westen,
m. ,
auch n., die himmelsrichtung, die gegend gegen sonnenuntergang, der wind aus dieser richtung. herkunft und form. zugrunde liegt ein germ. adverb der himmelsrichtung mit der grundbedeutung '
von westen',
aus dem einzelsprachlich substantiva erwachsen sind. anord. vestan,
adv. '
von, nach, im westen'
; schwed. västan,
adv., subst.; dän. vesten,
adv., subst.; ags. westan(e),
adv. '
von westen, im westen'
; mnl. westen,
adv., n.; as. westan(e),
adv. '
von westen'
; mnd. westen(e),
n., auch m. (
belege s. zs. f. dt. wortforschung 7, 89
ff.)
; ahd. westana,
adv. '
von westen', westen,
subst. (
wohl m. und n.)
; mhd. westen(e),
adv. '
von, im, nach westen', westen,
subst. (
wohl m. und n.). —
zur herkunft s. west A 1. —
das germ. adverb *westan(a),
ebenso das nur im ags. und dt. begegnende (
nach Wehrle
zs. f. dt. wortforschung 7, 67
durch deiktisches -a
wie in got. þan-a '
den')
erweiterte westana
bezeichnen wie das mit dem gleichen suffix gebildete as. thanan,
ahd. danan (
erweitert danana) '
von dort'
ursprünglich nur die ortsherkunft '
von westen': thar ic it iu te uuârun hîruuordun seggeo, that noh sculun elitheodaôstane endi uestane (
hs. M; ostan endi uuestan
hs. C) mancunnies cuman
Heliand 2131
Behaghel; nu hier huuîlum uuind kumituuestan efto ôstan, sûdan efto nordan?
as. genesis 15
Behaghel; ih quidu iu, thaz manage ostana inti uuestana quement (
dico autem vobis, quod multi ab oriente et occidente venient)
Tatian 247, 7
Sievers. in mhd. zeit gebraucht Wolfram v. Eschenbach
das wort noch im alten sinne: swen man westen oder osten komen sach der vant rîch lant und guot gemach
Willehalm 4, 186
Leitzmann. jedoch ist schon in vormhd. zeit die ursprüngl. bedeutung des suffixes verblaszt, und das wort kann ebenso wie in den übrigen germ. dialekten (
s. o.)
auch als adverb der ortsruhe: as. westan (
ab occasu; hier: '
im westen'; 11.
jh.)
zs. f. dt. wortf. 1, 72; aller sterren orden suden vnde norden osten unde westen
Elisabeth 217
lit. ver. und der ortsrichtung '
nach westen'
stehen: ir mogit eme (
kaiser Konstantin) werliche sagin, sin tochter si mit Rothere gevaren westene ouer mere
könig Rother 2908
Frings-Kuhnt. zum fortleben des adverbs in der seemannssprache s. 1 c.
meist wird die ortsbeziehung durch eine präposition verdeutlicht: inti quement fon ostana inti fon uuestana inti nordana inti sundana (
et venient ab oriente et occidente et aquilone et austro)
Tatian 2113, 2
Sievers; von ôstin pflag er (
der komet) strîchin hin kegn westin Nicolaus v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 15 603
Strehlke; wente brachte he jenich ghud van westen ostwart, des schal he nicht brukaftich wesen (1391)
bei Pardessus
coll. de lois maritimes (1831) 2, 458; do erschenen drey crutze yn der luft, eyn weiss crutze gein norden, eyn rotes crutze gein suden unde das dritte yn westen J. Rothe
düring. chron. 341
Liliencron. in solchen präpositionalen verbindungen konnte das adverb schon früh zum subst. im sinne von '
himmelsrichtung, gegend gegen sonnenuntergang' (1 a, b und 2)
umgedeutet werden: uuanda der uberal ist, des urteilda neinfliêhest dû fone ôstene ze uuestene, noh fone uuestene ze ôstene (
neque ab oriente neque ab occidente; ps. 74, 7) Notker 2, 302
Piper (
das adverb müszte bei Notker
nach analogie von nordenân, sundenân, ôstenân
wohl westenân
lauten); so ferro daz ôstenast (
lies: ôsten ist) fone demo uuestene, so ferro habet er fone uns ketân unseriu unreht (
quantum distat ortus ab occidente, elongavit a nobis iniquitates nostras; ps. 102, 12
) ebda 430; uuestin occidens (13. jh.) ahd. gl. 3, 606, 24 St.-S. demgegenüber ist das wort in der schon ahd. bezeugten bedeutung 'westwind' (3) eine verkürzung aus westenwind (s. d.). die möglichkeit, dasz das substantiv in den bedeutungen 1 und 2 von der kurzform westen und nicht von präpositionalen verbindungen seinen ausgang genommen habe, die an sich denkbar wäre, verliert durch das vorkommen des neutr. nur in den bedeutungen 1 und 2, nicht aber in 3 (s. unten), stark an wahrscheinlichkeit. westen im sinne von 1 und 2 ist im ahd., dem entscheidende belege fehlen, entsprechend der ôsten Notker 2, 636
P.; daz ôstenast (zu lesen: daz ôsten ist) ebda 430 als masc. und neutr. anzusetzen. neutr. gilt mnd. (belege s. zs. f. dt. wortf. 7, 89), spätmhd.: uf daz westen väterbuch 15 879 Reissenberger; ebenso in frühnhd. zeit (bes. in quellen aus dem nd. raum): ins westen (1538) Kantzow
chron. v. Pommern 2, 27
Gaebel; Grimmelshausen 2, 663
Keller; Manson, seebuch (1701) 18; heute noch in nd. maa.: de sünn geit na 't westen Mensing
schlesw.-holst. 5, 605
. masc. genus, das sich im 18. jh. durchsetzt, ist zufrühest gesichert bei Fleming
: in unsern westen dt. ged. 202 lit. ver. im sinne von 3 scheint stets masc. gegolten zu haben, wenn auch sichere zeugnisse fehlen. vgl. dazu: gegen einen strengen norden 'nordwind' Fleming
dt. ged. 264
lit. ver. — neben der heute allein üblichen starken flexion: gen. sg. westens, dat. sg. westen (belege s. unter 2) begegnet im 19. jh. noch ein sw. gen. sg.: des westen (zu 2 a) Stifter
s. w. 1 (1904) 149
. im sinne von 3 kennt westen nur sw. flexion; dort allein ist auch der pl. belegt. bedeutung und gebrauch. 11)
abstrakt: die himmelsrichtung gegen sonnenuntergang. 1@aa)
in allgemeiner verwendung als annähernde richtungsbezeichnung (
an frühen belegen hierzu Notker 2, 302
und ahd. gl. 3, 606, 24,
s. oben): westen oder sunnenuntergangk
occidens voc. teuth. (
Nürnberg 1482) oo 1
a;
west, westen,
m. occidente, ponente Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1337
b; westen (der)
occidens Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 985.
im textzusammenhang gewöhnlich in fügungen mit präposition, die —
soweit der bestimmte artikel gebraucht wird —
in ihrem sinngehalt ins konkrete (2)
hinüberspielen: 'westen ...
wird ... nur mit einigen präpositionen gebraucht. der wind kommt aus westen. es ziehet sich ein gewitter in westen zusammen. gegen westen fahren, segeln. ...
als ein substantiv, folglich mit dem artikel, kommt es nur zuweilen bey den dichtern vor' Adelung 5 (1786) 190; (
die provinz) czuhit sick kegin dem westin XX tage reyse
d. md. Marco Polo 29
Tscharner; ze hand legt er sich auff die erden als ein toter, das houbt gegen westen
winterteil d. hl. leben (1471) 127
a; (
die Deutschen) haben doch für sich selbs auch allain ... nit ein clain tail in Gallien ehem des Reins gegen westen (
ca. 1533) Aventin
s. w. 4, 55
akad. (
daneben: gegen nidergang
ebda 53); kombt er (
der wind) ausz westen, so trawe jm nit Albertinus
guld. sendtschr. (1603) 2, 239
a; die stadt Alten Stetin ... ist an der Oder gegen westen belegen Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 59; ehe die sonne ihre reise von osten in's westen gethan (2.
hälfte d. 17.
jhs.)
schausp. d. engl. comödianten 181
Creizenach; wir haben alhier (
in Berlin) seither 3 tagen erschrecklichen sturmwind aus dem westen (1714)
Berliner geschrieb. zeitungen 8
Friedl.; als es (
das gewitter) in westen stund, blizte es alle 5—6 sekunden einmal Lichtenberg
br. (1901) 2, 83; ein paar habichte fliegen von westen nach osten Göthe I 24, 233
W.; die seltsam gestalteten schroffen felsen im westen schlieszen den prospekt Schiller 14, 368
G.; da das fenster nach westen ging G. Keller
ges. w. (1889) 3, 64; doch sie wohne schon lange in einem dorfe jenseits des berges, der im westen der stadt sich erhob E. Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 124; fühlte denn nur sie allein den boden schon zittern unter dem marschrhythmus der von osten und westen einander entgegenziehenden armeen? Ina Seidel
d. labyrinth (1922) 333. 1@bb)
in spezieller wissenschaftlicher, bes. auch nautischer verwendung als exakte richtungsbezeichnung: west, westen, westpunkt.
der durchschnittspunkt des äquators des himmels mit dem horizonte an derjenigen seite, wo die gestirne untergehen; er ist einer der vier kardinalpunkte, durch welche die hauptgegenden des horizonts bestimmt werden und ist 90°
vom nord- und südpunkt entfernt Bobrik
allg. naut. wb. (1850) 737. 1@cc)
in besonderer, auf den alten adverbialen gebrauch iurückgehender verwendung als absolutes richtungswort zn der nd. seemannssprache (
belege s. zs. f. dt. wortf. 7, 95
ff; zur verwendung vgl. west B 1 c);
von dort auch in hd. texte seemännischen inhalts gedrungen: (
als wir uns in küstennähe wuszten,) da suchten wir das landt (
Amerika) westen an auff (1556) Stade
reisen 107
lit. ver.; von Gross-Rogön nach Odensholmen ist der cours westen 6. meil
Manson, seebuch (1701) 20; darum musz man anlegen westen auff Widscheer
qu. v. 1717
in: zs. f. dt. wortf. 7, 95; das ist eine recht bahre klippe und streckt sich osten und westen
ebda 97.
in der nd. ma.: (in't) westen dat huus
westlich des hauses Mensing
schlesw.-holst. 5, 605.
den unter west B 1 c
als benennungen aus der 32-
teiligen windrose angeführten präpositionalen verbindungen entsprechen: van Vredestrandt thom Schagen nordt thon osten vnd südt to westen vorscheiden 7 milen
seekarte (1571) B 7
b; westen zu suden, suden zu westen, westen zu norden, norden zu westen Colerus
öconomia (1645) 21
a; (
wir) fuhren nordwesten zum westen Vischer
Robinson Crusoe (1720) 1, 59. 22)
konkreter: das, was gegen sonnenuntergang liegt. 2@aa)
der himmel gegen westen: alse he (
der komet) irschinit an dem weisten, so ist he ein zechin, daz di bosin sollin herschaft habin uber di gudin
paradis d. fornuftigen sele 30
Strauch; den stern der liebesköniginn, der aus dem westen blinket J.
M. Miller
ged. (1783) 15; stern der niedersinckenden nacht! schön ist dein licht im westen Göthe I 37, 66
W.; die sonne hat den westen purpurn gefärbt (1842) L. Schücking
s. br. 53
Muschler; in meine wimper drang des westen letzter funken A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 61.
übertragen '
untergang': auch des pabsts gestirn sank dem westen zu Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 150. 2@bb)
die gegend, das land gegen westen, vielfach die bewohner mit einschlieszend. 2@b@aα)
allgemein; z. t. noch stark zu 1 a
hinüberspielend (
als früher beleg hierzu Notker 2, 430
s. einleitung): wenn man gleich alle vier theile der welt durchsuchte, ja vom osten ins westen, vom süden ins norden lieffe Rist
friedewünsch. Teutschl. (1648) 58; ost und westen ihm (
Karl d. Gr.) zugleich für die musenstifter danken, die er selbst gegründet hat, des sich rühmen seine Franken Neumark
neuspr. teutscher palmb. (1668) 118; alle materialien (
drogen u. ä.), die von osten oder westen kommen Abr. a S. Clara
etw. f. alle 2 (1711) 378; der eine thor läszt speis und trank aus osten, süd und westen bringen Gottsched
ged. (1751) 285; dasz ich bezahle, um zu verführen, das gilt in westen, das gilt in osten Göthe I 5, 115
W.; und Spiegelberg wird es heiszen in osten und westen Schiller 2, 36
G.; in dem (
Rhein)tal ..., in der weichen verdunsteten sonne, sind die völker gargekocht worden. norden und süden, osten und westen haben ineinandergebrodelt A. Seghers
d. siebte kreuz (1950) 11.
sodann mit nennung des bezugsraums der westliche teil eines bestimmten gebietes: das wachsende kriegsglück Solimans zog seine (
d. dt. kaiserhauses) aufmerksamkeit mehr auf den osten als auf den westen von Europa Schiller 7, 64
G.; mich zieht es heimwärts ... nach dem westen Amerikas
br. von u. an Herwegh (1896) 249; die arbeiterbewegung hatte auch im westen Deutschlands, insbesondere im Maingau boden gefaszt Bebel
aus m. leben (1946) 1, 80; dieser für die agrarischen verhältnisse des deutschen westens hohe procentsatz E. Kayser
weinbau u. winzer im Rheingau (1906) 44; im Berliner westen A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 421. 2@b@bβ)
von einem geographisch mehr oder minder fest umrissenen gebiet (
und seinen bewohnern),
das in einer gegebenen historischen situation durch den blickpunkt des sprechers und den als gegensatz gedachten raum bestimmt wird, wobei der gegenbegriff die herausbildung sekundärer bedeutungselemente fördert. als begriff der kulturgeschichte das (
christliche)
abendland, der occident, (
West)
europa im gegensatz zum (
heidnischen)
orient: (
Sherley) spielte den vermittler zwischen osten und westen Göthe I 7, 199
W.; indem die cultur im osten ... zurückwich, ... ward sie im westen ... aufgenommen Ranke
s. w. (1867) 14, 4 (
vgl.: die beziehung zwischen orient und occident
ebda 3); (
das neue in der karolingischen zeit ist) nicht germanische, sondern orientalische, dem westen importierte prägung Dehio
kunsthist. aufs. (1914) 5; die reste eines kamins mit orientalischem muster, wie es die kreuzzüge nach dem westen gebracht hatten Ric. Huch im
alten reich (1927) 62.
vom blickpunkt Deutschlands seine westlichen nachbarn, bes. Frankreich: Turenne fand sein glück im westen Ch. Weise
polit. redner (1679) 107; für das anrüchig rednerische hat man im westen (
bei den Romanen) den sonderausdruck rhetorisch Klemperer
l. t. i. (1949) 59; die Russen, sagte Deutschlin sentenziös, haben tiefe, aber keine form. die im westen form, aber keine tiefe. beides zusammen haben nur wir Deutsche Th. Mann
Faustus (1948) 197.
im gegensatz zu Europa, der alten welt, Amerika, die neue welt, bes. die Vereinigten Staaten: nach dem fernen westen wollt ich steuern auf der strasze, die Columbus fand Schiller 11, 418
G.; man suchte und fand (
im Paris von 1777) seine ideale jenseit des oceans im westen Dahlmann
gesch. d. frz. revol. (1845) 71.
vom blickpunkt der ursprünglichen 13
amerikanischen bundesstaaten das (
wenig zivilisierte)
land im westen der Vereinigten Staaten: legionen sind auf dem wege nach dem westen W. Raabe
s. w. I 5, 123; Carl May die helden des westens (1890)
titel. z. t. als mittlerer (mittelwesten E. Loest
d. westmark fällt weiter [1953] 5)
und ferner westen
unterschieden: (
er) war entflohen nach dem fernen westen, nach Texas W. Raabe
s. w. I 5, 123; Carl May das goldlager. eine erzählung aus dem fernen westen (1890)
titel. durch die abenteuerliteratur als wilder westen
bekannt geworden: die wichtigste aufgabe der Vereinigten Staaten von Amerika (
nach dem unabhängigkeitskrieg) ... war neben der festigung der nationalen einheit die besiedlung des 'wilden westens'
d. gr. Brockhaus 19 (
151934) 478; der junge mann (
erhält) anstellung bei einer eisenbahngesellschaft und geht in ihrem auftrag zu vermessungsarbeiten nach dem wilden westen H. Stolte
d. volksschriftsteller Karl May (1936) 83.
dazu die komposita: wildwestfilm, wildwestroman.
die entdeckung der goldfelder in Kalifornien 1848
führt zu der bezeichnung goldener westen: das mädchen aus dem goldenen westen
operntitel (1910).
in den im laufe der kapitalistischen entwicklung entstehenden groszstädten, bes. Berlin, der (
vornehme)
westliche stadtteil P. Lindau der zug nach dem westen (1886)
titel; der erste wagen hielt im westen (
Berlins) vor einem anständigen haus H. Mann
d. untertan (1949) 40; (
Daisy) war vom osten der stadt langsam über das zentrum zum westen aufgerückt Ernst Wiechert
missa sine nomine (1950) 429.
aus der situation der weltkriege 1914—18
und 1939—45
der westliche kriegsschauplatz: E.
M. Remarque im westen nichts neues (1929)
titel; jetzt sammeln sie im westen ein heer an, wieder mal das gröszte der welt, Deutschlands letztes A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 56; sie hatte sich doch schon seit jahr und tag dem Jode-Kaspar versprochen, der bei der feldartillerie im westen stand O.
M. Graf
unruhe (1948) 36.
aus der situation des nach 1945
geteilten Deutschland dessen westlicher staat (
entsprechend im geteilten Berlin dessen westliche hälfte).
im weltmaszstab die unter führung der USA, Englands und Frankreichs stehende staatengruppe (
mit bürgerlicher gesellschaftsordnung)
im gegensatz zum osten,
der unter führung der Sowjetunion stehenden (
sozialistischen)
staatengruppe: fehlt es im demokratischen Berlin an geschmack, an linie? unsere modeschöpfer haben keine schlechteren ideen als ihre kollegen im westen
BZ am abend (16. 5. 1956) 5
b; selten hat mich ein film so beeindruckt wie dieser ... auch ich muszte im westen einmal arbeit suchen, genau wie der Hans
ebda (19. 6. 1956) 6
a; (
der erfinder) ist aus verärgerung nach dem westen gegangen, und jetzt erscheint es (
das medikament) im westen
sonntag (6. 5. 1956) 4; eine neue lage ..., die der westen ... positiv mitgestalten kann
deutsche woche (11. 3. 1959) 1
d; für den frieden eintreten, sei es von seiten des ostens oder des westens, ist, davon bin ich überzeugt, ein schritt in der richtigen richtung (
worte Charlie Chaplins)
Neues Deutschland (18. 4. 1959)
beilage 2
a. 33)
der wind aus sonnenuntergang, der westwind. ahd. in glossen gut bezeugt, verkürzung aus uuestanuuind:
zephirus uuestan (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 57, 21
St.-S.; zephyri uuestan (11.
jh.)
ebda 63, 39;
fauonius vuesten (12.
jh.)
ebda 3, 608, 31.
vgl. auch die komposita: threicio a Tracia northuuestan (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 55, 42
St.-S.; austerafricus sundanuuestan (11.
jh.)
ebda 3, 608, 8.
in frühnhd. zeit hat sich westen
gegenüber gleichbedeutendem west B 3 (
s. d.)
nur schwach behaupten können (
vgl. auch die zss. südwesten 3
teil 10, 4,
sp. 994): westwind,
m., westen
vento di ponente, zefiro, favonio Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1337
c; norden, osten, süd und westen blasen den berauschten gästen kühle, linde lüfte zu (1632) Fleming
dt. ged. 296
lit. ver.; wenn auf ihr (
der najaden) feuchtes haar die truncknen westen wehn
ebda 505; die rose von dem warmen westen getrieben, bükkt sich mit gefahr zu ihres dornes wilden ästen (1660) Stieler
geharnschte Venus 31
ndr.; Eolus, der alte gehet, hemmet seiner knechte lauff und lässt keinen von so vielen als die linden westen spielen Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 522.
vom 18.
jh. an gilt dann in diesem sinne allein west;
vielleicht —
wenn nicht zu 1 a
zu stellen —
gehört noch hierher: westen mag die luft regieren sturm und fluth nach osten führen Göthe I 3, 362
W 44)
zusammensetzungen. als älteste kompositionsbildungen mit dem adv. westan(a)
in dessen grundbedeutung '
von westen'
haben die windbezeichnungen zu gelten: westanwint (
s. westenwind;
vgl. das spät bezeugte westenluft) '
wind von westen'
; ferner mit ellipse von -wind (
vgl.westen 3):
africus lips westansundan (11.
jh.)
ahd. gl. 3, 608, 10
St.-S.; libonothus, auster africus sundanuuestan (11.
jh.)
ebda 8;
choro uuestannord (10.
jh.)
ebda 2, 55, 40;
argestes chorus westannord (11.
jh.)
ebda 3, 608, 19;
threicio a Tracia northuuestan (10.
jh.)
ebda 2, 55, 42;
circius tracias norduuestan (11.
jh.)
ebda 3, 608, 22.
andere zusammensetzungen mit westen-,
die gegenüber denen mit west-, wester-
im dt. stets selten bleiben, konnten erst entstehen, nachdem die grundbedeutung des alten adverbs verblaszt war. westen-
komposita sind in der schriftsprache bis ins 18.
jh. hinein gebräuchlich, später erscheinen sie nur noch gelegentlich aus metrischen gründen (
s. Arndt
unter westenwind; Gerok
unter westenzu).
allein steht das genitivkompositum westensglut (
zu westen 2 a) Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 575.
produktiv sind seit dem 18.
jh. allein noch die west-
bildungen (
s.west B 4).
in eigennamen begegnet westen-
seit dem 9.
jh. siehe Förstemann-Jell.
altdt. namenb. 32, 2, 1284
f. vgl. ferner: van Westonfelda
Freckenhorster heberegister bei Wadstein 39; Westingybel (
Dreieich 1338)
weisth. 6, 396
J. Grimm; Marquard Westensee (1346
Lübeck)
städtechron. 19, 506; Westensee Mensing
schlesw.-holst. 5, 606; Westenhiəlweg Woeste-
N. westf. 321
a; Westenberg, -feld, -holz Fischer
schwäb. 6, 727.
die appellativa sind meist bildungen zu westen 1 a: (
vgl. die entsprechenden west-
komposita): westenland
Daniel 6897
Hübner; Tiedge
w. (1823) 2, 212; -meer
voc. teuth. (
Nürnberg 1482) oo 1
a; Claus Cranc
prophetenübers. 371
Ziesemer; Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 195; -reich Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 444; Herder 25, 472
S.; -seite Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 227; -tor Ziegler
asiat. Banise (1689) 351; -wärts (
s. d. an alphabet. stelle).
vereinzelt sind bildungen zu westen 2a: westenstern Lohenstein
Arminius (1689) 1, e 3
und zu westen 3: westenhauch Harsdörffer
poet. trichter 3 (1653) 179.