kundlich,
kündlich,
ziemlich gleich kündig.
schon mhd. mit wechselndem umlaute kuntlîch
und küntlîch,
s. Lexer 1, 1783
fg.; ahd., alts., ags. s. unter 2,
a. nd. kuntlic
notorius Dief. 383
b. 11)
selten activisch, erfahren, kundig: expertus, kundtlicher. Brack
bei Dief. 218
b;
vgl. kündig II, 2.
im adv., gleich aus eigner erfahrung: von den webern kan ich nit sagen kuntlich, wan ich hans nit gesehen. Konr. v. Ammenhausen 210
Wack. 22)
passivisch, offenkundig, '
notorisch', '
authentisch'. 2@aa)
zuerst besonders im adv., ahd. chundlîhho
manifeste, certe Graff 4, 420,
alts. cûðlîco,
ags. cûðlîce (
hier sehr entwickelt, s. Grein 1, 173),
überall nur im adv. bezeugt. mhd. und länger auch kuntlîchen. 2@a@aα)
sicher ohne umlaut: kundtlich,
nach wol erfarnen sachen, explorate. Maaler 256
c,
der den umlaut genau beobachtete; schon mhd. scheint der mangel des umlauts vorzuherschen. sachlich stellt sich Maalers
angabe mehr zu kunden 3,
b, erkunden, vgl. unten 3,
b. 2@a@bβ)
mit umlaut, den dieszmal das md. voraus hat, wie öfter umgekehrt: und kündlich grosz ist das gottselige geheimnis, gott ist geoffenbaret im fleisch. Luther
1 Tim. 3, 16 (
schweiz. bekanntlich grosz),
ὁμολογουμένως μέγα,
vulg. manifeste magnum (
goth. unsahtaba mikils); das ist das kündlich grosze und anbetungswürdige geheimnis. Claudius 7, 148; allen schaden, der sich kündlich erfindet, wider gut thun. Tschudi
Schweizerchr. 1, 590; wo aber solches ... kündlich erfunden wurde.
weisth. 6, 176,
bair. vom j. 1588.
schon bei Steinbach 1, 950
als veraltend, bei Adelung
als völlig veraltet, bei beiden übrigens nur im adv., wie schon bei Frisch; Rädlein, Ludwig, Aler
führen es schon gar nicht mehr. 2@a@gγ)
auch mit sein,
wie unter b: als dann kuntlichen ist. Haltaus 1143,
mrh. v. j. 1461;
vgl. sp. 2605. 2@bb)
als adj., besonders praedicativisch. 2@b@aα)
ohne umlaut oberdeutsch: es ist kundtlich und offenbar,
extat, kundtlich machen
testificari Maaler 256
c; sintemal kundlich und offenbar ist .. Fischart
bien. 1588 52
a; dasz menniglich desto kundtlicher (
sei).
Frankf. ref. I, 45 § 2,
s. auch c am ende. Unsicher im umlaute: kuntlich,
notorium. voc. 1482 r 7
a; chuntleicher,
notorius. Dief. 383
b,
anf. 15.
jh., bair.; so doch kundlich ist aus itzt gemelten dingen, das er die warheit nicht fürbringt. Luther 1, 158
a,
nachweislich, offenkundig. 2@b@bβ)
mit umlaut: notarius, küntlich. Dief.
n. gl. 265
b, 15.
jh.; aufs dritte ist das kündlich und offenbar, das ein mensch mag wol gezwungen werden für der welt zu thun das er nicht gerne thut. Luther 2, 233
a; dann kündlich wer, das alle teurung von inen kem.
Schöfferlins Livius 32; und (
das) ist aus mehr denn einest der erfahrung kündtlich. Kirchhof
wend. 130
b (1, 160
Öst.); nun hat er (
gott) sich gemacht ganz kündlich durch seinen eignen son selbst mündlich. Fischart
ehz. 24 (
Sch. 429).
Im 18.
jh. alterthümelnd (
vgl. Stolberg, Bürger
unter c): und er empfindlich, daneben dreust und auch, wie kündlich, ein groszer geist. Klamer Schmidt
poet. briefe 32; doch willst du wissen meinen stamm der weit und breit auf erden kündlich ist ... Bürger 171
a (
verm. schr. 1797 1, 129). 2@cc)
attributivisch: er beweise denn mit kündlichem anzeigen, das er sein leben geendert und gebessert hat. Luther 3, 274
a; zuletzt ward er gefangen als ein kündtlicher dieb fürs gericht gefürt. Steinhöwel
Esop Freib. 1569 79
b; nach kündlichen gebrauch dieser stadt. Haltaus 1143,
aus Braunschweig 1601,
von einem rechtsgebrauche; kündliche verrätherei .. begangen. Möser
phant. 2, 344; die frevlerinn! mein kündliches gebot zu übertreten war ihr nicht genug. Stolberg 14, 32,
νόμους ὑπερβαίνουσα τοὺς προκειμένους
Soph. Antig. 481; siehe
da stellt ihn der gott, der ihn sandte, zum kündlichen mahl dar. Bürger 198
b,
τὸν μὲν ἀρίζηλον θῆκεν θεός
Il. 2, 318,
als offenkundiges denkmal. Wieder auch ohne umlaut, oberd.: es were dann dasz das geliehen gelt in iren kuntlichen nutz gewendet und kommen were.
Nürnb. reform. 1564 81
b. 33)
auch in anderen bedeutungen. 3@aa)
arroganter, kuntlich, kontlich, konticlich
vel kyntlich,
nd. kundeliken Dief. 50
b aus verschiedenen vocc., s. dazu kündig II, 3,
c. 3@bb)
zu kunde
m. zeuge, kunde
f. zeugnis (
s. kunden 3,
b): das er uns küntlich bewisen mag. Mone
zeitschr. 4, 280,
durch '
kundschaft',
zeugenbeweis. ähnlich: wer daʒ überfre, daʒ man kuntlichen hinz im bringen (
gegen ihn rechtlich beweisen) möchte.
Augsb. chron. 1, 144;
s. auch 2,
a, α.
auch küntlich machen,
vor gericht beweisen, s. Scherz 843.
schon ahd. mit deutlichem anschlusse an den begriff des bezeugens 'ungichundlîh,
intestibilis' Graff 4, 426,
intestabilis unkikhuntlîh Hattemer 1, 185
b,
vgl. intestabilis ungezeuglich Dief.
nov. gl. 220
a. 3@cc)
es gab mhd. auch kündelîch
schlau, listig wb. 1, 813
a, Lexer 1, 1772,
und das musz noch nhd. anfangs gegolten haben, dafür zeugt älter dän. kyndelighe äller klogelighe,
callide Molbech
dansk gloss. 1, 462.
es ist gleich kündig 3,
a.