fliehen üb 400 Belege, fast 90 Prozent aus dem dichterischen Werk; vereinzelt ‘fliehn’, Prät ‘flohe’, PartPrät attr ‘flohene’, einmal altertümelnd 3.Pers Sg ‘fleucht’ GWB3,126 WTischbeins Idyllen 113 1
vor einer unmittelbaren Bedrohung, einer aktuellen Gefahr davoneilen, wegstreben a
in Kriegs- u Kampfsituationen: die Flucht ergreifen (Die Reichstruppen
f.) [
Georg:] Sie
f. ohne sich umzusehen. Welch ein Schrecken überfiel sie! GWB13
1,275,7u8 Götz
3 III [
Thales zu Homunc:] jener Mordgeschosse Regen | .. Erregt der Nahverwandten Wuth | Nach der Pygmäen frevlem Blut. | .. Schon wankt, es flieht, es stürzt das Heer GWBFaust II 7899 [
Die jüngeren Engel:] Jene Rosen .. | Halfen uns den Sieg gewinnen, | .. Böse wichen als wir streuten, | Teufel flohen als wir trafen GWBFaust II 11948 GWBIph
2 704 GWB13
1,26 Vorsp EröffnWeimTheat 1807 Vs 24 GWBB24,198,7 Voigt 14.3.14
uö mit Angabe des Fluchtweges od -ziels [
Faud, der die Schlacht beobachtet:] Da flieht einer nach dem Wald. — Noch einer! Ein ganzer Trupp GWB13
1,278,24 Götz
3 III GWB39,96,18 Götz
1 III
uö im Gleichnis [
für: φευγέμεναι
21,13] GWB41
1,316,5 Ilias Ausz b
allgemeiner: vor drohender Gefahr, aus dem Gefängnis zu entkommen suchen; meist auf einen einzelnen bezogen [
Gretchen im Kerker:] O Heinrich .. | Ich darf nicht fort; für mich ist nichts zu hoffen. | Was hilft es fliehn? Sie lauern doch mir auf GWBFaust I 4545 als die Fürstin .. etwas Seltsames erblickte, das sie alsobald für den Tiger erkannte .. Flieht! gnädige Frau, rief Honorio, flieht! Sie wandte das Pferd um, dem steilen Berg zu GWB18,332,13 Nov GWBIph
2 1603
uö c
von einem flüchtigen, vor dem Jäger, dem Störer od dem Raubtier abspringenden Wild; auch im Bild [
Georg:] Dort steht der Hirsch .. Völlig schußgerecht .. O weh! Er flieht aufgeschreckt den Berg hinauf .. [
Götz:] Laß ihn
f.! Laß ihn dahin springen im Glück uneingeschränkter Freiheit GWB13
1,321,13u15 Götz
3 V Das Unglück .. fällt über Gute und Böse .. Wenn das Reh flieht [
fuit] .. so ist es darum nicht schuldig GWB24,84,11 Wj I 5
uö d
übertr auf einzelne Körperpartien: zurückweichen, wegstreben Die Schlange .. beißt .. über und etwas hinter der Hüfte .. der Körper flieht auf die entgegengesetzte Seite, der Leib zieht sich ein GWB47,108,26 ÜbLaokoon
uö 2
mit Zurücktreten der physischen u stärkerer Betonung der emotionalen od moralischen Motivation: eine problemat gewordene Umgebung, ein bedrängendes Milieu verlassen, sich gewissen Personen entziehen, best Vergnügungen meiden, sich von gewissen Gewohnheiten, Tugenden od Untugenden ua abwenden (u zu etw/jdm seine Zuflucht nehmen) a
als affektvoller Ausdruck, auch imperativisch verstärkt [
G hatte sich der Lili-Problematik durch Flucht in die Schweiz entzogen] Und Sie zu Frankfurt. Eben da ich fliehe! GWBB2,268,8 Sophie La Roche 12.6.75 [
Faust:] Weh! steck’ ich in dem Kerker noch? | .. Statt der lebendigen Natur, | .. Umgibt in Rauch und Moder nur | Dich Thiergeripp’ und Todtenbein. | Flieh! Auf! Hinaus in’s weite Land! GWBFaust I 418 Hilarie raffte sich an dem Jüngling empor. — Laß uns
f., rief sie, das ertrag’ ich nicht. — Sie bewegte sich nach der Gegenseite des Schlosses heftig, daß Flavio sie nur mit einiger Anstrengung erreichte GWB24,333,11 Wj II 5 [
Odoard:] Unter meinen Füßen brannte der Boden, ich begriff, ich verstand mich nicht, und mir blieb nichts übrig als zu
f., bis nur die nächsten Augenblicke überstanden wären. Ich eilte, leicht und festlich angezogen wie ich war, nach der Hausthüre GWB25
1,195,1 Wj III 10 Nicht zu weit GWB11,151,3 Stella II GWB22,212,1 u 222, 18 Lj V 13 u 14 GWB36,229,7 BiogrEinzh
uö b
jdn meiden, jdm aus dem Weg gehen; öfter in der Liebesbeziehung in unterschiedl Nuancierung: sich entziehen, sich abwenden, untreu werden (vereinzelt iVbdg mit ‘spröde, verschüchtert, verlegen’), meist trans; zweimal ‘vor sich selber f.’ als leidenschaftl Streben zum anderen bzw als Wunsch, jeder Leidenschaft zu entgehen [
G-s Traum in Rom] Ich war in Eurer Gegend und suchte dich. Du flohst mich und dann wieder wenn ich dir begegnen konnte, wich ich dir aus GWBB8,99,7 ChStein 20./23.12.86 [
Homunc:] Klar Gewässer | .. Welch Sausen, Plätschern wühlt im glatten Spiegel? | Die Mädchen fliehn verschüchtert; doch allein | Die Königin sie blickt gelassen drein | Und sieht .. | Der Schwäne Fürsten ihrem Knie sich schmiegen GWBFaust II 6913 Und immer sehnt sich fort das Herz, | Ich weiß nicht recht ob himmelwärts; | Fort aber will es hin und hin, | Und möchte vor sich selber fliehn GWB6,118 Div Was wird mir 6 GWB4,121 Als der Undankbare floh 1 GWBPand 749u762 GWB4,158 Liebe u Tugend 12 GWB5
1,118 ZXenNachl VIII 482
uö auch reziprok bzw mit reziprokem Sinn [
beim Schlittschuhlauf] man floh sich um sich einander augenblicks wieder zu finden GWB24,329,24 Wj II 5 GWB20,55,4 Wv I 4
uö metaphor u metonym auch mit sachl Subj GWB53,347 VenEpigr Plp GWB51,65,1 ThS I 17 c
etw meiden, einer Situation ausweichen (u zu etw/jdm sich hinwenden), meist trans od mit präp Ergänzungen; als Weltflucht, als Flucht vor dem Schicksal ua; vereinzelt von Insekten als Flucht vor Licht od Trockenheit [
Egle zu Amine:] Dein Liebster flieht den Tanz und zieht dich Arme nach GWB9,5 LauneVerl 48 [
mBez auf Kunstmotive] da man gerne von der Welt und den Prachthäusern in das Niedrige flieht, um am Einfachen und Beschränkten sich zu erholen GWBB4,234,20 Maler Müller 12.6.80 einen unglücklichen jungen Mann, der die Gesellschaft floh, weil er .. seine rechte Hand .. verloren hatte GWB20,243,7 Wv II 5 Achilleis 342 Tasso 246u3240 GWBB29,176,20 Uwarow 18.5.18 GWB2,283 Mußt nicht widerstehn 2 GWBN7,336 Versuche übWachstum dPfl
uö als Scheu vor ethisch od geistig Verwerflichem, auch als Abwendung von allzu Theoretischem ua Heut früh haben wir alle Mörder, Diebe und Hehler vorführen lassen .. Ich wollte anfangs nicht mit, denn ich fliehe das Unreine GWBB4,286,10 ChStein 9.9.[80] er [
der Oheim] .. pflege nichts so sehr, als individuellen Dünkel und ausschließende Beschränktheit, zu verdammen oder zu
f. GWB22,340,2 Lj VI ich habe von jeher alle Zahlensymbolik .. als etwas Gestaltloses und Untröstliches gemieden und geflohn GWBB23,197,23 Zelter 12.12.12 GWB26,23,14 DuW 1 GWB48,83,11 Polygnot
uö auch reziprok, mehrf in der Konstellation von Abstoßung u Anziehung Man reibe ein seidenes Band mit Bernstein, die zwey Enden haben dann einerley Elecktricitet u.
f. einander. Man reibe die eine Seite mit Glas, die andre mit Bernstein, beyde Enden werden sich suchen Gespr (Gr5,663) Sophie Schardt 30.10.05 Lasset ewige Harmonien | Bald sich suchen, bald sich
f. | Und zuletzt vermählen GWB4,291 Lasset heut 20 Natur und Kunst sie scheinen sich zu
f., | Und haben sich, eh’ man es denkt, gefunden GWB4,129 Natur u Kunst 1
uö 3
iSv zurückweichen, abklingen a
anthropomorphisierend von Naturphänomenen wie abebbendem Wasser, (magisch) zurückweichenden Büschen u Früchten, dem Winter, Nebel, Licht Faust Haltefest | Sie [
die Welle] flieht, da liegt ein weites Land vor mir | Sie kehrt zurück und insultirt mich hier GWB15
2,244 Faust II Plp Sie ist’s .. in ihrer Laube .. | Ich dringe zu, tret’ alle Sträuche nieder, | Die Büsche fliehn, die Bäume weichen mir GWB2,90 Lilis Park 92 die ganze Gegend gleich | Zum schönsten Tage sich erhellet; | Die Wolke flieht, der Nebel fällt, | Die Schatten sind hinweg GWB2,146 Ilmenau 160 GWBFaust I 908 GWB48,113,14 Polygnot [
für: κινεῖσθαι] GWB37,303,26 Hohelied
uö ‘zu jdm f.’ GWB1,54 Novemberlied 2 [weicht
Var] b
von Krankheitsübeln die Übel [
einer Erkältung] haben sich zusammen genommen um zu
f., aber leider durch die Augen GWBB29,188,4 August 2.6.18 c
von Zielen u Wünschen Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht GWBN1,315,9 FlD 781 GWBIph
2 690
uö 4
als emotional verstärkter Ausdruck für die Schnelligkeit od die (rasche) Beendigung eines Geschehens; meist metaphor a
iSv rasch vorübergehen, verschwinden, mit dem Nebensinn der Vergänglichkeit; vom Lauf des Lebens, der Zeit, der Sonne, mehrf in Wdgn wie ‘die Jahre, Tage, Augenblicke f.’, im Bild auch von der ‘goldenen Zeit’ Was wir hatten wo ist’s hin? | Und was ist’s denn was wir haben? — | Nun, wir sprechen! Rasch im Fliehn | Haschen wir des Lebens Gaben GWB4,71 Worte sind 7 [
vom Karawanenzug] In schauerlichen Nächten, | Bedrohet von Gefechten; | .. Und immer ging es weiter, | .. Und unser ganzes Ziehen | Es schien ein ewig
F. GWB6,96 Div Wo hast du 28 Die Tage und Jahre
f. [< gehen] mit einer so reißenden Lebhaftigkeit daß man sich kaum besinnen kann GWBB13,212,6 Kestner 16.7.98 Und wenn die Zeit verrauschend flieht, | Jahrszeiten kommen wieder GWB3,32 Immer u überall 7 Tasso 979 GWB51,70,11 ThS I 18 GWBFaust I 1762 [
für: to flie] AA140,9 Werth II Ossian
uö b
iSv aufhören, vergehen; von Freiheit u Leben, Freude u Sorge, auch Schönheit, Wahn, Traum ua [
Clär:] Mit seinem [
Egm-s] Athem flieht der letzte Hauch der Freiheit GWB8,277,25 Egm V [
Die Muse üb die Schauspielkunst:] Empfangt das Schöne, fühlt zugleich das Gute, | Eins mit dem andern wird euch einverleibt; | Das Schöne flieht vielleicht, das Gute bleibt GWB13
1,124 ProlBln 1821 Vs 221 Das Gefühl ist die Harmonie und vice versa .. Auch dieser Zauber ist’s, der aus den Sälen der Großen und aus ihren Gärten flieht GWB37,318,4 Falconet GWB11,275 Claud
2 1486 GWB28,25,22 DuW 11 GWB11,309 ErwElm
2 497
uö c
einmal in paradoxaler Überbietung der Vergänglichkeitsvorstellung als leidenschaftl Liebesannäherung Der Athem will nicht mehr zurück, | Die Seel’ zur Seele f-d GWB6,44 Vs 30 DivHafis 5
als kunsttechn term in versch Verwendungen; ‘f-de Perspektive’: durch Verkürzung der ‘Fluchtlinien’ räuml Tiefe vermittelnd [
betr extreme Schrägansicht der Balustrade am röm Kapitolsplatz, s BA Supplementbd Abb 145] Das Geländer, das den Platz vorn einschließt, zeigt sich uns in f-der Perspective GWB49
1,425,15 Üb:WeimPinakothek
iS einer luftperspektivischen Tiefengliederung verlangt die Kunst, daß er [
der Künstler im Dienst der Wiss] .. die Blüthen erst in voller Ansicht, sodann von der Seite, auch nach dem Hintergrunde zu f-d sehen lasse GWB49
1,383,28 Blumenmalerei [
üb transparente Bilder von Berliner Künstlern zu ‘Hans Sachsens poet Sendung’] wünscht ich eine Landschaft zu sehen, wie sie uns Paul Bril, Jodocus Momper, Roland Savery meisterhaft, freylich nur im f-den vorgebildet haben GWBB26,413 Gutachten 26.2.16 [Beilage zu Br Meyer an Schadow v 5.3.]
‘f-des Auge’: das dem Betrachter abgewandte, im verlorenen Profil dargestellte Auge einer Figur da aber der Künstler [
Vespino in seiner Kopie] wieder das f-de rechte Auge weggelassen, so entsteht ein perpendiculares gleichförmiges Profil GWB49
1,241,19 Bossi,Leonardo
→ GWB
auffliehen GWB
auseinanderfliehen GWB
dahinfliehen GWB
davonfliehen GWB
durchfliehen GWB
entfliehen GWB
entgegenfliehen GWB
fortfliehen GWB
herausfliehen GWB
hinfliehen GWB
hinabfliehen GWB
hinausfliehen GWB
hinwegfliehen GWB
vorüber- GWB
weg- GWB
zurück- Syn zu 1-4
GWB
entweichen zu 1 u 2
GWB
ausreißen GWB
ausweichen GWB
davoneilen GWB
davonlaufen GWB
davonmachen (sich d.) GWB
davonrennen GWB
entlaufen GWB
entspringen GWB
entwischen GWB
flüchten GWB
forteilen GWB
fortlaufen nehmen (Reißaus n.) retirieren wegeilen weglaufen zurückziehen(sich z.) zu 2
GWB
entziehen(sich jdme.) GWB
verschwinden GWB
verlassen GWB
(ver)meiden zu 4
GWB
fortrauschen GWB
vergehen GWB
verschwinden GWB
vorübereilen GWB
vorübergehenElke UmbachE. U.