wiede,
f. ,
binderute. ein alter -ti-
stamm *wiþi (
und wiði-?),
der auf das dt. beschränkt ist: ahd. uuithi
pl., uuid, uuit,
mhd. wid(e), wit,
f.; as. with (
dazu das kompositum stierwith '
ruderring');
mnl. wede,
f., neben sich jedoch einen in der bedeutung z. t. abweichenden westgerm.-nordgerm. jô-
oder jôn-
stamm (
wodurch im westgerm. geminata -þþ-
bewirkt wird)
hat (
ahd. witta,
f., '
haarband'
ist aus lat. vitta
entlehnt, s. Schatz § 195):
mnl. wisse '(
weiden)
zweig, band, strang'
; nnl. wisse,
f., '
durch zweige zusammengebundene menge (
brenn)
holz'
; afries. withthe,
f., '
halsband'
; ags. wiþþe,
f., '
weidenzweig, riemen, strick'
; nengl. with(e);
anord. við (
gen. viðjar), viðja,
f., '
gedrehtes band'
; norw. vidja,
f., '
weide, gedrehter zweig'
; dän. vidje '
rute, weide'
; schwed. vidja '
weidengerte' (
daraus entlehnt finn. vitja '
kette' Collinder
d. urgerm. lehnwörter im finn. 1 [1932] 53)
sowie einen got. ô-
oder ôn-
stamm im kompositum kunawida,
f., '
fessel'
; vgl. ahd. khunawithi '
catenae'
und ags. cynewiððe '
diadem'.
wie ahd. wîda,
nhd. weide,
gr. ἰτέα '
weide',
lat. vītis '
rebe',
lit. vytìs '
rute, gerte'
gehört das wort zur idg. wurzel *ei- '
drehen, biegen',
die vielfach auf biegsame zweige, flechtwerk usw. angewandt wird (Walde-Pokorny 1, 223
f.; Pokorny 1120
f.).
das genus ist durchweg das fem.; frühnhd. und mundartlich begegnen gelegentlich das mask.: junger wid Sebiz
feldbau (1580) 324; wit,
m. Meisinger
Rappenau 232
und das neutr.: die wede
et das wied Stieler
stammb. (1691) 2452; wed, wet,
n. (
neben dem fem. wede) Schambach
Göttingen 290
a. —
die bei mhd. wide
zu erwartende dehnung des stammsilbenvokals in offener silbe ist im hd. zufrühest aus dem 14.
jh. bezeugt: bi der wied Tilo v. Kulm
von siben ingesigeln 1146.
daneben gilt jedoch auch weiterhin kürze, wie vereinzelte schreibungen mit doppelkonsonant zeigen: widde Nicolaus v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 26 807
Strehlke; widden
Zimmer. chron. 21, 428
Barack; witten Herberger
hertzpostilla (1613) 1, 521; wedde
V. Weber
sagen d. vorzeit (1790) 2, 106.
mundartl. ist die kürze heute im alem. u. westmd. meist bewahrt, während im bair.-österr. und ostmd. wie auch im nd. fast [] durchweg dehnung eingetreten ist. orthographisch konkurrieren im frühnhd. wid(e)
und wiede,
bis letzteres sich im 18.
jh. durchsetzt. während Kramer
noch zwischen wid
und wied
t.-ital. 2 (1702) 1341
b schwankt, haben sich die wbb. seit Hayme
jur. lex. (1738) 1333
für wiede
entschieden. senkung des i>e
begegnet —
auszer im nd. —
gelegentlich im md.: restis wet (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 495
b. —
inlautendes t
für d
tritt häufiger bei ostmd. schriftstellern auf: wiedte Herberger
hertzpostilla (1613) 1, 145; wiete Lohenstein
Arminius (1689) 2, 626
b; wieten (
pl.) G. W. v. Rheinbaben
poet. übersetzungen (1711) 76.
vgl. mundartl. wîde, wîte,
f. Weinhold
beitr. z. e. schles. wb. 105; wîte,
f. Knothe
Nordböhmen 544.
die flexion ist ursprünglich die eines fem. kurzen i-
stammes, also nom. sg.: flagrum vuid (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 374, 16
St.-S.; retorta wit (11.
jh.)
ebda 3, 287, 33;
torta with (13.
jh.)
ebda 371, 34;
dat. sg. im kompositum: temone sub uno untar eineru languidi (11.
jh.)
ebda 2, 361, 6 (langwiede
teil 6,
sp. 185
gehört nur formal zu wiede,
der bedeutung nach stellt es sich zu wit 3
teil 14, 2,
sp. 811);
nom. pl.: loconie uuithi (
ende 8.
jhs.)
ebda 1, 204, 37;
so auch im kompositum: catene khunauuithi (
ende 8.
jhs.)
ebda 38;
akk. pl.: umbi cuoniouuidi (1.
Merseburg. zauberspr.)
kl. ahd. sprachdenkm. 365
Steinm. nach dem gen., dat. sg. mhd. wide (
belege s. unten)
ist ein nom.-akk. sg. mit -e
gebildet: ein starkiu wide Wirnt v. Gravenberc
Wigalois 6277
Kapteyn; die wide (
akk.)
kaiserchron. 15 141
E. Schröder, der nach und nach die endungslose form verdrängt. unter mundartlichem einflusz steht diese bisweilen jedoch noch nhd.: wid Leoprechting
a. d. Lechrain (1855) 21.
umgekehrt ist die endungslose form des ursprüngl. nom. im mhd. und frühnhd. vielfach für den gen., dat. sg. eingetreten: bi der wid
des teufels netz 8538
Barack; mit ainer wid Hans Sachs 22, 409
lit. ver. während wiede
nhd. im sg. stets stark flektiert, begegnet mnd. und frühnhd. vereinzelt auch schwache flexion: mit der weden (
var. wedde) Eike v. Repgow
Sachsenspiegel, landr. II 28, 3
Eckhardt; mit einer wieden Lonicerus
kreuterb. (1593) 23
b.
der plural flektiert frühnhd. z. t. noch stark: wydde (
nom. pl.; 1495)
Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 161
Brucker. aber bereits im 16.
jh. hat sich die schwache flexion durchgesetzt (
s. die belege unten). wiede
bezeichnet einen zähen, biegsamen zweig (
insbes. von der weide, birke),
der (
z. t. gedreht)
allein oder mit anderen zweigen zusammengeflochten, anstelle eines seils oder bandes verwendet wird (
zur herstellung einer gedrehten wiede
s. Fischer
schwäb. 6, 3417
s. v. widstange
und widstock).
das in simplex und kompositum seit dem 8.
jh. bezeugte wort (
belege s. oben)
ist im ganzen dt. sprachgebiet verbreitet, kommt aber mit der sache heute mehr und mehr auszer gebrauch. jedoch verzeichnen es die mundartwbb. noch regelmäszig. 11)
im eigentlichen sinne: nû sach er ûf dem wazzer sâ vliezen einen kleinen vlôz, den ein starkiu wide slôz bî einem stecken zuo dem stade Wirnt v. Gravenberc
Wigalois 6277
Kapteyn; do kunde er in kurtzer stund bruchen sinen laitt hund ze ainer wider (
lies: wide er) geband
Göttweiger Trojanerkrieg 1543
Koppitz; wir söllen in den wald gan und usz grünen gerten starke widen klenken (
flechten) Steinhöwel
Äsop 204
lit. ver.; djse reben werden bei vns nit vil inn der artznei genützet, ir brauch ist zu binden gleich den andern widen vnd seylern Bock
new kreutterb. (1539) 2, 69
b; ausz mitleiden schneid, drähet und machet er so viel wid aneinander ... dasz er ... mit dessen hülff den priester herauff zohe (
aus der wolfsgrube) Kirchhof
wendunmuth 4, 289
Öst.; nachdem das widschneiden ... ein grosse verwüstung der wäld ist, und man aber die wid auch wol ohn schaden bekommen, und davon zu einbringung der früchten nit empören mag
Würtemb. ernew. vorstordn. (1651) 63; die
[] besten (
schilde d. Germanen) sind nichts anders, als aus weidenen wieten gemachte flechten Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1186
b; (
beim fischfang in einem eisloch wird) der pfahl durch die wieden durchgeschlagen, dasz die reusen an dem pfahle halten müssen Döbel
neueröffn. jägerpract. (1754) 4, 98; wenn man die wiede zu viel umdreht, so bricht der knebel Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 153; (
der korbmacher) hob bedächtig eine wiede vom boden auf Aurbacher
ein volksbüchl. 2 (1839) 172.
verwendungsarten: 1@aa)
als strang zur hinrichtung. mhd. reich (
s. Lexer 3, 947),
frühnhd. noch vereinzelt bezeugt: im (
dem mörder) wære alze senfte ein eichîn wit umb sînen kragen Walther v.
d. Vogelweide
ged. 85, 13
Kraus; ûf den strâzen und ûf den wegen was diu wagenvart gelegen: die varent alle nû mit fride, sît Helmbrecht ist an der wide Wernher
d. Gartenaere
Meier Helmbrecht 1922
Panzer; den dieb henkt man an ain wid, damit so gewint die welt ain frid vor den bœsen lüten (14./15.
jh.)
des teufels netz 12 730
Barack; also liesz er sie füeren auf den Eyberg an einander gebunden, da würget man sie mit widen und stricken an hohen galgen und baumen (
Nürnberg 1488)
städtechron. 3, 151; er hett nit einn heller darumb er ein widt kauffet, daran er sich hencket S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 37
a; wer desz nachts korn stilet, ... man soll uber jhn richten mit der wide S. Meichszner
land- u. lehenrecht (1566) 46
a.
nhd. nur noch in archaisierender sprache: dann zog er eine flechte von weidenzweigen aus dem rockärmel und gab sie dem frohnboten ... die bauern murmelten und einer fragte: die wyd sehen wir, wo ist das schwert? Immermann
Münchhausen (
21841) 4, 64.
mundartl. noch der kommt an de widd
wird gestraft Autenrieth
pfälz. 151; Crecelius
oberhess. 913.
zur übertragenen bedeutung s. 3 a. 1@bb)
als fessel: in dirre bet (
gebet) sô lôste sich diu starke wide, dâ er mit gebunden was nâch diebes sit Wirnt v. Gravenberc
Wigalois 6506
Kapteyn; welich das (
d. landfrieden) prechen, das schol man also an in rechen: mit ainer aichein wid pint man in all ir glidt Seifrit
Alexander 3914
Gereke; als in das der nachrichter (
henker) heissen was, hat er ... alszpald die seul umbfangen, an die er ward gepunden mit einer wid und mit geiseln
offenb. d. hl. Birgitte (1502) 4, 70; (
die unholdin) bande jhm hände vnnd füsz mit einer starcken wied zusammen
buch d. liebe (1587) 390
a; die sohlen aber glühten mittlerweile, und die gelenke zuckten in der pein dasz sie zerrissen hätten wied und seile Gildemeister
Dantes göttl. kom. (1929) 128. 1@cc)
zum garbenbinden und bündeln von holz: von dörrem holtz ein schwere last, an eine wyd zu samen gfaszt Burkard Waldis
Esopus 1, 342
Kurz; wann du nit schaub oder widen gnug hettest, die garben zubinden, so knüpff je zwei bande zusammen und mach grosse garben J. Kepler
opera omnia (1858) 5, 556; ruten, die eines fingers dicke sind und wieden genannt werden, wenn sie gedrehet sind, kan man holz zusammen binden so feste als wie mit einem stricke
qu. v. 1711
bei Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 664; die anordnung, dass ... zum binden des getreides statt wieden strohseile verwendet werden sollten Schwappach
hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 364; die mädchen sammelten den männern die ähren in die wieden Auerbach
Schwarzw. dorfgesch. 4 (1854) 330;
vgl. Schmoeckel-Blesken
Soest 333; Hofmann
niederhess. 263; Autenrieth
pfälz. 151; Kleemann
Nordthür. 25
b; Hentrich
[] Eichsfeld 88; Fischer
schwäb. 6, 755; Wanner
Schaffhausen 25. '
auch nennt man wol die zum garbenbinden gebrauchten strohseile widden,
doch sagt man dann meist strohwidden' (
Niederhessen) Vilmar
Kurhessen 452.
zur übertragung s. 3 b. 1@dd) '
die spannkette, wodurch der hinterpflug mit dem vordergestell verbunden wird (= plaugwed, plaugwêe), Schambach
Göttingen 290
a.
so schon seit alters her: ain yeglich pfluog muosz haben genuog nagel vnd wid, vnd auch darmit ain sech vnd ye ain schare
liederbuch d. Hätzlerin 105
Haltaus; an etlichen orthen, da es gar leichte ecker, brauchet man darzu (
als verbindungsglied zw. vorder- u. hinterpflug) nur geflochtene starcke weidene oder eichene wiedten
M. Grosser
kurtze anleitg. z. d. landtwirtschafft (1590) N 4
a.
vgl. das komp. grindelwiede
teil 4, 1, 6,
sp. 374. 1@ee) '
daher heiszt auch an den ernte- und andern wägen der breite eiserne bügel mit zwey ringen, in deren einem die leiste und in dem andern die runge steckt, die leiter daran zu hängen, die wiede,
weil sie an den gemeinen bauerwägen eine wahre wiede ist. sonst wird sie auch der leistbügel
genannt' Adelung 4 (1801) 1530: der leiterwagen hat wieden (
die leuchsenringe) J. Blau
Böhmerwälder hausind. (1917) 1, 219.
mecklenb. gilt das komp. lünswäd' Wossidlo-Teuchert
meckl. wb. 1, 505.
hierzu wohl schon: ez sol auch nieman umbe kaine wit noch umbe kainen spanraitel schuldig kainer ainunge sin (
Reutlingen 1310)
qu. bei Fischer
schwäb. 6, 757. 1@ff) 'die joch-wid,
ring (
von eisen),
der die deichsel ans ochsenjoch hält. bey dem ärmeren wäldler ist die go'wid
aus dicken birkenzweigen gedreht, bey den vermöglichen ist sie riemerarbeit' Schmeller-Frommann
bayer. 2, 859: drei ochssen joch sambt riemen und wietten (
inventar v. 1763) J. Blau
Böhmerwälder hausind. (1917) 1, 219.
vgl. das komp. jochwiede
teil 4, 2,
sp. 2332. 1@gg)
als felgen: (
die kalesche) hatt 4 röder, yedes nun von einem gleich gemacht, das ist eine starcke wüd von einem zechen holz, das sich in düe ronde büegen lest (1585) Kiechel
reisen 101.
ähnlich zur radreparatur: (
wenn das rad am wagen entzwei ist) so beslechtz denn der schmid, man bunds als wol mit ainr wid
des teufels netz 10 798
Barack. 1@hh)
zum zusammenbinden eines floszes: ob einem flötzer eine wyde oder flotze anbreche, wo in dann ... der schade begrifft, da mag er am nechsten wyede oder bande hauwen und sin flotz wider heften (
Heilbronn 1469)
qu. bei Fischer
schwäb. 6, 757; die tännin widen zugebrauchen und zuhawen (
soll) gäntzlich verbotten seyn. es wäre dann an einem orth, da man die floszwid auszerhalb der tännin nicht füglich bekommen möchte
Würtemb. ernew. vorstordn. (1651) 43.
s. auch Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 7, 931
sowie Schambach
Göttingen 290
a; Kisch
vgl. wb. 248
a. 1@ii)
bei türen zum anhängen (
anstatt türangeln)
oder zum verschlieszen (
anstatt des riegels): do kamend wir gen Mowenhan, da henkt man türen mit widen an (
bezieht sich auf ein ereignis von 1468)
schweiz. volkslieder 2, 47
Tobler; dann dem Mitioni ist ein wol vszgebutzte vnd verschloszne (
tür), aber dem Demea ein zerbrochne vnnd mit wyden gebunden
Terenz deutsch (1499) 96
a; wär aber einer vorhanden, der das thor muetwillig ader die widen abhacket, ist fällig dem ambtman 72 D ... auch ein eiserne ketten schuldig an das thar zu kaufen, weil im die widen zu schlecht soll sein (
Steiermark 1570)
österr. weist. 6, 156; smiəd hängt sine dör anne wiəd Woeste-Nörrenberg
westfäl. 322
b.
[] 1@kk) '
weidenrute oder -strick zum binden des rohres und strohes auf dem dache' Schumann
Lübeck 23.
vgl. dachwiden (
rechn. v. 1770) Lexer
Kärnten 257 (
von Lexer
als '
latten, stangen'
gedeutet). 1@ll)
als faszreifen: item springent aber reyfe oder wydde an den bütten oder stendelin abe, die alters oder fulheit halb brechent, darumb sol man sie (
d. böttcher) strafen und nit dofür geben (1495)
Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 161
Brucker. 1@mm) '
weidenrute; der länge nach geteilt und ausgeschalt zum binden von besen' Blumer
Nordwestböhmen 2, 93: 25 000 besn zu binden in einem tag, dasz war eine unerträgliche plag, die dicke widn haben mir die händ alle zerschnitten Stranitzky
lust. reyszbeschr. 20
Wien. ndr. 1@nn)
zum schuhbinden: es muoss noch einer bezalen, der nit dran sint, etwan ein armer pur, der die schuo mit widen bindt (1524) Niclas Manuel 86
Bächtold; bei reichen und armen, der seine schuch mit widen bindt, kümmerlich und mühlich sich nehret
qu. v. 1609
bei Fischer
schwäb. 6, 756. 1@oo)
zum anbinden von pflanzen: stroppa wide, damit man die weinreben vnd andere ding binden kan Hulsius
t.-ital. (1618) 2, 400
a; so werden z. b. die bäume in den gärten mit wieden an die pfähle oder spalliere gebunden Adelung 4 (1801) 1530.
vgl. auch Albrecht
Lpz. ma. 237
a; Danneil
altmärk. 242. 1@pp) 'wide,
dim. widle
zarte bindweidenrütlein zum zusammenkoppeln erlegter vögel, frösche usw.' Birlinger
schwäb.-augsb. 432.
zum übertragenen gebrauch s. 3 c. 1@qq)
als allgemeines befestigungsmittel in haus und hof in der formel wiede und nagel: prunnenketten, aymer ... schluch, ligerlig mitt samptt allem dem, das wid und nagel höbbt (
Tübingen 1493)
qu. bei Fischer
schwäb. 6, 757; (
der vertriebene lehnsmann soll) nichs nit mit im ausz dem hausz fieren, wasz nagel und wid hielt (1531) Knebel
chron. v. Kaisheim 100
lit. ver. mundartlich: das g
eschieht, und wenn wid und nagel bricht Fischer
schwäb. 6, 758. 1@rr)
weidenrute als setzling: ferner schall Lentze Kraberg, sine hawesfrow, ihre erben, oder wer den hoff in brukender where hadt, denselbigen hoff und acker in weren halten mit dem gebawete, thuenen, graffen, paten und wieden zu setzende (1524)
Brandenb. schöppenstuhlsakten 1, 96
Stölzel. 22)
in vergleichen. 2@aa) (sich) drehen, winden wie eine wiede: er (
Gahmuret) want sich dicke als ein wit (
auf d. nächtl. lager vor liebesbegehren) daz im kracheten diu lit Wolfram v. Eschenbach
Parzival 35, 23
Lachmann; etliche (
bäume) wie ein wied gedrehet, das sie uber der wurtzel spalten und brechen müssen C. Spangenberg
Mansfeld. chron. (1592) 498
b; einem den hals umdrehen wie einer wid Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1341
b; (
ein) gespenst, das einen weiszdornstock wie eine wiede zu drehen im stande ist Laistner
nebelsagen (1879) 344.
übertragen '
sich herauszureden suchen': er hat sich (wie man pflegt zu sagen) gewunden wie ein wid und ... vermeint sich ausszureden
qu. v. 1605
bei Fischer
schwäb. 6, 756. 2@bb) zäh wie eine wiede: an im (
dem widder) was anders niht wan horn unde ein hût zæh als ein wide Konrad v. Würzburg
d. trojan. krieg 11 015
lit. ver.; ohnlang hernach war ein anderer thumherr zimlichen alters und der jaren, doch nit allhie wonhafftig, sehr reich, der kärger und zäher denn ein eichen wid Kirchhof
wendunmuth 3, 224
Öst.; so zäh wie eine widen Loritza
Wien 143; Heinzerling-Reuter
Siegerl. 324. 2@cc) '
die redensart sur wi-n e wïd
meint ganz bestimmt den herben geschmack der salix vitellina' Hunziker
Aargau 296;
s. u. wiedsauer.
[] 33)
übertragen. 3@aa)
von 1 a
her metonymisch für '
hinrichtung durch den strang'.
kaum über das mhd. hinaus belegt: er sprach: mîn geleiteunde mînen vride den wil ich in enbieten.er büezet mit der wide, der an iht beswæretdie unkunden herren
Kudrun 296
Martin; hêr keiser, swenne ir Tiuschen fride gemachet stæte bî der wide, sô bietent iu die fremeden zungen êre Walther v.
d. Vogelweide
ged. 12, 19
Lachm.-Kr.; dô sprâchen sie umme einen vride und lobeten den bie der wide
livländ. reimchron. 178
Meyer; ez wær sun, tochter oder knecht, dem künge kam ez allez recht, ez wære urlig oder vride, si muosten dienen bî der wide, und muosten iemer eigen sîn Boner
edelstein 24, 38
Pfeiffer; dann seine gebot dorst niemant brechen bei der wid des haubts
V. Arnpeck
s. chron. 503
Leidinger. insbes. in den formeln bî dem halse und bî der wide, bî dem swerte und bî der wide: unz iz (
d. kriegsvorbereitungen) diu chunigîn verbôt bî dem halse und bî der wide. si swuor, swer bræche ir fride, si hiez in in dem sende houbten
kaiserchron. 10 068
E. Schröder; sust wart geboten yn der fride, bey dem swerte vnd bie der wyde
herzog Ernst 1434
in: dt. ged. d. mittelalters 1
v. d. Hagen-Büsching. fest sind auch die verbalen verbindungen bannen bî der wide '
bei strafe des hängens für unverletzlich erklären': der rât dûhte si alle guot. si gewunnen slechtes einen muot und gebuten einen vride: der wart gebannen bî der wide
Dietrichs flucht 6948
in: dt. heldenb. 2, 164
Martin; swern bî der wide '
beim tod durch den strang schwören'
d. h. auf sich im falle eines meineids den tod durch den strang herabwünschen: gedenkâ, tohter, daz ich dich truok, und gewinne mir einen vride: ich wil dir sweren bî der wide, daz ich wil gerne wesen guot, und lobe, swaz iuch dunket guot
frauenzucht 588
in: gesammtabenteuer 1 56
v. d. Hagen; die wolfe kâmen über ein, daz si gern wolten haben vride (daz swuorens alle bî der wide den hirten und dem vihe) Boner
edelstein 93, 10
Pfeiffer. von hier aus wird bî der wide
gelegentlich zur bloszen beteuerungsformel '
wahrhaftig': wil man, als uns sayt di schrifft, an sehn di do han gestift den gelouben, so iz der lied di man sal halden bi der wied, nwer czwelve gar uber al nach der czwelf apostel czal Tilo v. Kulm
von siben ingesigeln 1146
Kochend. 3@bb)
von 1 c
her: eene wye holt
eine parthey holz von etwa drei fudern Strodtmann
Osnabrück (1756) 285. 3@cc)
von 1 p
her '
die menge, die durch die rute zusammengehalten wird': wid vögel
fasciculus avium Aler
dict. (1727) 2, 2186
a.
in diesem sinne insbes. bair.-schwäb. in der form des diminutivs verbreitet (
s. 6 b
β). 44)
als pflanzenbezeichnung. 4@aa)
weidenbaum: wiede
salix viminalis, vitellina Frege
botan. hdwb. (1808) 2, 140.
diese wohl von '
weidenrute' (
s. 1)
übertragene bedeutung ist sonst nur mundartl. bezeugt. s. Mensing
schlesw.-holst. 5, 553 ('
vereinzelt'); Woeste-Nörrenberg
westf. 322
b; Leihener
Cronenberg 134; Dähnert
plattdt. (1781) 543; Frischbier
pr. 2, 461; Spiess
Henneberg 282; Fischer
schwäb. 6, 758.
von Campe 5 (1811) 706
als landschaftliche bedeutung gebucht. [] 4@bb)
färberwau, gelbkraut: reseda luteola ... wiede Nemnich
polygl.-lex. d. naturgesch. (1793) 2, 1141; Marzell
wb. d. dt. pflanzenn. 5, 619.
vielleicht eine volksetymologische umdeutung von waude (
teil 13,
sp. 2607). 4@cc)
schneeball: wide
viburnum lantana Marzell
a. a. o. 5, 619.
die biegsamen zweige dieser pflanze werden als faszreifen sowie als flecht- und bindematerial verwendet, s. d. gr. Brockhaus 16 (1933) 740. 4@dd)
zur vereinzelten anwendung auf weitere pflanzen s. Campe 5 (1811) 706; Marzell
a. a. o. 5, 619. 55)
sonderbedeutungen. 5@aa)
haarband als kopfputz unverheirateter frauen: welliche junckfrow zu tenntzen unnd hochzeytenn eynen kranntz, harbanndt vnnd gefrenns tragen will, die soll nachfolgend zu eynichen tanntz oder hochzeyt kayn perlene wyd oder pennttel nit tragen oder gebrawchen. weliche junckfrow aber wyde, harbanndt, pennttel und gefrenns tragen wollte, die mag das auch thun, doch der mass, das solliche wyde harbanndt, pennttel unnd gefrenns mitsambt allem hawbtgeschmuck ... den vermelten werdt der viertzig guldin nyt ubertreffe (15.
jh.)
Nürnberger polizeiverordn. 101
lit. ver.; (
den töchtern der nicht vornehmen werden) die zum theil von gold gezierten widen, die doppeltaffetene zöpf und die seiden nestel ins haar (
verboten)
kleiderordn. v. 1626
bei Schmeller-Fr.
bayer. 2, 859.
dagegen ist ahd. witta '
haarband'
aus lat. vitta
entlehnt, s. Schatz
ahd. gr. § 195. 5@bb) die wiede
ein an beyden enden ausgezacktes holz an dem weberstuhle, und besonders an dem kammblatte und den tritten Adelung 4 (1801) 1530. 66)
diminutiva. 6@aa)
im eigentlichen sinne. 6@a@aα)
zu 1
allgemein: resticulus wydichin (
anf. d. 15.
jhs., obd.) Diefenbach
gl. 495
b; das selbig nest henken sie mit einem reinen widlein zu vorderst an ein estlin eines datelbaums, disz thuon sie darum, das innen das gewürm die iungen nit essen L. Friesz
cartha marina (1530) B 4
b. 6@a@bβ)
zu 1 o: die wein-bögen (
werden) über dem pfal ... mit einem kleinen wiedgen angehefftet Rohr
hauszhaltungsbibl. (1716) 163. 6@a@gγ)
zu 5 b: die spinnerin hat auf der spule ihres rades ein spitzes holz, das wie'l, stecken J. Blau
Böhmerwälder hausindustrie 1, 219. 6@bb)
übertragen. 6@b@aα)
wohl von 1 c
aus '
bürde, bündel' (
vgl. 3 b): wer der wär der nach sant Jorgen tag graset in dem sweren trait und begriffen wiert, der allewegen von ainem wittel (
andere hss. korb
oder färtl) 12 D zu wandl verfallen ist (
anf. d. 16.
jhs.)
österr. weist. 7, 296 (
zugehörigkeit zu wiede
ist jedoch nicht sicher). 6@b@bβ)
zu 3 c: anno dni 1522 ... da waren die lerchen teur; man gab 1 widlin, daran 4 lerchen waren, umb 10 pfening (
Augsburg)
städtechron. 25, 178; ein wiedel vögl (
gewöhnlich vier vögel), ein wiedel frösche zu fünf und zwanzig Westenrieder (1816) 673; (
die 7
Schwaben) trugen zusammen, mann für mann, den spiesz, und sahen schier aus, wie ein widle gespieszter lerchen Aurbacher
ein volksbüchl. (1835) 197; ein widlein rueben
rüben am kräuterich zusammengebunden Schmeller-Fr.
bayer. 2, 858. 6@b@gγ)
unterabteilung des garns auf der spule; vielleicht so genannt, weil die fäden früher mit einer kleinen wiede abgebunden wurden. besonders in Österreich verbreitet: in Wienn und GrAez wird der leinerne stren in widel abgetheilt, welche nach gutdünken unterbunden werden ohne die fäden zu zählen Popowitsch
versuch (1780) 566; das widel garn
eine gewisse anhäufung der gesponnenen fäden an der spule Höfer
österr. (1815) 3, 290; dabei besteht jeder schneller aus 560 umwindungen des ... haspels oder, da davon immer 80 solcher windungen
[] oder weifen unterbunden werden, aus 7 gebinden oder wiedeln Prechtl
technol. encycl. (1830) 20, 125; Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 10, 699. 6@b@dδ) 'wiedel
oder wietel
käsequirl, bestehend entweder a)
in einer geschälten jungen fichte oder tanne, deren untere wirbel-äste nach dem stamm bogenförmig zurückgeführt sind, oder b)
in einem stab, welcher mit ähnlichen sich kreuzenden bogen aus spanischrohr versehen ist, oder c)
in einem stab, welcher kreuzweis mit geraden holzstiften durchsteckt ist. Steiermark' Martiny
wb. d. milchwirtsch. (
21907) 138. 6@cc)
als pflanzenbezeichnung. zu 4 c:
viburnum wedeken (
Köln 1507) Diefenbach
gl. 617
c; wydlin (15.
jh. u. Augsburg 1512)
ebda; wiedel
viburnum lantana Nemnich
dt. wb. d. naturgesch. (1796) 645;
als genus gibt Campe 5 (1811) 706
mask. und neutr. an.