kleinod,
n. eine eigne substantivische bildung von klein. II.
Die formen. I@aa)
die eigentliche form ist kleinot,
wie noch im 16.
jh. vorwiegend geschrieben (
aus andern gründen doch auch jetzt noch gesprochen)
wird. den nhd. lautgesetzen entsprechend ist aber vielmehr das volksmäszige kleinet (
s. e),
und das alte volle -ôt
fürs nhd. eine auffallende erscheinung (
s. h). I@bb)
mhd. kleinôt,
daneben aber und wol öfter daʒ kleinœte
oder kleinœde.
ahd. nicht bezeugt, es ist anzunehmen chleinôt
und chleinôti, chleinôdi,
mit derselben doppelform wie in daʒ heimôt
und heimôti (heimuodi),
älter mhd. daʒ armôt
und armôte (
wb. 1, 58
b),
während in andern entsprechenden bildungen nur die zweite form erscheint, wie ahd. hêrôti
herschaft, mitilôdi
mitte, einôti, einôdi,
vielleicht nur durch einen zufall der überlieferung; von der bildung s. gramm. 2, 257.
so sind nhd. kleinod, heimat, armut, einöde
verspätete reste éiner alten bildung mit doppelform, erhalten durch zufällige einflüsse, wie einöde
durch das sehr frühe denken an öde, armut
durch anklang an mut.
ist etwa in dem myne clinote
En. 322, 14
var. (
vgl. sp. 1087)
auch ein fem. erhalten, wie es die andern bildungen oft neben dem n. haben? vgl. beste kleinot
Nürnb. chr. 2, 558
a (
s. II, 6),
das doch auch n. sein kann, doch s. die erste kl.
u. II, 3
zuletzt. I@cc)
die umlautsform ist früh wieder erloschen (
wie bei armut, heimat
auch),
schon die vocc. des 15.
jh. bei Diefenb. 633
c. 126
c geben sie nur als cleinote (
wie mhd. hss. auch),
mrh. und md. gern cleinode,
nd. clenode;
öfter die andre form kleinot,
nrh. cleinoet (oe
meint ô),
md. aber auch diese früh mit d,
z. b. xenium cleinnod
voc. opt. Lpz. 1501 (
zu dem nn
s. unter i). I@dd)
eigen ist eine oberd. form kleinat Dief. 126
c, cleinat
clinodium voc. inc. teut. (
wol Ulm),
oft in den Augsb., Nürnb. chron. (
s. Lexers
gloss.)
schon im 14.
jh. (
s. II, 5),
wie östr. bei Ottokar (
mhd. wb. 1, 838
a)
im reim auf wât,
also kleinât,
wie im folg.: irs vaters schetz und kleinat (: hat).
meisterges. Berl. hs. f. 23
no. 233.
[] aber auch nd. im 15.
jh. clenade Dief. 126
c (
s. auch sp. 1124),
und entlehnt altschwedisch klænaþ.
das verbürgt eine ursprüngliche nebenform mit -ât
für -ôt,
wie sie in heimat
eigner weise nhd. auftritt, vgl. armatei 1, 563. I@ee)
die heutige form, wie sie die frische überlieferung des lebens bietet, ist kleinet (
wie bair. heimet, einet
heimat, einöde, vgl. armetei),
freilich in andrer bed. als das mehr künstlich erhaltene kleinod (
s. II, 1,
e);
aber auch diesz hiesz früher so: gaben und kleinet. Keisersb. (
s. II, 4,
b).
die kürzung geschah schon vor der nhd. zeit: kleinet,
nrh. clenet Dief. 126
c. 633
a auch gleich unserm kleinod; chlainet
im reim auf mainet
ring 31
c, 27; köstlich ornat, kleinet und parament (
in kirchen).
Nürnb. chron. 2, 73, 13; die in dasselb gestift grosze seltzame kleinet ausz Kriechen bracht. 87, 10;
einzeln schon mhd., z. b. im Lohengr. (
s. II, 4,
d).
dasselbe ist kleinid Dief. 126
c, kleinit: an barschaft, an kleiniten.
schweiz. urk. v. 1467 (
s. sp. 272). I@ff)
merkwürdig aber auch kleinheit: ein silbern ubergult cleinheit voll gulden.
Nürnb. chron. 3, 364, 25,
als geschenk der stadt an den könig, v. j. 1440 (
var. clenhett, cleinodt); ettlich mit cleinheiten und ettlich mit parem golt geert (
geschenke an das gefolge des königs). 365, 5; armbrust, darzu klainheit (
pl., s. sp. 503
u. 6) vil grosz, silber und golt, vil gelts und ross gewunnens an der peüte. Behaim
Wiener 364, 10.
dasz dabei wirklich an kleinot
gedacht ist, zeigt der pl. kleinheiter
wie kleinoter (
s. g): sein tochter die het kleinheiter zu irem haupt gehörend, die wurdent von rittern ausz Frankreich geschätzt und besser dann alle kleinet (
reichsklein.) von Frankreich. Peters
weg zum h. grab Augsb. 1477
cap. 41 (Schmid
schwäb. wb. 316), kleinheit
und kleinet
beisammen, jenes wie die vollere hd. form neben der volksthümlichen. zwischen beiden die mitte haltend kleinhett: als marggr. Albrecht von Brandenburg und ettlich unsers hern kungs diener sich versprochen hetten, mit scharpfen spieszen in der stat umb ettlich kleinhett zu rennen.
Nürnb. chron. 3, 370, 15,
vgl. das nürnb. clenhett
vorhin in den var., clenett 376, 23, klennet 376, 19
ff.: schickten in groszer geheim solich klennet .. gen Ache, doch westen die fursten, die esz geleitten, nit, das es kaiser Karls (
des gr.) klennet waren. 377, 7
ff., die reichskleinodien (
das e
wol nach clenodia); mit den wirdigen clannetten. 378, 5,
von denselben, vgl. bair. chlaneit
unter II, 4,
b. man sieht das völlige verflieszen der formen im bewusztsein. Denkbar ist nun diesz kleinheit
als umdeutung aus kleinât
in bair. östr. mundart, auch in Nürnberg (
s. z. b. Halsprunn
Heilsbronn Nürnb. chron. 1, 362, 5, paumaster
Nürnb. poliz. 287,
vgl. Frommanns
Grübel 3, 230),
und man mag sich dort die fremdgewordene endung wirklich so ausgelegt haben. aber da es auch in md. oder rhein. vocc. erscheint, wie kleinheit
clenodium Dief. 126
c,
bravium 81
a,
xenium ein clainheit 633
a (
vgl. Melber
u. II, 4,
b),
auch kleinhet 126
c,
so musz es ein echtes kleinheit
in dieser bed. gegeben haben, entsprechend dem kleinheit 2
gleich kleinigkeit,
nur in der bed. von klein 1,
b von kunstarbeit. die gemma gibt nebeneinander clinodium ein cleynot
und clenodium ein cleinheit,
auch die Cölner gemma v. 1507 (Dief. 126
c). I@gg)
der pl. heiszt regelrecht kleinot (kleinat, kleinet)
und kleinoter (kleinöder): das kestlin .. darinnen die gülden
kleinot waren.
1 Sam. 6, 15, die gülden kleinot. 8; schmücket euch mit gülden kleinoten.
2 Sam. 1, 24; unmeszliche summa golds an kleinoten und barem gold. Mathesius
Sar. 45
b; mit gold, silber, perlen und allerlei kleinoten. Fischart
bien. (1588) 146
b; ihre krause haar beschönet und mit kleinoten gekrönet. Weckherlin 347 (
od. 1, 1); in der kleinoten unzahl. 380 (
od. 1, 8),
der gen. müszte kleinote
heiszen. daneben kleinoter bis ins 17.
jh.: schatz von kleinotern, edelgestein. Kirchhof
wendunm. 130
b; es sei geld, gut oder kleinoter (
die beute). Reuter
kriegsordnung 38; alle die köstlichste kleinoter und schätz der kirchen. Fischart
bien. (1588) 236
b; die kleinoter, die noch ubrig waren, hat Albrich hinweggenommen. Reiszner
Jer. 2, 157
a; die frau tregt vil kleinoter bei sich. J. Ayrer 35
b. 374
b; die kleinoter welche darinnen. A. Gryphius 1, 926.
früher natürlich auch kleineter Keisersberg
bei Scherz 794, kleinater.
auch kleinödter
engl. komöd. I, L 7
b. O 7
a. Q 6
b (kleinoder P 4
a Q 5
a, kleinodien O 2
a u. ö.).
[] I@hh)
im 17.
jh. kam aber ein häszlicher pl. kleinódien
auf oder mehr deutsch kleínòdien,
das sich dann festgesetzt hat, entnommen aus der canzleisprache, in der das wort, noch als sie lateinisch war, als clenódium
oder clinódium
aufnahme fand (
s. Ducange
s. v., danach selbst mgr. κλεινώδιον),
und dieser lat. form ist wol auch die erhaltung des ô
und das d
für t
zu danken (
wie in Konrad
für Kuonrât,
aus lat. Conradus): der höchst ornat, zierd und schmuck, ketten und perlen aller regenten ist gottes wort ... und diese zierd ubertrifft alle ihr clinodia (
noch mit lat. schrift). Selneccer
chr. psalmen Lpz. 1587
vorr.; Abdolomino wurden die königliche kleinodia (
es ist schon in fractur gedr.) .. auf das feld gebracht, als er hinderm pflug gangen.
Simpl. 1684 3, 17,
die volle lat. form als die dem staatsact gemäszeste; als ich diese kleinodien hatte, wickelt ich sie zusammen in den schleier.
das. 1685 2, 220,
auf derselben seite nachher kleinodia,
scherzhaft wie es scheint (3, 136
Kurz); das baare gelt .. sampt vielen klenodien. 4, 91
Kurz (1685 2, 407 kleinodien); die augen sind die kleinodien, welche die natur gleichsam selbst in die kästlein der augenlieder eingeleget hat. Butschky
Patmos 125; an barschaft und kleinodien. Philander 2, 591; nebst dem geschmeide und den kleinodien. Gellert (1785) 4, 275; juwelen und kleinodien. Fr. Müller 2, 88.
Doch wird auch noch kleinode
gesagt, selbst reichskleinode
z. b. Raumer
Hohenst. 1858 5, 59, Homeyer
Sachsensp. 1861
s. 356;
besonders da wo man den collectiven sinn von kleinodien
meiden und einen reinen plural von kleinod
selbst haben will: sie (
die morgenländischen frauen) sind verhüllete kleinode, verwahrte schäze der männlichen ehre. Herder
lieder der liebe (1778) 118; kleinode schafft dem manne täglich seine faust. Göthe 40, 402 (
Pandora). Adelung
setzt kleinode
sogar für geschmeide an und schreibt kleinodien
dem gemeinen leben zu (
s. II, 1,
a). I@ii)
auch nd. klenodie Grimms
rechtsalt. 580. 585,
als pl. oder als collectiver sing.; ebenso nl. im pl. kleinoodiën
und kleinooden,
sing. kleinood (
früher auch kleinnood,
wie bei uns einzeln mit nn,
mit gedanken an not),
es gab aber auch einen sing. kleinoodië
fem., der bei uns sich gleichfalls finden dürfte. auch dän. klenodie
sg., klenodier
pl., schwed. klenod
m., pl. klenodier.
ferner böhm. klénot, klejnot, klínot (
das erste schon in Diefenbachs
wb. von 1470
sp. 84,
als helmkleinod),
poln. klejnot. IIII.
Bedeutung. II@11)
Die bedeutung musz ursprünglich allgemein '
kleines ding'
gewesen sein (
proprie res parva Stieler 1380,
idem ac kleinigkeit Steinbach 2, 150),
gar nicht von wertvollem vorzugsweise; das ist erhalten in folg. bestimmten verwendungen. II@1@aa)
so heiszen bei den fleischern die kleinern theile des schlachtstücks, die als zulage mit in den kauf gewogen werden, die kleinote
pl. Rädlein 545
a, kleinode
oder kleinodien Adelung,
bes. bei kalb und schöps nach Frisch 1, 522
b: sol kein fleischer die kleinot, als inster, kaldaunen, kalbsköpfe, kühfüsze, schweinsklawen, wörste, schöpsmagen u.
s. w. auf den benken beneben dem fleische feil haben .. auf das niemand gedrungen werde, der von inen fleisch keufen wil, der selbigen kleinot etwas zuzunemen.
der stad Leipzig allerlei ordnunge 1544 G 1
a; es soll kein fleischer die kleinot bei der bank, sondern auf dem platz der darzu geordnet ist, feil haben ... es soll niemand die kleinot zum fleische zuwä
gen. Leipziger ordn. für die landfleischer v. 1634. 1655
in den stadtordn. 1701
s. 432. 422;
noch in einer sächs. verordn. v. 1852,
die schlachtsteuer betr., kleinodien
beim rind (kopf, lunge, leber, herz, kaldaunen, flecke, magen, füsze). Schmotther
Dresden 1726
gibt dafür kleinode (kleinodien
für juwelen),
aber auch gänsekleind 2, 385,
d. i. kleinet
in weiterer kürzung, ganz gleich mit das kleine
sp. 1103,
s. auch f. II@1@bb)
kleinigkeiten sonst, z. b. als frohnzins: zinse vor frohne und kleinet ... kleinet welche die güter desselben orts sonsten zu geben pflegen, als flachs, mahn (
mohn), huner und eier, kese, wie die sonsten namen haben.
urk. v. 1524 Haltaus 1098,
es ist dasselbe was alem. kleine recht (
pl.)
genannt wird, s. Scherz 795,
gewiss auch kurz das kleine,
vgl. kleinzehnte.
ähnlich von reisebedürfnissen: bringende mit ihnen wein und brot, kochfleisch, hüner, eier und frücht, auch ander kleinoten. Wachter 847
aus einem itinerar. nach dem h. lande Frkf. 1584
s. 57. II@1@cc)
von kleinigkeiten im hause, im Sachsensp. 1, 24, 3
bei aufzählung der gerade, da wird nach dem wichtigen geräte, geschmeide, teppichen u. dgl. nachträglich angegeben, als ursprünglich vergessene kleinigkeiten: noch is mangerhande klenode (
var. ding), dat in (
den frauen) gehort, al ne nenne ik is (
gen.) nicht sunderliken, als (
z. b.) borste, schere, spegele;
danach im kulmischen [] recht 4, 50 noch ist manchir hande kleinote
u. s. w., es ist ganz gleich daʒ kleine
sp. 1102
unten. daher auch mlat. clenodium hausgeret, clenodarius
qui facit clenodia voc. opt. Lpz. 1501 F 4
b.
es klingt aber da wie ein collectivum, und so erscheint es deutlich in einem erweiterten Ssp. an jener stelle (
s. Homeyers
var.): unde wat se clenades (
s. I,
d) brachte do se quam, unde wat or (
ihr) de man clenades gegeven heft;
s. folg. II@1@dd)
auch als collect. von kraut und gemüse: das kleinet in den gärten verdorrete alles von der groszen hitze. Frisch 1, 522
a aus Melzers
Schneeberger chronik. so gibt noch Haltaus 1098,
wie aus eigner kenntnis, 'das kleinet
in denen gärten, herbae et olera',
bei Adelung
als erzgebirgisch, bei Reinwald
als nordfränk. (
s. sp. 1062),
es ist 'das kleine'
von früchten (
vgl. kleinzehnte),
elsäss. die kleinen früchte Scherz 794,
wol im gegensatz zu den wichtigern feldfrüchten, getraide. II@1@ee)
daher kleinotgarten
gemüsegarten in urk. (
z. b. osterl. Bech), ein kleinotgärtlein
bei Haltaus 1098
aus einem oberfränk. lehnbrief v. 1643.
bei Adelung
als erzgeb. und obers. kleinetgarten, kleinetstück (
im felde),
noch jetzt im Voigtlande klænetgarten,
gewöhnlich aber kurz klænet
oder klênet,
im Osterlande klent
n. eingezäuntes stück im felde für gemüsebau, auch klenz-
oder klenzegarten,
was älteres kleinotsgarten
voraussetzt, es gilt nun auch für blumengärtchen vor dem hause. Haltaus
gibt aus der Leipziger gegend 'das kleinod,
ein zugerichtetes land, auf welchen man allerhand eszwaaren erbauet die nur in körben und nicht viel auf einmal in die küche getragen werden'.
im sächs. Erzgebirge auch kleinigkeitsgarten
und kleingarten (
von das kleine). II@1@ff)
dazu eine nebenform osterl. das klench, klênicht,
voigtl klænicht,
auch kleinichsgarten,
deutlich eine collectivbildung kleinicht (
eig. gemüse),
mhd. zu vermuten kleinach.
ebenso in der bed. a voigtl. kleinich
n. gänseklein, kleinicht
vom rind, kaldaunen, oberlaus. kleinicht
auf der tenne, spreu die noch ähren enthält Anton 9, 8,
wie das kleine
sp. 1103. II@1@gg)
ebenso älteres kleinât (
s. I,
d)
von den eingeweiden des menschen, wie einst kaldaunen
auch: das giftig fewr der uncheusch das verzeret .. di natürleichen chlainad und nirn der rainigchait. v.
d. Hagens
Germ. 4, 129,
intestina, viscera. II@1@hh)
dasselbe wort scheint aber auch altdän. kleined
oder klenit,
eine art pfefferkuchen (16.
jh.),
s. Molbech
dansk gloss. 1, 439,
das gebäck wird als kleinet
aus Deutschland dort eingeführt sein, s. kleinbrot
zuckerbrot sp. 1089.
dasselbe ist schwed klenet, klenät
n. küchlein als zwischengericht. Ihre 1, 1081. II@22)
Von kleine
fein, zierlich, kunstreich gearbeitet (
sp. 1088)
erhielt kleinôt
den begriff feine kunstarbeit, zierliches kunstwerk, und daran schlosz sich die weitere entwickelung des worts. der begriff des kostbaren stoffes war sicher ursprünglich nicht darin enthalten, obwol er bald dazu trat; goldschmiedsarbeiten sind früh vorzugsweise kleinode (
vgl. kleinschmied),
dann kostbarkeiten überhaupt, die durch kunst und stoff wertvollsten stücke des hausrats, des kirchenschatzes u. ä., hauptsächlich geschirr von silber und gold, schmuck, auch kleider inbegriffen; zur genauen verfolgung des wortes in seiner entwickelung liegt übrigens leider nicht stoff genug vor, es bleiben erhebliche dunkelheiten, selbst über den ursprung der bedeutung. II@2@aa)
dasz urspr. der begriff des kostbaren stoffes nicht darin liegt, zeigt deutlich folg.; i. j. 1370
wird den Münchner bürgern verboten, der stat armbrost, pfeil, spanbank oder welcherlai chlainet daʒ sind die die stat angehörent, hin ze leichen einem auʒmannen (
fremden). Westenrieder
beitr. 6, 104 (Schm. 2, 358),
es ist offenbar nur von kleinem kriegsgeräte die rede von dem kein stück zum gebrauche je fehlen soll. ähnlich vom schieszpulver: disz unedel mörderisch kleinot soll von einem mönch erfunden ... sein. Stumpf
Schweizer chron. (1606) 1, 726
a.
so vielleicht schon mhd., von dem scheidenden Loherangrin: sîns kleinœtes er dâ lieʒ ein swert, ein horn, ein vingerlî
n. Parz. 826, 18.
die büchse, die armbrust können wol als kunstarbeiten kleinot
heiszen, wie aber pfeile, schwert? in der mhd. stelle kann doch auch geschenk, abschiedsgabe (
s. 4)
gemeint sein. II@2@bb) kleinot
von schriftstücken ergibt sich wol aus folg.: zu diesen zeiten ward durch die groben Hessen (
die aufständischen aus dem volke) ausz dem rathaus getragen alles das von alter her behalten was an briefen, sigeln, büchern und klainot, wann sich des keiner verstund, auch alle freiheit die diese stat hett von allen kaisern. S. Meisterlin
Nürnb. chron. 3, 146.
ähnlich in folg.: Lampertus, ain bischof von welschen landen, kam dero zit in die Ow (
Reichenau), ward da ain guoter bruoder, braucht (
d. i. brâcht) mit im vil bcher
[] und andre klainot. G. Oheim
chron. von Reichenau 44, 10; under disem abt sin ouch vil andechtiger herlicher man mit iren bchern und andre klainot bringende alher komen. 51, 17,
nach dem andre
musz klainot
etwas den büchern
verwandtes sein. II@2@cc)
doch heiszen früh schon wirkliche wertsachen so, besonders wie sie der goldschmidt fertigt und besorgt: item dedimus 2 guldein (
als lohn) Sebalten Grolant goltschmid von den vor geschriben cleinoten .. zu bestellen, zu kaufen, zu wegen und ir eins tails ausz zu wischen (
zu reinigen).
Nürnb. chron. 3, 397, 32,
für besorgung der geschenke an den könig und seinen hof i. j. 1440,
es sind goldne, silberne becher, zugleich mit der bed. 4. und (
der bote Abrahams) zoch erfur silber und gülden kleinot (
LXX σκεύη) und kleider und gab sie Rebeca.
1 Mos. 24, 53,
mit stabreimender verbindung, wie sie sich öfter findet, z. b. mîniu kleinôte und mîniu kleider
Trist. 271, 6, weder cleinoten noch claider Schm. 2, 358
v. j. 1605; gold und demant mag ir (
der weisheit) nicht gleichen noch umb sie gülden kleinot wechseln.
Hiob 28, 17.
aber auch eherne kl.: silberne, güldene und ehrne kleinod (
σκεύη).
2 Sam. 8, 10. II@2@dd)
daher von wertsachen als schatz: cimelium, geschmuck und kleinoter. Junius
nom. 230
b; sô bitte mîn herre der kunig (
Ruprecht), daʒ er (
der erzb. von Salzburg) ime lîhen wolle 12000 guldîn, daʒ er sîn cleinôd und silberîn geschirre dâmit gelôsen (
einlösen) moge. Janssen
Frankfurts reichscorr. 1, 695, dieselben cleinôd und silberîn geschirre 696. II@2@ee)
im kirchenschatze, s. z. b. die aufzählung der clenodia conventus (
klosters) Gorlicensis, spectantia ad divinum cultum
v. j. 1475
bei Haltaus 1099,
es sind gefäsze und gewandstücke von gold, silber, edelsteinen. bischof Johann Caspar von Meiszen erzählt, er habe das bisthum mit silbern kleinoten gebessert, als mit 8 silbern schüsseln, kleinen silbern salsirschüsselchen
u. s. w. Frisch 1, 522
b.
vgl. 'ceremonias klainet'
voc. v. 1418 Schm. 2, 358;
in einem andern voc. wird cerimoniae
mit heiltum
erklärt Dief. 114
c,
d. i. reliquien im kirchenschatze, die besonders mit edelsteinen geziert waren, vgl. 3,
d. s. auch kirchenkleinod.
in der bibel: auch wird er ire götter und bilder sampt den köstlichen kleinoten, beide silbern und gülden, wegfüren in Egypten.
Dan. 11, 8; das er (
der tempel) geschmückt were von feinen steinen und kleinoten (
ἀναθήμασι).
Luc. 21, 5; kleinot (
ἱέρωμα) von den götzen aus Jamnea. 2
Macc. 12, 40. II@2@ff)
schmucksachen, geschmeide: monile, kleinat (16.
jh.). Dief. 366
c;
segmentum, halszierd oder zierlich zerhauwne kleinot. Frisius 1192
a. Maaler 245
d; wenn du dich schon mit purpur kleiden und mit gülden kleinoten schmücken und dein angesicht schminken würdest.
Jerem. 4, 30; darum er (
ehren) wir euch mit dem kleinet, das ist gepoliert und umbsteinet (
mit steinen besetzt).
fastn. sp. 136, 10; wan der oder die stein in das kleinat oder ring justiert seind, soll dasselbig kleinot einem (
käufer) dar gewegen (
werden)
u. s. w. Heidelberg. goldschmidtsordn. 16.
jh. Mones
zeitschr. für gesch. des Oberrheins 3, 164. II@2@gg)
da aber das wort einmal zum kostbaren neigte, überwog dann selbst der begriff des edelgesteins: ein gülden kleinod,
gemmae auro inclusae. Stieler 1380,
edelsteinschmuck; etwas mit kleinoden versetzen,
gemmis distinguere. das.; kleinod,
ein köstlicher stein, ring oder dergl. schmuck und kostbarkeit, joyau, mit kleinodien besetzen,
garnir de joyaux. Rädlein 544
b.
auch Frisch 1, 522
a erklärt es eben nur als edelstein, edelsteinschmuck und schon in k. Ruprechts kleinôd und silberîn geschirre
u. d könnte nach dem zusatze diesz gemeint sein. jetzt ist es aber auch in diesem sinne in die dichterische sprache zurückgewichen, im wirklichen leben sagt man pretiosen, juwelen,
kaum noch geschmeide.
folg. ist alterthümelnd gesagt: ganz gewiss haben sie das kleinod (
ein silbernes körbchen), woraus ich oft neben ihnen meine erdbeeren gezuckert habe, sich und den nichten heimlich entzogen. Voss
an Gleim 2, 308. II@2@hh)
auch hier tritt es übrigens als collectivum auf (
s. II, 1,
c): und ir vater gab inen viel gaben von (
an) silber, gold und kleinot.
2 chron. 21, 3; milt, also das er in klemmer zeit sein eigen kleinot verkaufet. Frank
chron. 1531 81
b.
ebenso mhd. z. b. in der Parzivalstelle unter a. II@33)
Schmuck u. ä. als bedeutungsvolles abzeichen. II@3@aa) cleinat uf einem helm,
conus. voc. inc. teut. d 5
b, kleinodt auf einem helm
voc. th. 1482 q 7
b,
das dem wappenbilde auf dem schild entsprechende abzeichen das den adelichen helm zierte oder '
krönte'
wie mans nannte, in kunstarbeit ausgeführt, auch helmzier,
mhd. helmzeichen, zimier.
ein urkundliches beispiel [] aus dem 13.
jh.: wir Brûne v. g. g. bischof ze Prihsen (
Brixen) tuon .. kunt .. daʒ wir mit unser kôrherren willen und gunst und mit unsers gotshûses dienstmanne willen haben gegeben Chuonrât der unsers bruoders sun ist .. unser cleinôde von unserm helme, die wîʒen infel mit zwain zopfen und ietweder horn oder spitz gezieret mit einem boschen von pfâwensvedern, als wir sie in des rîches dienst und in unsers gotshûses urlougen .. ân alle ansprâche haben gevüeret sehs und drîʒek jâr oder mê, und daʒ der selbe grâve Chuonrât den selben helme mit der infel wol vrîlich gevüeren muge.
urk. von 1286,
anz. des germ. mus. 1865
sp. 2.
es ward nämlich ein abzeichen der geschlechter, daher oft wapen und kleinot
verbunden, s. Haltaus 1099
fg. die heraldik nennt kleinode, helmkleinode
alle helmzieraten, wie kronen, thiere, hüte, wülste, küssen; später spielten sie besonders im turnier eine rolle, wie früher im kriege: in dem selbigen turner was ich auch und thurnirt unter meinem angeborn kleinat.
anz. des germ. mus. 1, 68; ich zerhib im sein kleinat uf dem helm. 69,
v. j. 1485. II@3@bb)
auch als abzeichen eines landes, einer stadt, z. b. aus dem leichenzuge k. Karls IV. v. j. 1378
wird mit aufgeführt: darnach frt man ain gehelbiert panier, unden silberweiʒ und oben ain wiʒen leo in ainem roten feld, des landes von Gorlitz, und 3 groʒiu schwarz bedäcktiu ros darnach mit 3 gewappenten mannen mit demselben clainat.
Augsb. chron. 1, 61, 7; die ros alle schwarz, mit schwarzem zendal verdackt (
mit schwarzen decken) .. und daran die schilt und clainat der vorgesprochen lant. 61, 24,
d. h. clainat
offenbar für wappenzeichen überhaupt, das hier die rossdecken gestickt tragen. so von der stadt Braunschweig: wie sie und ihre forderen .. in iren wapen und banier einen weiszen schilt und darin einen erhabenen roten löwen
u. s. w. zu schimpfe und zum ernst geführt .. bittende dasz wir (
der kaiser) ihnen solch wapen und kleinot zu vernewern und zu bestetigen geruheten. Haltaus 1100,
wie vorhin schilt und clainat. II@3@cc)
auch andre derartige abzeichen scheinen danach so benannt zu sein, vgl. z. b. im voc. th. 1482 q 7
b kleinod .. xenium,
idem pilgreinzeichen,
obwol mit letzterem zunächst nur xenium
gemeint sein könnte. vgl. das erste kreide 4. 5. II@3@dd)
auch die reichskleinodien
sind zugleich abzeichen und ausweis der kais. würde: er (
der papst) gab die kron sampt allen des reichs kleinoten und gerechtigkeiten Heinrichen dem fünften. Fischart
bien. (1588) 135
a.
anführung verdient eine nürnbergische aufzeichnung davon aus dem 15.
jh., bei gelegenheit der krönung k. Friedrichs III.; dieser bat i. j. 1440
den rat, der die kleinodien in verwahrung hatte, daʒ man seiner gnaden gen Ach schicken wollte keiser Karl gotlicher gedechtnüs klennet, die zu zirheit eins romischen kungs gehoren, so er in seiner majestat sitzet, als die cron, dalmatica, die alben, die stolen, sandalia, die schuch, auch daʒ swert, daʒ cepter und den apfel, daʒ sein majestat darinnen gekronet möchte werden, wan er besunder andacht zu denselben clenetten hette und sein clennet, die er im bei uns zu Nurmberk hatte befolhen zu machen, so bald nit bereit möchten werden
u. s. w. Nürnb. chron. 3, 376.
sie werden auch heiligtumkleinod
genannt: (
der könig) gab zu versteen, sein gnade wer nu zum reiche erwelet und gecronet und sein vorfaren am reiche .. hetten sulch heiligtumclennet alzeit in ir gewalt gehatt.
das. 380,
gewöhnlich aber das heiligtum
oder heiltum,
genauer das grosz heiligtum
Nürnb. chron. 2, 42, das wirdig heiligtum 1, 371. 2, 43
ff., d. i. reliquien, weil damals der heilige speer u. a. reliquien dabei waren (
das. 3, 280),
vgl. u. 2,
e. seit wann hieszen sie kleinot
und warum genau? die ältere zeit spricht einfach von insignia regalia
u. ä., z. b. Wipo in dem berichte von Konrads II. wahl (
mon. XI, 259).
aber im 14.
jh., z. b. in der glosse zum Ssp. 3, 60
vom scepter: das ist der vünf kleinote ein, die zu dem reiche gehoren. die crone die erste (klein.)
u. s. w. (
Leipz. hs. univ. bibl. 948). II@44) Kleinod
als geschenk. II@4@aa)
so mhd. allgemein: xenium, cleinôte
vel gâbe
fundgr. 1, 379
a.
der wirt gab dem abziehenden gaste als abschiedsgabe, ξένιον, 'sîn kleinœde',
s. z. b. gut. Gerh. 2575 (
wie 'sîne gâbe'
Nib. 1632, 1,
s.gabe 1,
d),
ebenso die frau dem ritter der in ihrem dienst in den streit gieng (
En. 322, 14.
roseng. 735. Lichtenstein 186, 31.
Parz. 134, 19, prîsent 375, 13, gâbe
Nib. 1644, 2
ff.),
oder sie sendet es als zeichen ihrer gunst (
Parz. 357, 16),
der ritter sendet es der frau als zeichen seiner huldigung, bewerbung, als minnebitte oder dank (
s. z. b. Lichtenstein 612, 17
ff. Gudr. 253, 4),
dem herrn oder verwandten als zeichen seiner treue und willigkeit (
z. b. Mai 104, 13),
es ist überhaupt [] ehrengabe, verehrung
in allerhand verhältnissen, daher auch ehrkleinot: so hat Abraham ... auch seine ehrkleinoten und geschmeide (
vorrätig), die er seinem gesandten mit gibt, der seinem son werben und freien solle. Mathesius
Sar. 48
b. II@4@bb)
es setzte sich nämlich fort bis ins nhd., z. b. als minnegabe: das die künigin gern sicht sollich gaben und kleinet (
des werbenden buhlers). Keisersb.
crist. künigin (4°) ee 5
b,
kurz vorher gaben und schenken
ebenso. es wird gern mit gabe
verbunden, das dafür der ältere ausdruck ist, kleinôt
mag urspr. höfisch sein: und da mit verhieʒ er ir vil gab und chlainet.
gesta Rom. 86.
wie tief das wort in das minneleben verwachsen war, zeigt ein ausdruck im bair. rechtsb. von 1332,
wonach die klage der frau gegen den schänder ihrer ehre gilt, sie hab des mannes chlaneit (
s. I,
f) ingenommen oder nicht. Westenrieder
beitr. 7, 91, Schm. 2, 358.
aber auch vom trauring: desponsare, vertruwen, als durch ein kleinheit, vermahelen. Melber
varil. g 1
a,
gleich vervingerlen Dief. 176
c.
ein später nachklang: weil ich als ein freiersmann ausgeritten, hatte ich kleinodien genug bei mir, mich bei dem frauenzimmer in ansehung zu bringen.
Jucundiss. 203. II@4@cc)
als ehrengabe, geschenk aller art: nach dem abentessen wart dem herzogen ein vortanz mit der romischen künigin geben, die schenkt im (
dazu) einen kranz mit einem gar schonen klainat.
Wilwolt v. Sch. 159,
s.kranz 4,
c. kleinoter
heiszen die gaben, die nach der brautnacht die verwandten und freunde dem brautpaar darbringen, so bei der hohenzollerischen hochzeit 1598 (Frischlin 67
ff. herausg. v. Birlinger),
in kronen, bechern u. dgl. bestehend. und nam viel köstlicher kleinot (
ξένια) mit sich von gold, silber und kleider (
für den könig, ihn zu gewinnen). 1
Macc. 11, 24.
der blosze begriff geschenk ist recht deutlich in folg.: das ist der jarmarkt, kleinot oder das geschenke das er (
gott in der verheiszung Zach. 1,
Jerusalem wieder zu bauen) zu den tröstlichen worten thut. Luther 4, 258
a (1556). II@4@dd)
der grund der benennung ist auch hier nicht ganz sicher. schon mhd. heiszen aller art gaben so, auch stücke ihrer kleidung z. b. welche frauen ihrem ritter gaben, doch vorzugsweise sind es allerdings eben kleinodien: und teilt in sîniu kleinet mit (
der fürst den leuten), diu manic goltsmit het mit meisters hant gesmit.
Lohengrin 6054.
es sind besonders ringe, bouge, vingerlîn,
s. mhd. wb. 3, 322
a, Wackernagel
bei Haupt 9, 551 (
vgl. kleinheit
als trauring u. b).
Aber folg. macht doch zugleich eine andere deutung denkbar. wie die vocc. des 15. 16.
jh. xenia
mit cleinote, gabe, prisent
erklären (Dief. 633
a),
so gibt Melber xenia
als 'klein gab', als ostereier vel aliquid pro novo anno, ut kuw, kalb in die kuchen;
ebenso im voc. opt. Lpz. 1501,
in der gemma xenium est munusculum, ein kleinot,
also wol mit bewuszter ableitung ein '
kleines'
geschenk, im bescheidnen ausdruck des gebers? der voc. inc. teut. gibt cleinat
als collibium,
d. i. kleine gabe. das fiele denn mit der bed. 1
zusammen, gleich kleinigkeit
sp. 1112
mitte. ähnlich zeigt das goth. wort für δῶρον,
geschenk, maiþms,
im alts. mêðom,
ags. mâðum
die bed. kleinod. II@4@ee)
übrigens erscheint auch hier, wie 1,
c. d daʒ kleinôt
als collectivum, von vielerlei geschenken Parz. 826, 18. Licht. 228, 13. 229, 8. 41,
daneben von denselben gaben diu kleinôt 228, 11 (daʒ kleinôt 229, 17
meint den ring darunter). II@4@ff)
erwähnenswert endlich ironisch von schwerthieben im streite, mhd. und gewiss noch länger: dem gap er ein kleinœte, daʒ er mit grôʒer nœte zuo der erden nider kam. Stricker
Daniel bei Bartsch
Karl s. xix. II@55)
Dasselbe eigentlich ist kleinod
als siegespreis, siegeskleinod,
ehrengabe an den sieger, die ebenfalls gabe
schlechthin hiesz. II@5@aa)
eigentlich, bravium (
βραβεῖον) ein kleinot .. belonung, lobekrone Melber c 2
b, brabium kleinot Faber (Dief. 81
a), klainat in einem kampf (
wettkampf) oder spil,
brabium Dasyp.: der künig wil under seiner küniklichen kron das clainet verschenken aus sein selbs hant.
fastn. sp. 762, 25; a.
d. 1444 an dem nästen montag nauch (au
für â) dem h. pfingsttag dau warfen die von Augspurg ein aubentür auf, die gekost bei 200 guldin und darumb ze schieszen. und ein pur von Görsthofen gewan das böst kleinat.
Augsb. chron. 1, 239, 9,
wie die beste gabe
und kurz das beste (1, 1661,
vgl. Germ. 10, 136), abenteur
meint dasselbe (
s. Freytag
neue bilder 140); in dems. jar warf dy stat zu Nuremberg 7 kleinat auf
[] .. ein ochsen, ein pferd, ein silbrein pecher, ein silbrein schalen, ein gut armprust und andre klainat .... die anderen pesten kleinat gewunnen dy von Nuremberg.
Nürnb. chron. 1, 388;
fastn. sp. 451, 36. 452, 29
sind es ein spiegel und kranz. H. Sachs
erzählt von einer bauernkirchweih: mitten darauf (
auf dem plan) an einer stangen sah ich drei schöne kleinat hangen, ein nasenfutter, bruch (
hose) und kranz. 1, 397
a (1590). um das kleinot, um kleinote
ward gefochten, gerungen, gelaufen, geschossen, gesungen, getanzt, gespielt, getrunken (
s. sp. 164
mitte, vgl. kannenritter). kleinode
hieszen, wie bei turnieren, die gewinne, preise in lotterien (
s. aus Rostock v. j. 1518
anz. des germ. mus. 1856
sp. 233. 276),
das ehrenzeichen des siegers bei dem wettsingen der meistersänger (schulkleinod),
bei schützenfesten (
s. Bechstein
deutsch. mus. 2, 295
ff., vgl. landkleinod).
so ist der uns entfallene begriff dem 16. 17.
jh. ganz geläufig: daher kommen bei den Römern so vil kleinotter, kränz und kronen der krieger.
kriegsb. des fried. 107; wisset ir nicht das die, so in den schranken laufen, die laufen alle, aber éiner erlanget das kleinod.
1 Cor. 9, 24; es wurde in einer berühmten stadt ein kleinod aufgeworfen, welcher in bevorstehender fasznacht den artigsten und zierlichsten aufzug bringen würde, der doch am wenigsten gekostet. Harsdörfer
Nathan u. Jotham 1, O 5
b; erzh. Carolus liesz im 1612. jahre durch den rath zu Neisz ein freischüszen ausschreiben, zu dessen gedächtnis hat er ein- und zweifache ducaten prägen lassen, worauf stehet: kleinoth groszes schüszens. G. Dewerdeck
Silesia numismatica 1711
s. 220;
ebenda s. 643
von thalern die Löwenberg i. j. 1615
prägen liesz mit inschrift 'kleinot des groszen schieszen',
für jeden abgeschossenen span ward eins von diesen kleinotern
gegeben. Noch im 18.
jh. führt Rädlein
an das kleinod auf der rennbahn erhalten,
emporter le prix 545
a, Steinbach (
aus der bibelstelle vorhin) éiner trägt das kleinod davon
unicus brabeum fert 2, 150.
aber noch in Tirol kloanet,
die mit zierden versehenen '
besten' (
preise)
beim schieszen, kegeln. Schöpf 319. II@5@bb)
bildlich und in redensarten: denn die erfahrung bringts mit, dasz zu disen zeiten und an denen örtern (
bei turnieren) die sauf- und füllkunst das kleinot pflegt darvon zu tragen. Kirchhof
wendunm. 78
a,
die schlemmerei jetzt das heldenthum verleiht; jage nach dem furgesteckten ziel, nach dem kleinod, welches furhelt die himlische berufunge gottes in Christo Jhesu.
Phil. 3, 14; ihr brüder, laufet auch ingleichen, dasz ihr das kleinod mögt erreichen. Opitz 3, 104; unter denen, so nach dem kenntnis ausländischer sachen ringen, gebühret dem kühnen Europäer das kleinod. Butschky
Patmos 181; und der selige sprach von dem märtyrertode! dem kleinod' an der laufbahn ziel! Klopstock
Mess. 17, 67; viele laufen nach dem ziel, einer nur erlangt das kleinod.
werke 7, 291; ich bins voll zuversicht, am ende der laufbahn wird das kleinod mir! 7, 294
u. ö. II@66)
Überhaupt sind die genannten bedeutungen, im wirklichen leben verloren, noch in bildlichem gebrauch zum theil erhalten, besonders nach der bed. 2
werden dinge vom höchsten wert, von seltenheit, die von allen als unschätzbares gut anerkannt, unersetzbar sind, kleinodien
genannt; diese bildliche verwendung ist aber auch alt: als noch manig pöser man tuot, der da neit (
neidet) in seinem herzen, ob (
wenn) ein armer man hat ein chlainot.
gesta Rom. 86,
von einer schönen und keuschen frau; (
verbrannten) einen markt genant Aufkirchen, der dann graf Wilhelms von Öting beste kleinot gewesen ist.
Nürnb. chron. 2, 209
b anm.; und hab gehört dʒ under dem himel nit hüpscher noch edler kleinheit nit sei (
als der weinberg Engadi auf Rhodus). Peters
weg zum heil. grab. Augsb. 1477
cap. 37 (Schmid
schwäb. wb. 316); die kaufleut sollen das kleinet der gerechtigkeit unter irer kaufmanschaft (
waare) haben. Keisersberg
post. 65
b; es ist gold und viel perlen, aber ein vernünftiger mund ist ein edel kleinod.
spr. Sal. 20, 15; als das berhmt herrlich zeughaus (
in Straszburg), ein kleinot diser statt voraus. Fischart
glückh. schiff 890 (ein
titelmäszig für das); nachdem reine lehre, beineben auch christliche einigkeit, die höchsten kleinoder und gaben sein.
corpus constit. Brandenb.-Culmb. 1, 254; nicht das geringste dieser lande kleinod, nemlich das oberhofgerichte.
kurf. Christian II. von Sachsen bei Haltaus 1100; zu errettung seiner ehre, glimpfs und gutes
[] namens, als des höchsten kleinots auf erden.
urk. des h. Julius von Braunschweig
v. j. 1587
das., aus den '
Braunschweig. histor. händeln' 1, 94; umb ganzer gemeiner stadt uralten verfassung und also des allerhöchsten kleinots willen.
antwort der stadt Braunschweig das. 3, 2510; die gesundheit ist ein unwissendes und verborgenes kleinod. Lehman
flor. 2, 118; ein mann ist das kleinod von dessen stralen die weiber erleuchtet und geehret werden. Abele
selts. gerichtsh. (1684) 1, 77; ich bin das kleinod deines lebens (
sagt ein sohn zum vater). 1, 480; das kleinod hoher brust (
der weisheit) trug einen sonnenschild. Günther 509,
die herrliche brust, der gen. in gleichem sinne wie das ist ein kleinod von einem gemälde; den frieden mit sich selbst ... dás kleinod kennt ihr nicht. Hagedorn 1, 24; uneigennützig zu handeln sei ein kleinod zwar (
selten). Gökingk 2, 79; o weh! wer stahl mir mit räubergewalt so schändlich mein kleinod (
die geliebte) von hinnen? Bürger
das lied von treue; die schmerzen auch um solch ein kleinod sind genusz. Göthe 40, 402; dieser kleine war das liebste kleinod der prinzessin. Klinger 10, 21; theurer mann, ein wahres kleinod bist du mir. Schiller 313
a; komm du hervor (
armbrust), du bringer bittrer schmerzen, mein theures kleinod jetzt, mein höchster schatz. 544
b; wer hat das hohe kleinod (
die verfassung) dir errungen, das zu der länder fürstin dich gemacht? 20
a; mein höchstes kleinod, meine freiheit. 416
b,
bemerkenswert das hoch
zur steigerung des begriffs, wie vorhin in der antwort der stadt Braunschweig; bei dem theuersten kleinod, bei meiner ehre! Fr. Müller 2, 109; für den liebhaber, der solche kleinodien (
antike gemmen) anschaffen, den besitz zu einer würdigen sammlung erheben will. Göthe 30, 243,
er meint wol kunstschätze, kostbare seltenheiten, man sagt bei einer sammlung vom seltensten, wertvollsten stück das ist das kleinod der sammlung. II@77)
nicht unterzubringen weisz ichs von krankheiten, geschwüren: (
man hüte sich da vor) dem kalten seich, krebs, schlier, kolben und andern dergleichen kleinoten. Fischart
groszm. 612
Sch., ironisch? ich glaube nicht.