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unruhig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unruhig adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1289
unruhig, adj. adv. , gth. v. ruhig. mhd. unruowec, -wic; mnd. unrouwich; mnl. onroewigh nur bei Kilian, nl. vereinzelt im 17. jh. onrouwig, sonst onrustig. zu den formen s. ruhig. vgl. unruh, adj., -ruhiglich, -ruhlich, -ruhsam; ungeruhig, -geruhiglich, -geruhlich, -geruhsam(keit); ruhelos, unruhevoll; unrastig, -rüstig. 11) ruhig B I, unruhe 1 entsprechend, ἄπαυστος (B. Garth lex. [1657] 394b); 'rastlos tätig, geschäftig' Staub-Tobler 6, 1907, 1. von personen: und kan doch der mensch als ein unriegigs thier (zur thätigkeit bestimmtes lebewesen) nit miessig gon Murner a. d. adel 48 ndr.; mit näherer bestimmung: szo er yn diszer gifftigen, selbererdachten, unvorschampten lugen szo unrugig ist Luther 7, 272, 2 W.; andere thyerer seind des leibs lusts zuo settigen, aber der mensch ist des orts alzeit unrhwig Eppendorff Plin. 90 (vgl. Zimm. chron. 4, 70; 1, 436); ohne solche bestimmungen: der teufel ist ein emsiger, unrugiger geist (vgl. 4) Luther 342, 390, 2 W.; S. verweilt nie lange, er ist ein unruhiger geist G. Freytag 3, 34; eine unruhige seele; ein unruhiger gast Fischart discours (1589) f 3a (eigentlich ein gast, der sich nicht setzen will und dadurch die ruhe mit fortnimmt); ein weib ... unrüwig von leib H. Sachs 19, 260 G. (sprüche Salom. 9, 13); der unruhigste vagabond Göthe 19, 39 W.; adv.: der freigewordene mensch ist u. und ziellos unterwegs Nietzsche I 2, 7. von thieren: J. A. Naumann vögel 2, 96 (syn. lebhaft); unruhigster der hähne J. N. Götz ged. (1785) 1, 47 (bed. 2 und 3 b flieszen ein). von dingen und abstractis: jener unruhige berg (Vesuv) schr. d. Götheges. 5, 74; unruhige irrfahrt Göthe 41, 265 W.; ein frühlingstag ist unruhiges werden Auerbach 17, 57. bes. der nachtruhe entbehrend: wer klopfft da und mich bey der nacht mit meinem hauszgsind unruig macht? H. Sachs 12, 89, 25 K.; u. schlafen Sirach 31, 23 (auch bed. 2 und 5 können damit verbunden werden; Krünitz 199, 230); unruhiger schlaf M. Meyr a. d. Ries 1, 30; ein unruhiger schläffer ollapatrida 135, 16 ndr.; eine unruhige nacht Lehmann florileg. 1, 168 (s. auch bed. 3 b, 5 und 6). aus der grabesruhe aufgestört: warumb hastu mich unrgig gemacht 1 Sam. 28, 15; u. werden, im jenseits keine ruhe finden Staub-Tobler 6, 1907. 22) mit vorwalten der bewegungsvorstellung, ruhig B 2 a, unruhe 2 entsprechend, von natürlichen gegenständen: die unruhige welle, unruhiges wasser Göthe II 12, 103 W.; das meer ist allezeit u. Kramer (1702) 2, 386b (im bilde: der ewig unruhige flusz des nichtseienden Schleiermacher Platon 6, 40); das meer und die wasser unrwig machen (excitare, turbare, vgl. bed. 3 c) theatrum diabol. (1569) 117a; das schiff lag u. vor ancker A. Olearius verm. reisebeschr. (1696) 210; unruhige überfahrt Solger nachgel. schr. 1, 320; luft Muspratt chemie (1900) 7, 126; Laistner nebelsagen 242; unruhiges leuchten, flimmern, blitze, scheinwerfer, funken; wie u. die sterne sind Storm 1, 223; von winden J. Rauw cosmographia (1597) 121; Frenssen Hilligenlei 153 (nicht nur unruhig bewegt, sondern auch umspringend, ungleichmäszig); von dem umlauf des himmels S. Franck sprichw. (1541) 1, 120a, von baumeln, zappeln, grabeln, zielen u. dgl.; Garg. 110 ndr.; mit bed. 3 b: Eichendorff 3, 427; unruhige wege (so nennen sie im Harz einen rauhen, auf- und abgehenden wald- und bergpfad) J. G. Kohl volksbilder a. d. Harz 167; vgl. G. Keller 3, 170; ich erhielt natürlich den rücksitz neben unruhigen (sich hin und her bewegenden, zu fallen drohenden) schachteln, die gehütet sein wollten Laube 1, 171; der unruhige schildklee hedysarum gyrans Oken naturgesch. 33, 1623, desmodium, s. wandelklee; sie haben .. gemeynet, das die wein ... sich bewegen und u. werden Sebiz feldbau 523; glückseligkeyt ist ein unruowig ding, es treibt sich selber (vgl. unruhe 2 a β) klugreden (1548) 123a. von thieren: das ist auch eyn gut zeychen an eynem pferd, wann es still stehet, das es unrwig seie und die erd auffscharre, als begeret es zu lauffen M. Herr feldbau 186b; die bruthänne unrhuig machen (aufstören) Sebiz 106. vom floh Fischart flöhatz 159 ndr.; bildliche ra. S. hatte mir einen unruhigen floh ins ohr gesetzt Simpl. 247 Kögel (vgl. bed. 6); schafe in unruhigem gewimmel Polenz Grabenhäger 1, 17. von menschen: als die unruhigen knaben weiter kletterten Göthe 24, 43, 9 W.; u. sein von kindern, von schülern während des unterrichts Staub-Tobler 6, 1907, 1 b u. allgemein (dazu bed. 3 b und c); ein unruhiger schüler, seine unruhige haltung; ra. unruhiger als ein jude els. wb. 2, 246a; u. wie die maus in dem kindbette (im kinderbette) Fischer schwäb. wb. 6, 213; ameisen, die wie ein unruhiges heer landsknechte (vgl.ungerüg H. Sachs 2, 137, 147 Tittmann zum adj. rüge th. 8, 1411, unbändig Weinhold schles. wb. 78b) sind Hohberg georg. 1, 424; die unruhige (immer auf der walze befindliche) gesellschaft G. Keller 1, 17; ich schosz, etwas u. geworden Moltke 6, 284 (dazu bed. 6); ein unruhiger mensch 'der entweder keine ruhe an einem orte hat, bald hierher, bald dorthin zieht, d. h. sowohl seinen wohnort als seine wohnung selbst im orte oft verändert, oder in seinen beschäftigungen oft wechselt, bald dieses, bald jenes gewerbe betreibt; auch an keinem orte lange verweilt, wo er zum besuche einkehrt (vgl. 1), immer in lebhafter bewegung ist; auch unaufhörlich zank u. streit sucht' (s. 3 c) Krünitz 199, 230; unrwigs umblouffen (der barfüszer) Eberlin v. Günzburg 1, 87 ndr. häufig stellt sich, unruhe 2 b entsprechend, die schattierung 'ungleichmäszig, sprunghaft, unregelmäszig' u. dgl. ein: u. steuern Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 731, schieszen, zielen u. ä. (vgl. oben); von bewegung der magnetnadel Chamisso 1, 315; vom wetter, von der wetterlage; das gebirg ... erhebt zackige gipfel in unruhigen linien (vgl. 6 c γ) 2, 294; übertragen: von modulation O. Jahn Mozart 3, 275; handlung G. Freytag 14, 101; entwicklung, darstellung, folge, politik, bildungsgang; unruhiger (unruhig wirkender) eindruck (Hoops waldbäume 524), vordergrund im gemälde (Stifter 14, 187) u. s. w. 33) unruhe 3, ruhig B II 2 b, III, IV entsprechend. 3@aa) mit plage, last u. mühe verbunden (gth. geruhlich 4) oder solche verursachend, importunus, beunruhigend, beunruhigt; schwach entwickelt u. in n. spr. verblaszt: unruhig machen molester Hulsius-Ravellus (1616) 381b; belästigen Staub-Tobler 6, 1907; solche haben mich in verhindernüsz bracht, unrwig und leidig gemacht, in farhe und not gesetzt Hutten 1, 417, 34 B.; der mensch musz leiden, dasz beide fliegen, mucken, flöhe, leuse und ander gewürm in u. machen und uberlestig sein, allenthalben hindern und beschweren C. Spangenberg jagteufel B 2a; ain klaine narung ist rhwig, ain grosze narung ist unrhwig G. Mayr sprüchw. (1567) c 1b; d 2b; Eyering 1, 125; für müelich liute Renner 2914 setzt der Frankf. druck 18a ohnrugig, Warlies 67b; der ist ein unruhiger und unglückhaffter mensch, der nicht weisz, wenn er gnug hat Lehmann florileg. 1, 808; 3 b und c, 6 c, einschlieszend: und war disz ein uberaus unruhiges jahr, denn viel wunderzeichen itzt da, denn dort, grosze erdbeben, brennende fackeln, so in lfften schwebeten, erschienen Binhardus thür. chron. 25. 3@bb) gth. v. ruhig III, geräuschvoll, laut, lärmend, mit ewigem kommen u. gehen verbunden, tumultuosus: mhd. wb. 2, 819b; ein unruhiges gewerb Kramer (1702) 2, 386b; unruhige nachbarschaft Göthe III 4, 100, 24 W.; gasse (Kramer-Moerbeek), wohnung, lage; unruhige mieter; es ist mir da zu u.; Staub-Tobler 6, 1908; ein unruhiges warte-, schul-, geschäftszimmer u. s. w.; getümmel Hirschfeld gartenkunst 5, 32, flüstern Auerbach 6, 51 (vgl. bed. c und 6); das local und die procedur hatten etwas von dem unruhigen verkehre an einem eisenbahnschalter Bismarck gedanken u. er. 1, 26; unruhige tage Göthe IV 8, 338 W.; so ging der ganze tag u. hin 23, 99, 2 W.; die zahlreichen hunde der gegend werden u. E. Th. A. Hoffmann 1, 27; sich u. bemerkbar machen; dies fremde unruhige (vgl. 3 a, 6) leben Göthe 22, 303 W.; wie unruhe für fracas: das schreiende und unruhige meiner ergüsse G. Keller 1, 290; vgl. 2 ende. 3@cc) unruhe 3 c, ruhig II 2, IV entsprechend, discordiosus, seditiosus, insedatus, effrenatus, dissolutus, turbulentus, furibundus, ferox u. dgl.: die zung ... ist ein unruowiges ubel erste d. bibel 2, 419, 7; vgl. ungeruhig sp. 825; B. v. Chiemsee 315; zeigt damit an, was für ein unruhiges ubel ... aus einer ungezämten zungen rhre G. L. Hartmann fluchspiegel 1; u. sein, krakehlen beim trunk, der unruhige, krakehler, widersetzliche, raufbold österr. weist. 11, 241, 11; 10, 73, 23; gth. gehorsam schweiz. schausp. 3, 84, 44 B.; u. wider den römischen kayser sein lieder a. d. winterkönig 85 Wolkan; ein unruhiger bauer, welcher sich mit seinen beamten zerfallen Belemnon bauernlex. 50; Bräker 1, 276. im engeren rechtlichen sinne: mit einem u. werden Staub-Tobler 6, 1907; solich unrwige klag under fürsten, edlen, burgern und pawren Eberlin v. Günzburg 1, 11 ndr.; umb etlicher unrwiger (strittiger) sachen halben Montanus schwankbücher 276 B.; veraltet. unser lieb unruig machen (stören) H. Sachs 13, 183, 15 G.; Bräker 2, 84; eine schauderhafte stille, eine unruhige stumme scene (die in offenen zwist auszubrechen droht), wie vor einem ungewitter, herrscht im Olymp! Herder 3, 208; ein unruogiger fried Lobwasser calumnia b 7; die sünde schläft auch, aber an einem unruhigen orte (friedlos) Körte sprichw. 157; tauben wild und u. machen Sebiz feldbau 120; dasz die gemsen ... aus dem gehegten reviere hinaus in unruhigere gegenden versprengt werden sollen H. v. Barth kalkalpen 131. die unrbigen, τοὺς ἀτάκτους erste d. bibel 2, 203, 39 var.; das der poffel .. durch solche geyster .. so stoltz und unrügig ist worden Luther 18, 93, 10 W.; 302, 31 W.; sprüche Sal. 30, 21; dissolutus Alberus; ein unruhiges lästermaul Zesen helikon. rosenthal 37; der unruhige priester kam ... mit einem herben verweise davon H. P. Sturz schriften 1, 151; F. Th. v. Schubert verm. schr. 2, 9; seinen etwas unruhigen (bewegten, unregelmäszigen) lebensgang (Flacius Illyricus) R. v. Raumer gesch. d. g. phil. 33; die satire ist von haus aus u. J. Grimm R. Fuchs xi; subst.: sie hatte etwas wühlendes, unruhiges Gutzkow zauberer 1, 41; adv.: so darf ich wohl versichern, dasz mir die letzten monate zwar nicht u., aber doch sehr überdrängt vorbeygegangen Göthe IV 32, 124 W.; unruhigzerstörend sich entwickeln Brinckmann filosof. ansichten (1806) 299; euphemisch: es könnte hier mit nächstem ein klein wenig unruhig zugehen (sturm auf Zabern ist geplant) Bauernfeld 5, 132. furibundus gemma 1508: hasz Luther 7, 263 W. u. ö.; dweil ihre (der trinker) vernufft ... unruig worden ist Ambach v. zusauffen c 3a; veraltet. mnl. onrustich auch illepidus, illiberalis, invenustus, improbus. Walch philos. lex. 2, 2755. Pansner schimpfwb. 74a. mit vorliebe im politischen sinne: von unstAeten, ungleichen sinnen werden land und leut unrwig Eberlin von Günzburg 1, 47 ndr.; unruhig gselln, die immer was neus haben wölln Opel-Cohn 362; den unruhigen nachbar (Frankreich) Ranke 2, 211; unruhige massen H. Grimm Michelangelo 1, 20; subst.: Opel-Cohn 364; Dahlmann gesch. v. Dänemark 3, 230; dieweil ... gemelter hoher standt bei uns nit fridsam, sonder onrwig und zerteylet ist Sleidan reden 81 B.; mit unrwigen brieffen tumultuosioribus literis Frisius 622a; läufte, zeiten G. Arnold ketzerhist. 22a; Gottsched d. neueste 1, 354; ereignisse Göthe 49, 34, 12 W.; bestrebungen Bismarck gedanken u. erinn. 2, 260; in Preuszen auch schritt ein unruhiger geist durch die massen Treitschke aufsätze 2, 49; prädicativ: bei uns ists u. Göthe IV 9, 310 W.; 22, 160 W.; 48, 132 W.; adv.: Treitschke aufsätze 1, 28; noch unruhiger sah es in F. aus Raumer Hohenstaufen 4, 187. ra. unruhige köpfe, ein unruhiger kopf: er nennt die Bayrn und Schwaben lästerliche machthansen und unrwig köpff Nas antip. eins u. hund. 2, 197b; zweitens würden unruhige köpfe, falls man Glatz nicht cernire, .. trachten acta publ. 5, 48 P.; wollte gott, es gäbe keine unruhige köpfe in ganz Deutschland! Göthe 8, 115, 19 W.; erinnerung an einen unruhigen kopff Harsdörffer secretarius 1, j i 4a; unpersönlich: einfälle seines unruhigen kopfes Treitschke d. gesch. 1, 219. ra. unruhiges musz kochen unruhe stiften Staub - Tobler 6, 1908. perturbator zerrütter, betrüber, verwirrer, ein unrwiger (nomen agentis?) Frisius 994b. 3@dd) unruhe 3 d entsprechend, πολυπράγμων, occupatus: ardelio ein fürwitziger, unrwiger mensch, der vil auszrichten wil, dasz er doch keyn befehl hat und man wol entpern kndt Alberus; Hans in allen gassen, meister Forwitz H. Decimator; zuo demselbigen sprach uf ein zeit der keiser (dann in gedenckt, er were zuo vil unrwig), er begerte nicht, das er sich zu todt arbeitet J. B. Grass schöne histor. (1570) 159b; der thätige, unruhige fürst Göthe 7, 194, 18 W.; die Franzosen .. ein immer eben so knechtisches als unruhiges volk E. M. Arndt 1 (1845), 233 (vgl.c); unruhiges blut haben (vgl. 6 c δ) Nestroy 11, 201; u. (brünstig) sein, werden Staub-Tobler 6, 1908; ein unrwigs leben Fronsperger kriegsbuch 1, m 1b; ein so stilles leben wir nun ... führten, in einem um so unruhigeren trieben sich damals meine brüder ... umher Kerner bilderbuch 264; geschäfte Thümmel reise 1, 9; unruowige vogtey, da man vil ze schaffen und auszerichten hat Maaler 467a; amt Rabener 1, 85; rectorat Gottsched beob. (1758) vorr. a 6b; beschäftigung, plackerei u. dgl. 44) dämonologisch (unruhe 4). vgl. ungeruhig sp. 824: Zimmer. chron. 3, 4; 12 bei Fischer schwäb. wb. 6, 212; ewr widersacher der unruhige geyst schlefft .. nicht Mathesius bibl. d. schr. a. Böhmen 4, 191, 5. vgl. unrüebiger und unsuberer irrgeist (1670) Staub - Tobler 6, 1908; Saul ... den ein unruhiger geist quälte Herder 19, 14; vgl. bildlich: ein unruhiger dämon des ehrgeizes Gerstenberg recens. 273, 3 ndr.; wenn Göthe Merck zugleich kalt und unruhig 28, 185 W. nennt, ist das mephistophelische verneinen und zerstören einbegriffen; dasz des calenderschreibers unruhiger geist auf der gasse irre gehen ... werde polit. maulaffe 27; Lohenstein Arm. 1, 169a; in einem solchem unruhigen (von einem gespenste heimgesuchten) schlosse Gottsched schaubühne 2, 270; adv.: Fouqué held d. nordens 3, 163. 55) nosologisch (unruhe 5): zuo dem dritten so haben sye hitz und seint rittig oder febricitieren und seint fast unrüwig Gersdorff wundarzney (1517) 20b; dem vieh das gehirn sehr u. machen Sebiz feldbau 500; wann die mutter anfahet unrhwig zu werden Gäbelkover 2, 18; unruhige mutter gebärmutterleiden Höfler 429a. 1 Samuel. 16, 14; Lehmann florileg. 2, 571; J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 1; was hast du denn? unruhig bist du nicht und auch nicht ruhig; machst mir ein gesicht, als schwanktest du, magnet'schen schlaf zu ahnen Göthe 3, 285 W. (zahme xenien 3, 804); vergangne nacht war sehr u. III 3, 2 W.; ungewöhnlich: es wurde ihm im bette so u. Arnim 7, 30; von fieberkranken Staub-Tobler 6, 1907, nervösen Fischer 6, 212. vgl. überruhig Staub-Tobler 6, 1906. 66) unruhe 6 entsprechend, a) im kirchlichen sinne. α) angefochten, friedlos, unselig: ob sich der mensch vindt unrwig und in unfrid Tauler serm. (1508) 54a; Luther 103, 303, 16 W.; daz sie .. unrüwig sein gegen inen selber Pauli schimpf u. ernst 37; u. in ihm selber J. Arndt nachf. Christi 8; unrugige anfechtung (vgl. 1) Luther 101, 1, 696 W.; zerstreut, in anspruch genommen Keisersberg predigten (1508) 10b; ihr seyd zu u. zum gebeth Miller predigten f. landvolk 1, 14. β) sollicitus, fluctuans: ich hab mich geerbeytet mit sufftzen, byn unrgig geweszen vor sufftzen Luther 1, 162, 32 W.; was betrübest du dich, mein seel, und bist unrwig in mir? psalm 42, 6; 43, 5; H. Sachs bei Wackernagel kirchenlied 3, 65; Butschky Pathmos 10; ein unruhiges gewissen th. 41, 3, 6246 und allgemein. γ) unruhig streben: wir seind immer unrhig, bisz wir endlich ihn erlangen Spee tugendbuch (1649) 4b; keine ruhe lassend: die unrügige lust Luther 23, 424, 23 Weim. b) in der sprache der liebe: ich ... tuon ... unrüwiger machen die grewe diner alten krancken anfechtigung der minne N. v. Wyle translationen 20, 23 K.; suchend in der lieb unruhwig meine ruhe Weckherlin 2, 404, 135; die unruhige ruhe der liebe J. G. Neukirch anfangsgründe 334; unruhigste begierde vern. tadlerinnen 2, 69; das unruhige, bewegte in der gemüthsstimmung beider liebenden O. Jahn Mozart 4, 400. c) im allgemeinpsychologischen sinne. α) allerhand unruhige affecten Chr. Wolff v. d. menschen thun 35; unruhige und unordentliche affecten Walch phil. lex. 1, 1167; Lotze mikrokosmus 1, v; Solger Erwin 1, 69; gemüt Kramer (1702) 2, 386a; gedanken Bodmer sammlung crit. poet. schriften 1, 34, sinn Göthe 2, 4, 4 W., stimmung u. s. w. versichere ihn, dasz ich seinetwegen recht sehr u. bin Lessing 17, 386; u. über H. Beck d. herz behält s. rechte 12; da ich sie (die ursache) nicht finden konnte, war ich äuszerst u. Göthe 43, 349 W.; nun werden sie nicht u. Bettine d. buch gehört d. könig 1, 160; selten: mir ist so u. zu muthe Holtei erz. schr. 12, 221; veraltet: des tages war er mit ihm selbst u. Lohenstein Arm. 2, 50b; adv. Fontane I 1, 78. das wird mir nicht eine einzige unruhige stunde verursachen Ayrenhoff 3, 129; unruhige befangenheit Nestroy 1, 43; frage (von unruhe eingegeben, davon zeugend); tritte, u. bewegte G. Keller 5, 36 u. s. w. β) vom ausdruck, von darstellung der unruhe: mit unruhigem auge Droste-Hülshoff 2, 276; züge 2, 284, gesichter Fontane I 4, 276; eine arie ... sehr u. und bewegt O. Jahn Mozart 1, 370. γ) von ästhetischer wirkung (vgl.unruhe 6 a 2): die (farben) von der minusseite stimmen u., weich, sehnend Göthe II 52, 196 W.; vgl. II 1, 314 W.; der u. anstrebende antispast J. H. Voss zeitmessung 157; eine freude aber, die so heftig, u., vermischt ist, wie die, welche das komische bewirkt, ist höchst sinnlich F. Schlegel jugendschr. 1, 19 M.; unruhige farbe, mischung, betonung, rhythmen, triolen, taktverschiebungen u. dgl. δ) unruhe 6 a ζ und η entsprechend. bisweilen noch halb sinnlich (vgl. 1, 2): die unruhige phantasey desz menschen Abr. a S. Clara Judas 1, 2; Herder 22, 253; Klinger neues theater 2, 241; einem unruhigen und stürmischen fechter Scherer litgesch. 284; M. ist in Florenz sehr u., ich fürchte fast, er packt auf und kommt zurück Göthe iv 11, 197 W.; nun macht mich das schöne septemberwetter ganz u. iv 28, 238 W. auch tadelnd: aufmerksamkeit der menschen auf andere ist oft nur eine müszige und unruhige (unbeständige, desultorische, blosz äuszeren antrieben folgende) neubegierde J. A. Cramer nord. aufseher 1, 40; unruhiger produktionstrieb des dilettantismus Göthe 47, 312 W.; durch diesen sittlich unruhigen geist, durch dieses bedürfnis, die menschen hämisch und tückisch zu behandeln (von Merck) 28, 96, 13 W. aber auch anerkennend oder farblos: allerdings fordern die gesetze geschichtlicher untersuchungen ... eine seltene mischung von geisteskälte und kleinlicher unruhiger sorge 46, 96, 6 W.; ich ... war nach dieser entdeckung ruhiger und unruhiger als vorher 21, 20, 14 W.; unruhige neugier im sinne von unruhe 6 a ζ; forschbegier A. v. Humboldt ansichten d. natur 2, 2, trieb J. H. Voss antisymb. 2, 186, gefühl G. Forster 3, 328 (das leichtunruhige gefühl Göthe an Lottchen 19), ehrgeiz Ranke 38, 104, streben Mommsen m. gesch. 1, 6; B. fühlte den unruhigsten kitzel, alles zu verneuen Göthe 28, 274 W.; das unruhige (keine ruhe lassende) bedürfnisz, politik zu treiben Bismarck gedanken u. er. 2, 69; temperament Mörike 3, 29; Knigge umgang 1, 27 (syn. lebhaft, bewegsam); unruhige freude Gerstenberg recensionen 283, 34 F.; die leidenschaftlichkeit und unruhige (beunruhigende, aufwühlende) gewalt seiner beichtreden Nitzsch d. studien 7. prädicativ: kenner, die ihn (den bildenden künstler) u. machen Göthe 47, 31 W.; ich bin u., es treibt mich zur arbeit, und wenn ich dabei bin, treibt's mich wider weg Bauernfeld 2, 61; er erschien ... bei audienzen finster, u., streng Justi Winckelmann 21, 225; wir sind sehr begierig und u., ihre urtheile ... zu wissen bibl. ä. schriftwerke d. Schweiz II 1, 64; u. danach sein Bettine Günderode 2, 259; sie waren u., was die nacht ... bringen könnte Stifter 51, 358. adv. u. (triebhaft) und dunkel empfinden G. Keller 1, 275. 77) die bestimmtheit und eindeutigkeit des begriffs wird durch mischung der bedd. erheblich beeinträchtigt; sinnliches und geistiges (vgl. 6 c δ) durchkreuzen sich oft kräftig: szo mag die unrugige vornunfft nit still bleyben und yhr dran benugen lassen, wills alles wissen und sehen, wie eyn affe Luther 101, 1, 565 W.; 14, 48 Erl. ausg.; H. Sachs 14, 36, 19 G.; das unruhige feuer der ehrbegierde Klinger 8, 139; ich musz jauchzen vor vergnügen über ein unbestimmtes etwas ... das macht mich auch wieder u., ich nehme drei treppen unter die füsze bis zum dachgiebel hinauf Bettine Brentanos frühlingskranz 81; ein und derselbe ausdruck (z. b. u. werden) kann träger jeder bed. (1 bis 6) sein; verschiedene einzelne bedd. schieben sich, wie mehrfach gezeigt, durcheinander (z. b. unruhiger mensch, unruhige nacht). anderseits gewinnt der begriff durch diese unbestimmtheit an tiefe, umfang und poetischem gefühlsreichtum; z. b. jetzt liegt er im schoosze der mütterlichen erde und ist dieser unruhigen welt entflohen Knigge roman m. lebens 3, 136; Göthe Faust 646. lieblingswort der Zimm. chronik Fischer schwäb. wb. 6, 212. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unruhig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unruhig , -er, -ste, adj. et adv. der Gegensatz von ruhig, in den sämmtlichen Bedeutungen des Hauptwortes Unruhe, besond…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unruhig

    Goethe-Wörterbuch

    unruhig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unruhig

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    unruhig wie im Hd. und in dessen Lautform: wenn einer dat so hild hett un so unruhig is Lu GLaasch ; dat wir hüt Nacht s…

  4. Sprichwörter
    Unruhig

    Wander (Sprichwörter)

    Unruhig Er ist so unruhig wie ein Klystier. Im südlichen Frankreich von einem Faselhaften. [Zusätze und Ergänzungen] 2. …

  5. Spezial
    unruhig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|ru|hig adj. 1 (aufgeregt) agité (-tá, -tada) 2 nia bun da sté chit, dala büsia, busiënt (-nc, -a), rejius (-sc, -iosa…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unruhig

6 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von unruhig 3 Analysen

un- + ruhig

unruhig leitet sich vom Lemma ruhig ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+ruh+-ig unruh+-ig

unruhig‑ als Erstglied (3 von 3)

unruhigen

DWB

unruh·igen

unruhigen , verb. , dasselbe wie unruhen ( s. d. ), beunruhigen. vgl. auch verunruhigen . mhd. unruowegen. Staub-Tobler 6, 1910 . Fischer sc…

unruhigkeit

DWB

unruhig·keit

unruhigkeit , f. , mangel u. gth. der ruhigkeit. mhd. unruowecheit; Stieler; Kramer. vgl. unruhige, f. Staub-Tobler 6, 1911 . wie unruhe 1, …

unruhiglich

DWB

unruh·iglich

unruhiglich , adv. , gth. v. ruhiglich. mhd. unruoweclîche; Stieler. Wiederhold (1669) 392 führt es als adj. an. veraltet: cod. Teplensis 2,…

Ableitungen von unruhig (3 von 3)

beunruhigen

DWB

beunruhigen , inquietare, in unruhe versetzen: diese nachricht hat die ganze stadt beunruhigt; du beruhigst sie nicht mit deinen reden, du b…

verunruhigen

DWB

verunruhigen , v. , seit dem 16. jahrh. in gebrauch, im 17. und zu anfang des 18. häufig, später selten, gebucht bei Schöpper g 6 a , Orsäus…