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Verlassen

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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Verlassen v., trs, intrs

Bd. 5, Sp. 323b
Verlassen, v. trs. unregelm. (s. Lassen). 1) Von sich, von dem Orte wo man ist, lassen, von sich entfernen lassen, oder weiter gehen lassen. † Das Wasser verlassen, es ablaufen lassen. 2) An Andere übergehen lassen, überlassen. Einem etwas verlassen, es ihm für Geld ablassen, verkaufen. An die Meistbietenden verlassen. Ein Haus, eine Wohnung  an jemand verlassen, im Österreichschen, sie vermiethen; im N. D. durch eine gerichtliche Urkunde einen Verkauf bestätigen. Das gekaufte Haus, der gekaufte Garten ist ihm noch nicht verlassen worden. I engerer und uneigentlicher Bedeutung, als Befehl, als Abrede von sich lassen, befehlen, verabreden, besonders bei einer Entfernung, »Du weißt, wie wirs mit deinem Vater verlassen haben.« Tob, 11, 2. Ih habe es zu Hause so verlassen, so befohlen, als ich aus dem Hause ging. Ehemahls auch für los lassen. 3) Da lassen, wo es ist, indem man sich davon entfernet, wo es sich mehr dem Begriffe eines intrs. nähert, und sich von den mehr überleitenden hinterlassen und zurücklassen zunächst dadurch unterscheidet, daß es sich auf den Ort oder die Gegenstände beziehet, von welchen man sich entfernt; diese beiden aber auf die Dinge, welche an dem Orte bleiben, oder welche man an dem Orte bleiben macht, den man verläßt. »Tiberius verließ die Stadt Rom, welche der Ort war, wo er sich bis dahin aufgehalten hatte, und begab sich nach Capri. Er hinterließ den Befehl, daß niemand in seiner Abwesenheit zu ihm kommen sollte, er ließ auch den größten Theil seiner Bedienten zurück, und nahm nur ein kleines Gefolge mit.« Eberhard. Wir verließen das feste Land bei dem ersten günstigen Winde. Die Stadt verlassen und aufs Land gehen. Er verließ uns sehr zeitig, er entfernte sich sehr zeitig von uns. »Da verließ ihn der Teufel.« Matth. 4, 11. Ein Haus verlassen, sich aus demselben entfernen, wie auch, wenn man in demselben wohnte, aus demselben ziehen. Die Welt, das Leben verlassen, sterben. Die Jagdhunde verlassen eine Fährte, wenn sie ihr nicht weiter nachgehen, sie verlassen das Wild, wenn sie es zu verfolgen aufhören. I engerer und uneigentlicher Bedeutung wird verlassen mit verschiedenen Nebenbegriffen gebraucht, (1) durch seine Entfernung die Gemeinschaft, die Verbindung  mit etwas aufheben. »Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen « 1 Mos. 2, 24. Den Handel verlassen, und sich den Wissenschaften widmen. Die Krankheit hat ihn gänzlich verlassen. Das Gedächtniß, das Gesicht verläßt uns, wenn es schwach wird. Besonders von einer böslichen Entfernung. Er verließ Frau und Kinder und ging in die weite Welt. Eine Geliebte verlassen, sie sitzen lassen, sie nicht ferner lieben und besuchen. Ein schlechter Hirt, der seine Herde verläßt, wenn ein Wolf sie anfällt. Die Tugend verlassen, sie nicht weiter üben. Den Weg der Tugend, des Guten verlassen, tugendhaft, gut zu sein aufhören. Die Wahrheit verlassen. (2) * * Unterlassen. Wann ich het es bas verlassen ee. Iain 1, 676. Dann auch * * aus der Acht lassen. Er sprach: wie habt I das verlan? Iain 11, 310. (3) Durch seine Entfernung den Besitz eines Dinges aufgeben, und in Anderer Gewalt lassen. Haus und Hof verlassen und davon gehen. Viele verarmte Bürger haben ihre Häuser verlassen Ein verlassenes Haus. Während des Krieges sind ganze Dörfer von ihren Ein= [] wohnern verlassen. Hieher gehört auch der Ausdruck, † etwas verlassen, es bei seinem Tode auf der Welt lassen, den Seinen oder den Erben lassen, nur daß die Entfernung hier unwillkührlich ist. Ein großes Vermögen verlassen, besser, hinterlassen oder nachlassen. Er verließ drei Kinder. (4) Sich seiner Wirksamkeit, dem Beistande nach, entfernen, ohne Beistand, Hülfe lassen. Von Gott und Menschen, von der ganzen Welt verlassen sein. »Der Herr verläßt seine Heiligen nicht.« Ps. 37, 28. Wer sich selbst nicht genug ist und hilft, der ist verlassen genug. »Der Verstand führt uns fehl und verläßt uns zu eben der Zeit, wo wir seines Lichtes am meisten bedürfen.« Gellert. Einen im Alter, in der Krankheit verlassen. Ein armes verlassenes Kind. Sich der Verlassenen annehmen. »Man soll dich nicht mehr die Verlassene heißen.« Es. 62, 4. Ehemahls gebrauchte man Verlassene in engerer Bedeutung für, von Gott gleichsam Verlassene, für Gottlose. »Verlassene Männer,« schlechte, böse, auch wol, ausgelassene Männer. »Verlassene Worte,« ausgelassene Reden. »Verlassen Leben,« ein schlechtes, gottloses, Kaysersberg, auch wol ein eheloses Leben. I Leben was nicht verlan. Iain 11, 310. 4) Sich auf etwas verlassen, mit Zuversicht Beistand, Hülfe davon erwarten. Sich auf Gott, auf seine gute Sache, auf sich selbst, auf seine Kräfte, Geschicklichkeit  verlassen. Wer sich auf Andere verläßt, ist oft sehr verlassen. Ih verlasse mich dabei auf Dich. I weiterer Bedeutung ist sich verlassen, zuversichtlich hoffen, daß etwas geschehen, in Erfüllung gehen werde. Ih verlasse mich ganz darauf. Auf sein Wort, auf sein Versprechen kann man sich verlassen. Man kann sich darauf verlassen, wofür man auch wol im gemeinen Leben nicht am besten sagt, es ist sich nicht darauf zu verlassen. Sich auf Träume verlassen, zuversichtlich hoffen, daß sie in Erfüllung gehen werden. 5) * * Zerlassen, schmelzen. 6) * * Zulassen, erlauben. 7) * * Erlassen. D. Verlassen. D. — ung.
5314 Zeichen · 93 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verlassen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Verlassen , verb. irregul. act. S. Adelung Lassen , welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. Hinter sich…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verlassen

    Goethe-Wörterbuch

    verlassen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verlassen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verlasse n [fərló Mü. Landsman Lied. 87; fərlon U. ] 1. im Stiche lassen. Er will nix me hr vo n m i r wisse n , er verl…

  4. Sprichwörter
    Verlassen

    Wander (Sprichwörter)

    Verlassen 1. Bai sik op annere verlätt, es verloaten genaug. ( Iserlohn. ) – Woeste, 79, 342. 2. Darup ick my verlêt, de…

  5. Spezial
    verlassen1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +4 Parallelbelege

    ver|las|sen 1 adj. 1 (öde) arbandoné (-ná, -nada), desert (-rc, -a), tralascé (-sciá, -sciada) 2 (unbewohnt) öt (öc, öta…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verlassen

18 Bildungen · 3 Erstglied · 13 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von verlassen

ver- + lassen

verlassen leitet sich vom Lemma lassen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verlassen 2 Komponenten

ver+lassen

verlassen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verlassen‑ als Erstglied (3 von 3)

verlassenheit

DWB

verlassen·heit

verlassenheit , f. alleinsein. mhd. verlâʒenheit, doch in anderer bedeutung als heute. mhd. ist es ein losgelassensein, ein imstichegelassen…

verlassenschaft

DWB

verlassen·schaft

verlassenschaft , f. das von jemand hinterlassene erbe, besonders von geld und gut gesagt: hereditas, bona hereditaria. Stieler 1077 ; die v…

verlassen als Zweitglied (13 von 13)

einverlassen

DWB

ein·verlassen

einverlassen , intro admittere, verstärktes einlassen, ahd. in farlâʒan, mhd. in verlâʒen: den ich mit sorgen în verlieʒ. Wolframs lieder 4,…

frühverlassen

DWB

frueh·verlassen

frühverlassen , von einem früh verstorbenen hinterlassen: von des treusten gatten kus durchdrungen, angesonnt von seines auges licht, find i…

geistverlassen

DWB

geist·verlassen

geistverlassen , vom geist verlassen: ein geistverlaszner, körperlicher traum! Göthe 9, 309 ( nat. t. III, 2); die ceremonie wird als fratze…

gottverlassen

DWB

gott·verlassen

gottverlassen , adj. u. adv. , die als 1 und 2 geschiedenen bedeutungen haben den unterschied lediglich in einer akzentuierung, so dasz, nam…

neuverlassen

DWB

neu·verlassen

neuverlassen , partic. : mit jedem neuen morgen heulen neuverlaszne wittwen, heulen neue waisen. Schiller 13, 111 ( Macbeth 4, 6)

sinnverlassen

DWB

sinn·verlassen

sinnverlassen , adj. : erwacht einmal aus eurem dumpfen schlummer, ehrlose, sinnverlassene geschöpfe! Uhland ged. (1864) 439 .

trostverlassen

DWB

trost·verlassen

trostverlassen , part. adj. : Hammon, du Saturnens groszer sohn, du der trostverlasznen trost und vater, du bist billig in dem götterthron ü…

unverlassen

DWB

unver·lassen

unverlassen , part. adj. , nicht verlassen: die besuchte und unverlassene stad ( Zion ) Jes. 62, 12 ; Rose homiletische studierstube (1723) …

Weisheitverlassen

Campe

weisheit·verlassen

◬ Weisheitverlassen , adj . u. adv . von Weisheit verlassen, unweise. Thöricht — du, künftiger Sünder Weisheitverlassene Hoffnung! und nach …

weltverlassen

DWB

welt·verlassen

-verlassen : in dem weltverlassenen Raspenau H. Stehr drei nächte ( 2 1909) 10; seltener vor part. präs.; vgl. weltbedeutend: obwohl ... an …

Ableitungen von verlassen (2 von 2)

unverlassen

DWB

unverlassen , part. adj. , nicht verlassen: die besuchte und unverlassene stad ( Zion ) Jes. 62, 12 ; Rose homiletische studierstube (1723) …

Verlassene

GWB

Verlassene [bisher nicht publizierter Wortartikel]