tulpe,
f. ,
älter tulipan, m., f., n., tulipant; tulipane, f., tulipen, tulipe, f., zwiebelpflanze, tulipa L., gattung aus der familie der liliaceae, vgl. Solms-Laubach
weizen u. tulpe (1899) 54; H. Marzell
bei Hegi 2 (
21939) 304.
herkunft. die blume und ihr name stammen aus dem türkischen, von dort her im 16.
jh. in Westeuropa verbreitet; als älteste nachricht gilt der erste reisebrief des A. G. Busbeqius,
dem 1554
auf dem wege von Adrianopel nach Constantinopel '
ingens ubique florum copia offerebatur narcissorum, hyacinthorum et eorum quos Turcae tulipan
vocant'
legat. Turcicae epist. quatuor (
Francofurti 1595) 33;
ein früheres zeugnis bringt Conr. Gesner
in seinen zusätzen zu Valerii Cordi opera (1561):
anno 1559 ...
vidi (
in Augsburg im garten des J. H. Herwart)
herbam ... Turcico vocabulo tulipam
vocant aliqui. sed aliam herbam in Italia eruditi Turcico tulipae
nomine demonstrant, cuius picturam Joan. Kentmannus
nobis communicavit ... sunt ex Turcis, inquit Kentmannus, qui tulipam
dicunt nomen habere a flore, qui formam refert pileoli Dalmatici'
a. a. o. 213,
vgl. Joh. Beckmann
beytr. z. gesch. d. erfindg. (1786) 1, 225,
anm. 2;
V. Hehn
kulturpfl. 8517; R. Loewe
etym. u. wortgesch. bem. zu dt. pflanzennamen (1939),
forts. 3 (
privatdruck);
demnach hat der Dresdener arzt Joh. Kentmann
die blume und ihren namen in seiner studienzeit in Italien (
d. h. 1549/1551),
also früher als Busbeq, kennen gelernt, und gewährsmänner aus der Türkei haben ihm den namen als türkisches wort erklärt. das wort geht zurück auf pers.-türkisch dulband, dülbend, tülbent Heuser-evket
türk.-dt. wb. (
21942
Istanbul) 499,
die bezeichnung für musselin, insbes. für das turbantuch, s. turban,
mit dem die blüte der blume, die im pers.-türk. aber heute lalê
heiszt, verglichen wurde (
derselbe vergleich in türkenbund,
s. d., für lilium martagon L.).
die wiedergabe dieses pers.-türk. wortes in den europäischen sprachen, auch im neulatein., setzt eine lautung tulipan(t)
voraus, die mit ihrem gleitlaut -i-
wohl nur die palatale lautung des -l-
zum ausdruck bringt, vgl. die russ. schreibung tulьpán Magasanik-Gordlewski
turezko-russki slovar (
Moskau 1945) 379.
der vergleich kann, wie schon der wortlaut der briefstelle (
s. o.)
ergibt, nicht von Busbeq
stammen. der vergleichende gebrauch des wortes findet sich auch im originaltürk. (
osman.)
in der form dülbend lalesi '
the white tulip'
tulipa stellata Redhouse
turc and engl. lex. (
Constantinopel 1921) 1620,
œil de soleil (
tulipa, oculus solis, cf. Ascherson-Gräbner
synopsis 3, 197),
tulipe à fleurs pointues Diran Kelekian
dict. turc.-franç. (
Constantinopel 1911) 1072,
auch für '
die weisze lilie' dülbänd lalä W. Radloff
versuch e. wb. d. türk. dialekte (
Petersburg 1893/1911).
bemerkenswert ist der schon bei Kentmann
vorhandene und in der folge bis zum ende des 17.
jhs. immer wiederkehrende hinweis '
a flore qui formam refert pileoli Dalmatici' (
s. o.)
; sowie: tulipan,
lilionarcissus. ein schöne türckische blume. tulipan ist ein dalmatischer name, heiszt ein dalmatischer hut, dieweil die blume, wann sie offen ist, ein gestalt eines dalmatischen hut bekommt Lonicerus
kräuterbuch (1577) 302
a u. ö., ohne dasz dabei form u. farbe dieses pileus Dalmaticus näher angegeben würde; beachte die dichte der verbreitung des wortes auf dem Balkan in der vollen form vom dalmatinischen, rumän. bis ins russ., bes. in den volksmundarten (
s. u.)
und zwar als masc. wie im italien. (
das persische und türkische kennen kein grammatisches geschlecht.)
es ergibt sich also, dasz vor der mitte des 16.
jhs. eine nicht näher bestimmbare tulpenart mit dem namen vom Balkan her nach Italien kam. unabhängig davon hat Busbeq
die kenntnis wohl einer anderen art vermittelt, die als gartenpflanze weithin beliebt und berühmt wurde. für die erste verbreitung des namens in den westeuropäischen sprachen, auch im deutschen, hat das italienische, bes. in der form tulipano
entscheidende bedeutung, wie das genus (
masc.),
die formen und ihre geographische verbreitung in den süd- und westdt. maa. zeigen (
s. u.).
formen. 11)
latein.: für d. jahr 1554 tulipan Busbeq
s. oben; tulipanti
aut nullus aut exiguus est odor ebda 33;
als neutrum tulipan
Turcicum ... istud tulipan
a Turcico vernaculo dictum Lobel
stirp. advers. nov. (
London 1570) 52, tulipa
Turchicum ebda (1571)
index (
doch tulipae species
ebda [1570] 51); tulpanum D. Neuhusius
theatr. ingenii hum. (
Amstelodami 1664
ed. noviss.) 2, 159 (
bei Diez
denkw. v. Asien 2 [1815] 2)
nach altholl. tulpaan,
vgl. die bot. bezeichnung für die gruppe tulipanum Ascherson-Gräbner
synopsis 3, 197
und die neutrale form des latinisierten grundworts tulipantum vetus
bei Leunclavius
hist. Musulm. libr. (1591) 808, 21
sowie die nachweise für dieses neutrum im älteren neugriech. u. heutigen rumän. unter turban.
für gewöhnlich aber latein. als femin. tulipa: tulipam ...
Turcico tulipae nomine Konr. Gesner
de hortis Germaniae liber (1561)
nach J. Beckmann
beytr. 1 (1786) 225
anm. 2;
bulbos tulipae (1567) Clusius
an Th. Rediger bei Solms-Laubach
weizen u. tulpe (1899) 56; tulipa
latifolia lutea Casp. Bauhinus
φυτοπίναξ (
Basileae 1596) 90,
u. so fortan; oft auch im deutschen context: den 6. (
sc. narcissum) nennet man sonst tulipam Camerarius
Mattioli übersetzg. (1586) 443
A; ein art von der tulipa, so auf dem Apenino wächst Tabernämontanus
new u. vollk. kräuterbuch (1687) 1011; die narcissenlilien oder tuliparum etliche geschlecht
ebda 1007.
später gelegentlich auch latinisiertes tulpa
z. b. Pomey
indic. univers. (
41720) 83. 22)
west- u. nordeuropäisch: ital. tulipano,
m., daneben seltener, tulipa,
f.; franz. le tulipan (
seit 1600
bezeugt),
provenç. tulipan, toulipan, tolipan Mistral 2, 1063, la tulipe (
seit 1611);
span. tulipan,
m., u. tulipa,
f., in der bedeutung '
tulipan pequeño'
; portug. tulipa, -ippa, tolipa.
engl. seit 1615 tulip,
im ausgeh. 16.
u. anf. d. 17.
jhs. daneben tulipa, tulpia(n), tulipant;
holl. tulipaan, tulpaan, tulpe,
f., tulp;
vläm. tulpant (17.
jh.)
bei de Boo 1037, tulpane,
f., ebda; Paque
de vlaam. volksnamen d. plant. (1896) 372; 380, tullepaan
ebda; dän. tulipan, tulepAent (
insel Als) Jenssen-Tusch
nord. plantennavne 249;
schwed. tulpaan (1638), tulpan (
seit 1640),
a. d. holl., daneben im älteren schwed. tulipan, tylipan,
älterneuschwed. plur. tulper Hellquist
etym. 1025;
ordförrd. 522; Lyttkens 1291. 33)
osteuropäisch: rumän.: tulipan,
m. Tiktin 3 (1925) 1660,
als '
provincialism'
bei Candrea-Adamescu
dict. limbii Române (1931) 1343,
als ntr. bei L. Saineanu
dict. univ. (
51925) 665, tulipa,
f., Candrea-Adamescu 1343, tulipana, tulipani, tulpeni Zach. Panţu
plantele cunoscute de poporul român vocab. bot. (
21929) 145,
daneben lalea,
f., für tulipa silvestris u. fritillaria imperialis Candrea-Adamescu 692.
magy.: tulipan Kelemen Bela
magyarnemet (1942) 902, tulipant (
heute in den maa. weitverbreitet),
das -t
viell. nur epenthetisch, s. Zolt. Gomböcz in:
magy nyelv. 2 (1906) 263,
seit dem 17.
jh. bezeugt, zuerst erwähnt 1587
als tulipan
im latein. context, s. Csefko
in: nepünk es nyelvünk (
Szeged. 1930) 1, 15.
neugriech. τουλίπη,
τουλίπα,
s.λέξ.
τῆς Ἑλληνικῆς γλώσσης (1933) 2397.
slov.-serbokroat. tulipan,
m., tulpa,
f. Šulek
jugosl. imenik bilja (
Zagreb 1879) 422,
serbokroat. dulipan (
Dalmatien)
ebda 78,
neben lala, lale.
bulgar.: tulipan,
m., neben lale
u. a. Davidov i Javašev
materiali za bulgarski bot. rečnik (
Sofija 1939) 299.
ukrain. dalipan
neben tulipan, tulupan, tulpan Makowiecki
słown. bot. łac.-małoruski (
Krakau 1936) 382
b.
čech. tulipan,
m., Miklosich
wb. d. slav. spr. 365.
poln. tulipan,
m., älter tulipant Brückner
slow. etym. jęz. polsk. 584.
russ. tjulъpán,
m. —
aus dem deutschen stammt obersorb. tulpa,
f., neben tulpona Bielfeldt
d. dt. lehnw. im obersorb. (1933) 278; Režak
dt.-wendisch wb. (1920) 958
sowie lit. tùlpe,
f., neben weniger üblichem tulpìja,
f., tulpona,
f. Kurschat
lit.-dt. wb. (1883) 469. 44)
im deutschen. 4@aa)
zufrühst in der form tuliban: ayur (
eine türk. blume) ... die wurtzel in jrer farb vnd runde (
ähnlich) denen der tuliban, welcher ich auch nit wenig ... bey disen herumb in äckern stehn hab gesehen (
in der gegend von Aleppo) (
für das jahr 1573) Leonh. Rauwolff
beschreib. d. raisz inn die morgenländer (1582) 120; ersahe ich ... (
auf dem Libanon) auch ein schön geschlecht der tuliban 282 (
blume und name wird also bei dem deutschen leser als bekannt vorausgesetzt): 1625 habe ich tuliban gebawt
handschriftl. eintragung in G. Handsch
des Mattioli-Camerarius new kreuterbuch (
Frankfurt 1611) 442
c exemplar d. bot. mus. Berlin; die normalform ist tulipan: bei Lonicerus
kreuterbuch (1577) 302
a; Mich. Schweicker
reysen (
Frankfurt 1596) 44; tulipan
tulipa Schottel
haubtspr. (1663) 1436;
tulipa tulipan, eine blum Dentzler
clavis lat.-germ. (1686) 815
u. ö. (
s. u.).
die form tulipant, die bei Busbeq,
im engl., holl., poln. u. magy. erscheint (
s. o.)
und in der bedeutung '
turban'
auch in älteren dt. quellen auftritt, ist als, »
tulpe«
nur für die maa. (
lothr., lux., elsäss., Aachen, schlesw., nordfries.)
verzeichnet (
s. u.). —
als masc. (
vgl. ital. il tulipano): den tulipan ... derselbig Schweicker
reysen (1596) 44; mit dem frembden tulipan (aus dem italianischen) Opitz
poem. (1629) 1, 175; der tulipan (
vor 1643) Gryphius
lyr. ged. 211
lit. ver.; Dav. Schirmer
rosengepüsche (1650) 14;
sing. rosen (1654) S 1
a; (
vor 1677) Rachel
sat. ged. 95
ndr.; Overbeck
verm. ged. (1794) 202;
mundartl. heute im Aargau u. Elsasz, s. u. g.
als fem.: die persianische tulipan (1642) G. Neumark
palmbaum (1668) 276; 1653
bei Paul Gerhardt 3, 398
a F. -T.; (1657) Schupp
schr. (1663) 57; 100; Treuer
Dädalus (1675) 1, 207; Scriver
seelenschatz (
111737) 1, 321.
literarisch bis ins 19.
u. 20.
jh., s. u. im 17.
u. 18.
jh. so auch häufig lexikal. gebucht: tullipan,
f. Widerhold
dict. (1669) 345
a;
tulipano eine tulipan Kramer
it.-ted. (1676) 1785
a u. ö.; Weismann
lex. bip. lat.-germ. (
41698) 594
b; J. A. Weber
univ.-wb. 2 (1770) 5.
anh., 77. —
heute als fem. mundartl. im schweiz., bad., schwäb., s. u. g.
als neutrum, vgl. oben das neulat. ntr., botanisch: das tulipan
bei Lonicerus
kreutterb. (1609) 304,
auch in späteren ausgaben (1679) 560
u. ö.; tulipan ... von den Anglis wird es in ihren kräuterhistorien lilionarcissus genennet
ders. (1765) 559. 4@bb)
daneben ist die tulipane vereinzelt im ausgehenden 17.
jh., häufiger im 18.
jh. belegt, lexikalisch verzeichnet erst in der zweiten hälfte d. 18.
jhs., vgl. J. A. Weber
lat.-dt. univ.-wb. (
31770) 2, 866,
sowie unten Weitenauer (1764), Adelung (1780), Braun (1793): Andromache bildete (
in einem maskenzug) die ... farben der tulipane ab Lohenstein
Arminius (1689) 1, 1378
b; die frühe tulipane Hohberg
georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 588
b;
vgl. unten sp. 1706 Zedler (1745);
allgem. haushaltslex. (1751); eine tulipane Lichtwer
Äsop. fab. (1748) 42; (1762) Mos. Mendelssohn
ges. schr. (1843) 4, 2, 372; aus einer tulipane J. D. Falk
satir. (1800) 2, 127;
so in gehobener sprache auch noch im 19.
u. 20.
jh., die belege s. unten sp. 1706
sowie in den süd- u. südwestdt. maa. s. u. sp. 1706. — die
tulipa in den süd- u. südwestdt. maa. s. u. 4@cc)
die pluralform tuliban
ist für das jahr 1573
bei Rauwolff
bezeugt (
s. oben a), tulipan
bei Simon Dach
u. Fr. Spee (
s. u.), tulipane
vereinzelt bei B. Schupp
schr. (1663) 99;
in der regel lautet sie tulipanen,
vgl. die belege unten, ferner: D. Schirmer
sing. rosen (1654) S 2
a; tulipanen, so wild wachsen Olearius
persian. reisebeschr. (
21656) 446; wiesen ... voll tulipanen Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 37; florirende tulipanen (1733)
bei Solms-Laubach 111; R.
Z. Becker
mildheim. liederb. (1799) 91. 4@dd)
seit den dreisziger jahren d. 17.
jhs., zuerst 1632
bei Paul Fleming,
begegnet die sing.-form die
tulipen, die
tulipe (
vgl. oben frz. la tulipe,
engl. tulip,
fläm. tuliepe,
dän. tulep);
betonung der zweiten silbe ist nur vereinzelt durch metrum u. orthographie zu sichern: es ruffet der violen zucht ... tulippen der narcissen Treuer
Dädalus (1675) 1, 208; werfet klee und bunte tulipen P. Fleming
dt. ged. 332
lit. ver. im singular: tulipa tulipen
nomenclator lat.-germ. (
Hamburg 1634) 111; Zehner
nomenclator (
Frankfurt 1645) 163;
tulipa eine tulipen, tulipAen Corvinus
fons latinit. (
41646) 921 (
noch nicht in der ausg. 1623);
tulippe, f., eine tlpe oder eine tulipe und ein tulipan Duez
dict. (1664) 1073; die tulipen ... zeuget, dasz ... Treuer
Dädalus (1675) 1, 207; die ... tulipe Er. Chr. Homburg
Clio (1638) A 2
b; Pancovius
herbarium (1673) 406; die gestalt der tulipe oder tulipane Hohberg
georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 589
a; tulipe
teutsch-lat. wörterbüchl. (
Nürnberg 1713) 26;
tulpa, -ae die tulipe Pomey
indic. univers. (
41720) 83; der himmelblauen tulipe
Chomel 8 (1751) 2126; farben einer tulipe
dorfpred. v. Wakefield (
21777) 4.
im plural: bunte tulipen (1632) P. Fleming 332
lit. ver.; persianische tulipen Georg Viescher
blumengarten (1645)
nach Lyttkens
svenska växtnamn 1290; J. Schwiger
feldrosen (1655) C 11
b; tulipen, welche ... haben Harsdörffer
secret. (1656) 2, A 2
a; Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 371 (
daneben tulipanen,
s. ob.); von mannigfalt tuliben Dannhawer
cat.-milch 3 (1660) 37; der rosen und tulipen zahl Buchner
anleitung (1665) 149; Lohenstein
Sophonisbe (1680)
widm.; tulipanen oder tulipen Hohberg
georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 588
b; tulipen Jablonski
allg. lex. (1767) 2, 1604.
ein flüchtiger ansatz zur bedeutungsdifferenzierung der formen zeigt sich ganz vereinzelt: obwol alle tulipanen nur von einerley art (nemlich tulipen) sind Hohberg
a. a. o. 588
b. 4@ee)
die form tulpe erscheint in dt. belegen kurz nach 1630,
offensichtlich vom ndl. her (
über Flandern u. Holland als zentrum des tulpenhandels u. heimat der tulpenzucht, vgl. Solms-Laubach 65
ff.),
vgl. holl. tulpe,
f., für das Kilian
im etym. (
41605) 571
a,
gewisz irrtümlich, die bedeutung des grundworts, '
tiara',
angibt, für die pflanze jedoch tulipa
lilionarcissus 724
b (
vgl. dazu R. Loewe
a. a. o. 11);
im frühesten dt. beleg als tolpe: mit tolpen untermengt (1632) P. Fleming
dt. ged. 1, 27
lit. ver.; die tulpen Comenius
ianua (
7Hamburg 1638) § 133; der tulpen zahl E. Chr. Homburg
schimpff- u. ernsthaffte Clio (
Hamburg 1638) 1, G 4
b; tulpen (
Amsteltam 1645) Phil. Zesen
adriat. Rosemund 183
ndr. —
in der sonderform tülpe bei autoren, die beziehung zum ndl. haben: tülpe, eine bluhm,
v. tulipan Duez
dict. germ.-gall.-lat. (
3Amsterdam 1664) 530; eine tülpe
ebda 1073; tülpe (
randweiser), die tulpe (
im text) J. Christ. Beer
O. Dappers Afrika (
Amsterdam 1670) 615;
tulipano eine tulipan, tülpe
M. Kramer
dizz. ital.-ted. (1676) 1785
a;
ders. teutsch-ital. 2 (1702) 1161
a;
nider-hoch-teutsch (1719) 403, tülpenkull, -zwibel
tulpenboll hochniderteutsch 216. 4@ff)
im verlaufe des 17.
u. bes. des 18.
jhs. gewinnt die form tulpe
immer gröszere geltung, doch so, dasz die verschiedenen volleren formen daneben zunächst bestehen bleiben, oft bei demselben autor; so gebraucht schon Er. Chr. Homburg
schimpff- u. ernsthaffte Clio (
Hamburg 1638)
gleichwertig tulipe
u. tulpe A 2
b u. 1, G 4
b (
s. o.),
ebenso Jac. Schwieger
feldrosen (1655) tulpen C 6
b; E 2
b neben tulipen C 11
b und tulipan D 2
b; Lohenstein tulpen (1673)
Ibrahim sultan (1680) 116
neben tulipanen
ebda 37
und tulipen
Sophonisbe (1680)
widm.; Lichtwer die tulpe
Äsop. fabeln (1748) 42
neben tulipane
ebda. ebenso verzeichnen die wbb. seit der zweiten hälfte des 17.
jhs. nebeneinander eine tülpe oder eine tulipe und ein tulipan Duez
dict. gall.-germ.-lat. (
31664) 1073; eine tulpe, tulipan Widerhold
nouv. dict. franç.-allem. (1669) 996
b;
tulipano eine tulipan, tülpe Kramer
dizz. it.-ted. (1676) 1785;
teutsch-ital. 2 (1702) 1161
a; tulp
alias tulpe
et tulipan Stieler (1691) 323; eine tulipan, tulpe Castelli
dizz. it.-ted. (1709) 920;
so auch Ludwig (1716) 2038; Kirsch
cornucop. (1718) 296; Kramer
hoch-niederteutsch 216; Frisch
frz.-dt. (1752) 1977; Weitenauer
orthogr. wb. (1764) 148.
dem entspricht der ansatz mehrerer stichwörter in den allgem. nachschlagewerken des 18.
jhs.: tulipanen, tulpen
Chomel 8 (1751) 2126; Jablonski
allg. lex. (1767) 2, 1604
sowie tulpe, tulipan, tulipane Zedler 44 (1745) 1721;
allg. haushaltslex. 3 (1751) 557; tulipane oder tulpe Amaranthes
frauenzimmerlex. (
31773) 3654.
das stichwort tulpe
ohne die volleren formen erscheint häufiger erst gegen ende des 18.
jhs., vor allem seit Adelung.
das nebeneinander der verschiedenen formen setzt sich aber bis ins 19.
u. 20.
jh. fort, doch so, dasz bei immer stärkerem hervortreten der form tulpe
die form tulipe
seit dem ersten viertel d. 18.
jhs. seltener wird und im letzten verschwindet, zuletzt 1751, 1767
u. 21777
nachzuweisen (
s. ob.),
die formen tulipan
und tulipane
im allgemeinen gebrauch, vor allem in sachlich beschreibender prosa, gerade auch in botan.-gärtnerischen quellen und zusammenhang gegenüber tulpe
zurücktreten, vgl.: nach Medien und Arabien zu bringen die felder von selbst tulpen Hirschfeld
gartenkunst (1779) 1, 56;
tulipa tulpe Chr. Fr. Reusz
dict. botan. (1781) 1, 359
a; von verblühten tulpen Nicolai
reise durch Deutschland (1783) 2, 379; einige rosen, tulpe, johannsbeere (1790) Göthe I 47, 372
W.; tulpen Ratzeburg
standortsgewächse (1859) 19; Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 311;
dagegen nur vereinzelt noch: (
blumen,) die das gartenbeet erzogen sind ranunkeln, narcissen, tulipanen Herder 23, 236
S.; blumen aller art ... narzissen, tulipanen Ritter
erdkde (1822) 3, 1146. tulpe
hat sich seit dem ende des 18.
jhs. als die normalform in der schriftsprache durchgesetzt. bereits Adelung
vermerkt daher: '
in der gezierten sprechart tulipane'
versuch 4 (1780) 1101; 'tulpe ...
jezt üblicher als tulipane' H. Braun
dt. orthogr.-gramm. wb. (1793) 260; '
bei den älteren schriftstellern geziert tulipane' Campe 4 (1810) 909.
im 19.
jh. halten sich aber tulipan, tulipane, tulipanen
neben tulpe, tulpen
in gehobener sprache und gewinnen hier mit ihren vollen vokalen einen besonderen klang, vgl. die belege unten, ferner: gleich den tulipanen (1804) Jean Paul (1841) 18, 353
Reimer; Mörike (1905) 1, 240
Göschen; die tote tulipan Lulu v. Strausz u. Torney
n. ball. u. lied. (1907) 55;
gern im reim, durchweg neben tulpe
im versinnern: tulipane (:Mariane) Lichtwer
Äsop. fab. (1748) 42; tulipan (:bahn) Brentano (1852) 2, 587; tulipane (:wahne) E.
M. Arndt 3, 603
R.-M.; die tulipane mir (:ahne mir) Platen
ges. w. (1843 2, 11
Cotta); tulipane (:altane) (1835) A. Grün
ges. w. 3, 258
Frankl; tulipanen (:cyanen) Immermann 11, 78
Hempel; tulipan (:majoran) Lulu v. Strausz u. Torney
n. ball. u. lied. (1907) 55. —
darüber hinaus gelten die volleren formen in den süd- u. südwestdt. maa. (
s. u.)
und bei der mundart nahestehenden autoren wie Hebel
w. 2, 121
Behaghel, der aber auch tulpen
braucht ebda 2, 32. 4@gg)
mundartlich für gröszere, zusammenhängende gebiete nur im süden (
doch für das bairische nur ganz vereinzelt)
und im westen bezeugt, in den vollformen, die durchweg bewahrt, z. t. entstellt und volksetymol. umgedeutet sind; auch als tulipa,
f. (
vgl. ital. tulipa,
f.),
österr.: tulipana, tulapana, tolopana (
oberösterr.) Marzell
bei Hegi
flora v. Mitteleuropa 22, 304; tulipane
Wien Loritza 135, dulibana
unter der Enns Castelli 118; tulapona
oberpfälzisch Marzell;
schweiz.: tulippanə Vetsch
Appenzell § 181 (
mit fernassimilation pulippanə § 193);
schweiz. id. 4, 1186; tulipanə Wanner
Schaffhausen 120. tulipana
in St. Gallen u. Graubünden nach Marzell;
sowie tulibā K. Schmid
Entlebuch (kanton Luzern) 168; Seiler
Basel 91
a; tulipa,
m., plur. tulipane Hunziker
Aargau 64; turlipa Marzell
a. a. o.; badisch: dulibānə, doliban, duləba(ne), tülipa, dulaba, düliba Ochs 1, 589, pulipa
badisch (
bei Offenburg) Marzell;
schwäb.: tulipa
ne, dulibā, dulebā,
plur. dulibane, dulbā, dullenblume Fischer 2, 447; 6, 1786;
für Rappenau tulipane Meisinger 217;
unterfränk. tulipane Ruckert 185;
elsässisch: tulipant, tulipan, tylipan(ə), tylipant, dulipa, duliba, tylipa, tylip (
gebietsweise als masc.) Martin-Lienhart 2, 678; duliban Ch. Schmid
Straszburg 29; gulipa Martin-Lienhart 1, 213; kylipa,
m. ebenda; lothring.: tulepant, dolepane (
calendula off.), duliba,
plur. dulibən, tylipa, tulip Follmann 111; 95;
luxemb. tulepant,
plur. -en Gangler 459;
wb. d. lux. ma. 445;
pfälzisch: duleba~, dullebaane, dollebaane, dollebaam, dolleboom, dollpanne, tollpaun, tuddelbohne Wilde
d. pflanzenn. i. sprachsch. d. Pfälzer (1923) 247; Autenrieth 34; 37; Marzell
a. a. o.; dullebān, dollebān, dulleblum
Pennsylvania wb. 46;
nassauisch: dollebam, tollebohne (
Nauheim) Kehrein
volksp. i. Nassau 405; dol(e)beem
Hunsrück Marzell;
Aachen: tulepant Rovenhagen 148; Müller-Weitz 249.
weiter östlich nur sporadisch verzeichnet: taulepa
westfäl. (
Niederscheden bei Münster), taulipa
südhannov. (
Münden)
nach Marzell; dyləbon Martin
waldeck. 278; tulipane Schambach
Göttingen 236; dolpane (
für Zwenkau bei Leipzig) Albrecht 7
u. Müller-Fraureuth 1, 260;
aus den weiter östlichen u. südöstlichen kolonialgebieten weist Marzell
nach tulippa
Nordböhmen, tolipen
Südmähren, talepol
Siebenbürgen, tulpaune
Westpreuszen. sodann, dän. beeinfluszt, im nordfries.: tulipant Mungard
Sölring 231; tulepant Jensen
nordfries. 646;
schleswig. tulipant, tulepant, tulipantje Mensing 5, 178.
dagegen ist die kurzform tulpe
weniger mit der volkssprache verwachsen; sie wird nur sporadisch, bes. in der nähe von städten verzeichnet, zumeist wohl nur aus der hochsprache jünger übernommen, z. t. neben der älteren und verbreiteteren vollform, vgl. 'tulpe
ist nur gebildet' Fischer
schwäb. 2, 447;
vereinzelt als tulwe, dulwe, dulb
u. dulle
bei J. Wilde
die pflanzenn. im sprachschatz d. Pfälzer (1923) 248;
als tulpe
für Handschuhsheim bei Heidelberg Lenz 72, tulp
bei Christa
Trier 78 (
neben tulipant
in der bedeutung '
närrische frau'), tulpe, tulp
für Cronenberg bei Düsseldorf Leihener 126, tulp Martin
waldeck. 278; Bauer-Collitz 106
a,
für Berlin Brendicke 185. tölp,
Köln, Schravelen (
bei Geldern) Marzell. —
im schlesw.-holst. neben tulp Mensing 5, 178
sonderformen: tulk, tulg, tülk, tuld, tult
ebda; tulkenspitzen (1855) Klaus Groth
ges. w. (1898) 3, 20; tülpe
bei Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 445.
bedeutung und gebrauch. 11)
gartentulpe, tulipa Gesneriana L., sammelname für zahlreiche, kultivierte, meist durch züchtung gewonnene sorten, verschieden nach form und färbung der blüten, vgl. Solms-Laubach
weizen u. tulpe (1899) 54; Hegi
flora v. Mitteleuropa 22, 305; Ascherson-Gräbner
synopsis d. mitteleurop. flora 3, 207.
bald nach ihrem ersten auftreten gewann die blume rasch gröszere verbreitung und gröszte wertschätzung, die seit dem anfang des 17.
jhs. zu einer leidenschaft wurde, bes. in Holland, wo der tulpenhandel zu einem börsenspiel u. schwindelgeschäft ausartete, vgl. B. Schupp: da ich in Holland studirete, war eine sonderliche pestis animorum unter den reichen leuten wegen der ... tulipanen ... ich halte dafür, es sey eine rechte insania gewesen, ein rechter schwindelgeist, welchen gott damals unter die Holländer geschickt, dasz sie die tulipane so hoch ästimiret haben ... ein kauffmann zu Amsterdam eine zwiebel von einer tulipan gekaufft hatte umb 500 holländische gülden
schr. (1663) 99;
vgl. weiteres unter tulipist, tulipomanie, tulpenfreund, -handel, -kultus, -narr, -schwindel, -sucht, -zwiebel.
im übrigen sieh Solms-Laubach
a. a. o. 73
ff. 1@aa)
von anfang an ausdrücklich als gartenblume gekennzeichnet; zunächst in den lustgärten der vornehmen, später auch in bürger- und bauerngärten: das tulipan ... in fürsten und herrn lustgärten Lonicerus
kreuterbuch (1609) 304; die tulipanen in den lustgärten (
für d. j. 1636) Seb. Bürster
beschr. d. schwed. krieges 101
Weech; wihr wollen ... hin-unter in den garten gAehen und uns an den frisch-aufgeblheten tulpen erlustigen (1645) Zesen
adriat. Rosemund 183
ndr.; nichts ist, sagt man im sprichwort, ... über einen schönen blumengarten von mannigfalt tuliben, gewächsen und arten Dannhawer
cat.-milch 3 (1661) 37; die tulipane ... welche jetzo in vielen baurengärten gesehen werden B. Schupp
schr. (1663) 99; die stoltze tulipan ... Lipsius nennet sie der garten sinnbild Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 207; von kindheit auf war ich gewohnt in wohleingerichteten ziergärten den flor der tulpen ... bewundert zu sehen Göthe II 6, 98
W.; komm, wollen im garten lustwandeln gehn, tulpen mancher arten flora mahlen sehn maler Müller
w. (1811) 1, 200; mein hauswirth hat mir eine rabatte eingeräumt, auf der meine tulpen bald blühen Görres
ges. br. (1858) 1, 491; den garten ... wo auf den beeten vor den grünen heckenwänden soeben die tulpen aus der erde brachen Storm
s. w. 4, 278
Köster. 1@bb)
als frühlingsblume: die tulpen ... der gärten frühe zier
bei Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 211; die frühe tulipane Hohberg
georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 588
b; seh ich nun schon seit sechs wochen die tulpen blühen und verblühen, nunmehr aber die rosenknospen hervorbrechen (25.
juni 1824) Göthe IV 38, 166
W.; die tulpe blüht schon in den frühsten tagen, die rose schläft, bis heiszre glut sie weckt E. Schulze
d. bezauberte rose (1852) 45; auf den ... beeten keimten märzbecher und frühzeitige tulpen hervor Holtei
erz. schr. (1861) 23, 231.
daher sprichwörtlich: man musz im herbste nicht mehr von rosen und tulpen träumen Winckler
2000 gutte gedancken (1685) C 1
b. 1@cc)
die fremde herkunft bleibt bekannt und wird gern betont: sein begräbnis und gebein allenthalben auszuziehren mit dem frembden tulipan Opitz
dt. poemat. (1629) 1, 175; wo schwertelblum, wo fremder tulipan A. Gryphius
lustsp. 186
Palm; tulipan, lilionarcissus, ein schöne türckische blume Lonicerus
kreuterbuch (1577) 302
a; persianische tulipen Georg Viescher
blumengarten (1645)
bei Lyttkens 1290; die persianische tulipan (
beiname Friedrichs, herzogs zu Schleswig-Holstein, in der fruchtbringenden gesellschaft für das jahr 1642
nr. 388)
bei Georg Neumark
d. neuspross. teut. palmb. (1668) 276;
später wird in der regel auf die europäische heimat der tulpenzucht, Holland, hingewiesen, s. ob. sp. 1705: meine holländischen tulpen Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 17; die aurikel und holländischen tulpen auf den rabatten ausputzend Storm
s. schr. (1868) 4, 90. 1@dd)
die farbenpracht wird immer wieder mit bewunderung zum ausdruck gebracht: ein schön geschlecht der tuliban mit gelblechten strOemen (1573) L. Rauwolf
beschr. d. raisz (1582) 282; der tuliban, welcher ich auch nit wenig mit purpurfarbgelben bluomen ... in äckern stehn hab gesehen (
in Syrien) 120; die blumen aber über die maszen schön und von allerlay farben alsz grüen, roth, blau, gelb insonders die tulipanen (
für 1630,
geschr. 1644) Seb. Bürster
beschr. d. schwed. krieges 13
Weech; narcissus und die tulipan die ziehen sich viel schöner an als Salomonis seyde Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 398
a; der güldenen tulipen zahl Buchner
bei Schottel
haubtspr. (1663) 904; eure gesprengte tulipen Hohberg
georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 592; so wie einige menschen mit entzückender bewunderung die farben einer tulipe oder eines zweyfalters beschauen können
dorfprediger v. Wakefield (
21777) 4; o tulipane, wer hat dir mit allen farben der sonne den offenen busen gefüllet? Ew. v. Kleist
w. (1760) 2, 17; sieh, wie dort die tulp' im beete sich in purpurfarbe schmückt Miller
ged. (1783) 2;
auch mit fast typisch werdenden adjectiven und verben: zwiebel von einer schönen tulipan B. Schupp
schr. (1663) 57; eine schöne, rare tulpe Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1161
a; die raren und schönen tulipanen
Chomel öc. lex. 8 (1751) 212; die raresten tulipen Hohberg
georg. cur. aucta (1682) 1, 664
b; die stolze tulipe so hoch geschätzet ward E. Chr. Homburg
Clio (1638) A 2
b; die stolzen tulpen J. J. Schwabe
belustig. (1741) 4, 10; werfet klee und bunte tulipen P. Fleming
dt. ged. 332
lit. ver.; Wieland I 1, 31
akad. ausg.; B. Mayr
päckchen satiren (1769) 64; die lakaien ... bunt wie tulpen H. Heine
s. w. 7, 130
E. in verbindung mit verben wie prangen, leuchten,
u. ä.: ... das prangen der schönen tulipen J. Schwiger
feldrosen (1655) C 11
b; tulipanen prangen schön Chr.
F. Weisze
kl. lyr. ged. (1767) 3, 32;
vgl. unten Göthe I 1, 346
W.; Herder 25, 250
S.; wie leuchtet dort der tulipanen pracht Joach. Neander
bundeslieder (1860) 164; die schimmernde tulipane E.
M. Arndt
s. w. 3, 103
Rösch-Meisner. vgl. zusammensetzungen wie tulpenpracht (
tägl. rundschau [1908]
nr. 175, 1.
beil. 3
a), -schimmer (Max Waldau
blätter im winde [1847] 135)
u. ähnl. von daher auf mädchen und frauen angewandt: sie ist meine rose, meine gold-zeitlose und mein edler tulipan D. Schirmer
singende rosen (1654) S 1
a; sind das (
die jungen ladies) die schönsten tulpen Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 17;
vergleichend: drauf wäscht im flusz sie (
die nymphe) wang und mund, rothblühnd wie tulipanen Immermann
w. 11, 78
Boxb., als beispiel schnell vergänglicher irdischer pracht: der tulipan wird, weil er gläntzt, von jungfern abgeschnitten. schau menschen an! sie haben schmach, um dasz sie schön, erlitten A. Gryphius
lyr. ged. 211
lit. ver.; die zier der tulipan und nelcken musz offt vor abends noch verwelcken, wie schön sie uns auch angelacht Simon Dach 442
Österley; so war der Ammon schon als lebendig verblichen, ein schatten seiner selbst, ein welkker tulipan, der sein gekröntes haupt nicht mehr erheben kan Rachel
satyr. ged. 95
ndr.; das himmelfarbe ehrenpreis, die tulipanen gelb und weisz ... senkt alles zur erden. was wird nur draus werden? hüt dich, schönes blümelein!
bei A. v. Arnim
s. w. 13 (1845) 60 (
wunderhorn);
im vergleich: der fürsten gnade ist wie tulipanen, wenn sie in der farbe am höchsten, so sind sie der verwelckung am nächsten Joh. Hoffmann
polit. Jesus Syrach (1740) 108. 1@ee)
neben der allgemeinen bewunderung und wertschätzung macht sich auch kritik bis zur ablehnung geltend; anlasz dazu ist nicht selten die tatsache, dasz die tulpe keinen duft hat. zunächst rein feststellend, wie schon bei Busbeq: '
tulipanti aut nullus aut exiguus est odor'
legat. Turc. epist. quat. (1595) 33; was belangen thut den tulipan, hat derselbig gar keinen oder ein sehr geringen geruch Mich. Schweicker
reysen u. bottschafften (1596) 44; tulipan
tulipa, flos elegantissimus, sed odoris expers Stieler
stammb. (1691) 323; an tulpen ist kein biesam nicht zu schmecken Lohenstein
Ibrahim sultan 116; es ist gut ... dasz die tulipanen nicht so wol riechen als sie schön seynd, denn wie sie ihrer viel halb bethöret, so würden sie dieselbigen gar zu thor und narren machen Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 207; ich ... mache der tulpe so wenig einen vorwurf, dasz sie nur das auge ergötzt, als ich es der nachtviole verdenke, dasz sie nicht bei tage riecht J. Möser
s. w. (1842) 4, 44; eher pflück ich, wenn auch nie sie duftet, als jasmin und rosmarin die tulpe Platen
ges. w. (1839) 71
b.
mit negativem accent, der leicht abschätzige beiwörter heranzieht: prangt mit den farben Aurorens, ranunkeln, tulpen und astern! hier ist ein dunkles blatt, das euch an dufte beschämt Göthe I 1, 346
W.; die äuserlich-ansehnsprächtige, aber dem nutzen nach untüchtige tulipanen Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 5.
vermenschlicht: spröde tulpen, die nicht duften, aber prangen und stolzieren Herder 25, 520
S.; eitler tulpen pracht Göthe I 16, 139
W.; die eitle tulipane (1835) A. Grün
ges. w. 3, 258
Frankl; die geschminkten tulpen grüszten mich bettelstolz herablassend H. Heine
s. w. 3, 157
Elster. gehaltvoller, aufs menschliche bezogen: was sind denn die compliment? ... tulipen, welche ein liebliches ansehen, aber noch geruch noch gebrauch in der artzney haben Harsdörffer
teutscher secret. (1656) 2, A 2
a; eine gattung solcher hingestreueten gedanken könnte man also den veilchen vergleichen; ihr duft kündigt sie an; sie selbst verbergen sich bescheiden. eine reihe andrer, die das gartenbeet erzogen, sind ranunkeln, narcissen, tulipanen, dem auge schön, aber geruchlos Herder 23, 236
S.; als metapher: die mutter wacht nun ganz allein schon vierzehn nächte bei ihr (
der schwester Regula) ich kann nichts helfen, ich bin die unnütze zierpflanze, die geruchlose tulpe (1847) G. Keller
br. u. tageb. 2 (1916) 154.
als vergleich: sie (
eine dame) war wahrhaftig recht schön roth und dick und gar prächtig und hoffärtig anzusehn, wie eine tulipane (1826) Eichendorff
s. w. (1864) 3, 10.
vereinzelt mit einer im persönlichen empfinden begründeten ablehnung der blume überhaupt: man musz ein Holländer seyn, um mit einer tulpe zu sympathisiren, und dann ist auch die sympathie dieser wassermänner sehr phlegmatisch Göthe I 37, 62
W. 1@ff)
oft zusammengestellt mit andern blumen, die sich gleicher wertschätzung erfreuen oder mit solchen, die in derselben jahreszeit blühen; bes. mit fremdländischen wie hyazinthen
und narzissen
schon bei Busbeq
: florum copia offerebatur narcissorum, hyacinthorum et eorum, quos Turcae tulipan vocant legat. Turcic. epist. quat. (1595) 33; mit dem fremden tulipan, tausendschön und majoran, mit violen und narcissen Opitz
dt. poem. (1629) 1, 175; wo fremder tulipan, narcisz und raut und frischer majoran, wo hyazinth, wo immergrne myrten A. Gryphius
lyr. ged. 186
lit. ver.; die königscronen, tulipanen, narcissen, hyacinten und andere blumenzwiblen Grimmelshausen 2, 517
Keller; es ruffet der violen zucht, der schlüsselblumen schnelle flucht, tulippen der narcissen Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 208; der bunteste ... blumengarten ..., in welchem tulpen, rosen und lilien ... leuchteten Tieck
schr. (1828) 4, 369; Tobias half den (
gärtner-)gesellen zwiebeln setzen: tulpen, hyazinthen H. E. Busse
Tulipan (1927) 90.
in eigenwilliger ausdeutung: nährvater Christi ... wie Josef, weswegen denn billig diese schöne schneeweisze josefinische lilien über alle veigeln der patriarchen ... über alle rittersporn der märtyrer, über alle tulipanen der beichtiger, über alle narzissen der jungfrauen ... gesetzt Abraham a
s. Clara
w. 1, 80
Strigl. so häufiger im gegensatz zu blumen und pflanzen mit anderem symbolgehalt: die keuscheit ist bey gott so kräfftig, wehrt und rein als tausend lilien für einer tulpe sein Angelus Silesius
cherub. wandersm. 60
ndr.; als sinnbild glücklich-frohen lebens: tulpen, ihr werdet gescholten von sentimentalischen kennern; aber ein lustiger sinn wünscht auch ein lustiges blatt Göthe I 1, 346
W. so schon im 17.
jh.: wirf den myrtenkrantz hinweg. kröne dich nur mit zypressen, bisz du, mein betrübtes hertz, deines leides hast vergessen, das dir mark und bein durchdringet, wirf die tulp und rosen hin; du solst die betrübnüszblum amaranthen itzo tragen, und dich einsam und allein aller frölichkeit entschlagen Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustwald (1657) 1, 321;
vereinzelt bei Fleming
diesen trauerblumen beigesellt: ich hätte wollen wol des herren grab bespreiten. mit blauen veiligen ... für erde, sand und staub hätt ich die rosmari und amaranthen geben, mit tolpen untermengt, dir (
Christus) aller blumen leben (1632)
dt. ged. 1, 27
lit. ver. 1@gg)
volkstümliche kunst liebt tulpen als verzierung auf möbel, auf kleiderschränke, truhen u. dergl. gemalt Martin-Lienhart
elsäss. 2, 678: sie kniete jeden sonntagmorgen vor ihrem grün angestrichenen und auf dem deckel mit prächtigen tulipanen bemalten koffer nieder B. Goltz
ein jugendleben (1852) 2, 226; ich aber sasz an dem fichtentisch mit den rothen und blauen gemalten tulpen Gaudy
s. w. (1844) 4, 134.
vgl.: von tulpen als verbreitetem, volkstümlichen ornament auf bauernmöbeln in Ungarn seit dem 17.
jh. berichtet Gomböcz in:
magyar. nyelv. (1906) 2, 266. 22)
feldtulpen, wildtulpen. 'wilde tulpe'
tulipa silvestris L., angeblich von Bologna aus seit mitte des 16.
jhs. verbreitet, schwach duftend, innen dottergelb' Hegi
flora v. Mitteleuropa 22, 306.
davon zu scheiden die erst seit dem 18.
u. 19.
jh. verbreiteten rotblühenden und rotbunten formen (
neutulpen),
die durch variation und kreuzung von gartentulpen entstanden sind ebda 305; Solms-Laubach
weizen u. tulpe 37
ff. ital. Bolognino, frz. tulipe sauvage, engl. wild tulip, the italian yellow tulip, ndl. boschtulp.: tulipa silvestris gelb tulipan J. Bauhin (1650)
nach Lyttkens 1291;
tulipa kleine wilde tulpe Chr. Fr. Reusz
dict. bot. (1781) 1, 359
a;
tulipa silvestris, tulipa minor lutea italica et gallica die wilde tulpe, die italienische tulpe Nemnich 4 (1795) 1503; Hirschfeld
gartenkunst (1779) 4, 145; Holl (1833) 385
a; wilde duliba Ochs
bad. 1, 589; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 678; wille tulp Mensing
schlesw.-holst. 5, 178. 33)
für andere blumen mit z. t. ähnlicher blüte, mundartlich und lexikalisch. so für die schachblume, fritillaria meleagris Nenmich
wb. d. naturgesch. (1796) 606; Campe 4, 909; Mensing
schlesw.-holst. 5, 178. —
für papaver rhoeas, klatschmohn Martin-Lienhart
elsäss. 1, 273
a; 2, 678; Ochs
bad. 1, 589. —
anemone vernalis: wilde tulpe,
die blume gleichet an gestalt fast einer tulpe (1776) Mattuschka
flor. Silesiaca 1, 500
bei Marzell 1, 304; tulipane
in Graubünden, ebda, '
sammelname für alle anemonenarten' Aug. Ulrich (1897)
beitr. z. bündn. volksbot. 8; Holl
pflanzenn. (1833) 385
a; Campe 4, 909. —
calendula officinalis dolepane Follmann
lothr. 95 (
die aber nicht die geringste ähnlichkeit hat, s. Marzell 1, 722).
für die scharlachrote blutblume haemanthus coccineus L. Nemnich
wb. d. naturgesch. (1796) 606; Campe 4, 909. —
in Dithmarschen für die weisze seerose, nymphaea alba Mensing
schlesw.-holst. 5, 178, moortulp
ebda 3, 673. wassertulepant
gelbe nixblume, nenuphar luteum wb. d. lux. maa. 445. tulpla (
Westböhmen), lila tulpe (
Dillkreis), herbstulep (
bei Trier)
für colchicum autumnale Marzell 1, 1100. 44)
eine art muschel, die see- oder meereichel, seetulpen, lepas tintinnabulum L. Nemnich
wb. d. nat. gesch. (1796) 606; Campe 4, 909. aufgehende tulipanen
eine art einschaliger seemuscheln Zedler
univers. lex. 44 (1745) 1729.
eine art stachel- oder felsenschnecke, in den westindischen meeren, murex tulipa L. Campe.
vgl.seetulpe teil 9, 2828: es ist wahr, dasz sich auf einem kupfernen boden ... keine eichelmuscheln oder seetulpen ansetzen Georg Forster
kl. schr. (1789) 1, 97. 55) tulpe
als bezeichnung für verschiedene, tulpenähnlich geformte gegenstände. 5@aa)
in der architektur: die ... stäbe der säulen (
des altares), die baldachine und die untersätze sind mit gröszeren und kleineren sogenannten tulpen verziert Stifter
s. w. (1904) 14, 301;
vgl. tulpenähnlich. 5@bb) dulipane, duleba
heiszt in Schwaben ein instrument zum höherstellen des pflugs Fischer
schwäb. 2, 447,
die eiserne unterlage des grindels am pflug ebda 6, 1786. 5@cc)
kelchartiges (
bier-)
glas, die hälfte eines seidels enthaltend Hoffmann v. Fallersleben
volkswörter in: J. M. Wagners archiv 1 (1874) 280;
mundartlich verbreitet: tulpe
kleines bierglas Elberfeld 166; Leithäuser
Barmen 161; Leihener
Cronenberg 126; Müller-Fraureuth 1, 260; Albrecht
Leipzig 225; Brendicke
Berlin. wortsch. 185; e tulpche bier, grog Betke
Königsberg 70; 62; un supen ene tulp na den anjern iin Mensing
schlesw.-holst. 5, 178; Ochs
bad. 589.
auch sonst volksläufig u. umgangssprachlich, vgl. z. b. kladderadatsch 18, 218
a; 19, 43
b u. ö.: um die buffets drängte sich die menge, und zwischen einer tulpe echtem und einem zungenbrötchen wurde über dichtung und darstellung zu gericht gesessen
daheim 31, 22
a; ein schluck serbet gereicht in einer krystallschale oder tulpe (1890) G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 415; 117; nur ein paar biertulpen waren oben, so tranken sie den sekt aus diesen Cl. Viebig
d. schlafende heer (1904) 1, 160;
vgl.tulpenglas; tulpenform, tulpenhaft. 5@dd)
tulpenförmige lampenglocke: lichtfluth, die der lampentulpe der wandleuchter entströmte
gartenlaube 27, 225
a;
vgl. tulpenartig.
dieselbe übertragung im rumän. (tulipa Candrea-Adamescu
dict. encic. [1931] 1343)
und span. (Slaby-Groszmann
dicc. de la leng. esp. y alem. [1932] 699). 5@ee)
für ein gebäck: in Nördlingen backt man die tulpen (
als osterbrot)
hdwb. d. dt. aberglaubens 6 (1934) 1319. 5@ff)
mehr scherzhaft gemeinte volkstümliche benennungen; so für den preusz. soldatenhelm, wie er von Friedrich Wilhelm IV. eingeführt wurde; umgekehrt hat er die form einer tulpe, die helmspitze gilt dann für den stiel Hoffmann v. Fallersleben
in Wagners archiv (1874) 1, 280; blechhaube ... oder tulpe wird ... der helm der soldaten genannt v. Alten
handb. f. heer u. flotte (1909) 2, 324; Imme
soldatenspr. 114; die alte tulpe abgenommen und mit der leichten mütze vertauscht
volkszeitg. 12, 53
bei Sanders 3, 1401;
auch gewittertulpe
für den schützengrabenhelm René Delcourt
argot allem. (1917) 110. — tulpe
regenschirm (
Dresden)
bei Albrecht
d. Leipzig. ma. 225
b. regentulpe Müller-Fraureuth 1, 260;
durch wind umgestülpter regenschirm Brendicke
Berliner wortsch. 185. die schwarze tulpe
cylinderhut H. Ostwald
rinnsteinspr. 167. —
in Leipzig tulpe
für '
kopf': ich geb der eens of de tulpe Müller-Fraureuth 1, 260.
für nase Brendicke
Berliner wortsch. 185. 66)
auf menschen bezogen (
s. auch unter 1 d).
in südwestdt. maa. tulipan
als geringschätzende bezeichnung für frauen und mädchen, tūlepaanə
törichte frauensperson Meisinger
Rappenau 217; Ochs
bad. 1, 589; tulipan
dummes mädchen Martin-Lienhart
elsäss. 2, 678;
alte jungfer du ale tulepant Follmann
lothr. 111;
Luxemb. 445;
närrische frau Christa
Trier 178.
mit anderm gehalt gelegentlich für männer in nordwestdt. ma.: tûlepant,
m., allerweltskerl Jensen
nordfries. 646 (
vgl. engl. slang my tulip
für '
my fine fellow' Murray 10, 1, 457). tûlepant
schimpfwort, unzuverlässiger mensch Jensen
nordfries. 646.