krone,
f. corona, das lat. wort früh entlehnt, ahd. noch corôna (Graff 4, 484),
mhd. krône,
aber noch um 1100
auch corône (
wb. 1, 886
b).
mit geändertem vocal altenglisch crûne (
s. Haupt 11, 302),
wie mnl. crûne
neben crône (
vgl. gr. 1
3, 288. 321),
altn. krûna
neben krôna, korôna (
s. Egilsson, Fritzner);
daher engl. crown,
nnl. kruin
neben kroon,
mit unterschied der bed.; dän. wieder nur krone,
gewiss unter deutschem einflusse, wie schwed. krona,
aber landsch. noch kruna Rietz 357
a,
wie norw. kruna.
Diesz übereinstimmende û
für ô
auszer im hd. ist nicht unwichtig, die fälle von erhöhung lateinischer o
und e
zu u
und i
unter kirsche I,
c treffen nicht genau zu, weil es sich da um kürzen handelt; vgl. aber ahd. chlîrich
aus clêricus Graff 4, 565,
mhd. numen
aus nômine
wb. 2
1, 423
a.
übrigens auch altsl. krouna, korouna Mikl. 314
a,
altkelt. curun Zeusz 1109.
Die zusammenziehung von cor-
zu kr-
hat ihr gegenstück in der zerdehnung korônic
Lohengr. 7342
aus chronica (
vgl. dazu kleschen 1,
c),
noch im 15.
jh. coronike,
auch mlat. coronica Dief. 159
a;
ob man zwischen beiden dem sprachbewusztsein dunklen wörtern eine beziehung suchte? vgl. die engl. form crownacle
für chronicle Halliwell 283
b mit ihrer anlehnung an crown
und Thomasins
ausspruch: ein ieglîch künic, daʒ ist wâr, sol sînes rîches krônik hâ
n. welscher gast 10658.
Ob es auch ein masc. krôn
gab? s. unter I, 5,
c. lustig ist crona
im 16.
jh. II, 2,
a. b, das deutschgewordene wort wieder mit lateinisch gelehrtem schwänzchen versehen; crone
mit lat. c
hielt sich übrigens bis ins 18.
jahrh. II. Krône
als kranz. Diesz ist die bedeutung, von der das wort ausgegangen sein musz, denn lat. corona
war eben wesentlich kranz, fürstenkrone aber gar nicht; über art und anlasz der übernahme s. 7. I@11, I@1@aa)
für die zeit über das nhd. zurück bleibt es zu belegen, die drei stellen im mhd. wb. 1, 887
b,
auf welche die bed. kranz da gestützt wird, erhärten sie genau besehen nicht. in Mai und Beaflor heiszt es von letzterer kurz vor dem beilager: si truoc noch die krône ûf blôʒem hâre alsam ê, daʒ geschach vür baʒ niht mê. 91, 4,
d. h. sie erschien jetzt zum letzten male als jungfrau; aber das ist durch das blôʒe hâr
ausgedrückt, die krône
dagegen, die sie ja schon ê,
also von jeher getragen, wie 72, 26
und 58, 20,
besonders 42, 9
ff., kann kein brautkranz sein; sie wird 58, 22
einer kaiserkrone verglichen, es musz also die krone sein, die ihr als einer küniginne
im altdeutschen sinne, d. h. als von königlichem geblüte (
s. könig II, 3,
vgl. hier II, 3,
b)
zu tragen zukommt und die sie z. b. 77, 31
sich mit fuszfall erniedrigend vor Mai abnimmt, wie die heil. Elisabeth 928
als jungfrau in der kirche, weil sie nicht mit golde gecrônet
stehn will (954),
wo Christus mit dornen gecrônet
ist, es ist ihre königliche krone, wie ihre '
fürstlichen'
gespielinnen 910,
vgl. 900,
sie auch tragen, allerdings v. 868
mit cranz
zusammengenannt, aber eben darum davon verschieden. Nicht anders ist es mit der königlichen jungfrau im Parzival 812, 3, diu die krône ûf blôʒem hâr
dort hât,
und auch MS. 1, 52
a (
frühl. 129, 29)
wird die frouwe mit ir krônen
eine fürstin sein, die eben eine krone trägt; vgl. Weinhold frauen im mitt. 463.
Aber es gab schon mhd. krône
kranz, z. b. als siegeskranz (
vgl. 3,
a);
vom jungen Paris als hirten erzählt Konrad,
wie er bei den wettkämpfen seiner genossen den sieger krônte
mit einem schapel wol geloubet,
und so gerecht war, dasz selbst wenn unter dem weidevieh kampf entstand, dem siegenden pfarren
oder wider
von ihm der siegeskranz ward, auch wenn der sieger von einer fremden herde war: wan er im eine crône sazt ûf sîn houbet schône.
troj. kr. 649. I@1@bb)
eine brautkrone
find ich in spät mhd. zeit erwähnt, es ist gewiss auch weit älter: drîerlei kleinôte sal ein brût von rechte habe zû einer bekentlichen zîrunge vor einer anderen, die nicht vortrûwet ist .... das derte kleinôte ist das gebende adder die krône ûf dem houbte. Purgoldt
Eisen. rechtsb. 1, 8 (Ortloff
rechtsqu. 2, 25),
vergl.kronbraut.
doch das ist kein eigentlicher kranz mehr, sondern ein kleinod,
ein kunstwerk von flitter und gold und sonst edlen stoffen, wie sie noch jetzt weithin auf dem lande für bauernbräute in geltung sind. So im norden z. b. in Vossens
heimat, wo der pastor die kronen
als gemeindegut in verwahrung hat: sprachs und trat zur kommode, der blankgebohnten von nuszbaum, welche die priesterbefchen, die oberhemd' und die ermel ihres gemahls einschlosz, und die steifgefalteten kragen, ihm ein gräul! auch den schönen und weitbewunderten taufschmuck, und die flitternden kronen, gewünscht von den bräuten des dorfes.
Luise 1795 2, 57 (
ausg. letzter hand 2, 102).
Im westen z. b. auf der Eifel, wo die kinder in fastnachtsliedern singen: wir wünschen der tochter eine goldene kron,
damit soll sie zur hochzeit gon. Schmitz 1, 16,
vergl. s. 53: die braut hat ebenfalls einen solchen strausz (
lorbeerstrausz mit bändern und rauschgold geziert, vgl. u. 7,
b) und nebstdem eine 'krone', die 'brautkrone' auf dem haupte ... in Kyllburgweiler und umgegend waren die langherabwallenden haare (
das ist das mhd. blôʒe hâr
vorhin) zudem gepudert,
verwahrt wird diese brautkrone, gleichfalls gemeindeeigenthum, von der königin (
s. d. 3,
e).
Im süden z. b. in der Oberpfalz: auf dem haupte trägt sie über das oben zusammengebundne haar (
sie ist damit vorgreifend schon als frau bezeichnet, vgl. sp. 2051
unten) den 'bendl' und darüber eine glänzende 'krone' von flittergold, flinserchen, perlen (
vergl. unter c zuletzt) aufs künstlichste gebildet. Schönwerth
aus der Oberpfalz 1, 82,
der bendel (
vgl.bendel und band als m. 1, 1098),
der auch allein als brautkranz getragen wird, ist ein käppchen mit spitzen, glasperlen, flinserln, bändern besetzt, oder ein '
nest'
von goldfransen und perlen (
s. 83),
er entspricht dem mhd. gebende
vorhin oder dem mhd. schapel,
s. auch II, 1,
b, α zuletzt. in Schwaben, z. b. im Lonthal ist der kopfputz der braut von hänfenen und rotseidenen zopfgeflechten mit goldenen borten und krone Birlinger
volksth. 2, 397 (
die krone heiszt anderwärts auch noch schappel 395,
wie in der Wetterau Dief. 530
c).
Das sind nichts als reste höfischer sitte aus dem mittelalter her, die von den andern ständen nachgeahmt ward und bei den bauern haften geblieben ist; noch im 18.
jh. lebte sie auch in städten, z. b. nach Amaranthes
frauenzimmerlexicon Lpz. 1715
sp. 256: brautcranz, ist eine entweder von lorbeerblättern (
vgl. von der Eifel vorhin) oder von grün besponnenen drat und bunten schmelzblümgen zusammen gesetzte kleine crone ... das vornehme frauenzimmer schmücket selbigen mit perlen oder wohl gar diamantsteinen aus,
doch ist schon das gegen das 16. 17.
jh. eine beginnende rückkehr zur einfachheit (
vgl. unter d),
mit der man im 19.
jahrh. im städtischen leben wieder bei dem wirklichen grünen kranze angelangt ist. I@1@cc)
aber der brautkranz ist eig. nichts als der kranz der jungfrau, doch auch der erscheint als krone, jungferkrone Stieler 1041 (
vgl. Brant
unter 2,
e): hat eine jungfrau dann nicht mehr die werthe kron, so ist disz was ihr bleibt nur schande, spott und hohn. Opitz 1, 435,
nach dem nl. so in Baiern: kronen heiszen die aus farbigem papier, federn und silberflittern über ein gestelle von draht von den sog. kranzlbinderinnen verfertigten hohen ornamente, welche bei leichenbegängnissen ... auf die särge von kindern, unverehelichten mannspersonen und jungfrauen gestellt .. werden. Schmeller 2, 388,
als ehrenzeichen der keuschheit (
schon mhd. galt maget
auch von jünglingen, s. kranz II, 5,
b),
vgl. die crone
als 'cranz in sarg'
bei Amaranthes
sp. 2052
aus städtischem gebrauche. in Niederbaiern tragen die jungfrauen ein von flittergold und steinen glänzendes krönlein, krnl
bei feierlichkeiten, wie hochzeiten, processionen, anderwärts, wie im Bregenzerwalde, das schappele
genannt, wie unter b die brautkrone, auch das geht eben ins mittelalter zurück: sie (
die als reine jungfrauen sterben) sint ûf dem spiegelberge unde tragent einer hande krœnlîn, ein schapel dâ lît sô vil freuden an und êren, daʒ eʒ gar unsagebære ist. Berthold 336, 27 (
nachher z. 38 krenzelîn
genannt),
was er da in den himmel versetzt, zeigt was er im leben sah und hörte. die krönchen (
s. d.) der nonnen
im 16.
jahrh. sind wol solche krœnlîn
aus dem himmel, schon hienieden vorgreifend angenommen, nonnenkrone Herder
lit. (1827) 6, 37. I@1@dd)
in Sachsen, Thüringen u. a. lebt diese krone
nur noch in einer redensart, mit der man ein mädchen beruhigt, die eine zumutung zu weitgehend, einen auftrag, ein geschäft für sich unpassend findet u. ä.: da fällt dir noch lange keine perle aus deiner krone, da wird dir nicht gleich eine perle aus der krone fallen
u. ä.; ähnlich bei den Letten: taws krohnis wehl ne nokrittis,
deine krone ist noch nicht abgefallen, wie in Sachsen: es wird dir keine perle aus der krone fallen. C. Baumgärtel,
die deutschen bestandtheile des lettischen wortschatzes, Lpz. 1868
s. 33.
es ist die perlenkrone unter b (
vgl. 2,
a zuletzt),
das gefürchtete, was ohne zweifel leicht vorkam, galt natürlich als böses zeichen, wie denn der brautkranz, jungfernkranz von solchem glauben an vorbedeutungen umgeben war. seit der eigentliche sinn vergessen ist, sagt mans übrigens auch zu knaben u. a. ähnlichen ursprung musz haben einen an die krone greifen,
seine ehre antasten (
vgl. dazu bei Fischart II, 3,
e),
nl. iemand naar de kroon steken,
vgl. iemand de kroon van het hoofd stelen,
ihm seine ehre rauben; s. dazu 7
a. e. I@1@ee)
in Norddeutschland lebt die brautkrone auch in städten noch in einer redensart, die in die tage der hochzeitfeier gehört. da ladet
die braut für den hochzeittag ihre freundinnen zur krone ein,
diese sind bei ihr zur krone
u. ä., d. h. sie bringen ihr den brautkranz und helfen dann zum anlegen des brautstaates (
Berlin): und das gelbe stübchen war voll von zärtlichen mädchen, die zur krone gekommen waren. Burmann
der brauttag, in '
Idas blumenkörbchen'
Berl. u. Lpz. 1793
s. 112,
der brautkranz selbst heiszt doch da nicht mehr krone,
es ist ein mirthenkranz, von lebendiger mirthe geflochten.
es ist wol zugleich eine art abschiedsfest der braut als jungfrau im kreise ihrer gespielinnen, ursprünglich vielleicht die herrichtung der brautkrone, zu der die gespielinnen halfen. vgl. krönen 1,
a zuletzt. I@22)
aber diese krone
und kranz
sind doch nicht wirklich eins, weder jetzt noch gewiss im ursprung. I@2@aa)
der schilderung der brautkrone in Falkenstein unter 1,
b fügt Schönwerth
hinzu: in neuerer zeit tritt ein kranz von gemachten rothen und weiszen blumen an deren stelle, der bendl verschwindet ganz;
auch bei den bauern vollzieht sich die rückkehr zum einfachen, man kommt von der krone,
der in überkünstelung geratenen erbschaft des mittelalters, zum wirklichen kranze
zurück, nur dasz man doch wieder mit kunst anfängt, ganz an der stelle wo einst das alte schapel
über den wirklichen kranz hinausgeschritten war. an einer stelle in der Oberpfalz erscheinen sogar kranz
und krone
zusammen als brautschmuck, aber jener auch schon weit von einem wirklichen kranze entfernt: auf dem kopfe trägt sie den prangerkranz (
zu prangen,
s. 2, 303) von pappendeckel, eine art cylinder, nach oben
weiter, mit goldflitter, perlen, sternchen, dem aufnehmenden monde, einer lachenden sonne, verschlungenen händen und andern sinnbildern reichlich verhängt, auf diesem die brautkrone reich und prächtig von rauschgold. von der krone fallen zwei rothgoldene bänder mit perlen geziert den rücken hinunter
u. s. w. Schönwerth 1, 83. I@2@bb)
also krone
ein kranz
von besonderer kunst, aber auch mit besonderer bedeutung. das tritt recht scharf heraus in einer sitte von der Eifel (
s. u. 1,
b): früherhin war es allgemein bräuchlich, dasz die braut beim gange zur kirchlichen trauung die krone von dem bilde der heil. muttergottes in der kirche, die 'muttergotteskrone' erhielt. es soll aber vorgekommen sein, dasz eine nicht mehr unbescholtene braut dieselbe getragen habe und die krone 'schwarz' geworden sei. von dieser zeit an wurde die muttergotteskrone nicht mehr zu diesem zwecke verwendet. Schmitz 1, 53.
die krone
der Maria ist zunächst auch der kranz
der keuschen jungfrau, aber zugleich die krone
der himmelskönigin (
s. königin 2),
beides verflieszt, und wie man mit jener von der mutter gottes entlehnten krone
den himmel an die erde knüpfte, so ist vielleicht von jeher bei der brautkrone, jungferkrone
zugleich an die krone
der Maria gedacht worden; deutlich z. b. auch in einer gegend der Oberpfalz, wo die braut sonst einen hohen kranz von flitter mit zwölf sternchen
trug (Schönwerth 1, 83,
vgl. die sterne mit sonne und mond u. a),
ganz wie Maria im himmel, und natürlich auf irdischen bildern: du sælden keiserinne, dîn krône lûter glestet. got hât dich gegestet (
geschmückt) mit einem liehten kranze, zwelf sternen mit ir glanze dîn houbet zierent schône. Konrad v. W.
gold. schmiede 1832
ff.; Maria fein,dein klarer schein erleucht (
strahlt) am höchsten throne, da dir mit ernvon zwölif stern wird aufgesetzt ein krone. Hofmann
kirchenl. s. 456, Ditfurth
fränk. volksl. 1, 119
a,
nach einem vorbilde der apocalypse: ein weib mit der sonnen bekleidet, und der mond unter iren füszen, und auf irem heubt eine krone von zwelf sternen (corona duodecim stellarum). 12, 1,
womit auch der mond und die sonne unter a ihre erklärung finden; vgl. die krone mit zwölf strahlen unter II, 1,
c. Protestantisch gefaszt erscheint diese verknüpfung des himmels mit der erde in folg. zuge aus dem 17.
jh.: wann die mütter ihren töchtern den kranz aufsetzten (
am sonntagmorgen, zum kirchgange), sagten sie, Jesus Christus setz dir auch im himmel die cron des ewigen lebens auf. Schuppius 211 (
gedenk dran).
ähnlich wird bei den todtenkronen,
todtenkränzen in form einer oben geschlossenen krone (
von den kronen und mahlzeiten bei leichen
handelt eine schrift Frkf. a. M. 1782,
s. Krünitz 53, 632)
urspr. an die krone des ewigen lebens (3,
e)
gedacht sein, die man damit dem geschiedenen vorgreifend und andeutend verlieh. auch die gleichgeformte blumenkrone,
die die zimmerleute festlich auf ein vollendetes haus setzen, musz urspr. ähnlichen sinn haben, und der erntekranz in solcher kronenform, auch krone
genannt. wir sprechen von kranz
oder krone der vollendung,
freilich ohne bestimmtes bild, s. 4,
c. I@2@cc)
auch wenn wirkliche einfache kränze als kronen
bezeichnet werden, ist ihnen meist ein besonderer sinn beigelegt. so dem lorbeerkranze, den am schlusse seiner prüfungen und thaten der held Teuerdank erhält: als nun der tanz war angefangen, kam die künigin Ernreich gangen und truog in ir schneweiszen hand einen
kranz von dem kraut genannt laurus, setzt im den auf sein haubt .... unser vorfarn haben díe
cron gar vil für kostlicher gehon dann silber oder das gold rot.
Teuerd. 107, 1
ff., und wieder am schlusz ihrer ansprache: darumb ich billich eüch geben sol disen kranz zuo eim rechten lon, dieweil ir vor andern die cron ritterlicher zucht tragen seit. 107, 32
ff.; es ist zunächst der kranz mit dem nach höfischer wie allgemeiner sitte der held von der königin ihrer gunst versichert und zu ihrem tänzer bestellt wird (
s. sp. 2049),
aber er dient zugleich als ruhmes- und siegeskranz, als ehrenkrone, lobekrone (
s. 3,
b);
es wird ihm durch berufung auf die sitte der Römer (
v. 22)
zugleich ein gelehrter hintergrund gegeben und an corona laurea
gedacht; vgl. in der überschrift des cap. wie ... Tewrdank ... mit einem cranz von lauro gekrönt ward.
Ähnlich in einem liede des 15.
jh. der kranz, den die '
magd'
im wappen Magdeburgs von dem thurmthore aus ins weichbild hinaus hält: Magdeburg, du bist uns wol bekant, du tregst die kron über das land, dein lob das wil ich preisen. Soltau 1, 103, Liliencr. 1, 344
b,
der jungfernkranz zugleich als ehrenkrone, ja wol mit einem anklang von königlicher krone. Ähnlich noch im 18.
jh. bei Claudius,
wo der bauer Paul sein fünfzigjähriges jubiläum feiert: Kühnert. Paul, ihr hättet aber doch heute eigentlich einen kranz sollen aufhaben.
Westen. ja wohl, so eine crone von mayen mit funfzig ähren dran, für jede ärndte eine.
Paul. nicht doch, die cronen und kränze sind nur für die könige und bräute.
Wandsbecker bote 4, 50,
es ist wol, wie an die brautkrone (1,
b)
und ehrenkrone,
auch an den kronenförmigen erntekranz gedacht. I@2@dd)
auch Christi dornenkrone gehört genau genommen hierher, als kranz mit der bedeutung einer königskrone, er wird mhd. ausdrücklich auch als kranz
aufgefaszt: der den dürnînen kranz ame kriuce ûf hete, den rûhen huot (
dazu s. sp. 2048
δ). Wolfram
Willeh. 357, 28, krône 166, 3,
vgl. noch bei neueren dichtern dornenkranz 2, 1295,
auch das mhd. schepil
unter dornenkrone.
im griech. texte ἀκάνθινος στέφανος,
στέφανος ἀκανθῶν,
in der vulg. spinea corona, corona de spinis,
daher bei Otfried thurnîna corôna IV. 23, 8, corôna thero thorno 22, 22,
auch altn. später þyrnikrûna Fritzner 794
a, krôna 369
b.
bei Schubart (1825) 1, 114 die dorngewundne krone.
auch kurzweg krone: sper, kriuz unde krône Walther 25, 13
als schenkung Constantins d. gr. an den päbstlichen stuhl, vergl. crucem, coronam et lanceam ceteraque insignia imperialis capellae, quae regalia dicuntur Töche
Heinrich VI. s. 470
anm. 6,
sodasz sowol der pabst wie der kaiser im besitz dieser heiligsten reliquien waren; durch nagel, zanken (
zacken) und kronen stich lasz nu, traut fraw (
Maria), erbarmen dich. Laszbergs
Friz v. Zolre s. 39; die engel vuorent scône (
beim jüngsten gerichte) daʒ crûce unde die corône vor Christe an daʒ tägedinc. Diemer
ged. d. 11. 12.
jh. 287, 15,
hier zugleich als krone des obersten herrn der welt. diesz biblische corona
wird seinen theil mit haben an der ausbildung unseres krone.
s. weiter II, 1,
b, α.
β. I@2@ee)
doch findet sich krone
auch ohne weiteres für kranz, z. b. bei Aler 1245
a: kraut, das zu den kronen gebraucht wird,
herba coronaria, also von grünen kränzen, wenn es nicht blosz eine gelehrte notiz ist. S. Brant
verbindet einmal kränze und kronen
in allgemeinem sinne: aber die narrheit duot uns ferben, das wir gedenken nit dar an, das uns der dot nit hie würt lan und unsers hübschen hors nit schonen noch unser (
gen.) grnen krenz und kronen.
narr. 85, 26,
er denkt an festlich geputzte leute, vorzugsweis wol jugend, und nennt statt des ganzen putzes dessen hauptstück, den kopfschmuck; ob aber grnen
mit zu kronen
gehört? bei letzterm kann an jungfrauen gedacht sein (
s. 1,
c),
bei krenze
an junge männer. Adelung
führt aus Luthers
bibel Hiob 31, 36
an: wer gibt mir einen verhörer .. das jemand ein buch schriebe von meiner sache. so wolt ichs auf meine achsel nemen und mir wie eine kron umbbinden (
vulg. circundem illum quasi coronam mihi),
aber da sich Hiob im folgenden vers einem fürsten vergleicht, wird Luther nicht an einen kranz, sondern an ein diadem gedacht haben, wozu auch der hebr. text stimmt. doch Jes. 28, 1
erscheint das hebr. wort (
ה)
als kranz beim gastmahl, und auch da nahm Luther krone: weh der prachtigen kronen der trunkenen von Ephraim, der welken blumen irer lieblichen herrligkeit; das die prachtige krone der trunkenen von Ephraim mit füszen zutretten werde.
auch v. 5
stellt er bildlich krone
mit kranz
zusammen (
s. 3,
c).
Auch später bei dichtern: so laszt uns flechten eine cron die du deemühtig ihm solt bringen. Weckherlin 422 (
od. 2,
dedic.),
es ist aber nur bildlich der liederkranz der musen (
vgl.kranz der lieder
sp. 2056); grüne kronen in dem haar ... kam auch der centauren schaar. Schiller 227
b (
Iphig. 4, 4),
er fand wol mehr antiken klang darin als in kranz; krone von binsen. Wieland 4, 80; du (
wehmut), die auf blumenleichen des tiefsinns wimper senkt ... in Florens bunte kronen ein dunkles veilchen webt. Salis (1793) 15,
doch auch das nur bildlich, dichterisch; o die guten kinder! sie durchhüpften oft den garten, flochten sich von jungen gänseblumen kronen, kränzten ihre haare. Hölty
elegie auf einen dorfkirchhof (
s. 51
Halm),
aas tritt denn ganz in die wirklichkeit herunter, auch der reim hat nicht, wie bei Salis,
antheil daran, aber es war ein wechsel mit kränzten
nötig. I@33) krone
als siegeskranz, siegespreis u. ä., kron des sigs ..
laurea. voc. inc. teut. n 5
b, 'sigekron
aureola, laureola'
voc. th. 1482 dd 7
a. I@3@aa)
als wirklicher kranz für den sieger: noch süeʒer (
ist dem manne die minne) denne dem kempfen siges krône. Frauenlob
minneleich 18, 12,
womit zugleich mhd. krône
als kranz unzweifelhäft bezeugt ist (
ein ahd. zeugnis s. 7,
b).
die siegeskrone bildlich im munde eines procurators, der einen process gewinnt, '
siegt' (
der rechtsstreit wurde auf gleichem fusze mit dem waffenstreite behandelt, s. krieg II, 2): mit fleisz verdien ich meinen lon und trag heut des sig ein kron.
fastn. sp. 1003, 26,
wie mhd. den kranz tragen
sp. 2044,
den preis behaupten. kränze
waren auch bei unsern vorfahren der siegeslohn in allerlei wettstreit, auch beim waffenkampfe, s. sp. 2044
ff., vgl. bei Melber bravium, ein kleinot, die gab die man ufgethon hat oder uszgeben hat, belonung, lobekrone.
varil. c 2
b (Dief. 81
a),
ruhmeskranz, vgl. mhd. lobes kranz
sp. 2044.
so beim wettsingen: hört zu, ir gesangrichter in der schönen trink- oder singschul: sitz ich schon auf keim hohen stul (
wie ein preissinger bei den meistersingern), so darf ichs auch nit so hoch anfangen. nun, es gilt die kron! Fischart
Garg. 97
b,
Sch. 171,
zur sache s. sp. 2046,
vgl. im 15.
jahrh. laurea meisterkrone Dief. 321
b.
daher bei Luther
in der bibel: die, so in den schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das kleinod ... ein iglicher aber, der da kempfet, enthelt sich alles dinges (
bereitet sich vor durch mäszigkeit). jene also, das sie eine vergengliche krone empfahen, wir aber eine unvergengliche. 1
Cor. 9, 25,
φθαρτὸν στέφανον,
einen welkenden kranz. daher die krone behalten
als redensart, den preis behaupten, l'emporter, wie vorhin die krone tragen (
nl. de kroon spannen): langsam und bös (
feig) hat kleinen lohn, behend und gut behält die kron. Eschenburgs
denkm. 416.
lorberkranz, dichterkranz (
vgl. dichterkrone):
Leonore. es lebe der zum erstenmal bekränzte (
Tasso)! wie zieret den bescheidnen mann der kranz.
Alphons. es ist ein vorbild nur von jener krone, die auf dem Capitol dich zieren soll. Göthe 9, 121.
daher für preis
bei einer akademischen preisbewerbung: das ist ein mann! neun kronen hat er sich in verschiedenen akademieen errungen und ein paar accessit. und nicht kronen bei der Berliner akademie, die mit Leibnitzianismus erfochten werden können .. G. Forster
in Mercks briefs. 1, 367. I@3@bb)
daher ehrenkrone,
wie ehrenkranz,
schon mhd. ganz geläufig: er hât bî sînen zîten gelebet alsô schône, daʒ er der êren krône dô truoc und noch sîn name treit.
Iwein 10; dô truogens ouch die krône rîterlîcher êren. 6952; got hât sînen vlîʒ an dich geleit, dâ von dîn lîp êren krône treit. Lichtenstein 536, 26,
schon da ist die krône
nur noch ein gedachter kranz, wie aber êrencranz
mhd. sp. 2044
auch schon. noch im 16.
jh.: der bawr trüg wol (
könnte tragen) der ehren ein kron.
Ambr. liederb. 133, 46.
man dachte sich das auch als einen von frau Ere
aufgesetzten, verliehenen kranz: der adel begert der erbarkeit, schande ist im iemer leit. des wirt im usz dem höchsten tron der frawen Eren kron ze lon. Liliencron
hist. volksl. 2, 188
b,
vgl. 207
b. kron der wirdikeit,
corona, dyadema, palma. voc. inc. teut. n 5
b.
auch diesz kurz krone,
in dem schmachlied der Österreicher wider die eidgenoszen von 1444: die puren tribend wunder, ir übermuot ist grosz ... si tragend iez die crone für ritter und für knecht. Wolff
hist. volksl. 482, Liliencr. 1, 384,
d. i. sie dünken sich die ehrenkrone zu tragen. ebenso krone
als ehrenkrone im folg.: zucht und scham tregt die cron. Henisch 625,
als sprichwort. I@3@cc)
auch hier kommt aber ein biblisches vorbild ins spiel (Haupt
zum Winsb. 12, 5): et cum apparuerit princeps pastorum, percipistis immarcescibilem gloriae coronam. 1
Petr. 5, 4, Luther so werdet ir, wenn erscheinen wird der erzhirte, die unverwelkliche krone der ehren empfahen (
schweiz. übers. kranz der herrlichkeit),
vgl. offenb. Joh. 3, 11 sihe, ich kome bald, halt was du hast, das niemand deine krone neme.
schon im A. T.: descendit de capite vestro corona gloriae vestrae.
Jer. 13, 18 (Luther die krone der herrligkeit ist von ewrem heupt gefallen),
von einem königspaare; in die illa erit dominus exercituum corona gloriae et sertum exultationis residuo populi sui.
Jes. 28, 5 (Luther eine liebliche krone und herrlicher kranz),
persönlich wie u. d. Auch bloszes krone
als ehrenkranz biblisch: achte sie (
die weisheit) hoch, so wird sie dich erhöhen und wird dich zu ehren machen .. sie wird dein heupt schön schmücken und wird dich zieren mit einer hübschen (
var. herlichen) krone.
spr. Sal. 4, 9,
zugleich als zierde, schmuck überhaupt, wie in folg.: grawe har sind ein kron der ehren. 16, 31.
daher in völliger entlehnung: die grawen har die sind ein kron der ehren einem alten man. H. Sachs 2, 4, 54
c; mir auch herzlich geehrt in des alters silberner krone. Hölderlin '
seiner mutter zum 72.
geburtstag.'
aber erzeugt werden diese stellen den deutschen gebrauch nicht haben, doch wesentlich beeinfluszt. I@3@dd)
an die stelle aus Jesaias schlieszt sich ein persönlicher biblischer gebrauch dieses krone an,
der sich dann u. 4
bei dichtern und sonst wiederholt: denn wer ist unser hoffnung oder freude oder kron des rhums? seid nicht auch irs fur unserm herr Jhesu Christo?
1 Thess. 2, 19,
gr. στέφανος καυχήσεως,
vulg. corona gloriae; also, meine lieben und gewündschte brüder, meine freude und meine krone.
Phil. 4, 1,
στέφανός μου, corona mea.
dieses blosze krone
schon in den apokryphen und im A. T.: da preiseten sie sie (
die Judith) alle gleich und sprachen, du bist die krone Jerusalem, du bist die wonne Israel, du bist ein ehre des ganzen volks, das du solch löbliche that gethan hast.
Judith 15, 12,
aber auch das ist offenbar noch als sieges- und ruhmeskranz gedacht, mit einmischung des begriffes freudenkranz. Der letztere begriff tritt aber auch hervor als hauptsache oder als einziger: Bethlehem .. die krone des hauses Joab.
1 chron. 2, 54,
worüber sich alle freuen, worauf alle stolz sind; ein vleiszig weib ist ein krone ires mannes, aber ein unvleiszige ist ein eiter in seinem gebeine.
spr. Sal. 12, 4,
sie ist ihm wie ein freudenkranz auf dem haupte; der alten krone sind kindes kinder und der kinder ehre ire veter. 17, 6,
zugleich ehrenkranz, triumph (
nach b)
und schmuck, zierde, wie u. c. I@3@ee)
endlich ist biblischen ursprungs die krone des ewigen lebens
u. ä., die irdische freuden- ehren- und siegeskrone in den himmel versetzt, daher mlat. aureola Dief. 61
c,
d. i. eine laurea
oder laureola
von golde, wie sie in Rom als siegeskränze galten (
vgl. kranz
so sp. 2047
und Schuppius
schöne mittheilung u. 2,
b). I@3@e@aα)
es heiszt in der bibel: selig ist der man, der die anfechtung erduldet, denn nach dem er beweret ist, wird er die krone des lebens empfahen, welche gott verheiszen hat denen, die in liebhaben.
ep. Jac. 1, 12; sei getreu bis in den tod, so wil ich dir die krone des lebens geben.
off. Joh. 2, 10,
τὸν στέφανον τῆς ζωῆς,
vulg. coronam vitae,
vgl. im Baruch 5, 2: Jerusalem zeuch an den rock der gerechtigkeit gottes und setze die kron der herrligkeit des ewigen auf dein heubt (
vulg. mitram honoris aeterni). I@3@e@bβ)
daher lebenskrone
vita aeterna Stieler 1041; dem für seinen lohn gehört des himmels cron. Weckherlin 388 (
od. 1, 10, 6).
mhd. êwige corône, himmelkrône
wb. 1, 887
a,
der selige '
trägt die krone vor gott': wan der sitzet etelîcheʒ vor mir, daʒ noch in einem halben jâr oder ê die krône vor gote treit in dem himelrîche. eʒ ist ouch etelîcher, der an dem grunde der hellen sitzet biʒ dar. Berthold 369, 29,
vgl. dens. u. 1,
c. 'kron der ewigen seligkeit,
aureola, palma'
voc. inc. teut. n 5
b. I@3@e@gγ)
die vorstellung tritt aber da gern vom kranze in eine krone in unserm sinne über, zumal sie an die krone der engel
erinnert (II, 2,
e);
sie ist strahlend, golden: gott wird sich zu uns kehren, eim jeden setzen auf ein gülden kron der ehren, uns herzen freundlich drauf. J. Walther,
herzlich thut mich erfreuen v. 16; (
die liebenden) empfahen schon des himmels goldne kronen, eh ihr gebein zu staub verweht. Hölty (1814) 239.
der träger ist wie ein fürstlicher sieger: sie sprachen mit ihm von des blutes zeugnis, der krone der überwinder am ziele der laufbahn. Klopstock
Mess. 17, 69. I@3@e@dδ)
ebenso die krone der märtyrer, märtyrerkrone,
im voc. inc. teut. n 5
b 'kron der martler,
palma' (
vgl. damit die hohnvolle ketzerkrone): sant Moritz mit seiner heiligen legion han auch der mertelere kron. Haupt 2, 294;
daher mit der marter gekrönet werden,
lat. martyrio coronari (
s.krönen 1,
e, β).
dasz man sich auch das als krone in unserm sinne dachte, zeigt folg.: eine küninclîche chrône (
erwirbt er) in der marterêre chôre.
Rol. 4, 6.
aber auch die teufel in der hölle tragen eine krone, wie gott und die engel und heiligen im himmel (II, 2,
e),
Lucifer verspricht dem Satanas: dar umb wil ich dir lonen schier mit der helschen kronen füer. Haupt 3, 485. I@3@e@eε)
von der krone des ewigen lebens scheint auch folg. wunderliche krone
herzurühren, wovon Krünitz 53, 689
meldung thut: '
ehemals wurde dieses wort auch als ein ehrentitel bei der geistlichen würde gebraucht, da man z. b. statt ewer hochwürden
geschrieben und gesagt hat ewer krone'
; denn von der irdischen bischofskrone II, 2,
d kann es doch nicht wol herstammen. I@44) Krone
als kranz in bildlichem gebrauche, der reich entwickelt ist, aber freilich ein klares anschauliches bild nicht mehr bietet, oft sogar in formlose verschwommenheit übergeht, zumal die verschiedenen anwendungen davon wieder leicht in einander verschwimmen. I@4@aa) krone
das höchste, vollendetste seiner art. I@4@a@aα)
von unsinnlichen dingen: dann das acht ich der ehren kron, dasz man einem nach disem lebn thu ehr und reverenz hie gebn, dasz sein nam hie auf erden bleib und man von ihm les, sing und schreib. Ayrer 394, 3.
so nennt man etwas die krone der freude,
besonders aber ironisch, spöttisch die krone der dummheit, lächerlichkeit
u. ä.;
doch verschwimmt das mit einer andern vorstellung, die in der wendung liegt: das setzte der lächerlichkeit die krone auf (
s. c, α).
und noch mit einer andern, der gipfel der ehre
u. ä., was denn wieder in der bed. baumwipfel mit krone
verflieszen kann. einen unmittelbaren anlasz zu diesem gebrauch von krone
kann Sirach 1, 22 (
doch vgl. v. 11)
gegeben haben: die furcht des herrn ist ein kron der weisheit,
da man das als '
die höchste weisheit'
verstehn konnte, wie mhd. aller triuwe ein krône
u. ä., mit ein
statt des bestimmten art., den wir da gewohnt sind. hierher auch wunderkrone,
miraculum orbis Stieler 1041. I@4@a@bβ)
von menschen, schon mhd. ganz geläufig: Maria, megde krône. Freidank 13, 7; si ist aller wîbe ein krône. Morungen,
minn. frühl. 122, 9; gelêrter fürsten krône. Walther 107, 29,
s. mehr im wb., die vorstellung wird da gewesen sein z. b. ein weib das dem ganzen weiblichen geschlechte oder den frauen eines landes zur zierde und ehre dient (
vgl.δ),
ihren glanz vollendet, wie der aufgesetzte kranz den schmuck und glanz einer schönen frau. daher auch gehäuft krône, kranz,
ein held z. b. wird u. a. bezeichnet: ein krône, ein kranz mit dienste werden frowen.
j. Tit. 1279, 4,
mit seinem dienste gegen frauen diesen eine hohe zierde, freude, ehre. noch im 15.
jh.: sie ist der frowen krone, sie ist der megde kranz. Uhland
volksl. 843, Hoffmann
kirchenl. 105,
die himmelskönigin ist gemeint, aber absichtlich in der schilderung einer minneklichen meit,
unter der jene zu raten ist. den biblischen anhalt geben die stellen 3,
d a. e. Nhd. (
aus dem 16.
jh. s. u. δ): keine misdeutung, krone der frauen! Lessing 2, 569; ihm gab Helena drauf, die krone der frauen, zur antwort. Bürger 208
b; da seh ich dich, die krone aller frauen ... Schiller 534
b (
Tell 3, 2); bin ich euch noch arm, da ich die krone aller frauen besitze? 454
a,
jungfr. v. O. 1, 4; die krone aller weisen. Gökingk 2, 157; ich komme, die krone der jungfrauen heimzuführen. Gotter 3, 102; so kannst du glauben, dasz sie die krone von allen ehrlichen (
ehrbaren) mädchen ist. Möser 9, 117,
das klingt ganz volksmäszig. das hohe bild zu komischer wirkung gebraucht: ein schöner herr, der pflastertreter krone.
Hagedorn 2, 63. I@4@a@gγ)
auch von dingen: gesegne dich gott, alls tranks ein kron.
weinsegen, altd. bl. 1, 414.
und wieder komisch, spöttisch: o du, der schönen taillen krone. Gotter 3, 239; Nicolai hat diese krone seiner werke (
seine bildungsgeschichte) vollendet und dann seinen geist dem himmel wiedergegeben.
Fichte Nicolais leben 12,
zugleich zu c, α. I@4@a@dδ)
auch ehr und krone, kron und ehre (
s.ehrenkrone
u. 3,
b),
gemäsz der auffassung unter β,
die darin deutlicher gemacht ist: Flavius Claudius, aller keyser ein ehr und kron. Aventinus
chron. 230
a; gehorsam ist (
zwar) aller tugent krone und ehre, aber wenn faulwitz drinnen erfunden wird
u. s. w. Luther 6, 147
a;
s. auch Weckherlin
unter b, α. I@4@a@eε)
ähnlich und doch auch anders: nachdem die nymf aus Albion (
eine engl. prinzessin), der frombkeit und der tugent cron, hat ihrer diener wehrt erwegen ... Weckherlin 408 (
od. 1, 26, 1), '
die frömmigkeit und tugend selber'
in ihrer höchsten erscheinung; das weib ist eine krone der keuschheit. Stieler 1041; tugendkrone,
virtutum regina. ders., Ludwig 1075.
die wendung geht aufs mhd. zurück, z. b. vom armen Heinrich 63 ein ganziu krône der zuht,
wie kranz aller güete
u. ä. (
sp. 2054
unten).
es berührt sich aber auch mit der mhd. beliebten wendung z. b. bescheidenheit, diu aller tugende krône treit Freid. 1, 2, Mone
schausp. 1, 217,
wie Maria alles trôstes krône treit
das. 249. 211, aller êre krône treit 216. I@4@bb) krone
als zierde, stolz und freude, zugleich mit a und c sich berührend und mischend. I@4@b@aα)
biblisch ist das fleiszige weib
als des mannes krone (
s. u. 3,
d),
daher ehekrone
gleich treue gattin (
s. 3, 45): zeuch in frieden, o tochter, ein haus zu erbauen durch weisheit und holdseliges thun, als liebliche krone des mannes. Voss
Luise 1, 58.
wieder auch kron und ehre (
s. a, δ): dein weib, die deines herzens und hauses cron und ehr. Weckherlin 285 (
ps. 128, 4),
vgl.hauskrone als gattin und herzens krone
u. ε. I@4@b@bβ)
mit dem gebrauch u. a berührt sich nahe (
den biblischen anhalt s. u. 3,
d): wir sahen Silvien, den trohn der ehrbarkeit, wir sahen, kurz gesagt, vier krohnen dieser zeit (
frauen). Rist
Parn. 565; Leipzigs krone (
das schönste mädchen). Zachariä
renomm. 1, 291; doch zween weisze hengste, weisz wie der blendende schnee ist, waren die krone des stalles.
ders. Phaeton 2, 60; Augsburg ist die kron in Schwoben. Soltau 2, 70; Erfurt, ein kron in Doringen schon. Haupt 8, 474; Leipzig, das unvergleichliche Leipzig, die zierde nicht nur von Meiszen und Sachsen, sondern die crone von ganz Germanien.
Hazards lebensg. 183,
auch das biblisch u. 3,
d, und schon mhd. Parz. 350, 20.
ebenso kron und preis (
vgl. Fichte
unter c, δ): eine palme, der gehege deines gartens kron und preis. A. Grün
ged. (1838) 213. I@4@b@gγ)
daher begreift sich allenfalls krone
allein als höchster ausdruck des preises, des entzückens, freilich ohne klares bild, aber nach biblischem vorbilde, s. 3,
d, vgl. krönlein 1,
c. die geliebte z. b. wird angeredet: o höchste cron, mein ufenthalt.
klopfan, weim. jahrb. 2, 79; sei mir gegrüszt, Augusta, meine krone. Ramler.
deutlicher ist krone des lebens (
vgl. Göthe
unter c, γ): Marindgen, ich suche mein herze vergebens, wann ich bei andern leuten bin. du zierde der herzen, du krone des lebens, wo steckst du mir das leben hin?
Weise überfl. ged. (1701) 114;
vgl.kranz ähnlich sp. 2054
unten. Ebenso von Maria, Christus, schon mhd.: du hôchswebendiu crône (
Maria), du zimest wol küneges trône.
altd. bl. 1, 84,
wo denn deutlich die vorstellung der fürstenkrone sich einmischt (
vgl. sp. 2371
unten). o werthe kron, o jungfrau schon. Ditfurth
fränk. volksl. 1, 116
b,
kath. 17. jh. auch im protestantischen kirchenliede setzte sich das klangwort fort, wie vieles ähnliche: nun komm, du werthe kron, herr Jesu, gottes sohn. Ph. Nicolai '
wachet auf ruft uns d. st.'
v. 2; ei mein perle, du werthe kron.
ders. '
wie schön leuchtet d. m.'
v. 2; nun mein Jesu, meine wonne, meine lust, mein aufenthalt (
wie vorhin weltlich), meine krone, meine sonne ... E. Neumeister '
gute nacht, du nacht der erden'
v. 8 weg, ihr schätze dieser erden ... Jesus soll mein purpur werden, Jesus ist mein kronengold.
das. v. 5,
deutlich in die fürstenkrone überschlagend. I@4@b@dδ)
das liebkosende klangwort wird auch gern durch ausmalende zusätze bereichert und verschönt (
vgl. so bluomenkranz, fröudenkranz
sp. 2054
unten): komm, du schonefreudenkrone ... deiner wart ich mit verlangen. '
wie schön leuchtet der morg.'
v. 7,
ganz wie schon mhd. weltlich von einem geliebten hôhste freuden krône
Parz 692, 5; Maria zart,von edler art, du bist ein kron der ehren (
nach Jes. 28, 5,
s. 3,
c). Hoffmann
kirchenl. 455. Ditfurth
fränk. volksl. 1, 119; von edler art,o jungfrau zart, der engel werthe krone. Ditfurth 1, 115,
wie auch schon mhd. du engelkrôn Frauenlob
spr. 289, 6,
sie trägt
nämlich die krone der engel (
s. II, 2,
e). I@4@b@eε)
auch wird das bild ausdrücklich in das innere leben versetzt mit krone des herzens, der seele (
vgl. innre kronen J. Paul
nachdämm. 78): sie ist meins herzen ein kron. Uhland
volksl. 66,
damit schlieszt ein weltliches liebeslied; meins herzen cron, meinr freuden zier.
weim. jahrb. 2, 83; dich (
Jesus) will ich lieben, dich will ich ehren, meiner seelen freud und kron. Hoffmanns
schles. volksl. 339,
in einem ältern texte von 1677 freud und wonn (
anz. des germ. mus. 1864 413); er (
gott) sprach zu seinem lieben sohn: die zeit ist hie zu erbarmen. fahr hin, meins herzen werthe kron und sei das heil den armen. Luther '
nu freut euch l. chr. gmein'
v. 5.
s. auch Weckherlins herzens cron und ehr
unter α. I@4@b@zζ)
dagegen auch 'krone in den augen': er ist seinem vatter eine krone in den augen,
pupilla oculi paterni Aler 1245
a,
patris sui ocellus Denzler 2, 178
a,
d. i. sein augapfel, eig.: sein vater trägt ihn in den augen (
s. Neidh. 41, 21, Lichtenstein 512, 22)
als seine krone, wie lat. in oculis ferre,
auf den händen tragen. nl. heiszt das weisze im auge kroontje,
krönchen, vgl. krönlein 2,
c. I@4@cc)
als bild für höchste, abschlieszende vollendung. I@4@c@aα)
allgemein gebraucht ist in diesem sinne die redensart einem werke
u. ä. die krone aufsetzen: dem moralischen plane des werkes durch den neu hinzu gekommenen dialog zwischen Agathon und Archytas die krone aufzusetzen. Wieland 1, xxviii; wodurch er allen seinen werken die krone scheint aufgesetzt zu haben. Lenz 1, 96; setzte sie allen ihren wolthaten die krone auf. Göthe 24, 18; der zufall aber, der wie Schiller sagt oft naiv ist, sollte dem ganzen ereignis die krone aufsetzen. 31, 127,
das beste dabei thun, um es zu einem köstlichen abschlusz zu bringen; nichts waren jetzt alle seine vergangenen siege, da ihm der einzige entgieng, der jenen allen erst die krone aufsetzen sollte. Schiller 935
a.
auch ironisch, z. b.: das setzt seiner dummheit die krone auf.
auch das ist uns aber ohne sicheres bild, man denkt wol dunkel an die krönung eines königs. aber auch diesz krone
ist vielmehr kranz, wie bei Schiller auf sein werk den kranz setzen (
sp. 2054),
d. h. wie die zimmerleute auf ein vollendetes haus, s. 2,
b a. e. I@4@c@bβ)
dazu krone der vollendung: wenn auf des denkens freigegebnen bahnen der forscher jetzt mit kühnem glücke schweift ... mit rascher hand schon nach der krone greift .... verzeiht ihm, der vollendung krone schwebt glänzend über éurem (
der künstler) haupt ... mit euch, dem freudgen erntekranze, schlieszt die vollendende natur. Schiller 25
b.
es mischt sich da die sieges- und triumphkrone ein, auch ein anklang an die krone des ewigen lebens, wie bei Göthe
u. δ. I@4@c@gγ)
das vollendende selbst heiszt krone,
z. b. der mensch (das weib) die krone der schöpfung,
womit der schöpfer seinem werke die krone aufsetzte: die schöpfung selbst ist grausam, sollte nicht der mensch, der schöpfung krone, grausam sein? Rückert
lieder u. sprüche 74; freilich arg, wenn heute gesang und klang bei der hochzeit unseres töchterchens fehlte! musik ist die krone des gastmahls! Voss
Luise 1795 3, 611; schamhafte demuth ist der reize krone (
bei der jungfrau). Schiller 499
b,
es berührt sich zugleich mit 4,
a; dasz sie nur ja nicht ausbleiben, sonst würde unserm fest die krone fehlen. 629
b (
parasit 1, 6); der titel ist die krone des buchs. J. Paul
grönl. proc. 6; krone des lebens, glück ohne ruh, liebe, bist du! Göthe 1, 93 (
rastlose liebe),
vgl. Weise
u. b, γ; ihre (
der natur) krone ist die liebe. 50, 6. I@4@c@dδ)
zugleich als höchstes strebeziel: was bin ich (
Faust) denn, wenn es nicht möglich ist der menschheit krone zu erringen, nach der sich alle sinne dringen? Göthe 12, 90,
es mischt sich der antike begriff ruhmeskrone und der christliche krone des ewigen lebens ein, wie ähnlich bei Schiller
u. β; nur in dem mittelzustande zwischen menschheit und thierheit wird ... die erfahrung zur krone und zum preise der menschheit herauferhoben. Fichte 7, 29 (
vgl.kron und preis
zu b, β); der menschen kron ist, dasz sich menschheit offenbart in ihm trotz seiner volks-, trotz seiner glaubensart. Rückert
weish. d. brahm. (1843) 516.
kein anderes wort vermöchte diesz hohe auszudrücken. I@4@c@eε)
aus dem 16.
jh. ist ähnlich folg.: die lieb ist des gesetzes kron. Waldis
Es. 1, 7, 54,
höher als gesetz oder gesetzlichkeit ist liebe, sie ist die obwol nicht notwendige, aber doch erst vollendende und zugleich schmückende zuthat zu jenem; wenn also rret mund an mund, schaw ist das nit ein hoher lon, ehrlicher lieb ein schmuck und kron. H. Sachs 1, 226
c. I@55)
An die bed. kranz schlieszt sich auch folg. an. I@5@aa)
wald als krone
von bergen, die als riesen gedacht auf dem kopfe
oder haupte
einen grünen kranz tragen, im gegensatz zu bergen die kahl
sind (
vgl. sp. 1768): ob im (
dem felsen) von baumen was ein tron von grünem laub, als ob ein kron mit willn gezirt dar über wer mit grünen dolden hin und her. Folz
in d. fastn. 1306. I@5@bb)
so heiszt denn auch der berggipfel selber krone: drei gebürgen, die mit begrünter cron sich durch die wolken würgen. A. Gryphius 1, 598.
aber auch abgesehen von der waldkrone, ja ohne waldkrone nennt man berggipfel, felsengipfel kronen,
bes. in abgeplatteter oder zackiger form, wobei denn freilich die vorstellung in königskrone überschwankt oder übergeht. nl. kruin.
vgl.felsenkrone,
auch bergeskrone
dichterisch. von gletschern, zugleich als königskrone und kranz, von der Jungfrau: es sitzt die königin hoch und klar auf unvergänglichem throne, die stirn umkränzt sie sich wunderbar mit diamantener krone. Schiller 50
a (
berglied),
vgl. vor der glänzenden krone der ewigen schneegebirge Göthe 44, 12, die weisze krone aus felsenstacheln, Kapri J. Paul
Tit. 4, 161. I@5@cc)
aber auch der wald selbst hat seine krone
in der gesamtheit der dolden und wipfel die sich zusammenschlisszen, wie die einzelnen blumen zum kranze: der waldes crôn nam ich war, der (diu?) was grüen unde schô
n. Laszb.
lieders. 2, 209,
schwerlich ist kron
als m. gemeint, wovon doch auch in folg. eine alem. spur erscheint: wer nach im ist komen am kron. Lenz
Schwabenkr. 10
a,
gleich darauf kem an die römsche kron (am
könnte verlesen sein für ant,
d. i. an d',
s. 2, 974). I@5@dd)
ebenso der einzelne baum, krone
gleich wipfel (
auch ital. corona,
dän. krone): uraltes waldes majestätische kronen. Göthe 13, 268; die erde bebt (
vom sturm) und krachend beugen die altverjährten eichen ihre krone. Schiller 480
b; doch jetzt brausts aus dem nahen gebüsch, tief neigen der erlen kronen sich und im wind wogt das versilberte gras. 75
a.
bildlich: bei dem vorsatz des königs, diese wurzel und krone des wendischen heidenthums (
den tempel auf Rügen) unwiederbringlich auszurotten. Dahlmann
dän. gesch. 1, 293.
Auch die forstmänner brauchen das bild, verstehen aber den ganzen beästeten baumtheil im unterschied vom astlosen stamme darunter: diese verästelung nennt man bei einem baume die krone (in der kunstsprache den 'wald'), und einige unterscheiden auch wol noch den obersten theil derselben durch den namen wipfel oder zopf (
was der laie meist unter krone
versteht). J.
M. Bechstein
forstbotanik 1815
s. 12; stamm
heiszt ebend. der unbeästete theil, welcher von der wurzel bis zur krone geht.
besonders vom nadelholze, der forstmann bestimmt die jahrgänge, das alter danach: ein schlag steht in der dritten, vierten, zehnten krone Krünitz 53, 620,
beim laubholze laub
genannt. I@5@ee)
ebenso von blumen und pflanzen überhaupt. I@5@e@aα)
bei dichtern; das mahenhaupt
sagt: es ist mein haubt bekrönt, mein hirn das machet schlafen, ich kan auf kurze zeit viel bunte blumen (
die blüte) schaffen. ich steh auf einem fusz, der leichtlich wird zerstuckt, und mich mit meiner kron zerquetschet und zerdruckt. Harsdörfer
Nathan u. Jotham 2.
th. anhang Bb 1
a; glutroth die krone des mohnhaupts. Kosegarten
Jucunde (1808) 112,
hier die blume, während jener die samenkapsel meint; die fürstin der blumen die tulpe erhebt die krone zur seiten hoch über die bunten aurikeln. Kleist
frühling (1754) 27; mit einem ganzen büschel blühender kronen. Göthe 21, 104; man fieng jetzt an die geblichenen röhrenkronen auszuzupfen. 22, 194,
es sind frühlingsblumen 193. I@5@e@bβ)
der ausdruck ist in die sprache der wissenschaft übergegangen, krone
das ganze der kranz- oder kronenförmig aus dem kelch strebenden eigentlichen blumenblätter (kronenblätter, kronblätter),
corolla: bildung der krone. den übergang des kelches zur krone ... Göthe 58, 39
ff., nebenkrone 46; um die achse gedrängt entscheidet der bergende kelch sich, der zur höchsten gestalt farbige kronen entläszt. 1, 327.
schon im 16.
jh.: der stengel wird oft mannes hoch, an dem zu oberst ein schöner doldender busch oder kron. Thurneisser
erdg. 3,
vgl. krönlein 2,
b; auch nl. kroon,
dän. krone,
frz. corolle. I@66)
Mancher bildliche gebrauch steht auf der scheide zwischen kranz und dem folgenden, wie das entsprechende krönen,
mancher auch gibt uns eine wirkliche vorstellung gar nicht mehr; der art sind z. b.: dem verdienste seine kronen! Schiller 19
b (
an d. freude); schwingt euch .. zum strahlensitz der höchsten schöne, um andre kronen buhlet nicht. 26
a (
künstler a. e.); nimmer entweicht die krone der schönheit aus diesem geschlechte. 499
b,
die schönheit wird leicht als königin
gedacht; eben dieses liebreiche zunicken der seele ist für sein herz mehr als alle kronen des genies, die er ohnehin nicht erreichen kann. Pfeffel
poet. vers. 1789 1.
th., vorb., eig. lorberkranz; kunstrath Fraischdörfer, dem jetzt die kunstliebe des neuen fürsten und die kunstgelehrsamkeit des neuen günstlings neue kronen aufsetzten. J. Paul
Tit. 2, 39 (1800 1, 389),
d. i. neues ansehen und selbstgefühl gaben, schon der plural macht eine vorstellung unmöglich, es ist spöttisch gemeint. nl. sagt man iemand eene kroon opzetten,
seine ehre erhöhen, ihn preisen, vgl. einem an die krone greifen
u. ä. 1,
d zuletzt. anderes zweifelhafte s. u. III. I@77)
Ein rückblick auf die geschichte des fremdwortes. I@7@aa)
die kargheit der zeugnisse für die älteste zeit läszt leider ein dunkel über dem aufkommen des wortes und seinen anlässen. da kranz
schon dafür bestand (
aber nur hd.),
musz das römische wort daneben an eine römische sitte geknüpft ins land gekommen sein. ob schon in der alten zeit, als zahlreich Germanen in römischen kriegsdiensten waren und gewiss von coronae
als ziel ihres ehrgeizes so gut zu reden hatten wie die italischen u. a. milites legionarii? eine spur davon wäre freilich nicht geblieben, das ahd. wort, wo es uns weit später entgegentritt, sieht zu sehr wie Frisch entlehnt aus. Aber unsere lat. wörterbücher und gelehrten reden nhd. auch von mauerkrone,
corona muralis, graskrone
corona graminea, bürgerkrone
oder eichenkrone
corona civica, lagerkrone
c. castrensis u. s. w. (
z. b. Krünitz 53, 625
ff., Marquardt
röm. alterth. 3
2, 442
fg.).
ja in gelehrter übertragung römischer begriffe auf unsere zeit spricht man auch von bürgerkrone (
auch bürgerkranz Göthe 11, 248)
als einem gedachten öffentlichen lohne für verdienste um den staat: ohne schwertschlag hast dus geleistet, eine bürgerkrone dir wol verdient. Göthe 9, 129 (
Tasso 1, 4),
es wird ihm dann ein kranz von eichenlaub versprochen; es bleibt ferner wahr, dasz solche (
heilig- und seligsprechung) nicht die stelle einer bürgerlichen krone vertrete und zur aufmunterung politischer tugenden diene. Möser
phant. (1778) 1, 360,
cap. 63.
freilich ist hier das gelehrte zugleich verkehrt, da die corona civica,
eben ein kranz von eichenlaub, nur für rettung eines mitbürgers (civis)
aus lebensgefahr verliehen wurde. I@7@bb)
unter den ahd. spuren gibt römischen anklang die Emmeramer glosse: laureatus, mit lôrpaumes pletirum, haupitpantû kachrônôt. Graff 4, 484;
also chrônôn
kränzen schon vor dem 10.
jh., so dasz auch das subst. für kranz längst bestand, vielleicht eben vom lorbeerkranze, von dem die Römer im leben wie in worten einen vorzugsweis reichlichen gebrauch gemacht haben müssen, wie schon die kürzung laurea
für corona laurea
und laureatus
genügend bezeugen (
man vergl. nur z. b. die plebs laureata
Suet. Octav. 58).
und das wird den vorstellungen und sitten des mittelalters sich tief eingeprägt haben, liesz doch Heinrich VII. die krone zu seiner krönung in Mailand 1311
in form eines lorbeerkranzes fertigen. es ist zu bemerken, dasz noch die vocabularien des 14. 15.
jh. bei Dief. 321
b laurea
fast immer mit krone
geben, kron von laurinbaum, meisterkron
u. ä., nur einer mit kranze; laurea
ist lornkrone Schröers
voc. 21
b, signünfte crovn Wackern.
voc. opt. 27
a ; ebenso für laureare
nur krönen,
kein krenzen,
laureus ghecronet Dief. 321
b.
aus dem 16.
jh. vgl. den lorbeerkranz im Teuerdank 2,
c, auch Hartmanns von Aue schapel unde lôrzwî
bei Gottfried
stammt vielleicht nicht nur aus gelehrter vorstellung. dabei musz auffallen, dasz selbst bei unserm brautkranze lorbeerblätter als stoff erscheinen, s. Amaranthes
u. 1,
b aus dem städtischen gebrauche des 18.
jh., selbst auf dem dorfe brautsträusze von lorbeerblättern, s. ebend. von der Eifel; auch der myrtenkranz hat ja einen gelehrten anstrich, wie alt ist er? dieser lorbeerstrausz ist eig. noch ein solcher lôrzwî,
eine laurea. I@7@cc)
aber noch ein zweiter einflusz liegt bei krone
klar vor, der biblische; das häufige corona
der vulgata und des kirchlichen lateins hat den gebrauch und begriff von krone
tiefgreifend beeinfluszt, s. 3,
c ff., gewiss von der ersten zeit des deutschen christenthums an. und beide einflüsse flossen im bewusztsein in einander, der heidnisch lateinische und der christlich lateinische, die siegeskrone bei wettkämpfen z. b. verflosz mit der biblischen krone des ewigen lebens; knüpfte man doch selbst die brautkrone, die man im leben sah, an die krone der himmelskönigin (2,
b).
nicht zu vergessen ist dabei, wie die ursprüngliche zuführung fortwährende nahrung hatte durch das gelehrte latein, und wie sie im 15. 16.
jh. durch die neue gelehrsamkeit neu aufgefrischt wurde und wie dem allen das franz. couronne
und ital. corona,
die noch heute auch das wort für kranz sind, stützend zur seite giengen. zwei verschiedene zeitstufen der zuführung haben sich im nl. deutlich ausgeprägt, wo das ältere kruin
und neueres kroon
nebeneinander bestehn. dem ganzen mischt sich aber noch das folg. krone
ein. IIII. Krone
als fürstenkrone. II@11)
Vom aufkommen dieser bedeutung. II@1@aa)
das blosze wort bürgt für lateinischen ursprung, in der sache wie ihrer benennung. aber bei näherem zusehen treten schwierigkeiten vor. II@1@a@aα)
das altlat. corona
hatte diese bedeutung noch nicht und die römischen kaiser hatten noch keine krone in unserm sinne, nur als ansätze dazu erscheinen gewisse coronae
als fest- und ehrenschmuck mit verschiedener form und bedeutung (
vergl. Krünitz 53, 632),
hervorgegangen aus den kränzen der triumphatoren, wie der lorbeerkranz, den die köpfe früherer kaiser auf münzen zeigen (
noch die lomb. eiserne krone hiesz auch kurz laurea,
s. Ducange
s. v. corona ferrea),
oder der götter, wie der zacken- oder strahlenkranz späterer kaiser auf münzen z. b. des Gordianus, Aurelianus, Probus, Tetricus, es ist wol eigentlich die corona radiata
des Jupiter optimus maximus (
Suet. Oct. 94)
und nähert sich allerdings schon einer krone in unserm sinne, während doch die hinten abhängenden bänder noch die kranzform festhalten. aber eine kaiserkrone hätte ohnehin unmöglich zu den Germanen ohne weiteres als königskrone kommen können. auch heiszt letztere in dem latein unserer alten schriftsteller nicht, wie man dann erwarten müszte und auch nach krone
erwarten sollte, corona,
in der regel wenigstens nicht. II@1@a@bβ)
ihr gewöhnlicher name ist vielmehr diadema,
d. i. διάδημα,
eig. kopfband, von den Perserkönigen aus im orient zum königlichen kopfschmuck geworden, auch bei den Römern der name der königskronen. daher auch von der deutschen königskrone diadema, regni diadema
z. b. bei Widukind
res g. sax. I, 16. 25. 26. 29. II, 1. 12. 31;
ebenso die lotharingische krone diadema
ann. Fuld. ad a. 869.
dasz lat. diadema
und deutsch krone
wirklich zusammenfiel, zeigt z. b. Williram 3, 11: videte .. regem Salomonem in diademate quo coronavit eum mater sua ... tuot wara des cuniges S.
unte (unter?) der corônon, dâ in sîn muoter mit hât gezieret (
folgt ein vergleich mit Christi durnînon corônon), diadema
ist das wort der vulgata für königskrone, z. b. 2 kön. 11, 12.
2 chron. 23, 11.
2 Sam. 12, 30.
noch die vocab. des 15.
jh. haben zwar auch corona
mit hd. nd. crone Diefenb. 152
b,
aber nur unter diadema
deutlich kunigiscrone, kunglich cron 179
b,
wie Luther
das blosze diadema
der vulg. Esther 1, 11. 2, 17
mit königliche krone
übersetzt. Selbst die kaiserkrone findet sich diadema
genannt, z. b. bei Einhard
vita Kar. m. 30. 23,
ann. Fuld. ad a. 876, Helmold
chron. Slav. 1, 32,
in einer urk. Friedrichs II. v. j. 1245: concedimus ... duci Austriae crucem nostri diadematis (
das kreuz auf der kaiserkrone) suo principali pileo sufferendam (Krünitz 53, 658);
daher auch mhd., z. b. daʒ keiserlîche dyadema
fundgr. 2, 110, 36,
und altfranz. dyademe,
s. sp. 36
unten, es muszte eben in unsern allgemeinen begriff krone übergegangen sein, vgl. 2, 1055 diadem
als kron der geistlichen, der heiligen. II@1@a@gγ)
die kaiserliche krone heiszt aber auch wirklich corona: Leo papa coronam capiti ejus (
Karls) imposuit, cuncto Romanorum populo adclamante 'Karolo augusto, a Deo coronato .. imperatori Romanorum, vita et victoria!'
Einh. ann. ad a. 801;
Ludwig der deutsche erhält coronam imperialem et sceptrum.
ann. Laur. min. ad a. 813,
vergl. Waitz
verfassungsg. 3, 213; quotiescunque sit opus corona portanda, jejunium semper praecedere pro vero traditur. Widukind 2, 36
von Otto dem ersten; filius noster ... coronam ... in imperii dignitatem suscepit. 3, 70,
von Ottos des zweiten krönung zum römischen könig, womit er designatus
est in imperatorem 3, 76,
die deutsche königskrone nennt er nur diadema (
s.β); si .. rex ipse venerit Romam ad suscipiendam imperialem benedictionem et coronam.
ann. Altah. maj. ad a. 1064;
Heinrich der dritte hält gericht zu Pavia in fascibus et corona.
ad a. 1046; fac nobis reddi coronam .. ceteraque ad investituram imperialem pertinentia. Helmold
chron. Slav. 1, 32,
vorher doch diadema,
von Heinrich IV.; regem aggressi sunt eique coronam de capite abruperunt.
das. II@1@a@dδ)
allerdings findet es sich doch auch von königskronen, z. b. von der von Jerusalem bei Arnold
chron. Slav. 4, 2;
dachte man da etwa an Christi königthum, seine corona spinea?
oder wirkte da das durchgedrungene deutsche krône
schon? Rudolf von Schwaben erhielt nach Helmold 1, 28
vom pabste eine aurea corona
zugeschickt, die auch in einer inschrift als corona
bezeichnet war; vielleicht sollte sie im voraus auf die kaiserkrone deuten, wie bei Widukind
vorhin die corona
Ottos des zweiten als römischen königs. auch die deutsche königskrone, die Heinrich I. zurückweist und die von Liudprand
und anderen (
s. Waitz
Heinrich I. s. 38) corona
genannt wird, konnte so aufgefaszt werden; s. auch Waitz
verfassungsg. 3, 213. 2, 120,
wo corona regni
schon bei Karlmann als könig u. a. II@1@a@eε)
wie dem auch sei, jener unterschied von corona
und diadema,
wie er noch bei Widukind
erhalten ist, musz dem gang der dinge nach das ursprüngliche sein, und dasz er verwischt wurde und corona
allein den platz behauptete, weist auf einflüsse hin, die zu finden bleiben. ein ganz äuszerlicher mag sein, dasz man auch zu dem griech. worte das lat. coronare
brauchte, eig. kränzen, z. b.: perfusus oleo sancto et coronatus diademate aureo. Widuk. 2, 1;
der krönende erzbischof daselbst gibt übrigens dem krönen biblische farbe: ut in praesenti et in futuro sempiterno praemio coroneris,
und solche anlehnung an die biblische corona vitae (
s. I, 3,
e)
könnte zum siege über diadema
mitgewirkt haben, vgl. auch Williram
unter β.
den wesentlichsten antheil hatte wol aber der umstand, dasz auf dem haupte des deutschen königs die königliche krone mit der kaiserlichen in der vorstellung verflieszen, die letztere aber durch ihre höhere würde überwiegen muszte, wie der kaiser-
titel über den des königs;
das schwanken zwischen diadema
und corona
kann zum theil eben darin seinen grund haben, wie das schwanken zwischen rex
und caesar
oder imperator
bei den chronisten. vielleicht hatte auch die bed. von corona
als kranz antheil an dessen siege, s. u. b, γ. II@1@bb)
zeit, art und gründe der entlehnung möchte man aber genau wissen; ich kann für die schwierige untersuchung nur andeutungen versuchsweise geben. II@1@b@aα)
für die ältere geschichte des begriffs und wortes krone
bei uns gibt einen trefflichen anhalt die deutsche benennung der spinea corona
Christi, da sie zwar an sich nichts als ein kranz ist (
s. I, 2,
d),
aber ausdrücklich als königskranz, königskrone dient: et milites plectentes coronam de spinis imposuerunt capiti ejus et veste purpurea circumdederunt eum, et veniebant ad eum et dicebant ave rex Judaeorum.
Joh. 19, 2,
vgl. Matth. 27, 29.
Marc. 15, 17.
der ganze höhnende sinn ruht in dieser zweiten bedeutung und ihn vor allem muszte jede übersetzung ausdrücken, wenn ihr etwa der doppelsinn des corona,
στέφανος unerreichbar war. Da fällt denn auf, dasz auch ahd. neben Otfrieds thurnîna corôna (
s. I, 2,
d)
noch vorkommt thurnînaʒ houbitpant,
coronam de spinis Graff 5, 228, Mones
anz. 4, 86,
und übereinstimmend altsächs. hôBidband hardarô thornô
Hel. 5501.
also noch im 9.
jh. war das lat. wort nicht überall und durchaus notwendig oder möglich, und dazu stimmt wol Heinrichs des ersten verhalten zu Fritzlar i. j. 919,
der zu seinem königthum die ungermanische krone oder krönung noch nicht für notwendig ansah (Widukind 1, 26,
vgl. Waitz
Heinrich I. s. 219
ff.),
seine zeit also zum theil wenigstens auch nicht. Das '
hauptband'
taugte aber auch völlig für die biblische stelle, denn houbitpant
strophium war einmal auch diadema
und corona Graff 3, 137 (
ags. cynebend Ettm. 405),
wie eine kostbare kopfbinde, die schon das volle haar nötig machte, überhaupt ein altgerm. schmuck der vornehmen war (
altn. höfuðband,
von gold gullband Weinhold
altn. leben 180,
vgl. Grimm rechtsalt. 241. 242) —
aber ausdrücklich auch sertum,
kranz ebend., vgl. haupitpant
als lorbeerkranz unter I, 7,
a, mit laurînen houbetpendelen
übersetzt inter serta laurigera Graff 2, 244,
daher sogar kurz kihaubitpandôt
für laureatus 3, 137;
noch der voc. th. 1482 n 8
a gibt als eins 'harpant, krentzlein, scapel,
sertum' (
vgl. Nib. 1594, 2. 3),
das alte bant
war eben alles was bindet.
ein nachkomme dieses houbetbant
ist denn der oberpf. bendel
als brautkrone sp. 2356,
wie das gebende
das. bei Purgoldt. II@1@b@bβ)
noch andere benennungen der dornenkrone begegnen über see: ags. þyrnen beág Grein 1, 104,
nordhumbr. ðyrnen bêg
Marc. 15, 17, bêg of ðornum
Matth. 27, 29,
d. i. ahd. pouc,
mhd. bouc;
aber beág
ist wieder auch corona Ettm. 301, beágian
übersetzt coronare
ps. 8, 6,
d. i. kränzen bildlich, im Beow. 1164,
wol auch 624,
erscheint beág
deutlich als diadem einer königin, heáfodbeáh
corona Ettm. 477,
sodasz wol auch das ags. wort den für die biblischen stellen nötigen doppelsinn kranz und krone enthielt. Eigen sieht aus þyrnenne helm
spineam coronam Marc. 15, 17, wundon cynehelm of þornum
Matth. 27, 29,
vgl. Joh. 19, 25,
und übereinstimmend altn. þyrnihialmr Fritzner 794
a,
vgl. ags. cynehelm
corona, diadema Grein 1, 179, cynehelmian
coronare Ettm. 405,
wonach der helm auch als königszeichen diente; dasz das auch z. b. fränkisch war, zeigt die galea
statt der krone bei Waitz
verfass. 3, 214;
aber vielleicht war ein umgelegter kranz dabei (
vgl. ags. helm
von der baumkrone Grein 2, 32),
sodasz jenes genau ein königshelm mit dornenkranz wäre. wirklich trugen fürsten einen kranz um den hut, noch im 15.
jh. bei rechtshandlungen die sich auf die fürstenhoheit bezogen (
RA. 148. 242), hut
und helm
waren aber begrifflich, z. b. im rechtsgebrauch eins, oft auch stofflich (îsenhuot
helm).
auch mit dem goth. vaips, vipja
musz es notwendig eine ähnliche bewandtnis haben. Das angeführte zeigt, dasz bei den Angelsachsen corona
noch nicht fusz gefaszt hatte, wie noch später nicht bei den Scandinaviern (
doch vgl. später altn. þyrnikrûna
unter I, 2,
d),
dasz aber dem vom germ. süden vordringenden corona
doch in sache und sitte etwas entsprechendes germanisches die hand bot, wie dem sceptrum
auch. die fürstenkrone des mittelalters ist glaub ich eine verschmelzung der röm. corona
mit dem germ. fürstenkranze. II@1@b@gγ)
wie nämlich ahd. cranz
kurzweg als glosse für diadema, corona
erscheint (Graff 4, 614),
so zeigt die fürstenkrone deutlich kranzform, wobei nur nicht an einen künstlichen, nicht einmal an einen geflochtenen kranz zu denken ist, da schon ein vom baume '
gebrochenes' rîs
um haupt oder helm gebunden zum kranz
genügte (
s.kranz II, 2,
a).
nach Krünitz 53, 646
besteht die krone zunächst aus einem breiten reife, dessen oberer rand bei königen anstatt der ehemaligen zacken mit blättern versehen ist,
vgl. s. 670
zinken und blätter wechselnd; auch die alte kaiserliche kronen bestanden in einem reife, der einige zinken mit perlen oder kleeblätter hatte 647;
ältere proben aus dem 11.
jh. s. z. b. bei H. Weisz
kostümkunde (1864)
s. 532
fg., schon die langobardische krone s. 496
zeigt zwischen zinken ein solches blatt (
s. auch die kronen heiliger frauen s. 498),
und zwar schon in derselben form, zu der die lorbeerblätter des römischen kaiserkranzes das vorbild nicht geben konnten, einem kleeblatte am ähnlichsten, allenfalls einem eichenblatte. II@1@b@dδ)
die weitere aufklärung ist von Karls d. gr. kaiserkrönung rückwärts zu suchen, die auf jeden fall den gebrauch der kronen auch bei den fürsten überhaupt wesentlich beeinfluszte, besonders auch den des wortes corona.
ein diadema
legte schon Chlodwig an, als er vom byzant. kaiser den titel eines consuls erhielt, et ab ea die tanquam consul et augustus est vocitatus.
Greg. von Tours 2, 38 (Waitz
verfass. 2, 50. 120),
womit denn die germ. königswürde römische färbung, und wenn das augustus
streng zu nehmen ist, selbst schon etwas römisch kaiserliches annahm, womit selbst das corona
für die fränk. krone vor Karl zusammenhängen könnte. ob es nicht schon gothische königskronen gab? vgl. die westgoth. kronen von Guarrazar sp. 1696,
die allerdings weihgeschenke sind. schon im 2.
jahrh. und noch früher wurden von Rom aus germanische könige eingesetzt (Dahn
die könige der Germ. 1, 113. 110),
doch wol mittels der insignien, des diadema,
wie schon Nero mittels eines solchen eine königskrönung vornahm an einem rex Armeniae: dein precanti, tiara deducta, diadema imposuit.
Suet. Nero 13,
feierlich auf dem forum, unter knien des königs vor dem kaiser. aber auch biblische einflüsse sind im spiele (
wie die salbung durch den bischof auf Sauls salbung durch Samuel beruht 1 Sam. 10, 1,
vgl. 12, 1),
z. b. die stelle 2 Sam. 12, 30,
die u. a. Abr. Hossmann
von kayserlicher wahl u. krönung Leipz. 1612
an die spitze seiner gelehrten arbeit stellt. II@1@cc)
erwähnenswert ist auch eine erklärung aus der heraldischen gelehrsamkeit des 18.
jh.; J. v. Besser,
zugleich hofpoet und oberceremonienmeister in Berlin, stellt auf, schriften Lpz. 1732
s. 508: Apollons crone ist nach den 12 monaten des jahres oder den 12 himmels-zeichen aus 12 in die höh stehenden sonnenstrahlen bestanden, und nach diesem model der 12 sonnenstrahlen haben die alten könige ihre ersten cronen gebildet ... als welche bis auf die zeiten, da man solche nach dem exempel der kayserlichen zu schlieszen angefangen, mehrentheils alle oben offen und rund herum mit 12 aufgereckten zacken oder in die höh stehenden spitzen erfunden werden.
gemeint ist die strahlenkrone der römischen kaiser, die urspr. ein götterkranz ist (
s. a, α),
zuerst auch nur den gestorbenen, vergötterten kaisern zustand auf ihren götterbildern (Marquardt
röm. alt. 4, 501);
ob nicht wirklich die zacken der neueren kronen (
s. b, γ)
eine wenn auch unbewuszte fortsetzung jener götterstrahlen sind? geht doch auch der kaiser- und königstitel dominus (Waitz
verfass. im reg.),
soweit er nachahmung des römischen kaisertitels dominus
ist, auf angenommene göttlichkeit zurück (Marquardt 2
3, 304),
wie der titel optimus maximus
z. b. Widukind 1, 9. 41. 2, 1. 36
auf des römischen Jupiter gottestitel. ähnlich ist übrigens die brautkrone mit zwölf sternen unter I, 2,
b in ihrer anknüpfung an die himmlische krone der Maria. II@22)
Verschiedene arten der kronen. II@2@aa)
die kaiserliche krone, kaiserkrone: nach disem erwelten die churfürsten grave Hainrichen von Lutzelburg an das reich, der hollet die kaiserlichen crona (
so) mit gewalt zu Rom.
Zimm. chron. 1, 160.
dem kaiser wurde aber auch eine dreifache krone
beigelegt: herr kaiser, ergebend üch darin, dan es muosz hie nun danzet sin. druoget ir noch einest (
einmal) ein drifach kronen, dennoch wirt üch der todt nit verschonen.
N. Manuels
todtentanz, bei Grüneisen 329; wie auch den getriplierten cronen in beedem caesarischen sitz. Weckherlin 352 (
od. 1, 1),
d. h. auszer der kaiserlichen die königliche und die lombardische, oder wie man lieber sagte, die goldene, die silberne
und die eiserne krone,
s. Krünitz 53, 701
und Ducange
s. v. corona imperialis, argentea, ferrea.
Übrigens hatten die deutschen kaiser auszer der reichskrone
Karls d. gr. noch eine hauskrone;
auch eine kaiserliche infelkrone, infulkrone
kommt vor, letzteres eine krone mit einer inful oder mitra nach art der bischöflichen vereinigt, s. Krünitz 53, 669. 667.
eine solche hauskrone (
s. Krünitz 53, 741. 751),
persönl. eigenthum des königs oder kaisers, ist schon die, welche könig Ruprecht in seinem testament zu verkaufen befiehlt (Janssen
Frankf. reichscorr. 1, 803),
die welche Friedrich III. sich 1440
in Nürnberg fertigen liesz (
s. u. kleinod II, 3,
d). II@2@bb)
unter der königlichen krone
und selbst unter dem hut
der herzöge, fürsten, kurfürsten gibt es oder gab es auch eine grafenkrone (Frisch 1, 178
a), fürstliche und gräfliche wapenkrone Ludwig 1075,
selbst eine freiherrenkrone,
beides nur reife mit perlen (
diademe),
s. Krünitz 53, 684,
wo auch aus dem gebrauch des französischen adels dücskrone, marquisenkrone, vicomteskrone
angeführt, beschrieben, abgebildet sind; sie hatten und haben mehr oder nur heraldischen oder abstract staatsrechtlichen wert, wie freilich das ganze kronenwesen überhaupt in der neueren entwicklung immer mehr. schon im 16.
jh. erscheint die grafenkrone
als wesentlich heraldisch: das zaigt an bemelts graf Albrechts schilt und helm, darin .. ain guldine crona auf dem helm zu befinden.
Zimm. chron. 1, 112;
vgl.gekrönter helm
unter krönen 2,
c. bei Krünitz 683
auch erzherzogliche krone (
östreich.), 684
eine groszherzogliche (
florent.),
diese mit zinken, die wechselweise ein kleeblatt tragen. II@2@cc)
nach der form unterscheidet man hauptsächlich die geschlossene krone,
couronne fermée, von der offenen krone,
couronne ouverte (Krünitz 646),
jene mit bügeln über der eigentlichen krone, dem alten reife, wie ursprünglich nur die kaiserkrone (
die aber nur éinen bügel hatte, s. schon aus dem 11.
jh. bei Weisz
kostümkunde 532,
aus dem 9.
jh. 518),
später und jetzt aber auch die königlichen, die nun einmal jener möglichst nachstrebten; offene krone, '
die von andern souverains, welche nicht den königlichen titel führen, getragen wird' Krünitz 647.
von jenem bügel musz der name Kronbiegel, Krombiegel, Krumbiegel
stammen, merkwürdig genug. II@2@dd)
es gab aber auch geistliche kronen,
vor allen die päpstliche krone, die dreifache krone
genannt, corona triplex pontificis Romani, weil sie aus einer tiara besteht, die umgeben ist von drei über einander stehenden königskronen in alter form (
mit zinken die abwechselnd blätter tragen),
zudem mit einem reichsapfel auf der spitze;
die bedeutung von dem allen spricht sich aus in dem namen regnum mundi
den sie auch führt (Krünitz 681);
diesz dreifache krone
kreuzt sich denn mit der kaiserlichen dreifachen krone
unter a, von der sie veranlaszt sein wird, vgl. den pabst als könig aller könige
sp. 1696
mitte; der babst itz renoviren wil sein hoch dreifache krone. Soltau 2, 284,
ende 16. jh. Auch die mitra der bischöfe ward krone
genannt, bischofkrone
infula Dief. 298
a,
tiara en biscopes crone 582
b, bischofkron
nov. gl. 364
a; es were dem bapst gnug ein gemeine bischoffkron, mit kunst und heilikeit solt er gröszer sein fur andern und die kron der hoffart dem endtchrist laszen. Luther
an den adel C 3
b; chorkappen, infuln, bischofkronen. Fischart
bien. 1588 55
a.
vgl. infel unde krône, krône unde staf (
stab)
als abzeichen bischöflicher würde Frisch 1, 177
c. 178
a. II@2@ee)
selbst gott im himmel
trug eine krone
als himelkeiser, keiser aller künige
u. ä. (
sp. 39),
als himelkünic, könig aller könige, könig der heiligen
u. a. (
sp. 1696);
ein spruch gegen zauberei beginnt: ich brich euch, edle kreuter schon, durch des himelischen vatters kron. Mones
anz. 6, 460, krone
zugleich für macht, obergewalt. ebenso gottes mutter und braut, die jungfrau Maria, sie heiszt ja auch himelkünigîn, königin des himmels und kaiserin der welt
u. ä., von gott gekrönt (
sp. 1702. 41),
von ihrer krone,
zugleich kranz der keuschen jungfrau, s. I, 2,
b. sie trägt der engel krone: salve regina, künegîn Maria ... du treist der engel krône.
altd. bl. 1, 78,
d. h. die himmlischen heerscharen sind ihre unmittelbaren unterthanen; sie heiszt aber auch selber engelkrône Frauenlob 289, 6,
wol in dem sinne wie krone I, 4,
a, β.
die engel selber trugen übrigens auch kronen, so noch in weihnachtsspielen: engel Gabriel in weiszem kleide, das haar gepudert, eine krone auf dem kopfe, von der ein schleier herabhängt. Haupt 6, 344.
ja die heiligen: dyadem, ein kron der geystlichen (
d. h. seligen christen) oder der heyligen, dyadema.
voc. 1482 e 8
a.
vgl. die krone
der märtyrer, auch der teufel u. I, 3,
e. II@33)
Weiteres von der krone
überhaupt. II@3@aa)
der könig (
kaiser) trägt die krone: erreichen wolltest du das höchste ziel der sterblichen und eine krone tragen. Schiller 668
a,
was doch für unsere zeit so gut wie zur redensart geworden ist, da auch krönungen aufzuhören angefangen haben (
vgl. kronenträger);
mhd. gern ohne art., z. b.: der künic sich leite sterbens nider, dô truoc si krône über zwei lant.
Parz. 494, 29,
ward königin zweier länder; aber auch mit art.: eʒ gienc, eins tages dâ unser hêrre wart geborn (
weihn. 1199) ... ze Megedeburc der künic Philippes schône ... er truoc des rîches zepter und die krône. Walther 19, 10.
Von der krönung heiszt es: und er lies des königs son erfür komen und setzet im eine kron auf.
2 kön. 11, 12 (
vulg. posuit super eum diadema),
vgl. 2 chron. 23, 11,
wo noch die salbung hinzutritt; und führe deines herren sohn nach Reims und krön ihn mit der königlichen krone. Schiller 459
a (
jungfr. v. Orl. 1, 10); so glücklich bin ich nicht, dasz ich dem manne, der mir vor allen theuer ist, die krone aufsetzen kann. 424
a (
Maria St. 2, 9),
wie imponere coronam, diadema 1,
a, γ.
b, δ zuletzt, jenes sagt aber die königin Elisabeth von graf Leicester. Von der deutschen reichskrone ist in Göthes
schilderung der krönung i. j. 1763
die rede: sie (
Gretchen) machte einige scherzhafte anmerkungen, als sie erfuhr, dasz man gewänder und krone dem jungen könig anprobiert habe. 24, 312 (
die sog. ornatprobe Krünitz 53, 743); krone und schwert. 316; krone, scepter und reichsapfel 322; die krone, welche man sehr hatte füttern müssen, stand wie ein übergreifendes dach vom kopf ab.
das. (krone
auf dem kais. staatswagen s. 305). II@3@bb)
erinnerung verdient aber dabei, dasz eigentlich nicht der könig allein und die königin, sondern ebenso alle königssöhne und königstöchter kronen trugen, so wie ihnen allen urspr. der name könig, königin
zukommt (
s. darüber könig II, 3);
königstöchter z. b. mit krône
mhd. s. u. I, 1,
a, noch i. j. 1791
sind bei Krünitz 53, 684 die kronen der königl. französischen prinzen
angeführt und abgebildet, sie sind wie die königliche selbst, nur bei einigen mit blättern zwischen den lilien und bei allen ohne bogen (
bügel), die krone des dauphins ausgenommen, welche durch zwei bogen .. geschlossen ist.
danach war denn ein unterschied zwischen krone
und krone,
der gleichsam angeborenen, und der mit welcher durch die krönung die königswürde gewonnen ward; aber schon vor der krönung trug
also ein könig (
königssohn)
eine krone. II@3@cc)
nach dem alten ausdrucke erscheint, geht, steht, richtet u. s. w. der könig under krône (
mhd. wb. 1, 886
b, 48),
wie der krieger under helme,
die jungfrau under kranze
geht: rüst euch! es kumt unter seiner kron der reich und weis konig Salomon.
fastn. sp. 523, 6; der künig wil under seiner küniklichen kron das clainet (
siegespreis) verschenken aus sein selbes hant. 762, 25.
Aber auch in der krone,
diese also wie ein kleidungsstück gedacht: darnach krönt man in .. und er reit in der kron unz in sein herberg wider hernider.
Nürnb. chron. 1, 400; schawet an, ir töchter Zion, den könig Salomo in der krone, damit in seine mutter gekrönet hat.
hoh. lied 3, 11,
vulg. in diademate,
vgl. in fascibus et corona
unter 1,
a, γ. II@3@dd)
aber unter der krone
war auch ein königlicher diener, Eberh. Windeck
sagt von sich, zur beglaubigung seiner mittheilungen, er sei 40
jahre lang in dem hofe czu Beheim, czu Ungern und under der cronen czu Prage
gewesen (
abh. der kön. sächs. ges. der wiss. 3, 159),
d. h. in königlichen diensten. das ist wie unter dem krummstabe, unter dem scepter,
und gewiss galt auch unter der krone
von den '
unterthanen',
die damit als untergeben und geschützt zugleich vorgestellt sind, die krone aber wie über dem ganzen lande schwebend, vgl. 5,
a. II@3@ee)
die krone vertritt als sichtbares zeichen die würde und macht des königthums: daʒ rede ich bî der krônen mîn, sprach der keiser rîche. Berthold
Crane 1756, der künig (
von Frankreich) unverdrossen spricht das by siner kron: er lobt die frommen eidgnoszen, das sy thuond by im ston. Körner
hist. volksl. 164, Liliencr. 4, 252
a.
daher allerlei wendungen mit krone
statt königsgewalt und würde: warumb wolten (
sollten wollen) die zwen Pii .. nicht auch unterstehn, bei den potentaten die gewaltsame execution des .. tridentischen concilii statlich ins werk zu pringen, und sie tapfer wider die evangelischen zuverhetzen? dieweil man (
d. h. die evangelischen) doch inen auch an die kron will greifen? Fischart
bien. 1588 144
a,
vgl. übrigens einem an die krone greifen I, 1,
d a. e.; wir haben einen frieden gemacht, der unser kron nicht reputirlich ist. Schuppius 376,
was doch schon in 4
übergeht. die dichter halten die volle vorstellung der krone
fester: an der krone funkeln die perlen nur, und freilich nicht die wunden, mit denen sie errungen ward. Schiller ...; die krone zitterte auf eurem haupt. 472
a; die krone ist von deinem haupt gefallen, du hast nichts mehr von irdscher majestät. 429
b; die krone fühl ich wieder auf dem haupt, den würdgen stolz in meiner edlen seele. 441
b,
Maria Stuart vor ihrem todesgange; da kündigte mir euer ohm, der stolze herschwüthge priester, der die freche hand nach allen kronen streckt, die fehde an, bethörte euch, mein wappen anzunehmen, euch meine königstitel zuzueignen. 428
a. II@44)
Daher krone
für königthum (
kaiserthum). II@4@aa)
z. b. wo sichs um die thronfolge handelt: das sin (
Friedrichs III.) sun Maximilion by (
neben) im kem an die römsche kron. Lenz
Schwabenkr. 10
a,
zum römischen könig gewählt wurde; zur krone gelangen Adelung,
bei Frisch zur cron g.; das recht zur krone war nicht erblich, und doch hätte ein längeres leben seines vaters .. die hoffnung zur krone gesichert. Göthe 19, 73; und hast du dir aus strömen feindesbluts die angestammte krone kühn erobert ... Schiller 453
b; es hat auch schweisz und blut genug gekostet, bis dasz die krone kam aufs rechte haupt. 476
a; o du armer winterkönig, was hastu gethon, dasz du so gar widerspännig dem kaiser nimmst die kron .... lasz fahren diese kron. Opel
u. Cohn
dreiszigj. krieg 61,
die böhmische königskrone, zugleich das reich, das land (
s. u. 5),
dasz aber die krone
dabei vorgestellt ist, zeigt folg.: es ist ein junger man, der nicht betrachtet hat vorhin die schwere last der kron. 64. II@4@bb)
und so in allerlei wendungen sonst, schon mhd.: zwelf rîcher krône sult ir gewaltic sî
n. Nib. 1175, 2; daʒ lant und ouch diu krône sî iu undertâ
n. 1015, 3,
das land und die königliche gewalt, vgl. Crane 1789. 2246,
ebend. 'krône, liute und lant' 1856,
wo mittels aufgesetzter krone (
zwischen fürst und fürst, ohne geistliche dazwischenkunft) '
leute und land'
vergeben werden, vgl. 1938
ff., denn in der krone ruhte die königliche gewalt, was folg. wendung recht deutlich macht: nu wart dar de crône brâht, de des landes hete gewalt. Berthold
Darifant 42,
zum behuf der krönung, einsetzung in die königliche gewalt, sie heiszt daher die crône to Torkîs,
wie es könig zu T.
hiesz (
vgl. unter 5,
b).
nhd.: du hast mit eines andern volks (mir unbekanten) cron gleichfalls mein haupt beschönet. Weckherlin 72; wenn unrecht gut an dieser krone hafte. Schiller 458
b; erneuert ist der glanz der alten krone. 474
a; sie wollen uns am thore von Reims noch um die krone kämpfen lassen. 471
a; und eher will ichs (
das königliche blut) tropfenweis verspritzen, als meinem recht entsagen und der krone. 663
b. II@4@cc)
daher krone und kirche,
königthum und kirchenthum: nû sehet, wie diu krône lige und wie diu kirche stê! Walther 83, 26.
auch blate und krône,
geistlichkeit und fürsten: blate und krône wellent muotwillic sî
n. minnes. frühl. 308,
MS. 1, 80
b,
persönlich wie u. 5,
e, blate
von dem geschorenen scheitel der geistlichen, der übrigens selbst auch krone
hiesz (III, 6). II@55)
Aber noch weiter greift der kreis dieser bildlichen verwendung von krone. II@5@aa)
die vorstellung des landes, reiches selbst tritt ein: wann ein küng on runzeln wird uf stan am end (
an der gränze) der kronen Frankenreich. Gengenbach
Nollhart 739; ja es gezimmet mir, mein kron stetigs zu haufen und zu mehrn. H. Sachs 2, 2, 65
d,
worte des königs Alexander; wach auf, du heiligs reiche, und schaw den jamer an, wie der Türk grausamleiche verwst die ungrisch kron. Körners
hist. volksl. 143.
Der dichterische ausdruck hält auch bei dieser bedeutung die sinnliche vorstellung der krone
fest: man sah manch frembdes volk mit wunder eingenommen, dasz sie in meinen schutz, als eine frembde blum an meine cron gekommen. Weckherlin 72 (
ps. 18, 78); das grosze unternehmen (
der befreiung der Niederlande), das der spanischen krone sieben ihrer edelsten steine entrissen hat. Schiller 797
a,
sieben provinzen. Dasz aber auch die völlige vorstellung des landes selbst eintrat, zeigt die praep. in
dabei: in diesem biechly wirt .. anzeigt .. wie vil erzbistum, bistum, herzogtum, grafschaften in der edlen cron zuo Frankrych erfunden .. werden.
Basel 1536,
aus dem franz. (Zarnckes
Brant s. cxvii).
in eignem wortspiel mit der bed. unter e (
s. dort α a. e.): manig guot schlosz hat die crone (
der könig) in der cronen von Frankenrych, da sie wol mag ergetzen sich. Büheler
königst. v. Frankr. 7807. II@5@bb)
früher hiesz es da meist die krone zu Frankreich,
entsprechend dem könig zu Fr. (
aber auch die wirkliche krone
hiesz die krone zu Fr.,
s. u. 4,
b): solich keczerey in Behem .. uszzurutten ... der heiligen kirchen und kristenheit zu nucz, dem heiligen romischen riche zu ufwachsung und der cron zu Behem, die ein merklichs gelide .. des heiligen richs ist, (zu?) widerbringung.
erlasz kön. Sigmunds v. j. 1426, Janssen
Frankfurts reichscorr. 1, 346,
das erste in Behem
meint das land schlechthin, in seiner ausdehnung, die zweite wendung das land in seiner verfassung, als reichsstand; dar qwomen ouch alle herrn unde graven, ritter unde knechte, die zu der kronen zu Behemen gehorten. Rothe
thür. chron. cap. 575,
ebenso: Böhmen als '
staat' (
dieser lat.-franz. ausdruck ist von weit späterer entstehung, vgl. z. b. kirchenstaat);
noch bei Schiller,
im Demetrius: ich mache einspruch gegen diesz verfahren und gegen alles, was draus folgt, zuwider dem frieden Polens mit der kron zu Moskau. 661
b,
man brauchte Moskau
früher auch für das land, sodasz mit der krone Moskau
wol sagbar war. Man liesz nämlich vom 16.
jh. an das zu (
oder von)
auch weg: o edle küngin, sag mir an, wie es der kron Frankreich söll gan, die jetz lang zeit hat zuo genommen, vil groszer land ouch überkummen. Gengenbach
Nollhart 668,
s. 95
Göd.; und hab ich von ihren feinden .. gehöret, wie sie gegen die kron Frankreich gekriegt. Kirchhof
wendunmut 3, 106
Öst.; was sie (
die Schweizer), unerachtet sie sich vor neutral ausgäben, vor ein heimliches commerce mit der krone Frankreich trieben und ihr vor geld mit allerlei kriegs-nothwendigkeiten an die hand giengen.
Pasquini staatsphant. (1697) 237; das aber Lechus ein solch grosz land beherschet habe, als jetzund die kron Polen und das königreich Böhmen in sich begreifen .. Micrälius
altes Pommern 2, 159; weil Schweden mit der krone Pohlen in einen krieg verwickelt wurde. Gellert
schwed. gräfin (1750) 32,
woraus dann in weiterer kürzung Polen
schlechthin wird. auch so: so wird diese cron auf künftiges jhar eines Türkenkrieges auch schwerlich geübrigt sein. Opitz
briefl., bei Krause, erzschrein der fruchtbr. ges. 123. die drei kronen,
d. i. Schweden (
mit drei kronen im wappen): der dreien kronen kraft durchdringet flut und wind. J. Grob
aufschriften 1, 130 (Gödeke
eilf b. d. d. 1, 459
a). II@5@cc)
also krone
gleich reich (
vgl. e, γ)
oder nach jetziger art zu reden staat,
aber in der fassung der aus dem mittelalter überlieferten gedanken: das land in seiner verfassung und gliederung als lebendiges ganze, anschaulich vorgestellt im könig, aber nicht im könig als person, sondern als gebornem oder gekornem '
träger'
der vererbenden krone, als glänzender spitze der versammelt gedachten landstände ('
staaten'),
wie man sie in ihrer abstufung und in ihrem feierlichen '
staate',
als '
hofstaat',
z. b. bei der erbhuldigung vor sich sah;
wie ist dem gegenüber unser staat
ohne anschaulichen inhalt. Diesz krone
gilt theilweis bis in die gegenwart herein: der könig steht im festlichem ornat, versammelt sind die pairs, die mächtigen der krone, die insignien zu tragen. Schiller 475
a (
jungfr. v. O. 4, 2); und um ihn die groszen der krone. 70
a (
handschuh); mein gemahl hatte sein baares vermögen der krone vorgestreckt. Gellert
schwed. gräfin (1750) 36,
was zugleich u. d zu bringen wäre; die güter sind der krone anheim gefallen (
als erledigte lehen). Adelung; jeder krieg zwischen den hanseestädten und den nordischen kronen .. Möser
phant. 1, 65; nur Schweden hat dieses jahr den entschlusz fassen können, einen eignen commissair nach Riga zu schicken, durch denselben alle tonnen, welche für dieses reich geladen werden, zeichnen und darauf ein verbot zu erlassen, dasz kein andrer same, als welcher von dem commissair der krone gestempelt, ins reich zugelassen werden solle. 59,
dem staatscommissair
würden wir sagen (
aber Möser
spricht auch schon viel vom staate).
alles was dem fürsten im namen des landes diente, diente der krone (
auch war unter der krone,
s. 3,
d),
daher kronbedienter, kronbeamter, kronfeldherr,
wol unterschieden von hofbeamter
u. dgl.; alles was dem fürsten in diesem sinne gehörte, gehörte der krone,
daher kronschatz, krondiamanten, kronland, krongut
u. a. II@5@dd)
der alte begriff tritt recht deutlich in folg. heraus; der dichter der heil. Elisabeth erzählt von kaiser Friedrichs des zweiten kreuzfahrt: dâ hatte keiser Friderich von Rôme in grôʒen êren sich (
dat.) ûf gesezzet (
vorgesetzt) schône, mit des rîches chrône über mer zu varene, daʒ rîche zu bewarene. 4126,
nicht: mit der kaiserkrone auf dem haupte oder im sacke, sondern mit der heeresmacht des reiches musz der sinn sein, die reichsmacht in ihrer lehenpflichtigen gliederung gedacht, die herren unde graven, ritter unde knechte
u. s. w. die zu der krone gehorten (
als '
hörige'),
um mit J. Rothe
unter b zu reden. darin erscheint denn die krone
als '
staat'
dem kaiser gegenüber und von ihm gesondert, und wenn sich der begriff von krone
im folg. gerade umgekehrt zeigt, so entspringt der scheinbare widerspruch aus der sache, die darin mit ihren zwei seiten aufgefaszt ist; es ist ebenso mit jenem gehören (
das aus diesem staatsrechtlichen gebrauche sich herausgebildet hat),
die herren
u. s. w. die zur krone gehören,
stehn ihr theils gegenüber als unterthanen, theils bilden sie selber die krone
in dem hier besprochenen sinne, und beides drückt eben gehören
aus. II@5@ee) krone
galt nämlich auch vom könig (
kaiser)
selber. II@5@e@aα)
auch das schon mhd.: daʒ junge hovegesinde daʒ lief engegen dem kinde und condewierde eʒ schône under armen (
zwischen sich am arme) vür die krône.
Tristan 3328 (85, 10),
Tristan vor könig Marken, und zwar nicht bei feierlichem hofe, sondern am schlusse einer jagd, sodasz die wendung schon übertragen erscheint und weit älter sein musz; er drabte ouch eine schône mit einem leithunde, er fuor gelîch der krône.
jüng. Tit. 1284, 2,
kam daher wie der könig selber, ganz königlich, es ist aber auch im walde, nicht bei hofe, wie im folg.: si nigen ieweder (
utrique) chrône und sprâchen dugentlîche: got danke iuch, künic rîche, und iuch, hêre künegî
n. heil. Elis. 398,
bei einem feierlichen empfange, also auch von der königin, die ja nach den alten begriffen die königsgewalt vollständig theilte (
s. Zachers
zeitschr. 1, 268,
vgl. Haupts
zeitschr. 14, 267).
in der merkwürdigen stelle aus dem Büheler
unter a zuletzt wird mit die crone
nicht der könig allein gemeint sein, sondern die prinzen und prinzessinnen eingeschlossen, also krone
gleich königliches haus. II@5@e@bβ)
auch nhd. noch bis ins 17.
jh., ja länger: so wil ich mir nit grausen lon (
lassen), sprach sich die keiserliche kron. Liliencron
hist. volksl. 4, 583. 353
b,
nachtr. s. 83. 75; zuo singen wil ichs fahen an zuo lob der kaiserlichen kron (
Karl V.), dem landgrafen zuo laide. 4, 353
a; zuo morgen huob er zuo schieszen an wol über die kaiserlichen kron, mit kartaunen und mit schlangen.
das., hier vom kaiser und seinem heere zugleich, das mit jenem als eins vorgestellt wird, vielleicht auch im folg.; frisch auf, ihr reitersknaben ... lat ewre rösslein traben mit kaiserlicher kron. Körners
hist. volksl. 145, Liliencr. 4, 52
a; daher die cimbrisch starke cron (
der dänische könig) wolt sich (zu deiner tugent lohn und ihrem preis) umbsunst bemühen, dich deinem könig zu entziehen. Weckherlin 377 (
od. 1, 7).
noch im 18.
jh. in gewissen wendungen, z. b.: keine krone wegerte sich die ambassiadores dieser deutschen kaufleute zu empfangen und dergleichen an sie abzuschicken. Möser
phant. (1778) 1, 259,
der könig als vertreter des reiches, s. auch die stelle Gellerts
unter c. auch in kronvasall
ist der begriff noch, von rechten der krone
ist noch in vollem ernste der gegenwart, in dem kampfe zwischen dem alten und dem neuen unfertigen staatsbegriffe viel die rede, rechten des königs, aber zugleich des königshauses, in seiner alten bedeutung als kopf des lebendigen reichskörpers (
vgl.körper 5,
a). II@5@e@gγ)
so fällt denn krone
völlig zusammen mit dem mhd. daʒ rîche,
gleich: der kaiser oder könig (
wb. 2
1, 693
a,
s. dazu J. Grimms
kl. schr. 1, 336),
lat. imperium
schon im 10.
jh., wie im 12. (
cod. dipl. Sax. II, 1, 62).
beide benennungen und vorstellungen ergänzen und beleuchten einander: daʒ rîche
eig. der '
staat'
in seiner vertretung durch die lehenträger, fürsten und herren und stände oder ähnlich (
vgl. Heyne
Beowulf s. 88 2.
ausg.),
aber in dem könig als seiner spitze gipfelnd; die krone
eig. diese spitze selbst, oder genauer die spitze der spitze, aber nicht ohne das gebäude von lehen und land als seine notwendige unterlage. wie aber die krone
auch für das reich wie die unterthanen selbst gesagt wurde (
c. d),
so umgekehrt das reich
auch für dessen haupt. jenes kann man ansehen als eine kürzung von dem die enden des ganzen zusammenfassenden lant unde krône (
s. 4,
b),
wie dieses als eine kürzung von kaiser und reich;
aber die hauptsache dabei ist gerade die verwechselung die bei der begriffsvertretung vorgenommen ist, denn sie spricht uns den kern des ganzen aus: die untrennbare lebendige einheit, in der unser alter —
staat von der zeit angeschaut, empfunden, gemeint war. IIIIII. Krone
in weiterer verwendung. III@11) krone
von münzen, coronatus (
scil. aureus),
mit einer krone beprägt: ei recht, ich bring ein gülden ring, in lieb ist wol acht kronen werth. H. Sachs 1, 146
b; die wyl ich kronen hab zuo geben, will ich noch Frankreich wol beheben (
d. i. behaupten, behaben). Gengenbach
Nollhart 727,
s. 96
Göd., der könig von Frankreich sagt es, vgl. kronenfresser; als bald dan eim also gelingt, das er zuo hus vil kronen bringt, man fragt nit wie ers gwunnen hab.
ders. die X
alter 434,
s. 65; christen bluot thuon ich vergieszen ... uf das ich nun (
d. i. nur) vil kronen bring. 446,
von landsknechtsold und beute; und sagen von kriegen, wie sie vil cronen darvon hond bracht. Keisersberg
sünd. d. m. 56
b; ducaten, rosenobel ... sonnenkronen. Fischart
groszm. 130 (escus au soleil Rabelais); sie liebt was creuzer giebt und haszt was cronen schenket. A. Gryphius 1, 154; raffen herbei in eile taufpfennige, bräutigamsthaler, schimmliche kronen und öre
u. s. w. Voss
die leibeigenen 35.
Es hieszen hauptsächlich goldmünzen so, goldkronen,
doch gab es auch silberkronen, silberne kronen Aler 1245
a,
z. b. nach der Frankfurter taxordnung von 1623
war die welsche crone 2 fl., spanische und französische crone 2 fl. 4 kr., silberkrone 1 fl. 44 kr.;
angaben von gewicht und wert aus Hamburg v. j. 1587
s. im anz. des germ. mus. 1860
sp. 167, englische krone
spalte 206, sonnenkrone, italienische krone, doppelte krone, alte
und neue krone 245
fg., es kommen nur ausländische kronen
vor; s. auch die eingehenden angaben bei Frisch 1, 178
a, Krünitz 53, 689
ff., nach dem coronati
schon im 13.
jh. vorkommen. aus der Schweiz noch bei Stalder 2, 134 (
s. z. b. krönlein 2,
d),
aber nur als '
ideale geldsorte',
von verschiednem werte. III@22) krone
für kronleuchter,
d. h. in form einer krone, der gebrauch wird aus königlicher hauseinrichtung stammen, durch das gesetz der nachahmung bis auf dorftanzböden gekommen. so mhd. krône
in königlichen palästen Parz. 638, 9. 229, 24; ein krône was gehenket drîn, dâ kerzen ûfe brunnen, diu gleiʒ gelîch der sunnen von glanzen margarîten.
troj. kr. 17532. Frisch 1, 178
a kennt es als '
groszen hangleuchter in den kirchen, der gleichsam mit lichtern gekrönet',
er citiert Rethmaier
braunschweigische kirchenchr. 3, 184: sie nahmen in der kirche die lichter von den kronen;
man mochte bei diesen kirchenkronen an die krone des ewigen lebens denken (I, 3,
e).
nd. krôn
bei Dähnert 256
b als '
das hanggerüst zu vielen lichtern in kirchen und groszen zimmern',
daher bei Norddeutschen: von der decke risz er die leuchtende krone, von häufigen kerzen umschimmert. Voss
Ov. 2, 257.
auch nl. kroonen in de kerk, kerkkroonen
pl., lustre .. qui est fait en forme de couronne Halma 349
a;
schwed. ljuskrona (
lichtkrone),
dän. lysekrone. III@33)
ähnliches ursprungs musz die krone
sein als abzeichen von gasthäusern, wie man sie z. b. am Oberrhein, im Vorarlberg in völliger kronenform goldig hauszen hängen sieht. daher die krone
kurz für ein solches gasthaus: in Göttingen bei der krone eingekehrt. Göthe 31, 96,
gewöhnlich in der krone.
dazu kronenwirt (
z. b. Felder
sonderl. 1, 56), kronenwirtin
u. dgl. auch gasthäuser zu den drei kronen. III@44)
im bauwesen u. ä., vgl. kranz 12,
d. III@4@aa)
beim gewölbe, des gewelbes krône
Kolmarer meisterl. 190, 12,
wol der schluszstein, wie engl. the crown of an arch,
kranz- oder kronenartig; man denkt dabei an die krönung des gebäudes. III@4@bb) krone
eines thurmes: ich erstieg .. den höchsten gipfel des münsterthurms (
in Straszburg) und sasz ganz allein in dem sogenannten hals, unter dem knopf oder der krone, wie mans nennt. Göthe 25, 252. krone
an pfeilern, wie kranz. III@4@cc)
manigfach sonst als zierat, bei bildhauern, tischlern u. ä., z. b. auf spiegeln, groszen stühlen, betten, schränken (Krünitz 53, 618
fg.),
z. b.: der mir kronen, welche man auf die kachelöfen in den stuben pflegt zu setzen, brennete und glasürete, und liesz damit die länder besetzen. das stunde sehr artig, hielte die länder zusammen und benahm ihnen nichts an ihrer fettigkeit. Schuppius 119.
schon lat. corona
kranzleiste u. ä. III@4@dd)
im festungswesen heiszt krone
der oberste rand der abdachung der brustwehr, auch das obere ende einer futtermauer; im eisenbahnbau der oberste rand des bahndammes, dazu kronenbreite
u. a.; im wasserbau der oberste rand eines wehres, die kappe,
auch kranz.
ähnlich schon lat. corona,
erhöhter rand der äcker. III@4@ee)
ähnlich wie b an der buchdruckerpresse das obere gesims (
s. Krünitz 53, 619),
beim bienenkorbe der obere theil (
das.); krone
der glocke: die theil einer glocken sind die ohren, die stirn, der schleier oder kron der glocken, der saum oder rand.
Garzoni schaupl. (1659) 660
a; das schlägt an die metallne krone, die es erbaulich weiter klingt. Schiller 77
b,
die glocke. III@55)
von körpertheilen an thieren und menschen. III@5@aa)
der voc. inc. teut. führt auf kron der honen (
var. hanen) oder hennen,
crista n 5
b, Dief. 158
c: ein gockelhan mit aufgereckter krone. Drollinger 104;
der hahnenkamm mit seinen zacken hat etwas kronenartiges, vgl. Hagedorn
unter kronengleich.
ist der hahn als könig
des hühnerhofes gedacht? wollte man doch an der bienenkönigin etwas wie eine krone auf dem haupte finden (Hossmann
von kais. wahl u. krönung s. 3),
vgl. das krönchen des zaunkönigs sp. 1700
unten. Ähnlich bei tauben, beim wiedehopfe: ich schenke dir zwei paar (
tauben) mit kronen auf dem kopf, am bauche weisz
u. s. w. Gellert 3, 466 (
das band sc. 7); (
der wiedehopf) die krone entfaltend. Göthe 5, 57. III@5@bb)
vom hirschgeweih, eine krone
hat der hirsch wenn er mehr als zwei enden oben auf einer stange hat (
mit zwei enden gabel),
vgl. übrigens unter kronengehörn: lieber weidmann, sag an, wobei sprichstu den edlen hirschen an? ... bei seiner edlen kron und bei seinem zerspaltnen fusz, darbei ein jeder jäger den edlen hirschen erkennen musz.
weim. jahrb. 3, 338; heut gieng zu holz der edle hirsch stolz und trug sein edle kron. 3, 353,
s. auch Uhland
Germ. 1, 11,
altd. wälder 3, 120
fg. auch engl. crown,
und nl., hier aber als geweih überhaupt, het hert (
hirsch) heeft zijne kroon afgestooten Weiland;
nach dem folg. ist das auch hd. zu vermuten. ist der hirsch eig. als könig des waldes gedacht? III@5@cc)
daher erklärt sich krone
gleich hörner,
die eine frau ihrem manne aufsetzt:
ein bedienter. wir wollen eins tanzen, und deine frau soll die ballkönigin sein.
Jobsen. ha, gälschnabel! willst du mir etwa die krone machen? Weisze
kom. opern 2, 21 (
die verwandelten weiber 1, 6).
auch nl.: zij zet haaren man eene schoone kroon op!
elle déchire la reputation de son mari. Halma 349
b,
wo es aber mit den redensarten u. I, 1,
d a. e. in verbindung gesetzt ist. nd. se ward em krönen,
wird ihm hörner aufsetzen Dähnert 256
a (
kein kroon
so),
vgl.krönen 3,
e, γ, Hagedorn
unter kronenscheu,
auch kronenträger 2. III@5@dd)
am pferdefusze, der mit haaren bewachsene theil über dem hufe oder um den huf herum, auch saum, preis (Krünitz 53, 617): der obertheil des fuszes wird die kron oder fuge genennt, oder die wurzel des horns oder huf. Uffenbach
rossbuch 1, 200; von den schrunden der huf, so die cron oder wurzel an ihrem vordertheil rings herumb einnemen. 2, 289. 297; ein gebrechen, so einem ross allein an den hinder füeszen oben zwischen der kronen und unden des preiss am huef ankompt. Seuter 275. krone
scheint da kranz, haarkranz zu sein. etwas anders, mehr anatomisch lautet die begriffsangabe bei Nemnich
wb. 332,
aber die nicht anatomische wird dem wirklichen ursprung näher stehn. vgl. mhd. cranz Mones
anz. 3, 176,
ebenso schon lat. corona. III@5@ee) krone
des zahns, der obere zackige theil: weil sie sich die cronen von den zähnen fast alle abgebissen, jedoch .. noch ziemlich keifen konte.
Felsenb. 3, 424.
bei Oken
naturg. 4, 31
aber der ganze obere theil im gegensatz zur wurzel. III@66)
die krone
der kath. priester, mlat. corona
platte (
vgl. unter II, 4,
c) Dief. 152
b, Graff 3, 249, corona clericalis: diu blatte heiʒet chrône, die sol er behuoten scône. chrône ist ime niht gebâre (
angemessen), erne sî rihtâre
u. s. w. Haupt 1, 275,
es ist also offenbar zugleich an königskrone gedacht, der könig als richter; item sie (
die betrüger) scheren kronen und sind nit ordiniert.
weim. jahrb. 4, 82; in der geistlichkeit ist es auch also (
dasz die hoffart immer nach neuem sucht), es sei in der kleidung oder in den kronen uf den heuptern, es musz ie ein underscheid da sein. Pauli
schimpf u. e. 121
Öst.; die krone oder die geschorne platte auf dem haupte sollte ihm zerstöret werden. Claudius 5, 51.
ebenso altn. krûna Egilsson 479
a,
mnl. crune, clostercrune
Rein. 947. 1956,
nnl. kruin,
nrh. krüng
Aachener mundart 132,
luxemb. krenchen
n. die platte, der haarkranz der kath. geistlichen Gangler 254.
wirklich musz ursprünglich nicht die platte, sondern der stehen bleibende haarkranz gemeint sein (
nur so bei Frisch 1, 178
a),
daher auch kranz
sp. 2056.
man mochte auch an die krone des ewigen lebens denken (
vgl. unter krönchen
das mnd. krönen). III@77)
eigen krone
für kopf oder schädel, doch nur in gewissen wendungen: und damit sie nie wieder krank werden .. so will ich dies (
düstere bild) einsteken, sonst fährt es ihnen einmal wieder in die krone. Hermes
Soph. reise 3, 440,
zu einem, der gemütskrank war; und das wort refus stieg mir auch gar sehr in die krone. 6, 529; ein kunstrichter sagte doch, ihre vorschläge .. seien nichts nuz .. das fuhr mir in die krone. 6, 698;
nd. dat tüt (
zieht) em in de krone,
das verdreuszt ihn. Dähnert 256
b; etwas in der krone haben,
unwirsch oder angetrunken sein; mit dem ists nicht richtig unter der krone,
von einem trunkenen oder irren. nach diesem unter
ist der scheitel oder schädel verstanden, und das mag der urspr. begriff sein, angeknüpft an krone
durch irgend eine witzige beziehung, vielleicht an das vorige krone.
auch nl. kruin (
wie beim vorigen) van't hoofd,
hoofdschedel, z. b. hy kan dat niet in zijn kruin krijgen (
es will ihm nicht ein) Halma 351
b,
schon bei Kil. kruyne,
vertex capitis, als éin wort mit dem vorigen behandelt. auch engl. crown
scheitel. vgl. kronalhaftung. III@88)
noch manche bildliche verwendung von krone
als kunstwort ist übrig (
s. besonders Krünitz 53, 616
ff.),
z. b. beim wundarzte für das gezahnte ende des trepans (
Blancardus mediz. wb. Bern 1710
s. 1),
bei juwelieren für den theil der edelsteine der auszer dem kasten zu stehen kommt, auch kronwerk,
engl. crown;
in der musik für das zeichen des ruhepunktes; in der geometrie eine figur die von den peripherien zweier concentrischen kreise eingeschlossen wird; in der astronomie für den hof
um sonne und mond, auch als sternbild (
beides nach altlat. corona), krone des nordlichtes
die stelle wo die strahlen sich nach innen kronenartig vereinigen (Humboldt
kosm. 1, 201);
beim reepschläger ein gestelle oder gehäuse, worin die spindel mit den haken zur befestigung für das zu verspinnende garn liegt, ähnlich beim weber eine art garnhaspel, es ist das nd. krône
garnwinde Strodtmann 329,
brem. wb. 2, 878, Dähnert 256
b,
nl. kroon. III@99)
oberd. ein kleiner rosenkranz, der nur aus zehn kügelchen besteht, der jungfrau Maria zu ehren gebetet, franz. couronne de la vierge. Krünitz 53, 618; krona
rosenkranz Schmeller
cimbr. wb. 139
b.
im kirchenlatein corona,
wie folg. zeigt: s. Brigitten funfzehen gebet, rosencrenz, coronen, psalter
u. dgl. haben überhand genomen. Luther 1, 69
a (
ausl. des vaterunser),
vgl. Frisch 1, 178
b.
es wird die krone der Maria bedeuten, s. I, 2,
b. III@1010)
nur gelehrt lat. ist krone
als umstehender kreis von leuten (
vgl.kranz 9,
a): muste er (
Abälard) Paris verlassen und sich nach Corveil begeben, da er in einer crone junger leute sich tapfer hören liesz. Hoffmannswaldau
heldenbr. 144; schon drängte sich zu einer weiten kron' um ihn das volk. Chamisso 4, 64. eine corônâ (
so)
ist noch der akademische ausdruck. III@1111)
endlich bair. kron
f., auch kronfleisch
n., das zwerchfell beim rindvieh, s. Schm. 2, 389,
östr. gronflaisch Castelli 153, kranfleisch Höfer 2, 163;
aber das hat mit krone
nichts zu thun, schon Schmeller
rät richtig auf ahd. krâ,
s. unter kragen II, 3,
d (
vgl. chraiaflâsch
n. zwerchfell Tobler 118
a),
das -n
wird der rest einer schwachen bildung sein.