voll,
adj. ,
got. fulls;
an. fullr;
dän.-norw. fuld,
schwed. full;
ags. ful;
afries. ful, fol;
as. ful, fol;
ahd. fol Graff 3, 477;
mhd. vol
mhd. wb. 3, 361
a (volle 362
a); Lexer 3, 432;
plenus, folle, fol, ful, vul, vol, voll Diefenbach
gl. 442
a;
mnd. vul Schiller-Lübben 5, 548
b;
mnld. vol Verwijs-Verdam 9, 787; voll Dasypodius 449
b; Maaler 472
a; Henisch 1352, 45; Stieler 2389; Steinbach 902; Frisch 2, 406
a; Adelung; Campe.
zum gebrauch in den mundarten vgl. Schmeller-Fr. 1, 838; Fischer
schwäb. wb. 2, 1623;
schweiz. idiot. 1, 779; Martin-Lienhart 1, 109; Ch. Schmidt 113
a; Schöpf 790; Zingerle
lusern. wb. 30
b; Lexer
kärnt.-wb. 100; Hügel
Wiener dialekt 183
a; Müller-Fraureuth 2, 625
a; Albrecht
Leipz. ma. 232; Spiess
henneb. idiot. 271; Döring
Sondershäuser ma. 86; Jecht
Mansfelder ma. 119
b; Knothe
Nordböhmen 532; Cercelius 2, 884; Hönig
Kölner ma. 196
a; Christa
Trierer ma. 2, 212; Follmann
lothring. ma. 169
b;
wb. d. luxemb. ma. 471
b; Leithäuser
Barmer ma. 167
b;
d. richtige Berliner 148
a; Frischbier 2, 447
a; (vull-)
brem. wb. 1, 464; Schütze
holstein. idiot. 3, 325; ten Doornkaat-Koolman 1, 568
a; Bauer-Collitz 36
a; Danneil 241
b; Dähnert 137
b; Mi
mecklenb.-vorpomm. ma. 104
a.
wenn voll
im strengsten begriff genommen wird, ist eigentlich eine steigerung nicht möglich, doch braucht man ohne weiteres den comp. in der vergleichung: dein glas ist voller als meins,
u. ä.; doch auch freier: das gefühl ist sicherer und voller Herder 5, 49
S.; (
mir wäre) besser gerathen, wenn ich mit vollerer hand (
πλειοτέρη σὺν χειρὶ) in mein liebes vaterland kehrte Vosz
Od. 11, 359
Bernays; der, endlich vom namen Homeros kühn uns befreiend, uns auch ruft in die vollere bahn Göthe 1, 294
W.; ein leises glöcklein stimmt so rein zu einem lautern vollern ein Uhland
ged. 1, 313
Schm.-H.; [] ebenso der superl.; neben im vollen sinne des worts
auch im vollsten
u. ä.; im vollsten glanze des glücks Lessing
Minna 5, 5; der feinste (
scherz) weisz sich sogar in den vollesten ernst zu verwandeln Herder 22, 158
S.; mit dem vollsten recht Fr. Schlegel
w. 3, 76; von der schönsten, vollsten und eigenthümlichsten klangwirkung O. Jahn
Mozart 4, 56; denk unsrer tiefsten lieder, stimm an den vollsten ton Uhland
ged. 1, 307
Schm.-H. umgelautete steigerungsformen sind im älteren nhd. sehr häufig: voll, völler, völlester Stieler 2389;
compar. völler,
superl. am völlesten Steinbach 2, 902;
nach Adelung
sind die normalen formen ohne umlaut, '
in einigen gemeinen mundarten, völler, völleste'; voll, voller (nicht völler), am vollsten Braun
dtsch. orthogr. gramm. wb. (1793) 290
a;
die umgelauteten formen erhalten sich mundartlich schweiz, idiot. 1, 749; 781; Fischer
schwäb. wb. 2, 1623; Martin-Lienhart 1, 109; trünckner und völler ... dann er ye mer gewesen war Arigo
decamerone 425 (1860); alle wasser lauffen ins meer, noch wird das meer nicht völler
pred. 1, 7; der geyger, der völler dann die andern alle geweszt Lindener
rastbüchl. 20
L.; machen das masz ihrer sünden immer völler Schaller
theol. herold (1604) 109; wenn ein mond were (
im himmlischen Jerusalem), müste er völler seyn Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 1, 229; einen nicht wohl zu beschreibenden, völlern ... klang Bode
Montaigne 3, 210; meinen beutel dadurch ... noch völler zu machen Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 51; fürwar, ich bin nie völler gsin
schweiz. schauspiele d. 16. jh. 1, 234
Bächtold; meinst nicht, dasz das meer völler sey, als es zuvor gewesen ist?
griech. dramen 2, 234
D.; Kastalis, dein teurer flusz soll durch mich auch sich ergieszen und mit völlern ufern flieszen Fleming
ged. 1, 371
L.; was aber kann auf erden wohl völler von beschwerden als junge männer seyn Neukirch
ged. (1744) 38; (
bäume) völler, als man sonst gesehn, reich an unerzwungnen früchten Hagedorn (1764) 2, 15;
umgelauteter superl.: unnd also ... unter die völleste statt Europa gerechnet werden mag Federman
Niderlands beschr. (1580) 102; so ruft der völlste bey dem haufen Schwabe
belustigungen 3, 224.
vereinzelt tritt in älterer sprache eine form des adj. mit anorganischer endung -e
auf (
mhd. wb. 3, 362
a): wo mir ainicher volle wer des hails
N. v. Wyle
translationen 33
lit. ver.; die gancz stat Venedig diser abenteure vole was Arigo
decamerone 263
lit. ver.; es ist die form des adverbiums. 11)
ohne angabe dessen, wovon etwas voll ist. 1@aa)
von hohlräumen, gefäszen, behältern aller art, die etwas in sich aufnehmen, es umschlieszen, festhalten, bewahren: voller becher, topf, korb, kasten, schrank, sack, beutel, volle tasche: voller korb, volle schüssel, voller teller, voller löffel, volle schaufel, volles ei, voller mund, magen, bauch,
und so in nicht zu erschöpfender anwendung im gegensatze zu leer;
so viel in sich habend, als hineingeht; ebenso von umschlossenen räumen wie haus, kammer, scheune
u. ä., von gefährten wie wagen, schiff:
trinkgefäsze: der mönch war unterdessen zum schenktisch getreten, wo er ein volles weinglas ergriff Schiller 4, 247
G.; das volle glas stehen lassen Göthe 23, 140
W.; die zwei letzten gläser bis zum rand voll Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 231; indem er das volle glas mit einem zuge hinunter stürzte E. Th. A. Hoffmann 1, 13
Gr. ein voll glas hab stehts hinder dir Scheit
Grobianus 802; lärten volle gläser ausz Spreng
Ilias 93
b;
[] bei vollen gläsern wollen wir ein stündchen schön verträumen Körner
w. 2, 79
Hempel. krug, humpen, römer: hinder die vollen krüg sitzen Fischart
Eulenspiegel 13
H.; beym tanz und beym vollen krug Geszner
schr. (1777) 1, 125; wir verachteten es, in becher einzuschenken; nein, aus dem vollen humpen selbst tranken wir groszherzigen das kühle ... nasz Tieck
schr. 4, 29; brüder fliegt von euren sitzen, wenn der volle römer kraiszt Schiller 4, 4
G. becher
klingt uns gewählt: schwenkte den vollen becher maler Müller
w. (1811) 1, 125; schenkt ein vollen becher ein Scheit
Grob. v. 3288
ndr.; gib mir den becher, disen vollen Klopstock
oden 1, 22
M.-P.; reichten draus (
aus dem mischkessel) die vollen becher überall herum Bürger 147
Bohtz (
Il. 1, 471:
νώμησαν δ' ἄρα πᾶσιν ἐπαρξάμενοι δεπάεσσιν); erneue der volle becher unsern bund Stolberg
ges. w. 1, 112; einen wohlgeschnitzten vollen becher hielt ich drückend in den beiden händen Göthe 2, 106
W. voller kelch (
im bilde): sie hat den vollen kelch der freuden ausgetrunken Schiller
Maria Stuart 2, 9;
antikisierend: von dem glanz der vollen schale, die ein schöner knabe trug Göthe 1, 181
W. übertragen: denn der liebe volle schale wird mir täglich dargebracht Novalis 4, 131
Minor. wein im schlauch: hör Bacche mit dem groszen bauch, lang mir dort her den vollen schlauch Scheit
Grobian. v. 105
ndr. germanisch: hornum fullum drukku þeir hinn hreina mjǫð
Sólarlj. 56.
im altnord. bezeichnet full,
n., das volle horn, das bei der opfermahlzeit den göttern geweiht wurde (drekka full, Óðins full, helga full ásum at fornum sið
u. ä.).
dem entspricht ags. ful
im sinne des gefüllten trinkgefäszes: onfóh þissum fulle,frêodrihten, mín
Beowulf 1170.
ebenso as.: het is thero gesteothe at them gomun uuas themo herostonan hand geban, ful mid folmun
Heliand 2047.
m. ohne bezeichnung des gefäszes von dem nordischen brauch: so trank man zuerst den vollen dem Odin für den siege des königs und sein reich Dahlmann
Dänemark 2, 94. —
während man jetzt sagt: einen ganzen trinken, zutrinken, vorkommen, nachkommen,
brauchte man früher auch voll
in solchen wendungen: sunder halve eder vullen to todrinkende eyn deme anderen
quelle bei Schiller-Lübben 5, 548
b; pringen im eins halb und voll Fischart
Garg. 71
ndr.; wir wöllen saufen zu halben und zu vollen Uhland
volksl. 576; schleichen hin zu dem külen wein zu halben, vollen, on geferd bisz keiner heim zu gehn begert Waldis
d. päbstisch reych q q 2
a; wo man in dem weinhauss sitzt, trinckt volle und gantze auss H. Sachs 9, 419
lit. ver. man sagt jetzt eine halbe,
f., ein ganzer,
m.; möglich, dasz auch volle,
f. im gebrauch war Vilmar
Kurhessen 432. ein voller topf,
olla plena Steinbach 2, 902; bisz der hafen gleich schier voll würdt Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 102; bei tisch ist er mit seinem vollen teller immer am
[] ersten fertig Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 17; hob ihnen die volle schüssel entgegen Storm
w. (1899) 1, 12; framm setti hon skutla fulla
Rigsþula 32; lärn gros vol schüssl und schmiern eure drüssel
altd. passionsspiele aus Tirol 195;
im bilde: wer hat je der lebensseligkeiten genug gehabt, wenn sie ihm mit vollen löffeln geboten werden Raabe
Horacker (1876) 4. — wenn das weinfasz nur halber vol ist Thurneyszer
magna alchymia (1583) 3;
sprichw.: der frasz kriegt nie volls vasz
sprichwörter (1548) 97
b; volle vasz klingen nit, aber die lehren klingen sehr 50
b; dann (sagt man) von biertranck und wein sollen nicht nasz die seyten sein, sie werden sonst nicht meh erklingen, dann volle fasz keyn thon meh bringen Fischart 1, 374
H. (
lob der lauten 710). (
flectiert in prädicativer stellung:) nempt ein sack, der nit ist zu kluen, und haist euch in do vollen geben
pfarrer von Kalenberg 79, 1645
ndr.; sprichw.: (
des geizigen) sack kan nicht voll werden Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 276; bettelsack ward nie voll
sprichwörter (1548) 20
a; pfaffensack ist nie voll Kramer
teutsch.-it. (1702) 2, 192
a; wann der sack zu voll ist, so fehrt er auff Eyering
prov. copia 3, 379; als de sak vul is, so richtet he synen ort Tunnicius
sprichw. nr. 139
Hoffmann; wenn der sack zu voll ist, platzt er,
allzuviel ist ungesund. mit luft gefüllt: wann die sackpfeiff nit voll ist, so kirt sie nit
sprichw. (1548) 20
b; voller sack pfeifft Eyering
prov. copia 3, 365 (
gut essen und trinken macht beredt und unterhaltsam).
behälter für geld und gut, körbe, karren und wagen, vorratskästen und -räume u. s. w.: es ist nicht stöltzers dann ein volle tasch
sprichwörter (1548) 173
b; men mot mit volen (
l. vullen) wagen bytyden varen,
mit schwer beladenem wagen musz man zeitig aufbrechen Tunnicius
sprichwörter 758 (
dort miszverstanden); wir aber sehen nur auff die follen taschen und beutel Luther 19, 313
W.; aber die vollen krätzen (
tragkörbe) trucken den esel am allerminsten Fischart
binenkorb (1588) 156
b; (
wird) mangel an vollen seckeln machen
praktik 5
ndr.; sie hat die kasten voll A. Gryphius
Horrib. 13
ndr.; durch ordentlich hausshalten werden alle cammern voll Schupp
schr. (1663) 6; wol in des wirtes haus trag wir ein vollen seckel und ein leren wider aus Forster
frische t. liedlein 201
ndr.; ein voller beutel ist der blasbalg in dem rechten (
im prozesz) Grob
dichter. versuchg. (1678) 52; giebt für Amors pfeil und bogen ihm seinen vollen beutel pfand Lessing 1, 4
M.; voll sind eure (
der bienen) vorrathskammern Chr.
F. Weisze
lieder für kinder (1767) 55; nimm eine volle kasse mit Schiller
Wallensteins tod 1, 7; voll sind die scheunen
Wilhelm Tell 1, 2; immer ist Johanna Stegen mit der vollen schürze nah Rückert
w. (1867
ff.) 1, 60; 1@bb)
mit menschen angefüllt oder besetzt: das haus, die stube, die kirche, das theater (
oft als haus
bezeichnet: das stück macht volle häuser), das schiff, der wagen, der zug (
eisenbahn) ist voll; es ist so voll in dem saale, dasz kein apfel zur erde fallen kann;
auch: die bank, der tisch ist voll,
alle plätze am tisch sind besetzt, und so in mannigfaltigstem gebrauch: du sihest wol, er ist an allen enden vol (
in der herberge) Arigo
decamerone 69
lit. ver.; auch die kirche vol sey 55; auff das mein haus vol werde
Luc. 14, 23; die losament sind noch nicht voll (
im himmel) Lehmann
[] floril. polit. (1662) 1, 417; die grosze hitze ... der volle salon Bauernfeld
ges. schr. 2, 151; kommt man in die volle schule ist es doch noch eine lust Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 2, 458; das theater wird heute sehr voll werden Deinhardstein
ges. dram. w. (1848
ff.) 1, 12;
in diesem sinne haus: das haus war ungewöhnlich voll Börne
ges. schr. 10, 16 (1829
ff.); ein volles haus, lob und geld A. v. Droste-Hülshoff
an Schücking (1893) 151; was träumet ihr auf eurer dichterhöhe? was macht ein volles haus euch froh? Göthe 14, 12 (
Faust 122);
stark besucht, belebt in freierer anwendung: so wird die nächste messe über die maszen voll und glänzend werden Göthe
br. 12, 223
W.; Marienbad ist so voll, dasz kein unterkommen mehr zu finden ist
br. 37, 126; lasse stille die andern breite, lichte, volle straszen wandern Novalis 1, 69
Minor; auf dem offnen vollen markte, sollst du mir verbuhlet folgen Brentano
ges. schr. (1852) 3, 265; voller tisch,
die menschen umfassend: dort spitzt ein voller tisch das ohr und horcht, wie nachbars Hanns erzähle Günther
ged. (1751) 129. die tafel ist voll (
the table's full) Schiller
Macbeth 3, 8; eine volle versammlung; in voller sitzung
u. ä.; frei: doch jetzt schon heiszt für voll (
beschluszfähig) uns zu erachten die dringende, die allgemeine not Grillparzer (
jüdin v. Toledo 4) 9, 185
S. in besonderer wendung vom grabe: er schwur am vollen grabe noch einmal den testamentschwur Jean Paul 54, 54
R. 1@cc)
beschriebene oder bedruckte fläche (
vgl. 1, s): die bletter beginnen vol zu werden, und der buchdrucker fordert auch dieses wenige eylend unter die presse Prätorius
saturnalia (1663) 25; noch eine kleine begebenheit, damit der bogen voll wird Gellert
w. 9, 269; meine zwey bogen wären nun voll Göthe
br. 1, 117
W. — voll
wird hier öfters in dem sinne von ganz
gebraucht, die bedeutung des gefülltseins tritt zurück: der artikel umfasst drei volle spalten, ich habe einen vollen bogen gebraucht; zwölff zeilen solten erst zu dieser zuschrift sein, iezt wird mir fast ein blat, ein volles blat, zu klein Stieler
geharnschte Venus 99
ndr. anderes: das kerbholtz ist voll Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
b. 1@dd) volle tafel,
reich mit speise und trank besetzte: als nun die malzeit war vollbracht, die volle tafflen leer gemacht Spreng
Äneis (1610) 19
a; denn die meisten menschen sind nur überbleibsel eines vollen gastmahls Novalis 4, 226
Minor; indessen brachte ein diener ein volles frühstück Klinger
w. (1809ff.) 3, 92;
gut stehende fruchtfelder: als ein geschmack eins vollen ackers
erste d. bibel 3, 130
lit. ver.; dasz man die äcker voll und lehr, mocht underschidlich sehen gar (
late discriminat agros 11, 144) Spreng
Äneis 223
a; ein volles land,
ein reiches, fruchtbares Kramer
teutschital. (1702) 2, 1208
c; hüte dich, wenn du kömest in das gute volle land, das dich die fülle nicht betriege Luther 28, 659
W.; die knechte ... des langen stillligens, auch vollen und wolfeylen lägers halben ... unbändig wurden Kirchhof
milit. disciplina (1602) 137; in das gegenüberligende volle land zu gehen, in welchem etliche steinalte leute die tag ihres lebens noch niemalen keine soldaten gesehen hatten Grimmelshausen
Simpl. 3, 251, 16
Kurz. [] von einer stadt: die hochgethürmte königsstadt Ciliciens, die volle Theben (
πόλιν Κιλίκων ἐὺ ναιετόωσαν,
Θήβην ὑψίπυλον Il. 6, 415); Bürger 174
a Bohtz. 1@ee)
in besonderer wendung: schmal allerdings sind diese bänder, nahe genug dem tritt, der auf ihnen eben vollen raum findet (
d. h. das band ausfüllt, grade noch platz findet), der absturz nach der tiefe v. Barth
Kalkalpen (1874) 32; Benno erhielt einen vollen platz in Olympiens herzen Gutzkow
zauberer von Rom 8, 289;
dreidimensionaler raum: die gantze tieffe zwischen den sternen und der erden ist voll und nichts leer Böhme
schr. (1620) 2, 38. 1@ff)
ein bach, ein flusz ist voll,
wenn er angeschwellt ist: volle bächer, die voll sind und überlauffend Maaler 472
b;
freier: der Jordan aber war vol an allen seinen ufern
Josua 3, 15; wie die thal, alldweil wasserbäch dreyn flieszen, vol sein Ambach
vom zusauffen c 3
b; der flusz gehet in vollem strom Kramer
teutsch-ital. (1702) 1208
c; den tief unter ihr mit vollen wogen sich wälzenden flusz Gutzkow
ges. w. (1872ff.) 2, 310; in die Normandie tretend ... wird sie (
die Seine) voller und voller Laube
ges. schr. (1875ff.) 4, 172; der mond steht am himmel, das wasser geht voll Stifter
w. (1901ff.) 1, 135.
übertragen: der undank ist eine quelle, aus welcher viel unzählige laster mit vollem strudeln herflieszen Neumark
poet. u. mus. lustwäldchen (1652) IV
b; (
womit er ihm) seine wohlthat nicht eintröpfelte, sondern ihn mit derselbten vollem strome überschwemmete Lohenstein
Arminius 2, 809
a; den vollen strom der ideen des neuen Deutschlands Treitzschke
deutsche gesch. (1897) 1, 269. voller strom des lichts, der abendsonne
u. ä.: der zorn ist eine volle bach Logau
sinnged. 288
E.; nun läszt der himmel seine purpurgluten in vollen strömen um die trümmer fluten Geibel
w. (1888) 1, 10; heiszes lieben, das, wie ein goldner strom, in vollen ufern quoll Stifter
w. (1901ff.) 3, 234. —
wolken: wenn die wolcken vol sind, so geben sie regen
pred. Sal. 11, 3; entfaltet der donnrer die wolken, die vollen Göthe 15, 167
W. 1@gg) volle blumen, blüten, knospen; volle blumen,
multiplicati flores Nemnich
; im eigentlichen sinne von blüten, die durch gärtnerkunst umgebildet sind, so dasz der ganze umfang mit blütenblättern ausgefüllt ist. der gegensatz gegen die natürliche, einfache blüte kann zurücktreten, bei volle rose
z. b. wird er nicht mehr empfunden, voll
wird dann typisches adj. in dem sinne fülle zeigend (
vgl. 2):
oder bezeichnet auch die aufgeblühte im gegensatz zur knospe oder der entblätterten. — die hier vollen narcissen wären dort nur hohl Lohenstein
Arminius 2, 427
b; (
im bilde:) in einer vollen, wenn auch verspäteten blume des glückes Stifter (1901
ff.) 3, 254; eine guirlande von vollen rothen centifolien Storm
w. (1899) 1, 51; ein prinz, in dessen wiegen des hauses schmuck und trost in vollen knospen liegen Gottsched
neueste ged. (1750) 5; wie grosz, wie voll bin ich! ich, ohne dorn geboren (
spricht die Päonie) Ramler
fabellese (1783) 1, 41; will ihnen küsse geben, mehr als die vollsten nelken blätter haben W. Müller
ged. 249
H.; die schon volle rose, die dem entblättern nahe ist Gutzkow
ritter v. geiste 3, 424; brecht volle zuckerrosen und keusche lilgen ab Fleming
d. gedichte 1, 70
L.; wie die volle ros im lentzen kläglich thut nach deiner hand
Königsb. dichterkreis 167
ndr.; blühn stolze, volle rosen lieblich duftend um Balsorens stirne Wieland I 1, 349
ak. ausg.; die volle rose streut, geschüttelt, all ihre blätter vor meine füsze Mörike
w. 1, 49; die knospe brach mit einem mal zur vollen rose auf 216;
[] als symbol der verschwiegenheit: verschwiegner eintracht volle rose trägt er bedeutend in der hand Novalis 4, 158
Minor. voller kranz,
dicht geflochtener, ohne leere stellen: sie wand sich einen vollen kranz und setzte ihn auf Göthe 21, 159
W.; in den vollen kranz der rosen Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 3, 232;
freier gewendet: den kranz mit seinen frischgrünen vollen blättern Eichendorf
w. (1864) 2, 344. volle ähren,
viele körner enthaltend: syben echer wachssen an eim halm vol und schöne
erste d. bibel 3, 182
lit. ver.; und die sieben mager ehern verschlungen die sieben dicke und volle ehern
1. Mos. 41, 7; läre kornehrn stehen empor, die vollen sincken Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 426; auf feldern, wo noch stolz die vollen Aehren stehn Rabener
s. w. 6, 201; (
ein windhalm) sprach zu einem halm mit einer vollen ähre Ramler
fabellese (1783) 1, 24.
im bilde: (
wenn) die reiche ärndte der missethat in vollen halmen steht Schiller
don Karlos 2, 6.
auf die menge des getreides bezogen: (
dasz gott) auch für ihn das korn voll oder mager hat wachsen lassen W. H. Riehl
deutsche arbeit (1861) 186; was habt ihr für nachricht vom hafer? — er steht voll und satt Klinger
w. (1809
ff.) 1, 102. volle garben: ob sie volle waizengarben oder strohbündel einfahren Göthe
br. 27, 150; des goldnen korns volle garben waren ein göttliches geschenk Novalis 1, 30
Minor. volle frucht
s. unter 2 b. 1@hh) volle bäume, büsche, zweige, ranken,
dicht mit laub, oder nadeln besetzte; voll
kann sich natürlich auf die menge der blüten oder früchte beziehen: eine rebe ... stiesz volle ranken überall maler Müller (1811) 1, 40; fichten, die von unten auf ihr volles gezweige behalten Auerbach
schr. (1892
ff.) 1, 7; und dann der baum ... die vollen zweige zu uns neigt Becker
mildh. liederb. (1799) 51; volles laub,
dichtes: das laub noch ziemlich voll Göthe III 1, 10
W.; eine buche lag quer über den pfad, in vollem laube A. v. Droste-Hülshoff
w. (1879) 2, 273;
im bilde: da hab ich auch gefühlt zu diesem mal, wie todesangst im vollen laube thut 2, 98. 1@ii)
von bart (
vgl. vollbart)
und haar: den lieben vollen dunkelgelockten kopf Arnim
w. (1839) 1, 3;
auch hier wie bei volles laub
mit leichter bedeutungsverschiebung: flechten ..., die voll und schwer um die stirn gingen Gutzkow
zauberer von Rom 1, 33; das volle schwarze haar Mörike
w. 3, 29
G.; der kopf aber im weiszen vollen haare des hauptes und bartes H. Grimm
Michelangelo 1, 294. — der alte Isaak, seinen vollen bart streichelnd Holtei
erz. schr. (1861) 1, 116. 1@kk) leib, magen, bauch, kropf
u. ä. mit speise angefüllt, gesättigt: sein wanst kund nicht vol werden
Hiob 20, 20; als de bûk vul is, so is dat hovet vrolik Tunnicius
sprichw. nr. 16
H.; ain voler pawch faymt in fleischlicher gier Berth. v. Chiemsee
t. theologey 251
R.; voller bauch studiert nit gern Franck
sprüchw. (1545) 1, 19
a; auff einem vollen bauch stehet ein tölpischer und unbesonnen kopff Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, i 7
a; der volle bauch lobt das fasten Schellhorn
sprichw. (1797) 42; es würdt eim der bauch ehe voll dann die augen Franck
sprüchw. (1541) 1, 118
b; auff einem vollen magen stehet ein frölicher kragen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, i 7
a; mit vollem wanst Harsdörfer
t. secretarius 1, 106; voller kropff, doller kopff (
hier ist der trunk gemeint)
sprichw. (1548) 151
b; wir haben ein grawen rock und ein vollen kropff Nas
antipap. eins u. hundert (1567
ff.) 1, 83
b;
[] wann ir leib vol ist und hat was im gezimet als leibliche speis Berthold v. Chiemsee
t. theologey 184
R. mit vollem munde, vollen backen (
s. unter n),
mit kauendem, speisegefüllten, reden;
sprichw.: mit vollem munde ist schlecht blasen; so red mit vollem mund daher Scheit
Grobian 3311
ndr.; hals: pfaffenhuorn ... die haben vollen halsz und fasten nimmer Clemen
reformationsflugschr. 2, 17.
beim trinken: denn wenn ich judiciren soll, verlang ich auch das maul recht voll Göthe 14, 107
W. frei: wolten hie gerne (
von den quellen gottes) mit vollem mund trincken Tauler
sermones (1508) 38
b; das sie Israel fressen mit vollem maul
Jes. 9, 12. 1@ll) volle brust, brüste (
anders unten 2 a)
des säugenden weibes; die vollen brüste reichen;
im bilde: die erde regt sich, grünt und lebt, des geistes voll ein jedes strebt den heiland lieblich zu emphahn, und beut die vollen brüst ihm an Novalis 1, 81
Minor; volle euter,
mit milch gefüllte; volles ei
im gegensatz zum hohlen, tauben, zum windei; volle adern,
blutvolle: taube eyer schwimmen empor, die vollen sincken Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 426; sieh, wie meine kühe mit vollem euter gehn Geszner
spr. (1777
ff.) 1, 20; voll und gespannen euter von milch Maaler 472
a; volle dutten Stieler 2390; etliche gesunde leibichte pferde, die volle adern haben Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 154; so lang das treue blut die vollen adern regt Göthe 15, 286
W. das feuer ist anhaltend, die poetische ader ist allezeit voll Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 3, 20. —
schwämme: wenn der schwamm zu voll ist, so druckt man ihn ein mal ausz Petri
d. Teutschen weiszheit 2, b b b 2
v. — voller hering (vollhering)
hering mit rogen oder milch. 1@mm) volle hand
im gegensatz zur leeren ist die besitzende, reiche: sie wuszte aber, dasz ihr vater, der nichts besasz als büchsen und hunde, ihre leere hand nur einer vollen lasse Jean Paul 54, 64
R.; vor allem aber die gebende, helfende, freigebige: sein (
gottes) hand zu helffen ist ungeschlossen (
vgl.: offene hand) und ymmer voll Agricola
sprichwörter (1534) 1, 7
b; darzu hat er mit voller handt von seinen früchten auff dem landt ... vil opffergaben dargebracht Spreng
Äneis (1610) 209
b; und nicht des höchsten immer volle hand zu haben Lessing
Nathan 1, 3;
bestechung: (
dasz einer) oft mit voller hand des richters stimme lenket Neukirch
ged. (1744) 122.
häufiger im plural: das geld, wohlthaten mit vollen händen ausstreuen
u. ä. das bild ist vom sämann genommen; streute er (
Plautus) schertz und saltz mit vollen händen aus Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 2, 374; gab überall mit vollen händen Klinger
w. (1809
ff.) 3, 96; Gackeleia streute mit vollen händen die brosamen aus Brentano
ges. schr. 5, 36; den tadel werfen wir mit vollen händen hinaus und das lob wägen wir auf der goldwage S. Brunner
erz. u. schr. 1, 241; so haben Tantals enkel fluch auf fluch mit vollen wilden händen ausgesät Göthe 10, 42
W. anders gewendet, so dasz die hände voll werden: und darf ich dann in solchen reichen haaren mit vollen händen hin und wieder fahren 6, 54;
in besonderer anwendung: die anzuschlagenden spielt man mit der octave auch wohl bei fortissimo mit beyden vollen händen (
mit benutzung aller finger) Ph. E. Bach
anl. d. clavier zu spielen (1759
ff.) 1, 5;
ganze hand: bey dem andern (
tempo wird) mit der rechten vollen hand hinter den hahn gefast Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726)
[] 231;
grobes zupacken: (
der) nicht auff jedwedere note (
des basses) mit vollen händen zufalle und selbigen als kraut hacke
Königsberger dichterkreis 2
ndr.; eigenthümlich: ob ich gleich keine schrift mit gewaschnern und vollern händen angefangen habe Lessing 18, 330
M. —
im fries. recht: mith fulre, mith halvere hond
zum erbe greifen, ganzen oder halben erbantheil bekommen Richthofen
altfries. wb. 770
a.
die hände als die arbeitenden glieder in der wendung die hände, alle hände voll haben, voll zu thun haben: yhr habt zuschaffen alle hende vol Luther 18, 201
W.; die Römer haben ... ihre händ voll mit jhnen (
den Galliern) zuo thuon gehabt Stumpf
Schweizerchron. (1606) 169
a; gleichwol hatte Stertinius alle hände voll zu thun Lohenstein
Arminius 2, 285
b; schneider, schuster, perückenmacher u.
s. w., die ... alle hände voll zu thun haben Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 2, 333; schmale bissen, elenden lohn, und alle hände voll zu thun Tieck
schr. 3, 24; den ganzen tag hat man die hände voll Göthe 14, 164 (
Faust 3261)
W.; mit scherzhafter übertragung auf die beine: dem haushofmeister, der alle hände voll zu thun und alle beine voll zu laufen hatte Tieck
schr. 4, 272. 1@nn) voller mund, volle backen, voller hals, volle kehle
in anderem sinne als unter k.
mit luft gefüllt zum blasen: (
der nordwind) blihs mit follem munde di sägel an Zesen
adriat. Rosemund 11
ndr.; huben sechs trompetter mit follem halse ... an ... zu blasen
rosenmând (1651) 3; es blast der faule sud ... mit vollen bakken her Rompler v. Löwenhalt 1.
gebüsch 74; in des schornsteins engen lauf bläst der wind mit vollen backen Müllner
die schuld 1, 2; drum blies ich auch hinein mit vollen backen Hebbel
Nibelungen 3, 2, 6. aus vollem munde rufen, schreien, lachen,
sehr laut: die nymphe ... lachte hernach aus vollem munde maler Müller
w. (1811) 1, 142; ... wenn der heiland ... »die lieb ist das gesetz!« aus vollem munde schrie Neukirch
ged. (1744) 115.
besonderer nachdruck, auch die übertreibung wird bezeichnet: das sag ich aber mit vollem mund, das der bau also verachtet ist und würt, daran hat niemans schuld dan die geistlichen und bischöff Murner
an d. adel 23
ndr.; mit vollem maule loben Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 378;
s.den mund voll nehmen
unter s. aussprache langer vokale: (
Zesens anhänger) meynten ein jedes e, welches mit vollem munde ausgesprochen wird, als in segen ... müsste in ä ... verwandelt werden Gottsched
d. sprachkunst (1748) 40. mit vollen backen loben
u. ä., übertrieben: er hat mit vollen backen die vortreffliche tendenz ... gerühmt E. Th. A. Hoffmann
w. 6, 99
Gr.; so kannst du mit vollen backen deine musik loben Schiller 11, 126
G. aus vollem halse schreyen, lachen Kramer
teutsch-ital. (1702) 2, 1208
c; oftmals fängt er aus vollem halse zu lachen an Gottsched
d. schaubühne 3, 138; schrye aus vollem halse: räuber! räuber! Heinse
w. 2, 51
Sch.; vivat, er lebe hoch! — ... schrie aus vollem halse der meister Raabe
hungerpastor (1864) 1, 9; in der sie (
schar der bauern) manches lied aus vollem halse schreiet Rist
n. teutscher Parnasz (1652) 393; ich musz und wolt ich nicht aus vollem halse lachen Günther
ged. (1735) 405; wenn sie zu bette gingen, pfiffen sie aus vollem halse Bauernfeld
ges. schr. 2, 118.
ungewöhnlich übertragen: man musz sich das (
lob) ebenso gefallen lassen, als wenn man aus vollem halse getadelt wird Göthe
gespräche 1, 201
B. [] veraltet, früher häufig: mit vollem halse: mit vollem halse lachen Hulsius (1618) 2, 392
a; du schreyst und leugist mit vollem halss ubir mich Luther 7, 636
W.; also lehrt Luther mit vollem halss Nas
antipap. eins u. hundert (1567
ff.) 3, 138
a; mit vollem halse ruft jeder seinem glükke zu Schottel
friedenssieg 9
ndr.; so lachest du darüber mit vollem halse
d. vernünft. tadlerinnen 2, 340; (
der) mit vollem halse schreyet: da, da liegt der todte hund Neukirch
ged. (1744) 87.
eigenthümlich: die furcht und schrecken war bey ihnen so grosz, dasz sie mit vollen halse stehen bleibend und den mund offen haltend, sich nicht einen fusz fortzusetzen getrauen
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 105 (
das schreien blieb ihnen im halse stecken).
gröber: darnach laugnest du mit vollem rachen Nas
d. antipap. eins u. hundert (1567
ff.) 4, 45
b. volle kehle,
vom singen der vögel: die vögel fiengen bald wieder aus voller kehle zu singen an Bräker
schr. (1789
ff.) 2, 135;
von menschen: die lerchen schwirren hoch vor lust, was sollt ich nicht mit ihnen singen aus voller kehl und frischer brust? Eichendorf
w. 1, 5
Kosch; (
eine hirtin) ruft aus voller kehle die hülfe des Neptuns und aller nymphen an Pfeffel
poet. versuche (1802) 1, 43.
eigenthümlich: er lachet recht von voller haut (
vgl.: sich die haut voll lachen 1, s) Fischart
Eulenspiegel 457
H. 1@oo) volles herz,
an empfindungen, gefühlen reich; anderseits kann auch ein augenblicklicher oder vorübergehender zustand so bezeichnet werden: myn volles hertz mag es nit mer allein getragen
d. ewigen wiszheit betbüchlein (1518) 4
a; mein herz ist zu voll, meine sinnen haltens nicht aus Göthe 8, 135
W.; ja so musz der mann aussehen, dem sich dieses volle herz zu eigen ergeben soll Immermann 1, 56
B.; sein herz war so voll und gepresst Eichendorf
w. 3, (1864) 137; oft erfüllet er auch, was sich das zitternde volle herz nicht zu wünschen wagt Klopstock
oden 1, 82
M.-P.; kein wort entwand dem vollen beklommnen herzen sich Miller
ged. (1783) 18; ein volles herz und warme phantasie Schiller 6, 1
G.; ich kann nicht mehr singen, mein herz ist zu voll W. Müller
ged. 13.
man sagt: sich das volle herz erleichtern. — aus, mit vollem herzen,
mit ganzer empfindung, hingebung: sprach us einem vollen herzen Seuse
d. schr. 20
B.; ich wünsche ... mit vollem herzen Kretschmann
w. (1784
ff.) 5, 95; sang stehend im strome aus vollem herzen zum schöpfer aller dinge empor maler Müller
w. (1811) 1, 80; ich bin mit vollem herzen ihr gehorsamster sohn J. G. Forster
schr. (1843) 7, 111; ich habe diesen verlust mit einem vollen herzen empfunden Göthe
br. 1, 254
W. volle brust,
atemvolle; dann aber auch auf gefühl bezogen; stimmen von der vollen brust weggehoben
Athenäum 1, 175; da es doch nur stolz und adel ist, etwas bedenkliches nicht mit voller brust auszusprechen Gutzkow
ges. w. 5, 220; das vöglein in den lüften singt dir in voller brust Brentano
ges. schr. 5, 177;
verblaszt: das ende deines briefes unterschreibe ich mit voller brust fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 194. voller busen (
anders als unter 2),
empfindungs-, gefühlsreich: o lasz michs nie, geliebter, nie erfahren, dasz ich den vollen busen legte an den deinen und fänd ihn leer Grillparzer
w. 4, 144
S. volle seele: die an ihm hinge mit voller seele maler Müller
w. (1811) 1, 220; die töne löseten die drückenden thränen von der vollen seele los Jean Paul 8, 97
R.; [] (
der) die volle seele ganz zuströmet Klopstock
oden 1, 73
M.-P.; dasz ich mit voller seele sie schaue die riesengebirge Hölderlin
ges. dicht. 1, 61
Litzmann. im comparativ: ich komme und eile wo möglich mit vollerer seele zu dir zurück Göthe
br. 7, 123
W. voller kopf,
von gedanken, sorgen (
s. aber auch k),
so besonders in der wendung den kopf voll haben: diese tage her ist mir der kopf so voll und zugleich so wüste gewesen, dasz ich lieber keinen gehabt hätte Lessing 18, 286
M.; er hatte den kopf zu voll, um an das unpassende meiner begleitung zu denken Laube
ges. schr. 1, 4; man sieht, ihm ist der kopf so voll, dasz er was andres will Göthe 4, 40
W.; den kopf so voll, den sinn so schwer Arnim
w. 22, 8. 1@pp) volles masz,
auszerordentlich oft in bildlicher und übertragener anwendung (
vgl.: das masz voll machen
unter 1 s): ain guot masz und ain volle und eingedruckte und ain überflüszige masz wirtt euch gegeben in ewer schosz Tauler
sermones (1508) 101
rb; dieses ist ein tröpfflein, von der vollen masz, dasz ihr künftig zu erwarten habt Harsdörfer
teutscher secretarius 1, 82; das volle masz seiner thorheit Klinger
w. (1809
ff.) 3, 130.
besonders häufig: das masz ist voll,
es ist ein höhepunet erreicht, so viel angehäuft, z. b. von verschuldungen, dasz eine entscheidende wendung eintreten musz: wenn die masze voll ist, so wird sie ausgeschüttet Rist
d. friedewünschende Teutschland (1648) 20; aber das maasz ihrer sünden ward endlich voll Cramer
Neseggab (1791
ff.) 4, 175; das masz meines jammers ist voll Klinger
w. (1809
ff.) 8, 289; bis gott der gerechte richter sieht, dasz sein maasz voll ist: dann wird er ihn (
Napoleon) zerbrechen Arndt
schriften f. u. an s. l. Deutschen 1, 237; sein maasz ist voll, er ist zur ärndte reif Schiller
jungfrau v. Orleans prolog. feste wendung in vollem, vollstem masze
reichlichst, durchaus, ganz und gar: mögest du jedes süszeste glück in vollem masze genieszen Geszner
w. (1778) 2, 9; ein so guter christlicher herr, wie ihre gnaden doch in dem vollsten maasze sind Tieck
schr. 6, 76; er sah die fehler seiner früheren jahre in vollstem maasze ein Kerner
bilderbuch (1849) 14; dardurch wuochs fraidig laub und grasz, und alle frücht in voller masz Scheit
d. frölich heimfart 124
Str.; durch seine herrschaft wächst in vollem maasze zu dir selber lob und preisz v. König
ged. (1745) 132.
ungewöhnlich: doch, da kamest du, freude! volles maszes auf uns herab Klopstock
oden 1, 84
M.-P.; 1@qq)
nachgestellt in vielen verbindungen, um ein bestimmtes masz, eine gewisse menge zu bezeichnen; so kann voll
zu allen den substantiven treten, die voll
im eigentlichen sinne zu sich nehmen (einen becher, ein glas, einen beutel, einen sack, einen schrank, einen bogen, einen tisch, eine grube voll
u. s. w., einen wagen voll
u. ä. Fischer 2, 1624),
es heben sich aber einige besonders feste verbindungen heraus wie hand voll, mundvoll (
s. oben hampfel
th. 4, 2,
sp. 322
und mumpfel
th. 6,
sp. 2668,
andere verkürzungen z. b. bei Müller-Fraureuth 2, 626
a), armvoll
u. ä.; buccea, bucella, ein mund voll, ein bissen E. Alberus (1540) 62
a;
cupes, schläck, guote oder meisterlose bisszle, oder mündvolle Frisius (1558) 353
a;
manipulus, ein hand voll, oder arm voll Faber (1587) 481
a; mündlein voll,
buccella Stieler 2390; ein arm voll stroh, ein mund voll schwarzes brot Steinbach 2, 903; wir haben frücht gantze schüttenen voll Dentzler (1718) 335
a; eine messerspitze voll. — und sy huben auf VII körb vol
erste d. bibel 1, 61
K.; einen gantzen groszen backtrock voll Luther 33, 271
W.; es ist besser eine hand vol mit ruge denn beide feuste vol mit mühe und jamer
pred. Sal. 4, 6; ein loffel
[] vol, ein mund vol 19, 317; wer solch brigel oder bengel wil auffklauben, findet bald einn arm voll
sprichwörter (1548) 121
a; thue darzu weisz rosenwasser (holderwasser), weisz gilgenöl und rosenessig, jedes 1 löffel vol Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 2; mit säck voll soll man einnehmen, mit händ voll auszgeben Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 258; ich hab ein tisch voll (
narren) 2, 549; indem ich den letzten löffel voll ins maul steckte Reuter
Schelmuffsky 39
ndr. vollst. ausg.; du hund söffst wohl einen zober voll aus
ehrliche frau 2, 7; ein schiff voll Sperling
Nicodemus quaerens (1719) 2, 75; sollst kein maul voll mehr zu trinken bekommen maler Müller
w. (1811) 1, 170; genug ist über einen sack voll
teutsche sprichwörter (1790) 122; das ist ja nur eine hand voll Langbein
schr. 31, 10; der ist ein arme gansz fürwar, der syn guot nit bruchen dar und kein guotten mundt vol essen Murner
narrenbeschw. 64
ndr.; auch störk, die ganze kröpf voll schluckten Fischart 3, 165
H.; ist diesz nicht scheffelvoll: so ist es löffelvoll Bokemeyer
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 147;
gelöste verbindung: giebt sie die eine hand uns voll, so nimmt sie mit der andern Blumauer
ged. (1782) 70.
sprichw.: sechse sind kein galgen voll. bauchvoll
bringt Bücher
arbeit u. rhythmus4 225. — sie haben mir ein grosz register voll überreichet A. Gryphius
P. Squenz 14
ndr. 1@rr) voll
nach grad, masz und art näher bestimmt: halb, dreiviertel voll, bis an den rand, gestrichen, gehäuft voll (
z. b. masz mit körnern, salz, zucker)
; berlin.: voll mit'n haufen, gedrängt voll (
saal, kutsche, boot); so voll, dasz kein apfel zur erde fallen kann.
die volkssprache ist überreich an hierher gehörenden verbindungen, s. Fischer 2, 1623
schweiz. idiot. 1, 782; Martin-Lienhart 1, 110; Müller-Fraureuth 2, 625
b; Spiesz 271; Wander
d. sprichw. lex. 4, 1683; gesteckt voll,
arctus Frisius (1558) 114
a; gestoszen voll Maaler 472
b; gehauft voll, gestrichen v., gantz-, schütt-, überv., gesteckt, gestopft, gestrotzt, dicht v., voll wie ein ey Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1208
b; die kirch ist drungenvoll leute 1209
c; ein starrvoller bauch,
una pancia piena à star distesa, cioè ripiena di cibo 911
b; ain volle und eingedruckte und ain überflüszige masz Tauler
sermones 101
rb; (
herz,) das gesteckt voll guoter gedäncken Hutten
opera 1, 449
B.; ein vol getrückt, gerüttelt und überflüssig mas
Luc. 6, 38; ain volle, yngetruckte, uffgehauffte masz Eberlin v. Günzburg 3, 245
ndr.; das haus war prächtig beleuchtet und zum erdrücken voll Eichendorf (1864) 2, 530; ihr aber sei das herz so zum zerspringen voll gewesen Fontane I 5, 52; kremser, der natürlich ... gepreszt voll war Seidel
Leb. Hühnchen 37; so schenck das gschirr gestrichen voll, dasz uberlauff, das schickt sich wol, dann setzest du in halb vol nider, so must du in offt füllen wider Scheit
Grobian. v. 1734
ndr.; sein lughaft maul ist stets mit verfluochuong, mit falsch uont truog geschopt vol angestekt Melissus
psalmen 40
ndr. ungewöhnlich: die kirche war voll gedrängt Göthe
br. 8, 65
W. 1@ss)
es sind schon mehrfach wendungen angeführt worden, in denen voll
prädicativ zum object eines verbums gesetzt wird. wenn auch die menge solcher verbindungen nicht erschöpft werden kann, wird im folgenden doch eine anzahl angeführt, besonders solche, die sich dem formelhaften nähern; andere beispiele s. unter 14. fülleten beide schiff vol
Luc. 5, 7; einmal hatte einer schon den halben eimer vollgemolken Grimm
d. sagen (1891) 1, 77; der den sack zu voll füllen thut, zerreist, fehrt auff und wird verschut Eyering
prov. copia 3, 151; um das masz seiner verdamnisz ganz voll zu füllen (
s. unten: das masz voll machen) Gerstenberg
Ugolino 3;
[] wie sich jede schale voll mit wasser füllt Göthe 1, 216
W.; diesz ist das hochste ergernisz, das augen, ohren und den mundt vol füllet Luther 33, 463
W. — voll schenken, gieszen, schütten, stopfen, propfen
u. s. w.: dasz ich ein flaschenglas nam, solches voll füllete Grimmelshausen
vogelnest 2, 419
Keller; hernach so liesz ers wieder eben so voll schencken Reuter
Schelmuffsky 15
ndr. vollst. ausg.; schenck in (
den becher) gleich vol Scheit
Grobian v. 1835
ndr.; sauff, so lang du athem hast, lasz wider vol
v. 1501; nun wollt voll den becher gieszen Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 2, 38;
bei voll einschenken,
auch ohne object, wird voll
eher als adv. empfunden: (
du) schenckest mir vol ein
ps. 23, 5; so schenckte ich mir denn herzhaft ein bierglas voll ein Gaudy
w. (1844) 2, 52; ja wo man voll einschencket, da lebt die beste lust Hoffmannswaldau
ged. 1, 100
N.; auf den trinkenden bezogen (?): thet im gütlich, füllet in (im?) voll ein Lindener
Katzipori 122
L. ein vasz voll lauffen lassen Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1208
c; sich voll essen, stopfen, trinken, saufen
s. unten 7
ff.; sein ränzlein voll zu packen (
den magen) Keller
ges. w. 5, 18.
von vögeln eigentlich, hier vom fuchs: ir seit am guten ort gewesen und habt ewrn kropff gar vol gelesen B. Waldis
Esopus 2, 30
Kurz. voll haben (die hände voll haben
s. oben unter m): den bauch (sack) voll haben Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1208
c; bisz du ein zinnine flaschen voll hast Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 245; wer küchen und keller voll hat, den helt man für fromb Lehmann
florileg. polit. (1662) 1, 245; hatte beide backen voll und konnte weder gleich reden noch zugreifen Eichendorf
w. (1864) 3, 385. — viel haben macht den marck und säckel voll Lehmann
florileg. polit. (1662) 1, 264; schande und laster kan ich wol, dar mit mach ich die helle voll
Alsfelder passionssp. 11, 393
Gr.; des bapsts lehr gefelt mir wol, macht die keller vol, macht mir ein feyste kuchen Forster
frische teutsche liedlein 183
ndr.; oft frei: um meinen ärger voll zu machen
u. ä. —
man sagt: ich habe die nase voll,
ich habe genug (
von etwas unangenehmem),
auch die schnauze, den kanal voll Mauszer
soldatensprache 50. — bis sie das maul und nasen vol kriegen Luther 19, 43
W.; thut wer weisz wie schön mit mir, schmiert mir das maul voll (
mit süszem, schmeichelt mir) Lessing 18, 80
M.; warlich du darffst keins procuratorn, du giebst eim voll das maul und ohrn Gilhusius
gramm. (1597) 117.
im eigentlichen sinn (
s. oben n): wenn man einem das maul voll gibt, so kan er nicht blasen Lehmann
florileg. polit. (1662) 1, 313. den mund voll nehmen,
mit viel atem beim singen: wenn sich die töne nach der tiefe wenden, musz der sänger den mund immer voller nehmen Adelung (
jetzt kaum so);
verse sprechen: aber wenn ihr den mund so voll nehmt (
if you mouth it) wie viele unsrer schauspieler
Shakespeare Hamlet 3, 2 (
auch anders übersetzt).
gewöhnlich übertragen, grosze worte machen, übertreiben, auch prahlen: herr Basedow nimmt das maul voll, er mag schmähen, oder er mag loben Lessing 8, 228
M.; wie ich die backen jetzt voll nehmen will Schiller
kabale u. liebe 5, 5; (
ich will) wie man spricht, den mund recht voll nehmen Klinger
w. (1809
ff.) 6, 270; was er die backen voll
[] nimmt, und es ist doch lauter wind Tieck
schr. (1828) 5, 244; glaubt nicht, beste herrn, dasz ich den mund zu voll nehme E. Th. A. Hoffmann 11, 107
Gr.; Winckelmann nimmt den mund ganz anders voll Justi
Winckelmann 2, 1, 42; sprache gab mir (
der Spree) einst Ramler und stoff mein Cäsar, da nahm ich meinen mund etwas voll Schiller 11, 111
G. das masz voll machen
wird sehr oft in übertragenem sinne gebraucht (
vgl. oben unter p),
besonders in verengter und ungünstiger bedeutung: um ihme das masz recht voll zu machen A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 784; ich hoffs, mein vetter wird ein solcher thor sein und, um das maas voll zu machen, mit mir in sein vaterland zurückkehren Lenz 1, 223; vorerst halte ich dafür, dasz es besser sei, man läszt sie das masz voll machen Göthe
br. 13, 366
W. bogen, bücher voll schreiben (
s. oben c): Gregorius hat von sitlichen dingen geschriben so vil biecher voll Eberlin v. Günzburg 1, 202
ndr.; nun wollte ich ihnen noch gern diesen ganzen bogen voll schreiben A. v. Droste-Hülshoff
br. 19
Sch.; schon hätt ich ohne. dich zween bogen voll geschrieben Cronegk
schr. 1, 12 (1771). jemanden den buckel, den hintern, die haut, die jacke voll hauen, schlagen, bläuen
u. ä.: oder du must dir dein haut vol schlahen lassen Arigo
decamerone 88
lit. ver.; gehe oder ich schlage dir den kopff voll
schauspiele engl. comöd. 212
Creizenach; mancher hat nit fried, man schlägt ihm dann die haut voll Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 238; schlägt ihr der mann die jacke voll Bismarck
ged. u. erinn. 1, 16
volksausgabe. das sy einandren dgrind vol schlan Manuel
weinspiel v. 1504
ndr. anders: sich den bauch voll schlagen, voll stopfen. einem die ohren, den kopf voll schwatzen, klatschen, schreien, klagen, winseln, weinen, singen, dudeln, zanken, orgeln, pauken,
u. s. w.: einem die ohren voll waschen Corvinus
fons lat. (1646) 112; uns die ohren reiben und vollplaren lassen Mathesius
erkl. d. epistel an d. Corinther (1591) 1, 6
b. einem die ohren, den kopf voll schreyen, klagen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
c; einem die ohren mit geschwätze voll machen Steinbach 2, 902; gnurrt mir die ohren so voll Bürger
br. 3, 166
Str.; (
welche) denen richtern die ohren vollschriehe
frauenz.-lex. (1715) 35
a; habe nicht lust mir von dir die ohren vollschwögen zu lassen J. G. Müller
die herren von Waldheim 1, 209 (1784
ff.); die narren schwätzen ... einem zum eckel die ohren voll Göthe
br. 1, 117
W.; die auch da sitzen, pfeifen schneiden und ihm die ohren voll dudeln
br. 10, 357
W.; schwadronirten mir die ohren voll Gaudy
w. (1844) 2, 38; das hemmern schlegt im (
dem schmied) die ohren vol
Sir. 38, 30; was blewet ihr mir die ohren voll Hayneccius
Hans Pfriem 63
ndr.; so schnarcht es (
das glück) mir die ohren voll Weise
d. grün. jugend überfl. gedanken 22
ndr.; ein junger hund sah tausend mücken schwärmen, die summten ihm die beyden ohren voll
d. neueste aus d. anm. gelehrs. 3, 560; bald quälen mich die teuflischen soldaten, und fluchen mir die ohren voll Gellert
schr. (1784) 1, 133; so heult mir eine magd schon kopf und ohren voll Henrici
ged. (1727
ff.) 2, 405; er gab mir nichts und lärmt mir noch die ohren voll Göthe
die mitschuldigen 1, 2. das (
mädchen) würde mir den kopf voll lärmen
br. 1, 125
W.; den hals voll: das lügstu dein halsz fol
Eulenspiegel 13
ndr.; so flucht er mir den hals voll Göthe
br. 1, 211
W.; den rücken voll: der ladet sie geschwind den ganzen rücken vol (
mit geschwätz) Rachel
sat. gedichte 25
ndr. [] besondere wendung: so sie doch alle wellt voll vollpredigen Luther 10, 2, 118
W. sich die haut, den buckel, die hucke, den bauch voll lachen
u. ä.: seine haut voll lachen Frisch
nouv. dict. (1730) 641; ich lache mir die haut nicht voll all, dann ich hab keine Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 129; der lacht sich de hucke voll, mags kommen wies will Hauptmann
die weber (1892) 39; einem die jacke, den hintern, das leder voll hauen. — sich den kadaver voll hauen,
sich satt essen Mauser
soldatensprache 65. — einem die hucke v. lügen; wo ich ihm nicht den bauch rechtschaffen vollgelogen Eccard
poet. nebenstunden (1721) 20; eine stube voll speyen, kotzen, das heimliche gemach voll scheiszen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
b; spyen der tebel hohlmer den burgemeister die hölle (
hinterm ofen) geschissene voll Chr. Reuter
Schelm. 50
ndr. vollst. ausg; speye der tebel holmer der braut den busen gantz voll 56.
vereinzeltes: (
er) greift, je mehr er greift, sich alle hände voll (
pech) Gutzkow
ges. w. 5, 9;
indulgere choreis die haut voll dantzen Frisius
dict. (1556) 685; nach gehabtem mahl schliefen sie sich die haut voll
kinder- u. hausmärchen nr. 23. 1@tt)
vereinzeltes; voll
im gegensatz zu leer
von einer person: vol zoch ich aus, aber leer hat mich der herr wider heim bracht
Ruth 1, 21; o es ist schwer voll gebaren als sei man lehr
sprichwörter (1548) 10
a. —
ein vers, dessen metrisches schema ganz ausgedrückt ist: ein ewiges ha! ah! wenn der vers nicht voll werden will Göthe
br. 1, 197
W. —
im sinne von inhaltsreich in mannigfaltigen wendungen: volles leben: es reiszt ihn fort vom vollen leben Schiller 11, 398
G.; greift nur hinein ins volle menschenleben! Göthe
Faust 167; da lacht das volle leben mir in das grab hinein Brentano
schr. (1852
ff.) 2, 371; wie ich die ersten mitteilungen eures neuen vollen lebens gefühlt habe
aus Schleiermacher
s leben 2, 5; je mehr fülle der strömung, je voller das leben des einzelnen Bettine
dies buch gehört d. könig 1, 201; volles glühendes leben Gutzkow
zauberer von Rom 3, 254;
dagegen, ganzes leben: eh er es lebte, ist ihm das volle leben gerechnet Schiller 11, 269
G. —
in älterer sprache für üppiges leben (
vgl. unten 3 h): münch, pfaffen und nunnen, die ... ein voll faul leben füren Eberlin v. Günzburg 1, 72
ndr. —
von materieller fülle auch in folgenden verbindungen: diese sachen, die man im vollen herbst mit jauchzen gleichsam bricht Rist
n. teutscher parnasz (1652) 164; nasse pfingsten, volle fette weihnachten Petri
d. Teutschen weiszheit 2, q q 1
a; freylich gabs seit dem jahr 1760 in unsern gegenden kein recht volles jahr mehr Bräker
schr. (1789
ff.) 1,193. darauff der rambock frölich bleckt, in voller weid springet und leckt Rollenhagen
froschmeuseler (1595) a 3
b;
im bilde: (
gott lasse uns) die frucht von deinem reisen in voller erndte sehn und ziehn Stoppe
Parnasz (1735) 4; dort singt ein volles gastgeboth, hier ächzet einsam noth Denis
lieder Sineds (1772) 272; voller wein,
gehaltreicher, schwerer: der volle wein schwecht den gang und macht das gesichte krank Petri
d. Teutschen weiszheit (1604
ff.) 2, p 3
b.
[] von der natur: was mich sonst in der ganzen vollen natur angezogen ... hatte Tieck
schr. (1828) 4, 205; du segnest herrlich das frische feld im blüthendampfe die volle welt Göthe 1, 72
W.; wesenhaft, ächt, gediegen: giebt hiermit öffentlich sein klares und volles jawort von sich (
ohne abzüge) Chr. Weise
polit. redner (1677) 722; seine briefe haben etwas ruhiges, langsames, breites, volles Scherer
kl. schriften 1, 61. — mit vollem leib (
d. h. mit dem ganzen körper) sie sich uff die leich des ritters niderliesz Wickram
w. 1, 367
B. 1@uu)
auf die persönlichkeit bezogen (
vgl. ein ganzer mann
u. ä.): nachstehendes auge ist keines fleiszig ausarbeitenden, langsamgeduldigen, aber eines fruchtbaren, mächtigen, musikalischen genies Lavater
physiognom. fragm. (1775
ff.) 1, 257; den helden einer biographie pflegen wir vor allem als einen vollen und ganzen menschen zu betrachten Strausz
ges. schr. (1877) 3, 3; frau Ristori ist eine vollere natur, und dadurch eine vollere künstlerin Laube
ges. schr. (1875
ff.) 1, 392; aber der tief verletzte hatte seinen vollen menschen (
sich ganz) dahingegeben Gutzkow
ges. w. (1872
ff.) 2, 38; das leben ist kein lenzgesäusel, will vollen mann in voller wehr E.
M. Arndt
w. 5, 171
R.-M. ein voller mann! er steht so fest, ob gott ihn und natur verläszt Lenau
Faust 196 (1840).
anders: (
der pfarrer) wird still und voll genug (
voller gedanken und gefühle) Jean Paul
w. 26, 29
R.; da will ich ihm rufen von herzen voll Eichendorf
w. 3, 116
K.-S. in alter sprache: du waira fullamma (
εἰς ἄνδρα τέλειον) Ulphila
Eph. 4, 13 (Luther: ein volkomen man); in animo uuerdent sie perfecti (folle) Notker
ps. 88, 38;
normal: ein voller mensch vünf sinne hât Reinmar von Zweter 164, 1; voller mann
in berufssprachen s. unter 13 c. —
ausgewachsen, volljährig,
s. 2 i
α und 10. —
von gott: also das gott vol in Cristo und vol in der gotheit und auch das vol und volkumener gott und volkumener mensch wurd auffaren zuo himel
erste d. bibel 1, 193
lit. ver.; er ist eyn geporner gott und nit der geperende got, doch voller und gantzer gott Luther 10, 1, 1, 154
W. —
vom stande und der macht: se. majestät der könig ist nicht privatbesitzer sondern voller souverän und landesherr dieses deutschen herzogthums Bismarck
polit. reden 3, 20
Kohl. von thieren: viel sind noch volle hengst, und andere verschnitten v. König
ged. (1745) 230. 1@vv) voll
im prägnanten sinne von beschmutzt, sich voll machen;
sich beschmutzen, besonders auch mit dem eigenen dreck, so bei kindern: du hast dich voll gemacht, deine hosen voll gemacht, das bett voll machen; doch zieh das kind erst
an. huy schleppsack, geh doch fort. die windlein sind fein vol Rachel
sat. gedichte 17
ndr. s. Martin-Lienhart 1, 110
b. er hat die hosen voll,
er fürchtet sich; wer eines ander unflat gerne reget, der hat offt sein selbst beide hend voll Petri
d. Teutschen weiszheit 2, f 3
b. 22)
fülle habend, zeigend, in fülle vorhanden, körperlich und unsinnlich, zur gänze entwickelt, nach masz und zahl allen forderungen, dem begriff ganz entsprechend (
vgl. völlig
und vollkommen). 2@aa)
vom körper und körpertheilen; in neuerer sprache gewöhnlich in günstigem sinne, doch volles gesicht
z. b. kann auch ein übermasz bezeichnen, ebenso, wenn voll
auf die erscheinung des ganzen körpers bezogen wird, besonders wirkt der zusatz etwas
ungünstig. in älterer sprache dagegen [] öfter ohne die vorstellung des gefallens, dick, feist. — voller, vaister,
torosus Diefenbach
gl. 588
c;
crebres, dick werden, vol syn
nov. gl. 118
a; voll,
obesus, pinguis Stieler 2390; eine volle figur, gestalt (
s. aber unten 2 h
ξ); sonderlich was junge, volle, starcke leut sind Luther 32, 431
W.; ob der mensch aines vollen leibes sey Braunschweig
chirurgia (1539) 59
a; an seiner gestalt ist er (
der büffel) klein, voll, wol zuosamen gesetzt und dick Forer
Geszners thierbuch (1563) 128
a; wann aber ein rosz einen vollen fetten kopff hat
M. Böhme
roszartzney (1618) 18. ein jugendlich voller schöner mannjüngling Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 79; er war ein junger voller mensch mit strotzender gesundheit Eichendorf
w. (1864) 2, 151; sie sieht ... blitzgesund aus und voll zum aufspringen 2, 70; herzogin Louise war eine volle stattliche frau Laube
ges. schr. 2, 24 (1875
ff.); der fürst war voll und gedrungen geworden Auerbach
schr. (1892
ff.) 17, 115; es (
das pferd) ist gebogen trefflich, voll und schlank Tieck
schr. (1828) 1, 356. gesicht, wangen, mund, lippen, kinn: ein anderer mönch ... mit einem vollen runden gesichte Steffens
was ich erlebte 4, 367; sein antlitz ... war voll, geröthet, beides fast im übermasz Gutzkow
zauberer von Rom 1, 74; das etwas volle gesicht erlaubte kein lebendiges mienenspiel
ges. w. 9, 338; wie bebt vor deiner küsse menge ihr busen und ihr voll gesicht Göthe 1, 50
W.; übertragen: der rose frohes volles angesicht 16, 139.
ganz anders im gegensatz zu einem theil des gesichts: Apollonius ihr mit dem vollen, der bruder mit dem halben angesichte zugewandt Ludwig
ges. schr. (1891
ff.) 1, 153;
hier im sinne von ganz, s. die folgenden abschnitte. keine wange unter diesen wangen ist roth und voll Gerstenberg
Ugolino 3; deine wange ist voll und glüht Meiszner
skizzen (1778
ff.) 1, 114; seine groszen etwas verschlafenen augen und die vollen roten wangen gaben ihm das aussehen eines groszen gutgearteten jungen v. Polenz
Büttnerbauer 1, 2; die rosenblüthe voller wangen Gottsched
ged. (1751) 1, 117; heller war sein blaues auge, voller die gebräunte wange Weber
Dreizehnlinden (1907) 19. der mund war vielleicht zu voll, die nase ein wenig zu scharf gerissen Storm
w. (1899) 4, 107; die vollen lippen, die zum kusse bestimmt sind Laube
ges. schr. (1875
ff.) 2, 143; des nackens kräftig voller bau A. v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 79.
besonders häufig auf busen, brust, brüste
des weiblichen körpers bezogen: gewölbt, schön gerundet. volle brust, brüste
kann natürlich auch sich auf die muttermilch beziehen, s. 1 l. reiche kanten bedeckten nur halb den vollen busen E. Th. A. Hoffmann
w. 12, 19
Gr.; der volle busen wallt auf zarten wogen Gerstenberg
ged. eines skalden 361 (
lit. dkm. 30); wie der volle busen strebt Overbeck
ged. (1794) 14. eine volle brust, welche hinter dem leichten palatin auf eroberungen lauerte Rabener
w. 4, 195; der Iris blühend volle brust Lessing 1, 8
M.; da tritt herein ein junges weib mit voller brust und rundem leib Göthe 1, 16
W.; (
wenn) aus den losen schlingen halbkugeln einer bessern welt, die vollen brüste springen Schiller 1, 270
G. voller bug,
gerundeter, eines schiffes Campe.
[] volle hände,
runde, fleischige hände Adelung; sie hat kleine volle runde hände Gellert
w. 3, 63; volle arme: arme, die nun nicht mehr so voll und glänzend waren Stifter
w. (1901
ff.) 5, 1, 341;
im sing. in fester verbindung: in dem vollen arm der schönen ruhet jetzt belohnte liebe Göthe 5, 5
W.; gemeint ist hier aber völlige umschlingung: er nahm mich in den vollen arm, und führete mich ... in sein inneres beizimmer Zesen
adriat. Rosemund 64
ndr. volle waden: stracks schielten ihro gnaden, als. sie den schönen jüngling sahn, nach seinen vollen waden Hölty
ged. 5
Halm. sey lang von wuchs, beblecht, und voll von wade Gökingk
ged. (1781) 2, 207. den schmalsten fusz, die schOenste volle wade 2, 212. volles auge,
eigentlich nach grösze und wölbung gut gebildet; hier aber mischt sich leicht die vorstellung des ganz auf ein object gerichteten blicks ein (
s. unten 3 a),
so schon in älterer sprache: sô sehent si doch mit vollen ougen herze wille und al der muot Walther v.
d. Vogelweide 99, 32. gleych wie eyn erwegen ehbrecheryn die augen auffsperret und mit vollen augen umb sich wirfft Luther 10, 2, 117
W.; die augenhöhle wölbte sich erhabner; in ihr leuchtete ein volles ruhiges auge Herder 22, 293
S.; wenn sie ihn mit ihren vollen, reinen augen ansah Göthe 24, 134
W.; und sicht nyeman mit gantzen vollen ougen an Brant
narrenschiff 53, 18
Z; auf den die grosze welt mit vollen augen sieht A. Gryphius (1698) 1, 448. sein volles auge glühte von muth und hoffnung Göthe
Iphigenie 4, 4;
ganz entwickelt, ausgewachsen: während das tier, mit vollem geweih, ruhig an ihm vorüberging fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 138. 2@bb) volle frucht, volle traube;
es kann der entwickelte umfang, die rundung des reifseins gemeint sein, allein, oder mit der vorstellung des inhaltes nach 1: vor ihm musz Lachesis in vollen früchten stehn
mediz. maulaffe 2
a; um dich müsse mit vollen beeren der frischeste epheu grünen Herder 26, 15
S.; voller keim blüh auf ... und welkt die blüthenhülle weg, dann steig aus deinem busen die volle frucht Göthe 2, 174
W.; befiehl den letzten früchten voll zu sein Rilke
buch d. lieder 2 48.
oft volle traube: ich bin es, der die vollen trauben brach Stieler
geharnschte Venus 141
ndr.; der rosenknabe Benno glüht wie die edle volle traube Herder 27, 86
S.; dort bot in einer bogenlaube die volle purpurfarbne traube dem trocknen gaum ihr süszes nasz Pfeffel
poet. versuche 4, 145. 2@cc) voller mond,
die im ganzen umfange erhellte scheibe: in einzelnen wendungen ist weniger die erscheinung selbst als die zeit des vollwerdens gemeint: fullu tungli
den norsk-isl. skjaldedigtning II b, 459, 70; also iêmer foller mâno Notker
ps. 88, 38; der mon wirt voll oder wachszt Maaler 472
b; so leuchtet er ... wie der volle mond
Sir. 50, 6; den ersten oder andern tag des vollen mondes Eppendorf
Plinius (1543) VII 10; bey neuem mon trauren, zuo vollem so freun sich die meerkatzen Forer
Geszners thierbuch (1563) 6; ein bauholtz fellen die zimmerleut nicht im vollen mond Nigrinus
von zäuberern, hexen (1592) 138; der volle mohn und das sternlicht seindt einander zuwider
[] Albertinus
zeitkürzer (1603) 2
b; als wenn ein toller hund den vollen mond anbillt Lohenstein
Arminius 1, 9
a; der fast volle mond kam herauf Göthe
br. 4, 95
W.; die wolken verhüllen den vollen mond Klinger
w. (1809
ff.) 3, 13; bis dann zuletzt des vollen mondes helle so klar und deutlich mir ins finstre drang Göthe 3, 47
W.; nachbildung: sie tragen auf bunten stangen ... ein vollen mond, ein brennend herz 10, 49
W. der mond wird, ist voll, halb voll, geht voll auf
u. ä.: wenne der môn geleich gegen der sunnen über ist, sô ist er vol Konrad v. Megenberg 65, 7
Pf.; hab ich das liecht angesehen, wenn es helle leuchtet, und den mond, wenn er vol gieng?
Hiob 31, 26; im mayen, wann der mond bald vol ist Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 423; wenn der mond ... rund und voll durch die nacht spaziert Hebel
w. 1, 10
Behaghel; bald wird er (
der mond) wider voll und gantz Schnurr
der ameisen- u. muckenkrieg (1612) a 7
b.
besondere wendung: fragte ihn, wann es voll würde Grimmelshausen
Simpl. 4, 245
Kurz; vgl. unter 11. 2@dd)
auf glanz, licht, schein
u. ä. bezogen: zu ganzer stärke entwickelt, nicht durch schattendes, deckendes gehindert; beim monde mit der vorstellung 2 c
verbunden: an beiden flosz das volle, stille, klare mondlicht nieder Stifter
w. (1901
ff.) 2, 25; und bey der nacht am klaren himmel stehet der helle mohn mit seinem vollen scheine
griech. dramen 1, 101
D.; nehmt froschlaich, krötenzungen, cohobirt, im vollsten mondlicht sorglich distillirt Göthe 15, 1, 76 (
Faust 6326)
W.; o sähst du, voller mondenschein zum letztenmal auf meine pein 14, 28 (
Faust 386)
W. im vollen schein, bei vollmond Martin-Lienhart 1, 110
a. —
frei: wenn in Sylvesternacht das mondlicht steigt in volle bahnen A. v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 8.
von der sonne und ihrem lichte: man denke sich ein haus, das in vollem sonnenlichte stünde Göthe II 2, 43
W.; hier gosz die sonne noch ihr volles licht über die ... gipfel der bäume herein Mörike
w. 3, 77; warme volle abendbeleuchtung lag auf den spitzen der gebirge Scheffel
ges. w. (1907) 3, 93. —
man sagt: in voller sonne,
im vollen sonnenlichte. —
sterne: (
bildlich:) ach wie hoch war ich gestiegen, meine Venus schien mir voll Weise
der grünenden jugend überfl. gedanken 136
ndr.; tritt in recht vollem klaren schein frau Venus am abendhimmel herein Göthe 3, 184
W. licht im gegensatze zum schatten oder halbschatten: dieser blaue, reich begabte streifen nimmt sich auf der blaszgelben wand meiner zinne bey vollem licht gar herrlich aus Göthe
br. 29, 46
W.; weder bei vollem, noch bei gedämpften lichte Grimm
Michelangelo (1890) 1, 31. —
im bilde: bin ich in vollem lichte? weisz ich alles? Müllner
die schuld 3, 2. voller schatten: (
bank, die) einen vollen schatten gewährte Fontane I 5, 102; im vollen abendschatten 54. 2@ee) volles licht, voller glanz
werden sehr gern in übertragenem sinne gebraucht; besonders in fester verbindung mit verben: ins volle licht setzen, volles licht verbreiten, volles licht erhalten; sich im vollsten glanze zeigen (
auch ironisch);
mit gen.: der volle glanz des ruhmes, das volle licht der gnade
u. ä.: dasz sein (
Shakespeares) bild in ein volleres licht kommt Herder 5, 209
S.; (
die) haupthandlung des stücks ... in ihr volles licht zu setzen Lenz
ges. [] schr. 2, 336
Tieck; (
über) die gesammte gothische baukunst ein volles licht zu verbreiten Fr. Schlegel
w. 6, 199; dasz das volle licht seiner gnaden hier auf erden dardurch könnt erlöschet werden P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel,
kirchenlied 3, 300; was man begriffen hat, ans volle licht zu stellen Canitz
gedichte (1765) 247. Christus sey eyn gantzer scheyn, eyn voller glantz seyner ehren Luther 10, 1, 154
W.; Englands macht, ruhm, glück standen in vollestem glanze Herder 23, 35
S. 2@ff) volle flamme, brand, glut,
in eigentlichem und übertragenem sinne: ich glaubte das haus stünde in vollem feuer
sammlung von schauspielen (
Wien 1764
ff.) 1, 43; ein bedeutsames lächeln setzten sein entzündbares wesen in volle flammen Musäus
volksmärchen 1, 16
H.; man sieht das englische lager in vollen flammen stehen Schiller
jungfrau von Orleans 2, 6; während das staatsgebäude in vollen flammen stand Mommsen
röm. gesch. 2, 319; hastu lust zu den gesagten künsten, so mustu lauffen in vollen brünsten
M. Agricola
musica instrum. (1896) 59; die sonn in vollem brand mit ihrem gülden wagen thet uberfahren alle landt Spee
güld. tugendb. (1649) 277; Hesperien steht allbereit in vollen kriegesflammen Gottsched
ged. (1751) 1, 313. 2@gg)
ein voller ton (
s. unten 12 a),
nicht ein lauter, sondern ein gesunder, kräftiger; auch prädicativ: sein ton ist edel und voll: man verwechsele auch eine starke oder volle stimme nicht mit einer gewaltsam herausgepressten Hiller
anweisung zum gesang (1774) 8; er singt einen vollen bass. volle stimme
kann aber auch die zur gröszten stärke entwickelte bezeichnen: mit voller stimme singen, rufen. — rufft mit voller stim
Jerem. 4, 5; jetzt bricht sye (
die nachtigall) gleich ab, ... darauff erholet sye sich mit voller stymm Eppendorf
Plinius (1543) 155; sie hielten dabey die schilde vor den mund, damit die stimme durch den widerhall voller und tiefer würde Kretschmann
w. (1784
ff.) 1, 8; hub die allmächtige musik in langsamen, vollen, gedehnten zügen an Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 187; mit vollen, anmuthig geregelten tönen Göthe 24, 125
W.; er hörte drauszen einige volle akkorde auf der laute anschlagen Eichendorf
w. (1864) 2, 38; voller klang
übertragen: sein name hat vollen klang im lande; (
Juno) brach herfür mit voller stim Spreng
Ilias (1610) 98
b; wie schnell, wie fertig, voll und schön hört man die bunten fugen (
des liedes) gehn Gottsched
ged. (1751) 1, 214; dann brach der hundertstimmige chor mit volleren liedern rasch hervor Kretschmann
w. (1784
ff.) 1, 51; der sänger drückt die augen ein und schlug in vollen tönen Göthe 1, 162
W.; (
muse) die zu vollen himmelstönen deine lippen hat geweiht Mörike
w. 1, 173
Göschen; in der heimat vollen klängen hat er herrlich es gesungen Weber
Dreizehnlinden (1907) 241.
freier von dem was den vollen ton verursacht: wenn seiner laute sonntagsklang dein lob mit vollen griffen sang Stoppe
Parnasz (1735) 329; indesz die volle harfe tönt Kretschmann
w. (1784
ff.) 1, 46. voller chor,
kräftig klingender oder in allen stimmen stark besetzter: wolauf und nimm nu wieder dein seitenspiel hervor, o Deutschland! und sing lieder im hohen, vollen chor P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 397
a.
[] ein volles orchester,
gut besetztes; mit bezug auf den klang und zugleich im sinne von ganz: das volle orchester setzt hier ein; das volle orchester fällt ... in die waldhornmelodie ein Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 6, 99. das volle werk (
der orgel),
alle stimmen; vom Kreuzberg her aber kam gerad ein infanteriebataillon mit voller musik Fontane I 5, 279.
anders wiederum: mit voller musik (
mit der ganzen) habe ich den ersten (
act) noch nicht hören können Göthe
br. 7, 100
W. laute der sprache, rede, stil, versmasz: wenn man die vocale in folgende ordnung stellt: a, o, e, u, i so ist der erste der vollste und der letzte der magerste (
ton) Ramler
einl. in d. schönen wiss. 4, 121;
in der deutschen gr. werden auch dem e
gegenüber die andern als volle vokale hingestellt: die vollen vokale der
ahd. endungen. wo es (
sch) in der aussprache der volle zischlaut ist Adelung
umständl. lehrgebäude 2, 648; seine sprache ist zu voll, seine einbildungskraft zu hitzig Lessing 17, 163
M.; je ursprünglicher sie (
die sprache) zum vollen unausgesonderten laute der natur hinaufsteigt Herder 5, 11
S.; wir haben von den alten die volle prächtige versification beybehalten Lessing 10, 30
M.; (
Ossians) wohltönendes und volles, obgleich ungestüm daher brausendes silbenmaas Kretschmann
w. (1784) 1, 10; die volle und helle aussprache der vokale Steffens
was ich erlebte 9, 159; doch wenn hernach aus seiner brust hervor, dem winterlichen schneegestöber gleich der hohe laut der vollen rede brach (
ὄπα μεγάλην Il. 3, 221); Bürger 153
b Bohtz. so ist auch seine sprache frei, edel, voll und reich Göthe 41, 1, 206
W.; wie gar mit vollen wortten preysset er die gnad gottis Luther 10, 1, 112
W.; hergegen in wichtigen sachen ... musz man ansehliche, volle und hefftige reden vorbringen Opitz
buch v. d. d. poeterei 35
ndr. —
dann freier, stilart bezeichnend: das volle in einer rede, oder eines gedichts, ist keine schwulst Schönaich
ästhetik in einer nusz (1754) 29.
besondere verbindung: bei meinem meister in Schwäbisch Gemünd bekam die meisterin ein kind; die tochter zwei, die hausmagd drei, das gab ein volles hausgeschrei Baumeister
zimmermannsspr. 71. volles ja, nein
kann auf den klang gehen, gewöhnlich aber auf sinn und meinung: giebt hiermit öffentlich sein klares und volles jawort von sich Chr. Weise
polit. redner (1677) 722. 2@hh) volle farbe,
kräftige, gesättigte: eine satte volle farb die sich in dem anschauen nit verkleineret oder verleurt Maaler 472
b; karmesin beschämt mit seiner vollen glutfarbe gleichsam den vollkommensten purpur Lohenstein
Arminius 2, 188
b; die vollen farben der schönen oder der wilden natur Kretschmann
w. (1784
ff.) 1, 11; solche körper ..., welche die vollsten und lebhaftesten farben haben Göthe II 2, 277;
vom maler: Rubens würde sicher in seiner färbung voller und üppiger gewesen sein Gutzkow
ritter vom geiste 1, 37;
man überträgt auch den vollen ton
auf die farbe: (
in dem) vollsten ton der farbe H. Meyer
in schr. d. Götheges. 5, 147. 2@ii)
verbunden mit der vorstellung des messens, zählens, abschätzens. 2@i@aα)
so von der zeitvorstellung, wenn die ganze dauer des begriffs bezeichnet werden soll: eine volle stunde, ein voller tag, ein volles jahr, jahrhundert; volle fünf minuten, sechs monate. — zelt von dem andern sampstage ... vij voll wochen
erste d. bibel 3, 439
lit. ver.; ein unvermutheter besuch ... hat mich um drey volle tage gebracht Lessing 18, 192
M.; denken sie nach, dasz der Sicilianer beinahe drei volle stunden zu seinen zurüstungen verbrauchte Schiller 4, 254
G.; sitze schon über eine stunde hier, eine volle stunde maler Müller
w. (1811) 1, 171; drei volle himmlische tage Göthe 24, 365
W.; einen vollen, vollen tag hatte er ohne Paula sein können Gutzkow
zauberer von Rom 5, 225; das währte länger als ein volles
[] jahr A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 280; in nicht vollen 2 stunden hatte ich die Knorrhütte ... erreicht v. Barth
nördl. Kalkalpen; ein volles jahr (
τελέσφορον εἰς ἐνιαυτόν) verweilt ich bei ihm in Fönike Vosz
Od. 14, 292
Bernays; hier möcht ich volle stunden säumen Göthe
Faust 2710; für deine sünden faste mir den vollen langen tag 4, 335
W.; es ist vorbei gegangen fast jetzt ein volles jahr Arnim
w. 13, 130.
nachgestellt: heut? ja funfzig jahre voll zählts bis heut zum tag Rückert
w. (1867
ff.) 3, 27. die stunde, das jahr ist voll,
ist abgelaufen: wann der monat voll gewesen sey Schupp
schr. (1663) 574; so würden 3000 jahr des neuen testaments voll Jung-Stilling
w. 3, 366; eh noch die helfte voll von einer viertelstund v. König
ged. (1745) 203; ist die stunde denn noch nicht voll? Göthe 1, 111
W.; eine uhr schlägt die viertel-, halben und vollen stunden; die uhr, es schlägt voll, es ist gleich voll: es wird indem neun uhr voll schlagen Iffland
theatral. w. (1827
ff.) 10, 18; während ... das zifferblatt bald den vollen schlag der fünften stunde voraus anzeigte Gutzkow
ritter vom geiste 1, 17; bis der zeiger auf die volle stunde deutete Seidel
vorstadtgesch. 71. —
entfernung: marktflecken, nicht volle zwei tage von Wien nordwestlich entlegen Brunner
erz. u. schr. (1864
ff.) 1, 2.
ebenso von andern zeitbestimmungen: ein volles menschenalter nach der schlacht von Pydna Mommsen
röm. gesch. 2, 69; schon zwei volle geschlechter vernünftiger menschen (
δύο μὲν γενεαὶ μερόπων ἀνθρώπων Il. 1, 250) ... schieden vor ihm hinweg Bürger 188
b Bohtz. in anderem sinne mit tag, nacht, abend, morgen,
den jahreszeiten verbunden bezeichnet voll
das ganz entwickeltsein: liecht, das da fort gehet und leuchtet bis auff den vollen tag
sprüche Sal. 4, 18; (
wenn) die werme des vollen somers mit gantzer macht einher tringet Heyden
Plinius (1565) 454; wann es im vollen mittag tonnert Sebiz
feldbau (1579) 41; das beste licht ist gerade im vollen mittage Gleim
briefw. 2, 410
K.; die volle nacht war hereingebrochen Gutzkow
zauberer von Rom 8, 326; es ist voller abend geworden R. Wagner
ges. schr. 3, 183. die volle morgenzeit begunte sich zu zeigen Fleming
deutsche ged. 1, 99
L. eine bestimmte anzahl jahre machen mündig (
vgl. volljährig
und oben 1 u): mündige jahre sind theils diejenigen jahre, welche nach dem rechten zur mündigkeit erfordert werden, und heiszen auch volle jahre, theils überhaupt die jahre, nach geendigter minderjährigkeit
allg. haushalt. lex. (1749
ff.) 2, 371
b; ob er ... unmindig noch were und nicht volle jar hette
lehnsurk. Schlesiens (1881
ff.) 1, 511; der herzog fleht ihn um sein mütterliches, er habe seine jahre voll Schiller
Wilhelm Tell 2, 2.
allgemeiner: Josue der war alt und volles alters
erste d. bibel 4, 294
lit. ver.; kompt er zu seinem vollen mannesalter, so gehen die rechten laster an Luther 30, 221
W.; (
der mensch) bluot an der jungint und loubet und gruonet und brengit vrucht ... in vollim aldere Schönbach
altd. pred. 1, 116; er blüet noch in voller jugint Spreng
Ilias (1610) 178
a. 2@i@bβ)
in dieser weise auch sonst von gezähltem, gerechnetem, zahlenmäszig bestimmtem, gemessenem, gewogenem und den zahlen selbst: voll,
numerosus Diefenbach
gloss. 385
a; die volle summe zahlen; voller lohn, gehalt; die zahl ist voll; volle dreizehn meilen, volle hundert meter hoch, das volle
[] gewicht
u. s. w. in mannigfaltigstem gebrauch: die zahl voll machen Steinbach 2, 902; die summe ist noch nicht voll Frisch 2, 406
a; das dy zal vol wart
Marienb. treszlerb. 482
Joachim; wie viel mehr, wenn ir zal vol würde
Röm. 10, 18; bisz ich das vierthelst hundert voll gemacht habe Stranitzky
ollapatrida 372
Wien. ndr.; (
ein buch, das) volle 990 enggedruckte seiten stark ist Gerstenberg
Hamb. n. zeit. 57
lit. dkm.; bis ihre (
der märtyrer) zahl voll wäre Jung-Stilling
w. 3, 137; ich hatte eben die zahl der umgänge auf dem haspel voll Göthe 25, 115
W.; da hast du das dutzend voll Storm
w. (1899) 2, 186; das volle drittheil der bisherigen dauer Moltke
ges. schr. 7, 71; mit 'vollem gehalt' pensionirt Raabe
Horacker (1876) 3; voll geld,
bei versteigerungen die nächst höhere einheit, z. b. 100
thaler, nachdem 98
geboten waren (
anders unter δ) Danneil 241
b; Schütze 4, 325 (
daneben vullgeld,
grosze summe, s. auch brem. wb. 1, 464); wann ist die anzahl voll die ich dem dichtergott an versen zahlen soll Dusch
verm. w. 324; wofür hier manche viel, das volle keine zahlen Withof
bei Kinderling
reinigk. d. d. spr. (1795) 379; wenn die dritte nun erscheinet, ist das böse kleeblatt voll Brentano
ges. schr. 3, 420.
neben die volle summe zahlen
auch die summe voll zahlen, den gehalt voll verbrauchen
u. ä.: wo gott, den rückstand endlich voll zu zahlen, gerechtigkeit in allgemeinen schalen mit unbestochner wage miszt Seume
ged. (1804) 97; nur die sterbkunst stürzt die kasse voll und wichtig aus vor gott Brentano
ges. schr. 1, 536.
die vorstellung des gezählten kann unbestimmter werden oder auch ganz schwinden, so besonders bei werth
u. ä.: nach seinem vollen werthe beurteilen, den vollen werth erkennen. er hat den vollen schaden davon, den vollen schaden ersetzen; ein vollspanner oder colonus, so auf ein volles und auf ein halbes erbe zu wohnen kommt Möser
w. (1842
ff.) 3, 169; theil, lohn
in freiem sinne: an ihrem immer fortschreitenden wichtigen bemühen in guten heitern stunden vollen theil nehmen zu können Göthe
br. 37, 270
W.; nun hatte er ein gutes volles theil davon (
der arbeit) erlangt Raabe
hungerpastor (1864) 3, 210. — voller lohn
von der ewigen seligkeit: das wir einnemen vollen lon unnd himlische cron Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey 27
R. mit begriffen, die eine menge bezeichnen, unbestimmter grösze: zu der zeit, da die leute mit vollen hauffen nach vollendetem gottesdienst auff denen gassen gehen J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 31; so dasz das volk mit vollem haufen dir gleichsam selbst den weg verdringt Stoppe
Parnasz (1735) 2;
frei: es fleuszet deines blutes bach mit gantzen, vollen haufen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 406
a. ein volles bataillon; volles gericht,
vorschriftmäszig besetztes: an vollen gehegten gerichte
weisth. 6, 22; volles heer,
armata intiera Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
c. daselbst hat er das kriegsvolck voll zuo sich genommen Xylander
Polybius (1574) 307; (
heer) in voller guter ordnung Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 97;
übertragen: das volle heer der sterne Mörike
w. 1, 145
Göschen. in verengtem sinne, allgemeines aufgebot: zwei modos bellandi oder colligendi militem ..., entweder per selectum oder den vollen und hellen haufen
verhandl. d. schles. fürsten u. stände 6, 116;
frei: der reichthum zieht bey ihm mit vollen haufen ein Neukirch
gedichte (1744) 96; gute thaten um sich in vollen schaaren zu erblicken Klopstock
oden 1, 116
M.-P. [] in unbestimmterer anwendung ganz allgemein: die volle aussaat (
im bilde) habe überall gute früchte, und nirgend unkraut getragen Fr. Schlegel
w. 2, 15; ich habe schon fünfundsechzig bücher. jetzt wird die zweite reihe voll Freytag
ges. w. 5, 262;
vorrath: all ding im hausz mit vollem rath H. Sachs 1, 434
K.; die volle herde, die gedrängt am kräuterreichen hügel hängt R.
Z. Becker
mildheim. liederb. (1799) 13 voll
im sinne von zahlreich schweiz. idiot. 1, 780. 2@i@gγ)
gewogenes: volles gewicht, ein volles pfund: für volles gewicht giebts auch n' vollen lohn Hauptmann
die weber (1892) 10. — volles gewicht
sehr oft übertragen und frei: so erhalten diese worte erst volles gewicht; das volle gewicht seines ansehens, er legt hierauf volles gewicht
u. ä.; um der ersten sendung meiner neuen ausgabe ein volles gewicht zu geben Göthe
br. 41, 49
W.; ebenso volles gleichgewicht: die gräfin war nun wieder in vollem gleichgewichte Musäus
volksmärchen 1, 59
Hempel. — eine volle dosis: caviar ... in voller dosis genossen Cramer
Neseggab (1791
ff.) 2, xix.
allgemein von last, ladung
u. ä. dem sinne von ganz
nahe kommend: das volle gepäck des infanteristen; volle ladung eines schiffes, wagens;
übertragen: ich wünschte doch dasz das erste stück (
der Horen) mit voller ladung erschiene Göthe
br. 10, 211
W.; anders, volle ladung eines geschützes;
scherzhaft: herrn Gockel, durch eine volle wasserladung ins gesicht, aus seinem versteck hervorzutreiben Brunner
erz. u. schriften (1864
ff.) 1, 237. volle last: drei centner ..., welches ... die volle last eines saumthiers ausmacht Göthe 25, 108
W.; das kind des glases volle last mit beiden rothen händchen faszt A. v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 42
sehr oft in freier, übertragener anwendung: die volle last der verantwortung auf sich nehmen. 2@i@dδ) volles geld (
s. oben unter β),
das richtiges gewicht hat: nicht also, sondern von vol geld wil ichs keuffen
1. chron. 22, 24; das neue geld ist noch voll und ohne abnahme, aber sobald es aus der müntze ist, sobald fängt es auch an abzunehmen J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 2, 102; (
wenn man) 4 oder 5 wochen vor dem angesetzten steuertermin (
die steuer) baar und vor voll (
vgl. unten für voll nehmen
unter 10 ) zur steuer lassen einbringen und abgeben würde
verhandl. d. schles. fürsten u. stände 4, 130; diese münze ist nicht voll,
es fehlt etwas am gewicht; auch vom münzrand: hast du sie (
die dukaten) noch alle, mit dem vollen hübschen rande? ich schwöre dir, ich nehme keine beschnittene Klinger
w. 1, 148. 2@i@eε) volle montur, volle rüstung, voller harnisch, volles ornat
u. ä., alle zugehörigen einzelstücke enthaltend; auch hier dann freier, so dasz an theile nicht mehr gedacht wird: in voller rüstung, vollem harnisch Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
c; (
eine braut bringt) ihrem gemahl ein joch ochsen, ein gesatteltes pferd und eine volle rüstung zu Lohenstein
Arminius 2, 146
a; den heiligen Georg in voller rüstung Fr. Schlegel
w. 6, 130; man zählte ... 20 000 volle rüstungen Mommsen
röm. gesch. 2, 26; da er gott Martem an der stett in voller rüstung sehen thet Spreng
Ilias (1610) 63
b; er sprang geschwind in vollem rüstgezeug (
σὺν τεύχεσιν vom wagen ab
Il. 5, 494)
Il. 5, 494) Bürger 164
a Bohtz; in vollem kürisz
schauspiele engl. comödiant. 43
Creizenach. — weszhalb er ... mit unterhabender soldatesca in vollem gewehr auff Ulm abgezogen Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 548; Mars steht in vollen waffen Hoffmannswaldau
u. anderer Deutscher ged. 6, 194. in seiner vollen montirung Bräker
schr. (1789
ff.) 1, 165; im vollen ornat seiner würde Gutzkow
zauberer von Rom 4, 115.
[] 2@i@zζ) voller kreis
kann sein ein kreis, der ganz rund, d. h. dessen umfang überall gleich weit vom mittelpunkt entfernt ist, oder es wird die gesammte kreisfläche im gegensatz zu einzelnen abschnitten bezeichnet; oft in freier anwendung: kein abschnitt des lebens mehr, der ganze runde, volle kreis liegt vor uns Gutzkow
ritter vom geiste 1, 8; grau mit schwarz vermischte augenbraunen zogen sich in einem vollen halbzirkel um ein paar kleine augen Klinger
w. (1809
ff.) 5, 117 (
s. auch unter 13 e); voller ring (
an einem musikinstrument): der volle ring alle löcher zu thut
M. Agricola
musica instrumentalis (1896) 12. — volle länge, breite, höhe, voller umfang,
ebenfalls sehr oft in freier und übertragener bedeutung; (
haarbeutel,) der sich dann in voller breite dem rücken sanft anschmiegt E. Th. A. Hoffmann
w. 14, 160
Gr.; etwas in voller breite erzählen; volle höhe eines baumes,
wenn er ganz ausgewachsen ist; voller umfang,
sehr oft in neuerer sprache: er begriff, wohl auch nicht in dem vollen umfang ... aber doch besser als seine partei Mommsen
röm. gesch. 2, 336. — volle gestalt, figur,
anders als unter 2 a,
die ganze gestalt im gegensatz zu den einzelnen theilen: jemanden in ganzer figur malen, für die ganze gestalt modell stehen; darumb muste dieser Simeon ein allter man seyn, das er der allten propheten voll und eben figur were (
ihnen ganz entspräche) Luther 10, 2, 386
W.; sehr oft in übertragener anwendung volle gestalt gewinnen
u. ä.: (
thema,) welches zuletzt hervortritt und volle gestalt gewinnt Jahn
Mozart 4, 16. — volle figur,
körper im gegensatz zur linie und fläche Harsdörfer
frauenz. gesprächspiele 1, c 2
b. 33)
der attributive gebrauch von voll,
besonders in verbindung mit abstracten, läszt sich nicht erschöpfend darstellen. alle bisher bezeichneten färbungen treten dabei in erscheinung, die beziehung auf den inhalt des begriffs, seine stärke, seine steigerung, die aber immer unter der grenze des übermaszes, der ganzheit bleibt. zu beachten ist, dasz der prädicative gebrauch des wortes nicht so reich entwickelt ist. man sagt: das volk befand sich in voller empörung,
aber nicht: die empörung des volkes war voll; in voller begeisterung rief er aus,
nicht: seine begeisterung ist voll,
wohl aber: um seine freude voll zu machen; liegt es vielleicht daran, dasz wir selber sie (
die freude) nie so voll bekommen Jean Paul 3, 152
R. —
leichter steht überhaupt voll
in freier anwendung im prädicat, wenn es durch ein zweites adj. gestützt ist: die strofe, die du mir schreibst ist so voll und lebendig Bürger
br. 2, 210
Str.; wie concentrirt und voll und frisch ist die wirkung dieses büchleins Gervinus im
briefwechsel mit Jac. u. W. Grimm u. Dahlmann 2, 265; darum ist sie (
die liebe) allein voll und ganz Fr. Schlegel
jugendschriften 1, 25
Minor (voll und ganz,
adv. s. unter 12 b). —
in älterer sprache: eischt und ir enpfacht, das ewer freude sey vol
erste d. bibel 1, 404
lit. ver. im folgenden sind gruppen festerer verbindungen herausgestellt und der allgemeine gebrauch durch eine auswahl von beispielen belegt. 3@aa) voller blick,
ganz zugewandter, offner, sich hingebender blick (
s. 12 a): mit dem vollen blick der liebe Schiller 5, 122
G.; zum verlangen des vollen, liebreizenden blickes Mörike
w. 3, 13
Göschen: mit vollem hingehefteten blick Klopstock
Messias 8, 60; mit dem verweilenden vollen blick, und der seele drin
oden 1, 111
M.-P.; vgl. oben volles auge
unter 2 a. 3@bb)
von bewegungen: der hof war in voller bewegung Gutzkow
zauberer von Rom 1, 181; in vollem gange,
frei und übertragen: (
dasz das) begräbnisz in vollem gange war 2, 48; die verhandlung war in vollem gange, als er eintrat; dasz der feldmarschalck ... in vollem anzuge nach Preuszen were Chemnitz
schwed. krieg 1, 14; das die meisten davon in confusion und volle flucht geriethen 2, 203.
[] in vollem
lauf: (
wo) das wasser mit vollem lauff rauschet
weish. Sal. 17, 19; mit dem er in vollem lauff auff den Gandalis zurennet
Amadis 1, 35
lit. ver.; in vollem lauff A. Gryphius
Horrib. 24
ndr.; da eilte der hahn ... in vollem laufe ... in den wald Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 32; in vollem laufe stürzte Hans nach dem laden des trödlers Raabe
hungerpastor (1864) 1, 170; der mond sitzt auff den wagen, und thut mit vollem lauff desz himmels feld durchjagen Kirchner
bei Zinkgref
auserl. ged. 29
ndr.; die stunde, welche hilfft, ist schon in vollem lauff Logau
sinngedichte 198
E.; da geht das glück in vollem lauff P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 433
a; ein eilbot sprengte in vollem lauf voraus Schiller
Macbeth 1, 10; da macht sichs bäumlein auf, und kommt im vollen lauf zum wald zurück gelaufen Rückert
w. (1867
ff.) 3, 9. mit vollem laufen: trafe er den gemsjägersknecht mit vollem laufen also recht
Teuerdank (1878) 91. vollen lauf lassen: nichtes ihme im weg stunde, selbigen den vollen lauf zu lassen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 335. eile, hast: dort kommt ein mann in voller hast gelaufen Schiller
Wilhelm Tell 1, 1.
veraltet mit vollem
schritte, vollen schritten: mit vollen schritten einher treten Steinbach 2, 902; er lief mit vollen schritten auf die vollkommenheit Fleming
deutsche ged. 1, 52
L.; ich will für dir (
gott), mit dir, durch dich, in deinen wegen mit vollen schritten gehn A. Gryphius (1698) 2, 127; der seegen eilt mit vollem schritte Stoppe
Parnasz (1735) 17. mit vollem
rennen: worauf eine grosze menge ... wilder thiere mit vollem rennen zugelauffen kamen Lohenstein
Arminius 2, 1157
a.
sprung, sprünge: (
dasz) sie mit vollen sprungen darin (
in den tod) lauffen wolten Spee
cautio crimin. (1649) 61
a; dasz es in vollem sprunge ohne ausholen uber 9. seiner schuch springen konte Prätorius
philosophia colus (1662) 2; er gieng mit vollen springen der frühlingspriesterin zu Lohenstein
Arminius 2, 199
a; so tantz ich mit der liebsten mein, die geht in vollen sprüngen hrein B. Krüger
aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) d 1
b; und dieser kam auch gleich mit vollen sprüngen wieder Neukirch
ged. (1744) 139.
von den gangarten des pferdes, die aber auch auf andere thiere und menschen bezogen werden können: in vollem
trab, galopp Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
c; kaum biegen wir im volle trab um die eck Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 15; Dolon kam her mit vollem trab Spreng
Ilias (1610) 131
b; ach zeumet auff den vollen trab! Spee
güldenes tugendbuch (1649) 412; (
der postillon) fuhr auf einem steinpflaster in vollem gallop los Bode
Yoricks empfinds. reise 1, 109; in vollem galop stürzt eine grosze masse solcher edlen thiere (
pferde) heran Göthe 25, 1, 1
W.; durch die im vollen galopp (
von kindern) überbrachte aufforderung Gutzkow
ritter v. geiste 3, 430. — ritte mit so einer artigen manier im vollen courier die treppe hinunter Reuter
Schelmuffsky 108
vollst. ausg. ndr. —
seltenere verbindungen: lieffen in vollen sporenstreich wieder zurücke (
reiter) A. Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 224. in vollen bügen
s. th. 2,
sp. 494.
[] in vollem
flug, vollen flugs (
vgl.flugs,
adv.): der habicht in vollem flug hinein rennet und fället Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) a 2
a; von gottes wundern stark ergriffen, stieg meine seele dann vollen flugs zum himmel maler Müller
w. (1811) 1, 3. —
vom schwärmen der bienen: als wenn ein bienenflug in follem schwärmen wär Rompler von Löwenhalt
erstes gebüsch 80.
schwang, schwung: wie sawr wirdt mirs, dein euangelium mit vollem schwanck in das teutsche volck zubringen Vogelgesang-Cochläus
v. d. trag. Joh. Hussen 14
ndr. — in vollem schwange gehen,
in allgemeinem gebrauch, ganz verbreitet sein: das ghet in vollem schwang Luther 34, 2, 536
W. gerechtigkeit wird dennoch stehn und stets in vollem schwange gehn P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 360; in vollem schwunge über den graben springen; im vollen schwunge seiner rede. voller
streich, weit ausholender, wuchtiger schlag: demnach schlug der juncker mit vollem streich
Amadis 1, 40
lit. ver.; da er nue einen vollen streich (
d. h. die günstige gelegenheit dazu) zu haben vermeint, hat er auffgezuckt, und graffen H. einen solchen ungehewren streich in sein heubt gegeben Spangenberg
mansfeldische chronica (1572) 246
b. in vollem
zuge: wie du in vollem zug mit allen guten winden fährst Mörike
w. 3, 49
Göschen; besonders in freierem gebrauch: die sache ist in vollem zuge,
geht vorwärts; bundesgenossonschaft war in vollem zug sich in eine unterthanenschaft zu verwandeln Mommsen
röm. geschichte 2, 379. —
beim trinken ist zug
der edlere ausdruck neben schluck: einen vollen zug aus dem becher thun, in vollen zügen trinken: dasz ich von neuem euren wein in vollen zügen trinke Miller
ged. (1783) 71;
gern frei und übertragen: man schlingt die lüge, die uns schmeichelt, in vollen zügen hinab Göthe 45, 80
W.; er genosz die wiedergewonnene freiheit, das leben, Italien in vollen zügen
u. ä. —
vom atmen: lasz mich in vollen, in durstigen zügen trinken die freie, die himmlische luft Schiller
Maria Stuart 3, 1. vollen zugs: vollen zuges trinkt er ein ewiges meer der freude Herder 27, 32
S. 3@cc) mit vollem winde, vor vollem winde fahren
s. unter 13
a;
daneben auch freiere verbindungen: (
wobei) cumuli in vollem sturme nah über die erde hinjagen Laistner
nebelsagen 25; sein mantel, wie von einem vollen windstosze aufgebauscht Grimm
Michelangelo 1, 293; wenn deines grimmes loh in vollem sturme fährt Fleming
dsche ged. 6
L. in diesem letzten von der vollen windsbraut der revolution durchrasten gebiet der litteratur Mommsen
röm. gesch. 2, 462. —
man sagt auch: im vollen brausen des sturms
u. ä. —
besondere wendung, übertragen: (
zungen,) di hoches prachts reden mit vollem braus Melissus
psalmen 45
ndr. 3@dd) volle blüte, reife
in eigentlichem und übertragnem sinne: die freien künste und sprachen stehen in voller blüte
Reinicke fuchs (1650) 174; ein mann in seiner vollen blüthe Klinger
w. (1809ff.) 3, 3; in der zeit der vollsten mannesblüthe Gutzkow
ges. w. 9, 333; um die zeit, wenn das kartoffelfeld in voller blüte stand Keller
ges. w. 4, 15; was freude gibt, dem hertzen liebt, die augen füllt, das sehnen stillt, steht da in voller blüthe P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 442
b;
[] und dasz der unterthan in vollem flore stund A. Olearius
vermehrte reisebeschr. (1696)
vorbericht; so verhindert man ine (
den baum) an seinem vollen blüen Sebiz
feldbau (1579) 344; so prangt des lebens schönste farbe ins volle blüthenthum gestellt Th. Körner 2, 32
Hempel. wenn erst diese prächtigen keime zur vollen reife erwachsen Schiller
räuber 1, 1; der glanz einer zur vollsten reife erblühten schönheit Jahn
Mozart 4, 130. 3@ee)
innere zustände, bewusztsein, gefühl, verlangen, hingebung, willen: bei vollem bewusztsein; seiner ersten in volleren jünglingsbewusztsein verlebten jahre Gutzkow
ges. w. 12, 263; in der vollen regung meines herzens Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 53; (
mich zu beschirmen) mit leben, blut, leib, kraft und vollem muthe Tieck
schr. (1828) 1, 94; im ersten vollen gefühl seines gesunden daseyns Herder 5, 95
S.; vollen, warmen herzensdank maler Müller
w. (1811) 1, 320; das volle warme gefühl meines herzens an der lebendigen natur Göthe 19, 73
W.; (
wenn ich) mit vollem gefühl beistimme Fr. Schlegel
w. 2, 145. eine volle, herzliche, auf das verdienst des geliebten gegründete leidenschaft Göthe 41, 1, 153
W.; in voller ergebenheit gegen den könig Ranke
s. w. 1, 112; mit so voller feindseligkeit 1, 9; in voller, süszer liebe P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 375
a; und im seufzer, mit vollem verlangen, mit voller entzückung, ausgedrückt, auf einem zitternden blühenden mund Klopstock
oden 1, 36
M.-P.; der mund, so stets in vollem eifer stund Gottsched
ged. (1751) 228. dasz er in vollem zorne sein buch zuschlug maler Müller
w. (1811) 1, 233; in voller wuth treibt mich der Venus zorn Schiller
Phädra 1, 3; mein bruder ist in voller freude Göthe 8, 46
W; alles war in vollem jubel Brentano
schr. (1852ff.) 5, 113; hör doch nit auff mit vollem lust ihre stirn, mundt, halsz, wangen, brust mit tausent küssen anzurennen Zinkgref
auserl. ged. 41
ndr.; o volle wonne! — wonne kaum zu fassen Denis
lieder Sineds (1772) 81; so last mich doch die maus nit vollen gelouben an dich haben Steinhöwel
Äsop 123
lit. ver.; vor dem bilde Delaroches steht man mit vollem glauben Gutzkow
ges. w. 7, 479; sein volles vertrauen besitzen, jemandem volles vertrauen schenken, volles vertrauen fassen, im vollen vertrauen auf. — der treibt und bewegt zu aller gutten handlung aus freyem vollen willen Eberlin v. Günzburg 2, 47
ndr. — zu keinem vollen entschlusz kommen; er hat immer nur entwürfe gehabt, nie einen vollen plan E.
M. Arndt
für u. an s. l. Deutschen 1, 495. 3@ff) volle kraft, gewalt, macht, wirkung
u. ä.: mit vollem werck Paracelsus
opera (1616) 2, 503
H.; dasz auch bey uns mannspersonen die thorheiten der jugend noch im alter ihre volle kraft unverändert behalten Rabener
w. 4, 152; in voller kraft, in voller schönheit seiner männlichen jahre Meiszner
Alcibiades 4, 142; ihr könnt eur fürstenpar bey vollen kräften sehn Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 70; noch fühl ich volle kraft (
ἔτι μοι μένος ἔμπεδόν ἐστιν Il. 5, 254) Bürger 161
Bohtz; einer von den fällen, wo des gesetzes volle kraft nicht statthaft
Z. Werner
söhne des thales (1807) 1, 286;
von gesetz, vertrag, gerichtsurtheil, festgelegte meinung u. ä.: in voller kraft bleiben: das zuerst gesagte bleibt in voller kraft Göthe
br. 32, 145
W.; [] man lasse die sentenz, die ihr das haupt abspricht, in voller kraft bestehn Schiller
Maria Stuart 2, 3;
von der dampfkraft eines schiffes: mit voller kraft vorwärts. — volle gewalt geben, haben Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
c; hettend all und jeglich vollen und guoten gewalt von irn herren mit briefen und och insigeln Richental
Constanzer conzil 52
lit. ver.; daz ain ieclich burger vollen gewalt hat, daz er mac tuon und lazen mit sinem varnden guot ..., swaz er wil
Nürnb. polizeiordn. 17
lit. ver.; desz alles habtt ewch vollen gewalt an leib und an guott
Fortunatus 64
ndr.; das er ihm zu dieser gruben oder zechen, vollen gewalt gebe Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 59; (
dasz) die fühlende seele ganz die volle gewalt dieser empfindungen faszt Klopstock
oden 1, 35
M.-P.; mit voller macht,
à tutta forza, con tutto l'esercito Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
c; darinne er in volle macht geben hett, den krieg ab ze legen
d. städtechron. (
Nürnberg 1449) 2, 162; dasz er volle macht zu befehlen hätte Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 7;
beachte den eingeengten sinn von vollmacht; jem. seine volle macht, übermacht fühlen lassen;
s. u. vollmacht. —
heer: er stürzte sich mit seiner vollen macht auf den linken flügel des feindes. 3@gg) volles recht, volle gewalt Stieler 2390; volles recht ergehen lassen,
im ganzen umfange wirken lassen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1208
c; volle rechtsgültigkeit, volles bürgerrecht; er ist in seinem vollen rechte. auch sprechen sie und weisen das zu vollen rechten
weisth. 6, 13. — mit vollem recht,
ganz frei, die richtigkeit der auffassung bezeichnend: man nannte diese ... blumenverzierungen mit vollem recht agréments Brentano
ges. schr. (1852ff.) 5, 8;
zustehender anspruch: er verlangte diese würde mit vollem rechte für sich. voller
ernst: voller ernst des lebens; mit vollem ernst an die arbeit gehen; in vollem ernste sprechen
u. s. w.; dasz ihr der obliegenden pflicht ... mit vollem ernste nicht nachleben wollet Chr. Weise
polit. redner (1677) 12; menschen, die so ekzentrisch sind, im vollen ernst tugendhaft zu seyn
Athenäum 1, 2, 127; sollten sie wirklich im ernst gesprochen haben? — im vollen höchsten ernst, mein fräulein Schiller
der neffe als onkel 2, 6; nein doch, nein! ich sprech im vollsten ernst Hebbel
w. 3, 258
W. voller
sinn; besonders in der festen verbindung im vollen, vollsten sinne (des wortes). — er versteht nicht den vollen sinn dieses satzes, dieser einrichtung; der volle sinn des gedichtes ist ihm nicht aufgegangen
u. ä.: nach der überwindung des thiers aus dem abgrund werden erst in vollem sinn alle reiche der welt unserm herrn zugehören Jung-Stilling
w. 3, 220; er musz zuerst sich in dem vollsten sinn des ausdrucks kennen W. v. Humboldt
schr. 2, 16
ak. ausg.; sie wurde im vollsten sinne das enfant terrible des hauses Raabe
hungerpastor (1864) 2, 121. —