gemeinlich ,
verstärktes gemein,
meistens als adv., selten als adj., wie schon ahd. oft gimeinlîcho
generaliter, simpliciter, consonanter, nur ausnahmsweis als adj., s. Graff 2, 784,
ags. gemænelîc
communis, gemænelîce
communiter, invicem Ettm. 224,
mnd. gemênliken, mênliken
u. ä. wb. 2, 53
b. 3, 70
b. 11)
als adj. mhd. (
wb. 2
1, 102
a)
selten, wie nhd.: nu quam dort her vil ebene die gemeinlîche nôt, ich meine der gewisse tôt ..
pass. K. 609, 79,
wie sonst der gemeine tôt,
der alle trifft (
s. gemein 2,
c);
wie sonst das gemeine volk,
d. h. das ganze, versammelt gedacht, mhd. diu gemeine diet,
ebenso diu gemeinlîche: diz was ouch offenlîch getân (
kund gemacht) vor der gemeinlîchen diet.
das. 429, 1.
nhd. gemeinlichs ansähen einer eersamen oberkeit. Maaler 167
b,
ihre geltung vor der gemeinde oder durch die gemeinde. auch in der bed. gewöhnlich (
s. 3): denn es war nicht nach
[] gemeinlichem natürlichem lauft, das von einfarbigem viehe viel bunds solt komen. Luther 4, 168
a,
das gewöhnliche wäre nach dem gemeinen lauft.
s. auch u. 4 Leibniz. 22)
in der regel als adv. (
vergl. gemeiniglich). 2@aa) gemeinlich
geschieht eigentlich was eine versammelte gemeinde als solche thut, sagt, will, beschlieszt u. s. w. (
s. gemein 3,
c),
dann überhaupt, was sich auf eine gemeinde oder gemeinschaft bezieht, wie schon gemein, gemeine
selbst als adv. (
s. dort 3,
e, ε): vernemet gemeinlîch, ir diet, wes unser mût urkunde gît.
pass. K. 38, 72,
eingang einer zeugenaussage vor versammelter gemeinde; dô disiu gnâde der stat gemeinlîchen widerfuor von unserm herren kunch Ruodolfe
u. s. w. Augsb. stadtb. 1,
von der bestätigung des stadtrechtes (13.
jahrh.),
vgl. das entsprechende gemeine stat
unter gemein 3,
f, γ; zum irsten hant sei (
die scheffen) zugetheilt .. unserm herren .. von Trier das dorf gemeinlichen zu Ludestorf.
weisth. 1, 829, 14.
jahrh. nach abschr. des 16.
jahrh.; ir, die .. burger gemeinlîchen der stat zû Mulhûsen. Haltaus 651, 14.
jh., s. dazu die gemeinen bürger, die bürger gemein
a. a. o. f, α; do kâmen vür uns (
den abt von St. Blasien) gemainlich die taleliute von Schœnowe und Tottenowe und vorderôten .. ain urkünde des gotzhûsreht der taleliuten und des vogtes.
weisth. 4, 501,
vom j. 1321,
d. h. sie kommen als gemeinde, thalgemeinde vor den herrn; und nâment gemainlich ûszer in allen der eltsten und der besten sehse und drîszig (
die alten rechte zu weisen).
das., d. h. mit gemeinem râte
u. ä., unter beratung in gemeindeform, denn alles thun der gemeinde hiesz gemeine,
besonders auch beratung, beschlüsse u. s. w., dazu dann diesz adv.; sich gemeinlich versammlen,
in commune congredi, gemeinlich ratschlagen von wägen des gemeinen nutzes,
in commune consulere Maaler 167
b; die ämpter gemeinlich und gleichlich under reich und arm, edel und unedel austheilen,
in commune vocare honores. das., d. h. jedem nach gleichem gemeinderechte, s. u. gemein 4,
d. 2@bb)
dann erstreckt, wie gemein,
auf alle ähnlichen gemeinschaften oder gemeinheiten in allen formen, kleine und grosze, die man sich eben in form einer gemeinde dachte, z. b.: (
Tristan spielte) sô schône und sô hoflîche, daʒ in gemeinlîche die fremeden aber an sâhen
u. s. w. Trist. 2272; gemeinlîch kâmens über ein (
des königs feinde), daʒ si grôʒ guot wöltin geben eim scherer
u. s. w. Boner 100, 58.
wieder auch vielfältig im gemeindeleben, z. b. von einem gemeindeausschusz: die selben 36 (
s. u. a aus St. Blasien) die kâmen des gemainlich über ain ûf iren ait umbe diu reht des gotzhûs
u. s. w. weisth. 4, 501; wir die gesworn scheffen gemeinlich des gerichts zu Richenbach .. und wir die gemeinde in demselben gerichte.
weisth. 3, 398, 14.
jahrh., die scheffen als geschlossene gemeinheit versammelt; disz nachgeschriebene recht hant die scheffen gemeinlichen zu Ludistorf .. mit dem lantman, und der lantman gemeinlich mit in semmtlichen und eindrechtlichen gesprochen.
weisth. 1, 829 (
zugleich zu a),
der lantman,
d. h. die versammelten landleute als einheit (
s. auch u. c und u. gemein 3,
e, α); wir Georg von gotts gnaden apte und wir convent gemainlich des wirdigen gotshus Richenow ... 1, 242; bei peen und strafen hienach geschriben, doch vorbehalten ainem capitel gemainlich, nach gelegenheit ... (
die strafe) zu mindern, zu meren.
ordnung einer Augsburger fechterbruderschaft (gemaine bruderschaft
genannt)
vom j. 1491
bei Adrian
mitth. 283,
d. h. dem capitel der bruderschaft in voller und ordnungsmäsziger (gemeiner)
versammlung; ouch ward abgeredt (
auf dem Rütli), dasz si dise sach ... heimlich halten bis zu der zit, da si irn pund gemeinlich in allen dryen waltstetten zemal offenbaren weltind. Tschudi
chron. 1, 236
b; junger ritter, nemmend hin den kranz, so euch von frauwen und jungfrauwen gemeinlich zugesprochen ist.
buch der liebe 243
b (gemeinglich 243
a).
in städten besonders auch von den zünften (
s. gemein 3,
e, δ),
z. b. nd.: sint de ersame broder Cort von Lunen, cumpture des dudeschen huses to Bremen ... und der schomaker gemenliken to Bremen ... eins geworden
u. s. w. Böhmert
beitr. z. gesch. d. zunftwesens 67, 15.
jahrh., der schomaker,
wie vorhin der lantman,
alle als einheit versammelt (gemenliken).
auch auf das reich bezogen (
s. gemein 3,
g): begeren wir von uch .. das ir gote zu lobe, uns, dem heilgin riche und allin dutschen landen gemeinlich zu eren ... by uns verliben wollint.
zuschrift könig Ruprechts an die stadt Frankfurt vom j. 1409,
Frankf. reichsc. 1, 139.
[] 2@cc)
im genauen sinne war damit vollständigkeit und einhelligkeit der versammlung gemeint, wie mit gemein (
s. d. 3,
e),
scharf ausgesprochen in dem sing. der lantman gemeinlich
vorhin; daher von beschlüssen gemeinlich und einhelliglich, eintrechtiglich (
vergl. das '
consonanter'
ahd. oben),
z. b.: im j. 1390 ... ward disser spruch von dem burgermaister und den zunftmaistern (
zu Constanz) gemainlich und ainhellenklich gethon .. Mones
zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 9, 392; weiseten (
die schöffen) gemeinlich und eintrechtiglich uf ir eide, das ..
weisth. 6, 74.
auch mit ungezweit
verstärkt und verdeutlicht: fragt Simon (
der untervogt im namen des herrn)
den lantmann, wie weit der zirkel des landgerichts gehe? darauf wiese der lantmann gemeiniglich ungezweit
u. s. w. weisth. 1, 555 (
vorher einfach wies der lantmann gemeiniglich),
vergl. 1, 797 wir die hüber gemeinlich des hubgerichts,
vorher gleichgeltend der ganze hübner.
auch mit alle
verstärkt (
vergl. u. gemeiniglich 2): er sprach: ir sult ê mîniu wort gemeinlîch alle hœren.
Lohengrin 817; die herren sprachen alle gemeinlich: ihr sollet dem Reymund das nicht versagen.
buch der liebe 264
d; da riehten sie ir alle gemeinlich .. 270
a;
schon mhd. auch algemeinlîche
adv., vergl. alle gemein
unter gemein 2,
a. 2@dd)
bemerkenswert ist der formelhafte gegensatz gemeinlich
und sonderlich, besonder, insonder,
wie gemein (2,
g)
mit gegensatz sunderlich, besonder,
z. b.: es mögind och die burger zue Wil gemainlich und sonderlich ir guet ... machen und verschaffen (
durch testament o. ä.) .. wohin si wöllend.
weisth. 6, 350; die hoflüt gemainlich und ietlicher insonder, der zuo sinen tagen komen ist (
mündig geworden), der ist schuldig ainem herrn von St. Gallen zuo schweren (
als unterthan). 1, 234; dasz .. die geschworen scheffen des dorfs und gerichts zu Ettelbrucken ... bei iren eiden (
die) sie gemeinlich und irer ieglichen (
so) besonder dem scheffenstol gethan und geschworen haben (
folgendes als recht geweist haben).
luxemb. weisth. 238,
es ist wie samt und sonders,
alle als ein ganzes und jeder für sich zugleich. 2@ee)
bemerkenswert auch die bed. überhaupt, die sich unter umständen aus der vorigen entwickelt, wie bei gemein (
s. gemeinde 4,
e, δ): dasz ihr des dorfs zue Trochtelfingen getruwe fünfer (
gewählte gemeindeälteste) wöllen sein .. und darob sein, dasz (
ihr) des dorfs T. löblich freiheiten, alt guet herkommen, gewohnheiten, satzungen, ordnung, fried, recht und gerechtigkeiten und gemeinlich alles anders, das euch fünfern ... gepürt .. ausrichten und handhaben (
werdet).
weisth. 6, 253,
zur sicherung dessen was etwa in der langen liste noch vergessen war. die stelle zugleich als beleg, wie wort und begriff von menschen auf gegenstände übergiengen, natürlich in gröszter manigfaltigkeit, besonders auch in folgender bedeutung, übrigens schon mhd.: aber diz ist gesprochen gemeinlîche von den tuginden.
myst. 1, 181, 12,
im allgemeinen, überhaupt (
es ist dann von besonderen arten die rede). 33)
die schwächung des begriffs zu meistentheils, gewöhnlich, was uns jetzt am nächsten anklingt, erscheint seit dem 16.
jh., vermutlich schon im 15.
jh. (
vergl. gemeiniglich 3,
auch gemein 7,
g. h): gemeinlich,
nach gemeinem brauch, vulgariter, nach der menge, vulgo, communiter, generaliter. Maaler 167
b; man spricht gemeinlich,
vulgo dicitur. das.; wie sich denn gemeinlich der ehebruch verursacht vom sehen. Luther
bei Dietz 2, 73
a; die mütter verwenden gemeinlich mehr lieb auf die söhn dann die töchter. Fischart
ehz. 63; gemeinlich die fraw von Guirlanden genannt.
Amadis 13; der käs, den man am ende jeder mahlzeit aufstellete, war gemeinlich steinhart.
Simpl. 1, 350, 24
Kurz; wenn jemand ein braten vom altar zucket, bleibt gemeinlich ein glüend köhlein daran henken. Schuppius 830; treuer thaten nachklang ist gemeinlich undank. Logau 2, 2, 21; was bringt den mann zum amte? vermutlich seine kunst? gar selten. was dann anders? gemeinlich geiz und gunst. 2, 3, 53; tichter sind gemeinlich arm
u. s. w. 2,
zug. 171; es war die königin Christin gemeinlich als ein mann gekleidt ... Wernike (1704) 356.
aber noch Ludwig (1716) 734
gibt es auch in der bed. durchgehends. 44)
ungewöhnlich und nur als versuch für allgemein, adj., im wissenschaftlichen sinne (
vergl. gemein 2,
h schon mhd., auch das folg.): die vernunftkunst oder logik samt ihrer nahen
[] anverwandten, der gemeinlichen wissenschaft. Leibniz
op. philos. ed. Erdmann 419
b,
es gehört zu seinen versuchen, die gelehrten wissenschaftswörter durch deutsche zu ersetzen.