schmeiszen,
verb. werfen, schlagen, streichen. ein gemeingerman. wort, zu dem entsprechungen in den andern indogerman. sprachen nicht bekannt sind. zusammenhang mit meiszen, meiszel
u. s. w. ist nicht anzunehmen, vergl. das. (
theil 6, 1986),
ferner Weigand 2, 602
f. Kluge
5 330
a.
goth. smeitan
in den zusammensetzungen gasmeitan
schmieren, streichen, bismeitan
beschmieren. den nord. sprachen scheint das wort abhanden gekommen zu sein, doch begegnen ableitungen: isl. smita (
schwach) '
to steam from being fat or oiled' Cleasby-Vigfusson 572
a (
hierher? fehlt bei Fritzner
2,
also wol neuisl.),
dän. smide
schmeiszen, werfen, schleudern (
könnte aus dem deutschen stammen),
dazu smitte,
schwed. smitta
beflecken, anstecken, ferner schwed. smeta
kleben, kleistern, schmieren. im westgerman. durchweg als starkes verb.: ags. smîtan-smât-smiton-smiten
schmieren, beflecken, mittelengl. smite-smat, smoot-smiten,
neuengl. to smite
schlagen, treffen, erschlagen, zerstören u. s. w., vgl. Skeat 566
b.
altfries. smita (
part. smyten)
schmeiszen, werfen Richthofen 1038
b,
neufries. smij(t)ten,
nordfries. smitjan,
wang. smît,
saterl. smita, smîtte
ebenda. ten Doornkaat Koolman 3, 230
b.
alts. smîtan (
belegt nur das part. besmitin,
genes. 37
Zangemeister),
mnd. smiten
werfen Schiller-Lübben 4, 264;
ebenso mnl. smiten
werfen, schlagen, holl. smijten
schmeiszen, schütten, vgl. Franck 908
f., ahd. smîʒan
linere, illinere, gewöhnlich in den zusammensetzungen gasmîʒan, anasmîʒan
affigere, ûʒsmîʒan
ejicere, bismîʒan
circumlinere, illinere, maculare, contaminare, foedare; ferner ein schwaches bismeiʒan
contaminare Graff 6, 835
ff. auch mhd. ist das simplex ziemlich selten: smîʒen
streichen, schlagen, cacare, daneben ein schwaches smeiʒen
cacare Lexer
handwb. 2, 1017
und 1006.
dieses schwache schmeiszen
hält sich in derselben eingeschränkten bedeutung nhd. bis ins 18.
jahrh. (
belege aus Kirchhof, Rollenhagen, H. Sachs
und Döbel
s. unter 3,
ganz vereinzelt ist schwache flexion in anderem sinne: sonst wolt ich im
die pantoffel in sein antlitz geschmeiszt haben, im hets Christus oder Paulus in dreien tagen nit abgewischt. H. Sachs
dialoge 24, 4
Köhler).
doch kommen daneben mhd. und nhd. starke formen in demselben sinne vor. diese sind im nhd.: ich schmeisze, du schmeiszest
u. s. w. -ich schmisz-geschmissen Schottel 594.
neben schmeiszen, schmaiszen, schmayszen
wird vereinzelt schmeisen
geschrieben: ich dörfft dir dfaust ins maul wol schmeisen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 86
neudruck. vgl. Shumway
d. ablaut. verbum bei H. Sachs s. 32.
den imperativ gibt Adelung als schmeisze, schmeisz
an, die erste form ist wol nur grammatische construction. im prät. findet sich frühnhd. noch vereinzelt schmeisz: aber David .. schmeis umb sich getrost, und schlug weidlich unter sie. Luther 5, 54
a.
später zuweilen schmiesz,
so Steinbach 2, 466; wie ich dann meine laute zu tausend stückern schmiesz.
Simpl. 2, 88, 24
Kurz (
ein weiteres beispiel aus Olearius
s. 2,
e);
oder auch mit angehängtem e: schmisse
Frisch 2, 206
b.
das intensivum schmitzen
s. das., vgl. ferner Grimm
gramm. 2, 14.
neuere mundarten zeigen folgende formen: schweiz. schmeitzen Stalder 2, 335, schmeize Hunziker 225, schmöüze, schmeuse, schmaise Seiler 258
a,
bairisch schmeiszen-schmeiszet, schmisz-geschmissen Schm. 2, 558;
daneben noch vereinzelt schmeiszen
hauen 561,
und schwaches schmaiszen,
meist in den zusammensetzungen anschmaiszen, beschmaiszen
besudeln, dazu geschmaisz, geschmaiszig 557
f. ebenso stehen tirol. starkes schmeiszen (
werfen, cacare, schlendern)
und schwaches schmoassn
neben einander Schöpf 627. 630,
kärnt. schmeiszn-schmeiszet, schmiss-geschmeiszt, gschmiszn Lexer 221,
österr. schmaiszn Castelli 245,
in Würzb. schmaisza Sartorius 109,
henneb. schmêss Spiesz 219,
thüring. schmiss Regel 263. Hertel 40,
sonst gewöhnlich schmeiszen.
niederd. überall sehr verbreitet als smiten (smyten Richey 268. Strodtmann 377
b, schmieten Stürenburg 226
b)
oder diphthongiert smaiten,
märkisch smêiten Frommann 3, 368, 53. — 2.
pers. präs. smitst Mi 81
b. ten Doornkaat Koolman 3, 230
a oder smist
brem. wb. 4, 865. Schambach 198
a. 3.
pers. smitt —
prät. smêt,
auch smeit Schambach 198
a,
sauerländ. smäit Frommann 3, 259, 12 (
dazu die 2.
pers. ostfries. smêst 5, 144, 62,
sonst smêtest). —
part. smêten,
auch smäten Danneil 197
b. ten Doornkaat Koolman 3, 230
a, esmeten Schambach 198
a,
westfäl. smieten Woeste 244
a. Frommann 3, 259, 12.
die bedeutung sondert sich in der hauptsache in drei grosze gruppen: 1)
werfen, 2)
schlagen, 3)
beschmutzen, cacare, vgl. Frisch 2, 206
b.
die allen zu grunde liegende vorstellung ist wol die des werfens, besonders etwas an einen werfen, ihn damit bewerfen, womit sich die bedeutung des schlagens, besonders mit rute oder peitsche, leicht vermittelt. 11)
werfen. diese bedeutung ist sowol dem goth. und engl. wie dem älteren hd. ungeläufig, dagegen ist sie die vorherrschende oder einzige auf niederd., niederl. und fries. (
auch dän.)
gebiete. sie begegnet bereits mnd. und ist im heutigen nd. die einzig übliche, wobei smiten
das ältere werpen, warpen
vollständig verdrängt hat. in der nhd. schriftsprache ist sie seit dem 16.
jh. gebräuchlich (
s. die belege),
doch meist in stärkerem sinne als werfen
und jetzt auf die niedere redeweise eingeschränkt, vergl. Adelung
und Campe.
auch in hd. mundarten ist die bedeutung '
werfen'
weit verbreitet, besonders im ostmitteld., wo sie die herrschende und werfen
weniger beliebt ist, s. Jecht 97
a. Albrecht 203
b. Weinhold 85
b. Schröer 202
b. Kramer 118.
ähnlich in Hessen Vilmar 359,
s. auch Regel 263,
ferner bair.-österr. Schm. 2, 558. Castelli 245. Lexer 221. Schöpf 630. Sartorius 109. 1@aa) schmeiszen
projicere, jetter Schottel 1404,
mit object: einen stein schmeiszen;
bildlich: wenn neid und noth verfolgungs-steine schmeissen. Günther 909; wenn geitz und hochmuth kirrt und hände geiler lust der regung körner schmeissen. 499;
mit näherer angabe des wohin: in die höhe schmeiszen,
in sublime jacere; steine in den garten schmeiszen,
lapides in hortum jactare Steinbach 2, 466; unde smeet groete sware stene over de muren up de borch.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 264; es ist nämlich derselbe, der im jahr 1482 zu Venedig auf öffentlichem markt einen knaul bindfaden in die wolken schmisz. Lichtenberg 3, 185; ich will feuer in seine säle schmeiszen. Schiller
räub. 5, 3
trauersp.; dann kamen sie (
die Römer) mit hölzernen thürmen an die mauern gewackelt ... wir aber schmissen pechkränze darauf. Grabbe 3, 494 (
Hannib. 5). etwas zu boden schmeiszen: gewisz enthielt die (
in alle bäume eingeritzte) schrift ein zeugniss ihrer flamme, und ärgerte den held, der sich bei jedem stamme, wo er sie fand, die lippe bisz, und zürnend ihn zu boden schmisz. Nicolai
verm. ged. 5, 156; einem etwas an den kopf, ins gesicht schmeiszen: ihr müsst gevatter heissen, und dem pathgen ins gesicht ein dutzend thaler schmeissen. Chr. Reuter
Harlequins kindbetterinschmausz 2, 1 (
s. 78, 207
neudruck);
so auch: welch getöse der föhn heut wieder treibt! als ob der böse vom Gellihorne pfeift, es zu zerreiszen, und es dem Gemmi nach dem kopf zu schmeiszen. Werner
d. 24.
febr. 1.
vom wasser: schmeisz denn dreymahl wasser auff dein angesicht. Olearius
pers. baumg. 78
b (7, 15);
freier: wohin sein fall die wilden fluthen schmeist. Günther 712; mit solchen worten schmisz der fürst der Pierinnen den unmuth aus der brust, die glieder auf die banck. 512;
so volksthümlich in zahlreichen sprichwörtlichen redensarten, besonders nd.: wiel ik oolt un kümmerlich wurr, so heff ik min geweer in graben smeeten,
von einem holsteinischen schenkwirt, der seinem sohn die wirtschaft überlassen. Schütze 4, 129; ênem wot in den weg smiten,
einem hindernisse in den weg legen. Woeste 244
a; enem sand in de ogen smiten,
einen übertreffen. brem. wb. 4, 865; enem een frundlik oge to smiten,
einen freundlichen blick auf einen werfen. ebenda; dat hundertste in 't dusendste smiten,
vom hundertsten ins tausendste kommen, beim reden die verschiedensten sachen unter einander mengen. ebenda. Dähnert 434
b. 1@bb)
mit adverbialen bestimmungen, etwas entzwei schmeiszen: sieh nur die gläser! ich sollt' dir sie am kopf entzwey schmeiszen. Göthe 10, 140. etwas hinweg, weg schmeiszen (
gewöhnlich als éin wort, vgl. das.): welchs mich offtmals so gar unlustig gemacht, das ichs alles hinweg geschmissen, und darvon gegangen. Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 6; Wilhelmine .. schmeiszt den dolch weg. Lenz 1, 121;
freier: aber weil .. er nun also jede terminologie wegschmeiszt, aus vollem herzen spricht und handelt. Göthe 40, 227;
sprichwörtlich: se smeet dat seer wiid weg,
sie wollte gar nichts davon wissen. Dähnert 434
b; auf seite schmeiszen,
bildlich: sieht er, dasz gefällt mir jetzt wohl an ihm, dasz er die poeterei ganz auf seite geschmissen. Fr. Müller
Fausts leb. 33, 7
neudr.; von sich: ich widersagte dem soldaten-leben .. schmisz auch meine patrondäsch samt dem rantzen von mir.
Simpl. 1, 394, 13
Kurz; etwas hinschmeiszen,
auf den boden werfen, fallen lassen: schmeisz den schemel nicht so hin. Vilmar 359;
bildlich ein wort hin schmeiszen,
gelegentlich einwerfen, fallen lassen; auch schnell aufs papier werfen: dein brieff bestätigt es mit seiner zärtlichkeit, die fast ein jedes wort so freudig hingeschmissen. Günther 537. schmeiszen
allein für '
hinwerfen, zu boden werfen': alz de murlude eynen unevenen steen hebn, den huden se up dat lengeste, dat se konnen unde steken en dan in de muren, waer dat se konnen; unde konnen sees dar dan nerghen in voghen, so isset gheseen, dat se wal quaet werden unde smyten ene, dat he in vele stucke velt. Joh. Veghe 159, 28
Jostes. andere verbindungen: wir schmeissen dir den treuen seegen, so bald du wanderst, hinten nach. Günther 171;
freier: so bald sich sein (
der violine) geschickt gelencke, in gantz verwirrter ordnung übt, und schneller als ich seh und dencke, die stimmen durch einander schmeist. 348. umschmeiszen,
s. das., zuschmeiszen,
z. b. die thür,
s. das.: ein bösz weib schmeiszt wohl die stubenthür zu, dasz die fenster schüttern. Creidius
nuptialia (
Augsburg um 1652). 1@cc)
ohne object: weit schmeiszen, gut schmeiszen (können)
u. ähnl. wohin schmeiszen: er schmisz nach dem vogel, ohne ihn zu treffen.
sprichwörtlich: he smitt da nig hen wo he henwinkt,
von einem doppelzüngigen, der anders spricht als er denkt. Schütze 4, 129. womit schmeiszen, mit steinen schmeiszen
u. ähnl. so in sprichwörtlichen redensarten: man musz nicht mit prügeln unter die vögel schmeiszen, wenn man sie fangen will. Steinbach 2, 466; dem trau ich nicht, so weit man mit einem polschen ochsen schmeiszen kann. Weinhold 85
b; mit der wurst nach dem schinken schmeiszen,
nd. mit de wust nah'n schinken smiten. Mi 81
b,
etwas kleines hingeben in der erwartung, dadurch ein groszes zu erlangen; d'r is hâst gên smîten mit de müts na,
von etwas fast unerreichbarem oder unausführbarem. ten Doornkaat Koolman 3, 230
b. mit etwas um sich schmeiszen: ein schwangrer berg beginnt zu kreissen, und wird itzt, eh man sichs versieht, mit sand und schollen um sich schmeissen. Hagedorn 2, 53.
bildlich mit schönen worten, mit redensarten, mit versprechungen, mit schimpfworten um sich schmeiszen
u. ähnl. 1@dd)
anstatt steine an
oder auf einen schmeiszen,
sagt man auch mit veränderter beziehung einen mit steinen schmeiszen,
vgl.: steine auf einen schmeiszen,
lapides conjicere in aliquem, einen mit steinen schmeiszen,
lapidibus aliquem incessere, saxa ingerere, lapidibus petere aliquem Frisch 2, 206
c; alle olde wive smetten Solmis mit drecke.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 264
a; pflumpf! lagst du, .. und wurdest mit schneeballen geschmissen über und über. Schiller
räub. 1, 2
schausp.; dat men mi solde bernen als einen ketter of mit vulen eiren smiten als ein falschen prester. Daniel v. Soest
gemeine beichte 1372.
so überhaupt einen schmeiszen: och, de hadden uns so gerne smetten!
Reineke Vos 5692.
mit angabe der wirkung, einen tot schmeiszen
u. ähnl.: du erinnerst dich doch der fabel vom bären, der nicht leiden wollte, dasz sich eine fliege auf die nase des schlafenden einsiedlers, seines freundes setzte, und, um sie zu verjagen, mit einem groszen steine die fliege und den einsiedler zugleich todt schmisz? Wieland 8, 118 (
Danischm. 13); ja — du bist mir der rechte held, frösche mit steinen breit zu schmeiszen. Schiller
räub. 4, 5
schausp. 1@ee)
andrerseits sagt man aber auch einen schmeiszen
im gewöhnlichen sinne, ihn in einer bestimmten richtung oder auf ein ziel hin bewegen, wobei die vorstellung der wurfbewegung meist verblaszt ist: einen ins wasser schmeiszen,
aliquem in aquam ferire Steinbach 2, 466; einen in den koth schmeiszen,
aliquem in lutum provolvere Frisch 2, 206
c; sternhagelbataillon, den kerl hättest du sehen sollen das rosenfarbene mädel hinter die spanische wand schmeiszen. Schiller 2, 6 (
räub. schausp. vorr.); morgen mag's noch hingehen, .. aber übermorgen schmeisz' ich ihn in's loch. Hebbel 2, 48; der edelmann ward voll grimm und zorn; warum? er schmisz den schäfer in tiefsten thurn.
wunderhorn 1, 258
Boxberger; es schmissen mich die unglückswellen, bald himmelauf, bald zu der hellen. Neumark
lustwäldchen 30; von unsichtbarer macht wird schnell aus seinem arm im wirbelwind die nymfe fortgerissen und in die flut des nahen stroms geschmissen. Wieland 22, 131 (
Ober. 3, 62);
reflexiv: nimmt sie mich nicht, so schmeisz ich mich noch heute in den Rhein. Arnim
schaub. 1, 303.
sprichwörtlich: et is, as wenn de dwel en'n baddeljungen (
oder 'ne arme jûdensêle) in de hölle smit,
es werden wenig umstände gemacht, auch vom schnellen essen. Schambach 198
a.
im bilde: laszt sie all ihre ahnen und wappen zumal in die waagschaale schmeiszen. Schiller
Fiesko 1, 5.
bildlich, einen wozu treiben, fortreiszen: und unsres heeres losungswort war die verlohrne schlacht: das riss' uns wie die windsbraut fort, und schmiss' uns tief in blut und mord, und in die lanzennacht. Schiller 1, 346.
ferner einen zu boden schmeiszen,
praecipitem in terram dare, über den hauffen schmeiszen,
percellere et labefactare Frisch 2, 206
a; da hetten die andern, so hinder ihn herwaren nichts anders zu schaffen, nur zu boden zu schmeiszen und zu würgen. Schütz
beschreib. d. lande Preuszen (
Eisleben 1599) 20; wenn man mich auch gleich zu boden niederschmisse.
causenmacher 80; ein panischer schreck schmeiszt alle zu boden. Schiller
räub. 2, 3
schausp.; schmeiszt ihn nieder. 2, 16
trauersp.; unsre friedensrichter die treppen hinab zu schmeiszen.
Fiesko 2, 8; damit nam er den armen tropff .. schmisz jhn unbarmhertzig zu bodem. Rollenhagen
froschm. Y 7
b; und ich begreife nicht wie einen weisen geist ein kleines weh so gar zu boden schmeiszt. Uz 2, 176;
übertragen: und dasz hingegen mich dein rawe faust numehr erhaben, mit mehr macht und spot zu grund geschmissen. Weckherlin 207 (
ps. 102, 13); bald schmeist mich Philindrenens leiche mit neuer ohnmacht in den staub. Günther 192; ein blutsturz will ihn an den boden schmeiszen. Grabbe 1, 29 (
herz. von Gothl. 1).
kärntn. einen schmeiszen
allein, ihn werfen, niederwerfen, beim raufen Lexer 221.
ähnlich nd. Smît-den-kærl
als name einer besonders starken biersorte. nd. korrespondenzbl. 1, 37. — einen aus dem hause, aus dem lande hinaus schmeiszen,
treiben, jagen; in diesem sinne bereits ahd.: (
Jesus) mit themo fingare avur reiʒjoh iagilih sâr ûʒsmeiʒ nihein thârinne bileib,unz er thâr nidare thô screib. Otfrid 3, 17, 42; wo komt der willen her. das wolt auch Adam wissen, drum ward er mit dem schwert aus Eden fortgeschmissen. Daniel v. Czepko
sexcenta monodisticha 5, 9 (
s. Scheffler cherub. wandersm. neudr. einl. s. lvii); warum schmeiszen sie uns nicht aus dem land? Schiller
Wallenst. lager 11; schmeiszt sie hinaus dort, die verwünschte vettel! Kleist
der zerbr. krug 9; worauf ihm der stallmeister ein paar tüchtige ohrfeigen gegeben und ihn zur thüre hinausgeschmissen. Göthe 18, 224.
übertragen: ut dat brod smieten,
von der nahrung helfen Schütze 4, 129;
ähnlich auch: das volck zünt an golicht und schlaissen, den finstern winter weck zw schmaissen. H. Sachs
fab. u. schwänke 1, 155
neudruck. volksthümlich, besonders in der schul- und studentensprache, auch schmeiszen
allein für '
einen aus einer anstalt, einer corporation ausschlieszen',
so auch in Esthland Sallmann 75. 1@ff) die beine schmeiszen,
beim gehen schleudern, schlenkern; nd. de schoken smiten Woeste 244
a.
ähnlich de näse smiten (
eigentlich mit einem ruck nach oben werfen),
über etwas spöttisch thun Dähnert 434
b. 1@gg)
durch werfen hervorbringen, so in der verbindung eine (wasser-)
jungfer schmeiszen (
vgl.jungfer 7,
p, theil 4, 2, 2383),
einen flachen stein so auf das wasser werfen, dasz er abprallt und weiterfliegt; westfälisch ne juffer oder ne hôr smiten. Woeste
a. a. o. 1@hh)
mundartlich, mit wurf trinken: einen schnaps schmeiszen Frischbier 2, 296
a;
in München auch tabak schmeiszen,
rauchen Schm. 2, 558. 1@ii)
studentisch schmeiszen
im sinne von spendieren, andere womit frei halten: ein fasz bier, ein abendbrot schmeiszen
u. ä. 22)
schlagen. diese bedeutung ist auf dem engl., niederl. und hd. gebiete zu hause, während sie dem nd. fehlt. hd. ist indes die intensivbildung schmitzen
dafür üblicher, s. daselbst. der neueren schriftsprache ist schmeiszen
völlig fremd geworden. dagegen ist es mundartlich noch weit verbreitet, oberd. oft mit einer als causativ gebildeten nebenform: so schweiz. schmeize,
mit der rute schlagen Hunziker 225 (
in Davos schmeiza,
den schnee scharf hinschlagen Bühler 1, 126),
bair. schmeiszen Schm. 2, 558
und schmeizen,
hauen 561,
vgl. Lexer 221.
s. ferner Sartorius 109. Vilmar 359. Spiesz 219. Regel 263. Hertel 40. 2@aa) ich schmeisz,
ferio Alberus
dict. hh 4
a; schmeiszen,
verberare, batre Schottel 1404; schmeiszen
für schlagen,
verberare, percutere, ferire, caedere Frisch 2, 206
c;
mit synonymen ausdrücken zusammengestellt: hie wird nichts anders mehr, denn: schlag tod, stich drein, hauw, schweisz (
l. schmeisz), schone keines! gehöret. Kirchhof
wendunm. 2, 301
Österley (3, 32); es ist besser (
für ein weib) friede halten mit gehorchen, als schmeiszen und beiszen mit widerstreben. Moscherosch
christl. verm. 203; dann da kame ich in eine gasse .. welche allenthalben mit tumult, mit zancken und beiszen, mit hauen und schmeiszen, mit schlagen und balgen erfüllet.
Philander (1650) 1, 49; weil wir an denen pferden immer zu schmeiszen und zu schlagen hatten.
Jucundiss. 135.
zuweilen auch freier, in dem sinne von '
sich schlagen, raufen',
dem sich schon einige der angeführten stellen nähern: dann sauffen, schmeyssen, bulen, schweren. darff man keinen wies betten lehr[n]en.
Garg. 162
a. mit einem schmeiszen: weil ihm (
dem Petrus) nicht anders traumt, denn dasz er in person mit dem Pilatus schmisse. Scultetus
bei Lessing 8, 292.
so noch jetzt im tirolischen, koa bua hot a schneid zun schmeis'
n. Schöpf 630.
dreinhauen, im kriege: dahero er das heer beydes, im marschirn und logirn, zum allervortelhafftigsten führen und einquartiren, auch wann es an ein schmeiszen gehen solte, seinen vortel bald absehen konte.
Simplic. schriften 3, 244, 12
Kurz. 2@bb)
mit acc. des inhalts, streiche schmeiszen,
eigentlich an jemand werfen: des hab ich im vil mangen straich mit meinem schuoch, was gar nit waich, nâch seiner heut gesmissen. Osw. v. Wolkenstein 6, 79. 2@cc)
mit acc. des werkzeuges, die ruthe schmeiszen
u. ähnl.; vgl.: heeft hi (
Reinaert) sijn vorste claeuwen ghesmeten boven in Isengrijns aensicht.
Reinaert 7130.
zuweilen wird indes dieses als subject des schlagens angesehen: dut kumpt vaken, dat eyn deme anderen de rode in de weke leyt de one sulvest vor den ers smyt.
d. städtechron. 2, 311, 6; desz herren schwerdt das schmeist. Logau 1, 231, 66; die geissel streicht mich auch die eure glieder schmeist. A. Gryphius 1, 113; wen deine geissel schmeiszt. Günther 493. 2@dd)
die gewöhnliche verbindung ist indes einen womit schmeiszen: einem (
l. einen?) mit einem brügel schmeiszen. Frisch 2, 206
c; so man das ross mit einem rütlein oder peitschen schmeiset. Zechendorfer
zwei bücher v. gebrechen d. rosz (
Eger 1571) 2, 3; Amurat schmeist jhn mit der peütschen. Ayrer 764, 33
Keller. eine pfarrfrau, die den mann anfähret, anschnauset, lose worte giebt, der herrschaft sich anmaset, wirft, schmeist und schläget.
wolgeplagter priester (1691) 149; die lelike quenen, mit sterken steven, hadden ons so ghern ghesmeten.
Reinaert 6329; do kam gut Ruprecht mit gewalt, schmiss ihn bald das ym die milch mer dan halb an ym schröte.
bergreihen 102, 10
neudruck; umb drey wart der gotes sohn mit geysseln geschmissenn. Mich. Weisze
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 259; und (
der bauer) würt mit der ruetten geschmissen. H. Sachs
fab. u. schwänke 2, 531 (349, 78); mich wird mein haus-creutz derbe schmeissen. Hagedorn
d. wein, in Wackernagels
leseb. 2
3, 699 ich werd zu hart geschmiszn und gehalten zu der arbeit. Ayrer 783, 15
Keller; wenn ich mich nun zerrisse, so könnt ich nichts dafür; und wenn ich euch auch schmisse! J. E. Schlegel 3, 528, hab' ich hier hunde, die zu schmeiszen sind? H. v. Kleist
Käthchen von Heitbr. 3, 6.
sprichwörtlich: wente se worden myt dersulven rode gesmetten dar se mannigen mede kettelt hadden.
d. städtechr. 16, 384, 3. 2@ee)
mit genauerer angabe: einen an den kopf, aufs maul
u. s. w. schmeiszen: darumb weren sie (
eltern, die ihre kinder nicht recht erziehen) wol werd .. das die kinder die eltern uber die köpff schmissen, ja gar zu tod schlü
gen. Luther 4, 524
a; auszer, dasz mich
M. Barth .. mit einer ruthe auf die hände schmis. Schweinichen 1, 42; der erste, so mich nur schel ansehen wird, den wil ich alsbald in die fresse schmeissen. Schoch
stud. leben J 6
a; untersteh dichs noch einmal, so will ich dich gewiss in die zähne schmeiszen das die brühe darnach laufen soll. Salzmann
krebsbüchl. (1788) 35; mit einem knütel smiʒʒen sie mich umb daʒ mûl.
meisterl. 126, 23
Bartsch; schweig! oder ich schmaisz dich ans ohr. H. Sachs
fastn. sp. 1, 47, 292
neudruck; darümb wil ich aufs maul in schmayssen. 7, 60, 54. schmys in nack(en)
als name eines starken bieres ist entstellt aus knysenack: Gustrowischer knysenack, oder knysenac, wird ausz gersten gebrauet .. ist ein starck bier, wann mans knöllicht hinein säufft, so nennet mans schmys in nacken, oder schmeis in nacken. Colerus
öconom. 23
b; Güstrauisch bier, oder Güstrauischer schysenack .. ist ein gar starckes bier (darum nennt man es schmys in nacken, oder schmets in nacken). Hohberg 3, 2, 62
a.
vergl. Smît - den - kærl (1,
e).
manchmal steht auch statt des acc. der weniger correcte dativ, wie auch bei schlagen (
vgl. daselbst 4,
f, sp. 360
ff.): weil aber die schöne türckische dirne solches dinges nicht gewohnt war, und es nicht leiden wolte, kriegte sie einen stock in die hände, und schmiesz ihrem herrn damit umb die ohren. Olearius
baumg. 82
b (7, 26); ich hätt' ihnen hinter die ohren schmeiszen mögen, den groszen perrücken. Lenz 1, 161; er hätt' dir ins gesicht geschmissen, und ein schrämmchen über die nase gehauen. Göthe 57, 168;
berechtigt ist dagegen der dativ in verbindungen wie einem den rücken, das maul schmeiszen,
wofür auch jemandes rücken
u. s. w.: wat gölt, et fingt seck wer, de die den puckel schmeist.
carm. nupt. des 18. jh. bei Frischbier 2, 296
a;
ähnlich übertragen: und (
der) wenn die obrigkeit sein maul, wie billig, schmeisset, darzu noch orthodox und gar ein märtrer heiszet. Günther 463. 2@ff)
mit angabe der wirkung, einen tot schmeiszen (
s. 3,
a), etwas entzwei schmeiszen, einem etwas aus der hand schmeiszen
u. a.: schmeiszt ihm die laterne aus der hand! H. v. Kleist
Käthchen 2, 5.
vergl. auch: das (
armbrust) findet ein Same (
Preusze), hencket es an hals, .. die andere .. lauffen zu, .. ungefehr trückt einer los, da schmeists dem Samen maul und nasen hinweg. Hennenberger
landtafel 169. 2@gg)
reflexiv, sich mit einem schmeissen,
schlagen Frisch 2, 206
c; sich (gegenseitig), einander schmeiszen: was wölt ir drumb einander schmaissen? H. Sachs
fastn. sp. 5, 109, 311
neudruck; und beyde schmissen sich und mengten ernst in schertz. Günther 379.
vom fechten: er kann zwar fechten, und schmeisset sich doch nicht.
ped. schulfuchs 70; ich hab mich wol ehe mit eim geschmissen und darffs auch noch so alt wol than. Ayrer 2058, 32
Keller; hett dann mein waffen nicht ergreiffen können ich? und weidlich mich für dich mit allen rümher schmeissen? Dietr. v.
d. Werder
Ariost 8, 74, 5.
dafür auch schmeiszen
allein, s. 2,
a. sich schmeiszen
in freierer verwendung, s. 3,
c. e. 2@hh)
ohne object, womit schmeiszen: so schmeiszt er plötzlich mit der hand und aus dem bette mit der krücke. Günther 436.
so auch von thieren, die mit dem schwanze oder hufe schlagen: der ochs lag müssig in dem stall .. und als ich daselbst auch her tantzt, schmisz er nach mir mit seinem schwantz. Rollenhagen
froschm. D 6
a;
so noch in Leipzig das pferd schmeiszt,
schlägt aus Albrecht 203
b.
vgl. auch: ende (
die mähre) heeft haren voet verdraghen .. ende raemde niet al te mes (
fehl): want si smeten (
ihn, den wolf) so voor sijn hooft, dat hi storte ende was verdooft.
Reinaert 4061; den kopf vom rumpfe risz dem einen sein (
des rosses) gebisz; derweil ein hufschlag zwei zu boden hinten schmisz. Rückert (1882) 12, 128 (
Rustem 2). 2@ii) auf einen, nach einem, unter die feinde
u. s. w. schmeiszen: der ander psalm ist der feinste unnd beste psalm einer, ich bin jhm hold, dasz er also in die fürsten, könige, rehte, richter,
etc. schmeisset, und so frisch unter sie schleget. Luther
tischr. 35
b (
oder zu 4,
a, β); do das die wacht hört, kömpt sie bald, mit helleparten und mit spiessn, tapffer auff die nachtraben schmeissn. Sommer
Cornel. releg. G 1
a; sondern mit muht und zorn liesz ich damahls nicht nach auf meine feind zu schmeissen. Weckherlin 70 (
ps. 18, 67); er schonet seiner nicht, läst weidlich auff sich schmeissen, dasz uns in Pluto grufft Alecto peitsche nicht. Fleming 9. 2@kk) an
oder auf etwas schmeiszen: an die thüre schmeiszen,
fores pulsare Steinbach 2, 466; auff sein (
gottes) wort .. fare ich ein, unnd schmeisz mit freuden drauff (
auf das erz). Mathesius
Sar. 39
a; da fing zu allem unglück eyner under jhnen an mit seim stock auffs land zuschmeissen, zuflen ob sie sicher weren, und fest land erreicht hetten .. derwegen .. schmisz (
er) so hefftig durch eyn grub eines holen zans, das .. der streich auff ein geschwollen zanfleysch abglitschet.
Garg. 238
a; es plitzet grewlich eins umbs ander, das auch die funcken darvon, wie von einem glüenden eysen, so der schmidt darauff schmeisset, in die stadt fielen. Hennenberger
landtafel 80;
übertragen auf den schlag der wellen: als wie der wällen flutt, die an den fölsen schmeisst. Rompler v. Löwenhalt
reimged. 81. 2@ll)
mit adverbialen bestimmungen, drein schmeiszen;
so häufig in freierer weise von gott: gott sihet wol eine weil zu, er ist aber ein eiverer .. darumb schmeisst er endlich drein, und warlich grob. Luther 4, 512
a; damit er umb sich greiffet, und drein schmeisset, unter die, so wider sein reich und friedlich regiment streben. 6, 48
a; es fraget die trotzige und rhumkne welt stetigs, wie S.
Peter, herr sollen wir schier drein schmeissen? Mathesius
Sar. 94
b; o wunder, dasz nicht gottes grimm mit seiner starken donnerstimm vom himmel drein geschmissen! P. Gerhardt
s. 33, 114
Gödeke. zu schmeiszen (
als éin wort, s. daselbst): da wird gott zu schmeissen in kürtzen. Luther 6, 108
a;
Niklas. nein, vater! darauf versteh' ich keinen spasz ... da schmeisz' ich gewisz zu.
vater. da schmeiszt sich's nicht so. Göthe 11, 101. um sich schmeiszen:
kellner .. stets schmeiszt sie wie eine furie um sich.
Lieschen. wahrhaftig, ich fühls am besten! wenn ihr früh der spiegel die wahrheit saget, so kriege ich gewisz ein dutzend ohrfeigen. Weisze
kom. opern 2, 14. 2@mm)
so auch als bergmannsausdruck von der pocharbeit in den gruben, vgl. schmeiszwerk: drauff setzet er ein haspel ... henget fart ein, unnd schmeist mit freuden drauff, und hoffet alle stunden auff ertz. Mathesius
Sar. 64
a; man hawet .. mit pillen und ritzeisen ein ritz ... und schmeisst im schwang mit den grossen peuscheln mit freuden drauff, bisz sich der stein gibt oder auffthut, und platzet. 139
a. 33)
hieran schlieszen sich weitere freiere verwendungen. 3@aa)
zuweilen scheint schmeiszen
ebenso wie schlagen
den stärkeren sinn von '
erschlagen, töten'
zu haben, so vielleicht Luther 3, 397
a,
vgl. indes 4,
b. sonst wird eine nähere bestimmung wie tot, zu tode schmeiszen
hinzugefügt; doch ist der begriff des schlagens dabei manchmal ganz verblaszt: ach vater, du schmeist .. mich tod. Salzmann
krebsbüchlein (1788) 123; mutter Marie! rief er seiner frau zu — schmeisz hüner und gänse todt, schaff was zu schlampamben und zu leben für d'e herrn! Plaut
akad. liebe 211; flöh und läuse, die uns beissen, pflegt man balde tod zu schmeissen. Logau 2, 189, 70.
ähnlich auch: ha! über den raker — von hinten her will er männer zu schanden schmeissen? Schiller
räub. 4, 5
schausp. 3@bb)
den feind im kampfe besiegen, in die flucht schlagen, (
zurück)
werfen; so noch märkisch ṡmêiten den figgend Frommann 3, 368, 53; zwar eine stoltze feder, ein ring, ein güldnes schwerd, und auch ein güldnes leder schmeist keine feinde nicht. Opitz 1, 105; allein sie (
die römischen triarii) blieben nicht auf den knieen, wenn die fordern treffen geschmissen waren, und der streit nunmehr an sie kam. Lessing 8, 121. 3@cc)
so auch sich schmeiszen,
vom kampfe zweier heere, vergleiche 2,
g: der Römer grosses lob hat schöner nie gegliessen, als wie sie krieg geführt, sich ritterlich geschmissen. Opitz 3, 272; vater Mars, lasz ab von Meissen ... lasz sich nun auch frembde schmeissen. Fleming 414;
sich zur wehr setzen: Bizantz du sollt unser heissen, eh dasz du dich denkst zu schmeissen. 480. 3@dd)
übertragen, einen schmeiszen,
plagen, quälen, peinigen u. s. w.: (
ich) befand mich mitten in trübsahl mit angst geschmissen und zerrissen. Weckherlin 146 (
ps. 32, 6); zwar er (
der herr) hat uns ja zurissen mit ergrimmtem angesicht und uns, da er uns geschmissen, sehr erbärmlich zugericht. P. Gerhardt
s. 149, 11
Gödeke; der mit feurigen gebeten und mit glüender begier vor den bösen gott getreten, und uns stets gesprochen für, den hat er drüm sterben heissen, dasz er uns kan schärffer schmeissen. Fleming 307; der versöhnte himmel weist, wie er wieder wolle segnen, läst uns seine gunst begegnen, wo uns noch sein eyfer schmeist. 478. 3@ee)
ähnlich reflexiv, sich mit etwas schmeiszen,
herumschlagen, plagen: ich halte nichts von dem, der allzeit grillen scheust, und sich die gantze zeit mit tollen sorgen schmeist. Fleming 589; ich habe nun ... mit mangel und gefahr mich vielmahl müssen schmeissen. 626. 3@ff)
auch vom blitz, donner, hagel u. s. w. wird zuweilen schmeiszen
statt des gewöhnlichen schlagen
gesagt: zu Crupiszcke hat einer auff einen sontag ein hauffen hew zusamen gebracht, bald hat der donner hinein geschmissen, und es alles verbrant. Hennenberger
landtafel 63; und wie ein junger zweig, den nord und hagel schmeisset, den gantzen stock verletzt. Günther 821;
freier, im bilde: dennoch siegt beständigkeit, obgleich wind und wetter schmeissen, und in mast und seegel reissen. 318. 44)
schmutz an etwas werfen, es beflecken, beschmieren. diese bedeutung herrscht in den meisten altgermanischen dialekten, so goth. ags. ahd. neben dem stammwort steht in den nördlichen sprachen eine intensivbildung, ags. smittian,
dän. smitte,
schwed. smitta,
also formell zu dem deutschen schmitzen
stimmend, aber in der bedeutung '
beflecken, anstecken'
; dazu gehört als intransitiv schwed. smeta,
vgl. oben. eine andere weiterentwicklung zeigt die spätere deutsche sprache, wo schmeiszen
sehr oft in der spezielleren bedeutung '
cacare'
begegnet. doch liegt in der mehrzahl der fälle ein schwaches verb (
ahd. *smeiʒʒen)
zu grunde, obwol auch starke flexion begegnet. 4@aa)
cacare, so mhd. und frühnhd. (16.
jh.),
später nur noch in bair. - österr. mundarten, s. Schm. 2, 558. Sartorius 109. Castelli 245. Schöpf 630.
bereits mhd. stehen in diesem sinne schwaches smeiʒen
und starkes smîʒen
neben einander, s. Lexer
handwb. 2, 1006. 1017.
ebenso im nhd. (
s. die belege),
wo mundartlich der unterschied auszer in der flexion auch noch in der schreibung mit ai
oder ei
hervortritt. auffällig ist geschmaisset und geschmeysset
Garg. 56
a.
das schwache verb hat sich im heutigen tirol. als schmoassn
erhalten Schöpf 630. schmeiszen,
maculare stercore Schottel 1404. schmeiszen,
adhibetur pro scheissen;
präs. ich schmeisze,
caco, er schmeiszt in die hosen,
braccas stercore maculat Steinbach 2, 466; Frisch 2, 206
c bemerkt dazu: wann scheissen einem zu grob scheinet, meinet er es durch schmeissen höflicher zu geben, es bleibt aber doch pöbelhafft. einige dichten diesem verbo in dieser bedeutung ein anders imperf. an, aber vergeblich, man musz sich die albern formationen des pöbels nicht mit hinreiszen lassen.
auch Adelung
bezeichnet es als anständigeren ausdruck für scheiszen,
ebenso Bernd 266. 4@a@aα)
von menschen, überwiegend mit starker flexion: do liesz die büchs und schmiss er die hosen vol, das ain gross gestenk umb ine wardt.
Zimm. chron.2 3, 78, 3
Barack; im bilde: jtzt vergessen sie gottes, der sie dazumal errettet, da sie doch so schendlich in die hosen schmissen, das es noch stincket, wo ein scharrhans gehet oder stehet. Luther 5, 46
b; wenn sie nicht können speyen noch schmeiszen, wird ihnen, wie Judas, der bauch bersten mussen; denn es will und kann nicht bey ihn bleiben, was sie Christo gestohlen und abgefressen haben.
briefe 4, 207;
noch Adelung
fuhrt an: das kind hat in das bett geschmissen. 4@a@bβ)
so häufig in der niedern redeweise auf, in etwas,
oder einen schmeiszen
als ausdruck der verachtung: denn sie (
die bibel) ist das heubt, und die keiserin unter allen faculteten und künsten, wenn sie die theologia ligt, so schmiesse ich auff den strumpff (
rumpf, überrest). Luther
tischreden 2
b; ich schmisse in alle ceremonien one gottes wort. 17
b (
vgl. auch 35
b unter 2,
i); aber gott geb, er sage, er thu, was er wolle, so schmeisz ich auch jnen (
ihn).
der verzucket Pasquin. (1543) B 6
a;
vgl. auch: o nachtpawr, nimb süszholtz ins maul! gehab dich wol, ich scheidt mit wissen. die fraw spricht: ja, eben in das maul geschmiessen! H. Sachs
fastn. sp. 4, 129, 142
neudruck. 4@a@gγ)
von thieren, insbesondere vögeln, hat sich schmeiszen
als technischer ausdruck länger gehalten; in dieser verwendung herrscht durchaus das schwache verb: wâ man den aschen hin klaibt, der auʒ dem (
toten) unk geprant wirt, dô mag kain spinn ir netz geweben und mag kain vergifteʒ tier dâ gewonen noch mügent die vogel dâ gesmaiʒen. Megenberg 264, 23; man mag dem falcken warmen wein mit pfeffer darunder gemischet in den hals gieszen und in behalten, bis das er das asze (
die ätzung) wol abgetruckt von im gesmaiszt hatt. Mynsinger
von den falken u. s. w. 25; er (
der habicht) wirt auch under weilen verstopft, das er nit smaiszt. 35; da er (
Tobias) ... sich neben eine wand leget, und entschlieff, schmeiste eine schwalbe aus jrem nest, das fiel jm also heis in die augen.
Tob. 2, 11; zuo lest ist er (
der habicht) dem tod nach (
nahe) wen er grün schmeiszt. Geszner
vogelbuch 122
a; so du jn bisz umb die zwey (
uhr) getragen, so luog ob er dann schmeitzen möge. 129
b; so der hapch ... wenig iszt, und dauchig ist, darzuo schwartz und dick schmeitzt ... so wüsz das disz anzeigungen einer kranckheit sind. 134
a; warm schweinenfleysch mit eym wenig aloen den raubvögeln eingeben, laxirt dieselbigen, und macht sie schmeyssen. Sebiz
feldb. 606; wann der vogel nicht schmeiszen mag, so rupfet er die feder mit seinem schnabel aus. Feyerabend
falknerei (1582) 58
b; musz er sich oft vom floh stechen oder eine mucke uff die nasz schmeissen lassen. Lehmann 94; darzu hat es (
die gans) einen bösen hitzigen unfruchtbaren mist, und wo es hinschmeisset, da thut es dem fruchtbaren land keinen nutzen. Colerus
hausb. (1680) 489
a; kan aber der reiger über den habicht kommen, so sprützet er mit seinem hindern auff den habicht .. drumb hütet sich der habicht vor des reigers schmeissen. 634
b; schmeissen nennt man es, oder geschmeiszt, so er (
der raubvogel) den koth hinten von sich wirft. Döbel 1, 75
b; wenn sie (
die vögel) den mistel genossen, und wieder von sich schmeisseten. 3, 88
b; der kramentsvogel (zimer) schmeist jhm selbst das verderben: denn was er beklicket, das brütet mistel, daher der vogelleim kompt. Comenius
sprachenthür 157; er wolt der mausz nemen jhr leben, das sie von einem haselblat, jhm auff sein heupt geschmeisset hat. Rollenhagen
froschm. Rr 6
b; doch schmeiset mir ein schwalb ins gsicht, das ich kein stick kan sehen nicht. Ackermann
Tobias 261 (
s. 21
Holstein);
vgl. auch Jacobsson 4, 3
a. Behlen 5, 505. Heppe
wohlr. jäger 265
a (
von den raubvögeln). 4@a@dδ)
auch von dem eierlegen der insekten wird schmeiszen
gesagt: man braucht schmeiszen sonderlich bey insecten, als papilionen, fliegen
etc. weil sie ihre eyer hinten aus legen, und viel meinen es geschehe durch den hintern. Frisch 2, 206
c,
vgl. schmeiszfliege und schmeisze.
hierher: hierausz gut abzunemen, dasz das gifft nicht im käsz .. sondern auszwendig musz darauff von einer spinn, scorpion oder ratten, so die insonderheit reyisch sind, geschmeist worden sein. Kirchhof
wendunm. 3, 124
Österley (4, 130); wie ein flieg, die umb sich schmeist. Ringwald
laut. warh. 170—?
so auch bildlich (?): und der sich auff das höchst befleiszt, offt selb in seine weiszheit schmeiszt. B. Waldis
Esop 4, 76, 57. 4@bb)
nur ganz selten steht schmeiszen
nhd. in der bedeutung '
anstecken': uber das sind etliche noch erger, welche, so die pestilentz heimlich haben, unter die leute ausgehen, und haben solchen glauben, wo sie ander leute kunden damit beschmeissen und vergifften, so würden sie derselbigen los und gesund .. gleich wie die meuchelmörder .. also schmeissen diese auch, hie ein kind, da ein weib. Luther 3, 397
a (
vgl. 3,
a).
sonst steht in diesem sinne beschmeiszen,
s. daselbst theil 1, 1582
ff. dieses auch in freierer verwendung, z. b.: da der seeln schedlich calvinist, gleich dem gifftign krebs, umb sich frist, beschmeist die lande an dem Rein, nimpt auch jtzt bald gantz Deutschland ein.
der postreutter (1591) E 1
a; und hüt euch ja mit allem fleisz, dasz euch kein falsche lehr beschmeisz. Ringwald
evangelia B 3
b 4@cc)
ähnlich intransitiv: also schmeist dise ungerische plag in alle land. Conradinus
ungerisch sucht (1574) 24. 4@dd)
manche bildliche verwendungen scheinen ebenfalls auf diese grundbedeutung zurückzugehen, besonders intransitive (
zu a, δ oder c),
welche sich vielfach der folgenden bedeutung nähern: erstlich schleicht er (
dieser geist) hin und her im lande, und schmeiste heimlich umb sich. Luther 3, 59
b; sie rhümen sich fast hoch des geists .. und haben doch nu lenger denn drey jar heimlich geschlichen und geschmeiszt. 89
b; denn das gehet nicht an meine person (welche sol schweigen und leiden) sondern meine lere (welche sol schreien und schmeissen). 331
a (
oder gehört letztere stelle zu 2?); wie diese gifftige schleicher thun, welche wollen mit jrem lestern nirgend schmeissen, denn bey und unter denen, die getaufft sind. 5, 158
a. 4@ee)
transitiv, aushecken?: das ich dencke, dieses büchlin sey vom leidigen satan selbs, mitten in der helle geschmiedet und geschmissen. Luther 1, 58
b. 55)
endlich findet sich schmeiszen
ähnlich wie schlagen
auch in intransitiver bedeutung. 5@aa)
heftig und plötzlich fallen, von groszen körpern; hinschmeiszen,
zu boden fallen; er ist hingeschmissen Adelung (
nur in niedriger sprechweise). nach Regel 263
steht schmiss
überall in Thüringen für '
fallen, stürzen'. 5@bb)
sich schwingen, von vögeln: wie wann der printz der lufft der adler ohn gefähr durch sein gefängnüsz reisset, und über alle berg' hin in die wolcken schmeisset, schwingt mit der flügel krafft sich auff das blaue dach des schönen himmels zu. Opitz 2, 105. 5@cc)
tirol. schmeiszen, dahe' schmeiszn,
rasch dahergehen Frommann 5, 107, 54.
so auch schlesisch: ein leuffer kommt jenseit der Oder geschmiessen. Scherffer
ged. 415;
vgl. P. Drechsler
Wencel Scherffer s. 231.
nach Schöpf 630
auch '
gemächlich gehen, schlendern'.
ebenso im bairischen: wo schmeisst hin? sie sind übers feld hinausgeschmissen. Schmeller 2, 558 (g).
vgl. auch westfäl. smiten gn,
vom arbeiter, der zur strafe einige zeit unbeschäftigt ist. Woeste 244
a. 5@dd)
in Aachen schmiesze,
dünn regnen Müller - Weitz 216.