Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Schwelle f.
Schwelle f.
Schwelle f. ‘waagerecht liegender Balken’ (als untere Begrenzung eines Türrahmens, als Befestigungsgrundlage für Eisenbahnschienen). Die unterschiedlich gebildeten Substantive ahd. swelli n. ‘Türschwelle, Fußgestell, Sockel’ (9. Jh.), swella f. (Hs. 13. Jh.), mhd. swelle f. n. ‘Balken zum Hemmen, Schwellen des Wassers’, überhaupt ‘Balken, Grundbalken, Schwelle’, mnd. sul m., sülle m. f., mnl. sulle, sille, aengl. syll, sylle f., engl. sill, anord. syll, svill f., schwed. syll führen auf germ. *swallja- bzw. (ablautend) *swelljō und *sulljō. Vergleichbar sind vielleicht griech. selís (σελίς) ‘Querbalken eines Gebäudes, Schiffes, Querstück, Querwand, in die Quere laufende Bank- oder Sitzreihe im Theater’ und (mit m-Suffix) griech. sélma (σέλμα) ‘Deck-, Ruderplanke, Ruderbank, Verdeck, Gerüst’, asächs. selmo m. ‘Lager, Bett’, aengl. sealma m. ‘hölzernes Bettgestell, Bett’, so daß von einer Wurzel ie. *su̯el- bzw. deren Variante *sel- ‘Balken, Brett, aus Stämmen oder Brettern Verfertigtes’ ausgegangen werden kann. Als Bedeutung für das Germ. ergäbe sich ‘Grundbalken’ (eines Hauses, Bauwerkes oder Bauteiles). Jedoch ist diese Herleitung umstritten. Fraglich bleibt auch, ob das unter 1Säule (s. d.) behandelte Substantiv hier anzuschließen ist. Schwelle für ‘Türschwelle’ setzt sich aus omd. Gebrauch in der Literatursprache durch und entwickelt die übertragene Bedeutung ‘Grenze, an der etw. beginnt oder endet’ (vgl. an der Schwelle des Jahres, Schwelle des Bewußtseins, Reizschwelle).