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kleinod

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kleinod n.

Bd. 11, Sp. 1121
kleinod, n. eine eigne substantivische bildung von klein. II. Die formen. I@aa) die eigentliche form ist kleinot, wie noch im 16. jh. vorwiegend geschrieben (aus andern gründen doch auch jetzt noch gesprochen) wird. den nhd. lautgesetzen entsprechend ist aber vielmehr das volksmäszige kleinet (s. e), und das alte volle -ôt fürs nhd. eine auffallende erscheinung (s. h). I@bb) mhd. kleinôt, daneben aber und wol öfter daʒ kleinœte oder kleinœde. ahd. nicht bezeugt, es ist anzunehmen chleinôt und chleinôti, chleinôdi, mit derselben doppelform wie in daʒ heimôt und heimôti (heimuodi), älter mhd. daʒ armôt und armôte (wb. 1, 58b), während in andern entsprechenden bildungen nur die zweite form erscheint, wie ahd. hêrôti herschaft, mitilôdi mitte, einôti, einôdi, vielleicht nur durch einen zufall der überlieferung; von der bildung s. gramm. 2, 257. so sind nhd. kleinod, heimat, armut, einöde verspätete reste éiner alten bildung mit doppelform, erhalten durch zufällige einflüsse, wie einöde durch das sehr frühe denken an öde, armut durch anklang an mut. ist etwa in dem myne clinote En. 322, 14 var. (vgl. sp. 1087) auch ein fem. erhalten, wie es die andern bildungen oft neben dem n. haben? vgl. beste kleinot Nürnb. chr. 2, 558a (s. II, 6), das doch auch n. sein kann, doch s. die erste kl. u. II, 3 zuletzt. I@cc) die umlautsform ist früh wieder erloschen (wie bei armut, heimat auch), schon die vocc. des 15. jh. bei Diefenb. 633c. 126c geben sie nur als cleinote (wie mhd. hss. auch), mrh. und md. gern cleinode, nd. clenode; öfter die andre form kleinot, nrh. cleinoet (oe meint ô), md. aber auch diese früh mit d, z. b. xenium cleinnod voc. opt. Lpz. 1501 (zu dem nn s. unter i). I@dd) eigen ist eine oberd. form kleinat Dief. 126c, cleinat clinodium voc. inc. teut. (wol Ulm), oft in den Augsb., Nürnb. chron. (s. Lexers gloss.) schon im 14. jh. (s. II, 5), wie östr. bei Ottokar (mhd. wb. 1, 838a) im reim auf wât, also kleinât, wie im folg.: irs vaters schetz und kleinat (: hat). meisterges. Berl. hs. f. 23 no. 233. [] aber auch nd. im 15. jh. clenade Dief. 126c (s. auch sp. 1124), und entlehnt altschwedisch klænaþ. das verbürgt eine ursprüngliche nebenform mit -ât für -ôt, wie sie in heimat eigner weise nhd. auftritt, vgl. armatei 1, 563. I@ee) die heutige form, wie sie die frische überlieferung des lebens bietet, ist kleinet (wie bair. heimet, einet heimat, einöde, vgl. armetei), freilich in andrer bed. als das mehr künstlich erhaltene kleinod (s. II, 1, e); aber auch diesz hiesz früher so: gaben und kleinet. Keisersb. (s. II, 4, b). die kürzung geschah schon vor der nhd. zeit: kleinet, nrh. clenet Dief. 126c. 633a auch gleich unserm kleinod; chlainet im reim auf mainet ring 31c, 27; köstlich ornat, kleinet und parament (in kirchen). Nürnb. chron. 2, 73, 13; die in dasselb gestift grosze seltzame kleinet ausz Kriechen bracht. 87, 10; einzeln schon mhd., z. b. im Lohengr. (s. II, 4, d). dasselbe ist kleinid Dief. 126c, kleinit: an barschaft, an kleiniten. schweiz. urk. v. 1467 (s. sp. 272). I@ff) merkwürdig aber auch kleinheit: ein silbern ubergult cleinheit voll gulden. Nürnb. chron. 3, 364, 25, als geschenk der stadt an den könig, v. j. 1440 (var. clenhett, cleinodt); ettlich mit cleinheiten und ettlich mit parem golt geert (geschenke an das gefolge des königs). 365, 5; armbrust, darzu klainheit (pl., s. sp. 503 u. 6) vil grosz, silber und golt, vil gelts und ross gewunnens an der peüte. Behaim Wiener 364, 10. dasz dabei wirklich an kleinot gedacht ist, zeigt der pl. kleinheiter wie kleinoter (s. g): sein tochter die het kleinheiter zu irem haupt gehörend, die wurdent von rittern ausz Frankreich geschätzt und besser dann alle kleinet (reichsklein.) von Frankreich. Peters weg zum h. grab Augsb. 1477 cap. 41 (Schmid schwäb. wb. 316), kleinheit und kleinet beisammen, jenes wie die vollere hd. form neben der volksthümlichen. zwischen beiden die mitte haltend kleinhett: als marggr. Albrecht von Brandenburg und ettlich unsers hern kungs diener sich versprochen hetten, mit scharpfen spieszen in der stat umb ettlich kleinhett zu rennen. Nürnb. chron. 3, 370, 15, vgl. das nürnb. clenhett vorhin in den var., clenett 376, 23, klennet 376, 19 ff.: schickten in groszer geheim solich klennet .. gen Ache, doch westen die fursten, die esz geleitten, nit, das es kaiser Karls (des gr.) klennet waren. 377, 7 ff., die reichskleinodien (das e wol nach clenodia); mit den wirdigen clannetten. 378, 5, von denselben, vgl. bair. chlaneit unter II, 4, b. man sieht das völlige verflieszen der formen im bewusztsein. Denkbar ist nun diesz kleinheit als umdeutung aus kleinât in bair. östr. mundart, auch in Nürnberg (s. z. b. Halsprunn Heilsbronn Nürnb. chron. 1, 362, 5, paumaster Nürnb. poliz. 287, vgl. Frommanns Grübel 3, 230), und man mag sich dort die fremdgewordene endung wirklich so ausgelegt haben. aber da es auch in md. oder rhein. vocc. erscheint, wie kleinheit clenodium Dief. 126c, bravium 81a, xenium ein clainheit 633a (vgl. Melber u. II, 4, b), auch kleinhet 126c, so musz es ein echtes kleinheit in dieser bed. gegeben haben, entsprechend dem kleinheit 2 gleich kleinigkeit, nur in der bed. von klein 1, b von kunstarbeit. die gemma gibt nebeneinander clinodium ein cleynot und clenodium ein cleinheit, auch die Cölner gemma v. 1507 (Dief. 126c). I@gg) der pl. heiszt regelrecht kleinot (kleinat, kleinet) und kleinoter (kleinöder): das kestlin .. darinnen die gülden kleinot waren. 1 Sam. 6, 15, die gülden kleinot. 8; schmücket euch mit gülden kleinoten. 2 Sam. 1, 24; unmeszliche summa golds an kleinoten und barem gold. Mathesius Sar. 45b; mit gold, silber, perlen und allerlei kleinoten. Fischart bien. (1588) 146b; ihre krause haar beschönet und mit kleinoten gekrönet. Weckherlin 347 (od. 1, 1); in der kleinoten unzahl. 380 (od. 1, 8), der gen. müszte kleinote heiszen. daneben kleinoter bis ins 17. jh.: schatz von kleinotern, edelgestein. Kirchhof wendunm. 130b; es sei geld, gut oder kleinoter (die beute). Reuter kriegsordnung 38; alle die köstlichste kleinoter und schätz der kirchen. Fischart bien. (1588) 236b; die kleinoter, die noch ubrig waren, hat Albrich hinweggenommen. Reiszner Jer. 2, 157a; die frau tregt vil kleinoter bei sich. J. Ayrer 35b. 374b; die kleinoter welche darinnen. A. Gryphius 1, 926. früher natürlich auch kleineter Keisersberg bei Scherz 794, kleinater. auch kleinödter engl. komöd. I, L 7b. O 7a. Q 6b (kleinoder P 4a Q 5a, kleinodien O 2a u. ö.). [] I@hh) im 17. jh. kam aber ein häszlicher pl. kleinódien auf oder mehr deutsch kleínòdien, das sich dann festgesetzt hat, entnommen aus der canzleisprache, in der das wort, noch als sie lateinisch war, als clenódium oder clinódium aufnahme fand (s. Ducange s. v., danach selbst mgr. κλεινώδιον), und dieser lat. form ist wol auch die erhaltung des ô und das d für t zu danken (wie in Konrad für Kuonrât, aus lat. Conradus): der höchst ornat, zierd und schmuck, ketten und perlen aller regenten ist gottes wort ... und diese zierd ubertrifft alle ihr clinodia (noch mit lat. schrift). Selneccer chr. psalmen Lpz. 1587 vorr.; Abdolomino wurden die königliche kleinodia (es ist schon in fractur gedr.) .. auf das feld gebracht, als er hinderm pflug gangen. Simpl. 1684 3, 17, die volle lat. form als die dem staatsact gemäszeste; als ich diese kleinodien hatte, wickelt ich sie zusammen in den schleier. das. 1685 2, 220, auf derselben seite nachher kleinodia, scherzhaft wie es scheint (3, 136 Kurz); das baare gelt .. sampt vielen klenodien. 4, 91 Kurz (1685 2, 407 kleinodien); die augen sind die kleinodien, welche die natur gleichsam selbst in die kästlein der augenlieder eingeleget hat. Butschky Patmos 125; an barschaft und kleinodien. Philander 2, 591; nebst dem geschmeide und den kleinodien. Gellert (1785) 4, 275; juwelen und kleinodien. Fr. Müller 2, 88. Doch wird auch noch kleinode gesagt, selbst reichskleinode z. b. Raumer Hohenst. 1858 5, 59, Homeyer Sachsensp. 1861 s. 356; besonders da wo man den collectiven sinn von kleinodien meiden und einen reinen plural von kleinod selbst haben will: sie (die morgenländischen frauen) sind verhüllete kleinode, verwahrte schäze der männlichen ehre. Herder lieder der liebe (1778) 118; kleinode schafft dem manne täglich seine faust. Göthe 40, 402 (Pandora). Adelung setzt kleinode sogar für geschmeide an und schreibt kleinodien dem gemeinen leben zu (s. II, 1, a). I@ii) auch nd. klenodie Grimms rechtsalt. 580. 585, als pl. oder als collectiver sing.; ebenso nl. im pl. kleinoodiën und kleinooden, sing. kleinood (früher auch kleinnood, wie bei uns einzeln mit nn, mit gedanken an not), es gab aber auch einen sing. kleinoodië fem., der bei uns sich gleichfalls finden dürfte. auchn. klenodie sg., klenodier pl., schwed. klenod m., pl. klenodier. ferner böhm. klénot, klejnot, klínot (das erste schon in Diefenbachs wb. von 1470 sp. 84, als helmkleinod), poln. klejnot. IIII. Bedeutung. II@11) Die bedeutung musz ursprünglich allgemein 'kleines ding' gewesen sein (proprie res parva Stieler 1380, idem ac kleinigkeit Steinbach 2, 150), gar nicht von wertvollem vorzugsweise; das ist erhalten in folg. bestimmten verwendungen. II@1@aa) so heiszen bei den fleischern die kleinern theile des schlachtstücks, die als zulage mit in den kauf gewogen werden, die kleinote pl. Rädlein 545a, kleinode oder kleinodien Adelung, bes. bei kalb und schöps nach Frisch 1, 522b: sol kein fleischer die kleinot, als inster, kaldaunen, kalbsköpfe, kühfüsze, schweinsklawen, wörste, schöpsmagen u. s. w. auf den benken beneben dem fleische feil haben .. auf das niemand gedrungen werde, der von inen fleisch keufen wil, der selbigen kleinot etwas zuzunemen. der stad Leipzig allerlei ordnunge 1544 G 1a; es soll kein fleischer die kleinot bei der bank, sondern auf dem platz der darzu geordnet ist, feil haben ... es soll niemand die kleinot zum fleische zuwägen. Leipziger ordn. für die landfleischer v. 1634. 1655 in den stadtordn. 1701 s. 432. 422; noch in einer sächs. verordn. v. 1852, die schlachtsteuer betr., kleinodien beim rind (kopf, lunge, leber, herz, kaldaunen, flecke, magen, füsze). Schmotther Dresden 1726 gibt dafür kleinode (kleinodien für juwelen), aber auch gänsekleind 2, 385, d. i. kleinet in weiterer kürzung, ganz gleich mit das kleine sp. 1103, s. auch f. II@1@bb) kleinigkeiten sonst, z. b. als frohnzins: zinse vor frohne und kleinet ... kleinet welche die güter desselben orts sonsten zu geben pflegen, als flachs, mahn (mohn), huner und eier, kese, wie die sonsten namen haben. urk. v. 1524 Haltaus 1098, es ist dasselbe was alem. kleine recht (pl.) genannt wird, s. Scherz 795, gewiss auch kurz das kleine, vgl. kleinzehnte. ähnlich von reisebedürfnissen: bringende mit ihnen wein und brot, kochfleisch, hüner, eier und frücht, auch ander kleinoten. Wachter 847 aus einem itinerar. nach dem h. lande Frkf. 1584 s. 57. II@1@cc) von kleinigkeiten im hause, im Sachsensp. 1, 24, 3 bei aufzählung der gerade, da wird nach dem wichtigen geräte, geschmeide, teppichen u. dgl. nachträglich angegeben, als ursprünglich vergessene kleinigkeiten: noch is mangerhande klenode (var. ding), dat in (den frauen) gehort, al ne nenne ik is (gen.) nicht sunderliken, als (z. b.) borste, schere, spegele; danach im kulmischen [] recht 4, 50 noch ist manchir hande kleinote u. s. w., es ist ganz gleich daʒ kleine sp. 1102 unten. daher auch mlat. clenodium hausgeret, clenodarius qui facit clenodia voc. opt. Lpz. 1501 F 4b. es klingt aber da wie ein collectivum, und so erscheint es deutlich in einem erweiterten Ssp. an jener stelle (s. Homeyers var.): unde wat se clenades (s. I, d) brachte do se quam, unde wat or (ihr) de man clenades gegeven heft; s. folg. II@1@dd) auch als collect. von kraut und gemüse: das kleinet in den gärten verdorrete alles von der groszen hitze. Frisch 1, 522a aus Melzers Schneeberger chronik. so gibt noch Haltaus 1098, wie aus eigner kenntnis, 'das kleinet in denen gärten, herbae et olera', bei Adelung als erzgebirgisch, bei Reinwald als nordfränk. (s. sp. 1062), es ist 'das kleine' von früchten (vgl. kleinzehnte), elsäss. die kleinen früchte Scherz 794, wol im gegensatz zu den wichtigern feldfrüchten, getraide. II@1@ee) daher kleinotgarten gemüsegarten in urk. (z. b. osterl. Bech), ein kleinotgärtlein bei Haltaus 1098 aus einem oberfränk. lehnbrief v. 1643. bei Adelung als erzgeb. und obers. kleinetgarten, kleinetstück (im felde), noch jetzt im Voigtlande klænetgarten, gewöhnlich aber kurz klænet oder klênet, im Osterlande klent n. eingezäuntes stück im felde für gemüsebau, auch klenz- oder klenzegarten, was älteres kleinotsgarten voraussetzt, es gilt nun auch für blumengärtchen vor dem hause. Haltaus gibt aus der Leipziger gegend 'das kleinod, ein zugerichtetes land, auf welchen man allerhand eszwaaren erbauet die nur in körben und nicht viel auf einmal in die küche getragen werden'. im sächs. Erzgebirge auch kleinigkeitsgarten und kleingarten (von das kleine). II@1@ff) dazu eine nebenform osterl. das klench, klênicht, voigtl klænicht, auch kleinichsgarten, deutlich eine collectivbildung kleinicht (eig. gemüse), mhd. zu vermuten kleinach. ebenso in der bed. a voigtl. kleinich n. gänseklein, kleinicht vom rind, kaldaunen, oberlaus. kleinicht auf der tenne, spreu die noch ähren enthält Anton 9, 8, wie das kleine sp. 1103. II@1@gg) ebenso älteres kleinât (s. I, d) von den eingeweiden des menschen, wie einst kaldaunen auch: das giftig fewr der uncheusch das verzeret .. di natürleichen chlainad und nirn der rainigchait. v. d. Hagens Germ. 4, 129, intestina, viscera. II@1@hh) dasselbe wort scheint aber auch altdän. kleined oder klenit, eine art pfefferkuchen (16. jh.), s. Molbech dansk gloss. 1, 439, das gebäck wird als kleinet aus Deutschland dort eingeführt sein, s. kleinbrot zuckerbrot sp. 1089. dasselbe ist schwed klenet, klenät n. küchlein als zwischengericht. Ihre 1, 1081. II@22) Von kleine fein, zierlich, kunstreich gearbeitet (sp. 1088) erhielt kleinôt den begriff feine kunstarbeit, zierliches kunstwerk, und daran schlosz sich die weitere entwickelung des worts. der begriff des kostbaren stoffes war sicher ursprünglich nicht darin enthalten, obwol er bald dazu trat; goldschmiedsarbeiten sind früh vorzugsweise kleinode (vgl. kleinschmied), dann kostbarkeiten überhaupt, die durch kunst und stoff wertvollsten stücke des hausrats, des kirchenschatzes u. ä., hauptsächlich geschirr von silber und gold, schmuck, auch kleider inbegriffen; zur genauen verfolgung des wortes in seiner entwickelung liegt übrigens leider nicht stoff genug vor, es bleiben erhebliche dunkelheiten, selbst über den ursprung der bedeutung. II@2@aa) dasz urspr. der begriff des kostbaren stoffes nicht darin liegt, zeigt deutlich folg.; i. j. 1370 wird den Münchner bürgern verboten, der stat armbrost, pfeil, spanbank oder welcherlai chlainet daʒ sind die die stat angehörent, hin ze leichen einem auʒmannen (fremden). Westenrieder beitr. 6, 104 (Schm. 2, 358), es ist offenbar nur von kleinem kriegsgeräte die rede von dem kein stück zum gebrauche je fehlen soll. ähnlich vom schieszpulver: disz unedel mörderisch kleinot soll von einem mönch erfunden ... sein. Stumpf Schweizer chron. (1606) 1, 726a. so vielleicht schon mhd., von dem scheidenden Loherangrin: sîns kleinœtes er dâ lieʒ ein swert, ein horn, ein vingerlîn. Parz. 826, 18. die büchse, die armbrust können wol als kunstarbeiten kleinot heiszen, wie aber pfeile, schwert? in der mhd. stelle kann doch auch geschenk, abschiedsgabe (s. 4) gemeint sein. II@2@bb) kleinot von schriftstücken ergibt sich wol aus folg.: zu diesen zeiten ward durch die groben Hessen (die aufständischen aus dem volke) ausz dem rathaus getragen alles das von alter her behalten was an briefen, sigeln, büchern und klainot, wann sich des keiner verstund, auch alle freiheit die diese stat hett von allen kaisern. S. Meisterlin Nürnb. chron. 3, 146. ähnlich in folg.: Lampertus, ain bischof von welschen landen, kam dero zit in die Ow (Reichenau), ward da ain guoter bruoder, braucht (d. i. brâcht) mit im vil bcher [] und andre klainot. G. Oheim chron. von Reichenau 44, 10; under disem abt sin ouch vil andechtiger herlicher man mit iren bchern und andre klainot bringende alher komen. 51, 17, nach dem andre musz klainot etwas den büchern verwandtes sein. II@2@cc) doch heiszen früh schon wirkliche wertsachen so, besonders wie sie der goldschmidt fertigt und besorgt: item dedimus 2 guldein (als lohn) Sebalten Grolant goltschmid von den vor geschriben cleinoten .. zu bestellen, zu kaufen, zu wegen und ir eins tails ausz zu wischen (zu reinigen). Nürnb. chron. 3, 397, 32, für besorgung der geschenke an den könig und seinen hof i. j. 1440, es sind goldne, silberne becher, zugleich mit der bed. 4. und (der bote Abrahams) zoch erfur silber und gülden kleinot (LXX σκεύη) und kleider und gab sie Rebeca. 1 Mos. 24, 53, mit stabreimender verbindung, wie sie sich öfter findet, z. b. mîniu kleinôte und mîniu kleider Trist. 271, 6, weder cleinoten noch claider Schm. 2, 358 v. j. 1605; gold und demant mag ir (der weisheit) nicht gleichen noch umb sie gülden kleinot wechseln. Hiob 28, 17. aber auch eherne kl.: silberne, güldene und ehrne kleinod (σκεύη). 2 Sam. 8, 10. II@2@dd) daher von wertsachen als schatz: cimelium, geschmuck und kleinoter. Junius nom. 230b; sô bitte mîn herre der kunig (Ruprecht), daʒ er (der erzb. von Salzburg) ime lîhen wolle 12000 guldîn, daʒ er sîn cleinôd und silberîn geschirre dâmit gelôsen (einlösen) moge. Janssen Frankfurts reichscorr. 1, 695, dieselben cleinôd und silberîn geschirre 696. II@2@ee) im kirchenschatze, s. z. b. die aufzählung der clenodia conventus (klosters) Gorlicensis, spectantia ad divinum cultum v. j. 1475 bei Haltaus 1099, es sind gefäsze und gewandstücke von gold, silber, edelsteinen. bischof Johann Caspar von Meiszen erzählt, er habe das bisthum mit silbern kleinoten gebessert, als mit 8 silbern schüsseln, kleinen silbern salsirschüsselchen u. s. w. Frisch 1, 522b. vgl. 'ceremonias klainet' voc. v. 1418 Schm. 2, 358; in einem andern voc. wird cerimoniae mit heiltum erklärt Dief. 114c, d. i. reliquien im kirchenschatze, die besonders mit edelsteinen geziert waren, vgl. 3, d. s. auch kirchenkleinod. in der bibel: auch wird er ire götter und bilder sampt den köstlichen kleinoten, beide silbern und gülden, wegfüren in Egypten. Dan. 11, 8; das er (der tempel) geschmückt were von feinen steinen und kleinoten (ἀναθήμασι). Luc. 21, 5; kleinot (ἱέρωμα) von den götzen aus Jamnea. 2 Macc. 12, 40. II@2@ff) schmucksachen, geschmeide: monile, kleinat (16. jh.). Dief. 366c; segmentum, halszierd oder zierlich zerhauwne kleinot. Frisius 1192a. Maaler 245d; wenn du dich schon mit purpur kleiden und mit gülden kleinoten schmücken und dein angesicht schminken würdest. Jerem. 4, 30; darum er (ehren) wir euch mit dem kleinet, das ist gepoliert und umbsteinet (mit steinen besetzt). fastn. sp. 136, 10; wan der oder die stein in das kleinat oder ring justiert seind, soll dasselbig kleinot einem (käufer) dar gewegen (werden) u. s. w. Heidelberg. goldschmidtsordn. 16. jh. Mones zeitschr. für gesch. des Oberrheins 3, 164. II@2@gg) da aber das wort einmal zum kostbaren neigte, überwog dann selbst der begriff des edelgesteins: ein gülden kleinod, gemmae auro inclusae. Stieler 1380, edelsteinschmuck; etwas mit kleinoden versetzen, gemmis distinguere. das.; kleinod, ein köstlicher stein, ring oder dergl. schmuck und kostbarkeit, joyau, mit kleinodien besetzen, garnir de joyaux. Rädlein 544b. auch Frisch 1, 522a erklärt es eben nur als edelstein, edelsteinschmuck und schon in k. Ruprechts kleinôd und silberîn geschirre u. d könnte nach dem zusatze diesz gemeint sein. jetzt ist es aber auch in diesem sinne in die dichterische sprache zurückgewichen, im wirklichen leben sagt man pretiosen, juwelen, kaum noch geschmeide. folg. ist alterthümelnd gesagt: ganz gewiss haben sie das kleinod (ein silbernes körbchen), woraus ich oft neben ihnen meine erdbeeren gezuckert habe, sich und den nichten heimlich entzogen. Voss an Gleim 2, 308. II@2@hh) auch hier tritt es übrigens als collectivum auf (s. II, 1, c): und ir vater gab inen viel gaben von (an) silber, gold und kleinot. 2 chron. 21, 3; milt, also das er in klemmer zeit sein eigen kleinot verkaufet. Frank chron. 1531 81b. ebenso mhd. z. b. in der Parzivalstelle unter a. II@33) Schmuck u. ä. als bedeutungsvolles abzeichen. II@3@aa) cleinat uf einem helm, conus. voc. inc. teut. d 5b, kleinodt auf einem helm voc. th. 1482 q 7b, das dem wappenbilde auf dem schild entsprechende abzeichen das den adelichen helm zierte oder 'krönte' wie mans nannte, in kunstarbeit ausgeführt, auch helmzier, mhd. helmzeichen, zimier. ein urkundliches beispiel [] aus dem 13. jh.: wir Brûne v. g. g. bischof ze Prihsen (Brixen) tuon .. kunt .. daʒ wir mit unser kôrherren willen und gunst und mit unsers gotshûses dienstmanne willen haben gegeben Chuonrât der unsers bruoders sun ist .. unser cleinôde von unserm helme, die wîʒen infel mit zwain zopfen und ietweder horn oder spitz gezieret mit einem boschen von pfâwensvedern, als wir sie in des rîches dienst und in unsers gotshûses urlougen .. ân alle ansprâche haben gevüeret sehs und drîʒek jâr oder mê, und daʒ der selbe grâve Chuonrât den selben helme mit der infel wol vrîlich gevüeren muge. urk. von 1286, anz. des germ. mus. 1865 sp. 2. es ward nämlich ein abzeichen der geschlechter, daher oft wapen und kleinot verbunden, s. Haltaus 1099 fg. die heraldik nennt kleinode, helmkleinode alle helmzieraten, wie kronen, thiere, hüte, wülste, küssen; später spielten sie besonders im turnier eine rolle, wie früher im kriege: in dem selbigen turner was ich auch und thurnirt unter meinem angeborn kleinat. anz. des germ. mus. 1, 68; ich zerhib im sein kleinat uf dem helm. 69, v. j. 1485. II@3@bb) auch als abzeichen eines landes, einer stadt, z. b. aus dem leichenzuge k. Karls IV. v. j. 1378 wird mit aufgeführt: darnach frt man ain gehelbiert panier, unden silberweiʒ und oben ain wiʒen leo in ainem roten feld, des landes von Gorlitz, und 3 groʒiu schwarz bedäcktiu ros darnach mit 3 gewappenten mannen mit demselben clainat. Augsb. chron. 1, 61, 7; die ros alle schwarz, mit schwarzem zendal verdackt (mit schwarzen decken) .. und daran die schilt und clainat der vorgesprochen lant. 61, 24, d. h. clainat offenbar für wappenzeichen überhaupt, das hier die rossdecken gestickt tragen. so von der stadt Braunschweig: wie sie und ihre forderen .. in iren wapen und banier einen weiszen schilt und darin einen erhabenen roten löwen u. s. w. zu schimpfe und zum ernst geführt .. bittende dasz wir (der kaiser) ihnen solch wapen und kleinot zu vernewern und zu bestetigen geruheten. Haltaus 1100, wie vorhin schilt und clainat. II@3@cc) auch andre derartige abzeichen scheinen danach so benannt zu sein, vgl. z. b. im voc. th. 1482 q 7b kleinod .. xenium, idem pilgreinzeichen, obwol mit letzterem zunächst nur xenium gemeint sein könnte. vgl. das erste kreide 4. 5. II@3@dd) auch die reichskleinodien sind zugleich abzeichen und ausweis der kais. würde: er (der papst) gab die kron sampt allen des reichs kleinoten und gerechtigkeiten Heinrichen dem fünften. Fischart bien. (1588) 135a. anführung verdient eine nürnbergische aufzeichnung davon aus dem 15. jh., bei gelegenheit der krönung k. Friedrichs III.; dieser bat i. j. 1440 den rat, der die kleinodien in verwahrung hatte, daʒ man seiner gnaden gen Ach schicken wollte keiser Karl gotlicher gedechtnüs klennet, die zu zirheit eins romischen kungs gehoren, so er in seiner majestat sitzet, als die cron, dalmatica, die alben, die stolen, sandalia, die schuch, auch daʒ swert, daʒ cepter und den apfel, daʒ sein majestat darinnen gekronet möchte werden, wan er besunder andacht zu denselben clenetten hette und sein clennet, die er im bei uns zu Nurmberk hatte befolhen zu machen, so bald nit bereit möchten werden u. s. w. Nürnb. chron. 3, 376. sie werden auch heiligtumkleinod genannt: (der könig) gab zu versteen, sein gnade wer nu zum reiche erwelet und gecronet und sein vorfaren am reiche .. hetten sulch heiligtumclennet alzeit in ir gewalt gehatt. das. 380, gewöhnlich aber das heiligtum oder heiltum, genauer das grosz heiligtum Nürnb. chron. 2, 42, das wirdig heiligtum 1, 371. 2, 43 ff., d. i. reliquien, weil damals der heilige speer u. a. reliquien dabei waren (das. 3, 280), vgl. u. 2, e. seit wann hieszen sie kleinot und warum genau? die ältere zeit spricht einfach von insignia regalia u. ä., z. b. Wipo in dem berichte von Konrads II. wahl (mon. XI, 259). aber im 14. jh., z. b. in der glosse zum Ssp. 3, 60 vom scepter: das ist der vünf kleinote ein, die zu dem reiche gehoren. die crone die erste (klein.) u. s. w. (Leipz. hs. univ. bibl. 948). II@44) Kleinod als geschenk. II@4@aa) so mhd. allgemein: xenium, cleinôte vel gâbe fundgr. 1, 379a. der wirt gab dem abziehenden gaste als abschiedsgabe, ξένιον, 'sîn kleinœde', s. z. b. gut. Gerh. 2575 (wie 'sîne gâbe' Nib. 1632, 1, s.gabe 1, d), ebenso die frau dem ritter der in ihrem dienst in den streit gieng (En. 322, 14. roseng. 735. Lichtenstein 186, 31. Parz. 134, 19, prîsent 375, 13, gâbe Nib. 1644, 2 ff.), oder sie sendet es als zeichen ihrer gunst (Parz. 357, 16), der ritter sendet es der frau als zeichen seiner huldigung, bewerbung, als minnebitte oder dank (s. z. b. Lichtenstein 612, 17 ff. Gudr. 253, 4), dem herrn oder verwandten als zeichen seiner treue und willigkeit (z. b. Mai 104, 13), es ist überhaupt [] ehrengabe, verehrung in allerhand verhältnissen, daher auch ehrkleinot: so hat Abraham ... auch seine ehrkleinoten und geschmeide (vorrätig), die er seinem gesandten mit gibt, der seinem son werben und freien solle. Mathesius Sar. 48b. II@4@bb) es setzte sich nämlich fort bis ins nhd., z. b. als minnegabe: das die künigin gern sicht sollich gaben und kleinet (des werbenden buhlers). Keisersb. crist. künigin (4°) ee 5b, kurz vorher gaben und schenken ebenso. es wird gern mit gabe verbunden, das dafür der ältere ausdruck ist, kleinôt mag urspr. höfisch sein: und da mit verhieʒ er ir vil gab und chlainet. gesta Rom. 86. wie tief das wort in das minneleben verwachsen war, zeigt ein ausdruck im bair. rechtsb. von 1332, wonach die klage der frau gegen den schänder ihrer ehre gilt, sie hab des mannes chlaneit (s. I, f) ingenommen oder nicht. Westenrieder beitr. 7, 91, Schm. 2, 358. aber auch vom trauring: desponsare, vertruwen, als durch ein kleinheit, vermahelen. Melber varil. g 1a, gleich vervingerlen Dief. 176c. ein später nachklang: weil ich als ein freiersmann ausgeritten, hatte ich kleinodien genug bei mir, mich bei dem frauenzimmer in ansehung zu bringen. Jucundiss. 203. II@4@cc) als ehrengabe, geschenk aller art: nach dem abentessen wart dem herzogen ein vortanz mit der romischen künigin geben, die schenkt im (dazu) einen kranz mit einem gar schonen klainat. Wilwolt v. Sch. 159, s.kranz 4, c. kleinoter heiszen die gaben, die nach der brautnacht die verwandten und freunde dem brautpaar darbringen, so bei der hohenzollerischen hochzeit 1598 (Frischlin 67 ff. herausg. v. Birlinger), in kronen, bechern u. dgl. bestehend. und nam viel köstlicher kleinot (ξένια) mit sich von gold, silber und kleider (für den könig, ihn zu gewinnen). 1 Macc. 11, 24. der blosze begriff geschenk ist recht deutlich in folg.: das ist der jarmarkt, kleinot oder das geschenke das er (gott in der verheiszung Zach. 1, Jerusalem wieder zu bauen) zu den tröstlichen worten thut. Luther 4, 258a (1556). II@4@dd) der grund der benennung ist auch hier nicht ganz sicher. schon mhd. heiszen aller art gaben so, auch stücke ihrer kleidung z. b. welche frauen ihrem ritter gaben, doch vorzugsweise sind es allerdings eben kleinodien: und teilt in sîniu kleinet mit (der fürst den leuten), diu manic goltsmit het mit meisters hant gesmit. Lohengrin 6054. es sind besonders ringe, bouge, vingerlîn, s. mhd. wb. 3, 322a, Wackernagel bei Haupt 9, 551 (vgl. kleinheit als trauring u. b). Aber folg. macht doch zugleich eine andere deutung denkbar. wie die vocc. des 15. 16. jh. xenia mit cleinote, gabe, prisent erklären (Dief. 633a), so gibt Melber xenia als 'klein gab', als ostereier vel aliquid pro novo anno, ut kuw, kalb in die kuchen; ebenso im voc. opt. Lpz. 1501, in der gemma xenium est munusculum, ein kleinot, also wol mit bewuszter ableitung ein 'kleines' geschenk, im bescheidnen ausdruck des gebers? der voc. inc. teut. gibt cleinat als collibium, d. i. kleine gabe. das fiele denn mit der bed. 1 zusammen, gleich kleinigkeit sp. 1112 mitte. ähnlich zeigt das goth. wort für δῶρον, geschenk, maiþms, im alts. mêðom, ags. mâðum die bed. kleinod. II@4@ee) übrigens erscheint auch hier, wie 1, c. d daʒ kleinôt als collectivum, von vielerlei geschenken Parz. 826, 18. Licht. 228, 13. 229, 8. 41, daneben von denselben gaben diu kleinôt 228, 11 (daʒ kleinôt 229, 17 meint den ring darunter). II@4@ff) erwähnenswert endlich ironisch von schwerthieben im streite, mhd. und gewiss noch länger: dem gap er ein kleinœte, daʒ er mit grôʒer nœte zuo der erden nider kam. Stricker Daniel bei Bartsch Karl s. xix. II@55) Dasselbe eigentlich ist kleinod als siegespreis, siegeskleinod, ehrengabe an den sieger, die ebenfalls gabe schlechthin hiesz. II@5@aa) eigentlich, bravium (βραβεῖον) ein kleinot .. belonung, lobekrone Melber c 2b, brabium kleinot Faber (Dief. 81a), klainat in einem kampf (wettkampf) oder spil, brabium Dasyp.: der künig wil under seiner küniklichen kron das clainet verschenken aus sein selbs hant. fastn. sp. 762, 25; a. d. 1444 an dem nästen montag nauch (au für â) dem h. pfingsttag dau warfen die von Augspurg ein aubentür auf, die gekost bei 200 guldin und darumb ze schieszen. und ein pur von Görsthofen gewan das böst kleinat. Augsb. chron. 1, 239, 9, wie die beste gabe und kurz das beste (1, 1661, vgl. Germ. 10, 136), abenteur meint dasselbe (s. Freytag neue bilder 140); in dems. jar warf dy stat zu Nuremberg 7 kleinat auf [] .. ein ochsen, ein pferd, ein silbrein pecher, ein silbrein schalen, ein gut armprust und andre klainat .... die anderen pesten kleinat gewunnen dy von Nuremberg. Nürnb. chron. 1, 388; fastn. sp. 451, 36. 452, 29 sind es ein spiegel und kranz. H. Sachs erzählt von einer bauernkirchweih: mitten darauf (auf dem plan) an einer stangen sah ich drei schöne kleinat hangen, ein nasenfutter, bruch (hose) und kranz. 1, 397a (1590). um das kleinot, um kleinote ward gefochten, gerungen, gelaufen, geschossen, gesungen, getanzt, gespielt, getrunken (s. sp. 164 mitte, vgl. kannenritter). kleinode hieszen, wie bei turnieren, die gewinne, preise in lotterien (s. aus Rostock v. j. 1518 anz. des germ. mus. 1856 sp. 233. 276), das ehrenzeichen des siegers bei dem wettsingen der meistersänger (schulkleinod), bei schützenfesten (s. Bechstein deutsch. mus. 2, 295 ff., vgl. landkleinod). so ist der uns entfallene begriff dem 16. 17. jh. ganz geläufig: daher kommen bei den Römern so vil kleinotter, kränz und kronen der krieger. kriegsb. des fried. 107; wisset ir nicht das die, so in den schranken laufen, die laufen alle, aber éiner erlanget das kleinod. 1 Cor. 9, 24; es wurde in einer berühmten stadt ein kleinod aufgeworfen, welcher in bevorstehender fasznacht den artigsten und zierlichsten aufzug bringen würde, der doch am wenigsten gekostet. Harsdörfer Nathan u. Jotham 1, O 5b; erzh. Carolus liesz im 1612. jahre durch den rath zu Neisz ein freischüszen ausschreiben, zu dessen gedächtnis hat er ein- und zweifache ducaten prägen lassen, worauf stehet: kleinoth groszes schüszens. G. Dewerdeck Silesia numismatica 1711 s. 220; ebenda s. 643 von thalern die Löwenberg i. j. 1615 prägen liesz mit inschrift 'kleinot des groszen schieszen', für jeden abgeschossenen span ward eins von diesen kleinotern gegeben. Noch im 18. jh. führt Rädlein an das kleinod auf der rennbahn erhalten, emporter le prix 545a, Steinbach (aus der bibelstelle vorhin) éiner trägt das kleinod davon unicus brabeum fert 2, 150. aber noch in Tirol kloanet, die mit zierden versehenen 'besten' (preise) beim schieszen, kegeln. Schöpf 319. II@5@bb) bildlich und in redensarten: denn die erfahrung bringts mit, dasz zu disen zeiten und an denen örtern (bei turnieren) die sauf- und füllkunst das kleinot pflegt darvon zu tragen. Kirchhof wendunm. 78a, die schlemmerei jetzt das heldenthum verleiht; jage nach dem furgesteckten ziel, nach dem kleinod, welches furhelt die himlische berufunge gottes in Christo Jhesu. Phil. 3, 14; ihr brüder, laufet auch ingleichen, dasz ihr das kleinod mögt erreichen. Opitz 3, 104; unter denen, so nach dem kenntnis ausländischer sachen ringen, gebühret dem kühnen Europäer das kleinod. Butschky Patmos 181; und der selige sprach von dem märtyrertode! dem kleinod' an der laufbahn ziel! Klopstock Mess. 17, 67; viele laufen nach dem ziel, einer nur erlangt das kleinod. werke 7, 291; ich bins voll zuversicht, am ende der laufbahn wird das kleinod mir! 7, 294 u. ö. II@66) Überhaupt sind die genannten bedeutungen, im wirklichen leben verloren, noch in bildlichem gebrauch zum theil erhalten, besonders nach der bed. 2 werden dinge vom höchsten wert, von seltenheit, die von allen als unschätzbares gut anerkannt, unersetzbar sind, kleinodien genannt; diese bildliche verwendung ist aber auch alt: als noch manig pöser man tuot, der da neit (neidet) in seinem herzen, ob (wenn) ein armer man hat ein chlainot. gesta Rom. 86, von einer schönen und keuschen frau; (verbrannten) einen markt genant Aufkirchen, der dann graf Wilhelms von Öting beste kleinot gewesen ist. Nürnb. chron. 2, 209b anm.; und hab gehört dʒ under dem himel nit hüpscher noch edler kleinheit nit sei (als der weinberg Engadi auf Rhodus). Peters weg zum heil. grab. Augsb. 1477 cap. 37 (Schmid schwäb. wb. 316); die kaufleut sollen das kleinet der gerechtigkeit unter irer kaufmanschaft (waare) haben. Keisersberg post. 65b; es ist gold und viel perlen, aber ein vernünftiger mund ist ein edel kleinod. spr. Sal. 20, 15; als das berhmt herrlich zeughaus (in Straszburg), ein kleinot diser statt voraus. Fischart glückh. schiff 890 (ein titelmäszig für das); nachdem reine lehre, beineben auch christliche einigkeit, die höchsten kleinoder und gaben sein. corpus constit. Brandenb.-Culmb. 1, 254; nicht das geringste dieser lande kleinod, nemlich das oberhofgerichte. kurf. Christian II. von Sachsen bei Haltaus 1100; zu errettung seiner ehre, glimpfs und gutes [] namens, als des höchsten kleinots auf erden. urk. des h. Julius von Braunschweig v. j. 1587 das., aus den 'Braunschweig. histor. händeln' 1, 94; umb ganzer gemeiner stadt uralten verfassung und also des allerhöchsten kleinots willen. antwort der stadt Braunschweig das. 3, 2510; die gesundheit ist ein unwissendes und verborgenes kleinod. Lehman flor. 2, 118; ein mann ist das kleinod von dessen stralen die weiber erleuchtet und geehret werden. Abele selts. gerichtsh. (1684) 1, 77; ich bin das kleinod deines lebens (sagt ein sohn zum vater). 1, 480; das kleinod hoher brust (der weisheit) trug einen sonnenschild. Günther 509, die herrliche brust, der gen. in gleichem sinne wie das ist ein kleinod von einem gemälde; den frieden mit sich selbst ... dás kleinod kennt ihr nicht. Hagedorn 1, 24; uneigennützig zu handeln sei ein kleinod zwar (selten). Gökingk 2, 79; o weh! wer stahl mir mit räubergewalt so schändlich mein kleinod (die geliebte) von hinnen? Bürger das lied von treue; die schmerzen auch um solch ein kleinod sind genusz. Göthe 40, 402; dieser kleine war das liebste kleinod der prinzessin. Klinger 10, 21; theurer mann, ein wahres kleinod bist du mir. Schiller 313a; komm du hervor (armbrust), du bringer bittrer schmerzen, mein theures kleinod jetzt, mein höchster schatz. 544b; wer hat das hohe kleinod (die verfassung) dir errungen, das zu der länder fürstin dich gemacht? 20a; mein höchstes kleinod, meine freiheit. 416b, bemerkenswert das hoch zur steigerung des begriffs, wie vorhin in der antwort der stadt Braunschweig; bei dem theuersten kleinod, bei meiner ehre! Fr. Müller 2, 109; für den liebhaber, der solche kleinodien (antike gemmen) anschaffen, den besitz zu einer würdigen sammlung erheben will. Göthe 30, 243, er meint wol kunstschätze, kostbare seltenheiten, man sagt bei einer sammlung vom seltensten, wertvollsten stück das ist das kleinod der sammlung. II@77) nicht unterzubringen weisz ichs von krankheiten, geschwüren: (man hüte sich da vor) dem kalten seich, krebs, schlier, kolben und andern dergleichen kleinoten. Fischart groszm. 612 Sch., ironisch? ich glaube nicht.
36932 Zeichen · 966 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kleīnōd

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Das Kleīnōd , des -s, plur. die -e, ein kleines, zartes Ding, im Gegensatze größerer Dinge seiner Art. 1) Überhaupt, wo …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kleinod

    Goethe-Wörterbuch

    Kleinod pl -ode od -odien 1 kostbarer (zierlich, fein gearbeiteter kleiner) Gegenstand, Schmuckstück; vereinzelt (im Ver…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kleinod

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kleinod , ursprünglich soviel wie etwas Kleines, Kleinigkeit; dann eine sein und zierlich gearbeitete Sache, ein zierlic…

  4. modern
    Dialekt
    Kleinodn.

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Wossidia Kleinod n. 'Kleinod', oft in a. Spr., eig. feine, zierliche Sache, wertvolles Geschenk, bes. feine Goldschmiede…

  5. Sprichwörter
    Kleinod

    Wander (Sprichwörter)

    Kleinod 1. Das beste Kleinod, so mich ziert; der beste Geleitsmann, der mich führt; der beste Platz, den ich erhalten; d…

  6. Spezial
    Kleinod

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Klein|od n. (-[e]s,-e) 1 (Schmuckstück) pera preziosa f. , iuvel (-ei) m. 2 (Kostbarkeit) preziosité (-s) f. , tesur (-s…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kleinod

27 Bildungen · 9 Erstglied · 16 Zweitglied · 2 Ableitungen

kleinod‑ als Erstglied (9 von 9)

kleinod(e),

FWB

1. ›einzelnes Schmuckstück‹; (Kollektiv): ›Geschmeide, Wertgegenstände, Kostbarkeiten (als Teil des fahrenden Gutes)‹.; 2. Wertgegenstände m…

kleinodde

KöblerMnd

kleinodde , N. Vw.: s. klēnȫde

kleinodhaus

DWB

kleinod·haus

kleinodhaus , n. zur bewahrung der kirchenkleinodien: in stiften und klöstern .. da sind nicht predigerheuser, sondern messeheuser ... goldh…

kleinodlein

DWB

kleinod·lein

kleinodlein , n. kleines kleinod, als geschenk, minnegabe: hat er dir nur ain klainatlin geben, ei dʒ kanstu nit gnuog behalten, als wär es …

kleinod als Zweitglied (16 von 16)

EHRENKLEINOD

DWB2

ehren·kleinod

DWB2 EHRENKLEINOD n. DWB2 zuss. mit ehre f. nbf. ehrkleinod. DWB2 DWB2 1 zu ehre f. I A (?). kostbares geschenk s. kleinod n. 4 1 DWB: ⟨1562…

erbkleinod

DWB2

erb·kleinod

erbkleinod n. : 1566 zimmer. chr. 2 3,4 B. 1685 erbs=kleinodien Ertel relationes 46 a .

gesellschaftskleinod

DWB

gesellschaft·s·kleinod

gesellschaftskleinod , n. kostbares ordenszeichen: schön geschmeltzte ( emaillierte ) gesellschaftskleinode ( der fruchtbringenden gesellsch…

helmkleinod

DWB

helm·kleinod

helmkleinod , n. zierrat auf dem helme; in der heraldik jeder schmuck des helmes mit kronen, wülsten, thieren u. s. w. Eggers kriegslex. 1, …

kirchenkleinod

DWB

kirchen·kleinod

kirchenkleinod , n. kleinod als kirchengerät: es sol auch kein goltschmid gestolen oder verdechtig silber oder golt, als von kirchenkleinod …

kriegskleinod

DWB

kriegs·kleinod

kriegskleinod , n. beutestück als siegespreis ( s. kleinod 5): überfiel sie F. Camillus onversehens .. das er .. in allen iren raub ( d. h. …

Majestätkleinod

DRW

majestät·kleinod

Majestätkleinod, hier pl. zu Kleinod (II 2) die Reichsinsignien vgl. Apfel (II), Lehngewand, Mantel (II 1) 2. Hälfte 15. Jh. NürnbChr. IV 31…

Reichskleinod

Adelung

reich·s·kleinod

Das Reichskleinod , des -es, plur. die -e, oder -dien, ein Kleinod, so fern es ein symbolisches Zeichen der höchsten Gewalt und Würde eines …

riesenkleinod

DWB

riesen·kleinod

riesenkleinod , n. kleinod eines riesen: doch wie sie kamen vor das schlosz und zu den herrn geritten, macht' er von vaters schilde los die …

schulkleinod

DWB

schul·kleinod

schulkleinod , n. bei den meistersingern: item auf die fest zu weinacht, ostern und pfingsten sol das schuelkleinot und kranz frey und nach …

Schützenkleinod

DRW

schützen·kleinod

Schützenkleinod, n. (wertvoller) Ehrenpreis für den besten ³Schützen (IV) des (jährlichen) Wettschießens seiner Schützengesellschaft (I) bdv…

siegeskleinod

DWB

siege·s·kleinod

siegeskleinod , n. : als mir siegskleinode gebracht die stampfenden rosse. Voss Ilias 9, 127 .

vorhängekleinod

DWB

vorhaenge·kleinod

-kleinod , n. , schmuck, den man sich vorhängt: es glänzt drin von spangen und vorhängkleinodien Scheffel (1907) 2, 36 . —

wappenkleinod

DWB

wappen·kleinod

wappenkleinod , n. aus dem wappenhelme hervorgehende figur, helmzierde ( s. kleinod II, 3 sp. 1125): dasz ich ... herrn Otten von Greiffenpe…

zauberkleinod

DWB

zauber·kleinod

-kleinod , n. , eig. ein wunschding des märchens: Immermann w. 11, 69 H.; übertr.: dies teure z. ( das ich ) Fr. L. Jahn w. 2, 250 . —

Ableitungen von kleinod (2 von 2)

bekleinoden

DWB

bekleinoden , gemmis ornare: ob ich jeder wissenschaft ihren glanz gleich lasse, so ist es doch die poeterei alleine, womit der andren ihre …

kleinode

KöblerMnd

kleinode , N. Vw.: s. klēnȫde