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mette

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

mette f.

Bd. 12, Sp. 2146
mette, f. frühgottesdienst. 11) matutinum oder matutina (scil. hora) heiszt in der katholischen kirche der erste theil der sieben canonischen täglichen gottesdienste (horae canonicae; matutinum oder nocturnum, prima, tertia, sexta, nona, vespera, und completorium), noch vor tagesanbruch von den mitgliedern der stifter und geistlichen orden gehalten. im ahd. wurde das lat. wort als mattîna, metdîna (Graff 2, 708) volksmäszig, und setzte sich mhd. als mettîne, mettene, mettîn, metten fort; metten dauert auch nhd., um später der kürzung mette zu weichen: matutina metten, mitten, niederd. mettene Dief. 352a; matutina, matutinum mettene nov. gloss. 248b; metten, matutina. voc. inc. theut. n 7a; mette, conventus religiosus nocturnus catholicorum, sacrum antelucanum Steinbach 2, 59; so möcht ir der kirchen rwig auszwarten mit beten, predigen, studieren, metten, prim, terz, sext, non, vesper, complet und alles rwig zuo volbringen. Schade sat. u. pasqu. 2, 151, 18; alle tage siben stunt lobet dich vil manich munt. ze vespere jouch ze mettîn scul wir spâte und vruo sîn ze gotes dieneste. Müllenhoff u. Scherer denkm. 45, 7; zu vesper, complet und zu metten. fastn. sp. 235, 25; wir mochten nit mit frid gesein in unserm armen closterlein. metten, preim, sext und non des vergasz wir alles schon. 471, 32; auch mues ich (ein bettelmönch) wachn und hart erfriern im ampt, vesper, complet und metten. H. Sachs fastn. sp. 2, 6, 181; in die mette gehen, die mette singen, zur mette läuten; das er all nacht musz gen metten aufsteen. Keisersberg pred. 66a; hört er bei mitternacht die patres dominicaner, von dero kirchen sein wohnung unfern entlegen, an einem sambstag ganz andächtig die metten singen. Abr. a S. Clara Judas 2, 76; den h. Franciscum in der wüsten Arvernae hat alle nacht ein falk zu der metten aufgeweckt, und mit jhme die horas gesungen. 252; sô si gienge derfüre (vor die thür) hin ze mettîne,ê daʒ eʒ wurde tac, der diu frouwe Kriemhiltvil selten eine verlac. Nib. 945, 3; sine mettin sang er vruo und ein messe dar zuo. pf. Amis 1007; die fromme schläferzunft (der domherren), in weichen flaum gestreckt, hat keine mette nie aus ihrer ruh erweckt. Drollinger 313, nach: sans sortir de leur lits plus doux que leurs hermines, ces pieux fainéans faisoient chanter matines. Boileau; Fritz war ein guter mönch, ein feind der frühen mette. Hagedorn 2, 96; schon hatten morgens früh, beim festlichen gelärm der glocken, schaarenweis die bürger von Palerm an sankt Kathrinens tag zur mette sich versammelt. Wieland 21, 163; so lieb nun auch der guten frau ihr bette um diese jahrszeit war, so ist gewis, sie hätte um vieles gold ihr fräulein nicht allein zur kirche lassen gehn, zumahl in eine mette. 179; so bald die frühe mette geläutet ist, noch zwischen tag und nacht. 347; frühmorgens, wenn man läutet in die mette. Uhland ged. 443; und wie die zwölfe tönen feierlich, und wie durchs land der mette stimmen wehen. Freiligrath ged. 2, 156; als zeitbestimmung: noch lag, umhüllt vom braunen schleier der mitternacht, die halbe welt ... mit éinem wort, es war zur zeit der mette. Wieland 10, 201; die finstere mette, die düstere mette, die mette die am karfreitag ohne lichterglanz gehalten wurde: er wart in der diuster mettin an dem gutin freitag, do man die lichte nach der gewonheit der heiligen christenheit leschete, under deme gesange benedictus erstochen. Menken script. sax. bei Frisch 1, 661c; es war die pumpermette, rumpelmette, vgl. unter Judasjagen th. 42, 2351 und nachher unter 2: so muosz sich Zacheus leiden (bei der kirchweih) gleich wie Judas in der finstern metten (der karwoche). Wickram rollw. 88, 10 Kurz. Die luthersche kirche behielt die mette als frühgottesdienst bei: des heiligen tags oder sontags lassen wir bleiben die gewönlichen epistel und evangelia, und haben drei predigt, frü umb fünfe oder sechse singet man etliche psalmen, als zur metten. Luther 3, 280a; fur die knaben und schüler in der biblia zu üben, gehets also zu. die wochen über teglich, vor der lection, singen sie etliche psalmen latinisch, wie bisher zur metten gewonet. 280b. vgl. christmette, frühmette. 22) mette in freier oder sprichwörtlicher anwendung. 2@aa) für das erheben der stimme in aller frühe: du werest in deinem wuost verdorben (als kleines kind ohne deine eltern), da du zenacht hast metten gesungen. Keisersberg emeis O 3d; die vogelin singen widerstreit gar wolgemuot ir metten in dem ghage. Hätzlerin 1, 3, 14; in lüsterner anspielung: der liebe tempel ist die kammer, schoosz und bette; hier klingelt immer zu, bis dasz man aufersteht, ohn faulheit und verdrusz fein hurtig in die mette, und haltet, wenns vorbei, darauf ein kusz-complet. Günther 594. 2@bb) die trunkene mette, das erbrechen eines säufers: bisz dasz jn der Bachus .. under die bank wirft, dʒ er anfahet die trunken mettin mit den langen noten zu singen, dasz all hund und sew zuolaufen, und sich des gesangs und der mettin frewen. S. Frank sprichw. 2, 148b; alle morgen sang er die trunken metten, streifet den fuchs. Garg. 131a. 2@cc) die finstre mette (vergl. oben unter 1) theils als bild für etwas nicht näher zu beleuchtendes: dies in seinen ort und in die finstre metten gestellt. Schweinichen 1, 30; theils obscön: baldt hielt der münch mit seiner Grethen ohn alle sorg die finstern metten, der pfeifer dacht, nun ist es zeit, dasz man auch zu der metten leut. L. Sandrub kurzweil 92; theils endlich, mit bezug auf das Judasjagen und die rumpelmette, pumpermette (Schm. 1, 1689 Fromm.), die finstre mette lesen, lärmend zanken: ach wie sol doch vor all s. Velten mich mein boszhaftig weib zu schelten und mir die finster metten lesn, das ich so lang bin aus gewesn. Ringwaldt plagium act 3, sc. 2. 2@dd) so kann mette geradezu in den begriff des gepolters, getöses, geschreies übertreten: bair. des is aber e metten! e hellische, e besoffene metten. Schm. a. a. o.; alem. metti lärm, sist e volli metti, vom gelärme der säufer. Stalder 2, 208; schwäb. mette, lärm Schmid 380; was spott, was noth, was fretten, was metten musz er nit auszstehen. Abr. a S. Clara Judas 2, 466; metti verblaszt zu dem begriffe der umstände, des aufhebens. Seiler 206a. 2@ee) mette, auch nur geschäft in der frühe: gäbs alle morgen so eine mette acht tage nur (spricht ein fischer nach glücklichem fange). Wieland 18, 230. 2@ff) sprichwörtlich: die mette ist verschlafen (die zeit ist versäumt). Frisch 1, 661b (aus Hortleders schmalkald. krieg); die mette ist gesungen, es ist aus, fertig: o lieben gesellen, die metten ist all gesungen, Wolfbüttel und das ganze land ist schon gewunnen. ein lustig gesprech der teufel (1542) b 1a; zur mette läuten für flunkern, aufschneiden?: dis schreiben meine münchlein frei und melden dis auch fein darbei das Christus jm das hab gewert (die bitte, es solle keiner im orden verloren sein) .. oho, das heist zur metten glitten: die lügen ist gar wol beschnitten, man kan sie schier mit gabeln greifen. Fischart von Domin. leben v. 2963.
7062 Zeichen · 120 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    mettest. F. (ō)

    Köbler Afries. Wörterbuch

    mette , st. F. (ō) nhd. Patin ne. godmother Hw.: s. metskip Q.: AA 215 I.: Lw. lat. mātrina E.: s. lat. mātrina, F., Pat…

  2. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    metteSb.

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    mette , Sb. Vw.: s. met* (2)

  3. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    mette

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    mëtte , mette s. mëte, mettene.

  4. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    metteF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +8 Parallelbelege

    mette , F. nhd. Frühmesse, Mette, Zeit des Frühopfers, früher Morgen Vw.: s. dach-, dǖster-, nacht-, rumpel- Hw.: s. mat…

  5. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Mêtte

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Die Mêtte , plur. die -n, ein aus dem Lat. matutinus entlehntes Kirchenwort, welches besonders in der Römischen Kirche ü…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Mette

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Mette , s. Matutinum .

  7. modern
    Dialekt
    Mettef.

    Pfälzisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Mette f. : ' mitternächtlicher oder frühmorgendlicher Gottesdienst zu einem hohen Fest ', Mett (męd) [ Schneckenburger 2…

  8. Sprichwörter
    Mette

    Wander (Sprichwörter)

    Mette Dulle Mett. Ein Scheltwort aus dem Namen Mechthild. Auch Mettke. ( Dähnert, 304 a . )

  9. Spezial
    Mette

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Met|te f. (-,-n) madovines f.pl. ▬ zur Christmette gehen jí a madovines.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit mette

111 Bildungen · 97 Erstglied · 14 Zweitglied · 0 Ableitungen

mette‑ als Erstglied (30 von 97)

mettegelt

MNWB

mette·gelt

mettegelt , n. , Bezahlung für das amtliche Abmessen. S. auch ° mattengelt. —

mettegestirne

KöblerMhd

mette·gestirne

mettegestirne , st. N. nhd. Morgenstern E.: s. meten, gestirne W.: nhd. DW- L.: Hennig (mettegestirne)

mettehūs

KöblerMnd

mette·hūs

mettehūs , N. nhd. „Messhaus“, Gebäude zur Aufbewahrung der städtischen Mahlabgabe? Hw.: s. mattenhūs Q.: Nd. Jb. 39 109 E.: s. mette (1), h…

Mette II

RhWB

Mette II męt Sg. t. f. nach dem Nhd. heute in den Städten; mEdən Sg. t. m. WSaarbg , Trier-Ld , Bitb , Prüm-Mürlenb 1860; -ęd- Saarl , Koch-…

Mette III

RhWB

Mette III -ę- = Ziege s. Mätte;

mettekaste

KöblerMnd

mette·kaste

mettekaste , M., F. nhd. Kasten (M.) in dem die städtische Mahlabgabe an Getreide aufbewahrt wird Hw.: s. mattekiste, mettekiste E.: s. mett…

Metteke

MNWB

mett·eke

Metke , Metteke , npr. , Kurzform für Mechthild .

Metteken

WWB

mette·ken

Metteken -suᵉmer m. [Min] Altweibersommer; Sommer mit fliegenden Fäden ( Min Ha). ¶ NdsWb 8,652: Metjen¹, Metten .

mettekiste

KöblerMnd

mette·kiste

mettekiste , F. nhd. Kiste in der die städtische Mahlabgabe an Getreide aufbewahrt wird Hw.: s. mattekiste, mettekaste E.: s. mette (1), kis…

mettekōrn

KöblerMnd

mettekōrn , N. nhd. Getreide das als Mahlgebühr abgegeben wird Hw.: s. mattenkōrn E.: s. mette (1), kōrn L.: MndHwb 2, 973 (mettegelt/mettek…

mettelĩk

MNWB

mette·lik

° mettelĩk (Westfäl. Ps. 127), metten- (Mante Nd. Geb. 29), adj. , früh, matutinus, de m.e huͤde die frühe Gebetszeit, m. ammecht Frühmesse.

mettelîn

Lexer

mett·elin

mettelîn stn. dem. zu matte, wiese Mone z. 21,340 ( 1405 ). vgl. mætlîn.

mettelīk

KöblerMnd

mettelīk , Adj. nhd. „metten...“, früh Q.: Westfäl. Ps. 127 (um 1350) E.: s. mette (2), līk (3) L.: MndHwb 2, 973 (mettelīk) Son.: örtlich b…

mettelīn

KöblerMhd

mette·līn

mettelīn , st. N. nhd. kleine Wiese, kleine Matte Q.: Seuse (FB mettelīn), Urk (1283) E.: s. matte W.: nhd. DW- L.: WMU (mettelīn N239 [1283…

mette, mȫle

MNWB

mette·moele

° ~mette, mȫle-, f. , Mahlmetze, Abgabe für die Müllerarbeit (ostfäl. Belege). Vgl. 2 matte. —

mettenambehte

KöblerMhd

metten·ambehte

mettenambehte , st. N. nhd. „Mettenamt“, Frühmesse Q.: Vät (1275-1300) (FB mettenamt) E.: s. metten, ambehte W.: nhd. (ält.) Mettenamt, N., …

mettenbrot

DWB

metten·brot

mettenbrot , n. die erste mündliche nachricht von einem glücklichen ereignisse und das dem verkündiger gegebene geschenk. schwäbisch. Schmid…

mettenbuch

DWB

metten·buch

mettenbuch , n. buch für den gottesdienst der mette: mettenbuch matutinale. voc. inc. theut. n 7 a ; matutinale mettibuoch Dief. nov. gloss.…

mettenbuoch

Lexer

metten·buoch

metten-buoch stn. mettenbuch Ukn. 318 ( 1346 ). Lcr. 40,1299. mettîbuoch Ls. 2. 387, 87. matutinale: metten-, mitten-, mittîbuoch Dfg. 352 a…

mette als Zweitglied (14 von 14)

dachmette

MNWB

dach·mette

dachmette , f. , nach der Frühmette gelesene Messe. — Auch Hauptmesse.

dü̑stermette

MNWB

duester·mette

dü̑stermette , f. , Finstermesse, die am Mittwoch, Donnerstag, Freitag nachmittag der Karwoche gehaltene Messe. de d. lēsen lâten eine Drohu…

dūstermette

KöblerMnd

dūstermette , F. Vw.: s. dǖstermette

frühmette

DWB

frueh·mette

frühmette , f. ein vor tagesanbruch mit absingen von psalmen gehaltener gottesdienst, besonders an einem feste, wie z. b. am christtage. ein…

mȫlemette

KöblerMnd

mȫlemette , F. Vw.: s. mȫlenmette

mȫlenmette

KöblerMnd

mȫlenmette , F. nhd. „Mühlenmetze“, Mahlmetze, Abgabe für die Müllerarbeit E.: s. mȫle, mette (1) W.: vgl. nhd. Mühlmetze, F., Mühlmetze, Ma…

nachtmette

KöblerMnd

nacht·mette

nachtmette , F. nhd. „Nachtmette“, Frühmesse Hw.: vgl. mhd. nachtmetten E.: s. nacht (1), mette (2) L.: MndHwb 2, 1053 (nachtlôn/nachtmette)…

pfarrmette

DWB

pfarr·mette

pfarrmette , f. , mhd. und frühnhd. pfarremettîn, pfarremetten, pfarrmetten, der frühgottesdienst in einer pfarre. Lexer 2, 229 .

pumpermette

DWB

pumper·mette

pumpermette , f. die mette in der charwoche, bei der mit ratschen geklappert oder mit klöppeln gepumpert wird ( s. rumpelmette und Judasjage…

rumpelmette

DWB

rumpel·mette

rumpelmette , f. lärmender aufzug in der charwoche, bei dem mit ratschen an die bänke und wände der kirche geschlagen wurde, was dem verräth…

soltmette

KöblerMnd

solt·mette

soltmette , F. nhd. Salzmaß, Salzscheffel E.: s. solt (2), mette (1) L.: MndHwb 3, 332 (soltlāger/soltmette)