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Fliehen

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Wander
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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Fliehen

Bd. 1, Sp. 1071
Fliehen 1. Besser fliehen, als lange herumziehen. 2. Besser geflohen, als übel gefochten. – Körte2, 1788. n.: Bedre at flye, end ilde at fegte; og den som flyer kand fegte igien. Frz.: Bonne fuite vaut mieux que mauvaise attente. (Gaal, 475.) – Il vaut mieux fuir que se battre mal. 3. Besser geflohen, denn gestorben. – Henisch, 321, 41. 4. Der fleucht, gibt sich schuldig. – Franck, II, 167b; Henisch, 1153, 6; Petri, II, 707; Simrock, 2556; Hillebrand, 237; Egenolff, 224a; Hertius, I, 108; Estor, II, 996; Tunn., 7, 8; Graf, 443, 362. n.: Hvo der flyer, gjør sig selv sagfældig. (Bohn I, 376; Prov. dan., 171.) It.: Chi fugge il giudizio, si condanna. (Pazzaglia, 151, 17.) Lat.: Fatetur facinus is, qui indicium fugit. (Philippi, I, 152.) 5. Der fleucht nicht, der verzeucht. – Henisch, 1160. Lat.: Non effugit laqueum suum qui differt. 6. Der fliehen will, stösst überall an. It.: A chi fugge ogni cosa da impaccio. (Pazzaglia, 143, 1.) 7. Der flieht nicht, der zurückweicht, sagte der Bauer, und schmierte seine Stiefeln mit Hasenfett. Holl.: Hij vlugt niet, die wijkt, zei de boer, en hij smeerde zijne schoenen met hazevet. (Harrebomée, II, 376.) 8. Ehrlich fliehen ist besser als elend sterben. »Fabius lehrte zuerst, Schlachten aus dem Wege zu gehen, dem Feinde die Spitze zu bieten, ohne sich entwaffnen zu lassen. Sartorius verstand die Kunst zu fliehen und immer wieder schickliche Wehr- und Waffenplätze zu finden. Hasen wissen das erste, Füchse das andere, gewöhnliche Feldherren keins von beiden. Erst von Mansfeld erfand, ein ganzes Heer wie einen fliegenden Trupp anzuführen, überall zu sein und nirgends, fliehend zu siegen und siegend zu fliehen.« Frz.: Bonne fuite vaut mieux que mauvaise attente. (Cahier, 783.) Span.: Mas vale que digan, Aquí huyó, que Aquí murió. (Bohn 1, 231.) 9. Es fliehen nicht alle, die den rucken wenden. – Lehmann, 199, 17; Simrock, 2547; Eiselein, 176. n.: De flyve ei alt som vende ryg. (Prov. dan., 170.) 10. Es ist besser ehrlich geflogen, denn schendtlich gefochten. – Franck, II, 10a; Henisch, 1152, 33; Gruter, I, 32; Simrock, 2549; Graf, 351, 391; Körte, 1443; Ramann, II, Pred., 432. Besser ehrlich fliehen, denn schändlich fechten. Das Sprichwort hat Privatstreitigkeiten im Auge, die, wie Schlägereien, oft einen sehr gefährlichen Ausgang nehmen können. Lat.: Miles fugiens iterum pugnare potest. (Altdorf, 147; Binder II, 1855.) 11. Es ist besser fliehen, als die Schlacht verlieren. – Lehmann, II, 199, 24. 12. Es ist besser mit schanden geflohen, denn mit ehren todt bleiben. – Henisch, 322, 19. 13. Fleuchstu, so ligstu. – Franck, I, 13b; Simrock, 2552; Graf, 443, 367; Schottel, 1122a; Körte, 1445. Die Gerichtsflucht oder das Ausbleiben im Termin wirkt wie Geständniss und hat Verurtheilung zur Folge. n.: Den som flyer, tager sag paa bag. (Prov. dan., 171.) Frz.: Qui fuit, il trouve qui le chasse. 14. Flieh' auf allen Wegen, dem Tode gehst du stets entgegen. 15. Fliehe es, der Nachbar eines grossen Herrn und eines grossen Flusses zu sein. 16. Fliehst du vorm Landwind, so treibt dich der Seewind. 17. Kannstu fliehen (versteh mit ehrn), so fliehe! – Franck, II, 10a; Simrock, 2550. In der Thierdichtung: Der neue Rath des Smil von Pardubitz, aus der böhmischen Literatur des 14. Jahrhunderts, sagt der Hase: »Wer am Ende nicht siegen kann, bei dem kommt's doch aufs Laufen an.« 18. Mancher fleucht für dem Rauch vnd felt gar in das fewer. – Henisch, 1143, 43. 19. Mancher flieht vor einem Unglück und geräth in zwei. 20. Was eim flieht, das wird ein. (Luzern.) 21. Was fleucht, das wollen wir fangen, dass vns nachfolgt, fliehen wir. – Henisch, 1152. Lat.: Quod sequitur fugimus, quod fugit ipsi sequimur. (Henisch, 1152.) 22. Wenn du kanst fliehen, soltu nit kriegen. – Franck., I, 36a; Körte, 1444. 23. Wer durch Fliehen sich mag retten, kann wieder vor die Luke treten. – Eiselein, 175. »Wer fleucht, stellt wieder seinen Mann; wer bleibt und fällt, es nicht so kann; wer folglich läuft zu rechter Zeit, ist in der Strategie schon weit.« (Butler.) Und Logau »Celer jüngst lief aus der Schlacht, denn es kam ihm schnell zu Sinne, dass er, würd' er umgebracht, nachmals nicht mehr fechten könne.« Die Aegypter haben als Spott auf feige Soldaten das Sprichwort: »Er floh, Schande über ihn, ist besser, als: er ward erschlagen, Gott sei seiner Seele gnädig.« (Burckhardt, 492.) Lat.: Fugiens animam servavi. – Qui fugit rursus ille praeliabitur. (Eiselein, 175.) 24. Wer fleucht, den jagt man. – Luthers Ms., S. 5; Lehmann, 198, 12; Steiger, 10. 25. Wer fleucht, der ist leicht geschlagen. – Petri, II, 707; Henisch, 1153, 5. 26. Wer fleucht, der leit, wer weicht, der verliert. – Lehmann, 198, 11. 27. Wer fleucht, der wird ge(ver)jagt. – Eiselein, 175; Henisch, 1152, 66. Lat.: Qui fugit, ex omni parte fugatur iners. (Henisch, 1152, 67.) 28. Wer fliehen will, muss auch eine Hinterthür wissen, – Scheidemünze, I, 2279. 29. Wer fliehet im Streit, erhält keine Beut'. – Parömiakon, 2287. 30. Wer flieht, berührt den Boden nicht. It.: Chi corre, corre, e chi fugge vola. (Pazzaglia, 143, 2.) 31. Wer flieht die Sünden, wird das Sünden finden. 32. Wer flieht, ehe man ihn jagt, ist allzu verzagt. – Simrock, 2558. 33. Wer flieht, ist bald zu Boden gestossen. »Ein kläffender Hund, dem man entgegenschreitet, wird ein feiger Flüchtling und wär' er ein Bullenbeisser; läuft man aber vor dem Gebell davon, so wird ein Bologneser zu einem Angreifer, der uns wenigstens ins Bein beisst.« 34. Wer flieht, ist leicht zu jagen. 35. Wer flieht, macht seine Mutter nicht weinen. – Körte, 4369. Ausgenommen, sie ist eine Spartanerin, der ein im ehrenvollen Kampfe gefallener Sohn lieber ist, als ein lebender, mit Schande bedeckter Flüchtling. 36. Wer flieht, sieht sich nicht viel um. 37. Wer flieht, wird gejagt. – Simrock, 2557. 38. Wer selber fleucht, den jagt man leicht. – Luther, 176; Lehmann, 228, 57; Simrock, 2559. »Den Eber fliehn, eh' er verfolgt, heisst nur ihn reizen.« – Die Verfolgung des Feigen trägt wenig Ehre ein. 39. Wo du kanst fliehen, soltu nicht kriegen. – Lehmann, II, 857, 437. 40. Wohl geflohen, wohl gefochten. – Kirchhofer, 222. 41. Er flieht es, wie der Teufel das Kreuz. n.: Han flyer derfor som fanden for korset. (Prov. dan., 171.) 42. Er flieht, wie der Wolf vorm Adler. Von denen, die einer drohenden Gefahr nicht entfliehen können, wie der Wolf umsonst vor dem geflügelten Adler flieht. [Zusätze und Ergänzungen] 43. Fliehen ist eine Schande, aber gesund. – Neue Freie Presse, 4592. 44. Wer flieht, hat (sieht, weiss) nur Einen Weg, aber zehn, der ihn verfolgt.
6639 Zeichen · 202 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Fliehen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Fliehen , verb. irreg. ich fliehe, du fliehest oder fliehst, (Oberd. fleuchst), er fliehet oder flieht. (Oberd. fleucht)…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    fliehen

    Goethe-Wörterbuch

    fliehen üb 400 Belege, fast 90 Prozent aus dem dichterischen Werk; vereinzelt ‘fliehn’, Prät ‘flohe’, PartPrät attr ‘flo…

  3. modern
    Dialekt
    fliehen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    fliehe n [flìə, Part. kflô Liebsd. ] fliehen. Wär e s t du gflo hen , derno ch hätt e r di ch nit gschlage n . — Schweiz…

  4. Sprichwörter
    Fliehen

    Wander (Sprichwörter)

    Fliehen 1. Besser fliehen, als lange herumziehen. 2. Besser geflohen, als übel gefochten. – Körte 2 , 1788. Dän. : Bedre…

  5. Spezial
    fliehen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    flie|hen (floh, geflohen) vb.intr. 1 (die Flucht ergreifen) sciampé (-pa) , s’un sciampé 2 (aus dem Gefängnis u. Ä.) rum…

Verweisungsnetz

93 Knoten, 93 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fliehen

16 Bildungen · 2 Erstglied · 9 Zweitglied · 5 Ableitungen

fliehen‑ als Erstglied (2 von 2)

fliehenswert

GWB

fliehen·swert

fliehenswert subst [ der ‘Älteste’ in der Päd Provinz mBez auf die Passion Christi: ] jene Verehrung des Widerwärtigen, Verhaßten, Fliehensw…

fliehenwollend

DWB

fliehenwollend , fugiturus: aber wenn er ( der krokodill ) pfeilschnell mit zähneblinkendem rachen schon über den sand daherschieszt, wehe d…

fliehen als Zweitglied (9 von 9)

anfliehen

DWB

anfliehen , confugere ad aliquem: dann dasz die bücher, die mächtig genug sind, einen jeglichen, der sie anfleucht, nechst gott, aufzurichte…

ausfliehen

DWB

aus·fliehen

ausfliehen , effugere, nnl. uitvlieden: eitel ausfliehen und fur uber rauschen ist da. Luther 3, 344 ; die meus die fliehen von mir aus. Uhl…

befliehen

KöblerMhd

befliehen , st. V. Vw.: s. bevliehen

durchfliehen

DWB

durch·fliehen

durchfliehen , 1 1. untrennbar, durcheilen, durchdringen. symphonische töne durchfliehn von eichen und dorn des weiten schattensaals kammern…

Ehrfliehen

Wander

ehr·fliehen

Ehrfliehen In dem Ehrfliehen sucht man auch ehr. – Franck, I, 127 b .

entfliehen

DWB

ent·fliehen

entfliehen , effugere, goth. unþaþliuhan, ahd. intfliohan, mhd. emphliehen, im 15. 16 jh. verschiedentlich auch empfliehen, nnl. ontvlieden,…

hinfliehen

DWB

hin·fliehen

hinfliehen , verb. nach einem ziele, einer abliegenden richtung fliehen: wo sol ich hin fliehen fur deinem angesicht? ps. 139, 7 ; da wir hi…

inpfliehen

KöblerMhd

inpfliehen , st. V. Vw.: s. entvliehen

Wêgfliehen

Adelung

weg·fliehen

Wêgfliehen , verb. irregul. neutr. (S. Adelung Fliehen ,) mit dem Hülfsworte seyn, sich durch die Flucht entfernen, wofür doch entfliehen ed…

Ableitungen von fliehen (5 von 5)

befliehen

KöblerMhd

befliehen , st. V. Vw.: s. bevliehen

entfliehen

DWB

entfliehen , effugere, goth. unþaþliuhan, ahd. intfliohan, mhd. emphliehen, im 15. 16 jh. verschiedentlich auch empfliehen, nnl. ontvlieden,…

erfliehen

DWB

erfliehen , effugere, entfliehen, ahd. irfliohan ( Graff 3, 766 ).

zerfliehen

DWB

zerfliehen , verb. , bei Luther anscheinend nur nebenform des vorigen, die durch heimischen lautwandel bedingt war: wenn sie denn sehen eine…