kranz,
m. corona, sertum. II.
Heimat und verwandtschaft. I@aa)
es ist ein dem hd. eigenthümliches wort, ahd. chranz,
mhd. kranz,
dem in allen andern germ. sprachen von haus aus nichts entspricht. aber aufgenommen ist es dort aus dem hd., wie der auslaut zeigt: nd. kranz, krans (Dief. 530
c),
nl. krans (
schon mnl., krants Kil.),
nordfries. krâns Bendsen 37
a,
ferner dänisch krands,
schwed. norw. isl. krans,
selbst im ältern engl. crants (
s. sp. 2052),
altschottisch crance Jamieson 1, 267
a,
wie auch altschwed. krans Rietz 350
a,
altn. kranz Fritzner 366
b, gullkranz
goldkranz 225
b;
auch ehstn. krants,
böhm. skranec, skránec
kranz, diadem (
neben dem heimischen věnec),
wol angelehnt an skranč
schläfe. wer diese allgemeine entlehnung des hd. wortes genau verfolgen könnte, gewönne ein wichtiges stück der mittelalterlichen sittengeschichte; nur von fest und freude getragen ist das wort so weit ausgewandert, sicherlich an der hand der höfischen sitte, und zwar musz hier, wie das -z
verrät, die oberdeutsche hofsitte der ausgangspunkt sein, oder die rheinische, da das -z
auch der rhein. sprache gemäsz ist. I@bb) kranz
gehört zu dem unter krampf
besprochenen stamme (
sp. 2012
fg.),
der im auslaut die wandelung nach den drei lautarten zeigt, sodasz kranz
und krampf
diesem wandel gemäsz sich decken; findet sich doch wirklich ein ahd. chramph
corona, labium (
rand) Graff 4, 611 (
vgl.rampft
corona 2, 512, ranfte
labium Dief. 314
a und hier II, 11,
c),
von chrimphan
sich krümmen. die dentale gestalt der wurzel, die in einem verbum nicht aufzuweisen ist, zeigt sich doch auch in dem krant
unter krantwerre
mit nebenform kranz-,
die gutturale in krang
kreis, kränken
drehen, ags. crancstäf
webergerät, crencestre
weberin Ettm. 399 (
weben ist eig. ein flechten, vgl. kötze
korb a. e.);
vgl. auch krank
und krenze.
der kranz
ist also das gekrümmte, gewundene, wie corona
in κορώνη,
κορωνίς denselben ausgang der bedeutung zeigt. I@cc)
urverwandtschaft zeigt sich vielleicht in skr. granth, grath
winden, knüpfen (
vgl. Kuhns
zeitschr. 4, 320);
eignen anklang bieten auch poln. krcić, skrt
drehen, kržyć
kreisen u. s. w.? I@dd)
ein ahd. name war auch wiara
corona, wovon nach Diez
rom. ghirlanda.
goth. ist vaips
m. bezeugt. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
Die allgemeine bed. II@1@aa)
das ahd. wort glossiert corona
und diadema, vitta,
also runder, gewundener kopfschmuck überhaupt. die deutsche fürstenkrone indes, deren zacken blätterform zeigen, scheint vom kranz
ausgegangen (
s. 2)
und möchte ahd. demnach auch so geheiszen haben, wie der kranz umgekehrt lange auch krone
hiesz; und vitta
wird im 13. 14. 15.
jh. auch vom kopfschmuck der frauen gebraucht, der wesentlich aus einem kranze bestand, und ausdrücklich auch als kranz, brautkranz erklärt (Dief. 624
b).
vgl. ahd. 'cranz
cirros' 10,
a. mhd. ist kranz
wesentlich der blumenkranz, wie jetzt. II@1@bb)
es heiszt kränze flechten, binden, winden,
selten knüpfen; blumen zum kranze, in den kranz winden, binden, verflechten; blumen wand er sich zum kranz. Schiller 49
b; windet zum kranze die goldenen ähren. 55
b. rosenkranz, myrtenkranz, veilchenkranz, asterkranz (Voss 1825 3, 162), ährenkranz, laubkranz, graskranz (Denzler), eichenkranz, lorbeerkranz, strohkranz,
und künstlich flitterkranz, flimmerkranz, perlenkranz
u. s. w.; ferner brautkranz, hochzeitskranz,
[] richtkranz, erntekranz, maienkranz, siegeskranz, ehrenkranz, dichterkranz, todtenkranz
u. a.; kranz von vergüldeter würze Stieler 1042.
sprichwörtlich eine blume macht keinen kranz. Lehman
flor. 188.
getragen wird der kranz theilweis auch am arme, s. hier 5,
b. c und kränzeljungfer. II@22)
Gebrauch und zweck des kranzes fordern näheres eingehen. II@2@aa)
am bedeutsamsten erscheint, dasz im mittelalter fürsten einen kranz als abzeichen trugen (
vgl. I,
a böhm. skranec
als diadem);
er ward z. b. um den fürstenhut gelegt, der bei der belehnung als symbol diente '
statt der krone',
s. rechtsalt. 148. 242.
in einem nieders. weisthum (4, 701)
wird dem herzog von Lüneburg das recht zugesprochen, wenn er durch den Truwald ziehe, sich darin einen kranz zu '
brechen',
den er aber beim verlassen des waldes wieder hinwerfen soll und '
dem walde danken' (
zeitschr. des hist. vereins f. Nieders. 1854 171);
auch in einem andern walde stand demselben fürsten diesz recht zu: wan sine gnaden dadorch ridt, mag sine gnaden einen kranz breken ... unde deme wolde danken.
das. 1856
s. 78.
vgl. Parz. 603, 30
ff., wo ein kranz
von einem baum '
gebrochen'
wird, auch rîs,
reis genannt; danach genügte wol ein einfaches reis mit blättern, um haupt, hut oder helm gelegt, zum kranze: '
kranz um das haar haben in den bildern des Sachsensp. alle fürsten und edelherrn, er war gleich der binde auszeichnung des adels, wenigstens des standes der freiheit'.
RA. 242. II@2@bb)
aber auch königlichen beamten diente er als zeichen der amtswürde. in einem rhein. weisthum des 15.
jh. (4, 626)
wird der gewählte schultheisz eingesetzt, indem man ihm einen schappel,
d. i. kranz aufsetzt und ihn damit krönt;
einen epheukranz ebenso gebraucht s. RA. 764. II@2@cc)
danach scheint aber unsere königskrone auf diesen altgerm. kranz
zurückzugehn. wie bei dem schultheisz dort in fränk. rechtsgebiete der kranz
seine vertretung der königsgewalt wird bezeichnen sollen, so ist wol der fürstenkranz unter a eine fortsetzung altgerm. sitte. die deutsche königskrone trägt wol noch in der blätterform ihrer zacken die spuren dieses ursprungs. und wird doch heute noch der könig
im spiel, wie beim vogelschieszen (
s. sp. 1698),
mit einem kranze gekrönt, und umgekehrt wird mhd. krône
auch vom blumenkranze gesagt, wie mehrfach heute noch. man mochte den fürstenkranz sehr früh in gold darstellen. der circulus,
goldreif, das crinale aureum,
womit der herzogshut geschmückt wurde (
rechtsalt. 242. 148),
war gewiss eine nachbildung jenes blätterkranzes. II@33)
Als siegeszeichen, ehrenpreis, wie στέφανος, corona
bei den Griechen, Römern. II@3@aa)
mhd. lobes kranz, êrenkranz,
wie honoris corona,
στέφανος νικαφόρος u. a.: ich wæne ie (
nie) sô ritterlich würde erworben lobes cranz.
Reinfried v. Br. 43
Göd., schon bildlich, vom sieg im kampfe schlechthin, aber ein zeugnis der alten sitte, den sieger zu bekränzen (
so στέφανος εὐκλείας bei Sophokles); den êrencranz gerôset er dô dannen truoc.
Dietr. u. s. gesellen 176, 12,
ebenso, die ehre des sieges, über einen drachen, im bilde eines rosenkranzes; daʒ Berne an êre truoc den kranz.
welsch. gast 2447.
als redensart im leben noch im 18.
jh., s. kränzchen 2,
a. sonst noch bei dichtern siegeskranz, ruhmeskranz, ehrenkranz
u. a.: der kranz des sieges aus ihrer (
Clärchens) hand ist dein (
Egmont). Göthe 8, 284,
vgl. 297; der überwundne winter flieht, die sonn erringt den kranz. Schmidt von Wern.
ged. 103; ich sah des ruhmes heilge kränze auf der gemeinen stirn entweiht. Schiller 49
a; ich that dem schicksal unrecht. hier auf dieses jungfräulich blühende haupt will ich den kranz des kriegerischen lebens niederlegen. 339
a; der gott der ehre locket ihn, will kranz und kron' ihm leihen. Kotzebue
dram. sp. 2, 281, auch vorlesend und declamirend wollte frau von Staël sich kränze erwerben. Göthe 60, 266; umsonst sei all dein ringen nach kränzen blutgen ruhms. Uhland
ged. 467. II@3@bb)
man denkt jetzt dabei an die ehrenkränze der Griechen, die sie den siegern in den öffentlichen spielen verliehen (
wie schon das 16.
jh. daran dachte, z. b. H. Sachs 1, 409
a): wenn fern des schnellen laufes kranz vom schwer erreichten ziele winket. Göthe 12. 15;
[] und musz ich so dich wieder finden und hoffte mit der fichte kranz des sängers schläfe zu umwinden, bestrahlt von seines ruhmes glanz. Schiller 59
a,
Ibykus; dem mimen flicht die nachwelt keine kränze. 318
a, dich (
den menschen) zu beglücken ist der kranz, um den alle wesen buhlen, wornach alle schönheit ringt. Schiller 314
b (
menschenfeind sc. 7),
ruhm, hohes ziel —
oder man denkt an den lorbeerkranz, mit dem man seit der renaissance in Italien dichter '
krönte',
in nachahmung jenes antiken gebrauches, und den man noch dichtern und künstlern im standbilde gibt: o dasz ihr mit dem kranz euch plötzlich dabeneben, ihr herren von der Pfalz (
d. i. gekrönte dichter), gelahrtheit könntet geben! Rachel 8, 421,
der pfalzgraf hatte das recht der dichterkrönung statt des kaisers; so drück ich meinen vollen frohen kranz dem meister Ludwig (
Ariosts statue) auf die hohe stirne. Göthe 9, 102 (
Tasso 1, 1). 130, du weigerst dich? sieh welche hand den kranz, den schönen unverwelklichen (
von lorbeer) dir bietet. 120 (155); es ist ein vorbild nur von jener krone, die auf dem Capitol dich zieren soll. 121, krone
gleich kranz,
wie s. 156,
und bürgerkrone 129; einige seiner briefe setzen ihm (
Rabener) als menschen und schriftsteller den kranz auf. 25, 76; als sie (
dichter) sich den kranz erstritten. Lenau
nachlasz 148, der tugend kranz umgrüne deine locken. Chamisso 4, 191,
mhd. tugende kranz
gut. Gerh. 6605; Albano wurde auf schlüsse zurückgetrieben, die weder seinem vater noch Juliennens mutter sittliche kränze aufsetzten. J. Paul
Titan 5, 2. II@3@cc)
aber wie das wort, ist die sitte auch bei uns alteinheimisch, vermutlich von je her. die sächsische reimchronik erzählt von Heinrich dem Löwen, wie er nach einer gewonnenen schlacht auf der wahlstatt sich selbst einen kranz aufsetzt als siegeszeichen (Schellers
ausg. s. 111),
gewiss in folge alter sitte: Henrike dô van blômen glans (
d. i. glänzend) satte up sîn hôved einen krans;
die fürstenkrone war vielleicht zuerst nichts als dieser siegeskranz, man mochte zugleich in der rundung des kranzes irgend einen geheimen bezug finden, wie beim ringe. dieser siegeskranz galt noch lange im turnier (Suchenwirt 30, 167): hatte ein kränzlin aufm haupt, triumphiret gleich als hätte er gewonnen und den sieg behalten. Luther 60, 353; es komt die stund, so wird unser kampfplan hie zerstört, und als dan ist nit mehr kämpfens zeit, sondern zeit des danks und kränzlin austheilens. Fischart
bien. 1588 37
a,
d. i. den dank und preis auszutheilen, bildlich vom leben. nach dem ringelrennen zu Hechingen 1598
wird der dank
in kränzen
ausgetheilt von einer jungfrau gräfin, s. Frischlin
hohenz. hochz. 116
Birl.; in einem liede von 1592
wird Straszburg '
die jungfrau'
angeredet: doch solt du nit versagen ein kränzlein schön und fein den helden, so jetzt wagen für dich ihr leben hinein,
nachher den dank lasz sie erstechen (
im turnier) bei dir für menniglich (
vor allen). Stöbers
Alsatia 1858
s. 118.
in der fechtschule ward um den kranz
gefochten: ain jeder fechter, so auf die schul kompt, soll hinfüran mit ainer wehr zwaimahl nicht aufheben (
herausfordern), er were dann willens umb den kranz zufechten.
Augsburger fechtschulordnung 16.
jh., Adrians
mitth. 280,
es wurde wol an jedem fechtabend dem besten der kranz ertheilt; ebenso ward um den kranz gerungen
im ringkampfe, s. Naumanns
Serapeum 5, 36,
er galt bei allen wettkämpfen und spielen, s. Spangenberg
unter d. daher war er als bild den vorfahren geläufiger als uns, z. b. in einer weisung über das rechte verhalten bei tische mit reden: schwig ouch nit gar (
bei tisch), halt dich alsus, das du das mittel treffest ganz, des ziles acht, du gwinst den kranz. S. Brant
thesmoph. 175 (Zarncke
s. 148
b),
triff die rechte mitte, so trägst du den preis davon, es ist hier deutlich vom wettschieszen entlehnt; ein kranz
war bei den groszen schützenfesten neben den gewinnsten das eigentliche siegeszeichen, s. u. 7,
ebenso bei den kleinen schieszen, s. z. b. Scheibles
kloster 6, 447. 448.
noch gibt es bair. kränzleinschieszen,
s. kränzlein 3
a. e. vgl. auch kranzritt.
[] II@3@dd)
dann auch, wie bei den Griechen, für den sieg in geistigem wettkampfe. aus dem reichsstädtischen leben erzählt C. Spangenberg
ehespiegel Straszb. 1578 250
b vom rätselwettspiel: wann die alten zusammen kamen, gab einer dem andern fragen auf, wer die meisten auflösete, verdiente einen cranz. und in summa,
fügt er hinzu, wer noch heutiges tages im fechten, schieszen, rennen, laufen, singen, ringen und springen 'das beste thuet' (
der uralte ausdruck, ἀριστεύειν,
s. Germ. 10, 135), hat neben dem andern gewinnet einen cranz zu lohn.
über das singen um den kranz,
den die jungfrauen zum abendtanz
flechten und dem besten singer geben, s. Uhlands
volksl. no. 2. 3, Erk
liederhort s. 342; kain jungfrau oder maid soll den handwerksgesellen und knechten an einem abendreien einen kranz zu ersingen geben.
Amberger stadtb. (Schm. 2, 391);
vom johannisabend erzählt S. Frank
aus Franken: da singet man als dann umb ein kranz meisterlieder,
und fügt hinzu: sunst auch oftmals im jar zuo summerszeit, so die meid am abend in einem ring herumb singen, kummen die gesellen in (
den) ring und singen umb ein kranz, gemeinklich von nägelin (
nelken) gemacht, reimweis vor. welcher 'das best thuot' (
derselbe ausdruck wie im kampfe), der hat den kranz.
weltb. 51
b (Wack.
leseb. 3, 1, 341),
das sind die gassenkranzsenger Fischart
groszm. 82 (611);
die sitte ist wol uralt, auch dasz die jungfrauen den preis herstellen und ertheilen, wie im turnier. ein rosenkranz
mit grüner seide gebunden als singerlohn beim Regenbogen,
s. Mones
anz. 5, 50, Uhland
schriften 3, 204,
vgl. Wackernagel
literat. s. 253
anm. 13,
ein goldner kranz s. Kolmarer meisterl. 33, 1 (
s. 297),
genaueres über diesz singen um den kranz bei Uhland
a. a. o. 205
ff. 310
ff. bei den meistersängern wurden töne gekrönt,
mit kränzen (J. Grimm
meisterges. 114),
und ein seidner kranz war noch später ehrenpreis, sie behaupteten bei ihrer gründung einen goldnen kranz dazu vom kaiser erhalten zu haben. das kranzsingen
ist heute noch nicht erloschen als volksmäszige lust, so schweiz. bei den kindern, s. Rochholz
kinderl. 213. II@3@ee)
auch beim tanze gab es einen kranz
für den '
besten',
vgl. kränzlein 3: der kramer (
die Fasnacht) läst ein kranz zuo lest (letz?), ligt in dem kram verborgen, wer sich am tanz dunkt sein 'der best', wil er damit versorgen. Uhland
volksl. 640,
für den, der sich am ende der fasnacht als besten tänzer ausgewiesen hat; das (
feierkleid) legt dann junkherr Conrad (
der bauer) an und springt hin an den tanz, und gumpet hinden und voren auf, bis er verdient ein kranz. Rosenblüt
fastnachtsp. 1105; welche frau das pest thut mit tanzen, mit hübschen (
höfischen) triten, mit ümbher schwanzen, mit züchtigem lachen, mit lieplichem schmutzen, mit guter geperd, mit freuntlichem angutzen, der wil man schenken ain pernlein kranz, der leuchtet als der sunnen glanz von eiteln kospern edeln stain
u. s. w. der kunig und die kunigin die wollen gein ir so demutig sein und werden ir paide aufsetzen den kranz, und der künig wirt mit ir vortanzen ain tanz.
fastn. sp. 764, 20
ff. 765, 8
ff., unter andern preisen, die bei einer königlichen hochzeit ausgesetzt werden. aber auch: welcher der feulst im tanzen ist, dem sol man geben ein kranz, das wist.
fastn. sp. 566, 10,
das ist verkehrte welt, wie im folg. im übermut einer kirchweih in Nürnbergs nähe: da sagt man mir, ein nasentanz würd auf dem plan noch disen abend; die gröstn drei nasen würdn begabend (
mit preisen versehn), die grösste nas gewünn den kranz und würd könig am nasentanz. H. Sachs 1, 397
b (1590),
man bemerke den bekränzten '
könig'. II@3@ff)
daher mit schrecklichem poetischen hohne der gebrauch, bei belagerungen den stürmenden von der mauer aus brennende pechkränze aufzusetzen, so 1525
in Würzburg, 1534
in Münster, wo es die frauen thaten mit hohnvoller anwendung des gebrauchs unter 4,
c; dasz man das in klarer umkehrung der volksthümlichen sitte that, zeigt deutlich die drohung belagerter in einem Leipziger liede von 1547: wern sie komen zu uns herein, wir hatten gemacht schöne krenzelein, mit bech waren sie geflochten; die wolten wir in han aufgesetzt, so sie hetten 'drumb gefochten'. Soltau 2, 266,
[] s. die anmerkung das.; ein nachklang davon scheint der sturmkranz.
in gleichem sinne war der kranz
in folterkammern gemeint, von eisen, das haupt zu pressen, wie die umarmende eiserne jungfrau (Birlinger
volksth. 2, 219).
ein zum tode verurtheilter in Stralsund im 16.
jahrh. aber höhnte umgekehrt seine verurtheiler, indem er den geistlichen zuspruch zurückwies, dafür let he sick halen und maken van roden negelkenblomen einen kranz, den settede he up sin hovet und gink so mit,
trug auch dem scharfrichter auf, dasz er auf dem rückwege den kranz statt seiner trage. Berckmann
stralsund. chron. 68. II@3@gg)
als triumph- und freudenkranz zugleich ist gedacht der kirchlich bildliche kranz des ewigen lebens
u. ä. (
gewöhnlich krone),
z. b.: ich habe mich gewendet im glauben, herr, zu dir, dadurch nach dieser zeit mir wird geschenkt ein kranz der süszen ewigkeit. Rist
Parn. 559. II@44)
Als freudenzeichen, feier- und festschmuck, sowol als zier der wohnung, der kirche u. s. w. als das hauptes; kränze
aufgehängt in altreligiösem sinne z. b. myth. 51. II@4@aa)
als freudenkranz auf dem haupte: diu ritterschaft truoc vreuden kranz.
g. Gerh. 6406; und wa (
gleich mhd. swâ,
wo immer) die leute frölich seind in wolleben, auf die hohen feste oder sonst, da pranget man mit cränzen. Spangenberg
in fortsetzung der vorhin angeführten stelle (3,
d); das wir gedenken nit dar an, das uns der dot nit hie wurt (
wird) lan und unsers hübschen hors nit schonen noch unser grnen krenz und kronen. S. Brant 85, 26; an
s. Johans tag machen sie ein simetfeür, tragen auf disen tag sundere krenz auf, weisz nit ausz was aberglauben, von beifuosz und eisenkraut gemacht. Frank
weltb. 51
b; ein Meiszner der kein kranz gern tregt. Gödeke
eilf b. d. d. 1, 215
a als etwas unfindbares in einer priamel aufgeführt. daher bildlich und in redensarten (
doch mischte sich später der gedanke an antike sitte auch hier ein): ich rede hier als mensch und bürger dieser welt, in dessen einsamkeit der kranz der lust zerfällt. Hoffmannswaldau; mit frischem kranz die schläfe mir zu schmücken, mich fröhlich an die fröhlichen zu schliezen. Schiller 409
b; die freude winkt auf allen wegen ... sie bringt uns selbst den kranz entgegen. Hölty; sprich selbst, das leben flicht doch reine kränze. Körner.
ein sprichwort sagt kein kranz schützt vor kopfweh. II@4@bb)
auch männer trugen nämlich in alter zeit (
wie bei Griechen und Römern)
kränze auf dem haupte, wie sie nach jetzt nur weiblicher sitte zu zeiten auch das haar und den bart in zöpfe flochten, mit bändern und gold durchwanden. II@4@b@aα)
so in mhd. zeit (
vgl. unter schapel
mhd. wb. 2
2, 86
b): disiu liet (
ein tanzlied) diu heiʒent vrowentanz ... swer mit zühten treit der freuden kranz, und dem sîn muot stât von wîben hô, dem erloube ich si ze singen wol. Lichtenstein 536, 11,
zugleich bildlich, wie mannigfach mhd., und wie gebende; ein bluomenkranz er uffe truoc, als sîner hôchzît wol gezam. Haupt 11, 495,
ein altherre
an einem höfischen maifeste, vgl. den kranz des maigrafen in Norddeutschland bei Uhland
schriften 3, 46 (
Germ. 5, 276),
und die kränze, die am 1.
mai 1308
könig Albrecht selbst an die theilnehmer des maifestes austheilte 3, 32. 47 (
Germ. 5, 278); sîner vreuden was er rîch under sînem kranze. Neidhart 63, 32
H., beim tanze; daʒ er ein krenzel truoc, daʒ was von bluomen rôt (
rosen). 57, 5; für einen kranz man gerne treit (
klagt Konr. v. Würzb.) ein beggelhûben oder ein swert.
MS. 2, 198
b,
MSH. 2, 313
a,
ein schwert statt kranzes, denn auch am arme trug man kränze, s. unter 5,
b. c; kom, minnen schüeler, dich wil Êre in ir tanz. setz ûf den kranz der manheit und der milte. Frauenlob
spr. 130, 2,
bildlich, zugleich als preis der manheit und milte; der furst das hoch betrawert hat, drumb er sich diesen ganzen tag nicht sehn liesz und verborgen lag, der sonst teglich tretten zu tag under eim grünen krenzlein pflag, darmit sein unverzagten muth der fromme furst beweisen thut. Adrian
mitth. 192,
[] eine chron. erzählt das aus d. j. 1385
vom landgr. Hermann von Hessen, der von feinden bedrängt wird, die ihm Immenhausen verbrennen. der spätere chronist sieht in dem kranze ausdruck der zuversicht dem feinde gegenüber, es ist aber vielleicht auch noch der fürstenkranz unter 1. II@4@b@bβ)
aber auch später noch: rot ht gebraucht man dise zeit (
zur fasnacht), ein schleir darumb gebunden. wer umb das Gretlein freien reit, ein kranz mit lan (
lahn) umbwunden, ein hanenfeder musz er han
u. s. w. Uhland
volksl. 637; auch musz der pfleger bestellen (
besorgen) schön kränz von rosen .. den hofirern (
die saitenspiel machen) vor dem sacrament, aber die zwen die den priester führen (
es sind ratsherren) sullen ihr kränz selbst bestellen.
ordnung des fronleichnamsfestes in Nürnberg, v. j. 1442,
anz. des germ. mus. 1865
sp. 68
fg.; dagegen verbietet eine ulmische verordnung von 1411: kein mannsbild solle weder federn, kränze noch glocken und schellen (
an kleidern) in die kirche tragen. Scheibles
kloster 6, 96.
bei hochzeiten trugen nämlich auch die männlichen gäste kränze: als nun der kirchgang volbracht was und man ietzund zu dem imbisz gon solt, hat einer der hochzeitmenner seinen kranz vom huot oder paret fallen lassen (
ein bauer findet den kranz, setzt ihn auf seinen hut und kommt dadurch mit zum mahle). Wickram
rollw. 171, 24
ff. der Augsburger C. Schwarz im 16.
jh. erzählt, wie er bei einem tanze, den k. Maximilian 1518
auf dem tanzhause hielt, ein guldin kranz
getragen habe (
auf dem hute),
bei einer hochzeit als brautführer einen kranz, von goldenen und rothen bändern geflochten, auf dem baret. Scheible
kloster 6, 428,
vgl. 449;
selbst auf der reise trug er 1525
einen '
gelben kranz'
um den hut und noch im alter 1553
einen blumenkranz, wie es scheint aus freude über die schlacht bei Sievershausen (
das. 448).
ein kranz auf den hut '
genäht'
schon Neidhart 239, 63,
vgl. unter kahlhut. II@4@b@gγ)
selbst im kampfe ward er getragen, man machte damit aus dem gange in die schlacht einen gang zum tanze (
der kampf hiesz ja in liedern und redensarten ein tanz),
wenn nicht der kranz im voraus als siegeskranz gemeint war (
s. 3,
c): der her von Sain war wol gemuet, er brach ein krenzlein auf seinen hut, stachs bei den gulden lewen (
auf dem helm). Uhland
volksl. 954,
beim beginn des kampfes, als ausdruck fröhlicher zuversicht, wie er die seinen so anfeuert: ein ieder denk an seinen bulen gut,
ganz ritterlich, und landsknechtisch; die Zwitsers met haren cransen si lagen daer al versmoort.
Antwerp. liederb. nr. 145, 5 (
hor. belg. 11, 218),
auf dem schlachtfelde nach einer niederlage. ja noch mehr: und Dietmar der Anhanger hielt sich neben herzog Eckharten wol (
bei erstürmung Jerusalems) ... wiewol er kain hosen (
beinharnisch) .. anhette und lützel harnasch (sein haubtharnasch was ain kranz von laub).
volksbuch vom kais. Friedrich, Haupt 5, 257,
also im übermasz der kühnheit einen kranz statt helmes. so in einem turnier, Wilbold von Schaumburg bespricht mit einem freunde ein selzam abenteuerlich ritterspiel,
seiner anwesenden geliebten frau
zu ehren; sie wollen rennen, also das iedlicher .. keinen rennhuet (
helm), sonder (
nur) ufgewaschen und geschmückte har, ein hüpsch krenzlein haben .. solt.
Wilwolt v. Sch. 65,
und sie rennen so, obwol es ihnen von den vorsitzenden untersagt wird, offenbar der gefährlichkeit wegen. II@4@b@dδ)
ähnlich trägt M. Schwarz bei einer schlittenfahrt statt des hutes einen grünen, mit goldnen fäden durchflochtenen kranz, s. kloster 6, 447.
das musz mittelalterliche sitte gewesen sein, denn auch frz. chapeau
hut ist altfr. chapel, '
kranz statt des hutes getragen' (Diez 87),
und ebenso heiszt mhd. der frauenkranz auch bluomenhuot
Neidhart xlvii, 13. 81, 5,
wol auch hüetelî
n. noch bei Halma 668
a nl. roozenhoed,
rosenkranz als kopfschmuck, aber auch rosenkranz überhaupt, selbst der im kirchlichen gebrauch heiszt roozenhoedje,
so dasz da die begriffe kranz und hut völlig in einander verflossen erscheinen. II@4@b@eε)
noch lange bestand bei manchen handwerken die sitte, einem neugemachten gesellen einen gesellenkranz
aufzusetzen (
s. Schade im
weim. jahrb. 4, 292. 6, 307),
zugleich eine art siegeskranz für die bestandene prüfung, es muszte ihn aber eine jungfrau geflochten haben. II@4@cc)
beim tanz und festen oder auch sonst war es gebrauch, dasz jungfrauen mit solchen kränzen als zeichen der gunst und ehre junggesellen beschenkten und zierten. [] II@4@c@aα)
so besonders beim tanze: Hans Tötschinprei von Ramerloch die Gret von Erbelting auf zoch (
zum tanz), die het im geben einen kranz, das er mit ihr solt thun ein tanz. H. Sachs 1, 397
d (1590); ob ich schon eim verhiesz ein kranz, führt er mich doch nit an den tanz. 381
a; doch schleuft sie an die bubentänz und macht den jungen gsellen kränz. 381
d; die Gred mir machen wird ein kranz von einem dutzet nestel rot (
goldig?). 372
d.
ebenso in den höchsten bürgerlichen kreisen, z. b. in Augsburg, C. Schwarz
erzählt von einem tanzfeste: den kranz heftet mir die wolgeborne junkfraw Veronica Fuggerin auf. Scheibles
kloster 6, 429,
vgl. 449.
und bei hofe: nach dem abentessen wart dem herzogen (
Albrecht v. Sachsen) ein vortanz mit der römischen künigin geben, die schenkt im (
dazu) einen kranz mit einem gar schönen klainat.
Wilw. v. Schaumb. 159,
es gieng eben éine sitte durch alle stände und schichten der nation; doch hett man vor dem abendtanz austheilet schöne hochzeitkränz,
es thun es zwei fräulein gräfinnen, darunter der braut schwester, dise den fürsten, grafen, herren die hochzeitliche kränz verehren. von gold sie gaben schönen schein, mit röslein, ringen zieret fein. Frischlin
hohenz. hochz. 87.
auch die braut schenkte welche; so bestimmen die Nürnb. polizeiordn. 76,
vgl. 83,
die braut solle künftig nur den prautfürern und tanzladern mitsambt dem prewtigam iedem ein schlecht krenzlin
geben. II@4@c@bβ)
aber auch überhaupt als zeichen der gunst: des morgens in dem tawe (
im mai) die meidlin grasen gan, gar lieblich sie anschawen die schönen blümlin stan. darausz sie krenzlin machen und schenkens irem schatz, den sie freundlich anlachen (
beim aufsetzen) und geben im ein schmatz. Uhland
volksl. 115; als zu Swaben in seinem (
Susos) lant .. gewonheit ist an dem eingenden jar, so gant die jungling auʒ des nachtes ... singent lieder und sprechent schöne geticht und bringent eʒ zu wie sie mugent mit höflicher weis, daʒ in ireu liep schapelin gebent. Schmeller 3, 375; darnoch macht si ein krenzelin und steckt mirs uf den hute min. juch! sprach ich, das gab Ketterlin! Murner
geuchmatt 1041
Scheible; ich frew mich diser fasenacht, ich hoff es sol mir werden ein schöner kranz, hat mir gemacht die allerschönst auf erden. Uhland
volksl. 643,
er ist mit seiden überbunden
und kostet wol mehr als vierthalb pfund, der sänger will ihn auf seinen neuen hut mit roten nesteln heften, so stet mir dan mein kranz wol an und kan mir nit entfallen. 644; mich dünkt, du wilst zum abendtanz, zurlangen einen hübschen kranz. Römolt G 1
a.
Natürlich ward dieser kranz in der '
blumensprache' (
vgl.durch die blume reden, verblümt)
auch ein zeichen höherer gunst: ich macht mich auf und thet spacieren gon an einen tanz. mir wurd ein kranz von blmlein glanz.
bergreien s. 14
Schade, zur fasnacht, doch zugleich als andeutung der höchsten gunst, wie der verlauf zeigt; hieneben merk auch diese schanz, nim nicht ein kranz beim abendtanz aufs ehgelübd in voller weis, das dich nicht eine kuh bescheisz (
anführe). Ringwald
l. w. 175 (156),
mahnung an junggesellen, sich nicht zu verplempern, auch die kuh
ist bildlich gemeint. s. noch Weise
unter kränzchen 1.
von diesem zusammenhang des kranzes mit unkeuscher minne der name eines minneteufels Krenzlin Haupts
zeitschr. 3, 490 (Rosenkranz 487), Mones
schausp. d. m. 1, 198.
vgl. kranznarre.
Diese blumensprache reicht in die mhd. zeit zurück, vermutlich viel weiter, vielleicht in die urzeit; mhd. z. b.: sî bôt im bî dem tanze (
die bauerndirne dem ritter) ein krenzel: sô mir got, deist unlougen. Neidhart 20, 35,
[] die betheuerung dabei und dasz es am schlusse eines liedes steht, verbürgt dieselbe bedeutung wie in dem bergreien vorhin, vgl. das gewinnen
der rôsenkrenzel
im thau (
d. h. abends)
das. 19, 14.
daher Walthers
klage: alsô hân ich mangen kranz verborn und bluomen vil verkorn. jô bræche ich rôsen (
gen.) wunder, wan der dorn. 102, 33
ff. L., 150, 24
WR., 123
Pf.; auch das verheiszene bluomen brechen
bei Reinmar
minn. frühl. 196, 22, Bartsch
lied. 53
wird sich auf solche kränze beziehen. II@4@c@gγ)
aber auch in allen ehren und vor allen leuten konnte ein mädchen so um einen mann werben. als z. b. im 16.
jahrh. in Stralsund ein verbrecher durch den henker die rechte hand verlieren sollte, trat eine jungfrau vor, de settede em einen kranz up und dede einen erdfall vor den heren und wolde ene losbidden, dat he sine hende behelde. Berckmann
strals. chr. 129,
d. h. sie bittet ihn sich damit zum manne aus, um ihm '
die hände'
zu retten. II@4@c@dδ)
auch treue ward durch den kranz zugesagt, z. b. beim scheiden im folg. (
vgl. kränzlein 2,
a): (
ich will) brengen minem schonen lief van rosen ein krenzeling, ein krenzeling van rosen und ouch van gelen kle. Uhland
volksl. 127; was schickt sie mir denn wider? von perlen ein krenzelein: 'sih da, du feiner ritter, dabei gedenk du mein'. 76,
gegengabe für einen goldring, vgl. s. 86. 87,
s. dazu unter 5,
a II@4@c@eε)
und das alles galt noch bis tief im 17.
jh., unterm volke vermutlich noch jetzt: sie hat mir treue zu halten verheiszen. da ist das zeichen (zeiget einen kranz im hute).
pedant. schulfuchs 213; die jungfrawen müssen hutschnür, kränze geben (
ihren buhlen).
ander theil der hasenjagt 13; bisweilen legen die jungfrawen den brief rund zu wie ein reif und winden darauf blumen wie auf einen kranz. 9. II@4@dd)
die sinnige behandlung der sache erstreckte sich auch auf den stoff; die ganze künstliche liebessprache jener zeit durch blumen und farben (
Hätzl. 171
a. 82
b. 88
b u. ö., vgl. Germ. 8, 497
ff.)
ward auf die kränze angewandt. II@4@d@aα)
besonders rosenkranz
und nesselkranz
waren beliebte gegensätze: o baurnknecht, lasz die röslein stan, sie sein nit dein! du tregst noch wol von nesselkraut ein krenzelein. Uhland
volksl. 664,
wunderh. 4, 46,
so wird ein verschmähter liebhaber abgewiesen. noch im 18.
jh., war der gegensatz in gebrauch im altbürgerlichen leben in folg. weise, bei der nachfeier des schles. königsschieszens,
dem sog. pomeranzenschieszen;
bei der austheilung der preise wird dem ersten (
treffer) eine grosze pomeranze auf einem zinnernen teller gereicht, samt einem gesundheitsglase wein, darum ein rosenkranz .... der fehler bekommt einen quarkkäse in einen nesselkranz gelegt, auf einem hölzernen teller zusamt einem glase bier. Freytag
neue bilder 163,
nach Kundmann,
berühmte Schlesier in münzen. 1738 (
das. 161). was hast gewonnen? nun begucks! mit nesselkränzlein fein beschmucks! Fischart
groszm. 577
Sch. II@4@d@bβ)
auch der strohkranz
hat manigfache bedeutung, wie wir ihn noch als gegensatz des myrtenkranzes
kennen, wenigstens aus der sprache. im 13.
jahrh. singt eine jungfrau, die '
ledig'
bleiben will: mir ist von strôwe ein schapel und mîn vrîer muot lieber danne ein rôsenkranz, so ich bin behuot. Burkart v. Hohenfels,
MSH. 1, 204
b,
Bartsch lied. 145.
frauen, die frei bleiben und versagen wollten, müssen wirklich zum zeichen ihren kranz beim tanze und sonst von stroh gemacht haben. ein liebhaber erzählt von seiner not Hätzl. 189
a: ains tags bat ichs durch all ir gt, das si mir kunt tät ir gemt mit ainem krenzlin schöne ... nit lang darnach gieng si gen mir, ain ströin kranz truog si uf ir. ich erschrack zu der stunden ... si sprach, gesell, erschrick nicht, wilt du dén kranz, so nimm in hin, du hast verstanden den sin,
er bittet sie den strohkranz ins feuer zu werfen, was sie thut: [] 'und wölt mir icht grünes geben'. si sprach, gsell, benügt dich nit (
gedr. icht)? du bist des stros doch worden quit, davon dir mocht chain frucht entspringen, beit (
warte), dir mag noch wol gelingen.
in Schwaben ärgert man mädchen, indem man zu neujahr einen strohkranz beim hause aufhängt (Meier
sagen s. 470),
das soll wol heiszen, dasz sie einen mann nicht bekommen werde. Selbst in den ernstesten politischen dingen spielte man mit solchen kränzen; bei der fehde zwischen Nürnberg und dem markgr. Albrecht von Brandenburg schickte dieser der stadt seinen fehdebrief in einem strohkränzlein
zu, die stadt hatte ihm den ihren gesandt an einem seidenen kränzlein hängend mit sieben farben,
was er als schmach und verachtung
aufgefaszt hatte, s. Nürnberger chron. 2, 387. II@4@d@gγ)
die kränze wurden aber auch früh und lange von kostbaren stoffen dargestellt und nachgebildet, z. b.: ich liesz von perlen und gestein (
edelgestein) ein schönen kranz ir machen ein, den setzt si uf, die zart und rein. Murner
geuchm. 1042
Sch., d. h. ein bürgerlicher seiner buhle; auch der kranz für mehr als 3½
pfund unter c, β musz ein solcher sein, und folgender: ein jungfrouw, die einen kranz hat, den brucht sie. sie thuot in etwen uf und darnoch thuot sie in wider gehalten (
aufheben). wenn sie in nimme bedarf, so isset sie in darumb nit. Keisersb.
bilg. 125
d;
andere beispiele s. u. b, β.
c, α.
δ (
von wachs, s. u. e, β aus Körner).
noch jetzt hat man unter bauern solche kostbare kränze, z. b. der jungfrauenkranz im Bregenzerwalde, mit dem alten höfischen namen, das tschappale (schapellîn). II@4@ee)
besonders galt der kranz,
und vielfach bis heute, als zier der frauen, hauptsächlich der jungfrauen. II@4@e@aα)
so im mittelalter in höfischen kreisen, gewiss auch beim volke und von ältester zeit her. der höfische frauenkranz hiesz mit einem franz. namen schapel (
das im volksgebrauch hie und da bis heute erhalten ist),
auch von künstlichen blumen, in gold und edelsteinen gefertigt, er war bei vollständigem kopfschmuck der haupttheil des gebendes.
Auch hier galt die sitte des schenkens von mannes seite, als zeichen der gunst, treue u. a.: 'nemt, frowe, disen kranz', alsô sprach ich zeiner wolgetânen maget, 'sô zieret ir den tanz mit den schœnen bluomen, als irs ûfe traget. het ich vil edele gesteine (
zu einem schapel), daʒ müest ûf iuwer houbet'. Walther 74, 20; owê, gesæhe ichs under kranze (
beim tanz). 75, 8; ir sît sô wol getân (
schön), daʒ ich iu 'mîn schapel' gerne geben wil. 75, 10,
also das eine, das er zu vergeben hat, ganz wie unter c auf frauenseite. So noch im 15. 16.
jh.: da brach ich derselben blümelein zu einem kranze schon und gabs der herzallerliebsten mein. Uhland
volksl. 66; demselben wacker meidelein schickt ich neulich ein krenzelein mit rotem golt bewunden, dabei sie mein gedenken soll zu hundert tausent stunden. 84,
s. auch aus Murner
unter d, γ. II@4@e@bβ)
besonders der jungfrau kam er zu, da ihr durch sitte und natur am meisten gebührte, sich zu schmücken: sie hielt sich innen, gieng nicht mehr wie eine jungfraw 'im kranz' unter die leute. Luther
zu 2 Sam. 13, 20 (
Bindseil 7, 495), 'unter die leute'
hat den besondern sinn '
in gesellschaft'
u. ä.; wann die mütter ihren töchtern den kranz aufsetzten (
am sonntagmorgen), sagten sie, Jesus Christus setz dir auch im himmel die cron des ewigen lebens auf. Schuppius 211; sie gieng zum sonntagstanze, schön klang musikgetön, und sie im grünen kranze, sie war so wunderschö
n. Tiedge (1841) 4, 24.
in katholischen landen schmückt ein kranz die jungfrau auch im gottesdienste, bei processionen u. ä. (Schm. 3, 375,
bei S. Frank im
leseb. 3, 1, 340
auch die burschen): auf dem haupt tragens kränze, von wachs schön zugericht (
bei einem bittgang). Körners
hist. volksl. 327,
es war vom schmucke der jungfrau das notwendigste stück, auf ungebundnem, losem, fliegendem
haar getragen, zum unterschied von dem aufgebundnen haar der frauen. [] II@4@e@gγ)
durch alle stände und lande ist der kranz
noch heute unentbehrlich an ihrem ehrentage, meist als myrtenkranz,
und im tode: lieblich in der bräute locken spielt der jungfräuliche kranz. Schiller 78
a; zu theuren pflichten, zarten sorgen ... ruft dich des kranzes ernste zier. 100
b; und willst du das geheimniss wissen, das immer grün und unzerrissen den hochzeitlichen kranz bewahrt?
das. (
an dem. Slevoigt); man setzte ihr (
Ottilien im sarge) einen kranz von asterblumen auf das haupt. Göthe 17, 406;
sehr merkwürdig auch im Hamlet 5, 1 virgin crants (
var. rites)
bei bestattung der Ophelia. der jungfräuliche 'cranz in (
d. i. in'n) sarg'
war noch nach 1700
eine von seidnen oder schmelzblumen, mit perlen reich besetzte crone,
von der pate oder einer freundin oder einem junggesellen dargebracht, s. Amaranthes
frauenzimmerles. 386.
wie eng der begriff des kranzes mit dem der jungfrau verwachsen ist, zeigt der zug dasz im nordungr. berglande der erntekranz einer erntebraut
aufgesetzt wird, s. Schröer 73
b. II@55)
Daher förmlich als zeichen und zier der reinen jungfrauschaft, wie auch deren himmlisches vorbild, Maria die reine magd, von alters her einen kranz auf fliegendem haare trägt, meist von roten und weiszen rosen. II@5@aa)
wie alt diese bedeutung des kranzes
sein musz, zeigt der umstand, dasz er schon in mhd. zeit auch zur bloszen bildlichen redensart geworden war, z. b.: diu küneclîche krône (378, 24) daʒ ist daʒ krenzelîn ir kiuschen magettuomes, daʒ dâ nieman mêr treit in dem himelischen sal (
weil eine unterscheidung da nicht mehr nötig ist). Berthold 379, 34; ein ieglîch man mac wünschen mîn: dem aber mîn schappel werden sol der muoʒ vil wol gevieret sî
n. Winsbekin 16, 10,
das spielt zugleich auf die sitte unter 4,
c, β an. auch für die keuschheit einer frau wird bildlich kranz
gebraucht: wîplîcher kiusche lobes kranz (
s. 3,
a) truoc si mit armüete.
Parz. 260, 8; nun do der Tämerlin (
Tamerlan) heim kam, da sagt im sin eltests wib, wie sich sin jungstes wib mit einem sinem landsherrn bekümmert und ir kranz zerbrochen hett. Schiltbergers
reisen 84
Neum. versehrte keuschheit ward schon mhd. durch einen versehrten kranz bezeichnet: (
sie war) an ir houbetkrenzel volkomen, âne schrenzel (
risz, spalt).
Martina 47, 69,
wie denn noch im frühjahr 1869
in Berlin eine mutter für ihre tochter, der kurz vor der trauung der aufgesetzte kranz als unzukömmlich nachgewiesen wurde, die bitte einlegte, dasz sie ihn wenigstens '
offen'
tragen dürfe, also mit schrenzel.
daher folgendes bildliche antasten des kranzes durch den bräutigam bei der verlobung: darumb wan man on (
ihnen) dinget (
die ehe ausmacht), so grifet her mit or an erin meitlichen kranz, das bedütet, das sie or meitliche kuscheit gibet in seinen willen. Purgold
eisenach. rechtsb. 1, 7
bei Ortloff
rechtsquellen 2.
bd., die braut griff zugleich mit an den kranz. II@5@bb)
selbst auf junggesellen ward das erstreckt, wie denn maget
auch von junggesellen gesagt wurde (
mhd. wb. 2
1, 1
b): darumb, ihr gselln und jungfräwlein, gebt acht auf ewer kränzelein. Ringwald
l. warh. 172 (154).
oft hatte daher im falle einer unzucht bei der kirchenbusze der liebhaber so gut wie das mädchen einen strohkranz zu tragen (
d. h. am arme),
s. Birlinger
volksth. aus Schwaben 2, 215. 217. 218.
und wirklich trug auch der bräutigam früher einen kranz: ein jede braut von der herrenstuben mag irem breutigam am hinschweren (
bei der verlobung) ein nägelin- oder maseronkranz mit einer gulden schnur von vier unz, und am hochzeittag von fünf oder sechs unz gold umbwunden, wol geben.
Augsb. hochzeitordn. v. 1575 (Schmid
schwäb. wb. 400),
zugleich nach der sitte unter 4,
c, β; der bräutigam (
beim hochzeittanz) ... hett auf seim haupt ein schönen kranz von gold und edlem gsteine ganz. Frischlin
hohenz. hochz. 49,
er legt ihn dann vor dem brautbett ab (
s. 54),
es ist aber in diesem falle wie es scheint der kranz der braut (32),
den sie vorm altar nach ihrem ja ihm übergeben hat, worauf er ihr seinen ring überläszt (38),
vgl. unter 4,
c, δ aus Uhlands
volksl. 76;
das ist das zeichen der übergabe ihrer selbst, und ebenso wol in der Augsb. [] ordn.; des braut- und bräutigamscranzes halber hat sich auch ein jeder seines standes zu bescheiden.
Leipz. stadtordn. 1701
s. 457,
er war längst ein gegenstand des luxus geworden, der zu beschränken war. in der Zips heiszt daher die verlobung das kranzgeben Schröer 73
b,
die abgabe des kranzes an den mann. an manchen orten erhalten im tode alle, die jungfräulich gestorben, auch junggesellen und kinder, diesen kranz aufgesetzt, z. b. auf der Eifel Schmitz 1, 66,
in Baiern Schmeller 2, 390. II@5@cc)
in diesen zusammenhang gehört auch die katholische sitte, dasz geistliche, die ihre erste messe lesen, bei der predigt (kränzelpredigt)
einen kranz
tragen (
am arme, wie unter 5,
b und K. v. Würzb.
u. 4,
b, α)
und dazu auch ihre kranzeljungfern
haben, s. z. b. Schmeller 2, 391.
der junge mann wird wie ein bräutigam behandelt, der sich der kirche vermählt, wie eine nonne sich Jesu vermählt. ebenso wird der junge mann, der ins kloster tritt, von frauen mit sträuszen geschmückt und förmlich als hochzeiter
behandelt, s. aus dem 18.
jh. z. b. Fr. X. Bronners
leben 1, 276
ff., aus älterer zeit besonders Baaders
Nürnb. polizeiordnungen 84. II@5@dd)
weiteres vom jungfernkranze (
vgl. dieses wort): eine jungfrau oder magd, die noch in haren und im kranze gehet und keine fraw worden ist. Luther 8, 129
a; (
mädchen, die) in heimliche winkel spaciern, bisz sie die junkfrawschaft verliern. sie meinn, es werd nit offenbar, gen her noch mit offenem har (
ungebundnem), zirn dasselbig mit einem kranz. ein solche wolt ich (
öffentlich) an dem tanz vor den andern all beschemen und ir das krenzlein ab nemen, sie mit eim schleier umb binden.
spruch von der welt lauf c 2
b, Bechstein
museum 2, 220. du scholt kain kranz mer auf tragen, wann du pist kain junkfrau nit. waistu wol, heur im haberschnit, das der Hainrich pei dir lag ..... und wilt dich dennoch für ain junkfrau hin geben und laichst (
betrügst) die leut mit den krenzen?
fastn. sp. 586, 14.
er lebt bis heute in allerlei redensarten, ein restchen der frühern reichen symbolik: gott wöll wahr machen und auch geben, das uns Francisca (
die fürstl. braut) für ihr kränzle jetzt übers jar gebär ein Fränzle, welchs in des grafen hof umbspring. Frischlin
a. a. o. 56,
das wünschte eben Frischlin
als bestellter hochzeitdichter; verliert ein mägdlein iren kranz, den findt sie nie mer wider. Uhland
volksl. 67; du hast dein rautenkränzelein in seinem arm gelassen.
wunderh. 4, 355; jener (
braut), die allein mit (
rückgängig gemachtem) verlöbnis betrogen dennoch den kranz noch hat. Luther 5, 244
a; eine magd oder ein junges weibsbilde, die noch einen kranz tregt und unbefleckt ist. Döner
das. 6, 333
b; und wo sie (
die böse tochter), weil sie gern spatzirt, wie Dina, nicht den kranz verlirt und ja noch kömpt zum stand der eh ... Ringwald
l. warh. 310 (276); die mütter haben sich den söhnen angehangen, der vater ist selbselbst der tochter nachgegangen, von brüdern ward der kranz der schwestern oft betrübt. Haugwitz
Soliman 1, 113; nahm er dir nicht deinen kranz, aller jungfern ehr und glanz? Seladon
weltl. lied. 77; noch heut ist eben der, der meinen kranz zerrissen, noch vor der sonnen licht bei grauen himmel fort. Riemer
pol. stockf. 358; ein unschuldsvoller freundschaftskuss, und disz zwar öffentlich im spielen, soll gleich den lieben kranz verdrehn und bald auf etwas anders zielen. Günther 429; man hat mir hinterbracht, dasz er zu öftern mahlen vor ziehgeld, vor den kranz viel summen müssen zahlen. Picander 3, 342;
einer jungfer den cranz bezahlen Amaranthes
frauenz. 386; schön war ich auch, und das war mein verderben ... zerrissen liegt der kranz, die blumen zerstreut. Göthe 12, 238; sag niemand, dasz du schon bei Gretchen warst. weh meinem kranze! 245.
s. auch unter kränzchen
und kränzel. II@5@ee)
in obscöner übertragung: wie der student der jungfraw den kranz unterm hembd aufgehoben. Lehman
flor. 1, 778;
schon mhd. so das verschenken des kranzes unter 4,
c Neidhart xxviii, 8
ff. [] II@66)
Anderer gebrauch des kranzes. II@6@aa)
als zeichen eines weinschankes vorm hause ausgehängt (
s. kranzwirtschaft),
eig. wol ein anzeichen des freudenlebens (
nach 4): wie daselbs gemeinlich ein reif, oder ein grüner kranz, oder kandt auszhengt, anzuzeigen, dasz disz haus ein wirtshaus sei. Fischart
bien. 1588 89
b (
mhd. so reif Eckh. 451, 23); es pflegten die wirt, ihren wein desto käufiger zu machen, kränze von epheu auszustecken. Spangenberg
lustg. 655; ie besser ist der kranz, ie ärger ist der wein. Fleming 203
Lapp., sprichw.; guter wein darf keines kranzes, jungfern, sondern sauer wein. Logau 2,
zug. 168,
nl. goede wijn behoeft geen krans; lachen ist ein kranz, der gemeinhin sauren wein anpreiset. meine freude braucht keinen kranz. Hippel
lebensl. 4, 161,
bildlich; wo der kegel hangt, ist der bierschank .... wo der kranz hangt, ist der weinschank.
schles. volksl. bei Hoffmann
s. 233. II@6@bb)
als zeichen der vollendung, zugleich eine art sieges- und freudenkranz, wie der erntekranz,
der kranz
auf dem gerichteten, gehobenen hause u. ä.: ha! morgen bringen wir leute, geschmückt wie freier und bräute, der ernte flitternden kranz. Hölty 162; bunt von farben auf den garben liegt der kranz. Schiller 79
a.
dieser erntekranz hat zugleich das ansehen eines alten opfers. beim richtschmause (
vgl.kranzrede): vor tafel erschienen die zimmerleute mit musik .. ihren reichen kranz tragend, der aus vielen stufenweise übereinander schwankenden laub- und blumenreifen zusammengesetzt war ... der kranz war aufgesteckt und weit umher in der gegend sichtbar. Göthe 17, 155. 156. II@6@cc)
daher bildlich kranz der vollendung,
z. b. von einem '
gebäude'
von plänen (
man denkt an die 'krönung des gebäudes'): und jetzt soll ich das thun, jetzt eben, da ich auf mein vollendet werk den kranz will setzen. Schiller 377
a. II@6@dd)
pechkranz (
zur kranzform vgl. 3,
f): drein wirft man feur'ge kränze, wie flackerts lichterloh! Uhland
ged. 435. II@6@ee) todtenkranz, begräbniskranz (
s. z. b. unter kränzelweib).
ein beispiel aus dem 16.
jh.: do hat im (
dem gestorbenen kinde) die mutter ein hüpsch krenzlin gemacht, und der schulmeister (
es) zu Brunnentrutt hinder S. Michel vergraben. Th. Platter 71,
es ist aber zugleich der jungfräuliche kranz u. 4
a. e. II@77)
Von dem siegerkranze bei schützenfesten u. ä. stammt kranz
als im kreis herumgehende abhaltung des festes: das vor viln jahren hiebevor die büchsenschützen offenbar in ganzer eidgnoschaft herumm begert hand an ihr herren frumm, von ort zu ort ein kranz zehalten, das ist ein schieszen unzerspalten (
fortgesetzt) ... Grob
ausreden, bei Haupt 3, 243.
der erhaltene siegeskranz legte nämlich dem orte des gewinners die verpflichtung auf, das nächste schieszen zu halten, s. Freytag
neue bilder s. 143
fg. Dann auch auf allerlei andere ähnliche feste übertragen, z. b. die ritterschaft des amtes Schkeuditz (
bei Leipzig)
hielt im 16. 17.
jh. daselbst jährlich eine versammlung mit tanzfeste, dessen abhaltung zwei platzjunkern
reihe um oblag; die übertragung dieses amtes geschah durch überschickung eines reienkranzes. Klingner
samml. zum dorf- u. baurenrechte 3, 536. 'so will uns nicht gebühren, solch reienkränzlein im kasten verwelken zu lassen noch dasselbe lenger bei uns zu behalten'
heiszt es das. 536
in einer betr. einladung von 1591;
es scheint aber nach s. 537
ein kleinod,
das man jedesmal zu dem zwecke fertigen liesz und als geschenk schickte ('wiewol es geringe'),
vgl. das. 538. 541. 542 kranz, 539 krenzlein.
s. auch kränzchen 3.
In Östreich, Baiern gibt es noch ein kranzelschieszen,
dem der erste gewinn, das kranzel
den namen gibt, s. Höfer 2, 165, Schm. 2, 391,
vgl. kränzlein. II@88)
Der kranz
der auszeichnung war mhd. auch persönlich gebraucht, wie krone
heute noch; eine frau heiszt selbst kranz aller wîplîchen güete
Parz. 394, 12,
Parzival selbst aller manne schœne ein bluomenkranz 122, 14,
Larie der fröuden kranz
Wigal. 227, 23,
Maria ein rôsenkranz
gold. schm. xlii, 11: sie (
Maria) ist der frowen krone, sie ist der megde kranz. Uhland
volksl. 843.
[] II@99)
Bildlich in vielerlei verwendung, hauptsächlich bei dichtern; ungefähr wie kreis,
doch lebensvoller. II@9@aa) kranz
von menschen: ein kranz umkränz' ihn, ohne drang und zwang, ein kranz von klugen, nur nicht stolzen leuten. Bürger 19
b; und rings auf hohem balcone die damen in schönem kranz. Schiller 70
a; das ist im thal ein glänzen, kosen von blumen, bäumen, sonnenlicht, durch die sich wie lebendge rosen ein kranz von blühnden menschen flicht. A. Grün
ged. 96.
Besonders treffend vom rundtanze, ringelreihen, einem bewegten kreise: wie nun zum groszen reihentanz die jugend hin sich stellt in einen bunten kranz. Wieland 12, 18; das reckt nun, es will sich ergötzen sogleich, die knöchel zur runde, zum kranze. Göthe 1, 229 (
todtentanz); nimm sie bei der schneeweiszen hand und führ sie in den rosenkranz.
rhein. tanzlied, Erk
liederhort s. 308; ringel ringel reigen, zwanzig ist eine steigen, dreiszig ist ein rosenkranz, vierzig ist ein kindertanz.
kindertanzlied. das ist wol alt, vgl. nd. en krans slûten,
einen kreis '
schlieszen' Schambach 317
a,
altn. setjast î kranz,
sich in einen kreis setzen Fritzner 366
b,
vgl. dazu kreis 1.
ähnlich lat. corona. II@9@bb)
von dingen, die in kranzgestalt erscheinen: und stiesz rings herum am rande des paukenfelles einen kranz von kleinen löchlein in das gespannte fell. Bronners
leben 1, 125; und sie küsst ihm einen kranz von küssen um das ganze schöne gesicht. Geszner (1770) 2, 92; beliebter wald! beliebter kranz von büschen! der Hasels höh mit grünem schatten schwärzt. Haller (1777) 5; im engsten kreise zog ein kranz von rosenhecken sich her um einen vollen quell. Wieland 12, 69; der herbst entlaubt im thale der bäume grünen kranz. A. Grün 106; und rings von duftgen gärten ein blüthenreicher kranz. Uhland
ged. 465; verjüngt, voll schimmer und lächelnd, voll lichter streifen und kränze sehn die gefilde mich an (
nach dem gewitter). Kleist
frühling 1754
s. 49; um bunte kränze des erdreichs schleicht brombeer langsam im klee, zieht grüne neze dazwischen mit sich durchkreuzenden ranken. 46,
von den blumen; dasz der lenz kan die beschneeten äste raumen und ihnen flechten grüne kränz. Harsdörfer
bei Gödeke eilf b. d. d. 1, 345
b; es schien itzt die natur der bäume grünen kränzen ... (
mit schimmerndem thau) viel bunte blumen einzuflechten. Brockes 2, 433; da den osten schon ein kranz von rosen schmückt (
morgenrot). Wieland 12, 273; (
die schlange) macht mit dem schweif vor den augen der Eva, um sie auf sich zu ziehn, viel künstlich verschlungene kränze. Zachariä
Miltons verl. par. 9, 534, wreath.
Besonders von bergen, die den gesichtskreis umkränzen: die blaue ferne schlieszt ein kranz beglänzter höhen. Haller 45 (41); o holder kranz von fernen blauen hügeln. E. v. Kleist (1756) 131; fern umbüschter berge kranz. Voss 6, 193; auf des Pelion wolkigem kranz. Schiller 227
b,
vom einzeln berge, der ja auch ein '
haupt'
hat. II@9@cc)
mit dem begriffe der abrundung, vollendung, des ganzen das sich aus dem einzelnen fügt: die auswahl einer blumenflur, mit weiser wahl in einen strausz gebunden, so trat die erste kunst aus der natur. jetzt werden sträusze schon in einen kranz gewunden, und eine zweite, höh're kunst erstand ... Schiller 23
b; die töne schwebten zu einem kranz in einander geschlungen hoch im äther. J. Paul
Tit. 3, 107; und jede blume windet er zum kranz. Göthe 9, 108,
jede einzelne schönheit weisz er zum ganzen, zum gedicht zu verweben (
Tasso 1, 1),
vgl. das durchgeführte gleichnis zwischen gedicht und kranz bei Konrad
gold. schm. 62
ff., auch Vintler
bei Haupt 9, 109. 10, 260;
[] und es soll der kranz der lieder frisch und grün geflochten sein. Schiller 49
b (
gunst des augenbl.),
doch mehr von der reihe der lieder, wie ähnlich im folg.: er (
Fouqué) arbeitet jetzt an einem kranz von vier deutschhistorischen trauerspielen ... ein groszes schönes gedicht. Chamisso (1864) 5, 153.
vom leben selbst: unser leben ist ein kranz nur von kinderspiel gewunden, denn darinnen um und um lauter kindheit wird gefunden. Conr. Meyer
kinderspiel Zürich 1657
titelblatt. II@1010)
Von ähnlichen dingen, die auf dem haupte getragen werden. II@10@aa)
haarkranz, bei mönchen, der um die geschorene platte stehn bleibt Stieler 1650, kränzlein Schm. 2, 391: raufte einen ... bei dem kränzlin an der platten. Luther 60, 29; der h. Nicetius ist auf die welt gekommen mit einem kranzl von haaren auf dem kopf wie ein religios. Abraham a
s. Clara,
heiszt auch krone.
nach einer ahd. gl. 'cranz
cirros, crines'
hiesz auch das volle haupthaar so, und so gibt auch noch Kilian
nl. krants, hairkrants,
coma, caesaries, chevelure, wenn nicht damit das '
gemachte'
haar, mit zöpfen, locken gemeint ist, in kranzform geflochten, gelockt? das stimmte gut zu dem unter krantwerre
a. e. bemerkten. II@10@bb)
tragring, kranzförmiger wulst, lasten darauf zu tragen. Schm. 2, 391. II@1111)
Vielfach in technischer u. ä. verwendung. II@11@aa) das coronale, daʒ ist der kranz des forderen hirnschedels. Gersdorf
wundarzn. 3.
mhd. cranz
am pferde, s. Mones
anz. 3, 176, 46,
wol wie corona, krone
über dem hufe. kranz
heiszt die kreisförmige vereinigung aller schlagadern im grunde der hirnschale, in der zoologie der mantel der weichthiere, in der botanik eine art nebenkrone, corona. II@11@bb)
kranzartige umfassung. kranz
des wagenrades (
vgl.felge 1): nieder haut sie (
die pappel) der wagner mit seinem blinkenden eisen, dasz er zum kranz des rades am schönen wagen sie ründe. Bürger 219
a,
Il. 4, 486;
ähnlich an mühlrädern, maschinenrädern, bei scheiben und rollen die stirn; vgl. zahnkranz
am maschinenrade unter kraftüberträger.
an den rädern der eisenbahnwagen das überragende theil, spurkranz.
bei münzen der geriefte rand, zum schutz gegen das beschneiden. Comenius
orb. p. 2, 91. II@11@cc)
bei bechern der (
gebogene)
rand, schon ahd. wie es scheint (
vgl.chrampf
unter I,
b): dann umb den kranz des bechers (
als hochzeitgeschenk) oben (
wird vom goldschmid ein spruch eingegraben). J. Frischlin
hohenz. hochz. 78; füllten .. den kump bis oben zum kranze mit wein
an. Bürger 191
b.
ähnlich bei der glocke: von dem helm zum kranz spielts wie sonnenglanz. Schiller 80
a. II@11@dd)
in der baukunst das obere gesims, der karnies, auch böhm. kranec, krancl: und mache (
an der lade) einen gülden kranz oben umbher.
2 Mos. 25, 11. 24. 25, um den altar 30, 3,
vgl. kranzwerk; silberne pfosten .. trugen den silbernen kranz. Voss
Od. 7, 90;
ähnlich heiszt am himmelbette (Frisch 1, 544
b),
am throne, an fenstervorhängen (
M. Kramer)
die obere einfassung der kranz.
am thurme die obere gallerie: kein festklang tönte von dem glockenhaus noch die posaune von des thurmes kranz. Uhland
Ernst v. Schw. 53.
am brunnen ein kasten von holz, worauf die brunnenmauer gesetzt wird; im deichbau die kappe, krone. auch im hüttenwesen, bei ziegelöfen u. a. kommen kränze
vor. II@11@ee)
beim hutmacher: zunächst wird (
beim formen) der hut in den kranz geschlagen. Karmarsch 2, 281.
beim papiermacher ein eisenring mit zacken, das schnelle zurücklaufen der presse zu hindern. beim weber das sperrad am stuhle. kranz in der winpres (
weinpresse),
qualus, quaxillum, instrumentum in torculari, de salicibus contextum, per quod colatur vinum. voc. inc. teut. n 6
a. Dief. 477
a. II@11@ff)
als backwerk, z. b. in Schwaben, kranz, kränzle,
auch zopf,
wie ein runder zopf gestaltet Birlinger
Augsb. wb. 290
b,
zu neujahr verschenkt, s. Meier
sagen s. 470;
luxemb. gleich kringel Gangler 251.
hat das, wie andere backwerkformen zu heiligen zeiten, mythologischen bezug? Kilian
nennt ein solches nl. gebäck krantselink.
in Baiern kränzlein
eine mehlspeise beim hochzeitschmaus. vgl. kringel.