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wachsen

mhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wachsen verb.

Bd. 27, Sp. 79
wachsen, verb. crescere. II. formen und verwandtschaft. I@11) wachsen ist mhd. wahsen, ahd. asächs. wahsan, mnd. ndl. wassen, afries. waxa, ags. weaxan, engl. wax, anord. vaxa (praet. óx, part. vaxinn), schwed. växa, n. voxe, got. wahsjan. das gemeingerm. wort hat auch in andren indogerm. sprachen verwandte. gr. hom. ἀέξω für αϜεξω, αὐξάνω wachsen machen, vermehren (im med. wachsen), skr. vakš wachsen, perf. vavakša ich bin gewachsen, bin stark, part. ukšita gewachsen, grosz, zend. uΧš wachsen. die wurzel gehört aber weiter zu der unter wachen besprochenen von lat. augere, got. aukan vermehren, wuocher ertrag. als grundbedeutung der wurzel ergibt sich die der mehrung, des gröszerwerdens und zwar, wie der zusammenhang mit lat. vigere, vegetus lehrt, zunächst in folge natürlicher entwicklung. I@22) die durch assimilation aus wachsen hervorgegangene form wassen herrscht nicht nur im niederdeutschen, sondern ist auch im hochdeutschen weit verbreitet. die heutigen verhältnisse sind im anzeiger f. deutsches alt. 21, 261 f. dargelegt. darnach gilt wassen (daraus durch dehnung wāssen und andere formen) im mittelfränkischen, dem gröszten theil des rheinfränkischen und theilen des ostfränkischen und thüringischen; auch im oberdeutschen sind gebiete mit -ss- eingesprengt und zwar besonders im schwäbischen, niederalemannischen und elsässischen. auch die ältere sprache kennt die form wassen. im ahd. erscheint sie nur vereinzelt, so folwassan Isidor 37, 2, anagewassinu Steinmeyer - Sievers gl. 2, 34, 42, giwassana in den Vergilglossen gl. 2, 668, 5. mhd. ist wassen nicht selten bei Mittel- und Rheinfranken, Thüringern und Elsässern, s. Lexer 3, 643 und unten II, 1, a, δ. nhd. tritt wassen vereinzelt noch bei Elsässern im 16. jahrh. auf: da waszt kein grün grasz nymmermer. Murner narrenbeschw. 17, 98; lants nit an gemeinen hauffen wassen! Schade sat. 1, 12, 192 (elsäss. oder rhfränk.); auch bei Fischart in einem wol überlieferten reim: ey, trieffet dir die nas, dasz dir kein eiszapff dran was! groszm. 588 Scheible. auf unsere jetzige aussprache waksen weist zuweilen schon im ahd. die schreibung hin, s. Braune ahd. gr. § 154 anm. 4 (waxsanne u. dgl.), auch mhd. kommt die schreibung waxen und wagsen vor (s. Weinhold bair. gr. § 177), die auch im älteren nhd. nicht fehlt: wugssen städtechr. 15, 42, 18, wegst Luther 9, 384, 28 Weim. ausg., waxen Sterzinger spiele. auch Helber syllabierbüchlein 7 (chs 'ausgesprochen wie ein gelindes ks') erweist die aussprache waksen. I@33) in der 2. 3. sg. ind. praes. erscheint jetzt umlaut: du wächst (wächsest), er wächst aus ahd. wahsist, wahsit. im mhd. kommen hier umgelautete und nichtumgelautete formen vor, letztere besonders im oberdeutschen. auch im nhd. halten die Oberdeutschen zähe an den formen mit a fest, sie kommen bis auf die neueste zeit auch litterarisch oft vor. er wachset, wachst steht bei Keisersberg brös. 83a. Murner narrenbeschw. 4, 47. Gengenbach 7, 1153. schweiz. schausp. 1, 48, 852. österr. weisth. 6, 407, 7. Fischart ehez. 129, 3 Hauffen. Weckherlin 1, 206 Fischer. Moscherosch ins. cura 16 neudr. Balde Agath. 21, 3. Schupp schr. 722. Abr. a S. Clara Judas 1, 46. Hebel 2, 243. Mörike erz. 114. du wachsest in seltsamer verbindung mit wächst bei C. F. Meyer: du wachsest rasch und entwächst den kleidlein bald. ged. 234. I@44) das praet. bewahrt die ursprüngliche starke form: mhd. wuohs, nhd. wuchs (mit schwankender quantität, doch verdient die form mit ū den vorzug). selten kommt übergang zu einer andern ablautklasse vor: wiechs (nach hielt u. s. w.) Zimmernsche chronik 1, 469, 35. bair.-öst. denkmäler kennen ein schwaches praet. wachsete Fuchsmundi 221, 16 als conj. (s. II, 1, a, δ, 4)), aber auch als ind., wo es der volkssprache unbekannt ist: sein elendt wachste so weit dasz ... Abr. a S. Clara Judas 1, 66; erwachste 2, 37; aus anordnung der mutter gottes waxte in einem lerchenstock das bildnuss. Schöpf 792 aus einer schrift von 1738. das umschriebene perfect wird mit sein gebildet, in der älteren sprache dient aber auch zuweilen haben der umschreibung: du hâst gewahsen über den luft. minnesinger 2, 360b Hagen; ach werents an der selben statt, do der pfeffer gewachsen hatt. Murner narrenbeschw. 77, 64; iz (das senfkorn) hat gewachsen und ist worden zuo eime grozin boume. M. v. Beheim evang. Luc. 13, 19; also hat das evangelium der christen ... am aller sterckesten gewachssen. Luther 8, 26b. noch jetzt nd. dat folen het ewossen. Schambach 288. ein schwaches part. perf. gewachset scheint nur im cimbrischen vorzukommen: gabachset Schmeller 170. IIII. bedeutung und gebrauch. II@11) wachsen bezeichnet zunächst ein zunehmen, gröszerwerden, das die folge organischer entwicklung ist und wird von pflanzen, in beschränkter weise auch von mineralien, von thieren und menschen gebraucht. diese bedeutung ist die ursprünglichste und auch jetzt noch bei vollem leben. nicht immer aber macht sich der ganze bedeutungsinhalt dieses wachsen geltend, es kann auch die räumliche zunahme mehr in den hintergrund treten und wachsen nur die gedeihliche entwicklung bezeichnen oder selbst bis zum begriff des fortkommens, der entwicklungsfähigkeit abgeschwächt werden. in gewissen verbindungen weist dann wachsen speciell auf das end- oder anfangsmoment der entwicklung hin. II@1@aa) den festesten boden hat wachsen sowol in der alten als der neuen sprache in beziehung auf die pflanzenwelt. pflanzen, bäume, aber auch äste, blätter, blüthen, früchte wachsen; ein garten, der wald wächst. II@1@a@aα) das gröszerwerden in folge der vegetabilischen entwicklung steht im vordergrund: sumiu (samenkörner) fielun in thornâ; thô wuohsun thie thornâ inti furthamftun iz. Tatian 71, 4; es ist einem senffkorn gleich, welchs ein mensch nam und warffs in seinen garten, und es wuchs und ward ein grosser baum. Luc. 13, 19; das gras wächst vom regen, gramen pluvia augetur. Steinbach 2, 911; die pflanze ist in der nacht um einen zoll gewachsen; und als er war daheim, er's (das reis) in die erde steckt, wo bald manch neuen keim der milde frühling weckt. der graf, getreu und gut, besucht es jedes jahr, erfreute dran den muth, wie es gewachsen war. Uhland ged.2 311; wenn die zweige wurzeln schlagen, wachsen, grünen, früchte tragen. Göthe 2, 156. von einem überklugen sagt man er hört (seltener: sieht) das gras wachsen: er höret das grasz wachsen, die flöch huosten, er möcht einer lausz ein steltzen machen S. Franck sprichw. 1, 11b; die welt ist also wol gelert, das sy das grasz yetz wachsen hört, und felet dennocht offt damit, ja, wol umb einen puren schrit. Murner narrenbeschw. 49; und wänt ieder, er sye grosz Hans, es kan sich kein gräslin so klein enbören, dasz sie es nit wachsen hören. N. Manuel Barbali 1622 Bächtold; si maynen allwegen, ir syn sey der aller best, sy seyn als weisz, das sy hören das grasz wachsen, wie man sy an kompt, oder was man sagt, so wissen sy allweg ain bessers. Keisersberg has im pfeffer Cc 4a; do gelehrte leut seind und das grasz wachsen hören. Lindener Katzip. 83 Lichtenstein; obschon sie im grunde eben nichts wissen, nicht desto weniger ist ihre praesumption dermassen grosz, dasz sie vermeinen, dasz sie das grasz wachsen hören. Albertinus Gusman v. Alfarche 396; es haben zwar ein guter theil der herren Niederländer diese einbildung, dasz sie in selben landen das grasz allein wachsen hören. Philander 2, 833; die alten erzählten die heldenthaten ihrer jugend, wie viele sie geprügelt und wie manchen bauer, der gemeint, er sehe das gras wachsen und höre die flöhe husten, sie angeschmiert. Gotthelf Uli der pächter (1850) 31; man rühmet, ihr wäret der pfiffigste mann, ihr hörtet das gräschen fast wachsen, sagt man. Bürger der kaiser und der abt. dies wachsen wird gern bildlich gebraucht, besonders in verbindung mit anderen ausdrücken, die auf die entwicklung der pflanze hindeuten: der gerechte wird grunen wie ein palmbaum, er wird wachsen wie ein ceder auf Libanon. psalm 92, 13; warumb gehets doch den gottlosen so wol, und die verechter haben alles die fülle? du pflantzest sie, das sie wurtzeln und wachsen, und bringen frucht. Jerem. 12, 2; hier da blühet, wächst und grünet, was zu deinem glücke dienet. Tscherning vortrab des sommers deutscher gedichte (1655) 143; alles menschliche musz erst werden und wachsen und reifen und von gestalt zu gestalt führt es die bildende zeit. Schiller 11, 271 (das glück); ungesucht bildete sich allmählich der entwurf zu dem buch über Händel und Shakespeare ... selten sind bücher in der weise gekeimt, gewachsen und ausgereift wie dieses. Gervinus leben 331. II@1@a@bβ) in anderen fällen bezeichnet wachsen die vegetabilische entwicklung an sich, das gedeihen, ohne dasz das moment des gröszerwerdens besonders hervortritt; dagegen ruht der nachdruck oft auf dem beginn der entwicklung, dem sprossen: im mai wächst waldmeister; ein jung pfläntzlein, das nicht wachsen, bekommen oder gedeihen will. Ludwig 2360; schawet die lilien auff dem felde, wie sie wachsen, sie erbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Matth. 6, 28; das nicht unser erbeit, sonder seines segens und seiner gaben ist, das korn und wein und allerley früchte wachsen. Luther 5, 456b; in diesem jar ... der wein hierumb in Baiern aller glatt erfroren, das nichz wugs, und ganz kain lesen gehalten ward. Widmann Regensburger chronik, städtechron. 15, 20, 28. sprichwörtlich: unkraut wächst, man darfs nicht begieszen, mauvaise herbe croît toujours. Rondeau. das part. praes. wachsend in adject. gebrauch ist s. v. w. vegetabilisch: Albertus spricht über ain puoch, hat Aristoteles gemacht, von wachsenden dingen, sam paum und kräuter sind. K. v. Megenberg 331, 21 Pfeiffer. wachsende kraft, ein ausdruck der scholastischen philosophie (s. auch wachsthümlich), die den pflanzen und allen lebewesen innewohnende kraft, die das gedeihen und das wachsthum gibt: alles was die erde hervorbringt und mit einer wachsenden und sich besamenden kraft begabet. Ludwig 2359; wann laub und grasz durch winters pein stirbt gäntzlich vor den augen dein, wi haymlich bleybt ir wachsent kraft, erscheynt durch summers aygenschaft. J. v. Schwartzenberg 151b. wachsend ist auch s. v. w. sich üppig entwickelnd, gedeihlich: seine backen sind wie die wachsende wurtzgertlin der apoteker. hohel. 5, 13; regen und schnee ... feuchtet die erden, und machet sie fruchtbar und wachsend, das sie gibt samen zu seen, und brot zu essen. Jes. 55, 10. nd. ne wassene (auch wassenige) tid, worin es gut wächst. Schambach 288. auch dies wachsen 'gedeihen' erscheint gern im bildlichen ausdruck (wobei natürlich auch die bedeutung 'gröszer werden' vielfach mit hereinspielt): denn ich wil wasser giessen auf die durstige, und ströme auff die dürre. ich wil meinen geist auff deinen samen giessen, und meinen segen auff deine nachkomen, das sie wachsen sollen wie gras, wie die weiden an den wasserbechen. Jes. 44, 4; treuffelt ir himmel von oben, und die wolcken regenen die gerechtigkeit, die erde thue sich auff, und bringe heil, und gerechtigkeit wachse mit zu, ich der herr schaffe es. 45, 8; ûz ir muot und ûz ir herzen riutet kumber unde smerzen mîn vil liebiu vrouwe guot; vröude sæt si dâ, diu hêre, seht, dâ wahset sælde und êre; ich nam ouch dâ hôhen muot. minnesinger 1, 204a Hagen; all zit, winter und summer, so wachsend narren wie das gras. N. Manuel 215, 19 Bächtold; verse wachsen zu machen, brauchts nur sonniges wetter, dasz die knospen erwachen, sich entfalten in blätter. Rückert ges. ged. 5, 328. 'es kommt zum vorschein' (wie eine entsprossende pflanze), 'es bietet sich dar', ist wol es wächst an folgender stelle: Tyche. hast du denn keinen mann, der dich recht liebt? Celinde. o ja, Marcell, den ritter. Tyche. sieh, da wüchse ja gleich ein herz, wie sich's gebührt, mein täubchen! Immermann Cardenio u. Celinde 1, 5. auch in wachsen lassen ist die bedeutung meist die abgeschwächte von 'gedeihen': du lessest gras wachsen fur das vieh, und saat zu nutz den menschen. psalm 104, 14; der aber samen reichet dem seemann, der .. wird vermehren ewren samen, und wachsen lassen das gewechse ewer gerechtigkeit. 2 Cor. 9, 10; das ich gedacht: ey got hat ja drumb wachsen lahn den wein, die gersten, hopff und was zum bir gehört, das mans möcht trincken, wenns eins iedern hertz bgert. Rebhun klag des armen manns C 2a; der herr, der kraut und gras zum nutzen wachsen läszt. Günther bei Steinbach 2, 911; Noah war unser erstgebohrner, nur ihn liesz gott wachsen, mich brach und meine brüder der würgende todesengel unreif und grün vom stengel, kaum dasz wir die knospen entfaltet. Bodmer Noah (1752) 314 (10, 449). mir wächst etwas 'es gedeiht um mir später ertrag zu liefern': ich sage iu, lieben süne mîn, iun wahset korn noch der wîn, ichn kan iu niht gezeigen diu lêhen noch diu eigen. minnesangs frühling 25, 14; hab ich seine früchte unbezalet gessen, und das leben der ackerleuten sawr gemacht, so wachse mir disteln fur weitzen, und dornen fur gersten. Hiob 31, 40; ich wil meine schewnen abbrechen, und grössere bawen, und wil drein samlen, alles was mir gewachsen ist, und meine güter. Luc. 12, 18; das ist ein köstlicher wein .., ihr habt ihn wohl aus einem klosterkeller? einem edelmanne wächst solcher wein nicht um die lanze, der schmeckt nach dem krummstabe. Brentano 4, 48 (chronika e. fahr. schülers); es grünt uns kein halm, es wächst keine saat, ohne heimat musz der soldat auf dem erdboden flüchtig schwärmen. Schiller 12, 52 (Wallenst. lag. 11); wer nicht die körner säet, dem wachsen nicht die ähren. Rückert werke 6, 197. vgl. auch 1, a, δ, 2)). andre verbindungen mit dem dativ: dem baume wächst sein laub; den fluren kömmt ihr frisches grün, und wäldern wächst ihr schatten wieder. Uz 203 neudr.; ich habe nie verlangt, dasz allen bäumen eine rinde wachse. Lessing 2, 308 (Nathan 4, 4). es ist etwas gewachsen ist vielfach nur 'es ist zur entwicklung gelangt, gediehen, vorhanden': dies jahr ist kein wein, sind viele pilze gewachsen; also ist himmel und erden worden .. und allerley kraut auff dem felde, das zuvor nie gewachsen war. 1 Mos. 2, 5. mit betonung der natürlichen entstehung: so soll ouch kein huswürt, noch nieman von sinen wegen, kein wasser noch keynerley ding tuon in win, anders dann er gewahsen ist. Straszburger zunftordnungen 538 Brucker. es ist etwas für mich gewachsen, zunächst von pflanzen: er hatte den schmetterlingsglauben, jede blume sei für ihn gewachsen. Musäus volksmährchen 3 (1805), 311. dann auch übertragen: meinst du, weil sie so klein ist, dasz ein mückenflügel ihr ganzes gesichtchen verdecken könnte, so sey sie nur gleich für einen krummbeinigen, buckligen, grünen laubkäfer gewachsen, wie du bist? Wieland 11, 77 (Sylvio v. Rosalva 1, 1, 11); hat er's courage nicht, so ist er ein hasenfusz, und für den sind keine Louisen gewachsen. Schiller 3, 365 (kab. u. liebe 1, 2); der tischler kann ja doch nicht von ihr lassen; und sie, wenn ihr nicht just der kopf verrückt ist, weisz auch wohl, was sie an ihm hat. die schönen vornehmen jungen herrn sind ja nun doch einmal nicht für sie gewachsen. Storm werke 2, 136 (auf der universität). es ist kein kraut gewachsen für etwas, eigentlich von heilkräutern: fur den tod ist kein kraut gewachsen. Agricola 300 sprichwörter (1530) 77b; vor die lieb und den tod ist kein kraut gewachsen. S. v. Birken Pegnesis 1, 356; dieses sei der beseufzenswerte nachteil des jahrhunderts, in dem man leben müsse, und kein kraut sei für solches übel gewachsen. G. Keller 6, 16. II@1@a@gγ) die art und weise, wie etwas wächst oder gewachsen ist, ist genauer bestimmt. auch hier hat wachsen nicht immer den vollen bedeutungsinhalt des wortes. II@1@a@g@11)) vast wachszen, excrescere, exolere, exolescere. Dasypodius 450c; diese art kräuter wächst bald, questa sorte di herba s'appiglia, viene subito. Krämer 1202; ein baum der langsam wächst, a tree growing but slowly; ein baum der bald oder geschwinde wächst, a tree that grows apace. Ludwig 2359; zur zeit des pflantzens wirstu sein wol warten, das dein same zeitlich wachse. Jes. 17, 11; schnell wachsende pflanzen können nicht dick werden. Oken 2, 218. sprichwörtlich: was bald wechst, das verdorret auch leichtlich. Mathesius Sarepta 85a; was langsam wächst, haltet lang. Wander 4, 1719. II@1@a@g@22)) ein baum der wol wächst, a tree that grows up finely. Ludwig 2359; so wär es (das junge bäumchen) krumb und kruckelecht und knorrecht gewachsen. Keisersberg has im pfeffer (1510) Cc 8a; die granatäpffel wachsen schön rot, wann man den granatenbaum mit wasser und lauge durcheynander begiesset. Sebiz feldbau (1580) 340; dis bringet dem acker auch grossen frommen, wenn man die stoppeln oder was sonst auff dem acker gewachsen ist, abbrennet, so balde das getreidicht oder grasz davon ist, denn darnach wechst das getreide gewaltig. Coler hausbuch 3 (1617), 75; wann es heisz und dürr wetter ist, mag sie das gieszen wol leiden, sie wächst aber viel freudiger. Tabernaemontanus (1687) 388; er (der hollunder) wächset amangs, wenn er jung ist, gantz weich und sehr safftig. Döbel jägerpr. 3, 30a; von einer niedrigen, wollig wachsenden pflanze. Göthe 24, 87 (a. m. leben 2); bekanntlich wächst kresse, blosz um eine flasche in bindfaden gesäet und mit wasser begossen, so mastig, dasz man sie .. zu salat benutzen kann. Oken 2, 186. schitter (dünn) wachsen, bildlich: man kans zwar nit laugnen, dasz bey den soldaten die heiligkeit zimblich schitter wachse und finde man mehrer federbusch als schein auff dem chaszkett und peckelhauben. Abr. a S. Clara reimb dich (1702) 97 (mercks Wienn). dick wachsen, vgl. 1, a, δ, 2)). II@1@a@g@33)) mit eyner dicken, schönen, selbs wachsenden hage. Sebiz feldbau (1580) 166; die beste und nutzlichste versperrung ist ein selbs gewachszner hage. 166, s. auch theil 4, 1, 4732; eine menge (ananas) wächst ganz wild und dient dem vieh zur nahrung. Oken 2, 322; als die mirten wuchsen wild, die wir nun in gärten sparen. Rückert ges. ged. 4, 394. bildlich: wenn die kunst in unserer kälteren zone nicht wild wächst — soll man darauf verzichten, sie mit langer und liebevoller pflege doch endlich zu acclimatisiren? Heyse kinder der welt 2, 206 s. v. w. gewöhnlich sein, häufig vorkommen: der Hunnen mancher, der in schwertes bereich kam, merkte, dasz er auf schwäbischem boden stund, wo der streiche gediegenste wild wachsen, wie die erdbeeren im wald. Scheffel Ekkeh. 215; minister von der begabung Falks wachsen bei uns nicht wild. v. Bismarck erinnerungen 2, 130. II@1@a@g@44)) in stauden wachsen. fructicare. Kirsch 2, 377; die blätter sind ganz purpurroth, und in so zierlichen sträuchern gewachsen, als hätten sie sich tanzend in gruppen vertheilt. Bettina briefe 1, 323. II@1@a@g@55)) in holtz und blätter wachsen, effundi in materiam frondemque. Steinbach 2, 911; sehr ins holz wachsen, wann die baumgewächse am stamm dicker werden. Frisch 2, 412; welcher grosse und dicke knoblauch will haben, der soll inen die spitzen und die schosz abbrechen, ehe dasz sie noch inn den stengel gewachsen sein. Sebiz felbau (1580) 189; was im abnemenden monden geseet wird, das wechst in die wurtzel, als rüben, mohrrüben, zwippel etc., was aber im zunemenden monden geseet wird, das wechst alles über sich ins kraut oder in die stengel, als kohl etc. Coler hausbuch 2 (1612), 179; wenn die gerste gemeihet ist, so mus sie einen tag oder drey umbs futters willen auff dem felde wettern, sonst scheust sie nicht wol und wechst ins gras. 3 (1617), 160. in die höhe oder lenge wachsen, crescere in altitudinem. Maaler 479c; in die dicke wachsen, to increase in thickness, to grow thick. Ludwig 2360; die bäume aber, welche man hin und her inn hagen gesetzt hat, soll man inn die höhe wachsen lassen. Sebiz feldbau (1580) 167; damit das holtz in die dicke nicht wachse. 168; so musz die pflanze im ganzen senkrecht in die höhe wachsen. Oken 2, 154. II@1@a@g@66)) ein baum der erst nur halb gewachsen ist, a tree not yet come to its full growth. Ludwig 2359; die pflanz' ist weiter in der nacht gewachsen, und, am licht erwacht, hat sie die blüth' erschlossen. Rückert werke 2, 450; ain kütenpaum wechst grôz sam ain pirbaum. K. v. Megenberg 319, 29; der ander lai küttenpaum wechset klainer. 319, 34; die weisheit preiset sich ... ich hab eingewurtzelt, bey einem geehreten volck, das gottes erbteil ist, ich bin hoch gewachsen, wie ein cedern auff dem Libano. Sirach 24, 17; Assur war wie ein cederbaum auff dem Libanon ... die wasser machten, das er gros ward, und die tieffe, das er hoch wuchs. Hesek. 31, 4; wann sie (die bäume) anfahen grösser und dicker zu wachsen. Sebiz feldbau (1580) 168; wachsen nicht die ruben dest grösser, damit die krautfresser zu delben haben? Garg. 95 neudr.; das kraut wüchs schon und grose und gab gar süessen rüech. H. Sachs fabeln 3, 3, 197 Götze-Drescher; die saat wächst bey dem regen grosz und treibt den fetten halm, der desto dichter blühet Stoppe Parnasz im Sättler 478. sprichwörtlich: was zu hoch wächst, musz man stumpfen. Wander 4, 1719. II@1@a@dδ) es treten örtliche bestimmungen der ruhe hinzu. wachsen zeigt hier die bedeutung von 'in entwicklung stehen, zur entwicklung gelangen, gedeihen', oder auch nur 'fortkommen, entwicklungsfähig sein'. II@1@a@d@11)) dâ ê daʒ hiuselîn was, dâ wahset nû umbederbe gras, neʒʒeln unde unkrût. Hartmann v. Aue Gregorius 3720 Paul; der will all welt des überreden, er sy zuo Norwegen und Schweden, zuo Alkeyr gsin und zuo Granat, und do der pfeffer wechszt und stat. Brant narrensch. 76, 87. gern in verwünschungen: wäre er doch wo der pfeffer wächst (weit weg), s. theil 7, 1634; wa gensz hin schyssen, als ich hör, da waszt kein grün grasz nymmermer. Murner narrenbeschw. 17, 98. darnach sagt man auch: wo der hin schlägt, wächst kein gras mehr; Cappan war übel zugerichtet. auf einem rücken, den alemannische bauernfäuste durchgearbeitet, wächst jahrelang kein gras. Scheffel Ekkeh. 287. bildliche wendungen: jener zeit, die jetzt die alte, hilt man Deutschland viel zu kalte, dasz daselbst, wie jeder wolte, die geduld erwachsen solte. nun nur aber die sind kummen, die den baw recht fürgenummen, ist kein boden weit und ferne, wo geduld wachst also gerne. Logau 1, 122, 19; dort (in Paris) wachsen die Cäsarn, wie die fliegenschwämme. Seume 165 (spazierg.). II@1@a@d@22)) in diesen landen wächst weder korn noch wein, in questo paese non nasce grano vino. Krämer 1202; in diesem lande wachsen gute weine, questo paese fa buoni vini. ebenda; der thee, das kafe wachsen nicht, kommen nicht auf in Europa, zijn geene gewassen, die in Europa tierig zijn. Kramer (1719) 257; die bäume wachsen in dieser gegend nicht, kommen da nicht fort. Rondeau; es wächst in Welschland, Italia fert. Steinbach 2, 911; besser in sandigten feldern wachsen, melius sabulosis arvis exire. ebenda; got darnâch peganeinen poumgarten phlanzen, der wart vile wunnesam,den hieʒ er paradisum. in den satzter Adâmen,hieʒ inen pûwen. dâ wuohs innealler obeʒʒe wunne, dei wahsent dâ gnôtain ieglîchem mânôde. fundgruben 2, 16, 18 (genesis); wan eckern in den wälden zuo Baligou wassent, so solen daz die geswornen und der schultheisz unser gnedigen herschaft zuo Rappoltzstein kuent thuon und sich der nit gepruchen, sie haben den des erloubung. weisth. 5, 355 (Elsasz 1448); das ... alle ire fürsten ein ende haben; und werden dornen wachsen in iren pallasten, nesseln und disteln in iren schlössern. Jes. 34, 13; in den glückseligen inseln, da ungesäet und ungeackert alle ding wachssen und bekommen. Franck morie encomion 6a; was köstlich wächst in allen himmelstrichen, wird ausgestellt zur schau und zum genusz auf unserm markt zu Brügg. Schiller 13, 256 (jungfr. v. Orl. 3, 3). bildliche wendungen: für den todt wechszt kein kraut im garten. S. Franck sprichw. 1, 144a; disz rede ich, das man nit meine, gedult wachse in allen gerten. Mathesius hochzeitpr. 113, 19 Lösche; rew wächst nicht in jedem garten, sondern in dem, da sie der heylig geist pflantzt. Lehmann 710, 11; Bildad. was wil man die wunde viel begreiffen, die sich numehr durch kein pflaster heilen läst, als durch das eintzige kräutgen gedult. Ebed. in meinem garten wäre das kraut nicht gewachsen. Chr. Weise Jacobs doppelte heyrath (1699) 172; von freunden, dachten wir, sei freundschaft zu erwarten; nun sehn wir, dieses kraut wächst nicht in diesem garten. Rückert werke 8, 264 (weish. des brahm. 5, 453). sprichwörtlich: diese blumen sind in seinem garten nicht gewachsen, that is no productions of his own brains. Ludwig 2360. es wächst mir etwas im (auch: in den) garten, ich habe es zur hand, es begegnet mir (vgl. 1, a, β mir wächst etwas): es kan dir noch im garten wachsen, nascer ti possa l'herba all' uscio. Güntzel 824; wan churbayerische reichsvölker wider in disze ort (die die mauern abbrechen muszten) weren komen, hetten alle diejenige, welche hetten helfen abbrechen, hettensz eben selbige wider müeszen reparieren und uffpawen; wäre ihnen gewisz in garten gewackszen. Bürster schwed. krieg 236 v. Weech; in tituln wäre ich nicht karg, denn sie wuchsen mir in den garten, kauffete sie nicht in der Franckfurter messe. Schupp 545; alles was ich einem böses wünsche, das musz ihm von stunden an widerfahren und im garten wachsen. Melander jocoseria 2, 657; euch, glaub' ich, kommt's schon seltner, dasz ihr euch selbst oder eure gäste bedient; uns armen rittersleuten wächst's oft im garten. Göthe 42, 36 (Gottfr. v. Berl. 1). auch von gegenständen, die erst aus naturproducten bereitet werden, wird dies wachsen gebraucht: ein land da olebewm und honnig innen wechst. 5 Mos. 8, 8; dasz es sey ein herrliches kornland .., dasz ein ziemlicher trunck wein darin wachse. Schupp 94; wein ist der erde wasser, das sonn im stocke kocht, das mag ich; was im fasse wächst, hab ich nie gemocht. Logau 1, 229, 51; das brod unsers herrgotts wächst überall. Schiller 3, 480 (kab. u. liebe 5, 1); unverschämter bube, weistu auch, wo dieses holtz gewachsen ist? (schlägt ihn). Chr. Weise Jacobs doppelte heyrath (1699) 169; ich merke schon, in Italien wächst mein strick nicht. ich musz ihn anderswo suchen. Schiller 3, 121 (Fiesko 4, 9); ihr dicker starker Pommer, solltet doch wissen, wie man unter solchen umständen mit solchen kerlen umgehen musz — das hausrecht! wofür wachsen denn stöcke und hanf? Arndt erinnerungen3 215. kühner, geld wächst: aber das flachland! diese wälder und felder, da musz den bauern das geld vor der thür wachsen! Ad. Pichler allerlei gesch. aus Tirol (1867) 150; hab ich in dieser welt nicht lauter ungelücke? das liederliche geld, das wächst mir auch nicht dicke. drum gebt mir einen mann, dem ich die kreutzer fein in hosen steubern kan. Fuchsmundi 358, 24 neudr. II@1@a@d@33)) diese kräuter wachsen besser an feuchten orten, queste herbe vengono, provengono meglio ne' terreni umidi. Krämer 1201; in Cypro dâ sint edele rebon, dâ der ana wahsent die meiston trûbon. Williram 21, 3 Seemüller; das er (der rebmann) dieselben reben büwen sol jars umb den halben wyn daran wachsende. zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 3, 286 (Sinzheim 1492); bin in ltalien gewesen, da wachsen diese an sträuchern. Auerbach 17, 155 (schatzk. I); andere (schmarotzerpflanzen) wachsen am stengel oder an den zweigen. Oken 2, 312; sie (die mauer) war, wie dumpfig und morsch sie auch an vielen stellen von den unsäglichen gewächsen, die an ihr wuchsen, war, dennoch überall ganz genug und fest genug. Stifter studien (1850) 5, 160 (hagestolz). II@1@a@d@44)) ich will euch ein glas wein schencken von trauben, die auf unserm eignen gut gewachsen sind. Ludwig 2359; es wächst auf dem felde, ab agris effertur. Steinbach 2, 911; da lies der herr schwebel und fewr regnen ... und keret die stedte umb, die gantze gegend, und alle einwoner der stedte, und was auff dem lande gewachsen war. 1 Mos. 19, 25; was fur speise auff dem felde einer iglichen stad umbher wuchs, das thaten sie hinein (in die städte). 41, 48; also hab ich gesehen, dasz in Italia auff harten steinfelsen die allerschönesten ölbeumlin wuchsen. Luther tischr. 32b; die bittersüszen krohnsbeeren, welche auf dem rücken des Blocksberges wachsen. Zachariä 1, 344; er (der reis) wächst bekanntlich auf sumpfboden. Oken 2, 322. es wächst auf einem boden wird auch übertragen gebraucht: der büttel der sprachreinigkeit in Ober- und in Niedersachsen, der alle worte lands verweist, die nicht auf deutschem boden wachsen. Lessing 5, 38; dort (in Hannover) handelte es sich darum, eine auf dynastischem boden gewachsene selbständigkeit einem groszen gemeinwesen, wie es Preuszen war, zu assimilieren. v. Bismarck reden 5, 202 Böhm. sprichwörtlich: es ist auf seinem miste nicht gewachsen, s. theil 6, 2265. gras wächst auf etwas, es ist verlassen, verödet: doch öd' sind nun die stellen, stumm liegt ihr (der Venus) säulenhaus. gras wächst da auf den schwellen, der wind zieht ein und aus. Eichendorff 2, 366 Dietze; der blasirte reisende, welcher von einer reichen stadt zur andern fliegt, ... denkt freilich nicht daran, dasz auf hundert früher belebten seitenwegen jetzt gras wachsen musz, damit die eine grosze strasze so mährchenhaft von leben und thätigkeit wimmeln kann. Riehl land u. leute8 79. die ähre wächst auf dem halme, die blume auf dem stengel, obst auf dem zweig u. dgl.: und sahe aber mal in meinem traum, sieben ehern auff einem halm wachsen, wol und dicke. 1 Mos. 41, 22; nu wachse auff dir (dem feigenbaum) hin furt nimer mehr keine frucht. Matth. 21, 19; wie eine blume auff dem kraut wechset, und in ihr hatt den aller edlesten geruch und taw. Paracelsus (1589) 10 appendix 18; wo ist denn ein baum, auff dem nicht auch wurmstichiges obst wachst? Abr. a S. Clara reimb dich (1702) 56 (mercks Wienn); ein mancher hat ein so rothes gesicht, dasz ihme auch die starn und troscheln nachfliegen, der meynung, als wachseten vogelbeer auf ihm. Fuchsmundi 221, 16 neudr. volkssage und volksscherz kennen auch andre dinge, die auf bäumen wachsen: drei reiter zu pferd, wo kommen sie her? von Sixen, von Sachsen, wo die schönen madchen auf den bäumen wachsen. hätt ich eher dran gedacht, hatt ich dir eins mitgebracht. Simrock das deutsche kinderb.2 123, vgl. zeitschr. für deutsches alt. 6, 15; in India ... do die gänsz auf holczschuoch gen, und die änten auf baumen wachsen. decameron 405, 1 Keller (nicht im ital.). bildliche wendungen: unglück das wechst auf ainer felb (ein weidenbaum, der, so oft man ihn kappt, immer von neuem wieder ausschlägt), ain alter neid, der wirt bald new! Liliencron hist. volkslieder 3, 58, 126; ein ceder wächst sehr hoch, und ist derenthalben ein sinnbildnusz eines hochmüthigen menschens, von dem der poet sagt und singt: hochmuth und stoltz wachsen auff einem holtz. Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 407; dummheit und stolz wachsen auf einem holz. Wander 1, 707. II@1@a@d@55)) lilie unde diu rose und diu zîtlose wuohsen dâ ze goume undir dem edelem geboume. genesis 9, 4 Diemer; sie (die eiche) was, als daʒ bûch quît, funfzehen ellen wît: dar under mê grases wûs danne in dem walde sus. Albr. v. Halberstadt 20, 63 Bartsch; auf der ganzen insel sehe ich nur veraltete obstbäume und junges darüber wachsendes waldlaub, da wird schwerlich ein ... schieszbares wild sein. Stifter studien 5 (1850), 174 (hagestolz). es wächst gras darüber, es ist in vergessenheit gerathen, so dasz jede spur verwischt ist: lasz gras drüber wachsen, mit der zeit findt sich alles. Mathesius hochzeitpred. (1564) T 3b; ich ... bat beydes, meinen schweher und den obristen, dasz sie vermittelst der militiä das meinige zubekommen unterstehen wolten, eh das grasz darüber wüchse. Simpl. 1, 360, 7 Kurz; er ... denkt nimmer daran, was er einmal verübt hat und meynt, es sey schon lange gras darüber gewachsen. Hebel werke 3, 69. mit hereinspielen der eigentlichen bedeutung: hier habe ich des hofschulzen seinen Fritze todtgeschlagen. es ist aber lange her und gras ist darüber gewachsen. Immermann Münchh.2 4, 27. II@1@a@d@66)) dieses gewächs .. wächset um die bäche. Zedler univ. lex. 36, 150; cypressen wuchsen um sein grab. Uhland ged.2 259. II@1@a@eε) dagegen macht sich der volle bedeutungsinhalt von wachsen geltend, wenn örtliche bestimmungen der richtung hinzutreten. es zeigt sich dann die bedeutung von 'im wachsthum wohin gelangen', 'sich wachsend wohin erstrecken': die scholen dirre tæte (Orpheus' ermordung), daʒ wâren alle wîbes namen, die wurden boume alle samen und wûchsen in die erde dô. Albr. v. Halberstadt 23, 127 Bartsch; myn lyb (der tanne) ist strak und grosz und uff gewachsen uncz in die wolken und myn gipfel strekt sich zuo dem gestirn. Steinhöwel Äsop 278 Österley; gleich als wenn die dornen, die noch in einander wachsen, und im besten safft sind, verbrennet werden. Nahum 1, 10; der stengel ist der unmittelbar auf der wurzel senkrecht nach oben in die luft und das licht wachsende theil der pflanze. Oken 2, 25. sprichwörtlich: es ist dafür gesorgt, dasz die bäume nicht in den himmel wachsen. Göthe 26, 1 (a. meinem leben 3); lieber lerne gott anders ansehen; wenn er nicht so thete, wie köndte er sonst die harten kempff dempffen? er musz den hohen beumen stewern, dasz sie nicht in himmel wachsen. Luther tischr. 39a; mädchen, du bist mutwillig! ein glück, dasz der dirne geburtstag einmal im jahre nur kömmt; sonst wüchsen die bäum' in den himmel! Voss Luise 1, 484; er (Tilly) wolt in Sachsen in himmel wachsen: nun istr gefallen, wie tyrann alle. Soltau volksl. 1, 485 (1631). übertragen wird gesagt: das wächst mir in die hand (auch: in den mund), von dingen die man selbst hervorbringt und wachsen läszt. Adelung. freier: drauszen in Baiern, da dehnen sich die ebenen, und den leuten wächst das gold ins maul! Ad. Pichler allerlei gesch. aus Tirol (1867) 292. an, über, zwischen u. s. w. etwas wachsen: bisweilen wachsen auch die beutel benachbarter (staub-) fäden an einander, dasz sie wie ein beutel mit vier fächern aussehen. Oken 2, 68; gott der herr aber verschafft einen kürbis, der wuchs über Jona, das er schatten gab über sein heubt. Jona 4, 6; der rasen, gestern dürr, versengt von sonnengluth, wie ward er heute grün, besprengt von regenfluth! der regen konnte nicht verdorrtes gras erfrischen, dürr ist es noch, es wuchs nur junges grün dazwischen. Rückert werke 8, 296 (weish. des brahm. 6, 172); man kann als ausgemacht annehmen, dasz das wachsen der pflanzen zum licht einerley physischen grund habe, wie das drehen der blätter. Oken 2, 154; wenn sich daher die pflanzen im lichte nach der sonne richten, so wachsen sie bey bedecktem himmel und während der nacht gegen den zenith. 2, 218. aufwärts, seitwärts, vorwärts, rückwärts wachsen u. dgl.: was mancher baur in seinem ruben-acker verwundert, dasz bey den ruben das beste under sich wachset, das schlechte über sich. Abr. a S. Clara reimb dich (1702) 77 (mercks Wienn). auch aus etwas wachsen kann die richtung angeben: wird es wohl bey dem haupt-gesetze bleiben, dasz es (das junge holz) zu betreiben, wenn es dem viehe aus dem maule gewachsen, dasz der gipffel des holtzes nicht vom viehe erreicht und abgebissen werden kan. Döbel jägerpr. 3, 46b. der folgenden kategorie sich nähernd: sie (die weinstöcke) wachsen zu auszerordentlicher dicke. Göthe 16, 263 (briefe a. d. Schweiz 2). II@1@a@zζ) durch andere bestimmungen kann das ergebnis des wachsens angegeben werden; die bedeutung ist dann 'im wachsthum sich in etwas verwandeln, zu etwas werden', vgl. auch 1, a, γ, 6)): man lieset von vielen heiligen, dero dürrer stab in grüne und fruchtbare bäum gewachsen seynd. Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 178; wann der rauten staude alt wirt, so wächszt er zu eynem baum: darumb soll man im alle jar zweymal die äste und nebenstängel bis an die wurtzel abschneiden. Sebiz feldbau (1580) 243; wenn er (der hopfen) zu halben stangen gewachsen, mus man ihn wider mit stroh oder faden hefften, damit die wipffel nicht in einander wachsen und sich verwirren. Coler hausbuch 2 (1612), 193; dieweil nachstehende gattungen von holtze weder zu stangen, noch bäumen wachsen, sondern in schwachen büschen bleiben. Döbel jägerpr. 3, 28b; dasz diejenige art von eichen, die sich so weit in ästen ausbreiten, fast noch einmahl so viel raum haben musz ..., als die, so gerade in die höhe, und zu einen guten schafft wachsen. v. Carlowitz anleitung zur wilden baumzucht (1732) 189b; der garten des fürsten verdorrt und wächst zu gesträuch. Klopstock 1, 226 (Stintenburg). bildliche wendungen: wenn dem tage der garben zu reifen, gesät ist meine saat; wenn gepflanzt in dem himmel ist meine seele, zu wachsen zu zeder gottes. 1, 145 (die glückseligkeit aller); darum erstickt er jeden keim in euch, dasz er allmählich nicht zum baume wachse, der seinen königsthron beschatten kann. Körner 3, 32 (Rosamunde 2, 2); die steine selbst ergreift ein sehnen, zum himmel leicht empor zu reisen. die pforte reckt sich auf als bogengang .. die kurze säule wächst zum pfeiler, schlank, und trägt, ein baum, granitne blumen, früchte! Immermann 1, 2, 39 Koch (Merlin). freier: wer hât iuch bischof daʒ gelêrt, daʒ ir under helme rîtent, dâ diu infel süenen solde? iur krumber stap der ist gewahsen zeinem langen sper, die werlt habt ir betwungen gar. Marner 12, 28 Strauch; damals pfropften die väter das recht, die tugend und sitten in den busem der söhne, sie wuchsen darinn zum instinkte. Bodmer Noah (1752) 45 (2, 212). II@1@a@hη) wieder andere bestimmungen geben den ausgangspunkt des wachsens an; die bedeutung ist dann entweder rein örtlich 'aus etwas hervorkommen' oder auch 'aus etwas entstehen, sich aus etwas entwickeln': die früchte wachsen aus dem erdboden, fructus e terra nascuntur; die bültze wachsen aus der erde, fungi e terra gignuntur; aus dem harten bodem wachsen, e duro prorepere. Steinbach 2, 911; eine eiche wächset von einer eichel, un chêne croît d'un gland. Rondeau; und im treumet abermal, und sahe, das sieben ehern wuchsen aus einem halm vol und dicke. 1 Mos. 41, 5; da vom glantz (der sonne), nach dem regen, das gras aus der erden wechst. 2 Sam. 23, 4; vom ceder an zu Libanon bis an den isop, der aus der wand wechst. 1n. 4, 33; was aber von im selber nach deiner erndten wechst, soltu nicht erndten. 3 Mos. 25, 5; wie es unansehelich, ja unglewblich ist, das aus einem dorren, faulen stam und wurtzel ein schone rutte und blume wachsze. Luther 7, 549, 13 Weim. ausg.; dasz es ein wunderbarlich ding were, dasz ausz den beumen solche früchte wüchsen, die zu fleisch und blut gemacht würden. tischr. 32b; darumm wie der sahmen ist, also wachset ein kraut darausz ... also ausz korn wachset wieder korn, ausz habern wider habern. Paracelsus (1590) 6, 260; wie ein apffel nicht aus dem holtze wächset, wie die unverständigen meinen ..., sondern aus der grünenden krafft ex centro seminis, sonst trügen auch dürre höltzer epffel. Arndt wahres christenthumb (1619) 1, 185; in den gärten stehen pomeranzenbäume, voller früchte, aus der erde wachsend und unbedeckt. Göthe 27, 239 (ital. reise); ich kletterte an der alten zersprungenen mauer hinab, indem ich mich mit den händen an den sträuchern, die aus den rissen wuchsen, anhielt. Eichendorff 2, 422 Dietze; da wurde eurem vater eines tages ein seltsam wunderbarer traum. ihm däuchte, er säh aus seinem hochzeitlichen bette zwey lorbeerbäume wachsen. Schiller 14, 64 (braut v. Mess. 2, 5); der kürbis wächst aus kleinem kerne, und streckt die ranken weit durchs land. Rückert werke 6, 313. bildlich: Jôhannes (starb) dâr in Ephesô — vili suoʒe konder predigôn. ûʒ des grabi noch wehsit himilbrôt, daʒ dekkit manigir slahte nôt. Annolied 89; denn mühe aus der erden nicht gehet, und unglück aus dem acker nicht wechset. sondern der mensch wird zu unglück geborn, wie die vögel schweben empor zufliegen. Hiob 5, 6; wo aber noch eines schillings wert zu finden ist, da reitet kein Hunne vorbei; legt einem toten ein goldstück aufs grab, so wächst ihm noch die hand aus der erde und greift danach. Scheffel Ekkeh. 165. es wächst etwas aus der erde, aus dem boden sagt man von gegenständen, die plötzlich da sind, sich unvermuthet zeigen: gieng auff die ander seyten auch (der Stefanskirche), fandt mehr ein newen thurn rauch, der wuchsz erst aus der erdt herfür. Schmelzl lobspruch 441; es käme jetzt nur auf einen ruhigen monat an, so sollte das werk (Faust) zu männiglicher verwunderung und entsetzen, wie eine grosze schwammfamilie, aus der erde wachsen. Göthe briefe 12, 179 Weim. ausg.; ich schlich .. an sein schlosz hin, das .., seitdem ich diese gegend nicht betreten, aus der erde gewachsen war. werke 30, 184 (camp. in Frankr.); er .. sah .. die wohlbekannteu figuren, welche so eben noch in ihren kurzen jacken gesteckt hatten, in schönen rothen uniformen einherstolziren .. zwei schildwachen faszten gravitätisch vor der rampe .. posto, kurz, ein kleiner militairstaat wuchs im augenblicke, so zu sagen, aus der erde. Immermann epigonen2 1, 160; so kam er in die gegend, wo der park aufhört und neue häuser und straszen, die inzwischen aus dem boden gewachsen waren, ihn daran erinnerten, wie viel jahre er fern gewesen war. Heyse kinder der welt 2, 320; eines schönen tages jedoch schien eine entscheidung aus dem boden zu wachsen. G. Keller 6, 158. ähnlich: wenn ... (in der hölle) myriaden gehörnter köpfe aus der rauchenden mündung ihrer schwefelkamine hervorwachsen unsern einzug zu sehen! Schiller 2, 45 (räuber 1, 2 schausp.); die ganze heerstrasze wimmelte von menschen; ... hinter zäunen, aus kirchhofmauern, aus gräbern sogar, wuchsen menschen hervor. 7, 216. II@1@a@thθ) über das part. praet. in adjectivischem gebrauch mit beziehung auf die pflanzenwelt ist theil 4, 1, 4727 f. gehandelt. von beispielen, in denen gewachsen auf die organische entwicklung, das natürliche entstehen, hinweist, seien hier noch angeführt: obs nicht eine gewachssen natürliche rose ist im garten, dennoch ists (die silberne rose) auch wesentlich eine rose auff seine weise. Luther 3 (1560), 471b; darumb erhebt die notturft die hölzine und gewachssene trinckgeschirr, daraus eben so wol der durst zuleschen, als aus dem gold. Fischart ehez. 241, 14 Hauffen. übertragen: im lehren ist er (Erasmus) gar kalt, taug nichts. er kan wol waschen, aber die wort sind gemacht, nicht gewachsen. Luther tischr. 292b; vatter und mutter sind natürliche und freywillige herren, ein selbs gewachsene herrschaft. die oberkeit ist aber ein gezwungener herr. 330b. II@1@bb) weit weniger eingebürgert ist wachsen in beziehung auf minerale und beschränkt sich im wesentlichen auf die technische sprache, aus der es nur in einigen verbindungen in die neuere dichtersprache übergegangen ist. II@1@b@aα) die alte bergmannssprache redet davon, dasz in den rissen und klüften der erde gesteine, besonders werthvolle metalle, erze, wachsen. diese anschauung gründet sich darauf, dasz in den mineralgängen thatsächlich eine veränderung und zunahme des gesteins oft wahrzunehmen ist, indem durch allmähliche absätze aus dem wasser eine an- und auflagerung gleichartiger theile stattfindet. Naumann-Zirkel elemente der mineralogie13 354. diese zunahme hat indesz mit dem pflanzlichen und thierischen wachsen eigentlich nichts zu thun, bei dem eine von innen aus treibende kraft die zunahme bewirkt. der alte volksglaube stellte aber beides auf eine linie, er spricht von einem samen, der in den schosz der erde gelegt ist, aus dem unter günstigen einwirkungen edle metalle erwachsen, sogar von einem sich begatten oder rammeln der erzgänge ist die rede und wenn edle gesteine hervorbrechen, so heiszt es, dasz der gang einen bauch wirft, d. h. gebiert. diese anschauungen ziehen sich durch alle älteren bergmännischen schriften hindurch. dies bergmännische wachsen wird auch in der neueren litteratur hie und da gebraucht, ohne dasz aber die dem ausdruck zu grunde liegende vorstellung noch lebendig wäre. II@1@b@a@11)) wachsen zeigt sich zunächst in seiner vollen bedeutung als 'in der entwicklung gröszer werden': das ein ghur und schwebelichter und quecksilberichter same wird, darausz allerley bergart und metall geziegelt und von der kelte gestet, welches von tag zu tag wechset und in besser metall verwandelt wird, bisz es dicht und gediegen wird. Mathesius Sarepta 27b; hat er (gott) in krafft seines wortes ... allerley metall in berg und seiffen gesprochen und darneben ein samhaffte krafft in geheng und gespreng geschaffen, die sich in gengen, als in der rechten ertzmutter samlen und bisz zu irem stillstand und volkommenheit durch seinen segen in einem gebirg ertz wachsen solte, wenn oder wie lang es im behaget. 30b; wie nun das gestein wechset, so wachsen auch die bergarten und ertze noch heutigs tags. 34b; dasz daselbst eine solche menge eisen-stein sey, dasz man ihn stracks untern rasen finde, welcher auch stets für und für wieder wachse. M. Wille de salis origine (Jena 1686) 16; wann nun ein gebürge mit einen solchen hochgeläuterten schwefel versehen, und die planeten mit ihrer spiritualischen influenz noch ferner darinnen würcken, so wird ein solch gebürg fündig, und wächset das ertz in denen gängen an solchen orthen, da es seine bequeme statt findet. es wird aus den gebürgen ausgezogen ihr schweisz, feuchte, kalte und schleimige materie, daraus mit vereinigung des schwefels alle metallen gewürcket werden, als aus der feuchtigkeit der erden eines theils, dann aus der dünst und broden des andern theils. Balth. Röszler bergbauspiegel (1700) 10b; und wie ein baum, so lang er staht, an seiner wurtzel narung hat, nimpt zu und wachszt an höch und breit, also hats hie ein g'legenheit, so langs metall sein adren bhalt, dasz mans nicht grabt darausz mit gwalt, so wachsen sie und nemmen zu von jhr natürlich wärm und ruw. Rebmann naturae magnalia (Bern 1620) 122; es grüne die tanne, es wachse das erz, gott schenke uns allen ein fröhliches herz. harzspruch; habt ihr nie gehört von ruthengängern, welche tief im eingeweid' der erde sehn metalle wachsen, steine blühen? Immermann 14, 162 Hempel (das auge der liebe 5); habt ihr mit kobolden gespräch gepflogen ... habt ihr erze und edelsteine wachsen sehn oder gold- und silberbäume sich lebendig und fortwuchernd bewegen? Tieck novellen (1853) 8, 186 (der alte vom berge); zuweilen gelangt man auch in durchgehauene gänge, stollen genannt, wo man das erz wachsen sieht. Heine 3, 29 Elster. wenn in der neueren sprache von wachsen der steine geredet wird, so versteht man darunter meist die rein äuszerliche zunahme (was also eigentlich unter wachsen 2 gehört): dasz ein jeder quarz ein rechter schmarutzer unter den steinen sey, lehrt der augenschein. denn er wird in den klüften anderer steine erzeuget und wächst darinnen. er fängt nemlich an aus demjenigen wasser, was sich in den klüfften aufgehalten hat, und steinartige ausdünstungen in sich genommen, auch mit hülfe der lufft, zu wachsen, und wächset also immer fort. Linné natursystem übers. v. Joh. Joach. Lange (Halle 1740) 6; der mensch ist im gesellschaftlichen leben bald wie der stein, der durch anhäufung von auszen wächst. Jahn volksthum 177; kein stein fühlt durst und zarte triebe, er wächset ohne trunk und liebe. Lessing 1, 69. II@1@b@a@22)) in andren fällen wird bei dem bergmännischen wachsen weniger an den vermehrungsprocesz, als an das bloze sich bilden, vorkommen der minerale in der erde oder an andren orten gedacht. so öfter bei wachsen lassen: der reiche gott, des alles gold ist, und ders ertz wachsen lesset, wie ir bergleut fein redet. Mathesius Sarepta 6a; gott der allmechtige schöpffer, der im anfang der schöpffung der welt, neben anderen creaturen auch die mineralia in die gebirg, klufft und geng gelegt, und waxen hat lassen, der hat inen allen und einem jeden in sonderheit, sein euserliche gestalt und farb geben. Laz. Ercker beschreibung mineral. ertzt- unnd berckwerckarten (1574) 1b; der gott, der eisen wachsen liesz, der wollte keine knechte. Arndt ged. (1860) 212. besonders findet sich wachsen in dieser abgeschwächten bedeutung bei örtlichen bestimmungen der ruhe: diese steine wachsen im morgenlande, queste pietre si generano, provengono in Oriente. Krämer 1202; der stain (karfunkel) wechst in dem land Lybia. K. v. Megenberg 437, 23 Pfeiffer; wie ich jetzmals auch der andern wunderbarlichen gewechse in der erden nicht gedencken wil, als da muscheln, schnecken, fisch, bonen, erbeisz, löffel, zehne und becherlein in der erden wachsen. Mathesius Sarepta 27b; waschgold das in flüssen wechset. 41b; dieweil aber daz goldt nicht in flüssen oder bächen wechst ... sonder von den gängen und klüfften abgeschürffet, sich in den sandt der flüssen und bächen setzet. Agricola bergwerkbuch übers. v. Bech (1580) 58; das eine erde mösicht, schwartz und feucht ist, und reucht gar schwefelicht und wechst kupfferwasser drinnen. Coler hausbuch 3 (1617), 54; was ist das silber und edelgestein anderst, als ein schaum der erden, so darinn wachsen und herfür gebracht werden? Albertinus Gusman v. Alfarche 275; es hat manches erdreich solche eigenschafft, dasz es viel saliter in sich führet ... er wächset gern in häusern, kellern und ställen, wo der grund dürr und trocken ist. Hohberg 1 (1687), 103b; es ist dieses praetiose gold-mettall auch in vielen bergen so kräfftig, dasz es sich in dem zwischen denen ritzen und spalten der klippen und felsen wachsenden zinnober, mennig und lasur, körnlein-weisz einziehet. minera arenata (Regensb. 1716) A 4b; in dem grossen Jenischen paradiese, allwo salpeter oder das so genannte aphronitrum zu wachsen pfleget. Hagedorn neben-stunden 80 anmerk. neudr.; und so läszt sich mit groszer wahrscheinlichkeit schlieszen, dasz, da der schönste granit aus Aegypten gekommen, auch in diesem lande porphyr wachse. Winckelmann 3, 133; du (Wagner) bist ein angehauener schacht, der noch erst der welt zeigen musz, was für metall in ihm wächst. Fr. Müller Fausts leben 38, 22 neudr.; da gegenüber liegt der granatenberg, wo die köstlichen edelsteine wachsen. Grimm mährchen (1843) 2, 208; es wuchse gleichfals auch tieff in der schosz der erden dasz, welches halben wir zum meisten feinde werden, dasz gold der berge marck, stahl, silber, kupffer, bley, der köstliche demant und steine mancherley. Opitz poem. (1629) 1, 34 nicht wo die goldene Ceres lacht und der friedliche Pan, der flurenbehüter, wo das eisen wächst in der berge schacht, da entspringen der erde gebieter. Schiller 14, 24 (braut v. Mess. 1, 3); in Mansfelds edlen bergen weht edle freiheitsluft, ... da wächst das freie eisen, da wächst der freudige muth. Arndt ged. (1860) 300. mit persönlichem dativ: o sei getrost, in klüften irgend wächst dir der marmelstein; und müsztest du im kampf auch enden, so wird's ein anderer vollenden, und dein der lorbeer sein. H. v. Kleist 3, 374 (an Franz I.). bildlich: ihr habt auch keine tugend; ehre habt ihr nur. es wächset nicht in euch das edle erz; ihr marktet nur mit der geprägten münze. Immermann Cardenio u. Celinde 1, 3. ein stein ist gewachsen 'in der erde entstanden': in Teutschland zu unsern zeiten wird viel gedigen sylber gefunden ... das dan wider Plinium ist, der hat vermeint, man mög kein lauter sylber, das lauter gewachsen sey, finden. Münster cosmographey (1588) 6; wacke, ein am tage gewachsenes oder vom felsen abgebrochenes feldgestein. Jacobsson 4, 570. in freierem gebrauch gehört noch hierher: zwischen Eger und Waltsahsen ein gefüeger berc ist gewahsen und heiʒt der siechen birkech. Ottokar österr. reimchr. 39409 Seemüller; inn eyner höle, welche daselbst von natur gleich eyner kammer inn dem berg gewachsen war. Micyllus Tacitus 120b. II@1@b@a@33)) wird durch bestimmungen das ziel oder das ergebnis des verwandlungsprocesses angegeben, so treten bei wachsen die bedeutungen 'wohin gelangen' oder 'wozu werden' hervor: wie wol aber die kunst dünne säfft hart zuo sieden, von den bergkwerck abgesündert möcht gehalten werden, doch die weil eben die säfft in der erden also hart in einander gewachsen, ausz gegraben werden ..., soll sie vom bergkwerck nicht gescheiden sein. Agricola bergwerkbuch übers. v. Bech (1580) 1; wird demnach ... davor gehalten, dasz die prima materia, darinnen saltz, schwefel und quecksilber, als die drey principia, verborgen, wie die philosophi melden, in einem liquore begriffen sey, der sich endlichen coaguliret und anschiesset, wie der vitriol, oder wie das wasser in eisz sich verwandelt. und ist an den kiessen und glantz zu ersehen, wie es zum theil würflicht, zum theil gantz dünne blätleinweisz an einander gewachsen und angeschossen. Balth. Rösler bergbauspiegel (1700) 9b; solche bergarten sind von anbeginn nie kein ertz gewesen, und hat ihnen die ertzliche krafft und die hülffe der minerischen würckung gemangelt ..., dasz, wegen solcher mangelung, die bergart zu beständigen ertz zu wachsen, nicht kommen können. Hans Uttmann bergbericht (1610 geschrieben) hrsg. v. Kreysig (1732) 61; wann keine lufft oder witterung in der erden vorhanden were, so wüchse es alles zu einem steine. M. Wille de salis origine (Jena 1686) 10. von einer erdmasse: es seind auch durch den erdbidem etliche inseln zu dem erdtrich gewachsen, und dargegen etliche inseln von dem erdtrich abgerissen. Münster cosmographey (1588) 38. II@1@b@a@44)) wenn durch bestimmungen der ausgangspunkt des wachsens angegeben ist, so erscheint dies in der bedeutung 'sich woraus entwickeln' oder 'woraus entstehen': darumb redet hie Job nicht unrecht, das er sagt, eysenstein wachse ausz staub und erden. Mathesius Sarepta 32a; davon die schwebelichte und quecksilbrichte feuchtigkeit kommen oder gegoren hatte, ausz welcher gur auch ... gediegen silber gewachsen ist. 52a; ausz mercurio und sulphure wachsen alle metall: item vom reinen erdrich wechst kein stein. Paracelsus 2 (1589), 89; es bezeugets die erfahrung, das gott in klufft und gängen, durch die sonne und natürliche wärme, aus den suptilen, fetten, dicken dünsten und brodem schwefel und quecksilber schaffet, daraus hernach eine metall nach der andern natürlicher weise wechset, dann es gibts auch die tägliche erfahrung, das auff schweflichten gängen gerne ertz bricht. Löhneysz bericht vom bergwerk (1617) 18; zu Reichen-Hall ... wird auch das saltz theils gemacht, so von natur aus der erden quillet und wächset oder gegraben wird. Hohberg 1 (1687), 108a. vom meerschaum: Plinius sagt, dieser wachse ausz dem näst desz obgenennten vogels Alcyonis. die anderen aber sagend, er werde ausz dem wuost, so im schaum wachset; etliche ausz lätt oder etwas gauchs, so im meerwachszt. Heuszlin vogelb. 16a. II@1@b@a@55)) das part. praet. gewachsen zeigt in adjectivischem gebrauch die noch jetzt in einigen ausdrücken lebendige bedeutung 'natürlich in der erde entstanden, nicht auf künstlichem wege gewonnen', worüber theil 4, 1, 4731 f. gehandelt ist. es gilt zunächst von gesteinen, dann aber auch von andrem, das sich in der erde von selbst gebildet hat, so gewachsener boden, gewachsene erde (Weber ökon. lex. 195a). vgl. hier noch: so findet man gewachsen zeinlein silber, die sich krümmen, winden und schlingen, wie die kleinen schlenglein und regenwürmlein. Mathesius Sarepta 31b; er liesse den carfunckel seiner gten freundt einen sehen ... der zeiget im alsbald an, es were kein edelgestein, sondern ein gläszlin, nit von natur gewachsen, sondern mit kunst geschmeltzt und zusammen gemacht. Petrarche trostbücher 34b. so auch selbgewachsen: von den selb gewachsnen töpffen, so im land zu Behmen und inn der öbern Lausnitz graben werden. Mathesius Sarepta 196a; natürlicher schwefel, der in kein feur kommen und selb gewachsen war. Löhneysz bericht vom bergkwerk 20. II@1@b@bβ) während wachsen in der besprochenen bedeutung (abgesehen von dem adj. part. gewachsen) veraltet ist, ist es noch jetzt üblichwenigstens in technischer sprachein der bedeutung 'sich krystallisieren'. beide bedeutungen sind im grunde aus derselben anschauung hervorgegangen. wie nämlich die in den erzgängen erfolgende zunahme durch auflagerung gleichartiger theile oft in der form von ansetzung von krystallen stattfindet, so besteht auch die krystallisation in einer ausdehnung durch anschieszen gleichartiger substanz, die auf natürlichem oder auch auf künstlichem wege vor sich gehen kann: die krystalle sind häufig schon im ersten augenblicke, da wir sie wahrnehmen, so beschaffen wie später, da sie an umfang schon bedeutend zugenommen haben. das wachsen besteht hier blos in einer gleichförmigen anlagerung des stoffes, welcher aus dem beweglichen zustande in den starren übergeht. Tschermak lehrb. d. mineralogie4 15; chymisches wachsen, vegetatio chemica. man sagt in der chemie, dasz körper wachsen, wenn sie entweder, so wie der arsenikhaltige nickel, bey ihrem verkalken, oder wie die metalle bey der verquickung mit quecksilber, oder bey einer vorsichtigen schmelzung, oder auch bey ihrer niederschlagung durch andere metalle, auf dem nassen wege, eine ästige, blättrige, oder baumähnliche bildung annehmen, und sich folglich krystallisiren. Jacobsson 8, 119. besonders spricht man von wachsen bei gewinnung der salzkrystalle aus der sole, des salpeters, alauns, vitriols aus der lauge: an sockbaumen wachsen von dem abtrieffen und überfal (der salzsole) saltzpfeiffen. Mathesius Sarepta 127a; so zeuch den sud durch einen zapffen ... ab und gib sie in grosze hültzerne darzu gemachte tieffe trog, oder in küpfferne kessel, die auff der erden stehen sollen, je kelter sie stehen, je lieber es wechst, darinnen wechst der rohe salpeter fast zwen finger dick. Laz. Ercker beschreibung mineral. ettzt- u. berckwerckarten (1574) 136a; wann nun der sud zwen tag und zwo nacht im wachsen gestanden hat, so schepfft oder geust man die übrige laugen von dem salpeter ab. 136b. in entsprechender bedeutung findet sich das part. praet. gewachsen in adjectivischem gebrauch: tropfvitriol, vitriol vierge, der in den berggebäuden herabtreufelnde und, wenn das wasser davon abgelaufen, nach und nach sich ansetzende vitriol, der sich wie eiszapfen in stangen bildet, und auch gewachsener vitriol genannt wird. Jacobsson 4, 452a. s. auch wachsbank, wachsbinge, wachsbühne, wachsfasz, wachskasten, wachstrog. II@1@b@gγ) im bair. sagt man es wächst eis, es gefriert, auch es wächst rahm auf der milch. Schmeller2 2, 838. II@1@cc) sehr üblich ist wachsen von theilen des menschlichen und thierischen körpers, namentlich von solchen, die im laufe der animalischen existenz einer starken veränderung unterworfen sind. II@1@c@aα) die ursprüngliche bedeutung 'in der entwicklung gröszer werden' tritt oft hervor. haare, nägel, zähne, die brüste, beim vogel die flügel u. s. w. wachsen: das har seines heubts fieng an wider zu wachsen, wo es beschoren war. richter 16, 22; bis sein har wuchs, so gros als adelers feddern. Daniel 4, 30. sprichwörtlich: die sünde, nagel und das har wachst an dem menschen jerlich fruot. O. v. Wolkenstein 22, 4, 9 Weber; dann noch der alten spruch und sag unglück und hor, das wechszt all tag. Brant narrensch. 56, 56; ey haar und unglück wachsen gschwind. Ayrer 2568, 32 Keller; unglück und haar wechst über nacht und hat einen breiten fusz. Mathesius Syrach 3, 35a; um eines ist das thier vom menschen zu beneiden, dasz es nicht sorgen darf, wie es sich solle kleiden, im winter wächst sein pelz, im sommer här't er sich, der jahrzeit stets gemäsz und jedem himmelsstrich. Rückert werke 8, 401 (weish. des brahm. 8, 15); und hab dich erzogen und lassen gros werden, wie ein gewechs auff dem felde, und warest nu gewachsen, und gros und schön worden. deine brüste waren gewachsen, und hattest schon lange har gekriegt. Hesek. 16, 7. auch von krankhaften bildungen, geschwüren, geschwülsten, blasensteinen u. dgl. wird gesagt, dasz sie wachsen. Höfler krankheitsn. 768a: wie ein schneepallen grösser wird, wenn man in im schnee fortweltzet, oder ein plasenstein von tag zu tag wechset. Mathesius Sarepta 35a. wachsen hat hier oft (namentlich neben örtlichen bestimmungen der ruhe) die abgeschwächte bedeutung 'sich bilden, entwickeln': wan uwer gnaden miltz und auch leber also geschickt und gestalt ist, dasz allweg etwasz bösser, überflüsziger flüsz by euch wagsen. Steinhausen privatbriefe des mittelalters 1, 207 (von 1479); wann ein rosz von natur einen hitzigen rucken hat, und da es warm wird under dem sattel, so wachsen alsdann die blutrufen (geschwüre). Seuter rossarznei 253; (der leib) gewinnt darnach grosze beulen, die fallen ausz und pflegt darin, da mans versicht, gern faul und schelmig fleisch zuo wachsen. Kirchhof wendunmut 1, 139 Österley; der stein wachst in den nieren, den man heist calculum. Balde Agathyrsus 21, 3; wo greifft die kunst nicht hin! hat man der menschen weh nicht offt durch menschen blutt, fleisch, glider und gebeine und feistes marck gestillt? durch todter niren steine bricht der, der in uns wächst. Gryphius trauersp. (1663) 313 (Card. u. Celinde); wie die hühneraugen in den engsten schuhen am liebsten wachsen. Gotthelf 8, 282 volksausg. (Anne Bäbi). hierher gehört der ausdruck gewachsener, d. h. ohne äuszere verletzung entstandener schaden: du wüssest dann was es für ein schaden (am knie) seye, und das er geschädiget sey und nicht gewachsen, dann ein gewachsener schaden ist böser weder gelämpt oder gewürset. Fel. Würtz practica der wundartzney (Basel 1612) 183. das haar, den bart, die nägel wachsen lassen, nicht kürzen: laxaverit comam, vahs wahsan lazit. Steinmever-Sievers gl. 2, 137, 21; er läszt das haar wachsen, comam alit. Steinbach 2, 911; sol kein schermesser über sein heubt faren .. und sol das har auff seinem heubt lassen frey wachsen. 4 Mos. 6, 5; das har lasz allzeit wachsen lang, dasz es dir auff die achseln hang: obs schon dem scherer nicht gefelt, es ist dir guot für winters kelt. grobianus 161; den baart auff teutsch wachsen lassen. Philander 2, 134; in West-Indien .. alwo der adel allein ausz den näglen wird erachtet, welche sie offt so lang wachsen lassen, als adlers klawen. 2, 415; er (Etzel) schwang sein schwert nach den vier weltteilen, liesz seine fingernägel wachsen und wurde ... die geiszel gottes! Scheffel Ekkeh. 191. II@1@c@bβ) dies wachsen verbindet sich gern mit einem persönlichen dativ. die bedeutung ist dann sehr oft eine inchoative 'zu wachsen anfangen'. dem bekümmerten wachsen graue haare, darnach die aufforderung: lasz dir kein graues haar darum wachsen, s. theil 4, 2, 13. dem jüngling wächst der bart: indessen die hyazinthen allbereit zwei starke bengel vorstellten, denen der bart wuchs. G. Keller 7, 341; mir wird eher ein bart in der flachen hand wachsen, als er einen auf der backe kriegt. Shakesp., Heinr. IV., 2. theil 1, 2; so schreitet und heischt er undenkliche zeit, der bart wächst ihm länger und länger. Göthe 3, 4 (ballade). dem altklugen sagt man: geh hin und lasz dir erst den bart wachsen, you are but a novice, you must go and learn first. Ludwig 2360. lasz dir keinen bart darum wachsen, in gleichem sinn wie: lasz dir keine grauen haare darum wachsen. Schottel 1131; die da betrübt sind, lassen faren alle wolfart und freude, zeigen und beklagen jemmerlich yhren unfall mit geberden und wandel. zu solchen pflegt man also zu sagen: lasz dir kein bard darümb wachssen. Agricola 300 sprichwörter (1530) 64b; darumb sagt man: lasz dir keinen bart darumb wachsen, sey nicht betrübt, es wirt sich wol schicken. sprichwörter (Frankf. 1591) 87a. es wächst mir kein bart davon, es kümmert mich nicht: da wechszt mir kein bart von. Franck sprichw. 2, 23b; wil mich von deinetwegenjemand saur sehen an, machs wie es ihm gelegen,wachst mir kein bart davon. Joh. Doman lied von der Hanse bei Morhof 357; got weis, warumb er der geisz den schwantz nit hat lassen wachszen. Keisersberg emeis (1517) 54b; unter allen thieren ist der ochs solcher art, dasz ihm der wadel immer wechst. Plinius übers. von Dhaun 204; wozu so lang der schweif dem pferde wuchs, dem edeln? damit die fliegen es sich selber könne wedeln. Rückert werke 8, 250 (weish. des brahm. 5, 242); man musz in (den menschen) leeren gehn und stehn. und wenn im nun wachsen die zeen, musz man in leeren reden und kallen. Hans Sachs 4, 61, 22 Keller; die zän hebend inen (den rindern) an zuo wachsen, so sy zweyjärig werdend. Forer thierb. 117b; wenn der löuwe fühlet, dasz ihm die zeene und klauwen wachsen, so spielet er nicht mehr. Luther tischr. 334b; also ward das eselein aufgezogen, nahm zu, und die ohren wuchsen ihm auch fein hoch und gerad hinauf. Grimm mährchen (1843) 2, 302; so man ein selblin bereidt mit dem schmaltz von fleddermeusen und sich die jungen mägdlin vornen an der brust damit salben, sollen ihnen die brüst nimmermehr zu grosse und schüppicht wachsen. Ryff thierbuch Alberti magni Q 4b; ich bin vast gaistlich worden, darbei wechst mir kain schmer. Uhland volksl. 724; der adler fängt ein reh, das lernet auch sein kind, so bald die fittig ihm nur recht gewachsen sind. Rachel sat. ged. (1742) 34; 'wer jetzt ein vogel wäre', dachte er, aber was half das wünschen, es wuchsen ihm keine flügel. Grimm mährchen (1843) 2, 502. bildlich: ich musz mich nun die erste zeit recht zusammenhalten, bis mein letzter gesang auch aus seiner puppe ausgekrochen ist und ihm die flügel gewachsen sind, dann hoffe ich wieder eine zeit lang will's gott als ein freyer mensch zu leben. Göthe briefe 12, 58 Weim. ausg. es wachsen ihm flügel wird bildlich von einem menschen gesagt, der sich flüchtig wie ein vogel über einen raum hinwegbewegt oder auch sich geistig gehoben fühlt: da fing ich an zu lauffen samb wären mir an den füssen flügel gewachsen. Albertinus Gusman v. Alfarche 96; es wachsen flügel mir an beiden schultern, durch stille ätherräume schwebt mein geist. H. v. Kleist 2, 377 (prinz v. Homb. 5, 10); göttergluth, selig licht! ... warum wuchsen mir nicht federn? warum kann ich nicht in dünsten aufwarts flieh'n? Arndt ged. (1860) 109; o hätte ich dich schon, mein Florio! aber wie weit bist du noch entfernt! doch flügel wachsen meiner hoffnung, dasz du noch lebst. Heinse 1, 150 (Ardingh. 1); es liegt eine reinigende kraft in der luft der höhe ... der zaghafteste fühlt hier seiner seele flügel wachsen, und was man unten in der armseligkeit und dem lärm des alltags niemals zu denken wagte, tritt hier von selbst aus dem herzen auf die zunge. Heyse nov. 1, 48 (anf. u. ende). hierher gehört auch die wendung: ihm wächst die kraft, obgleich die bedeutung von 'sich vermehren' vielfach mit hereinspielt: das rechte, das gute führt ewig streit, nie wird der feind ihm erliegen, und erstikst du ihn nicht in den lüften frey, stets wächst ihm die kraft auf der erde neu. Schiller 11, 320; seit ich auf deutsche erde trat, durchströmen mich zaubersäfte — der riese hat wieder die mutter berührt, und es wuchsen ihm neu die kräfte. Heine 2, 433 Elster; vielmehr, es wachsen täglich die geschäfte; doch wachsen täglich auch uns nach die kräfte, uns leuten von dem arbeitsamsten schlage. Immermann 11, 64 Hempel; es war, als wüchsen ihr riesenkräfte, wie sie, den hülflosen mann an ihrer brust, die steile wieder hinaufzuklimmen begann. Heyse nov. 2, 28 (mädchen v. Treppi). wendungen, wie ihm wächst das herz, der muth, verlangen, wo auch der gedanke des körperlichen wachsthums noch durchschimmert, s. u. 2, a. 2, g. 3, b. auch von krankhaften gebilden am oder im körper: es begab sich, das der jungen königin ein wertzlin am leibe wuchse. Montanus 37, 2 Bolte; wissend, das mir vor etlichen wochen ein wärtzlin an der seyten gewachsen ist. 38, 9; wem der leib gepleet sey . oder das wasserkalp wachs, der sol nemen wachs und milch .. und salb sich wol vast damit gegen dem magen. Ortolf v. Bayrland 30b; so auch den jungen schwalben flecken inn augen wachsen, sollen die alten solche vertreiben mit schellkraut. Ryff thierbuch Alberti magni P 3a. sprichwörtlich: er ist mir nicht am schienbein gewachsen (gleichsam als auswuchs). Schottel 1116; wenn eyn gantz ding durch synen teyl oder ein teyl durch seyn gantzes erkant oder ertzeigt würt, also: der ist mir nit am schinbein gewachsen, als wölt ich sprechen, er ist von mynem gantzen lyb geboren. Riederer spiegel der rhetoric 44a. dieses mir wächst steht in mancherlei bildlichen wendungen, auch ohne eine grundlage an den wirklichen körperlichen verhältnissen zu haben: wann (sie) ir jugent mit faulkeyt und partecken schiessen haben hinbracht, das inen ein schälmenbeyn im rugken ist gewachsen. S. Franck kriegsbüchlin des friedes 201a, s. schelmenbein theil 8, 2511; disz, was dein hochmuth sucht (die hand der kaisertochter), das wird dir nicht gewehret, und deinem haupte wächst hier keine krone nicht. Hoffmannswaldau heldenbr. (1696) 56; nun schieszt, da ich glock eilf dem pärchen hier begegne, — glock zehn uhr zog ich immer ab — das blatt mir. ich denke: halt. jetzt ist's noch zeit, o Ruprecht, noch wachsen dir die hirschgeweihe nicht. H. v. Kleist 2, 59 (zerbr. krug 7); halunke! dir weis' ich noch einmal, wenn wir allein sind, die zähne! wart! du weiszt noch nicht, wo mir die haare wachsen! 2, 60; kann ich armeen aus der erde stampfen? wächst mir ein kornfeld in der flachen hand? Schiller 13, 196 (jungfr. v. Orl. 1, 3); dir wuchs auf flacher rechten ein paradies, o freund! der staub zu deinen füszen war goldner kies, o freund! Platen 74 (ghas. 36); nein, vater Zeus, zufrieden bin ich nicht! und meines herzens wunsche wächst die zunge. H. v. Kleist 1, 434 (Amph. 3, 11). es ist mir etwas gewachsen ist vielfach nur 'es hat sich körperlich gestaltet, gebildet': wie ein mensch, wan er bitter oder herbe gallen kostet, so breitet er im maul beide gaumen aus und flend sich und erweitert die gaumen weiter, als sie ihm gewachsen seind. J. Böhme morgenröte 8, 45. bildlich (mit anspielung auf das folgende): grüszen sie mir den guten herrn, der seinem kinde nicht erlauben will, von der breiten schüssel zu essen, weil ihm selbst der schnabel danach gewachsen ist, seine nahrung aus der engen flasche zu holen. Heyse kinder der welt 1, 224. sprichwörtlich: ein jedweder vogel singt, nachdem ihm der schnabel gewachsen ist. Weise Machiavell 36 Fulda, s. theil 9, 1143. freier: wenn mich ein hund anbillt, so erzürne ich mich nicht: denn er singet wie ihm das maul gewachsen ist. Chr. Weise Jacobs doppelte heyrath (1699) 82. darnach auch sprechen u. dgl., wie einem der schnabel gewachsen ist: ich spreche, wie mir der schnabel gewachsen, ich schreibe in aller unschuld und einfalt, was mir in den sinn kommt. Heine 3, 175 Elster; statt im behaglichen flusz frischweg von der leber zu plaudern, ganz, wie der schnabel mir wuchs. Geibel 4, 39 (spätherbstbl.); wenn sie sich nur ein paar stunden überreden kann, das wirklich zu sein, was sie vorstellet, so darf sie nur reden, wie ihr der mund gewachsen, und alles wird gut gehen. Lessing 7, 71 (Hamb. dramat.). von einem sinnlich veranlagten mädchen sagt man: es ist ihr kein nonnenfleisch gewachsen, non recusabit viri consuetudinem. Stieler 503; die Dina, des patriarchen Jacobs töchterlein, wolt traun auch keine nonne sein, denn das nonnenfleisch war ihr nicht gewachsen. J. Sommer ethographia mundi 1 E 5a; über dieses wohl spürete, dasz mir kein nonnen-fleisch gewachsen. irrgarten der liebe (1746) 275. in ähnlicher wendung: fragte, warzu er, dem doch kein geistlich fleisch gewachsen zu seyn schiene, solche priestersmäntel brauchen wolte. Philander (Leyden 1646) 3, 304; die cavalier, so bey uns aus- und eingehen, haben mir vielmal unter das gesicht gesagt, man könne es an meinen augen sehen, dasz ich verliebt seye. es ist nicht das erstemal, dasz unser herr sich mit mir vexirt hat, aber vor ihn ist mir warlich nichts gewachsen. Fuchsmundi 202, 13 neudr. II@1@c@gγ) es können bestimmungen der art und weise hinzutreten: langsam, schnell wachsen, üppig, spärlich wachsen; zugleich mit hinweis auf das ergebnis: lang, hoch, grosz wachsen u. dgl. zu den schon unter α, β gegebenen belegen für diese verbindungen sei noch hinzugefügt: so er (der adler) alt wirt, so wahsit sin oberer snabel so lang daʒ er eʒʒen nemach. Physiologus, fundgr. 1, 33, 27; als er (Eck) am narren beschnitten ward, der dann so grosz in im gewachsen ist und überhand genomen, dasz sich ain grosz wunder disz dings in im erhebt hat. Schade satiren 2, 124, 30; lasz wachsen erst die sehnen stark und fest, und noch versuche nicht den sturm der schlacht! (let grow thy sinews till their knots be strong). Shakespeare Troil. u. Cress. 5, 3. II@1@c@dδ) treten bestimmungen der richtung hinzu, so zeigt sich die bedeutung 'im wachsen wohin gelangen'. II@1@c@d@11)) die vorliebe für unsre eignen empfindungen und meynungen, die eitelkeit eines ieden nase dahin drehen zu wollen, wohin unsre gewachsen ist. Göthe briefe 1, 246 Weim. ausg. II@1@c@d@22)) wamme heisset bey denen köchen so viel, als die blume, oder das in einem vieh inwendig sich angelegte und an einander gewachsene fett. Zinke3 ökon. lex. (1753) 3095; ey, trieffet dir die nas, dasz dir kein eiszapff dran was! Fischart groszm. 588 Scheible; er zog zuerst ihm den helm vom haupt ... die brunie war fest, als wär' sie ans fleisch gewachsen. Grimm lieder der Edda 206. es ist mir etwas ans herz gewachsen, steht meinem herzen nahe, ist mir theuer: allein ihr übrigen töchter von Bambo, meine kinder, ich kann euch so einzeln nicht sehn, auch ihr seid mir nicht minder an's herz gewachsen, als diese. Wieland 5, 140 (Amadis 18, 23); du bist mein einziges kind, mein einziges, du hist mir ans herz gewachsen wie keines sonst. Auerbach dorfgesch. 4, 295; das ist die gloria des gemeinen mannes, dasz er dazumal von herzen gesund geblieben war, während die feine gesellschaft entartete. also blieb ihm auch die gemeinde ans herz gewachsen. Riehl land und leute8 113; warum ist er denn ... auf immer aus seiner heimath weggegangen, die ihm doch so sehr ans herz gewachsen war? Heyse nov. 1, 254 (im grafenschlosz). in der älteren sprache bedeutet die redensart namentlich auch 'ich schlage etwas hoch an, so dasz ich mich nicht davon trennen kann': ein rthlr ist mir nicht ans hertze gewachsen, einen rthlr achte ich so sehr nicht, je ne fais pas si grand cas d'un écu. Rädlein 740; das geld ist mir eben nicht aus herz gewachsen, non sum adeo tenax. Frisch 1, 446c. Adelung 2, 1145; die gantze dorffschafft hat ihn sein lätge für den allerreichsten gehalten. einer sihets auch wol im tantze, dasz ihm ein 8 pfennger nicht ans hertz gewachsen ist. Schoch studenten-leben 28, 30 neudr.; von einem geitzhalse, dem das geld ans hertze gewachsen. Olearius pers. rosenth. 6, 7 überschrift; ihr herren musicanten, machts fein langsam! ich gebe zwar kein geld, aber ihr solt gleichwohl sehen, dasz mir ein gerichte schwartzfleisch nicht ans hertze gewachsen ist. Chr. Weise Jacobs doppelte heyrath (1699) 136; zwey oder drey kannen bier sollen uns nicht ans hertze gewachsen seyn. der schlimme causenmacher 52. darnach umgestaltet: dasz sie (die mutter) sich so viel geld würde nicht lassen an das herze wachsen, wenn sie hören würde, dasz es ihrem liebsten sohn so elende in frembden landen ginge. Reuter Schelmuffsky 80 neudr. s. auch theil 4, 2, 1214. ungewöhnlich mit dem dativ: der ungerathene sohn war ihm immer noch lieb und am herzen gewachsen. Claudius 4, 128. II@1@c@d@33)) der nagel wächst ins fleisch. übertragen auch: die kette wächst ins fleisch: auch bin ich ein zu ehrlicher mensch, um in die armseligen compromisse und gewissensränke einzuwilligen, die ... die meisten geistlichen zeitlebens mit sich schleppen, wie entsprungene galeerensclaven die kette, die ihnen ins fleisch gewachsen. Heyse kinder der welt 1, 126. die lunge wächst in die kehle sagt man, wenn sich ein die athmung allmählich behinderndes gewächs in der kehle bildel. Höfler krankheitsn. 768b; der ander siechtage ist der kurtze atem, als die lüt haben, den die lunge in die kelen gat oder wachset. urkunde von 1350 bei P. Ochs geschichte der stadt Basel 2, 425. wenn dir einmahl der bart einen zoll hinauf in die backen gewachsen. Fr. Müller 2, 52. bildlich: so wachssen alsdan mit der zeit ir hertzen inn ainander beid, also das man darnach befind, das sie zwen leib eins hertzens sint. Fischart ehez. 120, 3 Hauffen. statt des oben besprochenen ans herz gewachsen wird auch ins herz gewachsen gebraucht, doch, wie es scheint, nicht vor dem 18. jahrh.: mit einiger andeutung, aber ohne abschied, trennt' ich mich von Lili; sie war mir so in's herz gewachsen, dasz ich mich gar nicht von ihr zu entfernen glaubte. Göthe 48, 94 (a. m. leben 4); wuszt' ich denn selbsten, dasz sie mir so tief in's herze gewachsen? Holtei Chr. Lammfell 3, 226; den dritten des königs, Richard, das Löwenherz, hatte der herr Thomas besonders lieb und auch mir war er in's herz gewachsen. C. F. Meyer könig und heiliger 60; hatten ihn die mannschaften bisher nur gefürchtet, so fingen sie an, für ihn zu schwärmen: der merkwürdige kommandeur ... wuchs ihnen ins herz. D. v. Liliencron sommerschlacht 203. ähnliche wendungen: das derndl is mir in d' seel' g'wachsen, wann's a a lutherische is. Anzengruber 6, 57 (pfarrer v. Kirchfeld 2, 4); die gewohnheit, in die fremde zu ziehen, ist den Briten so in die natur gewachsen (consuetudo ... jam paene in naturam conversa), dasz sie nicht anders können, schrieb schon in Karls des groszen tagen ein unbefangener schwäbischer mann. Scheffel Ekkeh. 12; der mutter dagegen war dieser gedanke, dieser plan so in den kopf gewachsen, dasz sie sich wirklich zu der reise entschlosz. Gotthelf 10, 368 volksausg. (Käthi die groszm.). sinnlicher als 'fest haften an etwas': Angelos ganze gestalt hatte sich in dem verhängniszvollen moment erhöht. die ruder wuchsen ihm plötzlich in die hand, sein auge blickte fest, seine füsze wurzelten am boden, ein sicherer druck, und — wir waren gerettet. Kopisch (1856) 5, 93 (blaue grotte). II@1@c@d@44)) es regete sich, und die gebeine kamen wider zusamen .. und sihe, es wuchsen adern und fleisch darauf, und er überzoch sie mit haut. Hesek. 37, 8; ich bin nicht so roh, als mir das haar auf die stirn gewachsen, ich hab's gehegt; was soll mir eine höhere stirn, als der liebe gott wollte? Hippel 1, 273 (lebensl. 1). bildlich: das ist mir erst über die anderen arbeiten und beschwerden auff den halsz gewachsen, accessit mihi hoc ad labores reliquos. Maaler 178a; ie mehr du kinder, encklin und ausz deinem geschlechte nachkommen erlangest, ihe mehr und mehr wächszt dir sorg auff deinen halsz. Petrarche trostbücher 70b; das wort hatte er im lauf der zeiten so unzähligemale gesagt, dasz es ihm ordentlich auf die zunge wuchs und zu seinem sprichworte ward. Rosegger schelm aus den alpen 1, 54. II@1@c@d@55)) ich will euch (gebeinen) adern geben, und fleisch lassen über euch wachsen, und mit haut überziehen. Hesek. 37, 6. bildlich: habt denn ihr schon vergessen die vermaledeyung, welche dem Cham über den halsz gewachsen, umb weilen solcher seinen vatter Noä nur auszgelacht. Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 106; sol der schäfer Bläcker die jungfer davon kriegen? ich dachte dasz geistliche fleisch wäre ihm über die ohren gewachsen, und nun musz er eine grosse sturmhaube aufsetzen, davor man die verliebten schaffs-ohren ... nicht sehen könte. Chr. Weise Jacobs doppelte heyrath (1699) 25; wenn der graf bei lesung des schreibens in verwirrung aufschlägt und schreyt: sterb' die meze! ... wie denn dergleichen erbauliche ausdrücke mehr lauten, die einem bey gelegenheit so leicht über's maul herwachsen. F. Müller 3, 220. II@1@c@d@66)) im (dem waldmenschen) was deʒ houbet geleit, daʒ ime sîn rûheʒ kinnebein gewahsen zuo den brüsten schein. Hartmann Iwein 462; wand dô sî mit dem waʒʒer wuoschen, ir wunden dâ zesamen wuohsen und wurden heil und wol bereit. Br. Philipp Marienleben 3051. II@1@c@d@77)) bildlich sagt man von einer sache, deren man überdrüssig ist: sie wächst mir zum halse heraus oder aus dem halse. II@1@c@eε) andere bestimmungen bezeichnen das ergebnis und geben wachsen die bedeutung 'zu etwas im wachsthum werden': on gfehr zu im ein krüppel kam, der war an beiden füssen lam, die waren im zusamen schrumpen, und gwachsen gar an einen klumpen. Waldis Esopus 4, 61, 10; doch es begannen die arme von dunkelen zotten zu starren, krumm auch wurden die händ', und wuchsen in klauige tatzen. Voss Ovids verwandel. 1, 101. II@1@c@zζ) wieder andere bestimmungen geben den ausgangspunkt an, die bedeutung ist dann die von 'hervorwachsen': die zähne wachsen aus dem zahnfleisch; sie (die haare) umbgeben und beschützen auch das hirn, und verzehren die feuchtigkeiten, ausz denen die haar auff dem kopff wachsen und erzeucht werden. Albertinus Hirnschleiffer (1664) 47. II@1@c@hη) das part. praet. in adjectivischem gebrauch bedeutet 'durch natürliches wachsthum entstanden': dasz, wenn sich jemand fände, der als ein wirklicher eremit in einer klause, mit mit ächtem gewachsenen barte, sich wolle anstellen lassen, dieser sich bei ihm melden solle. Tieck novellen (1853) 4, 55 (jahrmarkt); übertragen: wenn man diese methode umkehrt, so erschnappt der schüler eine art von vernunft, ehe noch der verstand an ihm ausgebildet wurde, und trägt erborgte wissenschaft, die an ihm gleichsam nur geklebt und nicht gewachsen ist, wobei seine gemüthfähigkeit noch so unfruchtbar, wie jemals, aber zugleich durch den wahn von weisheit viel verderbter geworden ist. Kant 1, 100. II@1@dd) weiter kann wachsen auch von dem ganzen thierischen körper gebraucht werden. die ältere sprache hat hier einige besondere gebrauchsweisen ausgebildet. II@1@d@aα) die bedeutung 'in der entwicklung gröszer werden' ist allgemein üblich: under allen tiern hât diu âmaiz ain die art, daz si stark wirt in dem alter und wechset. K. v. Megenberg 301, 30 Pfeiffer; darum lausz mich (das fischlein) wachsen und grosz werden, daz ich uff dynem tisch basz erschiesze. Steinhöwel Äsop 280 Österley; die hefen ... sind ihm (dem hauswirt) gut zur erhaltung seines viehes, sonderlich aber der schwein, denn sie davon mechtig wol gedeyen, wachsen und zunemen. Coler hausbuch 1 (1599), 58; dise thier wachsend und schweynend nach dem lauff des mons, als dann vil von muschlen und schallfischen gehört ist worden. Forer fischb. 139a; die schnecken wachsen mit den monden, cum luna crescunt conchylia. Steinbach 2, 911. grosz wachsen: dô diu krete in dem man grôʒe wahsen began. Moriz v. Craon 168. II@1@d@bβ) treten örtliche bestimmungen der ruhe hinzu, so konnte wachsen die abgeschwächte bedeutung 'gedeihen, fortkommen' haben: item in Egipten wachsen auch crocodilli. S. Franck weltb. (1542) 12a; eyn lebendiger brunn ... den sagt man, das er sey ein ader ausz dem Nylo, von wegen das etlich visch darinn wachsen, die sunst nit dann im Nilo gefunden werden. 167b. dies wachsen noch jetzt landschaftlich von fischen: der stockfisch wächst nicht bei uns und die fischer auf der Ohle haben ihn nicht in ihren häldern, sondern vielmehr ist ein see- oder meer-fisch. Holtei Chr. Lammfell 3, 6. besonders gebraucht aber die ältere sprache wachsen in der bedeutung von 'zur entwicklung gelangen, entstehen' von kleinen thieren und allerlei ungeziefer, wie flöhen, läusen, wanzen, würmern, mäusen, schlangen u. dgl. man glaubte, dasz diese thiere nicht erzeugt werden, sondern (wie unkraut in der erde) in allerlei unrat u. dgl. von selbst entstehen. dies wachsen, das im 16. 17. jahrhundert nicht selten ist, wird von den wörterbüchern nicht berücksichtigt und ist unserer schriftsprache fremd geworden: sô die wurme wahsent in den ôren oder sus dâ în choment. Pfeiffer zwei deutsche arzneibücher II 11c; der wurm wechst in den hölzern, diu man ze unrehter zeit abhawet, iedoch wâ man lindez holz trucken helt, dâ wachsent niht würm inn. K. v. Megenberg 309, 4; es wer nit not, alsz ich das schetzen, schiltecht leusz in beltz zuo setzen: sy wachsendt selber dryn zuo handt! Murner schelmenzunft 17, 3 neudr.; wenn man etwan wuost lang lat ligen, so mögen schlangen darin wachsen. Keisersberg emeis (1517) 43a; in dem kesz wachsen die maden, würm in den öpfeln und byren, in dem thuoch schaben, in dem holtz wachsen würm. also ausz reichtumb und gesuntheit wachszet hoffart, das seind ir würm. 60d; der neid frisset den, in dem er stecket, wie ein holtzwurm sein muotter nagt und frisset, die ist das holtz, in dem er ist gewachsen. siben schaiden cc 7b; etliche liessen (von den wachteln) davon über bis morgen, da wuchsen würme drinnen und ward stinckend. 2. Mos. 16, 20; von den würmen, so in desz menschen oder in der thieren bauch wachsend. Heusslin vogelb. 192a; so würm darinn gewachsen (in den wunden), söllend sy mit hünerdarmsafft gereinget werden. Forer thierb. 137a; die überige hitz des erdreichs und des mistes macht entweder gewürm oder sonst ungeziffer unten am baum wachsen. Sebiz feldbau (1580) 372; wo du wantzen vernimmest, dasz sie wachsen, so schmier denselben orth mit baumöhl ... so wächst kein wantz daselbsten. Schnurr kunst- u. wunderbuch (1631) 685; wie läusz und flöhe an den thieren wachsen. Philander (Leyden 1646) 3, 238; so bald motten unten darinn (im bienenstock) wachsen, kommen sie gleich ins gebäu. Jablonski (1721) 92a. auch mit persönlichem dativ: chanstu noch sprechen, daz dir der hunczburm wachs? ital. deutsches sprachbuch 109, 7, Bayerns mundarten 2, 444; in den hindern beinen wachsend im (dem hund) zu zeyten würm. Forer thierb. 137a. II@1@d@gγ) dieselbe bedeutung 'entstehen' zeigt sich auch, wenn der ausgangspunkt oder die ursache des wachsens angegeben ist: si (die mücken) wahsent auz faulem mist. K. v. Megenberg 304, 30; es wuchsen auch maden aus dem verfluchten leibe, und verfaulet mit grossem schmertzen. 2 Macc. 9, 9; dise schneyderfisch wachsend und entspringend ausz dem schaum und schleym desz mers, auch ausz dem schaum groszer schlegrägen, in weysz und form als die würm ausz faulenden dingen wachsend. Forer fischb. 1a; die hecht wachsend ausz dem leich oder eyeren. 175b; feuchtigkeit darausz die würme wachsen. Sebiz feldbau (1580) 376; das es aber fröschen regnet, ist wider die natur: dann ursach von der erden wachsen sie und nit vom regen. Paracelsus 1 (1589), 206; dasz es mich natürlich an den egyptischen schlam am Nilo gemahnet, darausz (zur) frühlingszeit mäuse wachsen. Simplic. (1685) 3, 254; so wachsen denn mäusz und krotten ausz fauler materi? ja, was dan, und das wissen alle. Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 315; die würm wahsent von dem sudenwint ... und sterbent von dem nordenwint. K. v. Megenberg 303, 29; in Aegypto söllend die meusz von schleym, erdterich und rägen wachsen. Forer thierb. 110a; die schnäcken söllend sich auch vereinigen zuo der merung, ob gleych sy sonst von kaat und erden wachsend. fischb. 139a; er berichtete mich, dasz sie (die käfer) zu einer gewissen zeit das jahrs auff der insul von einer sondern art holtz wachsen. Simpl. 2, 262, 21 Kurz. II@1@ee) sehr gewöhnlich ist wachsen mit beziehung auf das ganze des menschlichen körpers. II@1@e@aα) zunächst geht es auf die körperliche entwicklung des menschen, die mit gröszerwerden verbunden ist. schon von dem kind im mutterleib wird gesagt, dasz es wächst: bisz auff die zeyt der geburt wachsen, adolescere in partum. Maaler 479c; wonniglich ist's, die geliebte verlangend im arme zu halten, wenn ihr klopfendes herz liebe zuerst dir gesteht. wonniglicher, das pochen des neulebendigen fühlen, das in dem lieblichen schoos immer sich nahrend bewegt. schon versucht es die sprünge der raschen jugend: es klopfet ungeduldig schon an, sehnt sich nach himmlischem licht. harre noch wenige tage! auf allen pfaden des lebens führen die Horen dich streng, wie es das schicksal gebeut. widerfahre dir, was dir auch will, du wachsender liebling — liebe bildete dich; werde dir liebe zu theil! Göthe 1, 376 (Venet. epigr. 102). wachsen geht dann auf die entwicklung des kindes und jünglings bis zur grenze des körperlichen wachsthums: wachsent jugent, adulescentia. Dasypodius 450b. Diefenbach gl. 13b; im wachsenden alter, nell' età adolescente. Krämer 1202; ther kneht wârlîcho wuohs inti strangêta fol spâhidu, inti gotes geba was in imo. Tatian 12, 1; ih leîd persecutionem sid ih wahsen begonda (a juventute mea). Notker ps. 87, 16; und das kind wuchs und ward entwenet. 1 Mos. 21, 8; aber das kind wuchs, und ward starck im geist, voller weisheit. Luc. 2, 40; wie ein kleines kind täglich am leibe wechset und zunimpt. Arndt wahres christenthumb (1619) 1, 447; do er (Isaac) begunde wahsen,daʒ er chume mahte sprechen, mit dem chebespruoder er spilite. fundgruben 2, 32, 19 (genesis); dô wart er (Otto) vil gar ze kurz als ein verschrôten werc, miltes muotes minre vil dan ein getwerc; und ist doch von den jâren wol daʒ er niht wahset mêre. dô ich dem künege (Friedrich) brâhte deʒ meʒ, wie er ûf schôʒ! sîn junger lîp wart beide michel unde grôʒ. nû seht wie er noch wahse; erst ieze übr in wol risen gnôʒ. Walther 27, 6; der mensch im vierdten alter zwar vergleicht sich dem aprillen gar. er gruhnt und wechset spat und frü und steht in seiner zarten blü und nembt auch zu an krafft und macht. Hans Sachs 4, 64, 1 Keller; her der officzal, vernempt mich eben! man hat mir ain jungs beib geben, dy ist erst bey mir gebaxn. Sterzinger spiele 2, 49 Zingerle. bildlich von abstracten (vgl. 3, c, α): wann die erbermbd wuchsz mit mir von meiner kintheyt, und ist aufgegangen mit mir von dem leibe meyner mutter. Kobergers bibel (1483) Hiob 31, 18; vil edler frawen, die auch also von namen und geschlacht geadelt seind, mit den die hoffart von juget auff gewachszen ist. Keisersberg vom anheb. menschen (1510) C 2a; das unglück, welches, wie die teutschen reden, über nacht wechst und sehr ein breiten fusz hat. Mathesius Sarepta 197a; da gebieret das glück dem talente die göttlichen kinder, von der freiheit gesäugt, wachsen die kinder der lust. Schiller 11, 87 (spaziergang); ich hüpfte mit dem auge blos auf den nahen laub- und blütenknospen herum, diesen flügelkleidern des wachsenden frühlings. J. Paul Hesp. 1, 21. wachsen kann auch auf die zeit beschränkt werden, in der der mensch besonders in die höhe zu schieszen pflegt: der knabe wächst jetzt, er ist im wachsen; mir ward als kind im mutterhaus, zu aller zeit, tag ein, tag aus, die ruthe wohl gegeben, und als ich an zu wachsen fing und endlich in die schule ging, erging es mir noch schlimmer. Chamisso ged.8 92. mit angabe der körpertheile, an denen sich das gröszerwerden besonders zeigt: er wächst an den händen, an den füszen. die erreichte grösze wird durch maszangaben bezeichnet: die menschen wachsen höchstens sieben fusz hoch, adolescendi humani corporis modus summus est septem pedes. Steinbach 2, 911; er ist sint der zeit schon eines halben kopfes gewachsen, he is since grown taller by half the head. Ludwig 2359. hier jetzt statt des gen. der acc.: er ist einen halben kopf gewachsen. er ist gewachsen, in der älteren sprache 'er ist grosz geworden, erwachsen' (s. unten θ): das ist auch die ander gepurt, das man herab trette von der klugkeit, darynne wir gewachsen sind. Luther 20, 419, 14 Weim. ausg. II@1@e@bβ) es kann auch in allgemeinerem sinne das heranwachsen, aufwachsen des menschen bezeichnen, ohne dasz besonders an die körpergrösze gedacht wird. dieser gebrauch beschränkt sich im ganzen auf die ältere und neuere dichtersprache und hat von dem vergleich des in seiner jugendblüthe stehenden menschen mit der pflanze seinen ausgang genommen: er bluome an mannes schœne! sîn varwe an schœne hielt den strît, unz an zwên die nâch im wuohsen sît, Bêâcurs Lôtes kint und Parzivâl, die dâ niht sint: die wâren dennoch ungeborn und wurden sît für schœne erkorn. Parzival 39, 24; eʒ wuohs in Burgondenein vil edel magedîn, daʒ in allen landenniht schœners mohte sîn, Kriemhilt geheiʒen:si wart ein schœne wîp. dar umbe muosen degenevil verliesen den lîp. Nibel. 2, 1 Bartsch; allein es mangelte dem glück der eltern noch ein sohn, und kaum war dieser wunsch erfüllt, dasz zwischen beiden eltern nun Orest der liebling wuchs, als neues übel schon dem sichern hause zubereitet war. Göthe 9, 20 (Iphigenie 1, 3); Strophius, des vaters schwäher, nahm ihn willig auf, erzog ihn neben seinem eignen sohne ... und wie sie (Orest und Pylades) wuchsen, wuchs in ihrer seele die brennende begier des königs tod zu rächen. 9, 47 (Iphigenie 3, 1): in diesen thälern wächst, in diesen auen, wie manche jungfräuliche wohlgestalt. Platen 318 (der grundl. brunnen); da wuchs bei ihnen beiden ein sohn, der hiesz Horn. Rückert ges. ged. 3, 495 (1837) mit persönlichem dativ: zur zeit als dies geschah, da trug mit fester hand den scepter könig Herrich in der Burgunden land. ihm wuchs die einzige tochter, benamst jung Hiltegund. Scheffel Ekkeh. 391; solches geschah meinem meister, dem zu seinem unsegen eine schöne tochter im hause wuchs. C. F. Meyer könig u. heiliger 31. indem ferner die menschliche existenz in nahe beziehung zu dem pflanzlichen wachsen und sprossen gebracht wird, kann sich die abgeschwächte bedeutung 'gedeihen, fortkommen' und 'zur welt kommen' entwickeln: sînes chunnes scol nicht mêre wachsen an der erde. Konrad Rol. 307, 27; bî dem waʒʒer Ganjas ime lant ze Trîbalibôt wahsent liute alsus durch nôt. Wolfram Parz. 517, 30; wie mag hinder dem ofen ein guter cosmographus wachsen, oder ein geograph? Paracelsus (1589) 2, 135; mein wandern so ich biszher verbracht hab, hat mir wol erschossen: ursach halben, das keinem sein meister im hausz wachset, noch seinen lehrer hinder dem ofen hat. ebenda; es wachsen nicht alle tag leut, die wol regieren und wol lehren. Lehmann 693, 178; ich hohle mir also ungefähr hundert tausend hübsche mädchen aus Albanien, Iberien und Kolchis zusammen, wo man sagt, dasz sie am schönsten wachsen. Wieland 13, 163; sucht euch knechte unter den bauern! da wachsen die knechte, wie ihr sie braucht, sauknechte, ochsenknechte und schafknechte. Immermann 14, 35 Hempel (prinzen v. Syrakus 2); es ist sich zu besorgen, weil allbereit bey uns fast alle neue morgen ein neuer tichter wächst, dasz diese schreibesucht der sprache zierligkeit wird wieder in die flucht verjagen als zuvor. Opitz 2, 28. II@1@e@gγ) die sprache kennt auch ein abwärts oder zurück wachsen, eine abnahme der gedeihlichen entwicklung des menschen: auch nimt der mensch sein narunge mit eʒʒen und mit trinken und wechst auf und ab. K. v. Megenberg 3, 19 Pfeiffer; der mensch wird geboren und stirbt ... er wächst hin und zurück, er sinkt, wird hinfällig, mit dem ersten tage, da er zu wachsen aufhörte. Hippel 3, 112; das Mariannele .. werde so grosz und stark, dasz man's gar nicht für dasselbe mädle halten sollt', während ihr bruder, der erst rasch aufgeschossen war, wieder hinter sich wuchs. Heyse nov. 5, 40 (mutter u. kind). die volkssprache hat mancherlei bildliche wendungen, um das stehenbleiben des wachsthums zu bezeichnen: du wechst und nimmest zu, wie die morchel im meyen (sie verwelkt). Bock kreuterb. 346a; er wächszet gleich wie die reiffen gerst. Henisch 1640, 5; er wächst hinter sich wie ein schürstecken, nach unten wie ein kuhschwanz. Wander 4, 1719. II@1@e@dδ) die art und weise, wie jemand wächst oder gewachsen ist, ist näher bestimmt. manche bestimmungen treten nur bei dem part. gewachsen hinzu, worüber theil 4, 1, 4732 f. gehandelt ist. II@1@e@d@11)) der knabe ist erst sehr rasch gewachsen, jetzt wächst er aber langsamer; eʒ wuohsen diu kinder in eim jâre geswinder denn andriu in zehen wochen. wahtelmaere, Wackernagel altd. leseb.5 1153, 3. II@1@e@d@22)) wohlgewachsen als adj. s. theil 4, 1, 4732. es kann auch auf den körperumfang bezogen werden: sprang zu dem halb doten, der etwas wol gewachsen und ein schwer man was. Wilwolt v. Schaumburg 44 Keller. ähnliche verbindungen: ein soldat mag noch so schön gewachsen und noch so tapfer seyn; so wird er vom regiment gejagt, so bald er etwas begeht, was mit der dienstehre nicht bestehen kann. Möser patr. phant. 2, 172; es war ein groszes prächtig gewachsenes wesen von amazonenhafter haltung. G. Keller 4, 180; schön war sie, sagte die frau, das musz ihr der neid lassen, und keine prinzessin kann besser gewachsen sein. Heyse kinder der welt 1, 211. der mensch wächst gerade, krumm, schief u. dgl.; Walter. ist jemand hier im orte, der miszgeschaffne füsze hat? .. Adam. so viel ich weisz, ist alles grad' gewachsen. H. v. Kleist 2, 107 (zerbr. krug 11); bin ich von diesem grausen miszgetön nicht krumm gewachsen? haben sich die augen mir nicht verdreht? Uhland ged.2 184; du wachsest rasch und entwächst den kleidlein bald! du wachsest schlank! du wirst eine wohlgestalt! C. F. Meyer ged.9 234; sie streift' mich mit dem ärmel, die binsenschlank gewachsen war. 319; sie ist fein, aber rund und voll gewachsen. Laube das junge Europa (1833) 1, 44. die art des wachsens kann auch durch einen vergleich angedeutet sein: gewachsen wie eine tanne, andrerseits gewachsen wie ein felberstock u. dgl. Wander 4, 1720. II@1@e@d@33)) es sind richtungsbestimmungen gegeben: so liesz Lykurg ... der jugend nur wenig nahrung zu; ... damit sie mehr ins lange wüchse. J. Paul 45, 7 (kl. bücherschau 2); ich kann mich auch mit einem wachslicht vergleichen, weil ich immer noch in die breite wachse. Shakesp., Heinr. IV., 2. th. 1, 2; der Stöppel hatte sich stark ins dicke, der Michel mehr ins schlanke gewachsen. Rosegger schelm aus den alpen 2, 56. II@1@e@d@44)) es ist auf das ergebnis des wachsens hingewiesen: er ist eben nicht hoch gewachsen, sondern von einer mittelmäszigen länge. Ludwig 2359; ich meine, dasz ich für meine innewohnende kraft seit den heftigen blutstürzen zu lang gewachsen bin, nur wer mich zusammendrücken könnte, der könnte mich heilen. Arnim 15, 163 (kronenw. 1); Loherangrîn wuohs manlîch starc: diu zageheit sich an im barc. Wolfram Parz. 823, 27. besonders grosz, gröszer wachsen: wenn ein kind aus einem hause getragen wird, darff das obere theil der hausz-thüre nicht zu seyn, es wächst sonst das kind ... nicht grösser. J. G. Schmidt rocken-philosophie 406. ungewöhnlich ist, dasz ein prädicatives subst. angeschlossen ist: man findet manchen kleinen mann voll list und weisheit, die manchem groszen fremd ist. seyd ihr auch gleich kein riese gewachsen, seyd ihr doch klug und gelehrt. Göthe 40, 33 (Reineke 2). II@1@e@d@55)) grosz gewachsen findet sich in adjectivischem gebrauch auch in der bedeutung 'herangewachsen': die groszgewachsnen mädchen haben uns sehr in die augen gestochen. die jüngste wird eben konfirmirt. Göthe briefe 9, 58 Weim. ausg.; .. ihr auch, wackres landvolk, in England grosz gewachsen, zeigt uns hier die kraft genoszner nahrung (whose limbs were made in England). Shakespeare Heinrich V. 3, 1; doch wär' ich selbst erschrocken, stünd' ich irgend genüber einem weib zum ersten mal. wie fängst du's an? belehre mich ein wenig, ich bin ein neuling in dergleichen dingen, nicht besser als ein grosz gewachsnes kind. Grillparzer 7, 179 (die jüdin von Toledo 2). II@1@e@eε) treten örtliche bestimmungen der richtung hinzu, so hat wachsen die bedeutung 'wachsend sich wohin erstrecken'. in Norddeutschland sagt man von schwächlichen personen, die ungewöhnlich rasch wachsen: er wächst dem tod in die mitte (eigentlich in de möte, entgegen). Höfler krankheitsn. 768b. westfäl. in de erde wassen, bald sterben. Woeste 316. an jemand wachsen, bildlich: mit ihrem munde lag sie auff seinen lippen als wenn sie an ihn gewachsen wäre oder sich mit ihm begraben lassen wolte. Riemer polit. stockf. 181; dein überkühner muth, mit dem du dich, als wie ans pferd gewachsen, voll gefühl der doppelten, centaurischen gewalt, durch thal und berg, durch flusz und graben schleuderst. Göthe 9, 276 (nat. tochter 1, 6). ähnlich: er wuchs am sitze fest, und lenkt' sein pferd zu solchen wunderkünsten, als wär' er einverleibt und halbgeartet mit diesem wackern thier (he grew unto his seat). Shakespeare Hamlet 4, 4; ein reiter voll muth, und wie aufs rosz gewachsen. Klinger 1, 116; in Rom, Karthago und Jerusalem waren die völker an ihre hauptstadt gewachsen, wie die schnecke an ihr haus. Jahn volksthum 104. er wächst mir zun haupten (häupten), zum haupte, zu kopfe er erreicht mich in seiner grösze, bildlich für 'er thut es mir gleich, nimmt es mit mir auf', dann auch übertragen von dingen gebraucht: ob nun schon das keiserthumb biszweilen eben schwach oder federlosz gestanden ... dennoch ist noch der adler bliben bisz auff dise stunde. es hat wol mancher gemeinet, er wolt dem ahr zun haupten wachsen. aber wen gott erhöhet, den kan niemand durch eigen krafft nidrigen. Mathesius Sarepta (1571) 88b; so wöllen gelerte leut vilen so im rhor sitzen verdechtig werden, weil sie besorgen, sie möchten in fürbrechen und zun haupten wachsen. 152b; denn es verdreust die einwoner im lande, das der frembdling gedeyet und inen zun heupten wachsen will. hochzeitpr. 83, 20 Lösche; das ime die sünde nicht fürbreche und zum haubte wachse. 102, 33; trette keiner den andern, sagt der han zum pferd, wir sind euch zun haupten gewachsen und unser füsse sind mit eysen beschlagen. historie D. Luthers 144, 1 Lösche; wenn sie (die weiber) einmal ... manneshosen angezogen haben, so wollen sie den männern gar zum häupten wachsen und es ihnen mit der regierung weit zuvor thun. J. Sommer ethographia mundi 2, 118; herzog Friedrich von Sachsen, Johan Micheln Obentraut ist er (Tilly) zun häupten gewachsen, dafür ihm doch sonst graut. Opel u. Cohn 30jähr. krieg 170, 6. ich glaube, ihr werdet mir zu kopf wollen wachsen, I believe you take head against me. Ludwig 2360; er wächst mir zu kopfe, parem se mihi gerit. Steinbach 2, 911; auch: er ist dir zu haare gewachsen, par est tibi corporis viribus atque virtute. ebenda; dieser hochmüthige schüler begunte endlich seinem meister zu kopffe zu wachsen, und ihn von seiner stelle zu dringen. Hoffmannswaldau heldenbr. (1696) 144; sie (das gesinde) wollen meiner tochter zu kopfe wachsen; das werde ich nicht geschehen lassen. Weise Catharine 110 Fulda (1, 3); in dieser periode gab ich dem jetzigen professor Höpfner in den anfangsgründen der hebräischen sprache stunde: und wir haben nachher manchmal darüber gelacht, nachdem mir der schüler als herausgeber des Golius so gewaltig zu kopfe gewachsen war. Seume 15 (mein leben); am meisten noth machte Vreneli das eigene betragen gegen Uli. je mehr diesem Elisi's geld zu kopfe wuchs, desto mehr fühlte er sich zu Vreneli gezogen. Gotthelf Uli der knecht (1850) 215 (hier mehr wie in den kopf wachsen o. 1, c, δ. 3)). statt des noch von Adelung angeführten zu kopfe wachsen gilt jetzt über den kopf, das haupt wachsen, worin der begriff der überlegenheit deutlicher zum ausdruck kommt, schon bei Luther: ich scheme mich und schew mich meine augen auffzuheben zu dir, mein gott, denn unser missethat ist über unser heubt gewachsen und unser schuld ist gros bis in den himel. Esra 9, 6; diesmal ... ist uns die gefahr schier übers haupt gewachsen. kaum ward von den Hunnen gesprochen, so tönte der boden schon vom hufe ihrer rosse. Scheffel Ekkeh. 176; ich lachte mir da einen buckel, wenn ich meiner schwester über den kopf wüchse, und noch eher einen bräutigam kriegte, wie sie! Weisze kom. opern 3, 224; hör Gisella, liebe gute Gisella! dein bruder, dein kostbarer Karl ist mir übern kopf gewachsen, wird bald herzog seyn. Klinger Otto 31, 33 (2, 2) neudr.; eben wenn am meisten arbeit ist, dieselbe fast über den kopf wachsen will, so bemächtigt sich eine gewisse hast, eine ungeduld des menschen. Gotthelf Uli der knecht (1850) 191; vergieb mir, dasz mir heut so eine tollheit über den kopf wuchs und vergisz das alles, was ich gesagt und gethan habe. Heyse nov. 1, 18 (l'arrabbiata). in der redensart kann auch wachsen noch in seiner eigentlichen bedeutung empfunden werden: weit beharrlicher hingegen war ich, mit hülfe unsers bedienten ... eine rüstkammer auszustatten, welche zu unsern schau- und trauerspielen dienen sollte, die wir, nachdem wir den puppen über den kopf gewachsen waren, selbst aufzuführen lust hatten. Göthe 24, 75 (a. m. leben 2); die erdflöhe hatten gar keine zeit sich an den zarten pflanzen gütlich zu thun, kaum keimten sie ihnen zweg, so waren sie ihnen über den kopf gewachsen. Gotthelf 19, 66 (schuldenbauer); der berg, der sich im licht ewig zu sonnen glaubt, die schatten wachsen doch ihm abends übers haupt. Rückert werke 8, 273 (weish. des brahm. 5, 595). selten nach dem kopfe wachsen, s. theil 5, 1757. von einem, der anfängt kahlköpfig zu werden, sagt man: er wächst mit dem kopf durch die haare. Wander 4, 1720. auch durch aus kann die richtung des wachsens bezeichnet sein: der knabe wächst aus dem kleide, vestis puero decrescit. Nieremberger. bildlich: so widerwärtig uns männern der kinderkittel auch sein mag, wir kriegen ihn doch nicht los, wachsen wir an der einen seite aus ihm hinaus, so wachsen wir an der anderen wieder hinein. Rosegger schelm aus den alpen 1, 227; nd. ut der kunne (kunde) wassen, so wachsen, dasz das wiedererkennen schwer wird. Schambach 116b; er wächst mir aus den augen, er ist mir von ansehen unbekannt geworden: erst als er den grusz von vater und mutter vermeldete, erkannte ihn Uli als des bodenbauers kind, welches ihm aber aus den augen gewachsen war. Gotthelf Uli der pächter 286; seien sie ganz offen gegen mich und so unhöflich wie sie wollen. ich halte es gern dem schmerz eines pädagogen zu gute, dem ein zwanzigjähriger zögling nachgerade aus der zucht zu wachsen droht. Heyse nov. 1, 198 (bild der mutter). II@1@e@zζ) andre bestimmungen geben das ergebnis des wachsens an; die bedeutung ist dann 'im wachsen zu etwas werden': auch mege wir diu zeichen mennisken gelîchen: sunne er in der jugente wirt in al tugente, wehsit zeinme manne, sô nimet er abe danne ie mêre unze an sîn ente. Diemer d. ged. 342, 22; eʒ wurden mîne gîselzwei wætlîchiu kint, er und von Spâne Walther:die wuohsen hie ze man. Hagenen sande ich widere;Walther mit Hiltegunde entran. Nibel. 1756, 3 Bartsch; ich hab gepiten, pys das sy gbuex zu ainem beyb. Sterzinger spiele 2, 52 Zingerle; das knäblein wuchs bei speisz und trank zum wackern jüngling, grosz und schlank. Hebel 2, 160; die kinder wuchsen in elender knechtschaft eines Avarendorfes zu jünglingen. Freytag 17, 174 (bilder 1, 3); mittlerweile wurde sie das schönste mädchen, das zu finden war, und ihre jugendgenossen wuchsen desgleichen zu zwei zierlichen jünglingsblumen. G. Keller 7, 338. bildlich: dieser silberhaarige greis, der genug daran hatte, dasz ihn die sonne beschien, wuchs vor meinen augen zu einer heldengestalt von antikem gepräge. Riehl land u. leute8 288; Brunhild. .. und im reich des jammers wird niemand krone tragen auszer mir! Gunther. mir graut. zur riesin wächst sie, wie sie klagt. Geibel 6, 99 (Brunhild 5, 5). II@1@e@hη) wird durch zutretende bestimmungen der ausgangspunkt oder die ursache des wachsens angegeben, so ist die bedeutung 'wachsend aus etwas hervorgehen': Franko gesaʒ mit den sînin vili verre nidir bî Rîni. dâ worhtin si duo mit vroudin eini luzzele Troii ... dannin wuohsin sint Vreinkischiu heri. Annolied 396; wir wahsen ûʒ gelîchem dinge: spîse frumet uns, diu wirt ringe, sô si dur den munt gevert. Walther 22, 9; also wachsen ausz dem menschen die menschen, das ist, die nahrung ist der mensch, und gibt wider den menschen, das ist, bildtnusz desselbigen: also essen wir uns selbst. Paracelsus schriften (1589) 1, 74; wir wachsen immer aus einer kindheit, so alt wir seyn mögen, sind immer im gange. Herder 5, 98 Suphan (urspr. d. sprache); sie bringt den wünschen des gemahls zwey söhne, Thyest und Atreus. neidisch sehen sie des vaters liebe zu dem ersten sohn aus einem andern bette wachsend an. Göthe 9, 17 (Iphigenie 1, 3). II@1@e@thθ) das part. praet. gewachsen in adjectivischem gebrauch bezeichnet in der älteren sprache oft die grenze des wachsthums beim menschen 'erwachsen', s. theil 4, 1, 4733 f. hier noch einige litterarische belege: were es ouch das ir eins oder me gewachsen kinde hette, die ir brötel gedienen möchtent. Straszburger zunftordnungen 12 Brucker; haist ain gewachsen mensch das ander liegen ... oder flucht im den ritten ald das fallend übel, es si wib ald man. weisth. 5, 215 (Überlingen 15. jahrh.); den gewachssen kindern, die ir stercke begriffen haben, ist man geben das brot in stuck weysz. Keisersberg vom anheb. menschen (1510) A 2a; aber auff die weis, die das büchlein leret, kan ein yeder in wenig tagen lesen lernen. ich selbs habs etliche gewachszne gesellen in acht tagen geleret. Ickelsamer 122 Müller (aus A); iren ehstandt hielten sie so steiffe, das allein die gewachsznen iungfrawen heyrathen und an einem man verngt, nach seinem tod nit weiter gedachten sich zu verändern. S. Franck teutsch. nat. chron. (1539) 4b; wie er (gott) ein gewachsenen menschen, der in seinem stillstand, wirde und krafft ist, höher wirdert, denn ein kind oder jüngling, darausz erst ein mensch sol werden. Mathesius Sarepta 173a; das es nit gut ist, wenn ein gewachsener und gesunder mensch one ehe bleibet. hochzeitpred. 31, 17 Lösche; in den kindern und gewachsenen personen. Paracelsus op. (1616) 1, 491 A; da er selbst drey gewachsene tochter hatte, hatte er neben andern gesten auch genante meine swester fordern lassen. Sastrow 1, 23; die pflantzung und unterweisung der jungen oder zarten jahren, hat solche, wiewol verborgene krafft, ... dasz es ... hernach mit dem gewachsenen alter jemalen kan verglichen werden. Schupp 733; wann ainer gewachsnen dieren ist gleich als ainer zeitign pieren: pricht man sy nit pey zeitn ab. so velt sy auf dleczt selb herab. Sterzinger spiele 18, 67 Zingerle; auch send euch ausz meinem leib worn zehen fürtrefflich söhn geborn, dern ist gewachsen der meiste theil. Ayrer 1657 Keller; substantiviert: darumb gleube ich, wenn die tauffe der kinder nit were, so würde kein kirch seyn, denn die gewachsenen und alten würden sich nimmermehr lassen teuffen. Luther tischr. 215b. halbgewachsen, halbwachsen, s. theil 4, 2, 202. 218, noch jetzt nordd.: dies zimmer hier, das kenne ich nun schon vierzig jahre und darüber, noch aus zeiten her, wo ich ein halbwachsen ding war. Th. Fontane frau Jenny Treibel 7. dagegen ist vollwachsen, mhd. volwahsen, ahd. follawahsan 'ganz ausgewachsen': ich muste bekennen, dasz sie, so jung als sie war, eben so reif am verstande sei: und dasz sie dadurch ein volwachsenes frauenzimmer beschähmete. Zesen Assenat 31. einem gewachsen sein, ihm gleich an kräften, dann auch einem dinge gewachsen sein, s. theil 4, 1, 4734 f. vgl. noch: immr her, du schnöde teufels-braut, kom her, kom her, jückt dich die haut, frisch her, im namen Jesu Christ, der dem teuffel gewachsen ist. Rinckhart chr. ritter 1292 neudr.; als er (Ludwig v. Hessen) zum keyserthumb beruffen ward, hat ers gantz danckbarlich abgeschlagen und gesagt: er were solchem grossen last nicht gewachsen. Zincgref ap. 164. mit anschlieszendem inf. mit zu: es kriechen so viel arten der ungeschicklichkeit durch die schulen, welchen gäntzlich abzuhelffen meine wenigkeit nit gewachsen. Schupp 848. in der älteren sprache ist dies gewachsen auch mit gradbestimmenden adverbien verbunden: so tette ime auch weh, dasz hertzog Bugslaff seine schwester so verschmadt hette, und hette ime deshalben gern in der hawt gelegen, aber turste es nicht anfahen, dan hertzog Bugslaff was ime sehr gewachssen. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 343 Gäbel; wann einer zugleich mit dreyen feinden zu thun hat, soll er sich mit zweyen versöhnen, auff das er dem dritten desto besser gewachsen sey. Zincgref ap. 46; er (gott) schlägt uns nie von hertzen und sieht aus lieber treu, dasz unsre krafft den schmertzen auch gnug gewachsen sey. S. Dach 197 Österley. in gleicher bedeutung kommt auch für einen gewachsen sein vor, s. den theil 4, 1, 4735 gegebenen beleg aus Forster. das ist vermischung mit einem für einen gewachsen sein, d. i. gemacht, bestimmt sein: ich habe schon manchmal zu Joggeli gesagt, es schickten sich nie zwei besser zusammen, als ihr beide; es sei, als wenn ihr für einander gewachsen wäret. Gotthelf Uli der knecht (1850) 285. II@1@ff) von dem unter e besprochenen wachsen aus hat sich ein übertragener gebrauch des wortes entwickelt, indem es auch auf die geistige entwicklung und die äuszeren verhältnisse des menschen bezogen wurde, sodasz wachsen auch die innere vervollkommnung bezeichnet, sowie ein gröszerwerden an ansehen, macht, vermögen u. dgl. bildliche wendungen wie die folgende geben die grundlage dieses gebrauchs ab: Schîonatulanderan prîse ûf muoʒ stîgen. erst von den liuten erboren,die niht lânt ir prîs nider sîgen: er wuohs in breit gestrecket an die lenge. Wolfram Tit. 128, 3. besonders hat die bibelsprache zur verbreitung dieses wachsen beigetragen: ir selbs seid meine zeugen, das ich gesagt habe, ich sey nicht Christus, sondern fur im her gesand .. er mus wachsen, ich aber mus abnemen. Joh. 3, 30; er scal wahsan thrâtosînes selbes dâto, thaʒ mînu werk swînêningegin kreftin sînên. Otfrid 2, 13, 17. im alten test. steht wachsen häufig für zunehmen an macht, geltung, nachkommenschaft; zunächst noch bildlich: Joseph wird wachsen, er wird wachsen, wie an einer quelle. 1 Mos. 49, 22. ferner: die hirten von Gerar zankten mit den hirten Isaacs, und sprachen, das wasser ist unser .. da macht er sich von dannen, und grub einen andern brun, da zanckten sie sich nicht über, darumb hies er in Rehoboth, und sprach, nu hat uns der herr raum gemacht, und uns wachsen lassen im lande. 26, 22; und Joseph wurden zween söhne gehoren ... den andern hies er Ephraim, denn gott (sprach er) hat mich lassen wachsen in dem lande meines elends. 41, 52; sihe, ich wil dich wachsen lassen und mehren, und wil dich zum hauffen volcks machen. 48, 4; der engel .. segne die knaben .., das sie wachsen, und viel werden auff erden. 48, 16; einzelen nach ein ander, wil ich sie (die Cananiter) fur dir eraus stossen, bis das du wechsest, und das land besitzest. 23, 30; der herr mache das weib, das in sein haus kompt, wie Rahel und Lea, die beide das haus Israel gebawet haben, und wachse seer in Ephrata, und werde gepreiset zu Bethlehem. Ruth 4, 11. mit angabe des ergebnisses: du bist unser schwester, wachse in viel tausent mal tausent, und dein same besitze die thor seiner feinde. 1 Mos. 24, 60. in der litteratursprache ist wachsen an oder in etwas am verbreitetsten: an alter, an gnade und tugend wachsen, crescer di età, grazia, virtú. Krämer 1202; der mane wechset ouch, also wuochs sente Paulus von einer tuogent in die andere, und so er mer wuochs in der heilicheit, so er mer unterwuochs an sich selber an der othmuoticheit. Schönbach altd. predigten 1, 65, 5; der nam ein daz aller schönst weib, die im gepar eynen sun, der an aller tugend wuochs und liebet sich aller menig. gesta Romanorum 3 Keller; söllichs kind ward wachsen an jaren, an tugenden, an guten sitten, an gestrengkeit und groszmtigkeit. Eyb eheb. 91, 36 Herrmann; der junge herr huob an dem meyster nach zuo volgen in allem dem, so er in gelernen kund und mocht, und wuochsz auch fast in tugenden und andern guotten wercken und sitten, so künigklicher art zuo gehöret. Tristrant 3, 19 Pfaff; das ir wandelt wirdiglich dem herrn .. und wachset in der erkenntnis gottes. Colosser 1, 11; wachset aber in der gnade und erkenntnis unsers herrn und heilandes. 2 Petri 3, 18; vatter, mutter, wird gott sagen, gebt mir rechenschaft ... ich habe euch einen sohn Christoph geben, dieser ist aber durch ewer böse weichhertzigkeit in den tugenden gar klein gewachsen. Abr. a S. Clara reimb dich (1702) 93 (mercks Wienn); wer nun fest entschlossen ist, in der tugend täglich vollkommener zu werden, der versichere sich erstlich, ob er auch in der that schon zur zahl der tugendschüler gehöre? .. der eine hält seinen menschenhass für einen hass der laster .. auf diese art aber wächst er nicht nur nicht im guten; sondern befestiget sich auch noch im bösen. Gottsched erste gründe der ges. weltweisheit (1734) 2, 109; ein buch ... das anweisung gab, wie man schon vom sechsten bis zum vierzehnten jahre in der frömmigkeit wachsen könne. Moritz Anton Reiser 15, 20 neudr.; Beatrice ist die wirkliche Beatrice, nur, seit sie, 9 jahre alt, gestorben ist, gewachsen in reinheit und frömmigkeit. Grillparzer 9, 216 (zur litteraturgesch.); du sollst in der furcht gottes wachsen ... nicht aber mit wunderthat dich rühmen. Freytag 17, 238 (bilder 1, 4): das preuszische volk geht durch ein stahlbad und wird wird wachsen an charakterkraft. Vischer krit. gänge 4, 68. auch das gegentheil der geistigen vervollkommnung kann auf diese weise zum ausdruck gelangen: ich meint, du solst werden gescheid: so wechst du nur in thorheit. Ayrer 3132, 33 Keller. weiter wird wachsen auch ohne bestimmungen von äuszerem gedeihen oder innerer vervollkommnung gebraucht, doch vorwiegend in der höheren schreibart. II@1@f@aα) volksthümlichen ursprungs scheint wachsen als 'zunehmen an macht, ansehen, reichthum' zu sein: das löblich haus zu Sachsen hat dich (Karl) zu keiser gemacht, dadurch bistu gewachsen, hettst sunst dohin nicht bracht. Liliencron hist. volkslieder 4, 333, 7; der frum churfürst zu Sachsen, der hatte der buben viel. zu hoch liesz er sie wachsen, dasz sie fuhrn übers ziel. 4, 466, 22; wo kriegesgurgeln sindt, da wächst der handtwercksmann, der gastwirt frewet sich; der weinschenck ist bemühet. Opitz poem. (1629) 2, 263; die sich vom raube der vertriebnen bürger mästen, die von der allgemeinen fäulnisz wachsen, allein im öffentlichen unglück ernten. Schiller 12, 71 (Piccolomini 1, 2); weitschichtge dinge sind im werk und werden, das kaiserhaus will wachsen, was der vater glorreich begonnen, will der sohn vollenden. 14, 396 (Tell 4, 3); wohl, mein ächtbürt'ger, wenn dieses brieflein wirkt und mein erfinden glückt, stürzt den ächtbürt'gen der bastard Edmund. ich gedeih, ich wachse! (I grow, I prosper.) Shakesp. Lear 1, 2; um die hofräume, die hintergebäude und gassen wurde die stadtmauer gezogen ... und mit verwunderung erzählte man sich draussen in den wäldern und auf der haide, wie schnell die männer mit fremder sprache gewachsen waren, und dasz jeder landmann, der durch ihr thor fuhr, ihnen ein kupferstück bezahlen muszte als brückengeld. Freytag 5, 110 (soll u. haben 4, 6). über einen wachsen ähnlich wie das bildliche einem über den kopf wachsen: wann der man ist hôhgemuot und füere er alsô für sich, vil lîhte wüehse er über dich und præhte dich ze schanden in allen dînen landen. H. v. Neuenstadt Apoll. 743; den ruhm sie (Köln) führt von alters her, dasz sie in ihren mauren geblieben und gewachsen sehr über all des reichs bauren. Opel u. Cohn 30jähr. krieg 313, 4. übertragen (wie die sprache ein hinter sich wachsen kennt) hinter einen wachsen 'hinter jemand zurückkommen': dise feynd des christlichen glaubens (die juden) nören wir ... mit yedermanns schaden, also daz fürsten und herren hinder sy wachsen und sitzen. S. Franck weltb. (1542) 154b; dann der liederlich pofel verliesz sich drauff, er näm immer mehr auff ein guot glück, ob es ein mal gelt regnet, indem wächszt er hindern juden. 155a. II@1@f@bβ) dagegen gehört wachsen als 'fortschreiten' im geistlichen sinne mehr der biblisch-kirchlichen rede an: Mose und der Salomon leren, wie man die jugent füren sol zu gotes preisz ... dasz sie wachs und gottes macht, weiszheit und güt erkenne. M. Weisze bei Wackernagel kirchenl. 3, 388, 4; das heist recht dem bilde Christi ehnlich werden, nemlich, mit ihm und in ihm geboren werden, Christum recht anziehen, mit ihm und in ihm wachsen und zunehmen. J. Arndt vom wahren christenthumb (1619) 1, 57; ein rechter katholischer christ musz immer zu wachsen, von einer tugend zu der andern schreiten, nimmermehr still stehen. Abr. a S. Clara reimb dich (1702) 8. mit angabe des ergebnisses: wir sollen wachsen zu einem vollkommenen manne, das ist, wie ein kind an grösse des leibes zunimmt: also christen im glauben und in tugenthafftigem leben, bisz sie in Christo zu einem vollkommenen man werden. Arndt vom wahren christenthumb (1619) 1, 397. ausgeprägt biblisch ist wachsen in bezug auf die nachkommenschaft: dieses geblüte war itzt in hundert und hundert gewachsen, und von ihnen war jeder ein fürst zum herrscher gebohren. Bodmer Noah (1752) 137 (5, 56); söhne Noahs, euch wird gott euer erhalter selbst segnen, dasz ihr zu heeren wachset und alle zonen erfüllet. Calliope 48 (sündflut 3. ges.). II@1@f@gγ) ein wachsen, das in rein innerlicher auffassung auf die zunahme an wissen, bildung und können, auf die vervollkommnung der ganzen persönlichkeit geht, findet sich bei Göthe und bei späteren: ich habe alles was ein mensch verlangen kan, ein leben, in dem ich mich täglich übe und täglich wachse. Göthe briefe 4, 50 Weim. ausg.; täglich wächst der herzog und ist mein bester trost. 4, 329; glücklich wäre ich, wenn ich jemand liebes bey mir hätte, mit dem ich wachsen, dem ich meine wachsende kenntnisse unterwegs mittheilen könnte. 8, 149; sie waren heute abend reizend, Adele (eine sängerin) ... sie wachsen mit jeder rolle, und wenn sie eines tages auch mir über den kopf wachsen sollten, werde ich mich nicht wundern. Heyse kinder der welt 1, 325; da er (Göthe) selber noch mit jedem tage wuchs, als ob dies leben nie ein ende finden könnte, so blieb auch die jugend immer sein liebling. Treitschke d. gesch. 2, 43; weder Mundt noch Wienbarg vermochten zu wachsen; jenem fehlte die begabung, diesem der fleisz. 4, 430; die macht einer groszen, ursprünglichen und darum beständig wachsenden persönlichkeit ... besasz er nicht. 4, 488; mit hereinspielen räumlicher vorstellungen: denn nur der grosze gegenstand vermag den tiefen grund der menschheit aufzuregen, im engen kreis verengert sich der sinn, es wächst der mensch mit seinen gröszern zwecken. Schiller 12, 7 (Wallenst. prolog); es ist ein kleiner fürst im land, den grosz ich preise, den, weil er nicht will laut gelobt sein, lob ich leise ... ihr gröszern, schaut auf ihn, und nehmt von ihm ein zeichen! wie müszt ihr wachsen noch, wenn ihr ihn wollt erreichen! Rückert werke 8, 137 (weish. d. brahm. 3, 127). häufiger in zusammensetzungen wie heranwachsen, über etwas hinauswachsen u. dgl.: als Cornelius endlich nach Rom kam, wuchs er bald hinaus über das einseitige nazarenerthum Overbecks. Treitschke d. gesch.3 1, 320; die Hellenen wuchsen in sehr günstiger geographischer lage durch fortwährende leise nachhilfe fremder volkskraft zu hoher culturblüthe heraus. Freytag 17, 56 (bilder 1, 1). II@22) schon im altgermanischen ist wachsen nicht auf die organische entwicklung beschränkt, sondern bezeichnet auch sonst ein gröszerwerden, eine zunahme. dieser gebrauch hat später sehr um sich gegriffen, wobei die analogie der organischen entwicklung auf den verschiedensten wegen wirksam gewesen ist. in vielen fällen, in denen wir geneigt sind eine rein äuszerliche vermehrung anzunehmen, ist die sprache doch von der anschauung eines entwicklungsvorganges ausgegangen. wie bei wachsen 1. als 'gröszerwerden' können bestimmungen hinzutreten, die das ziel oder das ergebnis der vermehrung angeben, und wachsen zeigt dann die bedeutung 'sich wohin erstrecken, wohin gelangen' oder 'wozu werden'. das part. praes. wachsend tritt in attributiver verwendung als 'zunehmend, sich vermehrend' schon im mhd. auf und wird in der neueren sprache ungemein beliebt. II@2@aa) wachsen bezeichnet eine räumliche zunahme. schon im altgerm. wird es von naturerscheinungen gebraucht, die einen regelmäszigen wechsel zeigen: wenn der mond im wachsen ist, wenn er wächst oder zunimmt, bey wachsendem mond, when the moon increases. Ludwig 2360; im wachsenden licht, al crescer della luna. Krämer 1202; das türckische wapen ist ein wachsender mond. Ludwig 2360; schweiz. wachsede mōn. idiot. 4, 234 (vgl. auch wachsat); thiu is afar themu mânon ginemnid, aftar themu torhton tungle;he ne mag is tîdi bemîdan, ak he dago gehwilîkesduod ôðar hweðar, wanôd (nimmt ab) efða wahsid. Heliand 3630; diu mâninne wahset ave sâ, unze si wirt plena et rotunda zeiner vollen schîben. Diemer d. ged. 342, 14 (loblied auf den h. geist); die mânôde gar durch daʒ jâr siht man in (den mond) ofte schînen, wahsen unde ouch swînen: der beider art daʒ ist sîn site. R. v. Ems Barlaam 241, 24; als der mane wechset und entwechsit, niemit ab und zu, also tuot dise werlt. Schönbach altd. predigten 1, 125, 21; dar umb sint etsleich waʒʒer gegen der sunnen aufganch, diu aufnement und abnement nâch des mônen aufnemen und abnemen, wann alliu fäuhten wehst, wenn der môn wehst. K. v. Megenberg 65, 31 Pfeiffer; der mon bewegt sich stets und wachszet und nimpt ab und zuo. Keisersberg brösamlin 83a; nach dem mond rechnet man die feste. es ist ein liecht, das abnimpt und wider zunimpt. er machet den monat. er wechst und verendert sich wunderbarlich. Sirach 43, 8; die krebs seyn im mertzen und aprillen am aller besten, und bevorab, wann der mon wachsset, so seyn sie sehr gut, wann aber der mon abnimpt, so seyn sie etwas geringer und schlechter. jag und weydwerckbuch (1582) 2, 73a; man sol aber alles lagerobst im wachsenden oder zunehmenden monden abbrechen. Coler hausbuch 2 (1612), 159; der saamen wird im frühling im wachsenden lichte und lufftigen zeichen in ein mistbeet gesäet .., im wachsenden monden in ein gutes .. erdreich .. verpflanzet. Zinke ökon. lex.3 (1753) 1770; .. alle schaalfisch-arten sind voller, wenn der mond im wachsen ist. (lubrica nascentes implent conchylia lunae.) Wieland übers. v. Horazens satyren (1794) 2, 140; er (der mond) wächst, so wächst der monat mit. Rückert ges. ged. 5, 411; gibt es wirklich einen mann im monde? die Slawen sagen, er heisze Chlotar, und das wachsen des mondes bewirke er durch wasseraufgieszen. Heine 3, 38 Elster; es mochte ein kleiner ranft des wachsenden mondes hinter dem hause stehen. Stifter studien (1850) 5, 122 (hagestolz). alt ist auch wachsen in beziehung auf das anschwellen des wassers: wachsen desz wassers, inundare e crescere l'aqua. Güntzel 824; das waszer ist gewachsen, fluvius intumuit, assurrexit, accrevit. Stieler 2399; der see ist über die maszen gewachsen, lacus praeter modum crevit. Hederich 2561; die ströhme wachsen, les rivières croissent, haussent, s'enflent. Rondeau; thuo bigan thes wedares kraft, ûst (sturm) up stîgan,ûðiun (wellen) wahsan, swang giswerk an gimang,thie sêu warð an hruoru, wan wind endi water. Heliand 2242; auz vil pächleinne wirt ain grôzer pach, der wehset sô lang, unz daz er suocht seinen auzganch auz dem geperg. K. v. Megenberg 102, 34 Pfeiffer; es regente gantcz sere, das es ny uff gehorte bisz uff sente Celiax tagk; und in der selben nacht sente Celiax do begunde das wasser zu Erfforte zu wachsene. Stolle chronik 171; uff ain zyt, als das selb waszer über ser wuochs, füret es den drachen mit im, so lang uncz das waszer ab ward niemen. Steinhöwel Äsop 198 Österley; zwen hefen stuonden an ainem gestad ains flieszenden waszers ... als aber das wasser ains mals gewachsen waz, füret es die hefen in starkem flusz baid hinweg. 271; da kam die sindflut ..., und die wasser wuchsen, und huben den kasten auff. 1 Mos. 7, 17; die bäch, wann sie vom regen wachsen, bringen und flötzen herfür güldin sand. Münster cosmographey (1588) 73; die meisten aber wendeten sich bald zum schwartzen fluhtgötzen Momft, dem verschaffer des wachsenden Niels. Zesen Assenat (1670) 2; der schöne fuszboden ... 102 Neapelsche palmen tief unter der erde gefunden ... war in einer offenen loggia auf einer art von bastion geleget, welche wiederum 25 palmen über das gestade des meeres erhöhet war. hieraus folget, dasz das meer sehr viel höher müsse gewachsen seyn. Winckelmann 2, 9 (Herculan. entdeckungen); als sie bey einem flusznun endlich kahmen dar, der von eim regen newgar sehr gewachsen war. D. v. d. Werder erlös. Jerusalem 14, 32; der sturz von tausend wassern scholl; das wiesenthal begrub ein see; des landes heerstrom wuchs und schwoll. Bürger 36a (lied vom br. manne). namentlich geht auch wachsen auf das steigen des wassers bei der fluth: auflaufend oder steigend oder wachsend wasser. Bobrik 728. im bildlichen ausdruck: du zürntest ehmals, groszer gott! da wuchs das wasser über berge. Günther 64; nicht eine kleine schaar kann ich der feinde flut entgegenstellen, die wachsend, wogend in das lager dringt! Schiller 13, 238 (jungfr. v. Orl. 2, 5); vergänglichkeit! wie rauschen deine wellen dahin durch's lebenslabyrinth so laut! .. es wächst der strom mit jeglicher minute. Lenau ged. 1, 121 (1857); ich sah immer, wie das gefühl, wenn es in mir aufging, ebbe und fluth hatte, wuchs und fiel, und muszte mir ehrlich sagen: ... du wirst eine lüge sagen, wenn du ewige treue schwörst. Heyse nov. 1, 155 (erkenne dich selbst). vom feuer: wehe, wenn sie (die macht des feuers) losgelassen, wachsend ohne widerstand, durch die volkbelebten gassen wälzt den ungeheuren brand. Schiller 11, 310 (glocke); flackernd steigt die feuersäule, durch der strasze lange zeile wächst es fort mit windeseile. 11, 311; und als wollte sie (die flamme) im wehen mit sich fort der erde wucht reiszen, in gewalt'ger flucht, wächst sie in des himmels höhen riesengrosz! 11, 312. von anderen naturerscheinungen: ein grosser gletscher hanget dar, hat gantz bedeckt dasselbig ort, mit häusern musz man rücken fort, stoszt vor jhm weg das erdterich, bäum, häuser, velsen wunderlich, im erdtrich wachszt er immerdar, das d'landleut klarlich nemmen war, wie er den grund stoszt fürer basz, da vor ein schöne matten was. Rebmann naturae magnalia (Bern 1620) 488; der berge wachsend eisz, der felsen steile wände, sind selbst zum nutzen da, sie tränken das gelände. Haller ged. (1753) 40; sie ... tanzten weiter in vergnüglichem wechselgesang: und das eis kam gewachsen bis zur alpe daher, wie schad' um das mägdlein, wenn's eingefroren wär'! Scheffel Ekkeh. 387. die lawine, der schneeball wächst, darnach bildlich: geschrey wächst wie ein geweltzter schneeballen. Lehmann 327, 32; die red wächst wie der schnee, den die bösen buben auff der gassen zusammenrollen, welcher alleweil grösser und grösser wird. Abr. a S. Clara Judas 1 (1687) 395; eine solche morgenländische carawane gleicht einem schneeball, welcher von gebirgen rollt; sie wächst, je weiter sie fortrückt. A. G. Meiszner 9, 50 (erzähl. 3). wolken, schatten wachsen: wallend verschlangen wachsende wolken, im zug, beide gestalten vor mir. Göthe 1, 320 (elegien 2); wir wollen fort; die schatten wachsen, der thau beginnt zu nässen. Immermann Cardenio u. Celinde 3, 4; zuletzt sah er einen schatten von dem knaben fort längs der mauer hinuntergehen. der schatten wuchs beim mondenschein mit jedem schritte immer höher und länger, bis er endlich sich in riesengrösze in den wald hinein verlor. Eichendorff 2, 40 Dietze. vom erdreich: das ufer war gewachsen, littus processerat. Steinbach 2, 911; der boden ist gewachsen, sagt man von ausgeschachteter festgewachsener erde, die trotz stampfens immer ein gröszeres volumen als vor dem ausheben einnimmt. Mothes baulex.3 1, 124. von körperlichem in fällen, wo zunächst nicht an organisches wachsen zu denken ist: doch so du eingenestelt bist, und dir der bauch gewachsen ist, so nestel dich nit auff zu mol, das wär zu grob und stünd nit wol. Scheidt grobianus 614 neudr. mhd. von schwangeren frauen: Elysabeth die vrowe entfie, daʒ gots erwelte reine kint, dâ mit ir leide gar wart blint, die sich ê zu wîten hûb, unde als die vrowe des entsûb, daʒ si wachsen began, si sach ir selbes alder an unde schemete sich vil sêre. passional 346, 96 Hahn. das blut wächst: das bluot ist am besten zuo lasszen von viii. kal. julii, bitz zuo den xv. kal. augusti, wann als dann wachszt es. Gersdorf wundartzney (1535) 39. dem hahn, wenn er zornig ist, wächst (schwillt) der kamm, bildlich: ihm wächst der kamm; nun wagt er gar ein epigramm. Gotter 1, 379; Berthold kam in dem fremden wesen ganz aus seinem häuschen ... und als Apollonia mit in das spiel hineingezogen wurde, so wuchs ihm gar der kamm, er erwiderte, was ihm angethan wurde ... so kam es, dasz, als ihn Babeli kniff, er wieder kniff. Arnim 15, 71 (kronenwächter 1); der krepp wuchs ihr bergan (die haare gingen ihr in die höhe), auch wurd ihr in die länge die schnürbrust mächtig enge. Bürger 22a (prinz. Europa). bildlich heiszt es: das herz wächst, es erweitert sich, wird von gefühlen geschwellt: wenn die sach gut ist, so wechst das hertz im leibe, und gibt krafft und mut predigern und kriegsleuten. Mathesius historie D. Luthers 56, 22 Lösche; wie die sonne steigt, wächst mir's herz. bald! bald! — will ich grosz werden, wie Otto. Klinger Otto 38, 4 (2, 6) neudr.; sein herz wuchs in der brust, wie eine melone unter der glocke. J. Paul Titan 1, 10; ein zeisig, der sein nest nur eben angelegt, versang an einem heitern morgen den schlaf, die bau- und nahrungssorgen. ihm wuchs sein kleines herz, durch west und lust erregt. Hagedorn 3, 123; sein herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll, wie bei der liebsten grusz. Göthe 1, 186 (fischer); alte sehnsucht, wachst du auf? dunkelselig wie vor zeiten wächst das herz mir in der brust, süszer schwermuth schauer streiten mit beklomm'ner werdelust. Geibel 4, 98 (spätherbstbl.); doch freudiger wächst dem ulanen das herz, wenn die schlacht durch die ebene kracht. 4, 254 (heroldsrufe); an seines volkes herzen wuchs ihm die heldenbrust. Schenkendorf 4. von anderem aus dem naturreich: des pern flaisch wehst, wenne man ez seudet, daz tuot kain flaisch mêr. K. v. Megenberg 162, 33 Pfeiffer; das fleisch nimmt stündlich zu und wächst auch in den töpffen. Gryphius lustspiele 229, 142 Palm; bildlich: die bissen wachsen mir vor wehmuth in dem munde. Günther bei Adelung; die lügen wächst im munde, mendacia in ore hominum grandescunt. Stieler 2399; sô thaʒ heri thô gisaʒthaʒ brôt gisegonôtaʒ aʒ; iʒ wuahs thâr thera fertiin munde joh in henti. Otfrid 3, 6, 36; traumt mir? wie wird mir? ists warheit? ists tand? mein stücke brodt wächst unter der hand! Gryphius lustspiele 221, 14 Palm; das brodt wachst augenscheinlich im ofen, und wann ich zwey unzen einschieb, so nimb ich vier heraus. Abr. a. S. Clara Judas 2 (1690), 10; zu seinem trost zog er sein (angeschnittenes) schnitzbrot aus dem ranzen und fand dasselbe wahrlich beinah schon wieder rund und ganz gewachsen. Mörike erzählungen2 117; die gerste wächst beim mälzen, d. h. sie treibt keime aus (gehört in gewissem sinn zu 1, a). Weber ökon. lex. 626. Schmeller 2, 838; wachsen zum bier sieden, grana frumenti dissiliunt et germina tenuia, fibrarum instar, protudere incipiunt, fahen an zu schiessen. Schönsleder prompt. Kk 2b; die hefe wächst, vermehrt sich, durch einflusz des sauerstoffes, vor der gährung. Karmarsch - Heeren3 1, 499; der kalk wächst, geht auf, quillt oder gedeiht beim löschen. Mothes baulex.3 4, 329. auch gerüche, lichterscheinungen wachsen, breiten sich aus: nardus und balsamitader stanch wahset so wîta. fundgruben 2, 16, 33 (genesis); ich hörte recht. die stimmen nahen. helle, wie fackelschein, wächst gleitend durch die gänge. Grillparzer 4, 266 (treuer diener 4). ähnlich von einem gerücht, das verbreitet wird: die böse nachricht wächst, der guten traut man nicht. König ged. (1745) 111. II@2@bb) wachsen kann auch ein gröszerwerden bezeichnen, das auf dem bloszen augenschein beruht. es geht auf dinge, die man anfangs für kleiner gehalten hat, als sie in wirklichkeit sind, dann aber beim näherkommen oder genaueren hinsehen in ihrer wahren grösze erblickt: es wuchs das hergetrag'ne schiff, zugleich die angst in meinem busen namenlos. Chamisso ged.8 544; ich blickte, während das schiff so fortflog und die wellen unter mir rauschten und schäumten, immerfort in die blaue ferne, wie da ein turm und ein schlosz nach dem andern aus dem ufergrün hervorkam, wuchs und wuchs und endlich hinter uns wieder verschwand. Eichendorff 2, 450 Dietze; furchtsam schaut der bürger aus seinem fenster, die nacht läszt einen schwarzen flecken zurück; er schaut, und fürchterlich wächs't im lichte das mordgerüst. Göthe 8, 283 (Egmont 5). ähnlich: dann reckte er seine glieder und die ganze gestalt wuchs wieder wie damals, als er im mondschein den jäger warnte, an die geheimnisse des schwertes zu rühren. Immermann Münchh.2 4, 72. in verbindung mit einer örtlichen bestimmung der richtung nimmt dies wachsen die bedeutung 'sich von dem zuerst wahrgenommenen nach einer seite hin weiter erstrecken' an: denn bank an bank gedränget sitzen, es brechen fast der bühne stützen, herbeygeströmt von fern und nah, der Griechen völker wartend da, dumpfbrausend wie des meeres wogen, von menschen wimmelnd wächst der bau, in weiter stets geschweiftem bogen, hinauf bis an des himmels blau. Schiller 11, 243 (kraniche des Ibykus); Victor war nie auf einem so groszen wasser gefahren. das dorf zog sich zurück und die wände um den see begannen sehr langsam zu wandern. nach einer weile streckte sich eine buschige landzunge hervor, und wuchs immer mehr in das wasser. endlich risz dieselbe gar von dem lande ab, und zeigte sich als eine insel. Stifter studien (1850) 5, 92 (hagestolz); sah er plötzlich ein gebirge von schroffen klippen rings umher in die höhe wachsen. Heyse nov. 5, 16 (Annina). abgeschwächt bedeutet es überhaupt 'sich wohin erstrecken': er hatte einen waldhornisten mitgenommen, der auf eine weit in den see wachsende landspitze treten ... sollte. J. Paul biogr. belust. 1, 90; endlich erstiegen wir den südlichen berg und das bunte Eden wuchs mit seiner blätterfülle und mit dem gewimmel seiner pulsierenden zweige rauschend ins thal hinab. Hesp. 4, 183; ich stand, wo der Campagna zauberbann die welle löste, an Tyrrhen'scher küste. ein grauer thurm — wohl mocht' ihn der Normann, der küstenräuber, einst gebrochen haben — wuchs auf halmlosem hügel wolkenan. Gaudy 2, 25. verwandt ist aus etwas wachsen 'woraus hervorkommen', besonders in der neueren kunstsprache üblich (meist liegt die vorstellung des aus einem baume wachsenden zweiges zu grunde): ein rother korallenzweig, welcher aus der silbernen haarnadel hervorwuchs, grosze goldne ohrringe .. zeigten schon an, dasz sie guter leute kind seyn müsse. Gaudy 2, 98 (tageb. eines wand. schneiderges.); aus dem etwas schief über dem sofa hängenden quadratspiegel wuchsen drei pfauenfedern heraus. Fontane Stechlin 101; ähnlich: es ist lange her, dasz ich die büste anfing. nicht wahr, es sieht gut aus, wie der kleine, feste rundkopf aus den breiten schultern herauswächst. Heyse im paradiese5 1, 6. hierher kann auch das heraldische wachsend gezogen werden, von menschen oder thieren gesagt, von denen nur die obere hälfte oder der vordere theil aus einer andern figur oder aus dem helme hervorragt z. b. ein wachsender wolf. Frisch 2, 412. v. Querfurth wb. der heraldischen terminologie 168. Müller-Mothes 972. ebenso beruht es nur auf dem augenschein, wenn wachsen darauf geht, dasz gewisse theile eines gegenstandes gröszer sind als die andern z. b. die säule wächst in der mitte. II@2@cc) bei wachsen von einer menschlichen arbeit, die ihren fortgang nimmt, kann auch meist von gröszerwerden ausgegangen werden; auszerdem lag bei dem entstehenden werke der vergleich mit der organischen entwicklung besonders nahe. vgl. 3, c, β: das buch ist sehr gewachsen, satis hujus voluminis magnitudo crevit. Steinbach 2, 911; wann mir hie das buoch nit under den henden, mehr dann mir lieb were, wüchse, so wolt ich zwar weitleuffiger auszfüren ... S. Franck sprichw. 2, 161b; so sind die meinigen (meine träume) höchstens erotisch philosophisch .. wie sie dereinst in der 101. elegie meiner immer wachsenden büchlein werden ersehen können. Göthe briefe 9, 163 Weim. ausg.; genug! ich steh' an dieses briefes rand, vergebens wuchs er unter meiner hand. Platen 46 (verm. ged.); war der bau gleich grosz, und in kleiner zahl die arbeiter, wuchs er doch augenscheinlich, ein jeder tag sah ihn steigen. Bodmer Noah (1752) 197 (6, 812); aber wachsen soll mir das werk! ich eile die schaaren aufzurufen, die mir noch erde mit erde zu häufen willig sind, und so vielleicht befördr' ich die hälfte, euer sey die vollendung, wenn bald mich die urne gefaszt hat. Göthe 40, 342 (Achilleis); nicht lang gefeiert, frisch! die mauersteine herbei, den kalk, den mörtel zugefahren! wenn der herr landvogt kommt, dasz er das werk gewachsen sieht. Schiller 14, 288 (Tell 1, 3); und es knarrte die wind', und es ächzte das tau, und es wuchs wie ein berg in die lüfte der bau. Geibel 3, 30 (neue ged.); die webe wächst nur, wo der faden wird geschlagen. Rückert werke 8, 90 (weish. d. brahm. 2, 143). mit angabe des zieles oder ergebnisses: damit ich mich in kürtze absolvier, und das buoch nit in vil bcher wachse. S. Franck teutsch. nat. chron. 1539 vorrede fol. 2b; da Jhesus Christus der eckstein ist, auff welchen der gantze baw in einander gefüget, wechst, zu einem heiligen tempel in dem herrn. Eph. 2, 21; nennt's nicht eitel kraftverschwendung, wenn ich diesz und das begann; manches wuchs nicht zur vollendung, doch ich selber wuchs daran. Geibel 3, 201 (sprüche). von einer zeichnung: die gestalt (des baumes) auf meinem papiere wuchs ins ungeheuerliche, besonders in die breite, und als ich an die krone kam, fand ich keinen raum mehr für sie. G. Keller 1, 201 (gr. Heinrich 1, 20). wachsen auch von gebäuden, die erweitert werden: da strömet herbey die unendliche gabe, es füllt sich der speicher mit köstlicher habe, die räume wachsen, es dehnt sich das haus. Schiller 11, 309 (glocke). mit angabe des ergebnisses, bildlich: denn wenn der genius, erwählt vor allen, der menschheit tiefen blitzend mir erhellt und mit begeisterung den busen schwellt: zum tempel wachsen da der bühne hallen. Gottschall neue ged. 107. straszen, städte wachsen: sie dürfen sich beim bau'n nicht um den bauplatz streiten, der kranz der häuser wächst mit lust nach allen seiten. Rückert werke 8, 402. mit angabe des zieles: es ist ein bischoffliche statt und ligt auff der Scheld gegen undergang der sonnen, ist aber mit der zeit über die Scheld gewachsen gegen auffgang. Münster cosmographey 169. II@2@dd) bei wachsen von habe, geldbesitz, geldschuld u. dgl. kann auch von einem räumlichen gröszerwerden ausgegangen werden: sein vermögen ist ziemlich gewachsen, multis accessionibus locupletatus est. Stieler 2399; je mehr der reichthum wächst, je mehr wächst auch der geitz. Ludwig 2360; das weibergut darf weder wachsen noch schwinen. Hillebrand rechtssprichw. 127; und sol och einer frowen guot weder schwinen noch wachsen on ira wüssen und willen. weisth. 4, 35 (Küsznacht 15. jahrh.); zum reich sie sich erkaufet han, als oft sie darvon wurden versezt, zu dreien malen ... darvon die schuld gewachsen was. Liliencron hist. volksl. 3, 123, 90; durch eintracht wechst ein kleine hab. durch zwitracht nimpt ein grosz gut ab. Alberus fab. 45, 39 Braune; so viel das geld ihm wächst, so wachsen auch die sorgen. Rachel sat. ged. (1742) 35; täglich .. wachsen meine jungen, und die zahl von ihren foderungen, aber .. meine renten nicht. Goekingk 1, 217; das gelt wachset vom vergelts gott der armen. Abr. a. S. Clara Judas 2, 12; da er iezo in Ilmenau die jägerei erlernt, bin ich vierteljährig in dem fall immer wachsende rechnungen für ihn zu bezahlen. Göthe briefe 4, 31 Weim. ausg.; dasz er nur die kleinen drückenden schulden abbezahlen könnte, welche .. bey veränderung der gläubiger .. immer zu wachsen pflegen. 9, 216; keine andere staatsausgabe wird so reiszenden schrittes gewachsen sein wie die riesenziffer für den öffentlichen verkehr. Riehl land u. leute8 76; das ist mein sparkassenbuch, da stehen hundertundsechzig gulden darin, und die interessen lass' ich immer beim capital stehen, so wächst es mit der zeit. Heyse nov. 5, 122 (vetter Gabriel); ein fabrikant ... welcher sein ursprünglich geringes geschäft nach und nach erweitert hatte und sich eines wachsenden wohlstandes erfreute. G. Keller 1, 225 (gr. Heinrich). II@2@ee) aus der bezeichnung der räumlichen zunahme ist dann die einer zunahme an zahl hervorgegangen: die zahl der miszvergnügten wächst, le nombre des mécontens s'accroît. Rondeau; die geselschaft wosche (wuchs) von dage zu dage. Mainzer chronik, städtechr. 17, 315, 2; das concili das ward wachsen. Liliencron hist. volksl. 1, 50, 851; da nu Joseph gestorben war ... wuchsen die kinder Israel, und zeugeten kinder, und mehreten sich, und worden ir seer viel, das ir das land vol ward. 2 Mos. 1, 7; und er lies sein volck seer wachsen, und machet sie mechtiger denn ire feinde. ps. 105, 24; das geschlecht der groszen herren ... wuchs mächtiglich. Micrälius altes Pommern 1, 35; dieses jungfräuliche heer wuchs dergestalt. Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 911; nachdem die völker gewachsen, sich ausgebreitet und von sich reden gemacht. Rabener bei Campe 3, 178; die masse der fremden wuchs. Göthe 24, 293 (a. m. leben 5); die zahl seiner anhänger wuchs. Becker weltgesch. 1, 150; dann kann die bildung einer starken clericalen partei, die mit den jahren wachsen würde, kaum ausbleiben. Treitschke deutsche kämpfe n. f. 177; die sämtliche höll' ist los fürwahr. und lärmet und schwärmet in wachsender schar. Heine 1, 21 Elster; des einzeln ohnmacht deckt die zahl der streiter, es wächst die schaar, kein heil mehr auszer ihr. Grillparzer 1, 41. in Leipzig sagt man: die karten wachsen d. h. es sind noch nicht alle blätter aufgehoben worden. Albrecht 233. wachsende reime nennt Weckherlin 1, 404 Fischer solche, bei denen zu einem reimpaar noch ein dritter reim hinzutritt. mit angabe des zieles oder ergebnisses: ein armer ... tropf, der soviel brod-esser und kleine bursch zu hausz hat, dasz sie schier über die kinder Israel wachseten, ja er hörte von dieser lebendigen orgel kein anderes liedl ..., als päppen, päppen. Abr. a S. Clara Judas (1787) 1, 46; nach verlorenen schlachten, bei schlechter verpflegung, wuchs ihre (der marodeure) zahl ins ungeheure. Freytag 20, 96 (bilder 3, 2); andere räuber schlugen sich zu ihnen, sie wuchsen zu einem haufen. 17, 175 (bilder 1, 3). II@2@ff) weiter kann wachsen ein zeitliches fortschreiten bezeichnen: der tag, das jahr, das lebensalter wächst; ob schon die jaren zu untzen wachsen, so nemmen doch die mühe und arbeit zu pfunden zu. Albertinus verachtung des hoflebens 48a; dasz e. hochedle excellenz mit wachsendem alter und immer aufsteigender ehr ihro angeborne humanität geändert haben. Schupp 786; oft zählt' ich am geburttage die wachsenden jahre ab. J. Paul Titan 2, 87; indessen wuchs das jahr, die tage wurden klein, der angenehme west zog seinen oden ein ... der winter kam heran. Lichtwer fabeln 2, 1; es wächst der tag heran — ich hörte hier noch keine tuba zu dem aufbruch tönen. H. J. v. Collin (1812) 1, 292; jemehr die nacht wuchs, desto mehr schien die gegend an klarheit zu gewinnen. Göthe 28, 280 (ital. reise). mit angabe des ergebnisses: es ging der tag, es wandelte der mond, das jahr verrollte wachsend zum jahrhundert. Arndt ged. (1860) 34 (1800 gedichtet); schnell wuchsen, bei herzlichem zagen und pochen, die stunden zu tagen, die tage zu wochen. Bürger 66b (der kaiser und der abt). freier auch sonst von zeitlicher dauer: was hat der deutsche krieg, der sich so lang erstrecket, von früchten und von nutz doch immer auszgehecket? er wuchs und wuchs für sich; hat aber den entgelt dasz er dem deutschen preis den leichendienst bestellt. Logau 3, 90, 69. anders der tag wächst 'wird länger an dauer': die honigsüsz binenzeit desz glentzes wird angehen, wann die tag umb zwo und drey stund gewachsen sein. Fischart groszm. 564 Scheible; im ganzen thut einen sehr angenehm-bemerkbaren effect der, bey einem so hohen sonnenstande, weit zurückgehaltene frühling ... der tag wächst und so ist alles schön und gut. Göthe an Zelter 341 (3, 88); der sommer folgt. es wachsen tag und hitze. Göthe 13, 226. II@2@gg) am häufigsten bezeichnet wachsen eine graduelle zunahme, eine steigerung. es wird zunächst von dingen gebraucht, die wahrnehmbar sind, so von licht- und schallerscheinungen: dämmernd erwachet im osten der tag, die wachsende hellung löset die bande des schlafs. Kosegarten dichtungen 8, 167; solcher betrachtungen voll, durchwandl' ich das wachsende nachtgraun. 8, 206; allmälig entgegen mir dämmerte licht und wuchs und wuchs, wie ich vorwarts schritt. Schack werke 1, 31. für crescendo in der tonkunst schlug Campe im verdeutschungswb. 238a nach Eschenburg wachsend vor. dann wirbelt sie (die nachtigall) den ton, zertheilet, füg't ihn wieder ... indessen wächst der laut, da mensch und vieh erwacht; die stille scheidet samt der nacht; man höret ein verwirretes getön allmählig in der luft entstehn. Brockes 1, 24; was hör' ich? — welch geräusch! — es wächst. Gotter 2, 448; die stärke des dumpfen getöses, welches das erdbeben grösztentheils begleitet, wächst keineswegs in gleichem maasze, als die stärke der oscillationen. A. v. Humboldt kosmos 1, 214; der sturm wächst. Gotter 3, 452; das getümmel wächst. Göthe 24, 292 (a. m. leben 5); er ging nun an prächtigen landhäusern vorüber durch die langen vorstädte immer tiefer in das wachsende getöse hinein. Eichendorff 2, 478 Dietze; der lärm wuchs von minute zu minute. Immermann Münchh.2 1, 23; indessen wuchs der streit und das getöse nahm überhand. Uz werke 369, 20 neudr.; der auflauf wächst, das volk ist länger nicht zu bändigen. Schiller 12, 535 (M. Stuart 4, 9); indessen wogt, in grimmigem schwalle, des aufruhrs wachsendes gewühl. Göthe Faust 2. th. 4794; eine wogende menge erfüllt die straszen ... an den thoren der stadt wächst der drang. Grillparzer 8, 41 (der arme spielmann). vom gewicht: sie (die wagen) sind alle wie die, so wir ünzelte, von unze, nennen, das ist ein waagebalken oder stange, auf welchem das gewicht im verhältnisse wächst, je näher es gegen das ende des balkens gerücket wird. Winckelmann 2, 76 (herculan. entdeckungen); auf der waagschale, worin wir in gottes hand stehen, liegt auf der andern schale ein gewicht, welches wächset nnd fällt, wie der herr will. 11, 98 Eiselein (briefe); er (der pfeil) fiel mit einer stets wachsenden wucht herab. Lessing 1, 166; z' Krakau hat's kistl nur 20 pfund gewogn; auf der mauth aber ist's über nacht um 5 pfund gewachsen. Jos. Richter briefe eines Eipeldauers 4, 37. von körperlichen empfindungen: auf zucker wächst des wermuths schärffe, wie ietzt mein kreutz auf eurer lust. Günther 183. das fieber, die flechte wächst täglich, cette fièvre, cette dartre croît. Rondeau; und gleich am andern morgen brach die wuth des fiebers aus, und wuchs mit solcher macht, dasz keine rettung war. sie starb am dritten tage. Wieland 18, 65 (Geron); als er von leibesschwäche ergriffen wurde. die krankheit wuchs, er schied am 13. juli aus dem leben. Freytag 17, 444 (bilder 1, 9); eines tages kam kein brod, er brachte hungrig seine nacht zu, und am morgen wuchs sein hunger. Rückert werke 6, 19; er ging fort und fort und fort. die hize des körpers nahm überhand, der athem wurde kurz, und die müdigkeit wuchs. Stifter studien (1850) 5, 284 (waldsteig). die arbeit wächst, die geschäfte wachsen, der verkehr wächst. u. dgl. besonders wird aber wachsen von rein geistigen begriffen und von empfindungen des menschlichen herzens gebraucht: das böse wächset allezeit, malum ingravescit, seine ehre ist gewachsen, plus dignitatis ei accessit. Stieler 2399; der hasz gegen sie wuchs, odium in eos crescebat. Steinbach 2, 911. gern wird hervorgehoben, dasz die zunahme an zeitliche oder andere begriffe geknüpft ist: der verstand wächst mit den jahren. Ludwig 2360; die begierde wächst mit den jahren. Steinbach 2, 911; er gelepte mit ganzer tugent, daʒ im sô liebe geschach, daʒ er sîner kinder kint gesach mit wahsender werdikheit. Ulrich v. Zazikhofen Lanz. 9419; sô wuohs sîn lop unz er verschiet. 9431; wan swer von wâfen wirt wunt, der wirdet schiere gesunt, ist er sîm arzâte bî: und wellnt daʒ disiu wunde (der minne) sî bî ir arzâte der tôt unde ein wahsendiu nôt. Hartmann Iwein 1556; da entlihen si stiche unde slege beide mit swerten und mit spern: desn moht si nieman gewern vol unz an daʒ halbe teil: des wuohs ir êre und ir heil. 7208; ir aller volge diu ist dar an: swâ sô der müezige man mit senedem schaden sî überladen, dâ mêre muoʒe seneden schaden. bî senedem leide müeʒekeit, dâ wahset iemer senede leit. Gottfrid v. Straszburg Tristan 86; des wuohs der unwille heimlich unde stille gegen dem kunig ie mêre. Ottokar österr. reimchr. 76351 Seemüller; füro, ob ain gast rechtz begerti zuo ainem der in der vogti sitzt, denn sond min frowan aber den husgnossen ain richter geben on ir schaden und den richteren darzuo püten und dem gast ze drü tagen usrichten und ie ainem ze drü fierzehen tagen, es stünd denn an wachsendem schaden. weisth. 5, 188 (St. Gallen, 15. jh.); als die ungestümy Neronis gegen den Römern und allem land wachsen ward. Steinhöwel Bocc. 281, 27 Drescher; yetz das wort, dann disz wort wider umb suochend, lesent und erwegende, da mit sy von stund zuo stunde ir liebe tett zuonemen wachsen und meren. Wyle translat. 35, 17 Keller; aber sie .. effeten seine propheten, bis der grim des herrn über sein volck wuchs, das kein heilen mehr da war. 2 chron. 36, 16; ewer glaube wechset seer, und die liebe eines iglichen unter euch allen nimpt zu gegen ander. 2 Thessal. 1, 3; man predig, schrye, was man mag, wachszt gyt und wuocher alle tag. schweiz. schausp. 1, 48, 852; wie sicher anfangs wir auff euer glükke wahren, so kleinlaut wurden wier, als nichts nicht zu erfahren als trauern von euch wahr. die furcht wuuchs mit der zeit, es dachte mancher schoon gar auff ein trauerkleid. Fleming 81; o kind, das nicht versteht wie vil es schon verlohren und itzt verliren musz! so wenig deine zeit ihr elend überlegt, je mehr wächst unser leid! Gryphius trauersp. (1663) 364; begier und wunsch nimmt stündlich bei ihr zu ... der vorwitz wächst; er bringt sie aus der ruh, und stört sie oft des nachts im ersten schlafe. Hagedorn 2, 158; es verdreyst sie (die kinder) und solcher grolle wachset mit den jahren, es wird zu letzt verdrusz, verweisen, zorn, feindschafft und rachgierde darausz. Moscherosch ins. cura par. 88 neudr; nun aber, nachdem alle furcht vorüber, was ist wunder, dasz sich die hoffnung uod begierde herfürgethan, auch herz und muth gewachsen? Leibnitz deutsche schriften 1, 215 Guhrauer; alle begierden wachsen dadurch, dasz sie oft befriediget worden. Gellert 6, 213; dasz der name eines von seinen zeitgenossen gerühmten dichters oder mahlers immer mehr und mehr wachsen, und in den folgenden zeiten noch grösser seyn werde, als er selbst zu seiner zeit gewesen ist. Lessing 4, 308; bei dem jetzigen zustande der menschen kann man sagen, dasz das glück der staaten zugleich mit dem elende der menschen wachse. Kant 10, 394; bis endlich eine wachsende leidenschaft ihn aller ruhigen sinneskraft beraubt. Göthe 16, 69 (Werther); erzählen sie uns nur erst, wie ihre liebhaberey zum schauspiele nach und nach gewachsen sey, wie sie sich geübt, wie sie so glücklich zugenommen haben, dasz sie nun mehr für einen guten schauspieler gelten können? 18, 30 (W. Meisters lehrj. 1, 6); je trauriger dieser zustand war, desto heftiger schlosz sich ihre neigung an den geliebten fest; ja die leidenschaft wuchs mit jedem tage, wie die gefahr, ihn zu verlieren, mit jedem tage näher rückte. 18, 45; die älteren personen hörten ... von der wachsenden anmuth der töchter. 26, 34 (a. m. leben 11); ihr habt kummer so lang ihr diesen sohn habt. dieser kummer wird wachsen mit Karln. dieser kummer wird euer leben untergraben. Schiller 2, 20 (räuber 1, 1 schausp.); der muth wächst mit der gefahr; die kraft erhebt sich im drang. 2, 34 (räuber 1, 2 schausp.); es ist schimpflich, eine volle börse zu leeren — es ist frech, eine million zu veruntreuen; aber es ist namenlos grosz, eine krone zu stehlen. die schande nimmt ab mit der wachsenden sünde. 3, 84 (Fiesko 3, 2); mein muth wuchs nun in demselben verhältnisse, in welchem meine flasche abnahm. v. Thümmel reise 3, 212 (1794); allzugrosz war die noth, und täglich wuchs die bedrückung. Göthe 40, 291 (Herm. u. Dor. 6); ach sire! es drängt die höchste not und stündlich wachsend schwillt das verderben an die stadt heran. Schiller 13, 194 (jungfr. v. Orl. 1, 3); ... rettet' ich die gott verheiszne, des segens tochter, meiner hofnung pfand die mir des friedens werkzeug sollte seyn, als euer hasz sich wachsend stets vermehrte. 14, 65 (braut von Mess. 2, 5); wer in der brust ein wachsendes verlangen nach schönen augen fühlt und schönen haaren, den mahn' ich ab. Platen 95 (son. 17); der steile pfad wird steiler immer, es wächst die wilde einsamkeit. Lenau ged. 1, 196 (1857); sie möchten wohl von sühnung sprechen, doch keiner trifft das rechte wort. so wächst die kluft von tag zu tage. Geibel 4, 218 (heroldsrufe); und der neid und hochmuth wuchsen, und wurden so grosz in ihr, dasz sie tag und nacht keine ruhe mehr hatte. Grimm mährchen (1843) 1, 315; welche sehnsucht durch eine überreiche phantasie ... zu einer süszbitteren glühenden leidenschaft verstärkt wurde, die mit den jahren wuchs, anstatt abzunehmen. G. Keller 6, 223; wie er so sasz und von minute zu minute grimm und gram in seiner brust wachsen fühlte. Heyse nov. 5, 95 (vetter Gabriel); die aufregung wuchs und wuchs. Treitschke deutsche kämpfe n. f. 8. ist von menschlichen empfindungen und kräften die rede, so wird gern ein persönlicher dativ gesetzt: dadurch wuchs ihm der muth, thereby increased his courage. Ludwig 2360; der muth wächst den feinden, animi hostium crescunt. Steinbach 2, 911; es wechst auch dem feind der muth, wann er weist, das die jenigen, wider denen er kriegen wil, unerfahren und ungeübt seynd im kriegszwesen. Albertinus der kriegszleut weckuhr (1601) 1, 33a; wenn dann nach vielen streichen, nach langer fechtens-zeit, die müden feinde weichen, da sind wier herren erst, da wächset uns der muut, der zwar nie kleine war. Fleming 112; dem feinde aber drauff mehr muhts ins hertze tritt, die hoffnung wächset ihm und noch mehr kräfft erreichet. D. v. d. Werder erlös. Jerusalem 11, 55; jedem einzelnen wächst das gemüth im groszen strom der menge. Schiller 12, 111 (Piccolomini 2, 6); des schreibens ist schon itzt kein ende, und doch: wie wenig wächst den lesern der verstand. Goekingk 2, 122; immer mehr wuchs ihr das gelüsten, wenn die daneben doch auch sehen könnten, wie schön sie angezogen sei. Gotthelf Uli der knecht (1850) 205. das ziel oder das ergebnis der zunahme kann angegeben sein: dem guten mädchen ... war doch um den Jacot, als er nicht wiederkommen wollte, angst geworden. Trineli hatte schon lange mitleid gehabt mit ihm, und das war über die eifersucht gewachsen und machte ihr angst. Gotthelf 10, 80 (der ball); nachdem in wilder zeit die macht der häuptlinge hoch über das volk gewachsen war. Freytag 17, 73 (bilder 1, 1); sogleich fängt das sticheln an, diesz hält nicht masze, es schärft sich und wächst bis zum hohne, steigert sich zu vorwürfen. Göthe 27, 147 (ital. reise); und der ingrimm der gemüter wuchs zum rasen, wuchs zur wut. Platen 61 (verm. ged.); aber bald zur angst wuchs eine sorge. Chamisso ged.8 367; so wuchs die verbitterung Niebuhr's in feindliche widersetzlichkeit, er trat den obersten behörden heftig entgegen. Varnhagen denkw. 5, 242. II@2@hh) endlich kann wachsen auf die zunahme an macht, ansehen, einflusz, bedeutung und auf die vervollkommnung des ganzen wesens gehen. dies wachsen läszt sich vielfach unmittelbar auf eine übertragene verwendung von wachsen 'sich natürlich entwickeln' zurückführen, steht aber, da es hier auf den erfolg der entwicklung ankommt, auch mit den besprochenen gebrauchsweisen von wachsen 'sich vermehren' im zusammenhang: religionen, staaten, künste, wissenschaften u. dgl. wachsen; falsch glouben und vil falscher ler wachsen von tag zuo tag ye mer. Brant narrensch. 103, 76; das wort gottes aber wuchs und mehret sich. apostelgesch. 12, 24; es kamen auch viel dere, die gleubig waren worden, und bekandten und verkündigeten, was sie ausgericht hatten. viel aber die da furwitzige kunst getrieben hatten, brachten die bücher zusamen und verbranten sie öffentlich ... also mechtig wuchs das wort des herrn, und nam über hand. 19, 20; also hat das evangelium der christen, da es wol drey hundert jar verfolget ward, am aller sterckesten gewachsen, beide, an der zal der gleubigen, und an wunderbarlicher klarheit. Luther 8, 26a; zur selben zeit fieng der bapst an geistlich in der kirche zu regieren und Mahomet zu wachsen. tischr. 236a; die tägliche erfahrung gibt zuerkennen, dasz alle kunst, fürnemblich aber die kriegszkunst, wachse und aufnemme durch das exercitium und übung. Albertinus der kriegszleut weckuhr (1601) 1, 32a; unterdessen wuchs das pabstum zu Rom, und hatte der römische kayser und tyrann Phokas anno 606 dem römischen bischoff Bonifacio III. einen neuen zügel in die hand gegeben, womit er die gewissen der gantzen welt an einem schnürchen führen solte. Wiedemann gefangenschaften (1690) december s. 18; Teutschland ist vor diesen allen seinen nachbarn ein schrecken gewesen; jetzo sind durch seine uneinigkeit Frankreich und Spanien formidabel geworden, Holland und Schweden gewachsen. Leibnitz deutsche schriften 1, 198 Guhrauer; alles hat in der welt seinen gewissen zeitpunkt. ein staat wächst, bis er diesen erreicht hat; und so lange er wächset, wachsen auch künste und wissenschaften mit ihm. Lessing 3, 296; der gröszere boden von wissenschaft indesz, den der menschliche geist gewann, war ein beträchtliches erwerbnisz. die neuere poesie hat davon nutzen gezogen und wird davon nutzen ziehen, so lange wissenschaften wachsen, erfindungen sich mehren, so lange der menschliche geist fortschreitet. Herder 18, 64 (briefe z. beförd. d. human. VII) Suphan; was kümmerts Östreich, ob der lange krieg die heere aufreibt und die welt verwüstet, es will nur wachsen stets und land gewinnen. Schiller 12, 302 (Wallensl. tod 3, 16); kann es (das reich) selbst sich schützen gegen Östreichs wachsende gewalt? 14, 312 (Tell 2, 1). die bildung wächst, die kultur wächst, auch die zeit wächst: wenn wir uns bewahren den tapferen, treuen, vaterländischen geist der väter und diesen geist fortbilden mit der wachsenden zeit und ihren wachsenden forderungen. Treitschke deutsche kämpfe 7; wo jedes fürstenkind in einer atmosphäre geboren wird und aufwächst, deren stimmung ist: den wachsenden ideen der zeit so viel autokratisches vorrecht abdingen und abzwingen, wie noch möglich. Vischer krit. gänge 4, 55. ferner von abstracten begriffen, wie das schöne, das gute u. dgl.: wo das schöne, stets das neue, immer wächs't nach allen seiten. Göthe 5, 276 (divan); weil aber doch nicht alles durch kraft zu thun ist, so musz er (Mahomet) auch zur list seine zuflucht nehmen. das irdische wächst und breitet sich aus, das göttliche tritt zurück und wird getrübt. 26, 299 (a. m. leben 3). mit angabe des ergebnisses: unsre wissenschafft wächst durch unversäumtes lesen in ein gleichsam göttlich wesen. Logau 1, 6, 12. bei den winzern heiszt es: der wein wächst im fasz, d. h. er verfeinert sich im geschmack. II@2@ii) von den bestimmungen, die zu wachsen 'sich mehren' hinzutreten können, seien noch folgende hervorgehoben: II@2@i@aα) solche, die das masz der vermehrung angeben: der flusz ist um einen fusz gewachsen; das buch ist um zehn seiten gewachsen; kaum dürften ihm die verschiedenen ausgaben der lutherischen bibelübersetzung selbst so vollkommen bekannt gewesen seyn, als dem herrn hauptpastor; welcher so ausserordentliche entdeckungen darinn gemacht hat, dasz er auf ein haar nun angeben kann, um wie weit mit jeder ausgabe die orthodoxie des seligen mannes gewachsen. Lessing 10, 216 (Anti-Goeze). II@2@i@bβ) solche, die das gebiet, auf dem die vermehrung hervortritt, genauer bezeichnen: die menge wächst an zahl; die leidenschaft wächst an stärke; eine sache wächst an bedeutung; donner und regengusz wachsen an lärm. Heyse nov. 2, 48; ouch als di zît von anegenge hat gewachsin an der lenge, sus sîn gewachsin an mêrunge diss ordins vorbezeichenunge. Nic. v. Jeroschin 720 Strehlke; dem, der früh solch glück erfahren, wächst an glanz von jahr zu jahren der erinn'rung himmelsbild. Göthe 13, 242 (Carsbader ged.); alles war gut vorbereitet (bei der kaiserkrönung); sachte fingen die öffentlichen auftritte an und wurden immer bedeutender; die menschen wuchsen an zahl, die personen an würde, ihre umgebungen wie sie selbst an pracht. Göthe 24, 301 (a. m. leben 5). seltener in etwas wachsen: da sie (die leidenschaft der liebe) ihre eigenthümliche und herrliche belohnung hat, vornehmlich, wenn die liebe in der reinigkeit und erhabenheit wächset. Abbt vom verdienste (1768) 145. II@2@i@gγ) zu den verbindungen, in denen auf das ergebnis der vermehrung hingewiesen wird, gehört auch grosz wachsen: durch sehnsucht wächst die liebe grosz. Kl. Schmidt poet. briefe 106; ein jeder achte wohl darauf, welche träume er im heimlichsten winkel seiner seele hegt, denn wenn sie erst grosz gewachsen sind, werden sie leicht seine herren, strenge herren! Freytag 4, 9 (soll u. haben 1, 1); erst seit unsere städte grosz wuchsen, sind civilisirte staaten in der welt. 4, 383 (soll. u. h. 3, 1). gröszer wachsen: darumb sich etwas wyplicher uffruor in dem tempel erhuobe, die doch darnach grösser wachssen ward. Steinhöwel Bocc. 211, 8 Drescher. seltener sind verbindungen mit andren adjectiven, die einen räumlichen begriff ausdrücken: sichne sol kein junger edelman niht sêre lâzen an gemach, wil er erwerben wirdikeit. dem got sô hôher êren gan, der sol ie trahten al dar nâch, wie daʒ sîn êre wahse breit. minnesinger 3, 42a Hagen; hiernach ist ein groszer .. hasz entstanden .. und der grul so weit gewachsen, dasz .. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 313 Gäbel; die noth wuchs schon so hoch, als sie nie kommen war, mit kurtzem: unser land stund gleichsam auff der bar. Gryphius trauersp. (1663) 112 höher wächst der streitgrimm der Alemannen, gleich wüthenden stürmen sie vorwärts. Freytag 17, 78 (bilder 1, 1). II@33) wie wachsen von organischen dingen auch abgeschwächt die bedeutung 'sich entwickeln, gedeihen' annehmen oder auf das anfangsmoment der entwicklung bezogen werden kann als 'entstehen', so kommen diese bedeutungen auch sonst bei wachsen vor, sind aber lange nicht zu der verbreitung gelangt wie wachsen 'sich vermehren'. man hält sich dann meist im rahmen des bildlichen ausdrucks, besonders mit anknüpfung an das pflanzliche wachsen; derartige fälle sind oben schon mit eingereiht worden. in anderen hat man sich vom bildlichen ausdruck mehr losgelöst, so dasz solche gebrauchsweisen, obgleich sie sich mit denen unter 1) nahe berühren, eine besondere behandlung verlangen. II@3@aa) am üblichsten ist wachsen als 'zur entwicklung gelangen, entstehen', besonders von abstracten, wenn der ausgangspunkt angegeben ist; aus etwas wachsen kommt auch nhd. im höheren stile vor, während sonst erwachsen vorgezogen wird: dâ heime si dô lieʒenSîfrides kindelîn und sun den Kriemhilde:daʒ muos et alsô sîn. von ir hovereisewuohs (erstuont B) vil michel sêr: sîn vater und sîn muotergesach daʒ kindel nimmer mêr. Nibel. 723, 3 Lachmann; sol von rehter güete wahsen ander guot, sone geschicht mir niemer niht wan guotes. Schweizer minnesinger 46, 25 Bartsch; von sweme in der samenunge schande und ergerunge wechsit, deme were bezzer, daz er nie were geborn. altd. predigten 1, 351, 5 Schönbach; des dû niht trûwest gebezzern, dâ üebe dîn gedult an. swâ aber von dînem swîgen iht ungevelliges wahsen möhte, daz von dîner rede mac gebezzert werden, dâ sprich zuo, senfteclîchen, ernstlîche, âne strît. mystiker 1, 327, 30; der menschen poszhait wächst aus drifeltigen wurtz, nemlich aus gier des fleisch und der augen, auch aus hochfart. Berthold teutsche theologey cap. 51, 8; das ist die freud, trost und selickeit des newen testaments: ... hierausz wechst lieb und lust, lob und danck gegen Christo und dem vatter aller barmhertzickeyt. Luther 7, 345, 19 Weim. ausg.; aber goth rechents vor guth und wegst ausz dem wercke summus honor dei. 9, 384, 28; ein hohe weisheit über alle weisheit und kunst, aber nicht auff erden gemacht, noch aus unserm kopff gewachsen, sondern von himel offenbart. 6 (1557) 85b Jen. ausg.; es hat die hohe noth gefoddert, unterricht zu thun, von ob angezeigten irrthumen, welche aus misverstand der tradition gewachssen sind. conf. Aug. bei Luther 6, 372a; gottesdienst, der ausz der verderbten vnd verblendten vernunfft her gewachsen ist. Mathesius Sar. 46a; grosse leut haben je und je solcher verdeckter und vermumliger reden gern gebrauchet und biszweylen ... gantze fabeln oder schöne sententz, so drausz gewachsen, in iren reden gefüret. historie D. Luthers 142, 12 Lösche; dasz er (der herzog) .. seins ampts nicht wol wartete und das daraus die unsycherheit und rewberey wüchsse. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 384 Gäbel; wenn aber der glaube in der prob des kreutzes bestehet, und sich dem willen gottes ergibt, jetzo wächset die gedult aus dem glauben. J. Arndt vom wahren christenthumb (1619) vorrede; aus unglück wechst tugend. Schottel 119 (sprichw.); der neid aber gegen guten christen wachset daher, weil sie dieser boszhaftigkeit (ihrer diener) kein wissenschafft haben. Schupp 722; die erfahrung wächset nicht ledig aus der zeit, sondern auch aus veränderung derer orte. musz derowegen, ein solcher (geselle) auch eine zeit von der stadt wandern. Beier handw. lex. 458; freude wuchs aus traurigkeit, stärcke von gebrechlichkeit. Logau 1, 74, 96; läst uns der feind gleich sicher sitzen, so tobt der feind in unser brust. die gröste noth wächst uns aus eignen händen. Hoffmannswaldau verm. ged. 12; und die brust, so stündlich lechtzt, wird des kummers sieges-zeichen, der aus unsrer trennung wächst. Günther 263; der Eris antwort fieng sich stets von aber an, nein, war das schluszwort ihrer rede, aus ihrem munde wuchs der zwiespalt und die fehde, nichts war ihr möglich zu bejahn. Lichtwer fabeln 2, 24; man sagt sonst, der genusz verzehre der stärksten liebe glut; bei uns ist's umgekehrt, die unsre wird dadurch genährt und wächst, dem Phönix gleich, aus ihrer eignen asche. Wieland 10, 211 (Aurora); dann zieht er freudig ab mit einer langen nase und ein gediegnes glück wächst aus dem leichten spasze. Körner 3, 199 (d. grüne domino 4); musz schönheit mir nur winken um zu sterben? wächst mir aus kurzer lust die lange pein? Arndt ged. (1860) 71; und fallen wir: flieg, adler, flieg! aus unsrem blute wächst der sieg. Geibel 4, 244 (heroldsrufe); aus einem kriege gegen Frankreich kann für Deutschland immer nur verderben wachsen. Prutz kl. schriften 1, 61; auf dasz aus dem geiste des freimutes und der friedfertigkeit die kraft zu der heilsamen arbeit wachsen möge, die lebensformen unseres volkstums gedeihlich auszubilden. kronprinz Friedrich Wilhelm v. Preuszen bei Th. Flathe deutsche reden 2, 613. die neuere sprache braucht dies wachsen aus etwas namentlich für 'auf natürliche weise woraus hervorgehen, sich von selbst ergeben' im gegensatz gegen das künstlich gemachte: denn die aufgaben für jedes leben, die pflichten des tages wuchsen aus dem hofe und den beeten der landschaft. Freytag handschr. 1, 113. — über aus etwas wachsen 'woraus hervorkommen' (fürs auge) ist in einem andern zusammenhang (2, b) gehandelt. II@3@bb) in dieser bedeutung zeigt sich auch wachsen in verbindung mit einem dativ. die unter 1, a, β) und e, β) besprochenen verbindungen von wachsen mit einem persönlichen dativ bilden die grundlage dieses gebrauchs. II@3@b@aα) die anknüpfung an die organische entwicklung liegt sehr nahe, wenn von geistigen kräften, empfindungen und willensregungen die rede ist, die im menschlichen herzen sich entwickeln: daz sî der (königin) ænic müesen sîn, des wuochs in nôt in herzen. Reinfrid v. Braunschweig 1194; und sagend dise bed, daz durch sölich emsig lesung gter und zierlicher gedichten dem lesenden menschen, haimlich und verborgenlich, nach und nach wachse ain naigung, geschicklichkait und arte, daz der selb mensch ouch uf sölich form werd und msz arten zereden zeschriben und zedichten. Wyle translat. 9, 3 Keller; nach disen worten wuchs dem Konrad wieder hochmuth. Arnim kronenw. 1, 411; doch Durslis frau hatte vor dem Schnepf keinen respekt, sondern in dem masze, als dem Dursli der respekt vor ihm wuchs, wuchs ihr ein grenzenloser widerwille gegen ihn. Gotthelf 4, 225 volksausg.; welch unheil musz auch ich erfahren; wir wollen alle tage sparen und brauchen alle tage mehr. und täglich wächst mir neue pein. Göthe Faust 2. th. 4855; durchschweif' ich den laubhain moosigkühl, und schlaf ich an silbernen bächen, da wächst mir im busen ein stilles gefühl; vermöcht' ich es auszusprechen! Platen 6 (lied. u. rom.); ein könig gut ist besser als thau und regenfluth: der welt durch ihn wächst hoher muth. Rückert werke 6, 71. II@3@b@bβ) weiter abgeschwächt ist dies wachsen in der bedeutung 'zu theil werden, zufallen', die der älteren sprache eigen ist: der chunich zuo sînen râtgeben sprach: uns wahsit vil lîhte ungemach von den die wir niene erchennen: sie sint liute harte fromede. fundgruben 2, 86, 18 (exodus); die haiden ir zaichen pegunden dar ingegene ruofen. mit michelem scalle stâchen si zesamene. dâ wuochs der helle ir gewin, vil michel nôt wart dâ unter in. Konrad Rolandsl. 173, 24; er was ir liep, als was si im. swenne ich daʒ mære an mich nû nim, daʒ si sich müeʒen scheiden, dâ wehset schade in beiden. Wolfram Parz. 223, 10; wan von in (den turnierenden rittern) dâ stoup unde melm der heide muoste wahsen. K. v. Würzburg turnei 389; von liehter schilte glanze den ougen wuohs grôʒ überlast. trojan. krieg 402, 51 Keller; ez sol ouch nieman kainer slaht brief noch urloup gewinnen über dehainer laie sache, deu wider der stat reht und freihait ist; swer daz brichet, der gibt dreizik pfunt; und swaz schaden der stat da von wehset, dez wartet man hin zuo im und zuo seinem aigen und zuo seinem erbe. Nürnberger polizeiordnungen 20 Baader; darauss dann denselben personen ... an iren hendeln und gescheften vil versawmbnuss komen, wachsen und erstanden sein. 109; dunket mich doch, so wir bisher und furt mehr uns desselbigen (den laien deutsch zu predigen und zu schreiben) geflissen hätten und wollten, sollte der christenheit nicht eins kleinen vortheils mehrer besserung gewachsen seyn. Luther briefe 1, 436; führst du die beute weg? kriegst du jetzt zu geniessen, was Wagner jener zeit dem tode kaum entrissen, da sohn und mutter fiel durch die ergrimmte pest? .. der himmel hat für dich schon dazumahl gewacht. so wächst dem menschen offt ein glücke, weil er lieget und schläfft auff beydes ohr. Tscherning vortrab des sommers deutscher gedichte (1655) 38 (hochzeitgedicht). mir wächst mit einer weiteren bestimmung s. v. w. gereichen: ob man gleich wol dein mutter derohalben als ein vernünftigs gescheidts witzigs weibsbild lobet, so wechst doch disz lob dir zu verderblichem schaden. Schaidenreiszer Odyssee (1570) 17b. II@3@cc) auch auszerhalb dieser verbindungen kommt wachsen als 'sich entwickeln, entstehen' vor. II@3@c@aα) nicht seltenbesonders in der älteren sprachevon menschlichen empfindungen, willensregungen und dergleichen. der ausdruck ist in einigen der gegebenen belege noch ein halb bildlicher: dô sehet ir die verteilten scharn, als man si ze helle heiʒet varn: grôʒiu vorhte wähset sâ zestunt, dâ von diu guote riuwe kumt. warnung 3221, zeitschr. f. deutsches alt. 1, 526; des wart grôʒ weinen dâ getân von den frouwen allen vieren. si sprâchen: welt ir zieren iuwer sælde und iuwern prîs, sô strîtet niht decheinen wîs. læget ir dâ vor im tôt, alrêrst wüehse unser nôt. Wolfram Parz. 594, 26; diu minne und daʒ barmherzen wahsent beide in einem herzen, eine volgt der andern nâch. Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3375; darvon sprichet Pittagoras: es wachset gern das grüene gras pei dem wasser, als er seit, geleich also wachset uncheuschait pei pfeiffen, tanzen und singen. Vintler pluemen der tugend 6001 Zingerle; darvon wer niemant kommen, erschlagen wers zemals; herzog Moritz von Sachsen, in dem die erbermd ist gewachsen, hats volk erbeten alls. Liliencron hist. volksl. 4, 288, 21; zuo den zeiten do daz keiserlich reich von den Franzosen zuo den Teütschen getragen warde, umb des willen peydenthalben grosz czwitrachtung, kriege und feintschaft wuchse. decameron 126, 11 Keller; so han ich widerumb pedacht, wie die manne gächzornig sein .. und sorge hat (gehabt), pöse wort und antwort peydenthalben wachsen würden. 178, 4; sunder von czweyen erbern jungen in geleichem form gehuldet was, der junckfrawen also grosse liebe truogen, daz under in peyden grosse neyde wuchse (in tanto che per gelosia insieme si cominciarono ad avere in odio fuor di modo). 340, 3; umb des willen zwischen in solch bruoderschaft und freundschaft wuochsz (una fratellanza e una amicizia si grande ne nacque tra loro), daz di nyemand dann allein der tod mocht scheyden. 626, 34; er (Tiberius) wolt vor allen dingen bestreiten und bezwingen den konig von Thuringen, wann wo der sich mit macht gefüegt hett zu den, die nach der Thonaw herauf raisten, wer mer mühe gewachsen. Meisterlins Nürnberger chronik, städtechr. 3, 41, 22; zuo zyten wechszt zweyung, wie eyn wort nach wesenlicheit eins dings, das durch dasselb wort bedüt wirt, uszgelegt und beschryben werden soll. Riederer spiegel der rhetoric 14d; als denn wird dein liecht erfur brechen wie die morgenröte, und deine besserunge wird schnell wachsen (vulg. sanitas tua citius orietur), und deine gerechtigkeit wird fur dir her gehen. Jes. 58, 8; min antwurt ... mit dero ich hoff, wo etwas ungunsts wider mich by üch gewachsen wär, schon nidergelegt sye. Zwingli 2, 3; deszwegen war bey inen kein krieg noch uneinigkeit verspürt: nachdem man aber angefangen das metall desz silbers und goldts auszzugraben, hat die begierd und der geitz der menschen angefangen zu wachsen. Albertinus der kriegszleut weckuhr (1601) 1, 2b; darzu grosser neid und hass gewachsen ist, dasz jetziger zeit fast jederman unser spottet und lacht. Ayrer proc. 1, 10; der neid wechst nicht allein, wie man spricht, in klöstern, sondern wird zu hoff und fast allenthalben aufferzogen. J. Sommer ethographia mundi 1 G 4a; das glück aber schmeichelte mir dergestalt ... dasz ich allen andern (im turnier) obsiegte .. hiedurch wuchse nun in mir die begierde nicht länger zu hause zu bleiben. Talander Olorena (1694) 32; durch diese wunderliche geschicht, ist damahlen .. ein absonderliche andacht gewachsen zu den armen verstorbenen christgläubigen in gans Engelland. Abr. a S. Clara reimb dich (1702) 144 (mercks Wienn); erlaubte sie sich immer mehr dem vergnügen .. an der gestalt der vorbeigehenden jünglinge nachzuhängen; und ohne dasz sie es merkte, wuchs nach und nach ein unruhiges verlangen in ihrem busen, dem sie nur zu spät zu widerstreben gedachte. Göthe 15, 158; hier ziehrt der herr das hausz, dasz hausz, so ferren liegt von falschheit, von dem neide, der in pallästen wächst. Opitz 1, 60; ach, schönes kind! die enge zelle ist deiner hoffnung weites grab: hier wächst und ist die quaal der hölle. Günther 272; wächst denn beim mann die tugend so geschwind ohn' alle pfleg' und wartung? ha! schimäre! Goekingk 2, 206; als mein leben angegangen, war noch freude zu erlangen; doch mit jedem augenblicke wuchsen tausend miszgeschicke. Rückert werke 6, 170; wärmer, als mit lenzes sonnen, drängst du mir dich an die brust; ist des waldes lust zerronnen, wächst im herzen neue lust. K. Förster ged. 1, 148 Tieck. II@3@c@bβ) auch von einem erstehenden werk wird wachsen gebraucht: Volvinus ist gelehrt, und gibt materi her, sein weib, die concipirt, so wächset ohngefehr ein richtiger context, der wann er ist für voll, kan sagen alsdann selbst, wie man ihn nennen soll. Logau 1, 98, 4; ein töpffer, wenn er thon auf Samos äckern siehet ... so drehet er hernach die niemals stille scheibe, bisz dasz ein grosser krug wächst unter seiner hand. Mühlpforth ged. 32; sie (die webkunst) treibt den schützen schnell durch die getheilten faden, und schläget seid und gold in das gewebe ein. ein köstlicher damast wächst unter ihren händen. Pyra u. Lange 105 neudr.; und im kummer unverdrossen wachsen lieder in der brust. Platen 25. II@3@c@gγ) auch sonst kommt gelegentlich wachsen in der bedeutung von 'sich entwickeln, entstehen' vor. reiche wachsen: zerbrach das ... mechtige reich und wuchsen an des statt vier andere königreich. Mathesius Sar. 85b. künste, wissenschaften wachsen: in Hellas wuchs die kunst, vom sinn des volks gefordert, die wachsen soll bei uns, vom herrscherwort beordert. Rückert werke 8, 271 (weish. des brahm. 5, 554). parteien, anschauungen wachsen u. dgl. Schiller sagt in volksthümlicher sprache das glück wächst 'gedeiht': wir muszten uns drücken von ort zu ort, der alte respect war eben fort. — da nahm ich handgeld von den Sachsen, meynte, da müszte mein glück recht wachsen. 12, 26 (Wallenst. lager 6). II@3@c@dδ) häufiger erscheint die bedeutung 'sich entwickeln' in allgemeiner beziehung in zusammensetzungen wie in etwas hineinwachsen, zu etwas emporwachsen, mit etwas zusammenwachsen u. dgl. auch grosz wachsen kann hierher gehören, wenn das hauptgewicht auf der entwicklung selbst, nicht auf ihrem endresultat ruht (vgl. dagegen 2, i, γ): einen einzigen wunsch behielt ich noch zurücke. zugleich mit dir wuchs er grosz in meinem herzen, mit jedem neuen reize ... sprach er lauter in meinem herzen. Schiller 6, 304 (menschenfeind); er gestand dem geliebtesten lehrer den groszgewachsenen vorsatz, sobald der unheilige krieg gegen die gallische freiheit ... in flammen schlage, an die seite der freiheit zu treten. Jean Paul Titan 4, 95; trotz der geographisch heute noch so ungünstigen abgränzung des preuszischen landes wuchs dazu auch ein preuszischer gemeingeist im volke grosz. Riehl land u. leute8 153. II@44) die verbindungen, in denen zu wachsen eine bestimmung hinzutritt, die das ziel angibt, sind, soweit sich die bedeutung der organischen entwicklung oder des gröszerwerdens geltend macht, unter 1) und 2) besprochen worden. es liegen aber auch fälle vor, wo die grundbedeutung von wachsen so verflüchtigt ist, dasz die bedeutung keine andere ist als 'wohin gelangen'. diese bedeutung hat im späteren mittelhochdeutschen und älteren neuhochdeutschen in der sphäre des kampf- und rechtslebens umfang gewonnen, hat sich aber in der eigentlichen litteratursprache nicht dauernd festgesetzt. ihr bereich ist vor allem die kanzleisprache, doch dürften die hier entwickelten wendungen eine grundlage in der volksthümlichen rede haben. die volkssprache bezeichnet herankommen durch anwachsen, herbeischaffen, herbeibringen lassen durch anwachsen lassen (z. b. bier anwachsen lassen in Leipzig). beides auch in der studentensprache vgl. Kluge 80. die erste wendung bei Immermann: Breitenspach. wo bleibt van Swieten denn? Löffler. da wächst er an. Cardenio u. Cel. 3, 3. in Baiern ruft man dem, der eine last fortschieben soll, zu: lasz nacher wachsen! Schmeller2 838. auch seinen samen wachsen lassen polluere (ebenda aus älterer quelle) wird hierher gehören. namentlich die körperliche annäherung wird so bezeichnet: er wächst mir zu nahe an den leib heiszt es von einem, der mich belästigt. in obd. volkssprache wird 'mit jemand in streit geraten' (thätlich oder nur wörtlich) durch aneinander wachsen oder zusammen wachsen gegeben, wobei sich die sinnliche grundlage dieser redensarten deutlich zeigt: wer hand an einen andern legt, verwächst mit ihm gleichsam zu einem körper: 'der kerl schwärzt und ist vielleicht der rädelsführer' ... der zöllner sagte nach einer pause: 'es wär' mir recht unlieb, wenn wir auf einem verbotenen steig zusammenwüchsen'. Ad. Pichler allerlei gesch. aus Tirol (1867) 119; wird auf demselben (dem schweinemarkt) mehr geredet, als auf einem andern markte (wenn ein weib und ein säuhändler recht aneinander wachsen, so hätte ein jude oder ein welsch noch viel dabei zu lernen). Gotthelf 8, 127 volksausg. (Anne Bäbi). dies an oder in einander wachsen und ähnliche wendungen kommen im älteren nhd. auch litterarisch nicht selten vor. sie haben dann zahlreiche nachbildungen hervorgerufen, zuerst in der sphäre des kampfes, dann auch in der rechtssphäre, wie auch sonst kampfausdrücke in die rechtssprache eingang finden. manche dieser z. th. recht weit zurückreichenden wendungen z. b. das gut wächst auf seinen erben mag indes auch einen andern ursprung haben. die vorkommenden verbindungen sind an, in, auf, zu, selten unter jemand oder etwas wachsen. ihre verbreitung ist eine sehr ungleiche. auch im 16. jahrhundert kommen sie bei vielen z. b. bei Luther (trotz des vereinzelten belegs aus den tischreden) gar nicht vor; andre (z. b. Hans Sachs, Waldis) kennen sie nur als rechtsausdrücke. auch in der rechtslitteratur sind sie keineswegs überall zu finden. im ganzen haftete den wendungen der character von kanzleiischen ausdrücken an und in der kanzleisprache haben sie sich auch am längsten erhalten. sie sind hier bis gegen mitte des 17. jahrhunderts (in resten vielleicht noch länger) zu verfolgen, wobei später für wachsen meist erwachsen gesetzt wird. in den wörterbüchern ist seit Maaler nirgends auf sie rücksicht genommen. II@4@aa) in den am weitesten zurückreichenden belegen bezeichnet wachsen noch ganz ein örtliches 'wohin gelangen': Duringe unde Sassen waren dar gewassen, daʒ si ir frunt gesahen alda von lande gahen. Elisabeth 4300 Rieger; er was iezu gewassen uʒ aller dirre herschaft mit gewalteclicher craft dugentlicher sinne in unsers herren minne durch got inʒ enlende. 4534. ebenso: doch bin ich versichert dabey, dasz es (das wasser im fürstensaale) ein gaucklerey. secht, wie dunckt eim, die fisch im wasser wachssen zu uns je lenger je basser! Ayrer 1464 Keller. dann von dingen, die an einen gelangen: ist das war nach alder sagung und noch urchunde der sijten (l. ziten?), dij an uns gewachsen seint. aus einem briefe des 14. jahrh. (zeitschr. f. d. alterth. 6, 28); sollichs wir euch zu wissen tun uf das, ob die ding anders an euch wachssen wurde (l. wurden), das ir uns darauf wiszt zu verantwurten. schreiben des Nürnberger raths, städtechr. 2, 221 anm.; nun ist die sach (die Türkengefahr) jetzt an uns gewachsen, die wir lange zeit im rosengarten gesessen seindt. Fronsperger kriegsb. 3, 175b; auf euch (fürsten) die sach erwachsen ist ... lants nit an gemeinen haufen wassen! auf dasz von inen nit werd vergoszen etwan unschuldig christen bluot. Schade satiren 1, 12, 192. wachsen bedeutet dann 'auf einen punkt, in eine lage, zu einer handlung u. dgl. gelangen'; die betr. wendungen stehen vielleicht bereits unter dem einflusz der in der rechtssphäre (c) entwickelten: deszhalb die sach nuonmer dohin gewachsen, dasz, wo der kron zu Hungern nit stattlich hilff zu widerstandt dem Türcken beschicht, dasz er das gantz königreich Hungern ... under seinen gewalt bringen möcht. des heyl. römischen reichs ordenungen (Worms 1536) 158b; so were zu besorgen, das heillig reich mocht dardurch in zertrennung wachsen. Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 774; von dannen her das reych in ettwas abnemen gewachsen ist. 2, 789; darausz dem heyligen römischen reich biszher vil und mercklichs entzogen, auch sunst inn abnemung, zerreutung und verwüstung der masz gewachsen, dasz ... es inn kurtzer frist gar zertrennet und verruckt werden möcht. des heyl. römischen reichs ordenungen (Worms 1536) 95a; hat köstlicheyt der kleydung under der ritterschafft, adel, burger und bawerszmann dermasz und also überhandt genommen, dasz dardurch nit alleyn sonder person, sondern auch gemeyne landtschafft inn abnemen kommen und ringerung irer narung gewachsen seind. 184a; und darumb sey sein keys. may. mitsampt bemelten baiden konigen von Franckenreich und Arrogon in ein verstentnus mit der bebstlichen heiligkeit gewachsen und komen und deszhalb zusagung gethan. Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 752; das wir mit inen (den aufrührischen) in der versamelten pawrschaft zu Franken, als sie zu Haidingsfeld gelegen, zu verpyndung gewachsen sein. Baumann quellen z. gesch. des bauernkriegs a. Rotenburg 462; das zu abnemen unser stett ... und des gemeinen nutz daselbst wachssen wolt. oberrhein. stadtrechte 1, 201 (1528). II@4@bb) der sphäre des kampflebens fällt es zu, wenn wachsen ein herankommen in feindlicher absicht bezeichnet (in den zuerst angeführten belegen könnte wol auch von 'sich vermehren, sich ausbreiten' ausgegangen werden): nachdem aber des Türcken gewalt sich etlich vergangnen jare hoch gemert, und weyt in die cristen lande gewachsen. quelle von 1497 bei Haltaus 2015; und (der legat) zaigt an ettliche anstoszende ort in Kärnden und Crain, die der vynd Cristi (der Türke) belaittiget, leyb und guot weggefuort het und ob man also zuosechen und mit zeytlichem widerstand davor nit sein wöllte, das es in Bayern, Swauben und untz an den Rein wachsen möcht. Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 324. (könig Ludwig XI. von Frankreich) understeet die löblichen furstenthumb und land, so weilent hertzog Karl von Burgundi innegehapt hat, von dem heiligen reiche zudringen und im undertenig und gehorsam zumachen, dar aus er danne, wo im sollichs gestatt werden solt, ferrer in dewtsche land wachsen und den abpruch und verletzung zutuon understeen wurde. 2, 381; so nu die vorgemelten kunig von Franckreich und Hungern mit irer macht in unser beyder land so ferr gewachsen sein, das wir den on hilff des heiligen reichs nit widersteen mugen. 2, 516; hetten wir nu unsern zug und krieg in Ober-Burgundi nicht volstreckht, so were on mittel des künigs von Franckreich macht allein auf den genannten unsern lieben sun und unser Niderlanndt gewachssen. 2, 569. hierher gehört auch, von begriffen wie argwohn, neid, streitsucht gesagt: wiewol er sich aller mackel suber und unschuldig weiszt, erschrickt er dannocht darab, besorgend verlumbdung und argwon uff in zewachsen. Riederer spiegel der rhetoric 19b; sider aber euwer neid also in die gaistlichen gewachsen ist. Schade satiren 2, 151, 30; das ein par böses ehvolk schaft unru der ganzen nachbarschaft, von nachbarn wachszt es inn die freundschaft, die henget an sich ein ganz gemeinschaft, von dannen thuts inn die gmein kommen. Fischart ehez. 144, 21 Hauffen. an einen wachsen, ihn mit worten oder thätlich angreifen: darumb Lucrecia laid truog, ein söliche verlümdete frouwen zuo ir gesant sin und wuochs mit worten an sy und sprach: sag an du lasterliche, was gedürstikait haut dich gefüret in dises huse? Wyle translat. 34, 11 Keller; der glaub dises künigs mit allem seinem reich, ist des Machomets ... ich wuochse an ire pfaffen des glaubens halb, in gegenwertigkeit des künigs, also das ich sy zuo zorn bewegt. S. Franck weltbuch (1542) 216a; er ist an mich gewachsen, furiose me impetiit. Pez bei Schmeller2 2, 838; der (courier) bringt avisen bös, wie Schwed, Brandenburg, Sachsen sei an den Tilly gewachsen, ihm geben häszlich stösz. Opel u. Cohn 30jähr. krieg 293, 28. an einander wachsen: sich begab, das ein Schweizer jenes und ein lanzknecht dises tails, als es oft auf und in scharmützeln geschicht, zu worten kamen, mit hohen reden an einander wuchsen, das sie sich kempflich zu fechten versprachen. Wilwolt v. Schaumburg 123 Keller; im jar 1509 wuochszen die zween orden der prediger und barfuosser hefftig aneinander der entpfengknus Marie halb. Franck chron. (1531) 219b; der wein macht schier alle mord in Teutschland, selten das man nüchtern an einander wechszt, nur wann man vol ist, gilt es werffens, schlahens, beyssens. laster der trunkenheit G 4a; das sage ich darumb, dasz wir (Luther und die juristen) aneinander gewachsen sind, ich wil ihnen auch, ob gott will, manns genug seyn, sie sollen anlauffen. Luther tischr. 399a; in disem jar wuchsen abermal an einander der Luther und die Schweitzer über der lehr vom nachtmal, damit ja das evangelinm allenthalben anfechtung hette. G. Nigrinus papist. inquisition 658; er sang, wie sich uneinigkeit zwischen Ulysse und Achille zugetragen, wie sie offt mit herben spitzigen worten über tisch aneinander gewachsen. Schaidenreiszer Odyssee (1570) 90b; wo aber einer mit dem andern zu unfriden, und mit der that an einander wachsen würden. Fronsperger kriegsb. 3, 17a; offt seind die gewaffneten zwischen den schwerden sicher gewesen, herwiderumb in frides zeiten etwann burger zu hauff in das schwerdt gefallen und an einander so gerathen und gewachsen, dasz sie von hertzen ein öffentlichen kriege gewünschet haben. Petrarche trostbücher 93a; etliche officier sind mit bloszen degen an einander gewachsen. handschrift bei Schmeller2 2, 838. ebenso in einander wachsen: aber sust gegen andern scharpffen worten ... so haben sy auch scharpff verantwurtung getan und nichtz nachgeben ... dardurch sy also in einander gewachsen sein. Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 301; also was kaum grosser unrat zwischen bischoffs und stat gewest, und wugssen hart inainander diser handlung und auch der capellen halb. Widmanns chronik v. Regensburg, städtechr. 15, 42, 18; iezo sein si (die Türken und Saracenen) auch aneinander geratten und ineinander gewachsen. Aventin bair. chr. 1, 684, 5 Lexer; wie Dieterich von Bern und künig Ludwig der erst aus Frankreich, sein schweher, ineinander wuechsen. 2, 8, 23; ich find nämlich drei ursach, von welcher wegen der vater und sun also uneins und ineinander gewachsen sein. 2, 574, 32; wie offt umb jagens willen ... freunde und brüder sind uneins worden, in einander gewachssen, und in krieg und unruge gerathen. C. Spangenberg jagteufel (1560) Y 2a; bei welches zeiten die Sachsen und Thüringer der grentze halber in einander wuchsen. Jovius chron. Schwarzburg. 12 bei Haltaus 2015; mit ungestümmen worten in ainander gewachsen. chronik von 1634 bei Birlinger 423. ähnliche wendungen: ist aber wol zue besorgen, man werde noch arbat und mit dem krüeg zue schaffen gnuog bekomen, wan kein krüeg mehr verhanden sein würd; alsdan werden erst die nachparn und underthonen ainanderen in dasz haar wachszen und hinder ainanderen komen. Bürsteb schwed. krieg 189 v. Weech; da her Mertin sein antwort darzu geben, nam sich Wilwold genantes seins vettern ... an und wuchsen er (und) her Mertin also zusammen, das in her Mertin lügstraft. Wilwolt v. Schaumburg 49 Keller. in krieg wachsen: also liesz der pfaltzgrave daz also im rechten hangen und gab den sachen kein ent, darinnen er geferds verdacht ward, und daz nit unbillichen was; wann het er gewölt, er het wol basz darzu getan. und liesz daz also in krieg wachsen. städtechron. 2, 124, 5; es annt mich eben, als solt ich von einem krieg in andern wachsen, bin erst gestern mit denen von Nürnberg gericht worden, so kommt mir nun das auch. Götz v. Berlichingen 66 neudr. II@4@cc) eine ausgedehnte verwendung hat das wort im rechtsleben gefunden. eine sache wächst an jemand, sie tritt an ihn heran zur richterlichen entscheidung: er laszt den gantzen handel an ein eersamen radt wachsen, integram causam ad senatum remittit. Maaler 479b; einem was dis genomen, dem andern das geschehen, wöliche klag alle an den öbristen haubtman herrn Wilwolten von Schaumburg wuchsen. Wilwolt von Schaumburg 184 Keller; nach dem täglich der partheien hendel und sachen ausz dem reich an unsern keyserlichen hoff wachsen, die man zu zeiten mit freundschafften und guotem will in der erst wol ableynen und richten und sie des chammergerichts ... vertragen möcht. des heyl. römischen reichs ordenungen (Worms 1536) 82b; dadurch die appelacion an e. f. gn. als richter ad quem gewachszen und devolvirt ist. Diefenbach-Wülcker 891 aus Weimarer archiv (Speier 1523); wann die urtail (bei der appellation) an das kammergericht wuchsen. bair. landtagshandlungen bei Schmeller2 2, 838; ob aber ... ausz den actis befunden wurde, dasz die appellation nicht formlich geschehen, angebracht, oder ausz was ursachen, an das hoffgericht nicht erwachsen. desz hertzogthumbs Württemberg hoffgerichts-ordnung (1654) 68. ein nachklang des ausdrucks noch bei Gotthelf: bitte man aber seinesgleichen (zu gevatter), so thäten diese es darum lieber, weil sie das gegenrecht ansprechen könnten, und um so leichter mit der gleichen bitte an einen wachsen dürften. 6, 110. ins recht wachsen und ähnliche wendungen: sind deshalb in recht gewachsen gegen die frauen. urkunde v. 1529 bei Haltaus 2015; von im weist sie der pfleger eben hin ein die stat füer das gericht. welcher noch gwan, das wais ich nicht; wan sie wuechsen ins recht so ser, verechten paide dreymal mer, den wert war ir paider haubtsum. Hans Sachs fabeln 2, 307, 143 Götze; das unsere underthonen ie zu zeiten sich gegen und wider einander vil umbtribs und mutwillens gebrauchen, und derhalben zu überflüssigen rechten wachsen. Würtemb. landr. von 1554 fol. 14 bei Haltaus 2015; wann jeh zu zeitten inn spännigen händeln und sachen, so allbereit in rechtfertigung schweben, oder sonst zanck und zwietracht auff sich tragen, daher zubesorgen, dasz sie mögen ins recht erwachsen, durch gütliche verträge und rachtungen, die irrungen gütlich hingelegt und vergliechen werden. der graveschaft Solms ... gericht- und landt-ordnung (1612) 2, 89; derhalben wir gegen ime in irrung gewachsen. Diefenbach-Wülcker 891 aus Frankf. archiv (Würzburg 1533); dergleichen ouch gemelts Hainrichs witbe vor dem koniglichen lantgericht umb die guter ... in rechtfertigung gewachsen. ebenda aus Weimarer archiv (1553); die parteyen sind in langwirige rechtfertigung und unkosten gegen einander erwachsen. landrecht von 1553 bei Schmeller2 2, 838; da dann der handel in einen verzug gewachsen. ebenda; ich ... thue kundt mit diesem brieffe, nach dem vor den etc. vogt, burgermeister und gericht der stadt N. ich gegen und wider N. wegen eines morgen weingarts in rechtfertigung erwachsen, und aber die endurthel, so in solcher rechtfertigung eröffnet. desz hertzogthumbs Würtemberg hoffgerichtsordnung (1654) 21. von allerlei rechtlichen verhältnissen und verbindlichkeiten: in schulden wachsen. Schmeller2 2, 838; wie doch ihr mahn uhm das seine alszo komen und in schulth gewachsen sey. urkunde von 1556 bei Haltaus 2015; nachdeme wir in schulde, welche zum theil von unsern herrn vater ... auf uns geerbt, und zu zahlen gebühren, gewachssen. urkunde von 1560 ebenda; nachdem etlich stet im reich, vast arm, in grosser anfechtigung beswärt sind, und zubesorgen, das sy ausz der zal der gemainsami der stet und (l. under) ander wesen und gewaltsami wachsen möchten. quelle von 1495 ebenda. einkünfte, besitz, verpflichtungen wachsen auf, an jemand: wir .. bekennen .., daz für uns kome .. der abt von Wiltzburg, von sinen und sins klosters wegen, und legt uns für umb solich ungewonlich gelt, daz uf in und sin kloster gewahsen wer, und davon beswert wurde, und mit namen, daz si einem amptman ze Weizzenburg iericlichen geben und reichen muosten zehen pfunt haller für ungewonliche gastunge. monumenta Zollerana 3, 307 (urkunde der burggrafen v. Nürnberg 1356); die weingarten sindt durch absterben ... seines vatters uff inne erstorben und gewachsen. Diefenbach-Wülcker 891 aus Frankf. archiv (Frankf. 1542); es fallen mir noch ummer die gedancken vor, als mochte die alde frone, so vor meiner hauszhalten uff die leute gewachsen, unrecht sein. H. v. Einsiedel bei Kapp nachlese einiger zur erläuterung der reform. gesch. wichtigen urkunden 1, 356 (von 1549); derhalb ist unser gütlichs gesinnen, uns berührter geistl. einkommen, erbzinse und gefalle zu unsern handen kommen, da mit die nicht an fremde herrschaft oder geschlechte wachsen mochten, günstlichen geruhen und verordnen. urkunde von 1534 bei Haltaus 2015; Jacob dient Laban zwentzig jar mit trew und frummen hertzen zwar, das er seinthalben wardt gar eich; doch theilet er mit im ungleich. sein lohn im zehen mal verwandelt und gar unfreundtlich mit im handelt. jedoch schickt gott die sach des fugs, das Labans gut an Jacob wuchsz. Waldis Esopus 3, 93, 224 Kurz. II@55) der inf. wachsen erscheint oft substantiviert in den bedeutungen des verbums, wofür oben beispiele gegeben sind: das wachsen und znemmen, auctus, incrementum. bisz zum end desz wachsens kommen, das ist auffhören wachsen, alescendi cacumen tangere. Maaler 479c; der wachsthum, die wachsung, das wachsen. Ludwig 2361; wenn man den wachsthum, oder das wachsen, der pflantzen betrachtet. ebenda. von den andren bezeichnungen des abstracten begriffs hat wachsung nie eine gröszere verbreitung gewonnen, wachsthum geht vorzugsweise auf die organische entwicklung und hat auch concrete bedeutungen angenommen, noch beschränkter ist wuchs; dagegen kann das subst. wachsen den begriff in seiner allgemeinheit bezeichnen: nun will ich hören die weise nur, die du in chören mir singst, natur ... das lied vom wachsen und vom vergehn, nach dem die achsen der welt sich drehn. Geibel 4, 20 (spätherbstbl.). es kann dann sowol auf das pflanzliche, als das animalische wachsen beschränkt werden. er ist, steht im wachsen, in den jahren des körperlichen wachsthums: man hat mir ain junges eeweip geben, die ist erst recht in irem wachsen; so furcht ich, ich were zu ungelachsen und tät schaden an dem jungen weib. fastnachtsp. 321, 14. nd. ist dat wassen die peinliche empfindung, die junge leute bisweilen in den gliedern fühlen, wenn sie im wachsen sind. brem. wb. 5, 203. ferner ist das subst. wachsen sehr gewöhnlich in der bedeutung von 'zunahme': es ist etwas im wachsen, es steigert sich; ein gewitter ist nah, und im wachsen der sturm, und es häuft sich gewölk an gewölke. Platen 263 (verh. gabel 3). auch zeigt sich ein von der organischen entwicklung ausgehender übertragener gebrauch des wortes: da zeigte Eichhorn, wie der rechtsbildende gemeingeist der deutschen nation ... doch immer lebendig geblieben, wie allein aus dieser bleibenden naturkraft das werden und wachsen des deutschen rechtes zu erklären sei. Treitschke d. gesch.3 1, 313.
202552 Zeichen · 3160 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wachsenst. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    wachsen , st. V. Vw.: s. ge-, wahsen (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wachsen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Wachsen , verb. irregul. neutr. Präs. ich wachse, du wächsest, er wächset; Imperf. ich wuchs, Particip. gewachsen. Es be…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wachsen

    Goethe-Wörterbuch

    wachsen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wachsen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Wachsen , s. Wachstum .

  5. modern
    Dialekt
    wachsenintr. v.

    Lothringisches Wb.

    wachse n [waksə Fo. Sgd. Lix. u. s.; wàgsə Ri. Ha. ; wàsən Bo. Av. Falk. ; wuèsən, wuosən D. Si. — Flexion: waksə, wakšt…

  6. Sprichwörter
    Wachsen

    Wander (Sprichwörter)

    Wachsen 1. Das eine wächst, das andere fällt. Schwed. : Det ena wäxer til, det andra faller af. ( Grubb, 27. ) 2. Es Wac…

  7. Spezial
    wachsen1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    wach|sen 1 (wächst, wuchs, gewachsen) vb.intr. 1 (gedeihen) crësce (crësc, chersciü) 2 (größer werden) crësce (crësc, ch…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wachsen

47 Bildungen · 7 Erstglied · 32 Zweitglied · 8 Ableitungen

Zerlegung von wachsen 2 Komponenten

wach+sen

wachsen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wachsen‑ als Erstglied (7 von 7)

wachsen I

SHW

wachsen I Band 6, Spalte 175-176

wachsen II

SHW

wachsen II Band 6, Spalte 177-178

wachsen II

ElsWB

wachse n II [wàksə fast allg.; wâsə u. wàksə Hf. ; wôsə Geisp. K. Ingenh. Geud. Weyersh. ; wâsə M. Sulzern Hirschland ; Ind. Pr. ohne Uml. w…

wachsen III

RhWB

wachsen III das Wort ist allg. u. entwickelt sich lautl. wie Wachs, also Rhfrk wagsə, er wagst [doch -ę- Wend-Baumholder , Kreuzn-Kirn , Sim…

wachsenlich

DWB

wachs·enlich

wachsenlich , adj. : vegetabilis, wachsenlich wachselich wasselich. Diefenbach gl. 608 c .

wachsen als Zweitglied (30 von 32)

anerwachsen

DRW

aner·wachsen

anerwachsen anwachsen, zufallen 1565 ArchRefG. 8 (1910/11) 311 1580 HessChr. 9 (1920) 88 1708 Chorinsky,Mat.

anwachsen

DWB

anwachsen , adolere, adolescere, inolescere, crescere, nnl. aanwassen, sowol an etwas festwachsen, als aufwachsen, fortwachsen, ahd. anawahs…

aufwachsen

DWB

auf·wachsen

aufwachsen , adolescere, excrescere, nnl. opwassen. steht zu erwachsen wie aufwachen zu erwachen, vgl. auferwachsen . 1 1) sinnlich, und got…

auswachsen

DWB

aus·wachsen

auswachsen , excrescere, nnl. uitwassen, in verschiedner meinung, 1 1) zur rechten grösze erwachsen: der mensch, das thier, der baum ist aus…

bewachsen

DWB

bewach·sen

bewachsen , nnl. bewassen. 1 1) intransitiv, obduci, vestiri: mit gras, mos, dornen, blumen bewachsen: der baum bewächst mit mos. Waldis Es.…

durchwachsen

DWB

durch·wachsen

durchwachsen , wachsend durch etwas dringen, in etwas sich eindrängen, einmischen, mhd durchwahsen, niederd. und niederl. doorwassen Schamba…

einwachsen

DWB

ein·wachsen

einwachsen , inolescere, increscere, nnl. inwassen, schw. inväxa, dän. indvoxe: der nagel ist ins fleisch eingewachsen; du bist mir ins herz…

entwachsen

DWB

ent·wachsen

entwachsen , excedere crescendo, über etwas hinauswachsen, ihm entgehen, ihm zu grosz oder auch zu klein werden, decrescere. Diefenbach 168 …

erwachsen

DWB

erwachsen , crescere, adolescere, aufwachsen, ahd. irwahsan, alts. âwahsan, mhd. erwahsen. 1 1) von menschen und thieren: ir sît erwahsen dâ…

fortwachsen

DWB

fort·wachsen

fortwachsen , porro crescere, augeri, it. andar crescendo: flackernd steigt die feuerseule, durch der strasze lange zeile wächst es fort mit…

gewachsen

DWB

gewach·sen

gewachsen , verb. , verstärktes wachsen. die Hrabanisch Keronischen glossen führen neben crescit wahsit ( Steinmeyer-Sievers 1, 88 ) für con…

großgewachsen

GWB

gross·gewachsen

großgewachsen herangewachsen, groß geworden wir [ sind ] in Drackendorf gewesen .. das Zigesarische Blut zu beschauen. Die großgewachsnen Mä…

halberwachsen

GWB

halber·wachsen

halberwachsen halbwüchsig, im jugendl Alter befindl einen h-en Sohn 24,133,15 Wj I 8 Syn halbwüchsig Christiane Schulz Ch.S.

Hinwachsen

Wander

hin·wachsen

Hinwachsen He let et hinwassen as de Borke am Bôm. – Lübben. Er kümmert sich um nichts.

inwachsen

KöblerMhd

inwachsen , st. V. Vw.: s. īnwahsen*

nachwachsen

DWB

nach·wachsen

nachwachsen , verb. crescendo succedere Stieler 2404 ; ein zweites, drittes nachwachsendes geschlecht. Göthe 6, 3 ; die immer nachwachsende …

selbsgewachsen

DRW

selbs·gewachsen

selbsgewachsen, adj. eigenmächtig, selbsternannt bdv.: selbwachsen (III) marktschreyer, quacksalber, selbsgewachsene ärzte 1620 Schmeller² I…

selbwachsen

DRW

selb·wachsen

selbwachsen, adj. I von alleine entstanden; wild gewachsen iU. zu angepflanzt vgl. Selbwald mâgschaft ist ein selbwachsen êre: sô muoz man f…

sëlbsterwachsen

Idiotikon

sëlbsterwachsen Band 15, Spalte 307 sëlbsterwachsen 15,307

überwachsen

DWB

ueber·wachsen

überwachsen , v. I I. in untrennb. verbindung. mhd. überwahsen; ahd. ubarwahsan ( Graff 1, 686 ff.). I@A A. über etwas hinauswachsen, bzw. i…

umwachsen

DWB

umwachsen , vb. 1) trennbar, herum-, umherwachsen; umbwachsen, rings umbher wachsen crescere attorno Hulsius-Ravellus (1616) 367 a : geruch …

unerwachsen

DWB

unerwachsen , part.-adj. : die jungen unerwachsnen und unzeitigen wäld (1529) Lori bergrecht 189 ; kindlein Lutz bericht (1530) B 2 b ; das …

unterwachsen

DWB

unter·wachsen

unterwachsen , untrennbares v. , nur noch im part. praet. üblich; mhd. underwahsen; mnd. underwassen; mnl. onderwassen. 1 1) mit 1 unter III…

verwachsen

DWB

ver·wachsen

verwachsen , v. , mhd. wb. 3, 463; Lexer 3, 292 ; mnd. vorwassen Schiller-Lübben 5, 498 ; in den älteren nhd. wb. sehr häufig, z. b. Frisius…

z(e)samengewachsen

Idiotikon

z(e)samengewachsen Band 15, Spalte 310 z(e)samengewachsen 15,310

zusammenwachsen

DWB

zusammen·wachsen

-wachsen , v. : dann also wachsen alle adern in den wunden zusammen Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 216 ; weil mir ... die hirnschalen noch n…

zuwachsen

DWB

zuwachsen , v. die enge verbindung des zu mit dem verb noch nicht mhd., reicher und deutlich seit dem 17. jh. 1 1) im wachsthum sich verschl…

Ableitungen von wachsen (8 von 8)

bewachsen

DWB

bewachsen , nnl. bewassen. 1 1) intransitiv, obduci, vestiri: mit gras, mos, dornen, blumen bewachsen: der baum bewächst mit mos. Waldis Es.…

entwachsen

DWB

entwachsen , excedere crescendo, über etwas hinauswachsen, ihm entgehen, ihm zu grosz oder auch zu klein werden, decrescere. Diefenbach 168 …

erwachsen

DWB

erwachsen , crescere, adolescere, aufwachsen, ahd. irwahsan, alts. âwahsan, mhd. erwahsen. 1 1) von menschen und thieren: ir sît erwahsen dâ…

Erwachsene

GWB

Erwachsene vereinzelt mit Bewahrung des verbalen Sinns: der Herangewachsene; meist begriffl verfestigt für den ausgewachsenen, reifen Mensch…

gewachsen

DWB

gewachsen , verb. , verstärktes wachsen. die Hrabanisch Keronischen glossen führen neben crescit wahsit ( Steinmeyer-Sievers 1, 88 ) für con…

Mißwachsen

Campe

Mißwachsen , v. ntr . unregelm. ( s. Wachsen ) mit sein , Mittelw. d. verg. Z. mißgewachsen . 1) Fehlerhaft, häßlich wachsen. 2) Mangelhaft,…

verwachsen

DWB

verwachsen , v. , mhd. wb. 3, 463; Lexer 3, 292 ; mnd. vorwassen Schiller-Lübben 5, 498 ; in den älteren nhd. wb. sehr häufig, z. b. Frisius…

Verwachsene

GWB

Verwachsene [bisher nicht publizierter Wortartikel]