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unruhe

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unruhe f.

Bd. 24, Sp. 1282
unruhe, f. , mangel u. gth. der ruhe. ahd. unrâwa; mhd. unrâwe, -ruowe, -ruo, -rûwe, -rûg, -rû, -rueb; mnd. unro(u)we. mnl. onroeuwe (mit verweis auf das sonst übliche onruste) nur bei Kilian. an. úró; n. uro; schwed. oro. vgl.unrast, -rust. zu den formen s. ruhe I u. frühnhd. unraw (1543) bei Staub-Tobler 6, 1895; ohnrug th. 7, 1202; unruod (mhd. unruowede, mhd. wb. 2, 819b) Keisersberg bei Scherz-Oberlin 1815; unruehr (vermengt mit ruhr 2, Staub-Tobler 6, 1244, 4) österr. weist. 11, 722b (bed. 3 c); vgl. ein adj. unrürig Fischer schwäb. wb. 6, 213. schwache (Staub-Tobler 6, 1895 pluralisch gedeutete) formen in präpos. verbindungen, denen von ruhe entsprechend, veraltet (voll unrugen Luther bibel 1, 411 W.; mit unruhen Lehmann florileg. 1, 288). plur. unflectiert (es waren do zmall .. vill unruow Th. Platter 97 Boos) veraltet, flectiert in bed. 2 a β einwandfrei (Ebner-Eschenbach 3, 26), besonders häufig in bed. 3 c, seltener in bed. 5 und 6. neben dem f. steht mundartlich in bed. 2 a β neutrales geschlecht: Staub-Tobler 6, 1897 (vom n. das perpendikel übertragen); Seiler Basel 300b; Hebel 1, 80 B.; Frischbier bei Wander 4, 1474. von männlichen personen gebraucht, erscheint auch das m.: ein rechter unruh G. Chr. Martini rednerschatz 1 (1704), 268 (zs. f. d. wortf. 3, 260); els. wb. 2, 245b; der kleine unruh Sanders 2, 808a, wie unrast 3 und unart sp. 179. vgl. unruhigkeit, -ruhsamkeit, -ruhsamigkeit, -ruhschaft, -ruhung. 11) gs. zu ruhe 1, nichtaufhören einer thätigkeit, eines geschehens, störung eines zustandes; des wanderns, kämpfens u. dgl.: ruow kompt ausz unruow, und widerumb unruow ausz ruow S. Franck sprichw. (1545) 1, 42a; bisz der gott Jupiter meinem ellend und unruohe (umherschweifen fern von der heimat) ain endschafft gegeben Schaidenreiszer Odyssea (1537) 14a; u. des körpers Göthe 23, 277 W.; leibesunruhe Treuer Dädalus (1675) 1, 108; veraltet vom kampf: ackermann a. B. 14, 2 B.; sie begeren nichts dann frid, wOelle aber der sune unruo haben, so werde er sie nit wehrlosz finden S. Franck chron. Germ. (1538) 104b; G. v. Berlichingen 40 Bieling; Frischlin dicht. 14; P. ... streuete .. samen zu neuer u. wider die Parthen Lohenstein Arm. 1, 220b; zugleich auf bed. 3 c weisend: dreiszigjährige u. (der 30jährige krieg) Schwabe belustigungen 1, 52. von thieren Fischart lob d. lauten 304 H.; die gegenwärtige u. des Vesuvs Göthe IV 8, 197 W.; (an einer stelle) den sand in u. bringen Stifter 3, 56. gs. u. vereitelung der bett- u. nachtruhe (s.ruhe 1 b) Notker psalm. 40, 4; Lucas 11, 7; Endinger judenspiel 35 ndr.; mit einschlusz von bed. 6 Mörike 3, 84. unruhe im grabe (ruhe 1 c) J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 61; Weinholds zschr. f. volksk. 24, 417; individuell: unruhbett (der Jezabel) Abele gerichtshändel 630; umgehen nach dem tode: Simplic. 568 Kögel; Klinger 4, 76. 22) mit dem mittelpunct der bewegungsvorstellung (s.ruhe 3). a) nichtaufhören der bewegung. α) abstract: alle element schweben drob (über der erde) beweglich her mit groszer unruo S. Franck sprichw. (1541) 1, 120a. unruhe des kindes (in der gebärmutter) Ruoff hebammenb. (1580) 59; ruhelosigkeit, drang nach bewegung, bethätigung, bei kindern: Salzmann ameisenbüchlein 155; dieser kleine kerl .. ist in steter rastloser u. E. Th. A. Hoffmann 14, 167 G.; den vögeln ist eine geisterhafte u. eigen J. Grimm Reinh. Fuchs ix; die u. des wassers Laistner nebelsagen 25. vielfach nicht ohne einschlag von bed. 6: Göthe 8, 249 W.; 34, 3 W.; u. in den gliedern IV 5, 247, 9 W. (vgl. 5). zu unruhe beim zielen, schieszen vgl. 6. β) concret von sich stets bewegenden dingen aller art: vom perpetuum mobile als spielzeug oder zimmerschmuck Staub-Tobler 6, 1897, 2 c, Campe; von einer ampel Staub-Tobler a. a. o.; von deckengehängen in bauernstuben (Weinholds zs. f. volksk. 26, 420; die stete bewegung vertreibt die hexe; steht es still, so zeigt das, dasz eine hexe zugegen ist Wuttke volksaberglaube 420); auch die hierzu meist gebrauchten pflanzen lycopodium clavatum und eryngium eampestre heiszen dann u.: Holl pflanzennamen 239b; Grassmann 99; Pritzel-Jessen 145, 226; Söhns 165 f.; Fischer schwäb. wb. 6, 212; unruhkräuter Höfler 530a; vom sonnenzeiger Alberus 64a; vom bratenwender Kramer (1702) 2, 386a; genauer: die unruhe am bratenwender the flier of a jack Lucas; steigrad Schwan; bei schöpfwerken J. de Strada künstlicher abrisz (1618) 2, 9; unruhfeder am barometer Karmarsch-Heeren 1, 148; von den flügelkölbchen der insecten Campe; unruhwage abwägezirkel Krünitz 199, 232. der dämmerungsfalter sphinx heiszt u. Nemnich wb. d. naturg. 610; ebenso nl. onrust wb. 10, 1777. insbesondere vom regler der uhr, librator horologicus; zunächst vom wagarm der waguhr: mnd. wb. 5, 72b; glychen wohn hatt man ouch ghept, wann man nachts in den kammern by gar stillem wäsen etwas hören kleffelen, glych wie die unrouw an einer uhr oder zyttlin, da der pöffel es dahin gedütt, es schmide das dogkelin allso R. Cysat bei Brandstetter § 133; Parac. 2, 309 c; M. Christophorus Irenäus Adam und Eva (1570) c 8b; Mathesius Sarepta (1571) 38b; Guarinonius 5, 55; Spee tugendbuch 602; die unruhe ist meister über das gewichte und hält ihren schwang wie der perpendicul Becher närrische weisheit (1692) 17; vgl.frauengemüt Staub-Tobler 4, 587; unruhstengel (1652) Schöner specialidiotikon v. Eschenrod 255. die wag wird in der mitte des 17. jhs. durch ein rad ersetzt: allgem. haushaltslex. (1749) 3, 610; Jacobsson 4, 486b; zusammensetzungen (mit ausnahme von unruheschlag nur technologisch): unruh(e)achse Karmarsch-Heeren 9, 764, -deckplatte Hoyer-Kreuter 1, 792, -drehstift Prechtl 4, 447, -drehstuhl 4, 466, -feder Karmarsch-Heeren 9, 767, -kloben 9, 760, Ebner-Eschenbach 3, 27, -kranz Karmarsch-Heeren 9, 766, -nietkloben Krünitz 199, 231, -polierdrehstift Hoyer-Kreuter 1, 792, -rädchen H. Bock die uhr (1908) 34, -regulierung Karmarsch-Heeren 9, 791, -ring 9, 797, -rolle Prechtl 4, 441, -scheibe Krünitz 199, 228, -schlag H. W. v. Logau poet. zeitvertreib (1725) 132, allg. d. bibliothek 103, 147, -schützer Sachs-Villatte, -schwingung Lueger 7, 759, -spindel Krünitz 199, 231, -steg ebda, -stielklöbchen Prechtl 5, 593, -stielkölbchen Hoyer - Kreuter 1, 792, -stift Krünitz 196, 383, -streich 199, 231, -uhr ebda, Hoyer-Kreuter 1, 792, -wage Jacobsson 8, 55b, -welle Lueger 7, 759, -zapfenfeile Prechtl 5, 573 u. a. anderseits: compensationsunruhe Bock die uhr 83, löffelunruhe G. Hertz gesch. d. uhren (1851) 25 (nl. lepelonrust wb. 10, 1777) u. s. w.: wo dasjenige (rad), welches das vornehmste ist, nemlich die unruhe, nicht forteilet, so stehet das gantze wesen auf einmal stille der unsichtbare harnisch (1697) 201; aber wer hat jemals ein gewicht oder eine unruh, eine feder oder ein rad zur probe von einer uhr gegeben? Lessing 13, 24; F. Th. v. Schubert 4, 274; vorzüglich im bilde und vergleiche: daraus dan wol zu sehen, dasz .. dasz gemüt im leib wie die unruo in der uren Fischart podagr. trostb. 16, 6 H.; Garg. 110 ndr.; V. Herberger magnalia dei (1607) 2, 36; du selber machst die zeit: dasz uhrwerk sind die sinnen; hemstu die unruh nur, so ist die zeit von hinnen Angelus Silesius wandersmann 30 ndr.; Logau 106 E.; Lehmann floril. 1, 264; 265; 3, 182; August alleine war die unruh in der uhr des gemeinen wesens Lohenstein Arm. 2, 962b; 2, 17a; 1, 276a; 2, 128a; Pietsch geb. schr. (1740) 185; des herzens unruh gehen sehen A. v. Haller gedichte 114, 106 Hirzel; Heinse 4, 316; Immermann 15, 124; Rückert 3, 433; die unruhe, welche die nie ablaufende uhr der metaphysik in bewegung hält Schopenhauer 2, 198; Hebbel I 10, 260; das geld ist die unruhe der lebensuhr Gutzkow 5, 213. vom perpendikel in der pendeluhr: Belemnon bauernlex. (1728) 137; Adelung; Kinderling reinigkeit d. d. spr. 311; Staub-Tobler 6, 1897; die unruh stöhnt im turme da, als wär' ein mensch dem tode nah Th. Bornhauser bei Staub-Tobler a. a. o.; els. wb. 2, 245a; Hebel 1, 80 B. (26, 17); Fischer schwäb. wb. 6, 212; Schöpf 566; Wagners archiv 1, 280; Follmann 520; Ruckert 188; Crecelius 848; Schmitz Eifel 1, 232b; luxemb. 319; Haltrich 38b; Kleemann Nordthüring. 24b; Liesenberg 187; Hentrich 66; Schambach 244a u. sonst, aber schriftsprachlich nicht allgemeingültig. b) ungleichmäszigkeit in der bewegung (vgl.ruhe 3 ende): was ... dem tanze eine gewisse unruhe giebt Böhme gesch. d. tanzes 223; im marschieren, in der begleitung, im vortrage u. dgl.; bewegung, welche durch .. triolen den charakter einer zitternden u. bekommt O. Jahn Mozart 3, 120 anm. 58; der nadel A. v. Humboldt kosmos 4, 126; u. im verlaufe eines natürlichen oder geistigen processes überhaupt; im nordlicht F. Th. v. Schubert 4, 219; u. der entwicklung Bismarck gedanken u. er. 2, 79; u. der russischen politik 2, 269 (vgl. 6). 33) nichtaufhören einer als unangenehm empfundenen bethätigung oder eines entsprechenden zustandes (die verinnerlichung, die in 6 entschieden zum durchbruch kommt, setzt schon ein). a) pein, plage, last, beschwerde u. ä. (vgl.ruhe 4 a). ahd. unroa vexatio Schmeller 2, 3; Notker psalm. 3, 6; mhd. wb. 2, 819a; Söderwall 2, 173a: wollust .., durch den sich menig mensch in ewig unruow versencket Ant. v. Pforr b. der beispiele 20, 32 H.; Mathesius bibl. d. schr. a. B. 4, 115, 20; er wOelle .. sie erlOesen usz der unruow irer penen Eberlin v. Günzburg 1, 77 ndr.; hatte ich nicht gute ruge? und kompt solch unruge Hiob 3, 26 (mit den var. unfall, toben; bibel 1, 396 W.; ὀργή, indignatio; unfall II 1 b sp. 525); Hiob 14, 1; psalm 55, 23; die wiege will uns selbst durch hin und wieder werffen das hertze zur gedult der künfftgen unruh schärffen Ch. Fr. Henrici 1, 192; milder von bloszer beunruhigung: sich fing sanct Peters unrhu an H. Sachs 5, 111, 25 K. (S. Peter mit d. geisz); diese hirsch haben unruhe auff ihrem geäsz erlitten new. jägerbuch (1590) 33a. synonyma zeugen für den begriffsumfang: unruow und hell S. Franck sprichw. (1545) 1, 10b; unruh und sorg Eyering proverb. 1, 757; unruh, müh und arbeit Pape garteteufel (1586) n 7a; fleisz und unruh Petri b b 8b; unmusz und u. Zinkgref apophthegmata (1628) 8; je häufiger sich ihre nachkommen mehrten, desto heftiger nahm die unruhe und das elend der sterblichen zu Rabener 1, 150. verbale, meist veraltete verbindungen: u. gewinnen Oswald v. Wolkenstein 86, 1, 13 Sch.; einem u. aufthun Arigo decam. 178, 22 K.; im selbs unruow zuostatten suscipere molestiam Frisius 831a; viel u. (unnütze plackerei) wird damit (m. hexenklagen) angerichtet Prätorius Blockesberges verrichtung 110; bes. u. machen: den armen u. machen pauperes vexare fastnachtsp. 645, 8 K.; sich vergeblich u. machen frustra conturbari psalm 39, 7; dasz er uns mach sollich unrue (solches ärgernis bereitet) pfarrer v. Kalenberg 2078 D.; schwierigkeiten machen apostelgesch. 15, 19; unnötig in anspruch nehmen Fischart Eulenspiegel 3, 635 H.; Martha, Martha, du machst dir um vielerlei sorge und unruh! Scheffel 1, 181; das ist schlecht von dir, dasz du mir da eine unruh machst O. Ludwig 2, 353; in der spr. der höflichkeit: ich will dem herrn keine (fernere) u. machen Kramer (1702) 2, 386a; der herr vergebe mir die u., die ich ihm verursachet (gemacht) habe 385c; syn. ungelegenheit; blosz um ihnen nicht wieder unruhe zu machen, schreibe ich ihnen heute Lessing 18, 159; Raupach dram. werke kom. gattung 2, 367; mach dir nit u. bleib still, kümmre dich nicht um mich Staub-Tobler 6, 1896; formelhaft: so dörfft ich noch wol setzen zu, wanns euch gescheh ohn all unruh (salva venia) B. Krüger spiel v. d. bäur. richtern 68 B.; sy wölle mich ... on alle mein unruoe gesunt machen Arigo decam. 227, 5 K.; veraltet. plur.: du wolltest von allen unruhen, die du bei hof, im militär, auf reisen erlebt hattest, dich an meiner seite erholen Göthe 20, 9, 23 W.; IV 28, 264 W.; hof- und ministerialunruhen III 6, 166, 13 W. sprichwörtlich: mein zeit mit unruh Petri O o 7a; Oldecop chron. 12, 15; Hiob 14, 1; besser unter der banck mit ruhe, denn darauff mit unruhe Petri k 7b; Sirach 15, 16; kein reichthumb ist ohne unruhe Lehmann florileg. 3, 180. b) ruhestörung, lärm, getriebe, kommen und gehen u. dgl. (ruhe 4 b); Söderwall 2, 173, 2; österr. weist. 5, 2, 939; 6, 656; 10, 376; ein par bOeses ehvolk schaft unru der ganzen nachbarschaft Fischart ehzuchtb. 144, 20 H.; grosze u. (rimenio) im hause haben Kramer (1702) 2, 386a; des hofes unruh Wieland I 1, 229; das getymmel der städtischen unruh I 1, 433; Göthe 26, 48 W.; unruhe, getöse und geschwätz bei der musik O. Jahn Mozart 3, 324, im parlament Bismarck polit. reden 4, 325; Holtei erz. schr. 7, 150; Gutzkow zauberer 3, 204; durch umgehende gespenster Zimmer. chron. 2, 162, 2; G. Freytag 11, 59. übertragen für fracas im gemälde Sachs-Villatte. c) turba, seditio, motus, rumor, ferocia, inordinatio (nicht selten mit bestandtheilen der bed. b versetzt): vgl. unruh(e)anstifter, -erregung, -heber, -kopf, -macher, -periode, -stifter, -stifterin, -stiftung, -tag, -teufel; unruher. syn.: unfrid S. Brant narrenschiff 19, 28, auffrur Luther 19, 278 W., verfolgung Eberlin v. Günzburg 2, 35, zwitracht Zwingli d. schr. 1, 116, meuterey Fischart discours (1589) d 4b, empörung Rätel chron. d. herzogt. Schlesien 20, krieg S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 14, verwirrung Göthe 43, 311 W. u. dgl.; Sattler phras. 381; Sanders syn. (1882) 51, 16; Lyon 151 f. (aufstand, tumult, auflauf). gs.: frid und gnad H. R. Manuel weinspiel 409 ndr.; regalstücke, darauf die ruhe und unruhe, weh und wol jedes reichs bestehet Chemnitz schwed. krieg 2, 25. attribute: Sattler 477; innerliche Leibnitz d. schr. 1, 215, rebellische, innere, politische, religiöse Göthe bei Bohner 110, Krünitz 199, 105 u. s. f. verbale verbindungen: u. suchen Luther 18, 549 W., anstellen Fischart discours d 4b, Elis. Charl. v. Orleans 1, 388, (an)stiften, erwecken Fischart jesuiterhütlein 1101 H.; an-, zurichten Zimmer. chron. 3, 570, 9, b. d. liebe 245d, 238b, anspinnen v. König ged. (1745) 112, anfangen Bebel facet. (1589) 18a, Bode Thom. Jones 5, 374, u. am tanze machen Sterzinger spiele 17, 701, in u. setzen Lohenstein Arm. 1, 115a, unruhe legen, stillen Fronsperger kriegsbuch 1, 12b, dämpfen Lessing 3, 147, 60, im keime ersticken, unterdrücken, schlichten Voigtländer oden (1642) 36, 8; unruhen entstehen, brechen aus, legen sich u. s. f. der plur. (dann etliche vAehden und unrhuoen in Teutschlanden damals im schwang giengen J. Herold chron. aller ertzbischoven zu Maintz [1551] 11b) bes. in n. spr. häufig: Gottsched d. neueste 4, 31; Göthe IV 10, 167 W.; Ranke 1, 114; Steub drei sommer in Tirol 2, 255; handwb. d. staatswissenschaften 5, 218; staatsunruhe Frisch (1730) 629; khriegsunruehe Brandis landeshauptleute v. Tirol 10; kriegsunruhen Göthe 44, 334 W.; streik-, teuerungsunruhen; arbeiter-, pöbel-, straszen- u. dgl. unruhen. in ä. spr. ist der begriff weiter als heute: genuog macht unruow (voll wirt man doll) sacietas ferociam parit klugreden (1548) 37a; sonsten sollen umb Augspurg hien und wieder viel knecht liegen, auch im stieft A. und darumb wider alten geprauch das garden gestattet werden, sihet schier einer unruhe (inordinatio?) gleich briefe Friedr. des Frommen (1559) 1, 6; voll unruh aufrührerischerweise Gryphius lyr. ged. 319 P.; dieser freystaat ... hatte von den kriegsvölkern niemals die geringste unruhe erlitten A. v. Haller Usong 117; Göthe 33, 167 W.; unruhe (streit) erregen Nicolai reise 1, xv; lust an u. Grillparzer 9, 76; eine angenehme unruhe (dissensio) ist besser als eine gar zu einträchtige stille Gottsched crit. dichtk. 497. selten m. gen. obj.: sich enthalten von der unruow der Iphigenie (feindseligkeit gegen I., bedrohung u. dgl.) Marcus Tatius Troj. krieg (1536) 7b. übertragen: in der zahl (eins) ist ruw und fried und in keiner andern mehr. was mehr ist, da ist unruw, zanck, je eins wider das ander Parac. 2, 595 a. d) sorgende geschäftigkeit, vielgeschäftigkeit, trieb zu unruhiger bethätigung, wobei geistiges (bed. 6) nicht auszuschlieszen ist: all min arbeit und unruow streckt sich dahin, dasz alle menschen recht erlernind Zwingli d. schr. 1, 86; der frasz und die völlerey regiert fürnemblich in Teutschland ... der zorn und wütigkeit und unruhe in Franckreich Äg. Albertinus hirnschleifer (1664) 491; Körte sprichw. 369; Scheffel 2, 59; die u. und geschäftigkeit der intriguensucht O. Ludwig 5, 153; wie unmusze 3 (sp. 1196) vom geschlechtstrieb der thiere Staub-Tobler 6, 1896. e) verschmelzung von b, c, d: hier that er streifzüge durch die freudige u. des dorfes Jean Paul 7/10, 104; in der stadt herrschte ... eine friedliche u. H. Seidel L. Hühnchen 82. 44) dämonologisch: auffkommen werd ein art von leuten, die also wird Fraw Unrhu reuten, dasz sie kein rhu nicht werden haben ... Garg. 454 ndr.; s. dazu Unglück als aufhocker sp. 996; Unrüewer name des teufels (1575) Staub-Tobler 6, 1897; Unrüewin etwa 'teufelin' Osw. v. Wolkenstein 114, 9 Sch.; herr Unrulus s. 8; nach norweg. volksglauben haben die hühner eine unruhfeder, auf welcher niemand schlafen kann, weshalb man dort auch den sterbenden das federkissen wechselt, um den dämon daraus zu entfernen (vgl. 5) Höfler 125a. 55) nosologisch: inquietudo, eclampsia infantum Nemnich lex. polyglotton 17b; ἄση, nicht ruhiger zustand, z. b. der beinmuskeln (anxietas tibiarum), erhöhte erregung, aufgeregtheit (vgl. einen seltsamen zustand der ruhe des geistes und der u. des körpers Göthe 23, 277, 26 W.), geisteskrankheit mit abnormer willenserregung, hysterie, todeskampf Höfler 530a; wundsucht 916a; syn. das zocken F. Würz bei Staub-Tobler 6, 1896, 1 b; mutterunruhe, unruhige mutter gebärmutterleiden Höfler 429b; also wo ein verletzung oder apostema im hirn ist, grosze unruh und dergleichen .. Wirsung artzneyb. (1588) 136d; Lehmann florileg. 1, 60; zustand beim gewitter Göthe III 1, 18 W.; weil er alles ... friszt ... so kann es nicht anders seyn, er musz jähe unruhen im leibe empfinden portraits (1779) 228; ganz eigenthümliche wallungen und unruhe verspüren Holtei erz. schr. 4, 192; der kranke hat so eine u. in ihm Fischer schwäb. wb. 6, 212. aus dieser bed. nimmt der sprachgebrauch auch für die andern bedd. die landläufigen attribute: tödtliche Laroche frl. v. Sternheim 1, 24, schmerzliche Storm 1, 158, fieberhafte Droste-Hülshoff 2, 377, krankhafte Moltke 2, 235, nervöse Fontane I 6, 15, verzehrende Frisius 1285a, aufsteigende Neumark palmb. (1668) 294, zitternde Bodmer Noah 1, 206, quälende sammlung v. schausp. (1764) 1, 6, stachelnde F. H. Jacobi 1, 50, prickelnde u. Raabe schüdderump 3, 19 u. ä. 66) entschiedener verinnerlicht, versittlicht und vergeistigt. in ä. spr. liegt immer noch die möglichkeit einer mehr sinnlichen, objectiven bed. vor (vgl. 3), z. b. Hätzlerin 78, 103, 11; Boltz Terenz 100a. a) im sinne kirchlicher denkweise, ursprünglich an 1 anknüpfend, dann mit 3 a kreuzend. α) tribulatio Notker ps. 146, 3; anfechtung Meichszner handbüchlin (1567) 20b; beunruhigung und ablenkung durch die sinnlichen dinge Tauler pred. 373, 34 V.; J. Arndt nachf. Christi (1631) 3; inquietudo als religiöser hemmungszustand: inwendig ist unru und angst offenb. d. h. Brigitte (1502) 2, 10; syn. mit unseligkeit Butschky Pathmos 54; Schmolcke 1, 483; Zinzendorf t. gedichte (1766) 47; beeinträchtigung der götterseligkeit H. Heine 3, 400 E. β) sollicitudo, animi motus, aestus, fluctuatio im geistlichen sinne: ich heule fur unruge meines hertzen psalm 38, 9 (var. seufftzen; toben, gestöhn bibel 1, 494 W.); H. Sachs 18, 164, 32 G.; unruhe des herzens Lavater verm. schr. 2, 60; stAete unruow der gewissen Eberlin v. Günzburg 1, 17 ndr.; wenn es (das gewissen) durch reuige unruhe das leben zu verbittern droht Göthe 24, 123, 15 W. γ) unruhiges streben zu gott. syn. begerunge (vgl.c γ): Tauler pred. 220, 12 V.; serm. (1508) 183b; unruhe zu gott titel einer erbauungsschrift 1922. dagegen die falsche ruhe Tauler 202, 21 ff. b) in der spr. der liebe: du hast mir mein hertz in grosze unruhe bracht b. d. liebe 171c; die liebe schafft unruh Königsberger dichterkr. 63 ndr.; süsze u. discourse d. mahlern 2, 106; Wieland I 3, 14; Hölderlin 2, 105, 33 L.; schöne Wieland I 1, 360, zärtliche Pfeffel 5, 54 u. u. dgl.; die fieberhafte u. Cherubims O. Jahn Mozart 4, 233. c) im allgemein psychologischen sinne (vgl.gemütsunruhe Walch 1168). α) die unter 3 entwickelten bedd. erscheinen hier i. a. ins subjective, bed. 6 a ins weltliche gewendet. syn. verbunden bes. mit angst ( v. König 38; Fontane I 5, 261), sorge (Sanders syn. 1882, 140), furcht Göthe 22, 31 W., leidenschaft G. Keller 3, 23, zerstreutheit Mörike 3, 85 u. ä. genitivverbindungen: die unruh seines gemüths Lohenstein Arm. 1, 164a, ihres herzens Lessing 6, 342, seiner empfindung Fontane I 1, 49 u. s. w. zu den attributen s. besonders 5; tautologisch: die unruhig unruhe H. Sachs 3, 387, 6 K.; s. th. 14, 131. verbale verbindungen: jemanden in u. setzen, versetzen (schausp. engl. comöd. 86, 16 Creizenach; J. J. Schwabe belustigungen 1, 61; Heine 3, 179 E.); warum setzen sie mich selbst nicht geschwind aus der unruhe, in der ich mich wegen dieser nachricht befinden musz? Lessing 17, 388; jem. aus aller u. ziehen 18, 154, reiszen 2, 88, 21; Schiller 14, 144; jemandem u. bringen Göthe IV 8, 136 W., machen O. Jahn Mozart 2, 264; sich u. machen sich beunruhigen G. Forster 8, 66; in u. kommen über (Göthe 21, 23 W.); in u. sein, sich befinden (IV 9, 9 W.), seien sie deswegen ohne u. Mozin; gewisz seid ihr alle voll u., dasz ich so lange, lange nicht geschrieben E. Th. A. Hoffmann 3, 7; (seine) u. verbergen (A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 8), beschwichtigen (Göthe IV 41, 199 W.), besänftigen (G. Forster 7, 143), einem die u. benehmen (Göthe 40, 216 W.) u. s. w. mit, ohne u. sehen (Herder 27, 53); vor u. (nicht schlafen können Br. Grimm sagen 2, 181); grund zur u. Moltke 6, 96. selten im plur. (der kranck sol in diser heyle ... unterlassen alle schweren sorgen und alle unruowen Murner bei Hutten 5, 426 B.; Staub-Tobler 6, 1895). in n. spr. nach dem französischen: tödliche unruhen empfinden Lessing 4, 439; Herder 17, 397; die unruhen der ehre Klopstock an Cramer bei Lappenberg 18; Fr. L. Schröder dram. w. 1, 53; Nietzsche I 2, 306. auch vom ausdruck der u.: in seinem gesichte eine gemilderte unruh J. A. Cramer nord. aufs. 3, 357; Lavater physiogn. fragm. 1, 83; Schiller 52, 418; u. in seinen zügen Immermann 2, 93; u. des auges, mienenspiels u. s. w. β) als gs. der gelassenheit (ἀταραξία der stoiker) Wieland Agathon 2, 53. γ) für den sokratisch-platonischen ἔρως: eine edle unruhe — bald hätt' ich sokratische gesagt Hippel lebensläufe 3, 1, 82; die ruhe der weisen sey so sehr .. mit einer gewissen seligen unruhe, mit einer sehnsucht verknüpft, dasz man sie eine selige unruhe nennen könnte 2, 98; ähnlich sie (die frage nach der möglichkeit des schönen) eben ist es, die uns die unruhe giebt, womit wir nach dem schönen streben Solger ästhetik 77. vgl. 6 a γ und unten ζ. δ) als eigenschaft des genialen menschen: seine gelassene auszenseite sticht gegen die unruhe meines charakters sehr lebhaft ab Göthe 19, 59 W.; Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 90; u. in genialen individuen Schopenhauer 1, 253 G.; vgl. geniale ruhe Jean Paul vorsch. d. ästhetik (1813) 71; als eigenschaft dämonischer naturen Göthe bei Eckermann gespr. 377 Geiger; Otto das heilige2 162. ε) in der kunst als streben nach entspannung, bedürfnis nach ausgleich, auslösung: es scheint regel der griechischen rhythmik zu sein, dasz die widerstrebende stockung des antispastes, die gleich einer dissonanz in der musik unruhe erregt, sich bald in freie bewegung auflösen müsse J. H. Voss zeitmessung 223. ζ) ein individueller gebrauch Göthes steht γ nahe: die wiszbegierigen bedürfen eines ruhigen, uneigennützigen blickes, einer neugierigen unruhe II 6, 302, 5 W.; II 11, 308, 5 W.; da entsteht denn mit dem wachsenden tage eine ernstere u., eine gründlichere sehnsucht 411, 218, 16 W.; zuwachs an kenntnisz ist zuwachs an u. 27, 177 W.; u. nach etwas neuem 23, 24 W.; u., die mittel dazu kennen zu lernen 24, 271 W.; dilettantischer productionstrieb bei Merck 28, 96, 16 Weimar. η) die welt ist das dasein gottes nicht in ruhiger weise, sondern so, dasz gott sein dasein darin stets verbessert, stets aufs neue eine geringere form desselben durch eine bessere beschämt. gott ist eigentlich eben diese wunderbare und heilige unruhe Vischer auch einer 345 volksausg. θ) überhaupt ergiebt sich aus bedeutung 2 eine ins seelische übersetzte bewegungsvorstellung, die den hier entwickelten bedd. 'trieb, drang, streben, sehnsucht, unbefriedigtheit, ungeduld, erwartung' zu grunde liegt (vgl. unruhwille): als nun der junge fürst in einem grünen garten alleine wandeln ging, der unruh abzuwarten, trat Jonadab hinzu Rachel satyr. gedichte 96 ndr.; wer glühet, der unruh voll, nicht hier vom durst zu wissen! Klopstock oden 2, 146, 21; gelehrtenrepublik 85; jugendliche u. trieb Hutten .. nach Italien Herder 16, 276; Schiller 1, 56; vertraute gesellige freunde, welche schon wochen lang in W. der heilsamen kur genossen, empfanden eines tages eine gewisse u., die sie durch ausführung längst gehegter vorsätze zu beschwichtigen suchten Göthe 34, 3 W.; IV 1, 252, 3 W.; Eichendorff 1, 500; Fontane I 5, 159. ι) mischung mit bed. 3 macht bes. in n. spr. den vielseitigen begriff noch verwickelter: die u. lieben, 'den zustand heftiger bewegungen, beschwerlicher geschäfte, vielen streites und geräusches, heftiger gemüthsbewegungen' Adelung; er ist in ewiger u. Sachs-Villatte; mindert sich nicht unsere u. schon, indem wir sie einem freunde klagen? Gellert bei Adelung, der 'unsere beschwerliche unangenehme empfindung' erklärt; vielfach ist der menschen streben, ihre unruh, ihr verdrusz Göthe 1, 38 W. 77) im bilde und vergleiche; u. als person, bes. als feind, vertilger, reiter, henker u. dgl. vorgestellt: u. martert (Luther 38, 148, 30 W.), foltert, quält, peinigt einen (Göthe 46, 66, 4 W.), erstickt die guten geister (Morhof unterr. 1, 194), jagt (Lohenstein lebenslauff a 5a), peitscht einen (Schubart gedichte 2, 61), ist hinter einem (Göthe III 1, 175 W.); die unruhe hat mich heute wieder an allen haaren Göthe IV 3, 121, 16 W.; u. erfaszt, ergreift, überfällt, überkommt einen (E. Th. A. Hoffmann 10, 67; Ranke 1, 197; Holtei erz. schr. 14, 183; G. Hauptmann bahnwärter Thiel 28); u. bemächtigt sich jemandes Fontane I 5, 153; man kann seiner u. nicht herr bleiben (werden) 5, 159; u. verzehrt einen W. v. Humboldt (1903) 1, 283, dazu s. 5; der unruh schweres joch Stoppe Parnass 224; der unruh feierkleid A. v. Haller gedichte 13 H.; jenseits der alpen hefteten sie häufig die hemmschuhe ihres ernstes an die rollenden räder meiner u. Bauernfeld 2, 195; der Unruh altgesell, der mensch E. M. Arndt 5, 141; da ward die tiefäugigte Unruh mit todtfarbnen, schwarzblauen lippen, mit eingekrochenen wangen seine vertraute gefährtin. diesz schlimmhälsigt, kahlköpfche weibsbild ... Naumann Nimrod 11; die Unruh, blasz vor angst, im gefolge der Unvollkommenheit Lichtwer schr. (1828) 166 (recht der vernunft 1); der geist der u. Gutzkow 8, 113; Nietzsche 1, 502. 88) von personen: ardalio, ardelio Diefenbach gl. 46b (dazu bed. 3 d); Ull Unruh, sprecher (vagans, bed. 1) germ. abh. 18, 121; 'ich frag nicht viel darnach' (ob das ererbte gestohlen), sagte Unruhe, 'ich kauffe vor ein thaler so viel als ein ander schausp. engl. comödianten 233, 5 Creizenach; homo turbulentus Zedler 49, 1960 (vgl. unten); Unruhius 49, 1959; da rannten ihr zwey uf uns daher, als wolten sie uns fressen, aber wir forchten uns vor ihnen nicht, sondern hetten sorg, herr Unrulus käme hernach die höle heruf, und hetten immer acht uf die höle, ob ihr mehr kämen Götz v. Berlichingen 104 B. (zur bed. s. 1, 3 c, 4); flöhunruhe, eine die flöhe verfolgende frau Fischart flöhhatz 2269 H.; 'ich musz am nachmittag noch weiter.' 'immer noch der alte meister Unruh?' Storm 4, 105 (zur bed. s. 1, Ull Unruh); gern, bes. mundartlich, in rüge und schelte von unruhigen, ruhelosen menschen und kleinen kindern, auch hypokoristisch: ein rechter unruh und wildfang Martini rednerschatz 1 (1704) 268; grüszen sie mir die liebe kleine unruhe Lenau an S. Löwenthal 8 Castle; du unruah! lög di nieda oda geh hoam Pailler weihnachtsl. u. krippenspiele a. Oberösterr. 2, 300; Staub-Tobler 6, 1896; Fischer schwäb. wb. 6, 212, 3; els. wb. 2, 245. deminutiv: es unrüe(b)li Staub-Tobler 6, 1897, vgl. unrüegel, unruewigel Staub-Tobler 6, 1908. 99) wie von personen (8 ende) auch von thieren Staub-Tobler 6, 1897. als geschützname Fischer 6, 212 (zur bed. H. Ziegler geschützinschriften 27). 1010) zusammensetzungen (die technologischen s. unter 2 b). a) substantivische. im 17. jh. vereinzelt mit unorganischem s: unruehsbeschreibung Brandis ehrenkräntzel 159; unruheslast Buchholtz Herkuliskus 1448. im übrigen erscheint das subst. theils in der verkürzten form unruh (s.ruh th. 8, 1417), theils in der schriftsprachlichen dreisilbigen form: α) unruhanstifter Stieler 2111, -bande v. Kuntsch gedichte 222, -bronnen Kuhlmann geschichtherold 301, -erregung G. Keller grüner Heinrich (1854) 2, 285, -feder s. oben 4, -gebärerin Kuhlmann geschichtherold 386, -geist Bonstetten an Matthisson 74, -heber G. Lauterbeck 49a, -kissen J. Chr. Günther 71 (vgl. unruhfeder u. ruhekissen), -kopf G. Kerner bei J. Kerner bilderbuch 63, -kraut s. oben 2 a β, -macher Chr. F. Paullini erbauliche lust 1 (1695), 139, -quelle jesuiter rahtsstube (1684) 87, -stifter Ludwig (1716) 1866, Göthe 18, 430 W., -stifterin Rückert 1, 225, -taube W. Scherffer bei Drechsler 142, -ton K. Mayer gedichte 280, -weg Immermann 15, 121, -wille K. Mayer gedichte 451, -zeit Fischer schwäb. wb. 6, 213. β) unruhegefühl Stifter 1, 279, -geist M. Krämer seehelden (1681) 643, -macher Fr. Ziegler ges. novellen u. briefe 1, 141, -periode Ritter erdkunde 17, 450, -stifter Kramer (1702) 2, 386a, handwb. d. staatswiss. 5, 123, -stiftung Mozin, -stoff H. Laube 3, 40, -tag (im wortspiel mit ruhetag Jean Paul 55/58, 176; in den unruhetagen, tagen der politischen unruhen 1848 Varnhagen v. Ense tag. 4, 361), -teufel Rätel chr. d. h. Schlesien 140, -überfall Stehr heiligenhof 2, 72. b) adjectivische:
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unruhe

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Unruhe , plur. die -n, der Gegensatz der Ruhe. 1. Als ein Abstractum und ohne Plural, wo es besonders in den fünf we…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unruhe

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    unruhe [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Unruhe

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Unruhe , Pflanze, s. Eryngium und Lycopodium .

  4. modern
    Dialekt
    Unruh(e)f.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Un-ruh(e) f. : 1. 'Zustand der Ruhelosigkeit, Unrast', Uⁿruh, Un- [mancherorts, Schneckenburger 27 Lambert Penns 158 Krä…

  5. Sprichwörter
    Unruhe

    Wander (Sprichwörter)

    Unruhe 1. Alle vnruhe kömmet von bösen Leuten. – Büttner, M, 4. 2. Unruhe auf allen Wegen ist der Welt Segen. Holl. : On…

  6. Spezial
    Unruhe

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|ru|he f. (-,-n) 1 (Aufregung) agitaziun (-s) f. 2 (Aufruhr) revolta (-tes) f. 3 dejordin m. 4 (bei Kindern) réjia (-i…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unruhe

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unruhe

un- + ruhe

unruhe leitet sich vom Lemma ruhe ab mit Präfix un-.

unruhe‑ als Erstglied (1 von 1)

unruhevoll

DWB

unruhe·voll

unruhevoll , adj. adv. , gth. v. ruhevoll: es war ein unruhevoller rüstabend Auerbach 4, 116 . meist in der kürzeren form unruhvoll: das end…