopstock oden 1, 84 M.-P.; 1@qq) nachgestellt in vielen verbindungen, um ein bestimmtes masz, eine gewisse menge zu bezeichnen; so kann voll zu allen den substantiven treten, die voll im eigentlichen sinne zu sich nehmen (einen becher, ein glas, einen beutel, einen sack, einen schrank, einen bogen, einen tisch, eine grube voll u. s. w., einen wagen voll u. ä. Fischer 2, 1624), es heben sich aber einige besonders feste verbindungen heraus wie hand voll, mundvoll (s. oben hampfel th. 4, 2, sp. 322 und mumpfel th. 6, sp. 2668, andere verkürzungen z. b. bei Müller-Fraureuth 2, 626a), armvoll u. ä.; buccea, bucella, ein mund voll, ein bissen E. Alberus (1540) 62a; cupes, schläck, guote oder meisterlose bisszle, oder mündvolle Frisius (1558) 353a; manipulus, ein hand voll, oder arm voll Faber (1587) 481a; mündlein voll, buccella Stieler 2390; ein arm voll stroh, ein mund voll schwarzes brot Steinbach 2, 903; wir haben frücht gantze schüttenen voll Dentzler (1718) 335a; eine messerspitze voll. — und sy huben auf VII körb vol erste d. bibel 1, 61 K.; einen gantzen groszen backtrock voll Luther 33, 271 W.; es ist besser eine hand vol mit ruge denn beide feuste vol mit mühe und jamer pred. Sal. 4, 6; ein loffel [] vol, ein mund vol 19, 317; wer solch brigel oder bengel wil auffklauben, findet bald einn arm voll sprichwörter (1548) 121a; thue darzu weisz rosenwasser (holderwasser), weisz gilgenöl und rosenessig, jedes 1 löffel vol Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 2; mit säck voll soll man einnehmen, mit händ voll auszgeben Lehmann floril. polit. (1662) 1, 258; ich hab ein tisch voll (narren) 2, 549; indem ich den letzten löffel voll ins maul steckte Reuter Schelmuffsky 39 ndr. vollst. ausg.; du hund söffst wohl einen zober voll aus ehrliche frau 2, 7; ein schiff voll Sperling Nicodemus quaerens (1719) 2, 75; sollst kein maul voll mehr zu trinken bekommen maler Müller w. (1811) 1, 170; genug ist über einen sack voll teutsche sprichwörter (1790) 122; das ist ja nur eine hand voll Langbein schr. 31, 10; der ist ein arme gansz fürwar, der syn guot nit bruchen dar und kein guotten mundt vol essen Murner narrenbeschw. 64 ndr.; auch störk, die ganze kröpf voll schluckten Fischart 3, 165 H.; ist diesz nicht scheffelvoll: so ist es löffelvoll Bokemeyer bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 147; gelöste verbindung: giebt sie die eine hand uns voll, so nimmt sie mit der andern Blumauer ged. (1782) 70. sprichw.: sechse sind kein galgen voll. bauchvoll bringt Bücher arbeit u. rhythmus4 225. — sie haben mir ein grosz register voll überreichet A. Gryphius P. Squenz 14 ndr. 1@rr) voll nach grad, masz und art näher bestimmt: halb, dreiviertel voll, bis an den rand, gestrichen, gehäuft voll (z. b. masz mit körnern, salz, zucker); berlin.: voll mit'n haufen, gedrängt voll (saal, kutsche, boot); so voll, dasz kein apfel zur erde fallen kann. die volkssprache ist überreich an hierher gehörenden verbindungen, s. Fischer 2, 1623 schweiz. idiot. 1, 782; Martin-Lienhart 1, 110; Müller-Fraureuth 2, 625b; Spiesz 271; Wander d. sprichw. lex. 4, 1683; gesteckt voll, arctus Frisius (1558) 114a; gestoszen voll Maaler 472b; gehauft voll, gestrichen v., gantz-, schütt-, überv., gesteckt, gestopft, gestrotzt, dicht v., voll wie ein ey Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1208b; die kirch ist drungenvoll leute 1209c; ein starrvoller bauch, una pancia piena à star distesa, cioè ripiena di cibo 911b; ain volle und eingedruckte und ain überflüszige masz Tauler sermones 101rb; (herz,) das gesteckt voll guoter gedäncken Hutten opera 1, 449 B.; ein vol getrückt, gerüttelt und überflüssig mas Luc. 6, 38; ain volle, yngetruckte, uffgehauffte masz Eberlin v. Günzburg 3, 245 ndr.; das haus war prächtig beleuchtet und zum erdrücken voll Eichendorf (1864) 2, 530; ihr aber sei das herz so zum zerspringen voll gewesen Fontane I 5, 52; kremser, der natürlich ... gepreszt voll war Seidel Leb. Hühnchen 37; so schenck das gschirr gestrichen voll, dasz uberlauff, das schickt sich wol, dann setzest du in halb vol nider, so must du in offt füllen wider Scheit Grobian. v. 1734 ndr.; sein lughaft maul ist stets mit verfluochuong, mit falsch uont truog geschopt vol angestekt Melissus psalmen 40 ndr. ungewöhnlich: die kirche war voll gedrängt Göthe br. 8, 65 W. 1@ss) es sind schon mehrfach wendungen angeführt worden, in denen voll prädicativ zum object eines verbums gesetzt wird. wenn auch die menge solcher verbindungen nicht erschöpft werden kann, wird im folgenden doch eine anzahl angeführt, besonders solche, die sich dem formelhaften nähern; andere beispiele s. unter 14. fülleten beide schiff vol Luc. 5, 7; einmal hatte einer schon den halben eimer vollgemolken Grimm d. sagen (1891) 1, 77; der den sack zu voll füllen thut, zerreist, fehrt auff und wird verschut Eyering prov. copia 3, 151; um das masz seiner verdamnisz ganz voll zu füllen (s. unten: das masz voll machen) Gerstenberg Ugolino 3; [] wie sich jede schale voll mit wasser füllt Göthe 1, 216 W.; diesz ist das hochste ergernisz, das augen, ohren und den mundt vol füllet Luther 33, 463 W. — voll schenken, gieszen, schütten, stopfen, propfen u. s. w.: dasz ich ein flaschenglas nam, solches voll füllete Grimmelshausen vogelnest 2, 419 Keller; hernach so liesz ers wieder eben so voll schencken Reuter Schelmuffsky 15 ndr. vollst. ausg.; schenck in (den becher) gleich vol Scheit Grobian v. 1835 ndr.; sauff, so lang du athem hast, lasz wider vol v. 1501; nun wollt voll den becher gieszen Brentano ges. schr. (1852 ff.) 2, 38; bei voll einschenken, auch ohne object, wird voll eher als adv. empfunden: (du) schenckest mir vol ein ps. 23, 5; so schenckte ich mir denn herzhaft ein bierglas voll ein Gaudy w. (1844) 2, 52; ja wo man voll einschencket, da lebt die beste lust Hoffmannswaldau ged. 1, 100 N.; auf den trinkenden bezogen (?): thet im gütlich, füllet in (im?) voll ein Lindener Katzipori 122 L. ein vasz voll lauffen lassen Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1208c; sich voll essen, stopfen, trinken, saufen s. unten 7 ff.; sein ränzlein voll zu packen (den magen) Keller ges. w. 5, 18. von vögeln eigentlich, hier vom fuchs: ir seit am guten ort gewesen und habt ewrn kropff gar vol gelesen B. Waldis Esopus 2, 30 Kurz. voll haben (die hände voll haben s. oben unter m): den bauch (sack) voll haben Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1208c; bisz du ein zinnine flaschen voll hast Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 245; wer küchen und keller voll hat, den helt man für fromb Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 245; hatte beide backen voll und konnte weder gleich reden noch zugreifen Eichendorf w. (1864) 3, 385. — viel haben macht den marck und säckel voll Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 264; schande und laster kan ich wol, dar mit mach ich die helle voll Alsfelder passionssp. 11, 393 Gr.; des bapsts lehr gefelt mir wol, macht die keller vol, macht mir ein feyste kuchen Forster frische teutsche liedlein 183 ndr.; oft frei: um meinen ärger voll zu machen u. ä.man sagt: ich habe die nase voll, ich habe genug (von etwas unangenehmem), auch die schnauze, den kanal voll Mauszer soldatensprache 50. — bis sie das maul und nasen vol kriegen Luther 19, 43 W.; thut wer weisz wie schön mit mir, schmiert mir das maul voll (mit süszem, schmeichelt mir) Lessing 18, 80 M.; warlich du darffst keins procuratorn, du giebst eim voll das maul und ohrn Gilhusius gramm. (1597) 117. im eigentlichen sinn (s. oben n): wenn man einem das maul voll gibt, so kan er nicht blasen Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 313. den mund voll nehmen, mit viel atem beim singen: wenn sich die töne nach der tiefe wenden, musz der sänger den mund immer voller nehmen Adelung (jetzt kaum so); verse sprechen: aber wenn ihr den mund so voll nehmt (if you mouth it) wie viele unsrer schauspieler Shakespeare Hamlet 3, 2 (auch anders übersetzt). gewöhnlich übertragen, grosze worte machen, übertreiben, auch prahlen: herr Basedow nimmt das maul voll, er mag schmähen, oder er mag loben Lessing 8, 228 M.; wie ich die backen jetzt voll nehmen will Schiller kabale u. liebe 5, 5; (ich will) wie man spricht, den mund recht voll nehmen Klinger w. (1809 ff.) 6, 270; was er die backen voll [] nimmt, und es ist doch lauter wind Tieck schr. (1828) 5, 244; glaubt nicht, beste herrn, dasz ich den mund zu voll nehme E. Th. A. Hoffmann 11, 107 Gr.; Winckelmann nimmt den mund ganz anders voll Justi Winckelmann 2, 1, 42; sprache gab mir (der Spree) einst Ramler und stoff mein Cäsar, da nahm ich meinen mund etwas voll Schiller 11, 111 G. das masz voll machen wird sehr oft in übertragenem sinne gebraucht (vgl. oben unter p), besonders in verengter und ungünstiger bedeutung: um ihme das masz recht voll zu machen A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 784; ich hoffs, mein vetter wird ein solcher thor sein und, um das maas voll zu machen, mit mir in sein vaterland zurückkehren Lenz 1, 223; vorerst halte ich dafür, dasz es besser sei, man läszt sie das masz voll machen Göthe br. 13, 366 W. bogen, bücher voll schreiben (s. oben c): Gregorius hat von sitlichen dingen geschriben so vil biecher voll Eberlin v. Günzburg 1, 202 ndr.; nun wollte ich ihnen noch gern diesen ganzen bogen voll schreiben A. v. Droste-Hülshoff br. 19 Sch.; schon hätt ich ohne. dich zween bogen voll geschrieben Cronegk schr. 1, 12 (1771). jemanden den buckel, den hintern, die haut, die jacke voll hauen, schlagen, bläuen u. ä.: oder du must dir dein haut vol schlahen lassen Arigo decamerone 88 lit. ver.; gehe oder ich schlage dir den kopff voll schauspiele engl. comöd. 212 Creizenach; mancher hat nit fried, man schlägt ihm dann die haut voll Lehmann floril. polit. (1662) 1, 238; schlägt ihr der mann die jacke voll Bismarck ged. u. erinn. 1, 16 volksausgabe. das sy einandren dgrind vol schlan Manuel weinspiel v. 1504 ndr. anders: sich den bauch voll schlagen, voll stopfen. einem die ohren, den kopf voll schwatzen, klatschen, schreien, klagen, winseln, weinen, singen, dudeln, zanken, orgeln, pauken, u. s. w.: einem die ohren voll waschen Corvinus fons lat. (1646) 112; uns die ohren reiben und vollplaren lassen Mathesius erkl. d. epistel an d. Corinther (1591) 1, 6b. einem die ohren, den kopf voll schreyen, klagen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208c; einem die ohren mit geschwätze voll machen Steinbach 2, 902; gnurrt mir die ohren so voll Bürger br. 3, 166 Str.; (welche) denen richtern die ohren vollschriehe frauenz.-lex. (1715) 35a; habe nicht lust mir von dir die ohren vollschwögen zu lassen J. G. Müller die herren von Waldheim 1, 209 (1784 ff.); die narren schwätzen ... einem zum eckel die ohren voll Göthe br. 1, 117 W.; die auch da sitzen, pfeifen schneiden und ihm die ohren voll dudeln br. 10, 357 W.; schwadronirten mir die ohren voll Gaudy w. (1844) 2, 38; das hemmern schlegt im (dem schmied) die ohren vol Sir. 38, 30; was blewet ihr mir die ohren voll Hayneccius Hans Pfriem 63 ndr.; so schnarcht es (das glück) mir die ohren voll Weise d. grün. jugend überfl. gedanken 22 ndr.; ein junger hund sah tausend mücken schwärmen, die summten ihm die beyden ohren voll d. neueste aus d. anm. gelehrs. 3, 560; bald quälen mich die teuflischen soldaten, und fluchen mir die ohren voll Gellert schr. (1784) 1, 133; so heult mir eine magd schon kopf und ohren voll Henrici ged. (1727 ff.) 2, 405; er gab mir nichts und lärmt mir noch die ohren voll Göthe die mitschuldigen 1, 2. das (mädchen) würde mir den kopf voll lärmen br. 1, 125 W.; den hals voll: das lügstu dein halsz fol Eulenspiegel 13 ndr.; so flucht er mir den hals voll Göthe br. 1, 211 W.; den rücken voll: der ladet sie geschwind den ganzen rücken vol (mit geschwätz) Rachel sat. gedichte 25 ndr. [] besondere wendung: so sie doch alle wellt voll vollpredigen Luther 10, 2, 118 W. sich die haut, den buckel, die hucke, den bauch voll lachen u. ä.: seine haut voll lachen Frisch nouv. dict. (1730) 641; ich lache mir die haut nicht voll all, dann ich hab keine Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 129; der lacht sich de hucke voll, mags kommen wies will Hauptmann die weber (1892) 39; einem die jacke, den hintern, das leder voll hauen. — sich den kadaver voll hauen, sich satt essen Mauser soldatensprache 65. — einem die hucke v. lügen; wo ich ihm nicht den bauch rechtschaffen vollgelogen Eccard poet. nebenstunden (1721) 20; eine stube voll speyen, kotzen, das heimliche gemach voll scheiszen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208b; spyen der tebel hohlmer den burgemeister die hölle (hinterm ofen) geschissene voll Chr. Reuter Schelm. 50 ndr. vollst. ausg; speye der tebel holmer der braut den busen gantz voll 56. vereinzeltes: (er) greift, je mehr er greift, sich alle hände voll (pech) Gutzkow ges. w. 5, 9; indulgere choreis die haut voll dantzen Frisius dict. (1556) 685; nach gehabtem mahl schliefen sie sich die haut voll kinder- u. hausmärchen nr. 23. 1@tt) vereinzeltes; voll im gegensatz zu leer von einer person: vol zoch ich aus, aber leer hat mich der herr wider heim bracht Ruth 1, 21; o es ist schwer voll gebaren als sei man lehr sprichwörter (1548) 10a. — ein vers, dessen metrisches schema ganz ausgedrückt ist: ein ewiges ha! ah! wenn der vers nicht voll werden will Göthe br. 1, 197 W.im sinne von inhaltsreich in mannigfaltigen wendungen: volles leben: es reiszt ihn fort vom vollen leben Schiller 11, 398 G.; greift nur hinein ins volle menschenleben! Göthe Faust 167; da lacht das volle leben mir in das grab hinein Brentano schr. (1852 ff.) 2, 371; wie ich die ersten mitteilungen eures neuen vollen lebens gefühlt habe aus Schleiermachers leben 2, 5; je mehr fülle der strömung, je voller das leben des einzelnen Bettine dies buch gehört d. könig 1, 201; volles glühendes leben Gutzkow zauberer von Rom 3, 254; dagegen, ganzes leben: eh er es lebte, ist ihm das volle leben gerechnet Schiller 11, 269 G.in älterer sprache für üppiges leben (vgl. unten 3 h): münch, pfaffen und nunnen, die ... ein voll faul leben füren Eberlin v. Günzburg 1, 72 ndr.von materieller fülle auch in folgenden verbindungen: diese sachen, die man im vollen herbst mit jauchzen gleichsam bricht Rist n. teutscher parnasz (1652) 164; nasse pfingsten, volle fette weihnachten Petri d. Teutschen weiszheit 2, q q 1a; freylich gabs seit dem jahr 1760 in unsern gegenden kein recht volles jahr mehr Bräker schr. (1789 ff.) 1,193. darauff der rambock frölich bleckt, in voller weid springet und leckt Rollenhagen froschmeuseler (1595) a 3b; im bilde: (gott lasse uns) die frucht von deinem reisen in voller erndte sehn und ziehn Stoppe Parnasz (1735) 4; dort singt ein volles gastgeboth, hier ächzet einsam noth Denis lieder Sineds (1772) 272; voller wein, gehaltreicher, schwerer: der volle wein schwecht den gang und macht das gesichte krank Petri d. Teutschen weiszheit (1604 ff.) 2, p 3b. [] von der natur: was mich sonst in der ganzen vollen natur angezogen ... hatte Tieck schr. (1828) 4, 205; du segnest herrlich das frische feld im blüthendampfe die volle welt Göthe 1, 72 W.; wesenhaft, ächt, gediegen: giebt hiermit öffentlich sein klares und volles jawort von sich (ohne abzüge) Chr. Weise polit. redner (1677) 722; seine briefe haben etwas ruhiges, langsames, breites, volles Scherer kl. schriften 1, 61. — mit vollem leib (d. h. mit dem ganzen körper) sie sich uff die leich des ritters niderliesz Wickram w. 1, 367 B. 1@uu) auf die persönlichkeit bezogen (vgl. ein ganzer mann u. ä.): nachstehendes auge ist keines fleiszig ausarbeitenden, langsamgeduldigen, aber eines fruchtbaren, mächtigen, musikalischen genies Lavater physiognom. fragm. (1775 ff.) 1, 257; den helden einer biographie pflegen wir vor allem als einen vollen und ganzen menschen zu betrachten Strausz ges. schr. (1877) 3, 3; frau Ristori ist eine vollere natur, und dadurch eine vollere künstlerin Laube ges. schr. (1875 ff.) 1, 392; aber der tief verletzte hatte seinen vollen menschen (sich ganz) dahingegeben Gutzkow ges. w. (1872 ff.) 2, 38; das leben ist kein lenzgesäusel, will vollen mann in voller wehr E. M. Arndt w. 5, 171 R.-M. ein voller mann! er steht so fest, ob gott ihn und natur verläszt Lenau Faust 196 (1840). anders: (der pfarrer) wird still und voll genug (voller gedanken und gefühle) Jean Paul w. 26, 29 R.; da will ich ihm rufen von herzen voll Eichendorf w. 3, 116 K.-S. in alter sprache: du waira fullamma (εἰς ἄνδρα τέλειον) Ulphila Eph. 4, 13 (Luther: ein volkomen man); in animo uuerdent sie perfecti (folle) Notker ps. 88, 38; normal: ein voller mensch vünf sinne hât Reinmar von Zweter 164, 1; voller mann in berufssprachen s. unter 13 c. — ausgewachsen, volljährig, s. 2 i α und 10. — von gott: also das gott vol in Cristo und vol in der gotheit und auch das vol und volkumener gott und volkumener mensch wurd auffaren zuo himel erste d. bibel 1, 193 lit. ver.; er ist eyn geporner gott und nit der geperende got, doch voller und gantzer gott Luther 10, 1, 1, 154 W.vom stande und der macht: se. majestät der könig ist nicht privatbesitzer sondern voller souverän und landesherr dieses deutschen herzogthums Bismarck polit. reden 3, 20 Kohl. von thieren: viel sind noch volle hengst, und andere verschnitten v. König ged. (1745) 230. 1@vv) voll im prägnanten sinne von beschmutzt, sich voll machen; sich beschmutzen, besonders auch mit dem eigenen dreck, so bei kindern: du hast dich voll gemacht, deine hosen voll gemacht, das bett voll machen; doch zieh das kind erst an. huy schleppsack, geh doch fort. die windlein sind fein vol Rachel sat. gedichte 17 ndr. s. Martin-Lienhart 1, 110b. er hat die hosen voll, er fürchtet sich; wer eines ander unflat gerne reget, der hat offt sein selbst beide hend voll Petri d. Teutschen weiszheit 2, f 3b. 22) fülle habend, zeigend, in fülle vorhanden, körperlich und unsinnlich, zur gänze entwickelt, nach masz und zahl allen forderungen, dem begriff ganz entsprechend (vgl. völlig und vollkommen). 2@aa) vom körper und körpertheilen; in neuerer sprache gewöhnlich in günstigem sinne, doch volles gesicht z. b. kann auch ein übermasz bezeichnen, ebenso, wenn voll auf die erscheinung des ganzen körpers bezogen wird, besonders wirkt der zusatz etwas ungünstig. in älterer sprache dagegen [] öfter ohne die vorstellung des gefallens, dick, feist. — voller, vaister, torosus Diefenbach gl. 588c; crebres, dick werden, vol syn nov. gl. 118a; voll, obesus, pinguis Stieler 2390; eine volle figur, gestalt (s. aber unten 2 h ξ); sonderlich was junge, volle, starcke leut sind Luther 32, 431 W.; ob der mensch aines vollen leibes sey Braunschweig chirurgia (1539) 59a; an seiner gestalt ist er (der büffel) klein, voll, wol zuosamen gesetzt und dick Forer Geszners thierbuch (1563) 128a; wann aber ein rosz einen vollen fetten kopff hat M. Böhme roszartzney (1618) 18. ein jugendlich voller schöner mannjüngling Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 79; er war ein junger voller mensch mit strotzender gesundheit Eichendorf w. (1864) 2, 151; sie sieht ... blitzgesund aus und voll zum aufspringen 2, 70; herzogin Louise war eine volle stattliche frau Laube ges. schr. 2, 24 (1875 ff.); der fürst war voll und gedrungen geworden Auerbach schr. (1892 ff.) 17, 115; es (das pferd) ist gebogen trefflich, voll und schlank Tieck schr. (1828) 1, 356. gesicht, wangen, mund, lippen, kinn: ein anderer mönch ... mit einem vollen runden gesichte Steffens was ich erlebte 4, 367; sein antlitz ... war voll, geröthet, beides fast im übermasz Gutzkow zauberer von Rom 1, 74; das etwas volle gesicht erlaubte kein lebendiges mienenspiel ges. w. 9, 338; wie bebt vor deiner küsse menge ihr busen und ihr voll gesicht Göthe 1, 50 W.; übertragen: der rose frohes volles angesicht 16, 139. ganz anders im gegensatz zu einem theil des gesichts: Apollonius ihr mit dem vollen, der bruder mit dem halben angesichte zugewandt Ludwig ges. schr. (1891 ff.) 1, 153; hier im sinne von ganz, s. die folgenden abschnitte. keine wange unter diesen wangen ist roth und voll Gerstenberg Ugolino 3; deine wange ist voll und glüht Meiszner skizzen (1778 ff.) 1, 114; seine groszen etwas verschlafenen augen und die vollen roten wangen gaben ihm das aussehen eines groszen gutgearteten jungen v. Polenz Büttnerbauer 1, 2; die rosenblüthe voller wangen Gottsched ged. (1751) 1, 117; heller war sein blaues auge, voller die gebräunte wange Weber Dreizehnlinden (1907) 19. der mund war vielleicht zu voll, die nase ein wenig zu scharf gerissen Storm w. (1899) 4, 107; die vollen lippen, die zum kusse bestimmt sind Laube ges. schr. (1875 ff.) 2, 143; des nackens kräftig voller bau A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 2, 79. besonders häufig auf busen, brust, brüste des weiblichen körpers bezogen: gewölbt, schön gerundet. volle brust, brüste kann natürlich auch sich auf die muttermilch beziehen, s. 1 l. reiche kanten bedeckten nur halb den vollen busen E. Th. A. Hoffmann w. 12, 19 Gr.; der volle busen wallt auf zarten wogen Gerstenberg ged. eines skalden 361 (lit. dkm. 30); wie der volle busen strebt Overbeck ged. (1794) 14. eine volle brust, welche hinter dem leichten palatin auf eroberungen lauerte Rabener w. 4, 195; der Iris blühend volle brust Lessing 1, 8 M.; da tritt herein ein junges weib mit voller brust und rundem leib Göthe 1, 16 W.; (wenn) aus den losen schlingen halbkugeln einer bessern welt, die vollen brüste springen Schiller 1, 270 G. voller bug, gerundeter, eines schiffes Campe. [] volle hände, runde, fleischige hände Adelung; sie hat kleine volle runde hände Gellert w. 3, 63; volle arme: arme, die nun nicht mehr so voll und glänzend waren Stifter w. (1901 ff.) 5, 1, 341; im sing. in fester verbindung: in dem vollen arm der schönen ruhet jetzt belohnte liebe Göthe 5, 5 W.; gemeint ist hier aber völlige umschlingung: er nahm mich in den vollen arm, und führete mich ... in sein inneres beizimmer Zesen adriat. Rosemund 64 ndr. volle waden: stracks schielten ihro gnaden, als. sie den schönen jüngling sahn, nach seinen vollen waden Hölty ged. 5 Halm. sey lang von wuchs, beblecht, und voll von wade Gökingk ged. (1781) 2, 207. den schmalsten fusz, die schOenste volle wade 2, 212. volles auge, eigentlich nach grösze und wölbung gut gebildet; hier aber mischt sich leicht die vorstellung des ganz auf ein object gerichteten blicks ein (s. unten 3 a), so schon in älterer sprache: sô sehent si doch mit vollen ougen herze wille und al der muot Walther v. d. Vogelweide 99, 32. gleych wie eyn erwegen ehbrecheryn die augen auffsperret und mit vollen augen umb sich wirfft Luther 10, 2, 117 W.; die augenhöhle wölbte sich erhabner; in ihr leuchtete ein volles ruhiges auge Herder 22, 293 S.; wenn sie ihn mit ihren vollen, reinen augen ansah Göthe 24, 134 W.; und sicht nyeman mit gantzen vollen ougen an Brant narrenschiff 53, 18 Z; auf den die grosze welt mit vollen augen sieht A. Gryphius (1698) 1, 448. sein volles auge glühte von muth und hoffnung Göthe Iphigenie 4, 4; ganz entwickelt, ausgewachsen: während das tier, mit vollem geweih, ruhig an ihm vorüberging fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 138. 2@bb) volle frucht, volle traube; es kann der entwickelte umfang, die rundung des reifseins gemeint sein, allein, oder mit der vorstellung des inhaltes nach 1: vor ihm musz Lachesis in vollen früchten stehn mediz. maulaffe 2a; um dich müsse mit vollen beeren der frischeste epheu grünen Herder 26, 15 S.; voller keim blüh auf ... und welkt die blüthenhülle weg, dann steig aus deinem busen die volle frucht Göthe 2, 174 W.; befiehl den letzten früchten voll zu sein Rilke buch d. lieder 2 48. oft volle traube: ich bin es, der die vollen trauben brach Stieler geharnschte Venus 141 ndr.; der rosenknabe Benno glüht wie die edle volle traube Herder 27, 86 S.; dort bot in einer bogenlaube die volle purpurfarbne traube dem trocknen gaum ihr süszes nasz Pfeffel poet. versuche 4, 145. 2@cc) voller mond, die im ganzen umfange erhellte scheibe: in einzelnen wendungen ist weniger die erscheinung selbst als die zeit des vollwerdens gemeint: fullu tungli den norsk-isl. skjaldedigtning II b, 459, 70; also iêmer foller mâno Notker ps. 88, 38; der mon wirt voll oder wachszt Maaler 472b; so leuchtet er ... wie der volle mond Sir. 50, 6; den ersten oder andern tag des vollen mondes Eppendorf Plinius (1543) VII 10; bey neuem mon trauren, zuo vollem so freun sich die meerkatzen Forer Geszners thierbuch (1563) 6; ein bauholtz fellen die zimmerleut nicht im vollen mond Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 138; der volle mohn und das sternlicht seindt einander zuwider [] Albertinus zeitkürzer (1603) 2b; als wenn ein toller hund den vollen mond anbillt Lohenstein Arminius 1, 9a; der fast volle mond kam herauf Göthe br. 4, 95 W.; die wolken verhüllen den vollen mond Klinger w. (1809 ff.) 3, 13; bis dann zuletzt des vollen mondes helle so klar und deutlich mir ins finstre drang Göthe 3, 47 W.; nachbildung: sie tragen auf bunten stangen ... ein vollen mond, ein brennend herz 10, 49 W. der mond wird, ist voll, halb voll, geht voll auf u. ä.: wenne der môn geleich gegen der sunnen über ist, sô ist er vol Konrad v. Megenberg 65, 7 Pf.; hab ich das liecht angesehen, wenn es helle leuchtet, und den mond, wenn er vol gieng? Hiob 31, 26; im mayen, wann der mond bald vol ist Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 423; wenn der mond ... rund und voll durch die nacht spaziert Hebel w. 1, 10 Behaghel; bald wird er (der mond) wider voll und gantz Schnurr der ameisen- u. muckenkrieg (1612) a 7b. besondere wendung: fragte ihn, wann es voll würde Grimmelshausen Simpl. 4, 245 Kurz; vgl. unter 11. 2@dd) auf glanz, licht, schein u. ä. bezogen: zu ganzer stärke entwickelt, nicht durch schattendes, deckendes gehindert; beim monde mit der vorstellung 2 c verbunden: an beiden flosz das volle, stille, klare mondlicht nieder Stifter w. (1901 ff.) 2, 25; und bey der nacht am klaren himmel stehet der helle mohn mit seinem vollen scheine griech. dramen 1, 101 D.; nehmt froschlaich, krötenzungen, cohobirt, im vollsten mondlicht sorglich distillirt Göthe 15, 1, 76 (Faust 6326) W.; o sähst du, voller mondenschein zum letztenmal auf meine pein 14, 28 (Faust 386) W. im vollen schein, bei vollmond Martin-Lienhart 1, 110a. — frei: wenn in Sylvesternacht das mondlicht steigt in volle bahnen A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 2, 8. von der sonne und ihrem lichte: man denke sich ein haus, das in vollem sonnenlichte stünde Göthe II 2, 43 W.; hier gosz die sonne noch ihr volles licht über die ... gipfel der bäume herein Mörike w. 3, 77; warme volle abendbeleuchtung lag auf den spitzen der gebirge Scheffel ges. w. (1907) 3, 93. — man sagt: in voller sonne, im vollen sonnenlichte.sterne: (bildlich:) ach wie hoch war ich gestiegen, meine Venus schien mir voll Weise der grünenden jugend überfl. gedanken 136 ndr.; tritt in recht vollem klaren schein frau Venus am abendhimmel herein Göthe 3, 184 W. licht im gegensatze zum schatten oder halbschatten: dieser blaue, reich begabte streifen nimmt sich auf der blaszgelben wand meiner zinne bey vollem licht gar herrlich aus Göthe br. 29, 46 W.; weder bei vollem, noch bei gedämpften lichte Grimm Michelangelo (1890) 1, 31. — im bilde: bin ich in vollem lichte? weisz ich alles? Müllner die schuld 3, 2. voller schatten: (bank, die) einen vollen schatten gewährte Fontane I 5, 102; im vollen abendschatten 54. 2@ee) volles licht, voller glanz werden sehr gern in übertragenem sinne gebraucht; besonders in fester verbindung mit verben: ins volle licht setzen, volles licht verbreiten, volles licht erhalten; sich im vollsten glanze zeigen (auch ironisch); mit gen.: der volle glanz des ruhmes, das volle licht der gnade u. ä.: dasz sein (Shakespeares) bild in ein volleres licht kommt Herder 5, 209 S.; (die) haupthandlung des stücks ... in ihr volles licht zu setzen Lenz ges. [] schr. 2, 336 Tieck; (über) die gesammte gothische baukunst ein volles licht zu verbreiten Fr. Schlegel w. 6, 199; dasz das volle licht seiner gnaden hier auf erden dardurch könnt erlöschet werden P. Gerhard bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 300; was man begriffen hat, ans volle licht zu stellen Canitz gedichte (1765) 247. Christus sey eyn gantzer scheyn, eyn voller glantz seyner ehren Luther 10, 1, 154 W.; Englands macht, ruhm, glück standen in vollestem glanze Herder 23, 35 S. 2@ff) volle flamme, brand, glut, in eigentlichem und übertragenem sinne: ich glaubte das haus stünde in vollem feuer sammlung von schauspielen (Wien 1764 ff.) 1, 43; ein bedeutsames lächeln setzten sein entzündbares wesen in volle flammen Musäus volksmärchen 1, 16 H.; man sieht das englische lager in vollen flammen stehen Schiller jungfrau von Orleans 2, 6; während das staatsgebäude in vollen flammen stand Mommsen m. gesch. 2, 319; hastu lust zu den gesagten künsten, so mustu lauffen in vollen brünsten M. Agricola musica instrum. (1896) 59; die sonn in vollem brand mit ihrem gülden wagen thet uberfahren alle landt Spee güld. tugendb. (1649) 277; Hesperien steht allbereit in vollen kriegesflammen Gottsched ged. (1751) 1, 313. 2@gg) ein voller ton (s. unten 12 a), nicht ein lauter, sondern ein gesunder, kräftiger; auch prädicativ: sein ton ist edel und voll: man verwechsele auch eine starke oder volle stimme nicht mit einer gewaltsam herausgepressten Hiller anweisung zum gesang (1774) 8; er singt einen vollen bass. volle stimme kann aber auch die zur gröszten stärke entwickelte bezeichnen: mit voller stimme singen, rufen. — rufft mit voller stim Jerem. 4, 5; jetzt bricht sye (die nachtigall) gleich ab, ... darauff erholet sye sich mit voller stymm Eppendorf Plinius (1543) 155; sie hielten dabey die schilde vor den mund, damit die stimme durch den widerhall voller und tiefer würde Kretschmann w. (1784 ff.) 1, 8; hub die allmächtige musik in langsamen, vollen, gedehnten zügen an Wackenroder herzensergieszungen (1797) 187; mit vollen, anmuthig geregelten tönen Göthe 24, 125 W.; er hörte drauszen einige volle akkorde auf der laute anschlagen Eichendorf w. (1864) 2, 38; voller klang übertragen: sein name hat vollen klang im lande; (Juno) brach herfür mit voller stim Spreng Ilias (1610) 98b; wie schnell, wie fertig, voll und schön hört man die bunten fugen (des liedes) gehn Gottsched ged. (1751) 1, 214; dann brach der hundertstimmige chor mit volleren liedern rasch hervor Kretschmann w. (1784 ff.) 1, 51; der sänger drückt die augen ein und schlug in vollen tönen Göthe 1, 162 W.; (muse) die zu vollen himmelstönen deine lippen hat geweiht Mörike w. 1, 173 Göschen; in der heimat vollen klängen hat er herrlich es gesungen Weber Dreizehnlinden (1907) 241. freier von dem was den vollen ton verursacht: wenn seiner laute sonntagsklang dein lob mit vollen griffen sang Stoppe Parnasz (1735) 329; indesz die volle harfe tönt Kretschmann w. (1784 ff.) 1, 46. voller chor, kräftig klingender oder in allen stimmen stark besetzter: wolauf und nimm nu wieder dein seitenspiel hervor, o Deutschland! und sing lieder im hohen, vollen chor P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 397a. [] ein volles orchester, gut besetztes; mit bezug auf den klang und zugleich im sinne von ganz: das volle orchester setzt hier ein; das volle orchester fällt ... in die waldhornmelodie ein Brentano ges. schr. (1852 ff.) 6, 99. das volle werk (der orgel), alle stimmen; vom Kreuzberg her aber kam gerad ein infanteriebataillon mit voller musik Fontane I 5, 279. anders wiederum: mit voller musik (mit der ganzen) habe ich den ersten (act) noch nicht hören können Göthe br. 7, 100 W. laute der sprache, rede, stil, versmasz: wenn man die vocale in folgende ordnung stellt: a, o, e, u, i so ist der erste der vollste und der letzte der magerste (ton) Ramler einl. in d. schönen wiss. 4, 121; in der deutschen gr. werden auch dem e gegenüber die andern als volle vokale hingestellt: die vollen vokale der ahd. endungen. wo es (sch) in der aussprache der volle zischlaut ist Adelung umständl. lehrgebäude 2, 648; seine sprache ist zu voll, seine einbildungskraft zu hitzig Lessing 17, 163 M.; je ursprünglicher sie (die sprache) zum vollen unausgesonderten laute der natur hinaufsteigt Herder 5, 11 S.; wir haben von den alten die volle prächtige versification beybehalten Lessing 10, 30 M.; (Ossians) wohltönendes und volles, obgleich ungestüm daher brausendes silbenmaas Kretschmann w. (1784) 1, 10; die volle und helle aussprache der vokale Steffens was ich erlebte 9, 159; doch wenn hernach aus seiner brust hervor, dem winterlichen schneegestöber gleich der hohe laut der vollen rede brach (ὄπα μεγάλην Il. 3, 221); Bürger 153b Bohtz. so ist auch seine sprache frei, edel, voll und reich Göthe 41, 1, 206 W.; wie gar mit vollen wortten preysset er die gnad gottis Luther 10, 1, 112 W.; hergegen in wichtigen sachen ... musz man ansehliche, volle und hefftige reden vorbringen Opitz buch v. d. d. poeterei 35 ndr.dann freier, stilart bezeichnend: das volle in einer rede, oder eines gedichts, ist keine schwulst Schönaich ästhetik in einer nusz (1754) 29. besondere verbindung: bei meinem meister in Schwäbisch Gemünd bekam die meisterin ein kind; die tochter zwei, die hausmagd drei, das gab ein volles hausgeschrei Baumeister zimmermannsspr. 71. volles ja, nein kann auf den klang gehen, gewöhnlich aber auf sinn und meinung: giebt hiermit öffentlich sein klares und volles jawort von sich Chr. Weise polit. redner (1677) 722. 2@hh) volle farbe, kräftige, gesättigte: eine satte volle farb die sich in dem anschauen nit verkleineret oder verleurt Maaler 472b; karmesin beschämt mit seiner vollen glutfarbe gleichsam den vollkommensten purpur Lohenstein Arminius 2, 188b; die vollen farben der schönen oder der wilden natur Kretschmann w. (1784 ff.) 1, 11; solche körper ..., welche die vollsten und lebhaftesten farben haben Göthe II 2, 277; vom maler: Rubens würde sicher in seiner färbung voller und üppiger gewesen sein Gutzkow ritter vom geiste 1, 37; man überträgt auch den vollen ton auf die farbe: (in dem) vollsten ton der farbe H. Meyer in schr. d. Götheges. 5, 147. 2@ii) verbunden mit der vorstellung des messens, zählens, abschätzens. 2@i@aα) so von der zeitvorstellung, wenn die ganze dauer des begriffs bezeichnet werden soll: eine volle stunde, ein voller tag, ein volles jahr, jahrhundert; volle fünf minuten, sechs monate. — zelt von dem andern sampstage ... vij voll wochen erste d. bibel 3, 439 lit. ver.; ein unvermutheter besuch ... hat mich um drey volle tage gebracht Lessing 18, 192 M.; denken sie nach, dasz der Sicilianer beinahe drei volle stunden zu seinen zurüstungen verbrauchte Schiller 4, 254 G.; sitze schon über eine stunde hier, eine volle stunde maler Müller w. (1811) 1, 171; drei volle himmlische tage Göthe 24, 365 W.; einen vollen, vollen tag hatte er ohne Paula sein können Gutzkow zauberer von Rom 5, 225; das währte länger als ein volles [] jahr A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 280; in nicht vollen 2 stunden hatte ich die Knorrhütte ... erreicht v. Barth nördl. Kalkalpen; ein volles jahr (τελέσφορον εἰς ἐνιαυτόν) verweilt ich bei ihm in Fönike Vosz Od. 14, 292 Bernays; hier möcht ich volle stunden säumen Göthe Faust 2710; für deine sünden faste mir den vollen langen tag 4, 335 W.; es ist vorbei gegangen fast jetzt ein volles jahr Arnim w. 13, 130. nachgestellt: heut? ja funfzig jahre voll zählts bis heut zum tag Rückert w. (1867 ff.) 3, 27. die stunde, das jahr ist voll, ist abgelaufen: wann der monat voll gewesen sey Schupp schr. (1663) 574; so würden 3000 jahr des neuen testaments voll Jung-Stilling w. 3, 366; eh noch die helfte voll von einer viertelstund v. König ged. (1745) 203; ist die stunde denn noch nicht voll? Göthe 1, 111 W.; eine uhr schlägt die viertel-, halben und vollen stunden; die uhr, es schlägt voll, es ist gleich voll: es wird indem neun uhr voll schlagen Iffland theatral. w. (1827 ff.) 10, 18; während ... das zifferblatt bald den vollen schlag der fünften stunde voraus anzeigte Gutzkow ritter vom geiste 1, 17; bis der zeiger auf die volle stunde deutete Seidel vorstadtgesch. 71. — entfernung: marktflecken, nicht volle zwei tage von Wien nordwestlich entlegen Brunner erz. u. schr. (1864 ff.) 1, 2. ebenso von andern zeitbestimmungen: ein volles menschenalter nach der schlacht von Pydna Mommsen m. gesch. 2, 69; schon zwei volle geschlechter vernünftiger menschen (δύο μὲν γενεαὶ μερόπων ἀνθρώπων Il. 1, 250) ... schieden vor ihm hinweg Bürger 188b Bohtz. in anderem sinne mit tag, nacht, abend, morgen, den jahreszeiten verbunden bezeichnet voll das ganz entwickeltsein: liecht, das da fort gehet und leuchtet bis auff den vollen tag sprüche Sal. 4, 18; (wenn) die werme des vollen somers mit gantzer macht einher tringet Heyden Plinius (1565) 454; wann es im vollen mittag tonnert Sebiz feldbau (1579) 41; das beste licht ist gerade im vollen mittage Gleim briefw. 2, 410 K.; die volle nacht war hereingebrochen Gutzkow zauberer von Rom 8, 326; es ist voller abend geworden R. Wagner ges. schr. 3, 183. die volle morgenzeit begunte sich zu zeigen Fleming deutsche ged. 1, 99 L. eine bestimmte anzahl jahre machen mündig (vgl. volljährig und oben 1 u): mündige jahre sind theils diejenigen jahre, welche nach dem rechten zur mündigkeit erfordert werden, und heiszen auch volle jahre, theils überhaupt die jahre, nach geendigter minderjährigkeit allg. haushalt. lex. (1749 ff.) 2, 371b; ob er ... unmindig noch were und nicht volle jar hette lehnsurk. Schlesiens (1881 ff.) 1, 511; der herzog fleht ihn um sein mütterliches, er habe seine jahre voll Schiller Wilhelm Tell 2, 2. allgemeiner: Josue der war alt und volles alters erste d. bibel 4, 294 lit. ver.; kompt er zu seinem vollen mannesalter, so gehen die rechten laster an Luther 30, 221 W.; (der mensch) bluot an der jungint und loubet und gruonet und brengit vrucht ... in vollim aldere Schönbach altd. pred. 1, 116; er blüet noch in voller jugint Spreng Ilias (1610) 178a. 2@i@bβ) in dieser weise auch sonst von gezähltem, gerechnetem, zahlenmäszig bestimmtem, gemessenem, gewogenem und den zahlen selbst: voll, numerosus Diefenbach gloss. 385a; die volle summe zahlen; voller lohn, gehalt; die zahl ist voll; volle dreizehn meilen, volle hundert meter hoch, das volle [] gewicht u. s. w. in mannigfaltigstem gebrauch: die zahl voll machen Steinbach 2, 902; die summe ist noch nicht voll Frisch 2, 406a; das dy zal vol wart Marienb. treszlerb. 482 Joachim; wie viel mehr, wenn ir zal vol würde m. 10, 18; bisz ich das vierthelst hundert voll gemacht habe Stranitzky ollapatrida 372 Wien. ndr.; (ein buch, das) volle 990 enggedruckte seiten stark ist Gerstenberg Hamb. n. zeit. 57 lit. dkm.; bis ihre (der märtyrer) zahl voll wäre Jung-Stilling w. 3, 137; ich hatte eben die zahl der umgänge auf dem haspel voll Göthe 25, 115 W.; da hast du das dutzend voll Storm w. (1899) 2, 186; das volle drittheil der bisherigen dauer Moltke ges. schr. 7, 71; mit 'vollem gehalt' pensionirt Raabe Horacker (1876) 3; voll geld, bei versteigerungen die nächst höhere einheit, z. b. 100 thaler, nachdem 98 geboten waren (anders unter δ) Danneil 241b; Schütze 4, 325 (daneben vullgeld, grosze summe, s. auch brem. wb. 1, 464); wann ist die anzahl voll die ich dem dichtergott an versen zahlen soll Dusch verm. w. 324; wofür hier manche viel, das volle keine zahlen Withof bei Kinderling reinigk. d. d. spr. (1795) 379; wenn die dritte nun erscheinet, ist das böse kleeblatt voll Brentano ges. schr. 3, 420. neben die volle summe zahlen auch die summe voll zahlen, den gehalt voll verbrauchen u. ä.: wo gott, den rückstand endlich voll zu zahlen, gerechtigkeit in allgemeinen schalen mit unbestochner wage miszt Seume ged. (1804) 97; nur die sterbkunst stürzt die kasse voll und wichtig aus vor gott Brentano ges. schr. 1, 536. die vorstellung des gezählten kann unbestimmter werden oder auch ganz schwinden, so besonders bei werth u. ä.: nach seinem vollen werthe beurteilen, den vollen werth erkennen. er hat den vollen schaden davon, den vollen schaden ersetzen; ein vollspanner oder colonus, so auf ein volles und auf ein halbes erbe zu wohnen kommt Möser w. (1842 ff.) 3, 169; theil, lohn in freiem sinne: an ihrem immer fortschreitenden wichtigen bemühen in guten heitern stunden vollen theil nehmen zu können Göthe br. 37, 270 W.; nun hatte er ein gutes volles theil davon (der arbeit) erlangt Raabe hungerpastor (1864) 3, 210. — voller lohn von der ewigen seligkeit: das wir einnemen vollen lon unnd himlische cron Berth. v. Chiemsee tewtsche theologey 27 R. mit begriffen, die eine menge bezeichnen, unbestimmter grösze: zu der zeit, da die leute mit vollen hauffen nach vollendetem gottesdienst auff denen gassen gehen J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 31; so dasz das volk mit vollem haufen dir gleichsam selbst den weg verdringt Stoppe Parnasz (1735) 2; frei: es fleuszet deines blutes bach mit gantzen, vollen haufen P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 406a. ein volles bataillon; volles gericht, vorschriftmäszig besetztes: an vollen gehegten gerichte weisth. 6, 22; volles heer, armata intiera Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208c. daselbst hat er das kriegsvolck voll zuo sich genommen Xylander Polybius (1574) 307; (heer) in voller guter ordnung Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 97; übertragen: das volle heer der sterne Mörike w. 1, 145 Göschen. in verengtem sinne, allgemeines aufgebot: zwei modos bellandi oder colligendi militem ..., entweder per selectum oder den vollen und hellen haufen verhandl. d. schles. fürsten u. stände 6, 116; frei: der reichthum zieht bey ihm mit vollen haufen ein Neukirch gedichte (1744) 96; gute thaten um sich in vollen schaaren zu erblicken Klopstock oden 1, 116 M.-P. [] in unbestimmterer anwendung ganz allgemein: die volle aussaat (im bilde) habe überall gute früchte, und nirgend unkraut getragen Fr. Schlegel w. 2, 15; ich habe schon fünfundsechzig bücher. jetzt wird die zweite reihe voll Freytag ges. w. 5, 262; vorrath: all ding im hausz mit vollem rath H. Sachs 1, 434 K.; die volle herde, die gedrängt am kräuterreichen hügel hängt R. Z. Becker mildheim. liederb. (1799) 13 voll im sinne von zahlreich schweiz. idiot. 1, 780. 2@i@gγ) gewogenes: volles gewicht, ein volles pfund: für volles gewicht giebts auch n' vollen lohn Hauptmann die weber (1892) 10. — volles gewicht sehr oft übertragen und frei: so erhalten diese worte erst volles gewicht; das volle gewicht seines ansehens, er legt hierauf volles gewicht u. ä.; um der ersten sendung meiner neuen ausgabe ein volles gewicht zu geben Göthe br. 41, 49 W.; ebenso volles gleichgewicht: die gräfin war nun wieder in vollem gleichgewichte Musäus volksmärchen 1, 59 Hempel. — eine volle dosis: caviar ... in voller dosis genossen Cramer Neseggab (1791 ff.) 2, xix. allgemein von last, ladung u. ä. dem sinne von ganz nahe kommend: das volle gepäck des infanteristen; volle ladung eines schiffes, wagens; übertragen: ich wünschte doch dasz das erste stück (der Horen) mit voller ladung erschiene Göthe br. 10, 211 W.; anders, volle ladung eines geschützes; scherzhaft: herrn Gockel, durch eine volle wasserladung ins gesicht, aus seinem versteck hervorzutreiben Brunner erz. u. schriften (1864 ff.) 1, 237. volle last: drei centner ..., welches ... die volle last eines saumthiers ausmacht Göthe 25, 108 W.; das kind des glases volle last mit beiden rothen händchen faszt A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 2, 42 sehr oft in freier, übertragener anwendung: die volle last der verantwortung auf sich nehmen. 2@i@dδ) volles geld (s. oben unter β), das richtiges gewicht hat: nicht also, sondern von vol geld wil ichs keuffen 1. chron. 22, 24; das neue geld ist noch voll und ohne abnahme, aber sobald es aus der müntze ist, sobald fängt es auch an abzunehmen J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 2, 102; (wenn man) 4 oder 5 wochen vor dem angesetzten steuertermin (die steuer) baar und vor voll (vgl. unten für voll nehmen unter 10 ) zur steuer lassen einbringen und abgeben würde verhandl. d. schles. fürsten u. stände 4, 130; diese münze ist nicht voll, es fehlt etwas am gewicht; auch vom münzrand: hast du sie (die dukaten) noch alle, mit dem vollen hübschen rande? ich schwöre dir, ich nehme keine beschnittene Klinger w. 1, 148. 2@i@eε) volle montur, volle rüstung, voller harnisch, volles ornat u. ä., alle zugehörigen einzelstücke enthaltend; auch hier dann freier, so dasz an theile nicht mehr gedacht wird: in voller rüstung, vollem harnisch Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208c; (eine braut bringt) ihrem gemahl ein joch ochsen, ein gesatteltes pferd und eine volle rüstung zu Lohenstein Arminius 2, 146a; den heiligen Georg in voller rüstung Fr. Schlegel w. 6, 130; man zählte ... 20 000 volle rüstungen Mommsen m. gesch. 2, 26; da er gott Martem an der stett in voller rüstung sehen thet Spreng Ilias (1610) 63b; er sprang geschwind in vollem rüstgezeug (σὺν τεύχεσιν vom wagen ab Il. 5, 494) Il. 5, 494) Bürger 164a Bohtz; in vollem kürisz schauspiele engl. comödiant. 43 Creizenach. — weszhalb er ... mit unterhabender soldatesca in vollem gewehr auff Ulm abgezogen Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 548; Mars steht in vollen waffen Hoffmannswaldau u. anderer Deutscher ged. 6, 194. in seiner vollen montirung Bräker schr. (1789 ff.) 1, 165; im vollen ornat seiner würde Gutzkow zauberer von Rom 4, 115. [] 2@i@zζ) voller kreis kann sein ein kreis, der ganz rund, d. h. dessen umfang überall gleich weit vom mittelpunkt entfernt ist, oder es wird die gesammte kreisfläche im gegensatz zu einzelnen abschnitten bezeichnet; oft in freier anwendung: kein abschnitt des lebens mehr, der ganze runde, volle kreis liegt vor uns Gutzkow ritter vom geiste 1, 8; grau mit schwarz vermischte augenbraunen zogen sich in einem vollen halbzirkel um ein paar kleine augen Klinger w. (1809 ff.) 5, 117 (s. auch unter 13 e); voller ring (an einem musikinstrument): der volle ring alle löcher zu thut M. Agricola musica instrumentalis (1896) 12. — volle länge, breite, höhe, voller umfang, ebenfalls sehr oft in freier und übertragener bedeutung; (haarbeutel,) der sich dann in voller breite dem rücken sanft anschmiegt E. Th. A. Hoffmann w. 14, 160 Gr.; etwas in voller breite erzählen; volle höhe eines baumes, wenn er ganz ausgewachsen ist; voller umfang, sehr oft in neuerer sprache: er begriff, wohl auch nicht in dem vollen umfang ... aber doch besser als seine partei Mommsen m. gesch. 2, 336. — volle gestalt, figur, anders als unter 2 a, die ganze gestalt im gegensatz zu den einzelnen theilen: jemanden in ganzer figur malen, für die ganze gestalt modell stehen; darumb muste dieser Simeon ein allter man seyn, das er der allten propheten voll und eben figur were (ihnen ganz entspräche) Luther 10, 2, 386 W.; sehr oft in übertragener anwendung volle gestalt gewinnen u. ä.: (thema,) welches zuletzt hervortritt und volle gestalt gewinnt Jahn Mozart 4, 16. — volle figur, körper im gegensatz zur linie und fläche Harsdörfer frauenz. gesprächspiele 1, c 2b. 33) der attributive gebrauch von voll, besonders in verbindung mit abstracten, läszt sich nicht erschöpfend darstellen. alle bisher bezeichneten färbungen treten dabei in erscheinung, die beziehung auf den inhalt des begriffs, seine stärke, seine steigerung, die aber immer unter der grenze des übermaszes, der ganzheit bleibt. zu beachten ist, dasz der prädicative gebrauch des wortes nicht so reich entwickelt ist. man sagt: das volk befand sich in voller empörung, aber nicht: die empörung des volkes war voll; in voller begeisterung rief er aus, nicht: seine begeisterung ist voll, wohl aber: um seine freude voll zu machen; liegt es vielleicht daran, dasz wir selber sie (die freude) nie so voll bekommen Jean Paul 3, 152 R.leichter steht überhaupt voll in freier anwendung im prädicat, wenn es durch ein zweites adj. gestützt ist: die strofe, die du mir schreibst ist so voll und lebendig Bürger br. 2, 210 Str.; wie concentrirt und voll und frisch ist die wirkung dieses büchleins Gervinus im briefwechsel mit Jac. u. W. Grimm u. Dahlmann 2, 265; darum ist sie (die liebe) allein voll und ganz Fr. Schlegel jugendschriften 1, 25 Minor (voll und ganz, adv. s. unter 12 b). — in älterer sprache: eischt und ir enpfacht, das ewer freude sey vol erste d. bibel 1, 404 lit. ver. im folgenden sind gruppen festerer verbindungen herausgestellt und der allgemeine gebrauch durch eine auswahl von beispielen belegt. 3@aa) voller blick, ganz zugewandter, offner, sich hingebender blick (s. 12 a): mit dem vollen blick der liebe Schiller 5, 122 G.; zum verlangen des vollen, liebreizenden blickes Mörike w. 3, 13 Göschen: mit vollem hingehefteten blick Klopstock Messias 8, 60; mit dem verweilenden vollen blick, und der seele drin oden 1, 111 M.-P.; vgl. oben volles auge unter 2 a. 3@bb) von bewegungen: der hof war in voller bewegung Gutzkow zauberer von Rom 1, 181; in vollem gange, frei und übertragen: (dasz das) begräbnisz in vollem gange war 2, 48; die verhandlung war in vollem gange, als er eintrat; dasz der feldmarschalck ... in vollem anzuge nach Preuszen were Chemnitz schwed. krieg 1, 14; das die meisten davon in confusion und volle flucht geriethen 2, 203. [] in vollem lauf: (wo) das wasser mit vollem lauff rauschet weish. Sal. 17, 19; mit dem er in vollem lauff auff den Gandalis zurennet Amadis 1, 35 lit. ver.; in vollem lauff A. Gryphius Horrib. 24 ndr.; da eilte der hahn ... in vollem laufe ... in den wald Brentano ges. schr. (1852 ff.) 5, 32; in vollem laufe stürzte Hans nach dem laden des trödlers Raabe hungerpastor (1864) 1, 170; der mond sitzt auff den wagen, und thut mit vollem lauff desz himmels feld durchjagen Kirchner bei Zinkgref auserl. ged. 29 ndr.; die stunde, welche hilfft, ist schon in vollem lauff Logau sinngedichte 198 E.; da geht das glück in vollem lauff P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 433a; ein eilbot sprengte in vollem lauf voraus Schiller Macbeth 1, 10; da macht sichs bäumlein auf, und kommt im vollen lauf zum wald zurück gelaufen Rückert w. (1867 ff.) 3, 9. mit vollem laufen: trafe er den gemsjägersknecht mit vollem laufen also recht Teuerdank (1878) 91. vollen lauf lassen: nichtes ihme im weg stunde, selbigen den vollen lauf zu lassen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 335. eile, hast: dort kommt ein mann in voller hast gelaufen Schiller Wilhelm Tell 1, 1. veraltet mit vollem schritte, vollen schritten: mit vollen schritten einher treten Steinbach 2, 902; er lief mit vollen schritten auf die vollkommenheit Fleming deutsche ged. 1, 52 L.; ich will für dir (gott), mit dir, durch dich, in deinen wegen mit vollen schritten gehn A. Gryphius (1698) 2, 127; der seegen eilt mit vollem schritte Stoppe Parnasz (1735) 17. mit vollem rennen: worauf eine grosze menge ... wilder thiere mit vollem rennen zugelauffen kamen Lohenstein Arminius 2, 1157a. sprung, sprünge: (dasz) sie mit vollen sprungen darin (in den tod) lauffen wolten Spee cautio crimin. (1649) 61a; dasz es in vollem sprunge ohne ausholen uber 9. seiner schuch springen konte Prätorius philosophia colus (1662) 2; er gieng mit vollen springen der frühlingspriesterin zu Lohenstein Arminius 2, 199a; so tantz ich mit der liebsten mein, die geht in vollen sprüngen hrein B. Krüger aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) d 1b; und dieser kam auch gleich mit vollen sprüngen wieder Neukirch ged. (1744) 139. von den gangarten des pferdes, die aber auch auf andere thiere und menschen bezogen werden können: in vollem trab, galopp Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208c; kaum biegen wir im volle trab um die eck Bettine dies buch gehört dem könig 1, 15; Dolon kam her mit vollem trab Spreng Ilias (1610) 131b; ach zeumet auff den vollen trab! Spee güldenes tugendbuch (1649) 412; (der postillon) fuhr auf einem steinpflaster in vollem gallop los Bode Yoricks empfinds. reise 1, 109; in vollem galop stürzt eine grosze masse solcher edlen thiere (pferde) heran Göthe 25, 1, 1 W.; durch die im vollen galopp (von kindern) überbrachte aufforderung Gutzkow ritter v. geiste 3, 430. — ritte mit so einer artigen manier im vollen courier die treppe hinunter Reuter Schelmuffsky 108 vollst. ausg. ndr.seltenere verbindungen: lieffen in vollen sporenstreich wieder zurücke (reiter) A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 224. in vollen bügen s. th. 2, sp. 494. [] in vollem flug, vollen flugs (vgl.flugs, adv.): der habicht in vollem flug hinein rennet und fället Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) a 2a; von gottes wundern stark ergriffen, stieg meine seele dann vollen flugs zum himmel maler Müller w. (1811) 1, 3. — vom schwärmen der bienen: als wenn ein bienenflug in follem schwärmen wär Rompler von Löwenhalt erstes gebüsch 80. schwang, schwung: wie sawr wirdt mirs, dein euangelium mit vollem schwanck in das teutsche volck zubringen Vogelgesang-Cochläus v. d. trag. Joh. Hussen 14 ndr. — in vollem schwange gehen, in allgemeinem gebrauch, ganz verbreitet sein: das ghet in vollem schwang Luther 34, 2, 536 W. gerechtigkeit wird dennoch stehn und stets in vollem schwange gehn P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 360; in vollem schwunge über den graben springen; im vollen schwunge seiner rede. voller streich, weit ausholender, wuchtiger schlag: demnach schlug der juncker mit vollem streich Amadis 1, 40 lit. ver.; da er nue einen vollen streich (d. h. die günstige gelegenheit dazu) zu haben vermeint, hat er auffgezuckt, und graffen H. einen solchen ungehewren streich in sein heubt gegeben Spangenberg mansfeldische chronica (1572) 246b. in vollem zuge: wie du in vollem zug mit allen guten winden fährst Mörike w. 3, 49 Göschen; besonders in freierem gebrauch: die sache ist in vollem zuge, geht vorwärts; bundesgenossonschaft war in vollem zug sich in eine unterthanenschaft zu verwandeln Mommsen m. geschichte 2, 379. — beim trinken ist zug der edlere ausdruck neben schluck: einen vollen zug aus dem becher thun, in vollen zügen trinken: dasz ich von neuem euren wein in vollen zügen trinke Miller ged. (1783) 71; gern frei und übertragen: man schlingt die lüge, die uns schmeichelt, in vollen zügen hinab Göthe 45, 80 W.; er genosz die wiedergewonnene freiheit, das leben, Italien in vollen zügen u. ä.vom atmen: lasz mich in vollen, in durstigen zügen trinken die freie, die himmlische luft Schiller Maria Stuart 3, 1. vollen zugs: vollen zuges trinkt er ein ewiges meer der freude Herder 27, 32 S. 3@cc) mit vollem winde, vor vollem winde fahren s. unter 13a; daneben auch freiere verbindungen: (wobei) cumuli in vollem sturme nah über die erde hinjagen Laistner nebelsagen 25; sein mantel, wie von einem vollen windstosze aufgebauscht Grimm Michelangelo 1, 293; wenn deines grimmes loh in vollem sturme fährt Fleming dsche ged. 6 L. in diesem letzten von der vollen windsbraut der revolution durchrasten gebiet der litteratur Mommsen m. gesch. 2, 462. — man sagt auch: im vollen brausen des sturms u. ä.besondere wendung, übertragen: (zungen,) di hoches prachts reden mit vollem braus Melissus psalmen 45 ndr. 3@dd) volle blüte, reife in eigentlichem und übertragnem sinne: die freien künste und sprachen stehen in voller blüte Reinicke fuchs (1650) 174; ein mann in seiner vollen blüthe Klinger w. (1809ff.) 3, 3; in der zeit der vollsten mannesblüthe Gutzkow ges. w. 9, 333; um die zeit, wenn das kartoffelfeld in voller blüte stand Keller ges. w. 4, 15; was freude gibt, dem hertzen liebt, die augen füllt, das sehnen stillt, steht da in voller blüthe P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 442b; [] und dasz der unterthan in vollem flore stund A. Olearius vermehrte reisebeschr. (1696) vorbericht; so verhindert man ine (den baum) an seinem vollen blüen Sebiz feldbau (1579) 344; so prangt des lebens schönste farbe ins volle blüthenthum gestellt Th. Körner 2, 32 Hempel. wenn erst diese prächtigen keime zur vollen reife erwachsen Schiller räuber 1, 1; der glanz einer zur vollsten reife erblühten schönheit Jahn Mozart 4, 130. 3@ee) innere zustände, bewusztsein, gefühl, verlangen, hingebung, willen: bei vollem bewusztsein; seiner ersten in volleren jünglingsbewusztsein verlebten jahre Gutzkow ges. w. 12, 263; in der vollen regung meines herzens Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 53; (mich zu beschirmen) mit leben, blut, leib, kraft und vollem muthe Tieck schr. (1828) 1, 94; im ersten vollen gefühl seines gesunden daseyns Herder 5, 95 S.; vollen, warmen herzensdank maler Müller w. (1811) 1, 320; das volle warme gefühl meines herzens an der lebendigen natur Göthe 19, 73 W.; (wenn ich) mit vollem gefühl beistimme Fr. Schlegel w. 2, 145. eine volle, herzliche, auf das verdienst des geliebten gegründete leidenschaft Göthe 41, 1, 153 W.; in voller ergebenheit gegen den könig Ranke s. w. 1, 112; mit so voller feindseligkeit 1, 9; in voller, süszer liebe P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 375a; und im seufzer, mit vollem verlangen, mit voller entzückung, ausgedrückt, auf einem zitternden blühenden mund Klopstock oden 1, 36 M.-P.; der mund, so stets in vollem eifer stund Gottsched ged. (1751) 228. dasz er in vollem zorne sein buch zuschlug maler Müller w. (1811) 1, 233; in voller wuth treibt mich der Venus zorn Schiller Phädra 1, 3; mein bruder ist in voller freude Göthe 8, 46 W; alles war in vollem jubel Brentano schr. (1852ff.) 5, 113; hör doch nit auff mit vollem lust ihre stirn, mundt, halsz, wangen, brust mit tausent küssen anzurennen Zinkgref auserl. ged. 41 ndr.; o volle wonne! — wonne kaum zu fassen Denis lieder Sineds (1772) 81; so last mich doch die maus nit vollen gelouben an dich haben Steinhöwel Äsop 123 lit. ver.; vor dem bilde Delaroches steht man mit vollem glauben Gutzkow ges. w. 7, 479; sein volles vertrauen besitzen, jemandem volles vertrauen schenken, volles vertrauen fassen, im vollen vertrauen auf. — der treibt und bewegt zu aller gutten handlung aus freyem vollen willen Eberlin v. Günzburg 2, 47 ndr. — zu keinem vollen entschlusz kommen; er hat immer nur entwürfe gehabt, nie einen vollen plan E. M. Arndt für u. an s. l. Deutschen 1, 495. 3@ff) volle kraft, gewalt, macht, wirkung u. ä.: mit vollem werck Paracelsus opera (1616) 2, 503 H.; dasz auch bey uns mannspersonen die thorheiten der jugend noch im alter ihre volle kraft unverändert behalten Rabener w. 4, 152; in voller kraft, in voller schönheit seiner männlichen jahre Meiszner Alcibiades 4, 142; ihr könnt eur fürstenpar bey vollen kräften sehn Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 70; noch fühl ich volle kraft (ἔτι μοι μένος ἔμπεδόν ἐστιν Il. 5, 254) Bürger 161 Bohtz; einer von den fällen, wo des gesetzes volle kraft nicht statthaft Z. Werner söhne des thales (1807) 1, 286; von gesetz, vertrag, gerichtsurtheil, festgelegte meinung u. ä.: in voller kraft bleiben: das zuerst gesagte bleibt in voller kraft Göthe br. 32, 145 W.; [] man lasse die sentenz, die ihr das haupt abspricht, in voller kraft bestehn Schiller Maria Stuart 2, 3; von der dampfkraft eines schiffes: mit voller kraft vorwärts. — volle gewalt geben, haben Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208c; hettend all und jeglich vollen und guoten gewalt von irn herren mit briefen und och insigeln Richental Constanzer conzil 52 lit. ver.; daz ain ieclich burger vollen gewalt hat, daz er mac tuon und lazen mit sinem varnden guot ..., swaz er wil Nürnb. polizeiordn. 17 lit. ver.; desz alles habtt ewch vollen gewalt an leib und an guott Fortunatus 64 ndr.; das er ihm zu dieser gruben oder zechen, vollen gewalt gebe Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 59; (dasz) die fühlende seele ganz die volle gewalt dieser empfindungen faszt Klopstock oden 1, 35 M.-P.; mit voller macht, à tutta forza, con tutto l'esercito Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208c; darinne er in volle macht geben hett, den krieg ab ze legen d. städtechron. (Nürnberg 1449) 2, 162; dasz er volle macht zu befehlen hätte Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 7; beachte den eingeengten sinn von vollmacht; jem. seine volle macht, übermacht fühlen lassen; s. u. vollmacht. — heer: er stürzte sich mit seiner vollen macht auf den linken flügel des feindes. 3@gg) volles recht, volle gewalt Stieler 2390; volles recht ergehen lassen, im ganzen umfange wirken lassen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208c; volle rechtsgültigkeit, volles bürgerrecht; er ist in seinem vollen rechte. auch sprechen sie und weisen das zu vollen rechten weisth. 6, 13. — mit vollem recht, ganz frei, die richtigkeit der auffassung bezeichnend: man nannte diese ... blumenverzierungen mit vollem recht agréments Brentano ges. schr. (1852ff.) 5, 8; zustehender anspruch: er verlangte diese würde mit vollem rechte für sich. voller ernst: voller ernst des lebens; mit vollem ernst an die arbeit gehen; in vollem ernste sprechen u. s. w.; dasz ihr der obliegenden pflicht ... mit vollem ernste nicht nachleben wollet Chr. Weise polit. redner (1677) 12; menschen, die so ekzentrisch sind, im vollen ernst tugendhaft zu seyn Athenäum 1, 2, 127; sollten sie wirklich im ernst gesprochen haben? — im vollen höchsten ernst, mein fräulein Schiller der neffe als onkel 2, 6; nein doch, nein! ich sprech im vollsten ernst Hebbel w. 3, 258 W. voller sinn; besonders in der festen verbindung im vollen, vollsten sinne (des wortes). — er versteht nicht den vollen sinn dieses satzes, dieser einrichtung; der volle sinn des gedichtes ist ihm nicht aufgegangen u. ä.: nach der überwindung des thiers aus dem abgrund werden erst in vollem sinn alle reiche der welt unserm herrn zugehören Jung-Stilling w. 3, 220; er musz zuerst sich in dem vollsten sinn des ausdrucks kennen W. v. Humboldt schr. 2, 16 ak. ausg.; sie wurde im vollsten sinne das enfant terrible des hauses Raabe hungerpastor (1864) 2, 121. —
96578 Zeichen · 1752 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Voll

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Voll , adj. et adv. voller, volleste, in einigen gemeinen Mundarten, völler, völleste. Es bedeutet, so viel von einem an…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    voll

    Goethe-Wörterbuch

    voll [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Voll

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Voll , Karl , Kunstgelehrter, geb. 18. Juli 1867 in Würzburg, studierte in München neuere Sprachen, war 1892–96 Reallehr…

  4. modern
    Dialekt
    voll

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    voll [fòl, fol allg. ], flekt. voller, volli, voll e s neben unfl. voll wie in der dichterischen Sprache des Nhd.; Komp.…

  5. Sprichwörter
    Voll

    Wander (Sprichwörter)

    Voll 1. Abends voll, morgens noll. – Lehmann, 757, 9. 2. All tag voll vnd vbersatt, alle wochen zweymal im badt, macht e…

  6. Spezial
    voll

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    voll I adj. 1 (ganz gefüllt) plëgn (-s, plëna), colm (-s, -a) 2 (voll besetzt) plëgn (-s, plëna) 3 (beladen) ciarié (-iá…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit voll

2.449 Bildungen · 1.439 Erstglied · 1.003 Zweitglied · 7 Ableitungen

voll‑ als Erstglied (30 von 1.439)

voll(e)sprëchen

Idiotikon

voll(e)sprëchen Band 10, Spalte 782 voll(e)sprëchen 10,782

voll(e)stā(n)

Idiotikon

voll(e)stā(n) Band 11, Spalte 647 voll(e)stā(n) 11,647

voll(ge)tān

Idiotikon

voll(ge)tān Band 13, Spalte 352 voll(ge)tān 13,352

vollacheln

SHW

voll-acheln Band 2, Spalte 841-842

vollangeln

SHW

voll-angeln Band 2, Spalte 841-842

vollauf

SHW

voll-auf Band 2, Spalte 841-842

Vollbart

SHW

Voll-bart Band 2, Spalte 841-842

vollblasen

SHW

voll-blasen Band 2, Spalte 841-842

Vollblut

SHW

Voll-blut Band 2, Spalte 841-842

Volldampf

SHW

Voll-dampf Band 2, Spalte 841-842

Volldüng

SHW

Voll-düng Band 2, Spalte 841-842

vollessen

SHW

voll-essen Band 2, Spalte 841-842

Volleule

SHW

Voll-eule Band 2, Spalte 841-842

Vollgas

SHW

Voll-gas Band 2, Spalte 843-844

vollgauzen

SHW

voll-gauzen Band 2, Spalte 843-844

vollgeben

SHW

voll-geben Band 2, Spalte 843-844

vollhaben

SHW

voll-haben Band 2, Spalte 843-844

voll als Zweitglied (30 von 1.003)

Ährenvoll

Campe

Ährenvoll , — er, — este, adj. u. adv. voller Ähren, reich an Ähren. »Dort schwimmen die Westwinde auf der grünen Fläche der ährenvollen Gef…

Handvoll

RDWB1

Handvoll f (kein Bezug zu "полный") жменя устар. , пригоршня, горсть, охапка разг. немало, изрядное количество eine ganze Handvoll Beispiele…

Ɉammervoll

Campe

Jammer·voll

Ɉammervoll , adj . u. adv . voll Jammers, sowol höchst klagend, als auch, höchst elend, unglücklich, und, voll Unglücks, wie auch in hohem G…

Ɉubelvoll

Campe

Ɉubelvoll , adj . u. adv . voll Jubels, voll der lebhaftesten auch der feierlichsten Freude. Wenn unter hohen jubelvollen Zungen Ein süßer T…

Abenteuervoll

Campe

abenteuer·voll

○ Abenteuervoll , adj. u. adv. reich an Abenteuern. — — — jemehr sie sich — — Dem abenteuervollen Schauplatz nahn. Bürde.

abscheuvoll

DWB

abscheu·voll

abscheuvoll : kein flusz verwäscht den greul von abscheuvollen dingen. J. E. Schlegel 1, 56 .

abschiedvoll

GWB

abschied·voll

abschiedvoll Augenblick .. da ich von Ihnen und Ihrer .. Tochter mich trennen musste, und mit Abschiedvollem Herzen die letzte Hand küsste G…

absichtsvoll

DWB

absicht·s·voll

absichtsvoll , cogitatus : für manchen bald mit ungeduld durchharrten bald absichtsvoll verlornen tag. Göthe 9, 125 . ein sieg, den ich durc…

ABWECHSLUNGSVOLL

DWB2

abwechslung·s·voll

DWB2 ABWECHSLUNGSVOLL adj. DWB2 vgl. abwechslungsreich: DWB2 v1885 Sanders erg.-wb. 591 c . 1894 ein reizendes abwechslungsvolles programm H…

Achtungsvoll

Campe

achtung·s·voll

Achtungsvoll , — er, — ste, adj. u. adv. voll Achtung, viele Achtung zeigend. Sein achtungsvolles Betragen gegen mich.

ADELVOLL

DWB2

adel·voll

DWB2 ADELVOLL adj. DWB2 edel, vornehm: DWB2 ⟨1822/3⟩ ein majestätischer greis, dessen hoher .. körperbau, mit .. dem adelvollen, blühenden a…

ärgervoll

DWB

aerger·voll

ärgervoll , taedii plenus, voll verdrusz: er hoft, ihm schneide gott Apoll ob dieser unsch m ärgervoll die langen ohren ab. Haug.

AFFEKTVOLL

DWB2

affekt·voll

DWB2 AFFEKTVOLL adj. : DWB2 DWB2 1746 ein tragischer dichter könte diese historie ( Medea ) nach seinem willen ändern, .. nehmen sie ( Gleim…

ahndevoll

DWB

ahnd·e·voll

ahndevoll , praesagii plenus, dies blieb auch in den neueren Göthischen ausgaben stehn, welche sonst ahnen für ahnden setzen, denn ahnevoll …

ahndungsvoll

DWB

ahndung·s·voll

ahndungsvoll , was ahndevoll, in den folgenden stellen ist es dem gewöhnlich durchgeführten ahnungsvoll noch nicht gewichen: diese ruinen zu…

ahnungsvoll

DWB

ahnung·s·voll

ahnungsvoll , ein lieblingsausdruck Göthes, von welchem reichliche belege zu geben sind, man merke aber, dasz alle älteren ausgaben immer ah…

Allmachtsvoll

Campe

allmacht·s·voll

◬ Allmachtsvoll , adj. u. adv. für allmächtig. z Allmachtsvoll ertheil' ich dir die Kraft. Falk. » Allmachtsvolles Gold.« Karschinn. Auch al…

Allmachtvoll

Campe

allmacht·voll

◬ Allmachtvoll , adj. u. adv. voll Allmacht, Alles vermögend. Uneigentlich. Wann sonst dem allmachtvollen Hauch Ir süßer Ton I leisem Schmac…

andachtsvoll

DWB

andacht·s·voll

andachtsvoll : im gedräng der andachtsvollen schaar. Wielands Klelia 1, 67 . bei Hagedorn 2, 11 und Gotter 1, 158 andachtvoll.

andachtvoll

DWB2

andacht·voll

DWB2 ANDACHTSVOLL , andachtvoll adj. DWB2 von andacht erfüllt. DWB2 DWB2 1 zu andacht 3 : 1646 die andacht-volle brunst der frommen lust und…

andenkevoll

GWB

andenke·voll

andenkevoll zu Andenken 1 a Euern lieben Andenckevollen [ Korr GWB B3,324 ] Brief hab ich heute kriegt, und muß nur wenigstens euch dagegen …

Anmaßungsvoll

Campe

anmassung·s·voll

○ Anmaßungsvoll , — er, — ste, adj. u. adv. voller Anmaßung, sehr, höchst anmaßend. »Seh ich dich endlich meiner Rache nahe, — du anmaßungsv…

Anmuthsvoll

Adelung

anmuth·s·voll

Anmuthsvoll , -er, -ste, adj. et adv. voll Anmuth. Eine anmuthsvolle Gegend. O fliehe nicht, rief sie mit anmuthsvollem Ton, Wiel.

anmutsvoll

DWB

anmut·s·voll

anmutsvoll , Gotter 1, 113. 3, 147 ; an diesem anmutsvollen orte. Wieland 11, 193 ; ihr anmutsvollen bettlerinnen gebietet selbst im flehn. …

Anspruchsvoll

Campe

anspruch·s·voll

○ Anspruchsvoll , — er, — ste, adj. u. adv. voller Ansprüche, viele und große Ansprüche machend. Ein anspruchsvoller Mensch.

ANSTANDSVOLL

DWB2

anstand·s·voll

DWB2 ANSTANDSVOLL adj. DWB2 auch anstandvoll. zu anstand 5 a . den regeln des anstands folgend, adv. ‘ auf schickliche weise ’ DWB2 v1807 di…

anstandvoll

DWB

anstand·voll

anstandvoll , decore plenus: die anstandvolle, unverstellte gleichgültigkeit und ungezwungne kälte. Wieland.

Arbeitsvoll

Campe

arbeits·voll

○ Arbeitsvoll , oder Arbeitvoll, adj. u. adv. voller Arbeit, was viel Arbeit erfodert, mühsam. Ein arbeitsvoller Tag. — Schiller.

Ableitungen von voll (7 von 7)

bevollen

Lexer

be-vollen adv. BMZ aus bî vollen völlig Nib. Gudr. Walth.

ervolle

BMZ

ervolle swv. 1. mache voll, fülle an. manege tugende mit den der boum ervollet wirt H. zeitschr. 7,513. 2. erfülle, vollende. ervolt ir sîne…

ervollen

DWB

ervollen , 1 1) implere, erfüllen: mhd. dër half im wol ervollen in sturme sînen muot. Nib. 205, 3 ; ir gebot ich gërne ervolle. Wh. 291, 24…

Ervollung

Idiotikon

Ervollung Band 1, Spalte 784 Ervollung 1,784

unvoll

DWB

unvoll , adj. , nicht voll Campe : dasz die rechtsspr. ... ze sinen jaren komen für das geringere, unvolle, ze sinen tagen komen für das vol…

vervollen

DWB

vervollen , v. , versinken, untergehen: her ( ein lastschiff ) vorvollete in der see, do wart nicht von geborgen (1400) handelsr. d. d. orde…

volle

DWB

volle , m. , schwach flectierend, vollen, m., vollheit, fülle, vollständigkeit, genüge mhd. wb. 3, 363 a ; Lexer 3, 446 ; Schmidt elsäss. wb…