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krone

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

krone f.

Bd. 11, Sp. 2355
krone, f. corona, das lat. wort früh entlehnt, ahd. noch corôna (Graff 4, 484), mhd. krône, aber noch um 1100 auch corône (wb. 1, 886b). mit geändertem vocal altenglisch crûne (s. Haupt 11, 302), wie mnl. crûne neben crône (vgl. gr. 13, 288. 321), altn. krûna neben krôna, korôna (s. Egilsson, Fritzner); daher engl. crown, nnl. kruin neben kroon, mit unterschied der bed.;n. wieder nur krone, gewiss unter deutschem einflusse, wie schwed. krona, aber landsch. noch kruna Rietz 357a, wie norw. kruna. Diesz übereinstimmende û für ô auszer im hd. ist nicht unwichtig, die fälle von erhöhung lateinischer o und e zu u und i unter kirsche I, c treffen nicht genau zu, weil es sich da um kürzen handelt; vgl. aber ahd. chlîrich aus clêricus Graff 4, 565, mhd. numen aus nômine wb. 21, 423a. übrigens auch altsl. krouna, korouna Mikl. 314a, altkelt. curun Zeusz 1109. Die zusammenziehung von cor- zu kr- hat ihr gegenstück in der zerdehnung korônic Lohengr. 7342 aus chronica (vgl. dazu kleschen 1, c), noch im 15. jh. coronike, auch mlat. coronica Dief. 159a; ob man zwischen beiden dem sprachbewusztsein dunklen wörtern eine beziehung suchte? vgl. die engl. form crownacle für chronicle Halliwell 283b mit ihrer anlehnung an crown und Thomasins ausspruch: ein ieglîch künic, daʒ ist wâr, sol sînes rîches krônik hân. welscher gast 10658. Ob es auch ein masc. krôn gab? s. unter I, 5, c. lustig ist crona im 16. jh. II, 2, a. b, das deutschgewordene wort wieder mit lateinisch gelehrtem schwänzchen versehen; crone mit lat. c hielt sich übrigens bis ins 18. jahrh. II. Krône als kranz. Diesz ist die bedeutung, von der das wort ausgegangen sein musz, denn lat. corona war eben wesentlich kranz, fürstenkrone aber gar nicht; über art und anlasz der übernahme s. 7. I@11, I@1@aa) für die zeit über das nhd. zurück bleibt es zu belegen, die drei stellen im mhd. wb. 1, 887b, auf welche die bed. kranz da gestützt wird, erhärten sie genau besehen nicht. in Mai und Beaflor heiszt es von letzterer kurz vor dem beilager: si truoc noch die krône ûf blôʒem hâre alsam ê, daʒ geschach vür baʒ niht mê. 91, 4, d. h. sie erschien jetzt zum letzten male als jungfrau; aber das ist durch das blôʒe hâr ausgedrückt, die krône dagegen, die sie ja schon ê, also von jeher getragen, wie 72, 26 und 58, 20, besonders 42, 9 ff., kann kein brautkranz sein; sie wird 58, 22 einer kaiserkrone verglichen, es musz also die krone sein, die ihr als einer küniginne im altdeutschen sinne, d. h. als von königlichem geblüte (s. könig II, 3, vgl. hier II, 3, b) zu tragen zukommt und die sie z. b. 77, 31 sich mit fuszfall erniedrigend vor Mai abnimmt, wie die heil. Elisabeth 928 als jungfrau in der kirche, weil sie nicht mit golde gecrônet stehn will (954), wo Christus mit dornen gecrônet ist, es ist ihre königliche krone, wie ihre 'fürstlichen' gespielinnen 910, vgl. 900, sie auch tragen, allerdings v. 868 mit cranz zusammengenannt, aber eben darum davon verschieden. Nicht anders ist es mit der königlichen jungfrau im Parzival 812, 3, diu die krône ûf blôʒem hâr dort hât, und auch MS. 1, 52a (frühl. 129, 29) wird die frouwe mit ir krônen eine fürstin sein, die eben eine krone trägt; vgl. Weinhold frauen im mitt. 463. Aber es gab schon mhd. krône kranz, z. b. als siegeskranz (vgl. 3, a); vom jungen Paris als hirten erzählt Konrad, wie er bei den wettkämpfen seiner genossen den sieger krônte mit einem schapel wol geloubet, und so gerecht war, dasz selbst wenn unter dem weidevieh kampf entstand, dem siegenden pfarren oder wider von ihm der siegeskranz ward, auch wenn der sieger von einer fremden herde war: wan er im eine crône sazt ûf sîn houbet schône. troj. kr. 649. I@1@bb) eine brautkrone find ich in spät mhd. zeit erwähnt, es ist gewiss auch weit älter: drîerlei kleinôte sal ein brût von rechte habe zû einer bekentlichen zîrunge vor einer anderen, die nicht vortrûwet ist .... das derte kleinôte ist das gebende adder die krône ûf dem houbte. Purgoldt Eisen. rechtsb. 1, 8 (Ortloff rechtsqu. 2, 25), vergl.kronbraut. doch das ist kein eigentlicher kranz mehr, sondern ein kleinod, ein kunstwerk von flitter und gold und sonst edlen stoffen, wie sie noch jetzt weithin auf dem lande für bauernbräute in geltung sind. So im norden z. b. in Vossens heimat, wo der pastor die kronen als gemeindegut in verwahrung hat: sprachs und trat zur kommode, der blankgebohnten von nuszbaum, welche die priesterbefchen, die oberhemd' und die ermel ihres gemahls einschlosz, und die steifgefalteten kragen, ihm ein gräul! auch den schönen und weitbewunderten taufschmuck, und die flitternden kronen, gewünscht von den bräuten des dorfes. Luise 1795 2, 57 (ausg. letzter hand 2, 102). Im westen z. b. auf der Eifel, wo die kinder in fastnachtsliedern singen: wir wünschen der tochter eine goldene kron, damit soll sie zur hochzeit gon. Schmitz 1, 16, vergl. s. 53: die braut hat ebenfalls einen solchen strausz (lorbeerstrausz mit bändern und rauschgold geziert, vgl. u. 7, b) und nebstdem eine 'krone', die 'brautkrone' auf dem haupte ... in Kyllburgweiler und umgegend waren die langherabwallenden haare (das ist das mhd. blôʒe hâr vorhin) zudem gepudert, verwahrt wird diese brautkrone, gleichfalls gemeindeeigenthum, von der königin (s. d. 3, e). Im süden z. b. in der Oberpfalz: auf dem haupte trägt sie über das oben zusammengebundne haar (sie ist damit vorgreifend schon als frau bezeichnet, vgl. sp. 2051 unten) den 'bendl' und darüber eine glänzende 'krone' von flittergold, flinserchen, perlen (vergl. unter c zuletzt) aufs künstlichste gebildet. Schönwerth aus der Oberpfalz 1, 82, der bendel (vgl.bendel und band als m. 1, 1098), der auch allein als brautkranz getragen wird, ist ein käppchen mit spitzen, glasperlen, flinserln, bändern besetzt, oder ein 'nest' von goldfransen und perlen (s. 83), er entspricht dem mhd. gebende vorhin oder dem mhd. schapel, s. auch II, 1, b, α zuletzt. in Schwaben, z. b. im Lonthal ist der kopfputz der braut von hänfenen und rotseidenen zopfgeflechten mit goldenen borten und krone Birlinger volksth. 2, 397 (die krone heiszt anderwärts auch noch schappel 395, wie in der Wetterau Dief. 530c). Das sind nichts als reste höfischer sitte aus dem mittelalter her, die von den andern ständen nachgeahmt ward und bei den bauern haften geblieben ist; noch im 18. jh. lebte sie auch in städten, z. b. nach Amaranthes frauenzimmerlexicon Lpz. 1715 sp. 256: brautcranz, ist eine entweder von lorbeerblättern (vgl. von der Eifel vorhin) oder von grün besponnenen drat und bunten schmelzblümgen zusammen gesetzte kleine crone ... das vornehme frauenzimmer schmücket selbigen mit perlen oder wohl gar diamantsteinen aus, doch ist schon das gegen das 16. 17. jh. eine beginnende rückkehr zur einfachheit (vgl. unter d), mit der man im 19. jahrh. im städtischen leben wieder bei dem wirklichen grünen kranze angelangt ist. I@1@cc) aber der brautkranz ist eig. nichts als der kranz der jungfrau, doch auch der erscheint als krone, jungferkrone Stieler 1041 (vgl. Brant unter 2, e): hat eine jungfrau dann nicht mehr die werthe kron, so ist disz was ihr bleibt nur schande, spott und hohn. Opitz 1, 435, nach dem nl. so in Baiern: kronen heiszen die aus farbigem papier, federn und silberflittern über ein gestelle von draht von den sog. kranzlbinderinnen verfertigten hohen ornamente, welche bei leichenbegängnissen ... auf die särge von kindern, unverehelichten mannspersonen und jungfrauen gestellt .. werden. Schmeller 2, 388, als ehrenzeichen der keuschheit (schon mhd. galt maget auch von jünglingen, s. kranz II, 5, b), vgl. die crone als 'cranz in sarg' bei Amaranthes sp. 2052 aus städtischem gebrauche. in Niederbaiern tragen die jungfrauen ein von flittergold und steinen glänzendes krönlein, krnl bei feierlichkeiten, wie hochzeiten, processionen, anderwärts, wie im Bregenzerwalde, das schappele genannt, wie unter b die brautkrone, auch das geht eben ins mittelalter zurück: sie (die als reine jungfrauen sterben) sint ûf dem spiegelberge unde tragent einer hande krœnlîn, ein schapel dâ lît sô vil freuden an und êren, daʒ eʒ gar unsagebære ist. Berthold 336, 27 (nachher z. 38 krenzelîn genannt), was er da in den himmel versetzt, zeigt was er im leben sah und hörte. die krönchen (s. d.) der nonnen im 16. jahrh. sind wol solche krœnlîn aus dem himmel, schon hienieden vorgreifend angenommen, nonnenkrone Herder lit. (1827) 6, 37. I@1@dd) in Sachsen, Thüringen u. a. lebt diese krone nur noch in einer redensart, mit der man ein mädchen beruhigt, die eine zumutung zu weitgehend, einen auftrag, ein geschäft für sich unpassend findet u. ä.: da fällt dir noch lange keine perle aus deiner krone, da wird dir nicht gleich eine perle aus der krone fallen u. ä.; ähnlich bei den Letten: taws krohnis wehl ne nokrittis, deine krone ist noch nicht abgefallen, wie in Sachsen: es wird dir keine perle aus der krone fallen. C. Baumgärtel, die deutschen bestandtheile des lettischen wortschatzes, Lpz. 1868 s. 33. es ist die perlenkrone unter b (vgl. 2, a zuletzt), das gefürchtete, was ohne zweifel leicht vorkam, galt natürlich als böses zeichen, wie denn der brautkranz, jungfernkranz von solchem glauben an vorbedeutungen umgeben war. seit der eigentliche sinn vergessen ist, sagt mans übrigens auch zu knaben u. a. ähnlichen ursprung musz haben einen an die krone greifen, seine ehre antasten (vgl. dazu bei Fischart II, 3, e), nl. iemand naar de kroon steken, vgl. iemand de kroon van het hoofd stelen, ihm seine ehre rauben; s. dazu 7 a. e. I@1@ee) in Norddeutschland lebt die brautkrone auch in städten noch in einer redensart, die in die tage der hochzeitfeier gehört. da ladet die braut für den hochzeittag ihre freundinnen zur krone ein, diese sind bei ihr zur krone u. ä., d. h. sie bringen ihr den brautkranz und helfen dann zum anlegen des brautstaates (Berlin): und das gelbe stübchen war voll von zärtlichen mädchen, die zur krone gekommen waren. Burmann der brauttag, in 'Idas blumenkörbchen' Berl. u. Lpz. 1793 s. 112, der brautkranz selbst heiszt doch da nicht mehr krone, es ist ein mirthenkranz, von lebendiger mirthe geflochten. es ist wol zugleich eine art abschiedsfest der braut als jungfrau im kreise ihrer gespielinnen, ursprünglich vielleicht die herrichtung der brautkrone, zu der die gespielinnen halfen. vgl. krönen 1, a zuletzt. I@22) aber diese krone und kranz sind doch nicht wirklich eins, weder jetzt noch gewiss im ursprung. I@2@aa) der schilderung der brautkrone in Falkenstein unter 1, b fügt Schönwerth hinzu: in neuerer zeit tritt ein kranz von gemachten rothen und weiszen blumen an deren stelle, der bendl verschwindet ganz; auch bei den bauern vollzieht sich die rückkehr zum einfachen, man kommt von der krone, der in überkünstelung geratenen erbschaft des mittelalters, zum wirklichen kranze zurück, nur dasz man doch wieder mit kunst anfängt, ganz an der stelle wo einst das alte schapel über den wirklichen kranz hinausgeschritten war. an einer stelle in der Oberpfalz erscheinen sogar kranz und krone zusammen als brautschmuck, aber jener auch schon weit von einem wirklichen kranze entfernt: auf dem kopfe trägt sie den prangerkranz (zu prangen, s. 2, 303) von pappendeckel, eine art cylinder, nach oben weiter, mit goldflitter, perlen, sternchen, dem aufnehmenden monde, einer lachenden sonne, verschlungenen händen und andern sinnbildern reichlich verhängt, auf diesem die brautkrone reich und prächtig von rauschgold. von der krone fallen zwei rothgoldene bänder mit perlen geziert den rücken hinunter u. s. w. Schönwerth 1, 83. I@2@bb) also krone ein kranz von besonderer kunst, aber auch mit besonderer bedeutung. das tritt recht scharf heraus in einer sitte von der Eifel (s. u. 1, b): früherhin war es allgemein bräuchlich, dasz die braut beim gange zur kirchlichen trauung die krone von dem bilde der heil. muttergottes in der kirche, die 'muttergotteskrone' erhielt. es soll aber vorgekommen sein, dasz eine nicht mehr unbescholtene braut dieselbe getragen habe und die krone 'schwarz' geworden sei. von dieser zeit an wurde die muttergotteskrone nicht mehr zu diesem zwecke verwendet. Schmitz 1, 53. die krone der Maria ist zunächst auch der kranz der keuschen jungfrau, aber zugleich die krone der himmelskönigin (s. königin 2), beides verflieszt, und wie man mit jener von der mutter gottes entlehnten krone den himmel an die erde knüpfte, so ist vielleicht von jeher bei der brautkrone, jungferkrone zugleich an die krone der Maria gedacht worden; deutlich z. b. auch in einer gegend der Oberpfalz, wo die braut sonst einen hohen kranz von flitter mit zwölf sternchen trug (Schönwerth 1, 83, vgl. die sterne mit sonne und mond u. a), ganz wie Maria im himmel, und natürlich auf irdischen bildern: du sælden keiserinne, dîn krône lûter glestet. got hât dich gegestet (geschmückt) mit einem liehten kranze, zwelf sternen mit ir glanze dîn houbet zierent schône. Konrad v. W. gold. schmiede 1832 ff.; Maria fein,dein klarer schein erleucht (strahlt) am höchsten throne, da dir mit ernvon zwölif stern wird aufgesetzt ein krone. Hofmann kirchenl. s. 456, Ditfurth fränk. volksl. 1, 119a, nach einem vorbilde der apocalypse: ein weib mit der sonnen bekleidet, und der mond unter iren füszen, und auf irem heubt eine krone von zwelf sternen (corona duodecim stellarum). 12, 1, womit auch der mond und die sonne unter a ihre erklärung finden; vgl. die krone mit zwölf strahlen unter II, 1, c. Protestantisch gefaszt erscheint diese verknüpfung des himmels mit der erde in folg. zuge aus dem 17. jh.: wann die mütter ihren töchtern den kranz aufsetzten (am sonntagmorgen, zum kirchgange), sagten sie, Jesus Christus setz dir auch im himmel die cron des ewigen lebens auf. Schuppius 211 (gedenk dran). ähnlich wird bei den todtenkronen, todtenkränzen in form einer oben geschlossenen krone (von den kronen und mahlzeiten bei leichen handelt eine schrift Frkf. a. M. 1782, s. Krünitz 53, 632) urspr. an die krone des ewigen lebens (3, e) gedacht sein, die man damit dem geschiedenen vorgreifend und andeutend verlieh. auch die gleichgeformte blumenkrone, die die zimmerleute festlich auf ein vollendetes haus setzen, musz urspr. ähnlichen sinn haben, und der erntekranz in solcher kronenform, auch krone genannt. wir sprechen von kranz oder krone der vollendung, freilich ohne bestimmtes bild, s. 4, c. I@2@cc) auch wenn wirkliche einfache kränze als kronen bezeichnet werden, ist ihnen meist ein besonderer sinn beigelegt. so dem lorbeerkranze, den am schlusse seiner prüfungen und thaten der held Teuerdank erhält: als nun der tanz war angefangen, kam die künigin Ernreich gangen und truog in ir schneweiszen hand einen kranz von dem kraut genannt laurus, setzt im den auf sein haubt .... unser vorfarn haben díe cron gar vil für kostlicher gehon dann silber oder das gold rot. Teuerd. 107, 1 ff., und wieder am schlusz ihrer ansprache: darumb ich billich eüch geben sol disen kranz zuo eim rechten lon, dieweil ir vor andern die cron ritterlicher zucht tragen seit. 107, 32 ff.; es ist zunächst der kranz mit dem nach höfischer wie allgemeiner sitte der held von der königin ihrer gunst versichert und zu ihrem tänzer bestellt wird (s. sp. 2049), aber er dient zugleich als ruhmes- und siegeskranz, als ehrenkrone, lobekrone (s. 3, b); es wird ihm durch berufung auf die sitte der Römer (v. 22) zugleich ein gelehrter hintergrund gegeben und an corona laurea gedacht; vgl. in der überschrift des cap. wie ... Tewrdank ... mit einem cranz von lauro gekrönt ward. Ähnlich in einem liede des 15. jh. der kranz, den die 'magd' im wappen Magdeburgs von dem thurmthore aus ins weichbild hinaus hält: Magdeburg, du bist uns wol bekant, du tregst die kron über das land, dein lob das wil ich preisen. Soltau 1, 103, Liliencr. 1, 344b, der jungfernkranz zugleich als ehrenkrone, ja wol mit einem anklang von königlicher krone. Ähnlich noch im 18. jh. bei Claudius, wo der bauer Paul sein fünfzigjähriges jubiläum feiert: Kühnert. Paul, ihr hättet aber doch heute eigentlich einen kranz sollen aufhaben. Westen. ja wohl, so eine crone von mayen mit funfzig ähren dran, für jede ärndte eine. Paul. nicht doch, die cronen und kränze sind nur für die könige und bräute. Wandsbecker bote 4, 50, es ist wol, wie an die brautkrone (1, b) und ehrenkrone, auch an den kronenförmigen erntekranz gedacht. I@2@dd) auch Christi dornenkrone gehört genau genommen hierher, als kranz mit der bedeutung einer königskrone, er wird mhd. ausdrücklich auch als kranz aufgefaszt: der den dürnînen kranz ame kriuce ûf hete, den rûhen huot (dazu s. sp. 2048 δ). Wolfram Willeh. 357, 28, krône 166, 3, vgl. noch bei neueren dichtern dornenkranz 2, 1295, auch das mhd. schepil unter dornenkrone. im griech. texte ἀκάνθινος στέφανος, στέφανος ἀκανθῶν, in der vulg. spinea corona, corona de spinis, daher bei Otfried thurnîna corôna IV. 23, 8, corôna thero thorno 22, 22, auch altn. später þyrnikrûna Fritzner 794a, krôna 369b. bei Schubart (1825) 1, 114 die dorngewundne krone. auch kurzweg krone: sper, kriuz unde krône Walther 25, 13 als schenkung Constantins d. gr. an den päbstlichen stuhl, vergl. crucem, coronam et lanceam ceteraque insignia imperialis capellae, quae regalia dicuntur Töche Heinrich VI. s. 470 anm. 6, sodasz sowol der pabst wie der kaiser im besitz dieser heiligsten reliquien waren; durch nagel, zanken (zacken) und kronen stich lasz nu, traut fraw (Maria), erbarmen dich. Laszbergs Friz v. Zolre s. 39; die engel vuorent scône (beim jüngsten gerichte) daʒ crûce unde die corône vor Christe an daʒ tägedinc. Diemer ged. d. 11. 12. jh. 287, 15, hier zugleich als krone des obersten herrn der welt. diesz biblische corona wird seinen theil mit haben an der ausbildung unseres krone. s. weiter II, 1, b, α. β. I@2@ee) doch findet sich krone auch ohne weiteres für kranz, z. b. bei Aler 1245a: kraut, das zu den kronen gebraucht wird, herba coronaria, also von grünen kränzen, wenn es nicht blosz eine gelehrte notiz ist. S. Brant verbindet einmal kränze und kronen in allgemeinem sinne: aber die narrheit duot uns ferben, das wir gedenken nit dar an, das uns der dot nit hie würt lan und unsers hübschen hors nit schonen noch unser (gen.) grnen krenz und kronen. narr. 85, 26, er denkt an festlich geputzte leute, vorzugsweis wol jugend, und nennt statt des ganzen putzes dessen hauptstück, den kopfschmuck; ob aber grnen mit zu kronen gehört? bei letzterm kann an jungfrauen gedacht sein (s. 1, c), bei krenze an junge männer. Adelung führt aus Luthers bibel Hiob 31, 36 an: wer gibt mir einen verhörer .. das jemand ein buch schriebe von meiner sache. so wolt ichs auf meine achsel nemen und mir wie eine kron umbbinden (vulg. circundem illum quasi coronam mihi), aber da sich Hiob im folgenden vers einem fürsten vergleicht, wird Luther nicht an einen kranz, sondern an ein diadem gedacht haben, wozu auch der hebr. text stimmt. doch Jes. 28, 1 erscheint das hebr. wort (ה) als kranz beim gastmahl, und auch da nahm Luther krone: weh der prachtigen kronen der trunkenen von Ephraim, der welken blumen irer lieblichen herrligkeit; das die prachtige krone der trunkenen von Ephraim mit füszen zutretten werde. auch v. 5 stellt er bildlich krone mit kranz zusammen (s. 3, c). Auch später bei dichtern: so laszt uns flechten eine cron die du deemühtig ihm solt bringen. Weckherlin 422 (od. 2, dedic.), es ist aber nur bildlich der liederkranz der musen (vgl.kranz der lieder sp. 2056); grüne kronen in dem haar ... kam auch der centauren schaar. Schiller 227b (Iphig. 4, 4), er fand wol mehr antiken klang darin als in kranz; krone von binsen. Wieland 4, 80; du (wehmut), die auf blumenleichen des tiefsinns wimper senkt ... in Florens bunte kronen ein dunkles veilchen webt. Salis (1793) 15, doch auch das nur bildlich, dichterisch; o die guten kinder! sie durchhüpften oft den garten, flochten sich von jungen gänseblumen kronen, kränzten ihre haare. Hölty elegie auf einen dorfkirchhof (s. 51 Halm), aas tritt denn ganz in die wirklichkeit herunter, auch der reim hat nicht, wie bei Salis, antheil daran, aber es war ein wechsel mit kränzten nötig. I@33) krone als siegeskranz, siegespreis u. ä., kron des sigs .. laurea. voc. inc. teut. n 5b, 'sigekron aureola, laureola' voc. th. 1482 dd 7a. I@3@aa) als wirklicher kranz für den sieger: noch süeʒer (ist dem manne die minne) denne dem kempfen siges krône. Frauenlob minneleich 18, 12, womit zugleich mhd. krône als kranz unzweifelhäft bezeugt ist (ein ahd. zeugnis s. 7, b). die siegeskrone bildlich im munde eines procurators, der einen process gewinnt, 'siegt' (der rechtsstreit wurde auf gleichem fusze mit dem waffenstreite behandelt, s. krieg II, 2): mit fleisz verdien ich meinen lon und trag heut des sig ein kron. fastn. sp. 1003, 26, wie mhd. den kranz tragen sp. 2044, den preis behaupten. kränze waren auch bei unsern vorfahren der siegeslohn in allerlei wettstreit, auch beim waffenkampfe, s. sp. 2044 ff., vgl. bei Melber bravium, ein kleinot, die gab die man ufgethon hat oder uszgeben hat, belonung, lobekrone. varil. c 2b (Dief. 81a), ruhmeskranz, vgl. mhd. lobes kranz sp. 2044. so beim wettsingen: hört zu, ir gesangrichter in der schönen trink- oder singschul: sitz ich schon auf keim hohen stul (wie ein preissinger bei den meistersingern), so darf ichs auch nit so hoch anfangen. nun, es gilt die kron! Fischart Garg. 97b, Sch. 171, zur sache s. sp. 2046, vgl. im 15. jahrh. laurea meisterkrone Dief. 321b. daher bei Luther in der bibel: die, so in den schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das kleinod ... ein iglicher aber, der da kempfet, enthelt sich alles dinges (bereitet sich vor durch mäszigkeit). jene also, das sie eine vergengliche krone empfahen, wir aber eine unvergengliche. 1 Cor. 9, 25, φθαρτὸν στέφανον, einen welkenden kranz. daher die krone behalten als redensart, den preis behaupten, l'emporter, wie vorhin die krone tragen (nl. de kroon spannen): langsam und bös (feig) hat kleinen lohn, behend und gut behält die kron. Eschenburgs denkm. 416. lorberkranz, dichterkranz (vgl. dichterkrone): Leonore. es lebe der zum erstenmal bekränzte (Tasso)! wie zieret den bescheidnen mann der kranz. Alphons. es ist ein vorbild nur von jener krone, die auf dem Capitol dich zieren soll. Göthe 9, 121. daher für preis bei einer akademischen preisbewerbung: das ist ein mann! neun kronen hat er sich in verschiedenen akademieen errungen und ein paar accessit. und nicht kronen bei der Berliner akademie, die mit Leibnitzianismus erfochten werden können .. G. Forster in Mercks briefs. 1, 367. I@3@bb) daher ehrenkrone, wie ehrenkranz, schon mhd. ganz geläufig: er hât bî sînen zîten gelebet alsô schône, daʒ er der êren krône dô truoc und noch sîn name treit. Iwein 10; dô truogens ouch die krône rîterlîcher êren. 6952; got hât sînen vlîʒ an dich geleit, dâ von dîn lîp êren krône treit. Lichtenstein 536, 26, schon da ist die krône nur noch ein gedachter kranz, wie aber êrencranz mhd. sp. 2044 auch schon. noch im 16. jh.: der bawr trüg wol (könnte tragen) der ehren ein kron. Ambr. liederb. 133, 46. man dachte sich das auch als einen von frau Ere aufgesetzten, verliehenen kranz: der adel begert der erbarkeit, schande ist im iemer leit. des wirt im usz dem höchsten tron der frawen Eren kron ze lon. Liliencron hist. volksl. 2, 188b, vgl. 207b. kron der wirdikeit, corona, dyadema, palma. voc. inc. teut. n 5b. auch diesz kurz krone, in dem schmachlied der Österreicher wider die eidgenoszen von 1444: die puren tribend wunder, ir übermuot ist grosz ... si tragend iez die crone für ritter und für knecht. Wolff hist. volksl. 482, Liliencr. 1, 384, d. i. sie dünken sich die ehrenkrone zu tragen. ebenso krone als ehrenkrone im folg.: zucht und scham tregt die cron. Henisch 625, als sprichwort. I@3@cc) auch hier kommt aber ein biblisches vorbild ins spiel (Haupt zum Winsb. 12, 5): et cum apparuerit princeps pastorum, percipistis immarcescibilem gloriae coronam. 1 Petr. 5, 4, Luther so werdet ir, wenn erscheinen wird der erzhirte, die unverwelkliche krone der ehren empfahen (schweiz. übers. kranz der herrlichkeit), vgl. offenb. Joh. 3, 11 sihe, ich kome bald, halt was du hast, das niemand deine krone neme. schon im A. T.: descendit de capite vestro corona gloriae vestrae. Jer. 13, 18 (Luther die krone der herrligkeit ist von ewrem heupt gefallen), von einem königspaare; in die illa erit dominus exercituum corona gloriae et sertum exultationis residuo populi sui. Jes. 28, 5 (Luther eine liebliche krone und herrlicher kranz), persönlich wie u. d. Auch bloszes krone als ehrenkranz biblisch: achte sie (die weisheit) hoch, so wird sie dich erhöhen und wird dich zu ehren machen .. sie wird dein heupt schön schmücken und wird dich zieren mit einer hübschen (var. herlichen) krone. spr. Sal. 4, 9, zugleich als zierde, schmuck überhaupt, wie in folg.: grawe har sind ein kron der ehren. 16, 31. daher in völliger entlehnung: die grawen har die sind ein kron der ehren einem alten man. H. Sachs 2, 4, 54c; mir auch herzlich geehrt in des alters silberner krone. Hölderlin 'seiner mutter zum 72. geburtstag.' aber erzeugt werden diese stellen den deutschen gebrauch nicht haben, doch wesentlich beeinfluszt. I@3@dd) an die stelle aus Jesaias schlieszt sich ein persönlicher biblischer gebrauch dieses krone an, der sich dann u. 4 bei dichtern und sonst wiederholt: denn wer ist unser hoffnung oder freude oder kron des rhums? seid nicht auch irs fur unserm herr Jhesu Christo? 1 Thess. 2, 19, gr. στέφανος καυχήσεως, vulg. corona gloriae; also, meine lieben und gewündschte brüder, meine freude und meine krone. Phil. 4, 1, στέφανός μου, corona mea. dieses blosze krone schon in den apokryphen und im A. T.: da preiseten sie sie (die Judith) alle gleich und sprachen, du bist die krone Jerusalem, du bist die wonne Israel, du bist ein ehre des ganzen volks, das du solch löbliche that gethan hast. Judith 15, 12, aber auch das ist offenbar noch als sieges- und ruhmeskranz gedacht, mit einmischung des begriffes freudenkranz. Der letztere begriff tritt aber auch hervor als hauptsache oder als einziger: Bethlehem .. die krone des hauses Joab. 1 chron. 2, 54, worüber sich alle freuen, worauf alle stolz sind; ein vleiszig weib ist ein krone ires mannes, aber ein unvleiszige ist ein eiter in seinem gebeine. spr. Sal. 12, 4, sie ist ihm wie ein freudenkranz auf dem haupte; der alten krone sind kindes kinder und der kinder ehre ire veter. 17, 6, zugleich ehrenkranz, triumph (nach b) und schmuck, zierde, wie u. c. I@3@ee) endlich ist biblischen ursprungs die krone des ewigen lebens u. ä., die irdische freuden- ehren- und siegeskrone in den himmel versetzt, daher mlat. aureola Dief. 61c, d. i. eine laurea oder laureola von golde, wie sie in Rom als siegeskränze galten (vgl. kranz so sp. 2047 und Schuppius schöne mittheilung u. 2, b). I@3@e@aα) es heiszt in der bibel: selig ist der man, der die anfechtung erduldet, denn nach dem er beweret ist, wird er die krone des lebens empfahen, welche gott verheiszen hat denen, die in liebhaben. ep. Jac. 1, 12; sei getreu bis in den tod, so wil ich dir die krone des lebens geben. off. Joh. 2, 10, τὸν στέφανον τῆς ζωῆς, vulg. coronam vitae, vgl. im Baruch 5, 2: Jerusalem zeuch an den rock der gerechtigkeit gottes und setze die kron der herrligkeit des ewigen auf dein heubt (vulg. mitram honoris aeterni). I@3@e@bβ) daher lebenskrone vita aeterna Stieler 1041; dem für seinen lohn gehört des himmels cron. Weckherlin 388 (od. 1, 10, 6). mhd. êwige corône, himmelkrône wb. 1, 887a, der selige 'trägt die krone vor gott': wan der sitzet etelîcheʒ vor mir, daʒ noch in einem halben jâr oder ê die krône vor gote treit in dem himelrîche. eʒ ist ouch etelîcher, der an dem grunde der hellen sitzet biʒ dar. Berthold 369, 29, vgl. dens. u. 1, c. 'kron der ewigen seligkeit, aureola, palma' voc. inc. teut. n 5b. I@3@e@gγ) die vorstellung tritt aber da gern vom kranze in eine krone in unserm sinne über, zumal sie an die krone der engel erinnert (II, 2, e); sie ist strahlend, golden: gott wird sich zu uns kehren, eim jeden setzen auf ein gülden kron der ehren, uns herzen freundlich drauf. J. Walther, herzlich thut mich erfreuen v. 16; (die liebenden) empfahen schon des himmels goldne kronen, eh ihr gebein zu staub verweht. Hölty (1814) 239. der träger ist wie ein fürstlicher sieger: sie sprachen mit ihm von des blutes zeugnis, der krone der überwinder am ziele der laufbahn. Klopstock Mess. 17, 69. I@3@e@dδ) ebenso die krone der märtyrer, märtyrerkrone, im voc. inc. teut. n 5b 'kron der martler, palma' (vgl. damit die hohnvolle ketzerkrone): sant Moritz mit seiner heiligen legion han auch der mertelere kron. Haupt 2, 294; daher mit der marter gekrönet werden, lat. martyrio coronari (s.krönen 1, e, β). dasz man sich auch das als krone in unserm sinne dachte, zeigt folg.: eine küninclîche chrône (erwirbt er) in der marterêre chôre. Rol. 4, 6. aber auch die teufel in der hölle tragen eine krone, wie gott und die engel und heiligen im himmel (II, 2, e), Lucifer verspricht dem Satanas: dar umb wil ich dir lonen schier mit der helschen kronen füer. Haupt 3, 485. I@3@e@eε) von der krone des ewigen lebens scheint auch folg. wunderliche krone herzurühren, wovon Krünitz 53, 689 meldung thut: 'ehemals wurde dieses wort auch als ein ehrentitel bei der geistlichen würde gebraucht, da man z. b. statt ewer hochwürden geschrieben und gesagt hat ewer krone'; denn von der irdischen bischofskrone II, 2, d kann es doch nicht wol herstammen. I@44) Krone als kranz in bildlichem gebrauche, der reich entwickelt ist, aber freilich ein klares anschauliches bild nicht mehr bietet, oft sogar in formlose verschwommenheit übergeht, zumal die verschiedenen anwendungen davon wieder leicht in einander verschwimmen. I@4@aa) krone das höchste, vollendetste seiner art. I@4@a@aα) von unsinnlichen dingen: dann das acht ich der ehren kron, dasz man einem nach disem lebn thu ehr und reverenz hie gebn, dasz sein nam hie auf erden bleib und man von ihm les, sing und schreib. Ayrer 394, 3. so nennt man etwas die krone der freude, besonders aber ironisch, spöttisch die krone der dummheit, lächerlichkeit u. ä.; doch verschwimmt das mit einer andern vorstellung, die in der wendung liegt: das setzte der lächerlichkeit die krone auf (s. c, α). und noch mit einer andern, der gipfel der ehre u. ä., was denn wieder in der bed. baumwipfel mit krone verflieszen kann. einen unmittelbaren anlasz zu diesem gebrauch von krone kann Sirach 1, 22 (doch vgl. v. 11) gegeben haben: die furcht des herrn ist ein kron der weisheit, da man das als 'die höchste weisheit' verstehn konnte, wie mhd. aller triuwe ein krône u. ä., mit ein statt des bestimmten art., den wir da gewohnt sind. hierher auch wunderkrone, miraculum orbis Stieler 1041. I@4@a@bβ) von menschen, schon mhd. ganz geläufig: Maria, megde krône. Freidank 13, 7; si ist aller wîbe ein krône. Morungen, minn. frühl. 122, 9; gelêrter fürsten krône. Walther 107, 29, s. mehr im wb., die vorstellung wird da gewesen sein z. b. ein weib das dem ganzen weiblichen geschlechte oder den frauen eines landes zur zierde und ehre dient (vgl.δ), ihren glanz vollendet, wie der aufgesetzte kranz den schmuck und glanz einer schönen frau. daher auch gehäuft krône, kranz, ein held z. b. wird u. a. bezeichnet: ein krône, ein kranz mit dienste werden frowen. j. Tit. 1279, 4, mit seinem dienste gegen frauen diesen eine hohe zierde, freude, ehre. noch im 15. jh.: sie ist der frowen krone, sie ist der megde kranz. Uhland volksl. 843, Hoffmann kirchenl. 105, die himmelskönigin ist gemeint, aber absichtlich in der schilderung einer minneklichen meit, unter der jene zu raten ist. den biblischen anhalt geben die stellen 3, d a. e. Nhd. (aus dem 16. jh. s. u. δ): keine misdeutung, krone der frauen! Lessing 2, 569; ihm gab Helena drauf, die krone der frauen, zur antwort. Bürger 208b; da seh ich dich, die krone aller frauen ... Schiller 534b (Tell 3, 2); bin ich euch noch arm, da ich die krone aller frauen besitze? 454a, jungfr. v. O. 1, 4; die krone aller weisen. Gökingk 2, 157; ich komme, die krone der jungfrauen heimzuführen. Gotter 3, 102; so kannst du glauben, dasz sie die krone von allen ehrlichen (ehrbaren) mädchen ist. Möser 9, 117, das klingt ganz volksmäszig. das hohe bild zu komischer wirkung gebraucht: ein schöner herr, der pflastertreter krone. Hagedorn 2, 63. I@4@a@gγ) auch von dingen: gesegne dich gott, alls tranks ein kron. weinsegen, altd. bl. 1, 414. und wieder komisch, spöttisch: o du, der schönen taillen krone. Gotter 3, 239; Nicolai hat diese krone seiner werke (seine bildungsgeschichte) vollendet und dann seinen geist dem himmel wiedergegeben. Fichte Nicolais leben 12, zugleich zu c, α. I@4@a@dδ) auch ehr und krone, kron und ehre (s.ehrenkrone u. 3, b), gemäsz der auffassung unter β, die darin deutlicher gemacht ist: Flavius Claudius, aller keyser ein ehr und kron. Aventinus chron. 230a; gehorsam ist (zwar) aller tugent krone und ehre, aber wenn faulwitz drinnen erfunden wird u. s. w. Luther 6, 147a; s. auch Weckherlin unter b, α. I@4@a@eε) ähnlich und doch auch anders: nachdem die nymf aus Albion (eine engl. prinzessin), der frombkeit und der tugent cron, hat ihrer diener wehrt erwegen ... Weckherlin 408 (od. 1, 26, 1), 'die frömmigkeit und tugend selber' in ihrer höchsten erscheinung; das weib ist eine krone der keuschheit. Stieler 1041; tugendkrone, virtutum regina. ders., Ludwig 1075. die wendung geht aufs mhd. zurück, z. b. vom armen Heinrich 63 ein ganziu krône der zuht, wie kranz aller güete u. ä. (sp. 2054 unten). es berührt sich aber auch mit der mhd. beliebten wendung z. b. bescheidenheit, diu aller tugende krône treit Freid. 1, 2, Mone schausp. 1, 217, wie Maria alles trôstes krône treit das. 249. 211, aller êre krône treit 216. I@4@bb) krone als zierde, stolz und freude, zugleich mit a und c sich berührend und mischend. I@4@b@aα) biblisch ist das fleiszige weib als des mannes krone (s. u. 3, d), daher ehekrone gleich treue gattin (s. 3, 45): zeuch in frieden, o tochter, ein haus zu erbauen durch weisheit und holdseliges thun, als liebliche krone des mannes. Voss Luise 1, 58. wieder auch kron und ehre (s. a, δ): dein weib, die deines herzens und hauses cron und ehr. Weckherlin 285 (ps. 128, 4), vgl.hauskrone als gattin und herzens krone u. ε. I@4@b@bβ) mit dem gebrauch u. a berührt sich nahe (den biblischen anhalt s. u. 3, d): wir sahen Silvien, den trohn der ehrbarkeit, wir sahen, kurz gesagt, vier krohnen dieser zeit (frauen). Rist Parn. 565; Leipzigs krone (das schönste mädchen). Zachariä renomm. 1, 291; doch zween weisze hengste, weisz wie der blendende schnee ist, waren die krone des stalles. ders. Phaeton 2, 60; Augsburg ist die kron in Schwoben. Soltau 2, 70; Erfurt, ein kron in Doringen schon. Haupt 8, 474; Leipzig, das unvergleichliche Leipzig, die zierde nicht nur von Meiszen und Sachsen, sondern die crone von ganz Germanien. Hazards lebensg. 183, auch das biblisch u. 3, d, und schon mhd. Parz. 350, 20. ebenso kron und preis (vgl. Fichte unter c, δ): eine palme, der gehege deines gartens kron und preis. A. Grün ged. (1838) 213. I@4@b@gγ) daher begreift sich allenfalls krone allein als höchster ausdruck des preises, des entzückens, freilich ohne klares bild, aber nach biblischem vorbilde, s. 3, d, vgl. krönlein 1, c. die geliebte z. b. wird angeredet: o höchste cron, mein ufenthalt. klopfan, weim. jahrb. 2, 79; sei mir gegrüszt, Augusta, meine krone. Ramler. deutlicher ist krone des lebens (vgl. Göthe unter c, γ): Marindgen, ich suche mein herze vergebens, wann ich bei andern leuten bin. du zierde der herzen, du krone des lebens, wo steckst du mir das leben hin? Weise überfl. ged. (1701) 114; vgl.kranz ähnlich sp. 2054 unten. Ebenso von Maria, Christus, schon mhd.: du hôchswebendiu crône (Maria), du zimest wol küneges trône. altd. bl. 1, 84, wo denn deutlich die vorstellung der fürstenkrone sich einmischt (vgl. sp. 2371 unten). o werthe kron, o jungfrau schon. Ditfurth fränk. volksl. 1, 116b, kath. 17. jh. auch im protestantischen kirchenliede setzte sich das klangwort fort, wie vieles ähnliche: nun komm, du werthe kron, herr Jesu, gottes sohn. Ph. Nicolai 'wachet auf ruft uns d. st.' v. 2; ei mein perle, du werthe kron. ders. 'wie schön leuchtet d. m.' v. 2; nun mein Jesu, meine wonne, meine lust, mein aufenthalt (wie vorhin weltlich), meine krone, meine sonne ... E. Neumeister 'gute nacht, du nacht der erden' v. 8 weg, ihr schätze dieser erden ... Jesus soll mein purpur werden, Jesus ist mein kronengold. das. v. 5, deutlich in die fürstenkrone überschlagend. I@4@b@dδ) das liebkosende klangwort wird auch gern durch ausmalende zusätze bereichert und verschönt (vgl. so bluomenkranz, fröudenkranz sp. 2054 unten): komm, du schonefreudenkrone ... deiner wart ich mit verlangen. 'wie schön leuchtet der morg.' v. 7, ganz wie schon mhd. weltlich von einem geliebten hôhste freuden krône Parz 692, 5; Maria zart,von edler art, du bist ein kron der ehren (nach Jes. 28, 5, s. 3, c). Hoffmann kirchenl. 455. Ditfurth fränk. volksl. 1, 119; von edler art,o jungfrau zart, der engel werthe krone. Ditfurth 1, 115, wie auch schon mhd. du engelkrôn Frauenlob spr. 289, 6, sie trägt nämlich die krone der engel (s. II, 2, e). I@4@b@eε) auch wird das bild ausdrücklich in das innere leben versetzt mit krone des herzens, der seele (vgl. innre kronen J. Paul nachdämm. 78): sie ist meins herzen ein kron. Uhland volksl. 66, damit schlieszt ein weltliches liebeslied; meins herzen cron, meinr freuden zier. weim. jahrb. 2, 83; dich (Jesus) will ich lieben, dich will ich ehren, meiner seelen freud und kron. Hoffmanns schles. volksl. 339, in einem ältern texte von 1677 freud und wonn (anz. des germ. mus. 1864 413); er (gott) sprach zu seinem lieben sohn: die zeit ist hie zu erbarmen. fahr hin, meins herzen werthe kron und sei das heil den armen. Luther 'nu freut euch l. chr. gmein' v. 5. s. auch Weckherlins herzens cron und ehr unter α. I@4@b@zζ) dagegen auch 'krone in den augen': er ist seinem vatter eine krone in den augen, pupilla oculi paterni Aler 1245a, patris sui ocellus Denzler 2, 178a, d. i. sein augapfel, eig.: sein vater trägt ihn in den augen (s. Neidh. 41, 21, Lichtenstein 512, 22) als seine krone, wie lat. in oculis ferre, auf den händen tragen. nl. heiszt das weisze im auge kroontje, krönchen, vgl. krönlein 2, c. I@4@cc) als bild für höchste, abschlieszende vollendung. I@4@c@aα) allgemein gebraucht ist in diesem sinne die redensart einem werke u. ä. die krone aufsetzen: dem moralischen plane des werkes durch den neu hinzu gekommenen dialog zwischen Agathon und Archytas die krone aufzusetzen. Wieland 1, xxviii; wodurch er allen seinen werken die krone scheint aufgesetzt zu haben. Lenz 1, 96; setzte sie allen ihren wolthaten die krone auf. Göthe 24, 18; der zufall aber, der wie Schiller sagt oft naiv ist, sollte dem ganzen ereignis die krone aufsetzen. 31, 127, das beste dabei thun, um es zu einem köstlichen abschlusz zu bringen; nichts waren jetzt alle seine vergangenen siege, da ihm der einzige entgieng, der jenen allen erst die krone aufsetzen sollte. Schiller 935a. auch ironisch, z. b.: das setzt seiner dummheit die krone auf. auch das ist uns aber ohne sicheres bild, man denkt wol dunkel an die krönung eines königs. aber auch diesz krone ist vielmehr kranz, wie bei Schiller auf sein werk den kranz setzen (sp. 2054), d. h. wie die zimmerleute auf ein vollendetes haus, s. 2, b a. e. I@4@c@bβ) dazu krone der vollendung: wenn auf des denkens freigegebnen bahnen der forscher jetzt mit kühnem glücke schweift ... mit rascher hand schon nach der krone greift .... verzeiht ihm, der vollendung krone schwebt glänzend über éurem (der künstler) haupt ... mit euch, dem freudgen erntekranze, schlieszt die vollendende natur. Schiller 25b. es mischt sich da die sieges- und triumphkrone ein, auch ein anklang an die krone des ewigen lebens, wie bei Göthe u. δ. I@4@c@gγ) das vollendende selbst heiszt krone, z. b. der mensch (das weib) die krone der schöpfung, womit der schöpfer seinem werke die krone aufsetzte: die schöpfung selbst ist grausam, sollte nicht der mensch, der schöpfung krone, grausam sein? Rückert lieder u. sprüche 74; freilich arg, wenn heute gesang und klang bei der hochzeit unseres töchterchens fehlte! musik ist die krone des gastmahls! Voss Luise 1795 3, 611; schamhafte demuth ist der reize krone (bei der jungfrau). Schiller 499b, es berührt sich zugleich mit 4, a; dasz sie nur ja nicht ausbleiben, sonst würde unserm fest die krone fehlen. 629b (parasit 1, 6); der titel ist die krone des buchs. J. Paul grönl. proc. 6; krone des lebens, glück ohne ruh, liebe, bist du! Göthe 1, 93 (rastlose liebe), vgl. Weise u. b, γ; ihre (der natur) krone ist die liebe. 50, 6. I@4@c@dδ) zugleich als höchstes strebeziel: was bin ich (Faust) denn, wenn es nicht möglich ist der menschheit krone zu erringen, nach der sich alle sinne dringen? Göthe 12, 90, es mischt sich der antike begriff ruhmeskrone und der christliche krone des ewigen lebens ein, wie ähnlich bei Schiller u. β; nur in dem mittelzustande zwischen menschheit und thierheit wird ... die erfahrung zur krone und zum preise der menschheit herauferhoben. Fichte 7, 29 (vgl.kron und preis zu b, β); der menschen kron ist, dasz sich menschheit offenbart in ihm trotz seiner volks-, trotz seiner glaubensart. Rückert weish. d. brahm. (1843) 516. kein anderes wort vermöchte diesz hohe auszudrücken. I@4@c@eε) aus dem 16. jh. ist ähnlich folg.: die lieb ist des gesetzes kron. Waldis Es. 1, 7, 54, höher als gesetz oder gesetzlichkeit ist liebe, sie ist die obwol nicht notwendige, aber doch erst vollendende und zugleich schmückende zuthat zu jenem; wenn also rret mund an mund, schaw ist das nit ein hoher lon, ehrlicher lieb ein schmuck und kron. H. Sachs 1, 226c. I@55) An die bed. kranz schlieszt sich auch folg. an. I@5@aa) wald als krone von bergen, die als riesen gedacht auf dem kopfe oder haupte einen grünen kranz tragen, im gegensatz zu bergen die kahl sind (vgl. sp. 1768): ob im (dem felsen) von baumen was ein tron von grünem laub, als ob ein kron mit willn gezirt dar über wer mit grünen dolden hin und her. Folz in d. fastn. 1306. I@5@bb) so heiszt denn auch der berggipfel selber krone: drei gebürgen, die mit begrünter cron sich durch die wolken würgen. A. Gryphius 1, 598. aber auch abgesehen von der waldkrone, ja ohne waldkrone nennt man berggipfel, felsengipfel kronen, bes. in abgeplatteter oder zackiger form, wobei denn freilich die vorstellung in königskrone überschwankt oder übergeht. nl. kruin. vgl.felsenkrone, auch bergeskrone dichterisch. von gletschern, zugleich als königskrone und kranz, von der Jungfrau: es sitzt die königin hoch und klar auf unvergänglichem throne, die stirn umkränzt sie sich wunderbar mit diamantener krone. Schiller 50a (berglied), vgl. vor der glänzenden krone der ewigen schneegebirge Göthe 44, 12, die weisze krone aus felsenstacheln, Kapri J. Paul Tit. 4, 161. I@5@cc) aber auch der wald selbst hat seine krone in der gesamtheit der dolden und wipfel die sich zusammenschlisszen, wie die einzelnen blumen zum kranze: der waldes crôn nam ich war, der (diu?) was grüen unde schôn. Laszb. lieders. 2, 209, schwerlich ist kron als m. gemeint, wovon doch auch in folg. eine alem. spur erscheint: wer nach im ist komen am kron. Lenz Schwabenkr. 10a, gleich darauf kem an die römsche kron (am könnte verlesen sein für ant, d. i. an d', s. 2, 974). I@5@dd) ebenso der einzelne baum, krone gleich wipfel (auch ital. corona, n. krone): uraltes waldes majestätische kronen. Göthe 13, 268; die erde bebt (vom sturm) und krachend beugen die altverjährten eichen ihre krone. Schiller 480b; doch jetzt brausts aus dem nahen gebüsch, tief neigen der erlen kronen sich und im wind wogt das versilberte gras. 75a. bildlich: bei dem vorsatz des königs, diese wurzel und krone des wendischen heidenthums (den tempel auf Rügen) unwiederbringlich auszurotten. Dahlmann n. gesch. 1, 293. Auch die forstmänner brauchen das bild, verstehen aber den ganzen beästeten baumtheil im unterschied vom astlosen stamme darunter: diese verästelung nennt man bei einem baume die krone (in der kunstsprache den 'wald'), und einige unterscheiden auch wol noch den obersten theil derselben durch den namen wipfel oder zopf (was der laie meist unter krone versteht). J. M. Bechstein forstbotanik 1815 s. 12; stamm heiszt ebend. der unbeästete theil, welcher von der wurzel bis zur krone geht. besonders vom nadelholze, der forstmann bestimmt die jahrgänge, das alter danach: ein schlag steht in der dritten, vierten, zehnten krone Krünitz 53, 620, beim laubholze laub genannt. I@5@ee) ebenso von blumen und pflanzen überhaupt. I@5@e@aα) bei dichtern; das mahenhaupt sagt: es ist mein haubt bekrönt, mein hirn das machet schlafen, ich kan auf kurze zeit viel bunte blumen (die blüte) schaffen. ich steh auf einem fusz, der leichtlich wird zerstuckt, und mich mit meiner kron zerquetschet und zerdruckt. Harsdörfer Nathan u. Jotham 2. th. anhang Bb 1a; glutroth die krone des mohnhaupts. Kosegarten Jucunde (1808) 112, hier die blume, während jener die samenkapsel meint; die fürstin der blumen die tulpe erhebt die krone zur seiten hoch über die bunten aurikeln. Kleist frühling (1754) 27; mit einem ganzen büschel blühender kronen. Göthe 21, 104; man fieng jetzt an die geblichenen röhrenkronen auszuzupfen. 22, 194, es sind frühlingsblumen 193. I@5@e@bβ) der ausdruck ist in die sprache der wissenschaft übergegangen, krone das ganze der kranz- oder kronenförmig aus dem kelch strebenden eigentlichen blumenblätter (kronenblätter, kronblätter), corolla: bildung der krone. den übergang des kelches zur krone ... Göthe 58, 39 ff., nebenkrone 46; um die achse gedrängt entscheidet der bergende kelch sich, der zur höchsten gestalt farbige kronen entläszt. 1, 327. schon im 16. jh.: der stengel wird oft mannes hoch, an dem zu oberst ein schöner doldender busch oder kron. Thurneisser erdg. 3, vgl. krönlein 2, b; auch nl. kroon, n. krone, frz. corolle. I@66) Mancher bildliche gebrauch steht auf der scheide zwischen kranz und dem folgenden, wie das entsprechende krönen, mancher auch gibt uns eine wirkliche vorstellung gar nicht mehr; der art sind z. b.: dem verdienste seine kronen! Schiller 19b (an d. freude); schwingt euch .. zum strahlensitz der höchsten schöne, um andre kronen buhlet nicht. 26a (künstler a. e.); nimmer entweicht die krone der schönheit aus diesem geschlechte. 499b, die schönheit wird leicht als königin gedacht; eben dieses liebreiche zunicken der seele ist für sein herz mehr als alle kronen des genies, die er ohnehin nicht erreichen kann. Pfeffel poet. vers. 1789 1. th., vorb., eig. lorberkranz; kunstrath Fraischdörfer, dem jetzt die kunstliebe des neuen fürsten und die kunstgelehrsamkeit des neuen günstlings neue kronen aufsetzten. J. Paul Tit. 2, 39 (1800 1, 389), d. i. neues ansehen und selbstgefühl gaben, schon der plural macht eine vorstellung unmöglich, es ist spöttisch gemeint. nl. sagt man iemand eene kroon opzetten, seine ehre erhöhen, ihn preisen, vgl. einem an die krone greifen u. ä. 1, d zuletzt. anderes zweifelhafte s. u. III. I@77) Ein rückblick auf die geschichte des fremdwortes. I@7@aa) die kargheit der zeugnisse für die älteste zeit läszt leider ein dunkel über dem aufkommen des wortes und seinen anlässen. da kranz schon dafür bestand (aber nur hd.), musz das römische wort daneben an eine römische sitte geknüpft ins land gekommen sein. ob schon in der alten zeit, als zahlreich Germanen in römischen kriegsdiensten waren und gewiss von coronae als ziel ihres ehrgeizes so gut zu reden hatten wie die italischen u. a. milites legionarii? eine spur davon wäre freilich nicht geblieben, das ahd. wort, wo es uns weit später entgegentritt, sieht zu sehr wie Frisch entlehnt aus. Aber unsere lat. wörterbücher und gelehrten reden nhd. auch von mauerkrone, corona muralis, graskrone corona graminea, bürgerkrone oder eichenkrone corona civica, lagerkrone c. castrensis u. s. w. (z. b. Krünitz 53, 625 ff., Marquardt m. alterth. 32, 442 fg.). ja in gelehrter übertragung römischer begriffe auf unsere zeit spricht man auch von bürgerkrone (auch bürgerkranz Göthe 11, 248) als einem gedachten öffentlichen lohne für verdienste um den staat: ohne schwertschlag hast dus geleistet, eine bürgerkrone dir wol verdient. Göthe 9, 129 (Tasso 1, 4), es wird ihm dann ein kranz von eichenlaub versprochen; es bleibt ferner wahr, dasz solche (heilig- und seligsprechung) nicht die stelle einer bürgerlichen krone vertrete und zur aufmunterung politischer tugenden diene. Möser phant. (1778) 1, 360, cap. 63. freilich ist hier das gelehrte zugleich verkehrt, da die corona civica, eben ein kranz von eichenlaub, nur für rettung eines mitbürgers (civis) aus lebensgefahr verliehen wurde. I@7@bb) unter den ahd. spuren gibt römischen anklang die Emmeramer glosse: laureatus, mit lôrpaumes pletirum, haupitpantû kachrônôt. Graff 4, 484; also chrônôn kränzen schon vor dem 10. jh., so dasz auch das subst. für kranz längst bestand, vielleicht eben vom lorbeerkranze, von dem die Römer im leben wie in worten einen vorzugsweis reichlichen gebrauch gemacht haben müssen, wie schon die kürzung laurea für corona laurea und laureatus genügend bezeugen (man vergl. nur z. b. die plebs laureata Suet. Octav. 58). und das wird den vorstellungen und sitten des mittelalters sich tief eingeprägt haben, liesz doch Heinrich VII. die krone zu seiner krönung in Mailand 1311 in form eines lorbeerkranzes fertigen. es ist zu bemerken, dasz noch die vocabularien des 14. 15. jh. bei Dief. 321b laurea fast immer mit krone geben, kron von laurinbaum, meisterkron u. ä., nur einer mit kranze; laurea ist lornkrone Schröers voc. 21b, signünfte crovn Wackern. voc. opt. 27a ; ebenso für laureare nur krönen, kein krenzen, laureus ghecronet Dief. 321b. aus dem 16. jh. vgl. den lorbeerkranz im Teuerdank 2, c, auch Hartmanns von Aue schapel unde lôrzwî bei Gottfried stammt vielleicht nicht nur aus gelehrter vorstellung. dabei musz auffallen, dasz selbst bei unserm brautkranze lorbeerblätter als stoff erscheinen, s. Amaranthes u. 1, b aus dem städtischen gebrauche des 18. jh., selbst auf dem dorfe brautsträusze von lorbeerblättern, s. ebend. von der Eifel; auch der myrtenkranz hat ja einen gelehrten anstrich, wie alt ist er? dieser lorbeerstrausz ist eig. noch ein solcher lôrzwî, eine laurea. I@7@cc) aber noch ein zweiter einflusz liegt bei krone klar vor, der biblische; das häufige corona der vulgata und des kirchlichen lateins hat den gebrauch und begriff von krone tiefgreifend beeinfluszt, s. 3, c ff., gewiss von der ersten zeit des deutschen christenthums an. und beide einflüsse flossen im bewusztsein in einander, der heidnisch lateinische und der christlich lateinische, die siegeskrone bei wettkämpfen z. b. verflosz mit der biblischen krone des ewigen lebens; knüpfte man doch selbst die brautkrone, die man im leben sah, an die krone der himmelskönigin (2, b). nicht zu vergessen ist dabei, wie die ursprüngliche zuführung fortwährende nahrung hatte durch das gelehrte latein, und wie sie im 15. 16. jh. durch die neue gelehrsamkeit neu aufgefrischt wurde und wie dem allen das franz. couronne und ital. corona, die noch heute auch das wort für kranz sind, stützend zur seite giengen. zwei verschiedene zeitstufen der zuführung haben sich im nl. deutlich ausgeprägt, wo das ältere kruin und neueres kroon nebeneinander bestehn. dem ganzen mischt sich aber noch das folg. krone ein. IIII. Krone als fürstenkrone. II@11) Vom aufkommen dieser bedeutung. II@1@aa) das blosze wort bürgt für lateinischen ursprung, in der sache wie ihrer benennung. aber bei näherem zusehen treten schwierigkeiten vor. II@1@a@aα) das altlat. corona hatte diese bedeutung noch nicht und die römischen kaiser hatten noch keine krone in unserm sinne, nur als ansätze dazu erscheinen gewisse coronae als fest- und ehrenschmuck mit verschiedener form und bedeutung (vergl. Krünitz 53, 632), hervorgegangen aus den kränzen der triumphatoren, wie der lorbeerkranz, den die köpfe früherer kaiser auf münzen zeigen (noch die lomb. eiserne krone hiesz auch kurz laurea, s. Ducange s. v. corona ferrea), oder der götter, wie der zacken- oder strahlenkranz späterer kaiser auf münzen z. b. des Gordianus, Aurelianus, Probus, Tetricus, es ist wol eigentlich die corona radiata des Jupiter optimus maximus (Suet. Oct. 94) und nähert sich allerdings schon einer krone in unserm sinne, während doch die hinten abhängenden bänder noch die kranzform festhalten. aber eine kaiserkrone hätte ohnehin unmöglich zu den Germanen ohne weiteres als königskrone kommen können. auch heiszt letztere in dem latein unserer alten schriftsteller nicht, wie man dann erwarten müszte und auch nach krone erwarten sollte, corona, in der regel wenigstens nicht. II@1@a@bβ) ihr gewöhnlicher name ist vielmehr diadema, d. i. διάδημα, eig. kopfband, von den Perserkönigen aus im orient zum königlichen kopfschmuck geworden, auch bei den Römern der name der königskronen. daher auch von der deutschen königskrone diadema, regni diadema z. b. bei Widukind res g. sax. I, 16. 25. 26. 29. II, 1. 12. 31; ebenso die lotharingische krone diadema ann. Fuld. ad a. 869. dasz lat. diadema und deutsch krone wirklich zusammenfiel, zeigt z. b. Williram 3, 11: videte .. regem Salomonem in diademate quo coronavit eum mater sua ... tuot wara des cuniges S. unte (unter?) der corônon, dâ in sîn muoter mit hât gezieret (folgt ein vergleich mit Christi durnînon corônon), diadema ist das wort der vulgata für königskrone, z. b. 2n. 11, 12. 2 chron. 23, 11. 2 Sam. 12, 30. noch die vocab. des 15. jh. haben zwar auch corona mit hd. nd. crone Diefenb. 152b, aber nur unter diadema deutlich kunigiscrone, kunglich cron 179b, wie Luther das blosze diadema der vulg. Esther 1, 11. 2, 17 mit königliche krone übersetzt. Selbst die kaiserkrone findet sich diadema genannt, z. b. bei Einhard vita Kar. m. 30. 23, ann. Fuld. ad a. 876, Helmold chron. Slav. 1, 32, in einer urk. Friedrichs II. v. j. 1245: concedimus ... duci Austriae crucem nostri diadematis (das kreuz auf der kaiserkrone) suo principali pileo sufferendam (Krünitz 53, 658); daher auch mhd., z. b. daʒ keiserlîche dyadema fundgr. 2, 110, 36, und altfranz. dyademe, s. sp. 36 unten, es muszte eben in unsern allgemeinen begriff krone übergegangen sein, vgl. 2, 1055 diadem als kron der geistlichen, der heiligen. II@1@a@gγ) die kaiserliche krone heiszt aber auch wirklich corona: Leo papa coronam capiti ejus (Karls) imposuit, cuncto Romanorum populo adclamante 'Karolo augusto, a Deo coronato .. imperatori Romanorum, vita et victoria!' Einh. ann. ad a. 801; Ludwig der deutsche erhält coronam imperialem et sceptrum. ann. Laur. min. ad a. 813, vergl. Waitz verfassungsg. 3, 213; quotiescunque sit opus corona portanda, jejunium semper praecedere pro vero traditur. Widukind 2, 36 von Otto dem ersten; filius noster ... coronam ... in imperii dignitatem suscepit. 3, 70, von Ottos des zweiten krönung zum römischen könig, womit er designatus est in imperatorem 3, 76, die deutsche königskrone nennt er nur diadema (s.β); si .. rex ipse venerit Romam ad suscipiendam imperialem benedictionem et coronam. ann. Altah. maj. ad a. 1064; Heinrich der dritte hält gericht zu Pavia in fascibus et corona. ad a. 1046; fac nobis reddi coronam .. ceteraque ad investituram imperialem pertinentia. Helmold chron. Slav. 1, 32, vorher doch diadema, von Heinrich IV.; regem aggressi sunt eique coronam de capite abruperunt. das. II@1@a@dδ) allerdings findet es sich doch auch von königskronen, z. b. von der von Jerusalem bei Arnold chron. Slav. 4, 2; dachte man da etwa an Christi königthum, seine corona spinea? oder wirkte da das durchgedrungene deutsche krône schon? Rudolf von Schwaben erhielt nach Helmold 1, 28 vom pabste eine aurea corona zugeschickt, die auch in einer inschrift als corona bezeichnet war; vielleicht sollte sie im voraus auf die kaiserkrone deuten, wie bei Widukind vorhin die corona Ottos des zweiten als römischen königs. auch die deutsche königskrone, die Heinrich I. zurückweist und die von Liudprand und anderen (s. Waitz Heinrich I. s. 38) corona genannt wird, konnte so aufgefaszt werden; s. auch Waitz verfassungsg. 3, 213. 2, 120, wo corona regni schon bei Karlmann als könig u. a. II@1@a@eε) wie dem auch sei, jener unterschied von corona und diadema, wie er noch bei Widukind erhalten ist, musz dem gang der dinge nach das ursprüngliche sein, und dasz er verwischt wurde und corona allein den platz behauptete, weist auf einflüsse hin, die zu finden bleiben. ein ganz äuszerlicher mag sein, dasz man auch zu dem griech. worte das lat. coronare brauchte, eig. kränzen, z. b.: perfusus oleo sancto et coronatus diademate aureo. Widuk. 2, 1; der krönende erzbischof daselbst gibt übrigens dem krönen biblische farbe: ut in praesenti et in futuro sempiterno praemio coroneris, und solche anlehnung an die biblische corona vitae (s. I, 3, e) könnte zum siege über diadema mitgewirkt haben, vgl. auch Williram unter β. den wesentlichsten antheil hatte wol aber der umstand, dasz auf dem haupte des deutschen königs die königliche krone mit der kaiserlichen in der vorstellung verflieszen, die letztere aber durch ihre höhere würde überwiegen muszte, wie der kaiser-titel über den des königs; das schwanken zwischen diadema und corona kann zum theil eben darin seinen grund haben, wie das schwanken zwischen rex und caesar oder imperator bei den chronisten. vielleicht hatte auch die bed. von corona als kranz antheil an dessen siege, s. u. b, γ. II@1@bb) zeit, art und gründe der entlehnung möchte man aber genau wissen; ich kann für die schwierige untersuchung nur andeutungen versuchsweise geben. II@1@b@aα) für die ältere geschichte des begriffs und wortes krone bei uns gibt einen trefflichen anhalt die deutsche benennung der spinea corona Christi, da sie zwar an sich nichts als ein kranz ist (s. I, 2, d), aber ausdrücklich als königskranz, königskrone dient: et milites plectentes coronam de spinis imposuerunt capiti ejus et veste purpurea circumdederunt eum, et veniebant ad eum et dicebant ave rex Judaeorum. Joh. 19, 2, vgl. Matth. 27, 29. Marc. 15, 17. der ganze höhnende sinn ruht in dieser zweiten bedeutung und ihn vor allem muszte jede übersetzung ausdrücken, wenn ihr etwa der doppelsinn des corona, στέφανος unerreichbar war. Da fällt denn auf, dasz auch ahd. neben Otfrieds thurnîna corôna (s. I, 2, d) noch vorkommt thurnînaʒ houbitpant, coronam de spinis Graff 5, 228, Mones anz. 4, 86, und übereinstimmend altsächs. hôBidband hardarô thornô Hel. 5501. also noch im 9. jh. war das lat. wort nicht überall und durchaus notwendig oder möglich, und dazu stimmt wol Heinrichs des ersten verhalten zu Fritzlar i. j. 919, der zu seinem königthum die ungermanische krone oder krönung noch nicht für notwendig ansah (Widukind 1, 26, vgl. Waitz Heinrich I. s. 219 ff.), seine zeit also zum theil wenigstens auch nicht. Das 'hauptband' taugte aber auch völlig für die biblische stelle, denn houbitpant strophium war einmal auch diadema und corona Graff 3, 137 (ags. cynebend Ettm. 405), wie eine kostbare kopfbinde, die schon das volle haar nötig machte, überhaupt ein altgerm. schmuck der vornehmen war (altn. höfuðband, von gold gullband Weinhold altn. leben 180, vgl. Grimm rechtsalt. 241. 242) — aber ausdrücklich auch sertum, kranz ebend., vgl. haupitpant als lorbeerkranz unter I, 7, a, mit laurînen houbetpendelen übersetzt inter serta laurigera Graff 2, 244, daher sogar kurz kihaubitpandôt für laureatus 3, 137; noch der voc. th. 1482 n 8a gibt als eins 'harpant, krentzlein, scapel, sertum' (vgl. Nib. 1594, 2. 3), das alte bant war eben alles was bindet. ein nachkomme dieses houbetbant ist denn der oberpf. bendel als brautkrone sp. 2356, wie das gebende das. bei Purgoldt. II@1@b@bβ) noch andere benennungen der dornenkrone begegnen über see: ags. þyrnen beág Grein 1, 104, nordhumbr. ðyrnen bêg Marc. 15, 17, bêg of ðornum Matth. 27, 29, d. i. ahd. pouc, mhd. bouc; aber beág ist wieder auch corona Ettm. 301, beágian übersetzt coronare ps. 8, 6, d. i. kränzen bildlich, im Beow. 1164, wol auch 624, erscheint beág deutlich als diadem einer königin, heáfodbeáh corona Ettm. 477, sodasz wol auch das ags. wort den für die biblischen stellen nötigen doppelsinn kranz und krone enthielt. Eigen sieht aus þyrnenne helm spineam coronam Marc. 15, 17, wundon cynehelm of þornum Matth. 27, 29, vgl. Joh. 19, 25, und übereinstimmend altn. þyrnihialmr Fritzner 794a, vgl. ags. cynehelm corona, diadema Grein 1, 179, cynehelmian coronare Ettm. 405, wonach der helm auch als königszeichen diente; dasz das auch z. b. fränkisch war, zeigt die galea statt der krone bei Waitz verfass. 3, 214; aber vielleicht war ein umgelegter kranz dabei (vgl. ags. helm von der baumkrone Grein 2, 32), sodasz jenes genau ein königshelm mit dornenkranz wäre. wirklich trugen fürsten einen kranz um den hut, noch im 15. jh. bei rechtshandlungen die sich auf die fürstenhoheit bezogen (RA. 148. 242), hut und helm waren aber begrifflich, z. b. im rechtsgebrauch eins, oft auch stofflich (îsenhuot helm). auch mit dem goth. vaips, vipja musz es notwendig eine ähnliche bewandtnis haben. Das angeführte zeigt, dasz bei den Angelsachsen corona noch nicht fusz gefaszt hatte, wie noch später nicht bei den Scandinaviern (doch vgl. später altn. þyrnikrûna unter I, 2, d), dasz aber dem vom germ. süden vordringenden corona doch in sache und sitte etwas entsprechendes germanisches die hand bot, wie dem sceptrum auch. die fürstenkrone des mittelalters ist glaub ich eine verschmelzung derm. corona mit dem germ. fürstenkranze. II@1@b@gγ) wie nämlich ahd. cranz kurzweg als glosse für diadema, corona erscheint (Graff 4, 614), so zeigt die fürstenkrone deutlich kranzform, wobei nur nicht an einen künstlichen, nicht einmal an einen geflochtenen kranz zu denken ist, da schon ein vom baume 'gebrochenes' rîs um haupt oder helm gebunden zum kranz genügte (s.kranz II, 2, a). nach Krünitz 53, 646 besteht die krone zunächst aus einem breiten reife, dessen oberer rand bei königen anstatt der ehemaligen zacken mit blättern versehen ist, vgl. s. 670 zinken und blätter wechselnd; auch die alte kaiserliche kronen bestanden in einem reife, der einige zinken mit perlen oder kleeblätter hatte 647; ältere proben aus dem 11. jh. s. z. b. bei H. Weisz kostümkunde (1864) s. 532 fg., schon die langobardische krone s. 496 zeigt zwischen zinken ein solches blatt (s. auch die kronen heiliger frauen s. 498), und zwar schon in derselben form, zu der die lorbeerblätter des römischen kaiserkranzes das vorbild nicht geben konnten, einem kleeblatte am ähnlichsten, allenfalls einem eichenblatte. II@1@b@dδ) die weitere aufklärung ist von Karls d. gr. kaiserkrönung rückwärts zu suchen, die auf jeden fall den gebrauch der kronen auch bei den fürsten überhaupt wesentlich beeinfluszte, besonders auch den des wortes corona. ein diadema legte schon Chlodwig an, als er vom byzant. kaiser den titel eines consuls erhielt, et ab ea die tanquam consul et augustus est vocitatus. Greg. von Tours 2, 38 (Waitz verfass. 2, 50. 120), womit denn die germ. königswürde römische färbung, und wenn das augustus streng zu nehmen ist, selbst schon etwas römisch kaiserliches annahm, womit selbst das corona für die fränk. krone vor Karl zusammenhängen könnte. ob es nicht schon gothische königskronen gab? vgl. die westgoth. kronen von Guarrazar sp. 1696, die allerdings weihgeschenke sind. schon im 2. jahrh. und noch früher wurden von Rom aus germanische könige eingesetzt (Dahn die könige der Germ. 1, 113. 110), doch wol mittels der insignien, des diadema, wie schon Nero mittels eines solchen eine königskrönung vornahm an einem rex Armeniae: dein precanti, tiara deducta, diadema imposuit. Suet. Nero 13, feierlich auf dem forum, unter knien des königs vor dem kaiser. aber auch biblische einflüsse sind im spiele (wie die salbung durch den bischof auf Sauls salbung durch Samuel beruht 1 Sam. 10, 1, vgl. 12, 1), z. b. die stelle 2 Sam. 12, 30, die u. a. Abr. Hossmann von kayserlicher wahl u. krönung Leipz. 1612 an die spitze seiner gelehrten arbeit stellt. II@1@cc) erwähnenswert ist auch eine erklärung aus der heraldischen gelehrsamkeit des 18. jh.; J. v. Besser, zugleich hofpoet und oberceremonienmeister in Berlin, stellt auf, schriften Lpz. 1732 s. 508: Apollons crone ist nach den 12 monaten des jahres oder den 12 himmels-zeichen aus 12 in die höh stehenden sonnenstrahlen bestanden, und nach diesem model der 12 sonnenstrahlen haben die alten könige ihre ersten cronen gebildet ... als welche bis auf die zeiten, da man solche nach dem exempel der kayserlichen zu schlieszen angefangen, mehrentheils alle oben offen und rund herum mit 12 aufgereckten zacken oder in die höh stehenden spitzen erfunden werden. gemeint ist die strahlenkrone der römischen kaiser, die urspr. ein götterkranz ist (s. a, α), zuerst auch nur den gestorbenen, vergötterten kaisern zustand auf ihren götterbildern (Marquardt m. alt. 4, 501); ob nicht wirklich die zacken der neueren kronen (s. b, γ) eine wenn auch unbewuszte fortsetzung jener götterstrahlen sind? geht doch auch der kaiser- und königstitel dominus (Waitz verfass. im reg.), soweit er nachahmung des römischen kaisertitels dominus ist, auf angenommene göttlichkeit zurück (Marquardt 23, 304), wie der titel optimus maximus z. b. Widukind 1, 9. 41. 2, 1. 36 auf des römischen Jupiter gottestitel. ähnlich ist übrigens die brautkrone mit zwölf sternen unter I, 2, b in ihrer anknüpfung an die himmlische krone der Maria. II@22) Verschiedene arten der kronen. II@2@aa) die kaiserliche krone, kaiserkrone: nach disem erwelten die churfürsten grave Hainrichen von Lutzelburg an das reich, der hollet die kaiserlichen crona (so) mit gewalt zu Rom. Zimm. chron. 1, 160. dem kaiser wurde aber auch eine dreifache krone beigelegt: herr kaiser, ergebend üch darin, dan es muosz hie nun danzet sin. druoget ir noch einest (einmal) ein drifach kronen, dennoch wirt üch der todt nit verschonen. N. Manuels todtentanz, bei Grüneisen 329; wie auch den getriplierten cronen in beedem caesarischen sitz. Weckherlin 352 (od. 1, 1), d. h. auszer der kaiserlichen die königliche und die lombardische, oder wie man lieber sagte, die goldene, die silberne und die eiserne krone, s. Krünitz 53, 701 und Ducange s. v. corona imperialis, argentea, ferrea. Übrigens hatten die deutschen kaiser auszer der reichskrone Karls d. gr. noch eine hauskrone; auch eine kaiserliche infelkrone, infulkrone kommt vor, letzteres eine krone mit einer inful oder mitra nach art der bischöflichen vereinigt, s. Krünitz 53, 669. 667. eine solche hauskrone (s. Krünitz 53, 741. 751), persönl. eigenthum des königs oder kaisers, ist schon die, welche könig Ruprecht in seinem testament zu verkaufen befiehlt (Janssen Frankf. reichscorr. 1, 803), die welche Friedrich III. sich 1440 in Nürnberg fertigen liesz (s. u. kleinod II, 3, d). II@2@bb) unter der königlichen krone und selbst unter dem hut der herzöge, fürsten, kurfürsten gibt es oder gab es auch eine grafenkrone (Frisch 1, 178a), fürstliche und gräfliche wapenkrone Ludwig 1075, selbst eine freiherrenkrone, beides nur reife mit perlen (diademe), s. Krünitz 53, 684, wo auch aus dem gebrauch des französischen adels dücskrone, marquisenkrone, vicomteskrone angeführt, beschrieben, abgebildet sind; sie hatten und haben mehr oder nur heraldischen oder abstract staatsrechtlichen wert, wie freilich das ganze kronenwesen überhaupt in der neueren entwicklung immer mehr. schon im 16. jh. erscheint die grafenkrone als wesentlich heraldisch: das zaigt an bemelts graf Albrechts schilt und helm, darin .. ain guldine crona auf dem helm zu befinden. Zimm. chron. 1, 112; vgl.gekrönter helm unter krönen 2, c. bei Krünitz 683 auch erzherzogliche krone (östreich.), 684 eine groszherzogliche (florent.), diese mit zinken, die wechselweise ein kleeblatt tragen. II@2@cc) nach der form unterscheidet man hauptsächlich die geschlossene krone, couronne fermée, von der offenen krone, couronne ouverte (Krünitz 646), jene mit bügeln über der eigentlichen krone, dem alten reife, wie ursprünglich nur die kaiserkrone (die aber nur éinen bügel hatte, s. schon aus dem 11. jh. bei Weisz kostümkunde 532, aus dem 9. jh. 518), später und jetzt aber auch die königlichen, die nun einmal jener möglichst nachstrebten; offene krone, 'die von andern souverains, welche nicht den königlichen titel führen, getragen wird' Krünitz 647. von jenem bügel musz der name Kronbiegel, Krombiegel, Krumbiegel stammen, merkwürdig genug. II@2@dd) es gab aber auch geistliche kronen, vor allen die päpstliche krone, die dreifache krone genannt, corona triplex pontificis Romani, weil sie aus einer tiara besteht, die umgeben ist von drei über einander stehenden königskronen in alter form (mit zinken die abwechselnd blätter tragen), zudem mit einem reichsapfel auf der spitze; die bedeutung von dem allen spricht sich aus in dem namen regnum mundi den sie auch führt (Krünitz 681); diesz dreifache krone kreuzt sich denn mit der kaiserlichen dreifachen krone unter a, von der sie veranlaszt sein wird, vgl. den pabst als könig aller könige sp. 1696 mitte; der babst itz renoviren wil sein hoch dreifache krone. Soltau 2, 284, ende 16. jh. Auch die mitra der bischöfe ward krone genannt, bischofkrone infula Dief. 298a, tiara en biscopes crone 582b, bischofkron nov. gl. 364a; es were dem bapst gnug ein gemeine bischoffkron, mit kunst und heilikeit solt er gröszer sein fur andern und die kron der hoffart dem endtchrist laszen. Luther an den adel C 3b; chorkappen, infuln, bischofkronen. Fischart bien. 1588 55a. vgl. infel unde krône, krône unde staf (stab) als abzeichen bischöflicher würde Frisch 1, 177c. 178a. II@2@ee) selbst gott im himmel trug eine krone als himelkeiser, keiser aller künige u. ä. (sp. 39), als himelkünic, könig aller könige, könig der heiligen u. a. (sp. 1696); ein spruch gegen zauberei beginnt: ich brich euch, edle kreuter schon, durch des himelischen vatters kron. Mones anz. 6, 460, krone zugleich für macht, obergewalt. ebenso gottes mutter und braut, die jungfrau Maria, sie heiszt ja auch himelkünigîn, königin des himmels und kaiserin der welt u. ä., von gott gekrönt (sp. 1702. 41), von ihrer krone, zugleich kranz der keuschen jungfrau, s. I, 2, b. sie trägt der engel krone: salve regina, künegîn Maria ... du treist der engel krône. altd. bl. 1, 78, d. h. die himmlischen heerscharen sind ihre unmittelbaren unterthanen; sie heiszt aber auch selber engelkrône Frauenlob 289, 6, wol in dem sinne wie krone I, 4, a, β. die engel selber trugen übrigens auch kronen, so noch in weihnachtsspielen: engel Gabriel in weiszem kleide, das haar gepudert, eine krone auf dem kopfe, von der ein schleier herabhängt. Haupt 6, 344. ja die heiligen: dyadem, ein kron der geystlichen (d. h. seligen christen) oder der heyligen, dyadema. voc. 1482 e 8a. vgl. die krone der märtyrer, auch der teufel u. I, 3, e. II@33) Weiteres von der krone überhaupt. II@3@aa) der könig (kaiser) trägt die krone: erreichen wolltest du das höchste ziel der sterblichen und eine krone tragen. Schiller 668a, was doch für unsere zeit so gut wie zur redensart geworden ist, da auch krönungen aufzuhören angefangen haben (vgl. kronenträger); mhd. gern ohne art., z. b.: der künic sich leite sterbens nider, dô truoc si krône über zwei lant. Parz. 494, 29, ward königin zweier länder; aber auch mit art.: eʒ gienc, eins tages dâ unser hêrre wart geborn (weihn. 1199) ... ze Megedeburc der künic Philippes schône ... er truoc des rîches zepter und die krône. Walther 19, 10. Von der krönung heiszt es: und er lies des königs son erfür komen und setzet im eine kron auf. 2n. 11, 12 (vulg. posuit super eum diadema), vgl. 2 chron. 23, 11, wo noch die salbung hinzutritt; und führe deines herren sohn nach Reims und krön ihn mit der königlichen krone. Schiller 459a (jungfr. v. Orl. 1, 10); so glücklich bin ich nicht, dasz ich dem manne, der mir vor allen theuer ist, die krone aufsetzen kann. 424a (Maria St. 2, 9), wie imponere coronam, diadema 1, a, γ. b, δ zuletzt, jenes sagt aber die königin Elisabeth von graf Leicester. Von der deutschen reichskrone ist in Göthes schilderung der krönung i. j. 1763 die rede: sie (Gretchen) machte einige scherzhafte anmerkungen, als sie erfuhr, dasz man gewänder und krone dem jungen könig anprobiert habe. 24, 312 (die sog. ornatprobe Krünitz 53, 743); krone und schwert. 316; krone, scepter und reichsapfel 322; die krone, welche man sehr hatte füttern müssen, stand wie ein übergreifendes dach vom kopf ab. das. (krone auf dem kais. staatswagen s. 305). II@3@bb) erinnerung verdient aber dabei, dasz eigentlich nicht der könig allein und die königin, sondern ebenso alle königssöhne und königstöchter kronen trugen, so wie ihnen allen urspr. der name könig, königin zukommt (s. darüber könig II, 3); königstöchter z. b. mit krône mhd. s. u. I, 1, a, noch i. j. 1791 sind bei Krünitz 53, 684 die kronen der königl. französischen prinzen angeführt und abgebildet, sie sind wie die königliche selbst, nur bei einigen mit blättern zwischen den lilien und bei allen ohne bogen (bügel), die krone des dauphins ausgenommen, welche durch zwei bogen .. geschlossen ist. danach war denn ein unterschied zwischen krone und krone, der gleichsam angeborenen, und der mit welcher durch die krönung die königswürde gewonnen ward; aber schon vor der krönung trug also ein könig (königssohn) eine krone. II@3@cc) nach dem alten ausdrucke erscheint, geht, steht, richtet u. s. w. der könig under krône (mhd. wb. 1, 886b, 48), wie der krieger under helme, die jungfrau under kranze geht: rüst euch! es kumt unter seiner kron der reich und weis konig Salomon. fastn. sp. 523, 6; der künig wil under seiner küniklichen kron das clainet (siegespreis) verschenken aus sein selbes hant. 762, 25. Aber auch in der krone, diese also wie ein kleidungsstück gedacht: darnach krönt man in .. und er reit in der kron unz in sein herberg wider hernider. Nürnb. chron. 1, 400; schawet an, ir töchter Zion, den könig Salomo in der krone, damit in seine mutter gekrönet hat. hoh. lied 3, 11, vulg. in diademate, vgl. in fascibus et corona unter 1, a, γ. II@3@dd) aber unter der krone war auch ein königlicher diener, Eberh. Windeck sagt von sich, zur beglaubigung seiner mittheilungen, er sei 40 jahre lang in dem hofe czu Beheim, czu Ungern und under der cronen czu Prage gewesen (abh. dern. sächs. ges. der wiss. 3, 159), d. h. in königlichen diensten. das ist wie unter dem krummstabe, unter dem scepter, und gewiss galt auch unter der krone von den 'unterthanen', die damit als untergeben und geschützt zugleich vorgestellt sind, die krone aber wie über dem ganzen lande schwebend, vgl. 5, a. II@3@ee) die krone vertritt als sichtbares zeichen die würde und macht des königthums: daʒ rede ich bî der krônen mîn, sprach der keiser rîche. Berthold Crane 1756, der künig (von Frankreich) unverdrossen spricht das by siner kron: er lobt die frommen eidgnoszen, das sy thuond by im ston. Körner hist. volksl. 164, Liliencr. 4, 252a. daher allerlei wendungen mit krone statt königsgewalt und würde: warumb wolten (sollten wollen) die zwen Pii .. nicht auch unterstehn, bei den potentaten die gewaltsame execution des .. tridentischen concilii statlich ins werk zu pringen, und sie tapfer wider die evangelischen zuverhetzen? dieweil man (d. h. die evangelischen) doch inen auch an die kron will greifen? Fischart bien. 1588 144a, vgl. übrigens einem an die krone greifen I, 1, d a. e.; wir haben einen frieden gemacht, der unser kron nicht reputirlich ist. Schuppius 376, was doch schon in 4 übergeht. die dichter halten die volle vorstellung der krone fester: an der krone funkeln die perlen nur, und freilich nicht die wunden, mit denen sie errungen ward. Schiller ...; die krone zitterte auf eurem haupt. 472a; die krone ist von deinem haupt gefallen, du hast nichts mehr von irdscher majestät. 429b; die krone fühl ich wieder auf dem haupt, den würdgen stolz in meiner edlen seele. 441b, Maria Stuart vor ihrem todesgange; da kündigte mir euer ohm, der stolze herschwüthge priester, der die freche hand nach allen kronen streckt, die fehde an, bethörte euch, mein wappen anzunehmen, euch meine königstitel zuzueignen. 428a. II@44) Daher krone für königthum (kaiserthum). II@4@aa) z. b. wo sichs um die thronfolge handelt: das sin (Friedrichs III.) sun Maximilion by (neben) im kem an die römsche kron. Lenz Schwabenkr. 10a, zum römischen könig gewählt wurde; zur krone gelangen Adelung, bei Frisch zur cron g.; das recht zur krone war nicht erblich, und doch hätte ein längeres leben seines vaters .. die hoffnung zur krone gesichert. Göthe 19, 73; und hast du dir aus strömen feindesbluts die angestammte krone kühn erobert ... Schiller 453b; es hat auch schweisz und blut genug gekostet, bis dasz die krone kam aufs rechte haupt. 476a; o du armer winterkönig, was hastu gethon, dasz du so gar widerspännig dem kaiser nimmst die kron .... lasz fahren diese kron. Opel u. Cohn dreiszigj. krieg 61, die böhmische königskrone, zugleich das reich, das land (s. u. 5), dasz aber die krone dabei vorgestellt ist, zeigt folg.: es ist ein junger man, der nicht betrachtet hat vorhin die schwere last der kron. 64. II@4@bb) und so in allerlei wendungen sonst, schon mhd.: zwelf rîcher krône sult ir gewaltic sîn. Nib. 1175, 2; daʒ lant und ouch diu krône sî iu undertân. 1015, 3, das land und die königliche gewalt, vgl. Crane 1789. 2246, ebend. 'krône, liute und lant' 1856, wo mittels aufgesetzter krone (zwischen fürst und fürst, ohne geistliche dazwischenkunft) 'leute und land' vergeben werden, vgl. 1938 ff., denn in der krone ruhte die königliche gewalt, was folg. wendung recht deutlich macht: nu wart dar de crône brâht, de des landes hete gewalt. Berthold Darifant 42, zum behuf der krönung, einsetzung in die königliche gewalt, sie heiszt daher die crône to Torkîs, wie es könig zu T. hiesz (vgl. unter 5, b). nhd.: du hast mit eines andern volks (mir unbekanten) cron gleichfalls mein haupt beschönet. Weckherlin 72; wenn unrecht gut an dieser krone hafte. Schiller 458b; erneuert ist der glanz der alten krone. 474a; sie wollen uns am thore von Reims noch um die krone kämpfen lassen. 471a; und eher will ichs (das königliche blut) tropfenweis verspritzen, als meinem recht entsagen und der krone. 663b. II@4@cc) daher krone und kirche, königthum und kirchenthum: nû sehet, wie diu krône lige und wie diu kirche stê! Walther 83, 26. auch blate und krône, geistlichkeit und fürsten: blate und krône wellent muotwillic sîn. minnes. frühl. 308, MS. 1, 80b, persönlich wie u. 5, e, blate von dem geschorenen scheitel der geistlichen, der übrigens selbst auch krone hiesz (III, 6). II@55) Aber noch weiter greift der kreis dieser bildlichen verwendung von krone. II@5@aa) die vorstellung des landes, reiches selbst tritt ein: wann ein küng on runzeln wird uf stan am end (an der gränze) der kronen Frankenreich. Gengenbach Nollhart 739; ja es gezimmet mir, mein kron stetigs zu haufen und zu mehrn. H. Sachs 2, 2, 65d, worte des königs Alexander; wach auf, du heiligs reiche, und schaw den jamer an, wie der Türk grausamleiche verwst die ungrisch kron. Körners hist. volksl. 143. Der dichterische ausdruck hält auch bei dieser bedeutung die sinnliche vorstellung der krone fest: man sah manch frembdes volk mit wunder eingenommen, dasz sie in meinen schutz, als eine frembde blum an meine cron gekommen. Weckherlin 72 (ps. 18, 78); das grosze unternehmen (der befreiung der Niederlande), das der spanischen krone sieben ihrer edelsten steine entrissen hat. Schiller 797a, sieben provinzen. Dasz aber auch die völlige vorstellung des landes selbst eintrat, zeigt die praep. in dabei: in diesem biechly wirt .. anzeigt .. wie vil erzbistum, bistum, herzogtum, grafschaften in der edlen cron zuo Frankrych erfunden .. werden. Basel 1536, aus dem franz. (Zarnckes Brant s. cxvii). in eignem wortspiel mit der bed. unter e (s. dort α a. e.): manig guot schlosz hat die crone (der könig) in der cronen von Frankenrych, da sie wol mag ergetzen sich. Büheler königst. v. Frankr. 7807. II@5@bb) früher hiesz es da meist die krone zu Frankreich, entsprechend dem könig zu Fr. (aber auch die wirkliche krone hiesz die krone zu Fr., s. u. 4, b): solich keczerey in Behem .. uszzurutten ... der heiligen kirchen und kristenheit zu nucz, dem heiligen romischen riche zu ufwachsung und der cron zu Behem, die ein merklichs gelide .. des heiligen richs ist, (zu?) widerbringung. erlaszn. Sigmunds v. j. 1426, Janssen Frankfurts reichscorr. 1, 346, das erste in Behem meint das land schlechthin, in seiner ausdehnung, die zweite wendung das land in seiner verfassung, als reichsstand; dar qwomen ouch alle herrn unde graven, ritter unde knechte, die zu der kronen zu Behemen gehorten. Rothe thür. chron. cap. 575, ebenso: Böhmen als 'staat' (dieser lat.-franz. ausdruck ist von weit späterer entstehung, vgl. z. b. kirchenstaat); noch bei Schiller, im Demetrius: ich mache einspruch gegen diesz verfahren und gegen alles, was draus folgt, zuwider dem frieden Polens mit der kron zu Moskau. 661b, man brauchte Moskau früher auch für das land, sodasz mit der krone Moskau wol sagbar war. Man liesz nämlich vom 16. jh. an das zu (oder von) auch weg: o edle küngin, sag mir an, wie es der kron Frankreich söll gan, die jetz lang zeit hat zuo genommen, vil groszer land ouch überkummen. Gengenbach Nollhart 668, s. 95 d.; und hab ich von ihren feinden .. gehöret, wie sie gegen die kron Frankreich gekriegt. Kirchhof wendunmut 3, 106 Öst.; was sie (die Schweizer), unerachtet sie sich vor neutral ausgäben, vor ein heimliches commerce mit der krone Frankreich trieben und ihr vor geld mit allerlei kriegs-nothwendigkeiten an die hand giengen. Pasquini staatsphant. (1697) 237; das aber Lechus ein solch grosz land beherschet habe, als jetzund die kron Polen und das königreich Böhmen in sich begreifen .. Micrälius altes Pommern 2, 159; weil Schweden mit der krone Pohlen in einen krieg verwickelt wurde. Gellert schwed. gräfin (1750) 32, woraus dann in weiterer kürzung Polen schlechthin wird. auch so: so wird diese cron auf künftiges jhar eines Türkenkrieges auch schwerlich geübrigt sein. Opitz briefl., bei Krause, erzschrein der fruchtbr. ges. 123. die drei kronen, d. i. Schweden (mit drei kronen im wappen): der dreien kronen kraft durchdringet flut und wind. J. Grob aufschriften 1, 130 (Gödeke eilf b. d. d. 1, 459a). II@5@cc) also krone gleich reich (vgl. e, γ) oder nach jetziger art zu reden staat, aber in der fassung der aus dem mittelalter überlieferten gedanken: das land in seiner verfassung und gliederung als lebendiges ganze, anschaulich vorgestellt im könig, aber nicht im könig als person, sondern als gebornem oder gekornem 'träger' der vererbenden krone, als glänzender spitze der versammelt gedachten landstände ('staaten'), wie man sie in ihrer abstufung und in ihrem feierlichen 'staate', als 'hofstaat', z. b. bei der erbhuldigung vor sich sah; wie ist dem gegenüber unser staat ohne anschaulichen inhalt. Diesz krone gilt theilweis bis in die gegenwart herein: der könig steht im festlichem ornat, versammelt sind die pairs, die mächtigen der krone, die insignien zu tragen. Schiller 475a (jungfr. v. O. 4, 2); und um ihn die groszen der krone. 70a (handschuh); mein gemahl hatte sein baares vermögen der krone vorgestreckt. Gellert schwed. gräfin (1750) 36, was zugleich u. d zu bringen wäre; die güter sind der krone anheim gefallen (als erledigte lehen). Adelung; jeder krieg zwischen den hanseestädten und den nordischen kronen .. Möser phant. 1, 65; nur Schweden hat dieses jahr den entschlusz fassen können, einen eignen commissair nach Riga zu schicken, durch denselben alle tonnen, welche für dieses reich geladen werden, zeichnen und darauf ein verbot zu erlassen, dasz kein andrer same, als welcher von dem commissair der krone gestempelt, ins reich zugelassen werden solle. 59, dem staatscommissair würden wir sagen (aber Möser spricht auch schon viel vom staate). alles was dem fürsten im namen des landes diente, diente der krone (auch war unter der krone, s. 3, d), daher kronbedienter, kronbeamter, kronfeldherr, wol unterschieden von hofbeamter u. dgl.; alles was dem fürsten in diesem sinne gehörte, gehörte der krone, daher kronschatz, krondiamanten, kronland, krongut u. a. II@5@dd) der alte begriff tritt recht deutlich in folg. heraus; der dichter der heil. Elisabeth erzählt von kaiser Friedrichs des zweiten kreuzfahrt: dâ hatte keiser Friderich von Rôme in grôʒen êren sich (dat.) ûf gesezzet (vorgesetzt) schône, mit des rîches chrône über mer zu varene, daʒ rîche zu bewarene. 4126, nicht: mit der kaiserkrone auf dem haupte oder im sacke, sondern mit der heeresmacht des reiches musz der sinn sein, die reichsmacht in ihrer lehenpflichtigen gliederung gedacht, die herren unde graven, ritter unde knechte u. s. w. die zu der krone gehorten (als 'hörige'), um mit J. Rothe unter b zu reden. darin erscheint denn die krone als 'staat' dem kaiser gegenüber und von ihm gesondert, und wenn sich der begriff von krone im folg. gerade umgekehrt zeigt, so entspringt der scheinbare widerspruch aus der sache, die darin mit ihren zwei seiten aufgefaszt ist; es ist ebenso mit jenem gehören (das aus diesem staatsrechtlichen gebrauche sich herausgebildet hat), die herren u. s. w. die zur krone gehören, stehn ihr theils gegenüber als unterthanen, theils bilden sie selber die krone in dem hier besprochenen sinne, und beides drückt eben gehören aus. II@5@ee) krone galt nämlich auch vom könig (kaiser) selber. II@5@e@aα) auch das schon mhd.: daʒ junge hovegesinde daʒ lief engegen dem kinde und condewierde eʒ schône under armen (zwischen sich am arme) vür die krône. Tristan 3328 (85, 10), Tristan vor könig Marken, und zwar nicht bei feierlichem hofe, sondern am schlusse einer jagd, sodasz die wendung schon übertragen erscheint und weit älter sein musz; er drabte ouch eine schône mit einem leithunde, er fuor gelîch der krône. jüng. Tit. 1284, 2, kam daher wie der könig selber, ganz königlich, es ist aber auch im walde, nicht bei hofe, wie im folg.: si nigen ieweder (utrique) chrône und sprâchen dugentlîche: got danke iuch, künic rîche, und iuch, hêre künegîn. heil. Elis. 398, bei einem feierlichen empfange, also auch von der königin, die ja nach den alten begriffen die königsgewalt vollständig theilte (s. Zachers zeitschr. 1, 268, vgl. Haupts zeitschr. 14, 267). in der merkwürdigen stelle aus dem Büheler unter a zuletzt wird mit die crone nicht der könig allein gemeint sein, sondern die prinzen und prinzessinnen eingeschlossen, also krone gleich königliches haus. II@5@e@bβ) auch nhd. noch bis ins 17. jh., ja länger: so wil ich mir nit grausen lon (lassen), sprach sich die keiserliche kron. Liliencron hist. volksl. 4, 583. 353b, nachtr. s. 83. 75; zuo singen wil ichs fahen an zuo lob der kaiserlichen kron (Karl V.), dem landgrafen zuo laide. 4, 353a; zuo morgen huob er zuo schieszen an wol über die kaiserlichen kron, mit kartaunen und mit schlangen. das., hier vom kaiser und seinem heere zugleich, das mit jenem als eins vorgestellt wird, vielleicht auch im folg.; frisch auf, ihr reitersknaben ... lat ewre rösslein traben mit kaiserlicher kron. Körners hist. volksl. 145, Liliencr. 4, 52a; daher die cimbrisch starke cron (der dänische könig) wolt sich (zu deiner tugent lohn und ihrem preis) umbsunst bemühen, dich deinem könig zu entziehen. Weckherlin 377 (od. 1, 7). noch im 18. jh. in gewissen wendungen, z. b.: keine krone wegerte sich die ambassiadores dieser deutschen kaufleute zu empfangen und dergleichen an sie abzuschicken. Möser phant. (1778) 1, 259, der könig als vertreter des reiches, s. auch die stelle Gellerts unter c. auch in kronvasall ist der begriff noch, von rechten der krone ist noch in vollem ernste der gegenwart, in dem kampfe zwischen dem alten und dem neuen unfertigen staatsbegriffe viel die rede, rechten des königs, aber zugleich des königshauses, in seiner alten bedeutung als kopf des lebendigen reichskörpers (vgl.körper 5, a). II@5@e@gγ) so fällt denn krone völlig zusammen mit dem mhd. daʒ rîche, gleich: der kaiser oder könig (wb. 21, 693a, s. dazu J. Grimms kl. schr. 1, 336), lat. imperium schon im 10. jh., wie im 12. (cod. dipl. Sax. II, 1, 62). beide benennungen und vorstellungen ergänzen und beleuchten einander: daʒ rîche eig. der 'staat' in seiner vertretung durch die lehenträger, fürsten und herren und stände oder ähnlich (vgl. Heyne Beowulf s. 88 2. ausg.), aber in dem könig als seiner spitze gipfelnd; die krone eig. diese spitze selbst, oder genauer die spitze der spitze, aber nicht ohne das gebäude von lehen und land als seine notwendige unterlage. wie aber die krone auch für das reich wie die unterthanen selbst gesagt wurde (c. d), so umgekehrt das reich auch für dessen haupt. jenes kann man ansehen als eine kürzung von dem die enden des ganzen zusammenfassenden lant unde krône (s. 4, b), wie dieses als eine kürzung von kaiser und reich; aber die hauptsache dabei ist gerade die verwechselung die bei der begriffsvertretung vorgenommen ist, denn sie spricht uns den kern des ganzen aus: die untrennbare lebendige einheit, in der unser alterstaat von der zeit angeschaut, empfunden, gemeint war. IIIIII. Krone in weiterer verwendung. III@11) krone von münzen, coronatus (scil. aureus), mit einer krone beprägt: ei recht, ich bring ein gülden ring, in lieb ist wol acht kronen werth. H. Sachs 1, 146b; die wyl ich kronen hab zuo geben, will ich noch Frankreich wol beheben (d. i. behaupten, behaben). Gengenbach Nollhart 727, s. 96 d., der könig von Frankreich sagt es, vgl. kronenfresser; als bald dan eim also gelingt, das er zuo hus vil kronen bringt, man fragt nit wie ers gwunnen hab. ders. die X alter 434, s. 65; christen bluot thuon ich vergieszen ... uf das ich nun (d. i. nur) vil kronen bring. 446, von landsknechtsold und beute; und sagen von kriegen, wie sie vil cronen darvon hond bracht. Keisersberg nd. d. m. 56b; ducaten, rosenobel ... sonnenkronen. Fischart groszm. 130 (escus au soleil Rabelais); sie liebt was creuzer giebt und haszt was cronen schenket. A. Gryphius 1, 154; raffen herbei in eile taufpfennige, bräutigamsthaler, schimmliche kronen und öre u. s. w. Voss die leibeigenen 35. Es hieszen hauptsächlich goldmünzen so, goldkronen, doch gab es auch silberkronen, silberne kronen Aler 1245a, z. b. nach der Frankfurter taxordnung von 1623 war die welsche crone 2 fl., spanische und französische crone 2 fl. 4 kr., silberkrone 1 fl. 44 kr.; angaben von gewicht und wert aus Hamburg v. j. 1587 s. im anz. des germ. mus. 1860 sp. 167, englische krone spalte 206, sonnenkrone, italienische krone, doppelte krone, alte und neue krone 245 fg., es kommen nur ausländische kronen vor; s. auch die eingehenden angaben bei Frisch 1, 178a, Krünitz 53, 689 ff., nach dem coronati schon im 13. jh. vorkommen. aus der Schweiz noch bei Stalder 2, 134 (s. z. b. krönlein 2, d), aber nur als 'ideale geldsorte', von verschiednem werte. III@22) krone für kronleuchter, d. h. in form einer krone, der gebrauch wird aus königlicher hauseinrichtung stammen, durch das gesetz der nachahmung bis auf dorftanzböden gekommen. so mhd. krône in königlichen palästen Parz. 638, 9. 229, 24; ein krône was gehenket drîn, dâ kerzen ûfe brunnen, diu gleiʒ gelîch der sunnen von glanzen margarîten. troj. kr. 17532. Frisch 1, 178a kennt es als 'groszen hangleuchter in den kirchen, der gleichsam mit lichtern gekrönet', er citiert Rethmaier braunschweigische kirchenchr. 3, 184: sie nahmen in der kirche die lichter von den kronen; man mochte bei diesen kirchenkronen an die krone des ewigen lebens denken (I, 3, e). nd. krôn bei Dähnert 256b als 'das hanggerüst zu vielen lichtern in kirchen und groszen zimmern', daher bei Norddeutschen: von der decke risz er die leuchtende krone, von häufigen kerzen umschimmert. Voss Ov. 2, 257. auch nl. kroonen in de kerk, kerkkroonen pl., lustre .. qui est fait en forme de couronne Halma 349a; schwed. ljuskrona (lichtkrone), n. lysekrone. III@33) ähnliches ursprungs musz die krone sein als abzeichen von gasthäusern, wie man sie z. b. am Oberrhein, im Vorarlberg in völliger kronenform goldig hauszen hängen sieht. daher die krone kurz für ein solches gasthaus: in Göttingen bei der krone eingekehrt. Göthe 31, 96, gewöhnlich in der krone. dazu kronenwirt (z. b. Felder sonderl. 1, 56), kronenwirtin u. dgl. auch gasthäuser zu den drei kronen. III@44) im bauwesen u. ä., vgl. kranz 12, d. III@4@aa) beim gewölbe, des gewelbes krône Kolmarer meisterl. 190, 12, wol der schluszstein, wie engl. the crown of an arch, kranz- oder kronenartig; man denkt dabei an die krönung des gebäudes. III@4@bb) krone eines thurmes: ich erstieg .. den höchsten gipfel des münsterthurms (in Straszburg) und sasz ganz allein in dem sogenannten hals, unter dem knopf oder der krone, wie mans nennt. Göthe 25, 252. krone an pfeilern, wie kranz. III@4@cc) manigfach sonst als zierat, bei bildhauern, tischlern u. ä., z. b. auf spiegeln, groszen stühlen, betten, schränken (Krünitz 53, 618 fg.), z. b.: der mir kronen, welche man auf die kachelöfen in den stuben pflegt zu setzen, brennete und glasürete, und liesz damit die länder besetzen. das stunde sehr artig, hielte die länder zusammen und benahm ihnen nichts an ihrer fettigkeit. Schuppius 119. schon lat. corona kranzleiste u. ä. III@4@dd) im festungswesen heiszt krone der oberste rand der abdachung der brustwehr, auch das obere ende einer futtermauer; im eisenbahnbau der oberste rand des bahndammes, dazu kronenbreite u. a.; im wasserbau der oberste rand eines wehres, die kappe, auch kranz. ähnlich schon lat. corona, erhöhter rand der äcker. III@4@ee) ähnlich wie b an der buchdruckerpresse das obere gesims (s. Krünitz 53, 619), beim bienenkorbe der obere theil (das.); krone der glocke: die theil einer glocken sind die ohren, die stirn, der schleier oder kron der glocken, der saum oder rand. Garzoni schaupl. (1659) 660a; das schlägt an die metallne krone, die es erbaulich weiter klingt. Schiller 77b, die glocke. III@55) von körpertheilen an thieren und menschen. III@5@aa) der voc. inc. teut. führt auf kron der honen (var. hanen) oder hennen, crista n 5b, Dief. 158c: ein gockelhan mit aufgereckter krone. Drollinger 104; der hahnenkamm mit seinen zacken hat etwas kronenartiges, vgl. Hagedorn unter kronengleich. ist der hahn als könig des hühnerhofes gedacht? wollte man doch an der bienenkönigin etwas wie eine krone auf dem haupte finden (Hossmann von kais. wahl u. krönung s. 3), vgl. das krönchen des zaunkönigs sp. 1700 unten. Ähnlich bei tauben, beim wiedehopfe: ich schenke dir zwei paar (tauben) mit kronen auf dem kopf, am bauche weisz u. s. w. Gellert 3, 466 (das band sc. 7); (der wiedehopf) die krone entfaltend. Göthe 5, 57. III@5@bb) vom hirschgeweih, eine krone hat der hirsch wenn er mehr als zwei enden oben auf einer stange hat (mit zwei enden gabel), vgl. übrigens unter kronengehörn: lieber weidmann, sag an, wobei sprichstu den edlen hirschen an? ... bei seiner edlen kron und bei seinem zerspaltnen fusz, darbei ein jeder jäger den edlen hirschen erkennen musz. weim. jahrb. 3, 338; heut gieng zu holz der edle hirsch stolz und trug sein edle kron. 3, 353, s. auch Uhland Germ. 1, 11, altd. wälder 3, 120 fg. auch engl. crown, und nl., hier aber als geweih überhaupt, het hert (hirsch) heeft zijne kroon afgestooten Weiland; nach dem folg. ist das auch hd. zu vermuten. ist der hirsch eig. als könig des waldes gedacht? III@5@cc) daher erklärt sich krone gleich hörner, die eine frau ihrem manne aufsetzt: ein bedienter. wir wollen eins tanzen, und deine frau soll die ballkönigin sein. Jobsen. ha, gälschnabel! willst du mir etwa die krone machen? Weisze kom. opern 2, 21 (die verwandelten weiber 1, 6). auch nl.: zij zet haaren man eene schoone kroon op! elle déchire la reputation de son mari. Halma 349b, wo es aber mit den redensarten u. I, 1, d a. e. in verbindung gesetzt ist. nd. se ward em krönen, wird ihm hörner aufsetzen Dähnert 256a (kein kroon so), vgl.krönen 3, e, γ, Hagedorn unter kronenscheu, auch kronenträger 2. III@5@dd) am pferdefusze, der mit haaren bewachsene theil über dem hufe oder um den huf herum, auch saum, preis (Krünitz 53, 617): der obertheil des fuszes wird die kron oder fuge genennt, oder die wurzel des horns oder huf. Uffenbach rossbuch 1, 200; von den schrunden der huf, so die cron oder wurzel an ihrem vordertheil rings herumb einnemen. 2, 289. 297; ein gebrechen, so einem ross allein an den hinder füeszen oben zwischen der kronen und unden des preiss am huef ankompt. Seuter 275. krone scheint da kranz, haarkranz zu sein. etwas anders, mehr anatomisch lautet die begriffsangabe bei Nemnich wb. 332, aber die nicht anatomische wird dem wirklichen ursprung näher stehn. vgl. mhd. cranz Mones anz. 3, 176, ebenso schon lat. corona. III@5@ee) krone des zahns, der obere zackige theil: weil sie sich die cronen von den zähnen fast alle abgebissen, jedoch .. noch ziemlich keifen konte. Felsenb. 3, 424. bei Oken naturg. 4, 31 aber der ganze obere theil im gegensatz zur wurzel. III@66) die krone der kath. priester, mlat. corona platte (vgl. unter II, 4, c) Dief. 152b, Graff 3, 249, corona clericalis: diu blatte heiʒet chrône, die sol er behuoten scône. chrône ist ime niht gebâre (angemessen), erne sî rihtâre u. s. w. Haupt 1, 275, es ist also offenbar zugleich an königskrone gedacht, der könig als richter; item sie (die betrüger) scheren kronen und sind nit ordiniert. weim. jahrb. 4, 82; in der geistlichkeit ist es auch also (dasz die hoffart immer nach neuem sucht), es sei in der kleidung oder in den kronen uf den heuptern, es musz ie ein underscheid da sein. Pauli schimpf u. e. 121 Öst.; die krone oder die geschorne platte auf dem haupte sollte ihm zerstöret werden. Claudius 5, 51. ebenso altn. krûna Egilsson 479a, mnl. crune, clostercrune Rein. 947. 1956, nnl. kruin, nrh. krüng Aachener mundart 132, luxemb. krenchen n. die platte, der haarkranz der kath. geistlichen Gangler 254. wirklich musz ursprünglich nicht die platte, sondern der stehen bleibende haarkranz gemeint sein (nur so bei Frisch 1, 178a), daher auch kranz sp. 2056. man mochte auch an die krone des ewigen lebens denken (vgl. unter krönchen das mnd. krönen). III@77) eigen krone für kopf oder schädel, doch nur in gewissen wendungen: und damit sie nie wieder krank werden .. so will ich dies (düstere bild) einsteken, sonst fährt es ihnen einmal wieder in die krone. Hermes Soph. reise 3, 440, zu einem, der gemütskrank war; und das wort refus stieg mir auch gar sehr in die krone. 6, 529; ein kunstrichter sagte doch, ihre vorschläge .. seien nichts nuz .. das fuhr mir in die krone. 6, 698; nd. dat tüt (zieht) em in de krone, das verdreuszt ihn. Dähnert 256b; etwas in der krone haben, unwirsch oder angetrunken sein; mit dem ists nicht richtig unter der krone, von einem trunkenen oder irren. nach diesem unter ist der scheitel oder schädel verstanden, und das mag der urspr. begriff sein, angeknüpft an krone durch irgend eine witzige beziehung, vielleicht an das vorige krone. auch nl. kruin (wie beim vorigen) van't hoofd, hoofdschedel, z. b. hy kan dat niet in zijn kruin krijgen (es will ihm nicht ein) Halma 351b, schon bei Kil. kruyne, vertex capitis, als éin wort mit dem vorigen behandelt. auch engl. crown scheitel. vgl. kronalhaftung. III@88) noch manche bildliche verwendung von krone als kunstwort ist übrig (s. besonders Krünitz 53, 616 ff.), z. b. beim wundarzte für das gezahnte ende des trepans (Blancardus mediz. wb. Bern 1710 s. 1), bei juwelieren für den theil der edelsteine der auszer dem kasten zu stehen kommt, auch kronwerk, engl. crown; in der musik für das zeichen des ruhepunktes; in der geometrie eine figur die von den peripherien zweier concentrischen kreise eingeschlossen wird; in der astronomie für den hof um sonne und mond, auch als sternbild (beides nach altlat. corona), krone des nordlichtes die stelle wo die strahlen sich nach innen kronenartig vereinigen (Humboldt kosm. 1, 201); beim reepschläger ein gestelle oder gehäuse, worin die spindel mit den haken zur befestigung für das zu verspinnende garn liegt, ähnlich beim weber eine art garnhaspel, es ist das nd. krône garnwinde Strodtmann 329, brem. wb. 2, 878, Dähnert 256b, nl. kroon. III@99) oberd. ein kleiner rosenkranz, der nur aus zehn kügelchen besteht, der jungfrau Maria zu ehren gebetet, franz. couronne de la vierge. Krünitz 53, 618; krona rosenkranz Schmeller cimbr. wb. 139b. im kirchenlatein corona, wie folg. zeigt: s. Brigitten funfzehen gebet, rosencrenz, coronen, psalter u. dgl. haben überhand genomen. Luther 1, 69a (ausl. des vaterunser), vgl. Frisch 1, 178b. es wird die krone der Maria bedeuten, s. I, 2, b. III@1010) nur gelehrt lat. ist krone als umstehender kreis von leuten (vgl.kranz 9, a): muste er (Abälard) Paris verlassen und sich nach Corveil begeben, da er in einer crone junger leute sich tapfer hören liesz. Hoffmannswaldau heldenbr. 144; schon drängte sich zu einer weiten kron' um ihn das volk. Chamisso 4, 64. eine corônâ (so) ist noch der akademische ausdruck. III@1111) endlich bair. kron f., auch kronfleisch n., das zwerchfell beim rindvieh, s. Schm. 2, 389, östr. gronflaisch Castelli 153, kranfleisch Höfer 2, 163; aber das hat mit krone nichts zu thun, schon Schmeller rät richtig auf ahd. krâ, s. unter kragen II, 3, d (vgl. chraiaflâsch n. zwerchfell Tobler 118a), das -n wird der rest einer schwachen bildung sein.
102545 Zeichen · 2189 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KRÔNEstf. swf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    KRÔNE stf. krone. aus dem lat. corona . ahd. corôna Graff 4,484. corône Diemer 193,27. 194,5. 201,1. 283,4. 287,15. krôn…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    krone

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +3 Parallelbelege

    krone, f. 1. Krone. 2. Kronleuchter. 3. Platte des Kopfes = krune. 4. eine Münze.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Krone

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Krone , plur. die -n, Diminut. das Krönchen, Oberd. Krönlein. 1. Ein Kreis, eine kreisförmige Fläche, ein kreisförmi…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Krone

    Goethe-Wörterbuch

    Krone auch C- (meist für ‘Corona’, vgl 6); mehrfach apokopiert (besonders im Vers); nach WA mit Ellipse der Pl-Endung 15…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Krone

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +6 Parallelbelege

    Krone , vom lat. corona , Kranz, goldener Reif mit Bügeln, mit Perlen u. Edelsteinen geziert, Zeichen der monarchischen …

  6. modern
    Dialekt
    Kron(e)

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Kron(e) [Krónə Hi. Mü. ; Krón Su. Str. ; Krûn U.; Kryùn M. ; Pl. –ə] f. 1. Krone. Scherzspruch: Bo h ne n si nd mini Kro…

  7. Sprichwörter
    Krone

    Wander (Sprichwörter)

    Krone 1. An der Krone erkennt man den Kaiser. – Bertram, 54. 2. Die Krone einer guten Gesinnung ist Demuth. – Burckhardt…

  8. Spezial
    Krone

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kro|ne f. (-,-n) 1 (Kopfschmuck) corona (-nes) f. 2 (Münzeinheit) corona (-nes) f. 3 (Wipfel) corona (-nes) f. 4 (Zahner…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit krone

191 Bildungen · 153 Erstglied · 38 Zweitglied · 0 Ableitungen

krone‑ als Erstglied (30 von 153)

krônebære

Lexer

krone·baere

krône-bære , krôn-bære adj. BMZ fähig die krone zu tragen Parz. j.Tit. 1567. 97. 1733. 2541. 679. 3257. 529. 4477. 610. 783. 5688. 6017. Msh…

krônebërnde

Lexer

krone·bernde

krône-bërnde part. adj. BMZ krône tragend Ms. (= krônebære H. 2. 193,88; krônebernder muot ib. 210,186 b ).

krônechîn

Lexer

krônechîn stn. md. dem. zu krône Anz. 18,44 ( 1437 ).

Kronecker

Meyers

kron·ecker

Kronecker , Leopold , Mathematiker, geb. 7. Dez. 1823 in Liegnitz, gest. 29. Dez. 1891 in Berlin, studierte seit 1841 in Berlin, Bonn, Bresl…

Krone, Hermann

Meyers

krone·hermann

Krone, Hermann , Photograph, geb. 14. Sept. 1827 in Breslau, studierte daselbst seit 1843 Philosophie und Naturwissenschaft, wurde 1848 Assi…

kroneinkünfte

DWB

kron·einkuenfte

kroneinkünfte , pl. revenues de la couronne: sire, deine kroneinkünfte, deine zölle sind auf drei jahre schon voraus verpfändet. Schiller 45…

kroneisen

DWB

krone·isen

kroneisen , n. im hüttenwesen, ' eine art des besten eisens ' Krünitz 53, 611 , mit einer krone gezeichnet, croneisen Frisch 1, 178 b .

Krneken

WWB

krone·ken

Kroneken n. [verstr.] 1. kleine Krone. — 2. Kopf des Menschen. — Ra.: He hiät ’t im Krünkn ist hoffärtig, eingebildet ( Isl El ). — 3. Haar…

Kronenberg

SHW

Kronen-berg Band 3, Spalte 1855-1856

Kronentaler

SHW

Kronen-taler Band 3, Spalte 1855-1856

Kronentritt

SHW

Kronen-tritt Band 3, Spalte 1855-1856

Kronenwirt

SHW

Kronen-wirt Band 3, Spalte 1857-1858

Kronenwulst

SHW

Kronen-wulst Band 3, Spalte 1857-1858

Krōnen-Anemōne

Adelung

kronen·anemone

Die Krōnen-Anemōne , plur. die -n, eine Art morgenländischer Anemonen, mit dreyfach doppelt zusammen gesetzten Wurzelblättern und einer blät…

Kronenbacke

Campe

kronen·backe

Die Kronenbacke , Mz. die — n , eine Art Kegeltuten (Conus geographus L .). Sie ist braun und hat eine feine weiße netzförmige Zeichnung und…

Kronenbäuk

MeckWB

Kronenbäuk f. hochstämmige Buche mit gut entwickelter Krone: Kronenbäuken Bri. 5, 102; 103. FN. 'Kronbuchen'.

Krōnenband

WWB

kronen·band

Krōnen-band n. Eisenreif außen an der Radnabe, Außenband an der gedrechselten Radnabe ( WmWb ).

kronenbeladen

DWB

kronen·beladen

kronenbeladen , voller kronen: ihre ( der orangenwälder ) kronenbeladenen wipfel wölben lauben und alleen. Gotter 2, 143 .

Kronenberg

Meyers

kronen·berg

Kronenberg ( Cronenberg ), Stadtgemeinde im preuß. Regbez. Düsseldorf, Kreis Mettmann, an der Staatsbahnlinie und der elektrischen Straßenba…

Kronenblättchen

GWB

kronen·blaettchen

Kronenblättchen Getrenntschr botan: kleines Kronblatt; einmal iZshg mit Beobachtungen zur Entwicklungsökonomie in der Natur, dem sog Etatpri…

krone als Zweitglied (30 von 38)

Abtkrone

DRW

abt·krone

Abtkrone abtkrone, tiara oJ. Diefenb.-Wülcker 26 Faksimile

Allmendkrone

DRW

Allmendkrone Allmendgeld SchweizId. III 829f. Faksimile

dornenkrone

DWB

dornen·krone

dornenkrone , f. 1 1. von dornenreisern geflochtene krone Schuppius 66 . dornenkron Stieler 1041 . zu samne si drî strenge von scharfen dorn…

Ehrenkrone

Adelung

ehren·krone

Die Ehrenkrone , plur. die -n, bey den Dichtern der vorigen Zeiten, die Krone, der Kranz, als eine Belohnung vorzüglicher Tugenden und Verdi…

fürstenkrone

DWB

fuersten·krone

fürstenkrone , f. 1 1) die krone überhaupt eines herschers oder einer herscherin. s. fürst 2). fürstencrone. Frisch 1, 309 b . fürstenkrone.…

goldkrone

DWB

gold·krone

goldkrone , f. 1 1) krone aus gold, zum schmuck oder als würdezeichen, vgl. krone I und II, teil 5, sp. 2355 ff.: daz si im ( dem vermeintli…

grafenkrone

DWB

grafen·krone

grafenkrone , f. 1) im eigentlichen gebrauch, ein neunzackiger reif; vgl. Schwan nouv. dict. (1783) 1, 782 b : der kaiser vor dem hochaltar,…

hauskrone

DWB

haus·krone

hauskrone , f. 1 1) die krone eines fürstenhauses; namentlich in Österreich der nicht erblichen reichskrone früher entgegengestellt. Frisch …

kaiserkrone

DWB

kaiser·krone

kaiserkrone , f. 1 1) corona imperialis. Stieler 1041 , früher keiserskron Fisch. bien. 1588 138 a ( ähnlich bei vielen zusammensetz., s. z.…

königskrone

DWB

koenig·s·krone

königskrone , f. 1 1) die königliche krone, kunigeskron voc. th. 1482 r 8 a und jetzt ist alles ihm ( Wallenstein ) zu klein, er streckt die…

kunigeskrone

Lexer

kunig·es·krone

kunigeskrone f. königskrone Voc. 1482 ; tapsus barbatus Dfg. 573 b ; corona regia, ain kraut Mgb. 391,28 ff.

künigeskrone

MWB

künigeskrone stF. Pflanzenname 1 ‘Tüpfel-Hartheu, Hypericum perforatum L.’ (vgl. Marzell 2,939)2 ‘Königskerze’    1 ‘Tüpfel-Hartheu, Hyperic…

Lagerkrone

Adelung

lager·krone

Die Lagerkrone , plur. die -n, bey den ehemahligen Römern, eine goldene Krone mit Zinken, in Gestalt der Pallisaden, welche denen gegeben wu…

Makrone

Pfeifer_etym

mak·rone

Makrone f. ‘Gebäck aus Mandeln, Zucker, Mehl und Eiweiß’ stammt wie Makkaroni (s. d.) aus ital. (mundartlich) maccarone ‘Röhrennudel’, älter…

mauerkrone

DWB

mauer·krone

mauerkrone , f. corona muralis: die mauerkrone war eine krone von golde mit zinken, in gestalt der zinnen einer mauer, und wurde dem gegeben…

Münzkrone

DRW

Münzkrone, f. ein Geldstück wie es ... ein grosse unbillikeit were, daß man von dem capital, so ahn goldkronen ausgelichen, mintzkronen ahn …

ȫverkrône

MNWB

oever·krone

ȫverkrône , ōver- , f. : zusätzlicher Strahlenkranz , Heiligenschein, ‚aureola' (SL: Br. d. Cir.).

papstkrone

DWB

papst·krone

papstkrone , f. 1 1) die päpstliche krone, uneigentlich componiert bapstskrone Luther von den concilijs und kirchen (1539) c 2 a ; cardinals…

perlenkrone

DWB

perlen·krone

perlenkrone , f. mit perlen besetzte krone, d. h. die ursprünglich franz. form der krone als reifen, der am oberen rande mit perlen besetzt …

Pistoletkrone

DRW

pistolet·krone

Pistoletkrone, f. auch Pistoleten- eine Münze vgl. 1Krone (IV) 1 doppelte pistoletkrone = 50 batzen 1581 AnnNassau 1, 1 (1827) 92 [urk.?] di…

Postulatenkrone

DRW

postulate·n·krone

Postulatenkrone, f. von einem Postulaten (I) geprägte ¹Krone (IV) vgl. Postulatsgulden twehundert postelitenkronen 1567 BremJb. 43 (1951) 46…

schiffskrone

DWB

schiff·s·krone

schiffskrone , f. die corona navalis oder rostrata, die bei den Römern der erhielt, der zuerst ein feindliches schiff bestieg. Adelung : es …