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verlassen

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verlassen verb.

Bd. 25, Sp. 725
verlassen, verb. zurücklassend entfernen, aufgeben. weit verbreitetes wort: goth. fraletan, isl. forláta, schw. förlta, n. forlade, ags. forlætan, alts. farlâtan, mnd. vorlâten, ahd. far-, fir-, fer-, for-, fur-, verlâʒan, -laʒʒan, mhd. verlâʒen. nhd. verlassen, mit verkürztem stammvocale im schriftmäszigen deutsch. in den mundarten mitunter noch länge, z. b. im bair. Schm. 1, 1506 Frommann. auch manche reime scheinen auf länge hinzudeuten, z. b.: o flämmlein süsz ohn maaszen, o bitter auch ohn ziel, du machest mich verlassen all ander freud und spiel. Spee 7, 41 Balke. vielleicht weist auch die im nhd. so häufige schreibung verlasen neben verlassen auf schwankende aussprache hin. nebenformen zu verlassen werden in den idiotiken wenige aufgeführt, aus unsern schriftdeutschen belegen sind gar keine nachzuweisen. da aber das einfache lassen in den mundarten mancherlei eigenthümliche gestaltungen annimmt, so ist nicht zu zweifeln, dasz auch von verlassen mancherlei wandlungen in der sprache des gemeinen mannes vorkommen, dasz also z. b. der Schwabe den vocal verdumpft und verlauszen, der Schweizer verlôsen, verlossen sagt, auch wird man in Mitteldeutschland verlûs mitunter hören können, da lûs statt liesz daselbst nach falscher analogie gebildet vorkommt, s. th. 6, 1, 214, vgl.da verlusz ihn das fieber; und da verluszen sie ihn. Frischbier 2, 453 (vermutlich, wenn der preuszische bauer hochdeutsch zu sprechen versucht). die schwache form des part. zeigt sich: daz von uns vorteidingid und vorlassit ist (erlassen ist) .. umme solchin irrithum. Weim. staatsarch. (Reinhardsbr.) 1434. die älteren einfachen bildungen verlân, die wir uns contrahierte formen zu nennen gewöhnt haben, sind im älteren mhd. zahlreich vorhanden, im nhd. im aussterben begriffen. nhd. lassen sich folgende formen nachweisen: präs. 1. pers. ich verlan. H. Vogtherr bei Ringwaldt g. l. 137; du verlast Keisersberg spinnerin O b; er verlat (: gat) Hutten 5, 62 Münch; er verlot (: tod) Fischart dicht. 2, 63, 2353 Kurz; part. prät. verlahn Wackernagel kirchenl. 2, 1165, 11 (1584); verlan Brant narr. 73 (74), 27 Zarncke. die belege vollständig abgedruckt s. unten. die zusammensetzung hat die bedeutung des einfachen wortes nicht wesentlich geändert. aber ver hat den ausdruck von lassen verstärkt, auch ist das compositum nicht für alle bedeutungen des einfachen zeitwortes in gebrauch getreten, endlich ist ersteres durchaus transitiv. die grundbedeutung ist 'einen lasz machen, zurückstehend, zurückbleibend machen'. aus dieser grundbedeutung lassen sich die einzelbedeutungen nicht unschwer ableiten. wir betrachten erstens die bedeutungen, die meist nur mit einem objecte stehen, dann diejenigen, welche dem objecte noch den dativ der person beifügen, endlich das reflexiv. 11) sinnlich, allein lassen, zurücklassen. ahd. firlaʒ sine Steinmeyer-Sievers 1, 247, 19; firlaʒʒu omitto. 1, 220, 7; farleiʒa, farleaʒ deserebat. 1, 277, 23; mhd. verlaszen, verlasen, verlaiszen, verlossen, nd. vorlaten linquere Dief. 332a. nhd. 1@aa) mit sächlichem objecte: auch die engel, die jr fürstenthum nicht behielten, sondern verlieszen jre behausung, hat er behalten. Luther 2, 419; der umb meines willen nicht ehre, leib und gut verlassen darff, der ist nicht ein warhafftiger christ. 2, 8b; wer einerley verlesset, der sol es hundertfeltig wider haben auff diser welt und dazu das ewige leben. 3, 295; da stehet für augen das elende wesen, sünde, tod und helle und was man verlesset in diesem leben. 4, 99b; es ist niemand, so er umb meinen willen und umb des evangelii willen verleszt haus, bruder, schwester, vater, mutter ... ders nicht hundertfeltig empfahe. 6, 16b; wie ein hoher gottesdienst es ist, den sie so schendlich verachten oder so feuliglich verlassen und verseumen. 6, 34; wer da verleszt heuser, brüder oder schwester .. oder ecker umb meinen willen .. der wirds hundertfeltig haben. 7, 51b (Matth. 19, 29); der glaube thue es nicht allein, man müsse sich anders angreiffen, alles verlassen. 7, 135; wann sie disz lebens wollusts .. mer verlaszt, dan sis verlassen, idoch so das leben und wollust sie verlaszt, dann so folgen hernach die himmlischen freud. Frank Erasm. lob d. thorh. 34b; ich weisz er ehe sein leben verlassen wird, denn sich disz hofs entschlagen. buch d. liebe 248, 1; die alten sitten, gewonheiten und breuch verlassen, antiquos mores deserere. Maaler 413c; mein camerad .. seufftzete vergeblich nach den gersten suppen, die ihm hiebevor seine eltern zum besten verordnet, er aber verschmähet und verlassen hatte. Simpl. 1, 233, 19 Kurz; ich aber stund da wie ein stockfisch und meynte nicht, dasz seine liebe seele den leib gar verlassen haben solte, die weil ich ihn öffters in der gleichen verzuckungen gesehen hatte. 1, 44, 33; Werther hatte ... nie ein geheimnisz daraus gemacht, dasz er sich diese welt zu verlassen sehnte. Göthe 16, 183; der entschlusz, die welt zu verlassen, hatte in dieser zeit .. in Werthers seele immer mehr kraft gewonnen. 16, 154; in dieser überzeugung kann ich ohne unruhe diese welt verlassen. H. Heine 9, 20; die welt han sie verlassen. Wackernagel kirchenl. 2, 1125, 1; nun gesegn dich gott der schöpffer weisz, du wunigkliches paradeisz, das mir eygen bereytet was! mit hertzenleyd ich dich verlasz. H. Sachs 1, 9 (1, 49, 17 Keller); gott gesegn dich all wollustbarkeit, so ich hie hett in dieser zeit! heut musz ich als zeitlich verlan. 2, 3, 68 (8, 256, 29 Keller); als die wieder in Griechen kamen, verlieszens ir wonung allsamen und wonten darnach zu Sparta. 2, 3, 184 (8, 720, 13 Keller); du machest mich verlassen all ander freud und spiel. Spee 7, 43 Balke; einst lebt ein mann, der nie das haus verliesz, wenn sich der himmel schwärzte. Gotter 1, 315; auf! verlasz du taubenfrommes mädchen heut einmal dein buntgemaltes rädchen. Göckingk 3, 34; kaum dasz sie das zimmer des monarchen verlassen hatten, ward mir angekündigt, nach Brüssel abzugehen. Schiller don Carlos 2, 5; mit geberden eines wüthenden sah ich ihn eben diesen saal verlassen. 2, 3. kunstausdruck in der jägersprache: die fährte verlassen, von ihr ablassen, ehe der jäger kommt; der bär verläszt das loch, seine höhle. Kehrein weidmannsspr. 305. mit personification eines gegenstandes: der weg verläszt die allee. Göthe 43, 80. ähnlich verlassen, liegen lassen, bei seite lassen: bey Bethphage dem dorff das man doch zur lincken handt ein steynwurff verläszt. Frank weltbuch 173a. 1@bb) mit persönlichem objecte (lebende wesen): darumb wird ein man seinen vater und seine mutter verlassen und an seinem weibe hangen. 1 Mos. 2, 24; denn mein vater und meine mutter verlassen mich, aber der herr nimpt mich auff. psalter 27, 10; gut macht viel freunde, aber der arme wird von seinen freunden verlassen. sprüche 19, 4; deinen freund und deines vaters freund verlas nicht. 27, 10; ein miedling, der nicht hirte ist .. sihet den wolf komen und verlesset die schafe. Joh. 10, 12; Demas hat mich verlassen und diese welt lieb gewonnen und ist gen Thessalonich gezogen. 2 Tim. 4, 9; die weinende Psyche nimmt wie eine sterbende abschied und ihre eltern verlassen sie trauernd. Herder lit. u. k. 11, 452 (1821); .. sprach leise mit thränen: ich verlasse Amalia, ich weis nicht, mir ahnets als sei es auf ewig, verlasz sie nicht, bruder! Schiller hist.-krit. ausg. 2, 54 (räub. 1, 3); warumb treibstu ausz mir den spott und verliest mich in meiner noth? H. Sachs 2, 1, 8 (6, 51, 23 Keller); der kan sein treues weib und kinder nicht verlassen, und jeglicher bemüht mit sich etwas zu fassen, das ihm für allen lieb. Opitz 1, 33; das nicht, ruft Scherasmin, der tod schmeckt immer bitter, allein ein schelm, der seinen herrn verläszt. Wieland Oberon 2, 13; und jetzt verlaszt mich! Schiller don Carlos 3, 10; so musz ich dich verlassen, von dir scheiden! Wallenst. tod 2, sc. 22; vergaszest du, wer deine kindheit pflegte? um deinetwillen freunde, vaterland und kind verliesz? 627b (Phädra 3). 1@cc) zurücklassen: man sagt Pfalcz, Trier und Hessen sollen wieder heimgezogen sein und uber 200 pferde zu Creutzheim und andern orten umb Eberberg verlassen uff Franczen zu streuffen. Weim. ges.-arch. 1522; verlassen ein mädchen, untreu werden, seine braut verlassen. dann sein weib oder seinen mann verlassen: Joseph aber jr man war from und wolt sie nicht rügen, gedacht aber sie heimlich zu verlassen. Matth. 1, 19; vgl. ein wortzeichen sult ir tragen, daʒ muoʒ bewarn (wahrmachen) mir den man, den ir valschlich habt verlân. ges. abent. 2, 343, 228. einen verlassen, mit näherer bestimmung: kaum war die sonne angebrochen, verliesz ich meine zechbrüder in tiefstem schlafe auf dem strohe liegend. Simpl. 2, 271, 11 Kurz; (Serlo) bat Wilhelmen um schleunige entscheidung und verliesz ihn in nicht geringer aufregung. Göthe 19, 126; in der gefährten treuer hand verlasz' ich Julus und Anchisen. Schiller 37a. 1@dd) mit personification lebloser begriffe: es haben mich meine sünde ergriffen .. und mein hertz hat mich verlassen. psalter 40, 13; mein hertz bebet, meine krafft hat mich verlassen. 38, 11; und er trat zu jr und richtet sie auff und hielt sie bei der hand und das fieber verlies sie bald. Marcus 1, 31; das fieber hat ihn verlassen. Stieler 1077; eher soll ihr schatten sie verlassen. Lessing 1, 595; das gefühl, welches das subject antreibt, ihn (den bisherigen zustand) zu verlassen, (ist) unangenehm. Kant 10, 280; itzt weisz ich von dem allen nichts. meine sinne hatten mich verlassen. Lessing 2, 137; es sind alle anstalten gemacht, dasz ich es (das buch) so bald bekomme, als es die presse verlassen haben wird. Kant 10, 458; er stirbt, die stimme verliesz sie. Klopstock Mess. 7, 493; das leben, das die starren glieder vor schrecken schon verlies, gibt ihr die liebe wieder. Wieland 2, 29; zu früh verläszt ihn (den menschen) laun' und scherz. Gotter 1, 436. 22) der abstraction sich nähernd: so sol einer gewitziget werden, der gott verlesset und dem teufel folget. Luther 4, 30b; und verlieszen den herrn, jrer veter gott und folgeten andern göttern nach. richter 2, 12; aber es ist itzt zeit, dasz wir nach dem exempel Homeri, verlasende die himmelischen wiederumb auf das erdtreich spaciren. Frank Erasmus lob d. thorh. 12; für war, du hast thörlich gethan, dasz du die kron namest und disz königliche kleidt verlieszest, deszgleichen sonst nirgend zu finden. Kirchhof wendunm. 4, 320 Österley; ich hatte mich oft gewundert, dasz die grade auf die wahrheit führende bahn des Aesopus so sehr verlassen werde. Lessing 5, 356; nein, sondern dieses ist sein rath, dasz der, so ihn verlassen hat, durchs unglück wiederkehre. P. Gerhard 9, 20 Gödeke; wohl weisz ich, dasz man gott nicht dient, wenn man die ordnung der natur verläszt. Schiller hist.-kr. ausg. 12, 449 (M. Stuart 2, 2). einen verlassen, aufhören von ihm zu sprechen, schreiben: hier musz ich Klotzen verlassen, denn er redet von einem possenreiszer, den ich nicht kenne. Herder lit. u. k. 21, 32 (1821). gleichfalls in sinnlicher bedeutung, doch an lassen loslassen, fortlassen, anschlieszend. während in den obigen bedeutungen das subject als sich fortbewegend, das object als am orte verbleibend gedacht wird, entsteht hier die trennung durch fortschaffen des objectes und zurückbleiben des subjectes: darnach verliesz er sie von dem sattel auf die erden. Magelone 16d. das wort in dieser nhd. sehr seltnen bedeutung ist ein überrest von einer im mittelalter weitverbreiteten verwendung; von liuten unt von hunden der schal was sô grôʒ, daʒ in dâ von antwurte der berg unt ouch der tan; vier und drîʒec ruore die jägere hêten verlân. Nibelungen 949, 2 Holtzm. 883, 2 Lachm. die augen einem verlassen, die augen von einem wegwenden: als nun der keiser .. gegen den kurfürsten kam, neigede derselb sich tief, aber der keiser vorlies ime die augen nicht, so lang er jne absehen konte und lachede gar schimpflich. Sastrow 2, 35. 33) abstract, aufgeben, dahingeben, abrenunciare Dief. 4b; weltliche priester .. jren stand verlieszen und in die müncherey liefen. Luther 6, 23b; daraus greiffe nu ein iglicher fromer christ aus was ursachen der grob unvernünfftige man mich meineidig schilt, darumb das ich solch lesterlich gelübde verlassen habe. 6, 25; derhalben etliche .. jren ehestand, etliche andere löbliche empter verlassen und haben mönche leben angenomen. 6, 374b; verläst ein kriegsmann seine schuldigkeit. pers. baumg. vorr.; viel erbahre leuthe gerathen armuth halber in laster, verlassen ihre ehre und gottseligen wandel. pers. rosenth. 88b; dann das leben, so ihr habet, ist nicht euer leben, sondern euer leben oder der tod wird euch erst gegeben, wann ihr die zeitlichkeit verlasset. Simpl. 2, 68, 6; als aber der vater starb, muszte er (der sohn) die studia verlassen. Schuppius 496; ich verliesz jedoch sogleich dieses gespräch, so angenehm es mir auch seyn mochte. Göthe 25, 354. mit folgendem infinitiv: nun wöllen wir hie verlassen von dem könig jetzt weiter zu sagen, und wöllen uns wenden unnd sagen von der schönen Magelona .. Magelone 38, 2; ob nun wol mir .. nicht zweiffelt, gedachtes vitzthumbs söhne .. werden umb solch lehen .. anzusuchen keinesweges verlassen. Weim. staatsarchiv (Weimar) 1612. 44) einen verlassen, mit der nebenbedeutung 'einem seinen schutz entziehen, im stiche lassen, preisgeben, unbeschützt zurücklassen': 4@aa) mit persönlichem objecte: denn wo gott umb unsers undancks willen nicht so gar uns hette verlassen, were es nicht möglich, das .. Luther 2, 59b; was ists denn wunder, das er uns verlesst, und in irrthum fallen, die wir sein gebot verlassen? 2, 35b; dazu hat er sich verborgen, das er nicht allein uns verlesst, sondern lesst sich auch nicht finden .. in der grewlichen widerwertigkeit. 2, 60; dadurch jr sicher seid, das euch gott nicht verlesset, sondern für euch sorget. 2, 377; ich wil dich nicht verlassen, bis das ich thu, alles was ich dir geredet habe. 4, 155; vater wie hastu mich verlassen. Frank Erasmus lob d. thorh. 98; gott verleszt die seinen nit. sprichw. 26, 67 Latendorf; wer ist der erste, der seinen hauptmann in der noth verläszt? Schiller hist.-krit. ausg. 2, 107 (räub. 2, 3); reizt meinen grimm nicht, ich verlasz euch im tode. 2, 73 (räub. 2, 2); so wahr meine seele lebt, ich will euch niemals verlassen. 2, 119 (räub. 3, 2); so wahr mich gott im letzten hauch nicht verlassen soll! der augenblick, der diese zwo hände trennt, zerreiszt auch den faden zwischen mir und der schöpfung. 3, 413 (kab. u. l. 2, 5). mit personification unpersönl. begriffe: es haben mich meine sünden ergriffen, das ich nicht sehen kann .. und mein hertz hat mich verlassen. psalm 40, 13; wie diesen (Rousseau) die phantasie fast immer irre führte, so verläszt jenen nie sein guter verstand, sein unermüdlicher fleisz. Herder gesch. u. phil. 10, 253 (1821); wenn unschuldt mein sie musz jetzt dran, wil gott sie darumb nit verlahn, solchs hat er ie und allweg gethan. Kirchhof wendunm. 4, 268 Österley; allein der witz, den sie als weib bekommen, verläszt sie nicht in dieser noth. Wieland 18, 295. 4@bb) mit sächlichem objecte: es daucht sie unglaublich, das gott die welt so lange verlassen solt haben. Luther 2, 13b; 55) zahlreich sind die participien und participialconstructionen, welche sich an diese bedeutung anschlieszen. die participien sind entweder ächte participien (tragen noch verbalen character): also dasz sie nicht bedorfften, sich an eine verlassene soldatenhur zu hencken. Simpl. 3, 49, 9; die gute wittwe .. als welche von aller welt verlassen, dannenhero auch die heilige schrifft sie männiglichen .. so hoch befihlet. Philander 1, 78; sei du ruhig, sie ist nicht das erste verlassene mädchen und nicht das erste, das sich getröstet hat. Göthe 10, 54; ein verlassenes geschöpf mehr in der welt! werden sie sagen. sie .. denken: wie gebärdet sie sich bei .. der untreue eines mannes. 19, 86; verblutend, steht er da, verlassen und gebunden im öden wald und stirbt den langen martertod. Wieland Oberon 10, 16; schlummernd lagen wies und hain, jeder pfad verlassen; niemand als der mondenschein wachte auf den straszen. Lenau 192 (1834); denn es .. beginnet das hertz zu treffen, das er so gar jemerlich sol verlassen sein. Luther 7, 121b; Charlotte .. war auch diesmal von ihrer guten gabe nicht verlassen. Göthe 17, 47; ja hat es nicht sogar menschen gegeben, die von allem gefühle so ganz verlassen waren, dasz sie das ganze leben und wesen der sterblichen für ein nichts .. erklärt haben? 18, 81; und nun .. wenn sie sich verlassen sieht, verstoszen und verschmäht .. und er ihr, statt des süszen bechers der liebe, den bittern kelch der leiden hinreicht. 19, 78; aber wie niedrig ist der mann, der verlassen vom eigenen werth .. die unbeschirmte seele .. wegschleppen .. sehen kann. J. Paul 22, 177; o herr, wenn wir dein hilff nit han, so sind wir hie und dort verlahn. Wackernagel kirchenl. 2, 1165; o ir götter laszt euch erbarmen, erst sind verlassen gar wir armen, weil unser kempffer all erliegen. H. Sachs 2, 3, 4 (8, 16, 15 Keller); ohn dich ich gar verlassen bin und musz ohn hülff zu grunde sincken. 2, 4, 47 (9, 200, 23 Keller); als trosts ich nun verlassen bin. Ayrer l. v. Tarquin 43a; wie steht die waise stadt, wie steht sie so verlassen? Opitz 3, 30; mein freund, das plumpe messer (des anatomen) tappt vergebens verlasznen spuren nach des flücht'gen lebens. Lenau Faust 11. oft ist das particip schon wirkliches adjectiv geworden und drückt eine dauernde eigenschaft aus: einsam, schutzlos, ohne dasz an die handlung des verlassens gedacht wird (doch nicht immer vom vorigen streng zn scheiden): ein elender, verdampter, verlassner sünder. Luther 1, 15b; meine hochverehrte frau landsmännin vergebe mir, wann ich als ein verlassener fremder in die forcht gerathe, man wolle mich sonst hintergehen. Simpl. 1, 369, 22; dasz er ein armes verlassenes weibsbild in seinem hause wider ihren willen .. 3, 64, 20; ein stummer mensch, der in seiner seele kein wort denken könnte, wäre das traurigste, verlassenste geschöpf der schöpfung. Herder gesch. u. phil. 2, 115 (1821); das zettergeschrey verlassener mütter heult deinen versen nach. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 101 (räub. 2, 3); ich bitt auff trawn, ir wölt mich verlassnen witfrauen anhören gnediglich mein klag. H. Sachs 2, 3, 25 (8, 96 Keller); der gieng fort und seufzte bei sich verlassen und einsam. Klopstock Mess. 2, 762; da erkannte der bange verlassene Samma seinen retter. 2, 152; aber du warest schon da, schon trug vorellend die gnade dein verlasznes geschöpf auf treuen allmächtigen flügeln, dasz er nicht sank. 2, 146. besonders oft die verbindung von gott verlassen: Nembroht zuom erst fing jagen an, dann er von gott was gantz verlan. Brant narrensch. 73 (74), 27 Zarncke; heiszt das nicht verlassen von gott, so mag der teufel auch rhümen, er sei noch nicht verlassen von gott. Luther 7, 42. substantivisch: nicht lange hörte der jäger, dem die vorsorge für die verlassenen von seiner schönen herrschaft ernstlich anbefohlen war, dem streite mit geduld zu. Göthe 19, 48; er war ein obdach der waysen und der port der verlassenen. Schiller hist.-kr. ausg. 2, 174 (räuber 5, 1); sei der verlasznen vater, der irrenden berather. P. Gerhard 20, 45 Gödeke; (das eiland, wo) ein verlassener von allem, was er liebet, der pflichten schrecklichste durch stilles dulden übet. Wieland Oberon 10, 1. 66) verlassen, überlassen, mit objectsaccus. und angabe des, dem man etwas zukommen läszt: hingeben, überlassen. einem etwas (dat. d. person): meinen fried gib ich euch, meinen fried verlasse ich euch. Reissner Jerus. 1, 5a; zu Brunhartshauszen ist die schäferey nicht der gemein, sondern gewiszen persohnen verlaszen. Weim. staatsarch. (Fulda) 1619; zu vergnügungen verlasz' ich euch die sorge für die heerden, für die wolle, fürs gefieder. Herder Cid 48; erkenne dich! auf deiner weiten flur ward deine brust der pulsschlag der natur. erfüllen sollst du, was sie laut verhiesz, einholen, was sie dir zu thun verliesz. Herder lit. u. k. 12, 139 (1821). mit umschreibung der person der man etwas überläszt: was für händen verläszt der so treulich bewirthete gastfreund, o was für händen verläszt er nun die arme verlorene Dido. Bürger 249a. verlassen nimmt die bedeutung 'käuflich überlassen' an. so im nd., z. b. Dähnert (Pommern) 523, aber auch oberd. zu verlassen sein, zum verkaufe stehen. Zaupser bair. oberpf. id. 80 (1789). ebenso die bedeutung 'verpachten': zu Venedig ein centelon, ein mechtig reicher edelmon, der gar vil eigner häuser het, die er umb zinsst verlassen thet. H. Sachs 4, 3, 64b; vgl. belege älterer zeit bei Lexer 3, 153 u. Schm. 1, 1510 Fromm. durch präpos. beigefügt: gott aber vorlässit ihn nit in seine hände. Luther br. 2, 79; den gastwirthen zu erlauben zu schlachten, soviel sie wollen, auch was sie nicht brauchten an andre zu verlassen. Weim. staatsarchiv (Eisenach) 1719; es hat dr. J. C. Schröter .. bey der Juristen facultät zu Jehna nachgesuchet .. dasz ihm erlaubet werden möchte, sein lehensguth zu Wickerstädt an einige dasige unterthanen zu verlassen. Weim. staatsarchiv 1723. mit zu ergänzender bezeichnung der person: zu mehrerer bekanntmachung des werks bin ich gesonnen bis zu ablauf dieser sechs wochen, einen thaler vorschusz anzunehmen, für welchen es zu gesetzter zeit den herrn pränumeranten ohne nachschusz eingehändiget werden soll. nach verlauf dieses termins werde ich es unter zwey thaler nicht verlassen können. Lessing 4, 475; sechs fläschchen mit thränen der heiligen Magdalena wurden einzeln verlassen, und nach meiner einsicht weit unter ihrem werthe. Thümmel 3, 275. 77) verlassen, hinterlassen, übriglassen. mit persönlichem objecte (weib. kinder): wann wer untestirt abstirbt, und nach ihm kein bruder oder schwester, sondern seiner brüder oder schwestern kinder in ungleicher zahl verläszt .. verordn. Karls V. in neue sammlung der reichsabsch. 2, 301; wann es sich begebe, dasz obermeltter Marcus von Hain versterben und ermeltte seine hausfrau nach sich verlassen werde. Weim. staatsarch. (Dresden) 1575; ein bauer verliesz ein hübschen jungen sun. Pauli sch. u. ernst 24 Österley; beszer ist es, dasz wir sterben, denn von euch als wittwen und waisen verlassen werden! Kirchhof wendunm. 5b Österley; da dessen acht söhne, die er nach sich verliesz, ihres vaters tod rechen wollten. Micrälius a. Pommern 2, 202; Brennus verliesz unterschiedene söhne. Lohenstein Armin. 1, 784; in demselben jahre starb auch marggraf Dieterich zu Missen und verliesz eine junge wittbe frau Gutten. Spangenberg Henneberg. chron. 188 (1755); er hat drey söhne nach sich verlassen. Weim. staatsarchiv 1745; nun hett sein bruder verlassen gleich zwen sön, welche noch kinder waren. H. Sachs 2, 3, 135 (8, 525 Keller); wer aber hinter im verlot ain rächer der ist nicht gar tod. Fischart 2, 63, 2353 Kurz. mit object. acc. und dat. d. pers.: wem verlaszt ihr eure töchter? Herder 3, 221. mit näherer angabe des ursprungs: sie vorlies von jrem unartigen ehemanne 2 kinder. Sastrow 1, 27. bildlich: sondern das .. sich erfindet, das sie die alte kirche und jren alten breutgam als ein ertzteufelhure verlassen. Luther Hans Worst 24 (neudruck). partic.: konnen wir vorordenthe, bestetigtte vormundth unsers freundtlichenn lieben schwehersz undt schwagersz seligenn Johann Oszwaldsz vorlassener bloeden tochter nicht verhaltenn. Weim. staatsarchiv 1551; Pilot Gabelhoch Fritzen Habercläuszlin nachverlassener ehlicher son. Garg. 405 (1590); das ward die von Freyberg, Hansen von Freybergs seligen verlaszne wutwe ires handels gewar, gab im die busz. Baumann quellen 1, 23; das unser pfarrherrn und prediger kinder, arme verlassene waislin, als hurnkinder verdampt und geschendet wurden. Luther 5, 288b; sie hat willen, das von gedachtem ihren ehemann verlassene hausz loszuschlagen. Weim. staatsarch. 1692; (sie) fuhr heim in ires vatter landt, als ein verlaszne wyttfraw wahnt. H. Sachs 2, 3, 180 (8, 703, 27 Keller). vgl. schon die ahd. belege: derelicta farlaʒʒan, firlaʒʒan, farlaʒaniu Steinmeyer-Sievers gloss. 1, 106, 1; remissa farlaʒʒaniu 1, 239, 4. mit sächlichem objecte: eines guten gebrannten weins, so er angezündt wird, kein feiste hinder jhme verlast, ein masz. Paracelsus 1, 358b (1616); mein gantzer lebenslauff gleicht einem schatten nur, der, wenn der cörper weicht, verlässet keine spur. Fleming 23; küsse sind ein freundschaffts-siegel und verlassen keinen fleck. Günther 262. ganz besonders von dem erblichen zurücklassen von habe und gütern beim tode gesagt: das der vorkeuffer oder handthierer, drauff behelt den anfall unnd zuspruch, das szo der besitzer stirbt das lehen frey widder heym sterbe dem, der es vorhyn vorkaufft, vorlihen odder vorlassen hat. Luther adel 27 (neudruck); der grosz Alexander liesz jm nit genuegen an dem groszen künigreiche Macedonien, das jm sein vatter Philippus verlassen hatte. Frank sprichw. (46) 134 Latendorf; und also würden dem h. vatter dem papst von allem dem patrimonio oder erbgut, das jm St. Peter in seim testament gantz reichlich und überflüssig hat erblich verlassen, anders nichts überig lassen. Fischart bienenk. 49b; wie jr könig gestorben war und hatte keinen erben verlassen, von dem die kron angenommen würde. Magelone f 31a; Otto graf zu Nassau und Dyllenberg hat in der theilung seim bruder die herrschafft Beylstein verlassen. Dillich 84; weil mir bekant, dasz mein herr in seinen alten hosen eine ziemliche anzahl ducaten eingenäht verlassen. Simpl. 1, 228, 12 Kurz; die gelehrten rechnen ausz, dasz David seinem sohn Salomon zum bau des tempels zu Jerusalem verlassen hab an gold 6480 tonnen goldes. Schuppius 68; an silber hat er ihm zu diesem bau verlassen tausend mal tausend und siebenzehentausend centner. ebenda; sie fragen nichts darnach, ob sie schaden leiden an ihrer seele ... sondern meinen, wann sie den kindern nur grosze capitalia verlassen, so sei alles gut. 152; wenigstens hat er bey seiner groszen gelehrsamkeit nicht so viel verlassen, dasz er unter die erde gebracht werden konnte. Gellert 3, 280; der alte verläszt pfennige. Rabener sat. 3, 413 (1752); mein vater verliesz mir ein schlechtes vermögen. 2, 212; Karl V. ... verliesz seinem nachfolger eine gewalt in diesen ländern, die von einer gemäszigten monarchie wenig verschieden war. Schiller 801a; als nun der keyser hochgeehrt Emanuel nam sein letzt endt, da verliesz er das regiment seim jungen son Alexio. H. Sachs 2, 3, 112 (8, 424 Keller); in dreyen verlies Micipsa sein königreich Muncidia. 2, 3, 114 (8, 436 Keller); und verlasz uns hie hab und gut. Jac. Ayrer kaiser Otto 86b; (die sanftmuth) wird mein geschwister ziehen zur tugend nur allein, sie heiszen künste fassen und gute zucht zugleich, wem eltern disz verlassen, der erbt ein königreich. Opitz 2, 79; diser gnad unschätzlich-reichen schatz .. kindskindern als ein erbrecht, verlassen. Weckherlin 219; weil Eva mit der schlang umgieng und neben ihr den Adam fieng, so hat sie ihren töchtern auch verlassen list und schlauen brauch. Logau 2, 144, 18 (350 Eitner); Thyest verliesz (das scepter) Agamemnons hand regierer über inseln eine meng und Argos reich zu sein. Bürger 151a; doch hat ein alter mann dereinst dir tonnen golds verlassen; und weiszt du dich, so sehr du weinst, in den verlust zu fassen. Gotter 1, 96; wein verliesz er nicht, der zecher! Göckingk 3, 4; mich schreckt der name nur, den ich verlasse, ein göttlich erbtheil meinen armen kindern. Schiller 633b. part. so es sich zutragen wolt, dasz ihr sterben solt, wolt ich euwerem vatter all euwer verlassen gut bringen. buch d. liebe 257, 4; mein verlassen gut meinem vatter uberantworten. 258, 2. 88) verlassen wird ebenfalls, wenn auch abstracter, vom hinterlassen eines befehles, einer abrede, einer meldung u. ähnl. gebraucht (ein accusativ ist gewöhnlich zu ergänzen oder in form eines satzes beigefügt): sprach der engel: Tobia, mein bruder, du weiszt, wie wir mit deinem vater verlassen haben. Tob. 11, 2; und am thor fand sie Osiam und die eltesten die jr warteten wie es verlassen war. Judith 10, 7; sy haben verlassen, diese nacht wieder zusammenzukommen. Wirsung Calistus 3, 2, e; Zopyrus hat also, wie er mit dem Dario verlassen, alle ding zu end gebracht. Forer thierb. 55a (ἐποίεε τάπερ τῷ Δαρείω συνεθήκατο. Herod. 3, 157); mit einem verlassen, zuo im zuo kommen, constituere alicui se venturum. Maaler 423; ein jeder seiner jungfrawen einen brieff schreib, wie sie solches mit Garnier verlassen hatten. buch d. liebe 250, 4; ich habe es also zu hause verlassen, haec ita meis significavi. Stieler 1077; das achte exemplar für Meyer habe ich an fräulein von Imhof abgegeben, wie unser freund verlassen hat. Schiller in Schiller-Göthes briefw. 1, 248; mein schönes lieb verliesz mit mir, ich solt in diesem garten ein wenig ihrer warten. S. Dach 451. aus den heutigen mundarten: wo hebben ji dat verlaten? wie habt ihr das verabredet? Dähnert (Pommern) 523. verlassen = heutigem erlassen, einen erlasz geben: ist verlassen und bevolhen. Nürnb. rathsdecr. in Baader Wallenstein als stud. in Altdorf 27; auf den bericht ist verlassen. 30. 99) einem etwas verlassen, erlassen: also lange sind wir sünder und müssen sagen: verlas uns unsere schulde, bis das der leichnam sterbe und untergehe. Luther 1, 32a; denn der ablas nicht anders ist .. denn nachlassung guter werck und heilsamer pein, die man billicher solt erwelen denn verlassen. 1, 46b; und verlasse uns unsere schuld, als wir verlassen unsern schüldigern. 4, 419. 8, 350; und darumb das sie sich selbs urteilen und richten absolviret und verleszt jnen gott, was sie nicht gnugthun. 1, 72b; in die gnade, die zuvor die schuld verlesset, mag der mensch auch nicht einen willen haben zu suchen die vergebung. 1, 543; die straff durch welche gott straffen wil die sünde, mag durch menschen nicht oder bapst nicht verlassen werden. 1, 544. diese wortfügung ist schon aus alter zeit nachzuweisen, vgl. goth.: in þiʒei quiþa þus: afletanda fravaurhteis iʒos þos managons unte frijoda filu; iþ þammei leitil fraletada, leitil frijod. Luc. 7, 47; ahd. farlâʒ uns sculdhî unserô sama sô uuir farlâʒʒem scolôm unserêm. Müllenhoff u. Scherer denkm. 157 (56) 20; za pidenchenne, daʒ allerô mannô uuelîh sînemu kanôʒ enti sînemu prôder er allemu hugjû enti hercin sinô missitâtî flâʒʒe, daʒ imu der truchtîn sama deô sînô flâʒe. ebenda (55) 27; mhd. verlassen, virlæszen Dief. 491c. 1010) reflexiv. 10@aa) sich verlassen eines dinges, sich einer sache begeben, etwas von sich lassen: verlest sich allein seines gewalts. Weim. staatsarch. 1568. 10@bb) sich verlassen, vertrauen. die bedeutung von verlassen ist hier die von niederlassen auf etwas. vgl. sich überlassen. das, worauf man sich verläszt, präpositionell beigefügt durch an, in, zu, auf. im mhd. scheint an einen sich verlâʒen das häufigste gewesen zu sein; heute allein auf: mhd. ich wæn, immer recken deheiner mêr getuot, so grôʒer meinræte, sô von im ergie, dô sich an sîne triuwe Kriemhilt diu künigin verlie. Nib. 914 H. 849, 2 Lachmann. doch auch ûf: nu habet ir lange doch vernumen, daʒ ich die christenheit verbot, und gelobete in allen grimmen tot, die sich verlieʒen ûf den sin. passional 461, 27 Köpke; nhd. sich auf einen verlassen: des thun wir uns zu euch als unser und des reichs getrewen gehorsamen undertanen genzlich verlassen. Janssen reichscorr. 4, 449 (1486); (es) verbeut die schrifft, man sol keinem menschen trawen, noch sich auff jn verlassen, sondern alleine auff gott. Luther 2, 484; denn er lesst niemand hungers sterben, der sich auff jn verlesset. 4, 30; und die menner zu Sichem verlieszen sich auff jn und zogen eraus auffs feld. Richter 9, 27; schlecht (kurz): wo man in gott sich verlaszt, da ist gott. Zwingli 1, 192; wan sich nun das volck lange zeit auf den pfaffen und gelarten verlassen hat, so ist er ein stummer götze. Förstemann urkundenb. 243 (v. j. 1524); des sich e. maj. noch zu mir verlassen mögen. Druffel 3, 69 (v. j. 1547); verlasse sich .. niemand uff einen andern. Frank sprichw. 19, 42 Latendorf; mein Daniel, du gottesman, auff deinen gott verlasse dich. H. Sachs 3, 1, 152 (11, 61, 8 Keller); welchem kan es übel gehn, der sich nur auf ihn verläst? Opitz 3, 75; der brenner liegt zur stunde, der sich auff sich verliesz, der sturm und prausen bliesz ausz seinem stoltzen munde. 1, 169; darum, mein herz, durch ihn von angst, gefahr und leid gefreyet billich sich auf jhn allein verlasset. Weckherlin 125 (ps. 28, 13); meine söhn, auf die ich mich verlasz. A. Gryphius 1, 578 (1698); die königin (Elisabeth) verläszt sich auf ihn und ich, milord, verlasse mich auf mich und meine beiden offnen augen. Schiller hist.-kr. ausg. 12, 470 (M. Stuart 2, 7); sich auf etwas verlassen: ists nicht war, das du und alle Papistischen heuchler und lügner auff diesen grund euch verlasset. Luther 1, 415a; denn worauff ein mensch trawet und sich verlest, das ist sein gott. 2, 484; das sich keiner auff sein eigene frömigkeit, sondern auff Christi gerechtigkeit verlasse ... wer sich aber hierauff verlesset, der allein wird nicht zu schanden werden. 2, 343; das die hoffertigen ... in jr eigen wercke, hülffe, rahte und vermügen sich verlassen, das sind jre gedancken. 3, 25; (er) höret nur die wort und verlesset sich drauff. 4, 90b; jene verlassen sich auff jr recht, meinen sie sind das liebe kind. 4, 152b; denn hie lernet man, das kein fürst soll sich auff seine eigen macht und weisheit verlassen, noch damit trotzen und bochen. 5, 2; (es haben) weise leute gemeiniglich den gröszesten schaden auff erden gethan, sonderlich wenn sie sich auff jre weisheit verlassen. 5, 76b; damit haben sie den einigen trost und zuversicht an Christo auch rein ausgelesscht und die Christen geleret auff jr nach folgende stifft gaffen, harren und sich verlassen. 5, 284b; aber damit bin ich blieben, das ichs gott gar hinangestellet und allzeit auff seine hand trotzlich mich verlassen habe. 3, 118b; auff solche zusage sollen wir uns verlassen, und nicht zweiveln, gott höret unsre bitte. 7, 5; das du nicht dich derselben (guten werke) tröstest, noch darauff verlassest, wenn du sterben solt. 7, 58; und forsche sich selbs, wie es umb jn stehe und verlasse sich nicht auff solche gedancken. 7, 146b; sie haben sich villeicht verlassen auff yhre macht mehr dan auff got, darumb haben sie mussen fallen. adel 5 (neudruck); es schlugen die kinder Benjamin zwei und viertzig tausent Israeliten darumb das sie sich auff yhr sterck verlieszen. 6 (neudruck); das jr heiligen dienst stifftet, heiligen canonisiert, fasteltage und feiertage setzt, sie zu ehren, gleich als weren sie gott selbs das man auff jr verdienst sich verlassen (sic) und vertröstet. 22; denn viel tausent seelen, so sich drauff verlassen als were es gottes gnade und drauff gestorben durch solche seelmörder verloren sind. Hans Worst 55 (neudruck); es verleszt sich Heintz und sie alle darauff, das der bapst uns verdampt hat. 63; wer sich auff sein hertz verleszt, der ist ein narr. sprüche Sal. 28, 26; siehe, das ist der man, der gott nicht für seinen trost hielt, sondern verlies sich auff seinen groszen reichthum. psalter 52, 9; unweise leute betriegen sich selbs mit törichten hoffnungen, und narren verlassen sich auff treume. Syrach 34, 1; dise weisen .. verlassen sich auff jr künst. Frank Erasmus lob d. th. 30; (damit sich jeder) auff kains menschen glosz verlasz, sonder .. selbs von gott gelert werde. 90; verliehen die götter der jugent die vernunfft, dasz sie ... gedächten, ... was ihnen noch zu handen gehen möchte, ... so würd nicht so mancher mann, der sich auff glück verlest, verführet. Kirchhof wendunm. 4, 107 Österley; verlasz sich keiner in die geschrifft, dann sie ist nicht vollkommen. Paracelsus 1, 592a; so denk ich auch, frauenzimmerchen, verlasz sie sich drauf. Lessing 1, 562 (Minna 3, 11); sprichwörter machen die seele stumpf, man verläszt sich auf alte gelernte weisheit um selbst weder zu hören noch zu denken. Herder lit. u. k. 12, 495 (1821); was du sagst, erwiderte Don Sylvio, macht mir keinen kummer; ich verlasse mich darüber vollkommen auf den schutz der fee Radiante. Wieland 11, 91; mit der vorläufigen versicherung, dasz sie sich auf die historische wahrheit aller umstände ... so gut als bei irgend einem andern stück alter geschichte verlassen können. 42, 7; kann etwas abscheulicher sein, als in den proben zu tadeln und sich bei der vorstellung auf laune und gut glück zu verlassen? Göthe 19, 22; mancher verloszt uff bättlen sich, der spielt, buobt, halt sich uppeklich da mit, so er schon verschlembt sin hab, schleht man jm bättlen doch nit ab. Brant narrensch. 62b (63) 88 Zarncke; und wer verloszt sich uff syn glück, der vellt offt jn eym ougenblyck. 37 (39) 33 Zarncke; drum mancher auch gen Rom hinlauft und holt ein brief mit siegel schwer, sein sinn ist guter gdanken leer; nur auf die gschrift er sich verlat. Hutten 5, 62 Münch; erkennen sich doch unnütz knecht ... verlassen sich allein allwegen auff den einigen gottes segen. H. Sachs 1, 24 (1, 109, 33 Keller); ja durch demut, on hörner, klogen hat er den harnisch uns abzogen, und dise hörner uns zerrissen, darauff wir uns sonst stäts verliesen. Fischart dicht. 2, 243, 8 Kurz; bey grosen ist die wiʒ aufgplasen, darauf man sich nicht darf verlasen bei denen, so sint niderträchtig, ist sie unscheinbar, doch sehr mächtig. 2, 16, 513 Kurz; dein gerechtigkeit ich vor mir han, darauff ich mich allein verlan. H. Vogther bei Ringwald g. l. 137; es schmerzt ihn, zwei von seinen söhnen, die sich auf sein wort verlassen, so zu kränken. Lessing 2, 277. das, worauf man sich verläszt, durch satz ausgeführt: ich bitt ein jglichen, der dies büchlein lieset .. festiglich daran hangen und sich frei darauff verlassen, das sie auch wider alle gewalt des teuffels bestehen. Luther 2, 22; das nicht allein uns also geschehen, sondern andern heiligen leuten auch widerfaren ist und sich drauff verlassen, das gott ein auge auff uns hat. 4, 110; der ander son aber ist nu gros, verlies sich darauff, Abraham were sein vater und were der erste son ... 4, 117b. mit personification abstracter begriffe: wenn der glaube da ist und sich ungezweivelt also auff jn (Christum) verlest, so erkenne ich beide den weg, den er gangen ist und den ort, dahin er kompt und bleibet. Luther 7, 55b. mit angabe dessen, worin man sich auf einen verläszt: wiewol er (gott) haben wil, das wir uns gewisz auff jn verlassen sollen, aller hülff und trosts. 4, 33.
38609 Zeichen · 718 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verlassen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Verlassen , verb. irregul. act. S. Adelung Lassen , welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. Hinter sich…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verlassen

    Goethe-Wörterbuch

    verlassen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verlassen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verlasse n [fərló Mü. Landsman Lied. 87; fərlon U. ] 1. im Stiche lassen. Er will nix me hr vo n m i r wisse n , er verl…

  4. Sprichwörter
    Verlassen

    Wander (Sprichwörter)

    Verlassen 1. Bai sik op annere verlätt, es verloaten genaug. ( Iserlohn. ) – Woeste, 79, 342. 2. Darup ick my verlêt, de…

  5. Spezial
    verlassen1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +4 Parallelbelege

    ver|las|sen 1 adj. 1 (öde) arbandoné (-ná, -nada), desert (-rc, -a), tralascé (-sciá, -sciada) 2 (unbewohnt) öt (öc, öta…

Verweisungsnetz

33 Knoten, 24 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verlassen

8 Bildungen · 3 Erstglied · 3 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von verlassen

ver- + lassen

verlassen leitet sich vom Lemma lassen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verlassen 2 Komponenten

ver+lassen

verlassen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verlassen‑ als Erstglied (3 von 3)

verlassenheit

DWB

verlassen·heit

verlassenheit , f. alleinsein. mhd. verlâʒenheit, doch in anderer bedeutung als heute. mhd. ist es ein losgelassensein, ein imstichegelassen…

verlassenschaft

DWB

verlassen·schaft

verlassenschaft , f. das von jemand hinterlassene erbe, besonders von geld und gut gesagt: hereditas, bona hereditaria. Stieler 1077 ; die v…

verlassen als Zweitglied (3 von 3)

gottverlassen

DWB

gott·verlassen

gottverlassen , adj. u. adv. , die als 1 und 2 geschiedenen bedeutungen haben den unterschied lediglich in einer akzentuierung, so dasz, nam…

Ableitungen von verlassen (2 von 2)

unverlassen

DWB

unverlassen , part. adj. , nicht verlassen: die besuchte und unverlassene stad ( Zion ) Jes. 62, 12 ; Rose homiletische studierstube (1723) …

Verlassene

GWB

Verlassene [bisher nicht publizierter Wortartikel]