unruhe,
f. ,
mangel u. gth. der ruhe.
ahd. unrâwa;
mhd. unrâwe, -ruowe, -ruo, -rûwe, -rûg, -rû, -rueb;
mnd. unro(u)we.
mnl. onroeuwe (
mit verweis auf das sonst übliche onruste)
nur bei Kilian.
an. úró;
dän. uro;
schwed. oro.
vgl.unrast, -rust.
zu den formen s. ruhe I
u. frühnhd. unraw (1543)
bei Staub-Tobler 6, 1895; ohnrug
th. 7, 1202; unruod (
mhd. unruowede,
mhd. wb. 2, 819
b) Keisersberg
bei Scherz-Oberlin 1815; unruehr (
vermengt mit ruhr 2, Staub-Tobler 6, 1244, 4)
österr. weist. 11, 722
b (
bed. 3 c);
vgl. ein adj. unrürig Fischer
schwäb. wb. 6, 213.
schwache (Staub-Tobler 6, 1895
pluralisch gedeutete)
formen in präpos. verbindungen, denen von ruhe
entsprechend, veraltet (voll unrugen Luther
bibel 1, 411
W.; mit unruhen Lehmann
florileg. 1, 288).
plur. unflectiert (es waren do zmall .. vill unruow Th. Platter 97
Boos)
veraltet, flectiert in bed. 2 a
β einwandfrei (Ebner-Eschenbach 3, 26),
besonders häufig in bed. 3 c,
seltener in bed. 5
und 6.
neben dem f. steht mundartlich in bed. 2 a
β neutrales geschlecht: Staub-Tobler 6, 1897 (
vom n. das perpendikel
übertragen); Seiler
Basel 300
b; Hebel 1, 80
B.; Frischbier
bei Wander 4, 1474.
von männlichen personen gebraucht, erscheint auch das m.: ein rechter unruh G. Chr. Martini
rednerschatz 1 (1704), 268 (
zs. f. d. wortf. 3, 260);
els. wb. 2, 245
b; der kleine unruh Sanders 2, 808
a,
wie unrast 3
und unart
sp. 179.
vgl. unruhigkeit, -ruhsamkeit, -ruhsamigkeit, -ruhschaft, -ruhung. 11)
gs. zu ruhe 1,
nichtaufhören einer thätigkeit, eines geschehens, störung eines zustandes; des wanderns, kämpfens u. dgl.: ruow kompt ausz unruow, und widerumb unruow ausz ruow S. Franck
sprichw. (1545) 1, 42
a; bisz der gott Jupiter meinem ellend und unruohe (
umherschweifen fern von der heimat) ain endschafft gegeben Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 14
a; u. des körpers Göthe 23, 277
W.; leibesunruhe Treuer
Dädalus (1675) 1, 108;
veraltet vom kampf: ackermann a. B. 14, 2
B.; sie begeren nichts dann frid, wOelle aber der sune unruo haben, so werde er sie nit wehrlosz finden S. Franck
chron. Germ. (1538) 104
b; G. v. Berlichingen 40
Bieling; Frischlin
dicht. 14; P. ... streuete .. samen zu neuer u. wider die Parthen Lohenstein
Arm. 1, 220
b;
zugleich auf bed. 3 c
weisend: dreiszigjährige u. (
der 30
jährige krieg) Schwabe
belustigungen 1, 52.
von thieren Fischart
lob d. lauten 304
H.; die gegenwärtige u. des Vesuvs Göthe IV 8, 197
W.; (
an einer stelle) den sand in u. bringen Stifter 3, 56.
gs. u. vereitelung der bett- u. nachtruhe (
s.ruhe 1 b) Notker
psalm. 40, 4;
Lucas 11, 7;
Endinger judenspiel 35
ndr.; mit einschlusz von bed. 6 Mörike 3, 84. unruhe im grabe (ruhe 1 c) J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 61;
Weinholds zschr. f. volksk. 24, 417;
individuell: unruhbett (
der Jezabel) Abele
gerichtshändel 630;
umgehen nach dem tode: Simplic. 568
Kögel; Klinger 4, 76. 22)
mit dem mittelpunct der bewegungsvorstellung (
s.ruhe 3). a)
nichtaufhören der bewegung. α)
abstract: alle element schweben drob (
über der erde) beweglich her mit groszer unruo S. Franck
sprichw. (1541) 1, 120
a. unruhe des kindes (
in der gebärmutter) Ruoff
hebammenb. (1580) 59;
ruhelosigkeit, drang nach bewegung, bethätigung, bei kindern: Salzmann
ameisenbüchlein 155; dieser kleine kerl .. ist in steter rastloser u. E. Th. A. Hoffmann 14, 167
G.; den vögeln ist eine geisterhafte u. eigen J. Grimm
Reinh. Fuchs ix; die u. des wassers Laistner
nebelsagen 25.
vielfach nicht ohne einschlag von bed. 6: Göthe 8, 249
W.; 34, 3
W.; u. in den gliedern IV 5, 247, 9
W. (
vgl. 5).
zu unruhe
beim zielen, schieszen vgl. 6.
β)
concret von sich stets bewegenden dingen aller art: vom perpetuum mobile als spielzeug oder zimmerschmuck Staub-Tobler 6, 1897, 2 c, Campe;
von einer ampel Staub-Tobler
a. a. o.; von deckengehängen in bauernstuben (
Weinholds zs. f. volksk. 26, 420;
die stete bewegung vertreibt die hexe; steht es still, so zeigt das, dasz eine hexe zugegen ist Wuttke
volksaberglaube 420);
auch die hierzu meist gebrauchten pflanzen lycopodium clavatum und eryngium eampestre heiszen dann u.: Holl
pflanzennamen 239
b; Grassmann 99; Pritzel-Jessen 145, 226; Söhns 165
f.; Fischer
schwäb. wb. 6, 212; unruhkräuter Höfler 530
a;
vom sonnenzeiger Alberus 64
a;
vom bratenwender Kramer (1702) 2, 386
a;
genauer: die unruhe
am bratenwender the flier of a jack Lucas;
steigrad Schwan;
bei schöpfwerken J. de Strada
künstlicher abrisz (1618) 2, 9; unruhfeder
am barometer Karmarsch-Heeren 1, 148;
von den flügelkölbchen der insecten Campe; unruhwage
abwägezirkel Krünitz 199, 232.
der dämmerungsfalter sphinx heiszt u. Nemnich
wb. d. naturg. 610;
ebenso nl. onrust
wb. 10, 1777.
insbesondere vom regler der uhr, librator horologicus; zunächst vom wagarm der waguhr: mnd. wb. 5, 72
b; glychen wohn hatt man ouch ghept, wann man nachts in den kammern by gar stillem wäsen etwas hören kleffelen, glych wie die unrouw an einer uhr oder zyttlin, da der pöffel es dahin gedütt, es schmide das dogkelin allso R. Cysat
bei Brandstetter § 133; Parac. 2, 309 c;
M. Christophorus Irenäus
Adam und Eva (1570) c 8
b; Mathesius
Sarepta (1571) 38
b; Guarinonius 5, 55; Spee
tugendbuch 602; die unruhe ist meister über das gewichte und hält ihren schwang wie der perpendicul Becher
närrische weisheit (1692) 17;
vgl.frauengemüt Staub-Tobler 4, 587; unruhstengel (1652) Schöner
specialidiotikon v. Eschenrod 255.
die wag wird in der mitte des 17.
jhs. durch ein rad ersetzt: allgem. haushaltslex. (1749) 3, 610; Jacobsson 4, 486
b;
zusammensetzungen (
mit ausnahme von unruheschlag
nur technologisch): unruh(e)achse Karmarsch-Heeren 9, 764, -deckplatte Hoyer-Kreuter 1, 792, -drehstift Prechtl 4, 447, -drehstuhl 4, 466, -feder Karmarsch-Heeren 9, 767, -kloben 9, 760, Ebner-Eschenbach 3, 27, -kranz Karmarsch-Heeren 9, 766, -nietkloben Krünitz 199, 231, -polierdrehstift Hoyer-Kreuter 1, 792, -rädchen H. Bock
die uhr (1908) 34, -regulierung Karmarsch-Heeren 9, 791, -ring 9, 797, -rolle Prechtl 4, 441, -scheibe Krünitz 199, 228, -schlag H. W. v. Logau
poet. zeitvertreib (1725) 132,
allg. d. bibliothek 103, 147, -schützer Sachs-Villatte, -schwingung Lueger 7, 759, -spindel Krünitz 199, 231, -steg
ebda, -stielklöbchen Prechtl 5, 593, -stielkölbchen Hoyer - Kreuter 1, 792, -stift Krünitz 196, 383, -streich 199, 231, -uhr
ebda, Hoyer-Kreuter 1, 792, -wage Jacobsson 8, 55
b, -welle Lueger 7, 759, -zapfenfeile Prechtl 5, 573
u. a. anderseits: compensationsunruhe Bock
die uhr 83, löffelunruhe G. Hertz
gesch. d. uhren (1851) 25 (
nl. lepelonrust
wb. 10, 1777)
u. s. w.: wo dasjenige (
rad), welches das vornehmste ist, nemlich die unruhe, nicht forteilet, so stehet das gantze wesen auf einmal stille
der unsichtbare harnisch (1697) 201; aber wer hat jemals ein gewicht oder eine unruh, eine feder oder ein rad zur probe von einer uhr gegeben? Lessing 13, 24;
F. Th. v. Schubert 4, 274;
vorzüglich im bilde und vergleiche: daraus dan wol zu sehen, dasz .. dasz gemüt im leib wie die unruo in der uren Fischart
podagr. trostb. 16, 6
H.; Garg. 110
ndr.; V. Herberger
magnalia dei (1607) 2, 36; du selber machst die zeit: dasz uhrwerk sind die sinnen; hemstu die unruh nur, so ist die zeit von hinnen Angelus Silesius
wandersmann 30
ndr.; Logau 106
E.; Lehmann
floril. 1, 264; 265; 3, 182; August alleine war die unruh in der uhr des gemeinen wesens Lohenstein
Arm. 2, 962
b; 2, 17
a; 1, 276
a; 2, 128
a; Pietsch
geb. schr. (1740) 185; des herzens unruh gehen sehen A. v. Haller
gedichte 114, 106
Hirzel; Heinse 4, 316; Immermann 15, 124; Rückert 3, 433; die unruhe, welche die nie ablaufende uhr der metaphysik in bewegung hält Schopenhauer 2, 198; Hebbel I 10, 260; das geld ist die unruhe der lebensuhr Gutzkow 5, 213.
vom perpendikel in der pendeluhr: Belemnon
bauernlex. (1728) 137; Adelung; Kinderling
reinigkeit d. d. spr. 311; Staub-Tobler 6, 1897; die unruh stöhnt im turme da, als wär' ein mensch dem tode nah Th. Bornhauser
bei Staub-Tobler
a. a. o.; els. wb. 2, 245
a; Hebel 1, 80
B. (26, 17); Fischer
schwäb. wb. 6, 212; Schöpf 566;
Wagners archiv 1, 280; Follmann 520; Ruckert 188; Crecelius 848; Schmitz
Eifel 1, 232
b;
luxemb. 319; Haltrich 38
b; Kleemann
Nordthüring. 24
b; Liesenberg 187; Hentrich 66; Schambach 244
a u. sonst, aber schriftsprachlich nicht allgemeingültig. b)
ungleichmäszigkeit in der bewegung (
vgl.ruhe 3
ende): was ... dem tanze eine gewisse unruhe giebt Böhme
gesch. d. tanzes 223;
im marschieren, in der begleitung, im vortrage u. dgl.; bewegung, welche durch .. triolen den charakter einer zitternden u. bekommt O. Jahn
Mozart 3, 120
anm. 58; der nadel A. v. Humboldt
kosmos 4, 126; u.
im verlaufe eines natürlichen oder geistigen processes überhaupt; im nordlicht F. Th. v. Schubert 4, 219; u. der entwicklung Bismarck
gedanken u. er. 2, 79; u. der russischen politik 2, 269 (
vgl. 6). 33)
nichtaufhören einer als unangenehm empfundenen bethätigung oder eines entsprechenden zustandes (
die verinnerlichung, die in 6
entschieden zum durchbruch kommt, setzt schon ein). a)
pein, plage, last, beschwerde u. ä. (
vgl.ruhe 4 a).
ahd. unroa
vexatio Schmeller 2, 3; Notker
psalm. 3, 6;
mhd. wb. 2, 819
a; Söderwall 2, 173
a: wollust .., durch den sich menig mensch in ewig unruow versencket Ant. v. Pforr
b. der beispiele 20, 32
H.; Mathesius
bibl. d. schr. a. B. 4, 115, 20; er wOelle .. sie erlOesen usz der unruow irer penen Eberlin v. Günzburg 1, 77
ndr.; hatte ich nicht gute ruge? und kompt solch unruge
Hiob 3, 26 (
mit den var. unfall, toben;
bibel 1, 396
W.; ὀργή,
indignatio; unfall II 1 b
sp. 525);
Hiob 14, 1;
psalm 55, 23; die wiege will uns selbst durch hin und wieder werffen das hertze zur gedult der künfftgen unruh schärffen Ch. Fr. Henrici 1, 192;
milder von bloszer beunruhigung: sich fing sanct Peters unrhu an H. Sachs 5, 111, 25
K. (
S. Peter mit d. geisz); diese hirsch haben unruhe auff ihrem geäsz erlitten
new. jägerbuch (1590) 33
a.
synonyma zeugen für den begriffsumfang: unruow und hell S. Franck
sprichw. (1545) 1, 10
b; unruh und sorg Eyering
proverb. 1, 757; unruh, müh und arbeit Pape
garteteufel (1586) n 7
a; fleisz und unruh Petri b b 8
b; unmusz und u. Zinkgref
apophthegmata (1628) 8; je häufiger sich ihre nachkommen mehrten, desto heftiger nahm die unruhe und das elend der sterblichen zu Rabener 1, 150.
verbale, meist veraltete verbindungen: u. gewinnen Oswald v. Wolkenstein 86, 1, 13
Sch.; einem u. aufthun Arigo
decam. 178, 22
K.; im selbs unruow zuostatten
suscipere molestiam Frisius 831
a; viel u. (
unnütze plackerei) wird damit (
m. hexenklagen) angerichtet Prätorius
Blockesberges verrichtung 110;
bes. u. machen: den armen u. machen
pauperes vexare fastnachtsp. 645, 8
K.; sich vergeblich u. machen
frustra conturbari psalm 39, 7; dasz er uns mach sollich unrue (
solches ärgernis bereitet)
pfarrer v. Kalenberg 2078
D.; schwierigkeiten machen apostelgesch. 15, 19;
unnötig in anspruch nehmen Fischart
Eulenspiegel 3, 635
H.; Martha, Martha, du machst dir um vielerlei sorge und unruh! Scheffel 1, 181; das ist schlecht von dir, dasz du mir da eine unruh machst O. Ludwig 2, 353;
in der spr. der höflichkeit: ich will dem herrn keine (fernere) u. machen Kramer (1702) 2, 386
a; der herr vergebe mir die u., die ich ihm verursachet (gemacht) habe 385
c;
syn. ungelegenheit; blosz um ihnen nicht wieder unruhe zu machen, schreibe ich ihnen heute Lessing 18, 159; Raupach
dram. werke kom. gattung 2, 367; mach dir nit u.
bleib still, kümmre dich nicht um mich Staub-Tobler 6, 1896;
formelhaft: so dörfft ich noch wol setzen zu, wanns euch gescheh ohn all unruh (
salva venia) B. Krüger
spiel v. d. bäur. richtern 68
B.; sy wölle mich ... on alle mein unruoe gesunt machen Arigo
decam. 227, 5
K.; veraltet. plur.: du wolltest von allen unruhen, die du bei hof, im militär, auf reisen erlebt hattest, dich an meiner seite erholen Göthe 20, 9, 23
W.; IV 28, 264
W.; hof- und ministerialunruhen III 6, 166, 13
W. sprichwörtlich: mein zeit mit unruh Petri O o 7
a; Oldecop
chron. 12, 15;
Hiob 14, 1; besser unter der banck mit ruhe, denn darauff mit unruhe Petri k 7
b;
Sirach 15, 16; kein reichthumb ist ohne unruhe Lehmann
florileg. 3, 180. b)
ruhestörung, lärm, getriebe, kommen und gehen u. dgl. (ruhe 4 b); Söderwall 2, 173, 2;
österr. weist. 5, 2, 939; 6, 656; 10, 376; ein par bOeses ehvolk schaft unru der ganzen nachbarschaft Fischart
ehzuchtb. 144, 20
H.; grosze u. (
rimenio) im hause haben Kramer (1702) 2, 386
a; des hofes unruh Wieland I 1, 229; das getymmel der städtischen unruh I 1, 433; Göthe 26, 48
W.; unruhe, getöse und geschwätz bei der musik O. Jahn
Mozart 3, 324,
im parlament Bismarck
polit. reden 4, 325; Holtei
erz. schr. 7, 150; Gutzkow
zauberer 3, 204;
durch umgehende gespenster Zimmer. chron. 2, 162, 2; G. Freytag 11, 59.
übertragen für fracas im gemälde Sachs-Villatte. c)
turba, seditio, motus, rumor, ferocia, inordinatio (
nicht selten mit bestandtheilen der bed. b
versetzt)
: vgl. unruh(e)anstifter, -erregung, -heber, -kopf, -macher, -periode, -stifter, -stifterin, -stiftung, -tag, -teufel; unruher.
syn.: unfrid S. Brant
narrenschiff 19, 28, auffrur Luther 19, 278
W., verfolgung Eberlin v. Günzburg 2, 35, zwitracht Zwingli
d. schr. 1, 116, meuterey Fischart
discours (1589) d 4
b, empörung Rätel
chron. d. herzogt. Schlesien 20, krieg S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 14, verwirrung Göthe 43, 311
W. u. dgl.; Sattler
phras. 381; Sanders
syn. (1882) 51, 16; Lyon 151
f. (aufstand, tumult, auflauf).
gs.: frid und gnad H. R. Manuel
weinspiel 409
ndr.; regalstücke, darauf die ruhe und unruhe, weh und wol jedes reichs bestehet Chemnitz
schwed. krieg 2, 25.
attribute: Sattler 477; innerliche Leibnitz
d. schr. 1, 215, rebellische, innere, politische, religiöse Göthe
bei Bohner 110, Krünitz 199, 105
u. s. f. verbale verbindungen: u. suchen Luther 18, 549
W., anstellen Fischart
discours d 4
b, Elis. Charl. v. Orleans 1, 388, (an)stiften, erwecken Fischart
jesuiterhütlein 1101
H.; an-, zurichten
Zimmer. chron. 3, 570, 9,
b. d. liebe 245
d, 238
b, anspinnen v. König
ged. (1745) 112, anfangen Bebel
facet. (1589) 18
a, Bode
Thom. Jones 5, 374, u. am tanze machen
Sterzinger spiele 17, 701, in u. setzen Lohenstein
Arm. 1, 115
a, unruhe legen, stillen Fronsperger
kriegsbuch 1, 12
b, dämpfen Lessing 3, 147, 60, im keime ersticken, unterdrücken, schlichten Voigtländer
oden (1642) 36, 8; unruhen entstehen, brechen aus, legen sich
u. s. f. der plur. (dann etliche vAehden und unrhuoen in Teutschlanden damals im schwang giengen J. Herold
chron. aller ertzbischoven zu Maintz [1551] 11
b)
bes. in n. spr. häufig: Gottsched
d. neueste 4, 31; Göthe IV 10, 167
W.; Ranke 1, 114; Steub
drei sommer in Tirol 2, 255;
handwb. d. staatswissenschaften 5, 218; staatsunruhe Frisch (1730) 629; khriegsunruehe Brandis
landeshauptleute v. Tirol 10; kriegsunruhen Göthe 44, 334
W.; streik-, teuerungsunruhen; arbeiter-, pöbel-, straszen-
u. dgl. unruhen.
in ä. spr. ist der begriff weiter als heute: genuog macht unruow (voll wirt man doll)
sacietas ferociam parit klugreden (1548) 37
a; sonsten sollen umb Augspurg hien und wieder viel knecht liegen, auch im stieft A. und darumb wider alten geprauch das garden gestattet werden, sihet schier einer unruhe (
inordinatio?) gleich
briefe Friedr. des Frommen (1559) 1, 6; voll unruh
aufrührerischerweise Gryphius
lyr. ged. 319
P.; dieser freystaat ... hatte von den kriegsvölkern niemals die geringste unruhe erlitten A. v. Haller
Usong 117; Göthe 33, 167
W.; unruhe (
streit) erregen Nicolai
reise 1, xv; lust an u. Grillparzer 9, 76; eine angenehme unruhe (
dissensio) ist besser als eine gar zu einträchtige stille Gottsched
crit. dichtk. 497.
selten m. gen. obj.: sich enthalten von der unruow der Iphigenie (
feindseligkeit gegen I., bedrohung u. dgl.) Marcus Tatius
Troj. krieg (1536) 7
b.
übertragen: in der zahl (
eins) ist ruw und fried und in keiner andern mehr. was mehr ist, da ist unruw, zanck, je eins wider das ander Parac. 2, 595 a. d)
sorgende geschäftigkeit, vielgeschäftigkeit, trieb zu unruhiger bethätigung, wobei geistiges (
bed. 6)
nicht auszuschlieszen ist: all min arbeit und unruow streckt sich dahin, dasz alle menschen recht erlernind Zwingli
d. schr. 1, 86; der frasz und die völlerey regiert fürnemblich in Teutschland ... der zorn und wütigkeit und unruhe in Franckreich Äg. Albertinus
hirnschleifer (1664) 491; Körte
sprichw. 369; Scheffel 2, 59; die u. und geschäftigkeit der intriguensucht O. Ludwig 5, 153;
wie unmusze 3 (
sp. 1196)
vom geschlechtstrieb der thiere Staub-Tobler 6, 1896. e)
verschmelzung von b, c, d: hier that er streifzüge durch die freudige u. des dorfes Jean Paul 7/10, 104; in der stadt herrschte ... eine friedliche u. H. Seidel
L. Hühnchen 82. 44)
dämonologisch: auffkommen werd ein art von leuten, die also wird Fraw Unrhu reuten, dasz sie kein rhu nicht werden haben ...
Garg. 454
ndr.; s. dazu Unglück
als aufhocker sp. 996; Unrüewer
name des teufels (1575) Staub-Tobler 6, 1897; Unrüewin
etwa '
teufelin' Osw. v. Wolkenstein 114, 9
Sch.; herr Unrulus
s. 8;
nach norweg. volksglauben haben die hühner eine unruhfeder,
auf welcher niemand schlafen kann, weshalb man dort auch den sterbenden das federkissen wechselt, um den dämon daraus zu entfernen (
vgl. 5) Höfler 125
a. 55)
nosologisch: inquietudo, eclampsia infantum Nemnich
lex. polyglotton 17
b;
ἄση,
nicht ruhiger zustand, z. b. der beinmuskeln (
anxietas tibiarum),
erhöhte erregung, aufgeregtheit (
vgl. einen seltsamen zustand der ruhe des geistes und der u. des körpers Göthe 23, 277, 26
W.),
geisteskrankheit mit abnormer willenserregung, hysterie, todeskampf Höfler 530
a;
wundsucht 916
a;
syn. das zocken
F. Würz
bei Staub-Tobler 6, 1896, 1 b; mutterunruhe, unruhige mutter
gebärmutterleiden Höfler 429
b; also wo ein verletzung oder apostema im hirn ist, grosze unruh und dergleichen .. Wirsung
artzneyb. (1588) 136
d; Lehmann
florileg. 1, 60;
zustand beim gewitter Göthe III 1, 18
W.; weil er alles ... friszt ... so kann es nicht anders seyn, er musz jähe unruhen im leibe empfinden
portraits (1779) 228; ganz eigenthümliche wallungen und unruhe verspüren Holtei
erz. schr. 4, 192; der kranke hat so eine u. in ihm Fischer
schwäb. wb. 6, 212.
aus dieser bed. nimmt der sprachgebrauch auch für die andern bedd. die landläufigen attribute: tödtliche Laroche
frl. v. Sternheim 1, 24, schmerzliche Storm 1, 158, fieberhafte Droste-Hülshoff 2, 377, krankhafte Moltke 2, 235, nervöse Fontane I 6, 15, verzehrende Frisius 1285
a, aufsteigende Neumark
palmb. (1668) 294, zitternde Bodmer
Noah 1, 206, quälende
sammlung v. schausp. (1764) 1, 6, stachelnde
F. H. Jacobi 1, 50, prickelnde u. Raabe
schüdderump 3, 19
u. ä. 66)
entschiedener verinnerlicht, versittlicht und vergeistigt. in ä. spr. liegt immer noch die möglichkeit einer mehr sinnlichen, objectiven bed. vor (
vgl. 3),
z. b. Hätzlerin 78, 103, 11; Boltz
Terenz 100
a. a)
im sinne kirchlicher denkweise, ursprünglich an 1
anknüpfend, dann mit 3 a
kreuzend. α)
tribulatio Notker
ps. 146, 3;
anfechtung Meichszner
handbüchlin (1567) 20
b;
beunruhigung und ablenkung durch die sinnlichen dinge Tauler
pred. 373, 34
V.; J. Arndt
nachf. Christi (1631) 3;
inquietudo als religiöser hemmungszustand: inwendig ist unru und angst
offenb. d. h. Brigitte (1502) 2, 10;
syn. mit unseligkeit Butschky
Pathmos 54; Schmolcke 1, 483; Zinzendorf
t. gedichte (1766) 47;
beeinträchtigung der götterseligkeit H. Heine 3, 400
E. β)
sollicitudo, animi motus, aestus, fluctuatio im geistlichen sinne: ich heule fur unruge meines hertzen
psalm 38, 9 (
var. seufftzen; toben, gestöhn
bibel 1, 494
W.); H. Sachs 18, 164, 32
G.; unruhe des herzens Lavater
verm. schr. 2, 60; stAete unruow der gewissen Eberlin v. Günzburg 1, 17
ndr.; wenn es (
das gewissen) durch reuige unruhe das leben zu verbittern droht Göthe 24, 123, 15
W. γ)
unruhiges streben zu gott. syn. begerunge (
vgl.c
γ): Tauler
pred. 220, 12
V.;
serm. (1508) 183
b; unruhe zu gott
titel einer erbauungsschrift 1922.
dagegen die falsche ruhe Tauler 202, 21
ff. b)
in der spr. der liebe: du hast mir mein hertz in grosze unruhe bracht
b. d. liebe 171
c; die liebe schafft unruh
Königsberger dichterkr. 63
ndr.; süsze u.
discourse d. mahlern 2, 106; Wieland I 3, 14; Hölderlin 2, 105, 33
L.; schöne Wieland I 1, 360, zärtliche Pfeffel 5, 54 u.
u. dgl.; die fieberhafte u.
Cherubims O. Jahn
Mozart 4, 233. c)
im allgemein psychologischen sinne (
vgl.gemütsunruhe Walch 1168).
α)
die unter 3
entwickelten bedd. erscheinen hier i. a. ins subjective, bed. 6 a
ins weltliche gewendet. syn. verbunden bes. mit angst ( v. König 38; Fontane I 5, 261), sorge (Sanders
syn. 1882, 140), furcht Göthe 22, 31
W., leidenschaft G. Keller 3, 23, zerstreutheit Mörike 3, 85
u. ä. genitivverbindungen: die unruh seines gemüths Lohenstein
Arm. 1, 164
a, ihres herzens Lessing 6, 342, seiner empfindung Fontane I 1, 49
u. s. w. zu den attributen s. besonders 5;
tautologisch: die unruhig unruhe H. Sachs 3, 387, 6
K.;
s. th. 14, 131.
verbale verbindungen: jemanden in u. setzen, versetzen (
schausp. engl. comöd. 86, 16
Creizenach; J. J. Schwabe
belustigungen 1, 61; Heine 3, 179
E.); warum setzen sie mich selbst nicht geschwind aus der unruhe, in der ich mich wegen dieser nachricht befinden musz? Lessing 17, 388; jem. aus aller u. ziehen 18, 154, reiszen 2, 88, 21; Schiller 14, 144; jemandem u. bringen Göthe IV 8, 136
W., machen O. Jahn
Mozart 2, 264; sich u. machen
sich beunruhigen G. Forster 8, 66; in u. kommen über (Göthe 21, 23
W.); in u. sein, sich befinden (IV 9, 9
W.), seien sie deswegen ohne u. Mozin; gewisz seid ihr alle voll u., dasz ich so lange, lange nicht geschrieben E. Th. A. Hoffmann 3, 7; (seine) u. verbergen (A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 8), beschwichtigen (Göthe IV 41, 199
W.), besänftigen (G. Forster 7, 143), einem die u. benehmen (Göthe 40, 216
W.)
u. s. w. mit, ohne u. sehen (Herder 27, 53); vor u. (nicht schlafen können Br. Grimm
sagen 2, 181); grund zur u. Moltke 6, 96.
selten im plur. (der kranck sol in diser heyle ... unterlassen alle schweren sorgen und alle unruowen Murner
bei Hutten 5, 426
B.; Staub-Tobler 6, 1895).
in n. spr. nach dem französischen: tödliche unruhen empfinden Lessing 4, 439; Herder 17, 397; die unruhen der ehre Klopstock
an Cramer bei Lappenberg 18; Fr. L. Schröder
dram. w. 1, 53; Nietzsche I 2, 306.
auch vom ausdruck der u.: in seinem gesichte eine gemilderte unruh J. A. Cramer
nord. aufs. 3, 357; Lavater
physiogn. fragm. 1, 83; Schiller 5
2, 418; u. in seinen zügen Immermann 2, 93; u. des auges, mienenspiels
u. s. w. β)
als gs. der gelassenheit (
ἀταραξία der stoiker) Wieland
Agathon 2, 53.
γ)
für den sokratisch-platonischen ἔρως: eine edle unruhe — bald hätt' ich sokratische gesagt Hippel
lebensläufe 3, 1, 82; die ruhe der weisen sey so sehr .. mit einer gewissen seligen unruhe, mit einer sehnsucht verknüpft, dasz man sie eine selige unruhe nennen könnte 2, 98;
ähnlich sie (
die frage nach der möglichkeit des schönen) eben ist es, die uns die unruhe giebt, womit wir nach dem schönen streben Solger
ästhetik 77.
vgl. 6 a
γ und unten ζ.
δ)
als eigenschaft des genialen menschen: seine gelassene auszenseite sticht gegen die unruhe meines charakters sehr lebhaft ab Göthe 19, 59
W.; Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 90; u. in genialen individuen Schopenhauer 1, 253
G.; vgl. geniale ruhe Jean Paul
vorsch. d. ästhetik (1813) 71;
als eigenschaft dämonischer naturen Göthe
bei Eckermann
gespr. 377
Geiger; Otto
das heilige2 162.
ε)
in der kunst als streben nach entspannung, bedürfnis nach ausgleich, auslösung: es scheint regel der griechischen rhythmik zu sein, dasz die widerstrebende stockung des antispastes, die gleich einer dissonanz in der musik unruhe erregt, sich bald in freie bewegung auflösen müsse J. H. Voss
zeitmessung 223.
ζ)
ein individueller gebrauch Göthes
steht γ nahe: die wiszbegierigen bedürfen eines ruhigen, uneigennützigen blickes, einer neugierigen unruhe II 6, 302, 5
W.; II 11, 308, 5
W.; da entsteht denn mit dem wachsenden tage eine ernstere u., eine gründlichere sehnsucht 41
1, 218, 16
W.; zuwachs an kenntnisz ist zuwachs an u. 27, 177
W.; u. nach etwas neuem 23, 24
W.; u., die mittel dazu kennen zu lernen 24, 271
W.; dilettantischer productionstrieb bei Merck 28, 96, 16
Weimar. η) die welt ist das dasein gottes nicht in ruhiger weise, sondern so, dasz gott sein dasein darin stets verbessert, stets aufs neue eine geringere form desselben durch eine bessere beschämt. gott ist eigentlich eben diese wunderbare und heilige unruhe Vischer
auch einer 345
volksausg. θ)
überhaupt ergiebt sich aus bedeutung 2
eine ins seelische übersetzte bewegungsvorstellung, die den hier entwickelten bedd. '
trieb, drang, streben, sehnsucht, unbefriedigtheit, ungeduld, erwartung'
zu grunde liegt (
vgl. unruhwille): als nun der junge fürst in einem grünen garten alleine wandeln ging, der unruh abzuwarten, trat Jonadab hinzu Rachel
satyr. gedichte 96
ndr.; wer glühet, der unruh voll, nicht hier vom durst zu wissen! Klopstock
oden 2, 146, 21;
gelehrtenrepublik 85; jugendliche u. trieb Hutten .. nach Italien Herder 16, 276; Schiller 1, 56; vertraute gesellige freunde, welche schon wochen lang in W. der heilsamen kur genossen, empfanden eines tages eine gewisse u., die sie durch ausführung längst gehegter vorsätze zu beschwichtigen suchten Göthe 34, 3
W.; IV 1, 252, 3
W.; Eichendorff 1, 500; Fontane I 5, 159.
ι)
mischung mit bed. 3
macht bes. in n. spr. den vielseitigen begriff noch verwickelter: die u. lieben, '
den zustand heftiger bewegungen, beschwerlicher geschäfte, vielen streites und geräusches, heftiger gemüthsbewegungen' Adelung; er ist in ewiger u. Sachs-Villatte; mindert sich nicht unsere u. schon, indem wir sie einem freunde klagen? Gellert
bei Adelung,
der '
unsere beschwerliche unangenehme empfindung'
erklärt; vielfach ist der menschen streben, ihre unruh, ihr verdrusz Göthe 1, 38
W. 77)
im bilde und vergleiche; u.
als person, bes. als feind, vertilger, reiter, henker u. dgl. vorgestellt: u. martert (Luther 38, 148, 30
W.), foltert, quält, peinigt einen (Göthe 46, 66, 4
W.), erstickt die guten geister (Morhof
unterr. 1, 194), jagt (Lohenstein
lebenslauff a 5
a), peitscht einen (Schubart
gedichte 2, 61), ist hinter einem (Göthe III 1, 175
W.); die unruhe hat mich heute wieder an allen haaren Göthe IV 3, 121, 16
W.; u. erfaszt, ergreift, überfällt, überkommt einen (E. Th. A. Hoffmann 10, 67; Ranke 1, 197; Holtei
erz. schr. 14, 183; G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 28); u. bemächtigt sich jemandes Fontane I 5, 153; man kann seiner u. nicht herr bleiben (werden) 5, 159; u. verzehrt einen W. v. Humboldt (1903) 1, 283,
dazu s. 5; der unruh schweres joch Stoppe
Parnass 224; der unruh feierkleid A. v. Haller
gedichte 13
H.; jenseits der alpen hefteten sie häufig die hemmschuhe ihres ernstes an die rollenden räder meiner u. Bauernfeld 2, 195; der Unruh altgesell, der mensch E.
M. Arndt 5, 141; da ward die tiefäugigte Unruh mit todtfarbnen, schwarzblauen lippen, mit eingekrochenen wangen seine vertraute gefährtin. diesz schlimmhälsigt, kahlköpfche weibsbild ... Naumann
Nimrod 11; die Unruh, blasz vor angst,
im gefolge der Unvollkommenheit Lichtwer
schr. (1828) 166 (
recht der vernunft 1); der geist der u. Gutzkow 8, 113; Nietzsche 1, 502. 88)
von personen: ardalio, ardelio Diefenbach
gl. 46
b (
dazu bed. 3 d); Ull Unruh,
sprecher (
vagans, bed. 1)
germ. abh. 18, 121; 'ich frag nicht viel darnach' (
ob das ererbte gestohlen), sagte Unruhe, 'ich kauffe vor ein thaler so viel als ein ander
schausp. engl. comödianten 233, 5
Creizenach; homo turbulentus Zedler 49, 1960 (
vgl. unten); Unruhius 49, 1959; da rannten ihr zwey uf uns daher, als wolten sie uns fressen, aber wir forchten uns vor ihnen nicht, sondern hetten sorg, herr Unrulus käme hernach die höle heruf, und hetten immer acht uf die höle, ob ihr mehr kämen Götz v. Berlichingen 104
B. (
zur bed. s. 1, 3 c, 4); flöhunruhe,
eine die flöhe verfolgende frau Fischart
flöhhatz 2269
H.; 'ich musz am nachmittag noch weiter.' 'immer noch der alte meister Unruh?' Storm 4, 105 (
zur bed. s. 1, Ull Unruh);
gern, bes. mundartlich, in rüge und schelte von unruhigen, ruhelosen menschen und kleinen kindern, auch hypokoristisch: ein rechter unruh und wildfang Martini
rednerschatz 1 (1704) 268; grüszen sie mir die liebe kleine unruhe Lenau
an S. Löwenthal 8
Castle; du unruah! lög di nieda oda geh hoam Pailler
weihnachtsl. u. krippenspiele a. Oberösterr. 2, 300; Staub-Tobler 6, 1896; Fischer
schwäb. wb. 6, 212, 3;
els. wb. 2, 245.
deminutiv: es unrüe(b)li Staub-Tobler 6, 1897,
vgl. unrüegel, unruewigel Staub-Tobler 6, 1908. 99)
wie von personen (8
ende)
auch von thieren Staub-Tobler 6, 1897.
als geschützname Fischer 6, 212 (
zur bed. H. Ziegler
geschützinschriften 27). 1010)
zusammensetzungen (
die technologischen s. unter 2 b). a)
substantivische. im 17.
jh. vereinzelt mit unorganischem s: unruehsbeschreibung Brandis
ehrenkräntzel 159; unruheslast Buchholtz
Herkuliskus 1448.
im übrigen erscheint das subst. theils in der verkürzten form unruh (
s.ruh
th. 8, 1417),
theils in der schriftsprachlichen dreisilbigen form: α) unruhanstifter Stieler 2111, -bande v. Kuntsch
gedichte 222, -bronnen Kuhlmann
geschichtherold 301, -erregung G. Keller
grüner Heinrich (1854) 2, 285, -feder
s. oben 4, -gebärerin Kuhlmann
geschichtherold 386, -geist Bonstetten
an Matthisson 74, -heber G. Lauterbeck 49
a, -kissen J. Chr. Günther 71 (
vgl. unruhfeder
u. ruhekissen), -kopf G. Kerner
bei J. Kerner
bilderbuch 63, -kraut
s. oben 2 a
β, -macher Chr.
F. Paullini
erbauliche lust 1 (1695), 139, -quelle
jesuiter rahtsstube (1684) 87, -stifter Ludwig (1716) 1866, Göthe 18, 430
W., -stifterin Rückert 1, 225, -taube W. Scherffer
bei Drechsler 142, -ton K. Mayer
gedichte 280, -weg Immermann 15, 121, -wille K. Mayer
gedichte 451, -zeit Fischer
schwäb. wb. 6, 213.
β) unruhegefühl Stifter 1, 279, -geist
M. Krämer
seehelden (1681) 643, -macher Fr. Ziegler
ges. novellen u. briefe 1, 141, -periode Ritter
erdkunde 17, 450, -stifter Kramer (1702) 2, 386
a,
handwb. d. staatswiss. 5, 123, -stiftung Mozin, -stoff H. Laube 3, 40, -tag (
im wortspiel mit ruhetag Jean Paul 55/58, 176; in den unruhetagen,
tagen der politischen unruhen 1848 Varnhagen v. Ense
tag. 4, 361), -teufel Rätel
chr. d. h. Schlesien 140, -überfall Stehr
heiligenhof 2, 72. b)
adjectivische: