suchen,
vb. ,
in allen germanischen sprachen bezeugt: got. sokjan,
ags. sēcan,
as. sokian,
an. soekja,
afr. sēka, sēza,
ahd. suohhan.
aus idg. sprachen steht am nächsten lat. sāgio
spüre, air. saigim
gehe einer sache nach, suche; zur weiteren verwandtschaft vgl. Walde-Pokorny 2, 449.
der umlaut des stammvokals erscheint im nd., er wird im md. verzeichnet von Crecelius
oberhess. wb. 827; Spiess
henneb. id. 248; Hertel
Thüringen 240; Gerbet
Vogtland 425
und auf kolonialem boden bei Schröer
deutsche mundarten des ungrischen berglandes 225.
neben eigentlichem suchen '
einer sache nachspüren, sich bemühen, sie aufzufinden' (
dann auch '
jemanden aufsuchen, ihn bedrohen, angreifen')
steht eine reich bezeugte bedeutungsgruppe mehr unsinnlicher art: '
erstreben, trachten nach',
s. u. 5.
der gebrauch von suchen
in der rechtssprache (
s. u. 7)
ist nicht zu trennen von den composita besuchen, ersuchen,
s. deutsches rechtswb. u. Staub-Tobler
schweiz. id. 7, 220; 229. 11) '
sich bemühen, etwas zu finden',
das object folgt im acc. oder ist mit um, nach
angeschlossen. 1@aa)
als sinnlicher vorgang, meist handelt es sich um einen concreten gegenstand, dessen örtliche lage ungewisz ist. 1@a@aα)
allgemein: see diin muoter enti bruoder stantant uze suohhent dih
Monseer fragmente 7, 23
Hench; allero giwelih thie bitit inphahit inti thie suohhit findit
Tatian 40, 5; sus begunder suochende gân und sach ein schœne palas stân Hartmann v. Aue
Iwein 6425; dô wart ûz den schrînengesuochet guot gewant
Nibelungenlied 275, 1
L., in gleicher verwendung auch Walther v.
d. Vogelweide 30, 31; 34, 23; item ½ m vor das vortrunkene silber weder zu suchen
Marienburger treszlerbuch 548
Joachim; do der abt und die münche vernamen, daz sie nicht wider zuo im selbes kame, in an griffen, den pulsz suchten, aber nit funden Arigo
dekamerone 220
Keller; die czwei jungen rechlein ... ir speise in dem walde suchten Arigo
dekamerone 93
Keller; (
die bienen), die der uszern farben nit acht habent, sunder suochent sie die süssikait des honigs Steinhöwel
Äsop 4
lit. ver.; den wäg mit den henden suchen
iter caecum explorare Frisius
dict. 518
b; den andern theil der adern such mit einer nadel und zeuch in herfür Gäbelkover
artzneybuch (1595) 211; wann ... ein rosz einen vollen fetten kopf hat, so suche eine qverhand unter das auge, da fühle hinein, da liegt es in der haut wie ein finger dicke
M. Böhme
roszartzney (1618) 18; umb herberg suchen Moscherosch
gesichte Philanders 1 (1650) 31; (
das) instrument wird gebraucht, wenn ein rosz ein unsaubern hals und die würme drinnen hat, so sol man sie damit suchen, auch solche gewisz in dem halse finden wird J. Walther
pferdezucht (1658) 158; vom einzäumen und satteln, davon suche auch droben im 9. capitel
ebda 27,
dazu vgl. sursum trahere soke Diefenbach
nov. gloss. 356
b; unser suchen nach ihr ganz vergeblich ware A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 333; fand sich zuletzt, freilich nach unermüdetem suchen und anklopfen, noch irgendeine gutmüthige seele U. Bräker
s. schr. 1, 205; mich lüsts um einen häring (sucht um geld im sack)
samml. v. schauspielen (
haush. n. d. mode) 6, 66; und hiernächst hat mir der verzweifelte Guido de Columna so viel suchens (
in der bibliothek) gemacht Lessing 18, 208
L.-M.; vor den häusern nach dir suchend herumbetteln Brentano 5, 162; Abdias zündete sich nichts an, sondern suchte nach der wange des weibes, kniete nieder und küsste sie zum abschiede Stifter
s. w. 3, 39; hätte man das überschreiten der sächsischen grenze um vierzehn tage verschoben, so würden wir heute ... die schlachtfelder des krieges auf der landkarte von Schlesien zu suchen haben Moltke
ges. schr. 1, 29; vergebens hatte Mozart unter der groszen menge italiänischer operntexte nach einem brauchbaren gesucht Jahn
Mozart 4, 193.
häufige verbindungen: mhd. herberge, furt suchen,
s. mhd. wb. 2, 2, 9,
dort auch das häufige weg suchen,
das namentlich uneigentlich begegnet (
s.b
β),
ebenso übertragen: soll das nicht seine (
des teufels) letzte verstörung sein, so mus er und wirt ein ander schlupfloch suchen Luther 15, 128
W.; das die propheten alda an der saal raum und loch suchten, ihren geist und gift auszubreiten 18, 96; wie sucht frau Hulda lucken und löcher? 18, 205.
ein nebensinn '
zu erwerben, sich zu verschaffen trachten'
tritt hinzu, während der gedanke an die örtliche unbestimmtheit zurücktritt: ich will mir suchen ein andern herrn H. Sachs 21, 10
lit. ver.; bist du ledig, such kein eefrowen Zwingli
deutsche schr. 1, 133; treibet einen die noth, solche dienste ausserhalb zu suchen Moscherosch
insomnis cura 44
ndr.; mancher ... kirchendienst vergeblich suchen muss B. Schupp
schr. (1663) )( 2
b; meine häuszlichen umstände nöthigen (
mich), mir eine gehülfin zu suchen Lessing 2, 11
L.-M.; personen, die ein amt, eine anstellung suchen Göthe 25, 52
W. heute allgemein einen gesellen, einen lehrling, ein hausmädchen suchen, eine stellung suchen. 1@a@bβ)
der sinnliche vorgang des suchens ist in seiner art näher ersichtlich: sinen blic wirfet er lieblich nach dir, suchende ob sine gir si da dime lebne bi
Daniel 8246; ihre wünsche in ihren augen suchend Göthe 45, 70
W.; ihre blicke spielten umher, sie schien etwas mit den augen zu suchen Eichendorff
s. w. 3, 279; (
er sperrte) die augen weit auf und suchte mit denselben rings auf dem platze ein haus, wie einer, der aus einem schweren traume erwacht Keller 4, 22; als ich suchend die nun ganz verdunkelte gasse hinunterblickte R. Huch
triumpfgasse (1902) 2; er richtete seinen unsicher suchenden blick auf den doctor
M. v. Ebner-Eschenbach 2, 46; oft sasz er stundenlang, mit stieren blicken den boden suchend
M. Beer
s. w. 44.
in anderen fällen tritt eine bewegungsvorstellung stärker hervor: die krippe laufft dem ochsen nicht nach, der ochs musz die krippen suchen Petri
der Teutschen weissheit (1604) 2, q 7
a; wie Cato sagt, das hauss suche nit das land noch das land das hauss Sebiz
feldbau (1579) 31; ebenso natürlich und nothwendig als dasz der frosch das wasser sucht Göthe 21, 478
W.; und zischend, mit geschwelltem kamm die eidechs sucht den hohlen stamm A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 17;
die weitere entwicklung führte dann zur bedeutung '
hingehen und aufsuchen',
s. u. 3. 1@a@gγ)
anwendungsbereiche besonderer art. in der bergwerkssprache '
erz schürfen': wo ein man ercz suchen wil, das mag her thun mit rechte (14.
jh.)
Freiberger urkundenbuch 2, 268; die wil der suchenthalp do ist
Diesselmuter bergweistum (1377),
s. zeitschr. für bergrecht 13, 74; allermeniglich, so umb berürten Dachsberg ... von perchwercksarbeit, suchens und erpauens willen sich einlegen (1522) Lori
baier. bergr. 185. bergwerk suchen: (
wir verleihen) allen denen ..., so in diss bergwerk gangen sind und noch gan wurdent ... das gebirg und bergwerk in der grafschaft Salgans gelegen ..., also dasz si solichs nach bergwerksrecht suchen, buwen, nutzen und nieszen sollen und mögen (1521)
nach Staub-Tobler 7, 214; diese kunst den berckleuten, die bergwerck suchen, ... sehr dienstlich Ercker
beschreibung (1580) 1
a.
als '
aufspüren, fahnden nach, verfolgen',
s. sucher: suochin er (
Saul) in (
David) da gebot Rudolf v. Ems
weltchron. 24482; und taten ir mit warheit kunt wie man si suochte uf den lip 15896; in hat auch der Machmet gepoten, das sie die christen und alle, die wider sein glauben sein, suchaten pei tag und pei nacht Schiltberger
reiseb. 92
lit. ver.; ouch hant si (
des bischofs dienstmannen) daz recht, ... swa ieman in ir hus entrinnet, den sol nieman sœchen (13.
jh.)
bei Staub-Tobler 7, 215.
als '
beute suchen, plündern': dann die reutter, die in dasz landt waren gelegt, thätten nit dann voglen und suechen
Basler chron. 7, 303,
s. o. such.
in der jägersprache: il queste bien er (
der hund) sucht wohl Duesius
nomencl. (1652) 185; wie man hasen suchen sol
haushaltung in vorwerken 215
Ermisch-Wuttke; such! verloren! (
stehende wendung, um den hund auf die spur zu schicken) Döbel
jägerpractica (1754) 1, 109; Staub-Tobler 7, 213. 1@a@dδ)
formelhafte redewendungen: (etwas sucht) seines gleichen
hat nicht seines gleichen, ist unerreicht: ich hab einen hund, der seines gleichen sucht Klinger
w. 1 (1809) 143; an zähheit sucht es (
das israelitische volk) seines gleichen Göthe 24, 248
W.; bist du der (
mörder) auch, so suchst du deines gleichen Schiller 13, 83
G.; in dem lebendigen, echt dramatischen ... sucht dieses recitativ seines gleichen O. Jahn
Mozart 4, 620.
die formel etwas zu suchen haben
entstammt anscheinend der rechtssprache, s. u. 7 b.
mundartlich begegnet ein unpersönlicher gebrauch, dessen sinnlicher ausgangspunkt nicht mehr ersichtlich ist: es sucht in einem, im bauch
vom leichten schmerz beim bauchgrimmen, nach genusz eines abführmittels Staub-Tobler 7, 213; Martin-Lienhart 2, 323; Follmann
lothr. 511;
weiterhin der magen sucht
knurrt Fischer
schwäb. 5, 1946; s het mi schon lang gesuecht
von den ersten leichten anfängen der krankheit Martin-Lienhart 2, 323. 1@a@eε) suchen
im sprichwort: man sagt: wer das erste mal gen Rom gaht, der sucht einen schalck, zum andern mal find er ihn, zum dritten bringt er ihn mit erausz Luther 6, 437
W. suchen mus mans doch zuletzt do es ist Friedrich Wilhelm
sprichw. (1577) e e 1
a; wenn der feind im hausz ist, musz man nicht ihn draussen suchen Lehman
flor. pol. (1662) 1, 218. es suocht offt einer, das er vor lang funden hat
sprichw. (1548) 103
a; es sucht offt einer ein pferd und sitzet oben darauff Petri
der Teutschen weisheit (1604) 2, D d 1
b. so sucht selten einer den andern hinder dem ofen, der nit zuvor auch dahinden gestanden ist J. Mathesius
Sarepta (1571) 153
b; es sucht keiner den andern im sack, er sei denn zuvor selber drinn gesteckt Lehman
flor. pol. (1662) 1, 50;
vom vergeblichen und unnötigen suchen: suochst ein knopf (als sprichwort ist) an der bintzen J. Dittenberger
ob sant Peter zu Rom sei gewesen (1524) a 3
b,
s. teil 5, 1472;
aquam e pumice postulas du suochest würst im hundsstall Tappius
adag. (1545) v 7
b; den fünften zipfel am sack suchen Fischart
Garg. 242
ndr.; im meer wasser suchen S. Franck
sprichw. (1545) 1, 49; er hat ... Moses grab gesucht Lehman
flor. pol. (1662) 2, 798. 1@bb)
unsinnlich als geistige tätigkeit. 1@b@aα)
durch nachdenken erkenntnisse, gedanken, auch ihre ausdrucksform, zu gewinnen suchen: suahtun io innan thiuurkundi luggu, thaz sie nan thoh mit luginonmohtin thar biredinon (
quaerebant falsum testimonium Matth. 26, 59) Otfrid IV 19, 24,
hier in anlehnung an die vorlage (
s.γ),
jedoch selbständiger: nû sint die cardinal sô karc daz si ungerne fliesen. die begunden suochen unde kiesen, mit wiu si wurden gewert Ottokar v. Steiermark 8313; darumb darfstu nicht lange süchen und nach allen sunden trachten Luther 15, 489
W.; wer überlegt, der sucht bewegungsgründe, nicht zu dürfen Lessing 3, 72
L.-M.; philosophen, das ist, leute, die deutliche begriffe suchen Herder 5, 17
S.; (
ich) habe keine worte, keine gedanken, dir zu sagen, was geschah, und nie will ich darnach suchen Klinger
w. 4, 99; verstehen sie das gleich auf den augenblick oder müssen sie den verstand erst durch gegeneinanderhaltung der sätze suchen Lenz
ges. schr. 2, 329; zuerst suche ich, woher es komme, dasz man so gerne in gesellschaft läuft Zimmermann
einsamkeit 1, 7; wie der bearbeiter ... leichtere übergänge sucht, ... überall verständlicher ... zu werden strebt Ranke
s. w. 1, 174; so sollen wir doch nicht verschmähen, die technischen regeln ... zu suchen und verständig zu gebrauchen G. Freytag
technik des dramas, ges. w. 14, 5; (
er) suchte schreibend erst die gedanken W. H. Riehl
musik. charakterk. 1, 307; ein sinn wird nur von dem gefunden, der ihn sucht Schnitzler
kakadu (1899) 56.
in allgemeinerer bedeutung: wer sucht, wird zweifeln Novalis im
Athenäum 1, 2, 77;
häufig: die warheit suchen
cercare, ricercare la verità Kramer
dict. 2 (1702) 1032
c; wenn ihr im suchen euch trennt, wird erst die wahrheit erkannt Göthe 5, 231
W.; deutlich übertragen: darumb suoche es von innan in dem grunde und lo din uzlouffen und din uzsuochen sin Tauler
pred. 14, 25
Vetter; wenn sie in sich blickte und suchte, war es in ihrem geiste leer Göthe 21, 45
W.; von allen fehlern und untugenden seiner zöglinge muss der erzieher den grund in sich selbst suchen Salzmann
ameisenbüchlein (1806) 17.
die örtliche angabe zeigt, dasz hier der sinnliche gebrauch ins unsinnliche übertragen ist. gleiches gilt von den folgenden belegen: es ist lächerlich, den wahren geschmack ... in Frankreich zu suchen Gerstenberg
recensionen 88
lit. denkm.; Griechenland ist die schule aller schönen künste gewesen; hier musz man also den ursprung der dramatischen poesi suchen Ramler
einl. (1758) 2, 285; wie oftmals suchen wir von eines reiches fall und mächtger thronen sturz, die ursach überall Zachariä
poet. schr. 1, 89; und man findet sie (
die auflösungen der rätsel) nicht, eben weil man zu tief suchte Herder 12, 187
S.; diese gestalt der kunstschönheit, diesz bild der liebe suchte er (
Winckelmann) allenthalben, wollte sie auch im bloszen abglanz sehen Herder 3, 70
S.; wenn sich Deutschland gar nicht mehr gleichet, so ist der grund davon in dem anbau desselben ... zu suchen
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 3; will man ... von einer solchen abbildung gebrauch machen, so soll man in der wirklichkeit eine annähernde gestalt suchen Göthe 49, 235
W.; wir suchen überall das unbedingte und finden nur dinge Novalis im
Athenäum 1, 1, 70.
als selbständiges part. präs.: (
Lavater) ist ... unter den suchenden des achtzehnten jahrhunderts, wie ich diejenigen nennen möchte, welche den spuren der verlohrnen wahrheit unermüdet nachgingen, nebst Lessing der vortrefflichsten und der merkwürdigsten einer Fr. Schlegel
gesch. der lit. 2, 293; in der mannigfaltigkeit dieser pläne spiegelte sich der wandel der kunstempfindungen eines suchenden jahrhunderts Treitschke 19.
jh. (1894) 5, 405;
noch mehr als ausdruck des unsicheren tastens: es (
das leben Rodins) wird eine kindheit gehabt haben, irgendeine, eine kindheit in armut, dunkel, suchend und ungewisz R.
M. Rilke
Rodin (1928) 8.
diese belege reichen bereits in die gruppe '
trachten, streben, sich sehnen nach'
hinein, s. u. 5. 1@b@bβ)
formelhafte verbindungen; z. t. handelt es sich um die umsetzung einer auch in concretem sinne üblichen verbindung ins geistige, so bei dem häufigen einen weg suchen: wär auch, dasz ... ainer den andern truegen und ungleich weeg suechen wollte (1423) Lori
baier. bergr. 26
a; alsz nun dise brief ... verfertiget waren, hat oft gemeldter abt weg gesuochet, dieselben dem herzog anzuzeigen und verkunden Knebel
chron. v. Kaisheim 220
lit. ver.; im fürsatz wäg zu suchen, wie er Othonem ... verrahten ... möchte Stumpf
Schweizerchron. (1606) 749.
und sonst: ambages agere vil auszzüg suochen Frisius
dict. (1556) 65
a;
colligere causas eine entschuldigung suchen 246
b; drümb bleiben sie nicht bei dem text, suchen ausflüchte Luther 20, 569
W.; vgl. 16, 2; 16, 56; 26, 396; verstanden si wol, das er ursach suchet Knebel
chronik v. Kaisheim 183
lit. ver.; suchet der teufel andere mittel B. Krüger
anfang u. ende der welt (1580) a 3
b; du suchst eine ausrede Göthe 24, 45
W. mit subjectswechsel: (
die überquellende lebenslust), die nach ausdruck sucht und ihn bald findet Böhme
gesch. des tanzes 1; dies gefühl, das in seinem herzen nach worten suchte Grimm
Michelangelo 1, 97;
reflexiv: grosze gedanken ... suchen sich ihren ausdruck Bettine
die Günderode 1, 14; wider jemanden etwas suchen: man halt sich auch freuntlich mit den nachbarn, such nichts wider sie Sebiz
feldbau (1579) 37. 1@b@gγ)
wie die voraufgehenden belege zeigen, hat sich suchen
im laufe der sprache nicht zu einem selbständigen ausdruck einer bestimmten geistigen tätigkeit entwickeln können. auffallend sind deshalb frühe lexikalische angaben: loicus ein lerer der suchenden kunst Diefenbach 335
b;
vgl. damit: logicus ein kunst suchender meister Diefenbach
nov. gloss. 238
b;
intellectus balderkennend selkraft,
racio suochend selkraft
vocabul. optimus 13
b Wackernagel. abseits stehen auch die vielen ahd. belege, in denen suchen
lat. quaerere wiedergibt ('
fragen stellen, sich mit jemandem befragen').
es ist unwahrscheinlich, dasz es sich hier um lebendigen sprachgebrauch handelt: manage sint sohhenti in huuelihheru ziti gotes sunu kaboran uurti
querunt multi quando sit dei filius genitus Monseer fragmente 33, 28
Hench, vgl. ebda 34, 27;
aliunde quicquam querere non detur occasio allasuuanan eouueht suahchan min si kikeban frist
bei Steinmeyer
kl. ahd. denkm. 244, 7 (
Benedictinerregel); mittiu sie sprachun inti mit in suohtun
dum fabularentur et secum quaererent Tatian 224, 2; gisah her thie buochera suochente mit in
scribas conquirentes cum illis 91, 6; fon thiu suohet ir nu untar iu uuantih quad
de hoc queritis inter vos quia dixi 174, 3,
ebenso ags.: of ðisse gê sœcas bitwih iow
de hoc quaeritis inter vos Bosworth-Toller
suppl. 700
b;
so noch erste deutsche bibel 1, 403. 1@cc) bei jemandem, hinter jemandem etwas suchen
u. ä. in dieser verbindung geht suchen
in die bedeutung '
vermuten, erwarten'
über. es handelt sich dabei meist um ein unbegründetes erwarten oder nichterwarten: wer verstand bei einem amanten suchet, der suchet gold in der chymisten schmeltzkolben S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 23; er hätte in dieser sandichten fläche keine wasserkunst gesucht Lohenstein
Arminius (1689) 103
b; wenn ich hinter einem paar glasthüren, wodurch ein seidner vorhang leuchtet, ein putzzimmer suche und ein ganz andres gemach dahinter treffe J. E. Schlegel
w. 5, 215; diese (
die phantasie) nimmt dieselben so wie sie ihr in dem cörperlichen und sichtbaren kleide vor augen gestellet erscheinen und sucht kein tieferes geheimnisz darunter als was sie siehet und empfindet J. Bodmer
abh. v. d. wunderbaren 42; überhaupt musz man die (
orthographie) beim sächsischen frauenzimmer nicht suchen Göthe IV 1, 112
W.; dasz man da wunder sucht, wo ... alles ganz natürlich vor sich geht W. v. Humboldt
br. an Welcker 62; beweglichkeit ... der rede, die man bei einem Westfalen nicht suchen sollte Arndt
s. w. 1, 115; viele der besten seiner leistungen finden wir, wo man sie nicht suchen sollte — im drama Ludwig
ges. schr. 5, 39;
gern in der irrealen form: ein junger professor ..., in dessen unscheinbarer gestalt ... niemand heldenmuth oder kühnheit gesucht hätte Ranke
s. w. 2, 9; hatte ich doch in dem trocknen vogel die schelmerei nicht gesucht Gottsched
deutsche schaubühne 5, 120.
üblich wurde etwas hinter jemandem suchen: der pfarrer zuo sant Martin ... bewärt sin schlussred mit vil gschriften so grüntlich und wol, daz ich mich syn verwundret; hett es ouch nit hinder im gesuocht (1525)
bei Staub-Tobler 7, 212; ei, wer solt das hinder dem bauren gesucht haben Tappius
adag. (1545) v 7
β; (
er) öffnete den verborgenen schatz, welcher von gold ... viel reicher war, als man hinter den bauren hätte suchen mögen Grimmelshausen
Simplic. 17
ndr.; s. a. Staub-Tobler 7, 212. 22)
untersuchen, erforschen, prüfen. nicht die örtliche lage, sondern der zustand oder das wesen eines dinges wird festgestellt. 2@aa)
discucienda ze suchenna sint (
subtiliter itaque ab arguente discutienda sunt opera protervorum)
ahd. gl. 2, 200, 43.
vgl. nec rimamini ne sokiad 2, 581, 38
und ags.: hit is smealîce and yeornlice tô sêcanne
sunt subtiliter occulta perscrutanda Bosworth-Toller
suppl. 700
b;
probandi zi suohhanne
ahd. gl. 2, 298, 16;
rimare suchen, erforschen Diefenbach 498
b;
inquirere er-, herforschen, suchen 300
a;
perlustrare suchin 428
a. 2@bb)
probasti nos deus, igne nos examinasti sicut igne examinatur argentum kesuahtoos unsih ... fuire unsih ersuahtos soso fuire ist ersuahhit silbar
kl. ahd. denkmäler 214, 16
Steinmeyer; we den anderen wundet met echachtenden wapenen, de wunden sal men soken und pröven
Dortmunder statuten 80
Frensdorff; da oder da ist geschriben; so wollend wir dasselbig suchen, ob dem also syg Zwingli
dtsche schr. 1, 130; item man sucht und beschaut auch saltz und harnasch, wann man hette daz vor gepoten
städtechron. 2, 333; dasz die (
wasserseher) täglich in wehrender arbeit die wasser suchen, dieselben fleiszig vermachen ..., einer den andern, wie er das wasser befunden, vermelden ... sollen (1616)
bei Lori
baier. bergrecht 497; es mögen andere, deren geist alles genauer suchen wil, dasjenige, was ihnen gewisse bewehrte gründe, so sie erforschet, weisen, lehren Gueintz
rechtschreibung (1666) x
b;
für das richterliche untersuchen: thas suach er mit then forahtunuuaz mennisgon io uuorahton Otfrid V 20, 8; thun sie nicht dazu, das solcher mord gesucht und gestrafft werde Luther 23, 408
W. bei personalem object '
auf die probe stellen, versuchen': do si des gelegen wârn unz an den funften tac, der kunic dô der liste phlac, daz er suochte den herzogen, ob im getorsten nâch zogen von Osterrîch die frechen Ottokar v. Steiermark
reimchr. 71066; die kunigin Sabaa ... kam in zesuochen (
var. versuochen) ... in verborgen geleichsamen
erste deutsche bibel 5, 286; ach arger trieger Sathanas billich so treist du gottes hasz, den du suchst in frasz, hoffart, gydt der doch verstundt dein valsch und nydt
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 94
a. 2@cc) genau suchen
scharf untersuchen, prüfen, vgl. teil 4, 1, 2, 3352:
perquisite mit fleyssiger nachfrag und erforschung, gnaw gesuocht Frisius (1556) 989
a; wo er (
der pharisäer) solche grobe knoten hette gewirkt, würde sie das euangelion haben antzeigt, weil es ihn so genau sucht, das es auch sein purpurkleid und essen antzeigt Luther 10, 3, 178
W.; wann sie ewern ernst sehen, so werden sie fro sein, das ihr unter sie kumet wie Saul unter die propheten, wie wol wann sie daz recht genaw süchen wolten ..., so würden sie (
die katholiken) euch nicht bald annehmen, sondern ubel mit euch umbgehen E. Alberus
widder Jörg Witzeln mammelucken (1539) l 4
b;
meist '
scharf verhören': wenn der teufel, als er uns genach sucht, sprechen wirt: wo hast das in der schrieft gelesen? Luther 10, 3, 43
W.; wo man im (
dem beklagten) so genow suchen wölt (1527/9)
bei Staub-Tobler 7, 213;
dort auch das adj. genausüchig (1529) (
zu)
genau nachforschend und entsprechendes genausüchigkeit (1691)
ebda 7, 234. — es genau suchen,
vgl. heutiges es genau nehmen: sucht es nicht so genau mit ihm (
dem meier), das er nicht vieleicht ursach zu klagen bekomme Sebiz
feldbau (1579) 39;
mehr als '
ahnden, strafen': darum schleuszet sie ihrer blindheit nach hieraus, gott hab ihm zu viel gethan, er sei gar zu gestreng und suche es zu genau Luther
tischr. 2, 83
Förstemann-B. 2@dd)
versuchen, die probe machen: mich zwingt armuot, das ich hie umbgang und suoch, ob mich got beraten wölt
Fortunat 35
ndr.; öfter als technischer versuch: also wirdet die zirckellini ... geteilt, ... wer es will geneuer haben, der such es demonstratione A. Dürer
underweysung (1525) e 4
c; wie nun die ... krummen mauren ... in den oberen grund eingeteilt sollen werden, das suoch man durch disen ... weg
ders. underricht (1527) a 3
a; in den folgenden figuren süche, wie du die löcher auf den schweitzerpfeifen ... greifen solt
M. Agricola
musica deudsch 24
Eitner. '
feststellen': und (
sollen) nach dem trucknen wieder wägen, damit sie den abgang der nässe wieder suchen Span
speculum (1698) 22. 33) suchen
als verb der bewegung: '
aufsuchen',
seit frühester zeit bezeugt, auch auszerdeutsch, s. mhd. wb. 2, 9; Lexer 2, 1321; Staub-Tobler 4, 284; Schiller-Lübben 4, 284
und Sehrt
wb. zum Heliand 489; Bosworth-Toller
angl.-sax. dict. 854;
suppl. 700. 3@aa)
allgemein, zu vergleichen sind auch die belege unter heimsuchen, gesuchen
und mhd. wb. 2, 2, 9:
invisere sohhen, sohken, soohen
ahd. gl. 1, 178, 23; ofto suochet
frequentate 2, 761, 23;
vgl. frequentantem oft sēcende Wright-Wülker
anglosaxon. voc. 2, 34, 18;
frequentare stedeklich suchin Diefenbach 247
a;
visere suchen 623
a: meistar, quadun, hugi thes:si farent thines ferehes mit selb steinonne;nu suachist sie afur thanne? (
et iterum vadis illuc) Otfrid III 23, 32; gefangen was ich hertenklich, da suchtent ir mich tugenlich Mone
schausp. des mittelalters 1, 286; so mag unser einer ... wol dannan riten, unser friund suchen und in (
den Zürchern) ze friund gewinnen (1352)
bei Staub-Tobler 7, 214; die da ain eelich muoter Lucrecie was und die Lucrecia oft suocht und noch ofter von ir haimant ward gesuochet und besechen Niclas v. Wyle
translationen 43
Keller; es ist ouch alle unsre tag unser will ... gewesen, daz ir uns mit üwer früntlicher zuokunft suochtind, als daz hüt beschechen ist (1487)
bei Staub-Tobler 7, 214; da Peter ihr krankheit vernam, er suchts daheim und klagt sie sehr
history Peter Lewen 455
Schade; er solt mich kranchen suchen und den rechten weg leren, mich spissen und in minen notten trosten
bei H. Haupt
ein oberrheinischer revolutionär 121; ich wil mein freundt suchen zu hausz H. Sachs 6, 155
lit. ver.; etliche hebammen auch, die solches (
abtreiben) wehren solten, lassen sich umb geschänck und gaben willen auch also suchen und uberlaufen J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 41; wenn du von mir ziehst so suche meinen schwager, könig Heimer, vielleicht blüht dort ein heitrer augenblick Fouqué
held des nordens (1810) 1, 71.
ein land, einen ort aufsuchen: nen Dithmarscher noch kopman, de dat land to Dithmarschen sœcken will edder hefft socht, schall nenen tollen geven (1341)
bei Westphalen
monumenta 3, 1758; Petrus zœhte (
adiit) Romam (1473)
bei Schiller-Lübben 4, 284; de nummande bedreigan kan, de soke de wostenie Tunicius
sprichw. nr. 561; diese ursach, frembde land zu suchen
buch der liebe (1587) 152
b;
mit adv. zusatz: alle de yenne, de myt erer veylen have de stad van Bremen soken to und af (1488)
bei J. P. Cassel
ungedr. urk. 78; (
pfähle in der Eider) dar op de schepe to unde aff sokende stoten (1480)
bei Michelsen
Dithmars. urkundenb. 83.
im niederdeutschen ging die entwicklung am weitesten. suchen
wurde intr. verb der bewegung ('
kommen, gehen'): de cœplude, de to Bremen unde darvan soket (1387)
bei J. P. Cassel
ungedr. urkunden 198; hebben menighen man vordreven de tho us sochte
Mecklenburgisches urkundenb. (1395)
nr. 12745; dat nymant in unse böme unde lantwere sœke mit waghenen (1418)
Lübecker urkdb. 6, 55; to Schonen soken unde komen 9, 856. 3@bb)
häufigere verbindungen in der älteren sprache: ih mina chirichun so nesuahda duruhc mammendi mines lichamen ... sose got habet geboden
Reichenauer beichte (9./10.
jh.)
bei Steinmeier
kl. ahd. denkm. 332, 11;
vgl. ebda 330, 10 (
Mainzer beichte); dia chirihhun suahhan
in die kirche gehen; dia pfarrkirchen suechen, haimsuechen
bei Schmeller-Fr. 2, 215.
als '
wallfahrten': he globete sin grab zu suchene
leben des hl. Ludwig 80, 30
Rückert; sin grab alle jâr suchen mit einem phunde wachs 86, 6; ich bin willens den tempel gottes zum heiligen grab zu suchen
hertzog Aymont (1535) l 5
a; die pilgerin die das heilge lant suohtent ... beschirmen
städtechron. 9, 563; er hat sin wonung bi ainem trüwen man, mit welches rat und anzaigen er das münster sant Petter und Pals sucht Oheim
Reichenauer chron. 6
lit. ver.; die heiden von allen landen suochent disen Machemet
städtechron. 9, 534; vil edler leut ausz teutschen landen kamen gen Rhom, sant Peter und sant Paulum zu suchen J. Pauli
schimpf u. ernst 72
lit. ver.; '
an den hof gehen': ir ... liezet iuch bevillen der reise zuo der selben zît, der ir dem rîch gebunden sît sînen hof ze suochen Ottokar
reimchron. 14805
Seemüller; der furste ouch hoves dicke plac, daz in die herren suochten
Elisabeth 145
Rieger; besonders häufig vom besuch einer öffentlichen zusammenkunft; vgl. auch die belege bei Richthofen
altfries. wb. 1003; Schiller-Lübben 4, 285; Staub-Tobler 7, 214: pharrær und prelâten die des sint gebunden, daz si z'allen stunden in Salzburgære bistum suln suochen daz concilium Ottokar v. Steiermark
reimchron. 28105; iewelk cristen man is sent plichtich zu sûchene drîes ime jâre, sint her zu sînen jâren komen is; ... vrîheit diu is aver drîer hande: scepenbâre die der bischoppe seint sûchen solen, plechhaften der dûmprôveste, lantsêten der erceprîstere
Sachsenspiegel 19
Eckhardt; swer daz ehaft taidinck niht suochet, so geit er einen ohsen, der 60 D wert ist
weist. 6, 117; und mussen auch alle lantsidel, die do siczen in dem obgenanten dorfe, solichen sibenden süchen von des closters wegen 6, 11; (
er sei so krank,) daz he daz dinc noch kein dinc (
gerichtsverhandlung) gesuchen muge (
c. 1400)
urkundenbuch von Freiberg 3, 30. den tag (eines tages) suchen,
s. a. unter gesuchen
und mhd. wb. 2, 2, 9
b: der sinnebote muz ouch sweren also, daz der man, so suchtesich si, daz he daz dinc noch kein dinc gesuchen muge
urkundenb. v. Freiberg 3, 30; (
der klägerin wurde) ein früntlicher tag für min herrn custor zum grossen münster gesetzt, dahin sy ouch kam und den tag suochte (1451)
bei Staub-Tobler 7, 214,
ebda weitere belege; es wurden vil tag gesucht von fürsten und stetten
städtechron. 4, 124; denselben tag wolt marggraff Albrecht nit suchen und schreib den tag wider ab
städtechron. 2, 140; (
den) landtag suochen (1514)
bei Fischer
schwäb. 5, 1946;
öfter bezeugt auch in der verwendung mercatus concelebrare die gemeinen marckt suchen, auf die marckt oder mässen ziehen Frisius
dict. (1556) 276
b; daz die uwern unszn mercket nicht suchin wollint (14.
jh.)
bei Diefenbach-Wülcker 870; (
wir) gebieten üch allen unsern getruwen undertanen ..., daz ir dieselben zwen jarmerkt suochent und üebent (1363)
bei Staub-Tobler 7, 214,
ebda weitere belege; das ouch ieglicher derselben jarmerkte und alle die lute, die dorzu und davon ziehen und die suchen, alle die gnade, freiheit, recht, fride, geleite, schirme, redliche gewonheit, ordnung und herkomen haben ... sollen (1417)
stadtrecht von Neuenburg am Rhein 51
Merk; do ne wolden die coplude dar nicht wedder buwen, umme dat de markete dar weren vorboten to sokende van deme hertogen
bei Lappenberg
Bremer gesch.-quellen 61. wun und waid, waid und waszer suechen (
das vieh)
auf die (
gemein-)
weide treiben Schmeller-Fr. 2, 215; den blumen suchen
vieh auf die weide treiben ebda; do man die almend suoch(t), zalt man 1 lb 8
β (1377)
bei Staub-Tobler 7, 214; item süllent die, so unsers guotes pflegent ... unz ze disen pfingsten ünser almende suchen und von disshin also jerlichs (15.
jh.)
ebda; da sich schäfere ... mit denen ... heerden widerüm in die ... auen begeben, die gewöhnliche weide zu suchen S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 4.
formelhafter: si hetten ettliche güetter ussert irem zwing und bann liggen, daruf sy weid suochten ..., getruwten, das sy als nachpuren den weidgang wie von alters har zuosammen suchen solten (1555)
ebda 217. 3@cc)
verbindungen, die bis in die gegenwart reichen: da sucht ein jeder sein schlafbett und sich darein verbergen thet J. Spreng
Ilias (1610) 1, 1
b; sahe ich mich gezwungen das bette zu suchen Schnabel
Felsenburg 6, 21; (
mein nachbar) sucht stets mit tages anbruch erst die lagerstatt Kretschmann
s. w. 6, 364; ihn übernahm der gram, er muszte das bett suchen Dahlmann
gesch. v. Dänemark 1, 322; sein lager suchen Stifter
s. w. 5, 1, 85; ich ging noch sehr lange ... herum und suchte erst, als schon alle laternen brannten, meine stube
ders. 1, 61; und er sucht sein dunkles haus Mörike 1, 144
G.; die welt, das weite, das freie suchen: ir solten wandern und die welt suchen und euch uben in ritterspiele
V. Warbeck
Magelone 4
Bolte; bleibe du hier, ich suche die weite welt Schiller 2, 389
G.; er wollte das freie suchen, fand sich aber gefangen Göthe 24, 158
W.; üblich: Silia für den ankommenden sich schämend, das weite suchte A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 1195; die mit worten tapfer sind und kommts zur that, das weite schimpflich suchen Schiller 12, 251
G. älter luft suchen: wie der theter nit meer inhanden, sonder luft gesucht heige (1632)
bei Staub-Tobler 7, 213;
dann auch: derenhalben ich die flucht gesucht Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 56
b; einsichten aber, ruhige überlegungen, sie verschmähen die mauern einer hauptstadt und suchen das freie land Herder 17, 26
S., doch nähern sich in diese letzten belege suchen
als streben (
s. u. 5)
mit einem örtlichen ziel. 3@dd)
eine unbestimmtere bewegungsvorstellung konnte sich öfter mit suchen
verbinden, sie steckt z. b. auch in den mhd. formeln: den sant, die erde suochen (
auch im Heliand 4852); die vüeze suochen
stürzen, sich (
bittend)
niederwerfen, noch frühnhd.: ich such deine füss
buch der liebe (1587) 87
b,
und begegnet auch bei sachlichem subject: den grund suchen
absinken: in dem gestreuss haubtguet, gewin, das suecht den grund und swam ich zue dem reiffen (
ufer) Oswald v. Wolkenstein 64, 32
Schatz; dises stuck hailt nicht so gählingen, suecht aber den grund Seuter
roszartznei (1599) 268;
vielleicht hierhin: dasz es ein flieszendes sälblin und nit dick werde, damit es desto besser einschlieffen und suechen könde 261. das herz suchen: das das wort 'keret euch zu mir' tief gehe und das hertze suche Luther 23, 507
W.; unter einflusz von nachsuchen: das es im in trüwen leid were und nach zum herzen suochte (1583)
bei Staub-Tobler 7, 214; so macht du des enphunden han, daz minu liden vil naher suochent und tiefer gant ... denne ellu angenomnu liden Seuse 249
Bihlmeyer. 44) '
bedrohen, herausfordern, angreifen',
eigentlich '
jemanden in feindlicher absicht aufsuchen'.
der besondere nebensinn, der allein diese gruppe von der voraufgehenden trennt, ist häufig erst aus dem zusammenhang zu ersehen. die bedeutung begegnet auch im ags. und an.; vgl. die einschlägigen wb. und Schiller-Lübben 4, 285.
in heutigen mundarten begegnet einen suchen
jd. reizen; (
es) suchen
streit hervorrufen, worin die sonst ausgestorbene bedeutung noch nachklingen mag, s. Staub-Tobler 7, 213; Martin-Lienhart 2, 323; Follmann
Lothr. 511. 4@aa)
von öffentlicher fehde: dem herzogen chom ze mære, daz in die Romære suochten mit so getanem her
kaiserchronik 6978
Edw. Schröder; Liudgast und Liudgêrdie wellnt iuch suochen inz lant
Nibelungenlied 142, 4
L.; vgl. 164, 3; ez ist bezzer daz wir die vinde suchen dan uns sie
Ludwigs kreuzfahrt 7154
Naumann; mit sturme suchten sie die statt tegelich mit starkem her
ebda 1382; dâ derhalben an den stat sich leget ein alsô grôzez her, weder ûf lant noch in dem mer gesach ich rotte nie gevarn mit alsus krefteclîchen scharn. wellents uns hie suochen mit ir kraft, helft mir, ich gib in rîterschaft
Parz. 663, 29; wir geben in noch strîtes vil und bringenz ûz ir freuden zil. man und mâge sult ir manen, und suocht die stat mit zwein vanen. wir mugen an der lîten wol ze orse zuo zin rîten: die porten suochen wir ze fuoz 205, 4; 7; ieclich man mûz mit helfe weren stete, burge unde lant ... wider herren unde mage unde manne, die sie gewaldeclichen suchen
Sachsenspiegel 3,
art. 78, § 5
Weiske-Hildebrand; ob ez (
das land) suoche ein vremdes her daz manz iht vinde âne wer Ulrich v. Eschenbach
Alexander 2325
Toischer; ind begerde gevolchnisse to done ... syne vyande to schedigen ind to soyken (1446)
bei Schiller-Lübben 4, 285; (
die Walliser haben) mit ir macht die vyend gesuocht und einen mannlichen angriff getan (1476)
bei Staub-Tobler 7, 215; da wurdestu ja nicht faul sein, sondern deinen feind suchen und im kein fride lassen Luther 34, 2, 388
W.; die strafe ward aufgezogen, bis da das stündlin kam, an wilchem die Römer das garaus mit ihnen spieleten und sie auf einmal daheim sucheten Luther 52, 427
W.; wan die weil man teg sucht, die zeit mocht ieder teil den andern suchen und beschedigen
städtechron. 2, 131; dannethin er sich anhub ze rüsten und des fürnemens was den küng ze suchen J. v. Watt
schr. 1, 351
Götz.; den feind im läger oder in der schanz suchen
inferre praelium in castra Maaler
nach Staub-Tobler 7, 215; wolt aber der bezzerunge mit gewalt iemen wider sin und wolte die stet daruber suchen
Augsburg. stadtbuch 123
M.; auch hat könig Florenz den könig ausz Franckreich oft daheim gesucht, desgleichen der könig aus Frankreich den könig Florentzen widerumb
buch der liebe (1587) 31,
vgl. heimsuchen
u. die belege unten; er (
der könig) wolte ... lieber ... den feind auszerhalb landes suchen als daheim und zu hause seiner warten Chemnitz
schwedischer krieg (1648) 21; mit dem swert suchen: da di heristin in der werilte suohtin sich mit suertin
Annolied 454
Rödiger; die teutschen herren ... haben disz land mit dem schwerdt gesuocht S. Frank
weltb. (1534) 55
b;
vom angriff im gerichtlichen zweikampf: so sal der vorderer ienen suchen mit drin howen, alse recht ist; zwene howe sal he howen uber sime schilde, umme sin houbt in der luft; mit deme dritten slage sal he zu ieme kumen also nahe, daz he treffe sinen schilt oder sin swert oder den man selbe. wenne daz also geschit, so hat he in rechte gesuchet. suchet he in also nicht so verbuzit he sechzig schillinge unde muz in anderweide suchen also lange, biz daz di sigewarten bekennen, daz he in rechte gesuchet habe (
dann beginnt der kampf) H. Ermisch
das Freiberger stadtrecht 165.
im nd. ging die verselbständigung am weitesten und gestattete auch präpositionale ergänzungen: wolde wer sochen in dit lant, dem wolde ich brengen wedergelt Berthold v. Holle
Crane 4801; ich gaf im sô die wederkêre daz her des sint nî môt gewan noch nî sôchen ûf mich began
ebda 1925;
weitere belege, s. ebda anm. zu 1862; weret, dat iemant ... uns angrepe, beschedigede edder uppe unser welken sokende worde
Göttinger urk. 2, 247
bei Schiller-Lübben 4, 285; de krich warde lengh wen en half iar, dat de heren uppe de stede unde de stede wedder uppe de heren vientliken sochten Schiller- Lübben 4, 285; do de meren quemen dat de vyende to em (
könig Harold) sochten
ebda; he wolde soken over de Elve in dat Luneborgher lant uppe sine viande
Lübecker chr. 2, 169
Grautoff; und beschermden dat overelvesche land, dat de hertoch nicht mer wenn eins darin sochte
städtechron. 7, 296. 4@bb)
in der rechtssprache begegnet suchen
häufiger in bestimmungen zum schutz des einzelnen und seines besitzes vor bedrohung, herausforderung und angriff: und ist das ain haimsuechi, der den andern vrävellichen über die swelle alde in das hus jaget alde suochet alde der an sine türe vrävellichen bozt, wirfet und stozet
quelle von 1291
bei Staub-Tobler 7, 228; swer den andern in sime huse freventlich suchet (1293) Schöpflin
Alsatia diplomatica 2, 96; suchet ein man den herren oder der herre den man unverclaget vor sinen mannen nah rechte, her tut wider sinen truwen
Sachsensp. 3,
art. 78, 8
Weiske-Hildebrandt; welicher den andern an sinen werken ... mit gewapneter hand verdachtlich suochet (1457)
quelle bei Staub-Tobler 7, 215; were ouch, das ein ussburger einen indern ... als vil anreizte und suochte daz er von siner eren wegen nit möcht entberen, er müeste sich weren (15.
jh.)
ebda; welcher den andern zu hus oder zu hof oder an seinem werk suochte frefentlich, der verfalt dem land umb 5 pfd pfennig
ebda; item wer den andern suchet in sinem huse ader hoffreide, beschirmet der sich ader sin gut, der brichet des friden nit
Wormser recht 43
Kohler; unde wirt er da heime gesuochet, man sol im büezen, wan er wirt darinne ist
Deutschenspiegel 191, 5
Eckhardt-Hübner; dasz ainer den andern nicht soll nachgehen, nicht allein demselben an dem leben zusuechen sondern auch mit andern waffen in geringsten ... alsz da sein armbrust, stahlgeschüz ... auf das dorf oder der herrschaft grunt anzutasten, zu suechen, vill weniger zu schlahen. ob aber ainer ainen suechte oder nachgienge ... (1614)
österr. weist. 8, 645;
weitere belege bei Staub-Tobler 7, 214. 4@cc)
auszerhalb dieser beiden anwendungsbereiche kann suchen
auch eigene bedeutungen entwickeln: so gar hässig hat er (
dr. Eck) uns gesucht (
durch schmähungen) Luther
br. 1, 317
de Wette; wer syn vatter, muoter ladt und sie enteret hie uf erden oder sunst sie suocht mit gferden die dich so sur ermanet handt Th. Murner
mühle 438
Bebermeyer; selbständiger hervor tritt die bedeutung '
bedrücken, heimsuchen, strafen': nicht suche, herre, an mir den unvlat, damitte dich dicke hat irzurnet mine torheit
Daniel 2376; 'bin ich allein ein sünder und ist menlich gereht, daz du din ruoten an mir armen also best ...?' er sprach: 'nein, es ist noh nit gnuog. du must ze grunde in allen dingen gesuochet werden, sol dir recht beschehen' Seuse
deutsche schr. 56
Bihlmeyer; se hebben unse armen lude woldichliken ghesocht und ghesocht laten (1396)
braunschweig.-lüneb. urkundenb. 8, 150
Ludendorff; dise zwe länder werden hort gesucht, also dasz ein groszer raub an vieh und rossen
quellen zur gesch. d. st. Kronstadt 5, 422.
gewöhnlich tritt das adv. heim, daheim
hinzu, s. das so entstandene heimsuchen: got suohte si heimemit herige vil chleine(me) Diemer
genesis 137, 16; er sucht daheim die missethat der väter uber die kinder J. Jonas
bei Luther 52, 427
Erl.; das got, nit allein mit gegenwertiger jetziger widerwertigkeit, sonder auch mit andern leiblichen warnungen in daheim gesuochet hat Sleidanus
reden 54
lit. ver.; ungewöhnlich: krieg ist die allerschärfste zucht, womit uns got zu hause sucht Fr. v. Logau 136
Eitner; jemandem genau suchen: ob doch yemant sei, dem der schmerz so gnaw suoche als mir
nach Staub-Tobler 7, 213,
s. auch genau suchen
oben 2 c;
an dieses wieder anschlieszend: so bin ich die ewig wiszheit und weisz bas, was din allerbestes ist, so magst du es enpfunden han, das mein liden vil nahe suochet
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 31
a.
dann gesteigert: wer einmal derogleichen (
die verächtliche behandlung) ungeahndet liesse, reitzete noch geringere ihm es noch näher zu suchen Lohenstein
Arminius 2 (1689) 642
b. 55) suchen
etwas zu erreichen, zu gewinnen trachten. ziel ist nicht mehr ein örtliches auffinden oder ein aufsuchen, wie im voraufgehenden, sondern die erfüllung eines wunsches, die verwirklichung einer absicht, eines planes. neben nominalem und pronominalem object erscheint seit frühneuhd. zeit der infinitiv, seltener ein abhängiger satz, s. g. 5@aa)
seit frühester zeit reichlich bezeugt. die bedeutung schwankt zwischen streben, begehren, wünschen und bewusztem beabsichtigen und planen: expetunt sochent
ahd. gl. 2, 146, 9; thee dea uuizzacheit suochant (
qui divinationes expetunt) 2, 99, 52;
quid quisistis unaz sohtut,
quesivimus (
quod nobis necesse fuit) sohtum (daz uns durft uuas) 3, 12, 40;
expetiverunt kasuoctun, kasohtum, gisuohton 2, 101, 15 (
in: qui semel in clero deputati sunt aut monachorum vitam expetiverunt);
repetit suohchit
ahd. gl. 2, 228, 25 (
in: humana mens ... ad superiora colligitur, quia illud repetit unde descendit);
haec enim omnia gentes inquirunt thisu allu suohhent thiota
Tatian 38, 6; alle dise ding suchent die leut
erste deutsche bibel 1, 25,
doch Luther: nach solchem allem trachten die heiden; er spráh zi then, es rúahtun,thie sinan douf suahtun Otfrid I 23, 35; scono si iz (
das gewand) gifuagtaso druhtin selbo suahta IV 29, 30; ich suohta daz noch ze leibo uuas, suohta follunga minero tago ze diu daz ih Abrahe gelicho irsterben muosi Notker 2, 610, 24
P.; also daz der mensch enhein dinch minne noch wollust sücke noch haige
st. Georgener prediger 210, 27 (
var.)
Riederer; ein ding waz im do ein pinliches liden, daz er nieman hate, ... der dasselb suochti in derselben wise, als im geruofet waz Seuse
deutsche schr. 10
Bihlmeyer; der mensch sol von natur lieber suœchen sein selbs geistliche volkommenhait Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologei 13
R.; alles, das ich mit so grosser arbeit, in meinem harten und schwären wanderen ... gesucht und erworben hab Hutten
opera 1, 411
Böcking; er hatts aber williglich than, nichts ihm selb drinnen gefurcht noch gesucht (
nullo vel adactus metu vel spe illectus) Luther 10, 1, 1, 365
W.; Carlstad (
hat) einen wunderlichen kopf, der imer was sonderlichs sucht 18, 179; nu hab ich mit alle meinem schreiben nicht mehr gesucht, auch noch nichts suche, an bapst und allen meinen feinden, denn solch bekenntnis, das ir ding erkennet würde ungegründ in der schrift
ders. 1 (
Jena 1555) 443
a; den hoichwisen dusser werlt, de gesmuckede rede söken Rotmann
restitution 4
ndr.; wan das volk sucht allein gelt Pauli
schimpf u. ernst 21
lit. ver.; aber ain weiser höher sucht acht nicht der schal, sonder der frucht Fischart
bibl. hist. 276
Kurz; was sucht anders Martinus Luther wann ain lutere raine dargebung ewangelischer lere Eberlin v. Günzburg 1, 4
ndr.; unter disem allem stehet das hertz auf das kirchengut, das sie suochen und zu sich sapplen J. Andree
erinnerung (1567) 92; was wir suchen, gwind ein krebsgang J. Ayrer 1590
Keller; ein jegliche kunst, die da mehr suchet, die ist falsch Paracelsus
opera (1616) 2, 72
H.; wer vergengliches suchet ...
jedermanns jammerklage (1621) a 1
a; die kunst wäre mir ohne mein suchen und nachtrachten zugestanden Grimmelshausen 4, 688
Keller; der menschen uppigkeit sucht purpur, gold und seiden J. Rachel
sat. ged. 58
ndr.; wer ein bösen tag hat gehabt, der musz ein gute nacht suchen Lehman
flor. pol. (1662) 2, 938; obgleich ... solcher hauptzweck nicht genugsam beobachtet noch gesucht wird Leibniz
deutsche schr. 1, 422;
bei ihm auch ein ganz vereinzelter absoluter gebrauch: Frankreich wird allein einer suchenden monarchie verdacht 1, 202 (
d. i. ausdehnung seiner macht); denn nicht das haben, sondern das suchen des reichthums verboten ist P.
F. Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719) 69; folglich ist es etwas gutes an sich selbst, das man bei gelegenheit zu suchen hätte J. E. Schlegel
w. 3, 446; bald suchten sie die verurtheilung oder lossprechung einer angeklagten person Lessing 8, 29
L.-M.; wir, die wir seine (
gottes) diener sind, suchen nicht euer haab und gut, sondern das heil eurer seelen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1 (1778) 580; ich bitt euch alle, sagt, was die verdienen, die meinen tod mit teufels ränken suchen
Shakespeare 9, 114; ältere verhältnisse sind zerstoben und neue mag man nicht mehr im getümmel suchen Göthe IV 28, 63
W.; edle junge gemüther, die mehr als eine blosze sinnliche liebe suchen Lenz
vertheidigung des herrn Wieland 30
lit.-denkm.; wer aber ohne sein suchen in diese bekanntschaft (
mit der geisterwelt) kommt, der bete Jung-Stilling
s. schr. 6, 456; (
der glaube) rettet noch den vom verderben, der, von begierden verführt, von dem stätigen suchen nach dem höchsten abirrt W. v. Humboldt
ges. schr. 5, 226; es fehlt unsrer zeit ..., so sehr sie die natur sucht, eben der sinn für natur Tieck
schr. 4, 58; die bursen (
an den universitäten) lösten sich auf, die grade wurden nicht mehr gesucht Ranke
s. w. 1, 182; (
Östreich) hat die preuszische allianz statt der Würzburger gesucht Bismarck
ged. u. erinn. 2, 19; gegensätze ... schienen mehr gesucht als vermieden zu sein Fontane
ges. w. I 5, 19.
bei sachlichem subject erhält suchen
sinnlichere bedeutungsfärbung: hier siehst du, wie die fluth stets neue grenzen sucht J. J. Schwabe
belust. 1, 130; die wassermasse des stroms sucht nach ausgleichung des niveaus durch die stromscheidung Ritter
erdk. 1, 85.
die weite der anwendungsmöglichkeit von suchen
als '
streben'
zeigt eine gegenüberstellung der grenzfälle. dabei zeigen sich ansätze zu eigenen bedeutungsentwicklungen: etwas bestimmtes erwerben wollen: si habes novam tunicam da veterem alteri, das du es nicht als genaug zu dir suchst Luther 25, 445
W., oder gar: dat se (
in der ehe) kinder soken und anders nicht Rotmann
restitution 4
ndr.; als '
bewuszt planen, beabsichtigen': zu erkunden ..., ob auch etwas wider e. cfl. g. ader derselben bruder des Luthers ader anders halben gesucht wurde H. v.
d. Planitz
berichte 453; was suchst du damit, dasz du dem Theophan dieses sagst Lessing 2, 69
L.-M.; als '
wünschen, begehren'
: appetunt lustont
ahd. gl. 2, 330, 66; dan sulch anbeter suchet der vater Luther 2, 81
W.; vereinzelt auch dann, wenn das wollen in die tat umgesetzt wird: welicher pfaltzgraf ... das, was ihm die recht genommen, mit gewalt suechen wollen v. Brandis
ehrenkränzel (1678) 183; ob er (
der durchzug durch ein fremdes land) auf den versagungsfall könte und solte mit rechtmäsziger gewalt gesucht werden v. Fleming
vollk. soldat (1726) 84; die märsche und durchzüge durch eines andern potentaten land werden, so viel nur immer möglich, zurückegehalten und nicht eher gesucht, als bisz es die unumgängliche noth erfordert 211.
selbständige bedeutung erlangte nur suchen
als '
bitten, fordern',
s. u. 6. 5@bb)
feste verbindungen mit inconcreten. auf sie ist suchen
als '
streben'
im gegenwärtigen sprachgebrauch fast ganz eingeengt: ruhe suchen
Monseer fragmente 7, 12
Hench; friden
kleine ahd. sprachdenkm. 193, 22
Steinmeyer; trost Otfrid I 16, 6;
für das mhd. vgl. gnade,
helfe,
hulde, rat suchen (an einen)
mhd. wb. 2, 2, 9
a; kurtzwyl
bei Steinhausen
privatbr. 1, 69; aplas zu sandt Benedicten
Marienburger treszlerb. 242
Joachim; recht (1462)
bei Fischer
schwäb. 5, 1946,
s. u. 7 c; gelücke Arigo
decamerone 340; narung 130; nucz Diefenbach
s. v. procurare; ere adder wirdikeit
Alsfelder passionsspiel 54
Grein; gesellschaft zu jemandem
Fortunatus 143
ndr.; lob bi den menschen Zwingli
deutsche schr. 1, 274; den gemainen nuz Knebel
chron. v. Kaisheim 153
lit. ver.; das wolgefallen der hailigen J. Strausz
christenl. unterricht (1523) a 3
a;
zahlreiche der heute noch üblichen verbindungen bei Luther: trost 26, 217
W.; zuflucht bei jem. 18, 261; hülf und radt 18, 236
W.; freundschaft mit jem. 20, 415
W.; das seine 19, 358
W. (
vgl. friaþwa ... ni sokeiþ sein ain
1. Kor. 13, 5; suachit thas sinaz Otfrid III 16, 19); fürwicz 29, 5
W.; genies 34, 2, 318
W.; mutwillen an etwas 18, 320
W.; jemandes verderben B. Ringwald
hdb. a 11
a; hülf Alberus
dict. 92
a; gunst oder rhum 7
b; ruhm oder grossen nahmen G. v. Berlichingen
lebensbeschr. 4; ursach (
gelegenheit) S. Franck
chron. Germ. (1538) 22
b; brot (not sucht brot)
sprichw. (1541) 2, 45
b; dienst Barth. Krüger
Hans Clawert 27
ndr.; fröud Frisius 1098
b; krieg und streit
buch der liebe (1587) 120
b; gelegenheit (
d. i. händel) Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 111
a; gewinn Nigrinus
v. zäub. (1592) 122; heil mit fersengelt Stumpf
Schweizerchron. 163
a; rache (1626) Staub-Tobler 7, 213; des vaterlandes wolfahrt Neumark
palmb. (1668) 178; jemandes kundschaft Bucholtz
Herkuliskus (1665) 23; freundschaft bei jem. Ziegler
asiatische Banise (1689) 280; vergebung Kramer
dict. 2 (1702) 1032
c; der compagnie bestes v. Fleming
vollk. soldat (1726) 152; sein brod U. Bräcker
s. schr. 1, 221; zeitvertreib Zimmermann
einsamkeit 1, 6; streit an jemanden J. J. Bodmer
crit. poet. schr. 1, 41; händel an jemanden Göthe IV 12, 335
W.; gerechtigkeit Schiller 5, 344
G.; das ziel 13, 313; jemandes nähere bekanntschaft und rath Göthe 23, 68
W.; zerstreuung Bettine
d. Günderode 1, 6; händel mit jem. Bismarck
ged. u. erinn. 2, 102
volksausg.; fühlung bei jem. 2, 241; deckung 1, 97; seinen unterhalt O. Jahn
Mozart 4, 275.
in erweiterter bedeutung: frieden suchen
den frieden herstellen Staub-Tobler 1, 1307 (
quelle von 1501).
aus der sprache der bibel stammt altes die seele suchen,
schon im Tatian 11, 1:
qui querebant animam meam die mina sela suchton Notker 2, 138
Piper; die predig ... warnet uns vor drien vinden die unser sel suchen Tauler 12, 20
Vetter; wann sy seint dot, die do suchent (
querebant) die sele des kindes
erste deutsche bibel 1, 11;
vgl. ags. sāwle sēcan Bosworth-Toller 854;
anderen ausgang hat dagegen mundartliches d'seel suchen
im sinne von '
jemanden umbringen' (
scherzhaft): mit eineme sone scharfen messer könnte mer einem schon d'seel suchen Martin-Lienhart 2, 323. 5@cc)
eine präpositionale verbindung tritt näher bestimmend hinzu: in (bei, an, unter) einer betätigung etwas suchen: wer setzt sin lust uff zyttlich guot und darinn suocht sin freyd vnd muot S. Brant
narrenschiff 6
Z.; nicht uber menschen, sonder uber sew und hunde sollten soliche leute regiren, die nicht mehr denn ihren nutz oder ehre im regiment suchen Luther 15, 36
W.; daneben: das einer sein lust und freude daran suche, das es nur den leuten übel gehe 34, 2, 394; in dieser reformacion niemmandt sich selbs suchen ... soll (1538) Diefenbach-Wülcker 870; (
er hat) seinen vorteil zur flucht gesucht Stumpf
Schweizerchron. 343
b; daz ain solh hochfertig mensch ... darin sein aigene ere und hochfart suoecht Berthold v. Chiemsee
theologey 70
Reithm.; zeitvertreib in leibesübungen gesuchet Chr. Weise
polit. redner (1677) 35; der feind würde ... seinen vortheil darunter suchen v. Fleming
vollk. soldat (1726) 263; im duelliren seine revenge suchen Chr. Weise
erznarren 21
ndr.; die in der rauhigkeit des ausdrucks eine schönheit suchen Gottsched
crit. dichtkunst 7; sein glück in dem wohle der andern suchen Göthe 17, 179
W.; der mensch sucht in der betäubung seinen trost E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 438; darin sucht Luther seinen vornehmsten ruhm, dasz ... Ranke
s. w. 2, 313; (
die) glück im wechselvolles leben suchten Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 10;
wie 'gesucht': hier ist eine blume, dort eine schleife ... angebracht, und zuweilen suchet sie hierinnen eine kleine unregelmäszigkeit J. E. Schlegel
w. 5, 193. 5@dd) suchen
in religiöser sprache. auch hier überwiegen feste verbindungen: gottes helfa suochen Notker 2, 50, 9
P.; genada sina Otfrid II 12, 75; das er sin ruow allein in dir suocht
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 4
a; sehend wir nit jetz in menschlichen erfindungen mer trosts dann bi got gesuocht Zwingli
freiheit der speisen 17
ndr.; in got die vergebung der sunden zu suchen J. Strausz
beichtpüchlin (1523) a 2
b; bei im gedeien des bergwerks suchen Mathesius
Sarepta 1571,
vorr. 2
b. — das reich gottes suchen: az erist suahhat rihhi cotes ..., reht sinaz (
quaerite regnum dei)
kl. ahd. denkmäler 201, 36
Steinmeyer. gott suchen: suahhanti cotan
requirens deum ebda 212, 31; got ... allein such und lieb hab Keisersberg
bilgersch. (1512) b 2
a; ich kam nie leer zurück, wenn ich unter druck und noth gott gesucht hatte Göthe 22, 305
W.; ein so wahres bedürfnis der gott suchenden seele Ranke
s. w. 1, 198.
gern in der mystik: dis inwendig suchen von grunde Tauler 164, 4
Vetter; ein innerlich suchen 164, 9; ein verborgen suchen 350, 21;
weitere belege im register; der (
himmlische bräutigam) nun mehr gahr nahe ist allen denen, die ihn mit ernst aus hertzlicher liebe suchen A. v. Franckenberg
klageschreiben (1658) 439. 5@ee)
tritt zu suchen
im sinne von '
zu gewinnen, zu erwerben trachten'
eine concretere ortsangabe, so rücken die belege in die nähe der sinnlichen ausgangsbedeutung (
s. 1): alte leut müssen ire sterke suochen in der kanten, in weichen betten und hinder dem ofen Tappius
adag. (1545) B b
b; in einem baumgarten, in wölchem er die hertzogin oft kurtzweil suochen wuszt J. Wickram 1, 11
Bolte; unter allen elementen ist die erd dem menschen am anmütigsten, dieweil er ... entlich sein ruhe darin suchet Sebiz
feldbau (1579) 24; damit die leut ir kraft in der schüssel und schalen suchten J. Mathesius
Sarepta (1571) 10
a; und er sein brod musst in der erden suchen 7
b; der mensch suchet auch sein heilung in kräutern Paracelsus
op. (1616) 2, 326
Huser; mein bessere fortun in der welt zu suchen Grimmelshausen 2, 331
Keller; der knappe karges brot in klüften sucht Göthe 2, 141
W.; (
gezwungen,) ihr heil in Obernubien zu suchen Ritter
erdk. 1, 584. 5@ff)
reflexives sich suchen '
zu einander hinstreben'
zeigt gleichfalls sinnlichen bedeutungsgehalt, es verbindet sich damit leicht eine mehr oder minder fühlbare bewegungsvorstellung: die groben selen suchen sich so wie die feinen Hermes
Sophiens reise 1 (1770) 202; sie entzweien und suchen sich wieder Göthe II 6, 10
W.; die laulichten lüfte ... sich fliehend und suchend Göthe 2, 41; lasset ewige harmonien bald sich suchen, bald sich fliehen und zuletzt vermählen 4, 291; seit alter zeit beruhte die römische oekonomie auf den beiden ewig sich suchenden und ewig hadernden factoren, der bäuerlichen und der geldwirtschaft Mommsen
röm. gesch. 2, 75.
verbunden mit finden: gleich sucht sich, gleich findt sich S. Franck
sprichw. (1541) 2, 60
b; Ewald und Lina traten in eine neue welt, in der sie nur sich suchten, nur sich fanden Pfeffel
pros. vers. 5, 185;
mit selbständiger bedeutung: sihe, wie sucht sichs, helffe, was da helffen kan, eine lüge mus allemal sieben ander luogen haben Luther 18, 209
W., vergleichbar: de hebbt sich söcht
sie passen gut zusammen Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 707. 5@gg)
mit abhängigem infinitiv oder abhängigem satz. der infinitiv ist heute allgemein üblich, doch erst in frühnhd. zeit als sprachläufig zu erweisen. ahd. gibt es noch keinen beweisenden beleg. die häufigen bezeugungen im Tatian (9, 2; 54, 2; 79, 12; 88, 6; 101, 2; 104, 1; 104, 9
usw.)
gehen auf übertragung des lat. quaerere mit nachfolgendem infinitiv zurück, gleiches gilt von anderen ahd. belegen: ahd. gl. 2, 657, 54 (ni souchi
ne quere doceri);
Monseer fragmente 14, 6; 15, 1;
auch mhd. kaum bezeugt: daz er si nu verschalden ir rehtes nit ensuhte
Elisabeth 5883;
auch die ersten frühnhd. belege sind von der fremdsprachlichen vorlage beeinfluszt: wann es ist kunftig, das Herodes suocht das kint es ze verliesen (
quaerat puerum ad perdendum eum)
erste deutsche bibel 1, 11; aber ich wil geburlicher disz sachen fürkomen und suochen mich selbs mit gifte ze ertöten
N. v. Wyle
translationen 30, 23;
vgl. 31, 2; (
ihr frauen) mit grossem fleisze und künsten suchet (
die schönheit) ze mern (
cercate d'accrescere) Arigo
Decamerone 105; dieselbig kilch ... sucht nit zitlich eer, grosz land und lut under sich ze drucken Zwingli
deutsche schriften 1, 140; hat e. c. g. nit gehört, das begert und gesuocht würt, mich gefangen gen Rom ze schicken U. v. Hutten 1, 384
B.; doch suoech ich nit ze gefallen oder ze schmaicken den lewten Berthold v. Chiemsee
teutsche theologei 6
R.; (
der Türke) dein untherton mit mörden, rauben tyrannisch zu verderben sucht H. Sachs 1, 219
lit. ver.; vgl. 1, 227; diese krankheit ... sucht sich widerumb in mir zu erneuwern
Amadis 1, 104
lit. ver.; da er doch vornehmlich sucht, ein herr über ihrer mutter ducaten zu werden Grimmelshausen 2, 340
Keller; das volck suchen an sich zu bringen Kramer
dict. 2 (1702) 1207
a; wir haben durch die untersuchung unserer eigenen kräften und unserer schwäche uns den weg zu der kenntnis anderer gesucht zu brechen
chron. der gesellsch. der mahler 17
Vetter; eine nichtswürdige verstoszene, die durch kleine kunstgriffe die schande von sich abzuwehren sucht Lessing 2, 325
L.-M.; (
er) suchte sich die abwesenheit meines gemahls zu nutze zu machen Gellert
w. 4, 209; ich wills künftig suchen allein tragen zu lernen Göthe IV 3, 71
W.; institutionen, die sich zu beseitigen und auszuschlieszen suchen Ranke
s. w. 1, 4; man hat gesucht, eine präcisere fassung ... zu finden Moltke
ges. schr. 7, 103; scharen von bettelkindern ... suchten durch die fenster einen blick zu gewinnen Storm
w. 1, 15; suche immer zu nützen, suche nie dich unentberlich zu machen Ebner-Eschenbach 1, 34.
mit abhängigem satz: suahton fon then liutinthaz sie in nigin Otfrid IV 6, 40; ist alles sein suchen, das er der T. gunst ... müge hindern Neithart
Terenz 83
Fischer; der mit gott nit einsz ist, der hebt an, sucht und sorget, wie er doch wolle gnugthun Luther 6, 207
W.; suchten sie, wie si sich mochten verbergen Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 24
b; (
sie) suchen, wie sie uns hinrichten Moscherosch
insomnis cura 26
ndr.; suchen sie, dasz jedesmal, so oft es gesungen wird, von irgend einem wohlgelaunten manne, eine neue strophe eingeschaltet ... wird Göthe IV 21, 205
W.; und jede dieser bösen feen sucht, wie sie mich umspinne Cl. Brentano
ges. schr. 2, 416. 66)
bitten, ersuchen, verlangen, fordern. auch hier handelt es sich um ein bemühen, etwas zu erreichen, nur wird die absicht einem anderen (
höhergestellten)
gegenüber mündlich (
schriftlich)
geäuszert. 6@aa)
bitten, erbitten, ersuchen (von [an] jemanden etwas suchen; jemanden um etwas suchen; etwas suchen):
et ideo si qua requirenda sunt a priore pidiu ibu huuelihhiu ze suahhanne sint fona heririn
kl. ahd. denkm. 209, 9
Steinmeyer; do si des kunigs ernst gefrieschen, sie suochten unde ieschen, ob in der kunic wold erlæben Ottokar v. Steiermark 20835;
anscheinend formelhaft: ouch will ich iu vil gern darumbe dienen, swa irz suocht 2267;
ebenso 4360; der das almusen offenlich suchet (1480); ebenso solte (
er) den vater ... nicht mit klugen geschliffen worten gelockt und gesucht haben umb ein jawort Luther 8 (
Jena 1568) 379
b; sondern still geschwiegen, damit er ... mercke, was wir hiemit suchen und begern J. Mathesius
Sarepta (1575) 45
a; des Moysis suchen und begehren J. Ayrer
processus juris (1600) 270; obwol ... ümb einen stillstand der waffen gesuchet ward Micraelius
altes Pommerland (1640) 5, 243; dasz sein könig ... auf ihr (
der stadt) flehentliches suchen und bitten darzu bewogen ... worden v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 14; der kaiser bedankte sich, dasz er auf sein suchen nach Rom gekommen A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 10; der heilige Servulus (
hat) zu Rom ... unter einem schupfen ... gelegen und von den vorbeigehenden ein almosen gesucht Abraham a
s. Clara 1 (1649) 703; demnach aber dasselbe (
gedicht) ... zu unterschiedenen malen bei mir gesucht und begehrt Neumark
palmb. (1668) 330; auf höfliches suchen und erbitten Immermann 1, 186
Boxb.; suchen
betteln Martin-Lienhart 2, 323;
oft als '
werben': sie möcht ... dem konig sein suchen erwehrn J. Ayrer 1963
Keller; wenn er in seinem suchen glücklich ist Lessing 2, 31
L.-M. die seit frühmittelhochdeutscher zeit übliche verbindung etwas an jemanden suchen
bleibt bis in die klassische zeit hinein gebräuchlich, vgl. die belege im mhd. wb. 2, 2, 9,
bei Staub-Tobler
schweiz. 7, 217: swie man es doch von êrst began an der Beier herren suochen Ottokar v. Steiermark
reimchron. 2145; denn ich solchs an e.
f. g. nicht lehrens- oder meisternsweise suche Luther
br. 3, 546
de Wette; als nun der könig an die fürstin gnade hat gesuchet
buch der liebe (1587) 269; was vor ein wiederwertiges begehren suchet ihr an mir Creizenach
schausp. engl. comödianten 86; derowegen (
ist) an mich von christlichen gottseeligen und lehrbegierigen personen ... gesucht worden, (
die) predigten ... zu publicieren Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, x 3
b; wenn es ein handwerckspursch, ein studentenlaquei oder bauerskerl an mir gesucht hätte, ich wäre der zeit es nimmermehr eingegangen
jungfer Robinson 88; ich musz dir nur gestehen, das ich im begriffe war — (
Nathan:) doch nicht, das nehmliche an mich zu suchen Lessing 3, 96
L.-M.; und dasz, wer was an ihn zu suchen habe, es diesen abend noch thun könne Göthe 36, 25
W.; den herzog brauche ich nicht zu erwarten, weil ich nichts an ihn zu suchen habe Schiller 1, 160
G. vor allem gehört suchen
in diesem sinne dem brief- und cancleistil an: ifg. ... würden solches bei der rö
m. kais. maj. zu suchen nicht unterlassen Schweinichen
denkw. 161
Ö.; die lehen unterthenigst zu suchen und die lehenspflicht wirklichen in eigner persohn zu thun (1572)
nach Diefenbach-Wülcker 870; ihre kayserl. mayestet werde sie, dasz sie deroselben wie sie sonsten gerne wolten, in diesem ihren suchen (
um Türkenhilfe) dieszmahl nicht entgegengehen können, allergnädigst vor entschuldigt halten Hipp. a Lapide
dissertatio 246; so suecht und begehret auch der von Minckwitz noch täglich eine vorbesserung seines deputats
acta publica (1618) 1, 36; ich will dise lehen wiedereinst unterthenigst gemuthet und gesuchet haben (1641)
nach Diefenbach-Wülcker 870; (
die obrigkeit), welche die abstellung und bestrafung bei dem commandirenden officier zu suchen v. Fleming
vollk. soldat (1726) 255; den obersten Illo hatte er ... überredet, in Wien den grafentitel zu suchen und ihm dabei seine kräftigste fürsprache zugesagt Schiller 8, 334
G.; so glauben wir keine fehlbitte zu thun, wann wir ... um beilegung des gesuchten characters unterthänigst ansuchen Göthe IV 30, 58
W. gern als subst. infinitiv, heutigem gesuch
entsprechend, vgl. '
da dann in kanzleien auch das suchen
für gesuch
gebraucht wird' Adelung 4 (1780) 874: on weither appellation und suchens
peinl. gerichtsordn. Karls V. 13
K.; und dicz mein suechen nicht in ungnaden gegen mir vormerkhen (1567)
bei Diefenbach-Wülcker 870; das übrige ihr suchen betreffend Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 219; so gelanget an ... herrn als des verstorbenen getreuen freunde unser inniges suchen, er wolle den abend bevor sich hieher verfügen Harsdörffer
teutscher secretarius 2, 28; wendete deshalben sein suchen in einem andern schreiben mit aller höflichkeit von mir ab A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 440; dasz i. hochfl. durchl. so gnädig erscheinen und auf mein unterthänigstes demütigstes suchen das gegenwärtige hochzeitfest ... bestrahlen wollen Chr. Weise
polit. redner (1677) 755; deszwegen wollen mir monsieur vergeben, dasz ich für diszmal ihrem gefälligen suchen musz entgegen sein Menantes
art zu schreiben (1718) 119; versehe mich geneigter willfahrung in ansehen mein suchen denen rechten gemäsz Chr. Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 2, 142. 6@bb) '
eine forderung stellen',
besonders ausgebildet in der rechtssprache (
s. 7 a),
jedoch deuten auf einen frühen allgemeinen gebrauch as. soken (te us)
abfordern, s. Sehrt
wb. zum Heliand und die zahlreichen ahd. glossierungen: ad requirendum zi sohhene
ahd. gl. 1, 235, 36;
expetierit suachit 1, 278, 31 (
subiacebit damno quantum maritus mulieris expetierit et orbitri indicaverint);
exigatis suachet 1, 473, 14 (
usurasne singuli a fratribus vestris exigitis);
exactor, qui res exigit suachit 1, 509, 2;
exigant gisuohhant 2, 266, 30 (
ut districte tunc a nobis exigant hoc quod nos modo invisibilis conditor aequanimiter partat);
exigitur gisuohit 2, 281, 26 (
pecunia ... a vobis cum usura exigitur);
exigere gisuochan 2, 295, 19 (
a memetipso exigere volo); tumbo, in therra naht thina sela suochent fon thir
stulte, hac nocte animam tuam repetunt a te Tatian 105, 3; und such es (
das geliehene) von dem elenden und von dem frembden (
a peregrino et advena exiges)
erste deutsche bibel 4, 182; 3, 149, 16; wer meine wort nicht hören wird, ... von dem will ichs suchen Luther 24, 11
W.; dan gottis ere das erst, letzt, hochst ist, das wir im geben kunnen und er auch nichts meher sucht und fordert 2, 94.
als sachlich fordern, notwendig machen: eigun sie iz bithenkitthaz sillaba in ni wenkit, sies alles wio ni ruachentni so thie fuazi suachent (
wie die versfüsze es erfordern) Otfrid I 1, 24; thes selben pades suazisuachit reine fuazi I 18, 35;
si autem necessitas loci aut paupertas exigerit armida suachit
Benedictinerregel § 48,
s. Steinmeyer
kl. ahd. denkm. 254, 22; den dise artznei süchet (
querit) vor allen dingen ein leren buch Murner,
s. U. v. Hutten
opera 5, 421
Böcking. 77) suchen
in der rechtssprache, vgl. auch oben 4 b. 7@aa)
beanspruchen, fordern auf grund eines rechtstitels, s. a. recht suchen
unter c,
und vgl. die zahlreichen belege bei Staub-Tobler 7, 216: enthebt marggraf Ludwig das closter sanct Mariaberg von ainer malzeit, so ain landtfirst in Tyrol daselbsten zu suechen gehabt v. Brandis
gesch. der landeshauptl. 58; der überschusz von einem traidzehend, so sie bei etlichen häusern auf denen feldern zu suechen haben (1627)
öst. weist. 10, 76; dasz man sich bei solcher bezahlungk billich erholen sollen und nue mehr bei den herrn fürsten und ständen nichts zu suchen sein würde
acta publica 1, 42.
den anspruch geltend machen, auch durch die tat: item, ob ainer dem andern nimbt sein acker, so soll ainer, desz dasz trait ist, sein acker und trait suechen und mag dasz nemben vor sant Georgen tag mit dem pflueg; verweilt er sich aber, so mag ers suechen und nemben nach sant Geörgen tag und mag dasz nach frumber leüt rath nemben mit dem knopf (
in garben)
österr. weisth. 8, 107 (
a. d. j. 1469); dasz si alsdan ... verzicht nemen für all ansprach ..., daz si ir vordrung und ansprach ... suchen sollen oder mugen
österr. weist. 6, 231; wer darzue gerechtigkait oder ansprach vermaint ze haben und ist im gericht wonhaft, der soll daz in jarsfrist melden und suechen
österr. weist. 1, 216; dasz ain probst zum Creutz deren ding nie kaines befuogt und seine vorfaren zum Creutz nie gesuocht
städtechron. 32, 319.
vom anspruch auf schadenersatz: das wür dann unsere erben gegen irem leib und gueth unnd iren erben unnser schaden suechen sollen und mügen nach allen unnsern wolgefallen v. Brandis
landeshauptleute von Tirol 46; wurd aber iemant von söllichen inleuten oder dinstpoten beswärt oder gefrävelt, das sol man mit gerichtshilf datz denselben inleuten oder dinstpoten suechen nach dem und seu verhandelt haben und recht ist
österr. weist. 1, 287; alles unheil und verderbliches wesen sollte bei den säumigen ständen an dero habe, gut und vermögen zu suchen und sich daran der nothleidende stand oder mitglied zu erholen berechtigt und befugt sein (1621)
acta publica 128; seine schulden suchen
debita consectari Frisius
dict. (1556) 306
a: meine freunde haben mir gerathen, es (
das geliehene geld) gerichtlich zu suchen Rabener
w. 3, 353. (den) bluemen suechen
für verfallenen gültenzins das pfandrecht auf den blumen geltend machen Staub-Tobler 7, 216;
ähnlich pfand suchen 5, 1139; alle die orth, alwo ... zuvor kein bluembhesuech oder nuzung gesuecht worden
österr. weist. 6, 459. an jem. etwas suchen
an ihn eine forderung stellen: es will auch keiner der gewesenen handelsconsorten wegen der im nahmen beider geschehenen verrichtung an dem andern etwas suchen massen sie einander wechselweise auch diszfalls lossprechen Menantes
neue briefe (1723) 409. 7@bb)
die formelhafte verbindung etwas zu suchen haben,
die vorwiegend uneigentlich verwendet wird, geht anscheinend auf den rechtssprachlichen gebrauch zurück, s. die belege zu eingang von a: ich frage mit aller bescheidenheit ..., was sie vor diesem hause zu suchen haben Lessing 2, 153
L.-M.; er erhielt aber die stolze antwort, dasz er nichts bei ihm zu suchen habe Archenholz
England u. Italien (1785) I 1, 28; was ... der nahme senior vor des doctor Lessens nahmen zu suchen hat, verstehe ich nicht Lichtenberg
nachlasz 32; geh nun, Trin, sagte sie, ... was hast du nun noch hier zu suchen Storm 1, 73;
seltener: um einzusehen, dasz für sie in der welt nichts zu suchen Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 5.
zu vergleichen ist auch die gegenformel: (an einem orte) nichts verloren haben. 7@cc)
vor gericht klage erheben (jemanden suchen
ihn gerichtlich belangen; etwas suchen
wegen einer angelegenheit klage erheben),
vgl.besuchen und ersuchen im deutschen rechtswb. und bei Staub-Tobler 7, 220; 229:
arcessire soahhen, suahchan, sohan
ahd. gl. 1, 32, 4;
mnd. soken edder vorderen; soken edder vorvolgen (
öfter in mittelalterl. urk. aus Hannover),
s. Schiller-Lübben 4, 285: geschegen aber icht bruche uf demselben der stat gute von ir eigen inwonern, das sullen sie vor uns, unsern voiten ader amptleuthen suchen (1432)
urkundenb. der stadt Freiberg 1, 147; in welchem jar Appenzell von kaiser Fridrichen gefreit ward, für kein frömbde gericht schuldig sein um des rechten willen ze keren, sonder man al landleut vor irem stab suochen und daselbs sich rechtens vergnüegen laszen sölte J. v. Watt 2, 223; sy söllend denselben ... darumbe suchen, es were nit billig, das andere dessen sölten entgelten (1553)
bei Staub-Tobler 7, 216; das er die statt nieman anders sölle suchen dan for unseren heren burgermeister und räte der stat Zürich (1559)
ebda; 12. april wurde ich und herr Georgius Matthiae zum herrn richter geschicket, dasz wir vorläufig anzeigen sollten, dasz das capitul diese injurie suchen würde (1765)
quellen zur gesch. der stadt Kronstadt 4, 377; unde bidde den voghet, dat he ine veleghe (
schützen) vor unrechter ghewalt ...; weigherde ime des de voghet, he soke dat an deme rade
bei Schiller-Lübben 4, 285; unde mosten enne daer nicht mit rechte umme soeken
münster. chron. 1, 271
Ficker; min herren söllen (
ihn) suoche, da er gsessen sige (1567)
bei Staub-Tobler 7, 215.
im schweizerischen ist jemanden für, um etwas suchen
noch heute gebräuchlich im sinne von '
ihn wegen etwas gerichtlich belangen'. 7@dd)
die formel recht suchen
rechtlichen anspruch erheben: dücht aber sin erben recht darzu zu han, daz sollen si suchen vor geistlichem gericht (1418)
bei Sattler
gesch. Württembergs unter den grafen (1768) 5,
beil. 96; der soll ... inner jaresfrist nach seiner meldung sein recht suchen, anders hat er sein rechten verloren (1494)
österr. weist. 6, 229; item, das perkrecht scholl man suechen zu weingarten (15.
jh.)
ebda 11, 331.
einen rechtsentscheid suchen: darumb sol ainer wider den anderen ain freuntleich recht suechen und sol im das der richter ... widervaren lassen (15.
jh.)
österr. weist. 6, 18; die soltend mit dem rechten procedieren und das recht suochen über hertzog Fridrichen Richental
Constanzer concil 95
lit. ver.; und hette dehein teil an dem andern útzit zu sprechen, der solt recht darumb suchen nach sinem inhalt Diebold Schilling
Berner chron. 5;
allgemeiner: damit ein jeder ... sein richter und recht zu suchen und zu finden wisse Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) a 3
b; allwo jedweder sein recht auf das kürtzeste suchen kann Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 2, 162.
vom gerichtsstand: unser gnedigister herr laszt verpieten, das niemant frembte recht suech, ain jeder den andern vor seinem richter fürneme, wie recht ist
österr. weist. 2, 72;
bei synonymen: an deme (
dem stellvertreter des berchmesters) scal me dat gerichte soken gelec alse an dem berchmester
Goslarer bergr. § 131
nach Schiller-Lübben 4, 285; iederzeit ein idweder den compactaten nach die justitz zue suchen vorwiesen worden
acta publica (1618) 1, 44. 88)
das part. prät. gesucht
in selbständiger verwendung, s. gesucht teil 4, 2, 1, 4285; '
geschätzt, begehrt': du bist gesucht und werth bei jedem, der dich kennt König
ged. (1745) 368; einen groszen vertrieb gesuchter waaren Göthe 25, 108
W.; das geliebte, gesuchte, angebetete geschöpf 21, 46; Mozart war nie ein gesuchter ... musiklehrer Jahn
Mozart 3, 192; ne gesuechter doktor
ein gesuchter, tüchtiger arzt Martin-Lienhart 2, 323. weit gesucht
fern liegend, weither geholt: das ist eben weit gnug gesuchet (
dasz der papst weltlichen besitz brauche, um sich zu schützen) Sleidanus
reden 231
lit. ver.; das ist gar weit gesucht
questo è un ricercare da ben lontano Kramer 2 (1702) 1033
a; nur licht und wahrheit her! ein weit gesuchter reim gefället ohngefähr B. Neukirch
ged. (1744) d 5; deram weitesten gesuchte witz hatte allemal den vorzug bei ihr J. E. Schlegel
w. 3, 487; zuvörderst ist Hamlet blond — das heisz ich weit gesucht ..., woher schlieszen sie das? Göthe 22, 175
W.; daneben steht einfaches gesucht: nun es aber so oft fürfället, kan man nit anders achten dann dasz ein gesucht ding und mit fleisz oder vorsätziglich geschehen G. Nigrinus
anticalvinismus (1595) 102; einen krieg wider sie anzufahen und zu führen unter einem gesuchten schein H. v. Lewenklau
neue chron. (1590) 73; man verfället auf gesuchte schwürigkeiten Leibniz
deutsche schr. 2, 101; unter den gesuchtesten vorwänden O. Ludwig
ges. schr. 2, 66.
gewöhnlich ganz objectiv als '
gewählt, geziert, gespreizt, unnatürlich',
gern vom sprachlichen ausdruck: eine armuth, nicht der sprache, sondern des redenden, ... eine gesuchte eitelkeit Gottsched
anm. gelehrsamkeit 8, 888; auf einen kunstrichter, der in meinen sinngedichten ängstlich gesuchten witz sieht Kästner
verm. schr. 2, 247; dasz das gleichnisz gesucht ist, das räume ich ihnen ein Dusch
schr. (1758) 26; ich habe von haus aus einen eigenen komischen styl; aber er ist weder gesucht noch geborgt Bode
Montaignes ged. u. meinungen 2, 208; bei einer gesuchten, kostbaren, schwülstigen sprache kann niemals empfindung sein Lessing 10, 31
L.-M.; seine modulationen und harmonien sind oft ängstlich gesucht Schubart
ästhetik der tonkunst 234; nachher war sie still, sprach wenig und in etwas gesuchten ausdrücken A. v. Droste-Hülshoff
br. an L. Schücking 156; mit etwas gesuchter einfachheit gekleidet Schnitzler
freiwild 33.
daneben, wenn auch selten, in positivem sinne: um ... ein gesuchtes wort zu brauchen Klinger
w. 9, 8; dasz meine schönheit so unterscheidend sei, dasz selbst die gesuchteste vermummung sie nicht verstellen könnte 1, 235; ich wünschte, dasz unsere dramatischen dichter auch in solchen kleinigkeiten ein wenig gesuchterer und auf den ton der groszen welt aufmerksamer sein wollten Lessing 9, 218.
die traditionsformel gesucht und ungesucht
ist der lat. formel quaesita et inquisita
u. ä. nachgebildet und seit mitte des 12.
jhs. bezeugt, vgl. Fischer
schwäb. 3, 569; Lexer 2, 1321; Staub-Tobler 7, 217;
teil 4, 1, 2, 4285
und zur zwillingsformel teil 11, 3, 26;
zur bedeutung: zu welcher dienst haben wir auch geben den übrigen tail gemeltes walts ... mit allen ausz- und eingang, mit allem, unz so gesuecht oder aber zu suechen wäre (16.
jh.)
österr. weist. 6, 51;
s. auch die formel besucht und unbesucht
teil 11, 1, 372; Schmeller-Fr. 2, 215;
rechtsalterthümer 43; Staub-Tobler 7, 231;
rechtswörterbuch 2, 206.