Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kranz stM.
1.1 allg.
1.2 speziell
1.2.1 als Zeichen des Sieges
1.2.2 als Helmschmuck
1.2.3 dürnîner ~ ‘Dornenkrone’
1.2.4 kranz von sternen
1.2.5 Kranz aus Heilkräutern
1.2.6 Kranz aus Laub, als Dekoration für eine Speise
2 in vielfältigen bildl. Ausdrücken
2.1 ohne Gen.-Attr.
2.2 mit Gen.-Attr. zur Hervorhebung eines Begriffs.
3 ‘Kranz-, Ringförmiges’
1 eigentl. 1.1 allg.: zwene cranze geflochten uz uon blumen / di in deme paradise stunden / grune jemer ane underlaz Litan 1084; nement, frowe, disen cranz, / [...] sô zieret ir den tanz / mit den schœnen bluomen, als irs ûffe traget Walth 74,20. 75,8; der sol von rosen einen kranz / / tragen Tannh 2,76; der [ rôsen ] sante ich Vriderûnen / einen wolgetânen kranz Neidh SL 22:2,8; ir sult mir einen kranz / von eines boumes rîse / gewinn Parz 600,20; si truͦgen alle guldine krenze Mechth 4: 22,21; dô muosten aber die vrouwen / mit den rittern tanzen. / schœniu kint mit kranzen / die giengen wol sô mans dô pflac UvZLanz 658; sîner vreuden was er rîch / under sînem kranze Neidh WL 19:4,5. – Blumen ze einem kranze brechen, lesen: der mir hie bevor in mînen anger wuot / und dar inne rôsen zeinem kranze brach Neidh WL 34:6,2; dâ [auf der Heide] si bluomen zeinem kranze / brichet, den si zuo dem tanze / tragen wil SM:St 7: 2,5; Tannh 3,7; ein wise [...], / dâ mir mîn geselle zeinem kranze las [gepflückt, näml. Blumen] Neidh SL 21:2,5 den ~ brechen: frouwe, wâ brich ich den kranz [...] ? Parz 601,15. 603,30; SM:KvL 1: 1,10 1.2 speziell 1.2.1 als Zeichen des Sieges: ‘ir söllen stritten: / weder an den zitten / rechten sige fürett hin, / der sol des andren küng sin, / des hoptt wil ich schone / machen aine crone.’ / [...] von blümen er ain krentzlin brach, / dem sighaften stiere / zwang er den krantz vil schiere / vast entzwüschen dü horn GTroj 1782 1.2.2 als Helmschmuck: dô Gâwân daz rîs gebrach / unt der kranz wart sîns helmes dach Parz 604,8; ûf sînem helme der biderbe truoc / ein krantz von gansvedern grôz und wîz UvLFrd 482,23. 170,27. 485,21; ein kranz prîslîchen guldîn / gleste ûf des helmes krône, / dar în gestecket schône / vergulter gîres vedern vil, / dar an gehangen âne zil / von golde wunnenclîch talier HvFreibJoh 126 1.2.3 dürnîner ~ ‘Dornenkrone’ der den dürnînen kranz / ame kriuze ûf hete, den rûhen huot Wh 357,28 1.2.4 kranz von sternen: von sternen treit er [Marias himmlicher Bräutigam] einen kranz. / her Dâvît und her Salomôn / die herphent dâ den süezen dôn Philipp 983 1.2.5 Kranz aus Heilkräutern: di viol gerochen oder uf dem huͦbet in cranzes wise getragen vertribet di trunkenheit Macer 17,4; swem daz houbt we tuͦt, her mache einen cranz dar abe [aus Eisenkraut] ebd. 64,13 1.2.6 Kranz aus Laub, als Dekoration für eine Speise: einen krantz al druͤmme gestozzen mit laubern BvgSp 94 2 in vielfältigen bildl. Ausdrücken 2.1 ohne Gen.-Attr.: der sorgen [part. Gen.] zeime kranze [sehr viele sorgen (Bartsch/ Marti z.St.)] / trag ich Parz 418,18; daz diu riuwe ir scharpfen kranz / mir setzet ûf werdekeit / die schildes ambet mir erstreit / gein werlîchen handen ebd. 461,18 (vgl. dürnîner ~ Wh 357,28 unter 1.2.3); nu, vro Rúwe, ist iwer cranz / gevlohten soͤne [= schône ] worden ganz / an den von den der welte pris / bluͦte in bluͤndes bluͦmen wis / nach weltlicher werdekait RvEWh 2095 (vgl. der rúwen cranz ebd. 1021 ); diu kiuschekeit [...] hât gezieret dînen kranz SM:EvS 1: 4,4; daz Berne an êre truoc den kranz WälGa 2447; ein kranz, den ere geblümet hat, / ein krone tugentlicher tat [...], daz ist von Mekelenburc her Heinrich Frl 5:11,13; sin rede ist als ein blünder kranz ebd. 11:1,12 2.2 mit Gen.-Attr. zur Hervorhebung eines Begriffs. – meist mit Wörtern positiven Inhalts (êre, kiusche, lop usw.): gewalt vert ûf der strâze: / setze ûf wider der êren kranz KLD: UvL 59: 3,12; du hâst von kindes jugende / getragen ie der êren cranz, / dîn sin ist lûter unde ganz / an triuwen ie gein mir gewesen KvWWelt 141; HvNstAp 11363; wîplîcher kiusche lobes kranz / truoc si mit armüete Parz 260,8; der megede bleip der kusche kranz HvNstGZ 1410; HvBurg 538; wip, din nam in worte / behelt des hosten lobes kranz Frl 8:19,18; man sach [...] slac gên slac und stich gên stich. / ich wæne ie [nie] sô ritterlich / würde erworben lobes kranz Reinfr 17377; daz iwer vil manlich ellen / in dem strite uf Alytshantz / truͦg vor uns des prises krantz Rennew 7766. 20428; kom, minnen schüler, dich wil ere in ir tanz! / setze uf den kranz / der manheit unt der milte! Frl 5:9,2; allen werden vroͮwen / ist an im [durch seinen Tod] verhoͮwen / der vroͮdin schilt, der sælden cranz RvEWh 2045; ir beider tugent kranz RvEGer 6597; wârheit, aller tugent ein kranz, / sînem houbet obte Ottok 12670; daz die milte / ein kranz ist rechter tugende gar Frl 6:8,2; und jach des ûf die triuwe mîn, / daz wîp ein krône, ein bluomenschîn, / [...] und manlîcher vreuden kranz [...] wære RvEBarl 11814; dirre lief, jener spranc; / dirre seite, jener sanc; / hie was buhurt, dort was tanz: / diu ritterschaft truoc vreuden kranz RvEGer 6398; Rennew 5506; KLD:UvL 46: 1,3; wol geblüemet und wol geberlt / ist sîner [Gottfrieds von Straßburg] blüenden vünde kranz, / vil reine, lûter unde glanz / ist sîner rîcher künste hort HvFreibTr 35; roys Gramoflanz, / der der werdekeite kranz / treit Parz 632,28; wie hastu [Gott] dann der wisheit krantz / besloßen [verschlossen] und die nuͤtzten kunst / fur den heißen mynnen brunst Minneb 5396. – seltener mit Wörtern negativen Inhalts (riuwe, schande, unvuoge): und sol ich [der Dichter] der rúwen cranz / mit jamer iendert machen ganz / dekainem werden wibe / mit clabaͤrem libe? / das tuͦt an den maͤren we RvEWh 1021 (vgl. 2095 ); da von der teufel kronet dich / mit der schanden krantz und ouch mich Erz III 6,124; er treit der unfuoge kranz / unde heizet Meljacanz Parz 343,25. – auszeichnend von Personen, ‘(höchster) Inbegriff von etw. (Gutem)’ si was der êren kranz EnikFb 2331; got, der eren krantz Erz III 6,685; Obilôt wirt kranz / aller wîplîchen güete Parz 394,12; daz mere wit alumme trat / wie der reine Zozimas / [...] were er [...] ein crantz der kuscheit Vät 33666; man gap eteswâ ze swester mir / ob aller clârheit den lobes kranz, / ein maget diu nam der sunne ir glanz Wh 292,11; Tesereiz, der minnen kranz ebd. 86,3; TürlArabel *R 71,20; JTit 1339,1. 3040,1. 3402,4; HvNstAp 1602; du selden kranz JTit 1275,2; man hieß in wol der tugent krantz HvNstAp 19523; vrouwe Lârîe, der vreuden kranz Wig 8887; do sahent die Brabande sa / den wunsch, des wunsches wunnen cranz [d.i. Amelie] RvEWh 3719; Dêîdamîe [...], / diu truoc ir aller wunne kranz KvWTroj 15341 3 ‘Kranz-, Ringförmiges’ swa ez [ gestein ] ruͤrt der sunnen glantz, / daz ie wirt umm den stain ain crantz, / der hitzet und glestet WhvÖst 12606
MWB 3,2 549,23; Bearbeiter: Tao